Schwerter Volks-Zeitung Verbunden mit: General-Anzeiger für den kreis horde Volksblatt Farilons von L Smsekbertefen baie rens 1 Für besondere I. Aufführungen ech Tace. Solbeze Platz Brüsseler V#fer PWiese 25 Deutsche Eisenbahn 31 Kolonial-Garten u. Material-Halle 26 Festesle.„ Is Lougsennis= häite 27 Elektrichtats-Halle 3½, Englischelandwirt 28 Fase lerzag#. Schatzs=hosstelg 29 bgüsseleg Ua. 30 Robens Sasl 36-40 Restaurants Plan der Weltausstellung in Brüssel 1910. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Sczugspreis: mk. 1.69 vierteisährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. wedr. Wöcheniliche Gratis-Beilage: „Mustrierter Fawilienfreund“ und tägl. Unterbaltungs-Blatt. Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene! 19 P., Auzeigen von auswärts 19 Pl., Reklamezeite 40 Pf. Die„Schwerter wädrt ldren jeden mit Cod tall gewäse ungen Zeitung“ oeAdonnenten für endenden Unidrer BecingUnterstützung euin ur. Hugzaz un. I Erstes und dltestes Cagezorgan des Kreises 0 Hauptehunoner. Alie kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Verösfentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechisc c c o c e verbindliche Kraft oc c c ee Dsuck und Verlag von Sarl Braus. Schwert Ferusprecher Dr. 62. Celegr.=Rdrease: Braus, Schwerte-Rudr. Nr. 190. Dienstag, den 16. August 1910. 42. Jahrg. Tie„ P Eratk! au. adanadanr uin Aanahdenr Gaderenr anm aice Graie auch mnr de Ghaihte g unte. Di. Von einer schweren Katastrophe ist die Brüsseler Weltausstellung am Sonntag abend betroffen worden. Gegen 9 brach in der belgischen Abteilung, wahrscheinlich durch Kurzschluß, Feuer aus, das mit ungeheurer Geschwindigkeir auf die übrigen Abteilungen, die englische, französische und italienische, übergriff. Bereits gegen Mitternacht waren die Abteilungen Englands und Frankreichs bis auf einen kleinen Teil zerstört, die Italiens schwer beschädigt. Ein harter Schlag für die ausstellenden Firmen der genannten Länder, deren Material dem verheerenden Elemente zum Opfer gefallen ist Ueber die Katastrophe sind nachstehende Meldungen eingegangen: Vermutliche Ursache. Brüssel, 14. Aug. Hier geht das Gerücht, der Brand sei auf dem in der Halle untergebrachten Postamt durch Kurzschluß entstanden. Das Feuer griff gegen 10 Uhr auf das Stadtviertel Altbrüssel über, das slinks vom Eingange liegt, und zwar dermaßen, daß dasselbe fast vollständig vernichtet ist. Nur das Hauptrestaurant„Zum grünen Hund“ ist unbeschädigt geblieben. Die Feuerwehr scheint vollständig machtlos zu sein. Bis jetzt ist nicht bekannt, daß Verluste an Menschenleben zu beklagen sind. Die Gärten der Ausstellung sind von einer unüberse, auren Meanschennerwe besept, Wiozg folez sich etunge 20g daß bie irartenischen und österreichischen Sektionen, wenn nicht zerstört, so doch stark beschädigt sind. Ausbruch der wilden Tiere. Brüssel, 15. Aug. Die wilden Tiere, die sich in der Menagerie im Brüsseler Kirmespark befanden, sollen ausgebrochen sein und sich in das Innere des Parks geflüchtet haben. Man hat Soldaten und Gendarmerie abgesandt, um auf die Bestien Jagd zu machen. Vergebliche Löschungsversuche. Brüssel, 15. Aug. Die sämtlichen zusammenhängenden Ausstellungshallen sind jetzt ein einziger ungeheurer Gluthaufen. Die Hitze ist fürchterlich, so daß man sich auf höchstens 150 Schritte nähern kann. Wasser in diese Gluten zu geben, ist nutzlos, da es auf der Stelle verdampft. Man hatte versucht, von der Rückseite der Gebäude vorzudringen, um das Feuer von dert aus zu bekämpfen, aber vergebens. Alle Gebäude sind im Innern mit leichten Stoffen bekleidet und von 100 zu 100 Metern tanzen Flammen an diesen Stoffwänden entlang und durch die herabfallenden Funken alles andere mit anzündend. Der Linoleumbelag der Fußböden bot überhaupt keinen Widerstand, sondern platze in der Hitze und sprühte wie Pulver umher. Schätzung des Schadens. Brüssel, 15. Aug. Bis zur Stunde hat sich nichts über etwaige Tote oder Verwundete erfahren lassen. Die deutsche Abertal-Fanbrams s Izom Tennig Hätte! nguce g Schafts-Ausstellung 35 Französ landur Ause 36-10 Restaurants tigkeit gesetzt, um die Gebäude zu retten. Die Feuergarben flogen auf dem ganzen Ausstellungsgelände umher. Der Reichskommissar, Geheimrat Albert, war nicht anwesend. Er war nach England gereist. Die Rettungsarbeiten sind erfolgreich. Es bestand übrigens nicht eine ernste Gefahr für die deutsche Abteilung, die 400 Meter weit vom Brandherd entfernt liegt, und die außerdem durch eine Treppe von dem anderen Teil der Ausstellung getrennt ist. Auch die holländische Abteilung, welche der deutschen Abteilung gegenüberliegt, ist vollständig gerettet und intakt geblieben. Unversehrt sind auch die Straßen folgender Staaten: Monako, Spanien, Kanada, Brasilien, Dänemark, Rußland, Schweiz, Oesterreich=Ungarn, Aegypten, Luxemburg, Türkei, Persien, Japan, China und Vereinigte Staaten von Nordamerika, sowie außerdem die große internationale Maschinenhalle. Die Archivs der englischen Abteilung konnten gerettet werden. Es ist unrichtig, daß die ganze eine Seite der Avenue des Nations zerstört worden ist. Der Pavillon der Stadt Paris ist ein Raub der Flammen geworden. Die französische Abteilung ist stark beschädigt. Die Abteilung für Lebensmittel ist sast vollständig verdorben. Auch der Ehrensalon der französischen Abteilung ist beschädigt worden. Die Maschinen Frankreichs sind vollständig unversehrt. Man hat außerdem viele Bijouterien gerettet, die von Gendarmen bewacht werden. Die italienische Abteilung ist vom Feuer nicht berührt worden. Sie wurde aber durch Wasser stark beschädigt. Die Lage in Brüssel. Brüssel, 15. Aug. Brüssel gleicht einer Stadt, über die der Belagerungszustand verhängt ist, so erregt ist die Bevölkerung Fast die gesamte Provinz ist nach Brüssel gekommen. Die Verkehrsmittel reichen nicht aus. Es ist nicht möglich, einen Wagen oder ein Automobil zu bekommen. Findige Leute habben Breaks und große Leiterwagen hergerichtet, um die ungeheueren Massen von Schaulustigen nach dem Ausstellungsplatze bringen zu können. Schließung der Weltausstellung. Brüssel, 16. Aug. Auf Befehl des Gerichts ist die Ausstellung gestern abend um 6 Uhr geschlossen und alle Ausgänge sind durch Truppen und Gendarmerie besetzt worden. Man hatte gestern nachmittag das Publikum zugelassen. Es waren, abgesehen von den Abonnenten, allein 93000 Personen auf dem Ausstellungsgelände anwesend, die den Eintritt bezahlt hatten. — Nach Meldungen der Blätter war das Feuer um 2½ Uhr zu Ende. Kurz nach 2 Uhr haben Genietruppen die Brücke, die die englische Abteilung mit der französischen verband, gesprengt, und dadurch gelang es wohl, einen Teil der französischen sowie der italienischen Abteilung zu retten. Menschen dort befunden chaben. Im Augenblick, als der Brand ausbrach, sei das Stadtviertel Altbrüssel buchstäblich vollgepfropft gewessen. Weitere Verheerungen. Brüssel, 14. Aug. Der Wind wechselte plötzlich die Richtung und sofort war alles, was von dem Stadtviertel Altbrüssel noch übrig geblieben war, ein Raub der Flammen geworden. In wenigen Minuten war alles vernichtet. Das Feuer griff auf die Avcnue des Nations über, das ist die Straße, Haupteingang nach der deutschen Abteilung führt. villons dieser Avenue sollen zerstört sein, jedenfalls ist die französische Abteilung vollständig vernichtet. Man glaubt, daß zwei Menschenleben zu beblagen sind. Außerdem wird gemel det, daß 30 Personen verletzt seien; die Nachrichten sind aber im Augenblick nicht zu kontrollieren. Auf dem Gelände herrscht eine derartige Erregung und ein derartiges Gewirr von Tausenden von Menschen, daß es unmöglich ist, an jemanden heranzukommen, der zuversichtliche Auskunft geben könnte. Extrablätter besegen, daß die gesamte Brüsseler Garnison herbeigeholt wunde und sich an den Rettungsarbeiten beteiligte. Das gesamte Büro der Ausstellung ist vernichtet. Sämtliche Akten und Papiere, die in der Haupthalle untergebracht waren, sind vernichtet. Der Brand hat die große, am Eingang gelegene Hauptindustriehalle, in der die belgische Ausstellung zum größten Teil untergebracht war, vollständig zerstört. Es ist von der Halle nichts als ein eiserner Trümmerhaufen übrig geblieben. Man glaubt, daß auch die englische Abteilung, die sich direkt an die belgische anschließt, vollständig vernichtet ist, und teilung und die holländische Abteilung sind ungefähr 500 Meter weit von dem Brandherde entfernt. Da diese Häuser sich nicht auf dem gleichen Niveau, sondern tiefer liegend befinden, so sind die Flammen noch nicht bis hierher gedrungen. Es brennt jetzt(1 Uhr morgens) ununterbrochen weiter. Die Flammen konnten noch nicht bewältigt werden. In der französischen Abteilung befanden sich sehr wertvolle Gobelins aus der Zeit Ludwigs XVI., die man aus den französischen Königsschlössern nach Brüssel gebracht hatte. Die unersetzbaren Kunstgegenstände sind ein Raub der Flammen. Nach vorläufigen Schätzungen sind Ausstellungsgegenstände im Werte von 500 Millionen Franks verbrannt. Fast alle großen Aussteller waren versichert, Paquin z. B. mit 1½ Mill. Fr. Die Jury der Brüsseler Weltausstellung, die eben die erste Phase ihrer Arbeit beendet hatte, hatte das gesamte Material der Dokumente in dem belgischen Hauptverwaltungsgebäude deponiert. Alle diese Papiere sind verbrannt. Die Ausstellung wird morgen für das Publikum geschlossen werden. Das Ende der Ausstellung. Brüssel, 15. Aug. Nach den furchtbaren Verheerungen, die die Feuersbrunst angerichtet hat, kann man annehmen, daß die Weltausstellung in Brüssel 1910 ihr Ende erreicht hat. Es bestätigt sich, daß nur die deutschen und holländischen Abteilungen, die vollständig getrennt von den übrigen liegen, unversehrt geBrüssel, 15. Aug. Die deutsche Abteilung ist vollständig unversehrt geblieben. Sofort, nachdem der Brand ausgehrochen war, wurden alle Löschapparate der deutschen Abteilung in TäBrüssel, 16. Aug. Auf dem Brandplatz wurden noch zwei unbeschädigte feuerfeste Geldschränke des Ausstellungskomitees unter den Trümmern gefunden, die 140000 Franken enthielten. — Wie die Blätter melden, hat das Komitee der Ausstellung in einer Sitzung erwogen, ob nicht eine Fassade errichtet werden soll, die die Trümmer verdeckt. Der Architekt Acker, der die zerstörte Industriehalle errichtet hat, will die Pläne dazu in wenigen Tagen fertigstellen. Allenthalben arbeiten Diebe, da die Wertgegenstände, die gerettet sind, in den Gärten zerstreut liegen. Es wurden schon verschiedene Verhaftungen vorgenommen. Nach den bisherigen Feststellungen sind in der Avenue Solbesch 12 Häuser zerstört worden. Brüssel, 16. Aug. Das„Berl. Tagebl.“ meldet: Der Kommissar der englischen Regierung ist auf die Nachricht von der Katastrophe nach Brüssel zurückgekehrt. Wie es heißt, soll er die belgische Ausstellungsvetwaltung auf Schadenersatz verklagen, weil nicht ausreichend für die Sicherheit der eingeladenen Teilnehmer gesorgt worden wäre. Die Versicherungsgesellschaften wurden gestern Nacht von der Katastrophe benachrichtigt. Englische Gesellschaften hatten Verträge auf 75 Millionen Franken aufgenommen. Die Zahl der auf der Ausstellung beschäftigten Personen wird auf ungefähr 9000 angegeben, von denen jetzt der größte Teil brotlos geworden ist. Zwei Senatoren haben den Minister des Innern zu sofortigen Hilfsmaßregeln für die geschädigten Beamten der Ausstellung aufgefordert. Seite 2. Schwerker Zeitung.