zsu mat Um zin#tr: 8 19: A1 6.28„ 95 Amtliches Kreisblatt für den hreis börde Die„Schoertn Jeltung Escheimt ugnch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oiertelSegek ke rescnenr Kchr. Wöchentl. Grastsdetloge:„Jöustrierter Famillentreund" u.“tägl. Unterhattungsblatt. Anzeigenpreis: Die siedengespattene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklemezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gill als Kassarabatt u. erlischt bei Konkucsen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Aioheachuad eenacht.-Sottinestelostne Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Uolksblatt Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volksnaltung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis hörde o Daspt-Annoncenblatt don Daumt. unge gartt Ser Bie dmter und ichelontgichen nungen für den Areis Horbe erlang Bekanntmachung der Königluchen Reg durch Beroßfentlichung in der Zettung" rechtsverdindtiche Kroft.— „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren Abenaen. ten für jeden mit Tod endenden Uniell en hagungen“: 300 Mk. Unfalk: Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte= RudFernsp. 62. Tetegr.=Adr. Braus Schwerse=Ruhe## Nr. 207. Dienstag, den 3. September 1912. 44. Jahrg. Erstes Blatt. Die Wohnungsfrage. in jeder Weise zu billigen, und man darf hoffen, daß mit dieser Regelung wiedr eine richtige Aufgabe auf dem Gebiete der sozialen Politik nach Möglichkeit gelöst ist. Im Reichstage besteht seit längerer Zeit eine „Wohnungskommission“, die sich eingehend mit der Wohnungsfrage beschäftigt hat. Das Resultat dieser Beratungen wird in einem Bericht zusammengestellt, der erfreulicherweise jetzt der Oeffentlichkeit zur Kritik unterbreitet wird, damit weite Kreise Gelegenheit haben, an den Vorschlägen Kritik zu üben und Verbesserungen anzubringen. Der Entwurf sieht unter anderem folgendes vor:„In allen Gemeinden soll eine ständige Wohnungsaufsicht eingeführt werden, die sich auf die Beschaffenheit, Einrichtung und Benutzung der Wohnungen in gesundheitlicher oder sittlicher Beziehung erstreckt. Die Wohnungsaufsicht soll beschränkt werden auf 1. Wohnungen, die einschließlich Küche aus vier oder weniger Räumen bestehen; 2. größere Wohnungen, welche in Mansarden, Dach= oder Kelbergeschossen liegen oder in denen fremde, nicht zur Familie gehörige Personen ständig oder gegen Entgeld beherbergt werden; 3. Schlafstellen, Ledigenheime und Logierhäuser; 4. Wohn= und Schlafräume der Angestellten(Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge, Arbeiter, Gesinde). Die Wohnungsaufsicht soll den Gemeindevorständen obliegen, außerdem haben die Landesregierungen besondere Wohnungsaufsichtsbeamte zu bestellen. Den mit der Wohnungsaufsicht betrauten Personen sollen bei Ausübung dieser Aussicht alle amtlichen Befugnisse der Ortspolizeibehörden zustehen, insbesondere sollen sie befugt sein, die der Wohnungsaufsicht unterliegenden Räume innerhalb der vom Bundesrat oder den Landeszentralbehörden festzusetzenden Stunden zu besichtigen. Ueber ihre amtliche Tätigkeit haben die von den Landesregierungen bestellten Wohnungsaufsichtsbeamten Jahresberichte zu erstatten, die, zusammenfassend bearbeitet, in regelmäßigen Zwischenräumen dem Bundesrat und dem Reichstag vorzulegen sind. Der Bundesrat soll Vorschriften erlassen können, denen die zum dauernden Aufenthalt von Menschen, dienenden Räume hinsichtlich ihrer Beschaffenheit, Einrichtung und Benutzung in gesundheitlicher oder sittlicher Beziehung zu entsprechen haben, ebenso sonstige Anordnungen zur Durchführung der Wohnungsaufsicht. Die zu treffenden Vorschriften können verschieden geartet sein für die einzelnen Landesteile, ferner für Stadt und Land, endlich für bestehende Wohnungen und Neubauten. Weiter enthält der Kommissionsentwurf Bestimmungen über die Befugnisse der Aufsichtsbeamten zur Anordnung und Durchführung der auf Grund der erlassenen Vorschriften notwendigen Maßnahmen. Zur Räumung von beanstandeten Wohnungen soll die Polizeibehörde nur befugt sein, wenn die weitere Benutzung erhebliche Nachteile oder Gefahren herbeizuführen geeignet ist. Die Ausführung der erlassenen Anordnungen soll durch Geldstrafen bis zu 300 M. erzwungen werden können.“ Man wird zugeben müssen, daß diese Vorschläge im Großen und Ganzen das richtige treffen und manchen Fortschritt gegenüber den bisherigen Zuständen geben werden. Mit recht ist die hygienische und etische Seite vorangestellt u. diese gerade sind ja auch bei einer vernünftigen Wohnungsaufsicht die Grundlage des Ganzen. Man wird vielleicht hie und da Bedenken gegen die verlangte Wohnungsaufsicht haben, von dem Standpunkte ausgehend, daß hierin ein Eingreifen in die Rechte der Hausbesitzer liege, indessen steht es außer Frage, daß bei einer einsichtsvollen Handhabung derartige Vorschriften in sozialer Hinsicht wirklicher Segen gestiftet werden kann. Es gibt bereits einige große Städte, die durch Ortsstatut Wohnungsämter mit ähnlichen Befugnissen errichtet haben, wie sie der Entwurf vorsieht, und tatsächlich fungieren sie dort, wo sie zu vollster Zufriedenheit aufgenommen werden, ohne für die Hausbesitzer ein Schicksal zu bilden. Es steht daher zu hoffen, daß der Entwurf, der dem Reichstage im Winter unterbreitet werden soll, auch Annahme finden wird, denn seine Grundtendenzen sind Politische Uebersicht. Bsdtance Aichangt ie dutian guchean ier alh auffällig; im Hinblick hierauf sei auch dem Bundesrat die Ermächtigung erteilt worden, in geeigneten Fällen Milderungen eintreten zu lassen. Von diesem Rechte werde gegebenenfalls Gebrauch gemacht; eine Aenderung des Gesetzes selbst stehe aber nicht in Frage. Der Kaiser hat in Begleitung eines zahlreichen Gefolges die Reise nach der Schweiz angetreten. Von dem Gefolge des Kaisers werden Generaloberst von Plessen, Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg und Oberstleutnant von Mutius gemeinsam mit dem Kaiser in der Villa Rietberg in Zürich wohnen. Generalstabschef von Moltke, General von Lyncker und Wirkl. Geh.=Rat von Valentini werden beim Platzkommandanten Major Wille Quartier nehmen. Das Kaiserparadegeschenk des Kaisers, das nach alter Ueberlieferung jeder preußische Soldat in Höhe von 50 Pfennigen und jeder Unteroffizier in Höhe von 1 Mark erhält, beträgt in diesem Jahre 45 bis 50000 Mark. Dagegen ist das Revue=Geschenk an die Einjährig=Freiwilligen, das meist zur Erinnerung an der Uhrkette getragen wird, seit einigen Jahren in Fortfall gekommen. Die Schweizerreise des Kaisers. Die führende Schweizer Presse widmet Kaiser Wilhelm durchweg sympathisch gehaltene Begrüßungsartikel. So schreibt der offiziöse„Berner Bund“: Wir sehen dem Besuche mit dem vollen Bewußtsein seiner Bedeutsamkeit entgegen. Wie auf der Höhe von Romannshorn Kaiser Franz Josef und auf schweizerischem Boden der Präsident der französischen Republik mit vollkommenster Achtung und Sympathie begrüßt wurde, ebenso wird auch bei dem Besuche des deutschen Kaisers der Willkomm des schweizer Volkes, das inmitten der Großmächte nichts anderes will, als seine verbriefte Unabhängigkeit im Bunde aufrichtiger Freundschaft mit den Mächten zu bewahren, ebenso herzlich als achtungsvoll sein. Der Reichskanzler, der nach seinem Buchlauer Besuch beim österreich=ungarischen Minister des Auswärtigen Grafen Berchtold zunächst nach Berlin zurückgekehrt, wird erst im Oktober Jagdgast des Prinzregenten Luitpold von Bayern in Linderhof sein. Wie jetzt nachträglich bekannt wurde, empfing der Kanzler in Gastein den Besuch des russischen Botschafters in Paris, v. Iswolski. Herr von Iswolski wird seinen Pariser Posten wahrscheinlich mit dem seines Londoner Kollegen, Grafen Benckendorff, vertauschen und wollte dem Kanzler versichern, daß er weder ein Feind Deutschlands noch Oesterreich=Ungarns sei.— Seit Sonntag weilen der Reichskanzler und Frau von Bethmann=Hollweg in Berchtesgaden. Ein Geschenk Kaiser Wilhelms an den brasilianischen Minister Dr. Müller. Der deutsche Kaiser hat dem brasilianischen Minister des Auswärtigen, Dr. Lauro Severiano Müller, seine Büste in Lebensgröße zum Geschenk gemacht. Eine Inschrift am Sockel der Büste erinnert an den Besuch des Ministers in Berlin. Das Geschenk wurde Dr. Müller durch den deutschen Gesandten in Rio de Janeiro überreicht.— Dr. Lauro Severiano Müller ist seit dem 15. Februar dieses Jahres brasilianischer Minister des Aeußern. Wie schon sein Name besagt, stammt er von deutschen Eltern ab; seine Urgroßeltern wanderten anfangs des vorigen Jahrhunderts aus der Moselgegend nach Brasilien aus. Im Juni vorigen Jahres war Dr. Lauro Müller, der sich mit seiner Familie auf einer Rundreise durch Deutschland befand, in Berlin mehrfach Gast Kaiser Wilhelms. Wiederbeginn der gesetzgeberischen Arbeit. Die erste Herbst=Plenarsitzung des Bundesrates findet — wie die„Mil.=pol. Korresp.“ meldet— am Donnerstag, den 10. Oktober statt. Die Ausschüsse des Bundesrates beginnen ihre Arbeiten bereits Mitte September. Die Härten der Wertzuwachssteuer. Eine Novelle zum Zuwachssteuergesetz soll, wie von Berlin mitgeteilt wird, den Reichstag in der nächsten Zeit nicht beschäftigen. Daß sich bei einem kaum in Kraft befindlichen Gesetz nach der einen oder Schweiz. Für den Kaiserbesuch sind in Zürich alle Vorbereitungen getroffen worden, die Stadt prangt in anmutigem Schmuck, der nicht überladen, aber stilvoll und doch nicht eintönig ist. Große Mühe hat der Ordnungsdienst verursacht, da alle brauchbaren Truppen im Manövergelände sind. Jedoch wurde auch diese Frage befriedigend gelöst, indem außer dem für den Wachtdienst bestimmten Schützenbataillon Schützen, Turner und Zünfte herangezogen wurden. Die Schützen erscheinen zur Spalierbildung bewaffnet. Der Sicherheitsdienst ist vorbildlich organisiert.— Die letzten für die Kaisermanöver Verwendung findenden Truppen verließen Zürich bereits Ausgangs voriger Woche und nahmen in der Nähe des mutmaßlichen Schlachtgebiets Quartier. Genaue Mitteilungen über die Lage des Manövergeländes unterblieben, entweder aus Rücksicht auf die Sicherheit des Kaisers, oder aber um den felddienstgemäßen Charakter der Uebungen nicht zu beeinträchtigen. Frankreich. Die Lage in Marokko ist unverändert ernst. Zu ihrer Beruhigung machen sich die Franzosen selber Siegestelegramme zurecht, die vor den Tatsachen dann freilich wie Seifenblasen zerfließen. So mußte, soeben wieder die Meldung von siegreichen Kämpfen des Oberst Mangin gegen die Streitkräfte des Gegensultans El Hiba als grundlos zurückgenommen werden. Mangin hat in Anbetracht der Unzulänglichkeit seiner Truppen einen Angriff. auf die mächtigen Scharen El Hibas überhaupt noch nicht zu unternehmen gewagt. Die Erfolge des Oberst Pein im Norden sind nach den eigenen Angaben Liauteys aber so bescheiden, daß sich weitergehende Hoffnungen daran nicht knüpfen lassen. Durch die Einleitung Marokkos in eine französische und spanische Zone erwachsen dem internationalen Handel Zollschwierigkeiten, gegen die von Englands= und Deutschland; in Paris Bedenken erhoben wurden. Der französischen Regierung nahe stehende Blätter erklären, daß den geäußerten Wünschen Rechnung getragen werden würde. Auf die jüngsten Mitteilungen des Botschafters Cambon hatte Staatssekretär v. Kiderlen nichts weiter erwidert, als daß das vovgeschlagene System etwas verwickelt wäre. Spanien. Eintritt Spaniens in den Dreimächtebund? Nach dem Temps sucht Spanien einen innigeren Anschluß an Frankreich und gedenkt nach Abschluß des Marokkoabkommens dem Dreimächtebund beizutreten. England. Die Frage der Teilnahme der Kolonien an der allbritischen Reichsverteidigung wird täglich dringender. Eine neue Zeitschrift, die ganz besonders dem Imperialismus dienen will. The Kound Table, bringt in ihrer Nummer vom 1. September gleich mehere Artikel zu der Angelegenheit. Danach nehmen Australien und Kanada eine recht verschiedene Stellung dazu ein. Letzteres hat ja keine gefährdete Lage, wohl aber Australien. Dieses will deshalb alles für seine Rüstung tun, aber auch seine Waffen in der Hand behalten, während in beiden Hinsichten Kanada lascher ist. Die Times meinen dazu: Das Schwierige ist, die Beweglichkeit der Flotten zu vereinen mit der berechtigten Kontrolle der Kolonien über ihre Schifse. Man darf aber nicht vergessen, daß die Bewegungen dieser Flotten selber schon Veranlassung zum Kriege werden können. Daher muß das Reich darüber entscheiden können. Sonst könnte ein Teil des Reiches ohne Wissen des anderen diese anderen in einen Krieg verwickeln. Türkei. Ein Aufstand auf Samos. Nach einer in Samos abgehaltenen lärmenden Versammlung wurde den Konsuln der Schutzmächte ein Antrag zugestellt. der den Abzug der türkischen Truppen und eine Revision der Verfassung verlangt. Gendarmen, die einschreiten wollten, wurden entwaffnet und zwei von ihnen verwundet. Der russische Konsul hat in Aussicht gestellt, daß