für den Rleis wertie. Antrhehes Rresolchr Verbunden mit: Schwerter Volksblatt O. General-Anzeiger für den Kreis hörde Schwerter Volks-Zeitung Die“schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage: "Illustrierter Familientreund“ und tägl. Unterhaltungs-Blatt. Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung" geAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstützung Alle kreis- und lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröftentlichung in der“schwerter Zeitung“ rechtso o o o o o verbindliche Kraft o o o o c o Druck und Verlag von Carl Braus,(Inhaber Paul Schiemann) Schwerte-(Ruhr)= 2 Fernsprecher Nr. 62. Erstes und altestes Tagesorgan des Kreises G. haupt-Annoncenblalt Nr. 289. Freitag, den 10. Dezember 1909. 41. Jahrg. Erstes Blatt. Neueste Nachrichten. Parlamentarische Nachrichten. Berlin, 10. Dez. Die nationalliberale Fraktion des Reichstags wird einen Initiativantrag zur Gründung einer Luftschifferakademie einbringen. Der Antrag entspricht einer Anregung des Grafen Zeppelin. Die Luftschifferakademie ist nicht etwa als Konkurrenz der technischen Hochschulen gedacht. Sie soll vielmehr technisch Vorgebildete, die sich diesem Spezialfach widmen, den letzten Abschluß ihrer technischen Bildung vermitteln. Cook ein Schwindler? London, 10. Dez. Die„Times“ melden, nächsten Freitag werde die„Newyorker Times“ mit Enthüllungen hervortreten, daß Cook ein gewöhnlicher Schwindler sei. Er habe im Verein mit zwei Helsershelfern die romantische Geschichte von seiner Fahrt nach dem Nordpol auf dem Schreibtisch fabriziert. Zur Unterstützung dieser Behauptung wird das Newyorker Blatt Schriftstücke der beiden Komplizen, des Kapitäns Loose, eines früheren Seefahrers, und eines Versicherungsagenten namens George Dunkle, veröffentlichen. Dieselben sind von Cook aufgefordert, ihm für eine Bezahlung von 4000 Dollars die astronomischen und anderen Berechnungen auszuarbeiten. Da Cook aber nicht gezahlt habe, so werden sie sich an die Oeffentlichkeit wenden und den Betrug aufdecken. Deutschland in Amerika. Washington, 10. Dez. Präsident Taft eröffnete gestern den Kongreß für Fluß= und Hasenausbau und wohnte darauf der Ansprache des deutschen Botschafters über den Ausbau von Deutschlands Wasserwegen bei. Die Hauptmitglieder des Kongresses haben in diesem Sommer Deutschlands Ströme und Häfen zu Studienzwecken besichtigt. Großfeuer in Sarstedt. Sarstedt, 10. Dez. Die Herdfabrik von Voß& Winter steht seit 6½ Uhr gestern abend in Flammen. Das Feuer ist in der Schlosserei entstanden; die Maschinen sind schon vollständig zerstört. Eine Kesselexplosion wurde befürchtet. Der Schaden ist sehr enorm. Weitere Meldungen s. unter Letzte Drahtmeldungen. Parlamentarische Nachrichten. Im Reichstag ist das offizielle Mitgliederverzeichnis herausgegeben worden. Danach haben zurzeit die elf Fraktionen unter Hinzurechnung der Hospitanten folgende Stärke: die Deutschkonservativen zählen 60 Mitglieder, die Reichspartei 25, die Deutsche Reformpartei 4, die Wirtschaftliche Vereinigung 17, das Zentrum 105, die Polen 20, die Nationalliberalen 50, die Freisinnige Vereinigung 15, die Freisinnige Volkspartei 27, die Deutsche Volkspartei 8 und die Sozialdemokraten 46. Keiner Keiner Fraktion gehören an 19 Mitglieder. Erledigt sind die Mandate Köln=Wipperfürth(durch den Tod des Abgeordneten de Witt Zentrum) und Eisenach=Dermbach(durch die Mandatsniederlegung des Abg. Schack(Wirtsch. Vereinig.). Seit den letzten allgemeinen Wahlen von 1907 haben 28 Ersatzwahlen stattgefunden, in denen haben je ein Mandat verloren die Konservativen, die Wirtschaftliche Vereinigung, das Zentrum, die Nationalliberalen und die Freisinnige Volkspartei, gewonnen haben das Zentrum ein, die Freisinnige Vereinigung ein und die Sozialdemokraten drei Mandate. Seit der Reichsfinanzreform haben die Sozialdemokraten drei Sitze gewonnen, das Zentrum und die Konservativen haben je einen behauptet. Als letzte ist jetzt auch die polnische Fraktion mit ihren Anträgen erschienen. Diese sind natürlich den Bedürfnissen der polnischen Bevölkerungskreise besonderns angepaßt, und umfassen daher sozialpolitische Wünsche, die sich besonders auf das Bergarbeiterwesen und überhaupt auf die schwere Industrie beziehen, andererseits sich aber mit der Lage der Landarbeiter (Sachsengänger) beschäftigen. Von allgemeinem Interesse sind die folgenden Anträge: Dem Artikel 24 der Reichsverfassung ist folgender neuer Absatz einzufügen: Die Auflösung des Reichstages muß erfolgen, sobald sie von einem Drittel der : Mitglieder verlangt wird, die Sprachenparagraphen bei dem Reichsvereinsgesetz aufzuheben, einen Gesetzentwurf vorzulegen, zwecks Regelung des Aufenthaltes der Ausländer im Deutschen Reiche, einen Gesetzentwurf vorzulegen betreffend Unterlassung des Ausschenkens und des Kleinhandels mit Branntwein und Spirttuosen an Vonn= und Fefttagen, sowie von 5 Uhr abends an vorangehenden Werktagen ab, und schließlich für die Entscheidung von Ansprüchen gegen Beamte, nur die ordentlichen Gerichte für zuständig zu erklären und alle entgegenstehenden landesgesetzlichen Bestimmungen aufzuheben. Deutscher Reichstag. 7. Sitzung. 9. Dezember, 1 Uhr mittags. Haus und Tribünen sind gut besetzt. Am Bundesratstisch: Reichskanzler v. Bethmann=Hollweg, v. Tirpitz, Delbrück, Lisco, Dernburg, v. Schoen. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung des Etats pro 1910. Reichskanzler v. Bethmann=Hollweg: Meine Herren! Der Etat ist mit besonderer Aufmerksamkeit aufgestellt. Das war für die verbündeten Regierungen die erste praktische Folgerung der Ereignisse der vorigen Tagung. Es war unsere Aufgabe, das Haben mit dem Soll auszugleichen. Das Reich mußte wieder auf eine solide finanzielle Grundlage gestellt werden. Bei dieser Aufgabe werden auch diejenigen Parteien wieder zusammen kommen müssen, die bei der Finanzreform auseinandergeraten sind. Auf den Kampf der Parteien will ich nicht zurückkommen. Nur einen Punkt muß ich klar stellen. Es ist gefragt worden, weshalb die Regierung nicht in den nachträglichen Kampf der Parteien eingegriffen hat. An Berichtigungen aber, m. H., in bezug auf die Belastung durch die neuen Steuern hat es die Regierung nicht fehlen lassen. Aber in den Kampf der Parteien einzugreifen, hat die Regierung unterlassen. Nicht, als ob es ihr dazu an Mut gefehlt hätte, sondern lediglich weil sie sich davon keinen praktischen Erfolg verheißen. Verhindert hätten wir durch unser Eingreifen die leidenschaftlichen Parteikämpfe doch nicht; denn dazu war die Erregung zu groß. Genau wie im Juli, so sind die Regierungen auch heute noch fest überzeugt, daß nur mit der Zustimmung zu den im Juli beschlossenen Steuern ein Etat vorgelegt werden konnte, der zu einer Gesundung der Finanzen führen konnte. Ebensowenig wie bisher, ebensowenig wird in Deutschland die Regierung jemals eine Partei=Regierung sein.(Große Unruhe und lebhafte Rufe des Widerspruchs auf der äußersten Linken.) M. H., mit den Schwierigkeiten, die sich aus der Verschiedenheit der Parteien ergeben, wird sich ein jeder deutscher Staatsmann abfinden müssen. Daran hat auch die letzte Krise keinen Deut geändert. Der Radikalismus hat allerdings ein Interesse daran; Deutschland in zwei Lager zu trennen, aber auf die Dauer ist dieser Dualismus eine Fiktion.(Gelächter bei der äußersten Linken.) Ich kann keinen Vorteil sehen, den das Reich davon hätte, die Gegensätze, die auf Grund der neuen Steuerbeschlüsse sich herausgebildet haben, nun auf unsere ganze kräftige Entwicklung fortwirken zu lassen. Die gegenwärtigen Vorlagen, wie sie in der Thronrede erwähnt sind, hat man als zu nüchtern bemängelt, tatsächlich aber entbehren sie nicht jedes politischen Interesses. Man gewinnt, wenn man nach außen sieht, allerdings den Eindruck, als ob auch die Fragen von großer sozialpolitischer Wichtigkeit jedes politische Interesse verlören in dem Augenblicke, wo wir an ihre praktische Lösung herantreten. Ich verschließe die Augen nicht vor der Erregung, die noch das Land durchzieht. Ich glaube aber doch, daß es weite Kreise im Lande gibt, denen es nicht darum zu tun ist, nur scharf gewürzte Kost zu genießen, denen vielmehr nur daran liegt, daß unsere Politik Festigkeit und Stetigkeit im Innern und nach außen aufweist.(Lachen bei den Sozdem.) Wenn unsere Politik nur gestellt wird unter die Schlagworte „Radikalismus“ oder„Reaktionarismus“, so würde jede politische Entwicklung unmöglich. Kein Land verträgt es, dauernd in solcher Weise politisch in Atem gehalten zu werden. Das vertragen die Nerven nicht und das müßte auch unser Ansehen nach außen hin töten. Wir können uns in Deutschland nicht den Luxus gestatten, uns lediglich bei Vergangenem aufzuhalten. Wer, wie Deutschland, seine Stellung durch nüchterne Arbeit gewonnen hat, kann sich auch nur eben dadurch behaupten. Und wie bei vieser Arbeit alle Kräfte der Nation mitgewirkt haben, so muß es auch in Zukunft bleiben. In alledem drückt sich nicht ängstliche Sorge aus, zu der wir nicht Anlaß haben. Vielmehr die Ueberzeugung, daß nur durch den Zwang zum Schaffen die gegenwärtigen Wirren überwunden werden können.