Fernsprecher Nr. 62. Celegr. aupt-Runoncenblatt Erstes und ältestes Cagesorgan des Rreises 0 Blatt. Deutscher Reichstag. 195. Sitzung. 23. Oktober, 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: von Bethmann Hollweg, Delbrück, Wermuth, Lisco, v. Schorlemer. Das Haus ist schwach besetzt. Die Teuerungs=Interpellationen. Die Interpellationen sind eingebracht vom Zentrum, den Sozialdemokraten und den Freisinnigen. Die Parteien stellen Dr. Frhr. v. Hertling u. Gen.(3.): Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben, inwieweit eine außergewöhnliche Preissteigerung der Nahrungs= und Futtermittel eingetreten ist? Welche Maßnahmen, gedenkt der Herr Iticghi, kanzler zu veranlassen, um besteyenven oder drohenden nevelständen ohne Schädigung der einheimischen Produktion entAlkbrecht u. Gen.(Soz.): Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um der notorischen Teuerung der notwendigsten Lebens= und Futtermittel, die zu einer Kalamität für den größten Teil des deutschen Volkes geworden ist, entgegenzuDr. Ablaß u. Gen.(Bp.): Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler gegenüber der Teuerung der Lebensmittel und den Folgen des Futtermangels zu treffen?„##st.er bereit, auf eine wenigstens zeitweilige Aufhebung der Futternittelzölle sowie auf die Aenderung des Systems der EinfuhrAbg. Dr. Spahn=Vonn.(3.) begründet die Interpellation seiner Partei. Seine Ausführungen bleiben aber fast unverständlich. Er kann sich nur den wenigen Abgeordneten verständlich machen, die sich in unmittelbarer Nähe der Rednertribüne aufgestellt haben. Die deutsche Landwirtschaft hat sich nach Kräften bemüht, für die Ernährung des deutschen Volkes zu sorgen. Wir müssen diese vom Auslande möglichst unabhängig halten. Wir sind gegen die Aufhebung der Grenzsperre zum Schutze unseres Viehbestandes und auch gegen die Aufhebung des Viehzolls. Man hat sich damals auf stabile Verhältnisse eingerichtet und die Landwirtschaft sich mit mäßigen zoll.“ Auch eine zeitwelige Suspendierung der Zölle würde die Landvig Hheif ,errarnn(Soz.) vertritt an die Lmten, daß sie auch burch die Kriegsheherei, der. Iu. perialisten nicht übertönt werden kann. Zu der Teuerung kommt die Wohnungsnot, die zu Zehntausenden neue Schwindsuchtskandidaten schafft. Die agrarische Politik zwingt Millionen zur Unterernährung, um einem kleinen Teil der Bevölkerung immer neue Vorteile zuzuschanzen. Die Lammesgeduld ist aber jetzt ins Wanken gebracht. Die Fleischer sind mitschuldig, wei sie den steigenden Viehpreisen nur allzu gern folgen. Herr Kobelt wird ja vielleicht Auskunft geben. Eier sind ein Luxusartikel, Gemüse fast unerschwinglich. Nur aus Furcht vor den Wahlen kommt die Regierung mit dem Viehseuchenausführungs: gesetz nicht heraus; denn dann soll kein Schweinengnggg#zen ins Land kommen können; argentinisches Büchsenfleisch gjäßt man nicht ins Land. Die Regierung hat sich mit halben nahmen begnügt. Wir haben kein Vertrauen zu ihr. Mit guten Ratschlägen an die Gemeinden ist es nicht getan. Den Mittelstand, für den man sonst so schöne Worte findet, will man ausschalten. Wie der Spitzbube ruft: Haltet den Dieb! so will man jetzt alle Schuld auf den Zwischenhandel schieben. Die Regierung selbst hat die Pflicht, zu helfen. Aber das duldet der Bund der Landwirte nicht. Herr Spahn hat die Arbeiter, die nach Brot und Fleisch schreien, verhöhnt. Er hat sie in seiner letzten Rede, in Eßlingen, auf den Himmel vertröstet. Die„Kreuzzeitungs"=Ritter und die Heiligen schinden das Volk weiter. Wir fordern Suspendierung der Zolle die Fleischpreise. Soll der Bauer billiges Fleisch liefern, so muß er billige Produktionsmittel bekommen. Durch die Futtermittelzölle hat man ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unser Volk ist reif. Es weiß, daß diese Fragen Nachtfragen sind und von politischen Faktoren entschieden werden müssen, aber nicht auf der Straße. Es geht eine Enttäuschung durch das Reich, und sie wird emporsteigen aus der Wahlurne.(Beifall bei den Freisinnigen.) Reichskanzler von Bethmann Hollweg: Der Vorcedner hat im Einklang mit der vielfachen Stellungnahme in Versammlungen und in der Presse die Folgen der diesjährigen Dürre zum Anlaß einer allgemeinen Anklage gegen Ausere Birtschaftspolitik genommen. Die sogenannten großen die Aufhebung oder doch Suspension der Zölle, Oeffnung der Grenzen für Vieh und Fleisch, werden uns doch nur zu dem Endzweck angewiesen, die Grundlagen unserer zu beseitigen oder sie mindestens abzubauen, wie die Fortschrittler es wollen. Dem werden wir entschiedenen Widerstand entgegensetzen.(Beifall rechts.) Das Festhalten an unserer Wirtschaftspolitik ist für die verbündeten Regierungen wohlbegründete Ueberzeugung. Davon können wir uns auch durch die Folgen der diesjährigen Dürre nicht abbringen lassen. Weil es monatelang nicht geregnet hat und auf den Feldern nichts gewachsen ist, können wir doch unser Wirtschaftssystem nicht ändern. Wir müssen uns daher auf Mittel beschränken, die uns über die bestehenden Schwierigkeiten hinweghelfen. Es heißt, bestehende Situationen in unverantwortlicher Weise ausnutzen, wenn in sozialdemokratischen Reden, Flugblättern und Schriften dem Volke beigebracht werden soll, nichts sei leichter, als die bestehende Not wegzuwischen, nur die böse Regierung unter dem Drucke der Agrarier wolle es nicht. Das ist nicht richtig. Die Aufhebung der Zölle, die Sie empfehlen, das ist der Streit zwischen Schutzzoll und Freihandel, über den wir uns jetzt schwerlich einigen werden. Wir würden mit der Aufhebung der Zölle unser ganzes Wirtschaftslehen auf den Kopf stellen. Das ist ein unanwendoares Mitrel, das nur agitatorischen Wert hat.(Beifall rechts.) Auch die Suspension der Zölle ist ein gefährliches Experiment. Sie könnte leicht der Anfang zur Aufhebung der Zölle sein. Die Frage der Einfuhrscheine ist besonders schwer zu behandeln und deshalb für Agitationszwecke besonders geeignet.(Zustimmung rechts.) Würde man die Einfuhrscheine beseitigen, so würden die alten Klagen wieder aufleben, ohne daß eine Einwirkung auf die gesteigerten gegenwärtigen Preise stattfinden würde. Man hat die Herabsetzung der Gültigkeitsdauer der Scheine von sechs auf drei Monate gewünscht. Ich halte diese Frage für diskutabel, ebenso daß man es als Auswuchs bezeichnet hat, daß auf Getreideeinfuhrscheine Petroleum und Kassee eingeführt werden. Ich erachte diese Fragen als von minderer Bedeutung und bin im gegenwärtigen Moment noch nicht absolut von der Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßregeln überzeugt. Die Frage der Aufhebung der Eisenbahnausfuhrtarife wird den Landeseisenbahnrat beschäftigen. Getreide= und Mühlenfabrikate nach Danzig, Memel und Königsberg kommen hierbei nicht in Betracht. Für Schlachtvieh sind Importerleichterungen gegen Dänemark und Schweden eingetreten. Der Fleischmarkt hat sich gegen das Vorjahr gebessert. Die Preise, die der Landwirt erhält, sind nicht übermäßig hoch. Gewiß kann die Butterknappheit zu einer großen Verringerung unserer Viehbestände führen, aber ich warne vor übertriebenen Vorstellungen. Die Fleischeinfuhr aus Rußland ist wegen der Rinderpestgefahr versagt. Für Amerika verlangen wir die Kautelen des Fleischgesetzes, wenn wir uns in größere Abhängigkeit vom Auslande bringen. Ich richte deshalb von dieser Stelle den dringenden Appell an die deutsche Landwirtschaft, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß unser Viehstand nicht verringert wird. Ich erachte es für unmöglich, den elementaren Ereignissen gegenüber durchgreifend abzuhelfen, und ich bin weit davon entfernt, es so darzustelten, als ob die Regierungsmaßnahmen eine durchgreifende Abhilfe sind. Aber wir haben nach Mitteln Ausblick gehalten, welche eine praktische Wirkung haben könnten. An Brotgetreide ist kein Manko, die Preise dafür sind nicht überhoch, namentlich, wenn man berücksichtigt, daß die Güte des jetzigen Brotgetreides eine erhöhte und bessere Ausbeutung an Mehl liefert. Die Preise für Fleisch sind gegenwärtig nicht abnorm. In manchen Gegenden hatten wir zum Teil eine gute Kartoffelernte. Ich kann nicht zugeben, daß, wenn wir die Ergebnisse der Gesamternte zusamwonfassen, die Detailpreise den tatsächlichen Ernteergebnissen tragen.(Hört, hört! rechts und im Zentrum. machen lassen.(Stürmischer, anhaltender Beifall Auf Antrag Bebel wird einstimmig die Besprechung der Dut Abg. Pie berkshner(E) erklärt, dem Einzelnen schwer verständlich, die Zustimmung der Konservativen zu den Ausführungen des Reichskanzlers. Weiterbesprechung: Dienstag, 1 Uhr. Schluß 5½ Uhr. vertröstet. Die„Kreuzzeitungs“=Ritter und die Heiligen[G, Henfassen, die Detailpreise den tatfächlichen den das Volk weiter. Wir fordern, Suspenozerung der B0. wirklich Rechnung, lagen,(Gort, höker geihte und im Genteum. und Beseitigung der gemeinschädlichen Einfuyrscheine.] An einer übermäßigen Spannung zwischen Großhandels= und 1bg Oeser(Bo):. Dies it die wichtigte, Frage der Detaitpreisen trgt weder die Dürre, noch uzsefe,. Müintscheistz, Nachseion die ia nur erisiert, weil man die Waylen binaus.1 politik, naoch die vegierung die Schuld.(Lebh. Zustimnung rechts und im Zentrum.) Nicht schuldlos sind die übertrieoe, Parstellungen der Teuerung, in denen sich ein großer Tei unserer Presse monatelang gefallen hat.(Sturmische Zustimmung rechts und im Zentrum.) Diese übertriebenen Darstellungen haben eine preissteigernde Wirkung, man hat dem kleinen Mann helfei wollen und hat ihm geschadet. Die Regierungen suchen auf eine Herabminderung dieser Spannung hinzuwirken, durch Erleichterung der Verteilung der Produkte über das ganze Land, durch Anregung und Unterstützung der Einrichtung der Kommunen. Was hat man nicht alles prophezeit, als damals unsere Wirtschaftspolitik eingeleitet wurde: das Grab unseges, Frpgrtz; handels, die Fesselung von Handel unhizerseperi gpeicterohageb## Gegenteil ist eingetreten. Die Herren übersehen weiter, vaß in Zeiten des Freihandels die Preise noch höher waren, daß die Steigerung auf die gesamte Lebenshaltung, Wohnung, Kleider sich erstreckt, und doch ist nicht nur der nationale Wohlid gestiegen, sondern auch die Lebenshaltung des Einzelnen verbessert worden. Ihre Verelendungstheorie haben Sie ja auch Abg. Oeser(Ip.): Dies ist die wichtigste,„Frage Nachsesston, die ju kur existiert, weil man die Wahlen hinausschieben wollte. Man glaubte, die Stimmung wegen der Finanzreform würde inzwischen abebben. Aber die Naturelemente stehen nicht im Bunde mit dem schwarz=blauen Block.(Sehr wahr! links.) Der lückenlose Zolltarif hat die lückenlose Teuerung herbeigeführt. Wir gönnen der Landwirtschaft alles Gute.(Lachen rechts.) Die Teuerung ist aber das gewollte Produkt der Wirtschaftspolitik. Meine Freunde stehen einheitlich und geschlossen auf dem Boden unseres Programms, wonach wir eine schrittweise Herabsetzung der Zölle wünschen. Natürlich können wir nicht auf einmal den ganzen Weg, den wir seit 1879 gemacht haben, zurückgehen. Die Industrie wird gern einen Teil des Schutzzolls preisgeben, wenn sie durch die Teuerung los wird(Lachen rechts.) Die rn einen Teil des Schutzzolls preisgeben davuteig dir Teurtung ere irr.