(Amtl. Kreisblatt.) Dienstag, den 16. August 1910. Nr. 190. Politische Uebersicht. Deutschland. Der Kaiser nahm heute(Dienstag) vormittag auf dem Uebungsplatze„Großer Sand“ bei Frankfurt a. M. die alljährlich dort stattfindende Truppenschau ab. Am Nachmittag trifft der Kaiser auf Schloß Friedrichshof ein, wo er bis Mittwoch mittag bleiben wird. Während seines Aufenthaltes ist ein Besuch der Burg Kronberg und des Offiziersgenesungsheims in Falkenstein, vielleicht auch der Saalburg, vorgesehen. Fahnenweihe in Kassel. Zu der feierlichen Nagelung und Weihe einer Anzahl Fahnen versammelten sich im Thronsaale des Residenzpalais zu Kassel der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Oskar, die Herren des Hauptquartiers, die Damen und Herren der Umgebungen, die Generalität usw. In dem grünen und in dem blauen Saal des Palais wurden um 11 Uhr die Fahnennagelungen folgender Truppenteile vorgenommen: des 1. Armeekorps, der Pionierbataillone des 1. und 2. Armeekorps, des 1. und 3. Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 49, des 1., 2. und 3. Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 140, des 17. Armeekorps, des 1., 2. und 3. Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 128, des 1., 2. und 3. Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 129, des 1., 2. und 3. Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 141, ferner der ehemaligen Landwehrbataillone Mühlhausen(Thüringen) und Erfurt und der Unteroffizierschule. Es folgte ein Weiheakt auf dem Friedrich= platz. Den Friedrichplatz umgaben in einem großen Vierecke die hier anwesenden Truppen der Garnison und daran anschließend die Veteranen, von denen sich über 5000 eingefunden hatten. Hinter den Truppen und den Veteranen standen die Kriegervereine des Stadt= und Landkreises Kassel mit ihren Fahnen und dahinter ein vieltausendköpfiges Publikum, das auch die Fenster und die Dächer der anliegenden Häuser besetzt hatte. Der Kaiser und die Polenpolitik. Zum Kaiserbesuch in Posen erklärt die„Köln. Ztg.“ an leitender Stelle: Der bevorstehende Besuch des Kaisers in Posen gewinnt ein besonderes Interesse dadurch, daß die Gerüchte über eine gewisse Aenderung des bisher befolgten Kurses in der Polenpolitik nicht zum Schweigen kommen wollen, und namentlich von Blättern der Zentrumspartei genährt werden. Bei verschiedenen Anlässen hat Herr von Bethmann Hollweg in sehr bestimmter Weise zu erkennen gegeben, daß er nicht gewillt ist, von der bisher verfolgten Politik abzuweichen, und es hat sich auch sonst nicht gezeigt, was in überzeugender Weise auf eine Aenderung der an den maßgebenden Stellen herrschenden Anschauungen hindeutete. Wenn man sehr kühl und ruhig die ganze durch die Polenfrage in Preußen entstandene Lage überblickt, so kann man auch nur zu dem Schlusse kommen, daß ein Umschwung schon deshalb nicht zu erwarten ist, weil er selbst, wenn an einzelnen Stellen Neigung dazu vorhanden sein sollte, einfach nicht möglich ist. Diejenigen, die auf den Kaiserbesuch die Hoffnung gründen, daß bei ihm ein neuer Kurs angekündigt werden könnte, werden sich jedenfalls im Irrtum befinden, und wir sagen das nicht, weil uns etwa bekannt wäre, was der Kaiser bei der Einweihung des Kaiserschlosses in seiner Rede sagen werde, sondern weil das nach den ganzen Verhältnissen gar nicht anders möglich ist. Ordensauszeichnung für v. Kidersen=Wächter. Wie die „Wiener Zeitung“ meldet, hat der Kaiser von Oesterreich dem Staatssekretär des Deutschen Auswärtigen Amts v. KiderlenWächter das Großkreuz des Leopoldordens verliehen. Fleischnot in Bayern. Durch das von dem österreichischen Handelsminister erwogene Ausfuhrverbot von Schlachtvieh würde, wie die„Deutsche Fleischerzeitung“ hervorhebt, Süddeutschland empfindlich getroffen. Die großen süddeutschen Viehmärkte, wie besonders München, waren auf die Einfuhr von Rindvieh aus Oesterreich ganz besonders angewiesen. Für München z. B. berrug der wöchentliche Zutrieb an Großvieh aus Oesterreich stets etwa 500 Stück. Auch auf den sächsischen Viehmärkten wurde stets österreichisches Vieh gehandelt. Infolge der hohen Viehpreise und des geringen Auftriebs haben in der Provinz eine Reihe von Metzger ihre Geschäfte geschlossen. Spanien. Der Kulturkampf wird im wesentlichen nur noch mit Erklärungen des Ministerpräsidenten Canalejas ausgefochten, der sein Verhalten zu rechtfertigen sucht. Zu einem Bruch zwischen Spanien und dem Vatikan kommt es nicht. Die Madrider Regierung befindet sich nach dem Entgegenkommen der Kurie auf dem Rückzuge, den man nur noch etwas zu verdecken sucht. Rußland. Rußlands Ernteaussichten. Für Winterweizen und Roggen gilt die Ernte als gutmittel, für Sommerweizen, Hafer und Gerste als mittel. Während des letzten Monats verschlechterte sich der Saatenstand, besonders bezüglich der Qualität im Süden und Südwesten sowie im Zentralrayon wegen Regenfälle und im Mittelwolgagebiet, einem Teil des nördlichen Kaukasus und dem Hinterwolgagebiet wegen Trokkenheit. Eine Besserung ist bemerkbar teilweise im Norden, dem oberen und dem Nordwesten. Zum Kriegerfest. Nachstehend bringen wir die prächtige Rede, die Herr Lehrer Althoff am Sonntag Nachmittag auf dem„Schützenhof“. gehalten hat: Hochverehrte Ehrengäste und Gäste, liebe Kameraden! Wir sind ein glückliches Geschlecht! Glücklich um deswillen, daß uns in einer Zeit zu leben vergönnt ist, da nach Jahrzehnten besonders reich die Erinnerung wiederkehrt an Tage und Tatsachen, die unser patriotisches Gefühl zu mächtiger Glut zu entfachen geeignet ist; es sind Tage und Geschehnisse, die mit ehernem Griffel in unauslöschlichen Zeichen in das Buch der Geschichte eingegraben sind. Aus ihrer Reihe tritt besonders markant heraus ein Tag, der erst eine kurze Spanne Zeit hinter uns liegt, und der die Trauer um den allzu frühen Heimgang von Preußens edelster Königin einschließt, der 19. Juli. Daß wir sie nicht nur als eine Familienheilige, als eine der edelsten Hüterinnen der heiligen Flammen am deutschen Herde verehren, sondern daß sie wie eine Volksheilige noch heute segnend über unserm vor 40 Jahren geeinigten Vaterlande schwebt, das läßt uns an unserm heutigen Feste, das uns Stärkung gewähren soll zu neuer Arbeit fürs heil'ge Vaterland, einen kurzen Augenblick bei ihrer Person verweilen, ihr hehres Vorbild auf uns wirken zu lassen. Tieser hat niemand das heilige Gefühlsleben und die wahre Bedeutung der Königin erkannt als der schlichte Dichter Georg Hesekiel, wenn er in dem Hohn des bösen Feindes und des Vaterlandes Schmach die Ursachen ihres frühen Todes sieht. Patriotischer Haß gegen den Zerstörer des Vaterlandes, patriotische Liebe zu ihrem Vaterlande— beides höchst gesteigert— mußten das edle, zarte Gefäß vor der Zeit zersprengen. Der 19. Juli hat sie gefeiert mit stiller Wehmut, mit freudigem Stolze als den Genius und den Schutzgeist Preußens und Deutschlands. Sie, die der Dichter die„Königin der Anmut und der Sitten“ nennt, war weit mehr als das. Ihr Ruhm gründet sich nicht allein auf die Politik des„reinen Herzens“ Es ist dem Berufshistoriker längst klar, daß nur die politische Königin auch die beispiellos populäre Königin hat werden können. Wenn aber Luise, ganz im Gegensatz zu ihrer ursprünglichen Veranlagung und Begabung, in großen politischen Fragen Stellung zu nehmen anfing, so wurde diese Wandlung und Erweiterung ihrer Betätigung durch die lautersten, edelsten und ethischen Motive herbeigezwungen: Vaterlandsliebe und Gattenliebe. Wie der Beweggrund, so waren auch Inhalt und Endziel ihrer Politik rein vaterländisch: der Gedanke an ihr preußisches und zugleich an ihr großes deutsches Vaterland. Schlagen wir angesichts dieser erhabenen Frauengestalt in ernstlicher Selbstprüfung an die Brust: War das Vaterland und seine Größe stets unser erster Gedanke?! Denkt man an der Parteien Hader— es will mir nicht so scheinen! Aber das Walten und Wirken der Königin hat mit ihrem Tode nicht aufgehört. Treitschke spricht einmal von dem„reichen Leben nach dem Tode“, das ihr beschieden. Und in der Tat, die Kräfte, die wesentlich von ihr gelöst und befreit: Pflichtbewußtsein, Opfermut und Vaterlandsliebe, die die Zerbrechung des napoleonischen Joches herbeigeführt haben, sind in den Befreiungskriegen nicht aufgezehrt worden; sie haben weiter gewirkt, bis sie vor 40 Jahren durch ihren großen Sohn zu nie geahnter Herrlichkeit zur Entfaltung gebracht wurden. Merkwürdige Fügung des Schicksals: Der Tag, der die Trauer einschließt um den allzu frühen Heimgang Luisens, der umfaßt auch das Gedenken an die französische Kriegserklärung, an die Erneuerung des Eisernen Kreuzes durch der Königin großen Sohn und die einmütige Erhebung aller deutschen Stämme vor 40 Jahren. Da reifte Luisens Saat. Da schwebte der Geist Luisens durch die deutschen Lande, die sich einst werktätig selbst einsetzte für das Bewußtsein vaterländischer Ehre, daß nur mit Waffen in der Hand, nur mit Einsetzung aller irdischen Güter die Ehre wiedergewonnen und erhalten werden könnte; es ist derselbe Geist, der Schillers Jungfrau von Orleans beseelte: Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre. Da waren Pflichtbewußtsein, Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit so mächtig geworden, daß das ganze vielstämmige Germanien sich wie ein Mann dem Erbfeinde zur„Wacht am Rhein“ entgegenwarf, als König Wilchelm die beabsichtigte Demütigung von seiten Frankreichs um seiner und um Preußens Ehre willen zurückwies. Hochgespanntes Ehrgefühl, das war es, was der erste Kanzler des Deutschen Reiches in jener denkwürdigen Reichstagssitzung, in der er den Tod des ersten deutschen Kaisers verkündigte, als dessen rühmlichste Eigenschaft hervorhob.