(Beisalt.), 4#. Bar Elat krinst zahlenmäste Schatzsekretär Wermury: Der Etär beingt zuhlenmußig vor Augen, in welchem Maße wir bereits eine Reihe von Jahren hindurch an einem chronischen Defizit gelitten haben. (Sehr richtig!) Wir müssen einen Finanzplan auf Jahre hinaus formen, damit eine Entwicklung, wie die hinter uns liegende, vermieden wird. Das Verfahren, Matrikularbeitrüge zu fordern und die Zahlung in Zukunft zu verschieben, ist hoffentlich definitiv verlassen. Es wird zu erwägen sein, ob nicht Vorkehrungen gegen das Schwanten der Matrikularbeiträge getroffen werden können. Die Einnahmen für 1908 wiesen ungewöhnlich ungünstige Zahlen auf. Für 1909 sind die Aussichten nicht so ungünstig wie 1908. Ich will nicht prophezeien, darf aber wohl sagen: eine gewisse langsame, aber stetige Aufwärtsbewegung der Konjunktur macht sich jetzt in unserem Erwerbsleben bemerkbar. Ein Moment der Unsicherheit ergibt sich aus der Voreinfuhr, die jede neue Steuergesetzgebung zur Folge hat. Die für den Beharrungszustand exwarteten Einnahmen können nicht schon im ersten Jahre eingehen. Die Ausführung der neuen Steuergesetze wird nicht leicht sein. Die Ausführungsbestimmungen repräsentieren an innerer Kompliziertheit ein enormes Maß und es wird noch eine Weile dauern, bis sich Publikum und Behörden vollständig an sie gewöhnt haben. In einzelnen Beziehungen treten sogar Schwierigkeiten hervor, welche den Gedanken an eine authentische Interpretation des Gesetzes nahelegen. In den meisten Füllen ist es aber im Wege der Verständigung gelungen; der Schwierigkeiten zu werden. Die Regierungen hatten Sparsamkeit versprochen, sie haben auf Sparsamkeit mit Strenge gesehen, sie werden an diesem Bestreben festhalten und bitten dabei um uneingeschränkte Unterstützung des Reichstages.(Beifall.) Ich bitte Sie, mit den verbündeten Regierungen den Weg zu beschreiten, der zwar nicht ohne Dornen und Entbehrungen sein, der aber auf einen festen und fruchtbaren Boden führen wird.(Beifall.) Abg. Freiherr v. Hertling(Z.): Der Eindruck des Etats ist durchaus gunstig. Bedenklich is das Anwachsen der Ausgaben für die Marine. Es ist eine unglaubliche Verkennung der Sachlage, wenn man sagt, der Etat bekunde bereits das völlige Fiasko der Steuervorlagen. Soll man da mehr an Ignoranz oder an Parteiverblendung glauben? Um Sparsamkeit bitten wir sehr, denn darüber kann kein Zweifel bestehen, daß wir für absehbare Zeit dem deutschen Volke keine weiteren Steuern auferlegen dürfen.(Hört, hört! links.) Nun zur auswärtigen Politik. Wir haben mit Befriedigung die Worte vernommen, in denen in der Thronrede an das Abkommen über Marokko erinnert wurde. Wir freuen uns, daß die Durchführung des Abkommens im richtigen Geiste erfolgt. Es darf im mohammedanischen Afrika in keinem Stadium der Schein erweckt werden, als ob das Deutsche Reich die Schutzmacht des Islam sei. Auch die Worte der Thronrede über den Dreibund finden unsere Zustimmung. In unserer festen Zuversicht auf die Erhaltung des Friedens kann uns auch der vielbesprochene Besuch in Racconigi nicht irre machen. Wenn man sich in Racconigi geeinigt hat, den Status quo auf dem Balkan aufrecht zu erhalten, so würde das ja dem Standpunkt Oesterreichs und dem unsrigen voll entsprechen. Zu unserem Verhältnis zu England möchte ich wünschen, daß an die Stelle des bloß korrekten Verhältnisses ein freundschaftliches treten möchte.(Beifall im Z.) Abg. Frhr. v. Richthofen(k.): Der Aufforderung des Reichskanzlers zur positiven Arbeit werden wir gern Folge leisten. Ueber die Kongofrage hätten wir gern eine Aufklärung vom Reichskanzler gehört. Unsere Wirtschaftspolitik muß im allgemeinen die Richtung beibehalten, die in dem neuen Zolltarif zum Ausdruck gelangt ist. Unsere Partei steht selbständig da und wird ihre Politik unabhängig und unbehelligt von anderen Parteien nach eigenem Wissen und Gewissen treiben im Interesse des Vaterlandes.(Beifall rechts.) Abg. Bassermann(nl.): An die Stelle der Begeisterung zur Zeit der Blockwahlen ist Enttäuschung, zum Teil starke Verbitterung getreten. Hageldicht sind die Angriffe auf uns herniedergesaust. Unser gutes Recht ist es da, uns zu wehren. Wenn vielleicht scharfe Worte fallen, dann muß es heißen: à la guerre, comme à la guerre. Man hat uns eine antinationale Haltung wegen der Ablehnung der Steuergesetze vorgeworfen. Was würden die englischen Lords sagen und die Minorität des englischen Unterhauses, die das Budget abgelehnt hat, wenn man ihnen vorwerfen würde, sie seien antinational? Man würde diesen Vorwurf lächerlich finden. Wir haben verlangt, daß bei der Finanzreform der Gedanke der sozialen Gerechtigkeit zum Ausdruck kommt. Bei der Reform der neuen Mehrheit dieser Gedanke aber zum Schaden des Vaterlandes vergessen worden.. PalgnigTyglitt einen Greiten Die Thronrede widme der soronapoli### einen breiten Raum. Er sehe das als Zeichen dafür an, daß unsere Kolonialpolitik jetzt an einem günstigen Wendepunkt angelangt sei. Dankenswert sei, daß es dem Staatssekretär Dernburg gelungen sei, bezüglich der Diamanten=Gebiete die staatlichen Rechte zu sichern. Ebenso dankenswert sei die Förderung des Baumwollanbaues. Unberechtigt seien die Imperitätsklagen des Herrn v. Hertling, wenig vertrauenswürdig ferner dessen Behauptung, daß das Zentrum keine konfessionelle Partei sei. Man brauche da nur an die Versammlung in Koblenz und die Namen Roeren und Bitter zu denken. Zum Schluß kommt Redner zurück auf die Mißstimmung im Lande über die Vorgänge in voriger Tagung. Ihren Ausdruck habe die Mißstimmung gefunden bei den Wahlen der letzten Monate, dem Vordringen der Sozialdemokraten. Neben der Finanzreform sei es auch die preußische Wahlrechtsfrage, die das Land errege. Für unerläßlich hielten seine Freunde vor allem die Geheimwahl, schon als Schutz gegen sozialdemokratischen Terrorismus!(Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Die Konservativen sollen sich der nationalen Aufgabe, die ja zu erledigen sei, nicht Ebensowenig dem Erfordernis der Deszendentensteuer! Und zwar einer solchen im Reiche, nicht im Staat! Denn lege dieser Beschlag auf die Deszendenten=Erbschaftssteuer, dann sei eine Reichseinkommensteuer im Reiche unvermeidlich. Bis zu den Neuwahlen haben wir noch zwei Jahre. Meine Freunde sehen ihnen gelassen entgegen. Wir halten an der Wirtschaftspolitik fest und bewegen uns in allem auf einer mittleren Linie. Wir sind und bleiben eine selbständige Partei, unbeschadet der taktischen Einigung mit den Linksliberalen bei den Wahlen. Wir treiben eine Politik des Vertrauens, auch in unser Volk, eine Politik der Gleichberechtigung. Dem sozialen wirtschaftlichen Fortschritt gehört die Zukunft. Dem, sowie dem Empfinden des Volkes muß Rechnung getragen werden, Gerechtigkeit muß in unserer Steuerpolitik Platz greifen. Wenn dieser Gedanke auch bei der Regierung und den Konservativen Platz greift, und wenn diese Lehre aus der Finanzrefoum gezogen wird, dann wird es in unserem Vaterlande icht werden.(Beifall.)„ J16" Tartzetzune(Ttemmuk Vertagung. Morgen, 1 Uhr, Fortsetzung. 20)„ (nistooog # suon 196 791 d dt Schluß 5½ Uhr. Srohbritannien. Die engbische onnerstag hielten 10 Mitglieder der sedte Jomeste Seite 2. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Freitag, den 10. Dezember 1909. Nr. 289. vom früheren Kabinett Exminister Lyttleton. Die Ablehnung der Finanzgesetze verteidigten die Lords Campertown und Kesteven in Reden, die sie in Romford bezw. in Wellingborough hielten. Die Bemerkung Kestevens, daß England im Innern vom Sozialismus, von Außen durch Deutschland bedroht würde, wurde mit Gelächter aufgenommen, worauf Kesteven ausrief:„Sie werden mir nicht glauben, bis ihnen die Deutschen ihre Bajonette in den Leib stoßen", was erneutes Gelächter hervorrief. Italien. Vom Vatikan. Der Papst bereitet eine Enzyklika über die Lage der Kirche und den Kulturkampf in Frankreich vor, in der, wie es heißt, die Bildung einer französischen Zentrumspartei nach deutschem Muster befürwortet wird. Rußland. Verstärkung der Garnisonen. In geheimer Sitzung bewilligte die Landesverteidigungskommission die vom Kriegsminister geforderten zehn Millionen Rubel für die Armeereformen und Garnisonsveränderungen, vorwiegend in den polnischen Bezirken. Keine Kriegsbereitschaft? Die Gerüchte über die Absicht Japans, im Frühjahr die nördliche Hälfte von Sachalin und Kamtschatka zu erobern, hören nicht auf. Russische Diplomaten suchen diesen Gerüchten durch den Hinweis darauf entgegenzutreten, daß Japan jetzt kein Geld hat. Doch wirkt das wenig. Unter den Ministern ist Kokowzew der Ansicht, daß Rußland unter keinen Umständen einen neuen Krieg mit Japan wagen dürfe. Der Kriegsminister Suchomlinow soll hingegen der Meiung sein, die Aussichten Rußlands seien nicht so schlimm. Aus Ostasien wird gemeldet, der dortigen Geschäftswelt habe sich eine Panik bemächtigt. Montenegro. Verhaftete Verschwörer? Die Regierung ließ, nach einer Depesche der„Voss. Ztg.“ aus Cetinje, das Gebiet der Stämme der Vassojewitsch und Kutschi durch zwei Bataillone aus treuergebenen Stämmen Alt=Montenegros besetzen, worauf achtzig Familienoberhäupter im Gebiete der Stämme Neu=Montenegros verhaftet und als Geiseln abgeführt werden. Griechenland. Steuerreformen. In der Deputiertenkammer brachte der Finanzminister mehrere wirtschaftspolitische Vorlagen ein, darunter besonders solche, die die Besteuerung des Alkohols und eine Abänderung des Zolltarifs betreffen. Japan. Einverleibung Koreas? Nach einer hier eingetroffenen offiziösen Meldung sollen in Tokio Beratungen stattfinden wegen einer Einverleibung Koreas als eines untrennbaren Teiles Japans. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 10. Dezember. **(Preußische Klassenlotterie.) Die Ziehung der 5. Klasse 221. Lotterie nahm am 8. Dezember ihren Abschluß. Die Fertigstellung der amtlichen Gewinnlisten ist noch vor dem 13. Dez. zu erwarten und kann erst von dem Tage an mit der Auszahlung der Gewinne von 240 und 500 Mark begonnen werden. Der Termin zur Auszahlung der höheren Gewinne ist bei den betreffenden Einnehmern zu erfahren. Den Spielern werden ihre bisherigen Lose bis zum 22. Dezember, abends 6 Uhr, nicht, wie oft irrtümlich angenommen wird, 8 Uhr freigehalten. Die bis dahin nicht eingelösten Lose zur 1. Klasse 222. Lotterie stehen zur Verfügung neuer Losebesteller.