die türkischen Truppen die Insel verlassen würden, sobald eine einheimische Gendarmerie in Samos organisiert sein werde. Unter den Einwohnern von Samos herrscht die größte Erregung. China. Die Aufteilung Chinas. Die chinesische Presse ist aufgeregt und befürchtet, daß nun eine Aufteilung Chinas unvermeidlich sei. Das Echo de Chine weist auf das gemeinsame Vorgehen Englands, Japans, Rußlands und Frankreichs Ostasien als eine Folge der Besuche des Fürsten Katsuras und Poincares in Petersburg hin und erklärt ausdrücklich, daß die Provinz Junnan schon heute französisch sei. Die Ernennung von englischen, französischen, japanischen, russischen und amerikanischen Ratgebern unter Ausschaltung des Deutschen Reiches wird von dem gesamten Deutschtum Ostasiens als ein schwerer Schlag empfunden. Der ostasiatische Lloyd weist in einem Leitartikek darauf hin, daß Japan nach 1870 den französischen Militärinstrukteur entließ und den deutschen berief, was es niemals bereute. —— Berliner Kaisertage. Die Rede des Kaisers an die Märker, die der Monarch während der Paradetafel für die Stände der Provinz Brandenburg im Weißen Saale des Berliner Schlosses hielt und die sich durch hohen Schwung der Worte auszeichnete und in der der Kaiser an jene Zeiten erinnerte, in denen es infolge feindlichen Uebermutes und kriegerischer Ueberfälle nicht so wie jetzt aussah in unserem Vaterlande, hat ihren Eindruck nicht nur in der Provinz Brandenburg, sondern im ganzen deutschen Vaterlande nicht verfehlt. Nach der Tafel hatte der Kaiser eine Reihe Herren, besonders Bürgermeister brandenburgischer Städte, ins Gespräch gezogen, mit denen er sich über den Ausbau und den Fortschritt der Städte usw. unterhielt, wobei sich der Monarch über die neuen Pläne gut unterrichtet zeigte. Der Sonntag hatte ganz im Zeichen der Veteranen und ehemaligen Krieger gestanden, nicht weniger als 46000 alte Soldaten hatten sich auf dem Tempelhofer Felde versammelt, um vor dem obersten Kriegsherrn nach dem feierlichen Feldgottesdienst des Gardekorps und 3. Armeekorps zu paradieren. Der Kaiser, der auf der Fahrt durch die Reichshauptstadt in seinem Automobil unter Jubel= und Hurrarufen von der Bevölkerung derart stürmisch umdrängt wurde, daß das Auto nur schrittweise vorwärtskommen konnte, hatte eine Anzahl Veteranen ins Gespräch gezogen und sich nach ihren Lebensverhältnissen erkundigt, während die Kaiserin, die Kronprinzessin und Prinzessin Viktoria Luise dem Kaiser im Wagen folgten. Aus der Predigt des Feldprobstes der Armee Wölfing machten besonders die Worte einen großen Eindruck, in denen der Geistliche an den Opfersinn der Nation appellieren. Der Deutsche murre und mätele zuviel. Für einen Monarchen, der alles daransetze, sein Volk zu beglücken, wäre es das Schmerzlichste, was ihm widerfahren könne, wenn er sich verkannt sähe oder nicht verstanden würde in seinem wohlmeinenden Wollen und Tun. War der Sonntag voll leuchtender Sonne gewesen— das Kaiserpaar hatte nachmittags noch eine Ausfahrt unternommen—, so brach der Morgen des Paradetages recht trübe an. Der Anmarsch der einzelnen Regimenter des Garde= und 3. Korps vollzog sich in den frühen, kühlen Morgenstunden; fast schien es, als sollte die Prade verregnen, als aber die Ausstellung der 50 000 Mann Truppen beendet war und der Kaiser in der Uni F Seite 2. Schmerter Heitung.(Antliches Koeteblatt) Dienstag den 3. September 1912. Nr. 207. form des 1. Garderegiments erschien, brach die Sonne siegreich durch die Wolkenmassen, was nicht nur den Soldaten, sondern auch den nach Hunderttausenden zählenden Zuschauern, unter denen viele Ausländer waren, große Freude bereitete. Die Aufstellung der Truppen, die sich in drei Treffen gliederte, war ein Meisterstück. Außer dem Kaiser waren auf dem Paradefeld eingetroffen: die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, der Kronprinz, die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm, Prinz Oskar, Prinz Joachim und Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der Großherzog von Mecklenburg=Schwerin, der Erbprinz von Sachsen=Meiningen, die Kronprinzessin von Griechenkand und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Der Großherzog von Oldenburg, der auch als Gast des Kaisers eingeladen war, war verhindert, der Parade beizuwohnen. Außer dem japanischen Militärattachee und dem japanischen Marineattachee wohnten alle fremdherrlichen Militär= und Marineattachees der Parade bei. Fast gleichzeitig mit dem Kaiser erschienen am Horizont der Schütte=Lanz=Lenkballon und der Militärluftkreuzer„M. L. 3“, die beide das Paradefeld mehrere Male umflogen; zu ihnen gesellte sich noch ein A. F. G.=Eindecker mit dem Piloten Friedrich, sodaß es auch eine Parade hoch oben in den Lüften gab. Der Eindecker landete nach mehreren Runden auf dem Tempelhofer Felde, während dessen intonierten die Kapellen den Präsentiermarsch und der Kaiser begann die Fronten abzureiten, wobei ihm die Prinzen folgten, soweit sie nicht bei ihren Regimentern eingetreten waren. Der Kronprinz, als 1. Leibhufar, ritt zwischen seiner Schwester, der Prinzessin, Viktoria Luise, in der Uniform der 2. Leibhusaren, und der Prinzessin Eitel Friedrich, in der Uniform ihrer Schwedter Dragoner. Im vierspännigen Wagen folgte die Kaiserin. Unter einem weißen Spitzenmantel leuchtete das Orangeband des Schwarzen Adlerordens hervor. Ihr weißer Strobhut war mit großen grauen Straußenfedern geschmückt. Freudige Ausrufe hörte man überall:„Also die Kaiserin ist wirklich wieder gesund!“ In einem zweiten vierspännigen Wagen saß die Kronprinzessin mit ihren beiden ältesten Söhnen. Es folgte dann die endlose Reihe der fremden Gäste und Offiziere zu Wagen und zu Pferde. Sofort nach dem Abreiten der Fronten begann die eigentliche Parade, bei der die Lichterfelder Kadetten als die ersten vorbeizogen. Da die Zahl der Truppen sehr groß war, fand nur ein Vorbeimarsch statt. Der Kaiser führte seiner Gemahlin und seinen Gästen das 1. Garde=Regiment zu Fuß und das Leibgrenadier=Regiment Nr. 8 vor, bei denen er jedesmal mit laut vernehmbarer Stimme selbst den Befehl zum Antreten gab. Bei dem 1. Garde=Regiment marschierten die Prinzen Friedrich Sigismund und Friedrich Karl von Preußen zu beiden Seiten der Fahne. In der Front der dritten Gardeulanen stand Prinz Georg von Griechenland. Die Leib=Eskadron der GardeHusaren führte Prinz Eitel Friedrich. Prinz Oskar, der zur Dienstleistung beim 1. Garde=Feldartillerie=Regiment kommandiert ist, stand hier in der Front. Inzwischen hatten die Fliegeroffiziere ihre Apparate weiter auf das Feld hinausgezogen, und als das Alexander=Garderegiment zum Parademarsch antrat, stieg die erste Taube auf; in kurzer Zeit waren acht Militärpiloten in der Luft, deren Anblick die vorbeimarschierenden Truppen ganz vergessen ließ. Es war ein prächtiger Anblick, als die Tauben und Albatros=Eindecker sich erst zum Gleitflug senkten und dann wieder in die Höhe schossen. Die Militärflugzeuge erreichten Höhen von etwa 1000 Meter, während die größte vom Schütte=LanzBallon erzielte Höhe nicht ganz 400 Meter betrug. Nachdem der Vorbeimarsch des 3. Armeekorps beendet war, bei dem der Großherzog von Mecklenburg=Schwerin dem Kaiserpaar das 24. InfanterieRegiment vorführte, versammelte der Kaiser die Generale und Stabsoffiziere zur Kritik und sprach sich sehr anerkennend über die Parade aus. Sodann setzte sich der Kaiser an die Spitze der Fahnenkompagnie und der Standartenschwadron, um sie nach dem kgl. Schloß zurückzuführen. Beim Einzug in Berlin wurde der Kaiser in den fahnengeschmückten Straßen von einem vieltausendköpfigen Publikum stürmisch begrüßt; in der Friedrichstraße war das Gedränge der Menschenmassen geradezu beängstigend. Generalfeld marschall v.Bock u. Polach Exzellenz Generalfeldmarschall Max von Bock und Polach feiert am 5. September seinen 70. Geburtstag. Wir bringen aus diesem Grunde beistehend das Bild des greisen Geburtstagskindes, das einer alten rheinischen Offiziersfamilie entstammt. Aus Stadt und Umgebung. Georginen. Wenn mit den Sommertagen die Zeit der Rosen vorüber ist und allmählich die Tage des Herbstes herankommen, dann beherrscht eine stolze Blume, die Georgine, den Garten und den Blumenmarkt. In allen Farben vom leuchtenden Weiß bis zum dunklen Rot und in allen Schattierungen von Gelb und Braun, trifft man die groben, kugeligen Blumen an, nur das Blau fehlt, denn es ist den Gärtnern trotz allen Bemühungen bisher noch nicht gelungen, blaue Georginen zu züchten. Wenn wir nun heute auch die Georgine in jedem Dorfgarten antreffen, so daß sie zu den verbreitesten Blumen gehört, so ist es doch erst wenig mehr als hundert Jahre her, seit die Blume zum erstenmale aus ihrer Heimat Mexiko nach ropa gebracht wurde. Im Jahre 1784 sandte der Direktor des Botanischen Gartens in Mexiko einige Wurzelknollen der Pflanze an den Botanischen Garten zu Madrid, wo die Blume einige Jahre später genau beschrieben wurde und zu Ehren des schwedischen Botanikers Dahl den Namen Dahlie erhielt. Die schöne Blume, die damals das größte Aufsehen in der botanischen Welt erregte, wurde in dem Madrider Garten streng behütet, und es dauerte dreizehn Jahre, ehe die erste Knolle an Frankreich abgegeben wurde. Zur selben Zeit hatte aber Alexander von Humboldt die Pflanze in ihrem Heimatlande aufgefunden und Samen nach Europa geschickt, aus dem die Blume von neuem gezogen wurde, die nun zu Ehren des damals berühmten russischen Reisenden Georgi den Namen Georgine bekam. Die viel verbreitete Ansicht, daß die Pflanze ihren Namen nach dem König Georg 3. von England erhielt, ist also irrig. Sehr bald nach ihrem ersten Auftreten wurde die Georgine zur gesuchten Modeblume, und für auserlesene Exemplare wurden ganz gewaltig hohe Preise bezahlt. Die Gärtner Englands betrieben mit besonderem Eifer die Zucht der Georginen; alle möglichen Farbenspielarten wurden gezogen, und es erregte damals nicht geringes Aufsehen, als die erste reinweiße Varietät gezüchtet worden war. Heute dürfen wir wohl über 2000 Spielarten der Georgine unterscheiden. Einige gelbe Arten haben die Eigenschaft, im Dunkeln zu leuchten; man nennt sie daher vielfach„Deutsche Sonne.“ *(Das Wetter im September.) Der hundertjährige Kalender verkündet für den September folgendes: 1. bis 4. warm mit Donner, 5. bis 9. hell und warm, 10. bis 26. veränderlich, am 27. warm, bis Monatsende Regen. Nach den Mondvierteln soll das Wetter folgenden Charakter haben: Letztes Viertel(4.) läßt schönes Wetter erwarten, der Neumond(11.) ist windig, das 1. Viertel(18.) bringt unstete Witterung und der Vollmond(26.) neigt sich zu Schnee. (Niederschlagsmengen im August.) Seit dem Bestehen der Altenaer meteorologischen Anstalt im Jahre 1897 hat der Monat August im ganzen Sauerlande nicht so viele Niederschläge zu verzeichnen gehabt, wie in diesem Jahre. Mit dem 5. August setzte der Regen ein und seit dieser Zeit hat es jeder: Tage geregnet. Während in früheren Jahren der August durchschnittlich 60—80 Millimeter Niederschläge brachte, sind in diesem Jahre weit über 200 Millimeter gefallen. **(Sonderfahrt zur Kaiser=Flottenparade.) Der Hauptausschuß für Berlin und die Mark Brandenburg des deutschen Flottenvereins veranstaltet zu der großen Flottenparade, die am 16. September dieses Jahres vor Helgoland durch den Kaiser abgenommen wird und zu der die ganze deutsche Kriegsflotte zusammengezogen wird, eine Sonderfahrt mittels des Doppelschraubendampfers„Meteor“ der Hamburg=Amerika=Linie. Die Reise beginnt am 15. September, die Rückkehr erfolgt am 17. September abends. Die Teilnehmer werden zwei Tage an Bord des„Meteor" untergebracht werden. Es findet ferner noch eine Besichtigung von Hamburg, sowie ein Besuch von Friedrichsruh statt. Programme sind kostenlos von der Geschäftsstelle des Hauptausschusses in Berlin W. zu beziehen. *(Reiche Kappusernte.) Das kühle Wetter und die vielen Niederschläge der letzten Wochen sind den großen Gemüsefeldern am Niederrhein besonders günstig gewesen. Der Kappus zeigt jetzt allenthalben ein recht üppiges Aussehen, so daß eine reichliche Ernte zu erwarten ist. Demgemäß ist auch der Preis für Gemüse in diesem Jahre niedrig. Während bei der vorjährigen Dürre der Zentner Kappus mit 8 bis 10 Mark bezahlt werden mußte, kostet derselbe jetzt nur 1.50 Mark, und der Preis wird zur Zeit der Kappusernte noch weiter sinken. Das Sauerkraut, das im vorigen Jahre 25 und 30 Pfg. kostete, wird also in diesem Jahre wieder billiger sein und mehr als Volksnahrungsmittel zur Geltung kommen, wenn auch sein Tischgenosse Schweinefleisch vielfach wird entbehrt werden müssen. **(Neue Personen= und Süterwagen.) Das Königliche Eisenbahnzentralamt in Berlin ist beauftragt worden, wegen Herstellung von 1500 Personenwagen und 400 Gepäckwagen verschiedener Gattung für die preußisch=hessischen Staatseisenbahnen, sowie von 43 Personenwagen und 16 Gepäckwagen verschiedener Gattung für die Reichseisenbahnen in Elsaß=Lothringen mit den in kommenden Wagenbauanstalten in Verhandlung zu treten. Die Anlieferung der Wagen soll bis zum 30. September 1913 erfolgt sein. **(Ein kritischer Tag) erster Ordnung scheint der gestrige Montag gewesen zu sein. Während des ganzen Tages sah man größere oder kleinere Trupps wankender Gestalten durch die Straßen torkeln, sicherlich kein schöner Anblick für die Passanten, besonders für etwaige Fremde. In einer Wirtschaft an der Hagenerstraße platzten die Gemüter auch noch mächtig aufeinander, aus nichtigen Ursachen kam es zu einer großen Keilerei und der Fabrikarbeiter Sinn wurde durch Schläge mit einem Bierglase schwer am Kopfe verletzt. Der Täter ist bereits ermittelt und dürfte das dicke Ende schon noch kommen. ** Westhofen, 3. Sept.