Schwerter Volksblatt O General-Anzeiger für den Kreis Hörde O Schwerter Volks=Zeitung Die“schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: o“Illustrierter Famillentreund" und Unterhaltungs-Blatt. o Auzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1° Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 P. Die Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihrer BedingIs Unterstützung Alie kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“Schwerter Zeitung" rechtso 0 o o o o verbindliche Kraft o o c o c e Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62 Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr ent 1. Pr, Rethianeele ve p.— Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises O haupt-Annoncenblatt Nr. 219 Erstes Blall. Unsere heutige Ausgabe umfaßt mit dem täglichen Unterhaltungsblatt und dem„Illustrierten Familienfreund“ 22 Seiten. Politische Wochenschau. „Das Ganze halt“! So klang's jetzt auf den Manöverfeldern in den verschiedensten Gebieten des Deutschen Reiches, und um den Kaiser und die übrigen zur Kritik berufenen Persönlichkeiten sammelten sich die Schlachthelden, die zum ersten Mal, wie nie zuvor, die militärischen Uebungen nach kriegsmäßigen Grundsätzen geleitet hatten. Die Manöverbilder sind unscheinbarer geworden, aber die Lehren gewichtiger, welche sich für die: Armeeführer daraus ergeben. Von den bestimmten Aufgaben mit feststehender Lösung kommen wir zu den alten und doch nun einmal besten Prinzipien, den Feind zu treffen und zu schlagen. Unser alter Moltke hat sich ja ebenfalls stets geäußert, daß kein Kriegsplan ausgearbeitet werden könne! Nur der Aufmarsch kann festgelgt werden, und dann ergibt sich alles Weitere aus der folgenden, vorher unberechenbaren Entwickelung. Bei uns ging es diesmal anders zu, wie s. 5. bei der vielbesprochenen französischen Probe=Mobilmachung, die den vollen Kriegsernst in den Frieden übertragen sollte. Aber man hatte schon Wochen lang im Voraus gearbeitet, und hinterher stimmte es doch nicht. Die Aufwendungen für unsere letzten Manöver waren besonders groß, aber das Geld war gut angelegt. Wir dürfen es mit Gleichmut betrachten, wenn auch wirklich der neueste französische Chauvinisten=Plan, eine NegerArmee von 300000 Mann aus den Kolonien aufzustellen, in die Tat umgesetzt werden sollte. Aber dann wird es noch gute Weile haben, den hier kann Wohltat nicht Plage werden. Zur selben Zeit, in der sein Nachfolger sich rüstete, seine Antrittsbesuche an den deutschen Fürstenhöfen und in Wien zu beginnen, hat Fürst Bülow auf eine freundliche Anregung erklärt, daß er nicht nur kein ihm angebotenes Reichstags=Mandat übernehmen wolle, sondern auch nicht wieder in die Oeffent lichkeit zu treten gedenke. Damit scheidet also der frühere Kanzler für die Zukunft unserer inneren Politik völlig aus. Seine Beweggründe für die Zurückhaltung, die er sich auferlegen will, sind ohne Weiteres zu verstehen, es ist ein mißliches Ding, einen Posten, wie den des deutschen Reichskanzlers, mehr als einmal zu bekleiden, und der Fürst hält sich auch wohl überzeugt, daß es nie an Männern fehlen wird, die ihn ersetzen können. Für Herrn von Bethmann Hollweg, der bei seiner Pisite in München mit dem Kaiser zusammentreffen wirv, der bann aus Anlaß der Einweihung des neuen Heims der ihm gehörigen berühmten Schackschen Bildergalerie an der er verweilt, ist die Zeit der ersten friedlichen Amtswochen nun auch vorüber. Mit memden Diplomaten hat der leitende Staatsmann über auswärtige Angelegenheiten bereits Konferenzen gehabt, und die Festfolgen. In der internationalen Politik steht unser Kurs, wie ja hinlänglich bekannt auch im Eigzeligen fest; über die inneren Angelegenheiten