Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde De Sceuntmn Zeiuer uicen uene außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 zährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Ikustrierter Hamilienfreund" u. tögl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die biedengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen und auswöris 15 Pig., Reklamezetle 40 Pig. Jeder Raball gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Ricatbeachungs gemacht. Jaslungssestngung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Spr Schwerter Volksblatt Verbunden mit Schwerter Cageblatt O Schwerter Anzeiger Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Grites und ältestes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt ul. urie, und iehelpolzgrlichen Verers. nungen für den Kreis Hörde erlongen gemäß Bekonntmachung dei Königlichen Regierung durch Berötfentlichung in de:„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kroft— Die „Schwerter Zeilung“ gewährt ihren Adonnen. ten s0r jeden mit Tod endenden Unsall gebugungen: 300 Mk. Unsall. Druch u Verlag o. Corl Braus. Schwerte=Rude Fernsp 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Rude Nr. 29. Donnerslag, den 30. Januar 19•3. 45. Jahrg. Erstes Blatt. Deutscher Reichstag. Berlin, 29. Jan.(Tel.) Auf dem Präsidialplatz liegt aus Anlaß der seutigen 100. Sitzung ein Fliederstrauß. Das Haus sst gut besucht. Die Enteignung polnischer Grundbesitzer. Auf der Tagesordnung steht die Intervellation er Polen betreffs die Enteignung polnischer GrundKesitzer. Auf Befragen des Präsidenten Dr. Kämpf Staatssekretär Dr. Lisco: Die Interpellation tetrifft die Handhabung des preußischen Gesetzes vom #. März 1908 über die Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen, durch das dem Staate das Recht verhehen worden ist, Grundstücke zum Zweck der Anstedlungskommission zu enteignen. Den gleichen Gegenstand betraf eine Interpellation, die im Januar 1908 kurz vor Erlaß jenes Gesetzes zur Verhandlung stand. Damals ist von meinem Amtsvorgänger nachgewiesen worden, daß das Gesetz mit dem Geiste der Verfassung und mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch nicht in Widerspruch steht. Die Interpellation trifft noch heute zu.(Widerspruch.) Die Ausübung und Handhabung des Gesetzes ist jediglich Angelegenheit Preußens.(Widerspruch.) Die Interpellation liegt heute aus diesem Grund außerhalb der Kompetenz des Reichstages und der herr Reichskanzler läßt erklären, daß er deshalb die Beantwortung ablehnt.(Große Unruhe.) Die Regierungsvertreter verlassen Auf Antrag des Abg. v. Czarlinski(Pole) findet Besprechung der Interpellation statt. Dagegen stimmen die Konservativen, die partei, die Wirtschaftliche Vereinigung, die Nationalliberalen und die Mehrzahl der Freisinnigen. Abg. Seyda(Pole): Da die Enteignung tatsächlich angewendet worden ist, sind wir nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, den Gegenstand hier zu erörtern. Das Enteignungsgesetz ist„Schmach des 20. Jahrhunderts“ genannt worden. Mit der Auslegung des Begriffes„Enteignung zur Abrundung deutschen Besitzes“ wird das unglaublichste geleistet. Die Juristen, und die Minister sind ja auch Juristen, leisten das unglaublichste in der Gesetzesauslegung. Ein Jurist schrieb mir, die Herren leisteten Akrobatenstücke in der Auslegung der Gesetze. Sie schaffen gewerbsmäßig Unrecht.„„ 9. K 12 k. 9.. g. Präsident Dr. Kampf: Ich verstehe Ihre Erlegung, bitte Sie aber, sich zu mäßigen, auch in Zitaten.„ 92 Gm. Abg. Seyda fortfahrend: Von voller Entschädigung kann keine Rede sein, denn in solchen Fällen können nicht Millionen den Verlust der eigenen Scholle wieder gut machen und überdies sind die bezahlten Gelder weit niedriger als der Ankaufspreis. Wir sind der Ueberzeugung, daß das Enteignungsgesetz rechtsungültig ist, da es gegen Reichsgesetz und Reichsverfassung verstößt. 4 18 7 Abg. Wendel(Soz.): Die Regierung macht es sich sehr bequem. Der Reichskanzler schickt uns ein Stück Papier und einen Staatssekretär, die Regierung räumt darauf das Feld und verschwindet. Diese Haltung ist nicht geeignet, den Parlamentarismus in ein belleres Licht zu rücken. Wir haben eine boshafte Schadenfreude denn die Weltgeschichte stellt wieder einmal die Dinge auf den Kopf. Wir Umstürzler von Beruf müssen die Verfassung, schützen gegen die Staatsretter von Beruf, wir, die Internationalen, müssen die nationalen Rechte eines unterdrückten Staates schützen gegen die Bannertrager des nationalen Gedankens. Wir Feinde des Privateigentums müssen das Privateigentum verteidigen gegen seine abersanglischsten u hänger. Vir machen Front gegen diese Politik aus dem Gefühl von Recht und Grrechtigkeit heraus. Hier handelt es sich um die Ern alste Anwendung des brutalsten Ausnahmegesetzes, um eine eklatante Verfassungsverletzung. Der Reichskanzler Bethmann hätte den preußischen Ministerpräsidenten v. Hollweg an seine Pflicht mahnen sollen. In der französischen Revolution.(Glocke des Präsidenten. Schallendes Gelächter bei den Sozialdemokraten. Präsident Dr. Kampf: Wegen Ihrer Aeußerung, in der sie dem Reichskanzler eigene Vermessenheit vorgeworfen haben, muß ich Sie unterbrechen. Das ist nicht parlamentarisch.) Abg. Wendel fährt fort: Die Polenpolitik reiht sich würdig an die preußische Politik an, die die Arbeiterklassen Deutschlands rechtlos macht. (Bravo!) Es wird immer„Jedem das Seine" genommen.(Heiterkeit.) Friedrich der Große ist mitschuldig an den Verbrechen der Teilung Polens. (Glocke. Schallendes Gelächter bei den Soz. Präsident Dr. Kämpf schreitet gegen die Aeußerung ein, bleibt aber bei der großen Unruhe des Hauses unverständlich.) Hätte der Herr Präsident mich ausreden lassen, so hätte er gehört, daß dieses Wort gesprochen worden ist von einem Freiherrn v. Stein. (Schallendes Gelächter.) Das wird nicht anders werden, als bis sie in den Zustand der männlichen Hofhargen im Harem des Sultans versetzt werden. (Große H;“ k.st), N, esichts der großen Umwä Der Antrag, in dem dem Reichskanzler die Mißbilligung ausgesprochen werden soll, wird vom Zentrum, den Sozialdemokraten, dem Dänen Hanssen und dem freisinnigen Abgeordneten Fegter unterstützt. Auf Antrag des Abg. Dombeck(Pole) wird namentliche Abstimmung beschlossen. Diese findet später, jedenfalls erst morgen statt, Abg. Graf v. Praschma(Ztr.): Das Enteignungsgesetz kann beseitigt werden. Die Enteignung ist nie wieder gut zu machen. Es war falsch von dem Reichskanzler, sich auf das Formale zurückzuziehen. Die Rechtssicherheit und das Rechtsbewußtsein im Volke ist durch das Enteignungsgesetz auf das schärfste gefährdet. Es ist ein Spielen mit Feuer, wie es schlimmer nicht getan werden kann. Wir stimmen einmütig dem polnischen Antrag zu.(Beifall im Zentrum.). 11g gae### Abg. Schlee(Natl.): Es ist nicht richtig, daß das Enteignungsgesetz nur angewendet werden muß und wird gegen die Polen.(Lachen bei den Polen.) Die Polen würden bei umgekehrten Verhältnissen uns gegenüber genau so handeln.(Rufe: Niemals!) Das haben Sie in Westpreußen zu Zeiten des Königreichs Polen bewiesen.(Sehr gut!) Auch in Galizien haudeln Sie ebenso.(Sehr gut!) Die Polen haben in Preußen von jeher Unsicherheit gesät. Sie und die katholische Geistlichkeit. Daran ist nicht zu zweifeln. Abg. Graf v. Carmer=Zieserwitz(Kons.): Die Polen haben sich stets als erbitterte Feinde Preußens erwiesen. Diese Materie gehört nicht vor das Forum des Reichstages, sie ist Landessache. Es handelt sich hier um eine Frage des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Interessen zur Wahrung des Staatswohls. in Preußen.. E, Hall uubel bis Auf Antrag des Abg. Sieg(narl.) findet die namentliche Abstimmung morgen statt. Abg. Pachnicke(Fortschr. Volksp.): Unsere Bedenken gegen das Gesetz haben sich vollkommen bestätigt. Das Enteignungsgesetz trägt den Stampel der Schwäche an sich. Die Ansiedelungspolitik ist uns an sich sympathisch. Sie müßte sich aber auf alle Provinzen erstrecken. Die Beschwerden sind nicht an den Reichskanzler zu richten, sondern an den preußischen Landtag, das Zuständigkeitsverhältnis haben wir zu respektieren.(Lebhaftes Hört, hört! rechts. Lachen.) Deshalb enthalten wir uns bei der Abstimmung der Stimme.(Hört, hört!) Sachlich verwerfen wir die Regierungsmaßnahmen. Je eher das Gesetz gcändert wird, desto besser.(Beifall links, Lachen und Unruhe rechts.) Abg. Merten(Reichsp.): Nach dem eben gehürten Meisterstück der Diplomatie(Sehr gut! und Heiterkeit) ist es schwer, hier zu reden.(Erneute Heiterkeit.) Es handelt sich hier nicht um einen Willkürakt, sondern um die Ausführung eines bestehenden Gesetzes. Die Interpellation ist eine Demon##ration und dazu sollte sich der Reichstag nicht hergeben. (Sehr gut. Herr Wendel ist zweifellos ein witziger Mann. Diese Fülle von Witz dürfte aber wenig angebracht gewesen sein, denn auch den Interpellanten dürfte die Sache bitter ernst sein.(Lebhaftes Sehr gut!! Preußen ist verpflichtet, die Polenpolitik im Int esse der Seihstverwaltung weiter zu tri eine(natl.) wollte Spekulationspreise bei den zur Aufteilung sich eignenden Domänen vermieden wissen. Seine Partei halte an der bisher bewährten Wirtschaftspolitik fest. Abg. Delius(Vp.) wünschte, daß die Domänenpächter mehr Vieh halten. Besonders ungünstig lägen die Verhältnisse in der Provinz Sachsen, wo der Großgrundbesitz ständig zunehme. Abg. Arning(natl.) erbat besonders Wohlwollen für das Bad Rehburg. In der Provinz Hannover gebe es eine Anzahl von Domänen, die die Frage einer Aufteilung nahelegen. Abg. Leiner(Soz.) wünschte, daß die Seebäder der Allgemeinheit mehr zugänglich gemacht würden. Landwirtschaftsminister von Schorkemer erklärte, auf den Staatsdomänen würden durchschnittlich 1 Stück Großvieh und 2 Stück Kleinvieh auf je 10 Morgen gehalten. Seit 1902 seien 62 Domänen für Kolonisations= zwecke aufgeteilt worden. Nach kurzer weiterer Debatte wurde der Domänenetat erledigt. Donnerstag 11 Uhr: Forstetat, Seehandlung. Schluß nach halb 6 Uhr. —— Politische Uebersicht. Interesse der Selbswegbnllung weiger,au treiben. Abg. v. Morawski=Dzierzykraj(Pole): Das Vorgehen gegen den polnischen Grundbesitz ist nicht zu trennen vom Schicksal des preußischen Grundbesitzes. Die Junker sägen dabei den Ast ab, auf dem sie sitzen. Abg. Haussen(Däne): Wir stimmen dem polnischen Antraz zu, denn es handelt sich hier um eine Kritik der deutsch=preußischen Gewaltpolitik den fremden Nationalitäten gegenüber. Abg. Thumann(Elsaß=Lothr.): Wir haben lange genug unter Ausnahmegesetzen zu leiden gehabt, deshalb protestieren wir auch gegen Gewaltmaßnahmen, die in anderen Landesteilen ergriffen worNach weiterer Debatte schließt die Besprechung. — Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Namentliche Abstimmung und vorübergehende Zollerleichterung bei der Fleischeinfuhr.— Schluß nach 7 Uhr.— gen im Harem des Sultans versetzt werden. Ginge Heiterteit.) Angesichts der großen, umwälzungen im nahen Orient sollte sich die Regierung doch fragen, ob ihre Politik noch die richtige ist. EntIonung ist uns an und für sich das sympathischste Wort der deutschen Sprache.(Abg. Arendt: Entschädigung!) Darüber reden wir später. Diese Enteinnung ist aber nicht sozialistisch, sondern anarchistisch.(Sehr gut bei den Soz.) Preußischer Landtag. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Mittwoch zunächst die neulich begonnene zweite Lesung des Gestütsetats fort. Abg. Burchard (ks.) wünschte eine Erhöhung der Remontepreise, sonst gehe die ostpreußische Pferdezucht zugrunde. Landwirtschaftsminister Frhr. von Schorlemer versprach, mit dem Kriegsminister in Verbindung zu treten, damit die Remontepreise angemessen erhöht würden. Abg. Baerecke(ks.) trat der Auffassung näher, daß überall da, wo der Großgrundbesitz überwiege, die Domänen zur inneren Kolonisation mit herangezogen würden. Der Wagen der inneren Kolonisation müsse vorwärts gehen, aber mit Vorsicht; allerdings dürften ungeeignete Objekte entgegen, als ob die westpreußische Pferdezahl nicht bedeutend genug sei, um staatliche Aufwendungen für sie zu rechtfertigen. Nach weiterer unerheblicher Debatte wurde der Gestütsetat bewilligt. Bei der Beratung des Domänenetats ernärte sich Abg. Weissermel(ks.) damit einverstanden, daß die Domänen nicht aufgeteilt werden. Die Einstellung neuer Mittel in den Etat für die Ansiedlerwohnungen und für die Kultivierung der ostfriesischen Moore sei zu begrüßen. Abg. Der Kaiser besuchte am Mittwoch mit der Prinzessin Viktoria Luise in der Akademie der Künste die Gedächtnisausstellung für den Maler Hertel, den Bildhauer Lessing und den Architekten Wallot, den Erbauer des Reichstagsgebäudes. Später fuhr der Monarch beim Prinzen August Wilhelm vor, um seinem Sohne seine Glückwünsche zu dessen 26. Geburstage auszusprechen. Von einer besonderen Feier war wegen der Hoftrauer um den verstorbenen Erzherzog Rainer von Oesterreich abgesehen worden. Prinz Adalbert von Preußen hat sich von seiner Erkrankung an Masern und Lungenentzündung so weit erholt, daß er schon in der nächsten Woche das Bett verlassen dürfte. Den Ernst der Gegenwart betonte der deutsche Botschafter zu Paris, Freiherr v. Schön, in seinem Trinkspruch auf dem Festmahl der deutschen Kolonie, zum Geburtstage des Kaisers. Der Botschafter sprach von den bedrückenden Sorgen, die angesichts des fortlodernden Balkanbrandes auf den Völkern Europas lasten, sowie davon, daß die Welt in Waffen starre. So ungewöhnlich derartige Ausführungen aus festlichem Anlaß auch