Nr. 285. r. abends termann!. geAP SClaämtier. esse jedes streibenden orstand. Beein. 62 Shlenl rktstrasse 8—5 chtete(7890 itein. TG. —52 47 rimund. 18. No vember en auf getrieben 1683 Schweine. Bez. f. 100 Pfd Se 985 90—93 83—89 72 82 65—70 86 88 80—84 75 79 86—90 43—46 88—88 38—42 76—84 31—34 70—76 25—28 60—67 0 104-113 100-106 8 95—100 2 85—94 Anerlleises Rrewolart Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Famillenfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg.. Anzeigen von aus. wärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pig. Jeder Rabatt gill als Kassarobalt u. erlischt bei Kon1 k u r s e n, Z w a n g s v e r g l e i c h e n, g e r i c h t l. K l a g e n v. nichtbeachtung d. gemacht. Zahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Ar. 280. 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Von der Debatte sind ausgeschlossen die Frage des setroleum=Monopols, der Koalitionsfreiheit der taatsarbeiter und des Wagenmangels. Diese Gegenstände werden als besondere Interpellationen behandelt. Staatssekretär des Reichsschatzamts Kühn: Das Etatsjahr 1911 zeigt eine Gesamteinnahme von 8 Milliarden und eine Gesamtausgabe von 2¾ Milliarden. Das ist ein erfreuliches Ergebnis, zumal während der Sommermonate eine erhebliche Mindereinnahme zu verzeichnen gewesen war. Wenn die zweite Hälfte des Etatsjahres 1912 das hält, was die erste verspricht, so werden wir auch jetzt wieder auf einen erheblichen Ueberschuß zu rechnen haben. Mit Einmütigkeit ist seiner Zeit beschlossen worden, die Reichsfinanzreform mit einer Reichsbesitzsteuer zum Abschluß zu bringen. Ich möchte mich noch nicht darüber auslassen, welche Form sie nehmen vird(Heiterkeit), ob eine Besitzsteuer oder Erbschaftssteuer, werden wir später sehen. Als tatsächliche Mitteilung kann ich sagen, daß im Reichsschatzamt eine Denkschrift bereits seit einiger Zeit den Landesregierungen vorgelegt wurde und daß maßgebende Verhandlungen über den Gegenstand stattfinden werden, voraussichtlich noch ehe die Herren von der Weihnachtspause zurückkehren. Tatsache ist, daß die Rezierung und mit ihr schließlich der Reichstag dahin intschieden hat, daß ein Teil der einmaligen Ausaben für die Wehrausgaben aus dem Ueberschuß des Jahres 1911 bestritten wird.(Mittlerweile haden sich noch eingefunden die Staatssekretäre Dr. delbrück, der preußische Kultusminister v. Trott u Sols.) Ich habe die beste Hoffnung, daß es trotz iller entgegenstehenden Schwierigkeiten dem jetzigen und künftigen Staatssekretar mit Unterstützung des gesamten Reichstags gelingt, an den Grundsätzen der Finanzpolitik festzuhalten. Dr. Frank-Mannheim(Soz.): Zenfur für den Reichsschatzsekretär lautet: Fleitz recht gut, Leistungen ungenügend.(Heiterseit.) Die besitzlosen Massen haben die Lasten zu ragen. Die ungeheure Zuckersteuer steht in keinem Verhältnis zur Schaumweinsteuer. Endlich sollen vir die Besitzsteuer bekommen, weshalb aber dies zeheimnisvolle? Wir haben Bedenken, uns der Besitzsteuer zu freuen. Werden nicht etwa Bestimnungen darin sein, durch die die breiten Massen belastet werden? Wir stehen vor der sechsten Milliarde Reichsschuld. Der jetz'ge Etat bringt neue Schulden, wenn es auch nur ein 33,4 MillionenDefizit ist.(Der Reichskanzler erscheint im Saal.) Die Ueberschüsse des vorigen Jahres werden mit für diesen Etat verwendet, so daß tatsächlich ein 300 Millionen=Defizit vorhanden ist. Wir sind also immer noch mitten in der Schuldenwirtschaft. Dazu kommt, daß noch ein Nachtragsetat für eine Luftflotte zu erwarten ist. Für soziale Zwecke ist so gut wie nichts in den Etat eingestellt. Die Arbeiter, die die Millionen aufbringen und der Industrie zur Blüte verhelfen, gehen leer aus. Ein Krebsschaden ist die Schädigung der Arbeiter durch die sogenannte Volksversicherungen. Wenn die Sozialdemokratie in der Arbeiterfürsorge vorgeht, so wird sie von der Regierung nicht unterstützt, sondern ihre Selbsthilfe vielmehr bebindert.(Unruhe.) Auch in der Jugendfürsorge muß die Sozialdemokratie vorangehen. Angesichts der Agitation aus ein neues Zuchthausgesetz muß darauf hingewiesen werden, daß schon heute ein Ausnahmegesetz gegen Arbeiter besteht. Bezeichnet ein Streikender einen Streikbrecher mit dem richtigen Namen, dann ist der Richter verpflichtet, diesen mit Gefängnis zu bestrafen. Der Spiritusring kann ungestraft Verrufserklärungen erlassen, einem Arbeiter, welchem in der Hitze des sozialen Kampses ein solches Wort entfährt, wird schwer bestraft. Alle diese Einzelfragen münden in die Frage des preußischen Klassenwahlrechts. Das Zentrum, das gegen die Friedensdemonstrationen der Sozialdemokraten sich so ins Zeug gelegt hat, hat selbst die Demonstrationen zu Gunsten der Jesuiten veranstaltet. Die Entscheidung des Bundesrats in der Jesuitenfrage war eine erfreuliche Erscheinung. Es geht nicht an, daß durch ein bayerisches Gesetz das Jesuitengesetz ausgelegt wird. Was heute beim Jesuttengesetz geschieht, kann morgen beim Vereinsgesetz oder beim Preßgesetz geschehen. Diese Aktion ist eine schwere Niederlage des Ministeriums Hertling. Namens meiner Partei kann ich aber erklären, wir haben keine Angst vor den Jesuiten und sind nach wie vor bereit, für die Aufhebung des Restes des Jesuitengesetzes zu stimmen. Als Freischärler der Opvosition ist das Zentrum nicht zu benutzen. Aus der Kriegserklärung des Zentrums gegen den Kriegsminister anläßlich der Duellfrage kam nichts heraus als die Bewilligung der Mlitärvorlage. Hinsichtlich der jüdischen ReserveOffiziere verstößt der Kriegsminister klar gegen die Verfassung. Wir wollen die jungen Kräfte in der Arbeiterklasse organisieren und zum Siege führen, wir wollen sie nicht zum Gehorsam erziehen, wie Prinz Heinrich in Frankfurt gefordert hat, sondern zum Rebellentrotz und sind uns des Sieges gewiß gegen Klerikalismus, Konservative und Ausbeuter. Wir erziehen sie für die Freiheit, die Demokratie und Sozialismus.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Spahn(Ztr.): Wenn Herr Frank für die Aufhebung des Restes des Jefuitengesetzes stimmen will, verzeihe ich ihm alle Bosheiten gegen uns.(Große Heiterkeit.) Er meint, wir seien als Regierungstruppe seit 1909 gut einexerziert, da wir trotz der Duellangelegenheit für den Etat gestimmt hätten. Der Kriegsminister versprach eine Aenderung der Kabinettsorder und das war wichtiger, als eine Nichtbewilligung des Etats. Ich hätte anstelle des Frhrn. v. Hertling den Bundesrat bezüglich der Auslegung des Jesuilengesetzes garnicht erst gefragt. Preußen hat auch wiederholt Kundgebungen und Auslegungen des Jesuitengesetzes vorgenommen. Das gleiche Recht kann Bavern für sich in Anspruch nehmen. Durch den Bundesratsbeschluß ist die Erregung unter den deutschen Katholiken tiefgehend geworden. Wir wollen den konfessionellen Frieden. Auch die uns entgegenstehende Presse spricht sich für die Hinfälligkeit des Gesetzes aus. Die Jesuiten können nichts tun, was nicht in voller Uebereinstimmung mit der Lehre der katholischen Kirche steht. Das Wohnen der Jesuiten und ihre Lehre ist zulässig, sobald nicht einzelstaatliche Bestimmungen dem entgegenstehen. Ist dies der Fall, dann haben auch die einzelnen Länder das Recht, ihre besondere Auslegung bekannt zu geben. Das katholische Volk versteht es nicht, daß ihm die Mittel beschränkt werden. die es für das religiöse Leben für notwendgig hält. Es dürfte niemand im Hause sein, der es nicht glaubt, daß wir für die Jesuiten eintreten würden. wenn wir an ihrer Gefahrlosigkeit zweifelten. Alle Schuld rächt sich auf Erden, wir werden die Schuld von uns abwälzen und fortgesetzt für die Aufbebung des Jesuitengesetzes eintreten. Auf die Begründung des Bundesrates habe ich folgende Erklärung meiner Partei abzugeben: Das Gesetz vom 4. Juli 1872 betr. den Orden der Gesellschaft Jesu enthält einen Angriff gegen die katholische Kirche und die Staatsbürgerlichen Rechte der Katholiken im Deutschen Reich. Das klösterliche Leben und die Wirksamkeit der Orden liegen im Wesen der katholischen Kirche. Der Orden der Gesellschaft Jesu, die Kongregationen der Lazaristen und der Sacté coeur=Schwestern sind von der katholischen Kirche anerkannt. Deshalb ist das Verbot der Tätigkeit für die Angehörigen dieses Ordens eine Beschränkung des Lebens der katholischen Kirche und eine Beschränkung der religiösen Uebungen der Katholiken die im Reiche voll= und gleichberechtigt sind. Die gegen die Jesuiten früher und jetzt erhobenen Vorwürfe der Immoralität, der Deutsch= und Kulturfeindlichkeit sowie der Störung des religiösen Friedens. sind unwahr. Der zur Beurteilung der Jesuiter zuständige deutsche Episkopat hat in einer Erklärung von 1878 sewie auch jetzt bezeugt, daß er sich durch die Unantastbarkeit ihres Lebenswandels, durch ihre Wissenschaft sowie nicht minder durch ihre eifrige und gesegnete Wirksamkeit in der Hilfsseelsorge ausgezeichnet hat. Die Bekanntmachung des Bundesrats vom 28. November 1912 verletzt durch das Verbot der priesterlichen Tätigkeit der Ordenspersonen die Gewissensfreiheit aller Katholiken, welche die Sakramente in der Kirche nach ihrer Wahl von denjenigen Priestern empfangen dürfen, denen sie ihr Vertrauen schenken. Der Bundesrat hat die in den Ausnahmegesetzen gegen den Orden der Gesellschaft Jesu liegenden Eingriffe in die bürgerliche und kirchliche Freiheit verschärft. Unter diesen Umständen können wir zum Reichskanzler und Bundesrat das Vertrauen nicht haben, daß die Bedürfnisse der Katholiken im deutschen Reich eine gerechte Behandlung finden. Wir werden unser Verhalten dementsprechend einrichten.(Lebhaftes Bravo im Zentrum.) Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Meine Herren! Der Herr Abgeordnete Spahn hat von einer tiefen Erregung gesprochen, in die das katholische Volk durch den letzten Bundesratsbeschluß geraten ist. Gewiß ergreifen Streitigkeiten, die das kirchliche Gebiet berühren, das deutsche Gemüt tiefer als es im Ausland bei anderen Nationen der Fall ist. Jahrbunderte bindurch sind solche Streitigkeiten ein verhäugnisvoues und vielfach blutiges Kapitel der deutschen Geschichte gewesen. Heute gehen die Wogen der Erregung wieder hoch. Den zahlreichen Stimmen aus katholischen Kreisen, welche die Aufhebung des Jesuitengesetzes verlangen, stehen zum mindesten ebenso zahlreiche Aeußerungen von evangelischer Seite gegenüber, welche ihrer ernsten Besorgnis vor der Ruckkunft des Ordens Ausdruck geben. Ich halte es für notwendig, daß wir bei der Beurteilung dessen, was geschehen ist, uns von der Erregung der Gemüter möglichst frei halten. Der Hergang ist der folgende gewesen. Das Gesetz vom 4. Juli 1872 schließt den Jesuitenorden vom Deutschen Reich aus und erteilt dem Bundesrat den Auftrag und die Ermächtigung, die erforderlichen Beschlüsse zu fassen, damit die Durchführung des Gesetzes gewährleistet wird. Das hat der Bundesrat in dem bekannten Beschluß vom 5. Juli 1872 getan. Auf Grund dieses Beschlusses ist das Gesetz seit 40 Jahren ausgeführt worden. Der Beschluß ist verschiedentlich den Entscheidungen höchster Gerichte zu Grunde gelegt worden. Obwohl der Bundesrat eine Definition des Begriffes„Ordenstätigkeit" nicht gegeben hat, hat sich im Reich eine Praxis herausgebildet, für die Auslegung des Gesetzes, die in allen Hauptpunkten in den einzelnen Bundesstaaten die gleiche gewesen ist. Diese Praxis hat im Laufe der Zeiten die Tendenz gehabt, nicht sich zu verschärfen, sondern zu mildern, und wenn die Katholiken auch während der ganzen Zeit mit Nachdruck