„Hochgespanntes Ehrgefühl“, das war wieder das Erbteil der Mutter. Unaushaltsam, wie eine gewaltige Sturmflut, ergoß sich die deutsche Streitmacht nach Frankreich hinein, um in zahlreichen Schlachten die Heere des Erbfeindes, den Stolz der„großen Nation“ niederzuringen. Im heißen Monat August, da im Saatfelde des Schnitters Sense rauscht, und auf den Bergen das Blut der Trauben kocht, floß vor 40 Jahren Heldenblut in Strömen, und auf dem Schlachtfelde hielt„Schnitter Tod“ reiche Ernte. Aber der Sieg— er war unser! Der hehre Schlachtengesang des Sommers 1870 wird aber mit gewaltigen Sturmestönen fortklingen bis in die fernste Zukunft und seine brausenden Wirbel fallen zusammen zu dem machtvollen Schlußakkord: Deutsche Tapferbeit und Ehre. Den gefallenen Helden aber legen wir wehmütig einen Kranz mit schwarz=weiß=roter Schleife aus das Grab— ihnen zu danken! Unsere Helden erkauften mit ihrem Herzblut einen herrlichen Siegespreis, den sie auf des Vaterlandes Altar niederlegten: Elsaß=Lothringen, das alte deutsche Land, und das neue Deutsche Kaiserreich. Der Kampf Schulter an Schulter hatte das Gefühl der Zusammengehörigkeit so gestärkt, daß der norddeutsche Reichstag mit den süddeutschen Fürsten dem Könige Wilhelm mit der Bitte nahten, das Einigungswerk durch Annahme der deutschen Kaiserkrone zu weihen. O herrlich schöner Wintertag, du 18. Januar 1871, mit deiner Erfüllung eines vielhundertjährigen Völkertraumes, da Purpur, Hermelin und Krone den edelsten und bescheidensten aller Fürsten und Zeiten zum deutschen Kaiser krönte. Hätte doch Luise die von ihr glühend leidenschaftlich ersehnte Größe Preußens und Deutschlands sehhen können! Es ist eine alte, durch historische Erfahrung überreich bestätigte Wahrheit, daß die Völker sich nur auf der Höhe erhalten können, wenn es ihnen gelingt, sich diejenigen edlen Tugenden zu erhalten, denen sie ihren Aufstieg verdanken. Deshalb müßte es die vorehmste Sorge jedes Staatsbürgers sein, daran mitzuwirken„unserm Volke die hohen nationalen und sittlichen Werte zu erhalten, die es auf einer Siegesbahn ohnegleichen aus den Tagen der Schmach und Trostlosigkeit auf die Höhe des Glanzes und des Ruhmes führten. Aber leider gibt es in unserm Vaterlande eine starke Partei, der der Geist Luisens völlig fremd ist, der stets auf des Vaterlandes Bestes bedacht war. Diese Partei sucht im Gegensatz dazu das Vakerland zu schwächen, durch Verweigerung der notwendigen Verteidigungsmittel kommt es in Gefahr, dem Feinde ausgeliefert zu werden, wodurch das größte Elend über Volk und Reich herbeigeführt würde. Luise war des unerschütterlich politischen Glaubens, daß Preußen nicht untergehen könne, sondern zu Großem berusen sei. Diese Partei aber schämt sich nicht der verderblichen Arbeit, die darauf hinausläuft, dem deutschen Volke die Freude an seinem Volksleben zu rauben und ihm eine ganz unberechtigte Verachtung des eigenen Wesens beizubringen. Diese Partei sucht mit allem Fleiß, der einer edlen Sache würdig wäre, die Liebe zu Kaiser und Landesfürsten in den Herzen treuer Staatsbürger zu ersticken und zu zerstören. Die Presse dieser Partei hat es vermocht, das Andenken des alten Kaisers Wilhelm zu verunglimpfen und hat es über sich gebracht, gerade letzthin in gemeiner Weise über Preußens hehre Königin zu schreiben. Diese Partei sät Unzufriedenheit, indem sie weniger gebildeten Leuten Ziele als möglich und Zustände als erreichbar hinstellt, von denen ihre Redner selbst wissen, daß sie in dieser unvollkommenen Welt zu den Unmöglichkeiten gehören. Da müssen wir den Geist Luisens heraufbeschwören und— wie sie Begeisterung einpflanzte in die Herzen ihrer Söhne— die Herzen unserer Jugend mit Begeisterung erfüllen für das Vaterland, so lebendig und stark, daß keine Verführung die jungen Herzen locker machen kann. Ehrgefühl, Pflichtbewußtsein, Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit müssen wieder aufleben und so Gestalt gewinnen, daß sie allen Stürmen einer nörgelnden, krittelnden, alles Hohe in den Staub ziehenden Zeitrichtung siegreich zu widerstehen vermögen. Kameraden!— wir schließen uns unter den segnenden Händen von Preußens Genius zusammen und bringen unsere Gesinnung für das geliebte Vaterland zum Ausdruck durch den Ruf: Das deutsche Vaterland lebe hoch! Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 16. August 1910. **(Wichtige Entscheidung.) Das Kammergericht hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob sich Eltern strafbar machen, wenn sie ihre Kinder nicht nachsitzen lassen. In allen Provinzen sind Schulordnungen ergangen, nach welchen die Eltern dafür sorgen müssen, daß ihre Kinder die Schule besuchen. Frau R. war vor einiger Zeit mündlich mitgeteilt worden, daß ihr Sohn nachsitzen solle. Als der Knabe nicht erschien, wurde die Mutter wegen der Schulversäumnis ihres Knaben angeklagt und verurteilt, da auch Nachsitzestunden zum Schulunterricht gehörten: auch sei es unerheblich, ob der Mutter mündlich oder schriftlich mitgeteilt worden sei, daß ihr Sohn nachsitzen müsse. Die Entscheidung socht Frau R. beim Kammergericht an, das indessen die Revision alls unbegründet zurückwies und u. a. ausführte, die Eltern hätten nicht nur ihre Kinder zu den regelmäßigen Schulstunden, sondern auch zu den Nachsitzestunden zu senden. Zum Schulunterricht gehören auch solche Veranstaltungen, welche einen erziehlichen Charakter haben. Bei Schulfesten sei es auch unerheblich, ob sie innerhalb oder außerhalb der Schulräume stattfänden. Die Versäumnis von Nachsitzestunden und Schulfesten, die von der Schulbehörde zur Belehrung und Erziehung der Schüler veranstaltet würden, seien ebenso zu beurteilen, wie der gewöhnliche Unterricht. *(Ein neuer Schädling der Eichenwaldungen.) Der Regen im heurigen Sommer hat das Gute gehabt, daß der Eichenwickler seine verderbliche Arbeit an unseren Eichen nicht hat ausüben können; dafür sehen wir aber die Blätter der jungen Eichen über und über mit kleinen Pilzen bedeckt, die ihnen ein bläulich=weißes Aussehen geben. Die zerstörende Wirkung dieser Pilze erkennt der Naturfreund aber sofort, wenn er ein solches Blatt genau besieht; denn es ist nicht allein gekräuselt, sondern auch sehr brüchig geworden. Sicherlich würde eine trokkene und sonnige Witterung diesen Feinden unserer jungen Eichenpflanzen in ihrer Zerstörung Einhalt tun. **(Ausgefallen) ist das für gestern abend angekündigte Militär=Konzert am„Freischütz". Trotz des ungünstigen Wetters hatte sich eine stattliche Anzahl Musikliebhaber eingefunden. Die Kapelle hatte jedoch vorgezogen, einfach abzureisen, so daß das Publikum enttäuscht den Heimweg antreten mußte. **(Schulsache.) In der letzten Sitzung der Schuldeputation wurde für eine an der hiesigen evangelischen Schule unbesetzte Lehrerstelle Herr Lehrer Walter Behrensmann, Sohn des Herrn Rektor B. hierselbst, gewählt. Derselbe ist augenblicklich als Lehrer in Dorstfeld angestellt. Für die an der hiesigen kathol. Volksschule unbesetzte Lehrerstelle konnte keine Wahl vorgenommen werden, da keine Meldung eingegangen war. **(Verbandstag der Hacketäuer.) Am Samstag und Sonntag sand in Essen der Verbandstag ehemaliger Angehöriger des 16. Infanterie=Regiments(Hacketauer) statt, der zahlreich beschickt war und auf dem auch der hiesige Verein durch zwei Delegierte vertreten war. Der Hauptgegenstand der Verhandlungen war die weitere Ausgestaltung der Sterbekasse, die nach den gefaßten Beschlüssen beim Tode eines Kameraden 200 und beim Tode der Ehefrau 75 A an Unterstützung auszahli. Den Bericht über die Verhandlungen des Ausschusses erstattete Kentzler=Dortmund. Er teilte mit, der Ausschuß überlasse es dem Abgeordnetentag, ob ein Denkmal(der schlagende Landwehrmann) oder ein Unterstützungsfonds für hilfsbedürftige Mitglieder der Vereinigung oder deren Hinterbliebenen gegründet werden soll. Nach längerer Aussprache wurde der Antrag der Kommission angenomen, das Offizierkorps zu bitten, von den Anträgen Bochum(Denkmal) und Köln(Unterstützungsfonds) einen auszuwählen und dessen Annahme der Gesamtvereinigung zu empfehlen. Der nächstjährige Verbandstag findet in Dorstfeld statt. **(Im Silberkranz.) Das schöne Fest der silbernen Hochzeit feierten gestern die an der Hellpothstraße wohnenden Eheleute Lederhändler Ernst Pferdekämper. Den vielen Glückwünschen, die dem Jubelpaare von allen Seiten zugingen, schließen wir die unsrigen nachträglich gern an und sprechen dabei die Hoffnung aus, daß sich das Silber nach weiteren 25 Jahren in Gold verwandeln möge. **(Von der Haarkrankheit.) Gestern fand in Sachen der Haarkrankheit eine Konferenz der hiesigen Schulleiter mit Vertretern der Medizinalbehörden statt. Es wurde konstatiert, daß die Krankheit bedeutend im Rückgange begriffen ist; neue Erkrankungsfälle sind nicht mehr gemeldet und kann die Seuche als erloschen angesehen werden. In der Konferenz wurden außerdem Maßnahmen für eine Desinfektion der Schulräume vor der Wiederaufnahme des Unterrichtes getroffen. **(Garde= und Landwehrverein.) Am Sonntag, 4. September, veranstaltet der hiesige Garde= und Landwehrverein in Gemeinschaft mit dem Kriegerverein Holzen eine größere Felddienstübung mit nachfolgendem Biwak in Holzen. In beiden Vereinen sind die Vorbereitungen in vollem Gange und dürfte sich die Veranstaltung, sofern der Wettergott gut gelaunt ist, zu einer recht interessanten gestalten. er Schüren, 15. Aug.(Herr Rektor Erlenbauer) hier hat die Freude, am heutigen Tage in bester Rüstigkeit auf eine 40jährige Amtszeit in Schüren zurückblicken zu können. * Meinerzhagen, 15. Aug.(Eine jugendliche Räuberbande,) deren Mitglieder im Alter von 10 bis 14 Jahren stehen, ist von der hiesigen Polizei aufgehoben worden. In einer in der Nähe gelegenen Felsspalte wurde ein größeres Nr. 190. 1. Beilage. Schirerter=Hei..“. M Dienstag, 16. August 1910. Die Kämpfe der dautschen Anmeen vor der gewaltigen Moselfestung Metz am 14., 16. und 18. August waren die blutigsten des ganzen Feldzuges. Zehntausende von deutschen Soldaten haben in diesen Schlachten gelitten, die den Erfolg hatten, die französische Armee unter Marschall Bazaine hinter den Wällen festzuhalten und damit ihre weitere Mitwirkung im offenen Felde unmöglich zu machen. Die Franzosen schlugen sich mit äußerster Bravour, namentlich bei Saint=Privat war es ein stundenlanges Ringen, aber die deutsche Kraft hielt aus. Die Franzosen haben hinterher behauptet, Marschall Bazaine habe sich absichtlich in Metz einschließen lassen, damit seine Armee erhalten bliebe, um eine spätere Revolution unterdrücken zu können. Bazaine ist ja auch nach dem Kriege zu 20 Jahren Festung„wegen Verrats“ verurteilt worden, aber unsere Armeen haben von dieser Freiwilligkeit nichts gemerkt. Es waren große Erfolge deutscher Feldherrnkunst und Tapferkeit, die aller Welt den unbestrittenen Sieger des Krieges zeigten. Die Metzer Kampftage sind von mancherlei roman ischen Episoden erklärt. Dahin gehört die Erzählung, der alte Moltke sei am 18. August den heranrückenden Pommern entgegengeeilt und habe sie mit gezogenem Säbel in die Schlacht geführt. Eine solche Heldenpose lag dem kühlen Rechner auf dem Kriegs=Theater nicht, und diese Szene hat auch nicmals stattgefunden. Historisch ist, daß der Chef des Generalstabes am Abend dem König Wilhelm, der auf einen Wagenleiter saß, den Rückzug des Feindes melldete. Mit diesem Tag war auch der Krieg gewonnen, wenn er gleich noch Monate anddauern und die beutschen Truppen noch viel weiter, als sie ahnten, nach Frankreich hineinführen sollte, wo sie auch noch ein arger Volkskrieg ervurcs. Bis unmittelbar vor den Kampfen war auch Kaiser Napoleon, der den aus dem mexikanischen Kriege bekannten Marschall Bazaine zum Höchstkommandierenden ernannt hatte, in Metz gewesen, auf Drängen des Marschalls war er dann abgereist. In Paris, wohin er eilen wollte, wies ihn die Regierung zurück, da seine Anwesenheit in der Hauptstadt einen schlechten Eindruck machen würde, und so reiste der kranke und gebrochene Mann zur Armee ab, die Marschall Mac Mahon, der bei Wörth geschlagene Herzog von Magenta, in der Nähe der belgischen Grenze von neuem bildete. Hier ereilte ihn dann sein bekanntes Schicksal nach der Schlacht von Sedan am 2. September. Im Volksmund und Volksgesang sind am meisten verherrlicht die großen Reiterattacken vor Metz, die der Halberstädter (Bismarck=) Kürassiere und der Salzwedeler(altmärkischen) Ulanen, von wellchen jeder zweite Mann fiel, und die Attacke der Berliner Garde=Dragoner, bei welcher Herbert Bismarck, der älteste Sohn des damaligen Reichskanzlers, schwer verwundet wurde. Diese Todesritte entsprachen so recht dem deutschen Krieger=Wagemute, sie sind als das aufgefaßt, was sie waren, als ein freudiges Sterben fürs Vaterland. Nach den Kämpfen von Metz erfolgte eine Neueinteilung der deutschen Armeen. Der Kronprinz Albert von Sachsen trat an die Spitze der 3. Armee, die vor Sedan großes leistete. Vor Metz blieb Prinz Friedrich Karl von Preußen mit seinen Truppen zurück, die nach manchem schweren, blutigen Strauß die Kapitulation erzwangen. Metz hat seit den Jahren der großen Schlachten ein ganz anderes Aussehen erhalten; es ist erweitert, ganz neue Stadtteile sind entstanden, die frühere Oede ist gewichen. Und die alte Frankenresidenz, die über 300 Jahre bei Frankreich gewesen war, steht wohl bei Weitem noch nicht am Ende ihrer Blüte. Die Ostasien=Reise des deutschen Kronprinzen berührt in China außerordentlich angenehm. Auf der chinesischen Gesandtschaft in Berlin wurde einem Vertreter der„Nat.