„—en rechts.) Die hohen Zölle schaffen nur reiche Väter, aber arme Söhne. Und nun das System der Einfuhrscheine! Der Roggen geht über die Grenze und kommt als Petroleum, der Haser als Kaffee zurück. Dr. Spahn wollte mit seiner Rede nur sagen: Kanzler tu' du auch nichts! In einer kurzen Kommissionsberatung könnte man die Einfuhrscheine zu dem machen was sie ursprünglich waren. Der Redner spricht dann über Politische Uebersicht. Der Dank des Kaisers an die Rheinländer. Aus Magdeburg hat der Kaiser an den Oberpräsidenten der Rheinlande folgendes Schreiben gerichtet: Bei meinem Besuch der Rheinprovinz sind mir von der Bevölkerung in Stadt, un alt und jung, hoch und niedrig wiederum so schonre herzlicher Zuneigung gegeben worden, daß ich den Wunsch ho allen, die dazu beigetragen haben, meinen Aufenthalt in der Provinz und meine Fahrten durch das Land so angenehm zu gestalten, meinen wärmsten Dank zum Ausdruck zu bringen. Die prächtige Ausschmückung der Straßen und Häuser, vem Prlast in der Großstadt bis zur Hütte in den Bergen, der patriotische Jubel der Bevölkerung, die stramme Haltung der Krieger= und sonstigen Vereine wie das taktvolle Auftreten der Sicherheitsund Aussichtsbeamten haben mein Herz erfreut und mit den entzückenden Naturschönheiten des Rheinlandes unvergeßlichEindrücke hinterlassen. In dem zuversichtlichen Vertrauen auf die treue Gesinnung und Anhänglichkeit der Rheinländer bin ich in diesen Tagen von neuem bestärkt worden. Ich ers Sie, dies zur öfentlichen Kenminis Zu bgzager„ilgaln g. Der Kaiser hörte am Montag im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts, Wirblichen heimen Nates von Valentini. Tags zuvor hatte der Kaiser allen höfischen Veranstaltungen zur Feier des 53. Geburtstage: seiner hohen Gemahlin beigewohnt. 6 Das Befinden des Prinzregenten Luitpold von Bayern#### sich soweit gebessert, das er Berchtesgaden verließ und nach München zurückkehrte. Prinzessin Irene von Bayern, Prinzregenten Tochter und Hausgenossin, weilt beim Prinzre Das Schlußergebnis der ersten Landtagswahlen in ElsaßzLothringen läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Das Zentrum ist auf seinen Besitzstand beschränkt; die Soziglden. tie hat eine wesentliche Zunahme zu verzeichnen. lage des Nationalbundes ist hervorzuheben. Der Liberalizmus hat sich gut geschlagen, vermochte jedoch im ersten Wah. gang keine positiven Erfolge, die ihm eine Mehrheit sicher# könnten, zu erzielen. Frankreich. Ein Kolonialskandal, der in Ostmarokko spielt, erregt überall großes Aufsehen. Höheren französischen Beamten vor Zollverwaltung, dem Konsulat und der wurde nachgewiesen, daß sie einen schwunghaften Waffenschuug, gel zu gunsten der eingeborenen Bevölkerung trier# ebenso im Länderverkauf sich durch unreelle Machenschaften bereicherten. Die Affäre muß um so unliebsamer aussunen, als Frankreich nach dem Algeciras=Vertrag den Wafjenimport nach Marokko zu verhindern hat. Die schuldigen Beamren wurden sofort verhaftet und ihre strenge Bestrafung wurde bereits anber, daß gerade hohe französische Beamte, denen bei der Er sendung ihre Verantwortlichkeit doch gewiß möglichst klar gemacht worden ist, die Schuldigen sind. Die Verhaftung geschah auf Verfügung des Kommandierenden Generals Toutce in Udschda. Infolge der Betrügereien der französischen Beamten ist die Stimmung der Eingeborenen Marokkos sehr gereizt, sodaß die Lage der Franzosen in dem ohnehin unruhigen Gebiet wieder ungemütlich geworden ist. England. Ein satales Vorkommnis in der englischen Marine macht von sich reden. Bei Schießübungen wurde das Schlachtschiff „Hindustan“ von einer Granate getroffen, die die Bretterv### Alie kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtso o o o o o verbindliche Kraft o o o c c c Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). für den kreis börde KresSlaht Antriches e##agchunden wie. Schwerter Volksblatt O. General-Anzeiger für den Kreis Hörde Schwerter Volks-Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Pig. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage: Miustrierter Famisentreung“ und tägl. Unterhaltungs=Blat. Nuzeigenpreis Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren Raun 1° Pf., Anzeigen von auswarts IS Pf., Reklamezeile Die„Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeilung deAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstützung Nr. 250. Dienstag, den 24 Oktober 1911. 43. Jahrg. Seite 2. Schwerter Zeiung.(Amtliches Kreisblatt.) Dienstag, den 24 Oktober 1911 Nr 250. schalung des Achterdecks aufriß und dann in der Panzerung stekken blieb. Glücklicherweise enthielt das Geschoß keine Sprengladung, sonst hätte leicht größeres Unheil entstehen können. Besonders unangenehm ist es der Marineverwaltung, daß sich gerade während des Vorfalls, der auf leichtsinniges Feuern seitens der übenden Schiffe zurückzuführen ist, der englische Thronfolger an Bord des„Hindustan“ bejand. Süd=Amerika. Neuer südamerikanischer Konflikt. Von Santiago de Chile wird eine Verschärfung der Zwistigkeiten zwischen Chile mit Peru berichtet. Chile sendet 7000 Mann nach Taena und Arica an die Nordgrenze, um zu demonstrieren, daß es auf alle Fälle vorbereitet ist. Auch die Flotte und ihre Reserve werden mobilisiert. Der Krieg um Tripolis. Die angeblichen Bündnispläne der Türkei. Die Norddeutsche„Allgemeine Zeitung“ schreibt in ihrer Wochenrundschau: „Bei Beurteilung der Tätigkeit des deutschen Botschafters in Konstantinopel seit dem Beginn des itatienisch=türkischen Streites lausen auswärtigen und auch deutschen Blättern noch immer Irrtümer unter. Es ist bereits in der Presse an mehreren Stellen gesagt worden und mag hier wiederholt sein, daß Freiherr von Marschall die Pforte zu möglichst raschem Friedensschluß unter bediagungslosem Verzicht auf Tripolis nicht gedrängt hat. Er beschränkte sich darauf, die Ansichten der Pforte zu erkunden und Ritteilungen darüber entgegenzunehmen. Unter diesen Mitteilungen befanden sich auch Wünsche wegen Vermittelung, worauf der Botschafter, da keine positiven Vorschläge der Pforte zugrunde lagen, moch nicht eingehen konnte.“ Die Niedermetzelung der ganzen italienischen Mission in Benghasi durch Angehörige des Stammes der Benussi hat in der von Londoner Blättern aus Malta gemeldeten Schrecklichkeit anscheinend nicht stattgefunden. Der Pater Umberto sowie alle Insassen der Mission sollen von den Fanatikern erschlagen und verstümmelt worden sein. Das gleiche Geschick soll dem Pater Josef, der das Kinderasyl leitet, ereilt haben und unter den zehn= bis zwölfjährigen Knaben und Mädchen, die fast ausnahmslos losgekaufte Kinder von Sklaven waren, ein entsetzliches Blutbad angerichtet worden sein. Die Benussi haben angeblich in ägyptischen Banken einen Kriegsschatz von 23 Millionen. Die Bestätigung der Meldung von dem Massacre bleibt, wie gesagt, abzuwarten. eine ihre Präsides nebst Delegierten entsandt: Annen, Aplerbeck, Barop, Brackel, Brünninghausen, Hörde, Hombruch, Holzwickede, Lichtendorf, Rüdinghausen, Sölde, Schüren, Schwerte, Wickede=Asseln, Opherdicke. Der Bezirkspräses, Herr Rektor Jürgens=Hörde, motivierte im Anschluß an die Eröffnung ein dreifaches Hoch auf die Kaiserin. Alsdann ergriff Redakteur Elses=M.=Gladbach das Wort. Redner sprach über die hohe Bedeutung der staatsbürgerlichen Schulung in den kath. Arbeiter= und Männervereinen und bat um rege Beteiligung an den in nächster Zeit in den einzelnen Gemeinden veranstalteten sozialpolitischen Kursen. Als zweiter Redner sprach noch Herr Kaplan Hildebrandt=Hombruch. Derselbe beleuchtete an vielen Beispielen das Thema:„Die Erhaltung und Bewegung unserer Jugendvereine.“ Im Anschluß hieran setzte eine lebhafte Diskussion ein. Als Ort des dritten Delegiertentages wurde Annen gewählt. ** Westhofen, 24. Oktober.(Noch nicht zurückgekehrt) ist die Frau Fr., über deren Verschwinden wir vor elniger Zeit berichteten. Es wird angenommen, daß sich die Ungetreue, welche Mann und Kind im Stich gelassen hat, sich in Gesellschaft eines früheren Liebhabers in Düsseldorf aufhält. * Sölde, 23. Oktober.(Ein Grubenunfall) ereignete sich auf der Zeche„Margarethe". Der erst 20 Jahre alte Bergmann E. Zinke von hier geriet so unglücklich unter einen vollen Wagen, daß ihm das linke Bein gebrochen und das rechte vollständig abgequetscht wurde. Der Schwerverletzte verschied bereits auf dem Transport zum Krankenhause. * Hörde, 23. Oktober.(Tödliche Unfälle.) Im Blockwalzwerk des„Phönix“ ereignete sich gestern nachmittag ein tödlicher Unglücksfall. Dort war der Schlosser Karl Hermann aus Schüren auf einem Laufkran mit Reparatirarbeiten beschäftigt, wie sie stets bei ausgesetztem Betriebe an Sonntagen ausgeführt werden. Kurz vor Beendigung dieser Arbeiten stürzte der Unglückliche aus einer Höhe von zirka 5 Metern ab und zog sich beim Aufschlagen auf die schweren Eisenplatten derartige Verletzungen(Schädelbruch) zu, daß er schon nach einer Viertelstunde seinen Geist aufgab.— Ein weiterer Unglücksfall, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel, trug sich am Sonnabend in der mechanischen Werkstatt des„Phönix" zu, indem ein jugendlicher Arbeiter im Alter von 16 Jahren in das Getriebe einer Bohrmaschine geriet. Der Aermste erlitt derart schwere Verletzungen, daß er alsbald starb. stationen mit veredelten Vatertieren die Blutauffrischung und Aufbesserung der Rasse herbeigeführt werden. Bei der Ziegenzucht wählte man bisher in den meisten Fällen die sehr milchergiebige, weiße ungehörnte Saanenziegenrasse. Vorbedingung ist hierbei ein jährlicher Wechsel der Vatertiere, entweder durch Auswechselung der vorhandenen oder durch Ankauf neuer Böcke, da gerade bei der Ziegenzucht die dauernde Inzucht ohne Blutauffrischung zu einer völligen Entwertung der Tiere führt. Aus den Kreisen der anwesenden Züchter wurde bei dieser Gelegenheit noch auf das unverhältnismäßig hohe Deckgeld hingewiesen, das in manchen Bezirken erhoben werde. Ebenso wurde betont, daß es sich wohl kaum empfehlen würde, die alte westfälische abgehärtete Landziege bei der Zucht völlig auszuschalten. Zum Schluß wurde noch zur Aufstellung einer neuen Mitgliederliste zum Zwecke der Neugründung des zur Zeit aufgelösten Schweineversicherungsvereins geschritten, wobei der noch vorhandene Fonds von zirka 400 M als finanzielle Grundlage dienen soll. Weitere Anmeldungen nimmt Herr Kaufmann W. Liesenhoff hierselbst bis zum 1. Dezember entgegen, der in der ersten Hälfte des Monats Dezember die Mitglieder zwecks Wahl des Vorstandes und Beratung der Statuten einberufen wird. in Die Revolution in China. Die Ersolge der Revolutionäre sind so groß, daß man bereits von einer Teilung Chinas einen südchinesischen Staatenbund und in das nördliche China redet, das den Mandschus verbleiben solle. Die Niederlage ihrer Truppen bei Hankau gibt die Regierung jetzt selbst zu es ist Tatsache, daß die Aufständischen auch am Oberlauf des Jangtse alle wichtigeren Plätze in ihren Händen haben. An Zahl sind die Revolutionäre, die über 15000 Mann europäisch eingeübter Truppen verfügen, den Streitkräften der Regierung entschieden überlegen. In Peking herrscht große Sorge. Viele hohe Beamte, die kein gutes Gewissen haben, verließen mit ihren Familien die Stadt. Es heißt sogar, daß der junge Kaiser außerhalb der Hauptstadt in Sicherheit gebracht worden sei.— Der Oberbefehlshaber im Aufstandsgebiet, Kriegsminister Jintschang, forderte von der Regierung in Peking schleunigste Sendung von Verstärkungen, vor allem mehr Artillerie. Bestätigt sich die Meldung, daß die von den Regierungtruppen abgefeuerten und in der deutschen Kolonie aufgefundenen Geschosse bemalte Holzkugeln waren, dann ist der Sieg der Rebellen so gewiß wie die Korruption der Verwaltungsbehörden. Die chinesischen Kannnenboote haben weder Munition noch Kohlen oder Lebensmittel, wie der Admiral Sah selbst in seinem amtlichen Bericht erklärte. Gerade die gut bewaffneten Truppen gingen zu den Revolutionären über. