e# Auunn un Scbwerter Volksblatt O General-Anzeiger für den Kreis Hörde O Scbwerter Volks-Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Nk. 1.6s vierteljährtich, bei der Post für Seiteliges 41 big, meve. Wöhrnüche Erstugeizst. „Rusriener Faniienreund“ und Lesi.zee ocher deren Kaum Razeigenpreis. Diesechagespahene gt. gatze. 10 M. Auzeigen von auswärts 13 P., Hesseotent Die„Schwerter währt Ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung" geAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstätzung Nr. 84. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises Samstag, den 8 April 1911. Mlie kreis- und lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtso o o o o o verbindliche Kraft o o o o c o Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher N. 62. Celegr.-Aäresse: Braus, Schwerte-Ruhr. Haupt-Annoncenblatt K 43. Jahrg. Erstes Blatt. Die heutige Ausgabe umsaßt mit dem 8 seitigen„Illustrierten Sonntagsblatt“ 28 Seiten! Der Modernisteneid im Herrenhause. Im preußtschen Herrenhause sprach Fürstbischof Kopp unter höchster Aufmerksamkeit des Hauses über den Modernisteneid und betonte, daß dessen Bedeutung überschätzt worden sei. Formell sei der Eid dasselbe, was schon immer zu den kirchlichen Verpflichtungen gehört habe. Er sei eine rein kirchtiche Angelegenheit. Die Universitätsprofessoren, von denen der Eid geschworen worden sei, hätten erklärt, daß sie in ihrer Lehrtätigkeit durch den Eid nicht gehindert seien. Der Papst hat das Recht und die Pflicht, die Glaubenssätze zu erläutern, auch den Lehrern an den katholischen Fakultäten. Das ist eine rein innerliche Angelegenheit der katholischen Kirche; deshalb hat sich auch die preußische Staatsregierung in sie nicht eingemischt. Der Fürstbischof erklärte im Namen der katholischen Mitbürger, daß durch die neuesten Maßnahmen der Kirche an ihrer Stellung zur Staatsregierung sowie in ihren Beziehungen zu den nichtkatholischen Mitbürgern nichts geändert wird. Sie nach wie vor bestrebt sein, an den hohen Aufgaben der Nation, an der Förderung des Vaterlandes und der Pflege der vaterländischen Interessen mit ihren nichtkatholischen Mitbürgern wetteisernd mitzuarbeiten. Der Kultusminister äußerte sich im Sinne der neulichen Darlegungen des Ministerpräsidenten und des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg.— Der Minister sprach namentlich seine Genugtuung über die Feststellung des Fürstbischofs aus, daß das Bestreben des friedliebenden Papstes auf die Erhaltung eines verträglichen und freundlichen Verhältnisses mit der Staatsregierung gerichtet, und daß die Bischöfe in diesem Sinne verständigt seien, damit sie die Ausführung der den Antimodernisteneid betreffenden Dekrete der friedlichen Gesinnung des Papstes entsprechend vollziehen und konkurrierende staatliche Interessen in gebührender Weise berücksichtigen. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 8. April. **(Bleibe im Lande!) Dieses alte Sprichwort scheint man jetzt mehr und mehr zu beherzigen. Nach den Mitteilungen des kaiserlichen statistischen Amtes vermindert sich die Zahl der deutschen Auswanderer von Jahr zu Jahr. Während in den Jahren 1881 und 1882 die Auswandererzahl noch über 200 00 betrug, zählte man im vorigen Jahre nur noch 25531 Personen Davon wurden 21 409 über deutsche Häfen, die übrigen meistens über holländische Plätze befördert. Als Reiseziel gaben 22 773 die Vereinigten Staaten von Amerika und nur 16 Afrika an. **(Unfallversicherung der Deutschen Turnerschaft.) Selbstversicherung! Hie Versicherung bei einer Gesellschaft! lautet set 10 Jahren eine Kampfparole in der Deutschen Turnerschaft. Die Vertreter der westfälisch=lippischen Turner, welche vor 8 Jahren auf dem Berliner deutschen Turntage mit ihrer Ansicht für eine Selbstversicherung noch allein standen, haben heute in den Sachsen, Thüringern usw. fräftige Milstreiter gefunden, so daß in Aussicht steht, daß auf deren gemeinsames Vorgehen hin der Millionenverband der deutschen Turner auf dem im Juli d. J. in Dresden stattfindenden deutschen Turntage eine eigene Unfallversicherung gründet **(Darf jedermann Bienen halten resp. Bienenzucht treiben?) Die Frage wurde kürzlich vor dem preußischen Oberverwaltungsgericht verhandelt und am 8. Oktober 1910 entschieden: Es ist nach dem allgemeinen Landrecht§ 118 jedermann gestattet, auf seinem Eigentum Bienen zu halten, wohl aber ist die Polizeibehörde auf Grund des§ 10 des Landrechts serechtigt, dagegen einzuschreiten, wenn durch die Bienen eine Gefährdung der Gefundheit des Publikums oder auch nur einer einzelnen Person herbeigeführt wird. **(Turnvereine und Jugendpflege.) Der Kreisausschuß des westfältsch=lippischen Turnkreises hat vor einigen Tagen beschlossen, beim Ausschuß der Deutschen Turnerschaft die Abfassung einer Denkschrift zu bewirken, welche die Angriffe sowohl von religiöser, wie sportlicher Seite gegen das deutsche Vereinstrunen zurückweist. Der Antrag nimmt Bezug auf die Werbeschrift des Kultusministers über„Jugendpfretz, welche ein Zusammengehen aller auf Jugendfürsorge gerichteten Setreoun. gen befürwortet und in erster Linie die bewährten alten Organisationen zur Mitarbeit aufruft. *(Zur Ansiedlung gewerblicher Arbeiter auf dem Lande.) Die zunehmende Ausbreitung der Industrie auf dem Lande und die damit in Verbindng stehende Ansiedlung gewerblicher Arbeiter in ländlichen Ortschaften hat dem Minister von Breitenbach erneut Anlaß gegeben die Aufmerksamkeit der Behörden auf die Verhütung der dabei sich ergebenden Mißstände zu lenken. Namentlich müsse das Entstehen vielgeschossiger Mietskasernen aus gesundheitlichen Gründen verhindert werden. **(Wiederholungsunterricht.) Am Montag, Dienstag und Mitwoch der Karwoche findet alter Sitte nach in der großen Gemeinde der Wiederholungsunterricht statt für die Konfirmierten vom vorigen Jahre. Es versammeln sich die Herrn Pastor Heinenberg Konfirmierten in dessen Konfirmandensaal, und die von Pastor Wischnath in der Sakristei um 8 Uhr. Die in Betracht kommenden jungen Leute werden freundlichst eingeladen. **(Fortbildungsschule. In der gewerblichen Fortbildungsschule fand gestern abend 7 Uhr die Entlassung der Schüler statt. Herr Banse richtete im Auftrage des versammelten Kollegiums der Schule herzliche Worte des Abschiedes und der Ermahnung an die jungen Leute. Darauf wurden einigen Schülern in Anerkennung ihres guten Betragens und Fleißes Prämien überreicht, anderen wurde eine hobende Anerkennung zu Teil. Prämien empfingen: Georg Häberlein, Karl de Boer, Fritz Berz und Johann Humpert aus der Bauhandwerkerklasse; Rudolf Hesse, Otto Busalla und Karl Seidler aus der kaufmännischen Abteilung; Paul Schulte, Fritz Lück und Gustav Kipper aus der Klasse der Nahrungsmittel= und Bekleidungsgewerbler; Josef Kramer, Hermann Schledde, Walter Schniewind, August Schulte=Tillmann, Rudolf Hengstenberg, Wilhelm Kirchhoff und Karl Fischer aus der 1. Klasse der Metallgewerbler und Reinold Weinauge aus der 2. Klasse der Metallgeverbler. **(Osterferien.) Am heutigen Tage beginnen an den Volksschulen die Osterferien. Dieselben dauern bis zum 25. April. An den höheren Schulen nehmen die Ferien am Mittwoch ihren Anfang und dauern bis zum 27. dieses Monats. **(Freie Maler= und Anstreicher=Innung.) Vor dem Prüfungsausschuß der freien Maler= u. Arstreicher-Innung SchwerteWesthofen, bestehend aus den Herren Hellwig, Fischer, Tiemann. Bäcker und Nötting(Meister), Wever und Schöttler(Gehilfen) wurde vorgestern die Prüfung der diesjährigen Lehrlinge vorgenommen. Vier junge Leute hatten sich zur Prüfung gestellt: H. Busemann(Lehrmeister Nork), Johann Humpert(Hesse u. Bucker), Fr. Dieckmann(Fischer) und Max Fischer(Hellwig). Sämtliche Prüflinge bestanden die Prüfung mit dem Prädikat„Gut“; sicherlich ein beide Teile gleich ehrendes Zeugnis. **(Konfirmations=Nachfeier.) Sonntag nachmittag Uhr findet im großen Saale im„Reiche des Wassers“ für alle jetzt konfirmierten Knaben und Mädchen eine KonfirmationsNachfeier statt. Es soll das zugleich eine Werbe=Versammlung für Fünglings=Verein und Jungfrauen=Verein sein. Die Mitglieder beider Vereine haben fleißig vorbereitet und geübt, sodaß jeder Teilnehmer an der Versammlung einen rechten Einblick in die Vereinsarbeit und ihre Art zu tun im Stande ist. Auch ist in der Person des Kaufmanns und Vorsitzenden des Männer= und Jünglings=Vereins zu Ronsdorf, Herrn Karl Debener zu Ronsdorf, einem Mitgliede des Vorstandes des„Westdeutschen Jünglingsbundes“ eine rechte Kraft gewonnen, die nicht nur ansprechend von der Jünglings=Vereins=Arbeit zu erzählen, sondern auch den rechten Ton für eine solche Stunde anzuschlagen weiß. Fürsorge für die heranwachsende Jugend— diese Arbeit wird heute von allen Seiten anerkannt. Wir bitten ganz besonders alle Eltern, doch ihrerseits auch diesem Gegenstande ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Eltern und Konfirmanden sind deshalb freundlichst zu der KonfirmationsNachfeier eingeladen. **(Stellen für Militär=Anwärter im Bezirk des 7. Armerkorps.) Buer i. W., Stadtverwaltung, mehrere Amts= und Kassenassistenten 2. Klasse, 1300 A Grundgehalt. Burgsteinfurt, Amtsgericht. Kanzleigehilfe, 8 bis 18 4 für die Seite Schreibwerk. Der Dienstort wird bei der Einberufung bestimmt. Kgl. Eisenbahndirektion in Münster, 20 Anwärter für den Weichenstellerdienst, 1100 bis 2100 A Gehalt. Dorsten, Kal. Lehrerseminar, Schuldiener, 1100 bis 1600 MA Gehalt. Friemersheim, Bürgermeisteramt, Verwaltungsassistent, 1600 bis 3000 A Gehalt. Kettwig, Stadt, Landkreis Essen, Polizeiverwaltung, Polizeisergeant für den Nachtdienst, 1200 bis 1700 A Grundgehalt. Verl, Amtsverwaltung, Polizeidiener und Vollziehungsgehalt. Verl, Amtsverwaltung, Polizeidiener und Vollziehungsbeamter in Kaunitz, 750 M Gehalt. Werden(Ruhr), Königl. Bergrevier, 2 Hilfsschreiber(Gehilfe), 50 MA nachzahlbare Monatsvergütung. **(Kath. Arbeiter=Verein.) In der am Sonntag im Kordeck'schen Saal stattfindenden Generalversammlung des kath. Arbeiter=Vereins„St. Stephanus“ wird nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten ein Vortrag gehalten über das Thema:„Die Fürsorge der Eltern für die schulentlassene Jugend“. Zu diesem überaus wichtigen Vortrage sind auch Nichtmitgliedern freundlichst eingeladen. **(Schwerter Lichtspielhaus.) Im Inseratenteile der heutigen Nummer finden unsere Leser das neue Programm des Schwerter Lichtspielhauses(Gasthof Rath), welches eine größere Auswahl hübscher moderner Bilder zur Anschauung bringt. Der Spielplan ist recht geschmackvoll zusammen gestellt, sodaß ein Besuch nur empfohlen werden kann. Ganz besonders möchten wir auf das prächtige kolorierte Drama„Die Rose von Salem“ aufmerksam machen. (Im Silberkranz.) Die Eheleute August Maier und Frau, Wilhelmine geb. Pentling, in Wandhofen seiern morgen das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Silberbrautpaare auch unsererseits herzlichsten Glückwunsch! **(Postalisches.) Den gewöhnlichen Briefsendungen mit Nachnahme(ausschließlich der in Kartenform), bei denen die eingezogenen Beträge mittels Zahlkarte an das Postscheckamt gesandt werden sollen, können die ausgefüllten Nachnahmezahlkarten auch in einer auf der Rückseite des Briefes, der Drucksache usw. angebrachten mit einer Verschlußklappe versehenen Tasche beigefügt werden. **(Schöffengericht.) Vorsitzender: Amtsrichter Dellmann, Schöffen: Wirt Wilhelm Otlinghaus und Uhrmacher Rudolf Plümer.— Der Maschinist August K. von hier war bei dem Wirt K. in Logis. Am 2. Februar hatte er seine Arbeit verlassen, sagte davon aber nichts. Am 17. Februar holte K. seinen Lohn und verschwand heimlich unter Hinterlassung der Kostschuld in Höhe von 28,90 M. Zur selben Zeit waren anderen Logirgästen verschiedene Gegenstände fortgekommen, so dem Arbeiter L. N. ein Portemonnaie mit 5 M, eine Uhrkette im Werte von 7 K und ein Schirm im Werte von 3,50 M, dem Fabrikarbeiter Gustav V. ein Siegelring im Werte von 6+ und ein Zigarrenabschneider im Werte von 60§, dem Meister Wilhelm P. eine elektrische Glühlampe. Bei der polizeilichen Vernehmung wurde bei dem Angeklagten eine solche Glühlampe beschlagnahmt. K. stand deshalb wegen Betrugs und Diebstahls unter Anklage. Er mußte aber freigesprochen werden, weil ihm weder die Betrugsabsicht noch die Diebstähle nachzuweisen waren. Der Angeklagte, welcher seit dem 24. Februar in Untersuchungshaft saß, wurde sofort auf freien Fuß gesetzt, jedoch beschloß das Gericht, keine Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft zu bewilligen, da der Verdacht der Täterschaft nicht beseitigt sei.— Seit 3 Jahren schwebte ein Strafverfahren wegen Betrugs gegen den Pferdehändler Wilhelm B. Der Sohn desselben hatte auf dem Pferdemarkte in Linnich am 3. Dezember 1907 ein Pferd für 225+ gekauft. Dieses Pferd, das etwas lahmte, verkaufte B. an den Landwirt H. E. auf der Schwerterheide. Er erhielt 250 M bar und ein Pferd, welches er mit 140 MAumschlug, in Tausch. Das Pferd schlug nicht ein und nun kam es zu Prozessen und auch zu einer Strafanzeige. Das Strafverfahren wurde bis zur Erledigung des Zivilprozesses zurückgestellt. Inzwischen ist der Prozeß durch rechtskräftiges Urteil zweiter Instanz zu Gunsten B. entschieden. Die Verhandlung ergab auch, daß B. beim Verkauf auf den Fehler aufmerksam gemacht und daß E. sowohl als auch dessen Frau und Sohn denselben wahrgenommen hatten. Das Urteil lautete insolgedessen auf Freisprechung. ** Aplerbeck, 8. April.