“ Itg.“ gesagt: Der Reise des Kronprinzen kommt ganz besondere Bedeutung zu. Gerade jetzt, wo kürzlich die chinesischen Prinzen Deutschland besuchten und so freundlich ausgenommen wurden, ist die Anwesenheit des Kronprinzen in China als ein Gegenbesuch aufzufassen, der freudige Genugtuung erregt. Ist er doch ein Zeichen dafür, daß die Bezichungen beider Reiche, die durch so wichtige wirtschaftliche Interessen verbunden werden, ganz ausgezeichnete sind, besser, als sie waren. Im letzten Jahrzehnt hat die politische Konstellation in China eine bedeutende Wandlung erfahren, und die gegenwärtige Regierung in China, der Prinzregent und alle leitenden Männer hegen für Deutschsland die größten Sympathien. Der Gesandte erzählte dann noch, wie großartige Begrüßungsfeste in Peking für den deutschen Kronprinzen veranstaltet werden würden, daß der hohe Gast im kaiserlichen Sommerpalast residieren und dort auch den kleinen Kaiser von China sehen würde.— Für den Welthandel ist China, nicht Japan, das Land der Zukunft, in dem noch Erfolge zu erzielen sind. Ueber den neuen Flugretord Drexels wird uns noch aus London gemeldet: Vorgestern abend gegen 7,30 Uhr stieg der Sohn des amerikanischen Millionärs Drexel, der an der Flugwoche in Lanark teilnimmt, auf, schoß beinahe kerzengerade in eine Wolke hinein und war dann den Augen der Zuschauer entschwunden. Die Dunkelheit brach bereits herein, ohne daß der kühne Flieger zurückgekehrt war. Nach einer Stunde ging ein Telegramm aus Cobbingshaw ein, wonach Drexell dort in der Nähe eines Farmhauses gelandet war. Er hatte eine Höhe von 2055 Metern erreicht und damit einen neuen Höhenrekord aufgestellt. Drexel erzählte bei seiner Rückkehr, daß, nachdem er eine Höhe von 6000 Fuß erreicht habe, die Luft eisig kalt gewesen sei. Er sei jedoch auf keine Schwierigleiten gestoßen, bis er 6700 Fuß erklommen habe. Da habe er gemerkt, daß das Schmieröl knapp geworden sei, und es für geraten gehalten, abzusteigen. Als die Maschine sich gessen habe, habe er sich in den Wolken gefunden. Er habe nichts sehen können. Der offizielle Theodolit zeigt, daß er etwa 2055 Meter hoch gestiegen ist. Westfalen und Rheinland * Hagen, 14. Aug.(Aus Furcht vor Strafe) beging ein 13jähriger Schüler aus der Jägerstraße Solbstmord. Der Junge hatte vor einigen Tagen in einem unbewachten Augenblick aus der Ladenkasse eines Kolonialwarengeschäftes einen kleinen Geldbetrag entwendet. Als er nach kurzer Zeit die Ladenbesitzerin seiner elterlichen Wohnung zugehen sah, glaubte er sich entdeckt. Er eillte davon und wurde seitdem vermißt. Gestern vormittag fand man den Knaben, das bedauernswerte Opfer eines Dummenjungenstreiches, im Stadtwalde zwischen Waldlust und Bismarckturm im Tannendickicht erhängt auf. In seinen Taschen fand man noch 2 Mark vor. * Brackwede, 13. Aug.(Die Opfer des Defraudanten Heitmann.) Die Unterschlagungsaffäre des Defraudanten Heitmann zieht weitere Kreise. Die Dampfziegelei Brackwede ist um über 300000 M geschädigt. Eine große Anzahl kleinerer Landwirte ist durch die Manipulationen Heitmanns dem Ruin nahe. Ein Kaufmann aus Bielefeld, der Heitmann große Wechselbeträge diskontiert hatte und infolgebessen sein ganzes Vermögen verlor, beging Selbstmord. Die Gütersloher Brauerei verliert 12000 M. * Listernohl, 15. Aug.(Schwerer Verdacht.) In der bereits mitgeteilten Mordsache ist der mutmaßliche Mörder in der Person des Onkells des ermordeten Mädchens am Freitag Abend verhaftet worden. Es ist der Schreiner Bernhard Strautz zu Grottenwiese, verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Die Verhaftung wurde durch einen Polizeihund des Polizeisergeanten Becker aus Plettenbeig ermöglicht. Der Verhaftete wurde dem Amtsgericht in Attendorn zugeführt. Die Bevölkerung ist in Aufregung. * Letmathe=Oestrich, 15. Aug.(Nicht genehmigte Ortszulagen.) Die Aussichtsbehörde hat abermals die Beschlüsse der Schulvertretungen, wonach für die Lehrer Ortszulagen bis zu 400 A festgesetzt waren, beanstandet. Es wird vorgeschlagen, die Ortszulagen auf Grund anderweitiger Festsetzung und günstigerer Staffellung auf 300 M zu bemessen. In Iserlohn und Hohenlimburg werden 400 M gezahlt. Auch in den übrigen Landgemeinden des Kreises Iserlohn sind 400 A nicht genehmigt worden. * Hamm, 15. Aug.(Das finanzielle Ergebnis des 4. Kreisturnfestes) hat sich wie folgt gestaltet: Der Etat sah eine Summe von 16—17000 M vor. Infolge von höheren Aufwendungen belaufen sich die Ausgaben auf rund 18 500 M, denen Einnahhmen in ungefähr der gleichen Höhe gegenüberstehen. Da noch nicht alle Rechnungen eingegangen sind, so kann noch nicht gesagt werden, ob ein kleiner Zuschuß erforderlich sein wird, oder ob sich ein entsprechender Ueberschuß ergibt. Jedenfalls würde ein offizielles Defizit sich auf höchstens einige hundert Mark belaufen. Am Sonntag, 7. August, wurden auf dem Festplatze rund 2400 Mark Eintrittsgelder, am Montag, 8. August, nahe an 1000 Mark eingenommen. Dazu kommen die Einnahmen aus der Verpachtung der Wirtschaftsstände usw. Der Rest der ausgegebenen Summe erhält Deckung aus den Beiträgen der an dem Feste beteiligten Turner.— In Anbetracht der großen Dimensionen, die das Kreisturnfest diesmal annahm, ist das finanzielle Ergebnis als ein sehr günstiges zu bezeichnen. * Lennep, 13. Aug.(Schülerfahrten.) Gestern haben 10 Schüler des hiesigen Realgymnasiums auf Kosten des Fabrikanten Hardt eine Wanderfahrt in die Alpen angetreten. Heute werden mehrere Schüler folgen, die eine Wanderung durch den Schwarzwald bis Waldshut unternehmen. Von dort geht es über Schaffhausen, Zürich, Zug, Luzern nach Basell und dann in die Heimat zurück über Straßburg nach Köln. Für die weniger bemittelten Schüler, die sich an dieser Scholarenfahrt beteiligen, haben mehrere hiesige Bürger die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt. * Wahn(Rheinl.), 14. Aug.(Unfall beim Exerzieren.) Gestern morgen stürzten zwei Kanoniere des Fußartil= llerie=Regiments Generalfeldzeugmeister(Brandenburgisches Nr. 3) aus Mainz, das zurzeit auf dem hiesigen Schießplatze Uebungen abhält, beim Geschützexerzieren im Fahren von ihrem Geschütz und wurden von dem nachfolgenden Geschütz überfahren. Schwer verletzt wurden die Kanoniere nach dem Garnisonlazarett Köln=Deutz gebracht. * Düsseldorf, 14. Aug.(Zwei Kinder verunglückt.) Die beiden Kinder des Bauarbeiters Albert Herbst auf der Dorotheenstraße spielten, während die Mutter ihr Mittagsschläfchen hielt, am Fenster der elterlichen Wohnung. Das 3½jährige Töchterchen stürzte aufs Pflaster. Es wurde so schwer verletzt, daß es im Krankenhause starb.— Das 17 Monate alte Söhnchen des Schreiners Albert Kraus stürzte in eine Jauchegrube und ertrank. * Köln, 13. Aug.(Die„Belagerung“ eines Standesbeamten.) In Ehrenfelld entstand vor dem Standesamt aus Anlaß einer Trauung ein großer Menschenauflauf, der immer größer wurde, so daß die Polizei Mühe hatte, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Als die Brautleute das Lokal verlassen wollten, drängte sich die Menge der Neugierigen derart nach der Tür, daß sich die Hochzeitsgesellschaft nicht anders zu retten wußte, als über die Mauer des Hinterhauses zu klettern, um von dort einen anderen Weg einzuschlagen. * Köln, 14. Aug.(Einen fabelhaft leichtsinnigen Streich) verübte die Frau eines Landwirts aus Eller. Sie gab einen Geldbrief an die Sparkasse in Saarbrücken in Düsseldorf auf. Der Postbeamte fragte, was in dem Brief enthalten sei, und sie gab an 12000 U. Der Düsseldorfer Beamte bemerkte hierauf, sie müsse den Wertinhalt außen auf dem Kuvert angeben und auch ihren Namen hinten auf das Kuvert schreiben. Die Frau schrieb einen falschen Namen. In Saarbrücken zeigte es sich, daß in dem Brief nur Papierbogen waren. Man dachte zuerst an einen Betrug und leitete eine umfangreiche Untersuchung ein, die auf die Spur der Täterin führte. Sie hatte sich wegen Urkundenfälschung vor der Kölner Strafkammer zu verantworten, wobei sich folgender Tatbestand ergab: Die Frau hatte einen Freund, der sie um 8000 und nachIm Auhmesglanz. Roman von Benno Zehden. 25 So lebten sie in den ersten Wochen still und glücklich und genossen in Zurückgezogenheit ihre Flitterzeit. Eins nur fehlte dem Gatten.. sein Freund Alfred. „Der dumme Kerl!“ so schalt er eines Tages, als er mit seiner jungen Frau beim Tee saß,„könnte er jetzt nicht hier sein und mit uns ein Stündchen verplaudern? Eine Kater=Idee, noch den ganzen Sommer verreisen zu wollen! Wir hätten ihn gleich nach der Hochzeit festhalten müssen und ihn nicht gleich abreisen lassen sollen.“ „Aber er wollte es durchaus.“ :„Na, ja, gewiß. Und weshalb? Aus Zartgefühl, um uns in den ersten Wochen nicht zu stören. Natürlich, so ist es. Das ist ja nun auch ganz gut und taktvoll von dem lieben Jungen, aber deshalb hätte er doch nicht gleich in die weite Welt zu reisen brauchen. Ich weiß ja nicht einmal, wo er jetzt steckt. „Er wird wohl sicher bald schreiben.“ „Na, das hoffe ich sogar sehr, sonst bekäme er es ernsthaft Da meinte sie scherzend:„Weißt Du, eigentlich ist das gar nicht galant von Dir, daß Du in meiner Gegenwart so sehr den Freund vermissest."„. g64, fl. Schilm a Im Nu hatte er sie im urm und lüßle se.„Scheim Du! Das verdient Strafe." E.us. Dann aber wurde er wieder gesetzt und sagte:„Im Ernst, der Alfred fehlt mir sehr. Du mußt nämlich wissen, daß wir früher jeden Tag zusammen gesessen haben, also bin ich an ihn gewöhnt. Und dann bespreche ich auch künstlerische Fragen gern mit ihm, denn er hat einen klaren Kopf.“ Gutherzig lächelnd erwiderte sie:„So bleibt mir vorerst nichts anderes übrig, als mich in allen Dingen recht zu befleißigen, um Dir den guten Alfred wenigstens einigermaßen zu ersetzen. Da küßte er sie wieder in still innigem Glück. Aber trotzdem sie so zurückgezogen tebten, flogen die Tage nur so dahin. Und dann wurde die Kunstausstellung eröffnet. Pauls„Sehnsucht" hing im ersten großen Saal. Schon am ersten Tage hatte das Bild einen unbestrittenen Erfolg. Fortwährend war es von Beschauern und BewundeUnd während Paul mit der Gattin fern stand und die Wirkung beobachtete, hatten einige Wißbegierige in Veronika das Modell des Bildes erkannt, und mit rasender Schnelligkeit sprach sich diese Neuigkeit herum,. 