sein mögen, so gewiß wollte der Botschafter damit keinen kriegerischen Ton anschlagen. Und wenn einige Pariser Organe einen solchen gleichwohl herauszuhören vorgeben, so haben sie die Rede des Freiherrn v. Schön absichtlich mißverstehen wollen. Der Botschafter wollte nur recht deutlich den Wert der Friedensarbeit unseres Kaisers hervorheben, der es bisher gelungen ist, trotz aller bedrohlichen Zeichen Deutschland den Frieden mit Ehren zu erhalten. Der neue preußische Gesandte in Darmstadt, Freiherr v. d. Lanken=Wakenitz, der Nachfolger des zum Botschafter in Rom ernannten Freiherrn v. Rücker=Jenisch, wurde im Oktober 1867 auf Rügen geboren. Bevor er zur diplomatischen Laufbahn übertrat, war er Leutnant bei der Garde. Bisher war er als Sekretär bei den Botschaften in Paris, Rom, Madrid und zuletzt als Botschaftsrat in Paris tätig, wo er während der Marokkokrisis schätzbare Dienste geleistet hat. Die Budhetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses nahm einen Antrag Graf Spee (Zentr.) an, worin die Regierung ersucht wird, bei der sobald als möglich vorzulegenden Aenderung des Kommunalabgabengesetzes eine Aenderung der Veranlagung zur Grundwertsteuer vorzusehen. Die Ostmarkenzulage. In der Budgetkommission des Reichtages wurde die Ostmarkenzulage für Postbeamte wiederum abgelehnt, nachdem sie im März vorigen Jahres bereits gestrichen, dann aber im Mai beschlossen worden war, den Beamten die Zulage noch bis zum Ablauf des Jahres 1912 zu gewähren. Vom 1. Januar d. J. ab verringert sich das Einkommen der Postbeamten in der Provinz Posen und den gemischtsprachigen Teilen der Provinz Westpreußen also um die den zehnten Teil des Gehaltes betragende Zulage, welche die preußischen Beamten in jenen Gebieten weiter beziehen. Die Ablehnung erfolgte durch Zentrum, Polen und Sozialdemokraten, obwohl Staatssekretät Krätke lebhaft für die Fortzahlung der Zulage eintrat, auf die mehr als 60000 Beamte angewiesen seien. Einem Zentrumsantrag, allen Postbeamten Kinderzulagen zu gewähren, trat der Schatzsekretät mit dem Bemerken entgegen, daß dann auch die übrigen Beamten diese Zulage fordern würden. Die Erbausallsteuer kommt wieder. Wenigstens können die„Münch. N. N.“ versichern, daß in der geplanten, von verschiedenen Bundesstaaten allerdings bekämpften Vermögenssteuer die Erbschaftssteuer in der Form einen Erbansallsteuer enthalten ist. Das genannte Blatt zieht daraus den Schluß, daß die Meldungen von dem bevorstehenden Rücktritt des Schatzsekretärs Kuhn, soweit sie sich auf die Voraussetzung stützen, daß die von ihm befürwortete Erbschaftssteuer keine Aussichten auf Verwirklichung hat, der Begründung entbehren. was anderes wäre es, wenn man zur Decung der neuen Militärvorlage in das alte System der Pumpwirtschaft zurückfallen wollte. Das würde der Schatzsekretär nicht mitmachen, sondern in diesem Falle seinen Abschied nehmen. Nach einer anderweitigen Meldung liegt jedoch auch diese Gefahr nicht vor; es werden vielmehr gleichzeitig mit der Militärvorlage dem Reichstage positwve Deckungsvorschläge unterbreitet werden. Frankreich. Rücktritt Briands. Der neue französische Ministerpräsident Aristide Briand wird nur den 18. Febraur, den Tag des Amtsantritts des Herrn Poincarte, abwarten und dann seine Entlassung nehmen. Trotz der mit erdrückender Mehrheit ausgesprochenen Vertrauenskundgebung haben ihm die Nadelstiche und Keulenschläge, welche die Redner der gegnerischen Parteien in der Kammer gegen ihn ausführten, bewiesen, daß seine zweite Ministerpräsidentschaft dornenvoll und in jedem Falle nur kurz sein würde. Er zog es daher vor, sich auf seine Gesundheit zu besinnen, die ihm acht Tage vorher noch keinerlei Sorge bereitete. Es ist charakteristisch, daß der neue Präsident der Republik Poincaree sich vor begeisterten Ovationen kaum zu retten weiß, während sein vertrautester Freund und politischer Gesinnungsgenosse Briand sich schon nach vier Wochen zum Scheiden gezwungen zu sehen glaubt. Sollte sich auch die Begeisterung für Herrn Poincaree nur als ein flüchtiges Strohfeuer herausstellen? Die neuen französischen Flottenbauten. Die beiden französischen Dreadnoughts, der 23.000 Tonnen Panzerkreuzer„Jon Bart“ und der„Courbet“ werden im Laufe des April armiert werden und können bereits in den Sommermonaten mit ihren 20—30 Zentimeter und 44—54 Zentimetergeschützen die französische Flotte verstärken. Das aus Militär= und Marinekreisen gut informierte„Echo de Paris“ schlägt vor, einen dieser Dreadnoughts in den französischen Flottenverband einzureihen. Er soll an die Spitze des 2. Geschwaders treten. Der 2. Dreadnought soll als Flaggschiff des Oberstkommandierenden der französischen Flotte keinem Geschwader angehören. Nach Fertigstellung der beiden weiteren Dreadnoughts„Paris“, und „France“ im Jahre 1914 könnten dann die vier gleichartigen 23.000 Tonnen Panzerkreuzer zu nem Geschwader vereinigt werden. England. Die Zurückziehung der Wahkrechtsvorlage im englischen Unterhause hat in London und anderen englischen Orten Kundgebungen der Frauenrecht= lerinnen in dem befürchteten Umsange nicht gebracht, wenngleich es an Zusammenstößen nicht gefehlt hat. In der Umgebung des Unterhauses hatte man aber vorsichtigerweise 2000 Polizisten aufgestellt und außerdem Vorsorge getrossen, im Bedarfsfalle noch mehr Polizei heranzuziehen. Zur Abwechselung hatten sich die Suffragetten dieses Mal große Kuhglocken umgehängt. Sobald sie durch kräftiges Läuten einen Kreis Neugieriger um sich versammelt hatten, begannen sie Ansprachen zu halten. Mehrere Rednerinnen, die das polizeiliche Verbot, zu schweigen und weiterzuge Seite 2. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Donnerstag, den 30. Januar. Nr. 25. hen, nicht befolgten, wurden verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich auch die Führerin Despart. Eine TTochter der Suffragettenführerin Pankhurst warf abends nach der Parlamentssitzung einen in ein Taschentuch gehüllten Stein gegen eines der historischen Gemälde in der Vorhalle des Unterhausgebäudes und wurde verhaftet, obwohl sie keinen Schaden angerichtet hatte. Die Ladenbesitzer in der Nähe des Parlamentsgebäudes hatten die großen Spiegelscheiben ihrer Geschäfte vorsichtshalber mit Bretter vernagelt. Italien. Italienische Truppen im Kampf mit arabischen Näuberbanden. Eine Bande Viehdiebe, die in der Oase Gerid auf Raub ausgegangen war, wurde von der italienischen Reiterbrigade Lucca verfolgt. Drei Araber wurden getötet. Den Räubern wurde die lebende Beute abgejagt. Auf der Rückkehr stieß die Brigade mit einer zweiten Räuberbande zusammen, mit der sie ebenfalls handgemein wurde. Sieben Araber wurden insgesamt getötet. Auf Seiten der Italiener wurde ein Reiter schwer verletzt. Marokko. Die Kämpfe der Franzosen in Marokko haben soeben mit der Erstürmung der Anflus=Kasbah, bei der 500 Marokkaner tot auf dem Platze geblieben sein sollen, ihren Höhepunkt erreicht. Die Franzosen verloren im ganzen neun Tote und 45 Verwundete. Die Kasbah wurde mittels acht Zentnern Dynamit in die Luft gesprengt. —— Aus Stadt und Umgebung. Die Antwatzung in der Turkel. ** Schwerte, 30. Januar 1913. **(Versteuerung der Mietverträge.) Wir weisen darauf hin, daß die im Kalenderjahre 1912 in Geltung gewesenen mündlichen und schriftlichen Miet= und Pachtverträge, soweit der jährliche Mietzins 360 Mart— bei landwirtschaftlich benutzten Grundstücken 300 Mark— übersteigt, spätestens bis zum 31. dieses Monats, also bis Freitag abend dieser Woche, versteuert sein müssen. Wer nach diesem Tage Mietverzeichnisse für das Kalenderjahr 1912 zur Versteuerung vorlegt, muß nach den gesetzlichen Bestimmungen bestraft werden. Als Strafe lann ein Betrag bis zu 300 Mark festgesetzt werden. Diejenigen Personen, welche sich vor Strafe und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten schützen wollen, werden gut tun, die vorgeschriebenen Formulare bei Herrn Bedué(Büro Rechtsanwalt Thoholte) anzufordern. **(Eine Ziede unserer Wälder), die Stechpalme, im Volksmunde auch Hülsebusch genannt, verschwindet immer mehr, weil man seine immergrünen glänzenden Zweige unverständig genug abreißt, um sie zu Schmuckzwecken zu verwenden. Wie aus Iserlohn gemeldet wird, beabsichtigt die dortige städtische Forstverwaltung, unnachsichtlich gegen derartigen Vandalismus einzuschreiten. **(Lebhafte Klagen über die Beschaffenheit der Briefmarken) sind in kaufmännischen Kreisen in letzter Zeit laut geworden. Seit etwa 3 Monaten werden seitens der Reichspost Briefmarkenbogen ausgegeben, die von ganz dünnem Papier hergestellt sind, auch die Gummierung der neuen Markenbogen läßt zu wünschen übrig. Die einzelnen Marken, namentlich die geringeren Sorten, sind auf so dünnem Papier hergestellt, daß die einzelnen Marken zusammenrollen. Die Reichspostverwaltung hat sich zu dieser Maßnahme bewogen gefühlt, um auch auf diesem Gebiete weitere Ersparnisse zu erzielen. **(Dürfen Schulkinder wegen Versäumnis des Gottesdienstes gezüchtigt werden?) Die Zentralauskunftsstelle der katholischen Presse schreibt: Die Frage, ob Schulkinder wegen Versäumnis des Gottesdienstes gezüchtigt werden dürfen, wurde durch die Strafkammer des Landgerichts Mainz dieser Tage verneint. Ein katholischer Pfarrer hatte drei Mädchen im Alter von 9 bis 11 Jahren mit einem Rohrstock gezüchtigt, weil sie den Gottesdienst versäumt hatten. Da ein Arzt eine Ueberschreitung des Züchtigungsrechts als vorliegend erachtete und Striemen auf dem Rücken eines der Kinder feststellte, wurde der Geistliche zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Begründung des Urteils heißt es, dem Geistlichen stehe ein Züchtigungsrecht wegen Versäumnis des Gottesdienstes überhaupt nicht zu. *e(Einen Fluchtversuch) unternahm gestern der Arbeiter K., der bekanntlich unter der Anklage steht, den Einbruch in die Schwerdt'sche Fabrik ausgeführt zu haben und sich im Gerichtsgefängnis in Untersuchungshaft befindet. K. sollte zum Verhör vorgeführt werden und benutzte bei dieser Gelegenheit einen günstigen Augenblick, schleunigst Reißaus zu nehmen. Sofort begann eine wilde Jagd hinter dem Burschen her und an der Ziethenstraße gelang es, ihn wieder einzufangen. Eine zweite Gelegenheit wird er wohl so leicht nicht wieder finden. *(Einheitliche Briefformate.) Die glatte Abwickelung des Briefverkehrs wird durch die übergroße Verschiedenheit der Briefformate, den Mangel an Gleichmäßigkeit im Aufkleben der Freimar= ken und die oft geringe Uebersichtlichkeit der Aufschrift erheblich beeinträchtigt. Der Briefverkehr würde wesentlich erleichtert werden: 1. durch Verminderung der Zahl der Briefformate und namentlich durch Beseitigung der ganz kleinen Formate sowie durch möglichst allgemeine Verwendung von Umschlägen in kleinem Quartformat, wie solche für Geschäftsbriefe schon üblich sind, Größe etwa 12 zu 15 Zentimeter, 2. durch Vordruck von Markenfeldern auf den Umschlägen, 3. durch Beschränkung des Firmenaufdrucks auf die obere linke Ecke oder noch Die Verhandlungen abgebrochen! : London, 29. Jan. Gestern nachmittag überreichten die Balkanverbündeten den türkischen Delegierten eine Note, in welcher die Verhandlungen für abgebrochen erklärt werden. Der Wortlaut der Note. London, 30. Jan. Die gestern nachmittag von dem serbischen Geschäftsträger in London, Herrn Gruitsch im Namen der Balkandelegierten dem Chefdelegierten der Türkei, Reschid Pascha, überreichte Note hat folgenden Wortlaut:„Da die Bevollmächtigten der verbündeten Staaten seit der Suspension der Arbeiten der Friedenskonferenz vergeblich während dreier Wochen auf eine Antwort der ottomanischen Bevollmächtigten auf ihre letzte Forderung gewartet haben und da, wie es scheint, die Ereignisse in Konstantinopel die Hoffnung beseitigen, zu einem Friedensschluß zu gelangen, sehen sie sich zu ihrem großen Bedauern gezwungen, zu erklären, daß die am 16. Dezember vorigen Jahres in London angetnüften Verhandlungen am 28. Januar 1913 in London abgebrochen werden.“ Die Urkunde trägt als erste Unterschrift die des bulgarischen Delegationschefs Danew. Der türkische Delegierte Reschid Pascha nahm diese Mitteilung mit dem Bemerken entgegen, er werde seine Regierung davon in Kenntnis setzen. Damit war die Zusammenkunft, die nur wenige Minuten dauerte, zu Ende. Die serbischen Delegierten begaben sich darauf ins Auswärtige Amt und überreichten dem Ehrenpräsidenten der nunmehr verflossenen Friedenskonferenz, Sir Edward Grey, eine Abschrift der Note. Neue Botschafterkonferenz. London, 30. Jan. Die Botschafter traten gestern nachmittag zu einer Besprechung zusammen. Wie versichert wird, erörterten sie die albanische Frage, sowie die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme, die sich aus dem Uebergang türkischen Gebietes an die Verbündeten infolge des Krieges ergeben. Mahmud Schewkets Appell an die Großmächte. London, 30. Jan.„Was werden wir bekommen, Krieg oder Frieden?“, fragte der Konstantinopeler Berichterstatter des„Daily Telegraph“ den Großwesir Mahmud Schewket.