(Einschweres Unglück) ereignete sich gestern vormittag auf der Hochstraße unweit der Wirtschaft Walter. Auf der Straße spielten friedlich mit einem Wägelchen die beiden Kinder der Familien Busse und Klostermann(Knabe und Mädchen, im Alter von 4 bis 5 Jahren), als vom Bahnhof kommend der schwere Steinwagen des Steinbruchbesitzers Hamann herannahte und von der anderen Seite sich die Elektrische näherte. Die Kinder befanden sich in größter Gefahr und um sie in Sicherheit zu bringen, wollte der Fuhrmann Dahlhaus, vor den Wagen springend, die beiden auf die andere Seite bringen. Bei diesem edlen Werk kam D. jedoch so unglücklich zu Fall, daß er unter den Wagen zu liegen kam und die Räder ihm über die Beine gingen; später stellten sich die Verletzungen glücklicherweise als nicht so schwer heraus, als erst angenommen wurde. Auch die beiden Kinder wurden überfahren und ziemlich schwer verletzt. Möchten doch alle Eltern und Erzieher ihre Pflegebefohlenen immer wieder auf die vielen Gefahren der Straße aufmerksam machen. *** Hennen, 3. Sept.(Durch einen entsetzlichen Unglücksfall) wurde die Familie Möllenhoff hierselbst in tiefe Trauer versetzt. Das 4jährige Kind war in eine Abortgrube gefallen. Trotzdem sofort Hilfe zur Stelle war und das Kind bald aus der Grube gezogen wurde, war dasselbe jedoch bereits erstickt. Der traurige Fall findet allgemein herzliche Teilnahme. ** Berchum, 2. Sept.(Turnfest.) Am Sonntag beging der Turnverein Berchum(Mitglied der deutschen Turnerschaft) sein diesjähriges Sommerfest. Als auswärtige Vereine waren die Turnvereine Halden und Ergste vertreten. Nachmittags um 2½ Uhr zogen die Turnvereine mit ihren Kapellen zum nahen Tiefendorf, wo auf der Jürgensmann'schen Weide ein Preisturnen der Jugendabteilung stattfand. Zu Beginn der Dunkelheit zog man unter klingendem Spiel ins Vereinslokal Witwe Schulte=Berchum. Hier dankte zunächst der Vorsitzende des Vereins, Turngenosse G. Mitze, den auswärtigen Vereinen für ihr Erscheinen, worauf dann Turngen. Lehrer Gosmann eine von patriotischem Geist durchwehte Festrede hielt, die in ein Hoch auf den Kaiser ausklang. Dem Verein auch für die Zukunft ein kräftiges Gut Heil! * Hagen, 2. Sept.(Der bei der Jagd auf die Einbrecher) schwer verletzte Schutzmann Ueberacker konnte inzwischen vernommen werden. Er sagte u. a. aus: Als er das Bureau betrat und das elektrische Licht angedreht hatte, sah er, wie sich fünf Leute an dem Geldschrank zu schaffen machten. Einer lag oben auf dem Schranke und hieb mit einem Beil auf die Tür ein. Er feuerte, als mit einem Male der Raum erleuchtet war, auf den Polizeibeamten drei Revolverschüsse ab. Als der Beamte zusammenbrach und ausrief: „Ich bin getroffen“, kamen die Einbrecher, die sich inzwischen zur Flucht gewandt hatten, zurück, hielten sich den Begleiter des Polizeibeamten mit dem Revolver vom Leibe und nahmen ihre Werkzeuge und ihre Röcke, die sie abgelegt hatten, an sich, um damit zu entfliehen. Die Angaben des inzwischen verstorbenen Verbrechers Wagner haben sich als falsch erwiesen. Den verletzten Polizeibeamten geht es den Umständen nach gut. * Engelskirchen(Kreis Wipperfürth), 2. Sept. (Im Hochwasser ertrunken.) Infolge eines Fehltritts stürzte hier die 10jährige Tochter des Eisenbahnarbeiters Bernd aus Hardt in einen Fabrikgraben, der durch den Dauerregen sehr viel Wasser führte. Ehe Hilfe gebracht werden konnte, ertrank das Mädchen. —.— Die Mordtat in Brechten Ueber die Festnahme der Brechtener Mörder wird aus Dortmund noch gemeldet: Länger als eine Woche währte es, bis der Ermordete als der Sohn des Arbeiters Lefarth in Körne ermittelt wurde. Man wußte, daß der Ermordete an seinem Todestage von seinen Eltern Abschied genommen hatte, um sich Arbeit zu suchen; sein Reiseziel war Köln, dorthin wollte er mit dem ihm bekannten Schlosser Heitbrede. Die Schwester des Lefarth fuhr mit dem Bruder bis zum Heiligenweg, dort stieg sie aus der elektrischen Straßenbahn, während Lefarth weiterfuhr. Lefarth kam nicht in Köln an; seit dieser Zeit war er spurlos verschwunden. Heitbrede war ein wichtiger Zeuge, er konnte eventuell wichtige Angaben machen. Zwei Kriminalbeamte begaben sich am Samstag daher unverzüglich nach Köln, um Heitbrede aufzusuchen. Dieser hatte inzwischen vernommen, daß er eventuell als Mitwisser der Mordtat in Frage kommen könne; er benutzte am Samstag nachmittag den ersten Zug, und als die Kriminalbeamten in Köln eintrafen, war Heitbrede in Dortmund, um sich von dem gegen ihn aufgetauchten Verdacht zu reinigen. Kriminalkommissar Schenk examinierte ihn scharf, die Vernehmung ergab die Tatsache, daß Heitbrede sein Alibi einwandfrei nachzuweisen vermochte. Der Verdacht fiel dann auf den Lentstraße 6 wohnenden 17 Jahre alten Arbeiter Johann Bachmann, ein Bursche, der nicht gut beleumundet ist und mit dem Ermordeten befreundet war. Am Sonntag Mongen früh holten ihn die Kriminalbeamten Kuhn und Ilsen aus dem Bette. Der Bursche tat recht verwundert ob dieser Ueberraschung, ging aber gutwillig mit. Nach scharfem Verhör und anfänglichem Leugnen gestand Bachmann dann den Mord ein und nannte als den Haupttäter seinen Komplizen, den 19 Jahre alten Schlosser Fritz Schweckendieck, Lentstraße 7 wohnhaft. Die Beamten holten auch diesen aus dem Bett und führten ihn dem Kriminalkommissar Schenk vor. Nach anfänglichem Leugnen gestand auch Schwedendieck die Tat ein. Das Geständnis der Mörder. Die Verhafteten geben über ihre scheußliche Tat an, daß sie den mit ihnen befreundeten Lefarth in Dortmund getroffen hätten. Zunächst seien sie in mehreren Wirtschaften gewesen und dann in den Nachmittagsstunden nach Brechten gepilgert. Sie hätten dann in einem Wäldchen gelagert und die mitgebrachten Wurst= und Brotreste verzehrt. Als Lefarth müde geworden, hätten sie ihn gepackt und am Halse solange gewürgt, bis er nur noch geröchelt habe. Schweckendieck nahm den Schlips des Lefarth und schnürte ihm den Hals zu. Uhr, Rock, Hose und Joppe nahmen die Mörder an sich und warfen den Toten in einen Graben. Die Kleidungsstücke verkauften sie bei einem Althändler für 4,50 Mark, während die Uhr am folgenden Tage versetzt wurde. Der rohe Charakter und die Gesühllosigkeit der beiden Mörder zeigt sich besonders dadurch, daß sie nach der Tat alsbald ein Kino aufsuchten und abends in dem zu der Zeit hier anwesenden Zirkus Sidoli ihrem Vergnügen nachgingen. Schweckendieck, der als Haupttäter angesehen werden kann, trug die Schuhe des Ermordeten; bei seiner Verhaftung hatte er dieselben gewichst vor dem Bette stehen. Die Tat der noch fast jugendlichen Mörder sucht an Gefühlsroheit ihresgleichen. Lefarth war ihnen ein Bekannter und Freund. Sie wußten, daß Lefarth keine Mittel bei sich führte, lediglich, um sich die Habe anzueignen, die der junge Mensch auf dem Leibe trug, haben die beiden Täter das schwerste, mit dem Tode bedrohte Verbrechen des Mordes begangen. Während bei dem älteren Schweckendieck die ganze Strenge des Gesetzes zur Anwendung kommen kann, wird der erst 17 Jahre alte Bachmann nur eine erhebliche Gefängnisstrafe zu erwarten haben. —.— Letzte Drahtmeldungen.“ Die Paradetafel. Berlin, 3. Sept. Bei der gestrigen Paradetafel brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: Ich spreche den beiden Armeekorps zu dem heutigen Paradetage meine vollste Anerkennung aus. Es ist das erste Mal, daß ein Linienarmeekorps gemeinsam mit der Garde vor seinem obersten Kriegsherrn defiliert hat, und ich sage dem braven 3. Korps meine freudige u. dankbare Zufriedenheit aus, daß es in dieser hervorragenden Weise neben der Garde bestanden hat. Die Märker haben eine gute militärische Geschichte hinter sich und sie sind im Laufe der Zeit mit der Geschichte des Königshauses und mit ihren Königen zusammengewachsen. Hat das Leibgrenadierregiment sich durch Tapferkeit seinen Titel und seinen Namen erfochten, so grüßte der eiserne Vork dasselbe durch Entblößen seines Hauptes, als es nach Wartenberg bei ihm vorbeizog. Seit dem 16. August 1870 kann vor jedem mär. kischen Regiment der Helm gezogen werden und so wünsche ich dem dritten Armeekorps und meiner Armee stets solche Regimenter und einen solchen Geist, der bei Mars la Tour bewährt wurde, und solche Führer, wie Konstantin Alvensleben es war. Es lebe das dritte Armeekorps! Hurra, hurra, hurra! Die Musik(gestellt vom Leibgrenadier=Regiment) spielte den Hohenfriedberger Marsch. Nach der Tafel hielten die Majestäten in der Bildergalerie Cerele. Vom Zuge überfahren. Delmenhorst, 3. Sept. Gestern abend wurde unweit der Stadt der Lehrer Stoever vom Zuge überfahren und getötet. Schwere Vergiftungserkrankungen. Chemnitz, 3. Sept. In dem Dorfe Grüna sind nach dem Genusse von verdorbenem Fleisch 50 Personen zum Teil bedenklich erkrankt. Posen, 3. Sept. Auf dem Dominium Wydawy sind infolge des Genusses giftiger Pilze die Familien eines Pächters und eines Knechtes, insgesamt 13 Personen, schwer erkrankt. Ein 7jähriger Sohn des Pächters ist bereits gestorben. Nr. 207. 1. Beilage. Zeitung. Dienstag, 3. September 1912 Für die Stunden der Erbolung leistet dem ernsten Hausherrn und der praktischen Hausfrau die„Schwerter Zeitung“ die besten Dienste. Neben den Neuig. keiten aus Stadt und Land, aus dem In- und Auslande bringt die„Schwerter Zeitung“ spannende Romane und Erzählungen, sowie wissenswerte Artikel über Haus und Hof. Ein Prebe-Abonnement führt zu dauerndem Bezuge Monatlich nur 60 Pfg. Kaiser Friedrichs Lelben stage rufen die„Briefe Gustav Freytags an seine Braut und Gattin“, die in nächster Zeit als Buch erscheinen werden, in die Erinnerung zurück. Wer von unseren Lesern das Bild jener unvergeßlichen Tage noch klar im Herzen bewahrt hat, wird es sich nicht trüben lassen durch die neuen Ergänzungen, die mancherlei in einem wenig freundlichen Lichte erscheinen lassen. Da aber der Briefschreiber Jahrzehnte lang sehr enge Beziehungen zur damaligen deutschen Kronprinzenfamilie, sowie zu dem Onkel der Kronprinzessin und späteren Kaiserin Friedrich, dem Herzog Ernst von Sachsen=Koburg=Gotha unterhielt, seine Kenntnis der Dinge also aus unmittelbarer Quelle schöpfte, so enthalten seine Aufzeichnungen historische Wahrheiten, die auch da nicht verschwiegen werden können, wo sie wehe tun. Etwas anderes ist es, ob die Veröffentlichung der Briese nicht besser einer späteren Zeit vorbehalten geblieben wäre. Wir haben jedoch inzwischen die Denkwürdigkeiten des dritten Reichskanzlers, des Fürsten zu Hohenlohe, erlebt, wir haben vernommen, was Professor von Bergmann in seinen hinterlassenen Tagebüchern über die Krankheit des Kronprinzen und die Behandlung durch Mackenzie sagte, wir haben manches freimütige Wort in Bismarcks„Gedanken und Erinnerungen“ gelesen und haben die Erfahrung gewonnen, daß der Verehrung hochgestellter Personen, auch wenn ihnen gelegentliche menschliche Schwächen und Irrtümer nachgewiesen wurden, kein Abbruch geschieht. Wir leben nicht in China oder Japan, wo man die Herrscher als Halbgötter betrachtet, sondern fühlen uns gerade durch rein merschliche Züge ergriffen. Am 17. Mai 1887 erhielt Freytag aus authentischer Quelle zum ersten Male die Nachricht, daß der Kronprinz von einem sehr ernsten Leiden am Kehlkopf befallen sei, das sich möglicherweise nicht durch Ausbrennen beseitigen ließe. Schon vier Wochen vorher hatte der deutsche Kliniker Professor Gerhardt erklärt, die Hoffnung bestehe darin, daß ein zweites Ausbrennen nicht nötig würde; es war nötig geworden. Die deutschen Aerzte erklärten, das Leben, nicht aber die Stimme des Kronprinzen retten zu können. Da tauchte kurz vor Ende Mai 1887 der Engländer Mackenzie auf, der erklärte, die Geschwulst ohne Kehlkopfschnitt heilen zu können. Der Aerztestreit begann. Prinz Wilhelm, unser jetziger Kaiser, und Herbert von Bismarck erklärten Mackenzie für einen Schwindler; in hohen Kreisen wurde der Engländer als Politiker im Dienste der Kronprinzessin angesehen. Diese und ihr nachgebend der Kronprinz hielten zu dem engl. Arzt, der die Möglichkeit einer Thronbesteigung offen ließ, die einem der Sprache beraubten