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 24. Oktober. **(Unsere morgige Kirmes) scheint sich in diesem Jahre bezüglich des Aufbaues der Budenstadt in recht bescheidenen Grenzen zu halten. Sowohl auf dem Marktplatz wie auch auf dem Wilhelmsplatz sind bis jetzt noch wenig Geschäfte eingetroffen; hoffentlich werden dieselben aber imlaufe des heutiegn Tages auf der Bildfläche erscheinen. In den verschiedenen Lokalen unserer Stadt ist dagegen eifrig für den morgigen „Nationalfeiertag“ gerüstet; Künstlerkonzerte und sonstige Belustigungen werden überall geboten, auch ist ausreichend Gelegenheit vorhanden, das Tanzbein zu schwingen. Die in heutiger Nummer veröffentlichten Kirmes=Inserate seien auch an dieser Stelle noch besonderer Beachtung empfohlen. Sie sind der beste Führer für den morgigen Kirmestrubel. **(16. Armeekorps.) Auf dem am Sonntag in Münster abgehaltenen Vertretertag des Verbandes ehemaliger Angehörtger des 16. Armeekorps wurde beschlossen, den nächstjährigen Korpsappell in Buer abzuhalten. Graf Haeseler hat seine Teilnahme an dem Appell bereits zugesagt. Der hiesige Verein des 16. Armeekorps war durch die Herren Wolf und Tillmann vertreten. **(Eine böse Schlägerei) entstand gestern mittag unweit des Kriegerdenkmals zwischen mehreren Arbeitern. Mit Meiheln und anderen gefährlichen Gegenständen schlugen die Raufbolde aufeinander los, sodaß es heftig blutende Köpfe absetzte. Erst das Einmischen anderer Straßenpassanten brachte die Streithähne auseinander. **(Am Freischütz) findet am Sonntag ein rheinisches Winzerfest statt. Der große Saal wird prächtig dekoriert und in lauschige Weinlauben verwandelt. Dazu gelangt süßer Weinmost zum Ausschank. Die Musik wird von der Kapelle Maglett=Dortmund ausgeführt; ein Festball soll den Tag beschließen **(Postpersonalie.) An das hiesige Postamt wurde der Postassistent Bolte von Iserlohn versetzt. **(Aus den kath. Arbeitervereinen.) Am Sonntag fand in Aplerbeck der Delegiertentag der kath. Arbeiter= und Männervereine des Dekanats Hörde statt. Es hatten folgende VerLandwirtschaftliches. s Ergste, 23. Oktober.(Landwirtschaftlicher Ortsverein.) Die gestrige zweite diesjährige Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Ortsvereins fand entsprechend den Bestimmungen des Statuts, das einen gleichmäßigen Wechsel der Lokale vorsieht, in der Gastwirtschaft D. Brinkmann hierselbst statt. Die Versammlung, zu der auch Nichtmitglieder als Gäste in größerer Anzahl erschienen waren, nahm einen sehr anregenden Verlauf. In einstündigem Vortragbehandelte Herr Zuchtinspektor Brünning=Münster das jedenfalls sehr zeitgemäße Thema:„Wie muß der Landwirt bei dem geringen Vorrat an Futtermitteln wirtschaften, um seinen gesamten Viehstand ungehindert durchzuwintern?" Der Vortrag enthielt manchen Wink und Fingerzeig, der in der Praxis Verwertung finden dürfte. Ueberall klang jedoch die Mahnung durch, doch unter dem ersten Eindruck der ungünstigen Verhältnisse nicht zu einer Einschränkung der Viehhaltung zu schreiten, sondern unter allen Umständen sowohl im eigenen Geschäftsinteresse als auch im Interesse des öffentlichen Gemeinwohls den ganzen Viehstand ungemindert durchzubringen. Die bedauerliche Tatsache, daß zur Zeit große Mengen Zuchtviehs u. halbgemäßteten Schlachtviehs oftmals zu Schleuderpreisen abgestoßen und abgeschlachtet würden, würde sich dadurch rächen, daß später ein Ersatz nur mit großen Opfern zu beschaffen sei. Wie bei den Rindviehbeständen, so wanderten auch heute zahllose abgesäugte Mutterschweine, Zucht=, Jungund Läuferschweine in die Schlachthäuser. Um so erfreulicher sei es, daß die Notstandstarife erhebliche Frachtermäßigungen für den Bezug von Futtenmitteln gewährleisteten. Es sei jedoch Sache der Landwirte, dafür Sorge zu tragen, daß diese Vergünstigungen nicht in die Tasche des Zwischenhandels flössen, sondern auch den Käufern und Verbrauchern zu gute kämen. Sehr zu empfehlen sei die möglichste Ausnutzung der Herbstweide, so lange die Witterung dies zulasse, nicht minder aber eine reichliche Stickstoffdüngung der Hofesweiden im März kommenden Jahres, um eine kräftige Vegetation der Gräser zu fördern, damit der Austrieb des Stallviehs entsprechend früher erfolgen könne. Jedenfalls unterliege es keinem Zweifel, daß im kommenden Frühjahr die Nachfrage im gesamten Viehhandel das Angebot übersteigen und damit eine erhebliche Preissteigerung bewirkt werde. Redner bezeichnete es als beklagenswert, daß insonderheit in dor Schweinezucht die Züchter so leicht geneigt seien, den Preisschwankungen auf dem Markte zu folgen, das heißt: bei sinkenden Preisen die Zucht ohne weiteres aufzugeben und bei steigender Konjunktur, zu verstärken. Der Züchter müsse in guten und ungünstigen Zeiten das Ziel fest= und und den Zuchtbetrieb auf der Höhe halten. Nur dann habe er auf die Dauer auf klingenden Erfolg seiner Bestrebungen zu rechnen. Produzenten und Konsumenten würden durch die so nachteiligen schwankenden Preisbildungen auf den Schweinemärkten, die sich stets in auf= und absteigender Wellenlinie bewegten, geschädigt. Auf unerschwinglich hohe Preise folge meistens im Jahre darauf ein rapider Preissturz, der im folgenden Jahre wieder durch eine Hochkonjunktur abgelöst werde. Den Züchtern, ob Rindvieh= oder Schweinezüchter, müsse bei ihrem Streben eine gewisse Konsequenz und Widerstandsfähigkeit zur Seite stehen, nur dadurch können Schwankungen im der Fleischversorgung unseres Volkes vermieden werden. Da an der Versammlung auch eine Anzahl Interessenten aus den Kreisen der Ziegenzüchter und=halter teilnahmen, so teilte der Vorsitzende im Laufe der freien Besprechung der Vortrags noch mit, daß, wie in sämtlichen angrenzenden Kreisen, zweifellos auch in unserem heimatlichen Kreise Iserlohn der Erlaß einer Körordnung in nicht allzu ferner Zeit zu erwarten sei, zumal die im Kreise Iserlohn bestehrnden Ziegenzuchtvereine eine solche seit Jahren schon anstrebten. Hierzu gab Herr Zuchtinspektor Brünning in interessanten Ausführungen Aufschluß über Wesen, Zweck und Ziele der Körordnungen. Vor allen Dingen soll durch Besetzung der ZuchtLetzte Drahtmeldungen Pressestimmen zur gestrigen Kanzlerrede. Berlin, 24. Oktober. Die Berliner„Morgenpost“ schreibt: Erst ein Tag der Teuerungsdebatte ist vorüber, aber schon steht der Ausgang fest:„Alles wird beim Alten bleiben. Ein paar kleine Mittelchen sind das höchste, was die verbündeten Regierungen und die Mehrheit dieses Reichstages zugestehen werden. Wenn nicht alles täuscht, wird der 23. Oktober 1911 über Herrn v. Bethmann=Hollwegs Schicksal entscheiden.— Das„Berliner Tageblatt“ sagt: Deutlich ließ Herr v. Bethmann=Hollweg gestern erkennen, daß er die Wirtschaftspolitik zur Wahlparole machen will. Nichts kann der Linken erwünschter sein als diese Frage in einer Zeit in den Vordergrund der politischen Wahlagitation gerückt zu sehen, wo zweifellos am leichtesten der größte Teil der Wählerschaft von der Verkehrtheit der Wirtschaftspolitik zu überzeugen ist. Der Reichskanzler wird für den Rest der Legislaturperiode auf die Schwarzblauen zählen können. Das weitere werden alsdann die Wähler zu entscheiden haben. Scheußlicher Lustmord. Paris 24. Oktober. In Versailles wurde gestern abend die Leiche eines 16jährigen Mädchens auf der Straße gefunden. Die Leiche zeigte furchtbare Verstümmelungen. Die Tote ist eine 16jährige Zeitungsträgerin, die bei ihren Eltern in Versailles wohnte. Sie verließ gestern abend 8 Uhr das Geschäft, um die Zeitungen zu den Abonnenten zu bringen. Sie scheint aber nicht alle Zeitungen ausgetragen zu haben, da noch einige Exemplare bei ihr vorgefunden worden sind. Offenbar ist die Leiche nach der Tat verschleppt worden, da an der Fundstelle keine Blutspuren entdeckt wurden. Schiffskatastrophe. Paris, 24. Oktober. Wie aus Vordeaux gemeldet wird, ist der von Sulina über Rom kommende griechische Frachtdampfer„Georgios“ 300 Meter von der Küste an der Girondemündung gescheitert. Von den 22 Mann der Besatzung konnten sich nur 7 retten. Das Schiff ist verloren. Opfer des Krieges. London, 24. Oktober. Der„Standart“ läßt sich aus Malta melden, daß die italienischen Verluste bei Benghasi bedeutend größer sind, als amtlich angegeben wird. Die Italiener sollen hier 1200 Mann verloren haben. Die Verluste der Türken werden auf 500 Tote, 1300 Verwundete und 600 Gefangene angegeben. Truppenlandungen. Chiasso, 24. Okt. Aus Tripolis wird über Malta berichtet, daß in Tripolis bereits 60000 Mann ausgeschifft worden find, außerdem an 7000 Pferde und 3000 Maulesel. Die vierte Abteilung des Expeditionskorps ist nach einer Meldung aus Resto di Garlino von Neapel nach Tripolis abgegangen. Der Kommandant, General Caneva, hat Laufgräben anlegen lassen. Die Truppen wohnen in Holzkasernen außerhalb Tripolis. Aus Neapel sind 10 000 Kisten Insektenpulver nach Tripolis abgeschickt worden. Die Soldaten sollen entsetzlich unter dem Ungeziefer in den von den Türken verlassenen Kasernen zu leiden haben. Eine türkische Schlappe. Rom, 24. Oktober. Die„Tribuna“ meldet aus Tripolis: Die Luftschifferkapitäne Piazza und Menxa unternahmen am Montag einen Erkundigungsflug bis Agezia, 12 Kilometer über Bumeliana hinaus und entdeckten vier türkische Läger in Abständen von 12 bis 14 Kilometern vor den Vorposten. Eines dieser Läger war sehr groß. Das 40. Infanteriebataillon, das eine Rekognoszierung unternahm, stieß bei Luluk auf den Feind, der sich in beträchtlicher Entfernung hielt und zahlreiche Gewehrschüsse abgab. Das Bataillon ging unter energischem Feuer vor. Die Türken flohen und ließen drei Tote zurück. Die Italiener hatten keine Verluste. Grubenunglück. Newyork, 24. Oktober. Aus Harisburg in wird telegraphisch gemeldet: In dem Kohlenbergwerk Orgara hat eine Explosion stattgefunden. 30 Bergleute sind eingeschlossen. Zwei Leichen wurden durch den Luftdruck aus dem Schacht geschleudert. Handel. Neuß, 23. Okt. Rüböl 70,00, faßweise 72,00, gereinigtes 73,00 MA für 100 Kgl. Rübkuchen, große 110, kleine 114 M für 1000 Klg. waggonweise. Weizen 1. Sorte 19,30, 2. Sorte 18.30 M. Roggen 1. Sorte 16,10, 2. Sorte 15,10 M. Hafer 1. Sorte 17,00, 2. Sorte 16,00 M, für 100 Klg. Kartoffeln 3.30—3,70 M. Heu 2,70—3,20 M, Luzerner Heu 3.70—4,20+ für 50 Klg. Krummstroh 16,00, Breitdruschstroh 18,00 A für 500 Klg. Kleine 7,20.4 für 50 Klg. Köln, 23. Okt. Luzerner Heu 10,50—11,00 MA, Wiesenheu 6,00—6,50 M, Roggen Breitdruschstroh 4,20—4,60 J, Krummund Prestros 276-325 4. Ehrenvolle Auszeichnung. Auf der Internationalen Kochkunstausstellung in Frankfurt a. M. wurden der MaggiGesellschaft der„Große Preis“ und ein von der Stadt Frankfurt a. M. gestifteter Ehrenpreis zuerkannt. Nr. 250. 