De Sdhontn Zoiuugt gichen wanch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. wedr. Wöchen!l. Grattsbetlage:„Illustrierter Familiensreund" u. lägl. Unterhaltungsdiast. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petttzeite oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rovatt gilt als Kassarabatt u. erlischt bei Konhursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Sstmthundematt-Setineebuns! Amtliches Kresscialt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Tageblatt d Schwerter Anzeiger Grstes und ältestes Tagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Schwerter Volksblatt Verbunden mit: und deuter und dhalnltgernichn Gerr. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemöhBekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in der„Schwerte: Jeitung", rechtsverbindliche Kraft.— „Schwerler Zeilung“ gewähet idren Abonnenten für jeden mit Tod endenden Unsoll gebingungen: 300 Mk. Unfall. Braus. Schwerte=RutFemspe Ge. Teiegr. 1d, Tiau=Scwet= Rou: Nr. 30. Montag. den 5. Februar 1912. 44. Jahrg. Erstes Der neue wird am Mittwoch zusammentreten und nach den voraufgegangenen schweren Wahlkämpfen dürften die Verhandlungen des neuen Parlamentes das Interesse des gesamten Publikums in ganz besonderem Maße in Anspruch nehmen. Eine zuverlässige und eingehende Berichterstattung über die Reichstags=Verhandlungen wird daher unter allen Umständen jedem Zeitungsleser doppelt erwünscht sein. Diesem Bedürfnis will die Schwerter Zeitung Rechnung tragen und haben wir deshalb Vorsorge getroffen, daß uns noch am Abend des jeweiligen Verhandlungstages von unserm Berliner Büreau aus die Berichte in bedeutend erweitertem Umfange zugesandt werden. Zu einem Abonnement auf die Schwerter Zeitung laden wir daher schon aus diesem Grund dringend ein. TnLLt#-FELFGFTFE zu versuchen, und im Hinblick auf die Situation ist es wohl nicht ohne Bedeutung, daß in Dover eine Begegnung zwischen dem Exkönig Manuel und dem Tronprätendenten Miguel von Braganza stattgesunden haben soll. Man glaubt, daß bei dieser Zusammenkunft wichtige Entschlüsse gefaßt worden seien und daß beide bisher schroff gegenüberstehenden Gruppen sich über ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hätten. Nach alledem hat es viel für sich, daß in Portugal bald wieder neue Unruhen zu verzeichen sind, und wer will sagen, ob es nicht über kurz oder lang doch wieder nach dem völligen Versagen des republikanischen Regimes zu einer Rückkehr zum monarchistischen System kommt! —— durch Verlesung der Thronrede vollPortugal. In Portugal, insbesondere in der Hauptstadt Lissabon, ist es in den letzten Tagen wieder einmal recht bunt zugegangen, wahrscheinlich noch viel stürmischer als die zu uns gelangten Meldungen verraten, da kaum in einem europäischen Lande die Zensur so scharf ihres Amtes waltet, wie in dieser Republik. Es handelt sich angeblich um große Streikexzesse, indessen sehlt es auch nicht an Meldungen, die besagen, daß es sich weniger um diese handelte als um politische Gegenströmungen. Bald 1½ Jahre sind es her, daß der jugendliche König Manuel gestürzt und das republikanische Regime eingeführt worden ist. Große Hoffnungen für die Gesundung des Staates hatte man auf das Verschwinden der bisherigen Dynastie gesetzt, man glaubte, daß nunmehr sich alles zum besten wenden werde und daß die Mißwirtschaft ein Ende nehmen würde. Monat auf Monat ist ins Land gegangen, aber nichts von alledem, im Gegenteil, die Verhältnisse des Landes haben sich immer mehr verschlechtert, von einer wirklichen Regierungsdirektive ist absolut nichts wahrzunehmen, und es hat mehrfach an Zuständen nicht gefehlt, die nicht weit von völliger Anarchie waren. Man hat ja versucht. Don Manuel die Krone wieder zu verschaffen, es ist darüber auch zu schweren Kämpfen gekommen, bei denen die Royalisten, die sich in der Minderzahl befanden und wohl auch nicht genügend ausgebildet waren, zurückgeschlagen wurden, aber eine Zeit völliger Störung wäre an und für sich nicht imstande gewesen, den Genesungsprozeß überhaupt zu verhindern, höchstens daß sie ihn etwas gehemmt hätte. Wenn man heute die Situation überschaut, so sieht man, daß Wirren auf Wirren folgen und die Regierung es nicht vermag, auf die Dauer geordnete Verhältnisse zu schaffen. Bei der gesamren prekären Lage des Landes ist dies um so mißlicher, weil eben das Fiasko des jetzigen Regimes den Herd fortwährender Unruhen und Umsturzbestrebungen abgibt. Wäre ein starker und geschickter Mann zur Hand, so wäre dem Lande zweifellos geholfen. so aber muß es weiter u. immer weiter im Schlamme versinken. Das Land wird, wenn es auch seine innere Politik selber bestimmt, ein willenloser Spielball in den Händen der Engländer bleiben, die ihre Millionen für die portugiesische Anleihe nicht umsonst hergegehen haben, und man sprach bereits bei den letzten Wirren von einer Intervention Großbritanviens. Jetzt soll zwar der Streik beigelegt und Ruhe und Ordnung sollen wiedergekehrt sein, aber wie lange wohl? Die fortwährenden Wirren legen es begreiflicherweise den Royalisten nahe, es doch ihrerseits wieder einmal Politische Uebersicht. Der Kaiser stattete auch am vorigen Sonnabend dem Reichskanzler einen Besuch ab. In der ganzen vergangenen Woche ist also kein Tag vergangen, an dem der Kaiser nicht eine Unterredung mit Herrn v. Bethmann=Hollweg hatte.— Der Kaiser, der von seiner kleinen Indisposition vollständig wiederhergestellt ist, besuchte mit seiner hohen Gemahlin am Sonnabend das Atelier des Professors Bodo Ebhardt in der Kolonie Grunewald bei Berlin, um Modelle zu Umbauten von Burgen in Augenschein zu nehmen. Nach längerem Aufenthalt machte der Kaiser eine Spazierfahrt in den Grunevold. 16 f# Der König von Württemberg begibt sich Ende dieses Monats auf mehrere Wochen nach Kap Martini. Er will dort auf ärztlichen Rat Heilung von neuralgischen Schmerzen suchen. Der Kaiser und Herr Kämpf. In dem Berliner Schloßwahlkreise wurde bekanntlich in der Stichwahl der Fortschrittler Kämpf gegen den sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Es ist selbstverständlich, daß an dieser Wahl, in der der Kanzler und sämtliche Berliner Minister für den Fortschrittler eintraten, auch der Kaiser ein lebhaftes Interesse nahm. Unlängst meldete das„B. T.“, der Kaiser habe geäußert, sein Schloßbezirk habe den Fortschrittler herausgehauen. Jetzt behauptet ein Bresl. Blatt, versichern zu können, der Kaiser habe auf den letzten Hoffestlichkeiten dem Oberbürgermeister Kirschner mit warmen Worten zur Wahl des Herrn Kämpf gratuliert und unter anderem wörtlich gesagt:„Herrn Kämpf haben Sie mir zu verdanken. Ich hab' gehörig für ihn agitiert, den ganzen Tag und bis zu meinen Kutschern herab!“ Daß der Monarch sich wörtlich so geäußert haben sollte, erscheint doch fraglich. Der deutsche Gesandte in Lissabon, Freiherr von Bodmann. ist augenkrank, jedoch ist die Hoffnung auf seine Wiederherstellung noch nicht ausgeschlossen. So lange sie besteht, kann auch von dem Rücktritt des verdienten Diplomaten keine Rede sein, der bereits als unmittelbar bevorstehend angekündigt worden war. Im Reichstage werden eifrige Vorbereitungen für die Aufnahme der Beratungen getroffen. Da sich die Zusammensetzung des Hauses durch den großen Mandatszuwachs der Sozialdemokratie wesentverändert hat, so verliert mancher Parteiveteran seinen alten Stammplatz und rückt weiter nach rechts hinüber. Für diejenigen Abgeordneten, die dem hohen Hause schon Jahrzehnte lang angehören, hat der Platzwechsel etwas Unangenehmes, das freilich schnell überwunden werden wird. Nicht so leicht werden die Stürme beschwichtigt werden, deren Ausbruch gelegentlich der ersten Etatslesung zu erwarten ist, und von denen die Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhaus bereits einen kräftigen Vorgeschmack gegeben haben. Im Hinblick auf die Parteileidenschaft und die Ungewißheit über die Präsidentenwahl war die Annahme aufgetaucht, daß der Kaiser die Thronrede diesmal nicht persönlich halten werde. Diese Annahme erscheint indessen grundlos. Einmal herrscht an den maßgebenden Stellen über die Zusammensetzung des neuen Reichstags weniger Erregung als unter den Parteien selber, und dann entspricht es einer alten Gepflogenheit, daß der Kaiser in Person die Eröffnung einer neuen Legiolaturperiode des Reichstags Es triselt in den Reichslanden. In Straßburg scheint es, so wird den Hamburger Nachrichten geschrieben, wieder einmal zu kriseln: Der liche Anlaß ist die Unterlassung einer höfischen Einladung. Graf v. Wedel, der am 5. Februar seinen 70. Geburtstag feiert, erschien bisher jährlich zum Ordensfeste in Berlin. Diesmal war sein Kommen nicht erwünscht. Freunde und Feinde sind sich darin einig, daß damit mindestens der Ausdeuck eines starken Mißfallens der maßgebenden Kreise in Berlin, wenn nicht mehr, auch öffentlich gezeigt bekanntlich fünf reichsländische Sozialdemokraten Algemeine Zeitung, freilich zu kurz vor den Stichwahlen, die staatstreuen ese Vorole werbter go bogz, gteg, Grund verdische Regierung schwieg. als zweiter Militärkommando in lich ist, gerecht zu werden. Er zog dabei gege Der Blcgang den Wele in ulue. Köln. Zta; wo der Wboel fast die Häste der Volte. nu der 155, nach ieg, eden Atentete Beichstag:, ber 1673, noch begt, wurde, 162 ube. Hoiter ihelmn v, adgel händig guräk, dach eige heg heiden letten Feichetagen bei eb. en bosden seg, Bbeligen, Diezeinem Verlust von fünf oder sechg. ge#e nal ist der Rücgang auf 15 angen ez, P, 57 Adelige im Reichstage von 1912, alegl uu, Parlament von 1907. Von den 57 enigun fünf Periomen; von Nationaliberale und Forde uv enotat und 47 auf die Rechte, schrittler, ein Sozialdemg. u.. zer. 11 von 22 Deutschtonservative, 5 Aezionpaerte gz. Zentrum, 9 Polen. Dazu pe Bipe von Wbe, gengalg zuei weniger. belige weniger, Die Bolen.. die, heiden konserna. das Zentrum nach wie vor 11, V. Hagegen tiven Gruppen 14 weniger, die Welfen Christlichenationale Arbeitervertreter in gesen Reichstag. Im neuen Reichstag sind Febg. die aus der bewegung hervorgegangen sind: Hegzigen Geze), Schirmer und Shworz, 1Verzuig gepzz, gat, mann und Schwatz hnd ersty, Latage schon ange. rend die übrigen dem letten Beng,.—., uegeiterger. ven von Iastag dat Wiedeberg(Vorstzenber ebern i Vesoun, berxoergande) sein Mandat des christlichen Bauarbetterverdanzngeg u Sonmu. Soet bicht, be=sgansergatige und Reiche. Ssichuh unt figer, ig auch biesmal keinen bester in vve, Geperzgreln zu erlangen, sind ohne Erfolg gewesen. Die Mischlingsfrage in den Kolonien. T Staatssekretär des Reichskolonialamts, Dr. Solf, der frühere Gouverneur von Samoa, hat, wi richtet, eine Verordnung erlassen, durch die beio Zasenmschaung zu machen Die Lchen aus dings nie gezogen. Nun er aber in Berlin weilt, und der Herrscher des Reichskolonialamts ist, soll das anders werden. Wie nämlich ein Berliner Mittagblatt erfährt, stellt die jetzt erlassene Verordnung nur den ersten Schritt zu einer einheitlichen Regelung der Mischlingsfrage in unseren Kolonien dar. Es wird eine umfassende Untersuchung zum Studium der ebenso schwierigen, wie für unsere koloniale Zukunft wichtigen Problems eingeleitet werden. Man wird hierbei insbesondere die Frage erwägen, ob eine einheitliche Behandlung der schwarz=weißen Abkömmlinge in allen Kolonien durchführbar und empfehlenswert ist. Holland. Eine Erhöhung des niederländischen Heereskontingentes. Die Erste niederländische Kammer nahm die Revision des Militärgesetzes an, wonach das Heereskontingent von 17 500 auf 23000 Mann erhöht wird bei einer Dienstzeit von 8½ Monaten. Frankreich. Präsident Fallieres wird im Laufe dieses Jahres mit mehreren wichtigen Besuchen fremder Herrscher beehrt werden. Das englische Königspaar wird bei seinen Antrittsbesuchen an den europäischen Höfen mit einem kurzen Aufenthalt in Paris beginnen, der laut„Voss. Ztg.“ als neue Kundgebung der Entente cordiale gedacht ist und infolgedessen einen hochpolitischen Charakter haben wird. Für den Mai hat die Königin Wilhelmina von Holland ihren Besuch in Begleitung des Prinzregenten zugesagt. Sie erwidert damit den Besuch, den Herr Fallieres ihr im vergangenen Jahr im Haag abgestattet hat. Endlich plant Sultan Mulay Hafid eine Reise nach Paris, die stattfinden soll, sowie die Einigung zwischen Frankreich und Spanien über die marokkanische Schutzherrschaft erzielt ist. Portugal. Die Lage der Regierung. Die durch die Streikausschreitungen gefährdete Stellung des Ministeriums in Lissabon ist durch die Vertrauenskunggebung der Kammer, die ihm soeben zuteil wurde, befestigt worden. Es gewinnt auch den Anschein, daß der ganze Wirrwarr von Royalisten angezettelt worden ist. Das diese in Portugal nur eine kleine Minderheit hinter sich haben, so schweben die Hoffnungen des Exkönigs Manuel, trotz seiner Aussöhnung mit dem Prätendenten Miguel, den Thron in absehbarer Zukunft wiederzuerlangen, zunächst noch in der Luft. In der Abgeordnetenkammer schilderte Ministerpräsident Vasconcellos die Vorgänge der letzten Tage. Er erklärte, daß der Streik in Evora, der die Veranlassung zu dem Generalstreik gab, von den Monarchisten angestiftet worden sei. In Lissaben sei es denselben Elementen gelungen, die Arbeiterklasse zum Anschluß an den Streik in Evora zu bewegen, und sie hätten auch den Versuch gemacht, die Soldaten in den Kasernen zur Anarchie zu verleiten. Nachdem die Führer verschiedener politischee Gruppen die Haltung der Regierung gebilligt hatten, wurde dieser das Vertrauen der Kammer ausgesprochen. England. Die irische Homerule=Bill, das Gesetz, das Irland die Selbständigkeit bringt, wurde ihrem Inhalte nach soeben von einem Londoner Blatte bekannt gegeben. Darnach soll das neue irländische Parlament volle Kontrolle über Zölle und innere Abgaben erhalten. Der Freihandel zwischen England und Irland bleibt bestehen. Irland soll von Reichswegen fünfzehn Jahre hindurch einen Zuschuß von 40 Millionen Mark pro Jahr erhalten. Gegenwärtig kostet die irländische Verwaltung dem britischen Schatzamt jährlich etwa 27 Millionen Mk. Die Summe vergrößert sich jedoch jährlich und dürfte unter den heutigen Bedingungen bald den neuen Zuschuß von 40 Millionen überschreiten. Nach Ablauf dieser fünfzehn Jahre soll Irland einen Zuschuß zu den Reichsabgaben leisten, zu dessen Berechnung ein bestimmter Prozentsatz der irländischen Staatseinnahmen dienen soll:— Das irländische Parlament soll aus zwei Häusern bestehen, einem sogenannten gesetzgebenden Nat und einer gesetzgebenden Versammlung. Der erstere soll 48 bis 60, die letztere 103, die Anzahl der irländischen Mitglieder im englischen Unterhause, haben. Der Rat sell nur ein ausschiebendes Beto haben, auf Enlichen Grundlagen, wie jetzt das englische Oo# haus. Im englischen Parlament sollen die Irländer nach wie vor vertreten sein, aber in geringeren Anzahl. Das irländische Parlament wird keine Seite 2. Schwerter Zeitung. Amtliches Kreisblatt. Montag, den 5. Fedruar 1912. Nr. 30. Kontrolle über die Flotte, Armee, Milig, auswär tige Politik, die Münze und das Leuchtturmwesen haben. Eine Staatskirche wird verboten sein. Bulgerien. Die rusisch=bulgarische Waffenbrüderschaft. Zur Feier der Großjährigkeitserklärung des bulgarischen Kronprinzen überreichte Großfürst Andreas im Namen des Kaisers Nikolaus dem König von Bulgarien ein kostbares Geschenk, dem Kronprinzen Boris einen Säbel mit Namenszug des Kaisers Nitolaus und eine Photographie des Kaisers mit dem Großfürsten=Thronfolger Alexei. Seine Ansprache schloß der Großfürst mit den Worten:„Zur Erinnerung an diesen Tag und zum Zeichen seines besonderen Wohlwollens hat mich der Kaiser beauftragt. Ihnen diesen Säbel mit seinem Namenszuge als Sinnbild der Waffenbrüderschaft, die Rußland und Bulgarien verknüpft, zu übergeben.