Kronprinzen verschlossen gewesen wäre. Die Erregung wuchs in den beteiligten Kreisen, als die Kronprinzessin ihren totkranken Gemahl veranlaßte, zum Jubiläum der Königin Viktoria nach England zu gehen und sich dessen mörderischem Klima auszusetzen. Der spätere Aufenthalt in San Remo sollte den Kranken dem Berliner Einflusse entziehen. Die politische Richtung des kronprinzlichen Hoses, so heißt es an anderer Stelle, wich von derjenigen, die Bismarck und der alte Kaiser Wilhelm befolgten, vielfach ab. Das ging so weit, daß die intimsten Freunde des kronprinzlichen Hauses der Kronprinzessin beim Fortschreiten der Krankheit des Kronprinzen dringend rieten, dessen Aufzeichnungen in Sicherheit zu bringen, da sie sonst in die Hände des Fürsten Bismarck gelangen und der Kronprinzessin zum Verderben gereichen würden. Das war jedoch übertriebene Sorge, denn nach Freytags eigenen Mitteilungen befanden sich in den Privatakten des Kronprinzen fast nur Zeitungsausschnitte, die sich günstig über seine Person äußerten. Das Härteste, was Freitag erzählt, betrifft die Battenbergfrage. Die Kaiserin Friedrich wollte ihre Tochter Viktoria mit dem aus Bulgarien verjagten Prinzen von Battenberg vermählen. Der Plan, zu dem die Kaiserin die Zustimmung des Kaisers Friedrich erlangt hatte, scheiterte an dem entschiedenen Widerstande Bismarcks, der darauf hinwies, daß diese Vermählung den Krieg mit Rußland zur Folge haben müßte. Der eigene Oheim der Kaiserin Friedrich, der Herzog von Koburg, schilderte dem Briefschreiber eine erschütternde Szene, die sich vier Tage vor dem Ende des königlichen Dulders zutrug. Am 11. Juni fand in der Battenbergsache am Krankenlager des Kaisers Friedrich eine Konferenz statt, welcher der Großherzog von Baden, der Kronprinz und jetzige Kaiser sowie Fürst Bismarck beiwohnten. Als der Kaiser durch Bismarcks Darlegungen überzeugt, auf die Heirat verzichtete, und auf einen Zettel schrieb, daß er dem Battenberger den Orden pour lemerite geben wollte, zeigte Bismarck, daß auch das nicht angehe, und der Kaiser fügte sich. Allen ward das Herz leicht. Dann heißt es in dem Briefe wörtlich weiter: Da dringt die Kaiserin ein, wendet sich heftig gegen ihren Mann, er habe sein Ehrenwort gegeben, daß Alexander Battenberg ihr Schwiegersohn werden solle, sie wüten, der Kaiser stöhnt und schlägt mit beiden Fäusten auf den Tisch, im Jammer, daß er nicht sprechen kann, endlich richtet er sich auf, packt sie bei der Hand und führt sie zur Tür, die ex hinter ihr schließt. Alles in Gegenwart der Erwähnten. Dann sinkt er zurück und verläßt das Bett nicht mehr. Der Herzog teilte dem Briesschreiber weiterhin noch mit, daß sich die Königin Viktoria, die zur Regelung der Battenbergfrage nach Berlin gekommen war, schließlich ganz auf die Seite Bismarcks stellte. Endlich heißt es in einem Briefe: Die letzte ungnädige Mitteilung Kaiser Friedrichs an den Minister des Innern von Puttkamer, welche den sofortigen Rücktritt desselben veranlaßte, macht Gedanken. Es ist Tatsache, daß der Kaiser nicht mehr im Stande war, sie zu diktieren, sogar die Echtheit der Unterschrift wird bezweifelt. Bismarck hat in seiner entschlossenen Weise erklärt: kein Nachforschen, für uns soll sie ein Factum sein. Vieles, vieles andere wird in den Briesen noch berichtet über die Charaktere des Kronprinzenpaares und jetzigen Kaisers. Manches davon hat sich durch die Ereignisse als grundlos herausgestellt. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß die unter dem unmittelbaren Eindrucke der tragischen Ereignisse am Kaiserhofe gemachten Mitteilungen und Aufzeichnungen Mißverständnisse und Irrtümer enthalten, deren Berichtigung, da noch lebende Zeugen jener Vorgänge unter uns weilen, im hohen Maße dankenswert wäre. Zum Fall Bochardt=Leinert schreibt eine Berliner parlamentarische Korrespondenz: Der Fall Borchardt wird am 23. September in Berlin zur gerichtlichen Verhandlung stehen. Es wird vielfach angenommen, daß in dieser Verhandlung die Abgeordneten Borchardt und Leinert bereits verurteilt werden könnten. Dies trifft jedoch nicht zu. Das Abgeordnetenhaus hat die Genehmigung zur Einleitung eines Ermittelungsverfahrens erteilt, um die die Staatsanwaltschaft nachsuchte, eine Genehmigung zur Strafverfolgung ist nicht erteilt worden. Wahrscheinlich dürfte die bevorstehende Verhandlung auch erst zeigen, ob die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren einleiten will. Zu der Verhandlung sind die Abgeordneten Borchardt, Leinert und Schifferer geladen. Von Zeugenladungen des Präsidiums oder der Schriftführer ist bisher nichts bekannt geworden. Wenn die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren auf Grund des bisherigen Ermittelungsverfahrens und der kommenden Verhandlung einleiten will, so bedarf dies die Stellung eines neuen Antrages bei dem preußischen Abgeordnetenhaus, da nach Artikel 84 eine Strafverfolgung ohne Genehmigung der Kammer nicht möglich ist. Diese Genehmigung dürfte auch im Oktober erteilt werden, da der Landtag ein Interesse daran hat, die Angelegenheit endlich ins Reine zu bringen und sie nicht bis zum Ablauf der Legiskaturperiode zu verschleppen. —— We tfalen und Rheinland * Iserlohn, 2. Septbr.(Der Hütedieb ist gefaßt!) Es ist ein 20jähriger junger Mann, der sich mit der Anfertigung von Taubenringen befaßt. Er hat außer der Firma Lippmann in gleicher Weise einige Schuhgeschäfte und eine Konfektionsfirma geschädigt. In Summa sind es 600 Mark, um die er die betr. Geschäfte gebracht hat. * Iserlohn, 2. Septbr.(Ein eigenartiger Unfall) der zur Vorsicht beim Fliegenlassen der sog.„Windvögel“(Drachen) mahnt, ereignete sich im nahen Bredenbruch. Kinder ließen hier einen Drachen steigen und hatten hierbei statt der üblichen Leinenschnur, ganz dünnen Blumendraht benutzt. Der Draht riß, fiel auf eine Hochspannungsleitung und der Draht hing zur Erde hinab. Der 17jährige Gymnasiast Hücking, der zufällig des Weges kam, stieß unglücklicherweise mit dem Fuß an den Draht und fiel wie tot zu Boden. Erst nach mühevoller Arbeit gelang es, den Knaben, der schwere Verletzungen an den Füßen, Händen und an einer Seite erlitten hatte, aus seiner gefahrvollen Lage zu befreien. Direkte Lebensgefahr liegt nicht vor. * Lippstadt, 1. Sept.(Wegen einer beispiellosen Roheit) hatten sich jetzt vier Bauernknechte vor dem Strafrichter zu verantworten. Am 14. Juni, einem Sonntag, erschien in dem Hause eines Gutsbesitzers im Nachbarorte Ehringhausen ein älterer, anscheinend obdachloser Mann und traf in dem Hause die Magd allein an. Angeblich machte er Miene, das Mädchen mit einem Stocke zu verprügeln. Es flüchtete, und als es mit mehreren Bauernknechten zurückkam, war der Mann verschwunden. Am Nachmittage desselben Tages machte die Magd in Begleitung einer zweiten Magd und von vier Bauernknechten einen Spagiergang u. trafen dabei einen älteren Mann, in dem die eine Magd den Eindringling vom Vormittage wiedererkennen wollte. Alle vier weckten nun den am Wege Schlafenden durch Schläge mit Knütteln, die sie vom Boden aufhoben. Als der Mann flehte, man solle ihn doch nicht tot schlagen, warfen die Rohlinge einen sogenannten Buschenbündel über ihn, auf den sich zwei Knechte stellten, so daß der Manne nahe daran war, erdrückt zu werden. Nunmehr erklärte die Magd, daß es sich doch nicht um den Mann vom Vormittage handele, sie habe sich geirrt. Ohne sich um das Schicksal des Fremden weiter zu kümmern, zog die Gesellschaft weiter. Am nächsten Tage wurde von einem des Weges kommenden Gutsbesitzer der Mann in völlig ermattetem Zustande aufgefunden. Er wurde sofort ins Krankenhaus eingeliefert, starb aber schon am selben Tage. Leider konnte nicht einwandfrei festgestellt werden, ob der Tod infolge dieser Mißhandlung eingetreten war; nach Ansicht des Arzes, der den Mann behandelt hat, hat die Mißhandlung zum Tode nicht beigetragen. Am ganzen Körper zeigten sich Blutergüsse, die von den Schlägen der brutalen Burschen herrührten. Der Verstorbene litt außerdem an Herzverkalkung. dieser Sachlage erkannte die Strafkammer Münster gegen drei Angeklagte auf Gefängnisstrafen von 3 bis 6 Monaten und gegen einen auf 50 Mark Geldstrafe. * Duisburg, 2. Septbr.(Von einer wütenden Kuh schwer verletzt.) Heute vormittag wurde die 19jährige Kuhmagd Alice Röder von einer plötzlich wütend gewordenen Kuh mit den Hörnern und Hufen schwer verletzt. Passanten konnten das wütende Tier nur mit großer Mühe von dem blutüberströmten und bewußtlosen Mädchen trennen. * Mörs, 1. Septbr.(Vom Tode errettet.) Auf Schacht 5 der Zeche„Rheinpreußen“ ging gestern auf der zweiten Sohle eine Strecke von etwa 20 Metern Länge zu Bruch. Die auf der Strecke beschäftigten Bergleute konnten sich bis auf einen, der in einen sogenannten blinden Ort flüchtete, retten. Die Rettungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen, und es gelang nach mehrstündiger Arbeit, den Verschütteten unversehrt zutage zu bringen. — Die Panamakanal=Gebühren. England und Amerika nennen sich mit Vorliebe Schwesternationen; die geschwisterliche Liebe hält 70 Rosen und Vornen. Roman von Arthur Zapp. Die bescheidene und doch so warmherzige Art des jungen Mannes, dessen, von den ehrlichsten, wärmsten Empfindungen strahlendes Gesicht und dessen glänzende, enthusiastisch leuchtende Augen noch beredter sprachen als seine Worte, seine Erklärung, daß er bisher ein heimliches Einverständnis mit Wanda nicht unterhalten habe und zuletzt wohl auch die klare, und überzeugende Darlegung seiner persönlichen Verhältnisse, die überraschend ausgezeichnete waren, alles das machte einen starken Eindruck auf den alten Herrn. Sein Gesicht nahm einen weichen, freundlichen Ausdruck an, seine linke Hand legte sich auf die Schulter des ihm gegenüberstehenden jungen Mannes, und seine Rechte erfaßte mit impulsivem Griff Ewald Bohms Hand. „Ich danke Ihnen, mein lieber Herr Bohm,“ erwiderte er herzlich.„Ich persönlich kann ja nichts gegen Sie und Ihren Antrag einwenden, und ich glaube auch im Namen meiner Frau zu sprechen, wenn ich Ihnen versichere, daß wir das Schicksal unserer einzigen Tochter ohne Bedenken in die Hand eines so tüchtigen, ehrenhaften und vertrauenswürdigen Mannes legen würden. Aber hier kommt noch alles auf Wanda selbst an, und ich „Herr Major!“ unterbrach Ewald Bohm stürmisch.„Tausend Dank! Sie wissen ja nicht, wie glücklich, wie unendlich glücklich und stolz Sie mich machen, und ich schwöre Ihnen bei allem, was mir—“ Mit einem Lächeln halb der Rührung und halb der Verlegenheit wehrte Major von Sterneck ab. „Ich weiß ja noch gar nicht, ob ich Ihren Dank annehmen kann. Meine Zustimmung ist ja nur eine bedingte; ich muß mich ja doch erst über Wandas Gefühle informieren. Bei ihr allein liegt die EntDas kriumphierende, glücklicheLächeln in Gwald Bohms Zügen verriet zur stillen Verwunderung des Majors nicht die mindeste Abschwächung. „Sie sagten doch selbst," fuhr er sort,„daß Sie sich Wanda gegenüber noch nicht erklärt haben.“ Nein." Das strahlende Lächeln in EwaldBohms Mienen wurde noch intensiver.„Aber Herwart verriet mir—“.„e. aumare 85 „Herwart.“ Der Major bliate abermats überrascht M.4 „Ja. Ich entdeckte mich ihm um übend vor seiner Abreise.“ „Ah! Und was sagte Herwart dazu?“ Herr von Sterneck heftete seine Blicke gespannt auf das Gesicht des jungen Mannes. „Herwart wünschte mir Glück und sagte mir, daß er nun mit noch froherem Herzen nach Afrika gehe, und er verriet mir auch, daß ihm Wanda schon längst angedeutet habe—“ Des Majors Rechte umspannte die des jungen Mannes fester und auch von seinem Gesicht widerstrahlte eine frohe, freudige Empfindung. „So. Na, dann kommen Sie. Dann habe ich ja nichts mehr drein zu reden. Dann wollen wir doch Wanda selbst befragen. Noch an demselben Aveno fand in der glücklichen, kleinen Familie ein improvisiertes Verlobungsfest statt, und gleichzeitig gingen zwei Depeschen ab, die eine an Dietrich, die andere an den „Afrikaner".Die Glückwünschetrafen natürlich ebenfalls auf kürzestem Wege per Draht ein. Das Telegramm aus Ostafrika kam freilich erst 24 Stunden später und lautete:„Herzlichen Glückwunsch! Freue mich sehr. Hurra! Herwart.