bestrebt gewesen sind, das ganze Gesetz zu beseitigen, so werden sie doch, wenn sie einmal das Jesuztengesetz als eine lex Lata und nicht als eine lex Ferenda behandeln, Klagen über harte Schikanen bei der Anwendung des Gesetzes nicht erheben. Dies war im Interesse des konfessionellen Friedens nur zu begrüßen. Der Reichskanzler und der Bundesvat hatten keinerlei Anlaß, an diesem Zustand zu rütteln. Da ist der bayerische Erlaß gekommen. Dieser Erlaß hat mich und den Bundesrat genötigt, uns neuerdings mit der Ausführung des Jesuitengesetzes zu befassen. Ich muß gegenüber den erregten Klagen in katholischen Kreisen ausdrücklich vor dem Lande feststellen: bei uns hat die Initiative nicht gelegen und, meine Herren! indem ich dies feststelle, will ich mich in keiner Weise mit den Vorwürfen identifizieren, die in der Oeffentlichkeit gegen die hayerische Regierung und vor allem gegen den bayerischen Herrn Ministerpräsidenten erhoben worden sind, als hätten sie sich gegen das Reich auflehnen wollen. Die Art und Weise, wie Bayern die Angelegenheit vor das Forum des Bundesrats gebracht hat, sollte die bayerische Regierung jedes Vorwurfs des Versuchs, das Reichsrecht zu beugen, entheben, auch in den Augen derjenigen, die nicht in jahrelanger gemeinsamer Tät gkeit erfahren haben mit welcher Peinlichkeit und mit welcher über allen Sonderinteressen erhabenen Bundestreue Bavern zum Reiche steht. Meine Herren! Was hat denn nun der Bundesrat auf den Antrag Bayerns anders beschlossen als die Kodifizierung dessen, was seit 40 Jahren nicht geändert ist? Ich würde die Erregung in den latholischen Kreisen verstehen, ich würde selbst gewisse. über alles Maß hinausgehenden Aeußerungen, die wir in diesen Tagen gelesen haben, begreifen, wenn wir jetzt neuerdings den Orden der Gesellschaft Jesu vom Deutschen Reiche ausgeschlossen hätten. Das ist aber nicht der Fall. Der Bundesratsbeschluß vom 28. November kodifiziert lediglich die Praxis, nach der das bestehende Reichsgesetz ausgeführt worden ist. Der Herr Abgeordnete Spahn hat das Bestreben, in dem Bundesratsbeschluß eine Verschlimmerung des bestehenden Zustandes zu erblicken und hat zum Beweise dessen eine Reihe von Details hier vorgeführt. Ich muß es einem meiner Mitarbeiter überlassen, darauf zu antworten. Für mich kommt es darauf an, das Grundsätzliche festzuhalten. Der Bundesratsbeschluß entstand aus der Absicht, die Auslegung zu kodifizieren, welche die Bundesregierung bei der Handhabung des Gesetzes im Geist des Bundesratsbeschlusses von 1872 gegeben hat. Bei der eigenartigen Struktur des Gesetzes, das eine Strafandrohung nicht kennt, und nach dem Wegfall des § 2 dieses Gesetzes ist es sehr wohl möglich, ja, ich möchte es als sicher bezeichnen, daß die Jesuiten vielfach über jene Auslegung hinaus unbehelligt eine Tätigkeit ausgeübt haben. Bei der Handhabung des Gesetzes hat man sich in der letzten Zeit eben meist von jeder Nachschnüffelei und Schikane ferngehalten. Die bestehende Praxis und die bestehende Handhabung des Gesetzes zu ändern, ist nicht Zweck und Absicht des jetzigen Bundesratsbeschlusses gewesen. Für den Bundesrat und den Reichskanzler lag keinerlei Veranlassung vor, einen Gegenstand materiell neu zu ordnen, mit dem er ohne das Vorgehen Bayerns, ohne diesen Antrag keine Veranlassung gehabt hätte, sich überhaupt zu beschäftigen. Meine Herren! Das ist der Hergang der Sache und diesen Hergang sollte man sich bei einer Kritik des Bundesratzsbeschlusses auf allen Seiten vor Augen halten. Das ist zu meinem Bedauern in der Erklärung nicht geschehen, die der Herr Abgeordnete Spahn am Schluß seiner Rede verlesen hat. Wenn Sie, meine Herren vom Zentrüm, aus der Behandlung der Jesuitenfrage durch den Bundesrat, die, wie ich wiederhole, eine Aenderung nicht gebracht hat: den Schluß ziehen, daß die gesamte katholische Bevölkerung das Gefühl hätte, daß sie vom Bundesrat nicht gerecht behandelt werden würde, wenn Sie der halb, weil Sie es tun, dem Bundesrat und mir das Vertrauen kündigen und wenn Sie danach ihr gesamtes politisches Verhalten einrichten wollen. dann, meine Herren, was heißt das anders, als daß Sie die Jesuitenfrage zum Eckstein ihres palltischen Programms machen?(Sehr richtig! im Zentrum.) Wenn Sie als Mitglieder der katbolischen Kirche die Beseiti44. Jahrg. gung des Jesuitengesetzes herbeisehnen, wer weine Ihnen das verdenken! Aber neben den 24 Millionen Katholiken leben 40 Millionen Protestanten in Deutschland, beides Söhne eines Volkes, und in allen Schickungen des nationalen Lebens auf Gedeih und Verderb zusammengeschmiedet!(Bewegung.) Meine Herren! Eine geschichtliche Tatsache ist es, daß sich das evangelische Volksempfinden seit Jahrhunderten gegen die Tätigkeit der Jesuiten heftig gewehrt hat. (Zustimmung.) Das ist eine Tatsache, die Sie weder durch Gründe, noch durch Dialektik wegleugnen können. Sie können in dieser Tatsache auch nicht eine Idiosynkrasie der Evangelischen erblicken. Die streitbare Tätigkeit, die die Jesuiten in vergangenen Zeiten auf allen Gebieten, in Kirche, Politik und Schule, entfaltet haben, und ihr Widerstreben gegen die Entwickelung des modernen Staatsgedankens, hat den Orden wiederholt nicht nur in protestantischen, sondern auch in rein katholischen Ländern mit der Staatsregierung, ja mit der römischen Kirche selbst in Widerspruch gebracht.(Sehr richtig!) Ich brauche ihnen nicht die Geschichte zu rekapitulieren. Da können Sie sich nicht wundern, wenn in evanorlischen Kreisen bei der Frage der Zulassung oder Nichtzulassung der Jesuiten— vielleicht unbegründet, aber doch immer wieder die Erinnerung an die Zeiten nachzittert, in denen fanatischer Glaubenshaf unser Vaterland zerriß Möge uns das Geschick vor der Wiederkehr ähnlicher Zustände bewahren, in denen um des Glaubens willen die Glieder des Volkes einander entfremdet wurden. Deshalb meine Herren, und damit lassen Sie mich schließen, muß ich meine warnende Stimme erheben, wenn jetzt dem katholischen Teil Deutschlands der Bundesratsbeschluß als die Wiedereröffnung des Kulturkampfes dargestellt wird. Diejenigen, die das tun, laden eine schwere und verhängnisvolle Verantwortung auf sich.(Sehr richtig!) die sie weder mit dem Inhalt des Bundesratsbeschlusses noch mit dem Hergang, der zu seiner Fassung führte, vertreten konnen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Graf Westarp(Kons.): Die Erklärung des Reichskanzlers, daß die bisherigen Bestimmungen und die Handhabung des Jesuitengesetzes nicht verschärft werden sollen, ist für uns erfreulich. Die Auslegung des Bundesrats steht im Einklang mit der Auslegung, die man seit 40 Jahren dem§ 1 des Jesuitengesetzes gegeben hat. Der Etat gibt das Bild eines guten finanziellen Fortschrittes, der die Folge der von uns im Jahre 1909 beschlossenen Reichsfinanzreform ist. Wenn, die Heeres= und Marineverwaltung glauben, daß sie die Zeppelinluftschiffe für ihre Zwecke verwenden können, dann müssen wir die zu erwartenden Vorlagen bewilligen. Für weitere Steuern müssen wir uns unsere Stellungnahme vorbehalten, da wir erst die weitere Belastung des Volkes prüfen müssen. Die Mitteilung des Staatssekretärs über die Finanzlage erklärt, daß der Ernst der Stunde Rube und Besonnenheit verlange. Nervosität ist im Wirtschaftsleben nicht angebracht.(Beifall rechts.) Darauf wird die Weiterberatung auf Donnerstag 1 Uhr vertagt; außerdem Petroleummonopol, Interpellation betr. Koalitionsfreiheit und WagenSchluß nach 6 Uhr..... 4 Politische Aebersichn. Der Kaiser, der am Tage zuvor den Kronprinzen von Rumänien als Gast bei sich sah, hörte am Mittwoch die Vorträge des Chefs des Admival= stabes der Marine Vizeadmiral von Heeringen, des Chefs des Marinekabinetts Admirals von Müller und des Chefs des Zivelkabinetts Wirkl. Nates von Valentini. Am heutigen Donnerstag begibt sich der Monarch nach Bückeburg. Im preußischen Abgeordnetenhause, das sich am Tage zuvor mit den Verkehrsstörungen in Rheinland=Westfalen befaßt hatte, für deren Eindämmung und künftige Vorbeugung alle Maßnahmen getroffen sind, kam am Mittwoch die Winzernot in eheinischen Weinbaugebieten zur Sprache, bei Landwirtschaftsminister v. Schorlemer ausführte, daß von einem eigentlichen Notstand keine Rede sein könne und daher auch kein Anlaß zu einem Notgesetz vorliege. In Sachen des Konflikts zwischen dem Berliner Polizeipräsidenten und den Feuerwehrmännern hielt Minister, v. Dallwitz das Vorgehen des ersteren gegen den Verein für berechtigt, da die Feuerwehrmänner Einflüsterungen Gehör geschenkt hätten, die nicht mit dem Beamtentum in Einklang ständen. Die Besprechung der Interpellation findet am heutigen Donnerstag statt. Prinzliche Besuche. Zu derselben Zeit, da der Bruder unseres Kaisers. Prinz Heinrich von Preußen, einen Besuch in London abstattet, weilt der Kronppinz von Rumänien in Beolin. Beido Be Seite 2. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Mittwoch, 5. Dezember 1912. et Nr. 286. suche sollen rein privater Natur sein; es konnte aber nicht ausbleiben, daß man ihnen in diesen unruhigen Zeiten auch politische Bedeutung beilegte. Das Einvernehmen zwischen Deutschland und England in der Balkanfrage, das unser Botschafter Fürst Lichnowsky in London und in der Reichstagssitzung der Staatssekretär von Kiderlen=Wächter bezeugte, kann sehr wohl eine Besiegelung durch den persönlichen Besuch des Prinzen Heinrich in London ersahren sollen, der möglicherweise dort auch eine Vereinbarung über den Antrittsbesuch des englischen Nönigspaares in Berlin trifft. Kronprinz Ferdinand von Rumänien, eine Nefse des kinderlosen Königs Karol und Gemahl der Prinzessin Maria von Sachsen=Koburg und Gotha, der im 48. Lebensjahre steht, hat auf der Rückreise von Brüssel, wo er dem Leichenbegängnis seiner Tante, der Gräfin von Flandern, beigewohnt hatte, mehrtägigen Aufenthalt in Berlin genommen. Er wurde alsbald nach seiner Ankunft vom Kaiser empfangen und wird sich laut „Boss. Ztg.