Antriches Kreisbialr. Schwerter Volksblatt D General-Anzeiger für den Kreis hörde D Schwerter Volks-Zeitung #####mie becz, und lokeslpolzelichen Verorchungen füie den breia Die“schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Ik. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Besteillgeld 42 Pig. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage: Illustrierter Familientreund“ und tägl. Unterhaltungs-Blatt. Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihrer BedingII. Unterstützung Erstes und ältestes Cagesorgan des hreises O haupt=hnnoncenbian Aile kreis- und lokalposlzeinlühen Helblünungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröftentlichung in der“schwerter Zeitung" rechtso o o o o o verbindliche Kraft o o o o c 9 Druck und Verlag von Carl Braus,(Inhaber Paul Schlemann) Schwerte-(Ruhr)= 2 Fernsprecher Nr. 62. Nr. 14. Dienstag, den 18. Januar 1910. 42. Jahrg. Erstes Wlatt. Neueste Nachrichten. Das Kampfministerium Khuen=Hedervary. Budapest, 18. Jan. Die Ministerliste, die heute im blatt veröffentlicht wird, lautet folgendermaßen: Präsidium Graf Khuen=Hedervary, der auch das Ministerium des Innern leiten und interimistisch das Amt eines Ministers für Kroatien und eines solchen des Königlichen Hoflagers bekleiden wird; Finanzminister Ladislaus Lukacs, Handelsminister Karl Hieronyai, Ackerbauminister Graf Serenyi, Justizminister Kronanwalt Dr. Szekely. Morgen findet in Wien die Vereidigung der neuen Minister statt. An demselben Tage erscheinen die scheidenden Minister in Abschiedsaudienz. Die englischen Wahlen. London, 18. Jan. Bis 11,15 Uhr abends waren gestern gewählt: 74 Unionisten, 59 Liberale, 10 Mitglieder der Arbeiterpartei und 13 Nationalisten. Die Unionisten gewannen 28 Sitze, die Liberalen 7, die Arbeiterpartei gewann einen Sitz. Der Präsident der Lokalverwaltung, Burns, wurde in Batterasea wiedergewählt mit einer Mehrheit von 645 Stimmen. Der Finanzsekretär der Admiralität Mac Namara wurde in Camberwell gewählt und der Chefsekretär für Irland, Birrel, in Bristol. In der City von London erhielten die Unionisten Baljour und Banbury 17907 resp. 17302 Stimmen. Der Liberale Bell erhielt 7623 Stimmen. Balfour und Banbury sind mithin gewählt. Gateshead(Durham) wurde der Arbeiterpartei von den Liberalen genommen. Gegen den Branntwein. Petersburg, 18. Jan. Auf dem zurzeit hier tagenden ersten russischen Kongreß zur Bekämpfung der Trunksucht ist ein neuer Konflikt entstanden. Sämtliche Mitglieder des Finanzministeriums haben ihre Mitarbeit eingestellt, da ein Kongreßmitglied das Finanzministerium beschuldigte, Förderer des geheimen Schnapshandels zu sein, während ein anderes Mitglied den ehemaligen Finanzminister Witte, den Gründer des Schnapsmonopols, einen Staatsverbrecher nannte. Falls ein weiterer Zwischenfall sich ereignen sollte, wird der Kongreß sofort vertagt werden. Russische Unterschleife. Petersburg, 18. Jan. Die Untersuchungskommission hat bei der Jekaterinobahn allein in den letzten drei Jahren vorgekommene Unterschleife in Höhe von 7 Millionen Rubel festgestellt. Es gilt als sicher, daß nunmehr der Befehl zur Untersuchung des gesamten Eisenbahnwesens gegeben wird. Weitere Meldungen s. unter„Letzte Drahtmeldungen“. Zur Jahrhundertfeier des preußischen Ordensfestes. Auf ein hundertjähriges Bestehen kann das preußische Orensfest, welches einem alten Brauche nach die am Berliner dofe alljährlich in der Fastnachtszeit stattfindenden Winterestlichkeiten eröffnet, diesmal zurückblicken. Seinen Ursprung arf man wohl auf die Feierlichkeiten zurückleiten, welche König friedrich I. nach seiner Krönung als erster„König in Preußen“. ür die Ritter des von ihm bei diesem wichtigen Anlaß gestifeten Schwarzen Adlerordens veranstaltete und jährlich bis seinem Tode am Jahrestage der Geburt des jungen Hohenollern'schen Königtums wiederholte. In seiner jetzigen Form tber ist es zum erstenmal im Jahre 1810 gefeiert worden. König friedrich Wilhelm III. war es, der in der Zeit der Wiederaufichtung des friderizianischen Staatsbaues nach den Unglücksjahren 1806 und 1807 dem Feste ein wesentlich anderes Gepräge gab, welches es noch heute besitzt, das Gepräge eines Festes für alle, welche einer Auszeichnung an Allerhöchster Stelle für würdig befunden worden sind. Wie manches andere hatte der allem äußeren Prunk abholde Nachfolger des ersten preußischen Königs, der haushälterische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., alsbald nach seinem Regierungsantritt die Gebühren für die Ordensbeamten und die Ausgaben für das Fest der Ritter des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler aus dem Etat der Hofhaltung gestrichen. Das Fest wurde unter seiner Herrschaft wie während der Regierung der beiden folgenden Könige, des großen Friedrich und Friedrich Wilhelm II., nicht mehr abgehalten. Es erstand erst wieder, in ganz veränderter Form, als König Friedrich Wilhelm III. an der Seite seiner hohen Gemahlin, der unvergeßlichen Königin Luise, getragen von der Liebe und Verehrung des Volkes, nach dreijähriger Abwesenheit wieder das ehrwürdige Hohenzollernschloß an den Ufern der Spree bezogen hatte. Es drängte den edlen Landesvater, dem Volke für die in schwerer Zeit bewiesene unerschütterliche Anhänglichkeit einen Beweis seiner Dankbarkeit entgegenzubringen. Diesem Gedanken gab er Ausdruck, indem er aus seinem eigensten Empfinden ein Fest schuf, welches die innige Verbindung und Gemeinschaft der preußischen Könige mit ihrem Volke aller Welt offenkundig bortyt. Ct, 6 2 in um Wie ein jeder an seiner Stelle, sei es ein Amt oder ein Privatberuf, an der Wiederbelebung des Staatswesens nach besten Kräften mitwirkte und— wie das heiße Sehnen des Volkes es wünschte,— alle ohne Unterschied der Geburt und des Standes unter Einsetzung von Blut und Gut dazu berufen waren, Preußens frühere Machtstellung in einem letzten großen Entscheidungskampfe mit dem fremdländischen Bedrücker wieder zu gewinnen, so wollte des Königs hoher Sinn die Grenzen beseitigt wissen, welche bis dahin zwischen den einzelnen Klassen der um den Staat verdienten Persönlichkeiten gezogen waren. In der bezüglichen Urkunde vom 18. Januar 1810 ist ausgesprochen:„Die preußischen Orden und Ehrenzeichen geben ihrem Besitzer das Recht, außr den Amtsve hältnissen als die ersten ihres Ranges und Standes geehrt zu werden". Jeder, dem eine äußere Auszeichnung zuerkannt wurde, sei es als Lohn für eine hervortretende Tat oder Anerkennung für langjähriges und treues Wirken in der Stille, sollte daher bei der für alle Dekorierten gemeinsam veranstalteten Feier öffentlich und in gleicher Weise als ein verdienstvoller Mann gekennzeichnet werden. Jene Urkunde bestimmte ferner, daß zwei neue Arten von Dekorationen, den bestehenden hinzutreten sollten: Der von Ansbach=Bayreuth übernommene Rote Adlerorden, der mit seinen damals vorhandenen drei Klassen zum zweiten Orden des preußischen Staates erklärt wurde, und das in zwei Klassen gegliederte Allgemeine Ehrenzeichen. Das Fest fand im Jahre 1810 und auch noch in den folgenden Jahren in zwei getrennten Teilen statt, und zwar wurde am 18. Januar— gleichviel auf welchen Tag dieses Datum fiel— die feierliche Aushändigung der Orden usw. an die neu zu Beleihenden vorgenommen, welcher die Vorstellung bei Ihren Majestäten folgte, während am nächsten Sonntage.- im Jahre 1810 am 21. Januar— Festgottesdienst und das Festmahl im Schloß sich anreihten. Später wurde dann die gesamte Feier vereinigt und, je nachdem der 18. Januar in die erste oder in die zweite Hälfte der Woche fällt, an dem Sonntage vor oder nach diesem Datum abgehalten. Es sollten alle Eingeladenen, ohne eine Störung in ihren Berufsgeschäften zu erleiden, in die Lage versetzt werden, dem Rufe des Königs in sein Schloß und an seine Tafel zu folgen. Seitdem ist die Feier des Ordensfestes mit Ausnahme der Jahre, in denen kriegerische Ereignisse den König und sein Heer zu ernstem Tun in Anspruch nahmen, als ein würdiges und teures Vermächtnis König Friedrich Wilhelm III. von seinen Nachfolgern auf dem Thione jährlich bis auf den heutigen Tag im alten und, der erhöhten Bedeutung des Staates entsprechend, noch vermehrten Glanze aufrechterhalten und als eine besondere Eigentümlichkeit des Hohenzollernhofes an der Spree gepflegt worden. Deutscher Reichstag. Der Reichstag erledigte die Interpellationen betr. Privatbeamten=Versicherung und beschäftigungslose Tabakarbeiter. Die Unterstützungssumme für letztere wird von 4 auf 6 Millionen Mark erhöht.„ G#s 81 Die erste Interpeuation wurde von den Abgg. Sittart (Ztr.) und Stresemann(natl.) begründet. Staatssekretär Delbrück wies auf die außerordentlichn technischen Schwierigkeiten hin, die zu bewältigen seien und die verhinderten, daß alsbald eine Vorlage gemacht werden könnte. In Verbindung mit der Arbeiterversicherungsreform könne die Materie erst gebracht werden. In der Debatte bedauerten die Abgg. Droescher(kons.). Harmann(freis.), Heine(Soz.), Linz(Rp.), Breiski (Pole) und Burckhardt(W. Vg.) die Verzögerung. Die Interpellation betr. Unterstützung an arbeitslose Tabakarbeiter wurde vom Abg. Geyer(Soz.) begründet. Reichsschatzsekretär Wermuth stellte fest, daß bis jetzt 1615 000 M unter 46000 Antragsteller verteilt worden sind. Er hoffe auf eine zufriedenstellende Beendigung der ganzen Aktion. An der Debatte beteiligten sich die Abgg. Giesberte (Idr.), Liebermann(kons.), Contze(natl.), Harmann(freis.) v. Oertzen(Rp.), Brejski(Pole), Burckhardt(W. Vg.) und Molkenbuhr(Soz.). Dienstag 1 Uhr: Interpellation betr. Mansfeld und Vereinsgesetz. Schluß 6¼ Uhr. — Preußischer Landtag. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Montag die 89cscctr ves.. uge edehaente un Unter großem Lärm des Zentrums polemisierte Abg. Wiemer(frs. Vg.) gegen den Abg. Herold, der anstatt zum konfessionellen Frieden, zum konfessionellen Streit gerufen habe. Dem Großblock erteilte der Redner eine bündige Absage. Abg. Frhr. von Zedlitz(frks.) rief die staatserhaltenden Parteien zu gemeinsamer Arbeit für das Vaterland auf, empfahl Förderung der Industrie und warnte davor, die Kirche über die Schule herrschen zu lassen. Ein lebhaftes„hört, hört" der Rechten entwickelte Finanzminister Rhein baben, der die bekanntlich von Prof. Delbrück aufgestellten Behauptungen von Steueruntereinschätzungen auf dem platten Lande für gänzlich unbegründet erklärte. Als der nächste Redner, Abg. Hirsch(Soz.) nach einer Absage an den Reichskanzler den Passus der Thronrede über die Wahlreform als Volksverhöhnung bezeichnete, wurde er ersucht, sich größerer Zurückhaltung zu befleißigen. Fortsetzung Dienstag. Schluß gegen 4 Uhr. —0— Parlamentarische Nachrichten. Berlin, 18. Jan. Die Rechnungskommission des Reichstags erledigte gestern in dreistündiger Sitzung aus der Reichshaushaltsübersicht für 1906 die Kontrolle der Ausgaben des Auswärtigen Amtes und des Reichsamts des Innern. Der Reichstag hat seinerzeit den Beschluß gefaßt, aus dem Kaufmannsstande zu berufende Aufsichtsbeamte als Handelsinspektoren einzuführen, welche anstelle der Polizeibeamten die Durchführung der Bestimmungen zum Schutze der Gehilfen und Lehrlinge überwachen sollen. Wie eine Korrespondenz hört, besteht beim Bundesrate keine Neigung. diesem Beschlusse Folge zu leisten. Auch der vom Reichstage angeregte Gedanke der Ausarbeitung eines Gesetzes über die Freiheit des Grundeigentumerwerbes findet keine Zustimmung. Zur Reform der Eingeborenen= Rechtspflege. Das in der Thronrede angekündigte Gesetz über die Einrichtung eines kolonialen Revisionsgerichtshofes wird dem Reichstage Anfang März zugehen. — Politische Uebersicht. Deutschland. neue Automobilgesetz. Die Verkehrsvorschriften des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 27. März 1909 treten am 1. April dieses Jahres in Kraft, während die in dem Gesetze gegebenen Haftpflichtbestimmungen bereits seit dem 1. Juni 1909 in Kraft stehen. Die neuen Verkehrsvorschriften sind für alle Besitzer von Kraftfahrzeugen von großer Wichtigkeit, denn das Gesetz bestimmt, daß der Führer eines Kraftwagens einen Befähigungsnachweis abgelegt haben und einen Führerschein besitzen muß. Diese Bestimmung gilt nicht nur für gewerbsmäßige Chauffeure, sondern für alle die das Steuer eines Kraftwagens nach dem 1. April leiten wollen. Gleichzeitig treten die neuen Strafvorschriften im Kraft, die erheblich strenger sind wie die bisherigen. Der Bundesausschuß für auswärtige Angelegenheiten, der bisher nur selten und bei besonderen Anlässen einberufen zu werden pflegte, soll, wie der bayrische Ministerpräsident Freiherr von Podewils gelegentlich der Etatsberatung in der Kammer erklärt hat, gemäß der seinerzeit vom Reichskanzler Fürsten Bülow gegebenen Zusage künftig zu normaler Tätigkeit berufen sein. Reichskanzlev Dr. von Bethmann Hollweg habe sich zu dieser Zusage rückhaltlos bekannt, und in Bundesratskreisen sei die Besorgnis geschwunden, daß durch die Tätigkeit des Ausschusses die einheitliche Leitung der auswärtigen Angelegenheiten gestört werden könnte. Deutsche Fortschrittspartei. Nach dem Ergebnis des Delegiertentages der freisinnigen Volkspartei darf nunmehr die Vereinigung der linksliberalen Fraktionen als seltstehend erachtet werden. Besonders von süddeutscher Seite war vorgeschlagen worden, die Partei einfach Volkspartei zu nennen. Dagegen wehrte sich jedoch besonders Herr Rektor Kopsch. der meinte, eine solche Bezeichnung würde von den Sozialdemokra Seile 2. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Dienslag, den 18. Januar 1910. Nr. 14. ten weidlich gegen den Freisinn ausgenutzt werden Einwand ist zwar für Uneingeweihte nicht ganz verstandlich, er genügte, um diese Bezeichnung zu Fall zu bringen. Die neue freisinnige Partei wird also nunmehr Deutsche Fortschrittspar= tei heißen. Auf den Namen kommt's ja nicht an, wir werden uns ansehen was die fusionierten Fraktionen zu leisten imstande sind. Der preußische Finanzminister als Major. Die Neue gesellsch. Korr. meldet, daß dem preußischen Finanzminister Freiherrn v. Rheinbaben, der schon beim Jubiläum des 1. branden burgischen Ulanenregiments Nr. 3 dessen Uniform erhielt, der Charakter als Major verliehen worden ist, mit dessen Abzeichen er bereits am Sonntag auf dem Krönungsfeste erschien. Die christlichen Gewerkschaften gegen den Unternehmer=Arbeitsnachweis. Gegen die Rechtslosmachung der Arbeiterschaft durch die Errichtung der einseitigen„Unternehmer=Arbeitsnachweise", erhoben die christlichen Gewerkschaften Sonntag in Barmen Einspruch in einer stark besuchten Versammlung. An Stelle des als Redner angemeldeten Generalsekretärs der christlichen Gewerkschaften, A. Stegerwald=Köln, behandelte Wernerius aus Duisburg das Thema. Schließlich wurde eine scharfe Entschließung angenommen. Ausland. Kroatien. Auslandschikanen. Die kroatische Landesregierung erließ eine Verordnung, wonach jeder Auswanderer bei der Kroatischen Bank für Handel, Gewerbe und Industrie in Agram mit 4 Kronen gegen Tod, Unfall und Gepäcksverlust zu versicher ist. Die Dampfschiffahrtsgesellschaften vermochten es nicht zu übernehmen, den Auswanderern für die Versicherung 4 Kronen abzunehmen, die jede gute Versicherungsanstalt für 70 Heller besorgt. Da die bisherigen Vorstellungen nichts nützen, so wiesen die Hamburg=Amerika=Linie, der Norddeutsche Lloyd, die Red=Star=Linie, die Holland=Amerikalinie, die Compagnie Generale Transatlantique und Austro=Americana ihre Agramer Vertreter an, bis zur Klärung der Angelegenheit durch weitere Verhandlungen keine Auswanderer aufzunehmen. Der Statthalter von Kroatien droht jetzt mit KonzessionsentFrankreich. Ein neues Maschinengewehr. Dem„Pett Parisien" zufolge werden zurzeit in der staatlichen Waffenfabrik von St. Etienne mehrere Exemplare eines neuen Maschinengewehres vollendet, welches außerordentliche Vorzüge besitzen soll. Der Erfinder des Maschinengewehres ist Major Chauchat. Das Gewehr soll nur 8 Kilogramm wiegen und von einem Soldaten bedient werden, der in der Minute 300 Schuß damit abgeben kann. Serbien. Eine neue Heldentat des Prinzen Georg. Die zwischen dem Prinzen Georg und dem Stadtpräfekten Alimpie bestehenden Differenzen führten beim letzten Hofball zu einem neuerlichen Konflikt. Als der Prinz des Präfekten ansichtig wurde, rief er, mit dem Finger auf ihn zeigend, zu dem russischen Dragoman:„Sehen Sie sich diesen Hund an!" Der Prinz sprach dies so laut, daß Alimpie es hörte. Alimpie suchte sofort den Ministerpräsidenten Pasie auf, wobei er vom Prinzen, mit dem er nochmals zusammentraf, wiederum beschimpft wurde. Alimpie beschwerte sich, verließ den Ball und reichte seinen Abschied ein. Das letzte Renkontre mit dem Prinzen hatte er gleichfalls im Palais gelegentlich des Patronatsfestes des Königs. Auch damals suchte Alimpie um seine Entlassung vom Amt nach, ließ sich aber bestimmen, noch zu bleiben. Türkei. Eine Konsularkonvention mit Deutschland. Wegen des Abschlusses einer Konsularkonvention mit dem Deutschen Reich begeben sich demnächst nach Berlin Völkerrechtsprofessor Popowilien von der Konstantinopeler Universität und Kabinettsprofessor im Ministerium des Aeußeren Dr. Stanislaus Antschew. vorher erlassen. Da der Vorsitzende seit 23 Jahren also gehandelt hat, so müßten grundsätzlich alle in diesem Zeitraume erfolgten Beschlüsse ungültig sein. *( W a r n u n g v o r d e r A u s w a n d e r u n g n a c h B r a s i l i e n.) W i e wir aus den zuständigen amtlichen Quellen zu Para erfahren, läuft das Gerücht um, daß im ganzen 500 Arbeiter aus Deutschland nach Brasilien für den Bau der Madeira=Monnore=Bahn eingeführt werden sollen. Vor der Auswanderung Deutscher zu dem bezeichneten Bahnbau kann angesichts der sehr ungünstigen Verhältnisse in Brasilien, sowie mit Rücksicht auf die gestellten sehr ungünstigen Arbeitsbedingungen nur auf das dringendste gewarnt werden. *(Von der Eisenbahn.) Am Abend eines Sonntags im März vorigen Jahres fuhr eine Gesellschaft von 7 Mann von Endersbach nach Stuttgart in der 2. Klasse statt in der 3., für die sie Fahrkarten hatten. Als sie in Endersbach einstiegen, war in der 3. Klasse angeblich kein Platz, weshalb sie sich in das anstoßende Abteil 2. Klasse des gleichen Wagens setzten. Dem durch den Wagen gehenden Zugführer sagten sie das, der ihnen sagte, daß am Ende des Zuges noch ein fast leerer Wagen 3. Klasse laufe. Hinter Waiblingen kontrollierte der Schaffner die Fahrkarten; inzwischen war in dem anstoßenden Abteil 3. Klasse wieder Platz geworden, was der Schaffner den Reisenden sagte; diese blieben aber sitzen, wurden in Stuttgart vorgeführt und erhielten Strafbefehle über je 6 M. Auf die von zweien der Reisenden beantragte gerichtliche Entscheidung wurden vom Schöffengericht Stuttgart beide freigesprochen mit folgender Begründung: Nachdem die Reisenden dem Zugführer den Grund ihres Aufenhalts in der höheren Wagenklasse gesagt hatten und dieser sie nicht ausdrücklich aufforderte, umzusteigen, sondern sie nur auf das Vorhandensein leerer Plätze in der 3. Klasse aufmerksam gemacht hatte, konnten die Reisenden sich für berechtigt halten, weiter in der 2. Klasse zu fahren; man konnte ihnen auch nicht zumuten, in Waiblingen umzusteigen, und da die Reisenden in dem Verhalten des Zugführers ein stillschweigendes Einverständnis erblicken konnten so mußten sie aus subjektiven Gründen freigesprochen werden. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, und zwar auf Veranlassung der Generaldirektion der württembergischen Staatseisenbahnen. Die Strafkammer des Landg:Bedrohtes Deutschtum in Australien. In Tasmanien, der Garteninsel des australischen Bundes, leben etwa 1000 Deutsche zerstreut. Nur in dichtester Nähe der Hauptstadt Hobarttown am nordöstlichen Ausläufer des Mount Wellington haben sie eine geschlossene Siedlung gegründet, der sie in der Begeisterung des Gründungsjahres 1871 den stolzen Namen„Bismarck“ gaben. Insgesamt 30 deutsche Fai machten sich dort seßhaft. Mit zähem Fleiß schufen niere in einem unwirtlichen Höhentale inmitten wilder Felsen eine fruchtbare Aue, in der Wiesen und Felder mit ertragreichen Obst= und Gemüsegärten abwechseln, ein Denkmal deutscher Kraft und Tüchtigkeit. Leider droht auch diesem Stückchen deutschen Kulturbesitzes, wie schon so manchem auf australischem Boden der Untergang. Der Stamm der Gründer ist fast ausgestorben, und da es an Mitteln zur Errichtung einer deutschen Schule und Kirche fehlte, so sind die Enkelkinder sprachlich zumeist dem Deutschtum verloren gegangen. Heute hört man bei den Spielen der Dorfjugend kaum noch ein deutsches Wort. Erfreulicherweise hat nach den Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Auslande sich der deutsche Konsul in Hobarttown Dehles in neuester Zeit der Gemeinde besonders angenommen. Er hat in der Hauptstadt den einzigen in Tasmanien bestehenden deutschen Verein gegründet und dieser hat sich die Aufgabe gestellt, das deutsche Volkstum in„Bismarck“ neu zu beleben. — Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 18. Januar. **(Neue Lehrerseminare.) Der herrschende Lehrermangel soll durch die Einrichtung neuer Lehrerseminare beseitigt werden. Den jetzt vorhandenen Seminaren zu Soest, Unna, Lüdenscheid, Herdecke und Recklinghausen(evangelisch), Werl und Arnsberg(katholisch) sollen sich noch zwei neue im Jahre 1910 zugesellen, nämlich ein evangelisches Lehrerseminar in Hattingen und ein katholisches in Hamm. Um beiden Seminaren die Zöglinge zuzuführen, sollen auch in Hattingen und Hamm Präparandenanstalten eingerichtet werden. Vom Jahre 1913 ab werden dann diese 9 Seminare jährlich rund 200 evangl. und 100 kath. Schulamtsbewerber dem Volksschuldienst zuführen. **(8 Tage sind keine Woche!) Die Königl. Regierung zu Arnsberg hat die Beschlüsse der im Juli vorigen Jahres stattgehabten Generalversammlung der Bochumer und Waisen Waisenkasse für ungültig erklärt, weil die Gesse, ralversammlung nicht ordnungsgemäß nach der diesbezu, Bestimmung des Statuts einberufen war. Nach letzterer hat folgen. Der Vorstand aber hatte die Anzeige„eine Woche“ Wenn ich Einkäufe zu besorgen hätte, würde ich steks in Geschäften kaufen, die in der„Schwerter Zeitung“ inserieren. In diesen Geschäften kauft man vorteilhaft und wird gut bedient. richts Stuttgart hielt die Berufung für begründet, hob das erste Urteil auf und verurteilte beide Angeklagte zu je 6 Mark Geldstrafe und zur Tragung sämtlicher Kosten. In der Begründung heißt es, daß die Aeußerung des Zugführers und des Schaffners über die freien Plätze natürlich keinen anderen Sinn haben konnte, als den, die Reisenden zum Verlassen der 2. Klasse zu veranlassen, und diese hätten mindestens in Waiblingen auf die dann wieder frei gewordenen Plätze 3. Klasse des gleichen Wagens umsteigen müssen. Das hätten sich selbstverständlich auch die Angeklagten sagen müssen, und es liege demnach auch subjektiv eine Uebertretung vor, wegen deren die Angeklagten zu bestrafen seien. **(Westfäl. Sängerbund.) Die Vorbereitungen fur das 1. Westfälische Sänger=Bundesfest, welches am 3. und 4. Juni in Dortmund stattfindet, sind nunmehr ausgenommen. Die einzelnen Ausschüsse haben sich gebildet. Der Preßausschuß beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung unter dem Vorsitz des ersten Bundes=Präsidenten, Bürgermeister Eichhoff, mit der Herstellung der Festschrift, die u. a. die Geschichte des Provinzial=Sängerbundes, ein Verzeichnis der teilnehmenden Vereine, sowie Liedertexte enthalten soll. Man rechnet mit einem Sängerchor von 4000 bis 5000 Mitgliedern und einer Besucherzahl von 15 000. Die Sängerhalle, die für das Fest hergestellt wird, soll 10000 Sitzplätze erhalten. **(Sanitäts=Kolonne.) Aus dem soeben veröffentlichten Jahresbericht der freiwilligen Sanitätskolonne dürften folgende Angaben von allgemeinem Interesse sein: Die Kolonne zählte am Schlusse des Berichtsjahres 23 Mitglieder. Außer den jede Woche im Vereinslokal stattfindenden Uebengsabenden wurden vier Uebungen im Freien abgehalten, darunter eine größere Uebung am Bahnhof am 2. Mai. Bei 17 schweren Unfällen wurde die Hilfe der Kolonne in Anspruch genommen; kleinere Hilfeleistungen wurden 198 angemeldet. Transporte mittels Trag= oder Fahrbahre wurden 19 ausgeführt. Außerdem wurden 5 Nachtwachen gehalten. Gelegentlich der Anwesenheit des Kaiserpaares zu Hohensyburg am 10. August war die gesamte Kolonne aufgeboten worden. Bei zwei größeren Vereinsfestlichkeiten wurde eine Sanitätswache von je acht Mitgliedern gestellt. Zum Vorstande gehören Dr. Mester, Kolonnenarzt, Josef Hömberg, 1. Vorsitzender und Schriftführer, Wilhelm Overbeck 2. Vorsitzender, Johann Geisel, Kolonnenführer, Friedrich Lategahn, Kassierer, Johann Liedtke, Gerätewart, Paul Koch, Sektionsführer. Es fanden vier Vorstandssitzungen und zehn Generalversammlungen statt. Dem am Schlusse des Berichts geäußerten Wünschen für ein gedeihliches Arbeiten der Kolonne auch im neuen Vereinsjahr schließen wir die unserigen gern an.— Am kommenden Samstag feiert die Kolonne den Geburtstag des Kaisers durch Konzert, Theater, Verlosung und Ball im„Reiche des Wassers". **(Kriegerverein.) Gestern wurde das Mitglied unseres Kriegervereins, Kamerad und Veteran Karl Dilling zur großen Armee abgerufen. Dilling machte den Feldzug 1870/71 beim 1. Hessischen Infanterie=Regiment Nr. 81 mit, er nahm ehrenvollen Anteil an den Gefechten bei St. Remy und Bellevue am 7. Oktober 1870 und an den Cernierungen von Metz vom 5.—29. Oktober 1870, von Thionville vom 2.—13. November 1870 und von Mezières vom 22.—29. November 1870. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 3 Uhr statt. Die Kameraden werden dem Veteranen Dilling das letzte militärische Geleit geben und ihm auch über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. **(Evang. Arbeiter= und Bürgerverein.) Die erste Sprechstunde des neuen Verbandssekretärs Jakobi findet morgen, Mittwoch, den 19. Jan., von 9—1 Uhr im Gasthof Rath und fernerhin an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat statt. ** Ergste, 18. Jan.