“ Vereinigte Staaten. Die Panamakanalgebühren. Das Komitee der Newyorker Handelskammer befürwortet in einer Resolution gleichförmige Gebühren von einem Dollar pro Tonne für die Fahrt durch den Panama kanal und erklärt, amerikanische Schiffe könnten nicht begünstigt werden, ohne daß die Verträge mit England aufgehoben würden. Es ist im Lande bekanntlich eine starke Bewegung im Gange, die amerikanischen Schiffen besonders billige Ausnahmetarife sichern will. * Das Ungluckin der englischen Marine. Beileidstelegramm des Kaisers an die englische Marine. Bei der Admiralität ist zu dem Untergang des Tauchbootes„A 3“ folgendes Telegramm eingegangen. „Se. Majestät der Deutsche Kaiser hat soeben ein Telegramm erhalten, in dem ihm der Verlust des Unterseebootes„A 3“ gemeldet wird. Se. Majestät wünscht sein tief empfundenes Beileid für die Hinterbliebenen der braven Leute auszudrücken, die ihr Leben bei diesem schrecklichen Unglück verloren haben. gez. Admiral von Müller.“ Die Admiralität antwortete darauf wie folgt: „Ich bitte Sie, Seiner Kaiserlichen Majestät für seine Botschaft der Sympathie, die soeben eingelaufen ist, zu danken, und die Versicherung entgegen zu nehmen, daß dieses Unglück die Offiziere und Mannschaften der britischen und deutschen Flotte in gemeinsamer Trauer vereinigt. gez. Der erste Lord der Admiralität. 47714. Die Ursachen der Katastrophe bei der die 14 Mann der Besatzung, darunter vier Offiziere, ihr Leben verloren, war zunächst der in Nebel erfolgte Zusammenstoß mit dem Torpedoboot „Hazard", wodurch das Unterseeboot„A 3“ ein so starkes Leck erhielt, daß es sofort sank. Vielleicht wäre das Unglück aber doch nicht so groß geworden, wenn auf dem Unterseeboote nicht alle und jede Rettungsapparate gefehlt hätten, und namentlich auch keine Rettungshelme vorhanden gewesen wären, die jedes deutsche Tauchboot in der erforder—ngen Anzahl mit sich führt.— Die Arbeiten zur Hebung des gesunkenen unter###eboots, aus man Lebende natürlich nicht mehr retten zu können hoffen darf, sind äußerst schwierig und zeitraubend. Bei den starken Stürmen und Schneeschauern verursachte es schon sehr große Mühe, die Stelle zu finden. an der das Boot in die Tiefe gesunken war. Nach langen Nachforschungen wurde festgestellt, daß das Unterseeboot auf einer Sandbank 40 bis 60 Fuß tief unter dem Meeresspiegel ruht. Die Rettungsarbeiten wurden während des Sonnabends und Sonntags mit aufopferndem Eifer fortgesetzt; trotzdem werden bis zur Hebung des Wracks noch einige Tage vergehen.— Londoner Blätter beklagen es, daß die britische Unterseeflotte nicht Mutverschiffe, wie die deutsche besitzt, die bei diesem Unfall von großem Nutzen gewesen wären und vielleicht Menschenleben hätten retten können. Obwohl Deutschland nur ein Unterseeboot für je fünf englische besitze, sei man jenseits der Nordsee doch viel besser für solche Unglücksfälle vorbereitet.— Das gesunkene. Unterseeboot„A 3“ gehörte zu dem ältesten Tip der englischen Unterseeboote und wurde bereits vor 9 Jahren vom Stapel gelassen. Die ganze Trauer gilt dem Verlust der braven Mannschaft. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 5. Februar. *(Der Winter) ist nun doch wirklich bei uns eingekehrt. Kurz vor Toresschluß hat er noch einmal die Backen tüchtig vollgenommen und die weißen Flocken reichlich auf Feld und Wald geschüttet, so daß draußen in der freien Natur eine herrliche Winterlandschaft erstanden ist. Oft hörte man in den letzten Wochen sagen:„Es gibt keinen Winter mehr.“ Vorsichtige Leute meinten aber:„Abwarten! Es kann noch kalt genug werden!“ Sie haben recht behalten; seit einigen Tagen haben wir ein Winterwetter, wie es charakteristischer nicht gedacht werden kann. Ueberall, besonders in den weniger verkehrsreichen Straßen, bietet sich unserer Jugend willkommene Gelegenheit zum Wintersport. Da werden große Schneeballschlachten geschlagen, es wird„geschlittert“ und„gerodelt“, daß es eine Lust ist. Wenn man aber den Winter in seiner ganzen Pracht schauen will, da muß man hinauswandern vor die Tore der Stadt. Das Wandern durch die Schneelandschaft dietet dem Naturfreunde mannigfache Anregung. Am reizvollsten ist jetzt ein Gang durch unsere Wälder. Die dunkeln Radeln der Tannen und Fichten geben der hellen Fläche den wirksamen Hintergrund und gewähren einen Anblick, wie er malerischer kaum gedacht werden kann. Während das Auge sich an den wechselnden Bildern erfreut und die Seele Eindrücke von dauerndem Werte aufnimmt, fühlt sich auch der Körper erfrischt. Rein und klar ist die Luft, die in unsere Lunge gelangt und erquickend macht sich die staubfreie Atmosphäre bemerkbar. Gerötete Wangen zeugen von der wohltuenden Wirkung des Gehens auf unsere Blutzirkulation, und wenn man hübsch Schritt hält, schadet die Kälte auch nicht, müde wird man kaum beim Winterspaziergange.— In der vergangenen Nacht hat das Thermometer übrigens 17 Grad unter Null gezeigt, eine Kälte, die hier seit langem nicht erreicht wurde. **(Astronomisches vom Februar.) Im Februar ist es schon recht deutlich zu merken, daß die Tage länger und die Nächte kürzer werden. Ging die Sonne Anfang Januar 8 Uhr 14 Min. und Anfang Februar 7 Uhr 46 Min. auf, so kommt sie Anfang März bereits 6 Uhr 50 Min. zum Vorschein. Der Untergang der Sonne fand Anfang Januar 3 Uhr 53 Min., Anfang Februar 4 Uhr 42 Min. und findet Anfang März 5 Uhr 36 Min. statt. Den 20. Februar tritt das Tagesgestirn in das Zeichen der Fische Vollmond trat am 3. Februar ein. Von den Planeten bleibt Merkur unsichtbar. Venus, als Morgenstern, ist Ende dieses Monats nur noch ½ Stunde zu sehen.— Mars, rechtläufig im Stier, geht früh am Morgen unter und ist am Ende dieses Monats noch bis zu 8 Stunden sichtbar.— Jupiter, rechtläufig im Skorpion, ist in den frühen Morgenstunden, am Ende des Monats bis zu 3½ Stunden zu erblicken—. Saturn, rechtläufig im Widder, geht in den frühen Morgenstunden unter. — Uranus bleibt unsichtbar. **(Die Lastpferde im Winter.) Im Winter sind die Lastpferde sehr übel daran; denn es werden von ihnen Leistungen erwartet, die manchmal das Drei= bis Fünffache ihrer Kräfte erfordern. Deshalb ist es mit Freude zu begrüßen, daß der Polizeipräsident von Berlin öffentlich die Besitzer schwerer Lastfuhrwerke ersucht hat, dafür Sorge zu tragen, daß während der Winterzeit, da bei Schneefall oder plötzlich eintretender Glätte auf ansteigenden Straßen die Kräfte der Pferde häufig versagen, die Kutscher stets einen Beutel mit Sand bei sich führen, um durch Streuen das Ausgleiten der Pferde beim Anziehen zu verhindern. Es wäre sehr gut, wenn in jeder Stadt die Polizei die gleiche öffentliche Bitte erlassen würde. Gute Beispiele erwecken gute Sitten. **(16. Armeekorps.) Die gestrige Kaisergeburtstagsfeier der ehemaligen Angehörigen des 16. Armeekorps hat erneut den Beweis erbracht, welch großer Beliebtheit sich der Verein in der Bürgerschaft erfreut und daß die ehemaligen Moselwächter es verstehen, schöne und gemütliche Feste zu arrangieren. Der große Saal des Herrn Jockenhöfer („Im Reiche des Wassers") war vollständig besetzt und bei den mancherlei Darbietungen des Vereins — Konzert der Kapelle Mus, köstliche theatralische Aufführungen, die an die Lachmuskeln des Publikums nicht geringe Anforderungen stellten, Verlosung und Tanz— verlebten die zahlreichen Festgäste recht fröhliche und genußreiche Stunden. Herr Hagemann feierte in einer längeren Ansprache den Kaiser und brachte das jubelnd aufgenommene Hoch auf den obersten Kriegsherrn aus. Erst zu ziemlich vorgerückter Stunde traten die ersten Festteilnehmer den Heimweg an. *“(Das Rodeln) stand am gestrigen Sonntage in unserer Stadt und Umgegend in nie gesehener Blüte. Ueberall, wo nur ein nennenswerter Abhang war, sausten die Schlitten talwärts. Bei Tiemesmann, Gockel, Menke, Ostermanns Ziegelei, am Krainberge, im Grüntal, am Buchholz, an der Villigster Höhe, wo u. a. der evangelische Jugendverein sich vergnügte, auf dem Privatweg von der Villa Theile zur Ergster Chaussee wimmelte es von Rodlern und Rodlerinnen. Nur die Rodelbahn am Freischütz lag verödet, da die zuständige ProvinzialWegeverwaltung am Samstag nachmittag die Bahn hatte dicht mit dicker Asche befahren lassen. Die Bahn war nämlich infolge des täglich bis weit nach Mitternacht ausgedehnten Sportes derart glatt geworden, daß sie eine Gefahr für jeglichen Fuhrwerksbetrieb darstellte. Samstag mittag war ein Petroleumwagen ins Gleiten und Rutschen geraten, sodaß die Pferde scheuten und durchgingen; der Kutscher flog infolgedessen unterhalb des Waldes vom Bock und im Bogen zur Erde; glücklicherweise kam er mit einigen Hautabschürfungen davon. Mehrere Rodelunfälle sind am gestrigen Sonntage zu verzeichnen. Auf der Bahn bei Gockel brach ein Schulmädchen ein Bein; an anderen Stellen waren leichtere Verletzungen, meist durch Karambolage mit den bergauf gezogenen Schlitten verursacht, zu konstatieren. Es herrscht beim Rodelbetrieb leider ziemliche Unordnung, wefentlich dadurch, daß die Bahn nicht frei gehalten wird. Hoffentlich wird der nächste Winter die seitens des Ortsausschusses für Jugendpflege in Aussicht genommenen Rodelbahn im Schwerter Walde bringen. **(Landw. Lokalverein.) Unter einem überaus glücklichen Stern stand die Kaisersgeburtstagsfeier des„Lokalvereins für Landwirtschaft und Gewerbe der Stadt Schwerte und des Amtes Westhofen", stattfand und sich überaus regen Besuches erfreute. Das reichhaltige abwechselungsreiche Programm in Verbindung mit der guten„leiblichen“ Verpflegung. die Herr Hanefeld seinen Gästen angedeihen ließ, lösten schon recht bald eine urgemütliche Festesstimmung aus, die im Verlaufe der Feier eine stetige Steigerung erhielt. Nach dem ersten Gange der gemeinsamen Tafel, womit das Fest eingeleitet wurde, brachte Herr Amtmann v. DanielsWesthofen in markigen Worten das Kaiserhoch aus, welches in den Herzen der Festgäste begeisterten Widerhall fand. Im weiteren Verlaufe des Mahles feierte Herr Sanitätsrat Dr. Klug=Westhofen Landwirtschaft und Gewerbe, während Herr Direktor Jacobs=Holzen sein Glas den Damen weihte. Eine ansprechende Tafelmusik der Kapelle Kümper=Schwerte, köstliche humoristische Vorträge, sowie ein eigens für die Feier von einem Vereinsmitgliede„verbrochenes“, Festlied, welches wir an anderer Stelle der heutigen Nummer zum Abdruck bringen, würzten das Mahl und schon vor 10 Uhr konnten die Tische beiseite gerückt werden und die Musik zum Tanze ausspielen. Die Tanzpausen wurden durch eine Verlosung allerhand hübscher Gewinne angefüllt und wenn auch Göttin Fortuna bei der Verteilung ihrer Gaben ziemlich launisch zu Werke ging, so dürfte doch wohl jeder Festteilnehmer auf seine Rechnung gekommen sein. Alles in allem war es eine schöne und gemütliche Feier und jeder, der an derselben teilgenommen hat, wird sich der dort verlebten Stunden oft und gern erinnern. welche am Samstag abend im Hotel Ostermann (Für Briefmarken=Sammler.) Das kleine Fürstentum Liechtenstein, das seither nur österreichische Marken verwendete, verausgabte am 29. Januar 1912 zum ersten Male eigene Marken, nämlich die Werte 5, 10 und 25 Heller, mit dem Bildnis des 72jährigen regierenden Fürsten Johann des Zweiten, der nicht in der Hauptstadt Vaduz, sondern von Wien aus sein kleines Land regiert; sein Land hat die kleinste Einwohnerzahl von allen Marken ausgebenden europäischen Ländern, da es nur 9650 Einwohner hat, während die Republik S. Marino 11000 und das Fürstentum Monaco 15000 Einwohner zählt, an Flächeninhalt ist beiden allerdings Liechtenstein überlegen. Die Marken dieses kleinen Staates werden immer gesucht bleiben, da er nur einen sehr kleinen Handelsverkehr hat und außerdem die österreichischen Marken auch noch weiter nebenbei Geltung behalten. **(Die Freiwillige Feuerwehr) hatte am Sams. tag abend zur Feier des Geburtstages des Kaisers eine hübsche Feier im„Westf. Hof“(Kordeck) veranstaltet, welche sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen hatte und in schönster Weise verlaufen ist. Das Programm des Festes war ein sehr reichhaltiges; neben guten Musikvorträgen der Baumöllerschen Kapelle und prächtigen humorsprühenden Theaterstücken, auf deren sorgfältige Einstudierung große Sorgfalt verwendet war, sorgte eine Verlosung von allerhand hübschen Gewinngegenständen für die nötige Unterhaltung. Den Höhepunkt der Feier bildete neben der Kaiserrede des Herrn Tillmann die Ueberreichung künstlerisch ausgeführter Gedenkblätter an folgende vier Wehrleute, welche der Wehr bereits 15 Jahre aktiv angehören: Jos. Falke, Wilh. Remscheid, Heinrich Gill und Nobert Kirchner. Mit einem fröhlichen Tänzchen wurde das Fest beschlossen. *:(Landwirtschaftliche Veranstaltungen in Dortmund vom 13. bis 15. Februar 1912.) Die westsälische Landwirtschaftskammer hat folgende Veranstaltungen, die an den bezeichneten Tagen in Dortmund stattfinden werden, eingerichtet: 1. Vortragskreis für praktische Landwirte in dem Mittelgartensaal der Kronenburg, Märkische Straße Nr. 83, vom 13. bis 15. Februar. Honorar 15+, Anmeldungen baldigst an die Landwirtschaftskammer in Münster. 2. Die Hauptversammlung der der Landwirtschaftskammer angeschlossenen Vereine, gemeinsam mit der Generalversammlung der Landeskulturgesellschaft für den Regierungsbezirk Arnsberg, am 14. Februar 1912, nachmittags 2 Uhr, im Prunksaale des alten Rathauses. 3. Die Versammlung der Saatbauvereine der Provinz Westfalen, am 14. Februar 1912, nachmittags 2 Uhr, im Prunksaale des alten Rathauses (mit Nr. 2 zusammen). 