1. Beilage. SchuerterZ...3 Dienstag, 24. Oktober 1911. Amtliches Kreisblatt. Deutsche und französische Volksvertreter. Und das sollten auch die Volksvertreter anerkennen, deren vornehmste Aufgabe es doch ist, die Wohlfahrt der Nation durch das höchste Gut, den Frieden, zu fördern. Der deutsche Reichstag ist zusammengetreten, ohne daß die Vollendung des gesamten Marokkovertrages abgewartet worden war; für die französische Deputiertenkammer glaubt man in Paris nicht ebenso handeln zu dürfen, die Vereinbarung soll einschließlich Kompensationen fix und fertig vorliegen, bevor die Herren sich im Palais Bourbon, dem Heim der Volksvertretung, zusammenfinden. Wer geneigt ist, darin eine Zu rücksetzung unserer Reichstagsabgeordneten zu finden, soll daran denken, daß dieselben nicht die Absicht haben, aus diesem Anlaß eine Kanzlerkrisis herauf zu beschwören, während an der Seine genug ehrgeizige Politiker vorhanden sind, die das Erbe der heutigen Ministeriums antreten und als Anlaß zum Sturze der gegenwärtigen Regierung die Marokkoangelegenheit benützen möchten. Der Ministerpräsident Caillaux ist noch nicht v# Monate im Amte und fürchtet eine jähe Abkürzung des angenehmen Postens; daher will er die Deputierten bei guter Laune erhalten und ihnen mit einem annehmbaren Vertrage kommen. Mag jemand über die Mitglieder des deutschen Reichstages denken, wie er will, er muß einräumen, daß sie heute in Sachen der auswärtigen Politik würdevoller handeln, wie ihre ranzösischen Kollegen, die ihre Hauptaufgabe darin sehen, den Chauvinismus ührer Wähler aufzustacheln, um sich bei dei letztenen lieb Kind zu machen. Keiner von ihnen denkt daran, daß das deutsche Reich mit seiner Zustimmung zum ersten Teil des Marokko=Abkommens Frankreich ein großes Land geschenkt hat; aber viele behaupten, daß die Kompensation, die Deutschland am Kongo erhalten solle, zu groß sei. Diese Auffassung kann allerdings nicht verwundern, wenn man sich daran erinnert, daß die Franzosen im Sommer drauf u. dran waren, das Sultanat Marokko einzustecken, ohne überhaupt jemand befragen. Deshalb enrstand auch das Hallo, als das deutsche Kriegsschiff mit einem Male vor dem Hafen von Agadir er schien. Nicht jedem unserer Reichstagsabgeordneten ist es angenehm gewesen, daß die Marokkodebatte vertagt wurde, aber nicht ein einziger hat diese Tatsache benützt, die Leidenschaften in der Bevölkerung aufzustacheln, vielmehr ist der Besoi heit das Wort geredet. Es üst mun einmal Tatsache, daß die Franzosen lediglich dasjenige in der Erinnerung treu bewahren, was sie angeht. In den Schulbüchern jenseits der Vogesen wird noch heute ElsaßLothringen zu Frankreich gerechnet, werden die Deutschen der Jugend als blutdürstige Wüteriche geschildert. Wie gefällig die deutsche Reichsregierung schon oft der französischen.. gewesen ist, in wie hohem Maße die deutsche Induscrie u. uns Kunst zum Gelingen der großen Pariser Weltausstellung vom Jahre 1900 beigetragen haben, das ist so nebensächlich gewesen, daß es in der öffentlichen Meinung an der Seine garnicht erwähnt wird. Bei solchen Auffassungen kann man auch überrascht sein, wenn letzthin Paviser Firmen die Offerte deutscher Kaufleute, mit denen sie schon lange in Verbindung standen, kurzer Hand abwiesen, obwohl es doch nichts Törichteres gibt, als in das Leben der friedlichen Arbeit den politischen, vergiftenden Streit zu mischen. Daß geschäftlichen Störungen auf der französischen Seite auch solche auf der deutschen folgen müssen, ist selbstverständlich u. daß hierbei der größere Nachteil auf der anderen Seite liegt, braucht für niemanden weiter dargelegt zu werden, der die Art und den Umfang der deutschfranzösischen Handelsbeziehungen kennt. Nebenbei gesagt, ist gerade in Paris schon genug geklagt, daß der Geschäftsgang zu wünschen übrig lasse. Uns ist es stets eine angenehme Kunde, wenn wir von g den Aussichten für eine Verständigung über Marokko hören, aber es kann nicht unsere Pflicht sein, zur Erhöhung der Populariät der französischen Abgeordneten und zur Besestigunz der Stellung des Ministerpräsidenten Caillaux zu sagen, gebt frieden sein! Auf Phrasen wie die, daß uns kein Besitz abgetreren werden könne, auf dem französisches Heldenblut geflossen, ist natürlich nichts zu geben. Wir sind zu ruhig, um darauf den rechten Bescheid zu erteilen und bestehen einfach auf dem, was uns nach den beteten von Recht und Billiotst geonnt. Westfalen und Rheinland * Hagen, 23. Oktober.(Ein Liebhaber in Nöten.) In einer Wirtschaft an der Frankfurterstraße gab es an einem Abend der vorigen Woche einen großen Tumult. Im Kellerraum hatte man eine verdächtige Person wahrgenommen und sofort hieß es:„ein Dieb im Hause". Alle„beherzten“ Gäste sprangen von ihren Plätzen auf, die Skatspieler legten Karten hin; alles stürzte den Ausgängen zu. Der„Dieb' bei dem Sturm schnell auf die Straße gerannt. Dort suchte r einen Versolgrs, Die. ihn vort gehagtegage. ae sam. chen, daß er nichts Böses im Schilde ge,„ 6 melten sich immer mehr Menschen an. Schl die heilige Hermandad in Gestalt eines Schutzmannes und nun hielt es der Bedrängte doch für geraten, sein Heil in d. Flucht zu suchen. Er lief die Gartenstraße hinauf und ward nun nicht mehr gesehen. Der Wirt revidierte seinen Keller und stellte fest, daß nichts fehle; für die Nacht wurde aber doppelte Vorsicht getroffen. Letzter Tage erhielt nun die Köchin und Büfettdame des betreffenden Rest Brief von einem ihrer Verehrer, in dem ihr der Jüngling in rührenden Worten sein in Hagen erlebtes Aben teuer schildert. Er war von Elberfeld hierher gekommen, hatte die Angebetete, als er sie im Restaurant nicht antraf, im Keller vermutet und war„errötend ihren Spuren gefolgt. nahte das Verhängnis.„,(Bu1g Kgsmarstein.) * Volmarstein, 23. Cctover.(Lurg Vormarstr. Zur letzten Sitzung des Ausschusses zur Erhaltung der Burgruine Volmarstein hatte die Regierung als Vertreter die Herren Regierungsrat Hartwig, Regierungs= und Baurat Kratige und Baurat Meyer=Hagen entsandt, die 56 noch,16ung Besichtigung der Ausgrabungsarbeiten mit den Aussahrung vorschlägen des Königlichen Baurats Kullrich=Dortmund einverstanden erklärten. Danach sollen die Umfassungsnaue der einzelnen Bauteile der Burgruine bis über Ver####nhöhe gleichmäßig hoch aufgeführt und der Bergfried in ursprunglicher Form ausgemauert werden. Viel Mühe macht die fernung des Schuttes, der noch in einer Höhe von etwa 2 Metern auf dem Burgplateau lagert. lage einer Böschungsmauer am Fuße der nördlichen Seit# * Gevelsberg, 21. Oktober.(Daßder heilige Bürskratius) nie ausstirbt, zeigt nachstehender Vorfall. Bei der Neuparzellierung der Grundstücke eines hiesigen Landwirts wurde festgestellt, daß ein bisher zur ger und daher an sich steuerfreier Hofraum von 75 Quadratmeter Größe nicht als zur Gebäudebesitzung gehörig zu rechnen und daher grundsteuerpflichtig sei. Flugs wurde bezüglich dieses Grundstücksteils eine Grundsteuerfortschreibung seitens des Katasteramtes vorgenommen und diese dem Eigentümer in Form des vorgeschriebenen, 4 große Seiten umfassenden und dreimal handschriftlich vollzogenen Formulars mitgeteilt. diese umfangreichen Arbeiten waren erforderlich, um vem Staate bei einem angeblichen Reinertrag von zwei Taler einen Grundsteuerbetrag von sage und schreibe„ Pennig“ nicht entgehen lassen, wenn auch dieser dem Staat: an Arbeitslohn usw. mindestens das 200fache gekostel##be. * Blankenstein, 23. Oktober.(Leichenfund) alten Wege nach Holthausen, an einer Stelle, die cerne von Obdachtlosen besucht wird, fanden zur Arbeit wollten, heute in der Frühe des Tages eineu bekannte weibliche Leiche. Nach Ansicht unserer Polizeibehörde handelt es sich um eine Person zwischen 65 Jahren und es wird angenommen, daß sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Der Tod kann erst kurz vor dem Auffinden eingetreten sein; man schließt dieses aus frischblutenden * Sodingen, 21. Oktober.(Grausiger Tod.) Der Lehrhauer Heinrich Schlemmer von hier fiel mit einem Kohlenwagen in den Bremsberg und konnte nur als gräßlich verstümmelte Leiche zu Tage gebracht werden. * Recklinghausen, 23. Oktober.(Reiche Beute.) In vergangener Nacht wurde in das am Markt gelegene Goldwarengeschäft der Witwe Walter eingebrochen. Es wurden Jum len und Goldwaren im Werte von 10 000 biz 12000 MA g: e essen, B. Oktober.(Wegen Körperverletzung t Tooeset####) gernstagten, Der Aigelloge Hermann Koch aus Bottrop zu veran. Der hatte am 17. Juli dieses Jahres den Handlange;, Wecke nach einem Streit niedergeschlagen. Wece. Folgen der erhaltenen schweren Schädelverletzung nach e.. Stunden gestorben. Bei Versagung mildernder Umstände####tete das Urteil gegen Koch auf vier Jahre Zuchthaus u Jahre Ehrverlust. elberseld, 23. Oktober.(Falsches Ge l2)mgge geht fast kein Tag mehr, an dem hier keine falschen J. stücke angehalten werden. Obgleich nach allen Seite mittelungen angestellt werden, ist es bis jetzt nicht gelung die Verausgeber zu fassen * Elberseld, 23. Oktober.(Einem Ueberfall erd tete) ein Dienstmädchen, das im Restaurant„Schwedisches Blockhaus“ im Mirkerhain angestellt ist. Es gab an, von einem unbekannten Menschen überfallen und mißhandelt zu. Im Krankenhause hat es dann 3 Tage lang einen Start######pf vorgespielt. Anfangs hielten die Aerzte den Zustand für ernst erst am 4. Tage komen sie hinter den Schwigdel und nun gas das Mädchen uv, bos aues erbichy,„ierzeichneten, Brief erWirt einen mit„Schwarze Hand“ unterzeicht Nil: erhalten; dieser Brief rührt, wie sich herausgestellt hat, von dem Dienstmädchen her. * Düsseldorf, 23. Oktober.(Hinter den Kulissen des Kasinoklubs.) Zu der bereits gemeldeten hebung der Spielhölle in der Hohenzollernstraße sei noch kurz mitgeteilt, daß zahlreiche Klubmitglieder, enorme Verluste erlitten haben. Aus den Briefen geht hervor, daß einige vor dem Ruin standen und dem Selbstmord nahe waren. Viel: Existenzen sind gänzlich vernichtet worden. Kurz vor Erschei nen der Krimminalpolizei hatte noch ein Bauunternehmer aus Hamburg in wenigen Minuten 15000 M verloren. Die Verluste an einem Tage gingen in die Hunderttausende. Das gesammelte Material hatte die Polizeiverwaltung err E#n anwaltschaft übergeben, die nach Prüfung der Akten die, Feist, nahme der drei Hauptbeteiligten anordnete. Als die„ eindrang, war das Spiel in vollem Gange, etwa 30 Herr#. saßen um die Roulette. Die Seele des Spielklubs war der Regierungsreferendar a. D. Dr. Otto Schröder. Dieser stammt aus einer angesehenen Berliner Familie. Vor längeren Jahren mußte er seine Laufbahn aufgeben, seitdem hat e. nur noch von Spielgewinnen gelebt. Auf allen Rennplätzen war er eine bekannte Erscheinung. Auch in Monte=Carlo spielte er und war dort viel genannt. In Berlin war er eifriger Besucher des von der Polizei vor 4 Jahren aufgehobenen Anglo=American=Klub Unter den Linden, wo er mit dem wegen Ermordung des Mühlenbesitzers Mattonet zum Tode verurteilten, später zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigten Rennfahrer Breuer zusammentraf, dem er große Summen Schröder. Zuletzt soll er an der Spielbank in Namur beteiligt gewesen sein. Im April gründete er hier den Kasinoklub, dessen Statuten mit genauer Gesetzeskenntnis abgefaßt sind, so daß der Polizei ein Einschreiten zuerst nicht möglich war Der zweite Verhaftete, Rentner v. Wrede, erfüllte mehr die Pflichten der Repräsentation in den außerordentlich elegan eingerichteten Klubräumen. Auch er entstammt einer angesehenen Familie und ist schon früh auf die Spielerbahn gekommen. Der dritte Festgenommene, der Kaufmann Löwen aus Köln, spielte nur eine untergeordnete Rolle. Er kam nur für Schieberdienste in Betracht. * Düsseldorf, 23. Oktober.