(Veteranen=Ehrentafel. Kaisergeburtstagsfeier des Krieger= und Landwehr=Vereins.) Wenn das erneuerte KriegerDenkmal am Eingang unserer Ortschaft den Wanderer grüßt und Kunde gibt von dem einmütigen Zusammenwirken des Krieger= und Landwehr=Vereins und der Bürgerschaft aus Anlaß der 40jährigen Jubelfeier des Krieger=Vereins, als es galt, das Andenken der für das Vaterland ruhmvoll gefallenen Heldensöhne unserer Gemeinde zu ehren, so beweist die Vollendung unserer Veteranen=Ehrentafel, die am kommenden Sonntag unser Gotteshaus zum ersten Male schmücken wird, daß man in unserer Kirchengemeinde auch gern und freudig den Mitbürgern den Tribut der Dankbarkeit zollt, die zwar die feindliche Kugel verschont hat, die aber durch Einsetzung ihres Lebens nicht minder treue Helfer waren, als es galt, in einer großen Zeit in den Gluten der Begeisterung eines mächtigen und einigen Volkes die deutsche Kaiserkrone zu schmieden. Der Grundstock zu dieser Ehrung wurde vor einer Reihe von Jahren gestiftet, Zuwendungen vermehrten den Fonds, bis Herr Pastor Schulze=Noelle in dankenswertem Entgegenkommen durch eine namhafte Spende aus der zu seiner Verfügung stehenden Sammlung für die Verschönerung des Gotteshauses die Ausführung ermöglichte und der Landwehrverein Bürenbruch durch besondere Schenkung seine Sympathie für die Vollendung des Werkes bekundete. Die von dem Büro für Innen=Architektur Gebrüder Fromme=Dortmund im spätgothischen Stile unserer Kirche entworfene verschließbare Tafel trägt in ihrem oberen Teil die Namen der gefallenen Kämpfer und darunter mit der Ueberschrift:„Es kämpften für ihr Vaterland“ die Namen derjenigen Veteranen, die bisher schon abgerufen wurden. Und so werden die Namen der noch lebenden Kämpfer auf dieser Tafel zum dauernden Gedächtnis Aufnahme finden in der Reihenfolge, in der sie nach des Himmels Fügung abgerufen werden zur großen Armee. Da der Andrang zu dem am Sonntag stattfindenden Festgottesdienst, an dem der Krieger= und Landwehr=Verein in geschlossenem Zuge teilnimmt, groß sein wird, so ist gewiß der Wunsch berechtigt, daß auch für die Veteranen des Landwehrvereins Bürenbruch, der durch anderweitige Vereinbarungen an der Teilnahme in corpore verhindert ist, Plätze reserviert werden.— In der gestrigen Hauptversammlung des Krieger= und Landwehrvereins nahm Versammlung mit Befriedigung von den diesbezüglichen Mitteilungen sowie von dem Bericht der Kommission für die Kaisergeburtstagsfeier Kenntnis. Nach eingehender Aussprache und anregender Diskussion wurden der Festkommission in Ansehung ihrer Ueberbürdung als Kassierer die Kameraden Otto Harde, Aug. Tillmann, Wilh. Ulenbrauck und Hr. Jülich zugeteilt und die Funktionen des Balldirektors dem Kameraden Förster Orlowski übertragen. Den Vorverkauf der Festkarten übernahm der Vereinsbote Kamerad W. Pentling. Da der untere Saal des Vereinslokals die Zahl der erschienenen Mitglieder kaum zu fassen vermochte, so ist, vielfachen Wünschen entsprechend, die Zuziehung des Nebenzimmers eventl. die Abhaltung der Versammlungen im oberen Saal in Aussicht genommen. ** Ergste, 17. Jan.(Sparkasse.) Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder und Stellvertreter Gutsbesitzer Bimberg= Eichlinghofen, Hüttenbeamter Kockelke=Knapp und Landwirt Nüddelke gen. Hagedorn=Drüpplingsen wurden für eine dreijährige Amtsdauer wiedergewählt. Neu in den Vorstand g:wählt wurde der Gutsbesitzer H. Böckelühr=Bürenbruch. (!) Ergste, 17. Jan.(Einwohnerzahl.) Nach der letzten Personenstandsaufnahme zählt die Gemeinde Ergste 1758(1757) und die Gemeinde Berchum 676(671) Einwohner. Die eingeklammerten Zahlen decken den Bestand für 1909. ** Kalthof, 17. Jan.(Für die Deckstation) Stationshalter Wiemann, sind von dem königl. westfälischen Landgestüt Warendorf bestimmt: der belgische Fuchs Magnet von Manage und der Westfäl. Primas, v. Pr. H. v. Prinz. Anfangs Februar treffen die Hengste hier ein. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 18. Jan.(Versetzung der Fehmlinde.) Das Stadtverordnetenkollegium genehmigte die Verpflanzung des Sprößlings der altberühmten Fehmlinde und des seit 500 Jahren an derselben Stelle stehenden Freistuhles auf eine am Königswall zu errichtende bastionartig auszubauende Plat:= form und bewilligte die 20000 Mark betragenden Kosten. Linde und Freistuhl müssen dem Bahnhofsumbau weichen. * Hagen, 17. Jan.(Städt. Schauspielhaus.) Nach den außerordentlichen Erfolgen, welche Frau Louise Willig vom Berliner Hoftheater mit ihren beiden Gastspielen davongetragen, ist aus allen Kreisen des Publikums der Wunsch nach nochmaligem Auftreten der genialen Künstlerin geäußert worden. Trotzdem Frau Willig von der Königl. Intendanz nur einen kurzen Gastspielurlaub erlangen konnte, ist es Herrn Dr. Kaiser gelungen, Frau Willig zu einem dritten Gastspiel am Dienstag, den 18. Januar, zu gewinnen und zwar in jener Rolle, welche Frau Willig unter den Augen des Dichters am Berliner Hoftheater kreierte und vorbildlich für alle deutschen Bühnen festgelegt hat: nämlich die Rolle der Bersabe, Wildenbruchs„Rabensteinerin". Feodor von Zobeltitz schrieb, daß Wildenbruch den Siegeszug der Rabensteinerin, welche nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland dau Das Kampfkabinelt Khuen=Hedervary. Die chronische Kabinettskrisis in Ungarn soll jetzt endlich durch das Krisenkabinett Khuen=Hedervary abgelöst werden, h. wenn alles gut geht. Graf Khuen=Hedervary, der schon Ende Dezemher des vergangenen Jahres das Kabinett Werkerle von seinen langen Leiden erlösen sollte, trat damals in letzter Stunde zurück und überließ es Herrn Lucacs, der jetzt in das Kabinett Khuen=Hedervary eintreten wird, in mehrwöchigen Verhandlungen mit den ungarischen Parteien den Nachweis zu liefern, daß unter den derzeitigen Verhältnissen ein parlamentarisches Kabinett überhaupt nicht zustande zu bringen ist. Jetzt soll Graf Khuen=Hedervary, der ja von jeher als der starke Mann galt, den Versuch machen, nicht mit den Parteien; sondern gegen die Parteien zu regieren, indem er das Parlament auflöst und die seit Jahren in Aussicht gestellte Wahlreform durchführt, um so auf neuer Grundlage neue parlamentarische Verhältnisse zu schaffen. Es handelt sich also bei dem Kabinett Khuen=Hedervary, dessen Bildung bereits so weit vorgeschritten ist, daß der Ministerpräsident am Montag dem König und Kaiser Franz Josef die Ministerliste vorzulegen hofft, nicht um ein parlamentarisches Kabinett, auch nicht um ein sogenanntes Beamtenkabinett, sondern um ein Kampfministerium. Es handelt sich aber weiter wiederum nur um ein Provisorium, denn das Kabinett Khuen=Hedervary wird keinesfalls länger leben, als bis es die einzige Aufgabe, die ihm gestellt ist, nämlich die Durchführung der Wahlreform, erfüllt Diese Reform durchzuführen, wäre bereits die Aufgabe des Kabinetts Wekerle gewesen, welches im April 1906 dem Kabinett Hedervary als Koalitionskabinett der Verfassungspartei, der Unabhängigkeitspartei und der klerikalen Volkspartei gefolgt war Als die Koalition im Jahre 1907 mit der Krone das bekannte„Paktum“ einging, verpflichtete sie sich zur Durchführung einer Wahlrechtsreform auf Grundlage des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts, ohne daß sie jedoch dieser Verpflichtung nachgekommen ist. Da die Mehrheitsparteien fürchteten, durch eine solche Reform das Heft aus der Hand zu verlieren, so sollten sie sich nur zu einer gründlich abgemilderten Reform entschließen, welche wiederum nicht den Intentionen der Krone entsprach, die allein von einer Verallgemeinerung des Wahlrechts eine Beseitigung des jetzigen Clickenwesens erhofft. Eine Folge dieser parlamentarischen Kämpfe, die sich um den Dreibund der Wahlrechtsreform, der Bankfrage und des militärischen Ausgleichs drehten, war die Sprengung der Unabhängigkeitspartei, die in die Kossuth=Gruppe und in die Justh=Gruppe zerfiel, eine Spaltung, die unverkennbar eine Verstärkung der Position der Krone gegenüber den Parteien bedeutete. Gelingt es dem Grafen Khuen=Hedervary, die Wayrreform durchzuführen, so würde vielleicht die Möglichkeit geschaffen werden, durch eine Rückkehr zum Ausgleich von 1867 das Verhältnis zwischen Oesterreich und Ungarn in erträglicher Weise zu gestalten, nachdem sich ein solcher Versuch angesichts der derzeitigen Parteiverhältnisse in Transleithanien als undurch führbar erwiesen hat. Das derzeitige Wahlrecht in Ungarn bedeutet nicht nur eine Begünstigung des Magyarentums gegenüber allen anderen Nationalitäten, sondern zugleich eine Besserstellung der oberen magyarischen Schichten, in denen die Selbständigkeits= und Trennungsgelüste von jeher eine stärkere Vertretung fanden als in den unteren Volkskreisen. Es ist also eine auf durchaus nicht unsicherer Grundlage beruhinde politische Spekulation, wenn die Berater der Krone als einzigen Ausweg aus den jetzigen Wirren, deren Fortdauer früher oder später zur Lockerung und damit zur Sprengung des gemeinsamen Reichsverbandes führen müßten, die Durchführung einer Wahlreform auf breiter Grundlage bezeichnen. Ein Erfolg ist hier um so mehr zu erhoffen, da die magyarischen Heißsporne in dem, was sie wollen, durchaus nicht einig sind. Ein nicht geringer Teil von ihnen hat im Grunde die stärksten Bedenken gegen die Sprengung der gemeinsamen Bank, da hierdurch zweifellos der ungarischen Volkswirtschaft der größere Schaden zugefügt werden würde. Daß man auf östereichischer Seite in dieser Frage nachgibt, kann als ausgeschlossen bezeichnet werden, ganz besonders, nachdem die Erfahrungen bei dem jüngsten Balkankonflikt aufs neue gezeitig haben, ein wie wichtiger Faktor für die Schlagfertigkeit der Armee eine schlagfertige Bank ist. Nicht minder ist man aber in Oesterreich entschlossen, dem Attentat auf die Armee entgegenzutreten, welches in Gestalt der magyarischen Dienstsprache für die ungarischen Regimenter ausgeführt werden soll, wobei dem entschiedenen Einspruch des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand eine ganz besondere Bedeutung zufällt. Jedenfalls wird man dem Fortgang dieser Kraftprobe zwischen der Krone und dem chauvinistischen Magyarentum mit dem ernstesten Interesse folgen müssen, denn es handelt sich chier um eine Existenzfrage für die österreichisch=ungarische Menalchie, die ihren Rang als Großmacht nur behaupten kann, wenn es ihr gelingt, ebenso in Cisleithanien mit dem staatszerstörenden Einfluß des begehrlichen Tschechentums wie in thanien mit den offener denn je hervortretenden Losreißungsbestrebungen der magyarischen Unabhängigkeitspolitiker fertig zu werden. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 17. Jan.(Einbrecher gefaßt.) Wie gemeldet wird, ermittelte die Polizei dieser Tage drei schwere Einbrecher und setzte sie hinter Schloß und Riegel. Es handelt sich um die Burschen, die in voriger Woche den verwegenen Einbruchsdiebstahl bei Ingenieur Froning in der Kaiser=Wi helm=Allee ausführten und für etwa 4000 Mark mit sich fortführten. Die Spitzbuben stahlen in der Nähe der Froning' schen Wohnung eine Ziehkarre und schafften auf dieser die gestohlenen Sachen fort. Ferner verübten sie eine Nacht später in Mengede beim Apothekenbesitzer Eick einen Einbruchsdiebstahl, wobei ihnen allerhand in die Finger fiel. Am 1. Wer. nachtsabend brachen sie beim Rektor Schwiete in der Liboriusstraße in Körne ein, während genannter Geistlicher in der L boriuskirche Abendgottesdienst abhielt. Die festgenommen Burschen, der steckbrieflich verfolgte Maurer Heinrich Schröder, gleichfalls gesuchte Stuckateur Adolf Frieling und der Maurer Franz Pianowski arbeiten seit langem nicht mehr und haben offenbar noch eine größere Anzahl Einbruchsdiebstähle hier und in der Umgegend auf dem Kerbholz. * Hagen, 17. Jan.(Erhaltung der Burg Volmarstein.) Eine der Zierden des landschaftlich so schönen mittleren Ruhrtales, die Burgruine Volmarstein, droht vollständig zu zerfallen. Die wenigen, noch vorhandenen Mauer reste werden, wenn der Zerstörung derselben durch die Witterungseinflüsse nicht Einhalt geboten wird, binnen kurzer Zeit verschwunden sein. Insbesondere erscheint das noch sehende Halbrund des letzten der drei, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts noch vorhanden gewesenen stattlichen Türme, welches den Bergkegel weithin sichtbar krönt, dem baldigen geweiht. Auf Anregung des rührigen Verkehrsvereins Volmarstein hat sich deshalb unter dem Vorsitz des Landrats Hartmann ein Ausschuß für die Erhaltung der Buxgruine Volmarstein gebildet. Derselbe beschloß in einer am 12. dieses Monu.in Volmarstein abgehaltenen Sitzung, Baurat Kulbrich in Dortmund mit der Aufstellung eines Projektes für die vorzunehmenden baulichen Arbeiten zu beauftragen. Es wird beabsichtigt, die Grundmauern der umfangreichen Burganlag wieder freizulegen und in erkennbarer Höhe über den hochzuführen, sowie den Ueberrest des Turmes gegen Verfall sicher zu stellen. Von der Provinzialverwaltung, dem Landkreise Hagen und verschiedenen anderen Kummunalverbänden sind bereits Bethülfen zu dem Unternehmen bewilligt worden, durch welche die Kosten der Vorarbeiten gedeckt sinr. Wenn die Kosten der Ausführung des ganzen Planes sich übersehen lassen, beabsichtigt der Ausschuß sich wegen der Aufbringung derselben an die Oeffentlichkeit zu wenden und hofft, die Zustimmung und freudige Mitwirkung aller Freunde unserer schönen Heimat bei seinem Unternehmen zu finden. * Hohenlimburg, 17. Jan.(Ein schweres Ei unglück) ereignete sich heute Morgen früh zwischen hier und Letmathe. Im Bahnhof Letmathe sollte aus einem Güterzug ein Wagen ausgestoßen werden, als sich plötzlich aus irgend einem Grunde die Kuppelung löste und 22 Güterwagen auf abschüssiger Bahn gen Hohenlimburg fuhren. Um die gleiche Zeit, als die führerlosen Güterwagen die Strecke befuhren, wurde hier ein Güterzug abgelassen, welcher den 22 Wagen entgegenfuhr. Ein Blockwärter erkannte die Gefahr und gab dem Führer des Güterzuges Warnungssignale, infolgedessen dieser Zug zum Stehen gebracht wurde, jedoch konnte ein Zu sammenstoß nicht verhindert werden. Mit voller Wucht rannten die 22 Wagen auf den haltenden Güterzug, wobei 11 Wagen vollständig zertrümmert und die Maschine aus dem Gleise gehoben wurde. Ein riesiges Durcheinander bezeichnet die Unglücksstelle. Der Materialschaden ist bedeutend. Menschenleben sind erfreulicherweise nicht zu beklagen. * Schwelm, 17. Jan.