64. mum grätlich auf Hundert neugierige Augen richteten sich nun ploßlich auf „Komm schnell weiter, man hat mich schon erkannt, bat Doch lächelnd blieb er.„Aber laß doch, Schatz, das tut doch „Es ist mir aber peinlich, daß die Menschen mich so anstarren,“ flehte sie leise,„komm, komm, laß uns gehen. Doch auch jetzt noch blieb er. Und scherzend hält er sie noch „Ich bitte Dich, Paul, komml“ bat sie noch einmal. Da erwiderte er, zwar heiter, aber doch mit einer gewissen Bestimmtheit:„Aber Schatz, sei doch nicht so komisch. Leise erbebte sie, doch gleich wieder nahm sie sich zusammen und gab nach... Li, Reneirigen Augen mei So blieben sie und so starrten die neugierigen augen Weiter die schöne junge Frau an. Endlich wurde es auch ihm zuviel, so daß er jetzt weiter Lustig sagte er:„Das hilft nun mal nichts, liebes Kind, wenn man bekannt und berühmt ist, muß man sich auch dem staunenden Publikum zeigen, und daß Du bald bekannt und viel genannt sein wirst, das kann ich Dir schon jetzt sagen, dafür sorgt das Bild dort. Ich hätte übrigens nicht gegeauot, daß es solchen Erfolg haben würde.“ und herzlich:„Du bist so still. Zürnst Und als sein liebevoll bittender Blick sie traf, da schwand ihre leichte Mißstimmung schnell dahin und nachgebend antwortete sie:„Ich zürne Dir nicht, Aber Du mußt mich nicht für eigensinnig halten. Ich kann es nicht ertragen, so der Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit zu sein.“ Mit leicht überlegenem Lächeln hob er die Schultern, wiegte den Kopf hin und her und sagte:„Ja, mein liebes Frauchen, es wird alles nichts helfen, diese Schüchternheit wirst Du wohl Du bist jetzt die Frau eines Mannes, der in der Oeffentlichkeit steht, und wenn das Bild viel von sich reden macht, so werden wir uns den Bewunderern nicht entziehen können, allein schon aus rein praktischen Gründen nicht, denn jeder, auch der berühmteste Künstler, will Geld verdienen; bekanntlich kann man aber nur dann gute Preise für seine Bilder erzielen, wenn man gesellschaftlich bekannt ist und gute Beziehungen hat. Du siehst also, wie notwendig wir diese uns bestaunenden MenWieder schwieg sie, und eine ganz leise Bekümmernis legte Gleich daraufkamen ein paar Bekannte von Paul, ein Maler und ein Bildhauer, die zu dem neuen Erfolg gratulierAls Veronika sie kennen lernte, fühlte sie, wie beide sie voll Bewunderung anblickten. Dann kam der alte Doktor heran. Ganz enthusiasmiert war er:„Hören Sie, lieber Geßler, dies neue Bild wird Sie zum Mann des Tages machen. Ein Meisterstück ist es.“ Leicht beschämt dankte Paul..1. M.unten Und nun strömten von allen Seiten die Berannten und Verehrer hinzu und gratulierten in den überschwänglichsten Worten. Und im Umsehen war das junge Paar von einem Kreis vieler neuen Bekannten umringt, um Veronikas Ohren schwirrten so viele neue Namen, daß sie kaum einen genau behalten hatte.„ fl4„„ Endlich, enolich retteten sie sich und gingen. Als sie auf dem Heimwege waren, sagte Paul heiter:„Das also war ein kleiner Vorgeschmack von dem, was von jetzt an unserer harren wird.“ Sie seufzte leise. Aber er hörte es doch.„6 Schren Und so trösteteer sie: Bekomme nur keinen zu großen Schreu, Liebchen. Wenn man uns zu sehr bestürmt, reißen wir einfach aus; und über Sommer bleiben wir ja sowieso nicht hier in Berlin; also wird es sich wohl ertragen lassen. Doch auch jetzt schwieg sie leicht bekümmert. 181.20 Seite 6. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Dienstag, den 16. August 1910. Nr. 190. her um 4000 M anpumpte, ohne daß ihr Mann hiewon wußte. Einen Schuldschein oder Sicherheit ließ sie sich nicht geben. Schließlich kam der Ehemann dahinter und die Frau sagte, das Geld sei auf einer auswärtigen Sparkasse deponiert als Sicherheitsleistung. So hatte der Freund ihr auch gesagt. Der Mann fuhr nach dem betreffenden Ort und erfuhr, daß dort die 12.000 A nicht deponiert seien. Er telegraphierte nun an seine Frau, die in ihrer Angst zu Bekannten und Verwandten lief, um Geld aufzutreiben, was ihr aber nicht gelang. Um ihren Mann zu beruhigen und Zeit zu gewinnen, redete sie ihm ein, es seien 12000 M an die Sparkasse in Saarbrücken gesandt worden, dieses Geld stehe nach drei Monaten wieder zur Verfügung. Sie sandte hierauf den erwähnten Brief ab. Das Gericht nahm zwar an, daß es sich um eine Urkundenfälschung in rechtswidriger Absicht handle, aber auch zugleich um eine so bodenlose Dummheit, daß ein Tag Gefängnis als Strafe ausreichend erschien. Zugleich soll die Angeklagte auf die Strafausschubsliste gesetzt werden. Von den 12000 Al haben die Eheleute keinen Pfennig wiedererhalten. * Godesberg, 14. Aug.(Keplerbund.) Gestern wurde im neuen Bundeshause der 4. naturwissenschaftliche Kursus des Keplerbundes eröffnet. Die Zahl der Teilnehmer beträgt 85. Direktor Teudt begrüßte die Erschienenen. Der Bund, der am 26. November 1907 in Frankfurt gegründet worden sei, erfreue sich der größten Sympathien der gebildeten Welt und zähle gegenwärtig 7573 Mitglieder. Professor Dr. Rimbach=Bonn entwickelte das Wesen und die Entstehung einer wahren Naturwissenschaft und ihrer Erkenntnis. Einer Ansprache des Prof. Dr. Dennert folgte die Besichtigung des neuen, prächtig eingerichteten Bundeshauses mit seinen 31 Räumen, 2 Laboratorien, großem Hörsaal, biologischem Museum usw. Hierauf begannen die Vorlesungen. Eine schwere Eisenbahnkatastrophe. 63 Kinder und Erwachsene getötet, 50 schwer verletzt. Ein furchtbares Eisenbahnunglück, dem eine große Anzahl von blühenden Menschenleben zum Opfer gefallen ist, hat sich gestern in der Nähe der französischen Eisenbahnstation Saujon ereignet. Wir erhalten darüber folgende Spezialdrahtberichte: " P a r i s, 1 4. A u g. H e u t e v o r m i t t a g s t i e ß g e g e n 1 1 U h r b e i Saujom, 9 Kilometer von Royans, ein Güterzug mit einem Personenzug zusammen. Nach den letzten Meldungen wurden 63 Personen, meist Kinder, getötet und 50 schwer verletzt. Ueber die näheren Einzelheiten der Katastrophe erhalten wir nachstehendes Spezialtelegramm: Paris, 14. Aug. Das Unglück auf der Strecke der Staatsbahn ereignete sich infolge mangelhafter Vorkehrungen im Grenzverkehr. Die beiden ersten Wagen eines von Bordeaux nach Royans abgegangenen Vergnügungszuges waren vollgepfropft mit Zöglingen eines Mädcheninstituts. Die Kinder hatten eben ein neues Reiselied angestimmt, als mit gewaltigem Krach die Lokomotive des Vergnügungszuges auf die letzten Wagen eines nicht rechtzeitig aus dem Geleise entfernten Güterzuges stieß. Die Lokomotive riß beim Sturz in den Graben reben dem Bahndamm die vier zunächst folgenden Wagen mit hinab. Die unverletzt gebliebenen Passagiere der anderen Wagen wurden nun Zeugen entsetzlicher Szenen. Aus einem Wust verstümmelter Leichenteile wurden die noch lebenden Personen mühsam hervorgezogen. Die Rekognoszierung der Leichen bot ungeheuere Schwierigkeiten. Die Kinder waren meist leicht gekleidet, die Gesichter waren fast ausnahmslos unkenntlich geworden. Ob sich Deutsche unter den Opfern der Katastrophe befinden, kann noch nicht gesagt werden. Die Rettungsarbeiten auf dem kleinen Bahnhofe gehen nur sehr langsam vorwärts. Bisher war es unmöglich, alle unter den Trümmern befindlichen Opfer zu bergen. Der Arbeitsminister Millerand ist unverzüglich benachrichtigt worden. Er wird sich an die Unfallstelle begeben. Unter anderen wurde auch Herr Dubois, der Chef des Staatsbahnbetriebes, getötet, der im Hinblick auf die Verkehrsansprüche sich persönlich von den in Bordeaux getroffenen Anordnungen überzeugen wollte. Aus den letzten Telegrammen, geht hervor, daß der Lokomotivführer des Güterzuges, der sich auf der eingleisigen Strecke Saujon—Royans befand, dem Haltesignal nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat. Er hoffte vor dem Personenzuge noch rechtzeitig das Nebengeleise erreichen zu können, und dieser Irrtum wurde zum schrecklichen Verhängnis. Aus den Enzählungen der Verwundeten geht hervor, daß ihre Qualen durch den brennenden Durst bei der tropischen Hitze des Tages noch gesteigert wurden. Um Trinkwasser mußte man eine halbe Stunde warten. Es entstanden erbitterte Kämpfe um die Trinkgefäße. Die Verwundeten wurden nach Les Saint gebracht. Man befürchtet, daß die Mehrzahl der Verletzten ihren Wunden erliegen wird. Bunte Chronik. Im Befinden des Bürgermeisters Gaynor, der durch die Kugel des Tammany=Mörders eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte, war eine ernste Verschlimmerung eingetreten. Der Patient litt an Atemnot, so daß Sauerstoff Inhalationen gemacht werden mußten. Englands Schönheits=Königin, als solche proklamiert auf der alljährlichen Schönheitskonkurrenz zu Falkestrom, ist eine junge Londonerin, Miß Mamie Whitaker. Der Preis, den die Königin erhielt, bestand in einer kostbaren Spitzenrobe, einer sternengezierten Krone und einem hermelinbesetzten Purpurmantel. Krone und Mantel bleiben für ein Jahr im Besitz der preisgekrönten Schönheit und sie muß diesen Ornat bei allen festlichen Anlässen tragen. Millionenschwindel. In Neuyork wurde ein Finanzschwindler verhaftet, der sich für völlig wertlose Grubenpapiere etwa 5 Millionen A erschwindelt hatte. Es ist bezeichnend, daß viele von dem Schwindler Geschädigte leichtgläubige Deutsche sind. Soldaten von Kreuzottern gebissen. Auf dem Truppenübungsplatz Lockstedter Lager bei Itzehoe wurden vier Infanteristen, die sich niedergelegt hatten, von Kreuzottern gebissen. Einer liegt schwerkrank darnieder. Wie es möglich war, daß die Reptilien unbemerkt in das Lager gelangen konnten, muß jedenfalls aufgeklärt werden. Der dritte Komet!!! Ein neuer Komet ist entdeckt worden. Er bewegt sich langsam im Sternbilde des Herkules nahe dem Kopfe des Drachen. Auf den deutschen Sternwarten wird der Komet, der also der dritte in diesem Jahre ist, bereits in den Fernrohren beobachtet. Er ist eine Bogenminute groß und hat einen von der Sonne abgewendeten Schweisansatz und eine kernartige Verdichtung. Ein interessanter Prozeß um das große Los der letzten Preußischen Klassenlotterie wird in Gumbinnen demnächst ausgetragen werden. Einen Teil der Summe gewann der Hausbesitzer W. in Gumbinnen. Der Besitzer des Anteilloses war der frühere Katasterzeichner B. Dieser hatte die ersten vier Klassen bezahlt, und als es zur Einlösung der letzten(5.) Klasse kam, wandte er sich an W. mit dem Ersuchen, das Los zu übernehmen, ihm aber die bereits gezahlten Klassen zu vergüten. W. bezahlte ihm aber nur die fällige Klasse und verweigerte die Erstattung der Beträge für die früheren Klassen. B. hat nun auf Herauszahlung von vier Fünfteln des Gewinnes geklagt. Heer und Flotte. Ein neues Geschütz, das allgemeines Aufsehen erregt, hat die Firma Krupp konstruiert. Es handelt sich um ein eigenartiges Bombengeschütz, bei dem die Bombe nicht in den Lauf geschoben, sondern auf einer in den Lauf gesteckten Stange befestigt wird. Die Bombe fällt dann während des Fluges zu Boden. Der Vorteil besteht darin, daß das Geschütz kleinkalibrig und infolgsdessen leicht ist. Feldginue Friedensuniformen in Bayern. Wie die„Tägl. Rundsch.