“ mit den Berliner leitenden Persönlichkeiten über gewisse Fragen der aktuellen Polilik aussprechen. Kommt es gegen alle Erwartung der Balkanhändel wegen zu einem europäischen Krieg, so steht bekanntlich Rumänien an der Seite dei Dreibundstaaten. Der Antrag auf Aufhebung des Jesuitengesetzes. Wie die„Landeszeätung für beide MecklenBurg“ aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird der noch unerledigte Antrag der katholischen Geistlichbeit Deutschlands an den Bundesrat über die Aufhebung des Jesuitengesetzes jetzt von zwei größepen Bundesregierungen unterstützt. Die neue Medaille für verdienstvolle Leistungen im Bau= und Verkehrswesen, die der Kaiser gestiftet hat, wird in Gold, Silber u. Bronze verlichen. Während die silberne und bronzene Münze der Eisenbahnminister verleihen kann, kann die Auszeichnung mit der goldenen Medaille nur durch den Kaiser erfolgen. Eine deutsch=euglische Verständigung. Die Evening News will erfahren haben, daß in den deutschenglischen Beziehungen eine überraschende Wendung bevorstehe, die zu einer dauernden Besserung des Verhältnisses führen würde. Als Bekräftigung hierfür führt das Blatt die gegenwärtige Anwesenheit des Prinzen Heinrich in England, die Orklärungen Kiderlen=Wächters im Reichstage und die Rede des Botschafters Fürsten Lichnowsky in London an. Viele Anzeichen deuteten jetzt daraufhin, daß die bevorstehende Verständigung kein Stückwerk sein werde; sie werde zu allererst sämtliche Mittelmeerfragen einschließen. Die durch den Abschluß des Balkankrieges gebotene Gelegenheit werde benutzt werden, um alle vorhandenen Echmberigkeiten zu liquidieren. Frankreich. Die Massendesertionen in Frankreich, die schon einmal das Parlamont in Paris beschäftigt haben, haben nunmehr zur Einbringung eines Antrages geführt, wonach Deserteure und solche, die sich selbst verstümmelt haben, um sich dem Heeresdienst zu entziehen, ihres Wahlrechtes verlustig gehen sollen. Dieser Antrag, der einer Kommission überwiesen wurde, fand die volle Billigung des Kriegsentwisters Millerand, der bedauerte, daß die soziaistische Partei zwar die Massendesertionen als Phantastereien hinstellte, aber kein Wort des Probestes gegen die Heeresflucht finde. Die Pulverfrage in Frankreich geht nach einer Aufsassung des Marineministers Delcassee nunmehr ihrer Lösung entgegen, sodaß keine Beunrubigung der Massen vonnöten sei. Da das verdächtige Pulver überall ausgeladen sei, böte das neu eingeschiffte Pulver jede Sicherheitsgarantie; infolgedessen sei die Ausrüstung der Flotte für jedes ##edürfnis ausreichend. —— Der Abschluß des Waffenstillstandes ohne Griechenland besiegelt den Bruch des Balkanbundes und schafft zugleich neue Komplikationen. Da die Fürkei Griechenlands halber trotz des Waffenstillstandes ihre militärischen Operationen fortsetzen muß, so liegen die Verwickelungsmöglichkeiten auf der Hand. In den militärischen Kreisen Konstantinopels behauptete man sogar, daß nunmehr eine gemeinsame Aktion der drei Balkanverbündeten und der Türkei gegen Griechenland zu erwarten ##. Die Weigerung der Griechen gegen einen Wafsenstillstand ist darauf zurückzuführen, daß sie Jagina, die Hauptstadt von Epirus, in ihren Besitz bringen wollen, dazu jedoch keine Aussicht haben, menn jetzt schon die Waffenruhe eintritt, da sie die auf Anregung des deutschen Generalfeldmarschalls v. d. Goltz von den Türken stark befestigte Stadt noch nicht erobert haben. Auch die beiden andern Festungen Skutari und Adrianopel behaupten sich noch und bleiben deshalb wahrscheinden Türken erhalten. Der Oberstkommandierende der bulgarischen Belagerungsarmee hatte noch kurz vor dem Abschluß des Waffenstillstandes einen letzten Versuch gemacht, Adrianopel zur Kasitulation zu bewegen, und der Garnison nicht nur einen ehrenvollen Abzug mit Waffen und Fahnen zugesichert, sondern auch versprochen, allen Türken L#en und Gut zu gewährleisten. Dieses Versprechon zeugt recht deutlich von der in Bulgarien noch immer herrschenden barbarischen Denkweise. Nach einer dem Völkerrecht entsprechenden Kriegführung ist die Schonung von Leben und Eigentum der Besatzung wie der Bewohner einer Festung, die kapitulierte, ganz selbverständlich. Die Friedensverhandlungen werden am 13. d. M. in London beginnen. Die Wahl des Ortes wurde einam türkischen Wunsche gemäß getroffen. Der Waffenstillstandsvertrag besagt ferner: Die kriegführenden Heere bleiben in ihren Stellungen. 2. Die belagerten Festungen werden nicht neu verproviantiert. 3. Die Zufuhr von Lebensmitteln für die bulgarische Armee wird über das Schwarze Meer geschehen, und zwar vom zehnten Tage nach Abschluß des Waffenstillstandes ab. Funkentelegramme aus Adrianopel, die soeben in Konstantinopel eintrafen, erklärten, daß die Festung noch mindestens für einen Monat mit Munition und Lebensmit teln versehen sei, und daß die jüngsten unbedeutenden bulgarischen Bombardements keinen bemerkenswerten Schaden angerichtet hätten. Bei dieser Sachlage wäre es den Bulgaren doch sehr schwer geworden, sich der Festung zu bemächtigen, so daß sie voraussichtlich auf deren Besitz verzichten werden, zumal die Türken schon vor dem Abschluß des Wafsenstillstandes erklärt hatten, daß ihnen die Uebergabe unmöglich sei. Ein griechischer Angriff soll auf Gallipoli und damit auf die Dardanellen im Gange sein. Nach Konstantinopeler Meldungen beschießt ein griechisches Geschwader, das ein griechisch=bulgarisches Landungskorps an Bord hat, die Stadt Gallipoli am Dardanelleneingang. Bestätigt sich die Meldung, so ist es selbstverständlich, daß die bulgarischen Truppen bereits mehrere Tage vor dem Abschluß des Waffenstillstandes eingeschifft wurden. Griechenlands apartes Verhalten berechtigt die Türkei nicht nur, sondern verpflichtet sie zu weiteren Rüstungen. Und dieser Pflicht kommt sie gewissenhaft nach, wie eine soeben erlassene Ordre des Kriegsministers beweist, die alle Gestellungspflichtigen, die das 19. Lebensjahr erreichten, zu den Fahnen einberuft. Die österreichisch=serbische Spannung wegen Albaniens und des Adriahafens hat eine Milderung erfahren, dagegen besteht der Gegensatz wegen der völkerrechtswidrigen Behandlung des österreichischen Konsuls Prochaska durch die serbischen Truppen in Prizren in unverminderter Schärfe fort. Gibt Serbien deswegen nicht sofort die verlangte Genugtuung, so wird Oesterreich ein Ultimatum mit kurz bemessener Frist in Belgrad überreichen lassen, —— Aus Stadt und Umgebung *e Schwerte, 5. Dez. 1912. **(Astronomisches vom Dezember.) Im Dezember nimmt der Tag(bis zum 22.) noch um 23 Minuten ab, um darauf bis zu Ende des Monats wieder um 9 Minuten zuzunehmen. Die Sonne geht auf: am 1. Dez. um 7 Uhr 50 Minuten, am 10. Dez. um 8 Uhr 2 Min., am 20. Dez. um 8 Uhr 10 Min. und am 30. Dezember um 8 Uhr 14 Min. Sie geht unter: am 1. Dez. um 3 Uhr 48 Min., am 10. Dez. um 3 Uhr 44 Min., am 20. um 3 Uhr 45 Min. und am 30. Dezember um 3 Uhr 52 Min. Am 22. Dez. 6 Uhr morgens tritt die Sonne in das Zeichen des Steinbocks, hat um Mittag den größten Abstand vom Scheitelpunkte und bringt den kürzesten Tag hervor, d. h. es beginnt der Winter.— Bezüglich der Mondwechsel ist zu bemerken: 1. Dez. 12 Uhr mittags letztes Viertel. 8. Dez. 6 Uhr abends Neumond. 16. Dez. 9 Uhr früh Vollmond. 30. Dez. 9 Uhr abends letztes Viertel, Mond in Erdnähe am 26., Mond in Erdferne am 14. Dez.— Planeten=Erscheinungen: Merkur, in der 2. Hälste d. M. morgens bis ¾ Std. lang sichtbar.— Venus, Abendstern, Zunahme der Sichtbarkeitsdauer, die am Ende d. M. 3 Stunden beträgt.— Mars bleibt unsichtbar.— Jupiter, rechtläufig im Skorpion, bleibt unsichtbar. — Saturn, rückläusig im Stier, noch über 11 Stunden lang sichtbar. *e(Fahrpreisermäßigung zu Fahrten im Interesse der Jugendpflege.) Die Königliche Eisenbahndirektion hat die von ihr aufgestellten Verzeichnisse der zur Abgabe der Bescheinigung zwecks Erlangung der Fahrpreisermäßigung im Interesse der Jugendpflege befugten Organisationen(Ausschüsse usw.) den Bezirksregierungen zugehen lassen. Die Fahrkartenausgaben sind sangewiesen, die ihnen vorgelegten Anträge zur Erlangung von Fahrpreisermäßigung für Fahrten im Interesse der Jugendpflege insbesondere auch darauf zu prüfen, ob die bescheinigende Stelle, und zwar unter der gleichen Bezeichnung, wie auf dem Ausweise, in dem Verzeichnis aufgeführt wird. Fehlt in dem letzteren die bescheinigende Stelle oder ergeben sich Abweichungen zwischen den beiderseitigen Angaben, so kann die Ermäßigung nicht oder erst nachträglich im Reklamationsweg gewährt werden. Den beteiligten Vereinen wird anheimgegeben, die Anträge möglichst frühzeitig zu stellen, damit etwaige Unstimmigkeiten noch rechtzeitig ausgeklärt werden können *(Regiments=Jubiläum. Am 7. Juni 1913 seiert das 2. Westfälische Husaren=Regiment Nr. 11 sein hundertjähriges Jubiläum. Das Regiment beabsichtigt, dieses Jubiläum durch eine dreitägige Feier in Crefeld im Kreise seiner alten Kameraden festlich zu begehen und bittet alle ehemaligen Offiziere, Reserve=Offiziere, Sanitäts=Offiziere, Beterinär=Offiziere, Beamten, Unteroffiziere und Husaren. möglichst zahlreich zu erscheinen. Anmeldungen zur Feier nehmen unter Angabe der genauen Adresse— bei Unteroffizieren und Husaren auch der Zeit und Angehörigkeit der betr. Eskadron— entgegen: Die Jubiläums=Kommission des 2. Westsälischen Husaren=Regiments Nr. 11 in Crefeld und die Vereine des Verbandes ehem. 11. Husaren. Vereine ehem. 11. Husaren befinden sich in nachstehenden Städten: Barmen, Crefeld, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Elberfeld, Geldern, Moers, Mülheim=Ruhr, Rheydt, Solingen, Bochum, Köln, Witten. **(Das Kommunale Elektrizitätswerk„Mark“) hatte nach dem Betriebsausweis fün November 1912 eine Stromerzeugung im Kraftwerk 1 von 3 434 758 Kwst.(3 922 505 Kwst. im Vorj.), in Kraftwerk 2 von 2 056 290(—), zusammen 5 491 048 Kwst.(3922 505). Insgesamt betrug die Stromerzeugung vom 1. Januar ab 50 663218 Kwst. (31 926 800), die größte Tageserzeugung stellte sich auf 246 214 Kwst.(160 770), die Zahl der Anschlüsse betrug 4079(3375), der Anschlußwert 31 903 Kw.(23 449), die halbstündl. Maximum in den Kraftwerken 15 600 Kw.(11 450). *(Wissenschaftliche Ballonaufstiege.) Heute werden in den Morgenstunden die bekannten internationalen wissenschaftlichen Ballonaufstiege vor sich gehen. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballone in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Weisung gemäß, den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet. *(Deutliche Unterschrift.) Ein Düsseldorser Rechtsanwalt hatte für einen Klienten Berufung gegon ein schöffengerichtliches Erkenntnis eingelegt. Vor Eintritt in die Verhandlung gab der Vorsitzende der Strafkammer bekannt, daß die Berufungsschrift den gesetzlichen Anforderungen nicht entspreche, da sie keine gültige Unterschrift trage. Der Rechtsanwalt hatte nämlich— leider eine vielfach verbreitete Unsitte— seine Unterschrift in einer Weise gegeben, die vom Gerichtsvorsitzenden als„einzelne Striche“ charakterisiert wurde. Die Folge war die Abweisung der Berufung ohne weitere Verhandlung.— Von Rechts wegen! *(Der neue Wein) hat, wie vom Oberrhein geschrieben wird, die erste Gärung hinter sich. gewonnenen Proben ergeben, daß die Säure der Weine zwar zurückgegangen ist, der 1912er aber immer nur als Mittelwein eingeschätzt werden kann. Das Mostgeschäft ist still; die Nachfrage nach 1911er Weinen, von denen nur kleinere Posten in den Kellern der Eigentümer lagern, aber groß. Die Preise sind hoch und zeigen Neigung zum Steigen. Bezahlt werden in der letzten Zeit für das Fuder 1911er Weißweine in Steeg 1200 Mark, in Rheinbrohl 980 bis 1100 Mark, für Notweine in Sinzig 1100 Mark und in Rhöndorf 1050 bis 1200 Mark. ** Westhofen, 5. Dez.(Ein Zimmerbrand) entstand gestern abend in der Wohnung des Metzgormeister Viebahn. Obgleich das Feuer bald bemerkt wurde und auch mit Hilfe der Nachbarn schnell gelöscht werden konnte, ist das Zimmer— ein Schlafzimmer— vollständig ausgebrannt. Der ziemlich beträchtliche Schaden ist durch Versicherung gedeckt. ** Hengsen, 4. Nov.(Wegen Milchfälschung) wurde vor dem Amtsgericht Unna gegen den Landwirt Schulte=Braucks von hier verhandelt. Dieser wurde der Tat überführt und zu 80 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Magd des Sch., welche die Manipulationen vorgenommen hatte, erhielt eine Geldstrase von 30 Mark zudiktiert. —— Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 4. Dez.(In einem Anfall geistiger Amnachtung) hat die Ehefrau des Lagerhalters Pl. in Lütgendortmund ihr erst 14 Monate altes Kind aus einem Fenster ihrer im dritten Stockwerk belegenen Wohnung auf die Straße geworsen. Schwer verletzt brachten Nachbarn das unglückliche Kind ins Krankenhaus, wo man einen Schädelbruch und Schenkelbruch konstatierte. * Essen=Ruhr, 4. Dez.