(Abiturienten als Prügelknaben.) Vor kurzem berichteten wir, daß man im Provinzialschulkollegium zu Münster der Stadt Schwelm die Abhal tung der Abiturientenprüfungen am Realgymnasium nur dann erlauben werde, wenn die Stadt sich verpflichte, sofort ein neues Schulgebäude zu errichten. Die Schwelmer Stadtväter ernannten einen Ausschuß, der in Münster vorstellig werden sollte. Und was ist nun der Erfolg gewesen? In der letzt. Stadtverordnetensitzung gab man nach, da das sort“ in„binnen vier Jahren“ gemildert worden ist. also jetzt ohne weiteres zugegeben, daß die Schulaufsichts##### de das Recht besitzt, eine Gemeinde mit Mitteln zu die man im gewöhnlichen Leben nicht anwenden darf. Die „Rhein.=Westf. Ztg.“ schreibt zu diesen Vorgängen: Der Beschluß der Schwelmer Stadtverordneten muß lebhaft bedauert werden. Er gibt dem Schulfiskus eine neue gefährliche Waffe in die Hand. Es kann nicht ausbleiben, daß das Schwelmer Beispiel Schule macht. Nicht nur, daß der Fiskus, wie bisher, die Mittel verweigern wird, die den Städten vom gesu aus zustehen— er wird für die Folge im Bewußtsein seiner Macht überall dort Zwang anwenden, wo man eigentlich ihn zwingen sollte. Jede Nachgiebigteit, Schulfragen muß die Verwaltung in ihrem bisher#### ren bestärken— zum Schaden aller Städte. Ueberdies sollten die Stadtverordneten in solchen Fällen stets eingedenk sein, daß sie als gute Haushälter das Gemeindevermögen nicht belasten dürfen, wo ein anderer Zahlungspflichtiger vorhanden st. Hoffentlich verwirft der Schwelmer Magistrat den Beschluß der Stadtverordneten. Im Interesse der Wahrung städtischer Selbstverwaltung ist dies dringend wünschenswe * Unna, 17. Jan.(Die Schadenersatzklage) des Möbelfabrikanten Steinmann gegen die Stadt Unna nimmt jetzt ihren Fortgang und ist Verhandlungstermin am Oberlandesgericht auf den 28. Januar festgesetzt. Steinmann klagt gegen die Stadt auf Schadenersatz, weil gelegentlich seiner Möbelschreinerei ausgebrochenen Brandes die Feuerwehr bezw. Brandpolizei die Entfernung fertiger, nicht ver sicherter Möbel aus dem brennenden Gebäude wegen drohenue# * Unna, 17. Jan.(Ein schwerer Unglücksfall) ereignete sich im evangelischen Krankenhause. Ein im Krankenhause als Patient untergebrachter Mann aus stürzte so unglücklich in den Wäscheschacht, daß der Tod sofort Helsenlirchen, 17. Jan.(Der Bulmter Mord.) Endlich ist es der Kriminalpolizei gelungen, in die Bulmker Mordangelegenheit Licht zu bringen. Der Untersuchungsrichter aus Essen stellte heute ein Verhör an, in dessen Verlauf sich die Täterschaft der bereits seit längerer Zeit in Haft befinolichen Arbeiter als sicher herausstellte. Als Täter sind ermittelt Bergmann Galla, Berginvalide Schitzik und Erdarbeiter Gorechi. Als der Mittäterschaft verdächtig hatte man gestern abend in Wanne ein Ehepaar verhaftet und nach hier überführt. Der Mord an dem Bergmann Leber ist vermutlich gemeinschaftlich von diesen 5 Personen in der Nacht vom 6. zum 7. Juli vorigen Jahres im Bulmker Stadtpark ausgeführt worden. Galla gestand auch, dem Ermordeten den Kopf abgeschnitten zu haben. Nach dem Kopf sucht augenblicklich die Kriminalpolizei noch. Zwei der in Frage kommenden Täter wohnten in dem Hause Königstraße 45, wohin zunächst die Spuren, auch die von den Polizeihunden verfolgten, führten. * Bochum, 17. Jan.(Eine strittige Steuerangelegenheit.) Das zwischen der Stadt Recklinghausen und ren auf Zahlung der Umsatzsteuer in Höhe von rund 150160000 Mark ist jetzt im Bezirksausschuß zugunsten der Stadtgemeinde entschieden worden. Außer dem eingeklagten Kapital 82 Roman von Emmy v. Borgstede. (Nachdruck verboten.) „Du willst doch nicht schon geben. Harry?“— Irene blickte ihn bittend an—„nein, nein, davon kann keine Rede sein. Du bleibst den Abend über bei uns.“ „Ich möchte Dich nicht so lange stören, liebste Irene, ich sehe, Du hast alle Hände voll zu thun.“ „Sprich doch nicht so“,— sie ergriff seine Hand—„Du hast mir ja noch garnichts aus dem Manöver usw. erzählt, hast mich überhaupt in letzter Zeit arg vernachlässigt.“ „Na höre mal, Schwesterberz, so was giebt es doch zwischen uns einfach nicht. Damit Du aber meinen guten Willen siehst, bleibe ich selbstredend bei Dir. Ich will nur meinen Degen im Vorzimmer ablegen.„ Als die schlanke Gestalt Nordfelds verschwunden war, stano Friedhelm mit einem Sprunge neben dem Mädchen. Ohne auf die Anwesenheit seiner Mutter Rücksicht zu nehmen, ergriff er sie leidenschaftlich beim Arm. „Himmel und Hölle, Irene, wie kommt der Laffe dazu, so vertraulich mit Ihnen zu sein, Sie so anzublicken?“ „Herr Jansen",— das Mädchen suchte vergebens, sich zu befreien—„Harry ist mein Pflegebruder, wer gab Ihnen ein Redt# znb anden „Ich bulde es nicht, enirschte der wann mir zullenden Lippen—„damit Sie es ein für allemal wissen, ein für allemal.“— Dann nahm er neben seiner Mutter Platz, die tief erschreckt Zeugin dieser Szene gewesen war. Auf Irenes Stimmung war ein tiefer Schatten gesunken, sie saß wortlos und auch fassungslos da. Allmählich aber gelang es Harrvs harmloser Fröhlichkeit doch, sie wieder zu er„Du weißt natürlich schon, daß Martin nach Lindenhof kommt?“ fragte der junge Offizier plötzlich—„was sagst Du denn dazu, Schwesterherz? Na, Du bist froh, was! Ich auch — denke mal, wie nett für uns beide, unsern alten, guten Martin so in der Nähe zu haben. Wir richten ihm sein Haus ein, nicht wahr? Darauf freue ich mich schon riesig und dann wir ihn zusammen und immer abwechselnd, es wird ein Götterleben. Die guten Alten dürfen natürlich auch nicht fehlen.“ Nordfeld hatte mit strahlenden Augen die Hand Irenes ergriffen und trommelte vergnügt mit ihr auf den Tisch. „Verheiraten darf sich der Kronensohn natürlich nicht, sonst bekommt unsere Fidelitas einen Knax. Wir leiden es einfach nicht, was, Irenchen?“ 65 „Du bist ein Uebermut, kleiner Harry, so selbstsuchtig burfen wir doch wohl nicht sein.“ „Erlaube mal, wenn erst einer von uns den Anfang macht, wirkt das ansteckend und unsere schöne Freundschaft ist dahin.“ „Ist das denn nötig, mein Bruder“,— die schönen, dunklen Augen blickten warm und innig in die seinen—„kannst Du Dir nicht denken, daß z. B. Martin ein Weib wählt, das unsern trauten Kreis noch verschönt?“ Offen gestanden, nicht so recht, wahrhaft widrig aber wäre mir der Gedanke. Dich einem fremden Mann folgen zu Ich meine, derselbe könnte Dich nicht würdigen, nicht verFriedbelm Jansen hatte erst mit glühendrotem und dann tieferblaßtem Antlitz die Unterhaltung der beiden Jugendfreunde mit angehört, ihre kleinen Vertraulichkeiten gewahrt, seine Hand hatte ingrimmig die neben ihm stehende Stubllehne umklammert, polternd stürzte jetzt der Stuhl zu Fräulein Mainau streckte abwehrend die Hände aus. „Um Gottes willen— leise— Andrea muß vor jedem Schreck bewahrt bleiben.“ So! Wie besorgt Sie sind— es ist einfach rührend. Meine Frau wird sich an derartige Lebensäußerungen meinerseits „Friedbeln.— Frau Jansen suchte ihn sanst auf seinen Sitz nieder zu zieben— ich bitte Dich“ „Nur jetzt keine Szene. Mutter, ich ertrage es einsuch in meiner augenblicklichen Stimmung nicht", gab Jansen heises Nordfeld ignorierte die Erregung Friedhelms und den ganzen Vorgang, Irene war ihm dankbar dafür, ein Bemerken würde die Sache nur noch verschlimmern. Ehe sie zu Tisch gingen, flüsterte Irene ihm zu: „Harry, ich bitte Dich, komme so oft Du kannst— io— U0— „Du brauchst nichts weiter zu sagen, ich verstehe und verspreche Dir. Dich nicht zu verlassen. „Guter Bruder!“ „Du würdest dasselbe für mich thun, es ist doch ganz selbstverständlich, Irene.— Bei Beginn der Schulstunden siedelte Fräurein Mainau der Bequemlichkeit halber in die viel näher gelegene Wohnung Andreas über, und Friedhelm zog zu seinen Damen. Auch eine Pflegerin war angenommen worden, Harrv und Felix, sowie Andrea selbst hatten darauf bestanden. Irene hatte bereits Uebermenschliches geleistet, ein Mehr konnte ihr bei der erböhten Stundenzahl nicht zugemutet werden. Aber täglich bei der Freundin, und Andrea freute sich unendlich auf diese Besuche.—„.2 f 5meller WE—“ Prinzeß Thea Löwenberg hatte nach Wolfs schneuet Abreise von Lindenhof ziemlich Hals über Kopf ihre Besitzung verlassen und hatte sich nach Berlin begeben. Sie war Der Graf weilte augenscheinlich nicht, wie sie fest geglaubt, bei seinem Bruder in der Residenz, sondern mit demselben außerhalb. Lisa Brachmöller hatte ihr demnach auf eine diesbezügliche Frage keine wahrheitsgemäße Antwort gegeben. Sollte die üppige Blonde selbst an einen Angriff auf den Wenn Thea sich langweilte und sich ärgerte, war sie ein Teufek und ihre Dienstboten zitterten. Nur widerwillig begab sich Diener in das Boudoir, um die blonde Dame zu melden, die schon zum dritten Mal in sichtlicher Angst und Aufregung Zutritt forderte und sich durchaus nicht abweisen ließ.— (Fortsetzung folgt.)„ Seite 6. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Dienstag, den 18. Januar 1910. Nr 14. sind auch die Zinsen ab September 1904 seitens der„HiberniaGesellschaft“ zu entrichten. * R e c k l i n g h a u s e n, 1 7. J a n.( E i n U n f a l l) v o n s c h w e r e n Folgen ereignete sich auf dem Bahnhof Recklinghausen=Süd. Es erfolgte eine Dampfkessel=Explosion; der Dampf strömte aus und verbrühte den Lokomotivführer und Heizer schwer. Der Lokomotivführer starb bald darauf. * Hattingen, 17. Jan.(Ueber eine merkwürdige Zuteilung einer Gemeinde) an verschiedene amtliche Ressorts berichtet der„M. Spr.“: Die 364 Seelen zählende Gemeinde Munscheid gehört dem Kreise Gelsenkirchen an und ist politisch dem Amt Wattenscheid zugeteilt. Kirchlich gehört sie nach Weitmar, mit dem Postamt ist sie an Linden, mit dem Telephon= und Telegraphenamt aber an Hattingen angeschlossen, und bahnamtlich endlich gehört sie zur Station Dahlhausen. * Düsseldorf, 17. Jan.(Aufführungsverbot kinematographischer Bilder.) In zwei hiesigen Kinematographen=Theatern wurde am Samstag von der Polizeibehörde abermals die Aufführung eines Bildes verboten. Die Darstellung, eine sensationelle Mordgeschichte, ist nach Ansicht der Polizei geeignet, auf die zahlreichen jugendlichen Besucher der Theater aufregend und verrohend, ja geradezu gesundheitsschädlich zu wirken. Arbeiterbewegung. Petitionierende Zündholzarbeiter. 156 Arbeiter und Arbeiterinnen einer Zündwarenfabrik in Melle haben sich in einer Eingabe an den Reichskanzler gewandt mit der Bitte, für die Arbeiterschaft der Zündholzfabriken Deutschlands ebenfalls eine Entschädigungssumme für nachweisbar eingebüßten Lohn auszusetzen, wie es bei den Tabakarbeitern der Fall gewesen ist. Die Petenten glauben nachweisen zu können, daß bei ihnen zum Teil die Not noch größer sei, als bei den Tabakarbeitern. Sie schätzen die Einbuße der gesamten Arbeiterschaft in den Zündholzfabriken Deutschlands bis Ende Dezember bereits auf eine viertel Million Mark und glauben, daß insgesamt ein Ausfall von zwei Millionen Mark zu verzeichnen sein werde. Der Bergarbeiterstreik in England. In der letzten Versammlung der Bergwerksbesitzer und des Bergarbeiterverbandes von Northumberland einigte man sich dahin, daß, um zu einer Verständigung zu gelangen, weitere Konferenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedürfen. Obligatorisches Lohnamt. Die Abstimmung der Bergleute des Südreviers ist zugunsten der Entscheidung für ein obligatorisches Lohnamt ausgefallen. Reichstarif im Malergewerbe. Die Gesamtabstimmung über den am 8. Januar gefällten Schiedsspruch für das Malergewerbe hatte das Resultat, daß alle in Frage kommenden Verbände dem Schiedsspruch zugestimmt haben. Der gesamte Reichstarifbetrag tritt von Montag, 17. Januar, ab in allen Vertragsstädten in Kraft. Rabiater Gatte. Im Vororte Stötteritz geriet ein Arbeiter mit seiner Frau in Streit und verletzte sie schwer. Der zu Hilfe eilenden 17jährigen Tochter biß er die Nase ab. Ein tschechischer Nacheakt. In der Bergarbeitergemeinde Dittmannsdorf wurde der polnische Bergarbeiter Przeczek von einem unbekannten Mann erschossen. Er wollte ein polnisches Ehepaar beschützen, welches von den Tschechen verfolgt wurde, weil es ein Kind polnisch erziehen ließ. Der Streik der Theaterkritiker. Die Theaterkritiker der dänischen Hauptstadt haben über sämtliche Theater in Kopenhagen den Boykott verhängt und beschlossen, bis auf weiteres über Premieren, Neueinstudierungen usw. nicht mehr zu berichten. Sie sahen sich zu diesem Vorgehen veranlaßt, weil einem ihrer Kollegen im Kasino=Theater, über das er eine abfällige Kritik geschrieben hatte, der Eintritt verweigert wurde. Zum Morde in Vatignolles. Die Verhaftung der Bande „Hamalet“, die die Haushälterin in Batignolles ermordete, führte zur Entdeckung einer weitverzweigten Verbrechergesellschaft, der auch Ausländer angehören, und die auch den Einbruch in die Vincentkirche in Rouen verübte. Die dort erbeuteten Gegenstände wurden gefunden. Bestrafte Wahlrechtlerinnen. Von den drei wegen Einwerfung der Fenster der Daltoner Gefängnisdirektion verhafteten Suffragettes wurde Miß Hawley vom Liverpooler Polizeigericht zu 6 Wochen Zwangsarbeit verurteilt. Miß Wharton erhielt eine Geldstrafe von 10 Schillingen, während Miß Nugant freigesprochen wurde. 30 Frauen auf einmal. Ein Deutscher, der sich des besten Rufes erfreute, namens Müller, der sich als Baron und Graf ausgab, ist in San Franzisko verhaftet worden. Er wird angeklagt, sich fünfmal in Neuyork und fünfundzwangzigmal in verschiedenen anderen Städten von Nordamerika verheiratet zu haben. Außerdem ist man großen Unterschlagungen auf die Spur gekommen, mit denen er in Verbindung gebracht wird. Eine Nachricht von Dr. Cook. Der frühere Sekretär von Dr. Cook, Lonsdale, erklärte, er habe noch einen Brief von Dr. Cook erhalten, der am 24. Dezember aus Südspanien abgeschickt worden sei. Seit dieser Zeit hat Cook kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Blutige Schlägerei. Unter mehreren Arbeitern brach eine Schlägerei aus, bei der einer tödlich, einer leicht und zwei schwer verletzt wurden. Fabrikbrand. Die der Optikerfirma gehörige Fabrik in Barnet bei London wurde ein Raub der Flammen. 