(Feuer.) Gestern vormittag gegen 11 Uhr entstand in dem Hause der Witwe Schübbe, Hörderstraße 89 hierselbst. Feuer. Anscheinend ist der Brand auf dem Hausboden, wo Heu und Stroh lagerte, entstanden. Bei dem herrschenden starken Wind verbreitete sich das Feuer über den ganzen Dackstuhl. Die recht bald erschienenen Schürener und Aplerbecker Feuerwehren konnten noch die sämtlichen Möbeln aus dem Hause retten. Von dem Fachwerk=Hause. in welchem auch Bäckerei detrieben wurde, ist wenig geblieben. Seie 2 Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt). Samstag, den 8. April 1911. Nr. 84. Gebäude war versichert, auch haben die Einwohner ihre Modilien versichert. ** Aplerdeck, 8. April.(Auszeichnung.) Dem Herrn Lehrer Rödding wurde gestern morgen im Beisein der Schuldeputation vom Herrn Schulinspektor Strathmann aus Opherdiche anläßlich seiner 40jährigen Dienstzeit der Adler der Inhaber des Hohenzollerschen Hausordens überreicht. Herr Rödding, der auch seit langer Zeit das Amt des Organisten an der hiesigen evangelischen Kirche bekleidet, erfreut sich in der Gemeinde großer Beliebheit. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange im Dienste der Schule und der Gemeinde tätig zu sein! ** Schüren, 8. April.(Brand.) Am 5. April, morgens gegen 5,30 Uhr, ist das Stallgebäude des Hauses Pinkelstraße Nr. 99 niedergebrannt. Eine Ziege, die im Stall war, ist mitverbrannt. Wie das Feuer entstanden ist, konnte nicht festgestellt werden. der.) in einer Höhe von 120 Metern nahe am Münsterturm vorbei die Stadt. Das Lustschiff hat starken Gegenwind. = Stuttgart, 7. April. Das Luftschiff„Deutschland“ kam gegen 12,45 Uhr von der Filder Hochebene her über das Stuttgarter Tal und überflog, wie es beabsichtigt war, gegen 1 Uhr das Königliche Residenzschloß, wobei Graf Zeppelin in einem Fallschirm eine Blumenspende für das Königspaar anläßlich der silbernen Hochzeit herabfallen ließ. Das Luftschiff nahm dann die Richtung des Neckartales und landete nach 1 Uhr zur Vornahme eines Passagierwechsels auf den Cannstätter Wiesen. Glückliche Landung in Oos. Baden=Baden, 7. April. Das Luftschiff„Deutschland“ passierte gegen 3,45 Uhr Karlsruhe, um 4,10 Uhr landete es auf dem Flugplatz zu Oos, ohne Baden=Baden berührt zu habenZur Begrüßung hatte sich der Oberbürgermeister auf dem Landungsplatz eingefunden, in der Gondel befanden sich 10 Mitfahrer.— Die zurückgelegte Entfernung beträgt in der Luftlinie annährend 72 Kilometer. Westfalen und Rheinland. Iserlohn, 7. April.(„Schnurri“, der PfadsinEinen hervorragenden Erfolg hat mal wieder unser Pokizeihund„Schnurri“ gezeitigt. In Berleburg war ein Bernhardinerhund im Werte von 1000„ heimtückisch angeschossen worden; an den Folgen des Schusses ist er dann verendet „Schnurri“ wurde requiriert, welcher sofort die Witterung aufnahm und die Fährte bis zu einem nahen Försterhause aufnahm. Der hier angestellten Ermittelung zufolge war der Hund hier angeschossen worden. Als Täter wurde ein Vetter des Försters festgestellt, der den Schuß von einem Fenster des Forsthauses aus abgegeben hat. * Arnsberg, 7. April.(Erinnerungen an ein kaltes Frühjahr.) Die außerordentliche Temperaturschwankung der letzten Tage— das Thermometer zeigte am 29. März 23 Grad Hitze im Schatten, am 5. April 7 Grad unter 0— rufen die Erinnerung wach an die nämlichen Beobachtungen im Jahre 1836, von denen die ältesten Leute zu erzählen wissen. Nach voraufgehenden sehr heißen Tagen trat eine heitige Kälte ein, der ein ununterbrochener Schneefall folgte. Am 5. April 1836 lag der Schnee in unserer Stadt zwei Meter hoch, so daß die unteren Stockwerke der Häuser total zugeschneit waren. Es entstand ein solcher Mangel an Brennmaterial, daß damals der Magistrat alle verfügbaren Männer requirierte, welche am„Seltersberge“ die Bäume fällen mußten und das Holz zum Rathause schafften. Hier wurde es an die Bedürftigen verteilt. Das Wild, u. a. mehrere Hirsche, kamen bis in die Straßen der Stadt. Der Schnee lag bis Ostern. Und doch war das Jahr fruchtbar. * Warstein, 7. April.(Glückliches Warstein!) Kommunalsteuern werden auch in diesem Jahre in unserer Stadt nicht zur Erhebung kommen. Der günstige Stand der Finauzen, der nun schon seit Jahren unsere Einwohnerschaft die Wohltat der Befreiung von Kommunalsteuern genießen läßt, ist in erster Linie auf die Einnahmen aus den städtischen Waldungen zurückzuführen. * Wermelskirchen, 7. April.(Schrecklicher Tod.) Der 23jährige Rottenarbeiter Blasberg von hier wollte auf dem Bahnhofe Opladen die Gleise nach dem Vorbeifahren eines Güterzuges überschreiten, übersah aber, daß eine Maschine dem Zuge folgte. Er wurde von ihr erfaßt und der Länge nach durchgeschnitten. * Elberfeld, 7. April.(Wegen Falschmünzerei) stand der Kaufmann Karl Nies aus Solingen vor dem Schwurgericht. Er wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. R. hatte mit vielem Geschick Fünf=, Zwei= und Einmarkstücke hergestellt und sie in großen Mengen im Wuppertal, in seiner Heimat und auf dem Kölner Karneval untergebracht. Seine Festnahme erfolgte, als er in einem Solinger Gasthoje seine Falschstücke an den Mann bringen wollte. * Elberfeld, 7. April.(Todessprung aus dem 4. Stock.) In einem Anfall von Schwermut stürzte sich in Berlin die 40 Jahre alte Gattin eines hiesigen Apothekenbesitzers aus dem Fenster des Schlafzimmers ihrer in der vierten Etage des Hauses Pestalozzistraße 93 gelegenen Wohnung auf den mit Steinplatten belegten Hof. Der Tod trat infolge Wirbelsäulenbruchs sofort ein. Die Frau, die von ihrem Manne seit einiger Zeit getrennt lebte, nahm sich die Trennung sehr zu Herzen und hatte den Tod gesucht. ** Burg a. d. Wupper, 7. April.(Besuchsziffern.) Wie mitgeteilt wird, war die diesjährige Besuchsziffer von Burg a. d. Wupper teilweise nicht so hoch wie im Vorjahre. Während in der Zeit vom 1. April 1910 bis zum 31. März 1911: 69809 gewöhnliche Eintrittstarten ausgegeben wurden. betrug die Vergleichszahl im Verjahre 74555. Die Gesamteinnahme ist um 706 M zurückgegangen, nämlich von 24 948 MA im Jahre 1909 auf 24242„ im Jahre 1910/11. Gestiegen ist nur die Zahl der ermäßigten Vereins=, Schüler= und Militärkarten zu 10 J. Das Mehr macht hier 7183 Karten aus, zur Ausgabe gelangten nämlich im letzten Jahre rund 33000 Kalten dieser Art. * Bielefeld, 7. April.(Die„Westfälische Zeitung") seierte vorgestern das 100jährige Jubiläum ihres Bestehens. Eine vornehm ausgestattete, geschmackvoll illustrierte Jubiläums ausgabe berichtet über den Werdegang des Blattes und die Entwicklung der Stadt Bielefeld. * Aachen, 7. April.(Doppelmord und Selbstmord.) In Kohlheide geriet ein Arbeiter mit der Mutter seiner Braut in Streit. Plötzlich zog er einen Revolver aus der Tasche und feuerte einen Schuß auf seine zukünftige Schwiegermutter ab, die sofort tödlich getroffen auf die Erde sank. Dann richtete er die Waffe gegen seine Braut und streckte auch sie nieder. Mit dem dritten Schuß tötete er sich selbst. Ohm gegen die Handelsgesellschaft. — Dortmund. 7. A,ril Ein Brief, der in der gesamten Handelawelt großer Aufsehen und großes Interesse erregen d# ste. ging gestern Dortmunoer General=Anzeiger nom Direktor Julius Ohm: In dem Schreiben heizt es u. a.: In der letzten Hauptversammlung der Handelsgesellschaft hat Herr Fürstenberg über die Beziehungen seiner Gesellschaft zur Niederdeutschen Bank betont, daß bei dieser Geschäftsverbindung etug 30 Konten in Frage gekommen seien, die äußerlich keinen Zusammenhang zeigten und deren Zusammenhang erst bei dem Zusammenbruch der Bank sich herausstellte. Diese Erklärung des Herrn Fürstenberg ist vollinhaltlich unwahr. Die Direktion der Handelsgesellschaft war über das tatsächlichliche vorhandene Gesamtengagement bei der Niederdeutschen Bank in jedem Stadium der Geschäftsverbindung genau unterrichtet. Der Vorwurf abgefeimter Betrügereien ist nach dem tatsächlichen Verhältnis durchaus unbegründet, ja sogar fälschlich erhoben. Dieser Brief ist geeignet, die ganze Sachlage im Konkurse der Niederdeutschen Bank in ein anderes weit günstigeres Gleis zu bringen und man darf gespannt sein auf die Zeugenaussage, die Ohm von dem Direktor Fürstenberg verlangen wird. Sport. Am Sonntag werden auf der Bahn an der Buschmühle zu Dortmund drei Herren= und drei Jocken=Rennen gelaufen. Die Rennen werden einen ebenso interessanten Verlauf nehmen als am vorigen Sonntag, denn die Nennungen und Starter werden die Anzahl der vom 2. April sicher erreichen. Das Siebenhundertste Rennen(Herren=Reiten) und das Buschmühler JagdRennen(Jockey=Rennen) werden eine sehr gute Besetzung haben. Das Ereignis des Siebenhundertsten Rennens hat uns veranlaßt, eine kleine Zusammenstellung über das Wirken des Vereins zu machen. Damnach sind seit dem Gründungsjahr 1887 abgehalten 139 Renntage, 696 Rennen sind gelaufen, von 9522 genannten Pferden haben 3168 gestartet, an Preisen sind gegeben 1 409 500„K und 230 Ehrenpreise. Der Aufenthalt auf dem Rennplatz wird auch am Sonntag ein angenehmer werden, da der Tribünenplatz durch die hohen Bahndämme und die Hörder Hütte gegen Nord= und Ostwind geschützt liegen. Luftschiffahrt. Der„Deutschland“ erste erfolgreiche Fahrt. = Friedrichshafen, 7. April. Das Luftschiff„Deutschland“, das seine Uebungsfahrten gut abgeleistet hat, ist unter Führung des Grafen Zeppelin um 8.20 Uhr zur Fahrt nach Stuttgart enfgehtegen = Ulm, 7. April. Die„Deutschland“ überflog um 11 Uhr Die Seche wird ernst! Paris, 8. April. Nach einer Meldung aus Fez empfahl der französische Konsul seinen Landoleuten, angesichts des bsvor. stehenden Angriffes der Nebellen auf die Stadt in ihren Fäu. sern zu bleiben und keinerlei Widerstand zu leisten, de hierdurch die Aufregung nur noch größer werde. Zum Besuch des Kaiserpaares in London. London, 8. April. Dan Evening Times zufolge ist das Programm für den Besuch des deutschen Kasserpaares in Louvon nunmehr endgültig sestgesetzt worden. Es umsaßt die Tage vom 15. bis 19. Mai. Am 15. Mai fndet ein Diner im Buckinghampalast statt, am 16. die Enthüllung des Denkmals der Königin Viktoria, am 17. eine Galgvorstellung im Drury LandeTheater, am 18. ein Hofball, ferner ein Diner beim Lord Lausdowne, möglicherweise am 17. Wahrscheinlich wird der Kaiser: besuch ein privater sein. Das Programm außer der Denkmuls. enthüllung werde dem deutschen Kaiserpaar zur Feststellung überlassen bleiben und werde keinen offiziellen Charakter tragen. Möglich wäre, daß das Kaiserpaur eine Deputation der anglo=deutschen Freundschaftsförderer empfängt. Schneestürme. Madrid, 8. April. An den Küsten herrschen heftige Stürme. Eine Fischerbark ist gestrandet. Zwölf ertrunken. Es werden auch noch andere Schiffsbrüche gemeldet. Das deutsche Kronprinzenpaar in Nom. Rom, 8. April. Der König und der deutsche Kronpeinz besichtigten gestern die Kürassierkaserne. Nach der Besichtigung des zweiten Grenadier=Regiments begaben sich der König und der deutsche Kronprinz bei strömendem Negen nach der Piazza Santa Croce, wo sie die Parade über ein Kavallerie= und ein Artillerie=Regiment abnahmen. Dann kehrten sie im Automobit nach dem Quirinal zurück. Das Publikum bereitete ihnren überall begeisterte Kundgebungen. Furchtbare Gruben=Katastrophe. Neuyork, 8. April. In der Dancroff=Mine in Scrauten(Pennsylvanien) ist Feuer ausgebrochen. Von der Belegschaft sind 40 Bergleute erstickt, die übrigen konnten unter grohen Schwierigkeiten gerettet werden. Bombenexplosion. Neuyork, 8. April. Eine heftige Bombenexplosion sand in der 45. Straße vor einem bekannten Gasthause statt. In den umstehenden Gebäuden verspürte man eine heftige Erschütterung. Die Hotelgäste stürzten erschreckt auf die Straße. Der Schaden ist jedoch nur gering. Wer die Vombe gelegt hat, ist unbekannt. — Dortmunder Stadttheater. Sonnabend, 8. April, abends 7,30 Uhr:„Glaube und Heimat. Die Tragödie eines Volkes von Karl Schönherr. Sonntag, 9. April, nachm. 3.30 Uhr:„Die fremde Frau“ Schauspiel von Alexander Bisson. Abends 8 Uhr:„Die Fledermaus". Operette von Johann Strauß. Montag, 10. April, abends 7,30 Uhr:„Die Räuber“. Trauerspiel von Friedrich Schiller. Dienstag, 11. April, abends 7,30 Uhr:„Mignon“. Oper von Ambroise Thomas. — Letzte Drahtmeldungen. Furchtbare Feuersbrunst. Limburg, 8. April. In Frickenhofen im Kreise Limburg sind fünf Wohnhäuser und vier Schennen abgebrannt. 