4. Den Saatenmarkt vom 13. bis 15. Februar im Gartensaal der Kronenburg, Märkische Straße Nr. 83. **(Beamten=Vereinigung.) Auch die hiesige Beamtenvereinigung hatte am Samstag abend im Hotel„Zur Post“(Quadbeck) eine hübsche Feier zu Ehren des Geburtstages des Kaisers veranstaltet, zu welcher die Vereinsmitglieder und Gäste in stattlicher Anzahl erschienen waren und einen in jeder Hinsicht anregenden und vergnügten Abend verlebten. Herr Professor Söffing gedachte in einer längeren Ansprache des Kaisers. Bei Musik= und Gesangverträgen, theatral. Aufführungen aller Art und nachfolgendem Tänzchen vergingen die Stunden der schönen Feier, welche ein neues Band der Eintracht um die Mitglieder geschlungen hat, wie im Fluge und gewiß schlug für viele die Stunde der Heimkehr viel zu früh. **(Die Westfülische Kommission für Heimatschutz), die vor etwa zwei Jahren ihre Tätigkeit begonnen hat, hat unter der zielbewußten Leitung des Frhrn. v. Kerckering=Borg schon sehr segensreich gewirkt. Auf Veranlassung der Regierung in Münster wurde die Kommission beim Erlaß von Ortsstatuten und der Aufstellang von Bebauungs= plänen regelmäßig gehört. In zahlreichen Fällen werden Maßnahmen zum Schutze gefährdeter Natur= und Kunstdenkmäler getrossen. Nachdem der Provinzialausschuß der Kommission namhafte Geld. mittel zur Verfügung gestellt hatte, wurde eine amtliche Bauberatungsstelle gegründet, die in enger Beziehung zu dem Westfälischen Verein zur Förderung des Kleinwohnungswesens steht. Die Landesversicherungsanstalt hat der Bauberatungs. stelle in ihrem Dienstgebäude die nötigen Räume zur Verfügung gestellt. Den größten Teil ihrer Tätigkeit nahm die Prüfung, Begutachtung und Abänderung eingereichter Bauentwürfe ein. Es konnte dabei die erfreuliche Tatsache festgestellt werden, daß die Bauberatungsstelle, wenn sie in einem Orte Gelegenheit hatte einzugreifen und ihre Tätigkeit dadurch bekannter geworden war, aus diesem Orte und seiner Umgegend heraus in steigendem Maße in Anspruch genommen wurde. Das geschah von Kreisen, Städten, Gemeinden, Architekten, Bauunternehmern und Privatleuten. Diese Erfolge sind nicht zum wenigsten dem tatkräftigen Eingreifen der Aufsichts= und Baupolizeibehörden zu verdanken, die in der Erkenntnis der kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Tätigkeit der Bauberatungsstelle ihr halsen, das Arbeitsfeld auszudehnen, indem sie die Baulustigen auf die bestehenden Einrichtungen hinwiesen und die Gewährung von Dispensen von einer den besonderen Verhältnissen entsprechenden Grundrißlösung und einer ästhetisch genügenden äußeren Durchbildung abhängig machten. Die Kommission beabsichtigt, ein Werk über heimische Bauweise herauszugeben. Die Inventarisationsarbeiten; dazu haben begonnen und es sind schon 200 Aufnahmen gemacht worden Die angestrebte Bildung von Ortskommissionen ist bisher nicht in dem wünschenswerten Maße erfolgt; doch sind in Burgsteinfurt und Bocholt solche in der Bildung begriffen. **(Vereinigte Gesellen=Auflage.) Die Vereinigte Gesellen=Auflage, welche bekanntlich alles andere, nur kein Vergnügungsverein ist und den edlen Zweck hat, ihren Mitgliedern in Notfällen zur Seite zu stehen, hatte gestern Freunde und Gönner zur Geburstagsfeier des Kaisers in das Hotel Ostermann(Hanefeld) eingeladen und in stattlicher Zahl war diesem Rufe Folge geleistet worden. Die Feier war von dem rührigen Festkomitee aufs beste vorbereitet und bot das Programm der Unterhaltung übergenug. Im Laufe des Nachmittags toastete Herr Fr. Griese auf den Kaiser. Musikalische und gute theatral. Darbietungen wechselten mit einander ab und ließen keine Langweile aufkommen und bis zum frühen Morgen wurde nach dem offiziellen Teil der Feier eifrig das Tanzbein geschwungen. **(Krankheits=Statistik.) In der letzten Berichtswoche gelangten im Regierungsbezirk Arnsberg folgende Fälle von ansteckenden Krankheiten zur Anmeldung: Diphtherie 137(5 Schwerte), Kindbettfieber 12, Scharlach 114(1 Schwerte, 1 Sölde), Typhus 9. Es starben 16 Personen an Gehirnleiden, 39 an Krämpfen, 16 an Krebs, 6 an Magen= und Darmkatarrh, 79 an Tuberkulose. An anderen Krankheiten starben in der Berichtswoche 380 Personen. —— Prinz Joachim an der Straßburger Hochschule. Wie die„Neue Preußische Korrespondenz“ erfährt, wird im kommenden Sommersemester Prinz Joachim, der sechste Sohn unseres Kaiserpaares, unter die Studierenden der Straßburger Hochschule eingereiht werden. Prinz Joachim wird der dritte Hohenzollernprinz sein, der die Straßburger Kaiser Wilhelms=Universität besucht, nachdem auch Prinz August Wilhelm und Prinz Waldemar dort studiert haben. Auch der Sohn des Reichskanzlers von Bethmann=Hollweg gehört bekanntlich gegenwärtig zu den Studierenden der Straßburger Hochschule. Prinz Joachim, der jüngste Sohn des Kaiserpaares, gehört dem aktiven Seeoffizierkorps an. Der Prinz, der am 17. Dezember sein 21. Lebensjahr vollendet hat, verließ Ostern 1910 die Prinzenschule zu Plön nach bestandenem Abiturientenexamen. Seine erste seemännische Ausbildung erhielt er gemeinsam mit den im April 1910 in die Flotte eintretenden Seekadetten. Nachdem er auf einem Schulkreuzer in den heimischen Gewässern kleinere Uebungsreisen ausgeführt hatte, ging er im Juli desselben Jahres auf etwa 9 Monate nach dem Auslande in See, um dann in Kiel Garnison zu nehmen. Prinz Joachim unterbricht jetzt seine seemännische Ausbildung, um sich wie sein Bender August Wilhelm auf das Doktorexamen vorzubereiten. Soziales Leben. Allgemeine Lohnerhöhung der Ruhrbergarbeiter? Wie gemeldet wird, hat der Verein für die bergbeulichen Interessen, bezw. der Zechenverband die dem Kohlensyndikat angehörenden Zechen um eine Aeußerung über eine eventuell mit dem Inkrafttreten der erhöhten Kohlen= und Kokspreise am 1. April vorzunehmende allgemeine Erhöhung der Bergarbeiterlöhne ersucht. Es soll die Absicht bestehen, etwa die Hälfte des von den Zechen durch die erwähnten Kohlenpreiserhöhungen erzielten Mehrgewinnes zur Aufbesserung der Vergarbeiterlöhne zu verwenden.— Dieser Plan der Zechenorganisation, eine einheitliche Lohnerhöhung für das ganze Nuhrrevier herbeizuführen, bedeutet völligen Bruch mit der bisher stets von ihnen Nr. 30. 1 Beilage Die Bekämpfung der Mau= und Klauenseuche. Gelegentlich einer im Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Anfang Dezember stattgehabten Sitzung der Vorsitzenden der preukischen Landwirtschaftskammern hat auf Veranlaslung des Herrn Landwirtschaftsministers eine Beratung über den Stand der Maul= und Klauenseuche und über die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung stattgefunden. Das Ergebnis dieser Verhandlungen is in nachkolgenden Ausführungen kurz zusammengefaßt: Die im Mai des Jahres 1910 von Rußland nach Ostpreußen eingeschleppte Maul= und Klauenseuche hat sich im Lause der Jahre 1910 und 1911 über Preußen und ganz Deutschland verbreitet. Bis zum Herbst 1910 war es gelungen, die Seuche im wesentlichen auf die östlichen Grenzbezirke zu beschräuken. Durch die Verseuchung eines Viehmarktes in Tuchel und von der Provinz Posen aus erfolgten dann aber rasch zahlreiche Verschleppungen der Seuche in die inneren Landesteile. Es kam hinzu, daß sie zur gleicher Zeit auch in Oesterreich=Angarn einen großen Amfang annahm und auch von hier aus wieder nach Deutschland eingeschleppt wurde. Ende Februar 1911 waren in Preußen 1897 Gemeinden und 5350 Gehöfte verseucht. Die Seuchenherde waren fast über die ganze preußische Monarchie verstreut. Unter diesen Umständen war es im März 1911 angesichts der Frühjahrsbestellung und des beginnenden Weideganges aus wirtschaftlichen Gründen nicht angängig, noch weiterhin an den streugen Bekämpfungsmaßnahmen festzuhalten. In dem Erlasse vom 15. März 1911 mußten deswegen eine Reihe von Erleichterungen gewährt werden. Bis dahin hatte als Sperrbezirk in der Regel der verseuchte Ort gegolten. In ihm war für alle Klauentiere die Stallsperre durchgeführt worden. Um für die Klauentiere der nicht verseuchten Gehöfte verseuchter Ortschaften die Verwendung zur Arbeit und die Möglichkeit des Weideganges zu schaffen, wurde der Umfang der Sperrbezirke wesentlich eingeschränkt. Ueberall dort, wo die örtlichen Verhältnisse es einigermaßen zuließen, wurden die Sperrbezirke auf kleinere Gruppen von Gehöften einschließlich des verseuchten Gehöftes beschränkt. Darüber hinaus wurde auch für die unverseuchten Gehöfte des Sperrbezirkes durch den Erlaß vom 26. März der Weidegang der Rinder unter gewissen Vorsichtsmaßregeln gestattet, ebenso die Verwendung der Rinder aus diesen Gehöften zur Arbeit. Ferner wurde die Ausfuhr und Einfuhr von Klauenvieh für die Sperrbezirke unter gewissen Bedingungen freigegeben. An der Bildung von Beobachtungsgebieten wurde festgehalten. Sie mußten aber aus wirtschaftlichen Gründen in ihrem Umfange auf das notwendigste Maß beschränkt werden. Die landwirtschaftliche Verwaltung ist an die Milderung der Maßnahmen zur Bekämpfnug der Maul= und Klauenseuche nur schweren Herzens herangegangen. Sie war sich von vornherein bewußt, daß die Abschwächung der Schutzmaßregeln notwendig eine raschere und umfangreichere Verbreitung der Seuche zur Folge haben mußte. Ein Nachgeben erschien aber im Hinblick auf die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse unvermeindlich. Daß die Befürchtungen bezüglich der Seuchenausbreitung gerechtfertigt waren, ergeben folgende Zahlen: Ende März 1911 waren in Preußen rund 5000 Gehöfte verseucht. Im Laufe des Sommers stieg Schloß Finkenstein. diese Zahl rasch an und erreichte am 15. August in Preußen die Höchstzahl von 20 289 verseuchten Gehöften. In Deutschland ist der höchste Stand der Seuche Ende August mit 38 340 verseuchten Gehöften erreicht worden(berichtigte Zahl). Von da ab erfolgte in Preußen ein ziemlich rasches Zurückgehen der Zahl der Seuchengehöfte, so daß Ende November nur noch 8528 Gehöfte verseucht blieben. Die Zahl der verseuchten Kreise und Gemeinden fiel aber nicht in gleicher Weise, sie erfuhr vielmehr zeitweise noch eine Steigerung. Der Rückgang der Zahl der verseuchten Gehöfte ist ja an sich sehr erfreulich; er erklärt sich aber im wesentlichen dadurch, daß in den stark verseuchten Weidegebieten eine Abnahme und zuletzt ein vollständiges Aushören des Weideganges stattgefunden hat. Der Erfolg ist also zum Teil mit durch den natürlichen Lauf der Dinge bedingt. Die Zunahme der verseuchten Kreise und Gemeinden muß darauf zurückgeführt werden, daß bis in die neueste Zeit hinein die Sperrmaßregeln teils aus wirtschaftlichen Gründen, besonders aber auch infolge Mangels an Polizeimannschaften nicht überall mit der nötigen Energie angewendet werden konnten. Durch Erlaß vom 15. November dieses Jahres sind die Bekämpfungsmaßnahmen wiederum verschärft worden. Dem ist auch Ende November ein Rückgang der verseuchten Kreise und Gemeinden gefolgt. Wenn auch anerkannt werden muß, daß die Beteiligten größtenteils die vete. inärpol zeilichen Maßregeln mit Verständnis unterstützt haben, so kann doch nicht unausgesprochen bleiben, daß in manchen Kreisen die Wirksamkeit der Anordnungen bezweifelt, zum Teil sogar bestritten wird. Demgegenüber erscheint es zweckmäßig, auf folgendes hinzuweisen: In den Jahren 1900 bis 1910 ist es gelungen, die Maul= und Klauenseuche in Preußen mit Hilfe der strengsten Maßnahmen auf einem sehr niedrigen Stande zu halten und sie zeitweise sogar zum völligen Erlöschen zu bringen. In Preußen wie in Deutschland nahm die Seuche unmittelbar nach Einführung der mildernden Maßnahmen im Frühjahr 1911 erheblich zu. Vom Mai 1910 bis zum Herbst 1911 sind in Preußen nur 203 Prozent der überhaupt vorhandenen Gehöfte mit Viehbestand von der Seuche troffen worden. Die Gesamtsumme der in den von der Seuche erfaßten Gehöften vorhandenen Rinder für den gleichen Zeitabschnitt beträgt 9,86 Prozent der überhaupt in Preußen vorhandenen Rinder. Demnach waren im Herbst 1911 noch rund 90 Prozent der Rinder Preußens unverseucht geblieben. Sehr verschieden sind die Prozentsätze der verseuchten Gehöfte und der in ihnen vorhandenen Rinder in den einzelnen Regierungsbezirken. In den Regierungsbezirken Gumbinnen, Allenstein, Königsberg, Frankfurt a. O., Potsdam und Köslin hat der Prozentsatz der verseuchten Gehöfte nur 0.4 bis 1,0 Prozent betragen, der Prozentsatz der Rinder in den verseuchten Gehöften 2,95 bis 5,49 Prozent. Die Verseuchung ist also eine verhältnismäßig sehr geringe geblieben. Das sind aber auch die Bezirke, in denen im wesentlichen an den alten strengen Maßnahmen festgehalten worden ist. Wo wegen der Rübenwirtschaft oder aus anderen Gründen die Schutzmaßregeln gemildert wurden, wie in den Regierungsbezirken Magdeburg und Stettin, ist der Prozentsatz der verseuchten Gehöfte sofort auf 25 bis 28 2 gestiegen. Aehnlich liegt es in der Provinz Posen, wo die Beachtung der polizeilichen Maßnahmen immer sehr schwer zu erzielen ist. Der höchste Prozentsatz der verseuchten Gehöfte ist in den großen Weidegebieten von Schleswig=Holstein und dem Regierungsbezirk Stade erreicht worden. Hier haben auch aus wirtschaftlichen Gründen, besonders zur Ermöglichung des Weideganges die weitgehensten Erleichterungen in den Schutzmaßregeln zugestanden werden müssen. Demnach sind die besten Erfolge der Bekämpfung dort erziehlt worden, wo die strengen Maßregeln im wesentlichen in Anwendung blieben. Den Milderungen ist auch stets eine große Ausbreitung der Seuche gefolgt. Aus den angeführten Zahlen sowie aus der Tatsache, daß im Winter, wie schon angeführt ist, die Bekämpfung der Maul= und Klauenseuche ohne allzu große wirtschaftliche Härten möglich ist, ergibt sich der zwingende Schluß, daß der Winter 1911/12 benutzt werden muß, um die Seuche mit allen Mitteln möglichst zu tilgen. Deswegen sind durch den Erlaß vom 15. November 1911 die durch die Erlasse vom 15. und 26. März 1911 gewährten Erleichterungen wieder aufgehoben worden. Die Sperrbezirke sind auf den Umfang wieder ausgedehnt worden, der sich früher als richtig erwiesen und bewährt hatte. Innerhalb der Sperrbezirke ist die Stallsperre für alle Klauentiere angeordnet worden. Auch ist die Ausfuhr und Einfuhr von Vieh für die Sperrbezirke auf das unbedingt notwendige Maß eingeschränkt worden. Der Umfang der Beobachtungsgebiete soll nach den örtlichen und Verkehrsverhältnissen bemessen werden. Ein Verzicht auf diese vielfach angefochtene Schutzzone hat sich gerade auch nach den im Laufe dieses Jahres gemachten Erfahrungen nicht als möglich erwiesen. Unter der Geltung der anderen Maßregeln waren, diese Gebiete vielfach zu klein bemessen worden. Das hatte zahlreiche Verschleppungen der Seuche durch Vieh aus der Nachbarschaft der Seuchenherde zur Folge gehabt. Auch die Ausfuhr von Vieh aus den Beobachtungsgebieten ist so regelrecht geworden, wie es die Rücksicht auf die wirtschaftlichen Interessen einerseits und die veterinärpolizeilichen Bedürfnisse andererseits erforderte. Von der energischen Durchführung dieser strengen Maßnahmen kann eine wesentliche Eindämmung der Seuche im Laufe des Winters erhofft werden. Unbedingt notwendig ist dazu die Bereitstellung der nötigen Polizeimannschaften. Ein voller Erfolg steht aber nur dann zu erwarten, wenn die Landwirtschaftskammer, alle Landwirte und Viehbesitzer diese veterinärpolizeilichen Maßnahmen auch ihrerseits mit Verständnis und Nachdruck unterstützen. Ohne diese Hilfe werden alle polizeilichen Maßregeln nur einen teilweisen Erfolg haben können. Gelingt es, die Maul= und Klauenseuche im Laufe des Winters wesentlich zurückzudrängen, so wird es möglich sein, im Frühjahr nach dem zum 1. April 1912 zu erwartenden Inkrafttreten des neuen Viehseuchengesetzes die Reste der Seuche mit dem in diesem Gesetze gewährten größeren Vollmachten zu erfassen. Vor allem gibt das neue Gesetz die Möglichkeit, die Tötung der verseuchten Bestände gegen Entschädigung anzuordnen. Davon kann, sobald es sich nur noch um vereinzelte verseuchte Bestände handelt, ein großer Nutzen erwartet werden. Gelingt es nicht, die Seuche bis zum Frühjahr 1912 soweit zu tilgen, hat sie auch dann noch eine größere Verbreitung, so wird es aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu umgehen sein, wiederum Milderungen in den veterinärpoltzeilichen Maßnahmen eintreten zu