— Seit der Ausdehnung der Lotteriegemeinschaft auf Hessen, die thüringischen Staaten, Oldenburg und Bremen ist die Nachfrage nach Losen der preußischen Klassenlotterie eine außerordentlich starke geworden. **(Die Hochwassergefahr beseitigt.) Die durch die starken Niederschläge der letzten Wochen verursachte Hochwassergefahr im Ruhrtal darf für diesmal als wieder beseitigt gelten, da seit dem 7. d. Mts. ein starkes Fallen des Wassers infolge des Witterungsumschlages zu beobachten ist. Größere Schäden sind durch das Hochwasser im Ruhrtal nicht entstanden. Dagegen hat im Emschertale das über die Ufer gestiegene Wasser weite Flächen, die mit Wintersaaten bestellt waren, überschwemmt und die Saaten zum großen Teil vernichtet, der Beschädigung an den Flußufern gar nicht zu gedenken. Diese alle Jahre wiederkehrenden Flurschäden in den Emscherniederungen werden erst nach vollendeter Regulierung der Vorflutverhältnisse durch die Emschergenossenschaft ganz aufhören. Bis dahin läßt sich kaum gegen dieselben etwas machen. Uebrigens werden auch aus dem Lippetal durch Hochwasser verursachte Flurschäden gemeldet. *(Für Jäger.) Der Bezirksausschuß zu Arnsberg setzte in seiner jüngsten Sitzung als Beginn der Schonzeit für Birk=, Hasel= und Fasanenhennen den gesetzlichen Termin, 18. Jan., fest. Der 17. Januar ist also der letzte Jagdtag auf das vorbenannte Wild, gleich wie für Hasen. *(Höheres Schulwesen in Westfalen.) Nach dem soeben erschienenen Kalender für das höhere Schulwesen zählt Westfalen 43 Vollanstalten und 24 Nichtvollanstalten. Die Zahl der Professoren ist 370, der Oberlehrer 406, der anstellungsfähigen Kandidaten 42, Probanden 79 und der Seminarmitglieder 79. **(Wer hat Lust?) Zweijährig=Freiwillige stellt für nächstes Jahr das Westfälische Jägerbataillon Nr. 7 in Bückeburg ein. Die Termine zur ärztlichen Untersuchung sind festgesetzt auf den 13., 14., 15., 17., 20. und 21. Januar 1910, vormittags 8 Uhr. Der Meldeschein zum freiwilligen Eintritt und ein Führungszeugnis sind mitzubringen. Um Irrtümern vorzubeugen, macht das Bataillon bekannt, daß Reisekosten in keinem Falle vergütet werden. **(Vortrag Stresemann.) Dem nationalen Wahlverein für Schwerte und Umgegend ist es gelungen, Herrn Reichstagsabgeordneten Dr. Stresemann für einen Vortrag über die gegenwärtige politische Lage zu gewinnen. Die Versammlung findet Sonntag, den 12. Dezember, nachm. 6 Uhr, im Saale des Herrn Rath statt. Herr Dr. Stresemann ist einer unserer besten Parlamentsredner und der bekannte Vorkämpfer für die Interessen der Privatbeamten. Es sei hiermit auf die Versammlung empfehlend hingewiesen.(S. Inserat in heutiger Nummer!) *(Die Monatsversammlung des evang. Arbeiter= und Bürgervereins) fällt aus, da der in Aussicht genommene Redner, der neue Verbandssekretär Jakobi aus Annen, verhindert ist. Jedoch werden die Beiträge für beide Kassen Sonntag, den 12. Dezember, nachmittags von 5 Uhr an im Vereinslokal entgegengenommen. **(Reichskrone.) Unser Reichskronen=Kino wartet auch diesmal wieder mit einem Programm auf, welches bei allen Besuchern des Theaters sicherlich hohe Anerkennung finden dürfte. Mit einer herrlichen Naturaufnahme„Am Gletschermeer des Mont Blanc" beginnen die Darbietungen. Jeder, der einmal die Schweiz mit ihren gewaltigen Gebirgen gesehen hat, wird diesen Film mit Freuden begrüßen. Auch das prächtige Bild„Alboino und Rosamunda“, ein historisches Drama aus der Zeit der Langobarden, gehört mit zu dem Besten, was bisher in der„Reichskrone“ geboten wurde. Die Kinematographie hat hier ein großartiges Werk geschaffen: man sieht Männer und Frauen in alten germanischen und römischen Trachten. Der Film versetzt den Beschauer in eine Welt zurück, die der Gegenwart bereits 1500 Jahre entrückt ist und heute ans Sagenhafte grenzt. Ein weiteres Bild mit historischem Hintergrund bietet das Programm in dem Film „Die Furt“, ein Drama aus dem napoleonischen Feldzuge nach Rußland; auch dieser Film ist reich an packenden Momenten und wird seine Wirkung auf den Beschauer nie verfehlen. Der Humor kommt in den köstlichen Bildern„Schnupfen und kein Taschentuch",„Lehmann ist zu schön",„Die Hochzeit der Köchin" u. a. zu seinem Recht. Wir können den Besuch der Vorstellungen nur bestens empfehlen und verweisen auf das Inserat in heutiger Nummer. **(Einen Lichbildervortrag) über Papst Pius X.(mit 63 kolorierten Bildern) veranstaltet Herr Pfarrer Schnurbus am Sonntag Nachmittag 5 Uhr im Saale des Herrn Kordeck. Der Eintrittspreis ist auf 50 4 festgesetzt; der Reinertrag ist für den neuen Hochaltar in der kath. Kirche bestimmt. Wegen des guten Zweckes wünschen wir der Veranstaltung ein volles Haus. ** Verghosen, 9. Dez.(Einbruch.) In der vergangenen Nacht wurde hier in dem Kolonialwarengeschäft des Herrn Beienbröker, Chausseestr., eingebrochen. Die Spitzbuben haben eine Menge Zigarren und sonstige Wertsachen mitgenommen. Auch diesmal sind die Täter unerkannt entkommen. ** Westhosen, 10. Dez.(Repräsentantenwahl.) An Stelle des Repräsentanten Klostermann wurde bei starker Wahlbeteiligung der Fabrikarbeiter Freitag vom Eisenwerk Ruhrtal als Repräsentant in die kirchliche Vertretung gewählt. An unsere verehrl. Inserenten Im Hinblick auf den starken Eingang von Inserat=Aufträgen in der Weihnachtszeit bitten wir unsere werten Geschäftsfreunde, die Manuskripte zu ihren Weihnachts-Inseraten recht frühzeitig fertigzustellen, besonders aber größere Inserate zu den SonntagsNummern schon am Freitag unserer Druckerei zu überweisen. Die pünktliche Fertigstellung und Expedierung unserer stets sehr umfangreichen Weihnachtsnummern liegt sowohl im Interesse aller Leser, als auch der Inserenten selbst; desgleichen läßt sich die sorgfältige technische Ausstattung und vorteilhafte Plazierung dieser Inserate besser überwachen. Westhofen, 10. Dez.(Bautätigkeit des Kreiswasserwerks.) Seitens des Kreiswasserwerkes werden, wie wir schon berichteten, auf dem Bruch in der Nähe der alten Pumpstation mehrere Häuser errichtet. Es handelt sich um zwei Doppelhäuser für Arbeiter und ein Doppelhaus für Beamte. Die Ausführung der Gebäude, welche sich dem ländlichen Landschaftsbilde durchaus anpassen und praktische Einrichtung mit gefälligen äußeren Formen vereinigen, ist der Baufirma Carl Dittrich in Schwerte übertragen worden. Die Arbeiten müssen vertragsmäßig derart gefördert werden, daß der Rohbau noch im Laufe dieses Monats fertiggestellt ist, damit die Häuser für nächsten Frühjahr bezugsfähig werden. Auch das Maschinen= und Verwaltungsgebäude, kurzum sämtliche Baulichkeiten der Zentrale des Kreiswassenwerkes werden auf dem Bruch errichtet, weil das anfänglich in Aussicht genommene Gelände auf der Kluse zwischen Bahnkörper und neuer Ruhrbrücke an der Chaussee gelegen, im engeren Ueberschwmmungsgebiet liegt. Das jetzige Baugelände liegt wesentlich höher als der Wasserspiegel der Ruhr. Wie wir hören, ist seitens der Kreisverwaltung der Versuch gemacht worden, das den jetzt zu errichtenden Gebäuden benachbarte Besitztum des Fabrikarbeiters Goos, bestehend aus Garten und aufstehenden Gebäuden, wegzukaufen; als Kaufpreis wird die Summe von 20000 Mr. genannt. Die Verhandlungen sind aber nicht, zum Abschluß gekommen und nach unseren Informationen als endgültig aufgegeben zu betrachten. Es bleibt jetzt nur noch der erforderliche Ausbau des Weges zwischen Bahnkörper und dem Bauterrain zu erledigen; über diese Frage wird in der heute stattfindenden Stadtverordnetensitzung Beschluß gefaßt werden. Westfalen und Rheinland. * Löttringhausen, 9. Dez.(Ueberfahren und getötet) wurde heute morgen kurz vor dem Bahnhof der 35 Jahre alte Bergmann Peter Jungerich von hier. Wie verlautet, soll Selbstmord vorliegen. * Unna, 9. Dez.(Großfeuer.) In der vergangenen Nacht brannte die Brenner'sche Dampfmühle vollständig nieder. Die Mühle, eine der größten der Provinz, beschäftigte 80 Arbeiter. Verunglückt ist niemand. * Oestrich, 9. Dez.(Eine amüsante Schweinege= schichte,) wie sie wohl selten vorkommt, hat sich hier in der Nachbarschaft zugetragen. Eine hiesige Familie kaufte von einem Schweinehändler aus Schwerte zwei größere Ferkel und zeichnete sich eins schon nach kurzer Zeit durch eine ganz besondere Zunahme an Gewicht und Körperumfang aus. Schon war der Tag des Familienfestes bestimmt, an welchem das edle Borstentier sein Leben aushauchen sollte, als man eines Morgens das Schlachttier von zehn quiekenden Jungen umringt im Stalle fand. Nun hatte man die Erklärung für die schnelle Gewichtszunahme, und recht drastisch hat sich das Schwein einmal wieder als„Glücksschwein" bewährt. * Schwelm, 9. Dez.(Todessturz.) Aus einem Fenster im dritten Stock des Hauses Mittelstraße 9 ist gestern abend der Maurerpolier Ferdinand Gerk auf den Hof gestürzt. Gerk war sofort tot. Allem Anscheine nach hat der Mann vor dem Schlafengehen sich noch etwas ins Fenster gelegt, hierbei das Uebergewicht bekommen und ist infolgedessen hinabgestürzt. G. war verheiratet; die Familie wohnt in Großenlüder. * Verleburg, 9„Dez.(Gattenmord.) Die Frau des Maurers Knoche im benachbarten Wunderthausen erschlug in der Nacht ihren Mann mit einer Axt. * Emmerich, 9. Dez.(Gefährlicher Liebhaber.) Der beim hiesigen Gericht beschäftigte Referendar Kalthoff feuerte mehrere Revolverschüsse in dem Hausflur des„Hotel Kaiserhof“ auf die 20jährige Köchin ab, die sich seiner erwehren wollte. Das Mädchen ist gefährlich verletzt worden, der Referendar wurde verhaftet. * Leithe, 9. Dez.