“ mitteilt, wird in der bayerischen Armee in nächster Zeit eine neue, feldgraue Uniform für den Friedensdienstgebrauch zunächst der Offiziere, der Sanitäts= und Veterinäroffiziere eingeführt. Preisausschreiben der Heeresverwaltung für einen neuen Offizierstorsister. Das Kriegsministerium erläßt im ArmeeVerordnungsblatt ein für jedermann offenes Preisausschreiben für einen neuen Offizierstornister. An Preisen werden ausgeworfen: Ein erster Preis von 600 M, ein zweiter Preis von 300 M und ein dritter Preis von 100 M. An den neuen Tornister werden folgende Anforderungen gestellt: Er darf seinen der Geschichte des Kriegervereinswesens. Vortrag von Herrn Oberlehrer Feldhügel. Die Geschichte des Kriegervereinswesens soll bis in die graue Urzeit zurückreichen. Schon in der römischen Kaiserzeit, d. h. in den ersten drei Jahrhunderten unserer christlichen Zeitrechnung, soll es Vereine alter Soldaten gegeben haben, die hauptsächlich den frommen Zweck hatten, verstorbenen Kameraden die letzten Ehren zu erweisen. Die unruhigen Zeiten des Mittelalters, in denen sich ein Krieg an den anderen reihte, waren der Ausbildung friedlicher Vereine wenig günstig. Nach dem siebenjährigen Kriege, also im 18. Jahrhundert, hören wir wieder vereinzelt von Vereinen ausgedienter Soldaten. Dagegen bildeten sich beim Beginn des 19. Jahrhunderts, nach den napoleonischen Kriegen, sowohl in Frankreich wie in Deutschland zahlreiche Veteranenvereine, die in Frankreich politische, in Deutschland friedliche Zwecke verfolgten.„Die große Entwicklung aber, die das Vereinigungswesen ehemaliger Soldaten in der Neuzeit angenommen hat, konnte nur auf dem Boden eines Staates erwachsen, in dem das ganze Volk am Kriegsdienste teilnahm. Diese Entwicklung ist daher auch von dem Staate ausgegangen, der zuerst die allgemeine Wehrpflicht durchgeführt hat, von Preußen.“(Parole 1906 Nr. 6.) Etwa 30 Jahre nach den Freiheitskriegen, d. h. um 1840, bildeten sich in allen preußischen Provinzen, besonders in Pommern, Brandenburg, Sachsen und Schlesien zahlreiche Vereine der alten Kämpfer aus den Freiheitskriegen. Diese Vereine hatten den ausgesprochenen Zweck, verstorbenen Kameraden in militärischer Form die letzte Ehre zu erweisen. Als im Jahre 1841 der unvergeßliche Feldmarschall August Neidhardt Graf von Gneisenau starb und im Mausoleum zu Sommereschenburg beigesetzt wurde, beteiligte sich die ansehnTräger nicht weithin als Offizier kennzeichnen, andererseits i es aber nötig, daß die Ausrüstung den Offizier innerhalb einer gewissen Entfernung(etwa 200 Meter) deutlich vom Manne unterscheiden läßt. Da der Tornister nicht nur im Kriege, sondern auch im Frieden Verwendung finden soll, muß er auch von gesälligem Aussehen sein. Die Tragevorrichtung soll im Grundsatz die gleiche wie die der Mannschaften sein. Das Material soll unbedingt wasserdicht, aber kein dem Mottenfraß unterliegendes Material sein. Das Gewicht soll möglichst gering sein, keinesfalls wesentlich schwerer als der jetzige Offiziertornister(1050 Gramm). Möglichst einfach, ohne viele Rie. men, Schnallen, Haken usw. Der Preis soll sich tunlichst nicht wesentlich höher stellen alls der jetzige Tornister(15 A) Die Unterbringung von oft gebrauchten Gegenständen in entsprechenden Innen= oder Außentaschen soll möglich sein. Schließlich ist erwünscht, daß der Tornister ohne Paletot(Umhanz) ganz oder geteilt als Packtasche am Pferde angebracht werden kann. Den Kommandeuren wird anheimgestellt, zu gestatten, daß Ofiziere anläßlich des Wettbewerbs hergestellte Tornister zwecks Vorerprobung während der diesjährigen Manöver— außer Kaisermanöver— tragen. Handel und Industrie. * S o l i n g e n, 1 5. A u g u s t.( D i e L a g e d e r Z ü n d warenindustrie.) Während in allen übrigen Industriezweigen des Kreises Solingen die Lage des Arbeitsmarktes zur Zeit, wenn auch nicht besonders günstig, so doch im allgemeinen einigermaßen befriedigend ist, sieht es in der Zündwarenindustrie des unteren Kreises Solingen ziemlich trostlos aus. Der Rückschlag, der nach dem Inkrafttreten des Zündwarensteuergesetzes eintrat, konnte bisher nicht überwunden werden, die Absatzverhältnisse haben sich seitdem eher verschlechtert, als verbessert. Die Folge war eine bedeutende Einschränkung des Betriebes in allen Zündholzfabriken der Rheingegend, trotzdem aber wuchsen die vor Oktober gänzlich geräumten Lagerbestände in nie gesehenem Umsange an. Da immer noch teine lebhaftere Nachfrage sich geltend macht und auch die auf den Mark gebrachten Ersatzartikel eine schädigende Wirkung ausüben, müssen die Zündholzfabriken jedenfalls die Erzeugung noch weiter einschränken, wenn nicht bald eine Aenderung der Verhältnisse eintritt. Schon jetzt ist die Zahl der beschäftigten Arbeiter um mehr als ein Viertel geringer als im Vorjahre. Fünfhundert Millionen Ansichtspostkarten exportierte Deutschland allein in den ersten 5 Monaten dieses Jahres. Die Berechnungen werden nach geschäftlichem Brauch immer nur für die Zeit der Monate Februar bis Mai jeden Jahres angestellt. Das„Buchhändlerbörsenblatt“", das in seinen Angaben einer Buchdruckerfachzeitschrift folgt, kann die Höhe der Ausfuhr sogar genauer mit 14371 Meterzentnern angeben. Ein Meterzentner entspricht einem Gewicht von 100 Kg., und wenn man die durch die Verschiedenheit des Papiers und des Druckes veranlaßte Gewichtsschwankungen außer acht läßt, so kann man die Zahl aller exportierten Postkarten noch bestimmter auf 494840000 Stück beziffern. Leider ist trotz dieser scheinbaren Höhe der Ausfuhr ein starker Rückgang in der Postkartenindustrie zu verzeichnen. In den Monaten Januar bis Mai 1907 wurden nämlich noch 86 327 Meterzentner Ansichtskarten ausgeführt, und wenn man auch diese Zahl in Stück umrechnet, so ergibt sich die wahrhaft überwältigende Zahl von mehr als einer Milliarde Postkarten. In den Jahren 1908 und 1909 sank die Ausfuhr dann bedeutend, und man gibt als Grund für den empfindlichen Ausfall an, daß die Vereinigten Staaten nicht mehr soviel Postkarten wie früher„verbrauchen". Der Anteil Amerikas an der Gesamtausfuhr betrug nämlich im Jahre 1907 12379 Meterzentner, was annährend der Hälfte der Gesamtausfuhr gleichkam. Im Gegensatz zu Amerika hat sich dagegen die die Ausfuhr nach Großbritanien in den Berechnungsmonaten dieses Jahres als günstiger als im Vorjahre erwiesen. Verantwortlich für die Redaktion: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte 1000 Mark in bar und 100 silberne Ehrenbroschen sind von unseren Leserinnen als Preise zu erwerben durch Handarbeiten. zu denen die Vorlagen aus den vielseitigen Lehrbüchern der Deutschen Moden=Zeitung frei benutzt wurden. Es wird hier. durch allen Damen eine dankenswerte Anregung gegeben, sich auf ihrem ureigensten Gebiete der häuslichen Handarbeit mit klingendem und ehrenvollem Erfolge zu betätigen. Die weitverbreiteten Handarbeitsbücher sind in allen Buchhandlungen liche Veteranenvereinigung jener Gegend in rühmlicher Weise an der Leichenfeier. Im Jahre 1841 wurde dem das Jahr zuvor zur Regierung gelangten Könige Friedrich Wilhelm IV. von mehreren Bewohnern der Altmark die Bitte um Erlaubnis solcher militärischer Begräbnisvereine vorgetragen. Friedrich Wilhelm IV., dem das Gefühl treuer Anhänglichkeit an die alten Kameraden und die im Lande herrschende Achtung für kriegerisches Verdienst sehr sympathisch war, entsprach gerne jener Bitte, und so erließ er am 22. Februar 1842 jene berühmte Kabinettsorder, die auch heute noch, nach Erlaß des neuen Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908, die gesetzliche Grundlage bildet für alle diejenigen preußischen Kriegervereine, welche behördlich als solche bestätigt werden wollen, welche ein für allemal die Genehmigung zur Abhaltung militärischer Leichenzüge erhalten und zum Preußischen Landeskriegerverbande gehören wollen. In ihrem vollen Wortlaut ist sie abgedruckt in dem sehr empfehlenswerten, für Vereinsvorstände unentbehrlichen, aber auch für jedes andere Kriegervereinsmitglied hochinteressante„Handbuch für die Kriegervereine des Preußischen Landes=Kriegerverbandes“, herausgegeben von Geheimen Regierungsrat Prof. Dr. Westphal in 3. Auflage 1909 (Einzelpreis 2,25 M), Seiten 214. Aus dem Inhalt(14§8) hebe ich folgendes hervor: § 1 gestattet eine kriegerische Leichenfeier solcher in bürgerlichen Verhältnissen verstorbenen Personen, welche früher im Heere, und zwar im Kriege, mit Ehren gedient haben. *§ 2 gestattet zu diesem Zweck die Bildung von Vereinen gedienter Männer in Stadt und Land; eventuell können sich die ehemaligen Krieger von Nachbarorten zu einem Bezirksverein zusammenschließen. *§ 3 handelt von der Beseitigung des Vereins durch die Ortspolizeibehörde, auf dem platten Lande Ortsobrigkeit bezw. Landrat. § 4. Die Ortsobrigkeiten sollen von der erfolgten Bildung den Landräten Anzeige erstatten und diese den Bezirkskomman deuren. “§ 5 g e w ä h r t d e m V e r e i n e i n f ü r a l l e m a l d i e E r l a u b n i s z u r militärischen Begleitung der Leichen verstorbener Mitglieder. § 6. Die Vereine haben sich einen Hauptmann oder Anführer zu wählen, der die Ordnung des Vereins sowie die Zusammenberufung zu den Begräbnissen leitet. § 7. An Orten, wo Schützengilden oder Bürgerwehren bestehen, können die zu ihnen gehörigen Mitglieder der Vereine in der üblichen Ausrüstung und Bewaffnung bei der Leichenfeier erscheinen. § 8 gestattet den Vereinen, sich mit Lanzen zu bewaffnen oder durch Trauerstäbe mit schwarzem Flor kenntlich zu machen Aus meiner eigenen Jugend erinnere ich mich noch deutlich, solche Kriegervereine gesehen zu haben, die Lanzen mit schwarzweißen Fähnchen trugen. § 9 setzt für die Teilnehmer an solchen Vereinen unbefleckten kriegerischen Ruf voraus. Ueber die Aufnahme eines neuen Mitgliedes haben die Aelteren zu bestimmen. § 10. Die Trauerparade marschiert vor dem Sarge in zwei Gliedern sormiert. § 11. Die Trauerparade soll im allgemeinen bestehen beim Begräbnis a) eines Gemeinen: aus 20 Mann in 1 Zuge formiert; d) eines Feldwebels oder Unteroffiziers: aus 30 Mann in 1 Zuge; c) eines Leutnants oder Hauptmanns: aus 40 Mann in 2 Zügen; d) eines Stabsoffiziers: aus 60 Mann in 3 Zügen; e) eines Generals: aus 80 Mann in 4 Zügen; jedoch ist auch eine geringere Zahl von Mannschasten gestattet. § 12. Der Hauptmann des Vereins befehligt die Trauerparade und bestimmt die Personen zur Führung der Züge § 13 gestattet die Mitnahme eines Musikkorps. (Forts. folgt). 8 * Si 9 ten Fäuste an seine Schläfen preßte, rang es sich wie ein Schrei von seinen Lippen: Ich habe es gewollt, aber ich kann nicht— ich bin zu seig! Ich habe ein so fürchterliches Grauen vor dem Sterben.:“ (Schluß folgt.) ste 75 dunst ine Hilsen. Des Sängers Lohn. Eine bezeichnende Episode aus dem Künstlerleben erzählt der„Gil Blas": Eines Tages gehen in Paris drei Freunde spazieren.„Ich möchte gern ausgezeichnet frühstücken,“ sagt der eine.„Ich würde mich auch mit einem Frühstück begnügen, das nicht gerade ausgezeichnet ist,“ sagt der andere.„Und ich,“ bemerkte der dritte,„würde mit jedem Frühstück zufrieden sein". Leider hatten sie alle drei nicht dazu das nötige Geld. Da kam dem einen von den dreien eine Idee. Er führte die beiden zu einem Musikverleger und machte ihm einen Vorschlag: „Kaufen Sie von uns ein Lied; der Herr da hat den Text geschrieben, der andere Herr hat es in Musik gesetzt, ich will es singen, da ich der einzige von uns bin, der Stimme hat.