lassen. Damit wird aber ebenso sicher von neuem eine allgemeine Verbreitung der Seuche einsetzen. Da noch etwa 90 Prozent der Rinder Preußens unverseucht, also für die Seuche voll empfänglich sind, findet sie also auch im nächsten Jahre noch für ihre Ausbreitung alle Bedingungen vor Welchen unheilvollen Einfluß eine solche nochn ige starke Verseuchung für die Viehzucht, die Viet haltung und für die Fleischversorgung der Bevölte rung haben kann, braucht nicht erst angeführt zu werden. In landwirtschaftlichen Kreisen ist mehrfach da von gesprochen worden, alle Viehbestände durch seuchen zu lassen und so die Seuche zum Erlöschen zu bringen. Abgesehen davon, daß die Durchsen chung der bisher noch unverseuchten Viehbestände die bisherigen großen Verluste durch die Seuche um mehr als das Zehnfache steigern würde, muß dieser Plan auch aus folgenden Gründen verworfen werden: In einem Zuchtgebiete Preußens hat man die Durchseuchung aller Viehbestände ernstlich erwogen. Die Ausführung ist schon daran gescheitert, daß es nicht gelang, alle Viehbesitzer oder auch nur die große Mehrzahl derselben hierfür zu gewinnen. Ohne völlig einheitliches und gleichmäßiges Vorgehen hat aber diese Maßnahme naturgemäß keinen Wert. Ferner bleibt erfahrungsgemäß auch in den stark verseuchten Gebieten stets ein großer Prozentsatz von undurchgesuchten Tieren übrig, die den Erfolg der Durchseuchung illusorisch machen. Endlich kann nicht verkannt werden, daß die gleichzeitige Verseuchung der noch empfänglichen d## Prozent der Viehbestände die gesamte Viehwirtschaft, den Viehverkehr und die Fleischversorgung zweifellos in der gefährlichsten Weise beeinflussen müßte. Der jetzige Seuchenzug der Maul= und Klauenseuche hat, wie das nicht anders zu erwarten war. auch das Interesse an den Schutz= und Heilmitteln gegen diese Seuche in hohem Maße wieder belebt. Zahlreiche Mittel sind von allen Seiten angeboten und empfohlen worden. Bisher ist kein Mittel bekannt geworden, das die veterinärpolizeilichen Maßnahmen ersetzen könnte. Das größte Interesse kann das Loefflersche Serum beanspruchen. Mit ihm sind bisher in 168 Rinderbeständen Versuche angestellt worden. In 19 von diesen Beständen ist die Seuche nach der ersten Impfung ausgebrochen, in vier Beständen nach der zweiten, in zwei Beständen nach der dritten und in einem Bestande nach der vierten pfung. Es muß zugegeben werden, daß mindestens ein Teil der Bestände, in denen die Seuche nach der ersten Impfung aufgetreten ist, schon vor der Serumbehandlung angesteckt war und daß die bisher verwendeten kleinen Mengen des Serums in diesen Fällen den Ausbruch der Seuche nicht verhindern konnte. Trotzdem bleiben diese Fälle veterinärpolizeilich sehr bequem. Es soll jetzt versucht werden, diese Seuchenausbrüche in den geimpften Herden durch Erhöhung der Serummengen zu vermeidenDamit steigen aber auch die an sich schon nicht geringen Kosten der Serumbehandlung wesentlich. Sie werden vielleicht auf 20 bis 30 MA pro Tier anwachsen. Damit sind natürlich der Serumanwendung so enge Grenzen gezogen, daß sie bei einer größeren Verbreitung der Seuche, wie zum Beispiel jetzt, keine wesentliche praktische Bedeutung haben kann. Immerhin muß dem Serum nach den bisherigen Erfahrungen ein Schutz= und Heilwert zuerkannt werden. Ferner sind mit Arsenpräparaten, vor allem mit Atoxyl und Salvarsan Versuche angestellt worden mit dem Ergebnis, daß diesen Mitteln ein Schutzwert nicht zukommt. Ueber ihren Heilwert besteht zwar noch keine völlig einheitliche Meinung. Nach den in Preußen gemachten Erfahrungen kann ihnen Roman von Clarissa Lohde. 2 „So hat er seine Kinder, einen Sohn und eine Tochter, auch etwas Tüchtiges lernen lassen. Leider hatten die Kinder das Unglück, eine leichtsinnige Mutter zu besitzen, die schon in den ersten Jahren ihrer Ehe ihren Mann um eines Liebhabers willen verließ. Aber eine sehr brave und tüchtige Schwester des Vaters, die zu ihrem Bruder zog, nahm sich liebevoll der verwaisten Kinder an und hat sie zu guten, tüchtigen Menschen erzogen. Beide, Vater und Tante sind jetzt tot, die zurückgebliebenen Kinder haben also keine Heimat mehr. Marias Bruder hat sich zum Maler ausgebildet, und leistet, wie allgemein gerühmt wird, tüchtiges in seiner Kunst? Er ist mir persönlich bekannt, da er mich bei meinen Schülerauffüheungen oft mit seinem künstlerischen Rat unterstützt hat.“ Es folgten noch einige Bemerkungen für Hildegard, deren leichte Fassungsgabe und musikalisches Talent Frau Dr. Hoffmann rühmte. Dann schloß das Schreiben wie gebräuchlich mit den besten Wünschen für das fernere Wohlergehen des entlassenen Zöglings.., g une. 76 seine Gemab „Nun?“ fragte der Prastoem, als seine Gemühlin zu Ende gelesen.„Du hast Deinen Willen nun durchgesetzt,“ fuhr er in demselben Tone wie vorhin fort,„obgleich Dich dieser Brief belehren wird, welche Inkonvenienz darin liegt, daß die Tochter eines Handwerkers, die Tochter einer...“ Die Präfidentin machte eine abwehrende Bealso lassen wir das! Ich sage also, daß die Tochter eines Handwerkers in die Familie des Präsidenten von Arnhelm eintritt, um neben dessen einziger Tochter in den Salons, in denen sich die Aristokratie der Provinz bewegt, die Honneurs des Hauses zu machen." „Sie wird gerade, weil sie so bescheiden erzogen wurde, die richtige Grenze wohl inne zu halten wissen,“ warf die Präsidentin beschwichtigend „Wenn Du in Deiner, verzeihe mir, einfältigen Schwachheit sie nicht ermutigst, die Grenze zu überschreiten. Doch noch einmal sei es Dir gesagt, wenn Du auch nur im Geringsten Dich gegen unsere Abrede vergißt, so ist das Mädchen sofort zu entlassen. Ich meinerseits werde sie zu übersehen wissen. Aber wahrlich, das Opfer, das ich Deiner albernen Gefühlsschwärmerei bringe, ist groß, zu groß fast, fürchte ich, und wenn ich es dennoch bringe, so danke es allein unserem Kinde, unserer gard, deren Mutter ein Anrecht auf meine Rücksicht besitzt, so lange wenigstens als sie mir dieselbe nicht gar zu schwer macht.“ Die Präsidentin war in ihren Sessel sunken; sie wagte nichts zu erwidern. Der Gemahl schien auch weiter keine Antwort zu erwarten. Er vertiefte sich aufs neue in seine Lektüre. Endlich wurde der bekannte Landauer mit den sanften Braunen sichtbar. Auf der Präsidentin Gesicht wechselte Röte und Blässe; sie erhob sich, auch der Präsident hatte den Wagen bemerkt und, seiner Gemahlin den Arm reichend, schritt er ohne ein Wort an sie zu richten, dem Hause zu. Der Diener eilte voran, die Tür zu öffnen. Da rollte, als sie die Schloßrampe betraten, auch schon die Equipage heran. Die Pferde, durch einen raschen Ruck gehalten, standen still, und von Max unterstützt, sprang ein junges, schönes Mädchen aus dem Wagen, schlank, graziös, rosig, und lag in der Mutter Armen, um nach einem flüchtigen Kuß in die des Auf dem Antlitz des Präsidenten lag es wie Verklärung. Alle wärmeren Gefühle, die in dieser strengen Mannesseele wohnten, konzentrierten sich in der Liebe zu dieser Tochter, gegen die er denn auch, wie es in solchem Falle zu sein pflegt, von nur großer Schwäche und Nachsicht war. Aber wer konnte denn auch gegen dies liebliche Geschöpf, das jetzt lachend und plaudernd an dem Arme des Vaters in das Haus schrittt, anders als gütig und nachsichtig sein? Selten wohl fand man die höchste Anmut und Lieblichkeit so mit der Vollendung der Frau gepaart, wie bei Hildegard von Arnhelm. Sie schien gleich der schaumgeborenen Göttin, Liebe, Glück und Freude zu verbreiten; und überall war sie auch der Liebling von Männern und Frauen, bis vor kurzem noch ein verhätscheltes, geliebtes Kind, jetzt aber die junge Dame, die in dem vollen Glanze ihrer Anmut und Schönheit in die große Welt eintreten sollte. . Die neue Erzieherin, Fräulein Maria Sommer, noch in tiefer Trauer um ihren Vater, halle sich während der ersten Begrüßung zwischen Vater und Tochter zurückgehalten. Jetzt näherte sie sich der Präsidentin und verneigte sich nicht ohne Befangenheit vor derselben. Sie hatte sich in der Tat bis jetzt nur in kleinen, bürgerlichen Verhältnissen bewegt, und das vornehme Air dieses adeligen Hauses machte sie verlegen. Der Präsidentin Blick ruhte mit eigentümlichem Ausdruck auf der Erzieherin. Es war ein Blick, gemischt zwischen Zärtlichkeit, Mitleid und gezwungener Zurückhaltung. Die äußere Erscheinung des jungen Mädchens war, wenn auch nicht gerade schön, so doch ungemein ansprechend. Maria Sommer mochte vielleicht die Mitte der Zwanzig schon überschritten haben, sie war groß, schlank, und als sie neben der Präsidentin stand, überragte sie diese noch um einige Linien. Auf ihren feingeformten Zügen las man deutlich, daß ihr das Leid des Lebens nicht fremd geblieben. Auf der hohen, weißen Stirn lagerten ernste Gedanken, und in den blauen, feingeschnittenen Augen schimmerte es zuweilen wie unterdrücktes Weh. Ihr Antlitz zählte zu denen, in deren Anblia man sich ganz vertieft, sie gehörte jedenfalls nicht zu den gewöhnlichen Naturen. Die Präsidentin hatte einige freundliche grüßungsworte an sie gerichtet, die aber durch einen Blick ihres Gemahls aufs knappste beschränkt wurden. Der Präsident ließ es sich nicht nehmen, selbst seine Tochter zu ihren Zimmern zu geleiten, deren festlichen Schmuck sie mit jubelnder Freude begrüßte. Immer von neuem umarmte sie in aufwallender Dankbarkeit den Vater, um dann auch flüchtig zu der Mutter zu eilen und sich einen Kuß von ihr auf die rosige Wange drücken zu lassen. Von einem der Gegenstände in ihrem Turmzimmerchen eilte sie zum andern, alles bewundernd und eingehend betrachtend, bis die Präsidentin ihr die neue Kammerjungfer zuführte und sie daran erinnerte, daß sie sich zu dem nicht mehr lang zu erwartenden Diner umzukleiden habe. „Mache Dich recht hübsch,“ rief ihr die Präsidentin noch beim Fortgehen scherzend zu,„wir erwarten zur Feier Deiner Heimkehr ins Vaterhaus einige Gäste aus der Nachbarschaft.“ Hildegard gab der Jungfer rasch die nötigen Anweisungen. Dann legte sie Hut und Reisemantel ab und warf sich mit einem Aufatmen der Befriedigung in den Schaukelstuhl. „So, nun können wir noch ein wenig mit einander plaudern, Fräulein Maria. Machen Sie es sich auch bequem und sehen Sie sich meine Heimat genauer an. Ehe die Jungfer die Koffer aufmacht und ich zur ernsten Wahl der Toilette schreiten kann, haben wir noch ein halbes Stündchen Zeit. Und ich möchte Sie doch ein wenig in die Verhältnisse Finkensteins und seiner Umgebung einführen, bevor Sie beim Diner all den fremden Menschen begegnen. Maria folgte freundlich der Aufforderung der jungen Dame. Auch sie nahm den runden, das sicht etwas beschattenden Hut ab, und nun, mit dem braunen, hochfrisierten Haar, dessen Ueppigkeit sich kaum in modische Tracht, so vereinfacht sie auch angewandt war, zwingen ließ, gewann ihr Antlitz noch an fesselndem Reiz. 189,10 Seite 6. Schwerter Zeitung. Amtliches Kreisblatt. Montag, den 5. Februar 1912. Nr. 30. aber auch kein nennenswerter Heilwert zugesprochen werden. Schon vor Jahren ist von mehreren Seiten dem Pockenvirns immunisierende Kraft gegen den Ansteckungsstoff der Raul= und Klauenseuche zugeschrieben worden. Diese Versuche sind von neuem aufgenommen worden. Ueber ihr Ergebnis kann ein Urteil noch nicht abgegeben werden. Endlich sind eine Anzahl von Geheimmittel gegen die Seuche zum Teil unter hochklingenden Namen empfohlen worden. Die meisten von ihnen erschienen schon ihrer ganzen Art nach nicht prüsungswert. Soweit die Person des Erfinders oder ihr scheinbarer Erfolg das wünschenswert erscheinen ließ, sind sie versuchsweise unter sachverständiger Kontrolle angewendet worden. Die Versuche sind noch nicht abgeschlossen. Von der Anschauung ausgehend, daß die Entdeckung des Erregers der Maul= und Klauenseuche ihre Bekämpfung ganz wesentlich fördern, vielleicht n ganz andere Bahnen lenken könnte, sind an mehreren Stellen die wissenschaftlichen Forschungen nach dieser Richtung mit allen Mitteln ausgenom men worden, aber ohne daß sie bisher ein entscheidendes Ergebnis gezeitigt haben. In neuester Zeit hat der prakt. Arzt Dr. Siegel in Berlin, der mit Unterstützung des Preußischen LandwirtschaftsMinisteriums arbeitet, behauptet, daß er den Erreger der Seuche gefunden habe. Es soll ein sehr kleiner Coccus sein. Nach dem, was hierüber bekannt geworden ist, kann der Beweis, daß der Siegelsche Coccus der wirkliche Erreger der Maul= und Klauenseuche sei. nicht als sicher geführt angesehen werden. —— Westfalen und Rheinland. * Hagen, 3. Febr.(Ein schreckliches Unglück) ist im Betriebe der Firma Funcke und Hueck gestern nachmittag gegen 5 Uhr einem erst seit kurzem dort beschäftigten Arbeiter zugestoßen. Der Mann, der 29 Jahre alte Transporteur Georg Löwental, war an dem Aufzug beschäftigt und beugte dabei unvorsichtiger Weise einmal den Kopf weit in den Schacht vor, um dem Korb nachzusehen. In dieseme Augenblick traf ihn der niedergehende Fahrstuhl und riß ihm buchstäblich den Kopf vom Rumpf. Das Unglück erregte allgemeines Entsetzen und findet umso größere Teilnahme, als der Getötete erst kurz vor Weihnachten hierhin gekommen ist und eben Frau und Kind, die er in Thüringen zurückgelassen hatte, nachkommen lassen wollte. Arnsberg, 3. Febr.(Ein Wirtshausstreit) hatte in dem benachbarten Ruhrdorfe Glössingen böse Folgen. Der Arbeiter Georg B. hatte in einer Wirtschaft einen anderen Arbeiter mit dem er längere Zeit in Zwist lebte, hinterrücks mit einem Dolch in den Kopf gestochen. Der Täter wurde von den anwesenden Gästen niedergeschlagen. Gestern morgen starb B. an den Verletzungen. Vier der Beteiligten wurden heute verhaftet. * Olpe, 3. Febr.(Eine Attacke auf einen Geldschrank) mittels Dynamit unternahmen in der letzten Nacht Einbrecher im Kontor der Ruegenbergschen Fabrik hierselbst. Der Schrank enthielt u. a. 1200 Mark, der Fabrikkrankenkasse gehörig. Das Festlied welches gelegentlich der Feier des„Vereins für Landwirtschaft und Gewerbe“ am Samstag abend seines prächtigen humoristischen Inhalts wegen so außerordentlichen Beifall gefunden hat, sei auch weiteren Kreisen unserer Leserschaft nicht vorenthalten. Wir haben allerdings die Genehmigung des geschätzten Verfassers zur Veröffentlichung nicht besonders eingeholt; hoffentlich wird er uns jedoch unsere Indieskretion nicht allzu übel nehmen. 1. Seid gegrüßt zum frohen Feste, Gäste Ihr aus jedem Ort!.... Fröhlich stimm ich meine Leier Folgend gern dem Dichterwort: „Greift hinein ins Menschenleben, Immer ist es int'ressant"..... :.: Höret denn, was ich für diesmal Hier und dort am Wege fand! 2. War das eine große Dürre In dem jüngst entschwund'nen Jahr! Kahl und braun die Weiden lagen Und die Milch, sie wurde rar. Sollte wieder einmal welken Alles Grün, Ihr lieben Frau'n. : Müßt Ihr einfach länger melken, Dann gibt's Milch, Ihr werdet schau'n! 3. Und es wurde knapp das Wasser, Selbst der Leitung es gebrach. Das Aroma zu erhöhen, Half mit Chlorkalk sanft man nach. Ueberall rümpft man die Nase; Freud' hat nur der Zecher Chor, Daß der Wein vom letzten Jahre Blieb befreit vom edlen Chlor! 4. Auch erhoben sich die Klagen, Daß die Fleischnot sei sehr groß. Und durch Maul= und Klauenseuche Wurd' noch schlimmer dieses Los. Plötzlich bei dem„Amtshaus=Neuhaus“ War die Hülfe siegreich da, Als einstimmig ward' gegründet „Spanferkel=Klub G. m. b. H.