(Das alte Lied.) Hier hat während der Abwesenheit der Eltern ein fünfjähriges Mädchen seinem zweieinhalbjährigen Bruder mit einem Teschin eine Kugel in den Kopf geschossen, wodurch der sofortige Tod des Kindes herbeigeführt wurde. * Eschweiler, 9. Dez.(Von Füchsen oder Hunden gefressen) worden ist nach Annahme der Polizei im benachbarten Fronheim die Leiche eines neugeborenen Kindes, das getötet und in einen Abort geworfen zu haben sich eine Frauensperson selbst bezichtigt. Beim Nachforschen fand man das Kind nicht und nimmt, da der Abort nach einer Seite offen ist, die angedeuteten Möglichkeiten an. * Kreuzthal, 9. Dez.(Erstickt.) In Erndtebrück blieb dem Invaliden Busch ein Stück Fleisch beim Essen in der Luftröhre stecken, wodurch der Mann einen qualvollen Erstickungstod erleiden mußte. Letzte Drahtmeldungen. Seltsame Schicksalsfügung. Rom, 10. Dez. Eine reiche Kaufmannsfrau mußte bei der Entbindung operiert werden. Der herbeigerufene Chirurg Professor Manetti wurde bei Beginn der Operation vom Herzschlag getroffen. Ehe Hilfe kam, verblutete die junge Frau und das Kind starb. Zur Wiener Eiftmordassäre. Wien, 10. Dez. Den Blättern zufolge wurde gestern dem Rechtsanwalt der Familie Hofrichter auf seine Bitte, als Verteidiger im Prozeß des Oberleutnants Hofrichter zugelassen zu werden, der Bescheid vom Kriegsministerium, daß zunächst der Kaiser die Anwendung der neuen Militärstrafprozeßordnung und die Zulassung eines Zivilverteidigers abgelehnt, sich aber weitere Entschließungen nach Abschluß der Voruntersuchung vorbehalten habe. Freche Einbrüche. London, 10. Dez. In der vergangenen Nacht wurde das Postamt in der Goswellstreet von Einbrechern heimgesucht, welche den Geldschrank, der Geld und Postaufträge im von 1329 Pfd. Sterling enthielt, mit sich fortführten. Die Polizei verfolgte die Spur der Einbrecher bis zu einem Hause in der King Groß Street, wo sie den Geldschrank ungeöffnet vorfand und sieben Personen verhaftete. Raubmord Kiel, 10. Dez. Bei Knoop am Kaiser Wilhelm=Kanal wurde der Arbeiter Kröger von zwei Handwerksburschen überfallen, ermordet und beraubt. Die Leiche des Ueberfallenen wurde abends gefunden. Der eine der Mörder konnte bereits ergriffen werden, der andere ist flüchtig. Bismarckhütte(Oberschl.), 10. Dez. In der letzten Nacht ist hier ein Einbruch in die Gemeindekasse verübt worden. Die Diebe erbrachen den Geldschrank, stahlen 24000 M in barem Gelde, ein Sparkassenbuch der Gemeinde über 1300 M, ferner Sparkassenbücher von Beamten und Coupons von Wertpapieren im Betrage von 120000 M. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Strafe der Mörder. Natibor, 10. Dez. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den 52jährigen Häusler Ludwig Przybilla und seinen 23 Jahre alten Sohn, den Schlosser August Przybilla, wegen Ermordung des Stiefsohnes des ersteren, des Besitzers Nicodem Malcharczyk, zum Tode und den 73jährigen Auszügler Josef Nowak, den Schwager Ludwig Przybillas, wegen Anstiftung zu 10 Jahren Zuchthaus. Die Enkel Nowaks, Albert und Franz Byaldega, die der Beihilfe angeklagt waren, wurden freigesgrachen. Seine eigene Frau erwürgt. Friedrichshafen, 10. Dez. In vergangener Nacht hat der Gutspächter Aßmann in dem Dorfe Bellevue bei Friedrichshafen in einem Anfall von Wahnsinn seine Frau erwürgt. Handel. Neuß, 9. Dez. Weizen la: 21,80, IIa. 20,80 M, Roggen Ia. 16,00 M, IIa. 15,00 M. Hafer Ia, 15,50, IIa. 14,50 M. Gerste 14,50 d für 100 Kilogramm. Kartoffeln 2,80— 3.00 M. Heu 4,20—4,60 M, Luzerner Heu 5,00 M für 50 Kilogramm. Krummstroh 20,00 Mark für 500 Kilogramm. Kleie 6,20 M für 50 Kilogramm. Oele. Rüböl 56,60, faßweise 58,50, gereinigtes 59,50 M für 100 Kilogramm. Rübuchen große 104,00, kleine 108,00 M für 1000 Kilogramm. Raps Ia. 00,00, IIa. 00,0 M. Köln, 9. Dez. Luzerner Heu 11,00—12,00 K, Wiesenheu 9.50—10,20, Maschinenstroh(Roggen) 0,00 A. Richtstroh (Flegeldrusch) 5,.00—5,50 MA, Krumm= und Preßstroh 4,00 bis Se.S Stadttheater in Dortmund. Freitag, 10. Dez. 1909. Anfang ½8 Uhr: Zum 1. Male.„Entweder— oder“. Schwank in 3 Aufzügen von E. u. A. Goltz. Sonnabend, 11. Dez. 1909. Nachm. 3 Uhr:„Barfüßchen oder die drei Männlein im Walde.“— Abends 8 Uhr:„Mignon“. Oper mit Ballett in 3 Aufzügen von Ambroise Thomas. Verantwortlich: Für Politik, Feutueton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus(Inh. Paul Schiemann), sämtlich in Schwerte. Nr. 289. Beilage. Schwerter Zeitung.(Amtl. Kreisblatt.) Freitag, 10. Dezbr. 1909. Die angebliche Loyalität der Polen. Zwischen den polnischen Abgeordneten Kapitza und Korfanty bestehen tiefgehende Meinungsverschiedenheiten über das Verhältnis der Polen zum preußischen Staat und demgemäß auch über die politische Tätigkeit der polnischen Fraktionen im Vorbehaltungen, mit denen sich der Abgeorndnete Kapitza in der Katolik=Presse an die Oeffentlichkeit gewandt hatte, hat der Abgeordnte Korfanty in einem ausführlichen, im Kuryer Slonski erschienenen Brief erwidert. Was dieser Brief an persönlichen Auseinandersetzungen enthält, kann man auf sich beruhen lassen. Daneben finden sich aber Aeußerungen, in denen die wahre Gesinnung des Nationalpolen, nämlich das Streben nach einer Wiederherstellung eines selbständigen Polenstaates, unverhüllt zum Ausdruck kommt. Der Abgeordnete Korfanty schreibt:„Warum haben Euer Hochehrwürden von sich nicht gesagt: Ich bin ein polnisch sprechender Deutscher, d. h. ich bin bloß ein ethnographischer Pole! So hätten sie den Gegenstand der Diskussion sofort klar gefaßt. Ich versichere Sie, daß sie die ungeheure Mehrheit der polnischen Volksgesamtheit gegen Ihre Auffassung unseres Verhältnisses zum Staat erklären wird, und zwar deshalb, weil sie das Bedürfnis eine polnischen Staatswesens empfindet.“ In seinen weiteren Ausführungen sucht zwar der Abgeordnete Korfanty dieses politische Glaubensbekenntnis abzuschwächen, aber unmittelbar darauf findet sich folgende Stelle:„... für einen intelligenten Menschen ist es eine psychologische Unmöglichkeit, daß ein 20 Millionen=Volk, ein Volk mit einer solchen Vergangenheit und Kultur wie das unsrige, nicht weitere nationale Bestrebungn hätte.“ Dieser Ausspruch schwächt das voraufgegangene Bekenntnis nicht ab, im Gegenteil, er erhärtet und unterstreicht es. Allein der Ausdruck„20 Millionen=Volk“ würde genügen, die Gedanken und Absichten klar zu kennzeichnen, die das Nationalpolentum beseelen. Und nun hat hier nicht ein Unbekannter aus der Masse der großpolnischen Agitatoren, ein Redakteur, Pfarrer oder dergleichen, sondern ein polnischer Abgeordneter, also der berufenste Vertreter des Polentums, rückhaltlos ausgesprochen, daß den Polen das Maß und Ziel ihrer politischen Arbeit, wie es sonst der Oeffentlichkeit gegenüber hingestellt wird, nicht genügt, daß sie vielmehr, weitere nationale Bestrebungen“ haben. Man wird, wenn wieder einmal von polnischer Seite bestritten werden sollte, daß das letzte Ziel der großpolnischen Bewegung die nötigenfalls gewaltsame Abtrennung der ehemals polnischen Provinzen von Preußen und die Wiedervereinigung dieser Provinzen mit den polnischen Gebietsteilen russischer und österreichischer Oberhoheit zu einem unabhängigen Staatswesen auch heute noch ist, an dieses Wort erinnern, das dem Abgeordneten Korfanty in der Erregung entschlüpft ist. Westfalen und Rheinland. * Ardey bei Unna, 9. Dez.(Böse hereingefallen) ist der Schlosser Fritz Fleck. Er hat ein russisch=polnisches Mädchen, Veronika Jarussewski, das früher bei ihm gedient hatte, aus Barmherzigkeit für einige Tage ausgenommen. Die J. ging dann, da F.'s Frau Zuwachs erwartete. Wie erschrak er aber, als er den Koffer aufmachte und ein Sparkassenbuch über 800 Mark verschwunden war. Die I. hatte den Betrag bereits abgehoben, sie soll sich nach Mengede begeben haben. Die Polizei fahndet eifrig nach der abgefeimten Gaunerin. Unna, 9. Dez.(Eine Luftschiffwerft) beabsichtigt der zur Zeit in Kamen wohnende Direktor Unger hier zu errichten, um nach einem von ihm konstruierten Modell den Bau lenkbarer Luftschiffe im Großen zu betreiben. Zu diesem Zweck hat der Genannte mit der hiesigen Besitzerin der gegenwärtig stilliegenden Hellweger Maschinenfabrik Verhandlungen auf vorläufige pachtweise Ueberlassung der Fabrik mit dem nötigen Terrain für eine Luftschiffhalle zu Ende geführt. Wie Herr Unger hier kürzlich in einem gut besuchten Vortrage ar der Hand der von ihm ausgestellten Modellzeichnungen ausführte, ist die Grundlage seines Luftballons ein Gerippe von Stahlrohren. Die für einen derartigen Luftballon benötigten Stahlrohre sind von den Mannesmann=Werken bereits zur Verfügung gestellt. Von dem Zeppelinschen System unterscheiKanen on Gurne a. Borzsiche 821(Nachdruck verboten.) Sie hatte davon geträumt, sich an seine Brust schmiegen, seinen Liebesworten lauschen zu dürfen und nun— einen Schutzengel muß man doch auch lieben und anbeten, muß man als sein Höchstes ansehen! Sie betrachtete ihn aufmerksam, wie er so vor ihr saß und den Ernst dieser Stunde kaum zu empfinden schien. Da neigte sie sich über ihn und berührte seine Stirn mit ihren Lippen. Ich gehe jetzt, Friedhelm, bis auf morgen. Lebe wohl, Mütterchen.“ Er legte flüchtig den Arm um ihren Leib. „Addio carrissima, arbeite nicht mehr, hörst Du.“ „Ich habe noch viel zu thun, Friedhelm. Ich muß mich noch lauf die morgigen Unterrichtsstunden vorbereiten.“ „Ach. Du— immer fleißig— ich könnte es nicht!