„Ich hoffe, den Frieden, wenn Europa den Frieden für uns annehmbar macht. Wir wollen nicht noch einmal das Schwert ziehen. Wir werden dies erst dann gezwungen tun, wenn wir vor die Wahl gestellt werden, entweder nachzugeben, oder die Achtung der Mohammedaner zu verlieren. Die Spaltung im türkischen Heere. Konstantinopel, 30. Jan. Vom Tschataldschaheer ist nur das erste Armeekorps dem Komitee treu; das zweite Korps ist gespalten, das dritte bei Derkos ist entschieden komiteefeindlich. In den letzten Tagen kamen in Konstantinopel fast 300 Verwundete an. Sie bestätigen die blutigen Kämpfe unGr5 ter den feindlichen Armeeparteien. Das dritte Armeekorps sandte an den Großwesir Schewket Pascha eine Proklamation, in der die Ausstoßung Enver Beys und seiner Genossen aus der Armee verlangt wird. Das Armeekorps werde erst kämpsen, wenn es Genugtuung für die Ermordung Nazim Paschas erhalten habe, der das Korps bei Derkos zum Siege führte und Tschataldscha gerettet habe. Enver Bey, der sich nach der Tschataldschalinie begab, um die aufgeregten Gemüter zu beschwichtigen, wurde von einigen Generalen bedeutet, daß er seinen Ruhm durch einen Mord befleckt habe und daß er verhaftet werden würde, wenn er nicht sofort wieder abreise. Enver Bey kehrte darauf unverzüglich nach Konstantinopel zurück. Türkisch=griechisches Gefecht. . Konstantinopel, 30. Jan. Der Kommandeur der türkischen Westarmee telegraphiert, südlich von Janina sei es zu einem Zusammenstoß mit den Griechen gekommen, die geschlagen wurden. Zwei griechische Bataillone gerieten bei Lekiraga in einen Hinterhalt. 600 Mann wurden getötet, die übrigen entflohen. Die Zukunft Skutaris. Petersburg, 30. Jan. Das hier viel besprochene plötzliche Eintreffen des russischen Militäragenten aus Cetinje in Petersburg hängt, wie jetzt bekannt wird, mit einem wichtigen militärischen Auftrage des Königs Nikita hinsichtlich Skutaris zusammen. Wie verlautet, beharren die russischen Diplomaten nicht auf eine Uebergabe an Montemegro. Die türkische Antwortnote. Das neue türkische Kabinett kommt mit der Antwort auf die Kollektivnote der Mächte schwer ins Reine. Die Antwort ist jetzt im Entwurf fertig, soll aber nochmals durchgeprüft werden. Aus Konstantinopel wird berichtet: Der Entwurf der Antwortnote der Pforte ist am Dienstag ins Französische übersetzt worden. Wie es heißt, erklärte die Pforte in diesem Entwurf, der wahrscheinlich nochmals vom Ministerrat geprüft werden wird, daß sie die von den ottomanischen Bevollmächtigten in der Sitzung vom 3. Januar bereits gemachten Zugeständnisse aufrechterhalte, also, was das Wilajet Adrianopel anbetrifft, eine Grenzlinie, die der alten Grenze bis zum Flusse Arda folgt, dessen Laufe sie bis zur Einmündung des Sögüdlü Tschai folgen wird, um, Güdürdjina östlich liegen lassend, am See Buru Göl zu enden. Ihre Rechte auf die Inseln halte die Pforte aufrecht.— Die Zugeständnisse, die die alte türkische Regierung am 3. Januar machte und die von den Balkanstaaten als vollkommen unzureichend bezeichnet wurden, erstreckten sich nicht auf Adrianopel, sondern verlegten nur die anfangs von der Türkei zugestandene Grenzveränderung etwas weiter nach rückwärts. Ob sich die jungtürkische Regierung wirklich im Rahmen dieser bereits einmal zurückgewiesenen Bedingungen hält, muß sich nun ja bald zeigen. Eingeborene, wie es bereits für Südwestafrika besteht. Am Mittwoch früh wurde die Versammlung durch eine Andacht des Herrn Pastor Köhler=Bielefelz eröffnet. Nach kurzer geschäftlicher Sitzung hielt sodann Herr Pastor Oestreicher, Dozent an der theol. Schule Bethel, einen äußerst lehrreichen Vortrag über„Die zukünftige Auseinandersetzung des Islam mit dem Christentum.“ Auf Grund seiner Reiseerfahrungen in Aegypten führte er folgendes aus: Orient und Occident treten sich in der Gegenwart, einander nahe gebracht durch den wirt. schaftlichen Verkehr, zu einem gewaltigen Ringen gegenüber. Unter Englands Verwaltung hat euro. päische Bildung im Lande erst langsam, dann aber schneller sich verbreitet. Sogar Feinde des Christen. tums sehen sich genötigt, englische Kultur kennen zu lernen. Nun meinen manche Leute, daß unsere Kultur ohne Christentum in den Orient gebracht werden könne, der Islam höchstens einer kleinen Reform bedürfe. Aber wird der Orient nicht missioniert, so ist er uns nicht nur verloren, sondern wird zur Gefahr. Hat der Orient auch eine niedere Kultur, so kann ein moderner Mohammedanismus die nationalistischen Strömungen erfassen und dem Christentum entfremden. Daher muß das Evangelium in den Orient hineingetragen werden. Diese Mission begegnet großen Schwierigkeiten, da der Koran ein Zerrbild vom Christentum zeichnet, und auch die dortigen Vertreter des Christentums, die Kopten, nur abstoßend wirken. Da gibt es, die Liebe Christi den Leuten fühlbar nahe zu bringen, zum Beispiel durch ärztliche Mission und durch das ganze Verhalten der Missionare. Andere Missionsmittel sind die Schultätigkeit und die Arbeit an der Frauenwelt. Mit diesem hochinteressanten Vortrage hatte die eigentliche Konferenz ihr Ende erreicht. Es folgten dann noch die Jahresversammlung der Märkischen Missionsgesellschaft, in der Herr Missionsdirektor Spieker=Barmen sich eingehend über „Aufgaben und Probleme der Mission in Südafrika“ aussprach, und eine Sitzung des Missionslehrerbundes, in der Herr Missionsinspektor Schlunk=Hamburg in fesselnder Weise über das „Schulwesen in Togo“ sprach. Allen Vorträgen schlossen sich lebhafte Diskussionen an, die besonders do durch sehr fruchtbar waren, daß die meisten Herren aus eigener Erfahrung heraus sprechen konnten.— Den Schluß in der Reihe der Vorträge bildete ein mehr volkstümlich gehaltenes Referat des Herrn Missionsinspektors Held=Bethel über das Thema„Auf der Landstraße in Deutsch=Ostafrika.“ Kurz nach 9 Uhr abends hatten die anregenden und fördernden Sitzungen der diesjährigen Westfälischen Missionskonferenz ihr Ende erreicht. Nr. 2 Westfalen und Rheinland. besser auf die linke Seite des Umschlags, 4. durch Vordruck eines starken Striches für den Bestimmungsort unten rechts. *“(Einen guten Fang) machte gestern der Polizeisergeant Risch. Von Iserlohn war die Meldung eingetroffen, daß der Arb. Schulten unter Mitnahme des Koffers seines Zimmerkollegen verschwunden sei und sich anscheinend mit der Eisenbahn nach hier begeben habe. R. machte sich auf die Suche und schon auf der Bahnhosstraße konnte er des Spitzbuben habhaft werden. Der Dieb wurde ins Gerichtsgefängnis eingeliefert.— Weiter erfolgte gestern die Festnahme des Arbeiters Winkels wegen Landstreicherei. **(Deutschlands Volksbildung.) An Deutschlands wirtschaftlichem Aufschwung ist wesentlich mit Schuld die systematische Hebung seiner Volksbildung; Volksbildung und wirtschaftlicher Fortschritt ergänzen sich. Die Ausgaben für Bildungszwecke betragen in Deutschland nicht weniger als diejenigen für die Landesverteidigung. Analphabeten, also solche Leute, die weder schreiben noch lesen können, gibt es in Deutschland kaum. Auf 1000 Rekruten kamen in Deutschland(1908) Analphabeten 0,2, in Großbritannien und Irland(1903/04) 10, Frankreich(1907) 32, Italien(1905) 306, Dänemark(1907) 2, Niederlande(1909) 10. Der Fortschritt in der Fortentwickelung unserer Volksbildung kommt vor allem auch in den Ziffern über die Volksschulen zum Ausdruck. Die Zahl der letzteren betrug 1871 33130, 1911 dagegen 38 684. Die Zahl der Schulkinder stieg von 3900 655 im Jahre 1871 auf nicht weniger als 6 572074 im Jahre 1911 an. Während die Ziffer der beschäftigten Lehrer sich 1871 auf 47 059 belief, vermehrte sie sich für 1911 auf 151 202. Auf eine Schule kamen 1871 1,42 Lehrer, 1911 dagegen 3,91; auf einen Lehrer kamen Schulkinder 1871 82,9, 1911 43,5. Gerade die letzten Ziffern dokumentieren deutlich die Vervollkommnung unseres Volksschulwesens. Oeffentliche Hochschulen gibt es zurzeit in Deutschland 83, die im Wintersemester 1911/12 von nicht weniger als 103 650 Studenten und Hörern besucht wurden, darunter vielen Ausländern. 3. westf. Missionskonferenz. Am 21. und 22. Januar dieses Jahres tagte in Hamm die 3. Westfälische Missionskonferenz. Die Reihe der außerordentlich interessanten Versammlungen wurde eröffnet durch die Sitzung des Vereins für ärztliche Mission. Herr Dr. Eich, Missionsarzt in Tungkun(China), hielt einen Vortrag über das Thema:„Was fordert die neue Zeit in China von der ärztlichen Mission?" Die neue Zeit in China, so führte Redner in fesselnder Weise aus, hat großes Verlangen nach den geistigen Gütern Europas; nicht zuletzt nach europäischer Krankenbehandlung. Besonders zur chirurgischen Tätigkeit der Europäer hat der Chinese großes Vertrauen. Deutsche Missionsärzte sind nur 45, gegen 400 bis 500 englische, dort. Da ist es denn dringend notwendig, daß einerseits Missionsärzte, die auch spezialärztliche Kurse durchgemacht haben, hinausgesandt werden, andererseits auch MissionsMedizin=Hochschulen zur Ausbildung einheimischer Aerzte errichtet werden.— Nachmittags fand die erste allgemeine Versammlung statt, in der Herr Großkaufmann Freese=Bremen über„Die wirtschaftliche Bedeutung der Mission für unsere Kolonien“ sprach. Redner ging aus von der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Kolonien für unser Vaterland, die besonders durch Dernburgs Verkehrsund Eingeborenenpolitik bedeutend gefördert sei. Während früher die Eingeborenen abgeschlossen für sich lebten, brachte die Berührung mit europäischer Kultur für die Neger die Notwendigkeit, ein größeres Maß von Arbeit zu leisten. Im Anschluß an die sachkundigen Ausführungen wurder; einstimmig folgende Resolution angenommen: ** Ergste, 29. Jan.(Der Turnverein), Mitglied der deutschen Turnerschaft, hat zur Feier des Geburtstages des Kaisers für Sonntag abend eine hübsche Festlichkeit im Lokale der Witwe KageBeckmann vorbereitet. Es ist für die Feier ein abwechselungsreiches Programm aufgestellt, sodaß den Gästen recht vergnügte Stunden bevorstehen. (Siehe Inserat.) 1. Die 3. Westfälische Missionskonferenz erklärt die Schultätigkeit der Mission für die kulturelle Entwickelung unserer Kolonien als unentbehrlich. Sie fordert daher in Uebereinstimmung mit den Verhandlungen des 2. und 3. deutschen Kolonial= kongresses, daß die deutsche Reichsregierung die Schultätigkeit der Mission ontsprechend ihren Leistungen unterstützt und die Beihülfe nicht, wie bisher, ausschließlich von der Verbreitung der deutschen Sprache abhängig macht. Sie bittet, daß nicht durch Regierungsschulen dem Islam Vorschub gelei. stet werde. 2. Die 3. Westfälische Missionskonferenz erklärt in Ansehung der verderblichen Wirkung des Branntweingenusses auf die Eingeborenen den Branntweinhandel in den deutschen Kolonien für schädlich und entbehrlich und fordert deshalb ein gänzliches Verbot des Branntweinverkaufs an Hagen, 29. Jan.(Schwurgerichtssta tistik.) In der ersten diesjährigen Schwurgerichtsperiode, die 2 Wochen dauerte, kamen an den Sitzungstagen 14 Anklagesachen zur Verhandlung. und zwar gegen 21 Angeklagte, sämtlich männlichen Geschlechts. An Strafen wurden verhängt gegen 18 Angeklagte 15 Jahre 3 Monate Gefängnis und 5 Jahre Zuchthaus, während 3 Angeklagte freigesprochen wurden. Die Straftaten waren: Amtsunterschlagung in 4 Fällen, Konkursvergehen, Straßenraub und Sittlichkeitsverbrechen in je 2 Fällen und Meineid, Brandstiftung, Körperverletzung mit Tedeserfolg und Unterschlagung in je 1 Falle. Die Orte, an denen die Straftaten begangen sind, waren in 4 Fällen Hagen und in je einem Falle Altenvoerde, Iserlohn. Schwerte, Haßlinghausen, Menden, Altena, Hemer, Meinerzhagen, Plettenberg und Lüdenscheid. * Iserlohn, 29. Jan.(Veteranen=Unterstützung.) Anläßlich des Kaisergeburtstages hat unsere Armenverwaltung aus den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln einmalige außerordentliche Unterstützungen in Höhe von 600 Mark an bedürftige Feldzugsteilnehmer verteilen lassen. Diese Zuwendung ist bei den heutigen teuren Zeiten von den Veteranen angenehm empfunden worden. * Arnsberg, 29. Jan.(Ein„Böller". Prozeß.) Vor dem hiesigen Schöffengericht klagte gestern der Amtmann Cläsgens=Sundern gegen den Vikar Schiller wegen Beleidigung in mehreren Zeitungsartikeln. Der Vikar hatte wegen einer von Amtmann Cläsgens eingereichten Beschwerdeschrift Widerklage erhoben. Das Urteil lautete auf Abweisung der Klage und der Widerklage, da beide Parteien in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hätten.— Es handelt sich um Vorgänge, die sich anläßlich der bekannten Prozessionsaffäre in Sundern abgespielt haben. * Gelsenkirchen, 29. Jan.(Mord aus Nache.) Auf der Bismarckstraße fanden zur Schicht gehende Arbeiter die Leiche des 22jährigen Bergmanns August Preßling, der durch Messerstiche um Leben gebracht worden war. Der Kriminalpolizel gelang es, den Täter noch im Laufe des Tages zu verhaften. Der Mörder hat offenbar aus Nache gehandelt. Es war ihm von Preßling vor längerer Zeit vorgeworfen worden, daß er ihm einen Geldbetrag gestohlen habe. * Hamborn, 29. Jan.(Einer Starkstromleitung) von 1000 Volt kam im Betriebe der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser“ der Arbeiter Wenmann aus Holten zu nahe. Der Mann war sofort tot. * Bonn, 29. Jan.