37 Personen sind obdachlos. Schwere Ausschreitungen streikender Bergarbeiter. Siegen, 8. April. Zwischen den Ausständigen der beiden Gruben„Sicilia" und„Siegen“ und den Beamten ist es zu schweren Zusammenstößen gekommen, die bedrohliche Formen annahmen. Telegraphisch wurde die Gendarmerie des Kreises Siegen herbeigeholt. Zwischen den Ausständigen und der Polizei kam es zu einem Kampfe, bei dem die Ausständigen von ihren Revolvern Gebrauch machten. Die Villa des Direktors der Gruben wurde durch ein Steinbombardement schwer beschädigt. Es soll vom Regierungspräsidenten in Arnsberg Hilfe erbeten werden. Der Aufstand in Mexiko. Köln, 8. April. Nach einer Meldung der Kölnischen Zeitung aus San Antonio vom gestrigen Tage sind die Friedensverhandlungen in El Paso nach 24stündigem ununterbrochenen Depeschenwechsel mit den Ausständischen in Chihuahua und der Regierung in Mexiko als ergehnislos abgebrochen, weil der Nebellenführer Francisco Madero den Rücktritt des Präsidenten Diaz sordert. Flüchtige Schüler. Sprottau, 8. April. Zwei auswärtige Untertertigner des hiesigen Progymnasiums sind seit dem Versetzungstage flüchtig. Beide waren nicht versetzt worden. Keine Tuberkulinprobe für überseeisches Vieh mehr. Berlin, 8. April. Der Bundesrat hat beschlossen, für das secwärts eingeführte Vieh die Tuberkulinprobe vom 1. Juli ab durch eine klinische Untersuchung zu ersetzen. Den eigenen Sohn erschlagen. Prag, 8. April. Der 65jährige Franz Liebisch geriet gestern mit seinem 28jährigen Sohn Josef in Streit, wobei dieser dem Vater eine Ohrseige gab. Der Vater schlug hierauf den Sohn mit einem Beil nieder und erwügte ihn. Der Täter wurde verhaftet. Frostschäden. Paris, 8. April. Der seit einigen Tagen anhaltende Frost hat der Landwirtschaft großen Schaden zugefügt. Nach den bei der hiesigen Ackerbaugesellschaft eingegangenen Nachrichten wurde in vielen Gegenden Frankreichs die Ausfuhr verhindert. Der in den Wein= und Obstgärten angerichtete Schaden wird als sehr ernst bezeichnet, namentlich in Südfrankreich wied die Obsternte zum großen Teil als verloren angesehen. Gottesdienstordnung der katholischen Pfarrkirche. 6¼ Uhr: Stille hl. Messe.(Passion). Kaplan Leifert. 7½ Uhr: Frühmesse. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jungfrauen=Kongregation. 8¾ Uhr: Schulmesse. Pfarrer Schnurbus. 10 Uhr: Hochamt. Vor dem Hochamt Palmweihe. 2½ Uhr: Rosenkranzbruderschaft mit Prozession. 4½ Uhr: JungfrauenKongregation. 6½ Uhr: Arbeiter=Verein„St. Stephanus“ 7½ Uhr: Gesang=Verein„Cäcilia“. Lichtendorf. 7½ Uhr: Frühmesse. Pastor Coppius. 10 Uhr: Hochamt. 2 Uhr: Andacht. Auf den Sparsinn unserer Hausfrauen spekulieren immer wieder Nachahmungen, die als„besonders billig" angepriesen werden. Aber nur Unerfahrene lassen sich dadurch blenden. Kluge Hausfrauen wissen, daß nur das Beste in Wirklichkeit das Billigste ist. Sie bleiben deshalb, um ein Küchenbeispiel zu nennen, bei altbewährten Erzeugnissen, wie die von Maggi, deren jahraus jahrein gleichmäßige Güte längst das allgemeine Vertrauen errungen hat. O71 8888 4 Es ist eine unverkennbare Tatsache, daß als lägliches Getränk an Stelle von Kaffee oder Tee wirklich guter Cacao immer mehr Eingang findet. Diesen Umstand, besonders die großen Erfolge von Van Houtens Cacao, haben sich viele Geschäfte zunutze gemacht und offerieren losen Cacao zu scheinbar billigen Preisen, während Van Houtens Cacuo, wie bekannt, nur in verschlossenen Büchsen auf dem Markt ist. Es ist nun ein interessantes Experiment. diesen losen Cacao, der oft von zweifelhafter Herkunft, lange Zeit der Luft und Gerüchen ausgesetzt war, mit Van Houtens Eacao zu vergleichen. Der Unterschied ist frappierend, was ja leicht erklärlich ist. Bei Licht besehen, werden Sie aber auch finden, daß. ganz abgesehen von dem köstlichen Geschmack und Aroma. Ban Houtens Cacao im Gebrauch noch ökonomischer ist als die sogenannten billigen Angebote minderwertiger Produkte Verantwortlich für die Redaktion: Friodrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, boide in Schwerte. Samstag, 8. April 1911. 84. 3. Beilage. Sonntag, den 9. April, ist unser Kaufhaus bis abends 6 Uhr geöffnet. Sssssssssssssss Sonnlag bis 7 Uhr geöllnet. Alexander höhe-Iserlohn. Sonntag, den 9. April, nachmittags von 4½ Uhr ab im neuen Saale: Großes Harschlert 2266 unsere Eintritt 25 Pfg. Auswahl 2#9 Schwerter Lichtspielhaus („Zum alten Rathaus“). dur Spieltage: Samstag und Sonntag. Programm: Die Kinder des Kronprinzenpaares. Die Rose von Salem. Drama. Auguste und die Mode. Humoristisch. Das Geheimniss des Buckligen. Ergreifendes Drama Piefke geht zu- Jagd. Humoristisch. Ein Schicksalsschlag. Drama. schwiegermutter des Polizisten. Humoristisch. Hiermit bringen wir einige Beispiele unserer Herren-Anzüge 795 1050 1150 1250 1600 2000 2600 3300 4000 4.00 Mk. Burschen-Anzüge 690 775 1050 1250 1675 1900 2100 2800 3300 Uk Knaben-Anzüge 160 240 250 400 575 700 885 050 1350 1659 Mk. Herren-Hosen 45 225 325 400 500 600 775 900 1050 1400 bk. Fantasie-Westen Auf nach Wisthofen zur Kirmeß! Sonntag, den 9. ds Mts.: Grosse Volksbelustigung, bestehehend aus: Karustel, Schiessbuden, Außerdem finden in den Wirtschaftslokalitäten von Schulte, Fritzenkötter u. Schmiemann sonstige Vergaügungen statt. Es labeg, feugil. ein die billigsten Preise. Wasserdichte Pelerinen-Gummimäntel Enorm billig. Nur ausgesucht feine Qualitäten. in grosser Auswahl. Hlagen i. VV., Elberfelderstr. 39. Tausende von Menschen bedürfen zu ihrer Tätigkeit im Berufe gesunder, kräftiger Stimmorgane. Während der rauhen Jahreszeit sind diese bedroht. Schutzen Sie sich durch täglichen Gebrauch von Wyberk=Tableiten v. Husten, Heiserkeit, Katarrh). Eine Probe derselben beweist mehr als viele Worte. Vorrät. in allen Apothek. à Mk. 1.—. Depot in Schwerke: Neue Apothehe, Bahnhofstraße 2, neden der Bol# L. Weinber in schwarzen und farbigen Schuhwaren. Briefordner Schnellhefter empfiehlt 691 Carl Braus. K 39. 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April cr. ab 14 Tage lang im hiesigen Amtshause. Zimmer 6. zur Einsicht öffentlich aus. Gegen die Veranlagung steht den Steuerpflichtigen binnen einer vom 29. April er ab zu berechnenden Frist von 2 Monaten die beim Kreisausschusse zu Hörde anzubringende Berusung zu. Wellinghofen, den 6. April 191 8911 Der Amtmann: Hartung. OrRelbsehoslsensenten zur einfachen und billigen Selbstbereitung Kognak, Rum, Arrak, Likören, Limonade-Sirup, Grog-, Punsch-Extrakt usw. für den Hausgebrauch sind, wie jeder Kenner der Verhältnisse weiss, die ältesten und bewährtesten. à Flasche 75 Pf. Zu haben in Drogerlen und NahrungsmittelGeschäften, wo unsere Plakate aushängen. Man verlange gratis den Prospekt:„Die Getrinkedestillierkunst Im Hausbalt“ und achte auf unsere Firma Dr. Mellinghoff& Cie: in Bückehurg. L. Rohm, Stein- u. Bildhauerei SCHWERTE-RUHR, Hörderstr. 28. Grabdenkmäler in Sandstein, Marmor, schwarzschwedischem Granit und Syenit, Grab- und Gitterplatten, Einfassungen. 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Daß der hinter uns liegende Tagungsabschnitt sehr erfreulich gewesen wäre, wird niemand behaupten können, viel Zeit ist mit fruchtlosen und zeitweise recht überflüssigen Erörterungen vergeudet worden, die anderweit hätte besser verwendet werden können. Es ist ein fast alle Jahre wiederkeh rendes leidiges Schauspiel, zu sehen, wie die Etatdebatte in die Länge gezogen, und die rechtzeitige Erledigung dadurch verhindert wird. Gewiß soll die Erörterung des Etats dazu sein, eine eingehende Besprechung der gesamten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage zu ermöglichen, andererseits könnte man sich hier doch in vielen minderwertigen Punkten Beschränkung auferlegen. Hierzu aber vermögen sich recht viele der Redner nicht aufzuschwingen, und so kommt es, daß die Verabschiedung wichtiger Dinge unter der Sucht, unter allen Umständen reden zu müssen, zu leiden hat. Silten ist man bei den verschiedenen Kapiteln so vom eigentlichen Thema abgeschweift, wie bei der diesjährigen Etatsdebatte und immer wieder trat das Bestreben zutage, zum Fenster hinauszusprechen und Wahlreden zu halten. Auch die mehrfach sich anspinnende überaus scharfe Polemik zwischen den Parteien gehörte kaum vor das Forum des Parlaments; diese Weitschweifigkeit brachte es auch zu Wege, daß außer dem Etat sonst wwenig erledigt worden ist. Hierzu gehört die Wertzuwachssteuer, die freilich im gewissen Zusammenhange mit dem Etat gestanden hat, ferner das Reichsbesteuerungsgesetz, die Militärvorlage und mehrere andere minder bedeutendere Entwürfe. Das Arbeitskammergesetz wurde in zweiter Lesung beraten, dürfte aber wegen weitgehender Diffferenzen zwischen Regierung und Parlament kaum die dritte Lesung erleben. Die zweite Lesung der Strafprozeßordnung ist zwar ein Stück vorwärts gekommen, von einer Verabschiedung ist man aber noch weit entfernt. In der Kommission stecken noch immer der Entwurf über die Schiffahrtsabgaben, dann vor allen Dingen der Elsaß=Lothringische Verfassungsentwurf, dessen Schichsal infolge neuerlicher Beschlüsse der Kommission wiederum sehr fraglich geworden ist, und dann vor allen Dingen die Reichsversicherungsordnung sowie das Hausarbeitsgesetz und die Gewerbeordnungsnovelle. Im übrigen bewegten sich die Verhandlungen kaum auf dem Niveau. Am interessantesten waren zwei Reden des Reichskanzlers, die eine bei der ersten Etatlesung, wo er sich über die Weltlage ausließ und dabei bemerkenswerte Worte über das Verhältnis Deutschlands mit England und Rußland fand. Nicht minder Beachtung hat bei der Beratung des Reichskanzleretats seine Rede über die Frage der Abrüstung und der Schiedsgerichte gefunden, die präzise und unzweideutig den auf das Reale gerichteten Standpunkt der Reichsregierung darlegte. Wirklich positive Arbeit ist aber in der verflossenen Periode im großen und ganzen, abgesehen vom Etat, recht wenig geleistet worden, ein Resultat, das man schwerlich mit Genugtuung begrüßen kann. Befindet man sich doch im letzten Stadium der Legislaturperiode überhaupt, wo eine schnellere Förderung der Arbeiten am ehesten zu wünschen gewesen wäre. Durch die Verzögerung in den Beratungen hat man sich entschließen müssen, noch für den kommenden Herbst eine Tagung ins Auge zu fassen, andernfalls die wichtigsten Gesetzentwürfe nicht fertiggestellt werden können; ob bei einer solchen Arbeit, die während der letzten Zuckungen des Parlaments erfolgen muß, viel Ersprießliches herauskommen wird, kann mehr als fraglich gelten. Wahlbewegung. In der nationalliberalen Landespartei Bayerns herrscht trotz des Rücktritts ihres Vorsitzenden keine Meinungsverschiedenheiten bestehen inneBayerns herrscht trotz des Rücktritts Krise. Prinzipielle Reinungsertcchil Gergen mnerhalb der Nationalliberalen Landespartei nicht, wie die„Münch. N. N.“ ausdrücklich feststellen konnten. Natürlich hat auf dem Parteitage auch niemand die Großblochidee vertreten, deren Durchführung, abgesehen von inneren Bedenken, allein schon an der äußeren Tatsache scheitern würde, daß die Liberalen in den meisten bayerischen Wahlkreisen mit den Sozialdemokraten um das Mandat im Entscheidungskampf stehen. Ein Kreditinstitut für kleinere Städte sehlt noch immer; und das macht sich umsomehr fühlbar, als die nach den Beschlüs sen des deutschen Städtetages errichtete„Vermittlungsstelle für städtischen Kredit“ mit dem Sitze in Düsseldorf nur Städten mit mehr als 80 000 Einwohnern zugute kommt. In der Regel nehmen die Städte für jene Einrichtungen Anleihen auf, die ihren vollen Nutzen erst in der Zukunft erweisen können, zu deren Kosten also billigerweise mehr die kommende als die jetzige Generation beitragen muß, damit selbstverständlich keine leichtsinnige Pumpwirtschaft errichtet werden darf. Es ist nicht einzusehen, weshalb die kleinen Städte in dieser Hinsicht nicht ebenso sehr des Kredits bedürfen als die größeren. Zwar gibt es Privatbanken genug, die auch den kleinsten Kommunen willig Geld hergeben, aber das kostet Zinsen, und in vielen Fäl len ungerechtfertigt hohe Zinsen. Der eingangs erwähnte Beschluß des deutschen Städtetages dürfte daher über kurz oder lang erweitert werden. Zur Reichsfinanzreform, die ja noch immer im Mittelpunkte der politischen Erörterungen steht, wird der„Täglichen Rundschau“ von unterrichteter Stelle aus München mitgeteilt, daß Fürst Bülow die Absicht hatte, dem Blockreichstag als erste Aufgabe die Reichsfinanzreform zu übergeben, sich aber schließlich doch überreden ließ, es nicht zu tun, da diese Probe denn doch zu gewagt sei. Die Finanzreform wurde dann verschoben mit der Begründung, daß sie noch nicht fertiggestellt sei, in Wirklichkeit aber befand sie sich schon fertig wohlverwahrt in den Schubfächern. Als dann die„schwarzblaue“ Finanzreform zustande kam, der Block zertrümmert wurde und Fürst Bülow gehen mußte, bedauerte er, an seiner ersten Idee nicht festgehalten zu haben. Die Reichstagswahlen. Der zuständige Bundesratsausschuß soll sich nach der Voss. Ztg. einstimmig für die Anberaumung der Reichstagswahlen schon im Oktober ausgesprochen haben. Damit würde die Herbstsession des Reichstages hinfällig und eine ganze Neihe von Vorlagen nicht mehr erledigt werden können. ner Ueberzeugung nicht als Haupt der damaligen Bewegung angesehen werden. Niemand in Barcelona habe etwas von einer Beteiligung Ferrers an der Bewegung gewußt, ehe Justiz öffentlich davon gesprochen habe. Nachdem im weiteren Verlaufe der Sitzung der Kviegsminister zugunsten des Militärstrafgesetzbuches gesprochen hatte, wandte sich Canalejas energisch gegen die Angriffe der Republikaner. Es sei nicht angängig, daß sich die Kammer zum Richter über den Prozeß Ferrer aufwerfe. Canalejas kündigte sodann an, daß nach Schluß der Debatte die Regierung das Wort ergreifen werde, um zu untersuchen, ob die Diskussion nicht der Ausgangspunkt einer verderblichen Kampagne außerhalb der Kammer sei. Portugal. Aus dem portugiesischen Ministerrat. Der Ministerrat setzte die Wahlen auf den 28. Mai sest, und änderte das Wahlgesetz dahin ab, daß den gemeinen Truppen, Unteroffizieren und Zivilpersonen, die des Lesens kundig sind, eine Stimme gewährt werde. Der Justizminister unterbreitete dem Ministerrat ein Gesetz über die Trennung der Kirche vom Stoat, das noch in dieser Woche veröffentlicht werden wird. Bunte Chronik. Politische Uebersicht. Kein Besuch des Kronprinzen beim Papst. Die Andeutung, daß der Vatikan erklärt habe, er könne von der Regel des Nichtempfanges fremder Fürstlichkeiten während des italienischen Jubeljahres durch den Papst auch im Falle des deutschen Kronprinzen keine Ausnahme machen, sind, wie der Lokalanzeiger aus bester Quelle erfährt, völlig gegenstandslos. Die Aufgabe des Kronprinzen in Rom besteht in der Darbringung der Glückwünsche des deutschen Kaisers zur italienischen Nationalfeier. einen Besuch des Kronprinzen beim Papst war von vornherein nicht gedacht worden, und der Vatikan ist somit gar nicht in die Lage gekommen, sich dazu ablehnend zu verhalten. Ein preußischer Offizier als Fremdenlegionär? Aus Tourcoing in Frankreich kommt die unwahrscheinlich klingende Meldung, daß sich der zur Disposition gestellte preußische Leutnank Wilhelm Hannibal für die französische Fremdenlegion habe anwerben lassen. Der junge Offizier soll angegeben haben, er habe sein gesamtes Vermögen bei Wetten auf Rennbahnen verloren, hätte Schulden gemacht, für die seine Familie kein: Deckung schaffen konnte, und sei schließlich schuldenhalber zur Disposition gestellt worden. Er wisse keinen Ausweg, sich vor dem Hunger zu bewahren, als den Eintritt in die Fremden legion.