“ Sie drückte der alten Frau zärtlich die Hand und ging heim, schweren Herzens. Ihr war so müde zu Mut, eine Last lag auf ihrer Seele. Sie schämte sich, Irene Mainau zu beichten. Aber als sie in das schöne, wie ihr schien, etwas bleiche Gesicht schaute und mit einem Kuß begrüßt wurde, verbarg sie ihr Antlitz an des Mädchens Schulter und brach in Thränen aus. Warm und fest hielt Irene die Weinende umfangen, sie fragte und tröstete o fnicht. Sie strich nur leise mit ihrer feinen Hand über das bunkle Haar. Da richtete Andrea sich auf. „Irene, meine einzige Schwester, er ist nicht gegangen! Er saß am Flügel, ich konnte ihn nicht losreißen!“ Ein heftiger, ja verächtlicher Ausruf schwoll auf Fräulein Mainaus Lippen, aber sie drängte ihn zurück und sagte: „Berubige Dich vor allen Dingen, meine teure Andrea. Wir können uns keine Vorwürfe machen.“ „Gewiß nicht, Irene, aber— was nun—“ „Ich werde einige liebenswürdige Zeilen an meinen alten, lieben Professor schreiben, von plötzlicher Krankheit sprechen usw. Tröste Dich nur, Herzchen— und dann müssen wir einen Kriegsrat det sich das Unger'sche System durch die Unterbringung der erforderlichen Motore in nur einer Gondel, sowie in einer anderen Anordnung der Gasbehälter. Dadurch glaubt der Konstrukteur dieses Modells eine größere Tragfähigkeit zu erzielen, wie er auch durch die Verwendung von gezogenen Stahlröhren an Stelle des bei den Zeppelinschen Luftschiffen verwendeten Aluminiums die Widerstandsfähigkeit erhöhen will. Zur Zeit ist man bestrebt, weitere Kreise der hiesigen Bürgerschaft finanziell zu interessieren. * Unna, 9. Dez.(Unfall.) Vergangene Nacht ereignete sich in der Schäferstraße ein schwerer Unglücksfall. Beim sogen. „Fensterln“ benutzte ein etwa 24 Jahre alter Schlosser ein Rinnen=Abflußrohr. Dieses brach und der junge Mann stürzte ab, dabei sich einen doppelten Schädelbruch zuziehend. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Hagen, 9. Dez.(Ein seltenes Liebesabenteuer) erlebte hier ein von Remscheid zugereister Schustergeselle aus Neheim. Er wollte mit seinem Schatze sich etwas im hiesigen Kuhlenkamp ergehen, als er von drei Kameraden angehalten wurde. Die edlen Genossen schlossen schleunigst Brüderschaft, wobei die Schnapsflasche fleißig herumging. So kam es, daß unser braver Schuster schließlich völlig betrunken im Straßengraben lag, während die drei neuen Freunde mit seiner„Braut“ von dannen zogen. Zuvor nahmen sie ihm jedoch zum Andenken seine Schuhe, sein Vorhemd, den Hut und Rock mit und beschmierten obendrein noch sein Gesicht mit Straßenschmutz. Heute morgen fand er gücklicherweise noch hilfreiche Menschen, die ihm mit einem allerdings viel zu kleinen Rock und weit aufklaffenden Schnabelschuhen aushalfen. So konnte er dann als Ritter von der traurigen Gestalt seine Straße fürbaß ziehen. Hagen, 9. Dez.(Unfall mit tötlichem Ausgang.) Vorgestern abend wurden auf dem hiesigen Bahnhof dem Schirrmann August Herbach, in der Hameckestraße wohnhaft, beide Beine abgefahren. Der schwer Verletzte wurde ins Josefshospital eingeliefert, wo er gestern morgen gestorben ist. H. war 33 Jahre alt. Frau und 3 Kinder betrauern den Tod ihres Gatten und Vaters. Das betrübende Unglück wird in den Kreisen der Kollegen lebhaft bedauert. * Menden, 9. Dez. Dieser Tage wurde der 60 Jahre alte Schäfer Ober ins hiesige Krankenhaus eingeliefert. Derselbe wurde im Walde bei Sümmern mit erfrorenen Gliedern aufgefunden. Leider konnte dem alten Manne nicht mehr geholfen werden, der Tod erlöste ihn bald von seinem Leiden. * Betzdori, 9. Dez.(Kindesleiche gefunden.) Im nahen Skönstein bei Wissen fand man gestern in der Sieg unterhalb einer Fußgängerbrücke die Leiche eines neugeborenen Kindes. Polizei und Gerichtsbeamte wurden herbeigerufen welche die Leiche beschlagnahmten. Von der Rabenmutter fehlt jede Spur. * Düsseldorf, 9. Dez.(Gefaßt.) Nach Meldungen aus Brüssel ist dort die flüchtige Kassiererin Emma Kirberg von hier festgenommen worden. Der Kassierer Grahl, der ebenfalls geflohen war, ist entkommen. * Gladbeck, 9. Dez.(Durch Elektrizität getötet.) Auf der Zeche„Berlin“ kam der Schachthauer Kläft der elektrischen Stromleitung zu nahe und wurde vom Strome getötet. * M.=Gladbach, 9. Dez. Nach dem Genuß von rohem gehacktem Fleisch starb hier die Frau des Handlungsgehilfen Theodor Weyers, nachdem sie vorher heftige Magenkrämpfe bekommen hatte. Die Polzeibehörde nimmt an, daß die Frau einer Fleischvergiftung erlegen ist. Der noch vorhandene Rest der Mahlzeit und der ganze Vorrat an gehacktem Fleisch bei dem betreffenden Metzger wurde mit Beschlag belegt, und das Fleisch dem städtischen Nahrungsmittel=Untersuchungsamt übersandt. * M.=Gladbach, 9. Dez.(Todessturz.) Heute stürzte im städtischen Pflegehause der im 81. Lebensjahre stehende Pflegling Merbecks aus einem Fenster des ersten Stockwerks und blieb bewußtlos auf der Straße liegen. Er starb kurz darauf. Das Unglück ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß der Invalide früher in einem Zimmer des Erdgeschosses schlief und von dort häufig das Fenster benutzte, um aus dem Hause zu gelangen. Offenbar hat er geglaubt, er befände sich noch in seiner alten Wohnung. balten, wie wir Herrn Jansen, wenn es sein muß, mit Gewalt zu dem Dirigenten befördern. Es ist ja eine schlimme Sache, wenn man so ohne Umstände über einen Menschen verfügen muß, aber ich sehe Deinem Verlobten gegenüber keinen anderen Ausweg. Andrea blickte die Freundin so eigen und durchdringend an, sie wollte etwas erwidern, aber die Worte wollten nicht über ihre Lippen. Sie wollte ihr sagen:„Irene, ich glaube. Du hättest Macht über ihn!“ aber ein bitteres Schamgefühl drückte ihr die Kehle zusammen. Sie, seine Braut kam sich so zurückgesetzt, so kläglich vor.— „Also Mut“, fuhr Irene fort—„ich schreibe hier gleich bei Dir, wenn Du gestattest. So, bitte, lies, ob es Dir so recht ist. Krank kann jeder werden, besonders bei sensitiven Naturen soll eine plötzliche Unpäßlichkeit vorkomme: das wird und muß der Professor und der Dirigent einseben.“ Während die beiden Mädchen diese Unterredung hatten, saß Wolf bei seiner Schwägerin und dem Brautpaar in Amandas Zimmer. Er war soeben angekommen und hörte noch die letzten Worte eines Gesprächs zwischen Lisa und ihrer Mutter. „Aber Goldkind, daran kann doch kein Zweifel mehr sein, natürlich war es ihr Bräutigam“, sagte Frau Amanda eben, ihrer Tochter die Wange klopfend.—„Herzlich willkommen, lieber Schwager, Axel ist ausgegangen. Bitte, tröste doch dies kleine Närrchen hier, Wolf.— Nein, Lisa, Du bleibst, Du sollst hören, daß Onkel dasselbe sagt, wie ich.“ „Ich bin gespannt, um was es sich handelt.“ „Gestern, bei einem Ausgang mit Fräulein Mainau traf Lisa einen ehemaligen Freier und war nun ganz krank vor Erregung. Herr Nordfeld war nämlich ein intimer Bekannter unseres lieben Gastes, d. b. Bekannter war unrichtig— Verwandter müßte ich sagen.“ „Sie nannten sich Harry und Irene“, ergänzte Lisa in ihrem kindlichsten Ton—„und auch Schwester und Bruder.“ „Aber Lisa, Schäfchen— man nennt seinen Schwager gewöhnlich so“, lachte Amande bell auf. Der Aeroplan im Heeresdienst. Der„Eclair" behauptet, der Kriegsminister sei auf Grund der seit mehreren Monaten mit verschiedenen Flugmaschinen unternommenen Versuche zu der Schlußfolgerung gelangt, daß Aeroplans nunmehr als Angriffswafse angesehen werden könnten, die Geschosse zu schleudern gestatteten. Das Blatt will wissen, daß der Kriegsminister die in der Kammer und im Senat an ihn gerichteten Anfragen in dieser Angelegenheit beantworten würde. Es heißt, der Geniehauptmann Gerardille sei ausersehen, Genieoffiziere in der Aviatik auszubilden. Auch der„Temps“ beschäftigt sich mit der Frage der militärischen Verwendung des Lenkballons und der Flugmaschinen und berichtet u. a.: Nach den letzten Erfahrungen, die man bei den letzten Manövern und späteren Versuchen gemacht habe, könne man behaupten, daß der militärische Lenkballon dem Oberbefehlshaber keineswegs die Dienste leiste, die man von ihm erwartete. Der Lenkballon müsse, um den Geschossen der Infanterie und der Artillerie zu entgehen, sich bis zu einer Höhe von 1500 Metern erheben, sei dann aber außer Stande, die Stellungen u. Bewegungen der Gegner zu erkennen. Ueberdies sei dem Lenkballon ein neuer Feind entstanden in dem Aeroplan, der schneller, leichter und kühner zu handhaben sei, Sprengstoffe mit sich führen und mit diesen den Ballon in eintgen Sekunden kampfunfähig machen könne. Der Kriegsminister habe die Absicht, ein Versuchslaboratorium in der Nähe von Marseille, eine Bauwerkstätte in der Nähe von Paris und eine Aviatikerschule auf dem Flugfelde zu Bordeaux zu errichten. Bezüglich der Typs der Militäraeroplane sei noch keine Entscheidung getroffen. Vorläufig habe der Minister mehrere Einund Zweidecker bestellt. Neuregelung der Zeugengebühren. Die Herren bei der Gerichtskasse haben es nicht leicht, alle Wünsche der gerichtlich vorgeladenen Zeugen zu erfüllen, und eine vollständige Berücksichtigung ist auch gar nicht möglich, da zwischen den geltenden Bestimmungen und den Ansprüchen des Publikums sehr erhebliche Lücken klaffen. Darum ist es mit Beifall zu begrüßen, daß im Deutschen Reichstage ein Antrag eingebracht worden ist, der eine umfangreiche gesetzliche Neuregelung bezweckt. Hier stehen in der Tat oft Theorie und Praxis in großem Gegensatz zueinander, und das moderne Leben hat viele Fälle geschaffen, die in den Vorschriften noch nicht berücksichtigt werden konnten. In erster Reihe ist natürlich vollständige Klarheit in modernem Sinne darüber nötig, wieviel Gebühren ein Zeuge unter allen Umständen verlangen kann. Dann wird auch das Debattieren vor den Gerichtsgebäuden darüber erlöschen, daß der eine so viel Gebühren erhielt, der andere wieder so viel. Und trotzdem sind oft alle Teile nicht zufrieden. Bei den Zeugengeld=Auszahlungen sind ja mancherlei arge Geschichten vorgekommen, die seinerzeit den Weg durch alle Zeitungen machten. In Berlin z. B. machte ein Gemüsehändler Zeugengebühren nach einem durchschnittlichen Tagesverdienst von 15 Mark geltend und erhielt sie auch. Nicht wenig verwundert war der Mann, daß er von der Steuer für das nächste Jahr zu einem Einkommen von rund 5000 Mark herangezogen wurde, während er bisher nur zu einem solchen von 1200 Mark veranlagt gewesen war. Man verwies ihn auf seine eigene Erklärung bei der Erhebung der Zeugengebühren. Ueber solche Geschichten lächelt man wohl, aber sicher ist es am besten, wenn sie überhaupt ausbleiben. Und darum wäre eine klipp und klare Regelung dieser ganzen Angelegenheit nur beifällig zu begrüßen. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 11. Dez.: Bedeckt trübe, nahe Null, strichweise Schnee 12. Dezember: Bedeckt, trübe, leichter Frost. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus(Inh. Paul Schiemann), sämtlich in Schwerte. „Aber, süßes Mamachen „Nun, es ist so manches Verlöbnis perfekt, ohne daß die Welt etwas davon weiß, und Fräulein Mainau macht doch wahrhaftig kein Hehl daraus, denke ich.“ „Das heißt, sie sprach nie darüber, Mamachen.“ „Ganz einfach, die Sache wird noch nicht spruchreif sein. Aber sie schrieb oft an Martin Nordfeld und wie Du, kleine Neugier, selbst gelesen hast, in sehr herzlichen Ausdrücken.“ „Ich kann doch nicht dafür, wenn der Anfang des Briefes auf Andreas Löschblatt stand“, schmollte Lisa. „Thu doch nicht so, Lisa“, mischte sich Reine ins Gespräch, „ich habe Dir doch selbst den einen Brief von Martin zu lesen gegeben. Halbtot gelacht haben wir uns, so verhimmelte er, Du kannst Dir garnicht denken, Onkel Wolf, wie komisch das war!“ Graf Lindberg antwortete nicht. Scheinbar ruhig saß er da, nur seine Finger zuckten unruhig auf dem Tisch vor ihm. Plötzlich sagte er: „Hat Fräulein Irene Mainau Dir denn diesen Brief zu lesen gegeben, Reine?“ „Bewahre, Onkel Wolf! Sprich bitte nicht davon, Irene würde im Gegenteil sehr böse werden. Sie mußte ihn verloren haben, und ich fand ihn. Weißt Du, sie thut so, als ob die größten Heimlichkeiten in Martins Briefen stehen. Anders würde Kurti auch nicht an mich schreiben.“ „Liebste Reine“, Amanda lächelte ein wenig überlegen,„derartige Schreiben pflegt man nicht gerade zu veröffentlichen. Du bist ein offenherziges, thörichtes, kleines Mädchen, aber Deine angebetete Irene ist älter und daher weniger mitteilsam.“ „Aber ich will es nicht, daß Irene den Pastor Nordfeld heiratet! Wer weiß, auf welchem elenden Dorf sie dann hausen müßte. Er wollte nämlich trotz seiner Gelehrsamkeit nicht in die Stadt!“ erklärte Reine leidenschaftlich.„Wenn ich das sagte. lachte sie und nannt mich ihren kleinen Unverstand.“ Gertehzung folch) Seite 6. Schwerker Zeitung.(Amtliches Kreisblath. Freitag, den 10. Dezember 1900. Nr. 289. Eine feine seldene oder wollene Weste darf auf dem Weihnachtstisch nicht fehlen. Die grösste Auswahl, die schönsten Muster und die billigsten Preise finden Sie bei mir. Ansichtssendung bereitwilligst ohne Kaufzwang. Probeweste genügt zur Anfertigung und garantiere für gutes Sitzen. Mache auf meine Ausstellung im Schaufenster besonders aufmerksam, und halte mich bei Bedarf bestens empfohlen. 6159 Hochachtungsvoll Wilh. Ortmann, Schneidermeister, Schwerte, Westentor. Sparsame Hausfrauen kaufen ihren Bedarf an 6302 Kaffee und Malzkaffe nur Hagenerstraße 8 nur Hagenerstraße 8 im Westfälischen Kaufhans Inh: Frau Otto Schmidt, für 250 Rabaktmarken 3 M. in bar, für 50 Gutscheine 2 M. in bar. Vorzugs- Offerte! Orosses Aufsehen erregt ein Weihnachtsbaum mit meinem weltbekannten Glas Christbaumschmuck Sammlung I mit ca. 330 Stück in nur auserlesenen hochmodernen Neuheiten als: Edelobst, Prüchte mit Laub, Kugeln und Eier mit Phantasie-Malerei(Jugendstiel) etc., läut. 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Mit großem Mut verließen wir unsere Verteidigungsstellung und gingen mit Hurra zum Angri,f über. 9, man ist so mutig, ja tollkühn,— wenn die Gefahr vorüber ist! Eine Stunde lang sind wir noch auf den Bergen heruigekraxelt. Die Mondsichel ging blutrot über den nachtsschlasenen Bergketten unter. Hans zündete die Laterne an, und wir suchten— wie weiland Diogenes seine MMenschen— unsern Hirsch. Gesehen haben wir ihn zwar nicht mehr und gehört auch nur noch von ferne, aber schön war es doch, vielleicht gerade darum schön. Doch— ich will nichts gesagt Bumor. * Sein eigner Herr.„Ich finde es lächerlich, wenn ein junger Mamr sich schon aufangs der Zwanziger verheiratet,“ bemerkte ein älterer Junggeselle,„er ist ja nicht alt genug, um sein eigner Herr zu sein!“ „Und denken Sie etwa, das wäre er, wenn er verheiratet ist?“ entgegnete ein junger Ehemann. Se. Rachcescechon 55 Guu 8 von Laura Uincent. Das Holzwerk der Fenster zu schonen. Fenster und Balkontüren nach der Wetterseite werden durch Regen, Sturm und Staub sehr mitgenommen. Oelt man die am meisten ausgesetzten Teile zwei= oder dreimal im Jahr mit Leinöl, so werden sie bedeutend mehr geschont und behalten ein besseres Aussehen. * Wohnzimmer, die gleichzeitig als Schlafräume dienen, müssen vor dem Schlafengehen tüchtig gelüftet werden. Türen und Feuster müssen mindestens fünf Minuten lang weit geöffnet, die Gasflamme ausgelöscht oder die Lampe hinausgetragen werden. Nur so ist es möglich, reine Luft zum Schlafen zu erlangen. Auch diejenigen, die bei offenem Fenster schlasen, müssen diese gründliche Lüftung vorher besorgen, denn wenn nicht auf diese Weise die Luft vollständig erneuert wird, so dauert es sehr lange, bis durch das geöffnete Fenster genügend reine Luft hereintritt, und der erste Schlaf ist dann kein erquickender. * Petroleumlampen brennen bedeutend heller, wenn man ein Stückchen Kampfer in das Bassin legt. Ungenügender Schlaf ist eine der Hauptursachen für die uunehmende Nervosität unserer Tage. Jede Mutter sehe daher streng darauf, daß ihre Kinder zehn Stunden schlafen. Namentlich in den Großstädten haben die Kinder meist viel zu wenig Schlaf. Jugendliche Personen bis zu einundzwanzig Jahren sollten neun Stunden ruhen, ältere haben mit acht Stunden genug. Doch bedenke man immer, daß der Schlaf vor Mitternacht der beste ist. Waschlederne Handschuhe. Man hört vielfach klagen darüber, daß wasch= und wildlederne Handschuhe sich nach dem Waschen so schlecht tragen, daß die Arbeit kaum der Mühe lohnte. Zuweilen mag dies ja an der Qualität der Handschuhe liegen, sehr häufig aber ist die Wäsche daran schuld. Sehr viele Hausfrauen wissen nämlich nicht, daß diese Handschuhe nicht in reinem Wasser gespült werden dürfen, das sie hart macht. Man wäscht sie in Seifenschaum, wozu natürlich eine milde Seife benutzt werden muß, und spült sie auch in Seifenschaum, den man aber nicht herauswringen darf. Die Handschuhe werden nur leicht ausgedrückt und aufgehängt. Sobald sie anfangen zu trocknen, werden sie zwischen den Fingern weichgerieben und mit einem Handschuhweiter geweitet. Sie werden auf diese Weise nicht verdorben und sehen aus wie neu. Beim Plätten von Tuchkleidern ist stets zu beachten, daß der Stoff nicht von rechts gebügelt werden darf, da er sonst einen häßlichen Glanz bekommt. Man drehe daher solche Kleidungsstücke immer auf die linke Seite Wo dies nicht gehl, wie z. B. bei gefütterten Taillen, lege man einen feuchten Lappen über die zu behandelnden Teile und plätte daruber, wobei darauf zu achten ist, daß die Spitze des Eisens in derselben Richtung läuft, wie der Strich des Tuches. Wollte man gegen den Strich bügeln, so würde der Stoff ein fleckiges, streifiges Aeußere bekommen. * Feine Stoffe auf der Maschire. Manche fleißige Frau, die sich ihre Blusen selbst anfertigt, hat wohl schon darüber geseufzt, daß bei feinen Stoffen, wie indischer Mull, Seidenbatist, Crêpe de Chine und dergleichen, die Nähte sich zusammenziehen. Man muß bei solchen Stoffen die Spannung recht lose stellen, aber auch dann läßt sich häufig das Zusammenziehen nicht ganz vermeiden. Ein gutes Mittel gegen diese Unannehmlichkeit ist, einen Streifen dünnes Papier mitzunahen, der nach vollendeter Naht leicht abgerissen werden kann. Oelgemälde reinigt man am besten mit lauwarmem Wasser und Seife, worauf man sie mit einem weichen Tuch behutsam trocken wischt. Danach gibt man ihnen Glanz durch Reiben mit einem dünnen seidenen Tuch, das erst am Feuer gemarmt wwrde. * Ersatz für Klebstoff. Hat man keinen Klebstoff im Hause und muß durchaus eine Etikette oder dergleichen befestigen, so nehme man ein kleines Stück von einer gekochten, erkalteten Kartoffel und zerreibe es langsam mit den Fingern über das ganze Papier, bis alles glatt verteilt ist. Es wird so fest kleben wie der beste Kleister. Mittel gegen Sommerflecken. 150 Gramm destilliertes Wasser, 45 Gramm Zitronensaft, 15 Gramm Borax. Mit dieser Mischung wird das Gesicht eingerieben, ehe man in die Sonne geht. Eine empfehlenswerte Art, Schuhknöpfe zu befestigen, ist folgende: Man steche da, wo die Knöpfe sitzen sollen, Löcher mit einem feinen Bohrer, stecke die Knöpfe durch, nähe dann am oberen Ende des Stiefels einen starken Schnürriemen an, von dem man die Metallspitze entfernt hat, ziehe ihn durch sämtliche Knopfösen und nähe ihn auch am andern Ende fest an, worauf man ihn abschneidet. Dies ist besser als die verschiedenen Patentbefestigungen, reißen. die leicht die Strümpfe zerUnterhaltungs=Beilage zu Nr. 289. Freitag, 10. Dezember 1909. haben Sie sich überanstrengt. Freilich, man kann nicht wie ein zartes Prinzeßchen ausschauen und wie ein derber Lehrbub ins Zeug gehen wollen. Warten Sie, ich hole rasch ein Glas Wasser.