(Todessturz.) Der 78 Jahre alte Rentner Becker stürzte aus dem Fenstet seiner im dritten Stock befindlichen Wohnung auf die Straße. Er war sofort tot. Der asthmatische Eine kn veröffentlich sichkeit wen tung ihr Jagow hat nunmehr u der Auswä muß si# Reichskanz! die Fäden darf es für ten der Maro lungen ha kommt, ei Posten zu hat Herr helmstraße war er nit hin macht, beit widm ten ihm bedarf es so unruhig zu steuern bergen m sich aus wird, selb ollte, no schäftigen Karten e angekünd Wege wä verständi rade Deu glgreche: große wi lich preis Dinge a1 Schwieri tgar ein Sollten der Erfol so würd rien erge sein köni denen H hinwiede letzen ur Entente derben muß D wäre sel nutzen, ren per dazu sei steht es für die ben bev wird, letzten sagen; versteht sichtige sekretär ling au Erfahr: Politik ist nach Reiner sra Sti 103 Nr. 25. r Südwestafrika be. Versammlung durch or Köhler=Bieleseld licher Sitzung hielt er, Dozent an der erst lehrreichen Vorseinandersetzung des Auf Grund seiner führte er folgendes eten sich in der Gecht durch den wirt. gewaltigen Ringen erwaltung hat euro. langsam, dann aber Feinde des Christen. che Kultur kennen zu Leute, daß unsere den Orient gebracht chstens einer kleinen der Orient nicht misur verloren, sondern rient auch eine niederner MohammedaStrömungen erfassen den. Daher muß das hineingetragen wergroßen Schwierigkei. ild vom Christentum Vertreter des Chrisstoßend wirken. Da Leuten fühlbar nahe irch ärztliche Mission der Missionare. AnSchultätigkeit und die nten Vortrage hatte r Ende erreicht. Es resversammlung der t, in der Herr Missisich eingehend über er Mission in SüdSitzung des Missions= er Missionsinspektor er Weise über das ch. 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Eine kurze amtliche Notiz, welche dieser Tage geröffentlicht wurde, hat in der weiteren Oeffentsichkeit wenig Beachtung gefunden, so große Bedeuihr an und für sich inne wohnt: Herr von Jagow hat die Geschäfte des Auswärtigen Amtes unmehr übernommen. Gewiß hängt die Leitung der Auswärtigen Politik nicht von ihm allein ab, muß sich stets in Uebereinstimmung mit dem Reichskanzler befinden, und am letzten Ende lausen Fäden beim Kaiser zusammen. Gleichwohl bedars es für diesen Posten einer gewandten, geschickten Persönlichkeit, und beispielsweise der Verlauf der Marokkoaffäre mit ihren Berliner Verhandlungen hat deutlich gezeigt, wie viel darauf ankommt, einen erstklassigen Diplomaten mit diesem Posten zu betrauen. In ungemein schwieriger Zeit dat Herr von Jagow seinen Einzug in der Wilhelmstraße gehalten; in seiner bisherigen Tätigkeit war er nicht der Mann, der viel Wesens nach außen hin macht, sondern sich stiller aber zielbewußter Arheit widmet. Hoffentlich bleiben diese Eigenschaften ihm auch im neuen Amte treu, und vor allem bedarf es wirklich einer festen Hand, um in einer so unruhigen Zeit das Schiff heil durch alle Klippen zu steuern. Ringsherum regts sich, die Balkanwirren bergen mancherlei schwer zu lösende Probleme, die sich aus ihnen entwickeln können; die Orientfrage wird, selbst wenn es wirklich zum Frieden kommen sollte, noch für längere Zeit die Diplomatie beschäftigen, und man hat wohl an der Seine die Karten ein bischen zu früh aufgedeckt, wenn dort angekündigt wurde, daß die Ententemächte auf dem Wege wären, sich untereinander über Kleinasien zu verständigen. Sollte das der Fall sein, so hätte gerade Deutschland hier ein gewichtiges Wörtlein mitzusprechen, denn wir haben in jenen Gegenden große wirtschaftliche Interessen, die wir unmöglich preisgeben können. Auch die Entwickelung der Dinge auf dem Balkan selbst kann noch mancherlei Schwierigkeiten im Gefolge haben, möglicherweise tgar eine völlig veränderte Weltlage herbeiführen. Sollten die Feindseligkeiten wieder beginnen und der Erfolg wie bisher den Verbündeten günstig sein, so würde sich daraus ein ungemein starkes Bulgarien ergeben, das nimmermehr im Sinne Rußlands sein könnte, das ja selber nach dem Besitze am Goldenen Horn strebt. Ein russisches Vorgehen würde hinwiederum gewichtige englische Interessen verletzen und so wäre es nicht ausgeschlossen, daß die Entente durch eine derartige Entwickelung einen derben Riß bekäme. Bei einer solchen Sachlage muß Deutschland sehr geschickt lavieren und es wäre sehr wohl möglich die Gelegenheit auszunutzen, wenn man einigermaßen geschickt zu operieren verstände. Ob Herr von Jagow der Mann dazu sein wird, muß sich erst noch zeigen, jedenfalls steht es aber außer Frage, daß unserer Diplomatie für die nächste Zeit schwierige und wichtige Ausgaben bevorstehen. Ob sie dem wirklich gewachsen sein wird, läßt sich nach vielfachen Erfahrungen der letzten Jahre nicht immer mit Sicherheit voraussagen; viel kommt dabei auch darauf an, ob man versteht, von der Zentrale aus die entsprechenden richtigen Instruktionen zu geben. Der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ist ja kein Neuling auf diplomatischem Boden, hoffentlich genügen Erfahrungen und Umsicht, um unserer auswärtigen Politik einen belebenden Hauch einzuflößen. —— Der älteste Habsburger ist nach dem Tode des 86jährigen Erzherzogs Reiner nunmehr der greise Kaiser Franz Oes. 4 Donnerstag, 30. Januar 1913 Amlliches Kreisblaft, selbst, der am 18. August d. Is. 88 Jahre alt wird; das älteste Mitglied des österreichischen Kaiserhauses bleibt dagegen die Witwe des nach 2bstündigem Todeskampfe verstorbenen Erzherzogs Rainer, die Erzherzogin Maria Karolina, die im September ihr 88. Lebensjahr vollendet. Die Witwe des Erzherzogs Franz von Oesterreich=Este, die Erzherzogin Adelgunde, die aber eine bayrische Prinzessin, eine Schwester des verstorbenen Prinzregenten Luitpold ist, wird am 19. März sogar 90 Jahre alt. Mit dem Erzherzog Rainer hat Kaiser Wilhelm einen lieben Freund verloren, mit dem er bei jedem Besuche in Wien eine Stunde verplauderte; seiner Freundschaft mit dem kunstliebenden Erzherzog, der einmal von sich scherzhaft sagte, daß er 10000 Vereine zu protegieren habe, gab der Kaiser in dem Beileidstelegramm an die Witwe herzlichen Ausdruck. Da der Verstorbene Chef des rheinischen Füsilierregiments Nr. 39 war, werden die Offiziere dieses Regiments Trauer anlegen und eine Abordnung an der Beisetzung teilnehmen. Auch in Nom wird der Tod des „alten Rainer“ sehr beklagt; denn Erzherzog Rainer war der eifrigste Mittler zwischen Oesterreich und Italien. Noch vor wenigen Wochen stieg der„Kunstprinz“ vier Stock hoch in Malateliers, um sich die neuesten Arbeiten der Maler anzusehen, die das Urteil des Erzherzogs sehr schätzten. Westfalen und Rheinland. * Hörde, 29. Januar. Todessturz.) Hier hat sich ein betrübender Unglücksfall ereignet. Der Bergmann Thiele kam auf der Treppe seines Haues zu Fall und stürzte in die Tiefe, wobei er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt, an deren Fosgen er kurze Zeit darauf gestorben ist. * Dortmund, 29. Jan.(Die rasenden Metzgerwagen.) Am 25. September wurde der Invalide August Beckmann von dem Wagen des Metzgers Eichorn überfahren und derart verletzt, daß er unter den Händen des hinzugerufenen Arztes starb. Die Strafkammer verurteilte den Metzgergesellen Paul Freund von hier wegen fahrlässiger Tötung zu vier Monaten Gefängnis. In dem Urteil wird u. a. ausgeführt, die Strafe sei so hoch bemessen, weil die Fußgänger gegen das schnelle Fahren der Metzgerwagen geschützt werden müssen. * Dortmund, 29. Jan.(Doppeltes Unglück.) Gestern Vormittag 8 Uhr ist im Walzwerk 2 des Eisenwerks„Union“ der Zimmerer Valentin Gast, der dort für die Firma Hanebeck arbeitete, von einem vorbeifahrenden Dampfkrahn erfaßt und sofort zu Tode gedrückt worden. Der Krahnführer starb gestern Nachmittag infolge des Schreckens über den Unfall. * Auna, 29. Januar.(Vom Automobil überfahren.) In der Hammerstraße wurde der 6 Jahre alte Knabe Heinrich Rosenmann von einem Automobil überfahren und schwer verletzt in dos hiesige Krankenhaus gebracht. * Hamm, 29. Januar.(Für 2 Mark 3 Monate Gefängnis.) Der Arbeiter Fritz Kleine von hier stahl hierselbst am 20. November dem Maschinisten Wolters ein Zweimarkstück Kleine war heute vor der Dortmunder Strafkammer geständig und da Diebstahl im Rückfalle vorlag, verurteilte ihn die Strafkammer zu 3 Monaten Gefängnis. * Münster, 29. Januar.(Ein großer Buchmacherprozeß) beschäftigte vorgestern das Schöffengericht. Angeklagt waren die Gebrüder Karl, Rudolf und Wilhelm Rippelmeyer, der Buchhalter Josef Bolling, der Bäcker Theodor Lohmann, der Agent Josef Selheim und der Wirt Bernhard Emmerich, sowie dessen Ehefrau, sämtlich wohnhaft zu Münster. Gegen die Angeklagten Rudolf und Wilhelm Rippelmeyer, die nicht erschteneu waren, wurde ein Vorführungsbefehl erlassen. Sämtliche Angeklagte wurden beschuldigt, im Sommer des vorigen Jahres verbotene Wetten bei inländischen und ausländischen Pferderennen geschäftsmäßig vermittelt zu haben. Die vernommenen Zeugen bekunden übereinstimmend, daß sie bei mehreren der Angeklagten, namentlich bei Rippelmeyer und seinen Brüdern auf Rennen gesetzt hätten. Die Beträge bewegten sich zwischen 2,50 Mk. und 1000 Mk. Der Angeklagte Selheim nahm hauptsächlich Tipps für französische Rennen an. Die Seele des Vermittelungsgeschäftes scheinen nach der ganzen Beweisaufnahme die Brüder Rippelmeyer gewesen zu sein, vor allem Karl N., der nach Zeugenaussagen durch seine Vermittelungstätigkeit jährlich erwa 35000 Mk. verdient hat. Das Urteil lautete gegen Heinrich Rippelmeyer auf 600 Mark Geldstrafe, gegen Selheim auf 1500 Mark, gegen Lohmann auf 600 Mark und gegen Bolling auf 400 Mark. Die Eheleute Emmerich wurden freigesprochen. * C o e s s e l d, 2 9. J a n u a r.( Z u T o d e g e quetscht.) Auf schreckliche Weise zu Tode gekommen ist hier gestern abend gegen 12 Uhr der Rangierer Dappe von hier. Auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise geriet er zwischen die Pufser und wurde zerdrückt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. * L a n g e n d r e e r, 2 9. J a n u a r.( B e i m R a n g i e ren tödlich verunglückt.) Ein schwerer Unfall ereignete sich heute beim Ausrangieren von Güterwagen auf dem hiesigen Bahnhofe. Es riß der Ladestrang und der Rangierarbeiter Friedrich Isecke geriet zwischen die Puffer zweier Wagen. Dem Bedauernswerten wurde die Brust eingedrückt odaß er sofort tot war. * Essen, 29. Januar.(Zwei tödliche Unglücksfälle.) Auf der Strecke Essen—Kray nurde gestern nachmitag der Maurerpolier Johann Böcking von einem Güterzuge überfahren und getötet. B. hatte in der Nähe der Unfallstelle geatbeitet und wollte über das Bahngleise zum Bahnhof Kray gehen, als er von dem Zuge erfaßt wurde.— Totgefahren wurde im Nachbarorte Kray ein 4 Jahre altes Mädchen. Es kam auf der Straße zu Fall und wurde im nächsten Augenblick von einem Lastwagen überfahren. * Duisburg, 29. Januar.(Ein räuberischer Ueberfall) wurde in einem Hause auf der alten Rheinstraße verübt. Zwei Männer drangen in die Wohnung der Witwe. Ringler und überfielen die Frau. Während einer der Strolche die Küche durchsuchte, versuchte der zweite Strolch, die Frau zu vergewaltigen. Es gelang der Frau, dem Räuber mehrere Biß= und Kratzwunden beizubringen, worauf er von seinem Opfer abließ. Als dann die Frau das Fenster öffnete und um Hilfe rief, flüchteten die Räuber und entkamen unerkannt. Außer einem kleinen Geldbetrage haben sie nichts erbeutet. * Köln, 29. Januar.(Raub.) In der verflossenen Nacht wurde die Frau eines Wirtes auf der Dürener Straße, als ihr Mann sich in die Stadt begeben hatte, das Opfer eines verwegenen Raubüberfalles. Als sich die Frau nach Feierabend nach ihrem Schlafzimmer begeben wollte, stellten sich ihr zwei Kerle auf dem Flur entgegen, die sie knebelten, zu Boden schlugen und zu erwürgen versuchten. Hierauf entrissen ihr die Räuber die Geldkasette, die die Frau in den Händen hielt, und entkamen unerkannt. Als der Wirt nach Hause kam, fand er seine Frau in bedenklichem Zustande vor dem Schlafzimmer liegend. Heer und Flotte. Die Beförderung des Kronprinzen zum Obersten hat überall warme Anteilnahme gefunden. Daß der Kronprinz später befördert wurde als sein koiserlicher Vater, der bereits im 27. Lebensjahre Oberst, und als er 1888, noch nicht dreißigjährig, zur Regierung kam, bereits Generalmajor und Brigadekommandeur war, ist vielfach salsch gedeutet worden. Es ist vielsach von militärischer Seite als ein besonderer Vorzug begrüßt worden, daß der Kaiser seine Söhne die gewöhnliche Zeit in ihrer Stellung durchhalten ließ, weil sich ihnen bessere Gelegenheit bietet, die Einzelheiten des Dienstes gründlich kennen zu lernen. Der Kronprinz wird daher auch noch keine Brigade übernehmen, sondern noch bis zum 1. Oktober die Führung des 1. Leibhusarenregiments in Danzig=Langfuhr inne behalten, um dann an die Spitze eines InfanterieRegiments zu treten. Vom Oberst ab vollzieht sich die militärische Karriere übrigens schneller, so daß der Kronprinz in wenigen Jahren Generalmajor sein wird. Admiral Lanz. Unter den Admiralen der deutschen Kriegsmarine dürfte es kaum einen zweiten geben, der sich in allen Schichten der Bevölkerung einer so großen Popularität erfreut wie der ehemalige Kommandant des„Iltis“, Wilhelm Lanz. Die Erinnerung an seinen Heldenmut ist wieder ausgefrischt worden durch seine Beförderung zum Vizeadmiral. Lans ist 1878 in die Marine eingetreten. Er wurde schon früh in den Admiralstab berufen, dem er auch angehörte, als ihm der Befehl über das Kanonenboot„Iltis“ übertragen wurde. Mit dem Kanonenboot stand er im Sommer 1900 im Gefecht gegen die Takuforts. Hierbei erhielt Lans eine schwere Verwundung am Fuß, die ihn zwang. das Kommando niederzulegen und das Bein amputieren zu lassen. Nach der Heimkehr aus Ostasien fand er, sobald es seine Gesundheit erlaubte, wiederum Verwendung beim Admiralstab der Marine, in dem er auch verblieb, bis im Jahre 1906 seine Ernennung zum Chef des Stades der Hochseeflotte erfolgte. Im Herbst 1909 wurde er mit der Vertretung des Inspekteurs des Torpedowesens beauftragt und führte später die Inspektion, bis er im letzten Herbst mit der Führung des ersten Geschwaders beauftragt wurde. Lans ist in der aktiven Front der Marine der einzige Inhaber des Ordens vour le merite. Bunte Chrontk. ) Korsu einst und jetzt führt das Festspiel „Kerkyra“(Korfu) vor Augen, das zu Kaisers Geburtstag im Beisein des kaiserlichen Hofes ersten Male in der Kgl. Oper in Berlin aufgeführt wurde. So wird im ersten Akt ein Siegesfest(432 v. Chr.) gefeiert, bei dem der Oberpriester Worte sprach von einem Kampfe, der hätte kommen müssen und der gerecht sei, weil man Kerkyra einkreisen wolle. Das seegewaltige Korinth ist denn auch geschlagen worden. Ein Reigen der Priesterinnen beschließt das erste Bild. Im zweiten Teil wurden korftotische Volkstänze gezeigt, denen der Kaiser bei seinem letzten Besuch auf Korfu mit viel Freude zugesehen hatte. Großen Spaß hatte es dem Monarchen gemacht, als sich die Korfioten nach den Klängen des einstmalig„Schlagers“„Im, Waldesräuschrn. Roman von J. Hutten. 