— Ein Leutnant Hannibal ist allerdings luut Ranglist: am 18. November 1907 beim 2. Oberrheinischen InfanterieRegiment Nr. 99 in Zabern als Offizier eingestellt worden. Trotzdem muß man eine Bestätigung der Meldung abwarten. Der deutsch=schwedische Handelsvertrag. Gestern wurde der Entwurf des neuen deutsch=schwedischen Handelsvertrages von den beiderseitigen Delegierten unter Vorbehalt einiger noch unerledigter Punkte paragraphiert. Die beiden Regierungen ha ben sich die Regelung auf dem Korrespondenzwege vorbehalten. Daß Graf Posadowsky eine Reichstagskandidatur annehmen will, ist freudig zu begrüßen. Männer wie ihn können wir zur Hebung des Niveaus des Reichstages trefflich gebrauchen. Aber es wird mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß er sich einen anderen Wahlkreis aussuchen müßte, als gerade Chemnitz. Denn dort besitzt die Sozialdemokratie ein derartiges Uebergewicht, daß ihr auch der hervorragendste bürgerliche Kandidat das Mandat nicht entreißen kann. Schon 1907 bekam dort Noske mit 34547 Stimmen fast 10000 mehr als die bürgerlichen Parteien zusammen Oesterreich=Ungarn. Protestantenjubilcum. Der Kaiser empfing gestexn eine Abordnung der Protestanten zur Ueberreichung einer Erinnerungsmedaille anläßlich des 50jährigen Bestehens des Protestantenverbandes. Der Kaiser versicherte den Protestanten, er werde ihrer Kirche wie bisher auch ferner seine Fürsorge angedeihen lassen. Itakien. Das Programm der Regierung. In der Kammer gab der Ministerpräsident Giolitti die Programm=Erklü rung des neuen Ministeriums ab, in der auch die Wahlreform, sowie die Verstaatlichung der Lebensversicherung anaekündig wird. Die Einnahmen aus dem Lebensversicherungsgeschäft sollen lediglich der Kasse für die Alters= und Invalidenvensionen der Arbeiter zugewandt werden. Ueber die auswärtig: sagte er, daß diese den traditionellen Weg der absoluten Bündnistreue und größten Herzlichkeit und Freundschaft mit allen Mächten einschlagen werde. In den Beziehungen der Staates zur Kirche werde der Grundsatz weitester Freiheit befolgt und das religiöse Gefühl geschont werden. England. Die deutsche Kanzlerrede im englischen Unterhause. Der Unionist William Peel fragte im Unterhause Sir Edward Grey, ob er beabsichtige, angesichts der Erklärung des deutschen Reichskanzlers wegen der Politik der Einschränkung der Rüstungen Mitteilungen über die Schiffsbauten mit Deutschland auszutauschen. Sir Edward Grey erwiderte: Der Reitskanzler nahm in seiner Rede ausdrücklich den Gedanken des Austausches diesbezüglicher Mitteilungen an und drückte seine Bereitwilligkeit aus zu einer Vereinbarung darüber zu gelangen. Er sehe in dem, was der Reichskanzler über die Einschränkung der Rüstungen sagte, nichts, was den Austausch von Mitteilungen weniger ausführbar und wenicer wünschenswert mache. Peel fragte weiter: 1. ob Sir Edward Grey irgend einen Nutzen für Großbritannien in dem Austausch der Mitteilungen sehe, da doch der Reichskanzler sagte, daß er eine schränkung der Rüstungen nicht zugeben werde; 2. ob man mt dem Austausch irgend einem allgemeinen Zweck dienen wolle Grey erwiderte: Wenn Pel seine Rede vom 13, Närz notmals nachsehen will, wird er finden, daß ich den schränkung der Rüstungen“ ablehnte, aber ausdrücklich erklärte. daß die Herabsetzung der Ausgaben der bessere Ausdruck sei. Soweit der Austausch dei Mitteilungen das Mißtrauen zwischen irgend welchen zwei Ländern entfernen könnte, würde er eine Wirkung auf die Ausgaben ausüben. Rußland. Ein Erfolg Stolypins. Die Wahl des merherrn Rodsianko zum Präsidenten der Duma bedeutet einen Erfolg Stolypins, da hiermit der rechte Flügel der Oktobristen endgiltig zum Nationalismus übertritt. An der Wahl nahmen Sozialisten und Arbeitsparteiler nicht teil, da sie nach einer abgegebenen Erklärung die Verantwortung für die Arbeiten der Duma nicht übernehmen wollten. Stolypin verfüg: nunmehr in der Duma über eine rechte Majorität, die Bedeutung der Oktobristenpartei ist damit stark erschüttert. Es erregte übrigens, laut einer Meldung der Frankfurter Zeitung. grodes Ausehen, daß Rossanto in seiner Antrirterge. g präsentativen Regime sprach und den Ausdruck Aeinikur.s Spanien. Die Ferter=Lebate in der spanischen Kanmer. In der gestrigen Sitzung der Deputiertenkammer erklärte der catalonische Republikaner Salvatella, er sei der Ereignisse vom Juli 1909 gewesen. Ferner könne nach Der deutsche Dampfer„Bergedorf“ ging an der Südspitze Indiens unter. Das Schicksal der Mannschaft ist unbekannt. Der von der französischen Polizei noch nicht gefaßte gefährliche Hochstabler Reiß, der„Marquis de Roquefeuil“, hat u. a. ein recht interessantes Gastspiel in Crouiz erledigt. Hier nahm er starken Anteil an dem Wahlkampf für den Gemeinderat und hielt zündende Reden, worin er die Arbeiter zur Revolution anfeuerte und die Kapitalisten mit eigener Hand zu erdrosseln drohte! Allein er wurde nicht zur Abstimmung zugelassen und verließ darum den undankbaren Ort.— Die auf 265000+ berechneten Unterschlagungen des Bürgermeisters Pampel in Stolberg machen andauernd von sich reden. Der Magdeburger Bankverein und die Preußische Zentralgenossenschaftskasse hatten erklärt, sie besäßen an der Sparkasse Deckung. Jetzt erklären Magistrat und die Sparkasse Stolberg, die Sparkasse hafte keinesfalls, denn sie habe weder Gelder bei den Banken bestellt noch empfangen. Sämtliche Unterschriften und Quittungen seien gefälscht!— Ein Preiswettrauchen fand in Wien statt. Es war eine sehr langwierige Konkurrenz, denn der erste Sieger im Dauerrauchen brauchte nicht weniger als zwei Stunden 33 Minuten, bis er seine Britannia zu Ende geraucht hatte. Den ersten Preis im Aschenrauchen erhielt ein Raucher für seinen 73 Millimeter langen Aschenkegel.— Eine häßliche Schlägerei entwickelte sich in Zürich zwischen der Polizei und einer von der Weinkneipe kommenden Herrengesellschaft, in der sich ein deutscher Baron befand. Die Wache mußte schließlich blank ziehen. Der Baron und ein englischer Student wurden arretiert.— Bei Moskau wurde auf einsamer Landstraße in einem Sack der entsetzlich zugerichtete Leichnam eines etwa 50jährigen Mannes gefunden. Man vermutet in dem Ermordeten einen seit mehreren Tagen vermißten bekannten Schauspieler, der viel in galante Affären venwickelt war.— In Hohnstorff an der Elbe starb der Altenteiler Ernst Petersen nach langem Siechtum infolge einer Verwundung, die er im Kriege 1870=71 hatte. Petersen erhielt bei Erstürmung der Spicherer Höhen eie Kugel in den Rücken. Die Wunde verheilte, ohne daß die Kugel entfernt wurde. Nach einem Jahrzehnt jedoch wurde er vom Siechtum befallen. Die Kugel hatte sich gesenkt und saß nun im Rückenknochen fest.— Im Konzertsaal des Deutschen Hauses in Czernowitz kam es während eines Konzertes, das unter der Mitwirkung der bekannten Hofopernsängerin FrancilloKaufmann stattfinden sollte, zu ungeheuren Skandalszenen Fräulein Kaufmann weigerte sich, die Bühne zu betreten, da das verlangte Honorar nicht erlegt wurde. Daraufhin begann das Publikum einen ungeheuren Lärm mit Pfeifen und Johlen. Die Polizei mußte eingreifen, um den Saal zu leeren. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Gottesdienste. Evangel.=ref. Gemeinde. Sonntag 9 Uhr: Vorbereitung. 9½ Uhr: Pastor Terberger.(Hl. Abendmahl.) Karfreitag 9 Uhr: Vorbereitung. 9½ Uhr: Pastor Terberger.(Hl. Abend Evangel=luth. Gemeinde. Sonntag 9 Uhr: Beichte. 9½ Uhr: Pastor Oetting aus Plettenberg.(Hl. Abendmahl). 411½ Uhr: Kindergottesdienst. 2 Uhr: Pastor Wischnath. Montag 5 Uhr: Liturgischer Gottesdienst. Dienstag 5 Uhr: Desgleichen. Mittwoch 5 Uhr: Desgleichen. Donnerstag 2 Uhr: Beichte. Karfreitag 8 Uhr: Pastor Heinenberg. 9 uhr: Beichte. 9½ Uhr: Pastor Wischnath.(Hl. Abendmay#). 5 Uhr: Gottesdienst. Samstag 2 Uhr: Beichte. Vereine und Versammlungen. Sonntag 3½ Uhr: Konfirmationsnachfeier im Reiche des Wassers. Dienstag 8 Uhr: Evangelische Stadtmisson Schwerte, Kuhtreßze 7. Sonntag vorm. 8 Uhr: Blaukreuzstunde und Verpflichtungsgelegenheit Nachm. 4 Uhr: Bibelstunde. Montag 8 Uhr: Frauen= und Jungfrauenmissionsstunde. Dienstag 8½ Uhr: Gemischte Epangelischer Männer= und Jünglingoverein Schwerte. Sonntag nachm. 3½ Uhr: Werbefeier. 8 Uhr: Mittwoch 8½ Uhr: Gebetsstunde. Donnerstag 8½ Uhr: Männerchor fällt aus. Freitag 8½ Uhr: Bibelbesprechung. Samstag 3½ Uhr: Turnen fält ans. Verantwortlich für die Redaktion: Friedrich Kraae: Druck und Verlag von Cark Braus, beide in Schwerte. 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Die Osterzeit ist gekommen, wenn auch der Winter noch einmal mit seinem froststarren Hauch uns überfiel und gar manchen Schaden im Garten, auf dem Feld und unter dem jungen Grün angerichtet hat. Des Osterfestes erste Verkünder sind die Osterferien, die jetzt begonnen haben und gewiß allen zu wünschen sind, die sich ihrer erfreuen dürfen. Das gilt besonders auch vom deutschen Reichstag und seinen Mitgliedern. Es ist hervorgehoben, daß kaum jemals eine Session so anstrengend und voll von lange Stunden dauernden Sitzungen gewesen ist, wie die gegenwärtige, und wenn selbstverständlich auch nicht in jeder Minute sich ein gefülltes Haus bot, so sind doch nur sehr vereinzelte Fälle vorgekommen, in denen wegen Beschlußunfähigkeit die Verhandlungen abgebrochen werden mußten. Nach Ostern soll mit der entscheidenden Beratung der großen Reichsversicherungsordnung begonnen werden. Dazu wird nur der einzige Wunsch laut, daß die ohnehin hoch geschraubten Lasten des Nährstandes nicht über die Gebühr hinaus gesteigert werden möchten. Denn aus nicht wenigen Städten ist bei der Feststellung der kommunalen Etats gemeldet, daß zur Aufbringung der Ausgaben die auf dem Gewerbebetrieb liegenden Steuern wiederum erhöht werden mußten. Die neue elsaß lothringische Verfassung hat ungeachtet der eingetretenen Osterstille sehr eifrig noch die Oeffentlichkeit beschäftigt. Es war nicht allein behauptet, daß der Gesetzentwurf aussichtslos sei, sondern auch, daß der Reichskanzler von Bethmann Hollweg, der selbst diese Vorlage bekanntlich angeregt hat, das Scheitern derselben zum Anlaß nehmen werde, seinen! Rücktritt zu erwägen. So tragisch liegen die Dinge nicht; wenn keine Einigung über die Verfassung des Reichslandes im deutschen Parlament erfolgen kann, und auch die Wünsche der Elsaß=Lothringer über das Ziel hinausschießen, dann bleibt nur ein Sich-Besinnen für spätere Tage übrig. Der in Metz verhandelte Prozeß gegen die mit Frankreich liebäugelnden Sportsleute, der den Krakehlern Gefängnisstrafen bis zur Höhe von sechs Monaten brachte, war keine große politische Angelegenheit, aber diese Ungezogenheiten beweisen, daß die Reichsregierung allen Anlaß hat, ihre Hand auch ferner über Elsaß=Lothringen zu halten, wenngleich ruhig, so doch fest. Das deutsche Reichsland soll in unserem Sinne sich entwickeln, Koketterien mit Frankreich sind auch der Minderheit seiner Bewohner nicht gesiattet Die vorwöchentliche Rede des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg über Abrüstung und Schiedsgerichte hat bis in die letzten Tage hinein im Londoner Parlament zu lebhaften Erörterungen und zu der Mahnung Anlaß gegeben, die britische Landarmee bedeutend zu vermehren. Lord Roberts, der Sieger im Burenkriege, vertrat diese Forderung. Deutschland hat seinerseits bewiesen, daß es keine Rüstungen bis ins Uferlose hinein will. Unser Flottenbauplan war niemals ein Geheimnis, die Friedensstärke der Reichsarmee ist bekanntlich erheblich hinter einem Prozent der Bevölkerungszifer zurückgeblieben. Aber wir wollen nicht mit Einzelheiten rechnen, sondern uns vor allem daran freuen, daß in England die Erkenntnis fortwährent wächst, daß Deutsche und Briten sich wirklich nicht zu zanckenstbrauchen, sich vielmehr recht gut vertragen können. In Großhkitannien hat, wie hier gleich erwähnt sein mag. eine Volkszählung stattgefunden. Versuche der Frauenrechtlerinnen. auch diesen völlig unpolitischen Vorgang zu stören, sind kläglich gescheitert. Der neue englisch=jaranische Handelsvertrag ist abgeschlossen, während über den mit Deutschland die Besprechungen noch fortdauern. Einmütig sind erfreulicherweise in Korstantinopel die von Paris ausgegangenen Zwischenträgereien zurückgewiesen, der deutsche Instruktionsoffizier von Schlichting sei von einem albanesischen Soldaten erschossen, weil er gegen diesen die Reitpeitsche gebrasicht hätte. Das ist bekanntlich nicht geschehen. Die türkische Teilnahme um den ermordeten Offizier hat sich bei dessen Leichenfeier glänzend erwiesen. Die parlamentari sche Krisis, die in Petersburg seit mehreren Wochen herrschte. Adrl. Roman von Ludwig Habicht. 