(Verhängnisvoller Fehltritt.) Beim Hinabtransportieren eines Kinderwagens, in dem ein Knabe von 2 Jahren und ein Mädchen von 5 Monaten saß, tat die Ehefrau Kriegen in der Steinstraße einen Fehltritt und stürzte die erste Etage hinunter. Ihr Mann, der den Wagen festhielt, wurde mitgerissen. Die beiden Kinder wurden aus dem Wagen herausgeschleudert. Das Mädchen brach beide Arme und trug eine schwere Kopfverletzung davon, der Knabe schlug auf den Boden des Hausfbures auf und erlitt innere Verletzungen. Die Mutter erlitt eine Verstauchung des rechten Fußes, während der Vater mit dem Schrecken davon kam. * Köln, 4. Dez.(Tödlicher Unfall.) Das unvorsichtige Hantieren mit Schießwafsen hat in dem benachbarten Orte Refrath den Tod eines jungen Mannes herbeigeführt.. Zwei jugendliche Arbeiter machten sich auf dem Heimwege aus der Fabrik an einer Schießwasse zu schaffen. Als ein Schuß stecken blieb, forschte man nach der Ursache, wobei sich die Waffe entlud und die Kugel einem etwa achtzehnjährigen Arbeiter in den Hals drang. Der Verletzte starb alsbald. Kirchliches. Der Verein für Innere Mission in der Grafschaft Mark seierte am 1. und 2. Dezember in Schwelm sein diesjähriges Jahresfest. Am Abend wurden in einer großen Festversammlung die drei großen Bäter der Inneren Mission der Gegenwart wieder vor Augen geführt: Wichern, Bodelschwingh, Fliedner. Der zweite Tag brachte die Hauptversammlung des Vereins. Den Mittelpunkt der Verhandlungen bildete die Frage:„Wie gewinnt die Kirche die Männerwelt wieder für sich und für ihre Arbeiten?" Als Vorschläge zur Besserung nannte der Redner mehr Heranziehung der jungen Leute zum Gemeindedienst, eine völlige Aenderung des Kirchenbegriffs insofern, daß die Kirche zwar eine Gemeinschaft, aber doch eine lebendige, tätige, sich gegenseitig durch Liebe fördernde Gemeinschaft ist. Er forderte Veranstaltung von Männerabenden zur Besprechung religiöser und sozialer Fragen u. a. Den größten Einfluß auf das künftige Männergeschlecht hätten die Mütter. —— Letzte Drahtmeldungen. Vom Polizeidiener zum Bürgermeister. Limburg a. d. Lahn, 5. Dez. Eine nicht alltägliche Beförderung kann der bisherige Polizeidiener der Gemeinde Dietkirchen bei Limburg an der Lahn ausweisen. Er wurde mit 11 gegen 7 Stimmen, die auf den Sohn des bisherigen Bürgermeisters entfielen, zum Ortsoberhaupt gewählt. Schweres Eisenbahnunglück. Dresden(Ontario), 5. Dez. Bei einem Zugzusammenstoß auf der Pennsylvaniaeisenbahn wurden gestern abend acht Personen getötet und ebensoviele tödlich verletzt. Der Tarifabschluß im Baugewerbe. München, 5. Dez. Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Dr. Delbrück hat mit Rücksicht darauf, daß am 31. März nächsten Jahres der Tarifvertrag im deutschen Baugewerbe abläuft, an den Vorsitzenden des Münchener Gewerbe= und Kaufmannsgerichts Dr. Prener geschrieben, daß es im öffentlichen Interesse liege, schon jetzt mit neuen Tarisverhandlungen zu beginnen. Drei Kinder ertrunken. Dux, 5. Dez. Auf einem zu einem Schachte gehörenden Teich sind mehrere Kinder, die sich mit Schlittschuhlaufen vergnügten, eingebrochen. 3 ertranken, die übrigen konnten gerettet werden. Verhaftung von Anarchisten. Paris, 5. Dez. Gestern wurden zwei Anarchisten, Ruff und Pornovol, verhaftet, die auf der Straße eine Flugschrift verkauft hatten, welche Anweisungen zur Vereitelung von Mobilisierungs= maßnahmen erteilt. In Perpignan wurde der Anarchist Liothien aus einem ähnlichen Grunde verhaftet. Da werden Weiber zu Hyänen. London, 5. Dez.„Zentral News“ will erfahren haben, die Frauenrechtlerinnen hätten beschlossen, bei Verweigerung des Frauenstimmrechts mit Gewaltmitteln vorzugehen. Es sollen Freiwillige angeworben sein, welche, mit Explosionskörpern ausgerüstet, die Parlamentsverhandlungen stören sollen. Oesterreichisches Ultimatum an Serbien?! Berlin, 5. Dez. Der Berliner Lokalanzeiger schreibt offenbar halbamtlich: Es liegen noch keinerlei Meldungen vor, daß Serbien sich entschlossen hat, die Forderungen nach Genugtnung, die Graf Berchtold inzwischen in Belgrad hat überreichen lassen, zu erfüllen. Sollte die Regierung des Königs Peter auch weiter nicht geneigt sein, für die völkerrechtswidrige Behandlung des Vertreters einer fremden Macht die selbstverständliche Genugtuung zu gewähren, so ist anzunehmen, daß man in Wien nicht lange zögern wird, die Forderung mit größerem Nachdruck zu wiederholen, und zwar in der Form eines Ultimatums, das in kurz gestreckter Frist zu befriedigen sein wird. Valona von den Griechen bombardiert. Wien, 5. Dez. Ismail Kemal Bey meldet aus Valona: Zwei griechische Kriegsschiffe, die schon wiederholt gegen das Wächterhaus des interaationalen Kabels in Valona das Feuer eröffnet haben, erschienen gestern morgen wieder und schossen sowohl gegen die italienischen Fahnen auf den öffentlichen Gebäuden als auch auf die Stadt, wodurch mehrfach Schaden angerichtet wurde. Die künftige türkisch=bulgarische Grenze. London, 5. Dez. Aus Sosia meldet eine Depesche der Exchange Telegraph=Company, daß die zukünftige türkisch=bulgarische Grenze von den Flüssen Mavitza und Ergene gebildet werde. Tschorlu würde dann bulgarische Grenzstation werden. Erregung unter den Armeniern. Konstantinopel, 5. Dez. Bei den Armeniern macht sich eine leidenschaftliche Erregung darüber geltend, daß Kurdistan die Automie verlangt, angeblich um einen festen Wall gegen ein russisches Eingreifen zugunsten der Armenier zu bilden. Die leitenden armenischen Kreise wollen ihre Frage der geplanten europäischen Konferenzur Entscheidung vorlegen. Verantwortlich für die Redaktion: Friedr. Kraas. Druc u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwertt. Nr. 286. 1. Beilage. Vonnerslag, 5. Dezember 1912 Antliches Kreisblatt. S Die politische Situation. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Erklärung des Reichskanzlers, daß Deutschland bei einem russischen Angriff auf Oesterreich ohne Zaudern auf die Seite des Verbündeten treten werde, außerordentlich beruhigend gewirkt hat. Dabei ist das, was der Kanzler gesagt hat, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber an dieser Selbstverständlichkeit, ob Deutschland seiner Bündnispflicht nachkommen werde, waren in der letzten Zeit doch hie und da Zweifel laut geworden. Ist es doch auch ein Entschluß von unendlicher Tragweite, die politische, militärische und wirtschaftliche Macht Deutschlands einzusetzen in einer Streitfrage, deren Bedeutung dem gemeiner. Manne ohne weiteres nicht einleuchtet, deren Bejahung oder Verneinung aber doch am letzten Ende gleichbedeutend ist mit der Behauptung oder dem Verzicht auf unsere Großmachtstellung: die Frage nämlich, ob wir gewillt sind, unter allen Umständen das durchzusetzen und zu erzwingen, was für unsere politische und wirtschaftliche Zukunft notwendig ist. Nun hat der Kanzler gesprochen, und die schlichte und ruhige Konstatierung der Tatsache, daß wir unter allen Umständen unserer Bündnispflicht nachkommen werden, hat nicht nur die Unruhe und Ungewißheit beseitigt, sie hat auch der Befürchtung ein Ende gemacht, wir könnten in denselben Fehler verfallen, der uns 1806 ins Verderben führte, als wir Oesterreich im Kampfe gegen Frankreich erst allein ließen, nach Austerlitz aber doch mobilisierten und dafür dann ein Jahr später ein Jena antraten. Nun weiß Rußland, daß es bei einem Angriff auf Oesterreich mit zwei Gegnern zu rechnen hat, und es weiß, daß es sich auf Frankreich nicht allzu fest verlassen darf, trotzdem Herr Delcassee mit Nachdruck behauptet, die franz. Flotte E und das Heer sei alarmbereit. Wenn Frankreich sich auch auf Umwegen manche Pulvervorräte verschafft haben mag, gerüstet dürfte es auf diesem Gebiete doch nicht sein. Der beruhigende Eindruck der Kanzlerrede gibt auch denen Unrecht, die da meinen, es erzeuge schon Unruhe in der Bevölkerung, wenn man einer Gefahr klar und scharf ins Auge sähe. Nur die An gewißheit, nur die Unsicherheit schafft Unruhe. Seitdem man aber im deutschen Volke überall das Gefühl gewonnen hat, daß bei uns dafür gesorgt ist, daß wir durch einen seindlichen Angriff nicht überrascht werden können, ist eine gewisse Beruhigung wieder angebahnt, und auch die Sorgen um die Sicherheit der Sparkassen sind glücklicherweise einer vernünftigen Ueberlegung gewichen. Die Zuversicht, daß der Friede erhalten bleiben wird, beruht nunmehr auf der Erwägung, daß auch die russische Kriegspartei vor der wahnsinnigen Idee zurückschrecken wird, die beiden stärksten mitteleuropäischen Militärstaaten um nichts und wieder nichts herauszufordern. Ausländische Preßstimmen zur Kanzlerrede. Das halbamtliche Wiener„Fremdenbl.“ führt aus: Die Rede des Reichskanzlers bestätigt die Richtlinien der drutschen Politik in unanfechtbarer, dautlicher Weise. Sie proklamiert das Programm des Dreibundes während der jetzigen Krise. Die Mächte des Dreibundes sind von aufrichtigster Friedensliebe besoelt und ihre Politik ist eine Politik des Friedens; sie nehmen immer Rücksicht auf Europa und vergessen niemals ihre Pflicht, die ihnen als gute Europäer obliegt. Aber sie sind ebenso entschlossen, ihre eigenen Interessen zu wahren und vor einem Eingriff zu schützen. In un ansechtbarer deutlicher Weise hat Herr von Bethmann=Hollweg der Gemeinsamkeit der Interessen der verbündeten Staaten Ausdruck gegeben; er hat mit festen, unzweidentigen, aber nicht herausfordernden Worten auf das Zusammengehen Deutschlands mit seinen Verbündeten in diesen bewegten Zeiten hingewiesen. Seine Rede wird überall dort, wo ernstlich dem Friedensgedanken gehuldigt wird, mit größter Genugtuung ausgenommen werden. Auf den russischen Minister des Auswärtigen Sasonow hat die Kanzlerrede laut„Tägl. Nd.= schau“ einen sehr günstigen Eindruck gemacht und wird als die wichtigste Friedenskundgebung der letzten Zeit betrachtet. Die starke Betonung der deutschen Bundestreue für Oesterreich=Ungarn hat nicht entfernt unangenehm berührt, da die russische Regierung über die Stellungnahme Deutsch= lands niemals im unklaren war. Uebrigens hatte der deutsche Botschafter Graf Pourtalees vor einigen Tagen eine Unterredung mit dem Zaren, in deren Verlauf der Zar dem Botschafter namens Nußzlands Versicherungen gab, die durchaus von friedlichem Geiste getragen waren. In der englischen Presse hat die Kanzlerrede sowohl bei den Konservativen wie bei den liberalen Blättern ein sympathisches Echo erweckt, wenn auch betont wird, daß die Rede wenig Neues gebracht habe und daß die Gefahr noch nicht überwunden sei. Einige Blätter schlagen allerdings einen drohenden Ton an und bemerken, wenn Deutschland vertragliche Pflichten gegen Oesterreich=Ungarn habe, so habe Frankreich ebensolche gegen Rußland. Die französischen Revanchepatrioten gewännen neue Hoffnung. Auch heißt es, der Kanzler hätte sich nicht auf einon Wink an Rußland beschränken, sondern einen solchen auch an Oesterreich=Ungarn gelangen lassen und auf dieses im Sinne der Mäßigung einwirken sollen. Im Ganzen wird aber die in der Kanzlerrede zum Ausdruck gebrachte friedliche Politik des deutschen Reiches anerkannt. — Westfalen und Rheinland * Unna, 4. Dez.(Recht unangenehm) werden jetzt die bekannten Vorgänge beim hiesigen Spar= und Darlehnskassenverein verschiedenen Mitgliedern des letzteren in Erinnerung gebracht. Beim hiesigen Amtsgericht gelangen nämlich in den nächsten Tagen die vom Verein gegen die mit ihrer Nachzahlung von 245 Mark im Rückstande gebliebenen Mitglieder angestrengten Klagen zur Verhandlung. Aebrigens wird wohl noch eine Nachzahlung eingefordert werden müssen, da eine Anzahl früherer Mitglieder gar nicht in der Lage ist, den verlangten Betrag zu zahlen. * Dortmund, 4. Dez.