(Kind verbrannt.) In der Wohnung einer Familie in der Bendelstraße stürzte, während die Ehefrau das Zimmer für einige Augenblicke verlassen hatte, ein brennender Spirituskocher um. Das in der Wohnung befindliche 10 Monate alte Kind wurde von den Flammen des 18 Urkraft der Liebe. Roman von Karl Engelhardt. (Nachdruck verboten.) Und nun war es durch irgendeine äußere Veranlassung vielleicht oder auch durch seine Hochzeit wieder ausgeneckt worden, und er hatte eingesehen, daß er sich selbst betrogen, wenn er geglaubt hatte, frei zu sein. Lange rang sie mit sich, mit ihrer Liebe, bis sie sich zu einer Entscheidung durchkämpfte. Dann aber faßte das junge Weib einen so beroischen Entschluß, wie man ihn der schmächtigen, zierlichen Gestalt gar nicht zugetraut hätte. Sie überlegte mit einer Ruhe und Sicherheit, als handelte es sich gar nicht um ihr eigenes Lebensglück, für das sie stritt. Sie sagte sich, daß Erich sich gewiß nicht mit ihr verlobt hätte, wenn sie ihm völlig gleichgültig gewesen wäre. Was hätte ihn denn sonst veranlassen können? Da er äußere Güter selbst in Fülle besaß. Und da er viel zu edel war, um eine Ehe aus materiellen Gründen zu schließen.„ war Idealist: auch jetzt noch. Infolgedessen hatte er sich sicher ein Gluck een ihr erhofft, als er sie zu seinem Weibe begehrte. Also war nur etwas wieder erwacht, das dieses aufkeimende Glücksverlangen, seine aufblühende Neigung zu ihr zu ersticken drohte. Und sicher gegen seinen Willen. Und deshalo litt er sicher nicht weniger wie sie selbst. Es galt für sie darum, an seinem wie an ihrem eignen Glücke in gleicher Weise zu bauen. Und das bedurfte einer sorglichen Hand, gestand sie sich. Und es bedurfte weiter einer übermenschlichen Selbst beherrschung und Selbstverleugnung und auch— einer außerordentlichen Anspruchslosigkeit von ihrer Seite. Sie durfte von ihm nicht mmehr zu fordern scheinen, als er im Augenblick zu geben imstande war. Wenn sie nicht überhaupt jeden Erfolg aufs Spiel setzen wollte. Was in ihr loderte, mußte sie achtsam bedecken. Nur warme ruhige Zärtlichkeit sollte jeden seiner Schritte umgeben. Und in deren mildem Glanze würden vielleicht die kalten Schatten weichen, die ihn wieder einzuhüllen drohten. Würde er hoffentlich wieder seine Frische und— sie gedachte der Worte, die er bei jener musikalischen Abendunterhaltung zu ihr gesprochen— auch seine Kraft zu lieben wieder erlangen. Langsam würde sich aus der vielleicht schwachen Neigung zu ihr, an der sie nicht zu zweifeln wagte, jene große, allgewaltige, ewige Liebe entwickeln, deren Ahnung sie mit Schauern erfüllte. Und dann würden die Strahlen seines Glückes auf sie fallen und die Fülle des ihrigen, die in ihrem Herzen schlummerte, wachküssen zu herrlicher Entfaltung.— Sie wurde ganz hoffnungsfroh bei diesen Gedanken. Aber leider hatten ihre so schön zurechtgelegten Pläne gerade den gegenteiligen Erfolg. Erich hatte sich fest vorgenommen, sie glücklich zu machen. Und er gab sich krampfhafte Mühe, die Lähmung abzuschütteln, in die ihn die Vergangenheit geschlagen hatte. Und in diesen Tagen hätte alles gut werden können, wenn seiner im Grunde leidenschaftlichen Natur dasselbe Fühlen entgegengeschlagen hätte. Da bemerkte er aber nur zu bald die scheinbare Kühle, für die er die ruhige Zärllichkeit Majas Und das durchfröstelte ihn wie Winterlust. Die Vergangenheit fand weniger als je in ihm Widerstand. Auch er wurde kühler, und Maja sah darin nur Vermutungen bestätigt. Im Verkehr mit ihr aber zeigte er jene abgemessene, fast förmliche Zärtlichkeit, die auf die Dauer zum Grabe jeder Ache 65h. Gerade weil man sich äußerlich eigentlich nichls vorzuwerfen hatte, weil die Ehe im ruhigsten Gleichmaße der friedenheit dahinzufließen schien, trat man sich innerlich nicht näher. Was selbst ein beftiger Ausbruch in ihnen hätte losrütteln können, das dämpfte erstickend diese abgeklärte Liebenswürdigkeit von Tag zu Tag mehr. Sie litt gräßlich unter diesem steten Sichselbstüberwinden und Entbehren. Ihr Herz, ihre Sinne lechzten nach ihm mit irer ganzen Glut.„ Jume, uin. Er aber fühlte, wie seine Neigung zu Maja immer stiller wurde. Wie sie immer mehr die Kraft verlor, anzukämpft gegen das Verhängnis. Wie sich immer stärker in ihm die Überzeugung festsetzte, daß er unrecht getan hatte, zum zweit mal zu heiraten, auch Maja mit seinem Elend zu ersticken. Er bewies es sich immer deutlicher, daß er in einer zweiten Ehe nicht mehr finden konnte, was er einst darin gesucht hatte. Und daß er nicht all die Gefühle mehr geben konnte, die ein junges Weib erwartete. Es war ein unbewußtes spielen vor sich selbst, eine unabsichtliche Verleugnung der Er hatte noch nicht einen Pinsel angerührt, seit er verbeiratet war. Sein Hirn, seine Phantasie Zeit wie ausgebrannt. Und allmählich begann das Gefährlichste, was einer jungen Ehe drohen konnte. Er sing an, sein Heim zu meiden, so sehr es ihn auch oft dorthin zurückzog. Es war Anfang Mai. Und der zeigte sich, wie es so häufig seine Gewohnheit, in diesem Jahre wieder einmal von seiner unfreundlichsten Seite. Kalte Regenschauer mit Hagel und haarscharfem Schnee vermischt jagten das Land und peitschten das Meer. Von der See her wehte eine eisige Kühle, die sich bis ins Mark hineinfraß. Der Himmel war fast immer mit schmutzigen grauen Wolken verhangen, durch die sich die Sonne kaum hier und da mit mattem, weißem Glanze hindurchzustehlen vermochte. Trotz Wind und Wetter, Sturm und Kalte ging nun jeden Tag am Morgen weg. Im Anfang hatte sie einmal zu bitten gewar „Nimm mich doch mit, Erich!“ (Fortsetzung folgt.)— Seite 6. Schwerter Zeitung Amtliches Kreisblatt.) Dienstag, den 24. Oktober 1911. Nr. 250 und verbrannte vollexplodierten Spirituskochers ergriffen ständig, ehe Hilfe zur Stelle war. * Köln, 23. Oktober.(Todessturz) Auf einem Neubau in der Emmastraße in Sülz ist ein Arbeiter so unglücklich von einer Treppe gestürzt, daß er einen Schädelbruch erlitten hat und kurz nach seiner Unterbringung in der Krankenanstal: auf der Lindenburg gestorben ist. Der Mann war 18 Jahre alt und die Stütze seiner Eltern. * Köln, 23. Oktober.(Mord.) Ein junger Mann in Ehrenfeld gab auf die Frau seines Gastwirtes zwei Revolverschüsse ab. Eine Kugel drang der Unglücklichen in den Kopf und führte ihren sofortigen Tod herbei. Der Mörder flüchtete. Aus einem vorgefundenen Schreiben geht hervor, daß er sich seit langer Zeit mit dem Plane trug, die Frau zu töten. * Bonn, 23. Oktober.(Tödliche: Unfall] Der Arbeiter Josef Winter, der am Güterbahnhof gestern vornittag für eine hiesige Firma Kartoffeln ausladen sollte, wurde von der herausstürzenden Türe des Güterwagens, die er aufma. chen wollte, getroffen. Er schlug mit den Kopfe auf eine Eisenbahnschiene und war sofort tot. * Königswinter, 21. Oktober.(Beim Indianerspiel erschoß) der 9jährige Schüler Heinrich Luck den gleichaltrigen Knaben Nikolaus Krebs mit einer Teschingpistole. Die Sechsmillimeter=Kugel war dem Jungen in den Hals gedrungen, hatte die Schlagader getroffen, infolgedessen der Tod alsbald eintrat. Das Unglück ereignete sich in der Nähe des Wilsdorfer Hofes; nach der Tat liefen die Jungen davon und ließen den Getroffenen allein. Es liegt ein unglücklicher Zufall vor, denn der jugendliche Täter soll nicht gewußt haben, daß die Pistole geladen war. Natur und Leben. Herbstwald. In Nr. 10 des Keplerbundorganes„Unsere Welt" schreibt Professor Dr. Heineck: Nun kommt noch die schöne Zeit der Laubfärbung. Die Blätter erhalten ihre eigentümliche grüne Farbe, die nebenbei bemerkt in der Farbenskala, in der sich der Himmel manchmal malt, vollständig fehlt, nicht von einem einzigen Farbstoff, sondern hier sind drei verschiedene Farben gemischt, eine grüne, eine rote und eine gelbe, die in wechselnden Mengen in den oberflächlichen Zellen des Blattgewebes enthalten sind. Grün hat aber die Vorhand und das ist auch begreiflich, da seine Träger, die Blattgrünscheibchen, die Ernährer der Pflanzen sind, indem sie den rohen, von den Wurzeln gelieferten Nahrungssaft mit Hilfe des aus der Kohlensäure der Luft stammenden Kohlenstoffes organisch machen und daraus als erstes Produkt die Stärke bereiten, aus der dann die Pflanze ihren Körper aufbauen und erhalten muß. Dies kann aber nur im Lichte geschehen und trotzdem ist dieses der ärgste Feind des Blattgrüns und es gelingt ihm auch dasselbe im Laufe des Jahres ganz zu zerstören, so daß nur die beiden anderen Farbstoffe übrig bleiben. Hat dann Rot die Oberhand, so sehen die Blätter rot aus(Kirschbaum, Birnbaum, wilder Wein), ist es hingegen der gelbe, so prangen die Blätter in dieser Farbe (Eiche, Buche usw.). Wir sehen also, daß auch das Licht die Ursache der Laubverfärbung ist. Sieht nun schon ein Baum in dem neuen Schmucke interessant aus, so bietet ein Wald, der die verschiedenartigsten Bäume und Sträucher enthält, einen geradezu entzückenden Anblick, an dem sich der Farbenkundige wahrhaft berauschen kann. Und viele dieser Leute ziehen den Herbstwald der Blütenpracht eines Obsthaines vor. Vogelzug. Dr. O. Rabes schreibt in Nr. 10 des Keplerbundorganes„Unsere Welt": Um zu ergründen, wie sich die Vögel bei stark bewölktem Himmel benehmen, wurden Hänflinge und Lerchen mit empor genommen und über den Wolken ausgesetzt. Die Berichte darüber sind so interessant, daß sich einige wörtlich wiedergebe:„12 Uhr 45 Min. nachmittags, Hänfling in 1200 Meter Höhe über dicken Wolken ausgesetzt. Derselbe umkreiste längere Zeit den Ballon, geht dann hoch und umkreist wieder den Ballon. Plötzlich geht er sehr rasch nach unten und zwar durch eine alsbald sichtbar werdende, von uns nicht gleich bemerkte Wolkenöffnung, Die Fremdenlegion. und die einen Durchblick auf der Erde gestattete.— 5 Uhr nachmittags, 3000 Meter Höhe, Lerche ausgesetzt. Ueber dem Ballon klar, unter dem Ballon dicke Wolken, jedoch verschiedene Durchblicke auf die Erde. Die Lerche geht langsam gegen den Wind durch eine Wolkenöffnung nach unten.“ Aus diesen Beobachtungen scheint mit Sicherheit hervorzugehen, daß die Vögel sich nur orientieren können, wenn sie einen Ueberblick über die Erde haben, über dem Wolkenmeere aber ebenso ratlos sind, wie ein Wanderer in ganz fremder Gegend bei starkem Nebel. — Bunte Chronik. Ein interessanter Rechtsfall. Die wegen Ermordung ihres Gatten zu mehrjähriger Freiheitsstrafe verurteilte Rektorswitwe Paula Herberich in Nürnberg hatte die Auszahlung des üblichen Witwengeldes von der Stadt Nürnberg beansprucht. Die Stadt weigerte sich in Anbetracht der Ermordung des Rektors durch die Frau, die Rente zu zahlen, und sie hat mit ihrer Aufassung auch an Gerichtsstelle Recht bekommen. Besestigungen am Juliusturm. Am Juliusturm in Spandau, wo der Kriegsschatz des deutschen Reiches verwahrt wird, werden gegenwärtig Bauarbeiten ausgeführt, die zur Verschärfung der Sicherheit dienen sollen. Auch die alten Schießscharten, die bislang offen waren, werden zugemauert. Die Arbeiten werden in etwa vier Wochen beendet sein. Wieder ein Jagdunfall. Bei einem Jagdausfluge, den der Oekonomierat Sernau mit seinem 18jährigen Sohn durch die Felder von Brehna bei Halle unternahm, ereignete sich ein schweres Unglück, dem der junge Sernau zum Opfer fiel. Der Oekonomierat hatte sein Gewehr vor sich auf das Schutzleder des Wagens gelegt. Durch das Rütteln des Gefährts entlud sich die Waffe plötzlich und der Schuß drang dem jungen Mann in den Rücken Die Verletzungen waren so schwerer Natur, daß der Verletzte wenige Minuten darauf in den Armen seines Vaters starb. Postdiebstähle in Frankreich sind leider nichts Seltenes. Im Toulouser Hauptpostamt wurden zwei Postsäcke gestohlen, die für 100000 Mk. Papiergeld enthielten. Man vermutet den dreisten Dieb unten den Postbeamten, bisher hat man ihm aber nicht auf die Spur kommen können. Auch im Gefängnis gibt es Poeten, wie ein gereimter Erguß zeigt, den ein Insasse des Osnabrücker Gerichtsgefängnisses auf einen Bogen Packpapier geschrieben hat, der dann als Hülle irgendwelcher Papierarbeit in den Besitz einer dortigen Firma gelangte. Der mit der Kennzeichnung:„Osnabrück, 11. 