“ Zuvor schob er ihr einen bequemeren Sitz hin, als der Modellierbock war, an dem sie matt lehnte, riß flugs ein Fenster des Werkraumes auf, in dem sie beide allein gearbeitet hatten, dann stürzte er fort mit einem Eifer, der Lisa fast rührte. Unterdes gewann sie Zeit, sich zu fassen. Sie war nicht ohnmächtig, nur wie benommen von dem Gehörten, in ihrem Kopf schien ein schwirrendes Mühlrad zu gehen. Sie versuchte ruhiger, folgerichtiger zu denken und sagte sich:„Ehe ich die letzten Konsequenzen aus dem gleichlautenden Namen ziehe und mich dem Sohn quasi als Cousine entdecke, will ich die Mutter näher ausforschen. Allerdings bleibt kaum ein Zweifel, daß Vater dieser verschollene Onkel Börner ist, denn damit erklärt sich nun auch das mir so seltsam Vertraute an Grete und ebenso an Felix Brabender, es sind eben gemeinsame Familienzüge.“ Und weiter grübelte sie:„Wenn nun ich diese so lange Jahre getrennten Geschwister wieder zusammenbrächte, würde es Vater lieb sein, würden es mir die Brabenders danken? Und Sven, was wird er zu den neuen Verwandten sagen, wenn er wiederkommt. Ach, kehrt er denn je zurück?“ Noch haftete ihr Geist an diesem Sorgengedanken, als Felix Brabender wieder eintrat.„Ich habe Selterwasser, gnädiges Fräulein, das ist am Ende noch erfrischender.“ Sie trank in raschen Zügen.„Danke sehr, ja, das tut gut. Es ist reichlich warm hier, das vertrage ich nicht beim Arbeiten, sonst aber bin ich kein Schwachmatikus. Mit Ohnmachten gebe ich mich nicht ab.“ „Nein?“ meinte er zweifelnd, immer noch mit einiger Besorgnis ihr blasses Gesicht betrachtend. „Glauben Sie nur, ich nehme es gut und gern mit Ihrer Schwester Grete auf,“ sagte sie da mit leisem Lächeln,„das könnte Ihnen Vater bestätigen. Der legt mir oft genug die Bremse an.“ „Das täte auch ich, dürfte ich es nur. Im Ernst, Fräulein von Dittmar, Sie sollten die Sache nicht derartig forcieren. Eines taugt nicht für alle, daran denken Sie.“ Wie warm seine ehrlichen Augen die Mahnung unterstützten. Lisa hatte in ihrem jungen Dasein viel Liebe erfahren, verwöhnende Mutterzärtlichkeit, innige Vatertreue, wie kam es, daß dieser bis in die Herztiefe dringende Blick des fremden Mannes ungeahnte Seligkeit dort entzündete? Wie eine mächtige Flamme loderte es auf, aber sie war rein und heilig, als brenne sie auf einem Altar. Verträumt lächelte Lisa in das ihr besorgt und bittend zugeneigte Gesicht des Mannes, der sie mit solch großem gewaltigen Gefühl beseelt. Ach, vom ersten Tage an hatte er ihr imponiert, der ganze Mensch in seiner kraftvollen Männlichkeit, seiner festen, bewußten Ruhe. Und es erschien ihr bewunderungswürdig, daß er mit seiner bedeutenden Kunstfertigkeit den praktischen Blick des energischen Gewerblers verband.„Das wäre ein Mann nach Vaters Sinn.“ Auch jetzt mußte sie es wieder denken, als es ihr in beklommener Glückseligkeit klar wurde, wie viel näher ihr dieser„Vetter" kommen könne, als es dereinst Joachim von Dittmar vermocht. Und nun, nicht länger lilienblaß, sondern das ganze süße Gesicht in Rosenglut getaucht, sprach sie aufstehend:„Ich will gehorsam sein und heut einmal frühe Feierstunde machen. Morgen jedoch bin ich wieder stramm auf dem Posten. Ihre Schwester Grete soll mich doch nicht beschämen?“ Ohne natürlich mit der Tür ins Haus zu fallen, ließ Lisa es sich nun doppelt angelegen sein, die Brabenders näher kennen zu lernen. Toilettenbedürfnisse mußten den Vorwand geben. Notwendig waren sie nicht, denn Mutter Börner hatte ihren Liebling überreich für den Berliner Aufenthalt ausgestattet, und anderseits war die fleißige Lisa keine eitle Modenärrin. Allein, sie schienen ihr in diesem Falle der natürlichste Anlaß zur unauffälligen Fühlung mit der Familie, selbst auf die Gefahr hin, als Verschwenderin in Verdacht zu kommen. Aeußerte Grete doch mal, und man merkte ihr beinah eine kleine Verstimmung an:„Sie müssen schrecklich verwöhnt sein, gnädiges Fräulein. Die schönen Sachen sind hochmodern, die könnten Sie wirklich lassen, wie sie sind.“ Und anstatt auf ihren geschäftlichen Vorteil zu sehen, blickte sie die vielversprechende feine Kundin mit heimlicher Mißbilligung an, denn es rumorten wirklich in ihrem Köpfchen rebellische Gedanken. Obenan die Sorge, Felix wird sich doch nicht ernsthaft in diese Prinzeß verlieben?„Das gäbe eine nette Bescherung. Die paßt doch im Leben nicht in enge Verhältnisse, und so lieb und reizend sie ist, ich glaube doch nicht, daß sie ausgerechnet für unseren Felix geschaffen wäre. Vergafft hat er sich natürlich in die Fee. Sein drittes Wort ist jetzt Fräulein von Dittmar. Nicht genug kann er von ihrem erstaunlichen Eifer, ihrer großartigen Geschicklichkeit erzählen. Und einen Ernst, eine Lebensenergie habe der weibliche Lehrbub— es sei wundervoll. Dieser törichte Junge, so studiert er alltäglich selber an dieser Prachtjungfrau herum, hat sie förmlich auf einen Altar gestellt, um einen regelrechten Kultus mit seiner kleinen Heiligen zu treiben. Ich werde ihm aber mal noch ein anderes Licht aufstecken, damit er auch das gnädige Fräulein in ihr sieht. Jawohl, das werd' ich. Werde ihm zeigen, welch eine Verschwenderin sein Idol nebenher ist, und daß man schon ein kleiner Millionär sein müßte, um die Toiletten dieses außergewöhnlichen Lehrlings zu bezahlen.“ Sagte Lisa dann ein bißchen verlegen und wieder unendlich gewinnend in ihrer herzlichen Weise:„Ja, Fräulein Grete, wie soll ich denn sonst Ihrer habhaft werden? Sie besuchen mich ja doch nicht, Sie emsiges Bienchen; sitze ich aber so neben Ihnen, während Sie mir den Firlefanz zurechtmachen, habe ich doch mal einen ordentlichen Schwatz mit Ihnen,“— ja, dann wäre die bedachtsame kluge Grete dieser lieben reizenden Verschwenderin am liebsten um den Hals gefallen und begriff vollkommen Bruder Felix' vernunftlose Liebe und gab es auf, ihn vorzeitig aus seinem tiefen, tiefen Traum emporzuschrecken. Das würde schon eines Tages das Schicksal besorgen, in Gestalt des reichen, vornehmen Vaters dieses Wundermädchens. Der blies natürlich wie ein Sturmwind alle heißen, hochtrabenden Gefühle aus. Würde sich schön bedanken, sein Prinzeßchen so'nem armen Schlucker einfach in die Arme zu legen, und niemand dürft's ihm verargen. So machte sich die junge Grete altkluge Gedanken, die sie indes, weise genug, einstweilen für sich behielt, während Lisa, des falschen Scheins, in den sie sich unvorsichtig gestellt, nicht weiter achtend, mit Eifer daranging, Vaters etwaiger Familie nachzuforschen, und ganz besonders Frau Brabender auszuholen. Die war, wie alte Frauen sind, gern gesprächig und kramte, von der liebenswürdigen Hörerin animiert, rückhaltlos ihre Jugenderinnerungen aus. Als sie Lisas warmes Interesse, das weit von Neugier war, merkte, erzählte sie wohl auch von späteren Erlebnissen, Schicksalsschlägen und Fährnissen, so daß Lisa tiefen Einblick in dies schwergeprüfte, aber nicht zerbrochene Frauenleben gewann und ihr vor allem kein Zweifel mehr blieb, daß jene tatsächlich Vaters einzige Schwester sei. (Fortsetzung folgt.) 95 6504 91— S e 3.5 D 91— ###E * 55 Denkspruch. Ein Kranz ist gar viel leichter binden. Ais ein ihm würdig Haupt zu finden. Goethe. Hirschbrüllen.“) Eine Skizze aus dem Harzleben. Von Marga. (Nachdruck verboten.) Wer eine solche Tante hat wie ich, dem kann man gratulieren. Sie ist zwar nur eine Adoptivtante, aber die sind gewöhnlich besser als die richtigen, da man sie sich wählen kann. Meine Adoptivtante hat eine von mir hochgeschätzte Eigenschaft: sie ist mit uns jung und vergnügt und macht alles mit. Da gibt's keinen Berg in unserm Harz, den sie nicht mit uns erklettern, keinen Ausflugsort, den sie nicht mit uns entdecken möchte. Es mag regnen, daß kein Faden an einem trocken bleibt, schneien, daß man durch den Schnee waten muß bis an die Knie, und frieren, daß man bei jedem Schritt in Gefahr ist, die Erde der Länge nach zu befühlen,— meine Tante zieht mit uns hinaus, lacht und singt, als wär' es helles Sonnenwetter und sie so recht in ihrer besten Jugend, und doch ist sie schon Großmutter; ja, wirklich, das ist sie! Unwiderstehlich war denn auch die Aussicht, mit Tante zum Hirschbrüllen zu gehen.„Du, Marga, magst du morgen abend mit uns kommen, die Hirsche brüllen zu hören? Unsere Butterbrote wollen wir mitnehmen. Um sechs Uhr geht's los.“ Ob ich mochte! Also um sechs Uhr stand ich bereit, ein Cape umgeschnallt, den Stock in der Hand und die Butterbrote. Da kamen sie auch schon: Tante an der Spitze fröhlich winkend, neben ihr Karl und Hans als„herrliche" Begleitung. Mein Proviant verschwand in Hansens Rucksack. Da drinnen klapperte etwas, eine Laterne, wie Hans mir erklärte. Wir vier zogen los. Es fing schon an zu dämmern, als wir die herrliche Waldstraße erreichten, und der Mond stieg sichelförmig hinter den dunkelblauen Bergen auf. Ein leichter Nebel überzog das Tal, durch das wir plaudernd wanderten. Jetzt bog der Weg ab und führte langsam bergan. Wir hatten noch tüchtig zu klettern, wenn wir unser Ziel erreichen wollten, das einsame Forsthaus in den waldigen Bergen, von dem aus man die Hirsche aus nächster Nähe hören sollte. Also schritten wir rüstig aus. Neben unserm Wege plumpste ein Bächlein bedächtig von Stein zu Stein. Der Weg wurde zum Pfade und führte über eine einsame Waldwiese. Ringsum hohe Tannen. Wir unterhielten uns gerade eifrig über das Gymnasium, und unsere Begleiter machten allerlei einschlägige Reformvorschläge, als Hans plötzlich atemlos stehenblieb.