(Ein schwerer Bauunfall) ereignete sich gestern mittag auf dem Neubau Ecke Uhland= und Haydnstraße. Infolge Gerüstbruches stürzten vier Bauleute aus der Höhe des 5. Stockwerkes ab. Dabei brach der Dachdecker Rümenapp das Genick und blieb auf der Stelle tot. Der Maurer Gustav Rüther und der Hülfsarbeiter Kümmel erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Ein Dachdeckerlehrling wurde weniger schwer verletzt. * Dortmund, 4. Dez.(Tragischer Unglücksfall.) Auf Zeche„Bruchstraße" bei Langendreer wurde der Bergmann Schörp von herausrollenden Wagen ersaßt und an die Wand gepreßt. Der Bedauernswerte, der gestern heiratete, und seine erste Schicht verfuhr, mußte mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo er hoffnungslos darniederliegt. * Beckum, 4. Dez.(Von einem Zuge überfahren und getötet.) Der Monteur Max Hansen, der bei der Firma Ammer und Giesecke in Braunschweig beschäftigt ist und sich bei der „Westfalia“ auf Montage besand, wurde gestern abend von dem Personenzug, der um 8 Uhr 36 Min. von hier nach Lippstadt fährt, beim Ueberschreiten der Gleise überfahren. Der Unglückliche erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach kurzer Zeit starb. Man nimmt an, daß sich Hansen, der erst 25 Jahre alt und der einzige Ernährer seiner Mutter war, sich in der Dunkelheit verirrt und dabei unter den Zug geraten ist. * Solingen, 4. Dez.(Uhrendiebstahl.) In auffälliger Weise mehren sich in der letzten Zeit hier die Einbruchsdiebstähle. Gestern morgen wurde in dem verkehrsreichen Punkte der Stadt von mehreren Leuten mit einem schweren Balken das Schausenster eines Juwelierladens zertrümmert. Goldene Uhren und sonstige Schmuckgegenstände im Werte von mehreren 1000 Mark wurden gestohlen. Trotz der in frühen Morgenstunden ausgenommenen Verfolgung gelang es nicht, der Täter habhaft zu werden. * Köln, 4. Dez.(Mord.) Gestern nachmittag gegen 6 Uhr wurde die Ehefrau eines Hotelbesitzers in ihrem Hotel an der Maximinenstraße von dem Schwiegervater ihres Sohnes durch zwei Revolverschüsse getötet. Die Tat ist auf Familienstreitigkeiten zurückzuführen. Der Täter, ein Förster, wurde festgemommen. * Köln, 4. Dez.(Ein Schwungrad zersprungen.) In der Maschinenhalle an der Annastraße zersprang gestern nachmittag plötzlich ein großes Schwungrad. Die Trümmer des Schwungrades durchschlugen die Mauern des Gebäudes. Glücklicherweise war die Straße zur Zeit des Unfalles nicht belebt, so daß keine Personen zu Schaden kamen. * Bonn, 4. Dez.(Automobilunfall.) Der Chauffeur des Majors von Möhöl aus Brühl verlor auf der Kölner Landstraße die Herrschaft über das Auto, das in den Straßengraben geriet. Der Major und seine Frau wurden aus dem Kraftwagen geschleudert und verletzt, so daß sie in ein Krankenhaus gebracht werden mußten. #92-— und Flotte. Ueber vier Milliarden Mark für die Marine hat das Deutsche Reich seit dem Jahre 1900 ausgegeben. Das ist gewiß eine stattliche Summe, aber die Notwendigkeit einer starken Marine hat sich für uns Deutsche im Laufe der letzten Jahre wiederholt herausgestellt, so noch zuletzt während des gegenwärtigen Balkankrieges. Trotzdem wir zurzeit die zweitstärkste Marine der Welt besitzen und die Amerikaner an fertigen und im Bau befindlichen Kampfschiffen überflügelt haben, mußte unsere Marineverwaltung infolge Mangels an Auslandskreuzern mit der Entsendung des Panzerkreuzers„Goeben“ und des kleinen Kreuzers„Breslau“ die Kriegsformationen angreifen. Während für die deutsche Murine 7 Mark pro Kopf der Bevölkerung ausgegeben werden, kostet die britische jedem einzelnen Engländer etwa 20 Mark jährlich, dafür ist aber auch die engliche Marine mehr als doppelt so stark wie die deutsche. Im Mannschaftsbestand hat freilich die deutsche Marine einen verhältnismäßigen Vorteil, denn die Etatsstärke der letzteren beträgt gegenwärtig 72 889, worin die Einjährig=Freiwilligen nicht einbegriffen sind, der Personalbestand der englischen Marine beträgt dagegen 136 500 Köpfe, ist im Ver hältnis also niedriger wie der deutsche. Eine Neuerung im Etat für 1913 ist die Schaffung einer besonderen Luftfahrertruppe, die bereits 196 Köpfe zählt, aber nach Einbringung des in Aussicht stehenden Luftflottengesetzes stärker werden dürfte. Es ist dem Deutschen Reiche nicht möglich, jedem neuen englischen Dreadnought einen ebensolchen entgegen zustellen, wohl aber einen mindestens 75 Mal so billigen Luftkreuzer. Schwierigkeiten bietet hier nur die Frage von geeigneten Luftschiffhäfen, die erheblich teurer sind, als die ZeppolinLuftkreuzer selbst. —— Landwirtschaft. Kartoffel= und Haferanbau=Versuche. Alljährlich finden auf Veranlassung der Landeskulturgesellschaft für den Regierungsbezirk Arnsberg in den verschiedensten Kreisen Kartoffel= und Haseranbau=Versuche statt. Im lausenden Jahre waren für diese Versuche durch den Landwirtschaftlichen Kreisverein Iserlohn Ergste und Hennen vorgesehen. Ueber das Ergebnis der Versuche berichtete Herr Hidding sen. (Ergste) in der vorgestrigen Hauptversammlung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Iserlohn. Die Kartoffelanbau=Versuche im Ergste hatten pre Morgen nachstehenden Ertrag:(Bemerkt sei, das Kunstdünger nicht zur Verwendung gekommen ist; S. bedeutet Pflanzgut von Sandboden und L. von Lehmboden.) „Alice".... S.= 81.50 Jtr. L.— 61,50 Jtr. „Alma" 91.50„"= 98.50„ „Erfolg"....= 96.—„„ 109,50„ „Feodora".... 96.50„"= 96,50„ „Fürstenkrone"=104,—„„=118.50„ „Geh. Rat Haas“„=107,50""— 66,50„ „Industrie"... 112,50""= 118.—„ „Lucia".= 115,75„"= 85.—„ „Westfalia"...- 88.—„"= 65.—„ Ueber Schmackhaftigkeit und Haltbarkeit kann erst im Frühjahr berichtet werden. Die Haferanbau=Versuche ergaben ebenfalls für den Morgen: Petkuser Gelbhafer: Körner 12,20 Itr., Stroh 15,60 Itr. Beseler Haser:„ 8.60„„ 16,90„ Als Versuchsansteller bei den KartoffelanbauVersuchen in Ergste fungierte Herr Landwirt ner daselbst, der Haferanbau=Versuch kam in der Gutswirtschaft des Herrn Schulte zu Rheinen zur Ausführung. Ein zweiter Haferanbau=Versuch mit Petkuser Gelbhafer, der in Konkurrenz mit amerik. Dollarhaser auf dem Gute der Frau Witwe Brunnenberg angestellt wurde, kam infolge des regnenischen Wetters zur Erntezeit nicht zur völligen Durchführung. Die Ergebnisse wurden in Anwesenheit des Herrn Oekonomierats Dr. Klöpfer (Hagen) sestgestellt. Nr. 48 der„Wochenschau“(Verlag W. Sirardet, Essen=Ruhr) vom 30. November widmet sich in erster Linie der Illustrierung unserer wichtigsten Tagesereignisse, wie: Hofjagd zu Springe, 14. Hauptversammlung der Schiffsbautechnischen Gesellschaft und Beerdigung des spanischen Ministerpräsidenten Canalejas. Hieran reihen sich die Porträts des verstorbenen Bildhauers Prof. Otto Lessing, der bekannten Schauspielerin Wjera Tschaikowskij und der russischen Fliegerin Ljuba Galantschikoff, die einen neuen Höhenrekond für Damen aufgestellt hat. Zu der allseitig mit größter Spannung verfolgten Balkankrisis nimmt der als Militärschriftsteller bekannte Oberst Brose in einem orientierenden Artikel das Wort. Der Bezugspreis beträgt nur 15 Pfg. für das Heft; Bestellungen werden durch alle Buchhandlungen und Postanstalten entgegengenommen. Verantwortlich für die Redaktion: Friedr. Kraue. Druck u. Verlag von Carl Braus. beide in Schwerte. m Vervotene Tsade. Kriminalroman von Otto Viehofer. 55 Mit krummem Rücken trat Johann direkt auf die Baronin zu:„Ich bitte um gütige Verzeihung, gnädigste Frau Baronin, wenn ich hier störe, aber es war mir vorhin nicht möglich, Sie zu sprechen. Ichkomme, um Abbitte zu leisten für meine Ungezogenheit von damals. Ich habe es bereut, und bereue es noch heute tief, gnädigste Frau Baronin, daß ich Ihnensoschroffentgegengetreten bin, daß ich Ihnen so plötzlich meine Stellung kündigte. Ihnen, deren erhabenen Eltern ich schon in Treue diente, und der ich Sie als Kind bereits auf meinen Knien schankelte. Seien Sie mir nun nicht weiter böse, gnädigste Frau Baronin, und vergeben Sie mir meine Missetat, denn ich kann mit meinem beladenen Herzen nicht wieder zurückkehren zu meiner Marie." Groß und ernst ruhte das Auge der Baronin auf ihrem ehemaligen Diener. Und da— eine merkliche Milde war über ihr Autlitz gekommen und, in den Ton eine unendliche Zartheit hineinlegend, sagte sie mit einem Male: „Johann, es freut mich, daß Sie den Weg zu mir wieder gefunden haben. Ich ersehe daraus, daß Sie trotz Ihres Aufbäumens damals doch unser guter, alter Johann gewesen und auch geblieben sind. Und da will ich, zumal in dieser Stunde, da man Ihren einstigen unglücklichen Herrn rächte, nun nicht zögern, Ihnen das Ungehörige von damals voll und ganz zu vergeben. Fahren Sie heim als meines Hauses treuester Diener, als der alte, gute Johann, und grüßen Sie mir auch Ihre Marie. Hoffentlich ist sie auf mich heute auch nicht mehr böse, denn durch meine Kündigung hat sie ja doch ihren Mann bekommen, schneller als sie es wohl geahnt. So— und nun gute Fahrt!“ Die Baronin hatte dem alten Diener ihre schmale Hand gereicht, er drückte ehrerbietigst einen Kuß darauf, und dann war er mit einer tiefen Verneigung auch gegen die übrigen Herrschaften aus dem Lokal verschwunden. „Das ist noch einer jener wenigen treuen Dienstboten gewesen, die für ihre Herrschaft durchs Feuer gehen würden," sagte nun die Baronin, wieder zum Kaffeetisch gekehrt,„schade, daß ich ihn verloren habe!“ „Na ja, gnädigste Baronin,“ sagte Graf Peter von Bruckhoff.„Und Sie haben mit dessen Nachfolger trübe Erfahrungen machen müssen, wie ich hörte?“ „Leider ja! Der unverschämte Mensch warf mir ohne jeglichen Grund seinen Dienst einfach vor die „Na, und der jetzige, wie macht der sich denn?“ fragte der Graf weiter. „O, mit dem bin ich ja auch zufrieden; er ist ein sehr gewandter, williger Mensch. Daß er mir den Johann nicht ersetzen kann, liegt wohl eben daran, daß Johann mich hat großwachsen sehen, daß ich mich zu sehr an ihn gewöhnt hatte. „Und woher ist denn Ihr neuester Diener gekommen, liebste Baronin?“ fragte jetzt eine ältere Gräfin, die Schloß Trampitz in den letzten Wochen keinen Besuch abgestattet hatte. „Von Bremen kam er, teuerste Gräfin.“ „Soso, darum auch seine Gewandtheit!“ Nun wandte sich das Gespräch wieder der heutigen Schwurgerichtsverhandlung zu, und endlich brach man auf, um zum Teil gemeinsam in einem Abteil erster Klasse heimzufahren. Als man auf dem Bahnhof in M. anlangte, fing es bereits zu dunkeln an. Ein Abschiednehmen, Händedrücken, noch einmal Worte des Trostes—, und Baronin von Paltzow saß in ihrem geschlossenen Wagen. Vorn auf dem Bock saß neben dem Kutscher der Diener Kaspar, gespannt aufs äußerste. Wie mochte wohl das Urteil heute ausgefallen sein über Wenzel Koczmierski? War er zum Tode verurteilt worden, oder vielleicht nur zu lebenslänglichem haus? Nichts hatte die Baronin beim Einsteigen darüber geäußert— nichts. Aber er mußte abwarten, die Baronin würde daheim schon Gelegenheit nehmen, ihm oder anderen das Urteil mitzuteilen, und wo nicht, nun, so fragte er eben. Warum sollte es denn den Diener nicht interessieren, in welcher Weise man den Mord sühnte, der an dem Gemahl seiner Herrin begangen worden war? Nein, nichts Verdächtiges war dabei, also fragen, wenn's nicht von selber kam.— Angelangt war der Wagen schon auf Schloß Trampitz, der Diener sprang vom Bock, öffnete den Schlag, und die Baronin schritt ihrem Salon zu, der bereits im hellsten Licht erstrahlte. Auf dem Korridor hatte schon die Zofe gewartet, sie öffnete ihrer Herrin die Tür, und beide verschwanden im Gemach. Aber der Diener machte sich nicht sogleich aus dem Staube. Er hatte ein paar Schritte an der Tür vorüber getan, war dann wieder leise zu ihr zurückgekehrt, und nun horchte er, was drinnen gesprochen werden würde. Und da kam's auch schon. „Wenn ich fragen darf, gnädige Frau Baronin, was ist denn mit dem Mörder geschehen in Verlin?