200 Arbeiter befanden sich in Lebensgefahr. Der Schaden wird auf 5,5 Millionen veranschlagt. Brandstiftung. Der Sohn des Landwirtes Meder in Asbach, Kreis Witzenhausen, hat das Gehöft seiner Eltern in Brand gesetzt. Die Scheune wurde eingeäschert, das Wohnhaus kontne gerettet werden. Bunte Chronik. Folgenschwere Benzinexplosion. Als das Dienstmädchen des Bürgermeisters im Dorfe Kadolsburg mit einem Lichte den Keller betrat, entzündete sich eine dort befindliche Menge Benzin. Das Mädchen und eine hinzueilende Frau erlitten so schwere Brandwunden, daß beide starben. Auch der Bürgermeister wurde schwer verletzt. Schneesturm in Neuyork. Es wird berichtet, die Stadt liege noch immer im Banne eines furchtbaren Schneesturmes. Die Straßen sind mit 12 Zoll Schnee bedeckt. Der Bahnverkehr stockt fast ganz. Tausende von Passagieren saßen in später Stunde im Schnee fest. Der Bürgermeister Geynos von Neuyork wurde auf dem Heimwege von Long=Island vom Schnce aufgehalten und beschloß, zu Fuß zu gehen. Er verirrte sich und verlor die Kräfte zum Weitermarsch. Eine Rettungsabteilung fand ihn schließlich in erschöpftem Zustande auf. Furchtbare Pulverexplosion. In dem Dorfe Aldeias bei Gouveias wurde das Haus eines Fabrikanten von Feuerwerkskörpern durch eine Explosion zerstört. Der Fabrikant, seine Frau und seine beiden Kinder wurden unter den Trümmern als Leichen gefunden. Verschiedene Personen erlitten Verletzungen. Die Häuser sind in weitem Umkreise beschädigt worden. darüber. Der Teer hält die Geschichte zusammen und löst sich auch bei leichtem Regen nicht. Befestigt wird diese äußerst billige Teerpappe mit dünnen Pliesterlatten. Mittel gegen Frostbeulen. Fein geschabte venezianische Seife und Franzbranntwein werden zu einem schaumigen Brei gerührt und dieser auf die schmerzende Stelle gerieben. Wendet man dies Verfahren nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer an, wo die erfrorenen Stellen nicht schmerzhaft hervortreten, so verlieren sich nach und nach auch ältere und hartnäckige Frostschäden. Eine künstliche Waldluft in den Zimmern erzeugt man nach folgender Vorschrift: Zu 100 Gramm Spiritus schüttet man 5 Gramm Kiefernadelöl, 1 Gramm Wacholderöl, 2 Gramm Zitronenöl, 5 Gramm Kieferöl und 5 Tropfen Essigäther. Fügt man noch ein Stückchen Vanille und eine zerschnittene Tonkabohne hinzu, so gesellt sich zu dem Fichtenduft noch der angenehme Wohlgeruch des Waldmeisters. Jetzt in den Wintertagen ist man viel aufs Zimmer angewiesen und tut es doppelt wohl, angenehme Luft in den Wohnräumen zu haben. Humoristische Ecke. Gefährlich. Ein Fleischermeister, der sehr stark schielt, ist im Begriff, ein Rind zu schlachten. Der Lehrjunge hält das Tier am Stricke fest, während der Meister vor den Ochsen tritt, um ihn durch einen Axthieb gegen den Kopf zu betäuben. Als er schon zum Schlage ausholt, schreit plötzlich der Lehrjunge: „Meister, Meister, schlagen Sie uff die Stelle, uff die Sie hinsehen?“—„„Na, natürlich!““— Der Lehrjunge riß schleunigst aus. Stimmt! In der Weichselniederung, unweit des Dorfes Notter, einer Gegend, die häufigen Ueberschwemmungen aus. gesetzt ist, befindet sich neben einem Landwege ein Pfahl, dessen Holztafel folgende Aufschrift trägt:„Wenn diese Aufschrift unter Wasser steht, so ist der Weg nicht befahrbar!!“ In einer kleinen Stadt wird eine Hunde=Ausstellung abgehalten. Das Theater läßt folgenden Zettel anheften: Festvorstellung. Heute zu Ehren der internationalen Hundeausstellung:„Der Rattenfänger von Hameln.“ Ein Kluger. A.:„Können Sie mir nicht einen Rat geben, wie man schnell reich wird?“— B.:„Erfinden Sie ein neues Bedürfnis; nichts weiter!"(Aus der Jubiläumsnummer der Lustigen Blätter.) Roman von Emmp v. Borgstede. 831(Nachdruck verboten.) „Durchlaucht lassen bitten.“ Die zarte, blonde Frau schlüpfte an ihm vorüber und eilte mit ausgebreiteten Armen und verklärten Zügen auf die verwunderte Thea zu, welche steif wie ein Holzbild in ihrem kostbaren Fünfuhrtbee=Kleide mitten im Zimmer stand. „Thea— Liebe— Sütze, da bin ich! Ich komme Ihnen doch gelegen, da ich dreimal wiederkommen mußte?“ „Wie man es nimmt“.— die Stimme der Weltdame klang eisig und erkältend—„gelegen insofern, als ich mich mit Ihnen aussprechen kann, ungelegen, weil Sie mich in meiner Ruhe stören. Aber vor allen Dingen, wo kommen Sie her, Gräfin Lindberg?“ „Direkt aus Lindenhof! Ich hielt es nicht mehr aus, und da dachte ich Ihrer, Thea, und Ihrer Mahnungen und da bin ich.“ „Schön— da sind Sie, und daß Sie gleich zu mir kamen, finde ich erklärlich, wenn auch kaum taktvoll, denn nehmen Sie mir nicht übel, Gräfin, seine schmutzige Wäsche reinigt man doch sonst lieber im stillen und nicht vor Fernerstehenden. Reine schaute mit großen, fragenden Augen zu ihrer angebeteten Freundin emvor, die so gefühllos und fremd vor ihr stand und ihr nicht einmal die Hand zum Grutz geboten hatte. Wie oft hatte dieselbe Thea sie ihrer treuesten, unwandelbarsten Freundschaft versichert und sie mit Umarmungen und Küssen fast erstickt. Sie war dem Weinen nahe, fühlte sich müde und abgespannt, aber noch bezwang sie sich. Thea war offenbar schlechter Laune und deshalb gereizt. „Fernstehende“, sagte Reine daber leise und innig, wissen von meiner Abreise noch nichts, Thea. Ich kam vom Bahnhof direkt zu Ihnen und rechne nach all den schönen Tagen in Altwiel auf Ihre Hilfe, vor allem auf Ihre Gastfreundschaft.“ Für Haus und Garten. Eine Rotheizung für Obstkeller, die sich überall in wenigen Augenblicken herstellen läßt, wenn die Keller einzufrieren drohen, sei hier ausführlich beschrieben. Es bedarf dazu nur eines Kuchenbleches oder auch des Metalldeckels eines großen Kessels(Wäschekessel, Wurstkessel usw.), einiger Backsteine und einer Lampe. Die Backsteine werden übereinander gelegt, und über sie legt man das Blech, so daß die Lampe, ohne zu rauchen und zu dunsten, darunter stehen kann. Natürlich darf die Lampe nicht riechen, weil das Obst den Geruch sofort annimmt. Die Lampe erhitzt das Blech sehr schnell, und dies gibt die Wärme gut verteilt weiter. In Kellern, die zur Trockenheit neigen, stellt man einen Teller mit Wasser auf die Platte. Kleinere Keller, wie sie als Obstbewahrungsräume in Privat= haushaltungen benutzt werden, werden auch bei strengstem Frost genügend warm erhalten, wenn die Lampe abends zwei bis drei Stunden und morgens ein bis zwei Stunden brennt. Bei ausgedehnten Kellern legt man besser zwei oder drei Heizgelegenheiten an, ehe man die eine längere Zeit in Betrieb hält. Bei dauernder Benutzung der einen Heizstelle schwankt die Temperatur zu sehr. Frostschutz für Spaliere. Spaliere an trockenen Wänden, die durch überhängende Dächer vor dem Regenschlag geschützt sind, lassen sich leicht und sauber mit Papier vor Frostschaden schützen. Nachdem man die Fläche gemessen, lege man Zeitungen an= oder mit den Rändern übereinander. Dann pinsele man die ganze Lage mit Teer an und lege eine zweite Lage Die Prinzeß begann im Gemach auf und abzulaufen, die seidene Schleppe brachte Tischchen und Nippes in die Gefahr, umgestürzt zu werden und zu zerschellen. Dann blieb sie vor Reine stehen und sagte mit einem bösen, kurzen Auflachen: „Meine Gastfreundschaft fordern Sie? Sie sind wirklich unglaublich naiv. Reine, und haben nichts von unserm Zusammenleben gelernt. Es wäre die erste Dummheit meines Lebens. Eine entlaufene Frau ist in den Kreisen der guten Gesellschaft einfach unmöglich und wird nur erträglich, wenn eine spätere Heirat sie wieder rehabilitiert, denn gewöhnlich, meine gute Gräfin, thut man einen solchen Schritt nur um eines Geliebten willen.“ „Thea“.— Reines Stimme erstickte in hervorbrechenden Thränen.„Sie wissen recht gut, daß nur Kurtis ungerechte Forderungen mich zu diesem Entschluß gebracht haben. Sie fanden es selbst unwürdig, und nun— wo ich meine Fesseln abgeworfen habe, verleugnen Sie mich und stoßen mich von sich?“ „Sie bewegen sich fortgesetzt in Extremen, liebe Gräfin. Erst bin ich es, die Sie veranlaßt hat, Ihren Mann zu verlassen, nun thun Sie, als ob ich Ihnen die Freundschaft kündige! Bewahre, ich bin Ihre allerbeste Freundin, sobald Sie keine Opfer von mir fordern und mich bei all Ihren kindlichen Extravaganzen aus dem Spiel lassen. Mein Gott, Kleine, können doch nicht so naiv sein, in vollem Ernst zu glauben, daß eine Frau wie ich, nur um Ihrer selbst willen Ihre Freundschaft gesucht hat!“ „Ja, das dachte ich allerdings!“ „Nun, das sieht Ihnen ähnlich! Ich wette, die schöne Irene Mainau hat nie daran geglaubt! Sie sind wirklich von einer rührenden Naivität. Reine. Ja, und wie ist mir denn! Mit der Mainau sind Sie ja wohl entzweit, weil Sie ihr einige arge Sottisen ins Gesicht gesagt haben? Richtig, jetzt besinne ich mich. Darob große Entrüstung Ihres famosen Onkels und eilige Abreise desselben. Wenn Sie den Grafen in Lindenhof Stadttheater in Dortmund. Dienstag, 18. Jan., 7,30 Uhr: Zum ersten Male:„Ein Herbstmanöver“ Mittwoch, 19. Jan., 7,30 Uhr:„Die Braut von Messina". Donnerstag, 20. Jan., 7,30 Uhr:„Mignon“. Freitag, 21. Jan., 7,30 Uhr:„Die Großstadtluft". Sonnabend, 22. Jan., 7,30 Uhr:„Undine“. Sonntag, 23. Jan., 3 Uhr:„Der Raub der Sabinerinnen“.— 7,30 Uhr: Zum ersten Male:„Werther“. Stadttheater in Hagen. Dienstag, 18. Jan., 8 Uhr:„Im weißen Rößl“. Donnerstag, 20. Jan., 7,30 Uhr:„Es lebe das Leben“ Freitag, 21. Jan., 8 Uhr:„Der Waffenschmied“. Sonntag, 23. Jan., 3,30 Uhr:„Robert und Bertram“.— 8 Uhr: „Bluthochzeit“. Montag, 24. Jan, 8 Uhr:„Johigente“. Stadttheater in Barmen. Dienstag. Abends 8 Uhr: Der Vagabund. Mittwoch. Abends 8 Uhr: Maria Magdalene. Donerstag. Abends 8 Uhr: Die Stumme von Portici. Freitag. Abends 8Uhr: Die Dollarprinzessin. Samstag. Unbestimmt. Sonntag. 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. 7 Uhr: Der Vagabund. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 18. Januar: Vielfach heiter, schön, Frost. 19. Januar: Wolkig mit Sonnenschein, kalt, später bedeckt. 20. Januar: Bewölkt, Niederschläge, windig, Frost. 21. Januar: Feucht, Niederschläge, um Null herum, windig. 22. Januar: Bewölkt, naßkalt, teils heiter. zu fesseln gewußt hätten, würde Ihnen heute mein Haus offenstehen, so aber, nein— ich bedaure!“ „So haben Sie also die ganze Zeit in Altwiel geheuchelt!“ schrie Reine mit blitzenden Augen leidenschaftlich auf—„all Ihre Liebe war nur Schein!“ „Bitte, nicht so laut“, winkte Thea ungeduldig—„wozu die Dienerschaft herbeirufen!— Schein? Nun, es kommt darauf an, was Sie so nennen, meine Liebe! Ich habe Ihnen ja offen gesagt, was ich von Ihnen erwartete. Und da Sie mich enttäuscht haben, ist es wohl nicht mehr wie recht und billig, daß ich mich revanchiere.“ Es war Reine, als ob der Boden sich vor ihr öffnete. Alles schwankte mit ihr. Im festen Vertrauen auf Theas glühend scheinende Freundschaft hatte sie den gewagten Schritt ziemlich leichten Herzens unternommen. Ihre Geldmittel waren die denkbar bescheidensten. Was sollte sie, wo ihr keine Unterkunft in der großen, fremden Stadt gewährt wurde, beginnen? Mit spöttischem Lächeln blickte die Fürstin auf die geängstigte junge Frau herab und sagte nun kalt: „Haben Sie mir noch etwas zu sagen, Gräfin? Sonst möchte ich gern allein sein.“ Reine wollte auffahren, wollte etwas erwidern, dann aber erwachte der Stolz, der dieser vergötterten Frau gegenüber allzu lange in ihr geschlummert hatte. Sie richtete sich empor und ging ohne einen Blick, ohne ein Wort hinaus. Krampfhaft an den purpurnen Seilen sich haltend, wankte sie die Marmortreppe hinab und schrak ordentlich entsetzt zusammen, als die schwere Thür des palastartigen Hauses hinter ihr ins Schloß stel. (Fortsetzung folgt.) Bard eines Dampfbootes begaben, das sie nach Kanada Soweit der Bericht des ehemaligen Scherifs, der heute den wichtigen Posten eines Friedensrichters in Geneseo bekleidet. Ben Sutton hat vor einigen Jahren und ist nach Geneseo übergesiedelt, wo er häufig mit seinem alten Freunde Dick ** 5d zusammentrifft. Daß die Rede dann bisweilen auf diie seltsame Verfolgungsreise kommt, die sie gemeinsam auf Ben Suttons Maschine gemacht haben, ist so wunderbar nicht. sparsame Präsident. Eine lustige Geschichte wird von dem verstorbenen Präsidenten der Burenrepublik erzählt. Als Ohm Krüger zum erstenmal auf einem nach Europa fahrenden Dampfer war, bemerkten die übrigen Passagiere mit Erstaunen, daß er niemals zu den Mahlzeiten erschien. Zuerst nahm man an, daß er durch die Seekrankheit am Erscheinen verhindert sei, aber es zeigte sich bald, daß dem nicht so war, denn während die anderen bei Tisch saßen, wanderte Krüger auf dem Verdeck hin und her und vertilgte unglaubliche Mengen von Schiffszwieback und Büchsenfleisch. Einem der Mitfahrenden ließ schließlich die Neugier keine Ruhe, und er fragte den Präsidenten, wieso er diese trockene Mahlzeit dem guten Diner im Salon vorzöge, und es stellte sich heraus, daß der Grund in der Sparsamkeit des Alten und einem Mißverständnis zu suchen sei. Ohm Krüger hatte nicht gewußt, daß die Mahlzeiten in den Preis der Ueberfahrt mit einbegriffen waren, und hatte sich daher mit einem großen Vorrat von Dauereßwaren versehen.„Ich habe nicht soviel Geld wie ihr Engländer,“ antwortete er,„um es für kostspieliges und überflüssiges Essen wegzuwerfen.