“ 27. Kapitel. Zwischen Ewald Bohm und den Eltern seiner Braut war vereinbart worden, daß die Hochzeit drei Monate später stattfinden sollte. Dann war der Sommer und damit die geschäftlich stille Zeit gekommen, und Ewald konnte sich ganz gut ein paar Wochen Ferien geben und die laufenden Geschäfte dem von ihm engagierten Kontorpersonal überlassen, um mit seiner jungen Frau eine Hochzeitsreise anzutreten. Aber nun traf die kleine Familie jäh ein schwerer Unglücksschlag, der Freude und Frohsinn für längere Zeit ausschloß. Herwart pflegte regelmäßig alle vierzehn Tage einen längeren Brief zu schreiben. Da blieb plötzlich— es war zu Anfang Juli und der Tag der Hochzeit war schon festgesetzt— die fällige Nachricht aus. Der Major beschwichtigte die Sorge der bekümmerten Mutter: ein Soldat sei nie Herr seiner Zeit. Vielleicht sei Herwart nach einer anderen Station versetzt worden oder befände sich auf einer Expedition ins Innere und habe auf dem Marsche keine Gelegenheit, Briefe aufzugeben. Sobald er Zeit und Gelegenheit fände, würde er schon Nachricht geben. Aber diese tröstende Zuversicht erwies sich schon in den nächsten Tagen als unzutreffend. Vom Kolonialamt langtenämlich die kurze Benachrichtigung ein, daß Leutnant Herwart von Sterneck bei einem Ende Juni stattgehabten Gefecht durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet worden sei. Der Major begab sich noch an demselben Tage in das Bureau des Kolonialamtes, um Näheres zu erkunden, aber man konnte ihm weiteren Bescheid nicht geben, da bisher nur die kurze telegraphische Meldung der bei dem Gefecht gehabten Verluste eingetroffen war. Sobald man weitere Nachrichten erhalten werde, würde man ihm sofort Mitteilung Nochen. emmme Eine schwere, berkommene Stimmung tastete für die nächsten Tage und Wochen auf der Familie des Majors. Die Hochzeit wurde sofort aufgeschoben, denn konnte man sich in Freude und Glück wiegen und rauschende Feste feiern, wenn der Sohn, der Bruder in schwerer, schmerzhafter Krankheit darniederlag, ja, vielleicht in Todesqualen rang? Tag für Tag sprach Major von Sterneck auf dem Kolonialamt vor. Endlich— zwei Wochen später— konnte man ihm Genaueres mitteilen. Eine reiche Handlungsfirma hatte große Tabaksplantagen, ungefähr 60 Kilometer von der Küste entfernt. angelegt. Die Ansiedlung war Anfang Juni von einer Horde Wilder überfallen worden. Man hatte an einige Gebäude Brand angelegt, ein paar Angestellte getötet, Vieh gestohlen und geplündert. Einer der auf den Plantagen arbeitenden Neger hatte sich geflüchtet und die Unglücksbotschaft dem Bezirksamtmann überbracht. Sofort war eine StrafExpedition angeordnet und Herwart von Sterneck mit einer Abteilung von 50 Soldaten abgesandt worden. Beim Kampf mit einer starken Horde des wilden Raubgesindel, in der bedrohten Plantage, hatte der tapfere Führer der Deutschen einen Schuß in die Brust erhalten, der ihn darniederstreckte. Von dem Lazarettgehilfen, der das kleine Expeditionskorps begleitete, wurde er verbunden und dann auf einer rasch hergestellten Bahre zurücktransportiert. Ueber ihm schwebten die Schatten des Todes, und seine Familie in der Heimat war die Beute schmerzlichster Aufregung und Trauer. 195,16 28. Kapitel. Arno Zöller und Else begaben sich, glücklich aus. gesöhnt, auf acht Tage nach Berlin, um Vorbereitungen zu einem längeren Aufenthalt in Thüringen zu treffen und den kleinen Heinrich abzuholen. Vergessen war alles, was sie in den letzten Monaten von einander fern gehalten und unglücklich gemacht hatte. Arno bemühte sich ehrlich, bei Else die Eindrücke seines häßlichen Verhaltens gegen sie zu verwischen. Er selbst fühlte sich froh und glücklich, das uneingestandene Bewußtsein seiner Schuld, das wie ein Druck auf ihm gelegen, die Unzufriedenheit mit seiner mißlungenen Arbeit, der Lärm, der Trubel, den eine vergnügungslüsterne Schar in seinem Tuskulum hervorgebracht hatte, alles das war mit einem Schlage von ihm genommen. Elses mutiges, entschlossenes Eingreifen hatte ihn von allem Widerwärtigen befreit und ihn wieder zu sich selbst gebracht. Und schaudernd sah er ein, an welchem Abgrunde er gestanden, und tief beschämt erkannte er, wie viel Dank er von neuem Else. die wie sein guter Genius gewaltet hatte, schuldete. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Dienstag, den 3. September 1912. jedoch nur so lange vor, als Amerika sich den Wünschen Englands fügt. Jetzt besteht wegen des Panamakanalgesetzes ein nach mehreren Richtungen hin interessanter Streit zwischen den beiden Nationen. Trotz aller mehr oder minder freundschaftlichen Vorstellungen Englands in Washington hält man dort an dem Standpunkt fest, daß es recht und billig sei, wenn die amerikanischen Schiffe umsonst, alle fremdländischen aber nur gegen eine Gebühr den Kanal durchfahren dürfen. Das Schönste an der Sache ist, daß die Union von Englands Vorschlag die Streitfrage vor das Haager Schiedsgericht zu bringen und von diesem entscheiden zu lassen, nichts wissen will. Und doch war es gerade Nordamerika, das für alle, auch für die Macht und Ehre angehenden Fragen beider Nationen einen Schiebsgerichtsvertrag abgeschlossen hat, der jede Mögsichkeit eines englisch=amerikanischen Krieges ein für allemal aus der Welt schafsen sollte. Und da jetzt die erste Probe auf das Exempel gemacht werden soll, versagt der Vater des Schiedsgerichtsgedankens, versagt Nordamerika. Men kann daraus in recht lehrreicher Weise den Wert solcher Schiedsgerichtsverträge ermessen und braucht es nicht zu beklagen, daß diese Bewegung zur Sicherung des Weltfriedens keine weiteren Fortschritte gemacht hat. —— Gedenktage im September. Unter den Gedanktagen des September nimmt bei uns der Sedantag am 2. September die erste Stelle ein, der im Jahre 1870 mit der Gefangennahme Napoleons 3. den Sturz des Kaiserreichs und am 4. September die Gründung der Republik im Gefolge hatte. Am 3. September 1783 wurde Nordamerika unabhängig, am gleichen Tage des Jahre 1757 wurde der Großherzog Karl August von Sachsen=Weimar geboren, der große Förderer der deutschen Literatur, der Goethe, Schiller, Wieland, Herder und andere an seinen Hof zog. Bis auf den heutigen Tag hat Weimar einen guten Klang in der Literatur behalten, und die Leistungen der„Weimarer“ Schauspieler sind heute noch vorbildlich. Am 5. September vor 10 Jahren ist der große Anthropologe Rudolf Virchow gestorben, der einer der größten Förderer der medizinischen Wissenschaften des letzten Jahrhunderts war. Elf Jahre sind am 8. September seit dem Tode des preußischen Finanzministers Miquel vergangen. Am 9. September wurde der Italiener Galvani geboren, der die Elektrizität entdeckte, die inzwischen einen ungeahnten Siegeszug über die ganze Erde angetreten hat. Der 10. September ruft besonders in Oesterreich schmerzliche Erinnerungen wach, denn an diesem Tage des Jahres 1898 wurde die schöngeistige Kaiserin Elesabeth in Genf von dem Anarchisten Lutcheni ermordet, der später in Wahnsinn verfiel und sich am 19. Oktober 1910 erhängte. Drei Jahre nach dem ruchlosen Attentat in Genf, am 14. September, starb Mc. Kinley, der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, auf den fünf Tage vorher ein Nevolverattentat verübt worden war. Mitte September finden in Rußland die Jahrhundertseiern der Befreiung vom Joche Napoleons 1. statt, die nach dem Brande von Moskau erfolgte, der am 15. September 1812, dem Tage nach dem Einzuge des herrschgewaltigen Korsen, ausbrach und bis zum 21. September fast die ganze Stadt in Schutt und Asche legte. Am 15. September kann der italienische Thronfolger, Kronprinz Humbert, seinen 8. Geburtstag feiern. Am 20. sind es 46 Jahre her, seit Hannover, Nassau, Kurhessen und Frankfurt a. M. zu Preußen gehören. Am 23. September 1791 wurde der deutsche Freiheitssänger und=kämpfer Theodor Körner geboren, über dessen Ende im Gesecht bei Gadebusch am 26. August 1813 kürzlich verbreitet wurde, daß er erst nach dem Scharmützel von einem französischen Offizier meuchlings erschossen worden sei, als er sich über Frankreich in spottenden Worten erging. Wenn Bismarck, der eiserne Kanzler, noch unter den Lebenden weilen würde, könnte er am 24. den 50. Jahresgedenktag seiner Berufung zum Minister feiern. Sein Sohn Fürst Herbert Bismark starb am 18. September 1904. Seit dem Tode Gutenbergs, des Erfinders der Buchdruckerkunst, sind am 27. September 545 Jahre verflossen. Die erste Eisenbahn fuhr am 27. September vor 87 Jahren auf der Strecke Stockton=Darling= ton. Am 28. September 1907 starb der Schwiegersohn Kaiser Wilhelm 1., der Großherzog Friedrich 1. von Boden. Von den Giftpilzen. Zu den letzten zahlreichen Pilzvergiftungen wird von medizinischer Seite mitgeteilt: Die Kenntnis der Giftpilze ist leider lange nicht so verbreitet, wie es zur Verhütung der Pilzvergiftungen notwendig wäre. Es ist deshalb von bedeutendem Nutzen, wenn man sich die Kenntnis der Unterscheidungsmerkmale eßbarer und giftiger Pilze aneignet. Gefährlich sind die Pilze vor allem deswegen, weil die eßbaren Pilze zum Teil denselben Gattungen angehören, wie manche sehr giftiger Pilze. Besonders gefährlich ist in dieser Hinsicht die Verwechselung des Champignons mit dem Knollenblätterschwamm, demjenigen Pilz, der eben infolge seiner Aehnlichkeit mit dem Champignon an den meisten Pilzvergiftungen schuldig ist. Sein Gift wirkt in der weitaus größten Zahl der Fälle tödlich. Schon zwei oder drei Exemplare dieses Pilzes, die irrtümlich in ein Gericht Champignons geraten sind, können einer ganzen Familie den Tod bringen. Den Knollenblätterschwamm vom Champignon zu unterscheiden, ist dabei im Grunde leicht, schwer nur, wenn die Pilze noch jung, also geschlossen sind. Es ist deshalb zu empfehlen, diese jungen Pilze stehen zu lassen und statt ihrer nur solche Exemplare zu sammeln, bei denen die Unterscheidungsmerkmale unzweifelhaft hervortreten. Diese Merkmale sind beim Knollenblätterschwamm: er hat am unteren Teile des Stammes eine knollige Verdickung, die den Schaft umschließt. Seine „Halskrause“ legt sich mehr an den Stamm an als beim Champignon, und die Fleischlamellen(das Hutfutter) haben eine gräulich weiße Farbe im Gegensatz zu den rosa angehauchten Lamellen des Champignons. Ferner hat der Knollenblätter= schwamm auf dem„Hut“ kleine Warzen, die dem Champignon fehlen. Leicht mit Giftpilzen zu verwechseln sind auch der beliebte Steinpilz und der ihm verwandte Kapuzinerpilz. Diese beiden Pilze, die selber einander sehr ähnlich sehen, können leicht mit dem Saupilz und dem Satanspilz verwechselt werden. Sie können am besten erkannt werden, wenn man ihre fleischigen Teile auseinanderbricht. Während die eßbaren Pilze ihre Farbe behalten, wird das Fleisch der giftigen an den Bruchstellen blau. Diese Pilzarten bringen die größte Gefahr, weil sie äußerlich den eßbaren Sorten nahezu gleichen. Die Merkmale der anderen Pilze sind meist so eigenartig, daß man sie ohne weiteres erkennen kann. Wertvoll ist es auch, zu wissen, wie Pilzvergiftungen auftreten, um sie rechtzeitig erkennen und ihnen sofort begegnen zu können. Die giftige Wirkung tritt erst verhältnismäßig spät ein. Es kann 6 bis 15 Stunden dauern, ehe der Vergiftete die Folgen der Vergiftung spürt. Dann treten zunächst plötzliche Schmerzen von starker Hestigkeit auf, denen Erbrechen, Durst und Durchfall folgt. Besserungen, die dann auftreten, sind nur vorübergehend, und stärkere Anfälle folgen. Der Kranke gerät bald in einen Zustand der Kraftlosigkeit, seine Haut färbt sich gelb und der Tod tritt erst meist nach Wochenfrist ein. Verantwortlich für die Redaktion: Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Bekanntmachung. Nach dem Versicherungsgesetz für Angestellte vom 20. Dezember 1911(Reichs=Gesetzblatt S. 989) sind von den versicherten Angestellten und ihren Arbeitgebern Vertrauensmänner zu wählen. Diese Vertrauensmänner wählen Beisitzer für den Verwaltungsrat, die Rentenausschüsse, die Schiedsgerichte und das Oberschiedsgericht und können von der Reichsversicherungsanstalt oder den Rentausschüssen bei Erledigung ihrer Geschäfte zur Mitwirkung in Anspruch genommen werden. Sie sind also die Vertreter der Beteiligten bei der Ausführung und Handhabung des Versicherungsgesetzes für Angestellte. Nr. 207. Die Wahlen der Vertrauensmänner werden voraussichtlich im Herbste dieses Jahres stattfinden. Hierbei gilt als Ausweis für die versicherten Angestellten die Versicherungskarte, für die Arbeitgeber eine von der Gemeindebehörde ausgestellte Beschelnigung über die Zahl der von ihnen regelmäßig beschäftigten versicherten Angestellten. Die Versicherungskarten werden von den am Schlusse aufgeführten Ausgabestellen der Angestelltenversicherung für die versicherten Angestellten ausgestellt, insoweit sie nicht Mitglieder von Ersatzkassen sind. Vorausgesetzt für die Ausstellung der Versicherungskarte ist, daß der versicherte Angestellte zuvor die Vordrucke einer Aufnahme= und Versicherungskarte, welche bei den Ausgabestellen unentgeltlich erhältlich sind, ausgefüllt und der Ausgabestelle eingereicht hat. Alle versicherten Angestellten werden aufgesordert, sich schleunigst von der Ausgabestelle, in deren Bezirk sie beschäftigt sind, oder von ihrem Arbeitgeber, sofern er im Besitze der Vordrucke ist, die Vordrucke einer Aufnahme= und einer Versicherungskarte verabreichen zu lassen und unter Einreichung der ausgefüllten Vordrucke bei der Ausgabestelle ihres Beschäftigungsortes die Ausstellung der Versicherungskarte zu beantragen. Ueber die Ausfüllung gibt die mit den Vordrucken auszuhändigende Belehrung Auskunft. Als Ausweis ist der Ausgabestelle der Steuerzettel und gegebenenfalls die Quittungskarte der Invaliden= und Hinterbliebenenversicherung vorzulegen. Versicherte Angestellte, welche bei den Wahlen nicht im Besitz einer Versicherungskarte sind, gehen ihres Wahlrechts verlustig. Die Arbeitgeber, welche versicherte Angestellte beschäftigen, werden aufgefordert, bis zur Wahl sich von der Gemeindebehörde eine Bescheinigung über die Zahl der von ihnen regelmäßig beschäftigten versicherten Angestellten ausstellen zu Cassen. Ohne diese Bescheinigung können sie zur Wahl nicht zugelassen werden. Ausgabestellen im Bezirke der unteren Verwaltungsbehörde des Landkreises Iserlohn(mit Ausschluß der Städte) sind: 1. Die Ortspolizeibehörde in Hemer für das Amt Hemer; 2. Die Ortspolizeibehörde in Letmathe für das Amt Letmathe=Oestrich; 3. Die Ortspolizeibehörde in Menden=Amt für das Amt Menden; 4. Die Ortspolizeibehörde in Ergste für das Amt Ergste. Iserlohn, den 28. August 1912. 