85](Nachdruck verboten.) Wie ein Kind blickte er neugierig und verwundert in die Geistesund Gefühlswelt, die sie besaß und die sie ihm jetzt öffnete, ohne selbst davon eine rechte Ahnung zu haben. Jedes ihrer Worte wurde ihm zu einem wahren Evangelium. Wohl war er schon durch Bernbard angehalten worden, manch treffliches Buch zu lesen und mit seinem lebhaften Geiste hatte er sich das Schöne und Gute darin zu eigen gemacht; aber nun erst, in der Unterhaltung mit dem feinsinnigen, geliebten Mädchen erschloß sich ihm die Schönheit und die Größe deutscher Dichtungen. Da rieselte für ihn eine noch unbekannte Quelle, die sein Inneres völlig umgestalten mußte. Ja, für ihn war das Zusammensein mit diesem himmlischen Geschöpf so beglückend, daß nun vollends alle weiteren Leidenschaften einschliefen, die sich noch manchmal in ihm regen wollten. Ohne daß er es selbst abnte, wurde er ein völlig anderer. Er fühlte es, daß ihre Gegenwart veredelnd und läuternd auf ihn einwirkte, selbst seine scharfe, etwas harte Stimme erhielt einen weicheren Klang und in seinen Augen verlor sich das unruhige Feuer, das früher darin gelodert hatte;— die ursprüngliche Milde und Güte seines Wesens drach bereits deutlich hervor.(Adel 85. Nr. „Der Mensch gefällt mir schon viel bester" begann die Baronin, als sich ihre Gäste entfernt hatten und sie mit ihrem Gemahl allein war.„Freilich, ob Leonie an seiner Seite glücklich würde, das kann ich noch nicht glauben." 253 „Was sagst Du?“, rief der General lebhaft aus und blickte ganz verwundert auf seine Gattin.„Du meinst, daß Taunbausen jetzt unsere Leonie haben möchte? „Hast Du nichts davon gemerkt?“ fragte die Baronin und nun buschte doch über das Gesicht der sonst so ernsten, ruhigen Frau ein überlegenes Lächeln. „Es ist gar keine Frage, daß sich der Mann sehr lebhaft für Leonie interessiert, ja, sie sogar leidenschaftlich liebt und ich geendet, doch meint man, er sei in Folge der immer wider ihn gesponnenen Intriguen wirklich etwas amtsmüde geworden. Die Franzosen haben Arbeit, in Marokko ihrem Schützling, dem Sultan Mulay Hafid, seinen Thron zu erhalten. Dessen Regiment ist noch unpopulärer geworden, als es das seines abgesetzten Bruders und Vorgängers, des Sultans Abdul Aziz, war. Es ist in der Nähe der Hauptstadt Fez zu wiederholten Kämpfen gekommen, aber die Anwesenheit der Franzosen hat eine Eroberung der Stadt durch die Aufständischen verhindert. Der Präsident der französischen Republik Herr Fallieres will die Osterfeiertage zu einem Ausfluge nach dem unter Frankreichs Protektorat stehenden Sultanat Tunis in Nordafrika benützen. Derselbe entspricht dem Beispiel der vor wenigen chen stattgehabten Reise des Königs von Spanien nach Melilla in Afrika. In Washington ist durch eine Botschaft des Prasidenten Taft der nordamerikanische Kongreß eröffnet, der den neuen Handelsvertrag mit Kanada genehmigen soll. Der in London bestehende Wunsch, das Abkommen möge scheitern, wird sich kaum erfüllen. In Mexiko macht die Wiederherstellung der Ruhe größere Fortschritte, so daß die nordamerikanischen Regimenter wohl bald von der Grenze werden abberufen werden können. Mehrere Neger=Regimenter mußten wegen schlechten Betragens so wie so schon abkommandiert werden. Veränderlich! Alles ist veränderlich, Darum muß sich alles wenden, Denn der Frühling rüstet sich, Neue Bilder uns zu spenden, Braune Schollen werden grün, Neue Farben leuchten, sprüh'n, Hoffnung strahlt aus bangen Mienen, Neues Leben aus Ruinen! Doch nicht immer, wie man will, Lacht der Himmel heiter=sonnig, Launenhaft ist der April, Heute rauh und morgen wonnig, Heute meint's die Sonne gut, Morgen faßt der Sturm den Hut, Und der Lenz fällt aus der Rolle, Und es grüßt sogar Frau Holle! Alles ist veränderlich: Meinung, Ansicht und Methode, Mit den Zeiten ändert sich Stil und Lehre— Form und Oftmals tief und allgemein Greift jetzt die Veränd'rung ein, Und gar viele jungen Leute Müssen sich verändern heute! Vorbereitend hier und dort Rühren, rüsten sie sich rege, Mancher muß nun weiter fort, Und er steht am Scheidewege, Weiß noch nicht, wohin er schwenkt, Aber vorwärts schiebt und drängt Ihn des Lebensstromes Welle Jetzt an eine andre Stelle! Alles ist veränderlich, Und da gibt es keine Schonung, Im April verändert sich Hier die Stellung, dort die Wohnung, Auch bestimmt das Erdenlos, Kleine Leute werden groß! Und die Menschlein all', die vielen, Wachsen mit den höhern Zielen! Klein und Groß steigt kühn bergan, Stuf' auf Stufe wird erklommen, Diesem bricht die Schulzeit an, Jenem wird die Lehrzeit kommen, Und ein andrer macht mit Glück Morgen sein Gesellenstück, Meint, daß sich nun alles wende, Denn die Lehrzeit ging zu Ende! Alles ist veränderlich, Und es kann nicht stets so bleiben, Doch das ist kein Grund an sich Künftig nicht mehr deutsch zu schreiben, Denn, was überhaupt die Schrift Der Antiqua anbetrifft, Rufe ich gegebenen Falles Deutschland, Deutschland über Alles! Hier Antiqua, dort Fraktur, Also rauscht es in den Blättern, Mancher schwärmt für Einheit nur Und verwirft die deutschen Lettern, Doch manch braver Deutscher spricht: So veränd're ich mich nicht, Wie bisher, so bin ich weiter, Deutsch mit Herz und— Hand! Ernst Heiter. Westfalen und Rheinland. * Berghosen, 7. April.(Eine Revolveraffaire) spielte sich am 5. dieses Monats in der Mittagsstunde Benninghoferweg 1, ab. Dort wollte ein Mieter seine Wohnung räumen, wurde aber vom Hauswirt Gustav Krüger daran gehindert, weil die Miete erst gezahlt werden sollte. Dabei kam es dann zum Streit, in dessen Verlauf der Mieter zum Revolver griff und dem K. mehrere schwer verletzende Schüsse beibrachte, auch wurde K. mit einem Messer übel zugerichtet u. liegt nun im Hüttenkrankenhaus hoffnungslos darnieder. * Brackel, 7. April.(Schwer verbrannt.) Die 11jährige Tochter des Bergmanns Adolf Droste, hier, Scharnhorststraße, zog sich in der elterlichen Wohnung so schwere Brandwunden zu, daß die Ueberführung ins Krankenhaus erfolgen mußte, wo das Kind hoffnungslos darniederliegt. * Dortmund, 7. April.(Brandunglück.) Das 18= jährige Dienstmädchen Anna Krink erlitt dadurch tödliche Verletzungen, daß ihr, als sie beim Ofen beschäftigt war, glühende Kohlen auf das Kleid fielen und die Kleidung in Brand setzten. * Menden, 7. April.(Einen qualvollen Tod) erlitt hier auf den Ostermann'schen Drahtwerken der 16jährige Lehrling Mauck, indem er dem Getriebe zu nahe kam, sodaß ihm der Brustkorb eingedrückt wurde. Sein eigener Vater, welcher auf den Werken Maschinenheizer ist, hat den unglücklichen jungen Mann aus dem Getriebe gezogen. Dem Krankenhause zugeführt, erlöste der Tod den Jungen bald von seinen großen Schmerzen. * Menden, 6. April.(Neues Rathaus.) Nach einem Vortrage des Regierungsbaumeisters Moritz=Köln beschloß die Stadtverordnetensitzung den Bau eines Rathauses. Die Gesamtkosten sind zu 225000. veranschlagt. * Halver, 6. April.(Ein unverbesserlicher Dieb.) Mit einem eleganten Damenjackett, das er als„Ueberzieher“ von dem bekannten„großen Unbekannten“ für 1,50 M gekauft haben will, paradierte am 17. Januar dieses Jahres der 45 Jahre alte, 41mal vorbestrafte„Arbeiter“ Carl Hoppe in einer hiesigen Wirtschaft. Der so merkwürdig Kostümierte wurde verhaftet und die bestohlene Dame erst durch ein Zeitungsinserat nach 8 Tagen auf ihren Verlust aufmerksam gemacht. Da Hoppe außerdem in Drüplingwerde, gelegentlich seiner Bettelei einen Regenschirm gestohlen hat, so verurteilte ihn die Hagener Strafkammer, vor der er sich als rückfälliger Dieb zu verantworten hatte, zu 1 Jahr Gefängnis, 6 Wochen Haft und Ueberweisung an die Landespolizei. * Hamm, 7. April.(Ueber die Verlegung des Oberlandesgerichts) von Hamm laufen zur Zeit unkontrollierbare Gerüchte um. Maßgebende Persönlichkeiten vom hiesigen Gericht sollen in dieser Sache schon in Berlin vor K fürchte nur, unserm armen, unschuldigen Kinde ist dieser Mensch auch nicht mehr ganz gleichgiltig. „Nun, das wäre ja nicht schlimm“, entgegnete der General „Doch“, war die Antwort der Baronin:„Der älteste Tannhausen hat ein zu wüstes Leben geführt und ich möchte ihm nicht unsere liebe Leonie geben; sie würde gewiß sehr unglücklich mit ihm werden.“ „Ach, solche Menschen wie Leonardo werden stets die besten Ehemänner", erklärte der General; als seine Gattin noch immer bedenklich den Kopf schüttelte, fuhr er sogleich ganz eifrig fort: „Breitbach ist des Lobes voll über Leonardo; als ich mit dem Major einige Augenblicke allein war, sagte er mir:„Tannhausen ist ein Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle und je näher ich ihn kennen lerne, je mehr muß ich ihn lieben und schätzen: er wird mal einen vorzüglichen Ehemann abgeben!“— Ich wußte garnicht, wo unser Nachbar mit diesen Worten hinauswollte. Nun begreife ich“,— und Herr von Mannhof stieß ein belustigtes Lachen aus. 254 „Ich kann mich aber doch mit dem Gedanken, daß unsere Leonie gerade diesen Menschen beiraten sollte, nicht recht befreunden.“„ Jus# us „Warum nicht? entgegnete der Generat, der oyneyin, wie seine Gattin wußte, selbst ernste Dinge leicht nahm.„Wenn Leonie ihn wirklich lieben sollte, dann sehe ich garnicht ein, was wir dagegen einzuwenden hätten, die Hauptsache bleibt, daß Tannhausen ernste Absichten hat und das werden wir ja bald erfahren. Baron von Mannbof sollte darüber nicht lange in Zweifel gelassen werden. Leonardo fand sich jetzt so oft zum Besuch ein und legte so rückhaltlos an den Tag. wie glücklich es ihn machte, Leonie zu sehen und zu sprechen, daß an seiner wahren, innigen Liebe selbst die Baronin nicht mehr zweifeln konnte und ihre Meinung über den ältesten Grafen Tannhausen ein wenig änderte. Wie jede Mutter, konnte sie einen Freier ihres Töchterchens nicht mit ganz ungünstigen Augen ausehen. Einunddreißigstes Kavitel. Nun der ältesten Tochter des Generals die beiden Grafen rasch hintereinander aus dem Netz gegangen waren, während sie jeden von ihnen als ganz sichere Beute angesehen hatte, trieb sie mit leidenschaftlicher Ungeduld zur Hochzeit mit ihrem Veiter. für den sie jetzt die größte Zärtlichkeit an den Tag legte. Der gute Podewils fühlte sich im dritten Himmel und wies die Warnungen. Edgars voll Entrüstung zurück, der von seiner Schwester mit der ganzen Rücksichtslosigkeit eines älteren Bruders nicht die allergünstigste Meinung hatte und dem Vetter offen erklärte:„Sie nimmt Dich ja jetzt nur aus Aerger, daß sie nich Majoratsherrin von Tannbausen geworden ist." 255 „Schäme Dich, von Deiner Schwester so schlecht zu denken sagte Podewils tief empört. „Dir werden schon bald die Augen aufgehen", erwiderte Edgar.„Aletta ist eine Schmeichelkatze, die nur die Krallchen einzieht, solange sie ihrer Beute nicht ganz sicher ist.“ „Du bist abscheulich!“ rief der Vetter aus. „Nur ehrlich“, war Edgars trockene Antwort. „Wir werden wie die Kinder miteinander leben“, sagte Bodewils.„„e Mse“ 9 „Gewiß, wenn Du dem kaunenbaften, Velwobnten Dinge jeden Wunsch erfüllst?" „Das will ich auch.“ „Und wo willst Du das Geld dazu hernehmen? Glaude mir, ich bin Dein wahrer Freund und sage Dir noch einmal, was ich Dir schon immer auseinandergesetzt. Du begehst eine große Torheit, wenn Du meine älteste Schwester beiratest. Nimm Leonie, sie ist wirklich ein Engel und die gönne ich dem gräflichen Kunstreiter nicht.“ „Meinst Du, daß Graf Tannhausen Deine jüngste Schwester b „Ja, Meusch, wo hast Du Deine augent! Er ist ganz vernarrt in die Kleine." „Das gibt ein Unglück!“ rief nun Podewils sogleich mit großer Lebhaftigkeit aus.„Die vassen nicht für einander.“(F. k.) Nr. 84. Stue 6 Schwerter Zeitung. 