10. 1911“ und„Gerichtsgefängnis“, versehene Reim lautet: Wer Freiheit nicht zu schätzon weiß, Muß dieses Haus betreten, Er lernet hier in kurzer Zeit Für seine Dummheit beten.“ Uebrigens scheint der Schreiber dieser gar keinen üblen Gedanken verratenen Zeilen ein Musiker zu sein, denn auf der Rückseite des Papierbogens hat er versucht, die Bitte:„Erbarme dich!“ in Musik zu setzen. Es scheint, als ob man es in dem Manne mit einer Person zu tun hätte, die für die menschliche Gesellschaft noch keinesfalls verloren ist. Und derer gibt es gar viele. Deshalb ist ja die Fürsorge für entlassene Strafgefangene eine höchst menschenfreundliche, unterstützungswerte Sache.. 2 P.##1 (Vortrag von Rechtsanwalt Thoholte im GardeLandwehrverein am 15. Oktober 1911. (Schluß.) Leise teilte er jedem an der Schießscharte den Plan mit. Alsbald stellte sich der Korporal betrunken, stieß eine Tür auf, gähnte und markierte Erbrechen. Mit schweren Schritten stampfte er hinter dem Schanzwerk auf und ab und erkletterte eine Leiter, von welcher er einen Absturz fingierte. Ein leises Lachen der Piraten zeigte, daß der Plan gelungen sei. Ein Pfeil schwirrte ihm am Kopfe vorbei. Jetzt gab es noch eine kurze Beratung der Piraten und dann erfolgte der Angriff. In einer halben Minute waren die Palissaden von 20 Feinden erklettert. Die Besatzung schaute auf den Führer. Dieser gab aber das Zeichen, noch zu warden. Erst als die 20 herabgesprungen und 20 neue Gesichter aufgetaucht waren, befahl er auf die letzteren zu schießen. 13 schwere Körper fielen. Eine zweite Salve holten die letzten 7 herunter. Dann gings an die vorher herabgesprungenen. In nicht ganz 5 Minuten lagen 40 Tote innerhalb und außerhalb des Palissadenzaunes. Jetzt begann eine regelrechte Belagerung. Während der weiteren Tage konnte niemand Wasser vom Bach holen. Der Trinkvorrat war zu Ende. Außerdem hatten die Piraten ihre Toten zur Verwesung des Nachts an den Palissadenzaun gelegt, um die Luft zu verpesten. Es waren furchtbare Tage, die jetzt kamen. Außer dem Mangel an Wasser, den Schüssen der Feinde, wurde man entsetzlich von giftigen Fliegen geplagt, die auf den Leichen gesessen hatten. Nach weiteren fünf Tagen wagte der Korporal eine kühne Tat. Er zog einer stinkenden Piratenleiche den Anzug aus, bekleidete sich damit, ergriff zwei Eimer und ging zum Bach. Es war stockfinstere Nacht. Ein Posten der Piraten rief ihm etwas zu. Der Korporal antwortete in der Eingeborenensprache: ich weiß nicht, worauf der Posten ihn passieren ließ. Als der Korporal den fast verdursteten Leuten die beiden Eimer mit Wasser zeigte, gab es ein nie dagewesene Freude. Mit 13 hatte die Belagerung begonnen, noch 6 waren da, als sie entsetzt wurden; diese 6 hatten sich drei Tage lang gegen 400 Feinde verteidigt. Und diese 6 waren deutsche Landsleute bis auf einen; sie heißen: Heilbronn, Steickel, Hiltwann, Wemert und Korporal Vorwerck. Dortmunder Stadttheater. „Zigeunerliebe". Dienstag, 24. Oktober, abends 7½ Uhr: Romantische Operette von Franz Lehar. Mittwoch, 25. Oktober, abends 7½ Uhr:„Bachmeisels Himmel= fahrt". Schwank von Wilhelm Jacoby und Harry Pohlmann. Donnerstag, 26. Oktober, abends 7½ Uhr:„Die Entführung aus dem Serail.“ Komische Oper von W. A. Mozart. Freitag, 27. Oktober, abends 7½ Uhr:„Uriel Acosta". Trauerspiel von Carl Gutzkow. Die beste und billigste Bezugsguelle für Schneiderinnen :!:: ist das:::: Kaufhaus Otto Marx Hamburger Engros-Lager Schwerte, Ostenstr. 20. — Fernsprecher 233. 6323 Gewerbebank e. G. m. b. H., SommSTIS. Reichsbank-Giro-Konto. Fernspr. 18. Postscheckkto. No. 1 765 Köln Kassenstunden: 9 bis 12 Uhr vorm., 8.80 bis 5.30 Uhr nachm. Wir vergüten z. Zt. auf Spareinlagen: Bei 1-monatl. Kündigung und tägl. Verzinsung 4% 3.„„„„ 4¼% * 80 Haararbeiten: Zöpfe! 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Wollen Die einen feinen Ersatz für Karur bulker so versuchen Sie meine hochseine SüßrahmMargarine. pi Po. Sc Carl Ein Herbstspaziergang nach Dortmund. Die Herbstluft weht; wir beenden unsern Spaziergang im Freien, wo es allmählich kalt und dunkel wird und wenden uns der nahen Stadt zu. Aus dem unheimlichen Dunkel der Landstraße heraus empfangen uns schon beim Eintritt die ersten Laternen. Wir durchwandern die noch spärlich erleuchtete Vorstadt und kommen dem Zentrum näher. Allmählich wird es lebendig auf den Straßen. Hier schon ein Kientop, dort die Umrisse eines hellerleuchteten Restaurants, wieder weiter schon einige erleuchtete Schaufenster unserer Modewarenhäuser. Wir kommen an Prachtbauten und Denkmälern vorbei und lassen uns von dem magischen Lichte der Hauptverkehrsstraßen anziehen und leiten. Wir besichtigen die Schaufenster unserer großen Konfektions= und Modewarenhäuser und bewundern deren sinnreiche Dekorationen, bis uns plötzlich die feenhaft erleuchtete Schaufensterfassade des Herrenmoden=GroßstadtEtablissements der Firma J. Fischer, Dortmund, Ostenhellweg(deren Ruf als größtes Spezialgeschäft Deutschlands auch im ganzen Rheinlande schon seit Jahren wohl begründet ist) geradezu überrascht. Hier sind es nicht die künstlerischen Dekorationsmotive allein, sondern mehr die zur Schau gestellten Herbstmodelle, die unser Interesse festhalten. Neue Stoffe, neue Formen, schicke Verarbeitungen lassen uns die Besichtigung der langen Schaufensterflucht nicht langweilig erscheinen. Hier eine Auslage der modernsten Herrenulsters, dort eine Dekoration der elegantesten Herren=Paletots, daneben in übersichtlicher Gruppierung die neuesten Jünglings= und KnabenGanderoben. Ein anderes Fenster zeigt uns, wie maßersetzend der fertige Sacco=Anzug sein kann. Reizende Knaben=Anzüge, Paletots und Ulsters in jeder Größe, jeder Geschmackrichtung bilden die sehenswerten Auslagen anderer Fenster. Eine weitere Dekoration zeigt uns die„Warme Winterkleidung" bestehend aus Pelzen, Lodenjoppen, Wettermänteln etc. und lassen uns die herrschende Kälte beinahe ganz vergessen. Aber nicht nur die Eleganz und Solidität dieser fertigen Garderoben befriedigt unser Auge, vor allem sind es die billigen Preise, welche uns geradezu überraschen, sie geben ein beredtes Zeugnis von der Leistungsfähigkeit dieses, dem Verbande erstklassiger Spezialgeschäfte angehörenden großen Herrenmoden=Etablissements and befestigen die schon lang gehegte Absicht, demselben gelegentlichst einen Besuch abzustatten. Verantwortlich für die Redaktion: Friedrich Kraas. Druck und Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Krusfkäften : l i e f e r t p o r t o f r e i d i e: ducbbandlung Carl Braus Grosse Marktstr. 3—5. Jagd-. Luxus- u. Scheiben-Gewehre Reparaturensof.,solid u.preisw. in erstklassiger Ausführung fertigt zu billigsten Preisen Wilhelm Fahner, Suhl.18. Gewehrfbr. Preisliste gratis. Ia Refer. 5003 Kusländische Vriesmaruen in bedeutender Auswahl zu billigen Preisen hält vorrätig Bschhandlung Carl Praus Schwerke(Ruhr). Jeder kaun für 25 Pfe, 1 Pld. Fleisch essen. la. Schweinekleinfleisch, bestehend aus fleischigen Rippen, Köpfen. Beinen, Schwänzen pp., garantiert tierärztlich untersuchte, saubere, inländische Ware in Kübeln von 30 Pfd. an p. Pfd. 25 Postkolli enthaltend 9 Pfd. 3 K. Ia. ges. Schweineköpfe mit voller Fettbacke pr. Pfd. 40 J. la. knochenloses Schweinefleisch gekocht und konserviert in 9 Pfd. Dosen p. Dose 5. Alles ab hier p. Nachnahme. Nichtgefallendes retour. 5860 Alb. Carstens Altona a. E. 192, Eimsdüttlerstr. 63. den notwendigsten Toiletten=Utensilien bereits zur Hälfte gefüllt war. Es waren keine Kostbarkeiten, die das junge Mädchen da zur Mitnahme auf die Reise aussuchte, sondern durchweg die einfachsten und bescheidensten Gegenstände aus dem Besitz, den sie der Großmut ihres vaters verdankte. Als sie den Koffer gefüllt und verschlossen hatte, setzte sie sich an den Tisch, um einen Brief zu schreiben. Fast eine Stunde lang war sie damit beschäftigt, und wie nach einer schweren, anstrengenden Verrichtung atmete sie auf, als sie ihn endlich mit der Adresse des Herrn Gustav Steinschneider versehen konnte. Dann legte sie sich in den Kleidern auf das Sofa. Aber sie schlief nicht, sondern lauschte stundenlang mit gespannter Aufmerksamkeit auf jedes Geräusch, das im Hause vernehmlich wurde. Sie hörte, wie Gustav Steinschneider gegen Mitternacht heimkehrte und mit langsamen, schweren Tritten in sein Schlafzimmer ging. Er pflegte bei den gelegentlichen Zusammenkünften mit seinen Freunden ein paar Gläser über den Durst zu trinken und dann schon halb schlafend nach Hause kommen. Allem Anschein nach hatte er augd, Heztgegrg keine Ausnahme gemacht, denn es gab alletgzg.# und Gepolter, ehe die wieder eintretende St#### oerriet, daß er in die Kissen seines Lagers gesunken war. Nun regte sich in der ganzen Wohnung nichts mehr; feierlich klang der Schlag der ersten Stunde von einem nahen Kirchturm in Marthas Stübchen hinüber. Und als hätte sie darauf wie auf ein Zeichen gewartet, richtete sie sich empor, streifte hastig die Schuhe von den Füßen, öffnete leise die Tür und schlüpfte auf den kannte jeden Winkel im Hause so gut, daß sie auf ihrer nächtlichen Wanderung nicht in Gefahr war, irgendwo anzustoßen. Ohne zu suchen und zu tasten fand sie die Tür von Gustav Steinschneiders Schlafzimmer, und nicht das kleinste verräterische Knarren wurde vernehmlich, als sie durch den schmalen Spalt der nur wenig geöffneten Flügel über die Schwelle glitt. Hier drinnen aber waren alle Gegenstände mit voller Deutlichkeit zu erkennen, denn der Heimkehrende hatte in seiner Trunkenheit versäumt, die Fenstervorhänge zuzuziehen, und das bleiche Licht des vollen Mondes fiel in einem breiten Streifen über Bett und Dielen. Der Hausherr schlief mit halboffenem Munde und mit den lauten, rasselnden Atemzügen eines Berauschten. Auch wenn man dicht vor seinem Ohr eine Pistole abgefeuert hätte, würde er dadurch wahrscheinlich nicht aus seinem todesähnlichen Schlummer geweckt worden sein. Auf dem Nachttischchen neben seinem Bette lagen alle die Gegenstände, die er niemals aus den Taschen seiner Kleider zu nehmen versäumte: Uhr, Geldbörse und ein Schlüsselbund. Einzig um das letztere mußte es Martha bei ihrem nächtlichen Besuche zu tun gewesen sein, denn “ nach einem letzten kurzen Zaudern bemächtigte sie sich seiner mit raschem Griff und verließ dann behend und lautlos, wie sie gekommen war, das Zimmer. Aber sie kehrte nur in ihr Stübchen zurück, um die Lampe zu holen, die dort auf dem Tische brannte. Auch den an ihren Pflegevater gerichteten Brief nahm sie mit sich und die fünf Tausendmarkscheine, mit denen Johannes Wegner seine alte Schuld hatte bezahlen wollen. So betrat sie das Gemach, worin gestern morgen ihre Unterredung mit Gustav Steinschneider stattgefunden. Sie setzte die Lampe auf die Schreibtischplatte und begann, die an dem Bunde befindlichen Schlüssel zu probieren, um den rechten für die Schublade zu finden, in der sie das verhängnisvolle Dokument wußte. Es gelang ihr nicht sogleich, und da ihre Hand in begreifII licher Aufregung zitterte, glitt ihr beim dritten Versuche ) das Schlüsselbund aus den Fingern. Mit lautem Klirren I fiel es zu Boden, und heftig erschrocken beugte sich Martha nieder, um es aufzuheben. (Schluß folgt.) Hohe Häuser. „Hohe Häuser!