5782. Der Königliche Landrat. I. V. gez.: Nauck, Geheimer Regierungsrat. Kosen und Dornen. Roman von Arthur Zapp. 71 Auch Else war überglücklich. Die alte, schöne Zeit kehrte wieder. In der einsam gelegenen Villa gehörte Arno ihr wieder ganz an. Gemeinsam durchstreiften sie jetzt im herrlichen Frühlingsmonat Mai die schöne Umgegend. Warmer Sonnenschein lag auf Flur und Feld, auf Bergen und Tälern. Ueberall sprossen frische Keime und Knospen. Auch in ihrem Herzen rang sich neue Liebe, neues Glück siegreich empor Es war auf Elses Anregung, daß Arno eines Tages den Entschluß faßte, ein Schauspiel aus dem Thuringer Leben zu schreiben. Mit hoffnungsfrohem Eifer ging er an die Vorarbeiten. Bei seiner Köchin, einer in Tabarz geborenen Bauerntochter, hatte er bereits die ersten Studien im Thüringer Dialekt gemacht. Jetzt auf seinen Streifereien ließ er keine Gelegenheit vorüber, Einblicke in das Leben und Denken des thüringischen Volkes zu gewinnen. Bereits im Laufe des Sommers entwarf er den Plan zu einer neuen dramatischen Dichtung. Wieder besprach er mit Else seine Idee von ihren Anfängen an; er las ihr jede einzelne Szene, die er geschrieben hatte, vor. Mit ihr besprach er seinen Entwurf in allen Teilen, ihr vertraute er seine Zweifel und Bedenken an. Der Vormittag war wieder, wie früher, fleißiger Arbeit gewidmet. An den Nachmittagen wurden wieder Ausflüge gemacht, bei denen Else die regelmäßige Begleiterin ihres Mannes war. Auch die Herbstmonate verbrachte das Ehepaar noch in Thüringen. Erst im November kehrten sie in ihre Wohnung in Halensee zurück, und hier legte Arno die letzte Hand an sein neues Schauspiel. Schon im Januar fand die Premiere statt. Die Hauptrolle kreierte eine talentvolle, jange Schauspielerin. Fräulein Seehofer weilte nicht mehr in Berlin, sondern war nach ihrer Vaterstadt an der Donau zurückgekehrt. Ein auserlesenes Publikum füllte das Theater; überall sah man gespannte, erwartungsvolle Mienen. In manchem Gesicht prägte sich bereits die Mißgunst und Schadenfreude aus, die am heutigen Abend ihre Befriedigung zu finden hoffte; manch boshafte, hämische Bemerkung flog hin=und herüber. Aber schon nach dem ersten Akt verstummten die Scheelsüchtigen und Pessimisten. Wie frischer Erdgeruch strömte es von der Bühne her; der Hauch des Wirklichen, Naturwahren durchwehte jede Szene der neuen Dichtung, der ungestüme Pulsschlag eines echten Dichters lebte in jedem Wort. Schon mit dem ersten Akt hatte der Dichter das Interesse, die Sympathie des Publikums zurückerobert; der zweite und dritte Akt steigerte die Teilnahme des Zuschauers zu hell lodernder Begeisterung, zu brausendem Enthusiasmus. Es war ein Erfolg, der die Erfolge seiner beiden ersten Stücke weit übertraf und wie er in diesen Räumen des Theaters noch nie erlebt worden war. Am folgenden Tage konstatierte die Kritir einlig, daß Arno Zöller einen großen, wohlperdien; ten Triumph errungen, daß sein neues Schauspier ebensovielkräftigedichterische Eigenart wie fleißiges, jewissenhaftes Arbeiten bekunde, und daß in Arno Zöller der deutschen Bühne ein hochtalentierter Dramatiker entstanden war. Else war so erfreut und beseiigt, oaß sie im Ueberschwang ihres Glückes die Hand des bewunderten Dichters und geliebten Mannes ergriff und mit impulsiver Bewegung ihre Lippen darauf drückte. Aber Arno entriß ihr seine Hand beschämt und errötend und zog die Glühende stürmisch an seine Brust. „Dir habe ich meinen Erfolg zu danken," flüsterte er ihr tief bewegt ins Ohr.„In Deiner Liebe wurzelt meine Kraft und mein Glück.“ 29. Kapitel. Nach Wochen heißer Angst, zitternden Bangens, kam endlich die Nachricht aus Ostafrika, daß der Schwerverwundete von dem Arzt bereits außer Gefahr erklärt worden sei, und vier Wochen später schrieb Herwart selbst, daß er zur Rekonvaleszenz einen sechsmonatigen Urlaub in die Heimat erhalten habe und sich schon mit dem nächsten fälligen Dampfer zur Heimfahrt einschiffen werde. Der Major reiste seinem Sohn nach Hamburg entgegen. Auf dem Landungsplatze hatte sich auch die Familie des Großkaufmanns Lüdemann eingefunden, dessen Sohn Herwart von Sterneck in der ostafrikanischen Plantage vor einem martervollen Tode mit Einsetzung seines eigenen Lebens bewahrt hatte. Der junge Lüdemann war schon früher aus Afrika heimgekehrt und er ließ es sich nun nicht nehmen, in Begleitung seiner Eltern und seiner Schwester seinen Lebensretter auf deutschem Boden zu begrüßen. 6 676 Herwart von Sternea sah zwar noch blaß und leidend aus, aber sein Frohsinn und seine Lebenslust ließ nichts zu wünschen übrig. Die ersten Worte, die er an seinen Vater richtete, nachdem sie sich voll Rührung und Freude umarmt hatten, war die stolze, frohe Aufforderung:„Gratuliere mir, Papa! Ich bin kurz vor meiner Abreise zum Oberleutnant befördert worden, außerhalb der Tour.“ Auch die Begrüßung mit der Familie Lüdemann war herzlich. Der junge Lüdemann umarmte seinen Lebensretter, und seine Eltern drückten ihm mit herzlicher Dankbarkeit die Hand. Auch Fräulein Marie Lüdemann, eine hübsche Blondine von neunzehn Jahren, sagte dem Offizier ein paar liebenswürdige Worte. Die Familie Lüdemann ließ sich es nicht nehmen, die beiden Herren von Sterneck förmlich im Triumph in ihr elegantes, luxuriös eingerichtetes Heim zu führen und sie den ganzen Tag bei sich zu behalten. Auch ein Wiedersehen in Berlin wurde verabredet, denn die Familie Lüdemann halte vor, auf einige Wochen nach der Reichshauptstadt zu kommen und die Gelegenheit zu benutzen, auch Frau und Fräulein von Sterneck kennen zu lernen. Das Wiedersehen Herwarts mit seiner Mutter gestaltete sich aufregend und ergreifend. Frau von Sterneck wollte ihren Sohn gar nicht von ihrem Herzen lassen; immer wieder drückte sie den Heimgekehrten an sich, immer wieder sah sie ihm in das blasse Antlitz, während ihr die Augen vor innigster, höchster Freude überströmten. Die nächsten Wochen brachten viel Unruhe und viel Aufregung, allerdings ausschließlich freudigster Art. Es galt die Hochzeit vorzubereiten. Ewald Bohm war täglicher Gast in der Familie von Sterneck. Auch seinen und Herwarts Schulfreund Arno Zöller und Frau Else hatte er bei seinen Schwiegereltern eingeführt. Ewald war von Herzen froh, daß Herwart endlich gesund und wohlerhalten eingetroffen war und daß nun einer fröhlichen Hochzeitsfeier nichts mehr im Wege stand. Die Familie Lüdemann machte ihr Versprechen wahr. Alle vier, die Eltern, sowie die beiden Geschwister trafen eines Tages in Berlin ein und nahmen in einem der großen Hotels in der Friedrich= stadt Wohnung. Es verging kaum ein Tag, an dem Herwart nicht mit der Familie des reichen Hamburger Kaufmanns zusammen war. Er war beständiger Gast der Lüdemanns und besuchte mit ihnen alle Sehenswürdigkeiten Berlins, Theater und Konzerte. Auch ander Hochzeit Ewalds und Wandas nahm die Familie Lüdemann, die rasch ein herzliches Freundschaftsverhältnis mit der Familie von Sterneck geschlossen hatte, teil. Herwart führte natürlich Fräulein Marie Lüdemann in die Kirche, sowie zum Tisch an der Hochzeitstafel. Die beiden jungen Leute schienen bereits ein großes Wohlgefallen an einander gefunden zu haben; denn beider Gesichter strahlten gar freudig und glücklich, und die Blicke senkten sich tief in einander, als sie nun zusammen saßen und mit den gefüllten Gläsern anstießen. — Endel— 195,16 2. S 3 S S TDS g S 2 . 8 8 8 Tas G— B Sög nMoen A ESODTTTNnT WBgo SaUn # 2 ∆ S S 0 S 2 S 2 9 B 23 * 27 50 * S.089.0 S 85— SONC„ R.9 G. SGSS5 S: S S H S SS S SSyyI SüBEFDSSGS SSagEagms S SRöSSSSE S S OSSgss S PRAES. 9 9.8S.5gnBE S SSTSIESE ##s S SSacs SSBEE S2.88 Sasse S 49 S 25 22 nie wieder aufgefunden werden konnten, nichts anderes waren, als mächtige, zusammengeschlossene Eisbänke. Nun muß man aber berücksichtigen, daß die Eisberge nur zu ihrem kleinsten Teil aus dem Wasser herausragen, daß die weitaus größere Masse sich unterhalb der Wasserlinie befindet. Es ist bekannt, daß Eis leichter ist als Wasser, aus diesem Grunde schwimmt es eben an der Oberfläche. Der Gewichtsunterschied ist aber nur gering. Schlagen wir uns einen Eiswürfel zurecht und werfen ihn in einen großen Wasserbehälter, so können wir leicht feststellen, daß nur der achte oder neunte Teil von diesem Würfel aus dem Wasser herausragt. Genau so ist es mit den Eisbergen im Meer, so riesig sie uns auch erscheinen, sie sind noch viel gewaltiger, denn nur den achten oder neunten Teil ihrer Masse bekommen wir überhaupt zu Gesicht, alles andere befindet sich unterhalb des Wasserspiegels. Aus diesem Grunde müssen auch die Schiffe einen Eisberg in weitem Bogen umfahren, da man nie wissen kann, wie er unterhalb der Wasserlinie liegt. Noch eine andere Gefahr droht von diesen Meerungetümen. Fortwährend nagen die Sonne und das wärmere Wasser an dem Eisberg, und es tritt hierdurch eine Deformation der Eismasse ein, die zu Schwerpunktsverlagerungen führt. So kommt es, daß plötzlich ein solcher Berg, der aus dem Gleichgewicht gekommen ist, umstürzt, wodurch das Schiff, wenn es nicht direkt getroffen wird, infolge der auftretenden Wellen in Gefahr gerät. Häufig in der Natur ist das Schöne zugleich gefahrvoll. So ist es auch mit den Eisbergen, aber diese kristallenen Burgen bieten doch einen wundervollen Anblick. Leicht bläulich, zuweilen in einem feinen, gelbgrünlichen Licht schimmernd, ziehen sie mit ragenden Pyramiden, mit seltsamen Zinnen und Türmen, von der Sonnenwärme in grotesker Weise ausmodelliert, durch die an ihrem Fuß brandende Flut. Risse und Brüche in ihrem Innern geben oft, bei grellem Sonnenschein, Anlaß zu interessanten Spiegelreflexen, und wenn hier und da eine glatte Wand das Licht der Sonne zurückwirft, müssen wir uns mit geblendeten Augen abwenden. Im Herbst, wenn die Sonne rotglühend unter wundervollen Dämmerungserscheinungen versinkt, scheint es dann, als sei der lautlos dahintreibende Eisberg ein brennendes Schloß, um das mit wildem Gekreisch Scharen von Seevögeln fliegen. Das Wasser hat zuweilen große Höhlungen in den stolzen Bau getrieben, die gleich gewaltigen Rundtoren einen Ausblick auf den fernen Horizont gestatten. So ziehen die glitzernden Berge weiter und weiter nach Süden, ja es ist vorgekommen, daß sie vom hohen Norden her bis an die afrikanische Küste reisen, aber je weiter sie nach Süden kommen, je mehr leidet ihre trotzige Schönheit unter den sengenden Strahlen der Sonne; je weiter südlich sie sich wagen, diese eisigen Kinder des hohen Nordens, um so schneller verfallen sie dem Untergang und der Auflösung. B. schlossenen Emporen sitzend, dem Gottesdienst beiwohnen dürfen. Vom Palast aus führt ein prächtiger Säulengang in einen weiten Hof, der wieder von Säulenhallen eingefaßt wird, und in dem sich ein hervorragend schöner Brunnen für die religiösen Waschungen befindet. Die Moschee selbst ist ein prächtig ausgestatteter Raum, der auf 24 Granitsäulen ruht. Der Boden ist mit den schönsten Teppichen des Orients bekleidet, die Wände mit seltenen tunesischen Stickereien bedeckt, die Koransprüche und Lobpreisungen des Gründers darstellen. Die Moschee gewährt einen phantastischen Eindruck und befriedigt die höchsten ästhetischen Anforderungen. An sie schließt sich das Mausoleum, das die Gräber der Fürsten Karamanli umschließt. Rings um einen Sarkophag befinden sich vier Becken, die jeden Freitag mit Wasser gefüllt werden, damit die Vögel kommen und durch ihren Gesang den Toten huldigen. Neben Ahmeds Grab ruhen zwei alte Seidenfahnen, die von der alten Heldenzeit der Karamanli erzählen. Zumor. Nur Ruhe. Arzt:„Es ist nichts Ernstliches, gnädige Frau, Sie brauchen nur Ruhe.“ Patientin:„Aber Sie haben ja meine Zunge gar nicht angesehen, Herr Doktor!“ 86 Arzt:„Oh, ich weiß schon, die braucht auch Ruhe!