4ämtliches Kreisblat.) Sand.a, den 8. Aprl 1911. Eine moderne Lustschiffkanone. Die stetig wachsende Bedeutung der lenkbaren Luftschiffe sowohl als auch der Aeroplane für die Kriegswissenschaft hat naturgemäß auch die moderne Waffentechnik nicht ruhen lassen. Schon vor zwei Jahren tauchte das erste Modell eines Ballon abwehrgeschützes auf das aber begreiflicherweise eine Reihe sehr ins Gewicht fallender Mängel aufwies. Eingehende Versuche mit dieser und ähnlichen Konstruktionen wurden in aller Stille forgesetzt und als Facit all dieser Versuche hat die Rheische Metalwoaren. und Malchiueniabrik in Diseldost. mehr das auf unserem heutigen Bilde zur Darstellung gelangte Ballonabwehrgeschütz konstruiert. Dasselbe hat vor vielen alten Modellen den nicht zu unterschätzenden Vorzug. Jaß es, auf einem sehr stabil gebauten Automobil montiert mit Aussicht auf Erfolg auch die Verfolgung feindlicher Flugzeuge und Luftballons aufnehmen kann. Unter den Sitzen des Fahrers sowie den der aus drei Mann bestehenden Bedienungsmannschaft ist das Geschoß= und Kartuschlager angebracht. stellig geworden sein und sich dort über die städtische Verwaltung beschwert haben. Nach dem„Westf. Volksfr.“ liegen diesen Gerüchten nur ganz grundlose Vermutungen zu Grunde. * Bottrop, 7. April.(Diebstahl.) Einer hiesigen Arbeiterfamilie wurden heute ihre ganzen Ersparnisse in Höhe von 3000 M aus dem Hause gestohlen. Das Geld wurde in einer Hutschachtel unter einer Bettlade aufbewahrt. Die Polizei nahm bereits mehrere Verhaftungen vor. * Kreuznach, 7. April.(Grauenhafter Selbstmordversuch.) Ein Straßenbahnschaffner unternahm heute früh, offenbar in geistiger Umnachtung, einen Selbstmordversuch, indem er sich mit Petroleum begoß und anzündete. Er hatte vor kurzer Zeit das Unglück, ein Kind zu überfahren und nahm sich die gegen ihn laut gewordenen unberechtigten Beschuldigungen, daß er an dem Tode des Kindes schuld sei, zu sehr zu Herzen. Man hofft, ihn am Leben zu erhalten. Wie die Staatsanwaltschaft festgestellt hat, traf ihn bei der Verunglückung des Kindes keine Schuld. * Bochum, 7, April.(Schrecklicher Tod eines Kindes.) Das 2jährige Töchterchen eines Bergmanns zu Gerthe=Hiltrop fiel in ein mit heißer Lauge gefülltes Faß, während die Mutter mit Waschen beschäftigt war. Das bedauabwehrgeschützes auf, das aber begreiflicherweise eine Reih: an den Folgen verstarb. * Recklinghausen, 7. April.(Eine appetitliche Wurstküche.) Eine wenig angenehme dienstliche Obliegenheit erfüllte der Gewerberat Kreß, als er im November vorigen Jahres zu Recklinghausen=Süd in Begleitung eines Polizeibeamten die Wurstküche des Pferdemetzgers Josef Beckmann revidierte. Die Küche starrte von Schmutz. Alte Abfälle und Knochen lagen überall verstreut. Der Tisch, unter dem ein Berg von Knochen angehäuft war, zeigte sich von widerlichem Schmutz überzogen. Der Kochkessel befand sich in derselben Verfassung. An der Wurstmaschine hatte sich aus Fleisch=, Rostund Schmutzteilen eine Kruste gebildet. Die Maschine stand still und befaand sich in vernachlässigtem Zustande. Ueber dem Ganzen schwebte ein so ekelerregender Geruch, daß der Gewerberat infolgedessen von einem Unwohlsein befallen wurde und schleunigst den Ort verlassen mußte. Das hiesige Schöffengericht hatte Beckmann wegen Uebertretung der bestehenden Vorschriften in eine Geldstrafe von 20 A genommen. Eine von dem Angeklagten hiergegen eingelegte Berufung wurde heute von der Strafkammer in Bochum verworsen. Der Staatsanwalt bedauerte, daß von der Anklagebehörde nicht auch Berufung eingelegt worden sei; in diesem Fall würde die Strafe höchstwahrscheinlich bedeutend höher ausgefallen sein. * Barmen, 7. April.(Die Entführung.) Der Opernsänger Max Salzinger vom hiesigen Stadttheater, der vor kurzem die minderjährige Martha Goebel, die als Waise bei ihrem Onkel wohnte und ein Vermögen von 80000„A besitzt, entführt hatte, stand dieser Tage vor dem Gerichtshofe in Old Bailey in England unter der Anklage, das standesamtliche Register zu einer falschen Eintragung benutzt zu haben. Er hatte nämlich das Alter keiner setigen Frau(ener Martha salsch angegeben, als er sich mit ihr in Manchester trauen ließ. Salzinger hatte das Alter der Martha Goebel, die erst 17 Jahte alt war, auf 22 Jahre angegeben. Die Richter verurteilten ihn zu der verhältnismäßig geringen Geldstrafe von 1000 M, um die sich nun die Mitgift der ehemaligen Martha Goebel verringern wird. Ueber die Entführung ist hier viel geredet worden. Wie verlautet, soll die Ehe für ungültig erklärt werden. * Köln, 7. April.(Tödliche Unfälle.) Gestern mittag wurde in der Zülpicherstraße, Ecke Aegidiusstraße in KölnSülz, ein zehnjähriger Knabe von einem Bierwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er alsbald starb.— Ihren Verletzungen erlegen sind gestern in der Krankenanstalt Lindenburg ein Kutscher, welcher am Samstag in der Rolandstraße von seinem Pferde einen Husschlag gegen die Brust erhalten und dadurch mehrere Rippenbrüche und schwere innere Verletzungen erlitten hatte, sowie ein neuenjähriges Mädchen aus der Aachenerstraße, das im Felde mit Feuer gespielt und schwere Brandwunden zugezogen hatte. * Köln, 6. April.(Das bezaubernde Bildnis.) Eine Sängerin, die sich um eine Stelle in einem Restaurant bewarb, sandte ihr Bild ein. Der Kapellmeister depeschierte: „90 M, alles frei, gilt als Kontrakt, kommen:. Die Sängerin wurde aber, als sie kam, nicht eingestellt. Es wurde ihr bedeutet, sie sei nicht die auf der Karte abgebildete Dame, diese Photographie stelle eine jüngere Dame dar. Die Sängerin klagte nun am Gewerbegericht auf Zahlung von 66 M Kündigungsent schädigung. Das Gericht verurteilte den Kapellmeister zur Zahlung dieses Betrages. Die Einrede, daß die Klägerin mit der auf der Offerte abgebildeten Persönlichkeit nicht inden isch sei, sei verfehlt, da dieses Bild dasjenige der Klägerin sei. * Bonn, 6. April.(Frauen als Schöffen., Oberlandesgerichtspräsident a. D. Exzellenz Hamm sprach in einer Versammlung auf Veranlassung des Vereins Frauenbildung= Frauenstudium und der Auskunfts= und Rechtsschutzstelle für Frauen über das Thema: Erweiterte Zuziehung von Laienrich= tern zu den Strafgerichten und Berufung von Frauen als solchen. Es wurde folgende Entschließung gefaßt, die an den Reichstag gesandt werden soll:„Die Versammlung beantragt eine Aenderung der Gerichtsversassung suhin, daß als nicht beruse mäßige Strafrichter auch Frauen und zwar gleichmäßig mit den Männern berufen werden.“ * Trier, 6. April.(Großfeuer.) Die Zweigfabrik St. Ingbert der hiesigen Lumpensortieranstalt H. Löser u. Co. steht seit gestern nacht in Flammen. Das Feuer ist in dem Verladeschuppen entstanden und griff mit rasender Schnelligeit um sich. Der Verladeschuppen, das Arbeitshaus, das Lager für Fertigwaren und das Maschinenhaus sind vollständig vernichtet. Der Brand dauert zur Zeit noch fort. Der bisherige Schaden wird auf 300 000 bis 400000 A berichnet. Ueber die Entstehung des Feuers ist nichts bekannt. Die Arbeiter werden bis zum Wiederaufbau der Fabrik in dem Trierer Hauptgrschäft untergebracht. Die hiesige Fabrik ist vor 6 Jahren ebenfalls den Flammen zum Opfer gefallen. Börr. üest-Vernodond urt geid llefelen anzS erämier, lelern un ohne Auzahlung und ohne Zinsen direkt an Private auch gegen Raten von monatlich 20 Mark 2283 an überall hin franko ser Probe. Langjährige Garantie, Jahresverkauf über 1000 Instrumente. Kataloge gratis und franko, Roth&J unius easskant Hagen i. W.:: • 2. Fabrik: Berlin O. 34. Lupus und seine Heilung. Aus dem Mittelalter wird uns von schlimmen Seuchen erzählt, die durch das Land zogen und das Volk dezimierten. Heute haben diese Krankheiten, Aussatz. Pest, Pocken ihre Schrecken für uns verloren. Wir können darauf vertrauen, daß es einer weisen Medizinal=Gesetzgebung und Verwaltung gelingen wird, diese Krankheiten unseren Grenzen stets fernzuhalten, trotz der durch die dichte Bevölkerung und den ständig steigenden Weltverkehr gegen früher so enorm vermehrten Möglichkeit zur Verbreitung. Aber neben dem Fernhalten dieser im Ausland heimischen Krankheiten, bleibt der Hygiene noch ein großes Feld in der Bekämpfung derjenigen übertragbaren Krankheiten, welche bei uns heimisch geworden sind, in erster Linie der Tuberkulose. Der Erreger dieser Krankheit, der Tuberkelbazillus, muß als der am weitesten verbreitete krankmachende Pilz bezeichnet werden. Ein Siebentel aller Menschen sinkt durch ihn in das Grab. Unzählige gehen durch das Leben, deren Körper die Spuren seiner krankmachenden Tätigkeit trägt. Wo immer dieser Bazillus in den Körper eindringt, in welchem Organe er sich festsetzt, überall findet er die geeigneten Verhältnisse zu seiner Entwicklung und entfacht er seine schleichend einsetzende zerstörende Tä tigkeit. Von der Widerstandsfähigkeit des Körpers wird es abhängen, ob schließlich die Krankheit über den Menschen, oder dieser über den Krankheitskeim den Sieg davon trägt. Meist gelangt das Krankheitsgift in die Atmungsorgane und führt zur Lungen= und Kehlkopfschwindsucht. Nicht selten siedelt es sich in den Verdauungswerkzeugen an und führt, namentlich bei Kindern. zu Darmtuberkulose. Auch in den Häuten des Gehirns= und Rückenmarks oder in den Knochen und Gelenken kann es sich entwickeln und schweres Siechtum herbeiführen. Wenn es sich in der äußeren Haut oder der Schleimhaut der Nase oder des Mundes festsetzt, so entsteht dort allmählich jene Krankheit, die als„Lupus“ oder„Fressende Flechte bereichnet wir. Das äußere Bild dieser, stets chronisch ver####fenden Hautkrankheiten kann sehr verschieden sein. Bald sehen wir nur einen düsterroten, abschilfernden Herd, bald Geschwürbildung mit oft kirschgroßen Wucherungen. Gemeinsam bleibt stets die Neigung, unter Verheilung und Narbenbildung an der Stelle der ersten Erkrankung in die Umgebung weiter fortzuschreiten. Große Flächen der Haut können so von der Krankheit überzogen werden. Diese Narden beweisen das Bestreben des Körpers, des eingedrungenen Giftes Herr zu werden, führen aber bei größerer Ausdehnung zu erheblichen Störungen; beschränken je nach ihrem Sitz die Bewegungen der Gelenke, hindern den Schluß des Mundes oder der Augenlider und können so zur Blindheit führen. Schwere Entstellungen können zustande kommen durch das Uebergreifen des Lupus auf Nase und Ohren, deren Knorpel dadurch zerstört werden können. Der Lupus kann also die schwersten Folgen haben, wenn er nicht frühzeitig in zweckmäßige Behandlung kommt. Eine Selbstheilung dieser Krankheit kommt niemals vor. Zwar bedroht der Lupus nicht das Leben direkt; aber die Befallenen werden infolge der entstellenden Narben und ihres entsetzlichen Anblickes von allen gemieden, verlieren die Freude am Leben, finden keine Arbeit und fallen schließlich oft jahrzehntelang der öffentlichen Armenpflege zur Last. Glücklicherweise ist der Lupus eine vermeidbare und, wenn er nicht schon allzu groß geworden ist, auch eine heilbare Daß er vermeidbar ist, beweist die Tatsache, daß er in Volkskreisen, die ihre Kinder in Reinlichkeit erziehen, kaum Der Lupus ist nämlich eine Krancheit der Untaltur. Tuberkelbazillen finden sich überall in der Umgebung von Schwindsüchtigen, von denen sie ausgehustet und mit den seinen Schlei bläschen, welche sie beim Räuspern, Husten, verbreitet werden. Sie finden sich daher haufiga Staube von Wohnungen, in denen ein Schwindsüchtiger wohnt oder gewohnt hat. In solchen zumal schlecht gereinigten Wohnungen können schlechtbehütete Kinder, wenn diese mit ihren Händen auf dem Fußboden herumfahren und sich dann mit ungewaschenen Händen im Gesicht kratzen oder in der Nase bohren, an Lupus erkranken. Reinlichkeit in Wohnung und am Körper ist also das beste Mittel zur Verhütung des Lupus. Gefährlich ist auch das Tragen von Ohrringen. Wird der blutende Stich im chen mit unreinen Fingern berührt, oder wohl gar Lippen ausgesogen, so können in den Stichkanal Tuberkel bazillen eindringen und Veranlassung zur Erstellung von LuUnendlichen Segen hat die Asepsis, d. h. die Lehre von der Vermeidung von Wundkrankheiten durch Sauberkeit, gebracht. Dieser Segen kommt aber erst recht zur Geltung, wenn diese Lehre bis tief in das Volk hineinleuchtet. Jedes Kind in dem Gefühl aufwachsen, im Schmutz nicht nur etwas Unschönes zu sehen, sondern etwas Lebenbedrohendes und unbedingt zu Meidendes. Jeder im Volk müßte wissen, daß Sonne und Seise die willkommensten Feinde der Krankheitskeime sind. Dann wird der Lupus, der auch zu den Wundkrankheiten gelürt inner seibener wroder und schlieblsich gon gethmt Der Lupus ist aber auch heilbar, wenn er flunzeitig zur Behandlung kommt. Hat er schon einen größeren Umsang genommen, so bleiben auch nach der Heilung entstellende Narben zurück. Daher gilt es bei dieser Krankheit, vielleicht wehs els bei jeder anderen, dem Anfang entgegenzutreten. So lench. es ist, einen erbsen= oder pfennigstückgroßen Lupusyerd zu entfernen, so schwer ist die ärztliche Aufgabe einem ausgesehnten Luder vielleicht schon große Teile des Gesiches einGewebe eingedrungen und der Behandlung gar nicht mehr nur noch schwer zugänglich sind. Das Schicksal eines jeden Lupuskranken hängt von der möglichst frühen Entdeckung seiner Krankheit ab. An Eltern, Geistliche, Lehrer ergeht die dringende Mahnung, Kinder, bei denen sie vermuten können, daß ein Lupus im Entstehen ist, ungesäumt der ärztlichen Untersuchung und Behandlung zuzuführen. Zeichen, die hierauf hindeuten, sind: Schwerheilende risse an Mund= und Nasenwinkeln, nässende Flechten, die von dort ihren Ausgang nehmen, Krusten, die auf Geinerg schwüren sich bilden. Oft kann man in der gesunden Lau der Umgebung solcher Veränderungen kleine, kaum stecknad lkopf große, milchkaffeefarbene Flecke erkennen, besonders, wenn man auf die erkrankte Hautstelle ein Stück Fensterglas auflegt und durch sanften Druck auf dieses die Haut blutleer macht. man auf einen solchen Flick einen stumpfspitzen Gegenstand, z. B. einen Bleistift, auf, so entsteht ohne Anwendung besonderen Druckes eine bleibende Stelle in der Haut, ein Zeichen dafür, daß das neu gebildete krankhafte Gewebe in der Tuberkelknötchen, morsch ist und die Haut infolged ssen ihrer normalen Elastizität entbehrt. Der Heilkunde stehen heute verschiedene Wege zu Gebote, beginnende Lupusfälle restlos und ohne bleibende Narben zu heilen. Dem altbewährten wundärztlichen Verfahren, kleine Lupusherde durch Aetzung oder mit dem Messer zu entfernen, ist eine der schönsten Segnungen der modernen Heilkunde, Finsensche Lichtheilverfahren, ebenbürtig an die Seite getreten. Durch dieses Heilverfahren ist das Vaterland des Erfinders, Dänemark, früher ein stark von Lupus durchseuchtes Land, jetzt von schweren Fällen sast vollkommen frei geworden. „Naturheilmethoden“, Blutreinigungstees und ähnliche Dinge können gegen den Lupus nicht helfen. Im G gentei kann durch solche nutzlosen Versuche nur kostbare Zeit verloren gehen. Möge daher ein jeder, der einen beginnenden Lupus sieht, sich der Verantwortung bewußt werden, die er auf nimmt, wenn er durch Unachtsamkeit mit dazu beiträgt, daß vielleicht noch heilbare Kranke zu unheilbaren Krüppe Das Deutsche Zentral=Komitee zur Bekämpfung der Tuberkulose und die von diesem eingesetzte gehen jedem mit Nat und Tat an die Hand, der unbemtttelten Lupuskranken Heilung und Hilse verschaffen möchte. 