“„Singen Sie es einmal vor,“ sagte der Verleger. Der junge Mann sang, und der Verleger schien befriedigt zu sein. Denn er zahlte für das Lied 15 Frcs., und die drei Freunde eilten strahlend in ein Restaurant. Der Tichter des Textes war Alfred de Musset, der Musiker Monpou, der Sänger Dupré. Das mit 15 Frcs. bezahlte Lied,„Die Andalousierin", trug dem Verleger 40000 Frcs, ein. * c Was Erdbeben kosten. Wie riesig die Verluste bei Erdbeben sind, haben zur Genüge die finanziellen Wirkungen gezeigt, die die Katastrophen von San Francisco und Chile auch in Europa hatten. Professor Milne schätzt in einem Artikel über die Kosten der Erdbeben den Gesamtverlust bei dem Erdbeben von San Francisco auf etwa 1200 Mill. Mark; kostete doch das zerstörte Rathaus allein 24 Millionen. Dazu kommt der Verlust an Menschenleben, von denen jährlich in der Welt im Durchschnitt etwa 3500 Erdbeben zum Opfer fallen. In Perioden, die reich an Erdbeben sind, steigen diese Zahlen natürlich außerordentlich. Am 8. Oktober 1891 verlor Japan 9960 seiner Einwohner, d. h. doppelt soviel, als ihm der Krieg mit China gekostet hat. Die Zahl der Verwundeten belief sich auf 19994. Bei einem einzigen Erdbeben im Jahre 1896 kam der Verlust an Menschenleben in demselben Lande fast auf 30.000. Nach dem Erdbeben von 1891 waren 120 Millionen Mark erforderlich für die Wiederherstellung von Eisenbahnen, Straßen, Brücken und anderen öffentlichen Einrichtungen. Dazu mußten 128 750 Häuser, Fabriken, Tempek und andere Gebäude wieder aufgebaut werden. Bei dem verhängnisvollen Erdbeben in Assam, das im Jahre 1897 eintrat, wurde der Gesamtschaden auf 100 Millionen Mark geschätzt, der zum großen Teil von den Besitzern von Aktien in Eisenbahnen, Teefaktoreien und anderen Industrien getragen werden mußte. Fragt man sich, ob diese Verluste durch Erdbeben, die in einem volkreichen Lande sich immer auf Millionen belaufen, gemildert werden können, so muß man entschieden mit Ja antworten. Eins der Ergebnisse der modernen Seismologie war die Einrichtung von Instrumenten, die die Bewegungen bei Erdbeben messen. Aus einer genauen Kenntnis der Erdbewegungen, die diese Instrumente ermöglichten, konnte man neue Regeln und Vorschriften ableiten, die von Ingenieuren und Baumeistern zu berücksichtigen sind. In Japan und in anderen Ländern sind diese Regeln bei der Konstruktion von Brückenpfeilern, hohen Schornsteinen, Mauern, gewöhnlichen Gebäuden, Dämmen und Reservoirs auch sorgfältig berücksichtigt worden. ! E s h a t s i c h g e z e i g t, d a ß d i e s e n e u e n B a u k o n s t r u k t i o n e n h e f t i g e n Erderschütterungen Widerstand leisten konnten, während die älteren Baulichkeiten in der Nachbarschaft zerstört wurden. So ist bereits viel getan, den Verlust von Leben und Eigentum durch Erdbeben erheblich zu verringern. Durch einen weiteren Ausbau dieser Wissenschaft und genaue Befolgung ihrer Lehren wäre gewiß noch sehr viel mehr zu erreichen. Rebus. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Humor. Der sparsame Sohn. Vater:„Ich halte es für richtig, dir zu sagen, mein Sohn, daß ich mit deiner Sparsamkeit in diesem Semester recht zufrieden bin. Im gen stelltest du wirklich etwas zu große Anforderungen an meine Börsel“„ 16 g. Mi, M2 0 Sohn:„Jawohl, Varer, das kam mir auch so vor, und deshalb habe ich dieses Semester alles auf Pump genommen!“ 2 es esscee e 18 Unterbaltungs=Beilage zu Nr. 190. Dienstag, 16. August 1910. 8 Mebnabene un s a S"!S:w G ig ssg-npSSE: * SST LHEETES cr 2. 3 * B 5 5 S S 2 S S 8 5 #ST S r a ss SHMTMIER 2 hatte, klang hart und befehlend Frau Mabels scharfe Stimme zu ihnen herein: „Fräulein Leuendorff— sind Sie wach?“ Herta machte Eberhard ein warnendes Zeichen. aber mit einer scheinbaren Ruhe, die ihn in Erstaunen setzte, erwiderte sie zugleich: „Ja, Frau Hermann— ich bin wach.“ „So lassen Sie mich wohl auf einen Augenblick bei Ihnen eintreten?— Ich habe mit Ihnen zu wrechen.„ Mäschang hatten mit rasch. Die Augen des jungen Maochens halten mit raschem Blick das Zimmer überflogen, um ein geeignetes Versteck für ihren Besucher ausfindig zu machen. Und sie hatte es schnell gefunden. Mit stummer Handbewegung deutete sie auf den großen Kleiderschrank in der Tiefe des Gemaches. Und dann, mit erhobener Stimme, um das Geräusch zu verdecken, das sein Rückzug in diesen Schlupfwinkel etwa verursachen konnte, sagte sie, gegen die Tür gewendet:..—, Frau Germann: 89. „Aber was gibt es denn, Frau Hermann?— Was können Sie jetzt, um diese Zeit, von mir wünschen? — Ich fürchte mich zu öffnen. Denn ich habe allerlei beängstigende Geräusche gehört, wie wenn fremde Menschen auf dem Balkon oder im Hause wären.“ Sie war die Wahrhaftigkeit selbst, aber die Sorge um den geliebten Mann hatte sie urplötzlich zu der geschicktesten aller Schauspielerinnen gemacht. Sie blieb regungslos stehen, mit gespannter Aufmerksamkeit jede Bewegung Eberhards verfolgend, während draußen die scharfe, unangenehme Frauenstimme weitersprach: „Ach, Unsinn!— Sie haben nichts zu fürchten. Lassen Sie mich, bitte, ein!— Warum haben Sie denn überhaupt Ihre Tür so ängstlich verschlossen?" Gleichzeitig rüttelte Mabel energisch an der Klinke, sichtlich erbost, daß sie ihrem Druck nicht sogleich nachgegeben hatte. „Ich schließe mich des Nachts immer ein, wenn ich mich in einem fremden Hause befinde,“ erwiderte Herta, noch immer ohne sich zu rühren. „Nun gut, so machen Sie mir endlich auf!— Es wäre doch offenbare Narrheit, wenn Sie sich jetzt noch fürchten wollten.“ Jetzt war Eberhard glücklich in den Schrank gelangt, der groß genug war, um ein nicht allzu unbequemes Versteck abzugeben. Mit einigen raschen, vollkommen lautlosen Schritten war Herta bei ihm. Eilig drehte sie den Schlüssel der Schranktür, daß der Riegel knackend einsprang, und ohne Besinnen verbarg sie den Schlüssel zwischen den Kissen des Sofas, wo selbst das schärfste Späherauge ihn nicht leicht entdeckt haben würde. Dann ging sie zur Tür, sperrte auf und ließ Mabel eintreten, die mit einem wahren Polizistenblick das Zimmer bis in sein letztes Winkelchen durchspähte. Sie war sichtlich enttäuscht, aber unverkennbar noch sehr weit davon entfernt, den Verdacht fallen zu lassen, der ihr Eindringen verursacht hatte. „Wer ist auf dem Balkon gewesen?" fragte sie in inquisitorischem Ton.„Sie müssen ihn gesehen haben. Sagen Sie mir, wer es war!“ Damit war sie zum Fenster geeilt, hatte es geöffnet und hinausgespäht, natürlich, ohne irgend etwas zu entdecken, was ihre Wißbegierde hätte befriedigen Herta aber, die in ruhiger, selbstbewußter Haltung ihrem aufgeregten Beginnen zusah, erwiderte gelassen: „Ich sagte Ihnen bereits, Frau Hermann, daß ich durch ein verdächtiges Geräusch auf dem Balkon erschreckt wurde— durch dasselbe vermutlich, das auch Sie gehört haben.“ „Ich rede nicht von dem, was Sie gehört haben, sondern von dem, was Sie sahen. Sie waren ja nicht im Bett wie ich, denn Sie sind vollständig angekleidet. Möchten Sie mir nicht erklären, wie das zugeht? Was hatten Sie in dieser späten Nachtstunde noch so Wichtiges zu tun, daß Sie es verschmähten, sich zur Ruhe zu legen*. 4 Jch „Ich brauche wenig Schlaf, und ich liebe es darum, des Nachts zu lesen,“ gab Herta bereitwillig Auskunft, indem sie mit einer Kopfbewegung gegen das Buch hindeutete, das noch immer offen auf dem Tische lag. Ungläubig schüttelte Mabel den Kopf. „Und was war es, das Sie gehört haben?“ examinierte sie weiter. „Ich kann darüber nicht so genau Rechenschaft geben, Frau Hermann!— Jedenfalls hatte ich den Eindruck, als ob sich draußen etwas Lebendiges bewegte. Und dann vernahm ich ein Oeffnen von Fenstern und Türen, sowie den Klang von aufgeregten Stimmen, was mich natürlich mit Schrecken erfüllen mußte.— Möchten Sie mir nicht sagen, gnädige Frau, ob Sie selbst noch andere Wahrnehmungen gemacht haben*.„.. J4 Mir kahen S: Mah „Mein Vater und ich— wir haben die Wahrnehmung gemacht, daß ein Mann auf dem Balkon war. Und wir sind sehr geneigt zu glauben, daß dieser Mann kein anderer als mein Bruder gewesen ist.“ Während sie das sagte, heftete sie ihre tückisch glitzernden Augen mit einem so durchbohrenden Blick auf Hertas Gesicht, als sollten sie bis auf den Grund ihrer Seele dringen. Aber wenn sie erwartet hatte, irgendein Anzeichen von Verlegenheit oder Schuldbewußtsein zu erspähen, so sah sie sich stark enttäuscht. Was sich in den Zügen der jungen Gesellschafterin spiegelte, hätte unmöglich anders gedeutet werden können, denn als ein Ausdruck aufrichtigen Erstaunens. „Herr Eberhard von Rominger?“ fragte sie zurück. „Ah, das ist doch wohl nicht anzunehmen. Was hätte er denn um diese Stunde der Nacht draußen auf dem Balkon tun sollen?" „Darüber hoffte ich eben von Ihnen Auskunft zu erhalten, Fräulein!— Und ich denke noch jetzt, daß Sie am ehesten imstande sein werden, es mir zu sagen.“ „Ich Die Sicherheit des jungen Mädchens fing nun doch an, die andere irrezumachen. Und es klang etwas weniger zuversichtlich als zuvor, da sie erwiderte: „Ihr Buch da beweist, daß Sie in der Nähe des Fensters gesessen haben müssen. Und es liegt doch wohl nahe, anzunehmen, daß Sie hinaussahen, als Sie das verdächtige Geräusch vernahmen. Es ist draußen beinahe so hell wie am Tage, und es müßte fürwahr mit ganz eigenen Dingen zugehen, wenn Sie den Menschen nicht erkannt haben sollten, der da vom Garten aus den Balkon erkletterte.“ „Ich habe nichts von einem solchen Menschen gesehen, Frau Hermann!— Und ich verstehe nicht, wie Sie annehmen können, daß Ihr Herr Bruder diesen seltsamen und gefährlichen Weg gewählt haben sollte, um in das Haus zu gelangen.“ „Ich habe keine Veranlassung, Ihnen über die Gründe meiner Vermutung Auskunft zu geben,“ sagte Mabel in hochmütig abweisendem Tone.„Und ich will jetzt nicht weiter untersuchen, ob Sie wirklich so ahnungslos und so unschuldig sind, wie Sie sich stellen. Sollte es Ihnen gefallen haben, mir eine Komödie vorzuspielen, so werden Sie ja bald genug erfahren, welchen Dienst Sie damit sich selbst und meinem Bruder erwiesen haben.“ Sie gönnte der Gesellschafterin noch einen haßfunkelnden Blick und fegte dann ohne Gruß aus dem Zimmer, in dem langen weißen Nachtgewand, das ihre mageren Glieder umschlotterte, noch hundertmal häß licher und plebejischer, als Herta sie bisher gesehen. (Fortsetzung folgt.) Jep ursseuslluuuueg W D„ S s 6 55 9 e 3 #• 6 9#0 9 Denkspruch. Es ist ein tieler Segen. Der aus dem Wort dir spricht: „Erfülle allerwegen Getreulich deine Pflicht.“ Julius Hammer. Jeigheit. Aus Warschaus Schreckenstagen von Lothar Brenkendorf. (Nachdruck verboten.) Aergerlich ließ Stanislaw Saluski die Aufforderung zum Eintritt ergehen, als ein leises Klopfen an die Tür seines bescheidenen Studentenstübchens ihn mitten in der emsigsten Arbeit störte. Aber seine verdrießliche Miene hellte sich auf, als er den Eintretenden erkannte. Es war ja nur sein Freund und Studiengenosse, Wladyslaw Chodzko, mit dem man, Gott sei Dank, nicht viele Umstände zu machen brauchte. „Guten Morgen, Alter! Woher des Weges schon so früh? Es ist ja kaum elf Uhr, und ich denke, du liegst um diese Zeit gewöhnlich noch in den Federn.