“ Unser Gewährsmann, dem wir die kleine Geschichte verdanken, fügt noch hinzu:„Sie hätten nun sehen sollen, welche Mühe der alte Mann sich gab, um die verlorene Zeit wieder einzubringen, nachdem ihm klargemacht worden war, daß sein Ueberfahrtsgeld ihn berechtige, ohne weitere Zahlung an sämtlichen Mahlzeiten seilzzunehmen: Ein einfacher Schwinghebel ist etwas außerhalb der Mitte drehbar gelagert und wird an dem längeren Ende von einem Manne niedergezogen, während das andere mit dem Korbe in die Höhe geht. Auch eine mechanische Schleudervorrichtung für Wurfgeschosse, wahrscheinlich Steinkugeln, wird abgebildet, und auf einem anderen Blatt sieht man eine Vorrichtung zum Abschießen von Speeren: die wie Pfeile gefiederten Speere werden auf einer Unterlage eingestellt, die sich derart verändern läßt, daß dem abfliegenden Speer jede gewünschte Neigung gegeben werden kann, so daß die Wurfweite dem Bedürfnis genau anzupassen ist; gegen das Ende des Speeres schnellt ein elastischer Baum, der mittels einer durch Winde oder von Hand betätigten Seilanordnung gespannt wird. Ja sogar ein mittelalterliches Schnellfeuergeschütz wird abgebildet, bei dem acht Geschützrohre wie Speichen eines Rades auf einem runden Tische liegen; wahrscheinlich sollten durch Drehen des Tisches möglichst schnell viele Schüsse nach derselben Richtung abgefeuert werden können. Und schließlich sei neben einer merkwürdig geformten Taucherglocke und einem Taucheranzug die erste Idee eines motorisch betriebenen Fahrzeuges erwähnt. Dem seltsam gestalteten Ahnen des modernen Automobils liegt der Gedanke zugrunde, die Bewegung von Windflügeln mit Hilfe einer doppelten Zahnradübersetzung auf die vier gezahnten Räder eines Wagens zu übertragen. Das eingangs erwähnte Buch ist nur noch in einem Exemplar der Berliner Bibliothek vorhanden. Rebus. Mechanische Hilfsmittel im Mittelalter. Aus einem Werke „Abhandlungen über die Kriegskunst", das Hans Knapp in Ersurt im Jahre 1511 veröffentlichte und das auf ein gleichbetiteltes Werk des Römers Flavius Vegetius Renatus aus dem Jahre 400 n. Chr. zurückführt, geht hervor, daß das Mittelalter eine recht gute Kenntnis der mechanischen Grundlehren besaß und diese auch anzuwenden wußte. In erster Linie wurden die mechanischen Hilfsmittel für die Lösung von Aufgaben verwandt, die sich im Kriege ergaben. So sieht man auf einem Bilde eine Vorrichtung, durch die ein Soldat in einem Förderkorbe bis zur Höhe der Mauerzinnen bei einer belagerten Stadt gehoben werden kann. D c (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Denkspruch. Zeige dich zu jeder Zeit Stärker als dein Herzensjammer! Sei nicht Amboß Deinem Leid, Nein, lei deines Leices Hammer. hermann Marggt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 14. Dienstag, 18. Januar 1910. # 29 * à S 2 2*" F##sr S F Si S S 2 * S S 5 S: S E S•5 S.98S S 2 S 8 — ** . 8 5 D 85 90 5 8 # S.„ S. à S#8 S 10SL P S#EsB 55EE E**• SST S E91C S 6 5 8 **** 9 S S SgE S E S.- SPSHS 2 FE BSSE CgSugEsgg = Fum En 2 S S 55 S 05R 95 — S 9 97. S 22•8 L g E SSEGN E S„ S 8 0 S 5 88S 8—„** ## Bg,„ SEEG P##srg#„ gE EFOESS• S S SphxEEEE SSSSE: F S „UREESSES * 9 8 450 S 5.85 G# 8 E S 5.2 □ ∆ 9 005 #e 2 Sa. S#g 8 ScS SUDGTBLGTE „Ich wurde zufällig Zeuge eines Gespräches, aus dem ich es unschwer entnehmen konnte.“ „Nun, wenn wir erst an Land sind, finde ich wohl eine Gelegenheit, ausführlicher mit Ihnen darüber zu sprechen. Unter allen Umständen müssen Sie mitkommen. Wenn es nicht anders geht, so sagen Sie dem Kapitän nur getrost, ich hätte es gewünscht.“ Ihre Konversation wurde durch die Signale unterbrochen, die die Landung vorbereiteten. Zwei Matrosen standen am Bug und hatten den Anker bereits losgemacht. Neben ihnen lehnte Erika an der Reling. Sie war in weißen Batist gekleidet, und ihr roter Sonnenschirm warf einen zartrosigen Schimmer über ihr von der angreifenden Reise etwas schmal und blaß gewordenes Gesicht. Wieder, wie schon so oft, wenn er in ihrer Nähe geweilt, hatte Heinz die Empfindung, daß sie das schönste und holdseligste aller weiblichen Wesen sei, die er je gesehen, und es war gut, daß ein dröhnendes Kommando von der Brücke ihm nicht Zeit ließ, sich lange seinen schwärmerisch andächtigen Empfindungen hinzugeben. „Achtung!— Vorwärts!— Los!“ schallte es herüber. Lärmend rasselte die Ankerkette durch die Klüse. Ein kurzer Ruck, und beinahe unbeweglich lag die „Aphrodite“ in dem grünen, durchsichtig klaren Wasser der Reede. Die Ankunft eines Schiffes hatte einiges Leben in das auf dem Kai herumlungernde Volk gebracht. Mehrere Boote waren gleichzeitig abgestoßen, und ihre dunklen Insassen ruderten um die Wette, einander bezüglich der Ankunft bei der Jacht den Vorrang abzulaufen. Stumpf kam von der Brücke herunter mit der Miene eines Mannes, der sich bewußt ist, etwas Bedeutendes geleistet zu haben. Und Heinz zögerte nicht, ihm sein Anliegen wegen der Führung des Landungsbootes vorzutragen. Der Kapitän nickte und näherte sich Herrn von Sylvander, um ihn zu fragen, ob es seine Absicht sei, sogleich an Land zu gehen. „Freilich," lautete die Antwort.„Je früher, desto besser. Muß ich doch fürchten, die Regierungsbureaus sonst geschlossen zu finden.“ Mit lauter Stimme erteilte daraufhin der Kapitän dem zweiten Steuermann den Befehl, die Jolle aussetzen zu lassen und die Herrschaften an Land zu bringen. Aber in seiner Nähe gab es jemanden, der diesen Befehl offenbar sehr ungern vernahm. Das war Frau Lydia von Heyden. Sie warf einen ärgerlichen Blick auf Beauregard, der mit finsterer Miene anscheinend teilnahmlos dastand, und sagte dann in dem gebieterischen Ton, den sie zuweilen anzuschlagen liebte: „Ein Araberboot ist viel geräumiger und flinker. Wozu also sollen wir unsere Leute bemühen!“ „Ich aber werde mich unter keinen Umständen einem dieser unheimlichen Fahrzeuge anvertrauen,“ erklärte Erika mit großer Bestimmtheit.„Nicht wahr, Großpapa— wir fahren mit unserem eigenen Boote?“ Damit war der Widerspruch der schönen Witwe erledigt. Ihre Mißstimmung aber äußerte sich darin, daß sie plötzlich erklärte, wegen der fürchterlichen Hitze überhaupt nicht an Land gehen zu wollen, und daß sie den anderen schmollend den Rücken kehrte. Das Boot wurde so rasch ausgesetzt, daß es, von Heinz gesteuert, bereits unter flotten Ruderschlägen dem Lande zustrebte, als die erste Mannschaft von keuchenden Somalis an das Schiff herankam. Die dunkelhäutigen Burschen hatten sich indessen trotzdem nicht umsonst abgemüht; denn Frau von Heyden hatte seltsamerweise innerhalb dieser wenigen Minuten ihre Absichten geändert, und Kapitän Stumpf erklärte, sie begleiten zu wollen, da er in einer weichen Herzensregung das Bedürfnis fühlte, seiner Gattin ein telegraphisches Lebenszeichen zu geben. Als sie in dem Boote Platz genommen hatten, heiterte sich die Stimmung der schönen Frau zusehends auf. Ihre scharfen Augen folgten unausgesetzt den Bewegungen des von Holmstetten gesteuerten Fahrzeuges, und jetzt huschte etwas wie ein triumphierendes Lächeln um ihre Lippen. „Ihr zweiter Steuermann ist vermutlich noch nie in Massauah gewesen, Kapitän!" „Schwerlich, gnädige Frau!— Aber warum meinen Sie das?“ „Weil er auf den Landungsplatz für die Regierungsboote zuhält. Dort wird ihn der Posten natürlich zurückweisen, und wir werden um eine gute Weile früher an Land sein als die anderen.“ „Den Deubel auch— Sie sind ja hier sehr bekannt, gnädige Frau! Dürfte wohl nicht viele deutsche Damen geben, die in diesen verflixten Gewässern Bescheid wissen.“ Frau von Heyden mochte sich sagen, daß sie ihre Wissenschaft ohne Not verraten habe. Aber da sie einer näheren Erklärung auf die Bemerkung des Kapitäns hin nicht wohl ausweichen konnte, erwiderte sie in unbefangenem Tone, daß sie ihren Gatten einmal auf einer Fahrt durch das Rote Meer begleitet habe. „Wir kamen nach Massauah, als es eben in den Besitz der Italiener gelangt war,“ fügte sie hinzu. Kapitän Stumpf aber schüttelte den Kopf. „Verzeihen Sie die unbescheidene Frage, gnädige Frau: Wie lange sind Sie denn eigentlich schon Witwe?“ „Seit reichlich vier Jahren, Herr Kapitän!" „Ei der Tausend! Da müssen Sie ja ein kleines Mädchen gewesen sein, als Sie sich verheirateten.“ Frau Lydia von Heyden war sicherlich an geistreichere Komplimente gewöhnt, aber sie lächelte so bezaubernd liebenswürdig und warf dem Kapitän einen so beredten Blick zu, als wäre ihr nie in ihrem Leben etwas Schmeichelhafteres gesagt worden. Offenbar war es ihr darum zu tun, ihn für irgendwelche Wünsche gefügig zu machen. Und wenn die schöne Frau sich einem Manne gegenüber etwas Derartiges vorgenommen hatte, so war sie nicht lange in Verlegenheit um die Mittel, deren sie sich zur Erreichung ihres Zweckes zu bedienen hatte. Die beiden Boote befanden sich, da die Somalis in der Tat erheblich flinker vorwärts kamen, in diesem Augenblick ungefähr auf gleicher Höhe, aber sie waren um mindestens achtzig Meter voneinander entfernt. Kapitän Stumpf erhob sich, um Heinz durch ein Zeichen bemerklich zu machen, daß er sich auf falschem Wege befinde. Aber Lydia hielt ihn zurück. „Lassen Sie doch, Kapitän!— Wenn Sie galant sind, dürfen Sie mir den Spaß nicht verderben. Die da drüben haben meinen Rat verschmäht, mit einem Eingeborenenboot zu fahren. Nun sollen sie mir dafür auch die Genugtuung lassen, meinen Fuß um mindestens fünf Mnuten früher auf afrikanischen Boden zu setzen.“ Wer weiß, ob die Galanterie des Kapitäns trotz alledem groß genug gewesen wäre, um ihn zur Willfährigkeit zu bestimmen, wenn er nicht gleichzeitig daran gedacht hätte, daß es seinem zweiten Steuermann vielleicht gar nicht so unangenehm sein würde, die Gesellschaft des Fräuleins Erika von Sylvander noch etwas länger ohne die gleichzeitige Anwesenheit der schönen Witwe zu genießen. So ließ er sich denn mit einem kleinen Schmunzeln wieder auf seinen Sitz fallen, und die Dinge spielen sich genau so ab, wie Frau von Heyden es vorausgesehen und gewünscht hatte. Dem Landungsboote der„Aphrodite“ wurde das Anlegen am Hauptkai verwehrt, und Holmstetten machte bei dieser Gelegenheit die Entdeckung, daß Beauregard wenig oder gar kein Italienisch verstand. Erika mußte den Dolmetsch spielen und die Zurufe des Postens übersetzen. Als er begriffen hatte, worin sein Fehler bestanden, ließ Heinz natürlich wenden und hielt auf die Stelle zu, wo der Kapitän und Frau von Heyden ihr Eingeborenenboot inzwischen bereits verlassen hatten. (Fortsetzung folgt.) Jep U Usssuuu uues W D p. Humor. Der Lehrling. Zwei Dinge gehen über das Begriffsvermögen des gestern neu eingetretenen Stifts. Erstens, wie die Geschäftswelt bestehen konnte, so lange er noch in der Schule war, und zweitens, was aus derselben werden wird, wenn er einmal stirbt. * Ach so!„Hulda besitzt eine außerordentlich reiche, blühende Phantasie!“ „Wirklich! Das ist mir eigentlich nie aufgefallen!“ „Doch, sie bildet sich nämlich tatsächlich ein, sie sei hübsch.“ Eine tolle Verfolgung. Schluß.(Nachdruck verboten.) Die kleine Maschine mochte uns etwa zwei Kilometer voraus sein. Vor Avon konnten wir sie unmöglich noch einholen. Die Räuber mußten sie aufs äußerste angestrengt haben. Aber auch Ben Sutton und sein Heizer waren in ununterbrochener Tätigkeit. In rasender Eile sausten wir dahin, in rasender Eile näherten die Maschinen sich dem Treffpunkte der beiden Linien, nur mit dem Unterschied, daß die kleine uns so weit voraus war, daß sie unbedingt vor uns die Weichen von Avon passieren mußte. Auf dieser Station waren inzwischen, wie ich erwartet hatte, beide Depeschen eingetroffen. Natürlich war alles in der größten Aufregung gewesen. Als die erste Nachricht von der Gänseinsel einlief, war der Stationsvorstand sich schon darüber klar geworden, daß er die kleine Maschine auf ein Nebengleis ablenken und die Räuber festnehmen wollte. Als er aber dann aus der Meldung des Stationsvorstandes von Geneseo erfuhr, daß von dort aus eine große Maschine zur Verfolgung ausgesandt sei, änderte er seinen Plan und beschloß vernünftigerweise, die Verfolgten sowohl wie die Verfolger ihrem Schicksal zu überlassen. Er durfte auf seinem Bahnhof keine Maßregeln treffen, die zu einer Katastrophe, einer Entgleisung oder einem Zusammenstoß führen konnten. Die beiden Maschinen kamen sich näher, immer näher, so daß man die Leute drüben deutlich sehen konnte. Wie sie sich plagten und sich abmühten! So eifrig hatten sie wohl ihr ganzes Leben nicht gearbeitet. Hochaufgerichtet und stolz stand der große Mann am Steuer der Maschine; während die beiden anderen unaufhörlich feuerten und Kohlen schleppten. Ach, hätte ich sie doch erst lebend in meiner Gewalt! Würde dies glücken? Würde diese Jagd ohne Blutvergießen abgehen? Wer konnte das wissen. Aber auch für uns hieß es vorwärts. Doch da hatten wir ja schon die Station Avon. Jetzt raste die kleine Maschine durch die Weichen. Unwillkürlich hielt ich mich fest. Wir waren ihr dicht auf den Fersen. Würde sie glatt durchkommen oder entgleisen? Dann war es bei der Geschwindigkeit, die wir erreicht hatten, auch um uns geschehen. War unsere Maschine auch ein Koloß der schwersten Art und die feindliche Lokomotive ihr gegenüber ein Kinderspielzeug, so war kaum daran zu denken, daß ein Zusammenstoß für uns ohne schlimme Folgen abgehen würde. Dieselben Gedanken müssen in diesem Augenblick auch meine Gefährten gepackt haben. Denn mit der gespanntesten Aufmerksamkeit hatten sie ihre Blicke nach vorn gerichtet. Jetzt sausten wir durch die Station. Ein gewaltiger Lärm entstand. Der