7 Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreitzblat). Samstag, den 8. Aprl 1911. Nr. 84. Dortmund Valbonstraße 36—38, Rikolaistraße 5 beim Bezirkskommande. A r#apfehlen gute Waren zu billigsten Preisen. Mortumumd vom Markt aus(Balkenstraße) in 2 Minuten, von der Betenstraße(Stadthaus) in ½ Minute zu erreichen. Ableilung. in Silber, versilberten Bronce= und Nickelwaren. Bestecke Abtenlung. Herren und Fmhuren....“ 22g Branche konkurriert und dem Kunde = empfehlen gute Waren zu billigsten Preisen. 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Auch der Vorstand des Gemeinde= oder Gutsbezirks hat das Recht, Einwendungen zu erheben, die sich auf die Richtung des Unternehmens oder auf Anlagen an Wegen, Ueberfahrten, Triften, Einfriedigungen, Bewässerungsund Vorflutsanlagen beziehen. Solche Einwendungen sind bei dem 2221 Bürgermeister in schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu erklären. Arnsberg, den 1. April 1911. Der Regierungs=Präsident. Im Austrage: gez. Untersarift. ## Hleine Damen! Städt. Kaufm. Unterrichts-Anstalten Mlütgoppai 19 Dortmund Telephon 3111. Anmeldungen: Höhere Handelsschule. Abt. Schüler. Abt. Schülerinnen. Schüler: einjähr. Zeugnis. Schülerinnen: mind. 6jähr. Besuch einer höheren Mädchen- od. Mittelschule. 2. Handelsschule. Abt. Schüler, Abt. Schülerinnen. Erfolgr. Besuch d. Volksschule od verwandt. Lehranstalt. nimmt der Direktor möglichst bald schriftlich od. mündlich(Sprechst. 12—1) entgegen. Anmeldeformulare u. Prospekte versendet auf Wunsch: 719..—. Dr. E. 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Der Wirt Karl Wiegold zu Rüdinghausen ist zum ersten Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Rüding= hausen ernannt und am heutigen Tage von mir in sein Amt eingeführt und eidlich verpflichtet worden. 2262 Hörde, den 4. April 1911. Der Vorsitz. des Kreisausschusses I. V. gez. Dr. Haslinde. Regierungs=Asessor. Bettfedern und Daunen: doppelt gereinigt, garantiert staub- und geruchfrei. Echtfarbige federdichte Barchende : Gebr. Stein. Tausende Raucher empfehlen meinen garantiert ungeschwefelten, deshalb sehr bekömmlichen und gesunden Tabak rrabaksgfeife um sonst zu 9 Pfd. meines berühmten Förstertabak für M. 4.25 frk. 9Pfd.Pastorentabak u. Pfeife kost. zus. M.5.— frk. 9 Pfd. Jagd. 5## nasterm.Pfeife M. 6.50 frk. 9 Pfd. holländ. Kanaster mit Pfcite M. 7.50 franko. 9 Pfd. Frankfurter Kansster m. Pfeife kost. frk. M. 10.— gegen NachO nahme. Bitte anzugeb. ob nebenstchende Gesundheitspfeife eder einereichgeschnitzte Holzpfelfe oder eine lange Pfeife erwunsen:. E. 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Bekanntmachung. Die festgesetzten Gemeindesteuerlisten des Amtes Wellinghofen für diejenigen Eingesessenen, deren Veranlagung mit Jahreseinkommen von nicht mehr als 900 Mark zu fingierten Normalsteuersätzen behufs Heranziehung zur Kommunalsteuer erfolgt ist, liegen vom 10. April er. ab vierzehn Tage lang in dem hiesigen Amtsbüro, 2059 Zimmer 6, öffentlich aus. Gegen die Veranlagung steht den Steuerpflichtigen binnen einer vom Ablauf obiger Auslegungsfrist an zu berechnendtn vierwöchentlichen Ausschlußfrist die beim Vorsitzenden der Veranlagungskommission für den Kreis Hörde anzubringende Berufung zu. 2263 Wellinghofen, den 6. April 1911. Der Amtmann: Hartung Oebe! K K K K K K K K 10 Frühjahr 1- Sommer 11 Damen- u. Kinderhüte in reichhaltiger Auswahl. Korsetts in modernen Formen. Gürtel, Schürzen in reicher Auswahl. M. Baumeister, Hagenerstrasse. Dore K K Drahtgeflechte aller Arten Stacheldraht, 2009 Frechtungsdraht, Klammern empfiehlt bei billigsten Preisen R. Landmann, Schwerte. 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(Sutimdus — ** S 899.21 F S 9re s 3*•* K 2. S 1.— *** B % P* :* e Der Vater dieses Fräuleins war ein reicher Bürger, der den Lehrer von Gaillardens viel zu arm fand, um ihn zum Schwiegersohn nehmen zu können. Mit dieser Heirat wird es nichts, wird es niemals etwas werden, und Den armen Peter verzehrte fase der Liebesgren, Glücklicherweise war Hieronymus va. Sein Entschlug war sogleich gefaßt. Er trat offenherzig vor den Bürger. „Sie schätzen meinen Bruder, nicht wahr?“ „Und Sie versagen ihm Ihre Tochter?“ Ja“ „Weil er nicht reich ist?“ „Das ist mein einziger Grund.“ „Und wenn dieser Grund nicht mehr bestände?“ „Wenn ich dem Bruder mein Erbteil abtreten würde?... Wenn ihm allein gehörte, was unser Vater sich erworben hat?“ „Willigen Sie ein, daß sie auf der Stelle heiraten?“ „Gehen Sie auf den Vorschlag ein— es ist abn Peter Gignoux eiferte umsonst dagegen. Hieronymus hatte einen eisernen Willen; gutwillig begründete er das Glück seines Bruders. Partie Nr. 206. Turnierpartie, gespielt zu Hamburg am 23. Juli 1910. Spanische Partte. Weiß: R. Teichmann, Berlin. Schwarz: O. Duras, Prag. 25..... Kg8—67 (Fortsetzung folgt.) -Schach. E E E H,E à S.e S Schwarz: 67—65 Sb8—c6 a7—26 S88—16 St6Xe4 57—b5 47—45 Lc8—e6 L18—e7 0—0 Sc6Xd Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 203. Von C. Weyding in Barmen. Schwarz: 4 Steine. Weiß: 1. e2—64 2. Sgl—13 3. Lf1—55 4. Lb5—a4 5. 0—0 6. d2—44 7. La4—b3 8. d4Xe5 9. c2—c3 10. TfI—el 11. S13—44 Sc6Xc Sc6Xe5 würde wegen 12. 12—13 eine Figur kosten. 12. c3X04 h7—h6 Interessant wäre die Opfervariante c7—c5 13. 12—13 Se4—g5 14. h2—h4 S85—h313. 12—13 Se4—65 14. Sb1—c3 Le7-b4 15. Tel—fI Lb4Xc3 Schwarz schließt damit die c=Linie für die weißen Türme; aber sein Läufer fehlt ihm später auf dem Königsflügel. 16. b2Xc3 f7—15 17. Lb3—c2 D48—47 18. Lcl—a3! T18—e8 19. D4l—03 Sg5—h7 20. g2—g4 Nachhaltiger wäre zuvor Kgl—h1 und Tf1—g1. 20.... 67—86 21. 13—14 Sh7-18! 22. D3—b3½ f5Xg4 23. Dh3xh6 Le6—15 24. Lc2—01 818—66 25. Dh6—h4 Um dem Damentausch auszuweichen. Schwarz will den Gegner zum Remishalten zwingen, da Te8—b8 droht. 26. Dh4—16+ Kg7—h7 27. Df6—h4+ Kh7—67 28. Dh4—16+ Kg7—h7 29. Df6—b4+ Kh7—67 30. Ld—e2? Weiß täte besser, es beim ewigen Schach bewenden zu lassen. 876 30..... 1e8—h8 31. Dh4—16- Kg7—88 32. Tf1—12 Ta8-e8 33. Tal—fI Weiß will 34. T12—62 spielen; aber Schwarz kommt eber. 33... c7—05 34. d4Xc5 Dd7—a7 Auch mit Te8—18 35. c5 —c6 T/8Xf6 36. c6Xd7 T16—17 ist Schwarz im Vorteil. 35. 05—c6 versuchen war 35. Le2 Xg4 Te8—18 36. Df6Xe6LI5Xeß 37. Lg4Xeß-; doch hätte Schwarz wohl gespielt 35.. Lf5Xg4 36. Df6 X86+ Da7—g7! 37. Dg6X e8+ Kg8—h7(droht Lg4 —/3+) 38. DesXh8+ Kh7 Xg8 mit Gewinnchancen. 35. 84—83 3 Den Damenverlust hat Weiß abgewendet, aber übersehen, daß Schwarz einen Mattangriff hat. 36. h2X23 Ls5—e4l Weiß gibt die Partie auf. S A Scheinwerfer abe d* f Weiß: 11 Steine. Bues dest an und set mi den 8 Juge wot, Etradsen machte. Er beganm im Alter von 15 Jahren z. Wurde in etwas veränderter Form vor einigen zugen und erlegte in den Jahren 1867—1896 durchschnittMonaten in einem Lösungsturnier des Elberfelder Schach= nich 10.000 Stück Wild jährlich. Die Gesamtzahl aller Tiere, Ein moderner Nimrod. Ein gewaltiger Jäger war der Franzose M. de Grécy, der während seiner ganzen weidmännischen Laufbahn genaue Auszerichnungege Zee klubs vorgelegt. 4r: #FI'S HX9•A+1P—99S ·3 Fp—9p•** 4—99S 89— ##nr i 00 /15—1PN+73—6|S•7 50—9•N1 vrv—91— Wrggo“92—A+89—9MS 7 90— MX99•••! 98- SS jagen und erlegle in den Fahren We.-Lods barchschnilt tug to cdo Stuck Bild jayruch. Die Gesamtzahl alle„ die er erlegt, war 316 699; im einzelnen werden in seiner o bebhihre gaihne 1uz uigg. 26147 Hasen, 2735 Schnepfen, 2077 Auerhahne, 1555 Wlloenten, 381 Hirsche, 186 Damhirsche, 97 Wildschweine usw. aufgezählt. 43. Jahrgang O Grite und ölteltes Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncenblatt für den kreis börch. Amtliches Kreisblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 84. Samstag, 8. April 19.1. Sraumsenar“) Preis Roman von Dora Duncker. (10. Fortsetzung.) olf kam über den breiten Weg zwischen den Stämmen zu ihr und neigte ein weniges den edel geformten Kopf mit „Verzeihen Sie, wenn ich Sie nun doch erschreckt habe. Ich, sah Sie, so tief in Gedanken stehen, daß ich stören wollte, als ich vom Teich herüberkeinen Sie nickte ihm freundlich zu.„Es ist schon So sicher fühlte sie sich nach dem überstandenen daß sie ihn aufforderte, sie ein Sie bogen in den schmalen Weg zwischen den Tannen ein. Der Mond stand ihnen im Rücken. Van den Veilchen, die Helene noch im Gürtelband Von ven Veu, Zleides strömte Gürtelbar Duft zu Rolf hinüber. Plötzlich war Frau von Lersch, die reiche vornehme Dame, in deren Diensten er stand, verschwunden. Neben ihm schritt die Frau mit den Hyazinthen, und wieder, wie zu der Zeit, da er von Klein=Wlossow nichts gewußt, tat sich sein Herz e e, rach zu ihr von seinen Leiden, seinem Fühlen, euenr Sentn, ar vu Vr. Di. ueh ue. Sai.. Das Achängigteitsgefühl des Angestelleg. B65.se schwer auf ihm lastete, wenn er im Licht des heuen Alltags Frau von Lersch gegenüberstand, war geschwunden. Die Enge und Kleinlichkeit, in der er sich selber sah, war von ihm genommen. Seine Seele weihte sich in freier Hingabe der Aufgabe, vor die ihn ein Zufall gestellt, den er segnete. Die Stille um ihn her, das weiche, zitternde, geheimnisvolle Licht, in dem sie zwischen den dunkeln Xannenwänden schritten, Iöste, bzieg 3luang perschztete still Verschlossenes in ihm aus, leß tung verschullele Quellen wieder aufbrechen. Er sprach als ein Freier, Stolzer zu der Frau, die neben ihm schritt, als einer, der der Welt zu geben hat. Hell loderte der Brand der Jugend, des Idealismus in ihm auf. Helene lauschte mit verhaltenem Atem. Nur selten sprach sie mit halblautem Wort. Weit mehr noch, als sie in dem Mann geahnt, brach plötzlich, jäh aus ihm (Nachdruck verboten.) Etwas wie eine schöne, stille Sicherheit kam über sie. Sie war nicht mehr allein. Neben ihr schritt einer, der ihre eigene Sprache sprach. Der empfanv, empfand. Einer, der den Wert des Lebens nia## nach Zahlen beöferte, der aufnlüchternen Dinge dieser stand und auch die häßlichen, dem seine reine Sele Welt in dem Schimmer sah, mit vem gruur eeine Seele Ohne Ende hätte sie ihm zuhören, an weiterschreiten mögen in die einsame Wildnis Die lang verhallenden Schläge der Schloßuhr, die die neunte Stunde verkündeten, gemahnten sie, daß es Ais sie in die Helle der Vorhalle taten, sah Rolf Köhne verwundert, mit ungläubigen Augen zu ihr hin. War das die Frau, vor der er sein Innerstes bloßErschrect troch er in sich zusammen. Die Frau mit den Hyazinthen war vor der Schloßfrau von Klein=Wlossow in nichts verschwunden. 