“ fragte die neugierige Zofe ihre Herrin. „Es ist ihm geschehen, was ihm gebührt, Anna: er ist zum Tode verurteilt worden— er wird hingerichtet!“ klang's zurück. Der Diener hatte geuug gehört, er schlich sich nun auf sein Zimmer, um das Gehörte gleich zu verarbeiten. Also zum Tode hatte man Wenzel Koczmierski verurteilt, wirklich zum Tode!— Nun, so gefährlich war's noch nicht, das Urteil war ja noch nicht rechtskräftig, es gab doch noch eine Revision. Und zu aller Letzt konnte immer noch die Begnadigung zulebenslänglichem Zuchthaus kommen.Nein, nein, zu spät würde er, Herbert Balthasar, noch nicht kommen, nur Ruhe, Ruhe, damit er sich seinen jüngsten Plan nicht noch verdarb. Ach, wie gut war's doch, daß der Sprechapparat schon thronte auf dem Ofen im Boudoir der Baronin, und daß dessen elektrische Bedienung tadellos funktionierte. Nicht eine von den weiblichen Geistern im Schloß hatte etwas gemerkt von seiner geheimnisvollen Arbeit— nicht eine. Ha, nun brauchte man nur auf den Knopf zu drücken, den Apparat im gegebenen Augenblick wieder herausbugsieren aus dem Boudoir, und dann hatte er es. Heute abend gleich, denn kommen würde„Ponto“ auf jeden Fall, wenngleich er die Baronin sicher auch schon gesprochen hatte in Berlin und während der Fahrt, er war ja jeden Abend gekommen in letzter Zeit. Wie schlau: am Tage mieden sich die beiden— mieden sich immer noch, und nachts waren sie vereint. Aber die Wände hatten Ohren jetzt, und hinterm Ofen hingen tausend gottlose Zungen. Aus war's bald mit dem Geschnäbele, mit dem Liebesgegirr!— Es klopfte an der Türe. „Herein!“ Die Zofe war's, sie streckte nur den Kopf durch die Türspalte:„Kaspar, die Frau Baronin zieht sich heute abend sofort zurück, Sie möchten in einer Viertelstunde im Salon die Lampe ausdrehen.“ Der Diener hatte ein schmeichelndes Lächeln aufgesetzt:„Schön, mein Fräulein, wird gehorsamst ausgeführt!“ Die Tür hatte sich wieder geschlossen, und der Detektiv stand nun mitten im Zimmer, tieferust, sinnend wie vorhin. Die Lampe sollte er ausdrehen. Hm, na ja, müde war die Frau Baronin heute, äußerst müde von der Reise— und von der ausgestandenen Angst, und da wollte sie früh zu Bett gehen. Nahe gegangen waren ihr ihre eigenen Aussagen— die Aussagen unterm Schwur. Oder aber, sie war nicht müde, und begab sich anstatt ins Schlafzimmer vorerst ins Boudoir, um„Ponto“ heute früher zu erwarten als sonst. Nun, das Licht würde ja verraten, wohin sie sich begeben. 197/10 Seite 4. MA1 Schworter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Mittwoch, 5. Dezember 1912. Nr. 286. Telauntmachuug. Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 8. d. Mts. bestimme ich, daß die Neuwahlen für das nach einer sechsjährigen Amtsdauer ausscheidende Drittel der Gewerbegerichts=Beisitzer am Donnerslag, den 12. Dezember 1912 in der Zeit von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr und von nachmittags 5 Uhr bis abends 9 Uhr in der nachbenannten Wahllokalen stattzufinden haben. Es sind Neuwahlen vorzunehmen: a) Aus dem Stande der Arbeitgeber für den ausscheidenden Maurermeister Ferd. Göbel zu Barop, b) Aus dem Stande der Arbeitnehmer für den ausscheidenden Metallarbeiter Ludwig Bitter zu Hombruch. Wahlbezirk Hörde. Innerhalb des Wahlbezirks der Stadt Hörde, bestehend aus den Gemeinden des Amtes Wellinghofen und der Stadt Hörde sind für die bevorstehende Wahl 3 örtliche Wahlstellen in der Stadt Hörde errichtet worden Die erste örtliche Wahlstelle umfaßt sämtliche Wähler aus dem Stande der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus den Gemeinden des Amtes Wellinghofen sowie die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Stadt Hörde mit dem Namens=Anfangsbuchstaben A bis G einschließsich. In dieser örtlichen Wahlstelle nimmt der Wahlausschuß die Geschäfte des Wahlvorstandes wahr. Wahlvorsteher: Amtmann Hartung=Wellinghofen. Wahllokal: Der obere kleine Bergmann'sche Saal, Langestraße. Die 2. örtliche Wahlstelle umfaßt die Wähler der Stadt Hörde aus dem Stande der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit dem Namens=Anfangsbuchstaben H bis O einschließlich. Wahlvorsteher: 2. Bürgermeister Reimann=Hörde. Wahllokal: Westfälischer Hof, oberer kleiner Saal, Wirtschaft Rosemann. Die 3. örtliche Wahlstelle umfaßt die Wähler der Stadt Hörde aus dem Stande der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit dem Namens=Anfangsbuchstaben P bis Z. Wahlvorsteher: Standesbeamter Meyer=Hermann zu Hörde. Wahllokal: Wirtschaft Klasen=Hörde, Chausseestraße. Wahlbezirk Schwerte: bestehend aus der Stadt Schwerte und den Gemeinden des Amtes Westhofen. Wahlvorsteher: Amtmann von Daniels=Westhofen, Wahllokal: Hotel Ostermann=Schwerte. Wahlbezirk Aplerbeck: bestehend aus den Gemeinden des Amtes Aplerbeck. Wahlvorsteher: Amtmann Leonhard=Aplerbeck. Wahllolal: Wirtschaft Westermann=Aplerbeck. Wahlbezirk Barop: bestehend aus den Gemeinden des Amtes Barop und des Amtes Kirchhörde. Wahlvorsteher: Amtmann Freitag-Barop, Wahllokal: Wirtschaft Klems=Baroperheide. Wahlbezirk Annen: bestehend aus der Gemeinde Annen. Wahlvorsteher: Amtmann Drees=Annen, Wahllokal: Gasthof„Deutsches Haus“ Inhaber Wirt Wibelitz. Zum Mitgliede des Gewerbegerichts soll nur be rufen werden, wer das 30. Lebensjahr vollendet und in dem der Wahl vorangegangenen Jahre für sich oder seine Familie Armen=Unterstützung nicht empfangen oder die empfangene Armen-Unterstützung erstattet hat, und wer in dem Bezirke des Gewerbegerichts seit mindestens 2 Jahren wohnt oder beschäftigt ist. Desgleichen sollen zu Mitgliedern des Gewerbegerichts nicht berusen werden Personen, welche wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen zu dem Amte nicht geeignet sind. Personen, welche zum Amte eines Schöffen unfähig sind, können nicht berusen werden. Der Peisitzer aus dem Kreise der Arbeitgeber wird durch Wahl der Arbeitgeber, der Beisitzer aus dem Kreise der Arbeitnehmer durch Wehl der Arbeitnehmer auf die Dauer von 6 Jahren bestellt. Wiederwahl ist zuläsig. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß Personen, welche nicht in die Wählerlisten eingetragen sind, auch nicht wahlberechtigt sind. Den Arbeitgebern stehen im Sinne der§§ 8 und 9 der Satzungen die mit der Leitung eines Gewerbebetriebes oder eines bestimmten Zweiges desselben betrauten Stellvertreter der selbständigen Gewerbetreibenden gleich, sofern ihr Jahresarbeitsverdienst an Lohn oder Gehalt zweitausend Mark übersteigt. Die durch§ 1 Absatz 1 Ziffern IIa und b der Satzungen der Zuständigkeit des Gewerbegerichts unterstellten Hausgewerbetreibenden sind als Arbeiter wahlberechtigl und wählbar. —„Die Arbeitgeber haben ihr Wahlrecht in demjenigen Wahlbezilke auszuüben, in welchem sie zur Zeit der Auslegung der Wählerliste wohnten oder eine gewerbliche Niederlassung hatten; die Arbeiter in demjenigen Wahlbezirke, in welchem sie zur Zeit der Auslegung der Wählerlifte in Arbeit standen oder in welchem sie, falls sie außerhalb des Gewerbegerichtsbezirkes beschäftigt sind, wohnten. Das Wahlrecht ist nur in Person und durch Stimmzettel auszuüben. Ein jeder Arbeitnehmer hat dem Wahlvorstande bei Abgabe seines Stimmzettels seine Wahllegitiwation (Wahlzittel) vorzulegen. Wähler ohne diese Legitimation haben zu gewärtigen, daß sie von der Wahl zurückgewiesen werden. Hörde, den 22. November 1912. Der Vorsitzende des Gewerbegerichts. 7675 Luckhaus, Landrat. Konkursverfahren. In# dem Konkursverfahren der Schwerler Ziegelindustrie Post, Homel& Comp., G. m. b. H., zu Schwerte ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen sowie zur Anhörung der Gläubiger über die Erstattung der Auslagen und die Gewährung einer Vergütung an den Konkursverwalter und die Mitglieder des Gläubigerausschusses - der Schlußtermin auf den 30. Dezember 1912, vormittags 11 Uhr vor dem Königlichen Amtsgerichte h’erselbst— Zimmer Nr. 5— bestimmt. Schwerte, den 3. Dezember 1912. Hage, Amtsgerichts=Sekretär, 898 Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts. Teranntmachung. An den letzten drei Sonntagen vor Weihnachten am 8. 15. und 22. Dezember dss. Ihrs. ist der Betrieb des Handelsgewerves in den offenen Verkaufsstellen, sowie die Beschäftigung der Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter während der Zeit von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, jedoch mit Ausschluß der Zeit für den Hauptgottesdienst von 9 bis 11 Uhr vormitlags im hiesigen Stadtbezirk zugelass n. Schwerte, den 25. November 1912.] Die Polizei=Verwallung 7745 Rohrmann. Schutzverein für Handel und Gewerbe, Schwerte. Vertrags Abend heute Donnerstag, den 5. Dezember, abends 8½ Uhr im Saale des Hotels Ostermann. Redner: Dr. Voye-Hagen, Ilandelskammersekretär. Thema: Die wichtigsten Fragen des Detaillisten. — Gäste willkommen.— Es liegt im eigensten lnteresse jjedes Geschäftsinhabers wie auch Gewerbetreibenden, dem Vortrag beizuwohnen. Der Vorstand. 78•2 Bekanntmachung. Der Entwurf zum Haushaltsanschlage des Amtes Barop für das Rechnungsjahr 1913 liegt vom 9. Dezember d. Is. an 14 Tage lang zur Einsicht der Amtseingesessenen im Amtshause hierselbst, Zimmer Nr. 6, offen. Barop, den 4. Dezember 1912. Der Amtmann. Freitag. Oronnop.. itus Wird bei mir wieder in kleinen Quantitäten für 10 Pfg. etc. abgegeben. 5 Drogerie Garl Trog. für Jedermann! Infolge besonderer Vereinbarungen mit der Verlagsfirma ist die unterzeichnete Buchhandlung in der Lage, von nachstehenden beiden Werken: s. Zitaten= und Sentenzenschatz der Weltliteratur alter und neuer Zeit. Eine Sammlung von Zitaten Sentenzen, geflügelten Worten, Aphorismen. Epigrammen, Sprichwörtern und Redensarten, Inschriften an Haus und Gerät. Kinderreimen. Gesundheits=, Wetter= und Bauernregeln, Tokentanz= versen, Marterln, Gradschriften usw. nach Schlagworten geordnet und herausgegeben von Richard Zoozmann: 2. Unsere Klassiker im Volksmund (nach Dichkern geordnet!) von Richard Joozmann— 1898 Spalten umfassend— in einem gediegenen Ganzleinenband vereinigt für Mk. 3.— anzubieten. Bei Bestellung von mindestens 12 Exemplaren trilt der Vorzugspreis von Mu. 2.50 ein. Buchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr), Grosse Marktstr. 3—5. Haselnüsse Pid. 39 und 99 Fig. Frz. Wallnüsse„ 38„ 42„ Felgen Pld. 35„ Speculatius Pid. 35 und 45„ I. Cahes Plu. 45„ E.,Weinserg. 7919 Gufe Bellen soll man nur in einem reellen Geschäft kaufen, weiches seit Jahren diesem Artikel ganz besondere Sorgfalt zuwendet. Doppeltgereinigtestaubtreie Federn. Starker federdichter Rarchent. Verkaufe unter langjähriger Garantie jedes Bettes: Vollständiges 1½ schläfiges Ober- oder Unterbett mit 7 Pfund gereinigten Federn gefüllt..... 7,00 und 9,00 Mk. Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt 12,50 Mk. 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In dem neuen Werke des geschätzten Verfassers zieht die Götter und Heldenwelt der Vorzeit an dem Leser in sesseluder Reihenfolge vorüber. Wie sich die alten Völker germanischen Stammes. die nordischen sowohl wie die deutschen, die Entstehung aller Dinge und darin das Walten der Götter, aber auch den Untergang der Welt und ihre endliche Erneuerung vorstellten, ist hier aus der älteren und jüngeren Edda geschöpft. In jedermann verständlicher, ungemein fesselnder Darstellungsweise werden die mannigfachen Gebilde des germanischen Götterhimmels vor dem Leser lebendig, und die Heldengestalten des grauen Alteriums treten aus dem Nebelschleier der Sage hervor.