Bahnsteig war voller Wir sahen, wie einer Reihe von Personen durch den Luftdruck der vorbeisausenden Maschine die Hüte vom Kopfe geweht wurden. Voraus die kleine Lokomotive, rasselnd und keuchend, mit einer Menge Funken und Rauch aus dem Schornstein und Kessel, und dahinter, den Flüchtling weit überragend, die hohe, schwere Masse unserer Riesenmaschine mit dumpfem Getöse, feuersprühend und alles in dichten Rauch einhüllend. Lange kann die Fahrt nicht mehr dauern. Zu einer längeren Jagd hatten wir uns den Räubern schon zu sehr genähert. Es war aber auch die höchste Zeit, daß die Entscheidung fiel. Denn bis zur Grenze meines Distrikts war es nicht mehr weit, und drüben war meine Machtbefugnis zu Ende. Je näher wir dem Feinde rückten, desto gespannter verfolgten die beiden Fachleute alles, was bei ihm vor sich ging. Das Gelände wurde wieder uneben und waldig, Hügel und Schluchten wechselten miteinander ab. Wir waren bereits über eine Brücke gekommen. Eine zweite, die über einen wilden, reißenden Bach führte, hatten wir kurz vor uns. Hatte Ben Sutton trotz der inneren Aufregung, in der er sich befinden mußte, bis jetzt äußerlich seine Ruhe vollständig bewahrt, so wollte es mir scheinen, als entdecke er drüben etwas, das ihn zur besonderen Vorsicht bewog. Es kam mir auch so vor, als habe er unsere Fahrt verlangsamt. Auch der Heizer hatte das Kohlenschaufeln eingestellt und stand am Rande der Maschine scheinbar zum Sprunge bereit da. Hatten die Burschen vor uns Gegendampf gegeben? Waren sie im Begriff abzuspringen oder waren sie schon abgesprungen? Wie ich mich eben anschickte, einen Blick auf die Strecke zu werfen, sehe ich, daß Ben Sutton plötzlich mit allen Kräften an dem Regulatorhebel und der Steuerung arbeitet und wie unser Koloß anfängt, seine Fahrt zu verringern. Ja, richtig, wir gehen langsamer. Was hat das zu bedeuten? Aber schon in demselben Augenblick erblicke ich unmittelbar vor uns die kleine Lokomotive und dann spüre ich einen gewaltigen Stoß, dem ein zweiter, dritter folgt. Ich bin hintenüber gefallen, habe mich scheinbar aber nicht verletzt. Jedenfalls steht unsere Maschine, und wir sind glücklich mit dem Schreck davongekommen. Das ist immerhin ein Trost. Jetzt heißt es aber handeln. Die Räuber dürfen uns nicht entwischen. Mit einem Satz stehen wir unten auf dem Gleis und stürmen vorwärts. Wohin unsere Augen sich aber auch richten, nirgends ist die Spur eines Menschen zu finden. Dagegen bietet sich uns das Bild einer fürchterlichen Zerstörung dar. Unser Riese hat sich auf den Tender der verfolgten Lokomotive geschoben und diesen wieder gegen die Maschine gedrückt. Also haben die Räuber doch wohl Gegendampf gegeben und sind dann abgesprungen. Aber was ist das? Auf der arg zugerichteten Maschine liegt der lange Räuber, der die Maschine geführt hat und der jedenfalls die Seele und der Leiter der Bande war. Er ist tot. Die Katastrophe hat also doch ein Opfer gefordert. Die schine sieht aber auch fürchterlich aus. Bei näherer Besichtigung wird uns alles klar. Es hat ein Kolbenbruch stattgefunden, und die mit aller Gewalt umhersausenden Eisenstücke haben den oberen Bau der kleinen Lokomotive zerschlagen und ihren Führer get nur noch Zeit hatte, Zonteghon Heur äbrigen Barschen mehr abspringen konnte. ist keine Spur zu sehen. Im Dunkel der Nacht haber sie sich aus dem Staube gemacht und sind im Dickicht des Waldes verschwunden. Wir kümmerten uns aber nicht zesthgenen, G e e Denn weitaus den größten Teil des 9en zzgen auderr fanden wir bei der Leiche vor. Die be haben von ihrer verbrecherischen Tat keinen, größeren Gewinn gehabt, Uebrigens wurden sie, ezuige Tage 3. Schwerker Zeitung.(Amtliches Kreisdlal). Dienslag, den 18. Januar 1910. Nr. 14. ernd das Repertoire beherrscht, vornehmlich dem glänzenden Spiel von Frau Willig zu verdanken habe. Kein Kunstfreund muß die seltene Gelegenheit versäumen, die typische Darstellung der Rabensteinerin durch Frau Willig zu bewundern. Der Billetvorverkauf wird bereits mit dem heutigen * Hagen, 17. Jan.(Schwurgerichtsstatistik.) In der diesjährigen ersten Schwurgerichtsperiode wurde an sechs Sitzungstagen gegen 6 männliche Angeklagte und in 6 Anklagesachen verhandelt. Diese betrafen in 2 Fällen Sittlichkeitsverbrechen und in je einem Falle Unterschlagung und Urkundenfälschung, Meineid, Erpressung und Bedrohung, Konkursvergehen. Unter diesen Fällen wurde eine Sache vertagt, in allen übrigen Fällen erfolgte die Verurteilung der Anklage gemäß. An Strafe wurde verhängt insgesamt 8 Jahre 6 Monate Gefängnis und 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus. Als Tatotte kommen in Betracht: Hagen, Gevelsberg, Lüdenscheid, Plettenberg. Valbert, Haßlinghausen. * Hagen, 17. Jan.(Rascher Tod.) Einen Herzschlag erlitt im Eisenbahnkoupee am Sonntag die 55jährige Witwe Stankowiak aus Kabel. Sie bestieg in Kabel den Zug, um nach Arnsberg zu fahren, sie wurde aber bereits in Hagen tot aus dem Zuge getragen und ins Totenhaus nach Altenhagen gebracht. * Hagen, 17. Jan.(Aus Liebe zu ihrem„Schatz“) stahl ein Dienstmädchen in Wehringhausen aus dem Weinkeller ihrer Herrschaft mehrere Flaschen Wein und feierte mit ihrem Galan Sylvester, und zwar in der Wohnung der Herrschaft, da diese verreist war. Am andern Tage kam bei dem Dienstmädchen der moralische Katzenjammer und die Furcht vor der Entdeckung des Diebstahls. Das Mädchen inszenierte nun einen Einbruch, um den Verdacht von sich abzulenken. Sie entwendete Wäschestücke, durchwühlte Schränke und zerschnitt und zerstörte, was sie nicht mitnehmen konnte. Die Polizei ließ sich aber von dem Mädchen nicht lange hinter dem Licht herumführen und sagte ihm ohne weiteres die Tat zu. Da die 5gestohlene“. Wäsche aus einem Versteck zutage gefördert wurde, half kein Leugnen mehr und unter Tränen gestand das Mädchen die leichtsinnige Tat ein. * Vorhalle, 17. Jan.(Ein Eisenbahnunfall) ereignete sich in der Nacht zum Sonntag auf dem hiesigen Bahnhofe. Ein aus der Richtung Hengstei kommender Güterzug fuhr in ein mit Wagen besetztes Nebengleis und warf 12—15 Wagen aus den Schienen. Die Lokomotive des Güterzuges erlitt bei dem Zusammenstoß schwere Beschädigungen, so sie außer Betrieb gesetzt werden mußte. Der Schaden dürfte sich auf 15000 Mark belausen. 91 * Altena, 17. Jan.(Tödliche Unfalle.) auf dem Werke Linscheid kam der Arbeiter Knipp einer Hobelmaschine zu nahe, wurde erfaßt und so schwer verletzt, daß er bald eine Leiche war.— In Plettenberg fiel der Arbeiter Hoffmann so cheftig in den Flur, daß er das Genick brach und sofort tot war. * Bochum, 17. Jan.(Liebesdrama.) Heute morgen hörten die Nachbarn des Vogelimporthauses Kersken drei Schüsse fallen. Als man hinzueilte, fand man in dem Zimmer der 20jährigen Verkäuferin Maria Krieger aus Linden d.n Knappschafts=Assistenten Wilhelm Fischer aus Langendreer mit einem Schuß in der Brust tot vor. Die Verkäuferin Krieger war durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet und konnte noch lebend ins Krankenhaus gebracht werden. Die Gründe der unseligen Tat konnten noch nicht mit Gewißheit ermittelt werden; es gewinnt den Anschein, als ob Fischer sich schon seit längerer Zeit im Zustande hochgradiger seelischer Zerrüttung befunden habe. * Düren, 17. Jan.(Verhafteter Münzverbrecher.) Schon seit einiger Zeit wurden hier 20 Markstücke angehalten, die unter Verwendung von gewissen Säuren in ihrem Werte wesentlich verringert waren. Es ist nunmehr unserer Polizei gelungen, den Täter in der Person eines hiesigen Goldarbeiters festzustellen. * Düren, 17. Jan.(Durch Flugfeuer) entstand in einem Schuppen der Firma Gebr. Hannemann in Rölsdorf ein Brand, durch den ein Teil der Eisengießerei und Maschinenfabrick in Mitleidenschaft gezogen wurde, ohne daß indessen der Betrieb eine Störung erleidet. Unter den Trümmern des Schuppens wurde die verkohlte Leiche eines unbekannten Mannes hervorgezogen, der wahrscheinlich in dem Schuppen übernachtet hatte. * Mülheim(Rhein), 17. Jan.(Die betrogene Braut.) Eine Dienstmagd vom Lande hatte schon in Erwartung der bevorstehenden Ehe hier eine vollständig ausgestattete Wohnung gemietet und ihrem hier ansässigen Bräutigam die Benutzung derselben gestattet. Als vor einigen Tagen das Mädchen ihren Geliebten besuchen wollte, machte es die Entdeckung, daß sowohl der Bräutigam als auch die Wohnungsausstattung vollständig verschwunden waren. Der nette Bräutigam hatte die Möbel zu einem Spottpreis an einen Althändler verkauft. * Köln, 17. Jan.(Ein Erzschwindler) hatte sich vor der Strafkammer wegen großer Betrügereien zu verantworten. Es handelt sich um den etwa 24 Jahre alten Sohn des Kaufmanns Biergans, Inhaber eines großen Konfektionsgeschäftes am Alten Markt. Dem jungen Biergans wurde zur Last gelegt, zwei Kaufleute um 3500 bezw. um 14000 Mark betrogen zu haben. Ferner fälschte er einen Wechsel über 14500 Mark durch Mißbrauch der Unterschrift seines Vaters. Für das Geld verschaffte sich der junge Mann ein Automobil und machte damit eine Tour nach Italien. In Lugano erlitt das Auto starke Beschädigungen. Biergans ließ das Auto einfach in dem Zustande in Lugano, von wo es sich der eigentliche Besitzer komemn lassen mußte. Biergans lebte immer auf großem Fuße. Mit seinen Eltern geriet er in Unfrieden, obwohl diese seine ganzen Schulden bezahlten. Schließlich wurde er entmündigt. B. gab die Betrügereien ohne weiteres zu. Das Gericht verurteilte ihn zu 4 Monaten Gefängnis, wovon drei Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Stuckateure, Gipser, Pflasterer und verwandter Berufsgenossen Deutschlands hat beschlossen, daß jedes Mitglied der Organisation außer dem ordnungsmäßigen Beitrag noch einen wöchentlichen Extrabeitrag von 1 Mark zu zahlen hat, um den Fonds zu stärken.— Der Verband der Baugeschäfte von Berlin macht offiziell durch ein Rundschreiben an seine Mitglieder darauf aufmerksam, daß die Neuregelung der Tarifverträge im Holzgewerbe und auch im Baugewerbe auf Schwierigkeiten gestoßen ist.„„ Sondergerichte für Dienstboten. Eine aulgemeine Dienstbotenversammlung stellte Sonntag in Berlin nach einem Vortrage des Gewerkschaftssekretärs Adolf Ritter die Forderung auf, daß Streitigkeiten zwischen Dienstboten und Herrschaften nicht wie bisher der Entscheidung der Polizei unterliegen soll. Das Eingreifen der Polizeibehörde, das die Hausangestellten zu Arbeiterinnen niederen Rechts mache, hänge mit der veralteten Gesindeordnung zusammen und sei geradezu demütigend. Sei die Unterstellung der Dienstboten unter die Gewerbeordnung noch nicht zu erreichen, so verlangten sie mindestens, von der Vormundschaft der Polizei befreit zu werden und ihre Streitfälle von besonderen, den Gewerbegerichten nachgebildeten Dienstbotengerichten mit gewählten Beisitzern bezw. Beisitzerinnen aus den Kreisen der Herrschaften und Dienstboten und einem beamteten Richter an der Spitze entwerden. Arbeiterbewegung. Drohender Kampf im Baugewerbe. Im Frühjahr laufen die Tarifverträge im Stuckateurgewerbe ab und dürften nach Ansicht der Arbeitnehmer unzweifelhaft von den Arbeitgebern gekündigt werden. In den Arbeitnehmerorganisationen, soweit sie dem Baugewerbe angehören, macht man sich auf einen Kampf gesaßt. Eine Konferenz des Zentralverbandes der Bunte Chronik. Schwere Wohnungskrisis in Berlin. In Berlin stehen zurzeit über 25000 Wohnungen aller Art und Tausende von Läden und Gewerberäumen leer. Selbst die Beamtenwohnungsvereinsgenossenschaft usw. werden von dieser Fülle unvermieteter Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen. Der Beamtenwohnungsverein verzeichnet gegenwärtig einen Mietsaussall von rund 120000 Mark. Ein Flugtechniker als Brandstifter. In der Gemernde Waz in der Nähe von Reims brannte am 26. Dezember vor. Is. eine Halle nieder. In der Halle war ein dem Mechaniker Pasquier gehöriger Flugapparat untergebracht, der durch das Feuer zerstört wurde. Gewisse Anzeichen führten dazu, der Verdacht sich schließlich gegen den Mechaniker selbst richtet Er wurde gestern verhaftet. Die Behörden vermuten, daß Pasquier die Scheune selbst angezündet habe, um in den Besitz der Vresicherungssumme zu gelangen. Verhaftung eines Mädchenhändlers. Die Antwerpener Polizei verhaftete im Hotel Avenue einen Mann, der dort unter dem Namen Stein den Mädchenhandel betrieb. Der Verhaftete schickte sich, als er verhaftet wurde, eben an, ein junges Mädchen aus Elberfeld, dessen Name noch nicht festgestellt ist, nach den Vereinigten Staaten einzuschiffen; die Plätze auf dem Dampfboot waren bereits bestellt. Das junge Mädchen wird durch Vermittlung des deutschen Konsuls in ihre Heimat gebracht werden. Der Hungertod in Spanien. Sonntag wurden in Madrid wieder auf offener Straße die Leichen eines Mannes und einer Frau aufgelesen, die ärztlichem Gutachten zufolge verhungert waren. Seit Beginn dieses Winters sind in Madrid bereits neun Personen auf der Straße Hungers gestorben. Zahllose Scharen von Bettlern füllen die Armenasyle. Sie sind dadurch, daß Legionen aus Frankreich eingewanderter Mönche alle Almosen monopolisieren, aller Mittel entblößt Gymnasiasten als Majestätsbeleidiger. In einer höheren Klasse des Budapester öffentlichen Obergymnasiums hat ein Schüler ein Oelgemälde des Königs verstümmelt. Der Schul diener meldete den Vorfall dem Direktor, der sofort eine Untersuchung anstellte. Die Schüler wollten jedoch den Täter nicht angeben. Das Lehrerkollegium beschloß, das Gymnasium zu schließen und suspendierte den Unterricht solange, bis der Täter ermittelt ist. Sollte dies nicht gelingen, soll die ganze Klasse relegiert werden. 