30 Als Erika schon eine Stunde nach ihrer Ankunft alle diese Blumen liebevoll in Vasen und Gläser zu ordnen begann, wurde dem Vater bange. Würde sie so viel Freundschaft nicht hier, wo sie auf die beiden Alten angewiesen war, vermissen? „Von wem hast Du diesen herrlichen Flieder? fragte Tante Adelheid bewundernd. „Den brachte Leutnant Liebenhoff mir heute auf die Bahn, und mit schalkhaftem Lächeln sich an ihren Vater wendend, fügte das Mädchen hinzu: „Er war es wirklich; ich hätte ihn heute erkannt, auch wenn nicht Erna ihn mit seinem Vornamen angeredet hätte.„.„„ 6 86 „Ei, ei,“ sagte der Forster.„sind noch mehr Sträuße von Herren darunter?“ „Nur diese Rosen von Doktor Schultz. Das klang gar nicht erfreut oder stolz, aber gleich darauf leuchteten Erikas Augen. „Und dieser Strautz ist von unserem lieben Herrn Pfarrer.“ Wie freudig des Försters Herz schlug! Sie kam heim, wie sie gegangen war, unberührt ihrer Sinne und unbeirrt in der Empfindung für das Gute. „Weißt Du wirklich von jedem dieser Sträuße, woher Du ihn hast?“ fragte die Tante verwundert. „Nein, von diesen acht Sträußen weiß ich nur, welche acht Mädchen sie mir gaben, kann sie weiter nicht unterscheiden, aber diese entzückenden Blumen sind von Erna Liebenhoff, und diese Veilchen hat mir heute Fräulein Rettig in die Stube gestellt, von wo ich sie zum Andenken mitnahm. Endlich war da große Werk vollbracht, und alle Zimmer dufteten nach Rosen, Reseden und Veilchen; aber mehr noch als durch die Blumen, war mit Erika selbst der Frühling ins Försterhaus eingezogen. Alle empfanden es, drinnen und drauten. Nie seit Weihnachten hatte Linens Gesicht so jestrahlt, wie jetzt, und Jakob schmunzelte vor sich hin, wenn er nur von ferne der Heimgekehrten stimme hörte. „Ist doch ganz was anderes, wenn so was Junges im Hause ist,“ sagte er östers des Abends zur Nagd,„selbst die Pferde merken es, gehen noch einmal so stolz, wenn das Fräulein im Wagen sitzt. Aber ganz unverändert war Erika doch nicht. Sie hatte jetzt das Bedürfnis, sich ihren Tag ordentlich einzuteilen. Für das Studium, für häusliche Arbeiten, von denen sie ein ganzes Teil ohne weiteres Fräulein Adelheid abnahm, für das Spazierenzehen, für alles hatte sie ihre bestimmten Stunden, und sie führte auch die seit ihrer Abwesenheit in Vergessenheit geratene Sitte des abendlichen Vorlesens wieder ein— nur daß sie dies jetzt dem Vater allein überließ und lieber beim Zuhören sich mit Handarbeiten beschäftigte, denen sie dann fast ebenso eifrig, wie ihre Tante oblag. Etwa eine Woche nach ihrer Heimkehr suchte Erika Oberförsters auf. Hedwig empfing sie mit herzlicher Freude und zeigte ihr voll Stolz ihren schonen, prächtig entwickelten Knaben. Während das junge Mädchen mit dem Kinde tändelte und schon nach wenig Augenblicken in das beste Einvernehmen mit ihm gekommen war, fragte Hedwig dies und jenes und war nicht wenig überrascht, zu hören, daß Erika zunächst ganz im Hause bleiben wolle.„„„„ „Wenn Sie Ihren Plan, Lehrerin zu werden, ganzaufgegeben hätten, würdeich es sehr bedauern, sagte sie nach einer Weile,„obgleich, Abre kehr für diesen Sommer möglichern.,, fur mich von großem Wert sein könnte. Sie gab keine Erklärung zu diesen Worten, nach der zu fragen Erika zu schüchtern war, und blieb gedankenvoll. Als das junge Mädchen ausbrach, sagte sie:„Ich komme nächstens nach Lanzken, um etwas für mich sehr Wichtiges mit Ihnen und den Dieser Besuch ließ auch nicht lange auf sich warten, doch war nur Fräulein Adelheid zu Haufe, als eines Nachmittags Frau von Schlemmer vorfuhr. „Es ist mir gar nicht unlieb, Sie allein zu treffen, Fräulein Borke,“ sagte die Ankommende, als sie diesen Tatbestand erfahren,„denn Sie werden am besten beurteilen können, ob mein Anliegen nicht zu unbescheiden ist.“ Damit folgte sie der Aufforderung der alten Dame, im Wohnzimmer Platz zu nehmen und setzte ihr auseinander, daß ihr Mann dringend wünsche, sie möge ihn im Juni zu einem Familienfest in Süddeutschland begleiten, daß sie es aber nur tun könne, wenn sie ihr Kind in guten Händen wisse. „Wollte der Arzt mir nicht mein schönes Mutterrecht, es selbst zu ernähren, jetzt entziehen, könnte von einer solchen Reise nicht die Rede sein. Nun aber bleibt mir noch Zeit, den Wechsel zu überwachen, und wenn ich mich überzeugt habe, daß Kurt die neue Nahrung verträgt, könnte ich mich wohl für ein paar Wochen von ihm trennen, falls ich eine geeignete Vertretung fände, denn den Dienstboten allein mag ich ihn nicht überlassen. Da habe ich an Erika gedacht. Ich weiß, sie liebt meinen Knaben, ist über ihr Alter verständig und zuverlässig; wenn sie sich entschließen könnte, in meiner Abwesenheit in der Oberförsterei Kurt unter ihre Obhut zu nehmen, würde ich ruhigen Herzens fahren.“ Dieser Vorschlag überraschte Fräulein Adelheid nicht wenig. Nach einigem Nachdenken meinte sie, daß er in dieser Form sich kaum ausführen lasse, da Erika in ihrer Jugend soschwierigen Anforderungen noch nicht gewachsen sei; wenn aber Frau von Schlemmer sich entschließen könnte, den Knoben mit seiner Wärterin nach Lanzken zu geben, so würde nicht nur jene sich seiner in treuester Sorge annehmen, sondern sie selber auch für das liebe Kind tun, was nur in ihrer Macht stände. Frau von Schlemmer mußte das Praktische dieses Vorschlages einsehen und erklärte sich vollständig mit ihm einverstanden. Obgleich noch Wb##. bis zu seiner Verwirklichung vergehen sollten, einigten sich die beiden Damen schon jetzt über alles, was dabei in Betracht gezogen werden mußte, und Hedwig sprach die Hoffnung aus, daß Emma, Kurts Wärterin, sich als ein gutes Mädchen erweisen weide. K 4 Als Erika heimkehrte und von dem Besuuch und der Vereinbarung erfuhr, kannte ihr Jubel keine Grenzen. Schon am folgenden Tage begleitete sie ihren Vater nach Tarkitten, um Frau von Schlemmer ihre Dankbarkeit und Bereitwilligkeit zu versichern. Sie fühlte sich gehoben durch das Vertrauen, welches man ihr bewies, und gab sich selbst das Gelöbnis, sich desselben wert zu machen. Die nächsten Wochen vergingen dann wieder für die Bewohner des Forsthauses in der gewohnten Art. Erika hielt tapfer an dem eingeführten Tagesplane fest, vernachlässigte ebenso wenig ihre Studien und häuslichen Pflichten, wie sie sich durch irgend welche Unbilden der Witterung verhindern ließ, den Vater nachmittags auf seinen Reviergängen zu begleiten. Vereinzelte Besuche in Tarkitten und Briefe von den Altenhäuser Freundinnen waren die einzige Abwechselung, welche ihr Leben in dieser Zeit bot. So nahte der Juni, und das junge Mädchen half der Tante alle Vorbereitungen zum Empfange der erwarteten Gäste zu tressen. Am Morgen des Tages, an dessen Nachmittag Schlemmers ihre Reise antraten, holte sie selbst Kurt und seine Wärterin ab und führte sie voll Stolz Vater und Tante zu. Sie hatte des Knaben Bett neben das ihre gestellt und für Emma auf der Dachkammer neben ihrem Stübchen eine Lagerstatt hergerichtet. Dabei befand sie sich in einem wahren Freudentaumel, der auch durch nichts gestört wurde. Emma rechssertigte die Behauptung ihrer Herrin, daß sie ein gutes Mädchen sei, denn sie gab zu keinen Unannehmlichkeiten Veranlassung, schloß sofort mit Line und sehr bald auch mit Jakob Freundschaft und half hier und da. wo es ohne Anstrengung geschehen konnte. Seite 4. Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Donnerstag, den 30. No. 25. Gusench dt Schastoer in Lone wochen Eine glänzende Szenerie tat sich vor den Augen der Zuschauer auf, als in wundervollen Wandelbildern das ganze Panorama von Korsu an ihnen vorüberzog: Palmen= und Rosenhaine, schimmern: de Männerstatuen, helleuchtende Palastfassaden, Blicke in die blaue Endlosigkeit des Meeres und der ganze Sonnenjubel des Südens. Aber nicht das allein, das Haus, das vorher von Fliederduft durchzogen war, erfüllte sich, als Rosenhecken auftauchten, mit herrlichem Rosenduft. Diese Dekorationen haben allein 30000 Mark gekostet, obwohl sie sämtlich in den königlichen Theaterwerkstätten hergestellt worden sind. 1 Die Jagd hinter Bruning über den Ozean wäre garnicht nötig gewesen, wenn es der 260 000 Mark=Defraudant nicht verstanden hätte, geschickt mit fremden Papieren zu operieren. Bruning hatte in Luxemburg in angeheitertem Zustande einen Posten angerempelt und wurde daraufhin arretiert. Da er gerade 3000 Mark bei sich hatte, behielt man diese als Kaution und setzte Bruning, nachdem er seine natürlich falschen Personalien angegeben hatte, auf freien Fuß. Der Defraudant ließ selbstverständlich die 3000 Mark im Stich und schüttelte eilends den Staub Luxemburgs von seinen Füßen. ) Das Anglück in der Marine bleibt Frankreich auch im neuen Jahre treu. Bei dem Zusammenstoß des Torpedojägers„Darandal“ mit dem Unterseeboot„Rubis“ auf der Höhe von Brest, erlitt der Torpedobootjäger schwere Beschädigungen, sodaß er nach Cherbourg geschleppt werden mußte. ( Die weißen Frauen in Deutsch=Ostafrika, deren Zahl im letzten Jahrzehnt von 154 auf etwa 780 gestiegen ist, werden, wie ein Afrikareisender in der„Voss. Ztg.“ schreibt, von den Eingeborenen, wenn sie recht von ihnen behandelt werden, bewundert und vergöttert. Die Neger sind unter der Leitung von Frauen williger und tätiger als unter dem Männeregiment. Auch im sozialen und gesellschaftlichen Leben in Deutsch=Ostafrika ist der Einfluß der deutschen Frau äußerst segensreich, und eine vermehrte Auswanderung nach Deutsch=Ostafrika könnte die Siedelung unterstützen und damit die nationale Bedeutung unserer Kolonien fördern. ) Eine Examenfrage. Eine beliebte Examenfrage ist, die Namen aller Staaten in richtiger Reihenfolge zu nennen, die an der westafrikanischen Küste koloniale Besitzungen haben. Das ist eine verzwickte Sache und setzt voraus, daß der betrefsende Schüler sich wirklich ernsthaft seinen Atlas angesehen hat. Aber man braucht garnicht einmal nach Afrika zu gehen, hier in Deutschland gibt er allbekannte und sehr stark besuchte Gegenden, für die nicht jeder aus dem Kopfe zu sagen weiß, durch welcher Herren Länder ihn die Eisenbahn führt. Eine der am meisten frequentierten Bahnstrecken in Deutschland ist die von Halle an der Saale nach Eisenach. Und wer denkt daran, daß sie nach einander Preußen, Sachsen=Meiningen, Sachsen=Weimar, wieder Preußen, Sachsen=Gotha und endlich Sachsen=Weimar=Eisenach berührt? Auf anderen Linien ist das„Durcheinander“ noch erheblicher. 1 Das Dynamitattentat auf der Pariser Untergrundbahn, durch das soeben ein großer Teil der sast völlig fertig gestellten Tunnelarbeiten in der Nähe des Invalidenplatzes zerstört wurde, wird von der Pariser Polizei als die nichtswürdige Tat eines mit Arnachisten in Verbindung stehenden entlassenen Arbeiters hingestellt. Nur einem Zufall war es zu verdanken, daß die Gasleitung in der Nähe des Tatortes unversehrt blieb, sonst wäre eine gewaltige Katastrophe eingetreten. schen Monatsschrift„Hyg“ geschildert wird, ergeben die Forschungen in den Ländern des Ostens, in Asien usw. aber einen ganz erheblichen Ueberschuß der Männer über die Frauen. Ganz besonders China mit seinen Hunderten Millionen von Einwohnern, ebenso Japan, Indien, Serbien, Kaukasus, Korea usw. haben einen erheblichen Ueberschuß von Männern über die Frauen, so daß sich die Zahlen bei genauer Nachprüfung verschoben haben. Man darf tatsächlich jetzt annehmen, daß die Zahl der lebenden Frauen auf der ganzen Welt viel geringer ist, als man vorausgesetzt hat, und daß es also weit mehr Männer als Frauen gibt. X Hundertjährige. Die Stadt Deutschbrod in Böhmen hat unter ihren Einwohnern den ältesten Mann des Landes, den im April 1799 geborenen Johann Navratil, der somit im hundertvierzehnten Lebensjahre steht und drei Jahrhunderte gesehen hat. Der Greis erfreut sich noch verhältnismäßig guter Rüstigkeit und nur in der Abnahme der Seh= und Hörkraft macht sich das hohe Akter bemerkbar.— In Bunderhammerich(Ostfriesland) beging die älteste Bewohnerin Ostfrieslands, die Witwe Jannekemöe; ihren 103. Geburtstag. Sie hat alle ihre 13 Kinder überlebt. Ostfriesland ist reich an alten Bewohnern; lebt doch auf dem Fohn ein Ehepaar, das 190 Jahre zählt. Kürzlich starb die allbekannte Witwe Jantjemöe, die 105 Jahre alt geworden ist, ferner in Moordorf ein Mann im Alter von 101 Jahren. In Stapelmoorerheide geht ein 100jähriger Lumpensammler noch seiner Beschäftigung nach. —— Vermischtes. X Mehr Männer als Frauen. Die Anschauung, daß es mehr Männer als Frauen gibt, wird in letzter Zeit statistisch angefochten. Bis jetzt hat man nämlich immer geglaubt, daß insgesamt mehr Frauen als Männer vorhanden seien und in den zivilisierten Ländern ist es auch tatsächlich der Fall. Wie in der Januarnummer der populär=mediziniBüchertisch. Am mein Lager du raumen habe ich außergewöhnlich vorleilhafte Posten erna bunlig ausbelegi. = Ein Posten Sweaters= ohne Rücksicht auf den früheren Wert Serie I 95, Serie II 125 Pfg. p. Stück. Ein Posten bedruckte Velours für Kleider u. Blusen ganz unter Preis per Meter 45 Pfg. Ein Posten waschechte Kleidersiamosen per Meter nur 35 und 45 Pfg. Ein Posten Winterkleiderstoffe schwere gemusterte Qualitäten per Meter 75, 85, 95 und 100 Pfg. Ein Posten reinwollene Blusenstoffe gestreift und kariert per Meter 95 Pfg. Reste. Rene, Reste werden spottbillig abgegeben. Bitte mein Schaufenster zu beachten. W. Sasse Nachf., Hüsingstraße 3.