8. Kapitel. Mieran inen Taggenclanld erüidien welen um Bbliched Frau von Lersch war ihm zuvorgekommen. Gleich Heinot, Donn ,wschenzeit meinen Jungen reisefertig. bosch.an, wir uns in Verlin im„Westminster“, u sen ahuntegen plege. ArRSgi, cberge ue e wreine Aestenden Seaiht gerten auch sinen sein, Sie versehen sich gleich miteinem leichten Sommeranzug. Der April ist unter Umständen sommerwarm, Wie verabredet, war Rolf am sechsten April abefahren. Die Entfernung war keine große. In drei Stunden brachte ihn eine kleine Seitenbahn an Ort Die Mutter begrüßte ihn mit gerührter Freude. Welch ein Glück, daß ihr Herzensjunge in diesen Hafen L 1I eingelaufen war! Auch Berta war es zufrieden und lobte Rolf dafür, daß er seinem„Hochmutsteufel“, wie sie sein Streben nach einem unabhängigen Beruf nannte, einen energischen Rippenstoß versetzt habe. Rolf brachte den Frauen ein ansehnliches Geldgeschenk mit und hoffte ein solches, in Form eines regelrechten Zuschusses, viermal im Jahr erneuern, ja erhöhen zu können. Sein vierteljährlich im voraus zu zahlendes Gehalt war von ansehnlicher Höhe. Sobald die einmaligen Anschaffungen an Wäsche und Anzügen hinter ihm lagen, würde er ja für seine Person überhaupt keine wesentlichen Ausgaben mehr zu machen haben, solange er im Hause der Frau von Lersch blieb. Frau Köhne fragte, neue Sorgenfalten im Gesicht, ob die Stellung an eine bedingte Zeit geknüpft sei. „Durchaus nicht, liebste Mutter. Aber reiche Leute haben ihre Launen, sind vielleicht auch, besonders Frauen, fremden Einflüssen leicht unterworfen. Ueberdies, wenn der Junge älter und kräftiger wird und regelmäßigen, methodischen Unterricht braucht, wird selbstverständlich ein Philologe an meine Stelle rücken. Einstweilen aber brauchst du kein so enttäuschtes Gesicht zu machen, liebes, altes Mutterchen.“ Er drückte ihr einen Kuß auf die welkende Wange und brach das Gespräch ab. Es war ihm lieber, nicht mehr als notwendig von Klein=Wlossow zu sprechen. Später einmal, wenn es in ihm selbst klarer und gefestigter geworden war, wenn er sich aus dem seltsam verwirrenden Doppelempfinden herausgearbeitet haben würde, wenn er alle Phantastik und allen Stolz beiseite geworfen haben würde, nichts mehr sein würde und wollte als der treue Diener seiner Herrin, mochte er sich und anderen ein Bild von seiner Zukunft machen. Es war ein milder Frühlingsabend. Er forderte die Frauen auf, einen Spazierganz mit ihm zu machen. Berta lehnte ab, einer notwendig fertigzustellenden Rahmenstickerei wegen. Frau Köhne begleitete den Sohn ein Stückchen Weges und riet ihm, einen Augenblick bei Heines vorzusprechen. Lottchen dankte er ja doch eigentlich seine neue Stellung! Sie hatte ihm das Inserat gebracht. Und er sei letzthin wirklich wenig freundlich gegen das gute Kind gewesen. Rolf sagte nicht ja, nicht nein. Er nickte der Mutter, die leicht ermüdet den Rückweg einschlagen wollte, zerstreut zu, ging durch die stillsten Gassen der kleinen Stadt, an den alten Festungsmauern und den Gärten vorbei, ins freie Feld und dachte an Helene und das Kind. Die Welt kam ihm plötzlich ungeheuer leer und öde vor ohne diese beiden. Die kleinen, engen Kammern der Mutter drückten auf ihn. Ihre spießbürgerliche Behaglichkeit erschien ihm von häßlichster Dürftigkeit. Er dachte an sein hohes, luftiges, in englischem Stil eingerichtetes Zimmer in Klein=Wlossow, mit dem Blick auf den Park. An das vornehme Behagen des ganzen Hauses und plötzlich wieder an Helene, immer nur an Helene. An den Klang ihrer Stimme, an ihre zarte, biegsame Gestalt, an ihr wundervolles dunkelblondes Haar, an diese grauen, schwarzbewimperten Augen, die so kühl und klug und in unbewachten Momenten, oder wenn sie zu dem Knaben sprach, so warm blicken konnten. Er schien sich jedes ihrer Worte ins Gedächtnis zurückzurufen. Er dachte an den Östertag und ihr tapferes Eintreten für ihn, an das weiche, flimmernde Mondlicht zwischen den Tannen, in dem sie Seite an Seite geschritten waren. Er erschrak und gab sich Mühe, seine Gedanken auf anderes zu richten. Auf die Reise, auf seine Pflichten gegen den Knaben, auf die Verordnungen, die der Arzt ihm gegeben hatte, immer aber kehrten sie zu Heiene zurück. 8.sd Rlehan und Er blieb mitten in dem kahlen Feld stehen und faßte sich an die Schläfen. War es schon so weit mit ihm, daß er nichts mehr sah als das Bild dieser Frau: Mit aller Energie riß er sich heraus, kehrte um und eilte in die kleine Wohnung des alten Heine, als ob er nicht schnell genug sie erreichen könnte. Der Alte war nicht zu Haus. Lotte saß bei ihren Heften. Das Mädchen, das nichts von Rolfs Ankunft erfahren hatte, wurde flammend rot bei seinem Eintritt und so verlegen, daß sie kaum ein Wort zu seiner BeRolf fühlte plötzlich ein großes Mitleid mit Lotte Heine, ein Mitleid, wie er es früher so warm nie empfunden hatte.. 474 Jin Gar un. Gah. Armes Ding, dachte er, welch ein Los, zu lieben und nicht geliebt zu werden! Ich muß es vermeiden, sie wiederzusehen. Aber da er nun einmal da war, sprach er aus seinem warmen Mitleid heraus in so gütigem Ton zu ihr, wie er lange nicht mehr gesprochen hatte. Das Herz des Mädchens schlug zum Zerspringen. Wenn sie sich doch geirrt hätte, wenn er ihre innige Zuneigung doch erwiderte, nur geschwiegen hatte, kühl gewesen war, weil er nicht das tägliche Brot für sich selbst, geschweige denn für sie beide gehabt hatte! Er riß sie aus ihren Gedanken. „Fräulein Lottchen,“ sagte er,„ich habe Ihnen noch zu danken für Ihre Fürsorge, der ich meine Stellung danke. Ich hoffe einen Wirkungskreis in Klein=Wlossow gefunden zu haben, den Erwartungen zu entsprechen, die man dort auf mich setzt. Frau von Lersch“— Lotte unterbrach ihn.„ s#. „Ich kenne die Dame,“ sagte sie sehr rasch, beinahe ein wenig gereizt.„Sie ist sehr schön.“ Rolfs Gesicht zeigte ein maßloses Staunen. „Ich habe zu Frau Köhne und Fräulein Berta nicht davon gesprochen. Schließlich, was ging es Rolf hatte sich weit über den Tisch mit den blauen Schulheften gebeugt, an dem er Lotte Heine gegen„Woher kennen Sie Frau von Lersch?“ fragte er sehr lebhaft.. Waenblig hann Jaate v. Lotte zogerte einen Augenbic, bann sagte sie „Ich hatte Gelegenheit, ihr durch Zufall eine kleine Gefälligkeit zu erweisen. In Berlin, als ich vor drei Jahren dort war. Es lohnt nicht, davon zu sprechen.“ Und noch einmal wiederholte sie bitter und hart: „Sie ist sehr schön. Auffallend schön,“ indem sie das Wort„auffallend“ stark betonte. „Wollen Sie mir nicht erzählen?" bat Rolf. „Bitte.“ Seine Augen leuchteten warm. Die lebhafte Anteilnahme Köhnes, die offensichtlich nur Frau von Lersch galt, reizte das Mädchen immer mehr. „Rein, sagte sie troßig. en ual. Rolf konnte sie weder begungen, noch überhaupt weitersprechen, da Herr Heine gerade ins Zimmer kam und den seltenen Gast mit Beschlag belegte. Etwa um dieselbe Stunde saß Helene von Lersch am Bette ihres Jungen, der nicht einschlafen wollte. Der Husten plagte ihn wieder. Plötzlich griff er nach der Hand seiner Mutter und streichelte sie. „Bist du mir böse, Muttichen, wenn ich dir etwas sage?“ Helene lächelte ein klein wenig zerstreut. „Ich würde es sein, wenn du es nicht tätest, mein Junge. Du weißt, du sollst mir alles sagen.“ (Fortsetzung folgt.) g uir essuunn W„. Denkspruch. Wer die Freundschaft und die Liebe Nie gesucht mit heißem Criebe. Ist ein zehnmal ärm'rer Cor Als wie der, der sie verlor. Fliegende BISttes. Der Schuhputzerkasten des Hieronymus. Nach dem Französischen von O. L. (Forisetzung.)(Nachdruck verboten.) Das konnte Meister Zmann nicht länger mehr ertragen; er faßte einen heroischen Entschluß: schon am folgenden Morgen, nachdem er vorerst noch zu all den alten Familienporträts aufgeschaut und sie im voraus um Vergebung der unehrerbietigen Spionage, welche ihm seine Aufopferung für den letzten Gaillardens eingab, gefleht hatte, schlich er sich diesem vorsichtig nach. Der junge Mann überschritt leichten Schrittes die Grenze des Waldes, aber fast sogleich danach mäßigte er seinen Gang und verfolgte augenscheinlich eine schiefe Richtung gegen das Tal. Auf der Höhe eines Hügels angekommen, von wo aus die Aussicht über das Dorf sich erstreckte, setzte er sich unter einer großen Eiche nieder und verweilte hier stundenlang in regungsloser Ruhe. Unter dem Gebüsch dahinkriechend, näherte sich der Greis geräuschlos und machte zu seiner nicht geringen Ueberraschung die Wahrnehmung, daß die Augen seines jungen Herrn unverwandt auf einem gewissen Häuschen ruhten, welches er wohl kannte. Dieses Häuschen, das von allen anderen abgesondert lag und von einem dichten Garten umgeben war, war das Haus, worin der Lehrer Peter Gignoux wohnte. Kurz nach der Essenszeit erhob sich der Marquis, eilte mit großen Schritten dem Dorfe zu und trat nicht ohne einige Unschlüssigkeit in das Lehrerhaus. Immer mehr beunruhigt, folgte ihm Meister Zmann ferner nach und schlich sich vorsichtig um die große Hecke, von welcher der Garten umsäumt war. Von Zeit zu Zeit drangen die Töne von Instrumenten und Stimmen an sein gespanntes Ohr, aber er verstand absolut nichts. Es konnte nicht einzig die Musik sein, die den jungen Mann anlockte, die ihn an das Haus fesselte und ihn mit solcher Leidenschaft beseelte. M.6ie gehuer Gegen fünf Uhr abends ging der würdige Lehrer aus, aber allein. Wo und warum blieb der junge Edelmann? „Vielleicht hat er sich durch die kleine Gartentür entfernt,“ dachte Zmann.„ Und er wandte sich dieser Tur zu, indem er längs der Hecke hinschlich.... Stur auf den= uach Er sah nichts, nicht einmal eine Spur au, dem noch vom Regen am Abend zuvor erweichten Fußpfad. Meister Zmann wartete mit gespitzten Ohren und lauernden Augen... Sis. ka— Gag, Plötzlich glaubte er von der andern Seite der Hecke her etwas wie ein Geflüster zu vernehmen. Er schob das Laub auf die Seite und bemerkte den Marquis Emanuel an der Seite eines reizenden „Mein Freund, sagte sie,„es wird Zeit zum AbendSie mich Ihnen zum letzten Male wiedenholen: ich liebe Sie.“ „Ich liebe Sie— und ich schwöre es Ihnen vor Gott, daß Sie meine Gemahlin werden!" Einige Minuten danach ging der junge Marquis an seinem alten Diener vorbei, aber ohne ihn zu bemerken. Was Meister Zmann anbetrifft, der sich hinter einen Baumstamm verkrochen, so murmelte er mit Entsetzen: „Mein Gott, was wird aus uns werden, der letzte Sprosse der Gaillardens hat sich mit der Tochter des Hieronymus verlobt!“ III. Nach einer kurzen Pause fuhr mein gefälliger Savoyer in folgender Weise fort: „Hieronymus war der ältere Bruder des Lehrers Gignoux, aber es entstand zwischen ihnen hinsichtlich der Erziehung ein großer Unterschied. Ich will Ihnen die Ursache erklären:„ 4 Baigen Gall. Matthias Gignoux, der Vater der beiven, yarte mit einem Streifzug nach Paris begonnen, wie die meisten Savoyarden. Durch vieles Arbeiten und mehr noch durch Sparsamkeit brachte er ein ziemlich großes Vermögen zusammen. Zu gleicher Zeit belehrte er sich ein wenig. Auf seiner zeitweisen Rückkehr in die Heimat, wobei er Frankreich durchwanderte, beobachtete er, wie man das Höhenland der Alpen kultivierte, und als er sich genügend Wissen und Geld erworben zu haben glaubte, kaufte er sich ein kleines Anwesen in der Nähe von Gaillardens. Nach Verlauf von einigen Jahren war er einer der wohlhabendsten Landwirte Savoyens. Sein Sohn Jerome war schon groß und unterstützte ihn bei allen seinen Arbeiten. Es war ein ungestümer, tätiger, intelligenter und ehrsüchtiger Bursche, der aber unsere Täler, unsere Berge über alles liebte, und sehr putzerkasten seines Vaters zeigend, wiederholt hatte: „Er wird nie mehr von der Stelle genommen werden, die ihm der gute Vater Matthias bei seiner Rückkehr angewiesen hat— denn sicher und bestimmt werde ich niemals nach Paris gehen, und Peter auch nicht.“ Der Mensch denkt und Gott lenkt! Der kleine Peter hatte zehn Jahre nach Hicronymus das Licht der Welt erblickt. Es war ein etwas schwächliches Kind, und da Gignoux bereits der Reichtum winkte, so wurde dasselbe etwas besser erzogen als sein älterer Bruder. In letzterer Hinsicht nahm sich der Pfarrer nun des Jungen an, unterrichtete ihn, entdeckte Talent in ihm, und bald hörte man ihn sagen: „Es ist wahrhaft schade, wenn der Peter nur ein Boner prd! en Surge aer uniDiese Worte fanden keine tauben Oyren. Der gute Matthias hatte eine gewisse Vorliebe für seinen jüngeren Sohn, er war von Ehrgeiz für ihn erfüllt, er war reich, und so wurde denn Peter aufs Gymnasium geschickt. Zehn Jahre später wurde er Lehrer in Gaillardens, und fast beim Antritt seines Amtes geleitete er den guten Vater Matthias zur ewigen Ruhe. Während eines Jahres und darüber gingen die Dinge ganz vortrefflich. Die beiden Gignoux hatten nicht einmal die väterliche Erbschaft geteilt. Sie lebten zusammen wie von jeher, sie vertrugen sich, sie liebten sich nicht mehr und nicht weniger, als wenn sie nur eine Seele gehabt hätten. Aber da kam es, daß der junge Lehrer plötzlich in Trübnis versank und bleicher und bleicher wurde, wie wenn ein geheimer Kummer an ihm gezehrt hätte. Hieronymus suchte ihn auszuforschen, er gestand ihm aber nicht das mindeste ein. Da verlegte er sich auf das Beobachten, er belauerte ihn verstohlenerweise, und bald machte er die Entdeckung, daß sein lieber Geite 3. Nr. 34. Schwerter Zetung.[Amtliches Kreisblat.) Samstag, den 8. Aprl 1911. Norron undrinatonTrite..y Auf fertige Herren- und Knaben-Konfektion bekommen Sie jetzt als Herren-Anzüge aus Forster-Stoffen, modern verarbeitet 11— 18 50 16.50 11. 4 Herren-Anzüge aus hübschen Kammgarnstoffen und gemusterten Cheviots, solide verarbeitet, 2) 1 H0, ein- und zweireihig 86.00 82.00 27.50 E1.90. Flegante Herren-Auzüge aus Ia. Kammgarn- und Cheviotstoffen in den allerneuesten Dessins, in bester Verarbeitung— Ersatz für Mass!] 2/000“ 57.50 48.00 44.00 40.0U4 Chira Vergutung für je 10 Mk. Einkauf an der Kasse einen Gutschein über 1 Mark. 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