“! Es gelang den bisher noch unermittelten Geldschrankknackern, die Panzertür zu sprengen, während sie der eingebauten Kassette nicht beizukommen gewußt haben. Infolgedessen war die Arbeit ohne Erfolg. Der in der Nähe wohnende Fabrikbesitzer Voß hörte morgens gegen 4 Uhr mehrere Schüsse fallen, und als man zum Kontor kam, waren die Fensterscheiben zertrümmert, die Schränke im Kontor standen offen. Die Polizei hat sofort alles abgesperrt und zur Ermittelung zwei Polizeihunde kommen lassen, die aber nichts ausrichten konnten, da sich die Spuren schließlich im Schnee verliefen. * Münster, 3. Febr.(Der Provinzial ausschuß) der Provinz Westfalen hielt eine Sitzung ab, in der u. a. folgendes beschlossen wurde: Von der 6. Ausgabe Schuldverschreibungen des Provinzialverbandes der Provinz Westfalen sollen die beiden ersten Reihen von je 10 Millionen A zur Hälfte mit Januar= und Juli=, zur anderen Hälfte mit April= und Oktober=Zinsscheinen mit einer Verzinsung von 4 Prozent hergestellt und in Verkehr gebracht werden. Dem Provinziallandtage sollen wegen Verwendung der Ueberschüsse des Rechnungsjahres 1910 von 479 252 K folgende Vorschläge gemacht werden: 1. Aus dem Gewinn der Landesbank zur Herabminderung der Provinzialsteuern für 1912 den Betrag von 119 550,37 M zu verwenden. 2. Die bei den Anstaltsrechnungen verbliebenen Bestände von 250,57 A den betreffenden Anstalten zu belassen. 3. Den Bestand der Hauptrechnung von 479 252,81 A zu verwenden, wie folgt: an den Kanalkostenausgleichfonds 50 000 Mk., desgleichen an den Erneuerungsfonds für technische und maschinelle Anlagen 43.803,18 M, für die Kulturen bei Ammeloe 30000 A, dem Provinzialausschuß zur besonderen Verwendung zu überweisen 10 000 MA, zur weiteren Herabminderung der Provinzialsteuern für 1912: 345 449,63 A. zusammen 479252,81 M. Der Haushaltsplan der Westfälischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für 1912 wird zum Betrage von 205000 M genehmigt, der dem Betriebsfonds zugeführt wird. Die nächste Sitzung soll am Sonnabend, den 2. März, nachmittags, dem Tage vor Eröffnung des Provinziallandtages, stattfinden. Gronau i. Westf., 3. Febr.(Mildtätige Stiftungen für Arbeiter.) Geheimrat G. van Delden, der schon mehrfach große Stiftungen für seine Arbeiter machte, stiftete aus Anlaß seines 70. Geburtstages 50000 Mark zum Besten der in Not oder Bedrängnis geratenen Angestellten und Arbeiter seiner Firma. * Werne, 3. Febr.(Tödlicher Unglücksfall.) Gestern morgen erlitt auf der Zeche Werne A 2 durch niedergehendes Gestein der Hauer Otto Pils aus Bünthe einen Genickbruch und Quetschung der Brust und Oberarme. Der Bedauernswerte war sofort tot. Er hinterläßt Frau und 6 Kinder. * Bochum, 3. Febr.(Wegen Meineids verurteilt.) Das Schwurgericht verhandelte heute gegen dien Ehefrau des Arbeiters Heinrich Leithäuser von hier wegen wissentlichen Meieides und gegen den Fruchteishändler Gottlieb Leithäuser aus Gelsenkirchen wegen Anstiftung zu diesem Verbrechen. Der falsche Eid wurde in einer Verhandlung wegen Diebstahls geleistet, der sich 5. Und zu allem Ueberflusse Wurde uns'rer Landwirtschaft Plump=vertraulich und gefräßig Aller Segen hingerafft: Spatzen, Mäuse, alle nahten Sich der Saat unglaublich frech. : Selbst die sanften, netten Tauben Fraßen Halm' und Körner weg!:: 6. Als die Not stieg auf das höchste, War der Retter auch nicht weit: „Dahlbrings Fritz“, der liederfrohe, Erntet hier Unsterblichkeit. Tauben, Spatzen mit Kanonen Schießt er bis zum Morgenrot. ** G r i l l e n, S c h n e c k e n, H a m s t e r, M ä u s e Fährt er mit dem Auto tot!:: 7. Neues Rathaus will erbauen Schwerte, uns're gute Stadt. Altstadt, Norden, Osten, Westen Ueberall man gern es hat. Schwierig ist des Rätsels Lösung. Drum nehmt meinen Vorschlag an: Baut das Rathaus doch auf Rädern Dann gedient ist jedermann! 8. Angefüllt die letzten Wochen Waren von der Reichstagswahl, Rührig sah man da die Männer, Sitzungen gab's ohne Zahl...... Holde Mägdlein, rosig=schöne, Sieht das Auge hier im Saal. :: Schade, daß die Junggesellen Sich enthalten hier der Wahl!:: 9. Doch nun Schluß! Ein Ende haben Muß auch einmal dieses Lied. Wollte nur ein wenig stimmen Froh das Herz Euch und Gemüt! Füllt die Gläser bis zum Rande, Und mit der Begeist'rung Macht :.: Sei Landwirtschaft und Gewerbe Jetzt ein donnernd Hoch gebracht! gegen den Angeklagten Gottlieb Leithäuser richtete und mit dessen Verurteilung endete. Die Geschworenen sprachen beide Angeklagten schuldig und das Gericht verurteilte Frau Leithäuser zu vierzehn Monaten, Gottlieb Leithäuser zu einem Jahr und sieben Monaten Zuchthaus. Wegen der Lage des Falles werden die Geschworenen ein Gnadengesuch für Frau Leithäuser befürworten. * Bochum, 3. Febr.(Der Raub am schalt er.) Vor einigen Wochen wurde am sigen Postschalter dem Lehrling einer Versicherungsgesellschaft ein Geldbetrag von über 6000 Mark entrissen. Der freche Räuber, der bald nachher von seinen Verfolgern ergriffen werden konnte— der Plattenleger Otto Henkel von hier— wurde heute zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt. * Essen, 3. Febr.(Tödliche Unglücksfälle.) Auf der Zeche Joachim in Schonnebeck war der Arbeiter J. Livinski mit der Reparatur einer Koksausdrückmaschine beschäftigt. Er kam dabei der elektrischen Starkstromleitung zu nahe und wurde auf der Stelle getötet.— Der Arbeiter Hemmin aus dem benachbarten Horst=Emscher wurde auf der Strecke Buer=Gladbeck von einer Rangierlokomotive überfahren und sofort getötet. * Neuß, 3. Febr.(Gefährlicher Straßen räuber.) Am hiesigen Hauptpostamte entriß gestern abend gegen 8 Uhr ein etwa 20 Jahre alter Mann einem Mädchen, das Gelder einzahlte, 280 Mark. Auf einen Soldaten und einen Postbeam ten, die den Täter verfolgten, gab er einen Schuß ab, der jedoch sehlging. Der Täter entkam in den städtischen Anlagen und konnte bisher nicht ergriffen werden. Saarbrücken, 3. Febr.(Eine rohe Bluttat) fand jetzt vor der hiesigen Strafkammer ihre Sühne. In Idar im Birkenfeldschen hatte der 19 Jahre alte Edelsteinschleifer Viktor Schupp in einem Streit den Bäckergesellen Hermann Keiner einen wuchtigen Messerstich in die Brust versetzt, an dessen Folgen Keiner kurze Zeit darauf starb. Die Anklage gegen Schupp lautete auf Tötung ohne Ueberlegung. Der Staatsanwalt billigte dem Angeklagten, der sinnlos betrunken gewesen sein will, zwar mildernder Amstände zu, beantragte indes eine Gefängnisstrafe von 1½ Jahren. Das Gericht hielt diese Srafe aber für zu gering und erkannte wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todeserfolg auf drei Jahre Gefängnis. In der Urteilsverkündung wurde vom Vorsitzenden scharf betont:„Leute, die ohne Not ihren Mitmenschen mit dem Messer zuleibe gehen, sind gemeingefährliche Menschen, vor denen die Allgemeinheit geschützt werden muß.“ Diese Ansicht des Gerichts sei schon oft im Gerichtssaal verkündet worden, und Straftaten wie die obige würden immer mit besonderer Strenge geahndet werden. * —— Bunte Chronik. )( Beim Wort genommen. Als der Futtermei ster eines Gutsbesitzers aus Skanderborg(Dänemark) seine Stellung verließ, gab es einen erregten Wortwechsel. Der Gutsbesitzer behauptete u. a., der Futtermeister könnte es auch nicht nur ein Jahr auf einer einzelnen Stelle aushalten; seine beste Kuh würde er hergeben, wenn seine Behauptung nicht wahr wäre. Diese Worte sollte der Gutsbesitzer bald bereuen. Nach 12 Monaten stellte sich nämlich der Futtermeister wieder ein und verlangte die beste Kuh, weil er seinem neuen Brotherrn bereits ein Jahr gedient hätte. Der Gutsbesitzer weigerte sich, der Aufforderung nachzukommen; er wurde jedoch verklagt und gerichtlich dazu gezwungen. )( Zwei heldenmütige Retter. Die beiden Maurer Gebr. Kraft zu Mainz haben 7 Kinder, die beim Eisgang eingebrochen waren, und bereits unter der Oberfläche verschwunden waren, nach gefährlichem, heldenmütigem Kampfe mit dem kalten Element lebend gerettet. )( Schwere Gasexplosion. Im Maschinensaal der Druckerei der Statthalterei zu Prag erfolgte infolge eines Rohrdefektes eine surchtbare Gasexplosion, die die ganze Einrichtung zerstörte. Zwei Personen wurden schwer verletzt. Der Material= schaden ist bedeutend. ) Raubmord. In einem kleinen Hause zu Dagosville bei Cherbourg wurde die Witwe Aubrais ermordet aufgefunden. Dem Mörder waren acht Hühnereier als Beute in die Hände gefallen. ( Wegen zehn Pfennigen drei Jahre Zuchthaus. Vor dem Schwurgericht in Natibor hatte sich der 22jährige, wiederholt wegen Diebstahls mit Gefängnis und Zuchthaus vorbestrafte Grubenarbeiter Johann Koschary aus Koblau bei Ratibor wegen Raubes zu verantworten. Der Angeklagte, der gegenwärtig wegen Mundraubs eine Zuchthausstrafe von eineinhalb Jahren verbüßt, trieb sich im Herbst vorigen Jahres arbeitslos in der Gegend von Natibor herum. Bei seinen Streifereien begegnete er eines Tages einem vierzehnjährigen Jungen, der Grubenlampen zur Neufüllung nach Petershosen bringen sollte. Hierbei soll er dem Jungen mit Gewalt den Betrag von zehn Psennigen abgenommen haben. Der Angeklagte leugnete zwar die Tat mit aller Entschiedenheit, der Knabe aber erkannte ihn mit aller Bestimmtheit wieder. Die Geschworenen verurteilten den alten Zuchthäusler neuerdings zu drei Jahren Zuchthaus und sechs Jahren Ehrverlust. )( Ehedrama. Gelegentlich eines Zechgelages, das der Arbeiter Drewski in seiner Wohnung zu Köpenik veranstaltete, kam es zu einem heftigen Streit zwischen dem Arbeiter und seiner Frau Die Frau trank darauf aus der Petroleumlampe das Brennöl und versuchte sich aus dem Fenster zu stürzen. Sie wurde von einem Gaste daran gehindert, aber Drewski fiel über die Frau her und versuchte sie zu erwürgen. Die Frau wurde tobsüchtig und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Mann wurde von vier Beamten überwältigt. ) Nochmals die Moabiter Krawalle vor Gericht. Vor einem Berliner Zivilgericht begann der Prozeß der Arbeiterwitwe Hermann gegen den preußischen Fiskus auf Zahlung einer Wochenrente von 30 Mark. Das in dieser Verhandlung gewonnene Material soll auf der demnächst stattsindenden Hauptverhandlung Verwendung finden.— Der Ar beiter Hermann war bekanntlich im Spätsommer 1910 bei den Moabiter Krawallen durch Säbelhiebe der Schutzleute ums Leben gekommen. Eine Reihe von Zeugen hat die Sache so dargelegt, als ob Hermann harmloser Passant gewesen sei, der auf einem Gange in den Tumult geraten und da bei als gänzlich Schuldloser von den mit blanker Waffe vorgehenden Schutzleuten niedergeschlagen worden war. Ein Ermittelungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt ist so gut wie resultatlos geblieben. Steuererträge. Für den ersten Anblick wirkt das Bild, das die Statistik der preußischen Einkommensteuer für 1911 entwirft, ja glänzend. Um nicht weniger als 776 Millionen ist im Laufe des vergangenen Jahres das rechnerische Einkommen der Zensiten physischer und nichtphysischer, gestiegen: also um 5½ bei höchstens 1,5 Prozent Bevölkerungszunahme. In gleicher Weise, noch etwas erheblicher, stieg das Veranlagungssoll: von 293,8 auf 308,2 Millionen, das heißt um reichlich 5 Prozent. Bemerkt muß werden, daß die Städte an dieser Steigerung zwar stärker, aber doch nicht wesentlich stärker beteiligt sind als das Land; namentlich gilt dies für die physischen Zensiten. Die Gesamtzahl der Steuerpflichtigen beträgt etwas mehr als 6½ Millionen, mit den Angehörigen also annährend 20 Millionen, die Hälfte der Gesamtbevölkerung; in den Städten schon nahezu zwei Drittel. Denkt man sich die Steigerung des letzten Jahres(keineswegs die größte seit 1892!) im gleichen Prozentsatz fortgesetzt, so ergibt das schon nach 10 Jahren ein steuerpflichtiges Gesamteinkommen von 25 Milliarden und ein Veranlagungssoll— ohne Zuschläge!— von rund 500 Millionen. Tatsächlich war zwischen 1900 und 1911 die Steigerung eine vergleichsweise noch bedeutendere. Was Wunder, daß angesichts dieser Ziffern schon vielfach die Frage erhoben wird: Wozu eigentlich, bei so riefigen automatischem Zuwachs, eine Steigerung der Einkommensteuer? Zumal in einem Etat von über weit 4 Milliarden selbst ein rechnerisches Defizit von mehrmals 10 Millionen doch keine Rolle spielen kann? Beide Gedankengänge sind unrichtig. Zunächst: Die Steigerung des Gesamteinkommens ist nicht ganz so groß, wie sie auf dem Papiere aussieht. Der alte Bestand der Steuerzahler von 1892 her betrug nur 2½ Millionen; jetzt sind es 6½. Das rechnerische Gesamteinkommen der Steuerpflichtigen wuchs also nicht so sehr, weil die ursprünglichen 2½ Millionen wohlhabender geworden sind, als weil 4 Millionen neuer Zensiten hinzugekommen sind. Daß hierin der Hauptgrund der Einkommenzunahme zu suchen ist, ergibt sich einwandfrei aus der Tatsache, daß bis 1905 das Durchschnittseinkommen des Steuerzahlers nicht unerheblich gesunken ist, um seitdem nur langsam wieder zu steigen. Es bestand eben, da im Jahre 1893 kaum der 4. Teil der Gesamtbevölkerung(einschließlich der Angehörigen) Steuern zahlte, ein schier unerschöpfliches Reservoir bisher Steuerfreier, die, über das Existenzminimum hinauskommend, das rechnerische Gesamteinkollmen vergrößern halfen. Heute ist bereits die Hälfte der preußischen Bevölkerung steuerpflichtig. Wird in Zukunft dies Maß noch erheblich überschritten, so erschöpft sich natürlich die unbesteuerte Reserve, und der Zuwachs, wir er in der Steuerstatistik erscheint, nähert sich dem wirklichen Wachstum des Nationalwohlstandes. Jedenfalls lehrt die Erfahrung, daß ein jährlicher Einkommenzuwachs, doppelt so groß als die Quote der Bevölkerungsvermehrung, nur eben hinreicht, mit den Staatsausgaben Schritt zu halten. Schließlich darf man, um die ca. 60 Mill. angeforderten Mehrbedarfes richtig zu beurteilten beim Vergleich nicht vom Brutto=Etat ausgehen. Von den 4 Milliarden dieses Etats kommen 3 nur rechnerisch in Frage. Zählt man dem„reinen“ Staatsbedarf die Ausgaben für Verzinsung und Tilgung der nicht in Eisenbahnen und sonstigen Er werbsinstituten angelegten Schulden zu, so ergibt sich ein Mehrbedarf von 1100 bis 1200 Millionen. von dem die Mehrforderungen immerhin 5 Proz. ausmachen. Steuerzuschläge in der ungefähren Höhe des Entwurfes wird man demnach wohl kaum vermeiden können. Wünschenswert ist freilich, daß dann auch die Arbeit für mindestens 20 Jahre getan ist. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 5. Februar: Vielfach Sonnenschein, milde, teils Nebel. 6. Februar: Kälter, meist Nebel und trübe. Verantwortlich für die Redaktion: Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Shaut 15 S= Wgas s#s 9STSS SSOHESESES K ESSrSAS“ ass#a###. e####g#####g##s S STTPSDGSSST FEggg S êH: PEDSGSEgRG a Treppen mußte er steigen, um zu ihr zu gelangen; und von der ersten Stufe an konnte sie seinen langsamen, schlürfenden Schritt verfolgen. Es schien ihr, als ginge er heute noch langsamer als sonst, als bliebe er noch öfter ausrastend stehen. Und fast ununterbrochen hörte sie ihn husten. Endlich sah sie ihn auftauchen; die magere kleine Gestalt zusammengekrümmt, den Hut in der Hand und den Kopf mit dem spärlichen schlohweißen Haar gesenkt— so schleppte er sich herauf. Ihre Knie zitterten, aber sie zwang sich zu einem freundlichen Gruß. B.. 4.5 „Guten Tag, Herr Sanitätsrat. Wie gut, oaß Sie bei diesem schrecklichen Sturm gekommen sind!