(395) (19—22) des Die Backwaren der Schwerter Brotfabrik wie Schwarzbrot (hell und dunkel) Pumpernickel Roggenstuten Bauernstuten Casslerbrot bringe ich in empfehlende Erinnerung. Frau H. Heierboft. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Wie die Heuschrecken geigen, schildert an Hand zahlreicher interessanter Bilder Dr. Adolf Heilborn in den eben erschienenen Schlußlieferungen 1. Bandes der„Wunder der Natur“. (Deutsches Verlagshaus Bong& Co., Berlin W If. 65 Lieferungen zu je 60 Pfg.) Da heißt es:„Diche neben mir zirpt es plötzlich hell und durchdringend. und wie ich den Blick am Boden spazieren schicke, entdecke ich auch alsbald das Schlupfloch dieses Musikanten, die leicht abwärts steigende Erdröhre einer Feldgrille(Gryllus campestris). Wie Ausschau haltend, steckt der Musikant den schwarzen Dickkopf zur Höhle hinaus und beginnt von neuen zu wetzen und zu geigen. Dabei ist er so in seine Musik vertieft, daß ich ihn mit raschem Griffe fangen und in meine Flasche sperren kann. Er sucht zwar zu beißen und erbricht sich vor Schreck; aber das nützt ihm nichts, und bald beruhigt er sich und fängl wieder zu musizieren an. Zu diesem Zwecke hebt er die braunschillernden Flügeldecken mit den blinkenden Spiegel bezw. Schilbe, die Vorderflügel ein wenig und wetzt sie eifrig gegeneinander; das tut er in der Sekunde sechs= bis achtmal und mit beiden Flügeln zugleich. Betrachten wir mit Hilfe einer guten Lupe diese Flügel genauer, so sehen wir, daß der obere in seinem Geäder eine besonders starke, spindelförmige, an den Enden abgebogene Ader zeigt, die, wie eine Laubsäge etwas gerieft, zahlreiche, winzig kleine, mit den Spitzen oder besser Schneiden nach innen gerichtete Zähne trägt. Mit diesem raspelartigen Fiedelbogen streicht nun unsere Grille über eine stark vorspringende, derbe, scharfkantige Leiste am innern Rand der unteren (linken) Flügeldecke und bringt dadurch diese Saite und mit ihr eine eigenartige Resonanzvorrichtung zum Tönen. Ein Ueberblick über die bisher erschieneuen Lieferungen zeigt, daß mit„Die Wunder der Natur“ ein Werk geschaffen worden ist, das in Bild und Wort das Beste und Neueste auf dem Gebiet der Naturwissenschaften bietet. Es sei deshalb nochmals unsern Lesern angelegentlichst zur Anschaffung empfohlen. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraaa Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte erhält selbst der schwächste Kaffee bei Zusatz von einem Portionsstückchen Weber's Carlsbader Kaffee=Gewürz. Fernruf. 297. Es löst sich restlos im Kaffee und gibt dem Getränke überdies den würzigen Duft und köstlichen Geschmack von teuerem Edelkaffee. 35 Sescheal-Dreier 66 MalzExtract-Bier Krafidier, reich gehalt ¼ e, Alkohol 100 an Extrackarm an empfiehlt Mehlhose Nachf. Carl Raffin Gasthof„Jur Helle“ — Telebhon 521.— Noten nur neue Sachen pro Nummer 10 und 20 Pfg. Man verlange gratis ausführliche Verzeichnisse Buchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr)— Grosse Marktstrasse 3—5. „Haälesascheh. Roman von J. Hutten. ie Sche den Anstoßz daxan nohn, wenn Erika ihz mers an das unge Mädchen auszurichten, mit der Hobt Hit geie gren eienoch= sagte Eritg, und er die Sorge für den Knaben fast gazahnahm und Bitte, sie möchte dieser schon heute unter seinem]„Wir bekehren Sie noch,“ sagte Erika, und es selbst in der Nacht ihr stets zuvorkam, da ihr star Schutze folgen. Es lag kein Grund vor, diese Auf= lag ein jubelnder Klang in ihrer Stimme. kes Pflichtgefühl sie jeden Laut des Kindes hören forderung abzulehnen, und während sich Bruno an Welche Woune es doch sei, das Mädchen zu ereinem Iubitßerguickte, traf Erika ihrevorbereitzun genen, mutite Bruno denten. Er hatte, noch nie So vergingen die Wochen wie Oberförsters schrieben, daß sie in zwei Tagen heimkehren und am liebsten Kurt mit seiner treuen Pflegerin gleich daheim antreffen würden. So schwer Erika der Abschied von dem Knaben dünkte war sie doch sehr stolz darauf, ihn so frisch den Eltern zurückgeben zu können, und die Freude derselben äußerte sich denn auch in anerkennendster Form. Es hätte nicht der reizenden Schmuckgegenstände, die sie dem jungen Mädchen mitbrachten, bedurft, um diese überselig zu machen. Als Hedwig zum ersten Mal nach Lanzken kam, um sich bei dem Förster und Fräulein Adelheid zu bedanken, erzählte sie, daß nun bald wieder Besuch bei ihnen einkehren würde. Ob ihre Schwester käme. sei zwar noch eine offene Frage, aber bestimmt erwarteten sie zunächst Doktor Sonnenwald und später, im August, ihre Freundin Olga Winter. Erikas Herz schlug heftig. Was doch der Assesbören fordergng abzulehnen, und während sich Brunoan, Welche. einem Jubiß erquickte, traf Erika ihre Vorvereitun= freuen, mußte im Fluge, und gen zur Fahrt. Wie sie dann in ihrem einfachen Augen in einen (Doktor Sonnenwold einressn, stelle Erita ihre„Isch farn Ihlen dassetzt nachsüslen, Fräue aus den Mädchen nicht klug werden. Wie nriet Besuche ein. Es währte jedoch nur einehalbe Woche, lein Borke, denn seit ich im vorigen Jahre hier ge= ihr jede Freundlichkeit das Rot der Freude in die bis eines Vormittags der Assessor in dem Einspän= wesen bin, zieht es mich immer wieder hierher, und Wange, aber nie gab sie ihm Handhabe zu dem 3e Huren. 81 ner seines Freundes gerfuhr unz die Förstersleute ich bin doch ein rechtes Großstadtind, das bisher fetzisensgeniztporäberseben, lund dokisßr öierger Eifersuchtund Ehrgeizlagenihrgleichsern, sodaß zubegrüßen undeine Einladung Frauvon Schlem= wenig,Perständnis für den Zauber der Natur Se, nicht ezumgal stenöbielt Bäßssebereits Hedwigund de niche den Anstoß Haran nohm, wenn Erikg liz mers an das tungewhädchen azszurichten, mit der habt hatt.... 82 f.ute, Grsita und es den Knaben auf ihrem Arm aufs Fröhlichste dedie Sorge für den Knaben fast ganz abnahm und Bitte, sie möchte dieser schon heute unter seinem]„Wir verehren Sie noch,“ sagte Erika, und es den Knaben auf ihrem Arm auf's Fröhlichst grüßen konnte, als sie vor der Oberförsterei vorfuhren, erbitterte ihn noch mehr. mußte Bruno denken. Er hatte„noch nie Egon war indessen auch herausgetreten und bein einem so intensiven Frohgefühl leuchten willkommnete Erika. Dann legte er dem Freunde wie die ibrigen. seine Hand auf die Schulter. „Was gibt es, Bruno? Aerger gehabt?“ Nein, dahin durfte er es nicht kommen lassen, daß man ihm seine Gefühle vom Gesicht ablas. Lachend hob er den Kopf. „Seit wann siehst Du Gespenster, Egon?“ Damit stieg er die Verandastufen empor und sagte zu Hedwig, indem er auf das junge Mädchen wies, das sich bereits Kurts bemächtigt hatte und zärtlich mit ihm tändelte:„Habe ich meine Sache gut gemacht, gnädige Frau?“ „Ausgezeichnet, aber ich hoffe, Erika hat es Ihnen nicht schwer gemacht, sie hierher zu bringen.“ Die heitere Stimmung der anderen übte bald und doch so ziertichen und kleidsamen Anzuge mit seyen, wie die ihrigen. dem kleinen Hütchen auf dem krausen Haar, das„Sehen Sie diese herrlichen Buchen, Herr AsGesicht gerötet und die Augen glänzend in freu= sessor, ist es nicht eine Wonne, unter ihnen dahindiger Erwartung, vor dem Gaste stand, fühlte die= zufahren? Jetzt aber nehmen Sie sich in acht, daß ser wieder mit schneller schlagendem Herzen, daß Ihnen kein Zweig ins Auge schlägt.“ er noch selten, vielleicht nie in seinem Leben eine„„ gich 1g hastig zur Seite daß er gagen holdere Mädchengestalt gesehen habe. Unterwegs hatte Erika viel zu fragen, wie Uigtergpeos haitfe Erlka viel zalsfragen, wie esswe,5Ph zue se ubesangen au. dem ussessor in Erlau gefallen have, ob er schon melte, lachte sie unbefangen ar., lange von da fort sei, wo er seitdem sich aufgehal]„Das ging heute noch gnädig ab. Als ich einten, und Bruno antwortete in seiner spöttisch bla= mal mit meinem Vater auf einem solchen Wege sierten Art, entwarf ein nichts weniger als ver= fuhr, und wir beide uns gleichzeitig gegen die Aeste Bild von dem kleinen Nest und fügte schützen wollten, gerieten wir so heftig mit den Forie gZeisge tzizie„0 ich den meinen noch eine ganze Weile fühlte.“ Er bog sich so hastig zur Seite, daß er gegen ihre Schulter stieß. Während er ein„Pardon“ murErikas Herz schlug heftig. Was doch der Asses= milien, in denen Sie so sor dazu sagen würde, wenn er hörte, wie treu sie oder in Sommerfrischen?“ fragte Erika. gosorgt? Gewiß, sie hatte es nicht getan,„Oder in ihre heimatlichen Wälder führerischez bu.. p 8F zusammen, daß sich den m mit einem Seufzer hinzu, in Altenhaus, wo er die Köpfen letzten Wochen wieder gearbeitet habe, sei auch nichts ganze los gewesen, es habe auf ihn einen leeren, öden am: Eindruck gemacht. „Zu dieser Zeit waren wohl die meisten. Familien, in denen Sie sonst verkehrten, in für Kurt gesorgt2, Gewiß, sie hatte es nicht getan, um eine bessere Meinung zu verscherzen, und er sollte auch nie mehr Grund haben, sie zu mißachten. Daß sie Fräulein Idas Besuch nicht sonderlich wünschte, war ihr kaum zu verdenken, da ihr jene immer nur eine herablassende Freundlichkeit gegönnt hatte; um so freudiger dachte sie eines Wiedersehens mit Olga Winter. In der nächsten Zeit war sie öfters in Tarkitten, aber als es hieß, am folgenden Tage würde Oder in ihre, heinatlichen, Wälder zurüchge, kehrt“ war seine lakonische Antwort. Heiße Röte stieg in Erikas Wangen. Sollte das heißen, daß er sie, gerade sie vermißt habe? Es war ja gar nicht möglich, und doch sprachen seine Augen etwas, das diese Auslegung seiner Worte zu unterstützen schien. Befangen wandte sie ihre Blicke nach den Bäumen rundum und sagte, um ihre Verlegenheit zu verbergen:„Glücklich die, welche einen heimatlichen Wald haben.“ Mit derselben Unbefangenheit sprach, ga H nur auch ihren Einfluß auf Bruno aus, der seinen Aervon anderem, aber er war verstimipit, und gux#, ger verfliegen fühlte und sich zu seinem Erstaunen bald sehr wohlig befand. Wie er das Mädchen mit dem Kinde beobachtete, dünkte es ihm auch, als sten Fa= so kurze Antworten, daß auch bald ihr fröhliches Bädern Geplander erlahmte. Erst als sie sich der Oberförsterei näherten, gab er sich wieder mehr Haltung und sagte:„Wir sind gleich am Ziele, und ich weiß jemand, der nun mit offenen Armen empfangen werden wird.“ „Und ich weiß einen, der froh sein wird, seine Aufgabe erledigt zu haben.“ Es sprach keine Koketterie aus diesen Worten, sondern ein ehrlicher Aerger über seine Launenhaftigkeit. Bruno fühlte das, und es verstimmte ihn aufs neue, da es ihn ins Unrecht setzte. Er konnte Kinde beobachtete, dünkte es ihm auch, al wäre es ein Reiz mehr an ihr, daß sie so verschieden war von den anderen ihres Geschlechts, mit denen ersonst verkehrt. Waren hier nicht überhaupt alle anders als in der Stadt: Egon, Hedwig, Erika? Oder hatte er nur dort die Menschen vermieden, die so dachten, fühlten und handelten wie diese hier? Er konnte es nicht glauben. Gewiß lag der Unterschied an der Luft, die hier trotz des heißen Tages erguickend war, während sie über der Stadt weßl schon in dumpier Schwüle hrütete . T. *# Ger SSSgahng JS Göu'g. 3583553E S#Js. o TBL S SEDETSS = ei" 290 5— *"* ### 0 8 10 2— 0— S 8 G.g 9 S 9 S S0 22 B# Orrag S 9 S 4990 5— Prgsg 2.* S S•8883 ES 8•" S S. BEE " 5 Am S S □ 9 9SS * 2.8 B. E ==Tg * 990 6 a Tonune GrPTE OSsss Soggs SyÖpS 853S ST 63 S STTLE S"•.—.* S SEEE den dicken, roten Läufern umher und fhettegte,zim schnellsten Tempo die Treppen hinauf—— der——0 In der zweiten Etage begann der Hund leise zu kläffen und an der Entreetür rechts zu kratzer, Kollas“, stand dort, von einem 4 tenpo öfnete sich biese. Aor=Frati gelan Rosen und Liselotte erscheinen im Türrahmen, und noch in der Hand. Den ganzen Nachmittag hatte der gzgeiget, Eiegrgen wegen ließ, ihm den häßlichen Verdacht zu „Muschi—.— Süßes, vergib doch! Aber nun sage mir doch endlich: Was hattest du denn eigentlich bei dem Doktor Kollas zu tun? Ein rosiger Schimmer überflutete plötzlich das Antlitz der kleinen, hübschen Frau Liselotte. 8616 Er——er ist doch Elektrotherapeutiker.... du, Männe, erst waren es ja nur drei—— aber da waren es gleich fünf——“ Gespannt harrte der Assessor der Enthüllung des „Fünf goldene Härchen, die mir hier am Kinn waichsen: FL ## a. * EE. F V. m 22 S 8 Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 303. Von S. Herland in Bukarest. (Im Problemturnier des Bukarester Schachklubs preisgekrönt.) Scpane 18 Stäne. Weiß: 11 Steine. Weiß zieht an und zwingt Schwarz, spätestens im 2. Zuge mattzusetzen.(„Selbstmatt.“) Partie Nr. 306. Turnierpartie, gespielt zu Breslau am 20. Juli 1912. Weiß: O. Duras, Prag. Schwarz: D. Przepiorka, Munchen. Partie Caro=Kann. Schwarz: 67—06 47—45 aer S88—16 e7—e6 b7—b6 L18—e7 Lc8—b7 0—0 Sb8—47 T18—68 S47—18 Da8—c7 c6—05 DeTXc5+ Ta8—48 S16—47 Leie Weiß: 1. e2—94 2. 42—44 3. Sbl—c3 4. Sc3Xe4 5. Se4—g3 6. Sgl—13 7. LfI—43 8. 0—0 9. Ddl—e2 10. Lc1—g5 11. Tal—01 12. S13—65 13. c2—c3 14. 12—14 15. d4Xc5 16. Kgl—h1 17. Tdl—el 18. Ld3—b5 Diesen Abtausch hätte Weiß nicht zulassen, vielmehr seinerseits 18. Lgöx e7 spielen sollen. 19. 