“ K vnf Bei den Gräbern der Karamauli. In Begleitung einiger italienischer Abgeordneten war es unlängst einem Berichterstatter des„Secolo“ möglich, Hassuna Pascha Karamanli aufzusuchen, der sich in herzlichster Weise mit seinen Gästen unterhielt. Er führte sie darauf in die große, von Ahmred Pascha, dem Urgroßvater Hassunas, gegründete Karamanki=Moschee, die sich damit zum ersten Male für Ungläubige öffnete, und wo die Frauen, allein auf verIohiRatschläge kurs haus Pe von Laura Uincent. B Fingernägel, die leicht brechen, sollten jeden Tag mit Vaseline eingerieben werden, auch an der Wurzel, nachdem die Finger vorher ein paar Minuten in lauwarmes Wasser getaucht worden. Einen einfachen Spirituskocher kann man sich, wenn kein anderer erreichbar ist, leicht selbst herstellen, und zwar aus einer der flachen, runden Blechdosen, wie sie jetzt für so vieles, z. B. Schuhcreme und dergleichen, geliefert werden und in jeder Haushaltung sich ansammeln. Man bohre rings am Rande des Deckels in gleichmäßigen Abständen Löcher, fülle dann die Dose mit Watte und gieße Spiritus darauf. Dann setze man den Deckel wieder auf, und die kleine Lampe ist fertig. Ungesalzene Butter— das weiß nicht jede Hausfrau— kann in allen Fällen angewendet werden, wo man einer Salbe bedarf; sollte also vorkommendenfalls keine solche im Hause sein, so kann an ihre Stelle die Butter treten, die manchmal schneller zur Heilung führt, als vielfach angepriesene Mittel. Um Giftflaschen vor falschem Gebrauch zu bewahren, hat eine Hausfrau ein einfaches und probates Mittel gefunden. Sie steckt durch den Kork zwei Stecknadeln einander gegenüber, so daß sie auf beiden Seiten ein wenig über die Knöpfe hinausstehen. Will man nun den Kork abnehmen, so wird man durch einen Stich gewarnt und übt Vorsicht. Dies Mittel hat den großen Vorzug, daß es auch bei Nacht nicht versagt. #og au: 90 #& . S —— 5 S S: 5*8 1#1. S 8 5 8 12 a 5 5S S 987. S S FN S a S S#SEE 8. S 8 FTFERE: Amtliches Kreisblatt für den kreis börde 42. Jahrgang O Grites und ältelles Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Hr — Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 207. Dienstag, 3. September 1912. Sar er aas Rechte! Roman von A. v. Crystedt. (8. Fortsetzung.) herese wollte Graetz den Scheck und auch das Schreiben zurücksenden. Eilig warf 2 sie seine Adresse auf ein Kuvert, trocknete die nasse Schrift mit dem * Tintenlöscher und steckte Martins Sendung hinein, ohne ein einziges d Rort Hinwneigen. Sie war vollständig fertig mit ihm, ihre Liebe erloschen. Und sollte trotz allem eines Tages ihr Herz wieder nach ihm verlangen, so würde sie es zum Schweigen zu bringen wissen. Die Entreglocke schellte.„6grig Mgnn eg Klopfenden Herzens erhob sich Therese. Wein, schon die Kriminalbeamten wären, die kamen, um alles und sie hatte versäumt, im Schreibtisch ihres Vaters nachzusehen, ob sich Briefschaften darin befanden, die für fremde Augen nicht geeignet waren. Nun machte sie sich bittere Vorwürfe. Sie würde es sich nie verzeihen, wenn durch ihre Schuld weitere Irrtümer ihres Vaters bekannt wurden, wenn Bertholds=Mahnung umsonst ausgesprochen worden wäre. Sie lauschte. Gottlob, es war nur Susannes Klavierlehrer, welchen das Mädchen soeben abfertigte und wieder fortschickte,... Eu, Grast. k. Sie reichte demselben nun auch die für Graetz bestimmte Sendung zur Besorgung. Das war abgetan. Sie atmete erleichtert auf. Der Scheck hatte wie glühendes Eisen in ihrer Hand gebrannt. Wenige Minuten später saß sie vor dem Schreibtisch ihres Vaters. Die Pflicht, welche sie jetzt zu erfüllen hatte, wurde ihr schwer, unendlich schwer. Aber auf ihre Mutter durfte sie nicht rechnen. „Es muß ja sein,“ sagte sie flüsternd und zog das Fach auf, in dem ihr Vater seine Korrespondenz aufMit leicht begreiflicher Scheu las sie oberflächlich verschiedene Briefe durch. Bald überzeugte sie sich, daß es sich nur um harmlose Schreiben handelte, in denen geschäftliche Angelegenheiten kaum erwähnt wurden. Sie revidierte ein zweites und ein drittes Fach mit demselben Resultat. Wenn der Bankdirektor eine Korrespondenz geführt hatte, mußte, so war sie hier im Schreibtisch nicht Tiefatmend schloß sie nach einer Weile die Fächer wieder ab. Diese Sorge wenigstens war von ihr genommen. Vielleicht hatte ihr Vater alle Schriftstücke, die für unberufene Hände nicht berechnet waren, beizeiten vernichtet. (Nachdruck verboten!) Therese ging von einem Zimmer ins andere, die Mutter war endlich eingeschlafen, ihre hatten sich im Schlummer geglättet. In tiefem Mitleid sah das junge Mädchen auf die Ruhende, die ihrem Herzen so unendlich teuer war. „Ich will alles, alles tun, um die Sorgen von dir fernzuhalten, liebe, arme Mamg,“, gtge, sie, Phitzernd, dann schlich sie hinaus, um am Tolenvelte zu bere. Dort fand sie ihre Schwester vor, welche fassungs los weinend vor der Hülle des Entseelten kniete. „Vielleicht schläft er nur, Resi,“ flüsterte sie, wegten sich soeben nicht seine Wimpern? Mair ist, als hätten die Lider gezuckt und wollten sich öffnen. O Resi, wenn er gar nicht tot wäre, wenn uns nur ein totähnlicher Schlaf täuschte—“. „Rege dich nicht so grenzenlos auf, liebes Herz, beschwichtigte die ältere Schwester,„du machst dich sonst krank und erhöhst unseren Kummer..... Sieh, was wir jetzt fühlen und leiden, müssen auch tausend andere durchkämpfen. Wir hatten wenigstens das Glück, unsere Kindheit und erste Jugend unter Papas Schutz und zärtlicher Fürsorge zu durchleben, durch zahllose schöne Erinnerungen lebt er in uns gatzpdee gerger, viele Famillen werden ireggetzen, wag T.benz die Kleinen noch gar nicht verstehen, wus Too uni Scheiden bedeutet; ein ganzes Leben hindurch mögen sie dann wohl ihren Kopf vurmer zermartegr, wie der Vater in Wirklichkeit ausgesehen, klungen habe. Glaube mir, es bleibt immer ein dunkles Unausgeglichenes in solchen Menschen, ein Sinnen über etwas, das ihnen nie ganz klar werden kann. Denn einen, der nicht mehr ist, un man sich nicht zu erinnern vermag, wird e niemals vorstellen können, mögen die Bericht seine Persönlichkeit noch so anschaulich sein. Der Reiz des ureigensten Wesens ist auch vas reizvollste Geheimnis eines Menschen.“.. 4 So sprach Therese noch lange auf die Schwester ein, streichelte ihr blondes Haar, das sie noch lose trug und küßte sie wiederholt auf Stirn und Wangen. „Aber ist es denn so unmöglich, daß er nur schläft...?“. Ein Hoffnungsstrahl löste sich aus Sumein Liebling. Der Sanitätsrat sagte vorhin, daß alle, die ohne Kampf hinübergehen, bei denen eine Lähmung der inneren Organe stattfindet, den Schlummernder zu machen pflegen. Ist es nicht ein wunderbar beruhigendes Bewußtsein, daß Papa ohne Schimerzen, sanft wie ein Kind entschlafen ist?“ „Ja, o ja! Aber—“ „Sieh, ich hörte vor einiger Zeit von der Frau Konsul einen Ausspruch,“ unterbrach sie Therese,„den ich jetzt erst verstehe. Du weißt, sie haben von ihren sieben Kindern fünf verloren. Und als neulich davon gesprochen wurde, sagte sie:„Ach, wenn die armen, kleinen Geschöpfe die Augen für immer schlossen, dankte ich dem Himmel, dann war der grausamste Schmerz in mir schon einer sanften Wehmut gewichen. Es tut bitter weh, ein Kind zu verlieren, aber es tagelang sich in Krämpfen winden, den flehenden Blick um Hilfe sehen und doch machtlos dabeistehen zu müssen, das sind Prüfungen, unter denen man fast zusammenbricht und die unheilbare Wunden schlagen. Die Zeit lindert jeden Schmerz, und wie schwer man auch gelitten hat, eines Tages lernt man das Lachen wieder. Doch in der fröhlichsten Stimmung sehe ich plötzlich das verzerrte und entstellte Gesichtchen eines meiner Lieblinge vor mir, und ich schleiche hinaus, um zu weinen....“ Vor solchen Eindrücken hat Gott uns gnädig bewahrt, Susanne. Müssen wir ihm dafür nicht auf Knien danken?" Das Kind küßte die Schwester, deren Worte den Sturm in der jungen Seele beschwichtigt hatten; getröstet sah sie in das friedliche Gesicht des stillen Schläfers. Therese eilte hinaus, denn soeben war energisch an der Klingel gezogen worden. Sie wußte, was das bedeutete. Es blieben ihr nur wenige Minuten, sich zu sammeln, aber sie genügten. Ein fester Wille und ruhige Unerschrockenheit waren ihr eigen und kamen ihr jetzt zustatten. Hoch aufgerichtet erwartete sie die Herren vom Aufsichtsrat, welche hier erschienen, um zunächst Auskunft über die Vermögensverhältnisse der Witwe zu fordern. 6. Kapitel. Frau Lamprecht mußte schwer für die Schuld ihres Mannes büßen. Man nahm ihr alles, was irgendeinen geringen Wert besaß. Dem Begräbnistage waren schreckliche Tage und Wochen gefolgt. Zunächst hatte man alles versiegelt, dann erschien die Abschätzungskommission, und bald darauf fand die: öffentliche Versteigerung des gesamten Haushaltes statt. Es waren dabei viele Tausende herausgekommen, so daß die Gläubiger wenigstens zum Teil befriedigt werden konnten. Lamprechts Name war einigermaßen gerettet, abers die Qualen zu beschreiben, welche die armen Frauenz erdulden mußten, wäre unmöglich. Die köstlichen Geschmeide fortzugeben, war nichts halb so schwer gewesen, als man es sich vorgestellt, aber die Gemälde, an denen Herz und Sinne hingen, das Silber und Kristall, das feine Porzellan, von dem man so oft in fröhlichster Gesellschaft gespeist, waren Dinge, deren Verlust den unglücklichen Frauen heiße; Tränen erpreßten. Und es kam alles unter den Hammer, alles! Die wundervolle Wäsche, Stutzuhren, die ihnen so manche; glückliche Stunde verkündet und viele interne Dinge, mit denen sich geheiligte Erinnerungen verknüpften., Es war jedesmal ein Teil ihres Selbst, was man ihnen: mit den reizenden und zugleich praktischen, viel benutzten Sachen entriß. Da war ein Schreibzeug aus feinster Bronzeigewesen, es stellte in der Form eine Muschel dar, auf dem Deckel rankten Wasserpflanzen, zwischen denen eine Schnecke hervorkroch, kleine Käfer und goldschuppige: Fischlein zeigten sich in gemütlicher Eintracht, und der Behälter für Bleistift und Federhalter wurde durch, eine hochgehende Welle gebildet. Dieses Schreibzeug war Therese besonders lieb, und sie hatte den Wunsch geäußert, es behalten zu dürfen. Ein stummes Achselzucken war die einzige Antwort gewesen. Die sorgsam aufbewahrten Spielzeuge aus märchenschöner Kinderzeit, die Markensammlung, die wertvolle Bibliothek, es war alles denselben Weg gegangen, in fremde Hände gekommen, die pietätlos damit umgingen. Möbel, welche schon Jahr und Tag auf dem Boden gestanden hatten, durfte die Witwe behalten, dabei waren auch drei schmale, eiserne Bettstellen gewesen, in denen Mutter und Töchter jetzt schliefen, und ein Klavier. Eines Tages hatte man Einzug gehalten in einer kleinen, aus Stube und Küche bestehenden Hofwohnung im vierten Stock. Berthold, welcher sich ihnen als ein treuer Freund erwiesen, hatte das alles arrangiert und auch darauf aufmerksam gemacht, daß eine bessere und größere Wohnung genommen werden könne, wenn die Damen sich entschließen wollten, ein oder mehrere Zimmer zu vermieten. Aber dieser Vorschlag wurde von der Mutter und den Töchtern einmütig zurückgewiesen. Man war beflissen, sich in einem Winkel zu verbergen. Keinen Menschen zu sehen erschien den Damen vorläufig als eine Wohltat. Die Sonne drang nicht bis in ihre verbitterten Herzen, so goldig sie auch glänzte, und der Ruf der Schwalben entlockte den Trauernden kein Lächeln. Sie saßen, in stummer Qual vor sich hinbrütend in der Stube, in der sich die alten Möbel aus der Rumpelkammer seltsam vornehm und großartig ausnahmen. Die Betten der beiden jungen Mädchen hatte man in der sehr geräumigen Kuche aufgestellt. Die Mutter schlief in der Stube. Nach den Aufregungen der letzten Wochen fand Therese diese Zuflucht unter dem Dache, in nächster Nähe der Schwalben und Spatzen gar nicht so übel. Sie war zuletzt fast zusammengebrochen unter der Wucht der auf ihr lastenden Verantwortung. Hier ruhte ihr Geist aus und ihr Gemüt erholte sich langsam. Freilich, die engen Wände der beschränkten Wohnung verhinderten einen freieren Aufschwung der Gedanken. Und dennoch blickte Therese weniger trostlos als Mutter und Schwester, denn sie dachte bereits an die Zukunft, an den Wellenschlag des Lebens, der dem einzelnen heute das letzte raubt und ihm morgen reiche Schätze, Gold und Perlen zuträgt. So konnte es ja nicht lange bleiben. Therese hatte Bertholds Kapital dankbar angenommen. Die Damen lebten von seiner Großmut. Wäre dieser uneigennützige Freund nicht gewesen, so hätte doch wohl äußerste Verzweiflung die Unglücklichen in den Tod getrieben. Bertholds uneigennützige Fürsorge bewahrte sie jedoch vorläufig vor Not und Elend. Das Mittagessen ließ Therese aus einem Restaurant kommen, aber es widerte sie alle an und wurde kaum berührt. So war über eine Woche vergangen. Und während dieser ganzen Zeit hatte man nur das Notwendigste gesprochen, so gut wie nichts genossen und sich kaum bewegt. Eines Tages— die Maiensonne meinte es besonders gut— gewahrte Therese, daß auf dem Fußboden große Flocken lagen und bei jedem Luftzug, der durch das geöffnete Fenster drang, in die Ecken huschten. Gleich darauf kamen sie jedoch wieder zum Vorschein, und als Frau Lamprecht in ihrem schleppenden Trauerkleide langsam durch das Zimmer ging, hingen sich die Staubflocken an den Saum desselben, und weniger wurden es doch nicht.