“ Er antwortete erst, als er die letzte Stufe überschritten hatte, und auch da mußte er zuvor einen heftigen Hustenanfall überwinden. „Gut!“ wiederholte er grimmig und trocknete sich die Stirn, die feucht geworden war von der Anstrengung des Steigens.„Was brauchen Sie mir's anzurechnen, wenn ich mein Leben um etwas abkürze! Ich habe wenigstens meine Pflicht getan und schleiche mich nicht aus dem Leben mit einer unbezahlten Schuld.“ Er schob sich an ihr vorüber in das Zimmer und sank mit leisen Aechzen auf einen Stuhl, ohne den kostbaren Pelz abzulegen, in den er gehüllt war. Dabei wanderten seine Blicke in der Stube umher, die angefüllt war mit Wäschestücken aller Art. „Wieder am Plättbrett gestanden stundenlang— he?“ fragte er in der vorigen bissigen Art, die noch unfreundlicher und abstoßender war als sonst.„Was meinen Sie wohl, weshalb ich alle acht Tage diese grauenhaften Treppen herauflaufe? Um meine Knochen spazieren zu tragen— he?“ Sie stand ihm gegenüber und preßte wie in stiller Verzweiflung die Handflächen gegeneinander. „Ich weiß, daß Sie sehr gütig gegen mich sind, Herr Sanitätsrat,“ sagte sie leise.„Und ich— ich tue ja auch, was Sie anordnen. Nur arbeiten muß ich freilich, so viel die Kräfte hergeben. Wenig genug ist es, Gott sei's geklagt.“ „Wenig genug! Wenig genug, ja, weil der Tag nur vierundzwanzig Stunden hat. Hat brav für Sie gesorgt, daß Sie sich nicht langweilen, der— der—“ „Herr Sanitätsrat!“ „He—? Hat er noch etwas für Sie getan, nachdem er Ihnen das Kind aufgehängt hatte?“ „Er konnte nichts mehr tun. Er ist ja doch so plötzlich gestorben, und er war ganz gesund vorher.“ Der alte Mann bekam wieder einen heftigen Hustenanfall. Mit der zitternden Rechten öffnete er sich den Rock, um Luft zu haben. „Das ist— das Ende,“ keuchte er.„Es geht herunter mit mir.— Sagen Sie mir doch— wie alt ist Ihr Sohn jetzt?“ „Siebzehn Jahre, Herr Sanitätsrat!— Und er — er müßte sich nun— für einen Beruf entscheiden. Ihr Herz schlug in einem wahnsinnigen Tempo. Sie konnte es nicht sagen— konnte nicht! Wie sollte sie etwas erhoffen von diesem alten Mann, in dessen Zügen nichts zu lesen war von Liebe und Güte. Er tat, als hätte er die letzte Acußerung nicht gehört. „Siebzehn Jahre! Eine lange Zeit— he? Siebzehn Jahre ist er nun auch tot— mein Sohn. Werden mich bald hinausfahren zu ihm, denk ich.“ Solange sie zurückdenken konnte, war dies das erstemal, daß er von seinem Sohne sprach. Und nun wollte sie reden— nun mußte sie reden! Sie trat vor und hob die Hände auf wie zu einer Bitte— einer Bitte um Verzeihung vielleicht. Aber es war, als erriete er ihre Absicht, denn hastig sprach er weiter. „Ist ja auch so plötzlich gestorben— damals, Und wenn er eine Schuld zu zahlen hatte— vielleicht konnte er's nicht mehr. Wenn's einem selbst nahe ist, das bewußte Etwas, so denkt man so allerlei. Und da ist mirs eingefallen, daß er seine Rechnung hier auf Erden vielleicht nicht ausgeglichen hatte, als es. hinunter ging mit ihm.“ Heiß und trocken schluchtze die arme Frau auf. Und vor dem Manne mit dem zerknitterten Gesicht und den harten Augen glitt sie in die Knie— wortlos, ein inbrünstiges Flehen nur in den noch immer schönen Augen. Seine Hände aber krampften sich um ihre Schultern, und er brachte sein Gesicht dem ihren ganz nahe. „Wissen Sie vielleicht von einer solchen unbezahlten Schuld, Frau Riedinger?“ Da löste sich die furchtbare Spannung in ihrer Brust. Tränen rollten ihr über die bleichen, abgehärmten Wangen; aber sie zögerte nicht mit der Antwort. „Nein!— Ich weiß von keiner unbezahlten Schuld — von keiner Schuld, Herr Sanitätsrat!“ Die dürre Gestalt des Greises richtete sich auf. Kerzengerade stand er da. Und es, klang feierlich, als er sagte: „Aber ich weiß, daß seine Rechnung nicht ausgeglichen war, Frau Riedinger— ich habe es gewußt seit siebzehn Jahren!— Weil mich mein Unglück gelehrt hatte, die Menschen zu hassen— darum habe ich geschwiegen bis heute. Aber der Tod ist ein besserer Lehrmeister noch als das Unglück. Was ich Ihnen bis heute nicht verzeihen konnte: daß Sie die Liebe meines Sohnes mehr besessen haben als ich— der Sturm, der mir das Ende verkündet hat, hat mich gelehrt, es zu verzeihen. Und Sie sollen nicht mehr zittern um die Zukunft Ihres Kindes, Frau Riedinger! Das soll meine letzte Freude sein— die einzige seit siebzehn Jahren: meines Sohnes Schuld zu zahlen— und zu sorgen für sein Kind.“ Denkspruch. Die Welt ist wie ein Spiegel; lie gibt jedermanns Wiene getreu zurück. Runzle die Stirn, und lie blickt dir finster entgegen, lache sie an und mit ihr, dann wird sie dir zum frohen und guten Gefährten. Chackeray. 25 Rebus. Walslung dolgt in mächter Nummer) * 183 n. uong 2 8 9 8 S SS S 85 9SSsS S S S. S. S. S.„ y= 8 T u S S 8 F 8 S ea B 50 8 SHTI 9. 8 2 8 2 44. Jahrgang O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt Unterhaliungs=Beilage zu Nr. 30. Montag. 5. Februar 1912. IIn,, 15 Heirat. Roman von L. G. Moberly. (20. Fortsetzunng.)(Nachdruck verboten.) stattlicher Sonnenblumen, die wort.„Der Herr läßt sagen, daß er in geschäftlichen ..: Angelegenheiten kommt und sehr dankbar wäre, wenn ie Reihen st vor kurzem noch so aufrecht im Licht gestanden, wurden jetzt von jedem Windstoß hilflos hin und hergeworfen; die Dahlien, die so stolz in Rot und Gold geleuchtet, hängten jetzt traurig die Köpfe oder lagen abgerissen auf den Beeten; die Gruppen von Herbstastern, an deren blassen Sternen sie sich noch vor kurzem so gefreut hatte, waren vom Regen zusammengeklatscht, und all' ihre hübschen Farben mit Schmutz bespritzt. Ein langer Zweig Kletterrosen war von einer Seitenwand des Hauses abgerissen worden und schlug wie einlaßbegehrend an die Fensterscheiben, und die Terrasse war mit den roten Blättern des wilden Weins bedeckt, die der Sturm vorzeitig heruntergerissen hatte und nun erbarmungslos hin und her peitschte. Angela tat bei dem traurigen Anblick das Herz weh, und sie weinte, auch dem Gärtner müsse es jetzt wohl zuviel des Wassers werden, denn der von ihm mit so viel Sorgfalt gepflegte Garten bot ein Bild der Verwüstung. Aber nicht nur das Zerstörungswerk, das der Sturm in ihrem geliebten Garten angerichtet hatte, machte Angela das Herz schwer, sie litt außerdem an einer tiefen, seelischen Depression, ohne sich über den Grund eigentlich Rechenschaft geben zu können. Es wirkte daher auf sie wie eine Erlösung, als die Klingel an der Vordertür erschallte und die Hoffnung aufkeimen ließ, daß vielleicht doch irgend jemand wagemutig dem Wetter getrotzt haben könnte, um ihr einen Besuch zu machen. So tief war ihre Niedergeschlagenheit, daß ihr selbst das Kommen der ihr sonst so unsympathischen Bürgermeisterin lieb gewesen wäre. Sie trat vom Fenster weg, und ein Lächeln freudiger Erwartung zeigte sich in ihrem Gesicht, als sie nach der Tür zuging, durch die der meldende Diener eben mit einem silbernen Tablett eintrat. Aber die Karte, die darauf lag, war nicht die der Frau Scheibler, und trug auch nicht den Namen einer ihrer anderen Grauberger Bekannten. Mit einigem Befremden las sie: „Bierling, Geheimer Regierungsrat.“ Der Chef ihres Mannes! Er kam hierher zu ihr! Was konnte ihn zu ihr führen, und noch dazu an einem solchen Tage!„„— „Wo ist der Herr Regierungsrat?“ fragte sie den Diener, dem das beinahe fassungslose Erstaunen auf dem Gesicht seiner jungen Herrin natürlich aufgefallen war. „In der Bibliothek, gnädige Frau,“ war die Antgnädige Frau so liebenswürdig sein wollten, ihn zu empfangen.“. erte Anael „Führen Sie ihn hier herein,“ erwiderte Angela, äußerlich ganz ruhig, während in ihrem Innern ein Sturm von Angst und böser Ahnung tobte. Warum kam der Geheimrat? Welche wichtige Angelegenheit konnte ihn veranlaßt haben, heute in Sturm und Wetter von Berlin hierherzufahren? Gewiß brachte er ihr Nachricht von Erich. Schlechte Nachricht? O Gott, was konnte ihm geschehen sein? Sie arbeitete sich in eine solche Aufregung hinein, daß sie tatsächlich vom Kopf bis zu den Füßen zitterte, als die Tür sich wieder öffnete, um dem Geheimrat Einlaß zu gewähren. Er sah sich einer jugendlichen, mädchenhaft aussehenden Frau in einem weichen, blauen Tuchkleid gegenüber, einem armen jungen Ding, das über und über bebte, und dessen entsetzt auf ihn gerichtete graue Augen übernatürlich groß aus dem todblassen Gesichtchen herausstarrten. Sie hingegen erblickte einen hochgewachsenen Mann von annähernd fünfzig Jahren, mit dunkeln durchdringenden Augen, dunklem, schon vielfach mit Grau untermischtem Haar und einem so ernsten Gesichtsausdruck, daß sie tief erschrak, trotzdem bei ihrem Anblick ein freundliches Lächeln für einen Augenblick seine Züge erhellte. Sie machte einen raschen Schritt auf ihn zu, und ohne ihn erst zu begrüßen, rief sie atemlos: „Sie sind doch hoffentlich nicht gekommen, um mir schlechte Nachrichten von meinem Mann zu bringen?“ Erich Martens Frau war so ganz anders als Herr Bierling sie sich vorgestellt hatte, und ihre Frage kam so unvorbereitet, daß er eine sekundenlange Pause machte, ehe er antwortete, und dann kam eine Antwort, von der Angela instinktiv fühlte, daß sie anders war, als er beabsichtigt hatte. komme, gnädige Frau,“ sagte er zögern! Sie zu fragen, ob Sie mir irgendeine Auskunft über den augenblicklichen Aufenthalt Ihres Gatten geben können, und dann auch— leider— um Ihnen etwas zu sagen, das— das nicht gerade angenehm ist und Sie vielleicht erschrecken wird.“ Herr Bierling, dessen Rednertalent von jeher bewundert worden war, stammelte und stotterte wie ein Schuljunge unter dem angstvollen Blick der grauen Augen, die auf ihn geheftet waren, und er wünschte * 5 552 S 9— * 5 * Sg #gE ##- OÖETPTES TSDSE S 2 S 851. " 5 *"".——* * OgnnE * S G S S 22 S S * 5 S 5 5 S SEREU a 8 SIEEE * 9 *„EE E SSD/ S S gsp0: S 53— 2 505 #. * 2 n•E 4 T GESTGTEGE * 0 SBERATTN *— * 8 ##Eg *** F SLR 9 von ganzem Herzen, er hätte sich der schwierigen Aufgabe nicht unterzogen, die vor ihm lag. In ihrer Aufregung hatte Angela wezegzen a# sucher zum Sitzen aufgefordert, noch sich sez..g.„ und so standen sie beide am Ofen, blickten einunver in die Augen und vergaßen es ganz, auf die gewöhnlichen Höflichkeiten des Lebens zu achten. „Etwas Unangenehmes?“ wiederholte Angela, „wollen Sie damit sagen, vaß mein Mann in Gefahr oder gar krank ist?“„ „N—nein, das nicht, versegzte der Geheimrat zögernd.„Wir haben gar keine Nachricht von Herrn Martens. Wir haben seit Wochen nichts von ihm gehört, aber daran ist nichts Auffallendes. Sie wissen ja wohl, daß er nicht im offiziellen Auftrag der Regierung nach Afrika gegangen ist, wenn wir ihm auch annen außergewöhnlichen urlaub bewilligt haben, um gewisse Nachforschungen im Hinterland von Marokko anzustellen. Er handelt also wohl im Interesse des Landes, aber ganz unabhängig, und wir erwarten daher auch keine amtlichen Berichte von ihm. Aber—“.„ „Aber!" rief Angela ungeduldig, denn der weheimrat brach ab, hustete, räusperte sich und schwieg dann, ganz, als ob es ihm unmöglich sei, reden.„Warum zögern Sie? Was ist geschehen? So spannen Sie mich doch nicht auf die Folter!“ Sowohl sie wie der Geheimrat standen noch genau da, wo sie zuerst gestanden, noch immer war der jungen Frau nicht der Gedanke gekommen, dem Vorgesetzten ihres Mannes einen Stuhl anzubieten. Alle ihre Gedanken waren bei Erich, ihr Herz klopfte hörbar, und ihre Stimme klang scharf vor unterdrückter Angst. Und als Bierling noch immer schwieg, fuhr sie fort:„Weshalb sind Sie hergekommen? Wenn Sie an einem Tag, wie der heutige, die Reise von hierher machten, so muß dies einen sohr ernsten Grund haben. Was ist es, Herr Geheimrat? Sprechen Sie, ich bitte Sie, erlösen Sie mich aus dieser furchtbaren Ungewißheit! A.— fahr Grnstas“ „Es handelt sich aueruings um erwas sehr Ernsies, sprach der Geheimrat endlich in sehr sanftem Ton,„und ich fürchte, es wird ein schwerer Schlag für Sie sein. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, es tut mir furchtbar leid, daß ich deshalb zu Ihnen kommen mußte, aber ich hoffte, Sie könnten mir Nachrichten von Ihrem Mann geben, die die Sache in einem andern Licht erscheinen lassen würden?" „Die Sache? Welche Sache?“ fragte Angela mit bebender Stimme. „Es ist eine sehr ernste Sache, gnavige Frau,“ war die Antwort.„.z.J. I. Ihrin askammen S „Es ist unserer Behörde zu Ohren gekommen, vaß kürzlich Skizzen, Aufzeichnungen und Karten von höchster Wichtigkeit an eine fremde Regierung verkauft worden sind. Der Verräter kann aber nur eine Persönlichkeit sein, die im Auswärtigen Amt, und zwar in meinem Ressort eine Vertrauensstellung einnahm.“ Angelas Augen hefteten sich immer angstvoller auf den Sprecher, und er fuhr zögernd fort: „Es tut mir furchtbar leid, Ihnen sagen zu müssen, daß wir unumstößliche Beweise haben, daß derjenige, der die Papiere verkauft hat, kein anderer sein kann, als— Ihr Gatte,— Herr Erich Martens.“ Wenn Angelas Gesicht schon vorher totenblaßgewesen, so wurde es nach diesen Worten noch blasser und nahm einen fast grünen Schein an, ihre Hände griffen krampfhaft nach einer Stuhllehne. Alles Leben schien aus ihr gewichen, das Sprechen war ihr unmöglich, und die Augen starrten ohne Ausdruck geradeaus. Doch plötzlich, während der Geheimrat noch mit tiefem Mitleid auf sie blickte, verloren die Augen den leeren Blick, zornig blitzte es in ihnen auf, dunkle Röte überflog das bleiche Gesicht und sie rief ungestüm:„Es ist nicht wahr! Es kann nicht wahr sein! Mein Mann ist kein Landesverräter! Wie kommen Sie zu dieser unerhörten Beschuldigung?“ Ei n g. 15 Ihr Anblick erinnerte ihn an eine Tigerin, die ihre Jungen verteidigt, und er konnte sich nicht enthalten, sie zu bewundern, wie sie hochaufgerichtet mit blitzenden Augen und bebenden Lippen vor ihm stand. „Unerhört!“ wiederholte sie nachdrücklich. „Ich kann mir wohl denken, daß es Ihnen so scheinen muß," antwortete er ruhig und seine Worte vorsichtig wählend,„und ich kann Ihnen nur wiederholen, es tut mir furchtbar leid, daß ich hierherkommen mußte, um Ihnen diesen Schmerz zu bereiten. Ich tat es sehr ungern, und ich fühle die größte Sympathie für Sie, denn—“ fügte er weich hinzu,„ich hatte wirklich eine innige Zuneigung zu Ihrem Gatten— „Sie hatten eine innige Zuneigung zu ihm?“ unterbrach die junge Frau bitter. „Gnädige Frau,“ antwortete ihr Besucher entschuldigend,„versuchen Sie einmal, sich an meine Stelle zu setzen. Ich habe die Entdeckung gemacht, daß ein Mann, dem ich unbedingtes Vertrauen entgegenbrachte, dies Vertrauen nechweislich mißbraucht und sich des verachtungswürdigsten Vergehens, des Landesverrats, schuldig gemacht hat. Muß meine Zuneigung zu diesem Mann nicht ein Ende nehmen? Muß ich ihn nicht aus meinem Herzen reißen, auch wenn es mir schwer fällt? Begreifen Sie das nicht?“ „Gewiß begreife ich, daß Sie einem solchen Mann kein Vertrauen mehr schenken können, daß Sie ihn verachten müssen," erwiderte Angela heftig,„aber Erich Martens ist dieser Mann nicht, er hat sein Vaterland nicht verraten! Der bloße Gedanke ist eine Beleidigung!