14Xg5 Te8—e7 20. LböXd7 S/8X47 21. Se5X17 Diese verführerische Kombination, die Weiß offenbar mit dem 18. Zuge vorbereitet hat, wird von Schwarz TI8XfI+ Sd7Xe5 D45—s2 widerlegt. Aber Weiß muß sich wohl auf die Sache einlassen, denn es droht Abtausch auf e5 und T08—42, andrerseits hängt Bg5. 21... T•48—18 Bedenklich wäre TeTXf 22. TIIX17 Kg8Xf7 23. De2 Xe6- usw. 22. S17—65 23. Sg3XfI 24. De2Xes 25. De5—b8+ Kg8—17 26. g5—66+ h7Xg6 Sonst erzwingt 27. Db8 —g3+ den Damentausch. 27. Db8—g3 Lb7Xg2 28. Dg3Xg2 29. Khl—g1 30. Dg2—a8 31. Da8—13 32. Kg1—82 33. D13—g4 34. S11—83 35. Kg2—h3 36. Dg4—b4 Df2X Kf7—28 K98—17 Te7—47 T47-05 T45—15 T15—12+ Del—e3 e6—85 37. Db4—h4+ De3—h6 Weiß gibt die Partie auf. (Nach dem „Deutschen Wochenschach".) C gxu. 4XI 482X80 ####L#9#G+92XfS 7 23—II.971•. Waras A. goS+92X9A ·3 90—3ES 70—998 1 Denkspruch. mögen die Götter dir schenken, soviel dein Herz nur begehret, Einen Mann und ein Haus, und auch mit sel'ger Eintracht Segnen! Denn nichts ist beiser und wünschenswerter auf Erden. Schiller. Humor. Vor Gericht. Der Rechtsanwalt hatte den Zeugen in ein lebhaftes Kreuzverhör genommen, aber er konnte il nicht dazu veranlassen, zuungunsten des Beklagten „Nun, nun, Herr Soundso,“ sagte der Anwalt schließlich,„ich möchte Sie daran erinnern, was seinerzeit Bileo, erwiderte der Zeuge, jich weiß es wohl, und ich möchte Sie daran erinnern, daß es der Esel war, der ihn warnte. Prosaisch. Oberlehrer(zu seiner Klasse):„Wie einfach und doch wie herrlich ist die wundervolle, ausführliche Beschreibung, die uns Plinius der Jüngere von dem haus Gymnasiast(zu seinem Nachbarn): er es verkaufen.“ Auflösung des Rebus aus voriger Nummer: Vergebens wird die rohe Hand am Schönen sich vergreifen. W 5 * B 5 a S S* S SS.S B•3.s S 67 S 9 55 #S#s 2 S 8 S#ne 9—.0 2 S s S e * 3 1n 62 # Fe — S— "*— e S 2. 2. S Snn SSgEE # S 8g7 * 1993 ## „SX 2. 9 S TOEES . *• 98En SS-SEEE * nen* S— „7 9740SS a S S—5½ • P S 2. HSESS SaTesssSn: 5 3 Amtliches Kreisblatt 44. Jahrgang O Grites und ältelles Cagesergan des Kreiles. O haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 25. Donnerstag, 30. Januar 1913 S S 5 Kmp b5S *—B—„„* 0 Ausläufer der Riesenstadt erreichte. Er starrte eine Weile zum Fenster hinaus auf die rauchgeschwärzten Dächer und die armseligen Straßen, aber der Anblick war nicht dazu angetan, ihn lange zu fesseln, und so nahm er denn schließlich eine der Tageszeitungen wieder auf. Diemal las er weder eifrig noch systematisch darin, sondern wandte die Blätter nur gelangweilt um, aber er hatte die Zeitung noch nicht zwei Minuten in der Hand gehabt, als seine Aufmerksamkeit plötzlich von etwas gefesselt wurde, und zwar war dies ein Artikel mit der gesperrt gedruckten Ueberschrift: Weiblicher Leichnam in der Themse gefunden! darunter stand in weniger auffallendem Druck: Wahrscheinlich eine Jüdin. Dann las Kapitän Charlock die traurigen, aber ziemlich alltäglichen Einzelheiten: „Der Körper einer jungen, weiblichen Person, nur teilweise bekleidet, wurde gestern abend von der Strompolizei in der Nähe des Viktoria=Users gefunden., Da die Leiche keinerlei Spuren von Gewalttätigkeit zeigt, so nimmt man an, daß es sich um einen Selbstmord handelt, und daß das unglückliche Mädchen ihre Oberkleider abgeworfen hatte, um ein Erkennen ihrer Persönlichkeit zu verhindern. Aus dem Aeußeren der Verstorbenen schließt der Polizeiarzt, daß sie eine Jüdin ist, und daß sie nicht länger als 24 Stunden im Wasser gelegen hat. Die Leiche wurde nach der Totenhalle in der Nähe der Waterloobrücke geschafft, wo sie verbleibt, bis morgen die Totenschau abgehalten wird. Inzwischen hofft man, daß die oben gegebene Beschreibung ihre Freunde oder Verwandten in den Stand setzen wird, sie zu rekognoszieren.“ Charlock legte die Zeitung hin und begann wieder, durch das Fenster auf die immer noch sehr wenig reizvolle Umgebung zu starren. Aber offenbar sah er gar nicht, was sich seinen Augen darbot, sondern war mit seinen Gedanken ganz anderswo. „Ob es wohl geht?“ sagte er ganz leise vor sich hin. Und nach einer Weile wiederholte er:„Ob es wohl geht?“ In Charing Croß angekommen, verließ er rasch den Bahnhof und ging schnell am User entlang nach der Polizeistation an der Waterloobrücke. Er nannte seinen Namen und bat den diensttuenden Wachtmeister um die Erlaubnis, den aus der Themse gelandeten Leichnam sehen zu dürfen. „Ich glaube nicht, daß sie Ihren Kreisen angehört," meinte der Beamte, als er den eleganten, vornehm aussehenden Herrn sah.„Meiner Meinung nach ist sie irgendein unglückliches Geschöpf aus den niederen Volksklassen, aber selbstverständlich steht dem nichts entgegen, daß Sie sich die Leiche ansehen.“ Er nahm einen Schlüssel von der Wand und führte seinen Besucher nach der Leichenhalle, wo Kapitän Charlock einen Beweis seiner guten Erziehung gab, indem er in Gegenwart der Toten seinen Hut abnahm. Er blickte lang und ernst auf die scharfgeschnittenen, marmorartigen Züge der Toten, deren wohlgeformte Glieder sich unter der Decke abzeichneten. Besonders zogen der schävige Unterrock und die zerrissenen Stiefel seine Aufmerksamkeit auf sich. Er blieb so lange in den Anblick versunken stehen, daß der Wachtmeister zu denken begann, er habe sich in seiner Voraussetzung vorhin doch geirrt. „Kennen Sie das Mädchen, gnädiger Herr?" erlaubte er sich endlich zu fragen. „Wie? Was?“ sagte Charlock und suhr aus seiner Versunkenheit auf.„Ob ich sie kenne? Bewahre! Ich habe sie in meinem Leben nicht gesehen. Es scheint mir eine Jüdin aus dem Ostend zu sein. Ein almes, unglückliches, verlassenes Geschöpf. Meinen Sie nicht auch, Wachtmeister?“ „Ja, ungefähr dasselbe habe ich auch gedacht. Ich danke Ihnen, gnädiger Herr,“ sagte der Beamte und steckte das Geldstück ein, das Charlock ihm reichte.„Die armen Dinger lernen das Elend des Lebens oft genug kennen.“ Charlock entfernte sich, tief in Gedanken versunken, und lenkte seine Schritte nach dem Restaurant Milano. Es fanden heute keine Rennen statt, denen er beizuwohnen beabsichtigt hatte, und er wollte sein zweites Frühstück dort einneymen, in der Hoffnung, einige gleichgesinnte Geister dort zu finden. Die vornehnen Klubs, denen er früher als Mitglied angehört hatte, kannten ihn nicht mehr, und er verkehrte nur noch in einigen untergeordneten Lokalen, die sich nicht gerade durch besonders feine Küche auszeichneten. Der elegante frühere Kavallerieoffizier hatte aber einen sehr empfindlichen Gaumen, und aß und trank nur von dem besten. Der Portier am Eingang grüßte den regelmäßigen Gast und hielt die große Drehtür für ihn offen. Der Kapitän, wenn er auch gern sehr gut aß, war doch sehr mäßig in seinen Gewohnheiten und pflegte um diese Zeit gewöhnlich direkt in das Gastzimmer zu gehen, um dort sein zweites Frühstück einzunehmen, ohne sich erst in der Bar aufzuhalten. Aber sei es nun, daß der Anblick des toten Mädchens ihn angegriffen und den Wunsch nach einem nervenstärkenden Getränk in ihm wachgerufen hatte, sei es, daß er einen der Stammgäste der Bar zu sprechen wünschte, auf jeden Fall trat er zuerst dort ein. Es war erst ein Uhr, aber dennoch war schon eine ganze Anzahl der täglichen Gäste dort versammelt, die sich meist aus solchen Leuten zusammensetzten, die keinen regelmäßigen Beruf hatten, sondern mehr oder weniger von ihrer Schlauheit lebten. Ohne sich um die Anwesenden zu kümmern, schritt Charlock einem leeren Platz zu und bestellte einen Kognak, den er in kleinen Zügen austrank. Plötzlich ertönte neben ihm eine bekannte devote Stimme, und als er sich umdrehte, sah er Kelvin Trask, den heruntergekommenen Trunkenbold. „Auf ein Wort, Kapitän Charlock! Ich schwöre Ihnen, daß ich nicht die Absicht habe, Sie anzupumpen. Aber ich habe eine kleine Neuigkeit erfahren, die Sie vielleicht interessieren wird, und eingedenk der Gefälligkeiten, die Sie mir schon erwiesen haben, bin ich bereit, sie Ihnen mitzuteilen.. Meriaten 9 „So, und was ware oas für eine Reuigten fragte Charlock kurz und schroff. Trask brachte sein Gesicht so nahe an das Charlocks, daß der Schnapsdunst, der seinem Mund entströmte, diesem Ekel erregte. Dann sprach er ganz leise:„Ich habe gehört, daß Teddy Flushing sich etwas hat zuschulden kommen lassen. Er sollte gestern zwei oder drei Pferde in Wolverhampton reiten, und er ist nicht auf dem Rennplatz erschienen. Die Eigentümer mußten kurzerhand andere Jockeys engagieren.“ „Pah,“ sagte Charlock,„das ist doch nichts Neues. Es hat in allen Morgenblättern gestanden. Der Junge ist wahrscheinlich krank gewesen und zu Hause geblieben.“ „Ja, aber das ist nicht alles. Ich habe noch etwas gehört, was nicht in den Morgenblättern steht," fuhr der andere fort und heftete einen bösen Blick auf Charlock.„Ich habe es eben von einem Kollegen gehört, der für den„Argus“ schreibt. Teddy wohnt mit seiner Mutter zusammen, und diese erwartete ihn vorgestern abend nach dem„Eclipse=Rennen", aber er ist nicht nach Hause gekommen. Man erzählt sich nun, er hätte wegen seiner unfairen Reiterei vor ein Komitee gestellt werden sollen, und davor habe er sich gefürchtet und sei durchgegangen.“ (Fortsetzung folgt.) — zuuir mt M. ( Linda als Polizeihund. Humoreske von M. von Lettkow. (Schluß.) Nambruck verbeten.) Wie vernichtet fällt der Assessor in den Sessel zurück. Also doch! Krampfhaft zerknittert er diesen Schuldbeweis und steckt ihn als sicheres„Korpusdelikti“ in die Brieftasche. Oh!—— über diese heillosen Weiber! Jetzt kocht die Wut in ihm. In zwei Tempos ist er an der Küchentür, die er aufreißt. Ein Schrei—— und die emsig rührende Kathi läßt die große Schüssel mit dem Butterteig zur Erde fallen. „Wo ist meine Frau?“— Die Stimmritze ist ihm wie ausgedörrt. „Die gnä' Frau——? Bei der Modistin——!“ Mit offenem Munde starrt das Mädchen ihn an. „Wo wohnt diese Modistin—.?“ „Ich weiß nicht— wir haben ja drei! Gartenstraße Nummer 18, im vierten Stock——, glaub' ich——“ Auf der Gasse überrennt er einen Straßenfeger. Das trägt dem Herrn Assessor Twilenhoff einen weithinschallenden„Esel“ ein. Auch das noch. Er kann sich mit dieser Reinigungsmaschine doch nicht duellieren. Also auf die Elektrische. Auf dem Vorderperron steht er und brütet Rache. Da!— Da!—— in der Hauptstraße— der weiße Chiffonschirm mit den eingestickten Schmetterlingen—— da ist ja Liselotte—! Tiefverschleiert ist sie— bei der Hitze? Und den dichten Chantecler=Reiseschleier vor dem Gesicht? Wozu denn diese verunstaltenden Hahnenfiguren auf dem Antlitz? Das ist wieder verdächtig! Ihr nach!—— Ein Brauerwagen verliert ein Rad und legt sich quer über die Schienen— jetzt sitzt die Elektrische fest. Rechts und links lauern ein Dutzend Autos auf einen Unvorsichtigen, den sie überfahren könnten. Wie hinüberkommen———? Liselotte ist in einem großen Hause verschwunden. Endlich kann er sich durchdrängen und langt drüben an. Das Gebäude hat, wie er sich überzeugt, auch einen rückwärtigen Ausgang. Er wartet— eine halbe, eine ganze Stunde—— sie kommt nicht zurück. Abgespannt und hungrig schlendert er seinem Heim zu. Liselotte sitzt im hellblauen Hauskleidchen, das sie entzückend kleidet, im Wohnzimmer, und schneidet Apfelspalten; aber er sieht, daß sie sehr unruhig ist. „Du warst zu Hause, Schatz?— Was war denn——?“ „Wichtige Akten mußt' ich holen!“ lügt der Assessor. „Schrecklich viel Arbeit gibt's!“ Jetzt nur Diplomat, nur schlau sein. Er fängt die Ungetreue in ihren eigenen Schlingen. Aber es ist ihm ganz jämmerlich bei dem Gedanken zumute, irgend etwas herauszubringen. Alles geht gut. Er beschließt, morgen nicht ins Amt zu gehen, und bittet einen Kollegen um seine Vertretung. Nachmittags kommt Besuch, und abends hört man den„Rosenkavalier“ in der Oper. Am nächsten Tage folgt er Liselotte unauffällig in einem Taxameter, den er instruiert hat. In ein Damencafé tritt sie hastig ein. Ha! Nun wird er den Elenden kennen lernen, der sich in das Paradies seiner jungen Ehe gestohlen. Kaum fünf Minuten, und Liselotte kommt—— mit einer Dame zurück. Die kennt er doch—? Das ist ja Frau Elly Rosen—.—! In Eile bezahlt er seinen Wagen. Unterdessen sind die Damen verschwunden. Er hat entschieden kein Talent zum Großstadter vor demselben Hause steht, in welchem seine Frau auch gestern verschwunden. Das Gebäude macht einen soliden Eindruck, die Fassade maigrün angestrichen, und nicht allzu viele Porzellanschilder am Haupteingang, vier Rechtsanwälte, ein Zahnarzt, ein Patentanwalt, zwei homöopathische und drei allopathische Aerzte, ein Gesangspädagoge und so weiter— aber keine Modistin. Da haben wir's! Nun ist's klar am Tage— er wird betrogen. Aber wo, wie— was, mit wem betrügt die Falsche ihn——? Er kann nicht im ganzen Hause an jeder Klingel reißen und fragen:„Bitte— ist meine Frau hier——?“ Jetzt kommt ihm eine leuchtende Idee: Linda! Der kleine Hund,!! Hunde haben eine feine Spürnase. Er wird seine Herrin aufstöbern—— dieser Gedanke reizt des Assessors Neugier und macht seine Augen leuchten. Er ruft in Eile einen vorüberfahrenden Wagen an und verlangt hastig nach Hause. Kathi, der ewig singende Haus= und Herdgeist, ist geschäftlich nach einem Vorort gefahren— das Pinscherl also unbewacht. Linda empfing„Herrchen“ nicht gerade sehr zärtlich. Ihre Weibchennatur lehnte sich gegen die langen, kräftigen Finger, die sie nicht ganz zart aus ihrem Seidenbettchen hoben, ostentativ auf. Linda kläffte und quietschte— alle Liebkosungen fruchteten nichts. Vielleicht ahnte sie Unheil? Das Pinscherl im Arm, fiel dem Assessor. als gewiegtem Gerichtsmenschen ein, daß Linda als Pfadsucher unbedingt des zarten, eigenartigen Dustes vedurfte, den Liselottes zierliche Gestalt ausströmte. —— da! Die roten Samtpantöffelchen seiner kleinen Frau! Wie niedlich! Welch ein reizendes Füßchen. Linda schnappte danach und knabberte sogleich an dem hohen Absatz. Da gab ihr„Herrchen“ mit dem Pantoffel einen Klaps auf das rosige Näschen und steckte ihn flugs in die Tasche. In größter Eile zurück. Nun wird sich's zeigen—— aber, aufrichtig! Der arme Assessor und Doktor Twilenhoff bangte sich vor einem etwaigen Erfolge. Wie glücklich und wie süß waren diese sechs Monate seiner Ehe gewesen— und mit welchem Stolze hatte er diese kleine Wiener Patrizierin in sein neues, elegantes Heim geführt. Er springt aus dem Wagen, und Linda hüpft ihm nach. Kaum aber hat er dem Kutscher das Fahrgeld hinaufgereicht, hört er das Tierchen jammervoll winseln; ein hagerer, älterer Mann hält das weiße Pinscherl im Arm—— der Fangbeamte. Halsband, Steuermarke und Maulkorb liegen natürlich daheim.