— Zahlreiche gute Abbildungen erhöhen die Anschaulichkeit der Darstellung, und so werden die„Götter= und Heldensagen der Germanen“ zweifellos bei Alt und Jung den weilgehenden Beifall sinden. Das reich illustrierse und vorzüglich ausgestallele Werk(Lexikon-Format) ist hochelegant und solid in Ganzleinen prachlvoll gebunden. Buchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr), Große Alarktstraße 3—5.= nollte das Kind suchen— vielleicht fand sie es oder das Haus oder die Leute!— Nun dachte sie wieder an ihren Mann— wie kalt er zu ihr war— wie lieblos! Und zu ihm sollte sie kommen als Bittende— zu dem harten Manne— sollte ihm sagen— ihm gestehen— daß— daß— nein, das konnte sie nicht— das konnte sie nicht— und doch— es war so ein netter, kleiner Junge.— Aber etwas an die frische Luft wollte sie wenigstens gehen. Sie blickte zum Fenster hinaus und sah, daß es draußen zu schneien begann.— Ab— was tat das! Sie hatte ja einen guten Pelz! Es fehlte ihr an nichts.— Langsam hüllte sie sich in den warmen Mantel und setzte sich vor dem Spiegel den Hut auf. Sie war eigentlich eine hübsche Frau, hellblond mit frischen Farben, großen, blauen Augen und einem weichen Mund.— Der kleine Junge war ihr ähnlich gewesen.— Sie dachte daran, während sie vor dem Spiegel stand, dann verschloß sie die Wohnung und ging über den Hof, der Straße zu. Es schneite nur wenig, und die Luft, die nicht zu kalt war, tat ihr wohl. (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Mit tremnden Menschen nimmt man sich zusammen. Da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck In ihrer Gunst, damit sie nützen sollen: Allein bei Freunden läßt man frei sich geh'n, Man ruht in ihrer Liede, man erlaubt Sich eine Laune, ungezähmter wirkt Die Leidenschaft, und so verletzen wir Am ersten die, die wir am zaristen lieben. Geetbe. Die A=B=C=Pflanze. Auf den Inseln Ceylon und Ternate ist eine eigentümliche Pflanze heimisch, der man eine ganz besondere Wirksamkeit auf die Sprachorgane zuschreibt, sie heißt mit ihrem lateinischen Namen Spilanthes Acmella. Wenn man ein Stückchen von der Wurzel oder den Blattstielen dieser interessanten Pflanze kaut, so soll die Zunge des Essenden eine eigentümliche Wirkung empfinden, als ob sein Wohlbefinden dadurch erhöht und ihm das Sprechen wesentlich erleichtert würde. Daß daran etwas Wahres sein muß, geht daraus hervor, daß man in jenen Gegenden den kleinen Kindern ein Stück Acmellawurzel in den Mund gibt, um ihnen das Sprechen zu erleichtern. Darauf deutet auch der Name der Pflanze Plauge“. „Kinderkrant“ oder„ABC= Auflösung des Rebus aus voriger Nummer: Man kann den einen Diamant nur mit dem andern schleifen. Tenden. #### E n E Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 290. Endspielstudie von W. und M. Platoff in Niga. (Ehrend erwähnt im Endspielturnier des„Sydsvenska Dagbladet Snällposten“.) Schwarz: 5 Steine. Weiß: 5 Steine. Weiß zieht an und gewinnt. zukkb gun A•9T 7P—I9T•VI 10—|3#e 7— 9A•71 1! 90—99 98—197 ·01 9—90∆ 32XXPA ·6 8p—P 70—99 190—59 170—99 FP—P 30—12M·•8 A C2X1P ·2 A+79••9 FGX99M+50—910•9 80—SeM+81 X• 90—FN+—8I.·3. 99—9s( 1—91•7 Partie Nr. 293. Turnierpartie, gespielt zu Stockholm 1912. Weiß: J. Giersing.— Schwarz: Dr. A. G. Olland. Italienische Partie(Ginoco piano). Weiß: Schwarz: 1. e2—64(7—65 2. Sgl—13 Sb8—66 3. Lfl—04 L18—c5 4. 02—03 Sg8—16 5. d2—44 e5Xd4 6. c3Xd4 Le5—b47. Sb1—c3 Bekanntlich von fraglicher Güte. 7. Lcl—42 verdient den Vorzug. 7..... S/6Xe4 8.0—0 SeiXc3 Lb4Xcs ist hier gebräuchlicher und sicherlich auch besser. 9. b2Xc3 47—45 Auf LbéXcs konnte 10. Leixf+ mit Zurückgewinn des Bauern die Folge sein. 10. c3Xb4 d5Xc4 11. Tfl—el+ Sc6—e7 12. Ddl—e2 Lc8—e6 13. S13—85 Schwarz hätte nun mit Da8—d5 14. Sg5Xeß f7X eé fortfahren sollen. Er zog statt dessen 13.. Le6—45 und gab dadurch dem Gegner Gelegenheit zu einem unwiderstehlichen Mattan14. b4—55 Kes—47 Um der Drohung Lcl— a3 zuvorzukommen. 15. Sg5X17! 1.45Xf7 16. De2—g41 K47—es 17. Lel—as D48-45 18. TelXe7+ Kes—08 T•a8—c8 c7—05 Th8—es Dg4—#4 19. 20. Te7X47 21. d4Xc5 22. Df4—85f Aufgegeben. (Falls Ddöxg5, so 23. Tal—d1+ und im nächsten Zuge matt. — 44. Jahrgang O Grlies und älleiles Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 286. Donnerstag 5. Dezember 1912. Die Briefe der Drinzessin. Von E. Ph. Oppenheim. (48. Fortsetzung.) h. das interessiert mich in der Tat,“ entgegnete Doktor Dombrowski.„Auf t meinen Glückwunsch werden Sie ja, wie vermute, kein Gewicht legen, aber meine Bedenken werden dadurch allerdings wesentlich abgeschwächt. Darf ich fragen, ob es sich um eine öffentliche Verlobung handelt?“ „Sie wird in demseben Augenblick veröffentlicht werden, in dem Fräulein von Wehringen nach Berlin zurückkehrt," erklärte Heinz, nur von dem Wunsche geleitet, das gewonnene Terrain unter keinen Umständen wieder zu verlieren. Dombrowski aber schien noch immer nicht zu einem festen Entschluß gelangt, denn wohl eine Minute lang blieb sein Gesicht nachdenklich dem Fenster zugewendet, ehe er sagte: „Von der Aufrichtigkeit Ihres Interesses an dem Schicksal des Fräuleins von Wehringen könnte ich mich nach solcher Mitteilung wohl hinlänglich überzeugt halten. Aber es kommt für mich noch etwas anderes in Betracht, nämlich die Frage, ob Ihr Fräulein Braut Einfluß genug auf die Prinzessin Apraxin besitzen dürfte, um die Dame zu einem gewissen Opfer zu bestimmen.“ „Auch diese Frage kann ich unbedenklich bejahen. Die Prinzessin wird sicherlich alles tun, was in ihren Kräften steht, um ein drohendes Ungemach von dem Haupte ihrer teuersten Freundin abzuwenden.“ „Nun wohl, da Sie auf Schloß Buchberg gewesen sind, können Sie das ja am Ende wissen. Und so will ich Ihnen denn auf die Gefahr hin, damit eine Dummheit zu begehen, mitteilen, was ich nach reiflicher Ueberlegung nur für die Komtesse Waldendorff bestimmt hatte. Also: ich weiß, daß Fräulein von Wehringen in jener Nacht im Arbeitszimmer des Otto Martens gewesen ist. Ich habe den Beweis dafür in Händen.“ Und dieser Beweis, er besteht worin?“ „In einem harmlosen kleinen Gegenstand, den Paul Martens vor etlichen Tagen in dem hintersten Winkel einer Schreibtischschublade gesunden und auf mein Ersuchen mir überlassen hat.“ „Einen Gegenstand, der nach Ihrem Dasürhalten von dem Fräulein von Wehringen stammt?“ „Wollen Sie ihn mir zeigen?“ „Mit Ihrer Erlaubnis— nein, das will ich nicht. Ich halte Sie gewiß für einen Mann von Ehre; aber es gibt im menschlichen Leben Situationen, wo Herz und Ehre in einen Konflikt geraten können, dessen (Nachdruck verbeten.) Ausgang nicht immer mit Sicherheit vorauszusagen ist. Und am Ende kann es Ihnen ja auch genügen, wenn Sie erfahren, daß das bewußte corpus delicti ein Knopf ist, ein eigenartig geformter und gearbeiteter silderner Knopf, wie ihn nach der neuesten Mode die Damen an ihren Jacketts und Abendmänteln zu tragen lieben.“ „Ah! Und auf solchen Fund glauben Sie eine so folgenschwere Verdächtigung gründen zu dürfen?— Sie— der ebensogut weiß, wie ich, daß Martens einen sehr lebhaften Verkehr mit allen möglichen Damen unterhielt, die sich ebenfalls nach der neuesten Mode zu kleiden pflegten? Ich kann Ihnen aus eigener Wahrnehmung bestätigen, daß derartige Damen sich sehr häufig in seiner Wohnung aufhielten. Da wird eben eine von ihnen gelegentlich den kostbaren Knopf verloren haben.“ „Die Möglichkeit wäre keineswegs ausgeschlossen, und ich habe Herrn Paul Martens bis jetzt in dem Glauben gelassen, daß es sich so verhielte. Mir für meine Person aber müssen Sie schon gestatten, anderer Meinung zu sein.“ „Und auf was hin——?“ „Auf die Tatsache hin, daß ich genau dieselben um ihrer sonderbaren Form und ihrer kunstvollen Arbeit willen sehr auffallenden Knöpfe an dem Abendmantel des Fräuleins von Wehringen gesehen habe, als ich die Ehre hatte, ihr im„Eldorado=Theater" dies Kleidungsstück um die Schultern legen zu dürfen. Ich habe die Gewohnheit, auf Kleinigkeiten zu achten, selbst wenn sie an sich höchst bedeutungslos scheinen. Und so ist es an jenem Theaterabend meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen, daß einer der Knöpfe an dem Mantel fehlte. Ich bemerkte es, als Fräulein von Wehringen vergebens nach ihm suchte, um den unteren Teil des Mantels zu schließen.“ „Angenommen selbst, daß Sie sich darin nicht getäuscht hatten, was wäre damit gegen meine Annahme bewiesen? Es gibt ohne Zweifel hunderte solcher Knöpfe.“ „Verzeihen Sie, wenn ich gezwungen bin, zu widersprechen! Da mich der Fund des Herrn Martens begreiflicherweise in hohem Maße interessierte, und da in den Voraussetzungen, auf die sich meine Kombinationen gründen, gern möglichst sicher gehe, habe ich mich mit der bloßen Wahrscheinlichkeit nicht begnügt, sondern ich bin der Sache weiter nachgegangen und habe durch eine Mittelsperson die Kammerjungfer der Komtesse Waldendorff ausforschen lassen.“ e e 827 e** S S 8 *.* * **„*** 2271 ** 8 S 25 S 5 5 S. 88 * S SiN 2 2 0 6 S 5139 882 2 562 S 5.—* Sasss ST5gES SäSSS 358 G“gagss######## ESFESuS 11. S 806E Ssse-Es SS5gS SESELS UIIESSSZS 8. 1 28 *## Lz. O 98 SLES 123 S 801 SS S a5n „Bei meiner Seele, Sie verstehen sich auf Ihr Handwerk, Herr Doktor Dombrowski!" Der Pole verbeugte sich leicht. „Dank für die freundliche Anerkennung! Ich habe also auf diesem Wege in Erfahrung gebracht, in welchem Mode=Magazin der äußerst wertvolle Abendmantel des Fräuleins von Wehringen angesertigt worden ist, und ich habe durch diskrete Nachfrage bei dieser Firma festgestellt, daß die erwähnten Knöpfe von dem Hosjuwelter Friedländer, bei dem die Komtesse selbst sie als Geschenk für ihre Freundin ausgesucht hatte, geliefert worden sind. Es verdroß mich nicht, dem genannten Juwelier einen Besuch abzustatten und ihm unter dem Vorwande, einige dieser Knöpfe kaufen zu wollen, das in meinen Händen befindliche Muster vorzulegen. Man bedauerte, meinem Wunsche nicht vor Ablauf einiger Wochen entsprechen zu können. Denn es war, wie man mir versicherte, nur ein einziges Dutzend dieser unverhältnismäßig teuren Knöpfe hergestellt worden. Die Hälfte davon hatte die Komtesse Waldendorff erhalten, während die anderen sechs einer königlichen Prinzessin geliefert worden waren. Das in der Wohnung des Otto Martens verlorene Exemplar konnte also nur von dieser Prinzessin oder von dem Mantel des Fräuleins von Wehringen stammen. Und da sich bis jetzt kein Anhalt dafür ergeben hat, daß der Verkehr des Ermordeten bis in die allerhöchsten Kreise hinaufreichte, so werden Sie am Ende begreifen, welche der beiden Möglichkeiten mich die wahrscheinlichere dünkte.“ Heinz fühlte sich geschlagen. Gegen die grausame Logik dieses fürchterlichen Menschen hatte er keine Waffen mehr. Er zweifelte nicht, daß alles sich genau so verhielt, wie der Pole sagte, und er machte darum keinen Versuch, die Zeit mit zwecklosen Einwendungen zu vergeuden. „Dieser nach Ihrer Meinung so verräterische Knopf also ist es, den Sie zum Gegenstand eines Tauschgeschäftes zu machen wünschen?