“ bemerkte der Amerikaner verächtlich. „Hohe Häuser! Pahl Von so etwas hat man ja in Europa keine Ahnung. Als ich das letzte Mal in Neuyork war, ging ich an einem wahnsinnig heißen Tag durch die Straßen. Da sah ich einen Menschen aus einem Lift kommen, und ich traute meinen Augen nicht, der Kerl war vom Kopf bis Füßen in dicke Pelze gehüllt. : h n a n:„ M e n s c h,“ s a g t e i c h,„ w i e k o m m e n Sie denn sich bei einer solchen Glühhitze so einzumummeln?“ „Glühhitze?“ versetzte er,„haben Sie'ne Ahnung! Ich wohne da in dem Haus im obersten Stock, und das ist so hoch, daß das ganze Jahr Schnee liegt!“ Saint=Saëus und die Tiere. Saint=Saëns, der Kemponist von„Samson und Dalila“, ist ein leidenschaftlicher Tierfreund, und in vielen großen Aufsätzen ist er oft für den erhöhten Schutz der Tiere eingetreten und hat die Mißhandlung mit feurigem Eifer bekämpft. Erst vor wenigen Jahren erregte es großes Aufsehen, als Saint=SaEns in der Presse eine lebhafte Polemik gegen das Taubenschießen begann. Es gibt nur ein Tier, das er nicht liebt, vor dem er einen unüberwindlichen Abscheu hat, das ist die Spinne. Dagegen besaß er einmal eine Katze, deren ausgesprochene musikalische Sympathien und Antipathien selbst dem Komponisten ein Rätsel blieben. Seine Katze konnte nämlich Chopin nicht hören. Sobald sich Saint=Saëns an den Flügel setzte und Chopin spielte, so bemächtigte sich der Katze die größte Aufregung, ihre Haare sträubten sich, und sie ergriff schleunigst die Flucht. Wenn der Komponist dann etwas anderes spielte, Puccini, Leoncavallo oder was es auch nur war, nur nicht Chopin, dann kam die Katze alsbald zurück und nahm beruhigt ihren gewohnten Platz wieder ein. Und dies wiederholte sich jedesmal, wenn Chopin gespielt wurde. Diese musikalische Katze, deren Geschichte der„Gil Blas“ erzählt, starb später an Altersschwäche; aber ihre Abneigung gegen den großen polnischen Musiker bewahrte sie bis zum Tode. Humor. Ihm auch. Er:„Du weißt doch, die Kiste Zigarren, die du mir zum Geburtstag geschenkt hast,—“ Sie:„Nun, was ist's damit?“ Er:„Ich habe sie mit ins Bureau genommen, und dort sind sie mir gestohlen worden.“ Sie:„Das tut mir aber furchtbar leid!“ Er:„Mir auch— für den Dieb!“ Glück.„Hat Ihr Mann Glück bei den Rennen gehabt?“ fragte die Besucherin. „Ja, großes Glück," versetzte die junge Hausfrau.„Denken Sie sich nur, er hat irrtümlich einen Hundertmarkschein—“ „Auf einen Außenseiter geweitet?“ „Nein, er hat ihn in die Westentasche gesteckt und vergessen, ihn zu setzen.“ A Re 8 S 85 FI Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde 43. Jahrgang O Erlie. und äheltes Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncenblatt Unterhattungs=Beilage zu Nr. 250 Dienstag, 24. Oktober 1911. Umr Bunken. Roman von Reinhold Ortmann. (25. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) er andere hatte längst aufgehört, die Sache von der scherzhaften Seite anzusehen. Voll tiefen Ein reichte er seinem jungen Berufegrnossen, von dessen Charakterfestigkeit er schon so manchen vollwichtigen Beweis erhalten, die Hand. „Es kommt mir nicht zu, mein lieber Herr von Lexow, Sie nach den Beweggründen für eine so heroische Opferwilligkeit zu fragen, sondern ich habe die Beweggründe einfach zu respektieren. Aber nachdem Sie mich einmal Ihres Vertrauens gewürdigt haben, werden Sie mir auch wohl oder übel gestatten müssen, meine freundschaftlich warnende Stimme zu erheben, falls es mir durch die Umstände geboten scheint. Für jetzt möge die nochmalige Versicherung genügen, daß ich ganz zu Ihren Diensten bin, und daß Sie über mich verfügen können, wie die Umstände es fordern.“ Warm erwiderte Hubert von Lexow den herzlichen Händedruck. Er wußte ja, daß er auf das Wort dieses Mannes bauen dürfe wie auf einen Felsen. 16. Kapitel. Herr Ettore Dalbelli lag noch im Bett seines Hotelzimmers, als ihm der Groom den Besuch des Herrn von Lexow meldete. Ueberrascht und, wie es schien, mit einem Gefühl etwas beklommener Spannung sah er dem Eintretenden entgegen. „Was bringen Sie mir neues?“ fragte er.„Ist etwas Besonderes geschehen, daß Sie mich schon zu so früher Stunde aufsuchen?" „Nicht gerade etwas Aufregendes. Aber es lag mir doch daran, Sie noch zu Haus zu finden.“ „Bitte, nehmen Sie Platz, und entschuldigen Sie, wenn ich im Bett bleibe. Ich habe die Nacht mit einigen Freunden zugebracht, und der Kopf ist mir noch ein bißchen schwer. Was gibts also? Etwa eine Nachricht aus Denver?“ B 6 „Nein. Es handelt sich bei meinem Besuch uverhaupt nicht um den Doktor Brüning, sondern um Ihren Heiratsplan. Dalbelli fühlte sich merklich erleichtert, in er auch darauf bedacht war, es vor dem anderen„u verbergen. „Nun?“ fragte er.„Sie glauben doch nicht etwa, irgendwelche Hindernisse entdeckt zu haben?" „Allerdings. Aber das Hindernis, auf das ich durch einen sonderbaren Zufall ganz unvermutet gestoßen bin, liegt lediglich bei Ihnen. „Bei mir? Nun, dann wird es sich jedenfalls leicht genug beseitigen lassen.“ „In Ihrem Interesse möchte ich es wunschen. Sie gestatten mir doch, ganz offen zu reden?“ „Gewiß—. da Sie es ja vermutlich nur in guter Absicht tun wollen.“ „Ich habe Ihnen meinen Beistanv in Ihrer Herzensangelegenheit geliehen und habe zu Ihren Gunsten auf Fräulein Brüning eingewirkt, nicht so sehr um der versprochenen Belohnung willen, als weil ich Sie für einen Ehrenmann halte, der ehrlich bemüht sein wird, die junge Dame glücklich zu machen. Denn ich habe Ihnen nie verhehlt, daß ich Fräulein Brüning sehr hoch schätze, und daß ich nicht für alle Schätze der Welt dazu beitragen möchte, sie ins Unglück zu bringen. „Sehr wohl! Und was weiter?“ „Sie bewerben sich um die Liebe der jungen Dame, Herr Dalbelli, und unterhalten trotzdem gleichzeitig Beziehungen zu einer Schauspielerin oder Choristin.“ Mit einer Geste des Erstaunens richtete sich der Italiener auf.. „Woher wissen Sie das, Herr von Lexow?“ „Durch einen Zufall, wie ich Ihnen bereits sagte. In der letzten Nacht traf ich in einer Bar mit Mr. Frank Reynolds, einem meiner hiesigen Freunde, zusammen. Und Sie können sich denken, wie es mich überraschte, als ich im Laufe der Unterhaltung plötzlich Ihren Namen von ihm hörte.“ Meinen Namen?— Ich kenne keinen Mr. Reynolds. Habe meines Wissens weder geschäftlich noch privatim jemals mit dem Manne zu tun gehabt.“ „Das glaube ich wohl, denn auch Ihre Person ist ihm bis gestern völlig fremd gewesen. Er ist von Beruf Schauspiel=Unteinehmer, und er steht eben im Begriff, eine Truppe zusammenzustellen, mit der er eine einjährige Tournee durch die Vereinigten Staaten zu unternehmen gedenkt. Bei der Suche nach hübschen und begabten Tänzerinnen wurde er irgendwie auch auf Fräulein Lucia Rosalba vom Eldorado=Theater aufmerksam, und es liegt ihm, wie er mir sagte, außerordentlich viel daran, diese junge Dame für sein Unternehmen zu gewinnen. Gerade gestern abend hatte er mit ihr darüber gesprochen, und es war ihm nach seiner Erzählung sehr unangenehm, daß sie nicht sofort zugesagt hatte...uuter Eächstem Der Italiener lauschte mit unverrenndat hochsten Interesse, aber er verhielt sich schweigend, er offenbar noch immer nicht recht wußte, woraus vas 9 2 4 80 □ — alles hinaus sollte. Und nach einer kleinen wohlberechneten Pause fuhr Lexow in demselben ernsten, fast vorwurfsvollen Tone, den er von vornherein angeschlagen hatte, fört: „Fräulein Rosalba schien zwar im Prinzip nicht abgeneigt, das Anerbieten anzunehmen, aber sie fürchtete, daß es ihr nicht gelingen würde, die Einwilligung eines Freundes zu erlangen, von dessen Zustimmung ihre Entschlüsse abhängig seien. Sie hatte Mr. Reynolds auch den Namen dieses Freundes genannt, und es gab für ihn keine Veranlassung, ihn mir zu verheimlichen. Dieser Freund, Herr Dalbelli, sollen Sie sein.“„ g „Nun? Und wenn es so ware? Ist es ein Verbrechen, in näheren Beziehungen zu einer jungen Dame vom Theater zu stehen?" „Nicht, solange man frei ist. Aber ich meine, Herr Dalbelli, Sie wären es jetzt nicht mehr.“ „Und ich kann Ihnen versichern, daß ich keinen lebhafteren Wunsch habe, als den, mein Verhältnis zu Fräulein Rosalba so bald und so vollständig als möglich zu lösen. „Warum aber, wenn es mir gestattet ist zu fragen, haben Sie es nicht bereits getan? Sie setzen damit ja alle Ihre Chancen bei Fräulein Hilde Brüning aufs Spiel. Als ein Mädchen aus guter Familie hat sie in solchen Dingen natürlich sehr strenge Ansichten, und sie würde Ihren Antrag unfehlbar zurückweisen, wenn sie zufällig etwas von dieser Theaterliebschaft erführe.“ Die Miene Dalbellis hatte sich verfinstert. „Sie denken doch nicht daran, eine Indiskretion zu begehen?“ „Ich?— Nein!— Aber diese Kleine, die gestern zu einem wildfremden Menschen ohne zwingenden Grund ganz offen von den Beziehungen zu Ihnen sprach, wird anderen gegenüber schwerlich viel verschwiegener sein. Und solange Sie da nicht reinen Tisch gemacht haben, sind Sie in ständiger Gefahr, Ihre Hoffnungen scheitern zu sehen.“ „Sie haben es sehr leicht, mein Bester, mir solche Ratschläge zu erteilen. So einfach, wie Sie sich's vorzustellen scheinen, liegen aber die Dinge leider nicht. Ich kann aus zwingenden Gründen nicht rücksichtslos gegen das Mädchen vorgehen und muß wohl oder übel einen geeigneten Zeitpunkt abwarten, um mich mit ihr auseinanderzusetzen.“ „Das ist schlimm. Aber Sie sollten dann wenigstens darauf bedacht sein, sie so bald als möglich von hier zu entfernen. Der Engagementsantrag des Herrn Reynolds bietet Ihnen dazu die allerbeste Gelegenheit, und ich erwarte, daß Sie sie nicht ungenützt lassen werden.“ „Sie meinen, daß ich ihr zureden soll, ihn anzunehmen?“ „Ich meine, daß Sie alles aufbieten sollten, was in Ihren Kräften steht, sie dazu zu bewegen. Ist sie erst einmal von hier weggebracht, so wird es Ihnen erheblich leichter fallen, sich ihrer ganz zu entledigen. Auf eine angemessene Abfindungssumme wird es Ihnen ja, wie ich vermute, nicht ankommen.“ Der Italiener schüttelte den Kopf. „Diese Lucia Rosalba ist keine von den Frauen, die sich einfach mit Geld abfinden lassen. Und man müßte schon ein anderes Mittel ausfindig machen, um sie loszuwerden. Aber darüber wird sich später reden lassen. Vorläufig darf sie nicht einmal ahnen, daß ich mich mit derartigen Absichten trage. Denn es könnten mir allerlei peinliche Unannehmlichkeiten daraus erwachsen. Aber ich leugne nicht, daß mir dieser Herr Reynolds mit seinem Anerbieten sehr gelegen kommt, vorausgesetzt, daß er Fräulein Rosalba nicht schon heute oder morgen von hier zu entführen gedenkt." „Aber je schneller sie Neuyork verläßt, desto angenehmer sollte es Ihnen doch eigentlich sein. Ich will um des Fräulein Brüning willen nicht hoffen, daß es Ihnen noch immer schwer fällt, sich von der Künstlerin zu trennen.“ „Nein, davon ist keine Rede. Aber ich brauche sie noch. Für die nächsten acht Tage kann ich sie noch nicht fortlassen. Ueber die Gründe kann ich mich nicht weiter aussprechen.“ „Ich glaube auch nicht, daß es Mr. Reynolds gar so dringend hat. Soweit ich ihn verstanden habe, kommt es ihm nur darauf an, bestimmt zu wissen, ob er auf die wertvolle Akquisition rechnen darf oder nicht. Er beabsichtigte, heute nachmittag bei dem jungen Mädchen vorzusprechen, um ihre endgültige Entschließung in Empfang zu nehmen.