„...., g.... Giahling# Heiliger Brimvorius: Liselottes Lievung: Fast zittert ihm das Herz genau so, wie dem armen, kleinen Aster. Nachdem der Herr Ajsessor seinen gerichtlichen Strafobolus bezahlt hat, bekommt er seine zappeinde Linda wieder und trägt sie behntsam in das verdächtige Haus. Zum Glück ist kein Portier in der verschlossenen Loge Sollte er umkehren—— in der Zwangsvorstellung weiterleben, die ihm Tag und Nacht keine Kuhe läßt——? Nein—— das war unerträglich! „Such' Frauchen! Frauchen ist da!“ sagte er leise dem Hunde und hielt ihm den kleinen Samtpantoffel unter die Nase. Linda sah ihren Herrn mit spitz Seite 7. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Donnerstag, den 30. Januar. Nr. 25. Greis hatte sich bei einem Anfall von Atemnot zu weit aus dem Fenster gebeugt. —— Letzte-Drahtmeldungen Der Alkohol. Dahlhausen, 30. Jan. Der aus Ostpreuzen gebürtige 46jährige Arbeiter Josef Grudzinski wurde nachts in betrunkenem Zustande aufgefunden und in einer Scheune untergebracht. Am andern morgen fand man ihn tot auf. Der Tod ist, wie der Arzt feststellte, durch Herzlähmung infolge übermäßigen Alkoholgenusses eingetroffen. Großfeuer. Duisburg, 30. Jan.. In der vergangenen Nacht brach in einem Speicher der Firma Rosenthal und Neumark Feuer aus, welches großen Umfang annahm. Der Schaden beträgt über 1 Million Mark, ist aber durch Versicherung gedeckt. Tragisches Geschick. Hüsseldorf, 30. Jan. Auf einem Werk in Lierenfeld bei Düsseldorf trieben einige junge Leute Unsug, indem sie sich gegenseitig mit brennendem Papier bewarfen. Dabei wurde ein unbeteiligter Lehrling getroffen. Sein ölgetränkter Anzug fing Feuer und der junge Mensch erlitt so schwere Brandwunden, daß er im Krankenhause gestorben ist. Selbstmord eines Liebespaares. Koburg, 30. Jan. In Hetschbach bei Hildburghausen erschoß heute vormittag der kürzlich vom Seminar entlassene Schullehrer Rösener seine aus Rodach stammende 18jährige Braut, Tochter eines Fabrikbesitzers, und sich selbst. Vorhaltungen seiDie Arb u. Lief. z. Neub. des Empfangs=Gbds.(270 gm bebaut. Fl.) m! Güt. Schupp. (130 gm) aus Bhf. Geisecke (Strecke Schwerte= Arnsberg) soll in 6 Losen geteilt od. ungeteilt im öfffl Verding vergeb werd. Angebotshefte werd. für nachsteh. Betrag abgegeb. od. gegen post- u. bestellgeldfreie Bareinsendung desselben zugesandt. Los I Erd-, Maurer= 2c. Arbeit. für 1.20 M.; Los II Zimmerarb. f. 0. 80 Mk: Los III Schmiede= und Schlosserarb. f. 0.80 Mk; Los IV Dachdeck- u. Klempnerarb. f. 0.80 Mk: LosV Tischler- u. Schlosserard f. i. 10 M. Los VI Glaser=, Anstreicher= usw. Arb. f. 0.80 Mk. Die Zeichn. lieg. im hies. Geschältsgebde. Oststraße 12, Zimmer 4 zur Einsicht aus. Oeffn. der Angebote am 12 2 13, vorm. 10½ Uhr. Zuschl.=Frist läuft am 12.3 13 teus der Eltern sollen den jungen Mann zu der Tat veranlaßt haben. Zum Befinden Schädlers. Augsburg, 30. Jan. Ueber das Befinden des Abgeordneten Schädler schreibt die„Augsburger Pöst“: Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, wurde Dr. Schädler auf seinen eigenen Wunsch hin am Sonnabend mit den heiligen Sterbesakramenten versehen. Der Zustand hat sich aber inzwischen nicht verschlimmert, doch ist er andauernd ernst. Vom Defraudanten Bruning. Berlin, 30. Jan. Dem Bankdefraudanten Bruning sind, wie bekannt, gleich nach seiner Verhaftung in Winnipeg 60000 Mark abgenommen worden, die er auf einer dortigen Bank deponiert hatte. Die kanadische Polizei hat von dieser Summe gleich die Belohnung von 10 000 Mark, die auf die Ergreifung Brunings ausgesetzt war, in Abzug gebracht, angeblich, weil sie mit Deutschland in ähnlichen Fällen schon sehr unerfreuliche Erfahrungen gemacht habe. Verhängnisvolle Explosion. Petersburg, 30. Jan. Aus Jekaterinenburg wird gemeldet: Eine folgenschwere Explosion hat sich gestern in einem hiesigen Weinlager ereignet. Dabei wurde eine Person getötet. 15 erlitten Verletzungen. Acht Schwerverletzte dürften kaum mit dem Leben davonkommen. Die Explosion hat in der ganzen Stadt große Aufregung hervorgerufen. Ruhe in Konstantinopel. Konstantinopel, 30. Jan. Die Nachricht von dem Abbruch der Londoner Friedensverhandlungen ist hier mit großer Gelassenheit ausgenommen worden. Tagesbefehl des Generals Sawoff. Sosia, 30. Jan. General Sawoff hat folgenden Tagesbesehl an die Armee gerichtet: Aus dem Gang der Friedensverhandlungen geht klar hervor, daß der Feind nicht einen Zollbreit Landes abtreten will, das von unserer ruhmreichen Armee erobert worden ist. Sollen die Helden von Kirkilisse, Bonar Hissar, Lüleburgas und Tschataldscha diese Beleidigung der ruhmreichen bulgarischen Armee hinnehmen, ohne sie zu vergelten? Bereitet Euch deshalb für neue Siege vor und mit Eurem unwiderstehlichen Vorwärtsstürmen beweist jetzt dem Frinde und der ganzen Welt, daß das bulgarische Vaterland mehr Rücksicht verdient. Wachsende Unstimmigkeiten zwischen Bulgarien und Serbien. Belgrad, 30. Jan. Das Bestreben der maßgebenden Kreise in Sosia und Belgrad, das freundschaftliche Verhältnis zwischen beiden Staaten zu erhalten, stößt auf wachsende Schwierigkeiten, und die nationalistische Presse in Bulgarien, wie in Serbien, führt eine geradezu feindliche Sprache; um einer Verhetzung der öffentlichen Meinung entgegenzuwirken, wurde mehreren Zeitungen das Recht der Postbesörderung in Serbien entzogen. Aufstand auf Manilla. Madri d, 30. Jan. Nach hier eingelaufenen Meldungen befindet sich die ganze Insel in hellem Aufstande. Am Dienstag wurde ein befestigtes Militärlager angegrissen; nach heftigem Kampfe wurden die Aufständischen jedoch zurückgeschlagen. Handel Wochenmarkt in Schwerte. Kartoffeln 3 Mark. Butter 1,50 Mark. Eier 19 Stück 1 Mark. Rindfleisch 90 Pfg. Schweinefleisch 1 Mark. Kalbfleisch 80 Pfg. — Neuß, 29. Januar. Rüböl 65,50, faßweise 67,50, gereinigtes 68,50 Mark, für 100 Klg. ohne Faß. Rübkuchen große 123, kleine 127 Mark für 1000 Klg., waggonweise.— Naps 1. Sorte 00,00, 2. Sorte 00,00, Avcel 00,00 Mark. Weizen neuer 1. Sorte 20,50, 2. Sorte 19,50 Mk. Roggen neuer 1. Sorte 17,90, 2. Sorte 17,50 Mark. Hafer alter 1. Sorte 00,00, 2. Sorte, 00,00, neuer 1. Sorte 18,70, 2. Sorte 17,70, 3. Sorte 14,70 Mark für 100 Klg. Wintergerstc neue 16,50 Mark für 100 Klg. Kartoffeln neuc 2.50 bis 3.20 Mark. Heu 3,50 bis 4,00 Mark, Luzerner Heu 4.50 bis 5,00 Mark für 50 Klg. Krummstroh neu 15,00, Breitdruschstroh 1700, Roggenrichtstroh 19,00 Mark für 500 Klg. Kleie 6,20 Mark für 50 Klg. Köln, 29. Jan. Luzerner Heu 10,25 bis 10,75 Mark, Wiesenheu 7,70 bis 8,00 Mark. Roggen Breitdruschstroh 4,20 bis 4,60 Mark. Krumm= und Preßstrob 320 bis 360 Mark. Briefkasten. L. K. Wie oft sollen wir denn eigentlich sagen, daß anonyme Zuschriften unter keinen Umständen berücksichtigt werden? Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Teuere Zeiten! ab. Königl. Eisenb. Betriebs627 amt 3 Hagen. amt S Gagen! wieder frisch eingetroffen Pfund 40 pig. 9 Frech U In S 7 ### kang nicht mohr. T der IIlann vn Tanganmne. Oc mace an Naue Miene PORtE Zu Die jungfrau von Orleans, Minna von Barnholm, Egmont, Carmen, Die Walküre, Siegfried, Die Götterdämmerung, Eva. Buchhandl. Carl Braus, Schwerte(Ruhr), Grosse Marktstr. 3—5. Boma hr 00 Sie#### nach zonk und. 7. Ralmoga TUe mockter mir obrugon statt Ruter auf den, C Mis Cons Oirtmenvernonnt! Ein Ratgeber für den Verkehr in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben Von KURT ENGEL. - Elegant gebunden Mark 6.— Vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus Otto Marx’s 3 Mark-Korsett ist das beste. Hamburger Engros-Lager. Schwerte, Ostenstrasse 20. Nun ist con9. Soren S 1 6 Ua Wiante diest Cr SC2. er hatt nichts- gemortern Braut-Murtenkränze Brautschleier— Braut-Silberkränze Goldkränze Grosse Wahl! Billigste Preise! A. Kaufhold Witwe Schwerte, Brückstr. 626 5— Fernspr. 189 u. 153. 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Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) B— 0 c Turn= u. BalspielVerein Schwerte Mitglied d D Turnerschaft. Sonnabend, den 1. FeE Hruar 1ois, 45s. 9, Uhr im Saale des Herrn Aug. Müller(„Jum alten Rathaus“) = Kostümfest= mit verschiedenen Ueberraschungen. Das Fest findet geschlossen statt, doch können Nichtmitglieder durch Mitglieder eingeführt werden Es ladet ergebenst ein Das Festkomilee. Die passiven Mitglieder sowie die Eltern de# Turnschüler sind herzl. eingeladen. Neu erschienen! Favorit-Sonderbeft! Kleidung für Konfirmanden Rleidung f. Kommunikanten Preis 50 Pig. Alleinverk.: Kaufbaus Otto Mark, Sstensu. 29. * 623 Freischütz. uonssesssen denssonsensennsensongane Sonntag, den 2. Febr., abends 6 Uhr: urones-Rostumisst Ein Waldhest Im Schwerter Wald. Der Saal ist eigens zu diesem Zweck in einen herrlichen Wald verwandelt.:: Leben und Treiben im Walde.:: u a. Zigeunerlager, Waldschenken, Scheibenstände etc.: Großes Preisschießen. 11 Uhr abends Proklamierung und Huldigung des Waldkönigs.:: Feierlicher Umzug der Waldmenschen. Kein Kostümzwang. Karten im Vorverkauf 75 Pfg. sind in den Zigarrenhandlungen von Winkelmann und Schöttler zu 636 haben MI A. 60 ein Mitglied der deutschen Turnerschaft. Zu einer = Kalsers=Geburkslagseier lade ich die Mitglieder mit ihren Angehörigen auf Sonntag, den 2. Februar, abends 6 Uhr in das Vereinslokal Wwe. Kage=Beckmann hierOvelgönner, Vorsitzender. Der Gesangverein„Concordia“ = Rheinen= seiert am Sonntag, den 2. Februar 1913 im Lokale des Wirts L. Becker, Rheinen, den Geburistag Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. durch Konzeri, Gesangsvorträge, Theater und Ball. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Es ladet freundlichst ein 631 Der Vorstand. Die passiven Mitglieder sind herzlichst eingeladen. Blade Dueh Preis nur Mark 1.80 Glaudius Emmerson Maeterlinek Lhotaky Sechesce EE Verband deuischer Eisenbahn-Oberbau-GRotten-) Arbeiter (Verbandssitz: Halle a. S.) Bezirksverein Schwerte u. Umgegend. Samstag, den 1. Februar 1913, abends 7½ Uhr anfangend, feiert der Verein den im Lokale des Herrn W. Kordeck (Westf. Hof) durch Konzert, Theater und Ball. Das Theater wird vom Theaterverein „Humor“ ausgeführt. Um zahlreiches Erscheinen bittet 632 Der Vorstand. Gedanken u. Gedichte für stille Leute Die Sonne segnet die Welt Von der inneren Schönheit Die Seele deines Kindes Vom Erleben Gottes Das Buch der Ehe Von Rosen ein Krentzelein Arbeiten und nicht verzweifeln. Garlyle Mensehen unter einander. Ruskin Du bist Orplid, mein Land... Mörike Wir jungen Männer....... Wegener Macht auf das Tor Jesus von Nazaret wie wir ihn heute sehen Daab Der stille Garten, deutsche Maler aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts— Dänische Maler— Griechische Bildwerke— Deutsche Plastik des Mittelalters— Moderne Plastik Michelangelo— Deutscher Baroek— Deutsche Dame— Bilder aus Italien Das Haus in der Sonne C. Larsson Vorrätig in der Suchnändlung Cart Braus Schwerte(Ruhr) Grosse Marktstrasse 3—5. Zur gefl. Kenntnisnahme, dass vom heutigen Tage meine bekannte Sommerwirtschaft das ganze Jahr hindurch geöffnet ist Nach wie vor werde ich durch Verabreichung guter Speisen u. Getränke mir das Vertrauen meiner werten Gäste zu erwerben suchen. 633 Friedrich Königsfeld, Hohenspburg. Zentral-Hotel Sternberg. Täglich — Künstler- Konzert— Anfang 8¼ Uhr. Es ladet freundlichst ein Eintritt frei! 86 C. Jungesblat. Denischlaus: Fwile im Rump, von Graf Bernstorff Mit 4 Illustrationsbeilagen und zahlreichen Abbildungen im Text... 216 Seiten. — Preis nur Mk 1.—— Vorrätig in der Buchhandlung Car! Braus, Schwerse Große Marktstraße 3 5. Bunte Jugendbücher = Preis nur 10 Pfg. Vorrätig in der Buchhandlung Cari Braus, Schwuerte Ruhr Auf meine Sammelbons erhalten Sie Gratiskarten zum Kino Reichskrone oder auf Wunsch Haushaltungsgegenstände in entsprechendem Wert gratis. Der Turn=Verein „Germania“ Ergste veranstaltet am Sonntag, den 2. Febr. cr. im Lokale des Wirts August Hengstenberg hierselbst einen großen Press Ausnen Vnll Die Konkurrenzzeit dauert von 9—10 Uhr abends. Zur Verteilung gelangen 12 wertvolle Preise und zwar 5 Herren= und 5 Damen=Preise, sowie 1 Gruppen= u. 1 ClownPreis. Vereinsmitglieder können an der Maskierung teilnehmen, sind aber vom Wettbewerb ausgeschlossen. Zu recht zahlreicher Beteiligung ladet ein 640 Der Vorstand. Meiner werten Kundschaft zur gefl. Nachricht, daß ich mein Zuchtvieh=Geschäft nach Station Ergste verlegt habe. Erhielt gestern 56 hochtragende, frischgekalbte und Manse563 Kuhe und lade zum Kaufe frdl. ein. Philipp Baum Guk Baum, Station Ergste, Post Schwerte, Teleson 271. Favorit-Modenalbum (60 Pfg.) Pavorit-Schnittmuste. 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