(Forts. folgt.) 17 In der Jugend meinen wir, das Geringste, das die Menschen uns gewähren können, sei Gerechtigkeit. Im Aiter erfahren wir, daß es das Höchste ist m. von Ebner=Eschenbach. " Eisberge. Von Bruno H. Bürgel, (Nachdruck verboten., Erinnerung an die furchtbare Katastrophe, die am 15. April 1912 den englischen Riesendampfer„Titanic“ durch den Zusammenstoß mit einem gewaltigen Eisberg in der Nähe von Neu=Fundland betroffen hat, dürfte der nachstehende Aufsatz, den wir dem im Deutschen Verlagshaus Bong& Co. erscheinenden illustrierten Prachtwerke„Die Wunder der Natur“ entnahmen, Interesse erwecken. Henry F. Urban, der bekannte deutsch=amerikanische Publizist, hat einmal eine reizende Satire geschrieben: „Der Eisberg“. Er schildert darin, wie nach dem Abendessen im Gesellschaftsraum eines großen transatlantischen Dampfers eine ungemein blasierte Gesellschaft beisammensitzt, die allerlei frivole Späße macht über die Gefahren des Meeres, denen man doch niemals begegne. Während drunten die oberflächlichen Herrchen und Dämchen flirten und judizieren, ist oben die Mannschaft auf dem Posten, und alle Nerven sind angespannt. Dichter Nebel liegt über dem Meer, scharf spähen die Augen der Seeleute durch das weiße Brodeln. Der Mann am Thermometer meldet, daß die Quecksilbersäule langsam sinke; bald spüren es Kapitän und Offiziere schon, daß eine schnelle Temperaturerniedrigung eintritt, die nicht im Aufkommen eines kühlen Windes, überhaupt nicht in meteorologischen Ursachen ihre Erklärung findet, und die erfahrenen Seeleute wissen, daß sie im dichten Nebel mit rasender Geschwindigkeit einem Eisberg, einer jener kristallenen, schwimmenden Burgen im Meer, zutreiben, ohne darüber informiert zu sein, von welcher Seite die Gefahr droht. Ob man stoppt oder schneller fährt, ob man nach Backbord oder Steuerbord wendet, hier wie dort kann man dem gefährlichen Gegner direkt entgegentreiben. Und plötzlich taucht aus dem weißen Nebelmeer dicht vor dem Schiff eine ungeheure Eiswand auf... es ist der kristallene Berg, neben dem sich das große Schiff wie ein Spielzeug ausnimmt.„Volldampf rückwärts!“ lautet das Kommando. Wird es noch nutzen? Die schwere Masse des Schiffes, einmal in Bewegung, ist so schnell nicht in ihrem Lauf zu hemmen.— Jeden Augenblick erwarten die Männer da oben den Zusammenstoß, der den sicheren Tod aller bringen muß, die sich ihrer Führung anvertraut haben. Aber ihrer Tatkraft, ihrer eisernen Pflichterfüllung gelingt es, der Riesenwand auszuweichen. Haarscharf drehen sie an dem Eisberg vorüber, der im Nebel verschwindet. Niemand von den Passagieren hat etwas von der Gefahr gemerkt, während sie scherzten, zog der Tod an ihnen vorüber. Die Schilderung Urbans ist nicht übertrieben. Schwimmende Eisberge sind eine ständige Gefahr für die Schifffahrt, die natürlich am Tage, bei hellem Wetter verhältnismäßig leicht zu übersehen ist, bei Nacht und Nebel aber auch zu ernsten Katastrophen führen kann. Mehr als einmal sind Schiffe durch Auffahren auf die unter der Wasserlinie liegenden Partien eines Eisberges oder durch Anrennen an diesen selbst bei Nacht und Sturm zugrunde gegangen. So wurde ein Schiff der Expedition Inglefield 1852 beim Zusammentreffen mit einem Eisberg so schwer beschädigt, daß es in fünfzehn Minuten sank.— Im April 1905 stieß der mit Auswanderern dicht besetzte Dampfer„Sardinien“ der Allanlinie nachts mit einem Eisberg zusammen und entging nur dadurch dem Untergange, daß er unter der Wasserlinie auf den Eisfuß auflief, abglitt und seitwärts gedreht wurde. Aehnlich ging es 1879 dem Dampfer„Arizona“ auf der Reise von Liverpool nach Neuyork, während 1881 an der kanadischen Küste ein englisches Schiff bei der Kollision mit einem schwimmenden Eisberge mit der Besatzung sank.— In neuerer Zeit schützen sie# die Kapitäne, indem sie sich gegenseitig auf treibende Eisberge innerhalb der Fahrstraße aufmerksam machen. Auch werden von den Hafenbehörden Eiskarten geführt, die den Schiffsleitern mitgegeben werden. Naturgemäß kommen die Eisberge besonders in den nördlichen und südlichen Meeren, die der Polarzone naheliegen, vor, aber auch gewisse Strecken des Atlantischen Ozeans haben durch massenhaftes Auftreten von Eisbergen einen üblen Ruf, so die Gegend um die Neufundlandbank. Die hier schwimmenden Berge passieren zumeist die Fahrstraße, die die von Europa nach Nordamerika steuernden Schiffe einhalten. An einem einzigen Tage sind 200 bis 400 Eisberge in dieser Höhe gezählt Borbe.## e# he ien c Das massenhafte auftreten der Eisverge in vieser und in anderen Gegenden ist natürlich nicht zufällig. Es hängt aufs innigste mit der Entstehung dieser interessanten aber gefährlichen Gebilde zusammen. Fast alle Eisberge entstammen den Gletschern der Polargebiete, jenen gewaltigen, langsam fließenden Strömen von Eis, die uns ja auch im Hochgebirge, in den Alpen, wenn auch weniger mächtig, entgegentreten. Seltener entstehen Eisberge dadurch, daß sich von der Grenze des ewigen Eises loslösende Eisschollen übereinander türmen und zu Schichteisblöcken zusammenschieben. Die meisten Eisberge, die im Atlantischen Ozean angetroffen werden, entstammen den ungeheuren Gletschern Grönlands. Das Inlandeis Grönlands bedeckt ein Gebiet, das etwa die doppelte Ausdehnung Deutschlands hat. Langsam schiebt es sich nun in gewaltigen Eisströmen, die eine Geschwindigkeit von 10 bis 30 Metern im Tage aufweisen, den Küsten zu. Hier münden die Gletscher, bei tief eingeschnittenen Fjorden austretend, ins Meer. Unter dem Einfluß der Wärme und infolge starken Gefälles tritt nun hier ein Vorgang ein, den man das„Kalben“ der Gletscher nennt: Es brechen mit lautem Getöse riesenhafte Teile des Eisstromes ab, gleiten— eine enorme Woge erzeugend— ins Meer und treiben nun, nur zu einem geringen Teile aus dem Wasser herausragend, mit den Meeresströmungen in den Ozean hinaus, wo sie als Eisberge dem Seemann gefährlich werden. Die Größe dieser schwimmenden Blöcke ist eine ganz erstaunliche. Eisberge von 30, 40 und 50 Metern Höhe sind ziemlich gewöhnlich, aber es sind auch Berge von über 100 Metern Höhe aufgefunden worden, ja es finden sich selbst Berichte von Eisbergen, die über 200 Meter Höhe gehabt haben sollen und im Südpolarmeere angetroffen wurden. Diese letzte Zahl ist, wenn auch nicht gerade unglaubhaft, so doch immerhin mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Nach einer Mitteilung des Kapitäns Blondett, vom Segelschiff„Präsident Thiers“, wurden im November 1896 150 Meter hohe Eisberge beobachtet, die etwa 37 Kilometer lang waren und die Fahrt derartig versperrten, daß man erst nach viertägigem vieren aus ihrem Bereich kam. Die Ryder=Expedition maß im Skoresbysund einen Eisberg von 1900 Meter Länge, nahezu 650 Meter Breite und 47 Meter Höhe. Nach einer Mitteilung von Marcel Gollé hatte sich im Jahre 1893 an der Ostküste Patagoniens im Atlantischen Ozean eine ungeheure Eisbank gebildet, deren Länge auf 300 Klometer geschörfer Eießgariere. Es Dutzend Schiffe scheiterten an diest—#— c unterliegt auch reinem Zweifel, daß die mehre Kilometer langen Eiswälle, die I. C. Roß auf seiner Südpolarexpedition im Polarmeer antraf, und die später 2 e Seite 3. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Dienstag den 3. September 1912. VTE7 7T Nr. 207. Shaet Aeteseilusstlte Benedig, 3. Sept. Ein mit 29 Personen beAutomobil ist bei Treviso, als es im Ausweichen begriffen war, umgestürzt. Drei Personen wurden getötet, mehrere schwer verletzt. Aosta, 3. Sept. In der Nähe von Rosta hat sich gestern ein Automobilunfall zugetragen. Sieben Personen unternahmen von Turin aus einen Automobilausflug nach dem Großen St. Bernhard. Als es einem vorüberfahrenden Wagen ausweichen wollte, stürzte das Automobil in einen 15 Meter tiefen Abgrund. Die Tochter des BürgermeistereiSekretärs Festara war sofort tot. Graf und Gräin Bialiadi wurden lebensgefährlich, die übrigen Insassen schwer verletzt. Mailand, 3. Sept. Fünf Kilometer von Lucca entfernt stieß der zwischen Lucca und den Bädern verkehrende Automobilomnibus, in dem sich u.“a. 19 deutsche Studenten und der Heidelberger Professor Hettner befanden, mit einem Dampfstraßenbahnwagen zusammen. 24 Personen wurden auf die Straße geschleudert. Von diesen wurde ein unbekannter Engländer und ein italienischer Marineleutnant namens Malcanie getötet. Die deutschen Studenten unter Führung des Geologieprofessors Hettner hatten im Gebirge geologische Studien getrieben. Von den Studenten wurde der 24jährige Nobert Zimmermann aus Altenburg am Kopfe lebensgefährlich verwundet. Er erlitt einen Aehihncd ei euier Beicheur ui eult. ins Spital gebracht werden, wo er hoffnungslos darniederliegt. Verwegene Näuber. London, 3. Sept. Maskierte Diebe draugen in der Nacht auf Montag in das hiesige Varietétheater„Hippodrom“, ein, betäubten die Nachtwächter und die Feuerwache mit Choroform und sprengten mit Dynamit einen großen Geldschrank, aus dem sie ungefähr 1000 Pfund Sterling raubten. Die Diebe sind entkommen. Der Panamakanalstreit. London, 3. Sept. Amtlich wird bekannt gegeben, daß die britische Regierung die formelle Forderung an die Vereinigten Staaten richten wird, den Streit über den Hay=Pauncefotevertrag und den Panamakanal einem Schiedsgericht zu übertragen. Die Stimmung in Bulgarien. London, 3. Sept. Der Korrespondent der „Daily Mail“ in Sofia drahtet seinem Blatt den Inhalt einer Unterredung, die er mit dem Vizepräsidenten der Sobranje Iwan Payeff hatte. Dieser erklärte ihm, daß, wenn die gegenwärtige Regierung sich weigern sollte, dem allgemeinen Willen der bulgarischen Nation zu folgen und der Türkei den Krieg zu erklären, die darauf folgende Regierung sofort zu diesem Schritt gezwungen würde. Denn das Verlangen der Nation gehe dahin, die mazedonische: Frage so rasch wie möglich zu 13. sen und wenn nicht anderes möglich, so durch Blut und Eisen. Bulgarien verlange ein ungeteiltes und unabhängiges Mazedonien. Payeff glaubt übrigens, wie er im weiteren Verlauf der Anterredung sagte, daß die bulgarische Regierung sich direkt an die Mächte wenden und sie bitten werde, die Autonomie Mazedoniens in dem von Bulgarien gewünschten Sinne durchzusetzen. Am besten erscheint eine Verwaltung dieses Landes unter europäischer Kontrolle aller Mächte gemeinsam. Gibt es doch Frieden? Wien, 3. Sept. Die„N. Fr. Pr.“ meldet aus Rom, daß die Besprechungen der Friedens=Delegier= ten gute Fortschritte machen und die Aussichten auf einen Friedensschluß sich immer günstiger gestalten. Ueber die Frage der türkischen Oberhoheit auf Tripolis und der Kyreneika soll bereits eine grundsätzliche Einigung erzielt sein. Grenzzwischenfälle. Konstantinopel, 3. Sept. Wie die Blätter melden, kam es an der türkisch=griechischen Grenze bei Tirnovo zu neuen Grenzzwischenfällen, wobei es auf beiden Seiten fünfzehn Schwerverletzte gab. Erdbeben. Neuyork, 3. Sept. In Guadajare im mexikanischen Staat Jalisco erfolgte gestern ein überaus heftiger Erdstoß. Zahlreiche Wohnhäuser sind esce Aentenr deun. Gauntin umn. 2. schcigt. Schwere Unwetter. Pittoburg, 3. Sept. Eine Reihe von Unwettern brach gestern morgen über das westliche Pensylvanien und das nördliche Westvirginien herein. Dreizehn Personen ertranken, verschiedene werden vermißt. Auch wurde großer Sachschaden angerichtet. Gottesdienste. Katholischer Gottesdienst. Mittwoch, den 4. September.(Ewige Anbetung.) 6 Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten, danach hl. Messe. 7½ Uhr: Frühmesse. 10 Uhr: Hochamt. 11 Uhr: Armenseelenstunde. 12 Uhr: Betstunde für die Mitglieder des 3. Ordens. 1 Uhr: Betstunde für die Erstkommunikanten. 2. Uhr: Sakramentsandacht. 3 Uhr: Betstunde für den Marienverein. 4 Uhr: Betstunde für die JungfrauenKongregation. 5 Uhr: Betstunde für die Schulkinder. 6 Uhr: Stille Anbetung. 7 Uhr: Betstunde für den Gesellenverein und die Jünglings=Sodalität. 8 Uhr: Betstunde für die Männer=Vereine. 9 Uhr: Ewige Anbetung im Krankenhause. 11 Uhr: Armenseelenstunde. Donnerstag 5 Uhr: Hochamt mit Tedeum. Verantwortlich für die Redaktion: Friedr. Kraao. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Wir suchen zum 1. Oktober für unser Büro einen Hehrinng. Schriftliche Bewerbungen sind erbeten. Brauckmann u. Hahn, G. m b. H. 5360 Paote Morgenmädchen gesucht. 5821 Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Jeitung. Siche für meine = Putzabtellung= sofort ein Lechrmädchen. J. Küster, Schwerte, Modenhaus. 5857 Ein einfaches evang. 5862 Mädenen von 15 bis 17 Jahren für kl. guten bürgerlichen Haushalt per 15. September gesucht. Frau Wwe. W. Moellenhoff, Elberfeld, Heubruch 1. MorgenMädchen sofort gesucht. 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