“ „Pardon! Nicht der Knopf allein, sondern mit ihm zugleich auch alles andere, was ich über die Beziehungen der Damen zu Otto Martens weiß. Sie werden mir ja zugeben, daß da ein leicht zu erklärender Zusammenhang besteht. Es war der Komtesse Waidendorff und ihrer vertrauten Gesellschafterin oder Freundin ohne Zweifel bekannt, daß Martens mit der Absicht umging, seine kostbaren Dokumente ihrer Gegenpartei auszuliefern, und da sie sich nicht in der Lage befanden, diese kapitalkräftigere Gegenpartei zu überbieten, konnten sie in ratloser Verzweiflung wohl auf den Gedanken verfallen, sich der Briefe ungefähr auf dieselbe Art zu bemächtigen, in der Martens selbst in ihren Besitz gelangt war. Es ist nicht meine Sache, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie Fräulein von Wehringen in die verschlossene Wohnung des Mannes gelangen konnte, sondern ich kann mich für meine weiteren Schlüsse mit dem Faktum begnügen, daß sie die Mittel und Wege dazu gesunden. Natürlich wird sie sich bei der Durchsuchung des Schreibtisches in Anbetracht der knapp bemessenen Zeit nicht erst die Bequemlichkeit gestattet haben, ihren Mantel abzulegen, und es konnte somit leicht geschehen, daß er sich beim hastigen Schließen einer vergebens durchsuchten Schublade einklemmte und daß bei dem vielleicht etwas ungestümen Befreiungsversuch einer der Knöpfe absprang, ohne daß die Dame dessen gewahr wurde. Es bedarf keines übergroßen Scharfsinns für diese Folgerungen, und ich bin überzeugt, daß selbst der einfältigste Untersuchungsrichter bei Kenntnis aller übrigen Umstände zu genau denselben Schlüssen gelangen würde.“ „Ihre Kombinationen, Herr Doktor, sind für das, was wir noch miteinander zu besprechen haben, ohne Belang. Ich wünsche von Ihnen lediglich zu erfahren, welchen Preis Sie für Ihr vermeintliches corpus deiict: und für Ihre Verschwiegenheit verlangen.“ „Ich würde natürlich die Auslieferung der Briefe fordern, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß diese Bedingung für die Prinzessin wie für die beiden anderen Damen unerfüllbar ist. Denn die wertvollen Papiere sind ja allem Anschein nach spurlos verschwunden. Aber sie sind doch nicht ganz unersetzlich. Und ich hege nicht den geringsten Zweisel, daß die Prinzessin Apraxin den für uns wertvollsten Teil ihres Inhalts aus dem Gedächtnis zu rekapitulieren vermag.“ „Mit anderen Worten: Sie soll Ihnen die Namen der durch ihre Briefe kompromittierten Persönlichkeiten angeben?“ „Es freut mich, daß wir uns so rasch verstehen. Ja, gerade das ist es, was ich als Gegenleistung beanspruche." Hollfelden hatte ein Wort entrüsteter Zurückweisung auf den Lippen. Aber er besann sich noch zur rechten Zeit darauf, daß er damit eine verhänguisvolle Uebereilung begehen würde. Und am Ende hatte er ja nicht einmal ein Recht, hier im Namen der Prinzessin zu sprechen. So zwang er seinen Unwillen nieder und behielt auch seine Gesichtszüge, von denen der Pole nicht eine Sekunde lang seinen forschenden Blick verwandte, gut in der Gewalt. „Sie begreifen, daß ich Ihnen darauf nicht aus eigener Machtvollkommenheit zu antworten vermag," sagte er anscheinend ruhig.„Auch die Komtesse Waldendorff würde ja nicht in der Lage gewesen sein, Ihnen eine sofortige Zusage zu machen, denn die Entscheidung liegt hier einzig bei der Prinzessin.“ „Das weiß ich sehr wohl, und es ist darum selbstverständlich, daß ich Ihnen für die endgültige Antwort auf meinen Vorschlag eine angemessene Frist einräume. Wenn Sie die Komtesse heute noch verständigen, und wenn die Dame sich entschließt, mit dem Abendzuge nach Schloß Buchberg zu fahren, so könnte das gewünschte Material recht wohl übermorgen zur Stelle sein, und es dürfte demnach genügen, wenn ich Ihnen achtundvierzig Stunden Zeit lasse.“ „Das ist unmöglich. Die Rechnung, die Sie da aufstellen, ist für mich unannehmbar, schon deshalb, weil ich keine Möglichkeit haben würde, die Komtesse heute noch zu sprechen.“ „Aber meine Zeit ist gemessen, Herr Hollfelden, und ich habe durch die Weigerung der Komtesse, mich zu empfangen, schon mehrere für mich sehr kostbare Tage verloren. Wo so viel für sie auf dem Spiele steht, sollten sich die Damen, wie ich meine, einige kleine Unbequemlichkeiten doch nicht verdrießen lassen.“ „Es handelt sich nicht um kleine Unbequemlichkeiten, sondern darum, daß Sie uns die Möglichkeit gewähren, Ihre Bedingung, vorausgesetzt, daß sie von der Prinzessin akzeptiert wird, auch wirklich zu erfüllen.“ „Nun wohl, so will ich die Frist um weitere vierundzwanzig Stunden verlängern. Das aber ist das äußerste Zugeständnis, das Sie von mir erwarten dürfen. Bin ich am dritten Tage, von heute an gerechnet, nicht im Besitz der gewünschten Angaben, deren Prüsung ich mir oder dem Prinzen selbstverständlich vorbehalten muß, so betrachte ich die Verhandlungen als gescheitert.“ „Und angenommen, daß dieser Fall einträte, was würden Sie dann tun?" „Ihnen darauf zu antworten, habe ich vor der Hand keine Veranlassung. Aber ich denke, Sie könnten es ungefähr erraten.“ (Fortsetzung folgt.) — 5 2 r 8 Humor. Verunglücktes Kompliment.„Sie wissen doch, Herr von Dumsdorff, eine Dame ist immer so alt, wie sie aussieht!“ „Aeh— jewiß, jnädiges Fräulein, aber— äh— jnädiges Fräulein sind doch sicher Ausnahme von der Rejel!" Guter Rat. Ein Schüler einer höheren Schule schrieb an den Briefkastenonkel eines Jugendblattes und fragte an, was er iun müsse, um bei den sportlichen Veranstaltungen der Schale das Hundertmeter=Schnellaufen zu gewinnen. „Laufen Sie ein bißchen schneller als die andern,“ war die Antwort. Die Höhe. Frau N.:„Sie ist wirklich die eigensinnigste Person, die ich je kennengelernt habe. Immer tut sie das Gegenteil von dem, was man erwartet.“ Frau X.:„Oh, ist es wirklich so schlimm?“ Frau N.:„Ja, es ist schrecklich. Ich glaube wahrhaftig, wenn man ihr Lachgas gäbe, würde sie aus purem Widerspruchsgeist anfangen zu weinen!“ 85 Der gute Engel. Skizze von E. Brentano. (Nachdruck verboten.) Sie hatte ihn eigentlich nie recht leiden können, und doch war er ein so hübscher, netter, kleiner Junge gewesen.— Warum sie jetzt nur immer an ihn denken mußte?— Sie war nun schon lange verheiratet, ihr Mann, ein kleiner Beamter, war ein ernster, wortkarger Mann. Sie sah nicht gerade die besten Tage bei ihm, aber sie hatte ihr Auskommen, und darum war sie seine Frau geworden. Den kleinen Jungen hatte sie deshalb fortgegeben — zu armen Leuten in Pflege— irgendwo im Norden der Stadt. Ihr Mann wußte gar nichts davon— was ging ihn denn auch der kleine Junge an?—— Ein Jahr war vergangen— und noch eins und wieder eins. Sie hatte gar nicht mehr an das kleine Büblein gedacht.— Dann aber— in den langen, einsamen Stunden, die sie allein zu Hause saß— wenn ihr Mann im Dienst war— dann tauchte plötzlich das blonde Köpfchen in ihrer Erinnerung auf— oft und öfter.— Sie sah sich— wie sie den kleinen Jungen noch bei sich hatte— in einer niederen, dunklen Mansarde, wo sie tagein, tagaus am Fenster gebückt über der Maschine verdienen sah saß und nähte— ihren Unterhalt zu ihn, der ihr damals überall im Wege war— den sie nie recht leiden mochte, weil er sie an eine unglückliche Stunde erinnerte. Nun saß sie allein in einer gut möblierten Hinterstube, und vor ihrem Fenster war ein Gärtchen mit Blumen darin, wo er so schön hätte spielen können— der nette, kleine Junge.— Die Nähmaschine stand unbenutzt in der Ecke, denn sie hatte das Arbeiten ja nicht mehr nötig als wohlbestallte Beamtenfrau— und ihre Wohnung war so geräumig— nur zu ruhig erschien sie ihr oft— so freudlos.— Wenn ihr Mann auch des Abends regelmäßig nach Hause kam, so sprach er doch nur wenig— still blieb es und kalt— der Sonnenschein der Liebe fehlie, werchen nicht feil ist für irdische Güter.— Alle Tage saßen sie sich an dem großen Eichen##### in der Wohnstube gesenüber, der immer gut mit Sreizer besetzt war. Sie hatten keine Not. „Schmeckt es dir, Albert?“ fragte sie dann gewöhnlich. „Ja, Trude!“ gab er mürrisch zurück. Sie seufzte und fuhr sich verlegen mit der Hand über den glatten, blonden Kopf. Dann sah sie, wie er durch das breite Fenster auf das Gärtchen hinausblickte. Ein paar hohe Sonnenblumenstauden standen darin und einige abgeblühte Oleanderbäume in grün gestrichenen Töpfen. Es war gar nichts Besonderes.— Was hatte er nur?— Da tönte ein helles Kinderlachen zu ihr herüber. Sie erschrak— es war ihr so ungewohnt.— Der Mann aber ließ die Pfeise sinken, die er eben zum Munde führen wollte, und beugte den dunklen Kopf weit vor. Zwei Kinder tollten durch den Garten— eines war blond, eins braun,— die Füßchen waren bloß, und das Haar flog ihnen wild um die frischen, kleinen Gesichter. Sie waren weder hübsch, noch wohlerzogen— auch durchaus nicht sauber gekleidet— aber immerhin— es waren doch— Kinder.— „—— Mama— a— da— da!“— Sie schrak zusammen und blickte scheu um sich. Nein, er war ja nicht da, der kleine, nette Junge,— er war nie hier gewesen — er würde nie hier sein.— Sie selbst hatte ihn ja fortgegeben an Fremde— sie wußte nicht einmal mehr recht— an wen—— Da hörte sie neben sich einen tiefen Seufzer.— Ihr Mann saß ihr gegenüber wie immer um diese Zeit,— tagein, tagaus,— aber er hatte sein Gesicht in den Händen vergraben, wie wenn er grübelte.— Oft saß er so da.— Sie erinnerte sich, daß er im Anfang ihrer Ehe gesprächiger gewesen war. Damals legte er auch das Gärtchen vor dem Fenster an— mit vielen hübschen, bunten Blumen darin. „Wenn wir erst Kinder haben, Trude—“ hatte er dabei gesagt.— Neben der Wohnstube lag eine helle Kammer, gut warm von der Küche her, und mit einer kleinen Treppe, welche direkt in das Gärtchen führte.— „Die Kammer lassen wir wohl frei, was meinst du, Trude?“ hatte er da wieder gesagt, und die Kammer war— leer geblieben. Von Jahr zu Jahr wurde nun der Mann stiller, auch den Garten plegte er nicht mehr. Die Blumen gingen alle ein, nur die Oleanderbäume trieben ab und zu noch ein paar spärliche Blüten, und die Sonnenblumen wuchsen wild nieiter.— Ihm war es gleich. „Da wir doch keine Kinder haben—“ sagte er. An das alles dachte ste jetzt— und dann noch weiter zurück an den kleinen, netten Jungen— an ihren Hansel! Vier Jahre mußte er nun schon alt sein,— oh, bald fünf! Sie rechnete.— Aber ob er noch lebte? Ob ihn die Leute auch gut behandelt haben würden? Sie hatte ja nie danach gefragt.— Jetzt stand ihr Mann auf und nahm seinen Hut. „Adieu, Trude!“ sagte er rauh.— „Adien, Albert!“ entgegnete sie tonlos. Er ging— ohne sie anzusehen, ohne einen zärtlichen Blick.— Sie empfand das schon lange nicht mehr— nur heute— und heute fror sie auch noch mehr— und es kam ihr noch dunkler, noch stiller vor in der einsamen Wohnung— als sonst—— „Mama— a!— da— da!“— Nein, sie ertrug es nicht mehr! Sie wollte gehen, (Amtliches Kreisblakt.) Mittwoch, 5. Dezembei 1912. Todes-Anzeige. Vorgestern früh verschied plötzlich und unerwartet unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Altred Althoff im 18. Lebensjahre, Dieses zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme. Bürenbruch, den 5. Dezember 1912. Famille Althoff. Die Beerdigung flndet am Freitag, den 6. Dezember, nachmittags ½4 Uhr vom Trauerhause aus statt. Schwerter Brottabrik — Teleson Nr. 74.— Hochseiner Speculalius 1a. Kassen In den meisten Colonialwarengeschäften von Schwerte und Umgegend tägl. frisch u. durch eigene Fuhre direkt ins Haus. Wer ein inneres oder äußeres Leiden hat, gleichviel welcher Art oder Natur, der wende sich vertrauensvoll an obige Heilanstalt oder in meine Sprechstunde. Bin jeden Freitag von morgens 8 Uhr bis nachmittags 3 Uhr im Westfällschen Hof(direkt am Bahnhof) in Schwerte zu sprechen. 7876 Bille jede Woche mein Inserat zu beachten. empfehle Haselnüsse Wallnüsse PPfeffernüsse Spitzkuchen Apfelsinen Feigen Inhaber der Klein. Heilanstalt sowie Geschäfts-Verlegung. 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