„Still!" Auch wir hielten inne und lauschten gespannt. Wirklich, da erscholl aus einiger Entfernung ein geblökartiges, langgezogenes Brüllen. Da war schon ein Hirsch. Jetzt galt es, schnell vorwärtszukommen. Kaum ein Wort wurde gewechselt. Die steile Schlucht ging's aufwärts. Hier stürzt im Frühjahr nach der Schneeschmelze das Wasser herab, im Herbst aber lassen die Holzarbeiter die mächtigen Baumstämme, die sie gefällt haben, dort talab rutschen. Wir kamen bald hinauf und erreichten einen breiten Waldfahrweg. *) Zur Hirschbrunstzeit im September bis Ende Oktober ziehen Scharen von Lauschern in die Berge. Diese nächtlichen Wege sind, wie Unglücksfälle in Gernrode u. a. bewiesen, nicht ungefährlich und dürfen nur unter Führung durchaus ortskundiger Personen unternommen werden. Anm. der Redaktion. Schon wieder hallten die langgezogenen Laute in unser Ohr. Der Hirsch konnte nicht weit weg sein. Und dann hörte man von der anderen Richtung her, in der Ferne dasselbe Brüllen, und die Berge warfeit es dumpf zurück. Bis zum Forsthaus war’s noch weit und der Weg beschwerlich. Da war es uns allen nicht unlieb, daß Tante den Vorschlag machte, unser Ziel nicht weiter zu verfolgen, sondern in der Richtung zu gehen, aus der wir das Brüllen hörten. So zogen wir auf dem breiten Wege links in den Wald.„Füße hoch beim Gehen und nicht zu laut sprechen, sonst vertreiben wir den Hirsch,“ sagte Tante. „Du, Tante, ist es denn nicht gefährlich, dem Hirsch so nahezukommen?“ fragte ich leise:„Wenn man keinen Hund bei sich hat, wohl kaum,“ meinte sie. Aber Hans und Karl wußten doch von allerlei unliebsamen Begegnungen zwischen Förstern oder Waldarbeitern und Hirschen zu erzählen. So kamen wir langsam vorwärts. Stellenweise war der Weg so dunkel, daß wir die Laterne anzünden und die Gegend ableuchten mußten. Wir löschten sie aber bald wieder, um nicht durch ihr Licht den Hirsch zu vertreiben. Dann ging's im Dunkeln weiter. An manchen Stellen bahnte sich das Mondlicht einen Weg durch die Stänime und fiel in hellen Streifen über den Pfad. Gespensterhaft lagen hart neben den glänzenden Silberflecken die schwarzen Baumschatten. In dieser Waldeinsai keit verrieten nur die schöngeschichteten Klafter Holz menschliche Nähe. Das Laub raschelte unter unseren Füßen. Ein Käuzchen schrie hin und wieder. Sonst alles nachtstill. Da plötzlich die langgezogenen schauerlichen Laute des Hirsches ganz in der Nähe. Das war nun doch nachgerade unheimlich. Dazu brüllte nicht weit davon ein zweiter Hirsch— wir mochten etwa in der Mitte zwischen beiden sein— und man weiß ja, daß, wenn zwei Hirsche während der Brunstzeit zusammentreffen, keiner den anderen in seinem Revier duldet und es selten ohne erbitterten Kampf abgeht. Die Aussicht, solchem Zweikampf auf Leben und Tod als Zuschauer beizuwohnen und vielleicht gar von einem der erbitterten Tiere freundschaftlichst„angerempelt“ zu werden, war wahrhaftig nicht verlockend! Oder wer hätte Lust dazu gehabt?! Aun aber, bitte, nicht an unserer Heldentapferkeit gezweifelt! Wir gingen weiter(es blieb uns nämlich nichts anderes übrig), schudderten ein wenig, wenn das Gebrüll wieder anhob— aber das lag wohl an der Nachtluft— und sahen uns gelegentlich die Bäume am Wege und die Klafter Holz daraufhin an, ob man wohl bequem, nun, sagen wir mal— bequem dahinter Platz fände, wenn solch ein interessanter Hirsch vorbeikäme. So näherten wir uns einer Lichtung, die in sattem Mondschein vor uns lag. Seit einigen Minuten hatten wir den Hirsch nicht mehr gehört. Jetzt raschelte aber das trockene Laub im Gehölz linker Hand, und im niedrigen Geäst knackte es, und— nur kein Herzklopfen!— der erwartete Hirsch blieb aus, statt dessen grunzte es da im Dunkeln. Wildschweine, die gewiß auch zum Hirschbrüllen gegangen waren— warum nicht?— und die nun ebenso über unser Auftauchen erstaunten, wie wir über das ihre. Wir hätten laut auflachen mögen, wenn uns nicht die zarte Rücksicht auf den Hirsch davon abgehalten hätte. Man muß aufgeregte Kreaturen nicht durch Lachen reizen. Unser Mut aber wuchs durch dies kleine Intermezzo ins Riesenhafte, wie man sich denken kann, und als wir vollends nach einiger Zeit ein großes Wildgatter erreichten und die Höhe der Holztreppe, die hinüberführte, erstiegen hatten, waren wir in unserer Kaltblütigkeit so weit, daß wir lächelnd unsere Butterbrote und Birnen hervorholten und verzehrten. Wir hörten das Gebrüll sich mehr und mehr entfernen. Offenbar verzog sich der Hirsch auf die andere Seite des Berges. Seite 3. Schwerter Zeitung.(Amtliches Kreisblatt.) Freitag, den 10. Dezember 1909. Nr. 289. Es giackt Kitton-Kntttel einen hochaufgegangenen, locker gebach Backwunder trotz der vielen Vorzüge nur 10 Pfg. eihen Rochäuigegungenen, wezer gebackenen und leicht verdaulichen kuchen herzustellen, wenn Sie statt Hefe und minderwertigen Backpulvern dasgesetzlich geschützte Backwunder(Patent-Backpulver) verwenden. Ber Backwunderkuchen gerät stets prachtvoll und bleibt selbst im Anschnitt längere Zeit frisch. 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Mts., nachmittags 4 Uhr General versammlung im Vereinslokale. Wahl des Vorstandes 2c. 6469 Der Vorstand. 6409 Bernhard Stern, Schwerte. In der heutigen Vervollkommnung einzig dastehend! Halte mich zum lachten von Privatschweinen sowie zum ze Wurstmachen bestens empfohlen. 6409 Andreas Bischoff, Moltkestraße 44. Iwuugleirta“ Am Samstag, den 11. Dezember cr., vormittags 10 Uhr, werde ich im Pfandlokale beim Wirt Rath hierselbst 1 großen Posten Reiserbesen gegen bar versteigern. 6499 Der Verkauf findet bestimmt statt. Schwerte, 10. Dezbr. 1909. Morgenroth Gerichtsvollzieher. Jeder HaanFseine eigene Waschfrau! Zwangsverste, ung. Im Wege der Zwangsvollftreckung sollen die in Schwerte belegenen, im Grundbuche von Schwerte, Band V, Artikel 312 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Dr. med. Leo Dithmer zu Schwerte eingetragenen Grundstücke Flur 44 Nr. 24 und 25 der Steuergemeinde Schwerte am 29. Jannar 1910, vormittags 10½ Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 6— versteigert werden. Das Grundstück Flur 44 Nr. 24, an der Kötterbachstraße Nr. 2 gelegen, ist 28 a groß; es besteht aus Hofraum mit a) Wohnhaus, Anbau und Hausgarten, b) Scheune mit Wohnung, c) Schuppen und ist mit einem jährlichen Nutzungswerte von 1162 Mk. zur Gebäudesteuer veranlagt. Das Grundstück Flur 44 Nr. 25, am Südwall gelegen, ist Hofraum und 20 a 83 qm groß. Die Grundstücke sind unter Artikel Nr. 123 der Grundsteuermutterrolle und unter Nr. 860 der Gebäudesteuerrolle eingetragen. Der Versteigerungsvermerk ist am 24. November 1909 in das Grundbuch eingetragen. Schwerte, den 2. Dezember 1909. 648 Königliches Amtsgericht. „Reichskrone“ Programm vom 10.—12. 1. Am Gietschermeer des Mont-Blanc. Original=Naturaufnahme. 2. Schnupfen und kein Taschentuch. Hum. 3. Alboino u. Rosamunde. Prächtiges historisches Drama aus der Zeit der Lombardenkämpfe. 4. Die Furt. Ergreifendes Drama aus dem Feldzuge Napoleons nach Rußland. 5. Zwei reizende Kinder. Hum. 6. Lehmann ist zu schön. Humoristischer Schlager. 7. Die Hochzeit der Köchin. Hochhumoristisch. 6468 Pflanzen-Butter, Land-Butter, Margaltne. Auf diese Artikel gebe doppelte Zugabe-Bons (12 Proz.) Kavallerie=Verein Schwerte. General=Versammlung am Sonntag, den 12. Dezember 1909, abends 7 Uhr im Vereinslokal Gasthof Rath. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 13. Neuwahl des 2. Vorsitzenden und des 2. Schriftführers. 4. Wahl der Kassen=Revisoren. 5. Verschiedenes. 6490 Der Vorstand. Ant. Berkenkopf. 6485 Wohlwollende Freunde, denen Gott dazu die Hände gestärkt hat, bittet der hiesige kreuzverein um Zuwendung milder Gaben um armen Familien eine Weihnachtsfreude machen zu können. Namens des Vereins: 6486 Diedr. Stelljes. Hochfeine, extra grosse 40, 50 u 60 Pfg. p. Pfd. Sämtliche Artikel zum# in fetnsten Qualitäten empfiehlt Carl 1rog. Zwangs=Versteigerung. 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Zwungeverste“, Ang. Am 11. dss. Mts., vormittags 10 Uhr werde ich beim Wirt Nath folgende Gegenstände öffentlich gegen bar versteigern: Eine große Partie verschiedener Sorten Kinderspielsachen wie: Schaukelpferde, Puppen, Wagen, Christbaumschmuck u. s. w. 6502 Grothaus, Gerichtsvollzieher. Turnverein„Eintracht“ Mitglied der Deutschen Turnerschaft. Sonnabend, 8 Uhr: Jahres=Versammlung im Vereinslokal Fr. Kilwing. Tages= Ordnung: Vorstandswahl. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet. Der Vorstand. Empfehle hochfeines 6505 Kalbfleisch 65 Pfg. Rindfleisch 60 Pfg. Op den Winkel, Schlachtermeister. Buch- u. Papierhandlung Sartbraus (Inh.: P. Schiemann) empfiehlt wissenschaftl. Werke aus allen Gebieten moderne Komane Geschenkliteratur Lugendbucher Bilderbücher Zeitschristen Witzblalter Musikalten Briefpapiere Schreibzeug Oeynhauser Brot Die billige daldfleischwoche! Kalbfleisch: nur 60 Pig 8 Schwerter Fleischhalle Kleine Marktstraße 4. mit Palmona gibt das beste Butterbrot. Frisch eingetroffen. Ant. Berbenkopf. 648 Der heutigen Auflage ist ein Prospekt des Schuhwarenhauses D. Herz Nachf. beigelegt, den wir geneigter Beachtung empfehlen. 6180 Die Geschäftsstelle. 10 Nr. 14gl. Verdienst für Jeie 44, dermann., Näh. grgi, von II. dermann. Näh. grat. von A. H. Vollmer, Hamburg 20. P. O. Schlachshgd. Samstag, den 11. dieses Monats. vormittags 9 Uhr, soll auf der Freidank 649 Scbweinefleisch verhaust werden. Die Schlachthof=Verwaltung Nr. 269. Seite 4. Schwerker Zeitung.(Amliches Kreisdlal). Freilag, den 10. Dezember 1809. Praknhsche Wolnndents Gerblomks Herren-Bekleidung. Paletots— Ulster Auswahl unter mehreren Tausenden. Jede Fagon! Jede Stoffart! 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