“ Sie hob stolz den Kopf und dachte an das energische Profil des Mannes, der ihr am Altar Treue geschworen hatte.„Nein,“ sagte sie dann bestimmt, „nein, Herr Geheimrat. Erich Martens ist kein Landesvricter“ Ae ul eushen un „Ich bedauere tief, daß ich Ihren Glauben un ion zerstören muß,“ entgegnete Bierling, und seine Stimme hatte einen traurigen Klang,„aber, gnädige Frau, man kann nicht zweifeln, wo die Tatsachen so deutlich sprechen. Ich werde Ihnen die Sache genau zu erklären versuchen. Die Papiere, um die es sich handelt, die einer fremden Regierung verkauft wurden, lagen in einem verschlossenen Schrank in meinem Privatzimmer, einem Schrank, zu dem Ihr Gatte, bei dem großen Vertrauen, das ich ihm entgegenbrachte, leicht den Schlüssel erlangen konnte. Halt! unterbrechen Sie mich nicht, lassen Sie mich zu Ende kommen. Vor mehreren Monaten verschwanden die Papiere plötzlich aus dem Gefach, in dem sie stets lagen, und trotz eifrigen und gewissenhaften Suchens konnten wir keine Spur davon entdecken. Zuerst fiel kein Verdacht auf Herrn Martens, aber seit etwa einem Monat habe ich die untrüglichsten Beweise, daß er es war, der die Papiere stahl, um sie jener fremden Macht zu verkaufen. Es ist leider kein Zweifel mehr möglich.“ „Es kann nicht wahr sein,“ erwiderte Angela leise. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich mich freuen würde, wenn es nicht wahr wäre," versetzte der Geheimrat ernst.„Aber wie ich schon bemerkte, es ist leider kein Zweifel mehr möglich. Die Verdachtsgründe gegen ihn waren so schwerwiegend, daß wir uns veranlaßt sahen, in seiner Stadtwohnung Haussuchung abzuhalten, und da— ich kann nicht anders, ich muß es Ihnen sagen, gnädige Frau,— da fanden sich die vermißten Papiere in seinem Schreibtisch!“ „In seinem Schreibtisch? In Erichs Schreibtisch?“ „Ja, leider! Sie steckten ganz hinten in der Schublade unter einer Menge anderer Dinge, und dabei lag ein chiffrierter Brief von eben jener Regierung, ein Brief, dessen Echtheit über jeden Zweifel erhaben ist.“ (Fortsetzung folgt.) urustslöluse=ssbighulubsch Ueber die Marmorschätze in Deutsch=Südwestafrika. Die Marmorlager, die auf der ganzen Welt nicht ihresgleichen haben, treten nahe bei Swakopmund und auf den Gebieten Habis, Karibib, Navaohab und Kubas in massiven, mächtigen Bergketten zutage, die sich in einer Höhe von 350 Metern und Breite von 1 Kikometer viele Kilometer weit erstrecken. Während der Marmor bisher nur in Schichten und Bänken von höchstens 3 Meter Dicke brauchbar war, bestehen die südafrikanischen Marmorberge ganz aus nutzbarem Marmor, so daß viele Milliarden Kubikmeter gesunden Marmors dem Abbau zur Verfügung stehen. Das Material erlaubt es, Blöcke in jedem gewünschten Umfang zu brechen, was von Wichtigkeit ist, da mit der Größe der Blöcke ihr Wert sich ganz wesentlich erhöht. Ganz hervorragend ist auch die Qualität der neuen Marmorsorten, von denen schon über 100 verschiedene Sorten in den schönsten Färbungen festgestellt sind. Nach dem Urteil von Marmorsachverständigen wird sich für diese teueren reichfarbigen Marmorsorten, die zur feineren Innendekoration gebraucht werden, ein sehr hoher Preis, bis zu 1000 für den Kubikmeter, erzielen lassen. Die Art der Gewinnung des südwestafrikanischen Marmors wird keine Schwierigkeiten ergeben, da die glatten, massiven Hügel einen Abbau zu ebener Erde gestatten, während z. B. in Carrara das Material unter großen Schwierigkeiten in mit Geröll bedeckten Bergschluchten gewonnen wird. Der Transport bis zum Meere wird durch die unmittelbare Nähe der Staatsbahn und der Otavibahn, die beide auf der Strecke von Swakopmund nach Karibib die Marmorfelder durchschneiden, sehr erleichtert. Die Ausbeutung des Marmors wird von dem„Afrika-Kolonial=Marmor=Syndikat“, das sich zu diesem Zwecke gebildet hat, mit Hilfe der modernsten Maschinenanlagen betrieben werden, doch wird die Lösung der Arbeiterfrage große Schwierigkeiten bereiten. Man rechnet mit einem jährlichen Abbau von 9000 Kubikmetern Marmor im Verkaufswerte von nahezu 3 Millionen Mark. Es ist abzuwarten, bemerkt die„Umschau“ hierzu, ob die Wünsche und Erwartungen, die sich an unseren südwestafrikanischen Marmor knüpfen, voll erfüllt werden. In geologischer Hinsicht ist jedenfalls der in massiven Bergketten auftretende Marmor von höchstem Interesse, und es ist auch wohl kaum daran zu zweifeln, daß in absehbarer Zeit eine industrielle Verwertung dieses einzigartigen Naturschatzes möglich sein wird. Unbezahlte Schuld. Skizze von Lothar Brenkendorf. (Na#or: verboten.) Zum zehnten Male wohl im Laufe des Vormittags trat Frau Martha Riedinger an das Fenster und starrte hinaus durch die regennassen Scheiben. Er wollte nicht nachlassen, dieser entsetzliche Sturm. Der Wind heulte und pfiff durch die Straßen, zerriß die Wolken am Himmel in grauschwarze Fetzen und peitschte den Regen prasselnd gegen die Fenster. Die Bäume unten, die neben dem Fahrdamm kümmerlich genug ihr Dasein fristeten, bogen und schüttelten sich ächzend, und ihre Aeste wurden fortgerissen in den wilden Hexentanz, wirbelten durch die Luft und fielen in die Wasserlachen, die sich überall gleich kleinen Seen bildeten. Wenn er nicht käme— wenn er gerade heute nicht käme! Es war sein Tag, den er kaum jemals versäumt hatte, so lange sie zurückdenken konnte. Aber er hatte sich seit langem krank gefühlt— und er würde sein Haus kaum verlassen bei diesem Wetter. Und noch einmal acht Tage warten auf die Entscheidung— noch einmal acht Tage und acht endlose Nächte kämpfen und ringen und zittern vor der Ungewißheit— es dünkte sie unerträglich. Unerträglich, daß nichts als ein Wettersturm noch einmal die Ausführung eines Entschlusses verzögern sollte, zu dem sie sich endlich durchgerungen, nachdem sie sich siebzehn Jahre lang damit getragen hatte. Wie oft in diesen zwei Jahrzehnten des Elends und der Not, wenn sie ihn hatte vor sich sitzen sehen, hatte sie anheben wollen mit ihrem Geständnis. Aber er selbst hatte ihr ja immer den Mut genommen. Wenn er harte Worte sprach über den Vater ihres Kindes, wenn er ihn schonungslos verurteilte, den Mann, der ihr der Liebste gewesen war auf Erden— wie konnte sie ihm da die Wahrheit sagen! Verteidigen konnte sie ihn wohl, der sich nicht mehr selbst verteidigen konnte. Aber zu dem andern fehlte ihr die Kraft. Nun aber mußte es sein. Ihres Kindes Schicksal hing ja davon ab. Siebzehn Jahre war Herbert alt, und er hatte sich eine Laufbahn zu wählen. Wenn diese Wahl nach den Mitteln seiner Mutter auszufallen hatte, so konnte wohl keiner von den hochfliegenden Träumen in Erfüllung gehen, die seine junge Brust bewegten. Dafür, daß er eine gute Schule hatte besuchen können, war Frau Martha Riedinger tätig gewesen vom Morgen bis in die Nacht; Ersparnisse aber hatte die arme Frau nicht dabei machen können. Und eine weitere Ausbildung des Sohnes würde viel Geld kosten— viel mehr Geld, als die Mutter aufbringen konnte. Und es mußte doch sein— er solle kein Handwerker werden, ihr Sohn, nur weil sein Vater gestorben war, ehe er die Frau, die sich ihm hingegeben in schrankenloser Liebe und schrankenlosem Vertrauen, zu seinem Weibe hatte machen können auch vor dem Gesetz und vor den Menschen. Siebzehn Jahre lang hatte sie darunter gelitten, aber niemals, nicht in der Stunde der größten Not, hatte ihr Herz einen Vorwurf erhoben gegen den Toten. Und sie hatte ihn verteidigt gegen jeden, der ihn angriff, der ihm die Schuld zuschieben wollte an ihrem Elend. Seinen Namen aber wußte nur sie selbst. Bis zu dieser Stunde; denn heute mußte sie ja preisgeben, was sie so lange als ihr Geheimnis gehütet hatte— um des Kindes willen. Wenn sie an den Mann dachte, von dem die Zukunft ihres Kindes abhing, an sein hartes, verbittertes Gesicht, an seine heisere Stimme und an das, was er zu sprechen liebte, so schnürte sich ihr das Herz zusammen in bitterster Angst. Und es flüsterte doch eine Stimme in ihr: er kann so hart und so mitleidlos nicht sein, wie er sich den Anschein gibt. Weshalb auch wäre er sonst siebzehn Jahre lang allwöchentlich zu ihr gekommen, um als Arzt nach ihr und ihrem Kinde zu sehen, ohne jemals einen Pfennig dafür zu fordern! Er war niemals freundlich gegen sie gewesen und immer hart und häßlich gegen den ihm unbekannten Mann, der nun schon so lange unter dem Rasen schlief. Aber er war doch gekommen. Vielleicht war er gut und selbstlos unter der häßlichen Maske, die er gegen die Menschen annahm— vielleicht trug er diese Maske nur um seines Unglücks willen. Denn auch er hatte ja viel Unglück tragen müssen; sein Weib hatte er verloren, als sie einem Sohn das Leben gegeben hatte, und dieser Sohn, den er wohl mehr geliebt hatte als sich selbst, der Arzt gewesen war wie er, war an einer Blutvergiftung geSie fuhr zusammen und preßte beide Hände auf die Brust. Das war sein Wagen, der da um die Ecke bog— er kam— kam trotz des Sturmes. Und die Entscheidung mußte fallen. Sie eilte an die Wohnungstür und öffnete. R Vier Seite Schwerter Zeitung. Amtliches Kreisblatt. Montag, den 5. Februar 1912. Nr. 30. gelbten Praxis. Bergbauverein und Zechenverdand haben bisher auf Lohnforderungen der Bergarbeiterorganisationen stets den Standpunkt vertreten, daß die Lohnfrage von den einzelnen Zechenverwaltungen selbständig geregelt werden müsse. Die jetzige Sinnesänderung, die man im Interesse des sozialen Friedens nur lebhaft begrüßen kann, bedeutet also einen beträchtlichen Fortschritt in der Erledigung von Lohnfragen im Ruhrbergbau. Man geht wohl nicht sehl in der Annahme, daß die Zechenorganisationen mit der Absicht, allgemeine Lohnaufbesserungen herbeizuführen, den Forderungen auf Lohnerhöhungen, die ja von den Bergarbeiterverbänden mit Sicherheit zu erwarten waven, zuvor kommen will. Außerdem mag auch der Umstand mit gesprochen haben, daß man mit freiwilligen Lohnerhöhungen nicht nur die bisher vielfach an der vorgenommenen Erhöhung der Kohlenpreise geübten Kritik zurückweisen, sondern auch die Position der preußischen Regierung hinsichtlich des engen Anschlusses der fiskalischen Ruhrzechen an das Syndikat stärken könne. Schließlich dürfte man sich auch der Erwartung hingeben, daß durch Lohnerhöhungen, die von den Zechen aus freien Stükten gewährt werden, der immerhin nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit liegenden Gefahr des Uebergreifens eines etwa in England ausbrechenden Streikes der Bergleute auf das Ruhrgebiet vorzubeugen. — Westsalen und Rheinland * Hörde, 3. Febr.(Richt ganz geistig normal) scheint der 26jährige Invalide Peter Stein zu sein. In der letzten Nacht sprang er plötzlich, nur mit dm Hemd bekleidet, aus dem Fenster seines im zweiten Stockwerke belegenen Schlafzimmers in die Papengasse, ohne Schaden zu nehmen. In der Benninghoferstraße wurde er von einer Schutzmannspatrouille aufgegriffen; man hing ihm einen Mantel um und führte ihn zu seiner Schlafstelle, damit er sich ankleiden konnte. Die Polizei nahm ihn mit und sorgte vorläufig für seine Sicherheit. * Oberhausen, 3. Febr.(Vielverspre chend.) Tausend Mark in 48 Stunden durchgebracht hat ein erst 14 Jahre alter Kaufmannslehr= lin Marx von hier, den die Kriminalpolizei in Berlin festnahm. Beamten fiel es auf, daß der kaum der Schule entwachsene Jüngling in einem Lokal mit Damenbedienung den Lebemann zu spielen suchte, indem er mit dem Gelde nur so um sich warf. Auf der Wache stellte sich heraus, daß er das Geld seinem Lehrherrn in Oberhausen unterschlagen und damit die Flucht ergriffen hatte. Zuerst war er von seiner Heimatstadt nach einer größeren Stadt in Westdeutschland gefahren, die er um 600 Mark erleichtert wieder verließ. Mit dem übrigen Gelde wollte er dann die Reichshauptstadt erstürmen. Er fuhr schnurstracks nach Berlin und stürzte sich hier gleich kopfüber in das Vergnügen. Er wurde in Anbetracht seines Alters dem Jugendgericht überwiesen. * Menden 3. Febr.(Balve erreicht!) Mit Riesenschritten schreitet die Schienenlegung im Hönnetal voran; noch ehe die neue Woche beginnt, wird Balve mit dem Gleise erreicht sein und dadurch die Hoffnung auf pünktliche Einhaltung der Fertigstellungsfrist neu belebt werden. * Silberg(Sauerland), 3. Febr.(Glück i Anglück) hatten drei Arbeiter, welche sich hier in zwei Wagen der in Bewegung befindlichen Drahtseilbahn befanden. Von letzterer brach ein Mast, und, um nicht zerrissen zu werden, mußten die Leute freiwillig den 14 Meter tiefen Sprung in die Tiefe machen. Zum Glück befanden sich die Leute über einer Wiese, sodaß der Anprall sehr abgeschwächt wurde, und so kamen sie mit verhältnismäßig geringen Verletzungen und dem Schrecken * Soest, 3. Febr.(Eine Warnung für Wirte) enthält das Urteil der Schöffengerichtsverhandlung gegen einen hiesigen Restaurateur, der das Plakat„Trost für Zecher“—„Was jeder mann vom Alkohol wissen muß“, und kleine Schmähplakate gegen die Abstinenzler in seinen Räumen geduldet hatte. Die Polizei hatte Strafantrag gestellt und der Wirt wurde mit 10 A Strafe bedacht. * Köln, 3. Febr.(Einer Falschmünzerbande) ist man in Kalk und Mülheim=Rhein auf der Spur. Dort sind wiederholt in Wirtschaften falsche ½, 1 und 2 Markstücke ausgegeben worden. Ein Angehöriger der Bande, ein Arbeiter, ist festgenommen. Zwei andere, noch unbekannte Männer sind bei der Verfolgung durch Beamte entkommen. Hoesch. Der nachfolgende Geschäftsbericht wurde vom Vorstande erstattet und ergab ein äußerst günstiges Bild über das abgelausene Geschäftsjahr. — Letzte Drahtmeldungen. Sport. Dortmunder Renn=Verein E. V. Gestern fand im Hotel zum Römischen Kaiser die diesjährige Seneralversammlung des Dortmunder Renn=Verein E. B. statt. An Stelle des auf seinen Wunsch aus dem Vorstand ausgeschiedenen Herrn Freiherrn v. Romberg wurde Herr Graf F. E. Metternich zum 1. Vorsitzuden seitens der Versammlung vorgeschlagen. Der Herr Graf bat aus technischen Gründen von seiner Wahl Abstand zu nehmen und schlug den Herrn Oberbürgetmeister Dr. Eichhoff zum 1. Vorsitzenden vdr. Der Herr Oberbürgermeister wurde einstimmig gewählt. Dem Präsidium gehören nunmehr an die Herren: Oberbürgermeister Dr. hoff. Graf T. E. Metternich und Konsul Robert Russische Friedensvorschläge. Frankfurt a. M., 5. Febr. Der Frankfurter Ztg. wird aus Konstantinopel telegraphiert: Nach Informationen, die der Pforte zugegangen sind, bereitet Rußland einen neuen Vermittelungsversuch zwischen Italien und der Türkei vor. Der Ausgang der Verhandlung soll die Vereinbarung eines Wassenstillstandes zwischen den beiden kriegführenden Staaten bilden. Wenn der Waffenstillstand angenommen worden ist, sollen beide ihre Kontingente vom Kriegstheater zurückziehen. Dann dürfte erst über die Basis eines Friedensschlusses verhandelt werden. Die Pforte und ebenso alle militärischen Kreise stehen solchen Absichten durchaus ablehnend gegenüber. Sie erheben den Einwand, daß, falls die Verhandlungen nicht zu einem günstigen Abschluß führen und die Feindseligkeiten wieder aufgenommen werden müßten, die Türkei später außer Stande sei, ihre aus den afrikanischen Provinzen zurückgezogenen Truppen wieder dorthin zu expedieren. 