16 Eine unmenschliche Grausamkeit ließ sich ein chinesischer Richter in Schanghai zu schulden kommen. Er verurteilte e nen Angeklagten zu 4000 Stockhieben. Man kam nur zu etwa 2000 Hieben, dann fiel dem Unglücklichen das Fleisch in Fetzen von den bloßgelegten Knochen. Die Entrüstung wegen dieses grausamen Urteils ist um so größer, als durch ein kaiserliche Edikt eine so hohe Strafe verboten ist. Furcht vor dem Duell. Sonntag abend wurde der 18 Jahre alte Medizinaldrogist Reinhold Schulze in das Moabiter Krankenhaus in Berlin mit einer Schußverletzung im Kopfe eingeliefert. Das Gerücht ging, daß er sich duelliert habe. Der Wahrheit entspricht aber, daß er vor Furcht vor einem Duell sich die Wunde selbst beigebracht hat. Der junge Mann stammt aus Steinfurt und liegt noch hoffnungslos darnieder. Kunst und Wissenschaft. Die Ausfuhr von Kunstgegenständen aus Italien, allein von Florenz, dem wichtigsten Platze, belief sich nach den Feststellungen des dortigen Ausfuhramtes im Jahre 1908 auf 46139 Gegenstände im Werte von 4825250 Lire, wovon auf die neuere Kunst enfallen: Lire 826100 für Malereien, 1834950 für Skulpturen. Lire 1891510 für Kunstgewerbe. An Werken der älteren Kunst wurden ausgeführt: 298 Gemälde im Werte von 147280 Lire, 42 Bildwerke für 27450 Lire und 1595 kunstgewerbliche Gegenstände für 97960 Lire. Eine großartige Stiftung zur Förderung medizinischer Studien. Da die Gründung des von Alfred Beit geplanten und mit der Schenkung von einer Million Mark ausgestatteten „Institute of Medical Sciences“ sich als unmöglich erwiesen übergab jetzt der Bruder des Verstorbenen, Otto Beit, der Universität London ein Kapital von 215000 Pfund Sterling. Dessen Zinsen, etwa 150000 Mark jährlich, sollen zur Förderung medizinischer Studien dienen. Zehn Personen, Männer oder Frauen europäischer Abkunft, können, wie die„Deutsche Medizinische Wochenschrift“ mitteilt, drei Jahre lang mit 5000 Mark jährlich unterstützt werden, wenn sie ihre Arbeiten an einem der hierfür bestimmten Institute ausführen, doch müssen die Bewerber einen englischen Grad erlangt haben. Auch Professor Dr. Ch. Graham, Lehrer der chemischen Technologie, hat der Universität einen großen Teil sein Vermögens zur Förderung medizinischer Forschungen hinterlassen. Letzte Drahtmeldungen. Verschüttet und verbrannt. Königshütte, 18. Jan. Eine Arbeiterin sammelte in einer Grube auf der Kohlenhalde der Königsgrube Kohlenreste. Grubenarbeiter, die von ihrer Anwesenheit nichts ten, schütteten von oben her Wagen mit brennenden Kohlenschlacken aus, die die Frau begruben und töteten. Schweres Bauunglück. Berlin, 18. Jan. Auf der Grube Gottlob 2 bei Bröditz kippte ein eiserner Schornstein während der Aufrichtung um und riß das Baugerüst, aus dem 15 Arbeiter beschäftigt waren. mit in die Tiese. Neun Arbeiter konnten sich noch rechtzeitig durch Abspringen retten, sechs wurden in die Tiese gerissen und von ihnen wurde einer getötet und fünf verletzt. Explosion von Feuerwerkokörpern. Berlin, 18. Jan. In der Fabrik des bekannten Pyrotechnikers Gustan Bock zu Niederschönhausen entstand gestern nachmittag eine Explosion, durch welche 6 Angestellte mehr oder weniger erheblich verletzt wurden. Spielerei mit Schießgewehr. Guben, 18. Jan. Bei einer Spielerei mit einem Teschin wurde bei einem Bockbierfest ein 20jähriger Arbeiter von einem 18jährigen Burschen erschossen. Ein internationaler Gauner. Köln, 18. Jan. Ein internationaler Gauner, der in Verviers wohnte und von dort aus die größeren Städte West= und Mitteldeutschlands unsicher machte, wurde in Barmen festgenommen, als er einen von der Kölner Bank nach dort überwiesenen größeren Geldbetrag rechtswidrig in Empfang nehmen wollte. Eine menschliche Bestie. Rosenheim(Oberbayern), 18. Jan. Ein Korbmacher lauerte einem Zementarbeiter, mit dem er seit längerer Zeit in Streit lebte, nachts nach einem Streit im Wirtshause auf und schlachtete ihn förmlich ab, indem er ihm mit einer Sichel den Kopf vom Rumpfe trennte. Der Täter, Vater von fünf Kindern, wurde verhaftet. Zum Fall Hofrichter. Wien, 18. Jan. Die Untersuchung der Teile der exhumierten Leiche der früheren Braut Hofrichters hat ergeben, daß der Körper keine Spur von Cyankali enthalten haben kann. Handel. Duisburg, 17. Jan. Weizen, inl. 22,60—22,80 M, Azow 24,00—25,00 M, Schwarzmeer 24,00—25,00 M, Amerikaner 24,00 —25,00 A; Roggen, inl. 16,60—16,80 M, Schwarzmeer 19.50 —20,00 M, Azow 19,50—20,00 M; Hafer, inl. 15,50—16,40 M. Donau 17,00—19,00 M, russischer 17,00—19,00 M; Futtergerste, russische, einschl. geschn. Ware 13,10—13,50 M, rumänische 13,30 —13,60 M; Mais, amerik. 16,50 M, Donau 16,25—16,50 M, Cinquante 17,25—17,75 M, russischer 16,40—16,60 M; Buchweizen 19,75—20,25; Weizenmehl Nr. 000 30,75—31,50 M, Nr. 00 30,00—30,50 A; Roggenmehl Nr. 0 24,00—24,75 M. Nr. 0/1 23,25—23,75 M; Bollmehl 13,00—13,50 M; Grand 10,00—10,50 MA; Kleie 11,00—11,50 M. Neuß, 17. Jan. Weizen, 1. Sorte 22,40, 2. Sorte 21,40 M; Roggen, 1. Sorte 16,20, 2. Sorte 15,20 J; Hafer, 1. Sorte 15,50, 2. Sorte 14,50 M; Gerste 14,50 MA für 100 Kg. Kartoffeln 2,70—3,00 M; Heu 4,50—5,00 M; Luzerner Heu 5,50 für 50 Kg. Krummstroh 22,00, Breitdruschstroh 24,00 MA für 500 Kg. Kleie 6,20.A für 50 Kg. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn: Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedr. Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus(Inh. Paul Schiemann), sämtlich in Schwerte. Mark 74—76 70—73 63—69 54—62 Städtischer Viehhof, Dortmund. Zum heutigen Schlachtviehmarkte waren aufgetrieben 1019 Stück Großvieh, 1899 Schweine, 486 Kälber, 86 Schafe. Dortmund, den 17. Januar 1910. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens Jahre alt....... b) junge fleischige, nicht ausgemastete und ältere ausgemästete.......... c) mäßig genährte junge, gut genayrte ältere.. d) gering genährte jeden Alters Bullen: a) vollfleischige ausgemästete Bullen bis zu 5 Jahren b) vollfleischige jüngere Bullen.. c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere d) gering genährte. Rinder und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Rinder höchsten Schlachtwertes b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren... c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder..... d) mäßig genährte Kühe und Rinder..... Kälber: (für 100 Pfund Lebendgewicht.) a) feinste Mast=(Voll=Mast) und beste Saugkälber d) mittlere Mast= und gute Saugkälber.. c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte (Fresser) Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel... b) ältere Masthammel... c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1% Jahren... b) fleischige c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber Tendenz: langsam, sonst mittel. 66—68 61—65 55—60 00—00 71—73 67—70 60—66 50—59 54—56 50—53 43—49 70—75 60—69 50—59 71. 66—70 60—65 Der osse Da Gelsbi-Ausverkauf in Herren- u. Knaben. 99 Konfektion bei " bas8e& Verpmanp, Iserloho“ Bekannte Fahrtvergütung:: Seite 4. Schwerter Jeitung.(Amtliches Kreisblath). Dienslag, den 18. Januar 1910. Nr. 14. Bekanntmachung. Die seitens der Gemeindevertretung zu Barop unterm 29. Dezember 1909 getätigte Wahl des Landwirts Hugo Schulte zu Eichlinghofen als stellvertretender Gemeinde=Vorsteher von Eichlinghosen auf eine gesetzmäßige Amtsdauer von 6 Jahren ist von mir in Gemäßheit des§ 38 der Landgemeinde=Ordnung vom 19. März 1856 und des§ 25 der Kreis=Ordnung vom 31. Juli 1886 am heutigen Tage bestätigt worden. Hörde, den 10. Januar 1910. 277 Der Königliche Landrat. I. V.: Dr. Haslinde Regierungs=Assessor. Bekanntmachung. Zur Entgegennahme von Reklamationen auf Zurückstellung oder Befreiung vom aktiven Militärdienst, sowie der Reklamationen der Reservisten und Landwehrleute auf Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung habe ich Termin auf den 4. Februar für die Gemeinden Holzwickede und Hengsen, 5. Februar für die Gemeinden Sölde und Opherdicke, 7. Februar für die Gemeinde Berghofen, 8. Februar für die Gemeinde Schüren, 10. Februar für die Gemeinde Aplerbeck im hiesigen Amtsbureau, Zimmer 10, während der Dienststunden anberaumt. Die Reklamationen, die persönlich anzubringen sind, müssen durch Vorlage von Bescheinigungen und Urkunden begründet werden. Namentlich sind die Geburtsscheine der Eltern und sämtlichen Geschwister, sowie die Steuerzettel und der Nachweis des Arbeitsverdienstes der sämtlichen Geschwister während der letzten 6 Monate zu erbringen. Die Invalidenrente, Pension und Schuldenzinsen sind ebenfalls nachzuweisen. Bei behaupteter Erwerbsunfähigkeit empfiehlt sich die Beibringung eines kreisärztlichen Attestes. Die im Vorjahre angebrachten Reklamationen sind zu erneuern. Aplerbeck, den 12. Januar 1910. 304 Der Amtmann: Leonhard. gad Frau Marie Sporieder MODES = Mährstrasse 211.= Anfertigung und Umarbeitung von Trauerhüten jeden Genres und „ 2* in allen Preislagen.### Die beste und billigste taden ist das Hamb. Engros-Lager 287 Schwerte, Ostenstrasse 20. Fernsprecher 233. Bildhubsch macht ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen, weiße, sammetweiche Haut und dlendend schöner Teint. Dies erzeugt SteckenpferdJilienmisch= Seise v. Bergmann& Co., Radedeul. à Sick. 50 Pfg. in Schwerte: Adler=Apotheke, Neue Apotheke. 891 In Westhosen: Wilh. Engel. Malz=Extract=Bier Kraftbier, reich an Extrackgehalt (¼0“ arm an Alkohol 1%) sowie Reichsmärker Kornbranntwein empfiehlt Carl Raffin Gasthof„Jur Helle“. 32 Otto Marr'3 Mark Korsel! ist das beste.„ Hamburger Engros=Lager 288 Schwerte, Ostenstraße 20. Krieger=Verein Schwerte. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden, Veteran Carl Dilling treten die Vereinsmitglieder am Mittwoch, den 19. Januar d. Js., nachmittags 2.30 Uhr. im Vereinslokale Jockenhöfer(Im Reiche des Wassers)an. Abmarsch punkt 3 Uhr. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Schwerte, 17. Jan. 1910. 291 Der Vorstand. Ke 8 Danksagung. Herrn Dr. med. Max Goecke spreche ich auf diesem Wege für die liebevolle und sorgfältige Behandlung, die er mir während meiner Krankheit hat zuteil werden lassen, auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank aus. Schwerte, 17. Jan. 1910. 292 Frau Ww. Schwarze. 4 # t Zur Aufklärung! In seinen Inseraten bezeichnet sich ein Dr. phil. Mayus in Hagen als„Einziger beglaubigter Vertreter der Pastor Felke’schen Heilweise", obschon er überhaupt kein waschechter Vertreter des Herrn Pastor Felke, sondern nur ein sogen.„Nachgemachter“ ist, wie sie so massenhaft heute umherlaufen. Der Genannte hat nicht etwa, wie es den Anschein erwecken könnte, bei Herrn Pastor Felke, sondern bei dem bekannten Hense in Crefeld seine„Ausbildung“ genossen, welche darin bestand, daß er gegen Zahlung einer gewissen Summe einige Wochen lang an den Sprechstunden des p. Hense teilnehmen durfte. Dann legte sich Herr Mayus höchst eigenhändig den Titel„Felcke=Vertreter“ zu und setzte sich, als ich 1907 vorübergehend aus Hagen herauszog, schnell an meine Stelle. Die Erlaubnis zur Führung des Titels hat ihm Herr Pastor Felke, welcher sich lange Zeit dagegen sträubte, auf Betreiben des p. Hense erst später erteilt. Herr Mayus ist auch nicht, wie viele glauben, Dr. der Medizin, also Arzt, sondern Dr. phil., was mit der„Heilkunst“ nicht das mindeste zu tun hat. Hieraus möge sich Jeder selbst das Urteil über den Charakter und die Fähigkeiten dieses„Herrn Doktor" bilden. EEd Chial seil 1900 beglaubigter und von Herrn Pastor Co. Thler Felke persönlich ausgebildeter Vertreier. 285 Knorr’s delikate Suppen 2 Bachh undlung B. Braus (P. Schiemann) empfiehlt für Vereine und Gesellschaften: 8 Humoristische Theaterstücke, Couplets, Aufführungen auer Ansichisendungen stehen gern zu Diensten. Prerzetverrin Pfund 40 Pfg. 10 Pfd.=Eimer 3,50 M. 30„„ 9,75 M. Delikatessh. Wahle Schwerke. 260 Erbswurst Erbswurst mit Schinken Erbswurst mit Speck Erbswurst mit Schweinsohren Kartoffel-Suppe Grünkern-Suppe Tapioca-Julienne-Suppe Hausmacher-Suppe Reis-Suppe empfiehlt per Wurst ausreichend für 3 Teller Suppe 10 Pig. Carl Trog. Gelegenheitskauf— 1 hochfeines, fast neues Pianino mit hochedler Tonfülle, sehr billig zu verkaufen. 10 Jahre Garantie. H. van Bremen, Dortmund Heiligerweg 15. Tel. 7681. 204 Die Amtssparkasse zu Letmathe (Reichsbankgirokonto Iserlohn) 6781 verzinst Spareinlagen bei tägliche Verzinsung mit 4 10 von Harpener-Bergbau Nuss I, II u. Stücke 84 Pf. p. Itr. Nuss IV u. melierte Sick. 78 Pf. p. Itr. 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Für diese finden am 27. Januar, dem Geburtstage Sr. Majestät, im Kinematographentheater in der„Reichskrone" zwei ExtraVorstellungen stattt, und zwar um 11 und 2 Uhr. Freikarten zu diesen Vorstellungen sind am Samstag, den 22. Januar und Mittwoch, den 26. Januar, von 12—12½ in der Schule an der Kuhstraße bei Herrn Lehrer Rath in Empfang zu nehmen. Zu recht zahlreicher Beteiligung ladet ergebenst ein 298 Der Vorstand. Eine Wohnung von 5 Zimmern, Balkon und Hof. ist zum 1. April zu vermieten. 115 Kleingarn, Brückstr. Für April evtl. auch später bessere Etagenwohnung von 6 Zimmern nebst Zubehör gesucht. Gefl. Off. unter M. 270 an die Geschäftsstelle erbeten. 2 Wohnungen eine von 3 und eine von 4 bis 5 Zimmern auf sofort oder später zu vermieten; desgleichen ein möbliertes Zimmer. 213 Jos. Eickhoff, Jur Börse. Wohnung 2 oder 3 Zimmer, 50 Ruthen eroßer V. Anfertigyen in großer Auswahl. Anfeiligung auch von ausgekämmt. Haar. 25 F. L. Strack, Wilhelmstraße. 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