“ „Dann werde ich auf der Stelle zu ihr gehen. Sie entschuldigen, lieber Freund, wenn ich Sie fortschicke, um rasch Toilette machen zu können.“ Lexow, der den Zweck seines Besuches erreicht sah, hatte keine Veranlassung, sich länger aufzuhalten. In einem unweit gelegenen Caféhause traf er mit seinem Kollegen Whymper zusammen, der die Rolle des Impresario am gestrigen Abend mit so großem Geschick gespielt hatte. Er berichtete ihm von seiner Unterredung mit dem Italiener und bat ihn, sich nachmittags gegen drei Uhr zu der Tänzerin zu begeben. „Ich werde die Haustür beobachten,“ fügte er hinzu. Und so bald ich Sie fortgehen sehe, werde ich mir bei der Dame Gehör verschaffen. Denn ich muß natürlich ihre erste eifersüchtige Aufwallung benutzen und muß sie zum Reden zu bringen suchen, ehe sie eine Möglichkeit gefunden hat, mit Dalbelli zu sprechen.“. Mr. Whymper machte ein nachdenkliches Gesicht. „Je mehr ich über Ihren Plan nachgedacht habe, mein lieber Herr von Lexow,“ sagte er,„desto gewagter will er mir erscheinen. Es ist doch recht zweifelhaft, ob Sie auf diesem Wege etwas erreichen. Und sie setzen anderseits sehr viel auf das Spiel. Denn wenn Dalbelli dies Intrigenspiel durchschaut, wird es Ihnen so gut wie unmöglich sein, noch einmal sein Mißtrauen zu verscheuchen.“ „Das weiß ich wohl. Und ich habe natürlich mit dieser Möglichkeit gerechnet. Es wird dann eben gelten, sein Mißtrauen für meine Zwecke nutzbar zu machen. Und ich bin fast geneigt zu glauben, daß ich damit schneller zum Ziele kommen werde als mit der Ausnutzung seines freundschaftlichen Vertrauens.“ „Sie haben sich also auch für diesen Fall bereits einen Plan zurechtgelegt?“ Das Gesicht des jungen Deutschen wurde sehr ernst. „Es ist nur eine dunkle, unbestimmte Idee, die mir vorschwebt, und ich würde mich, um sie ausführen zu können, des Einverständnisses einer anderen Person versichern müssen, die mir augenblicklich nicht erreichbar ist. Darum kann ich über Einzelheiten jetzt noch nicht sprechen. Aber ich bin jedenfalls unwiderruflich entschlossen, meine Zeit nicht länger mit müßigem Zuwarten zu verlieren. Kommen wir heute nachmittag nicht zu dem gewünschten Resultat, so mag es biegen oder brechen. Ich will und ich muß die Wahrheit ergründen— ich muß diesen Schurken entlarven, wäre es selbst um den Preis meines Lebens.“ Besorgt sah ihn der andere an. „Es ist ein sehr kritischer Punkt, auf dem Sie da angelangt scheinen, bester Herr Kollege,“ sagte er herzlich,„und Sie müssen einem Manne, der schon so viel länger in unserem schwierigen Berufe steht, erlauben, Sie zu warnen. Ein Detektiv darf die Geduld nicht verlieren, wenn die Dinge nicht gleich die gewünschte und erwartete Entwicklung zeigen. Und er darf sich vor allem nicht auf tollkühne Wagnisse einlassen, solange er nicht ihres Erfolges unbedingt sicher ist. (Fortsetzung folgt.) nucuu sbigymusch Denkspruchz. „Es gibt dreierlei Arten Lügen.“ lagt der Engländer,„weiße Lügen(Dotlügen), schwarze Lügen und Statiltik.“ Alte Schuld. Novellette von Lothar Brenkendorf. (Forisetzung.)(Nachdruck verboten. Steinschneider erklärte, er habe sich mit seinem Verlust abgefunden, es liege ihm nichts an dem Gelde. übrigen aber müsse er darauf bestehen, daß die damalige Abmachung auf das strengste innegehalten werde, und die drohende Anspielung auf das in seinen Händen befindliche Schuldbekenntnis war jedesmal deutlich genug gewesen, um von dem unglücklichen Vater nur zu gut verstanden zu werden. Dreimal hatte er sich blutenden Herzens in das Unabänderliche gefügt; jetzt aber, in den traurigen Tagen einer schweren Krankheit, von der er drüben befallen worden war, hatte er sich gelobt, daß er nicht sterben wolle, ohne sein Kind noch einmal gesehen zu haben Kaum genesen, war er in die Heimat zurückgekehrt, die er vor vierzehn Jahren als ein einsamer, verzweifelter Mann verlassen, hatte sich in Berlin unter seinem in Amerika angenommenen Namen Johannes Walter einlogiert und behutsam seine Erkundigungen nach den Verhältnissen im Steinschneiderschen Hause begonnen. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß seine Tochter die Hochschule für Musik besuchte und um welche Zeit es geschah. An dem Gittertor hatte er sich auf die Lauer gestellt, und es war ihm nicht schwer gefallen, sie unter den Herauskommenden zu erkennen; denn sie hatte nach seiner Versicherung ganz die Züge ihrer verstorbenen Mutter. Aus der Ferne war er ihr gefolgt, aber er hatte es nicht gewagt, siel anzureden, weil er ja wußte, daß die Strafe, die Gustav Steinschneider auf seinen Wortbruch gesetzt hatte, auch sie treffen würde. „Wie ich während dieser Tage gekämpft, und was icht gelitten habe, danach, mein Kind, darfst du mich nicht. fragen. Aber ich glaube, härter als ich hat noch keiner? die Verirrung einer unglücklichen Stunde gebüßt.“ Liebevoll tröstend legte Martha den Arm um seinen, Nacken. „Mein armer, armer Vater! Aber nun ist es javorbei, und nun bleiben wir immer, immer zusammen.“ Er küßte sie, aber der schwermütige Schatten schwand nicht von seiner Stirn. „Gott weiß, wie glücklich ich wäre, wenn das wahr! werden könnte. Aber es kann wohl nicht sein— um deinetwillen nicht, Martha! Nach Amerika kehre ich nicht wieder zurück. Ich habe dort alle meine geschäftlichen Beziehungen gelöst und verfüge nicht mehr über die Elastizität der Jugend, um noch einmal von vorn zu beginnen. Es war meine Absicht, mit dem kleinen Kapital, das ich während der letzten Jahre erworben habe, irgendwo in einer stillen deutschen Landstadt ein Geschäft zu kaufen, dessen Ertrag hinreicht, mich bei bescheidenen Ansprüchen zu ernähren. Könnte ich dir, dier du in Wohlhabenheit und Behagen aufgewachsen bist, zumuten, solche Dürftigkeit mit mir zu teilen? Und wenn du dich dazu entschlössest, würde dann nicht Gustav Steinschneider seine Rache nehmen, wie er es mir dreimal angedroht hat? Ich kenne ihn, mein Kind, und ich weiß, daß er ganz der Mann ist, in solchen Dingen ein Wort zu halten.“ Das Gesicht des jungen Mädchens hätte einenenachdenklichen Ausdruck angenonnnen, und nachdem sie eine kleine Weile schweigend vor sich hingeblickt hatte, fragte sie:„Wenn er sein Geld zurücknähme und dir dafür das— das bewußte Blatt aushändigte, würde er dir dann nichts mehr anhaben können?“ „In diesem Falle hätte ich allerdings kaum noch einen Grund, mich vor ihm zu fürchten. Aber er wird sich niemals bozu versehen.“„en, Valers Gleich „Kannst du mir das Geld geren, Tallr. Sttnh „Gewiß kann ich es. Aber du wirst ebensowenig bei ihm ausrichten, wie ich. Und wenn er erfährt, daß ich mit dir gesprochen habe—. Begeuf, Doch Martha ließ ihm nicht Zeit, seine. u vorzubringen. In ihrem Kopfchen schien plötztich ein Plan gereift zu sein, den auszuführen sie fest entschlossen war. Mit großer Lebhaftigkeit bat sie den Vater, ihr die Summe anzuvertrauen und alles weitere ihr zu überlassen. Er zauderte dann auch nicht lange, sondern zog seine Brieftasche und zählte ihr fünf Tausendmarkscheine auf den Tisch... 8.6 G.gar Ste. „Als ein guter Kaufmann wiro Gustav Steinschneider wahrscheinlich auch die landesüblichen Zinsen verlangen, sofern er sich überhaupt auf den Handel einläßt,“ sagte er.„Aber ich wiederhole dir, mein Kind, daß ich nicht an seine Großmut glaube.“ Martha steckte das Geld zu sich und machte sich bereit, „Morgen früh bringe ich dir das Dokument,“ erklärte sie in einem so zuversichtlichen Tone, als gäbe es an dem Gelingen ihres Vorhabens nicht mehr den geringsten Zweifel.„Und dann werden wir auf der Stelle von hier abreisen— nicht wahr? Du mußt heute noch alle Vorbereitungen treffen, damit wir uns nicht eine Stunde länger hier aufzuhalten brauchen, sobald deine Angelegenheit mit Gustav Steinschneider geordnet ist. Wohin wir gehen, ist mir völlig gleich, wenn wir nur von hier fortkommen. Und ich werde dir keine Last sein; denn ich habe genug gelernt, um mir mein Brot zu verdienen.“ Sie ließ sich nicht länger zurückhalten, und nach einem zärtlichen, aber raschen Abschied eilte sie von dannen, noch immer mit dem Ausdruck einer festen, beinahe trotzigen Entschlossenheit in dem hübschen Gesichtchen. „Wenn dir mein Vater die Summe erstattete, die du durch ihn verloren hast, würdest du ihm dann das schriftliche Bekenntnis seiner Schuld zurückgeben?“ Diese Frage richtete Martha an ihren Pflegevater, als er am Abend dieses Tages, zum Ausgehen gekleidet, aus seinem Zimmer trat. Sie tat es mit gedämpfter Stimme, denn sie wußte, daß der Assessor sich im Nebengemach befand, und er sollte nichts davon: en, sie hier draußen auf dem Gange war, nach:.. sie sich auch während des ganzen heutigen Tages vor ihm ver„Was für eine törichte Frage das ist!“ gab Gustav Steinschneider unwirsch zurück.„Dein Vater ist drüben in Amerika sicherlich längst verdorben und gestorbe Und wenn er etwa doch noch leben sollte, so befindet er sich jedenfalls nicht in der Lage, eine solche Summe zu „Angenommen aber, er könnte und wollte es doch tun, würdest du ihm dann das schreckliche Papier „Rein— ein für allemal, nein!— Und nun halte mich nicht länger auf, ich werde von einigen Freunden Er gung, und Martha blickte ihm schwer atmenz gach Als sie dann aber im Nebenzimmer ein Geräufg„ wie wenn ein Stuhl gerückt würde, schlüpfte H##### und lautlos wie eine Eidechlgpg,Eer Guit hager. schlagener Handkoffer, der mit allerlei Wäschestücken und Seite 3. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt Dienstag, den 24. Oktober 1911. 250. Todes-Anzeige. Heute nacht 12½ Uhr entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Tante Frau Wwe. Bomrn im Alter von 62 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinierbliebene Lichtendorf, den 23. Oktober 1911. Die Beerdigung üindet Donnerstag, den 26. Ok. tober, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause, Eichholzerstrasse 29, aus ztatt. 6494 — Carl Lindemann Klara Lindemann geb. Pferdekämper &a Vermählte X X Nürnberg 24. Oktober 1911. Schwerte 6519 Bekanntmachung. Im Auftrage der hiesigen Vollstreckungs=Behörde sollen am Donnerstag, den 26. Oktober, nachm. 4 Uhr in den Rosen beim Wirt Schneider Sofa, 1 Ausziehtisch, Chaiselongue, 1 Ofen 1 Cisch u. 4 Stühle öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Westhofen, 24. Okt 1911. 6521 Grube, Vollziehungshülfsbeamter. Schlachthof. Mittwoch, den 25. Oklober, vormittags 9 Uhr soll auf dem hiesigen Schlachthof auf der Freibank das Fleisch einer minderwertigen Kuh verkauft werden. 6504 Die Schlachthofverwaltung. 1 Wohnung von 3—4 Zimmern auf sofort oder später möglichst in einem besseren Hause zu mieten gesucht. Off unt. A. W an d. Geschäftsstelle d. Itg. erbeten. 6506 1 Wohnung von 2 Zimmern nebst Boden, Keller, Stallung und Gartenland in der Nähe des Nickelwerkes zu vermieten. 6507 Offerten unter L. B. 6507 an die Geschäftsstelle d. Zlg. erbeten. im Schäusenster Buch-Handlung Carl Braus Grosse Marktstrasse 8— empfiehle Terminkalender Tintenfässer aus Glas Tintenlöscher Tintenstifte Tintenwischer Schwerter SportClub(S S. C.). Jahreshaupt= versammlung Donnerstag, den 2 November, im Hotel Sternberg punkt 9 Uhr anfangend. 6508 Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Geschäftsbericht, Kassenbericht. 3. Entlastung des Vorstandes. 4. Neuwahl. 5. Anträge Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. 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