23 Grad Kälte. Kuxhaven, 5. Febr. Gestern ist hier mit 23 Grad Kälte der kälteste Tag gewesen, der seit Menschengedenken verzeichnet wurde. Die Kälte hält bei klarem Himmel und Ostwind an. Infolge Kälte ist der Eisgang auf der Unterelbe so schwer, daß der seewärt gehende Schiffsverkehr fast gänzlich stockt. Verurteilung von Juweten vieben. Hamburg, 5. Febr. In dem Monstreprozeß wegen zahlreicher Juwelendiebstähle im Sommer 1916, der 23 Angeklagte vor die hiesige Strafkammer führte, wurde gestern nach fünftägiger Verhandlung in später Abendstunde das Urteil gefällt. Die Hauptangeschuldigten, Kontorbote Strake und der Arbeiter Neunzig, wurden zu je 5 Jahren Zuchthaus, zwei andere Angeklagte zu je 9 Monaten Gefängnis, zwei mitangeklagte Frauen zu je 5 Monaten Gefängnis, andere Angeklagte zu geringeren Strafen verurteilt. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Die Diebe hatten bei einem ihrer Diebeszüge Pretiosen im Werte von nicht weniger als 166 000 Mark erbeutet. Schiffim Eisefest! Stettin, 5. Febr. In der Kolberger Bucht liegt der englische Dampfer„Sultan" im Eise fest. Die Mannschaft leidet sehr unter dem Mangel an Kohlen und Provinant. Arbeiterversicherung in der Schweiz. Bern, 5. Febr. Das Schweizer Volk hat das Bundesgesetz betr. Einführung der Versicherung der Arbeiter gegen Krankheit und Unfall gegen 236 000 Stimmen angenommen. Alle deutschsprechenden Kantone außer Appenzell und Thurgau stimmten dafür, alle französischsprechenden dagegen. Die erste Vorlage war im Mai 1900 mit einer Mehrheit von nahezu 200 000 S1 men abgelehnt worden. Fabrikbrand. Kopenhagen, 5. Febr. Die Helfingör Gades Zuckerraffinerie ist durch einen Brand, der in der Nacht zum Sonntag ausbrach und das ganze Häuserviertel bedrohte, vollständig eingeäschert worden. Das Feuer ist jetzt begrenzt, dürfte aber im Zuckerlager noch mehrere Tage andauern. Der bisherige Brandschaden wird auf zwei Millionen Kronen geschätzt. Manöverunfall. Kiew, 5. Febr. Während der Manöver im Tyretzkilager bei Kien platzte unerwartet ein Schrapnellgeschoß. Fünf Mann wurden verwundet, zwei davon sind gestorben. Strenge Kälte. Tobolsk, 5. Febr. Während der letzten zwei Tage sind im Iphimbezirk 18 Menschen und sieben Pferde erfroren. 30 Personen sind durch einen Schneesturm verschüttet worden. Ihre Ausgrabung ist in Angriff genommen worden. Unruhen auf Kreta. Paris, 5. Febr. Aus Canea auf Kreta wird dem„Matin“ gemeldet: Eingeborenenbanden durchstreifen die Insel und massakrieren unterschiedslos Christen und Mohammedaner. In den Dörfern herrscht Anarchie.— Wie es heißt, hat die beschlossen, bei den Schutzmächten Schritte gegen die neuerlichen Treibereien auf Kreta zu unternehmen. Todessturz eines Fallschirmerfinder s. Paris, 5. Febr. Einen schrecklichen Tod fand gestern ein Fallschirmkonstrukteur, der Damenschneider Franz Reichelt, ein geberener Oesterreicher, der sich von der ersten Etage des Eiffelturmes aus einer Höhe von 69 Meter hinabstürzte, um die Zuverlässigkeit eines von ihm erfundenen Fallschirmes für Aviatiker zu erproben. Als N. vor einer Anzahl geladener Gäste hinab sprang, versagte der Apparat und der Erfinder stürzte senkrecht in die Tiefe. Mit zerschmetterten Gliedmaßen blieb er tot liegen. Reichelt hatte in Paris ein gutgehendes Geschüft inne. Das Bombardement von Hodeida durch die Italiener. Paris, 5. Fedr. Die Nachricht von dem Vom bardement von Hodeida, wo nach einer Meldung der Libertee die Italtener die Niederlassung der französischen Bahnbangesellschaft beschossen haben, um die Räumung zu erzielen, hat hier neue Unruhe erweckt. Amtlich ist die Nachricht noch nicht bestätigt, doch nimmt man an, daß sie— allerdings mit einigen Uebertreibungen— wahr ist. Danach haben also die Italiener am 27. Januar die Beamten des französischen Jemens aufgefordert, den Hasen von Hodeida zu räumen. Als die Beamten nach 5 Tagen dem Befehl nicht gefolgt sind, haben die italienischen Kanonenboote den Hasen bombardiert und durch ihr Feuer an den Gebäuden der Gesellschaft einen Schaden von 12 Millionen Franks angerichtet. Hodeida steht in direktem Telegrammverkehr, so daß man sich über das Fehlen einer amtlichen Nachricht wundern muß. Die franz. Untertanen sind dem Schutze eines griechischen Kaufmanns anvertraut. Lleyd Seorge über die Beziehungen zu Deutschland. London, 5. Febr. In der Rede, die gestern Lloyd George, den viele als den Ministerpräsidenten der nächsten Zukunft bezeichnen, im City Liberal Club hielt, sagte er über die Beziehungen zu Deutschland: Die Marokkofrage, eine ständige Quelle der Erregung u. Verbitterung zwischen den Nationen, ist geregelt. Es ist ein Abkommen geschlossen worden, das Frankreich und Deutschland in gleicher Weise Vorteile bringt und die britischen Interessen nicht schädigt. Ich glaube, es liegt im Interesse Frankreichs, Deutschlands, Rußlands und Großbritanniens, daß ein besseres Verhältnis zwischen den Nationen erzielt wird, und ich glaube, daß es mit Aufrichtigkeit, Freimütigkeit und Unerschrockenheit wohl erzielt werden kann. Die Welt würde besser und reicher werden. Die Steuern könnten eingeschränkt werden, was man an Rüstungen sparen würde, könnte für die Entwickelung der Hilfsquellen des Landes, der Verbesserung der Lebenshaltung des Volkes Verwendung finden. Der Eckstein einer gesunden Finanz ist Friede auf Erden und guter Wille unter den Menschen. Eine solgenschwere Explosion. Täbris, 5. Febr. In der Zitadelle erfolgte bei der Wegschaffung beschlagnahmter persischer Geschosse eine Explosion. Ein Offizier und fünfzehn Soldaten wurden getötet, sieben Personen sind verGedenkei der bungernden Vögel ruht, für sie die Vorschriften der N. V. O. über Ruhen der Rente vom Tage des Inkrafttretens dieser Vorschriften an; in solchen Fällen ist seitens der Landesversicherungsanstalt neuer Bescheid zu erteilen. Diejenigen Personen, deren Invaliden= oder Altersrente gemäß Paragraph 48 Abs. 1 Ziffer 2 infolge Bezuges von Pensionen oder Wartegeldern usw. ruht und die bis jetzt noch keinen neuen Bescheid erhalten haben, werden hiermit aufgefordert, die Auszahlung der ruhenden Rente beim unterzeichneten Magistrat oder bei der Landesversicherungsanstalt Westfalen zu Münster i. W. zu beantragen. Schwerte, den 30. Januar 1912. 810. Der Magistrat: Rohrmann. Bekanntmachung. Aufhebung der landespolizeilichen Anordnung vom 19. Januar dieses Jahres, betreffend Bekämpfung der Maul= und Klauenseuche in dem Viehbestande des Landwirts Georg Wilke zu Hacheney, Landkreis Hörde. wundet worden. * Nachdem die Maul= und Klauenseuche in dem Viehbestande des Landwirts Georg Wilke zu Hacheney, Landkreis Hörde, erloschen ist, hebe ich die unterm 10. Januar dieses Jahres erlassene landespolizeiliche Anordnung über die Bekämpfung der in dem genannten Viehbestande ausgebrochenen Maul= und Klauenseuche hiermit auf. Arnsberg, den 31. Januar 1912. 824. Der Regierungs=Präsident. J. A. gez.: Haxter. Wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Hörde, den 2. Februar 1912. Der Landrat. I. V. gez.: Büscher, Kreis=Sekretär. Dortmunder Stadttheater Montag, 5. Febr., abends 7½ Uhr:„Freund Fritz“. Ländliches Sittengemälde v. Erckmann=Christian. Dienstag, 6. Febr., abends 7½ Uhr:„Carmen“ Große Oper von Georges Bizet. Mittwoch, 7. Febr., abends 7½ Uhr:„Wallensteins Tod“. Trauerspiel von Friedrich von Schiller. Donnerstag, 8. Febr., abends 7½ Uhr:„Zar und Zimmermann.“ Komische Oper von Albert Lortzing. Freitag, 9. Febr., abends 7½ Uhr:„Die Haubenlerche“. Schauspiel von Ernst von Wildenbruch. Sonnabend, 10. Febr., abends 7½ Uhr:„Faust und Margarete. Oper von Charles Gounod. Sonntag, 11. Febr., nachmittags 3½ Uhr:„Die Rabensteinerin.“ Schauspiel von Ernst von Wildenbruch. Abends 7½ Uhr:„Eva“. Operette von Franz Lehar. —— Stadttheater Hagen. Dienstag, 6. Febr.:„Rosenmontag", Tragödie von Hartleben. Donnerstag, 8. Febr.:„Mein Baby“, Burloske v. Margarete Mago. Freitag, 9. Febr.: Konzert. Sonntag, 11. Febr., nachmittags 3½ Uhr:„Madame Sans Gene“ Abends 8 Uhr:„Polnische Wirtschaft!. Verantwortlich für die Redaktion: Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte 818 Der Sehalt machts! vens Bahn's Werke. Kleine Romane aus der Völkerwanderung: 1. Felicitas(a. 467 n. Chr.) 2. Bissula(a. 378 n. Chr.) 6„ 3. Gelimer(a. 534 n. Chr.) 6„ 4. Die schlimmen Nonnen von Poitiers (a. 589 n. Chr.) 6„ 5. Fredigundis(Ende d. 6. Jahrh.) 6„ zu beziehen durch die Buchhandlung Braus Große Marktstraße 3—5. Bekanntmachung. Hufbeschlag=Lehrschmiede=Dortmund. Bei der Prüfung des 19. Kursus der Husbeschlag=Lehrschmiede zu Dortmund am 20. Januar 1912 haben folgende Schmiede bestanden: 1. Stefan Jakubowski aus Nadarzyce, Kreis Wreschen. 2. Wilhelm Böcker aus Altendorf, Kreis Homm. Gemäß Gesetz vom 18. Juni 1884 sind diese Hufschmiede berechtigt, das Hufbeschlaggewerbe selbstständig auszuführen. Dortmund den 22. Januar 1912. 752. Der Kgl. Landrat. Freiherr von Nynsch. Bekanntmachung. Unter dem Klauenviehbestande des Landwirts Mellinghaus zu Brünninghausen ist die Maulund Klauenseuche ausgebrochen. Die in meiner, im Auftrage des Herrn Regierungs=Präsidenten zu Arnsberg erlassenen Bekanntmachung vom 19. Jan. 1912— Nr. III. 273— angeordneten Maßregeln greifen auch für diesen Fall mit der Maßgabe Platz, daß nun auch das Gehöft des Mellinghaus zum Sperrbezirk gehört. Hörde, den 3. Februar 1912. 823. Der Landrat. I. V. gez.: Büscher, Kreis=Sekretär. Bekanntmachung. Die Reichsversicherungs=Ordnung sieht ein Ruhen der Rente für Personen, die Pensionen, Wartegelder usw. beziehen(Paragraph 48, Abs. 1, Ziff. 2 J. V. S.) nicht vor. Gemäß Artikel 80, 61 des Einführungsgesetzes gelten, soweit eine festgestellte Rente nach altem, aber nicht nach neuem Recht Catchtelett Chärtes Dickens Werke elegant in Leinen gebund. mit Goldprägung. Fünf Weihnachtsgeschichten, 1 Band... 2 Zwei Städte, 1 Band. 2„ Harte Zeiten, 1 Band, 2„ Oliver Twist, 1 Band, 2„ Sroße Erwartungen, 1 Band, 2„ Londoner Skizzen, 1 Band, 2„ Dombey und Sohn, 2 Bände,4„ Die Pickwickier, 2 Bände. 4„ Bleekhaus, 2 Bände. 4„ David Coppersield, 2 Bände,. 4„ Nikolau Nickleby, 2 Bände. 4 vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerle(Nuhr), Große Marktstraße 3—5. Schwerter Zeitung. Amtliches Kreisblatt. 4 Bekanntmachung. 1. Die Hufbeschlagprüfungen vor der staatlichen Prüsungskommission für den Regierungsbezirk Arnsberg finden regelmäßig im ersten Monat eines jeden Vierteljahres statt. Die wetteren Angaben über die Zeit, den Ort.,“## Schmiede werden den Prüslingen durch die Ladung benunnt *“ Den hiesigen Departements-Tierarzt, Herrn Beterinärral Blome, welcher als mein Kommissar an den Prüfungen teilnimmt, habe ich zum Vorsitzenden der aus 3 Mitgliedern bestehenden Prüfungskommission ernannt. Der Meldung zur Prüfung, welche an den genannten Vorsitzenden zu richten ist, hat der Prüfling folgende Nachweise die amtliche Bescheinigung, daß er das 19. Lobensjahr vollendet hat(Geburlsschein),. 4.9: Gi. 1451. 2. die amtliche Bescheinigung, daß er minvestens die letzten 3 Monale vor der Meldung im Bezirke der Prüfungskommission sich aufgehalten hat, 3. die Versicherung, daß er innerhalb der letzten 6 Monate einer Hufbeschlagprüfung nicht erfolglos sich unterzogen hat, 4. die Bescheinigung über die erlangte theoretische und praktische Ausbildung. Der Vorsitzende entscheidet über die Zulassung zur Prüfung und berust die Prüflinge zur Prüfung ein. Im Falle der Zulassung hat der Prüfling 10 Mk Prüfungsgebühr porto= und bestellgeldgebührenfrei an die Königliche Regierungs=Hauptkasse in Arnsberg mit dem Vermerk„Gebühr für Hufbeschlagprüfung“ einzureichen. Von der erfolgten Einzahlung der Gebühr setzt der Prüfling den Vorsitzen den durch Einsendung des Posteinlieferungsscheiner, mit leiner Namenspziersohrig, gersehen, in Die Prüfungsgebühr ist verfallen, wenn der Ficung ohne genügende Entschuldigung im Termine nicht er oder die Prufung nicht besteht. Brautkränze in allen Ausführungen und in jeder Preislage. Silber-Myrthen-Kränze kauft man am billigsten und besten bei A. Kaufhold We. Schwerte(Ruhr), Brückstrasse 5. Brautschleier mit Bordären und gestickten Loken Gegründet 1880. Teleten 189 u. 153 Bekanntmachung. Die Jagdpachtgelderverteilungsliste der Gemeinde Geisecke liegt vom 3 Februar er. ab 14 Tage lang in meiner Wohnung offen. Einsprüche sind binnen einer weiteren Frist von 14 Tagen bei mir anzubringen. Geisecke, den 31. Januar 1912. 81. A. Gockel. Schöne Wohnlug von 2 Zimmern per 1. April zu vermieten. 820 Adolf Schiefelbein Sedanstraße 28. Brautpaar sucht zum 1. April eine Keilung Hhn mit gutgehender Bäckerei u. 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Carl Böcker Mährstr. 8. eines oder mehrerer Prufunge auch außerhalb Vierteljahrestermine und Ergänzungslermine eine## abhalten. Die Kosten solcher Prüfungen sind von denen, weiche sie beantragt haben, zu gleichen Teilen zu tragen.— 811 II. Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß, abgesehen von den Schmiedeinnungen in Gelsenkirchen, Bochum und Witten, in den unzur lierärztlicher Leitung stehenden Hufbesalag= J=Zimmerlehranstalten zu Herdecke a. Ruhr— Lehrschmiede von3 Duhme— zu Dorlmund— Lehrschmiede von Wagner— und zu Nieder=Varsberg— Lehrschmiede von Köhler— alljährlich mehrere, bis 3(drei) Monate dauernde theoretisch= praktische Kurse über Hufdeschlag staltfinden. Die Kurse schließen mit einer Prüfung ab. welche gleichwie die slaatliche Prüfung vor einer aus drei Wiglegern bestehenden Kommission unter dem Vorsitze des Herrn Veterinärrats Blome zu Arnsberg abgelegt. und durch deren Bestehen ebenfalls die Berechtigung(Zeugnis) zur selbständigen Ausübung des Hufbeschlaggewerbes erworben wird. Meldungen sind an die betreffenden Anstalten zu richten Der Besuch dieser Lehranstalten ist sehr zu empfehlen. 754 Wohnung mit oder ohne Mansarde an ruhige Familie per 1 April zu vermieten. Näh. Bahnhofstr. 10. zum Auftauen von Schnee und Eis empfiehlt 828 IL. Weinberg Die Arb. u. Lief. für die Herstellung einer Entwäss.=Leitg. (Zementrohrkanal) entlang der Bahnlinie von km 158.1 bis 158.8 der Str. Schwerte=Lang= schede sollen ungeleilt im öff. Verding vergeb. werden. Angebotshefte werden für 2 M., solange der Vorrat reicht, abgegeben oder gegen post- u. bestellgeldfreie Bareinsendung die Betrages zugesandt. Zeichn liegen im hies. Geschaftsgebde. (3. 4) zur Einsicht aus. Oeffn. d. Angebote am 17. 2. 12 vorm. 10½ Uhr Zuschlagsfrist bis 30. 3. 12. Hagen, im Febr. 12. Kgl. Eis.=Betr.=Amt 3. 821 Arnsberg; den 12. Januar 1912. Der Regierungs=Präsident. 1 15. Nr. 46. Im Auftrage: gez. Haxter. Dietrichs Bibliofhek für die reifere Jugend Elegant gebunden, jeder Band :— M k. 1. 5 0— Der Sohn des Taglöhners. Die Bären von Augsburg. Der falsche Prinz. Die Türken vor Wien. Der Dorfschulmeister. Lorenz Baumgarten. Nach Sibirien verbannt. Der Wildfang. Auf rauhen Pfaden. Die Auswanderin. Mutter Königin. König Ludwig und sein Schützling. Schmugglers Bekehrung. Das Gänsemädchen Dohrma. vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr) Fischmehl Gröbste Mahlung. Hervorragendes Beigabe futter zur Mast und Aufzucht von Schweinen, vorzüglich bewährt zur Anregung der Legetätigkeitbei Hühnern. —— empfiehlt—— L. 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