“ Der Besucher hatte seine Kopfbedeckung an den Kleiderhaken gehängt und ließ sich nun, ohne seinen dicken, an den Nähten vielfach durchscheuerten Ueberrock abzulegen, auf den Stuhl neben dem Ofen nieder. „Ja, für gewöhnlich,“ sagte er mit merkwürdig schleppender und klangloser Stimme.„Aber heute bin ich schon lange auf den Beinen— schon sehr lange.“ Er hatte die Ellbogen auf die Knie gestützt und starrte mit leerem Blick unverwandt auf einen großen Tintenfleck neben dem Schreibtisch. Stanislaw bemerkte, daß er sehr blaß, beinahe erdfahl war und breite dunkle Schatten unter den Augen hatte. Aber er wußte, daß es ihm schlecht ging, und er hatte ihn noch nie viel blühender gesehen. Weshalb also viele Worte darüber verlieren! „Ein Gläschen, Alter?“ Der Gefragte schüttelte den Kopf. „So nimm wenigstens eine Zigarette. Der Kasten steht neben dir auf dem Tischchen.“ Doch Wladyslaw rührte sich nicht. Er hatte so manchmal seine Stunden, in denen nichts mit ihm anzufangen war. Aber es war sonst wenigstens nicht seine Gewohnheit gewesen, in derartiger Verfassung Besuche zu machen. Stanislaw fand seine Anwesenheit höchst überflüssig, und nach einer kleinen Weile der Unentschlossenheit sagte er geradeheraus: „Wenn du dir ein Buch nehmen möchtest, Alter,— ich bin nämlich gerade so gut im Zuge mit meiner Arbeit und du weißt, das passiert mir nicht allzuoft.“ „Nein, ich mag nicht lesen. Aber ich will dich auch nicht stören. Wenn du mir nur erlauben möchtest, mich ein bißchen zu wärmen. Es ist eine Kälte draußen, die einem bis auf die Knochen dringt. Nachher werde ich schon wieder gehen.“„ 66 Mat und vimm ein Grsg. „Immerzu! Leg dich aufs Bett und nimm ein Gläschen. Das wärmt besser als ein Ofen.“ Wladyslaw lehnte wieder ab, aber er legte sich in seinem dicken Ueberzieher, der naß war vom Schnee, auf das Bett des Freundes und starrte ebenso geistesabwesend zur Decke, wie er vorher auf den Tintenfleck gestarrt hatte. „Du nimmst mir's also nicht übel, wenn ich fortfahre zu arbeiten?“. „Nein, ich will dich nicht stören," wiederholte der andere mechanisch.„Ich will nur bei einem Menschen sein. Und nachher— nachher werde ich schon wieder Stanislaws Feder flog aufs neue über das Papier, und nach einer kleinen Weile hatte er die Anwesenheit und nach einer kleinen Weile hatte er die Anwesenheit des andern ganz vergessen. Es mochte wohl schon eine halbe Stunde vergangen sein, da knirschte es hinter schrak er wirklich vor diesem geisterbleichen Gesicht mit den unheimlich großen starren Augen, deren Pupillen ganz unbeweglich schienen,.#n#### Sn et. „Was hast du denn, Alter?“ fragte er.„Ist dir's richt gi“ Wladyslaw stand auf und kastete nach dem Kleidertoten „Ich muß fort,“ murmelte er.„Es ist Zeit, daß ich wieder gehe.“ Stanislaw war im Grunde froh, ihn loszuwerden; aber es war etwas so Mitleiderweckendes— nein, mehr als das: etwas so Unheimliches in dem Wesen seines Freundes, daß sich sein gutes Herz dagegen sträubte, ihn in diesem Zustande fortzulassen. „Höre, Alter,“ meinte er.„Es ist irgendwas mit dir nicht in Ordnung. Soll ich uns von meiner Wirtin ein Frühstück machen lassen? Ihre hübsche Tochter wird es uns bringen. Vielleicht frischt das deine Lebensgeister wieder auf. Grchr kay unsemzz Täättert Den mageren korper des anderen schüttelte es wie Fieberschauer. Stanislaw glaubte zu hören, wie seine Zähne aufeinanderschlugen. „Laß das Mädchen nicht hereinkommen— ich bitte dich. Ich kann kein Weib sehen— ich kann nicht.“ „Ist es das?— Hat deine Stefania dich betrogen?“ Wladyslaw sah ihn mit leeren Augen an, und dann — mit einer merkwürdig langsamen, widerstrebenden Bewegung der Lippen, wie wenn sie die Worte gegen seinen Willen hervorbrächten, sagte er: „Sie ist tot.“ Stanislaw fuhr apf. 4##uig m 6. „Und das sagst du erst jeh.: Mensch, um des Himmels willen— ist das Wahrheit? Wann— wie ist es geschehen?“ „Gestern abend. Ich habe sie erschossen.“ Der Student taumelte gegen seinen Schreibtisch zurück. Für einen Moment wurde es ihm schwarz vor den Augen. Dann aber raffte er sich auf, packte den Besucher, der schlaff und unbeweglich vor ihm stand, an beiden Schultern.„Du lügst,“ schrie er.„Ich sage dir, du lügst! Du bist verrückt oder betrunken.“ „Nein, ich bin ganz nüchtern. Es ist die reine Wahrheit. Seit gestern abend liegt sie tot auf dem Teppich in meinem Zimmer— so wie sie hinfiel, als ich den Revolver abgedrückt hatte. Da ist er.“ Er zog die Waffe aus der Tasche, während seine Glieder wieder im Schüttelfrost schlotterten. Seine blutlosen Lippen aber verzerrten sich zu einem gräßlichen Lächeln. In diesem Augenblick wußte Staniskaw, daß ihm Wladyslaw Chodzko wirklich die Wahrheit gesagt hatte. Und da er ein tapferer Bursche war, zwang er seine furchtbare Erregung nieder. Erst mußte er alles gehört haben, ehe er einen Entschluß faßte, was mit diesem Unseligen zu beginnen sei. Er nahm ihm den Revolver aus der Hand und drückte ihn auf einen Stuhl nieder. „Was hatte sie verbrochen, daß du ihr das getan hast?“ „Es geschah, weil sie es so wollte. Wir hatten beschlossen gemeinsam zu sterben. Seit zwei Monatrg schen quälte sie mich unaufhörlich, es zu tun. Ich mur# endlich nachgeben— meine Widerstandskraft wour unter ihren unaufhörlichen Bitten zusammengebrochen. Wir aßen miteinander zu Abend, lasen Gedichte, und dann, als sie sagte, daß es Zeit sei, „Es ist gut— ich weiß ja, was dann geschah. Aber hattest du denn nicht die Absicht gehabt, mit ihr zu Wladyslaw nickte, und dann, während er die geball1 Seite 3. Schwerter Zeitung.(Amtl. Kreisblatt.) Dienstag, den 16. August 1910. Nr. 190. Miarenioger, deischend in Portemonnalten, Zederhaltemn, Taschenfeuerzeugen, Zigaretten, Gebäck u. a. m., entdeckt. Zur persönlichen Verteidigung waren Taschenteschings mit Hunderten dazu passenden Patronen, sowie Dolchmesser vorhanden. Es stellte sich heraus, daß die hoffnungsvollen Bürschchen alles dies in hiesigen Geschäften geraubt hatten. Die Bande nannte sich Sriet=Vereint. * Vorbeck, 15. Aug.(Verbrüht.) Vorgestern geriet ein 12jähriger Knabe von hier auf der Halde der Zeche Prosper I in die flüssige Masse und fand seinen Tod durch Verbrühung und Erstickung. Am folgenden Tage bedurfte es längerer Arbeit, ehe die Leiche geborgen werden konnte. Letzte Drahtmeldungen. Durch Ueberfahren getötet. Hameln, 16. Aug. Gestern nachmittag wollte die 29jähr. Ehefrau des Schauspielers Strauß ihr 1½jähriges Kind vor dem Ueberfahrsen retten. Die Frau wurde dabei selbst überfahren und getötet. Das Kind blieb unverletzt. Gravelptte=Gedächtnisseien Metz, 16. Aug. Der zweite Tag der Gedenkfeiern um Metz, der Gedenktag auf dem Schlachtfelde von Gravelotte und St. Hubert, ist bei schönem Wetter verlaufen. Generalfeldmarschall Gyaf Haeseler wurde bei der Ankunft mit breiusenden Hurras empfangen. Am Denkmal der 42er hielt Bürgermeister Dr. Böhmer in Anwesenheit der Spitzen der Zivil= und Militärbehörden die Gedächtnisrede, die in ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den deutschen Kaiser ausklang. Ein Vorübermarsch der Veteranen vor dem Grafen Haeseler schloß die Feier. Die arktische Zeppelinexpedition. Hammerfest, 16. Aug. Der Dampfer„Mainz“ ist gestern mit der Zeppelinexpedition an Bord hier eingetroffen. Die Expedition ist bei günstiger Witterung verlausen. Eo wurde ein Aufstieg mit einem Fesselballon unternommen; dabei wurden Stellen gefunden, die als Ausgangspunkte für spätere Aufstiege dienen können.— Der deutsche Konsul wurde gestern zum Frühstück beim Prinzen Heinrich eingeladen. Zur Eisenbahnkatastrophe in Frankreich. Pontallier, 16. Aug. Dem Präsidenten Fallières wurde auf dem Bahnhof folgendes Telegramm des deutschen Kaisers zugestellt: Von der schrecklichen Katastrophe in Saujon lebhaft bewegt, bitte ich Eure Exzellenz, mein aufrichtiges Mitgefühl mit den zahlrpichen Opfern und der Trauer ihrer heimgesuchten Familien entgegenzunehmen.— Präsident Falllières erwiderte auf das Beileidstelegramm des Kaisers folgendes: Ich bin auf das tiefste von der Teilnahme gerührt, die Eure Majestät gütigst an der Trauer genommen, die zahlreiche Familien Frankreichs betroffen hat, und danke Euxer Majestät auf das aufrichtigste, daß Sie den zastsinnigen Gedanken gehabt haben, sich unserer Trauer anzuschließen. Die Südpolarexpedition Scotts. Kapstadt, 16. Aug. Das seit längerer Zeit überfällige Expeditionsschiff„Terra nova“, des Südpolatsorschers Scott, über dessen Schicksal man schon in Sorge war, ist am Kap der guten Hoffnung gesichtet worden. Die Hochwasserkatastrophe in Japan. Tokio, 16. Aug. Nach amtlicher Feststellung sind infolge der jüngsten Ueberschwemmungen 1112 Personen umgekommen bezw. werden vermißt. 3953 Häuser sind vom Wasser fortgerissen. Tausende Menschen sind obdachlos und aus die öffentliche Wohltätigkeit angewiesen. Große Waldbrände in Nordamerika. Spekane(Washington), 16. Aug. Der Waldbrand in Nord Idaho nimmt immer größere Ausdehnungen an. Zur Bekämpfung des Feuers sind in aller Eile Truppenverstärkungen abgeschickt. Die Ortschaft Tast mit zweihundert Hänsern ist den Flammen preisgegeben worden. Ein Lebenomittelzug mit 35 Menschen wird vermißt. Eine Anzahl Personen, darunter Freuen und Kinder, befinden sich, von Flammen umgeben, in Squawereck. Man befürchtet, daß es den abgesandten Rettungsmannschaften nicht gelingen wird, rechtzeitig Hilfe zu bringen. Humoristische Ecke. Immer Sportler. Autlev(zu seinem Diener):„Seien Sie doch nicht gar so schwer von Begriff, Jean! Sie denken ja kaum mit 20 Klm. die Stunde!“ Ahnung. Student:„Ich fürcht', durch das Loch in meinem Wissen werd' ich beim Examen fallen!“ Treffend. Lehrjunge:„Meesterin, Sie werden sicher mal ooch in ner Siegeshalle ausgestellt...“— Meisterin:„Ick? Wieso?“— Lehrjunge:„Weil Sie immer beim Streit mit'm Meester Siegerin bleiben!“ Argwöhnisch. Frau(eines Arztes):„Mein Mann will mich mehrere Wochen aufs Land schicken. Ich glaube, das tut er mehr als Mann wie als Arzt.“ Wetterbericht der Deutschen Sewarte. 16. Aug.: Vielfach Regen, schwül warm, windig. 17. Aug.: Veränderlich, normal warm, windig. 18. Aug.: Wolkig mit Sonnenschein, warm, Gewitter. 19. Aug.: Bewölkt, teils heiter, teils Regen, Gewitter. 20. Aug.: Meist bedeckt, trübe. normal warm. Seste aene ae e. pen, die der Säugling zu bewältigen kaum imstande ist. Tritt zu diesem Nachteil noch der Umstand, daß die Milch im Sommer leicht säuert, so rückt die Gefahr der Magen= und Darmerkrankungen immer näher heran Wer nun sein Kind diesen Gefahren nicht aussetzen will, ernähre es mit Nestle's Kindermehl, und er wird mit dem Erfolg zufrieden sein. Grosser Sommotwaroi-Vertaut Die in der Saison angesammelten Reste sowie alle Sommerwaren sollen unbedingt geräumt werden und verkaufe ich von Morgen, Mittwoch, 17. d. Mts., an diese Waren zu einem äusserst, noch nie dagewesen billigen Preis. Schwer Pernruf 176. ist das Hamb. Engros-Lager 4492 Schwerte, Ostenstrasse 20. = Fernsprecher 233. Kuverts mit und ohne Druck sind zu haben in Carl Braus Buchdruckerei. Zum eisernen Bestand Ihrer Küche gehören K K Sie verühgen damik über einen ziete gebrauchsfertigen Vorrat an haltbarer Fleischbrühe. 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