kann man sich das Prophezeien sparen, die Entscheidungen werden abzuwarten sein. Jedenfalls wird der Kanzler die Ueberzeugung haben, daß bei den herrschenden Zeitläuften und den schweren Lasten, die sie für den Nährstand gebracht haben, dessen Stellung gescho werden muß. Die selbständigen bürgerlichen wo ohnehin schon ein gewaltiger Zulauf zur Beamtenla zu verzeichnen ist, nicht verringert werden. Eine größere Fi derung der Sozialdemokratie wäre nicht zu denken, die unver ändert zu neuen Angriffen bereit steht, wenn sie auch auf ihrem Parteitage im Verhältnis zu früher eine minder scharfe Tonart anschlägt. Die Einmütigkeit und das Kraftbewußtsein des deutschen Bürgertums kann nur zu seinem eigenen schwersten Schaden erschüttert werden.: Rechte Freude bereitet uns weiter der Lenkballon unseres großen Zeppelin. Ohne kleine Motorschäden geht es unterwegs ja noch immer nicht ab, doch von ihnen würde man kaum sprechen, wenn sie nicht immer haarklein gemeldet würden. Denn das Luftschiff fliegt, und seine Sicherheit wird als eine derartige betrachtet, daß immer mehr fürstliche Persönlichkeiten beiderlei Geschlechts an den Fahrten teilnehmen. So weit ist man doch anderwärts noch lange nicht! Wir wollen aber auch unseren anderen Ballonsystemen redlich das Lob zu teil werden Samstag den 18. September 1909 lassen, das sie verdienen. Auch Groß und Parseval haben Gutes geleistet, und die zwischen Frankfurt a. M. und Mannheim zwischen Zeppelin und Parseval veranstaltete Wettfahrt bot ein außerordentliches, bisher nie dagewesenes Bild. Was die Luftschiffe auch für miltärische Zwecke und den vollen Ernstfall des Krieges wert sind, das hat sich jetzt bereits erwiesen. Man mag uns nur kommen! 84241—5 Während in Paris, von einigen Zankereien abgesehen, die Politik augenblicklich ruhige Tage hat, läuten in England die politischen Glocken ziemlich vernehmbar Sturm. Die Gegensätze zwischen der liberalen Regierung und der konservativen Opposition haben sich aus Anlaß der notwendigen Aufbringung von neuen Steuern auf das heftigste verschärft, und das konservative Oberhaus beabsichtigt, was seit Jahren nicht da war, die Ablehnung der gesamten Staatsausgaben. Die Verwirklichung dieser Absicht wäre die Auflösung des Parlaments und die Ausschreibung von Neuwahlen, deren Resultat schwer vorauszusagen ist. In Oesterreich=Ungarn ist über die inneren Zwistigkeiten trotz aller persönlichen Bemühungen des Kaisers Franz Joseph noch immer kein Einvernehmen erzielt, und auf der Balkanhalbinsel verursachen Serbien und Griechenland weitere Bedenken. Ehrgeiz und Egoismus sind hier böse Triebfedern. Auch Italien und Spanien haben die Notwendigkeit von inneren Reformen zu berücksichtigen, für die weit mehr Wollen wie Können da ist. Die finanziellen Aufwendunge,n die Italien für die Verstärkung seiner militärischen Schlagfertigkeit gebraucht, sind trotz aller optimistischen Versicherungen aus Rom auch noch keineswegs so geregelt, wie es erforderlich ist. M— 5 Im fernsten Osten und drüben in Amerika machen wirtschaftliche. Zoll= und Handelsfragen recht viel von sich reden. Japan und China bringen in Ostasien besondere Interessen alle Augenblicke zur Sprache, und die Amerikaner zeigen in Zollfragen nach wie vor keine große Konzessionslust gegenüber Europa, wie soeben erst wieder die Franzosen erfahren haben. Die von Paris aus gewünschte Verlängerung des Handelsvertrages ist in Washington abgelehnt. Allerdings in Abwesenheit des Präsidenten Taft, der zur Zeit eine auf mehrere Monate berechnete Rundreise durch die ganze nordamerikanische Union ausführt. 41. Jahrg. Politische Uebersicht. Deutschland. Moltke in der Walhalla. Wie die Korrespondenz Hoffmann mitteilt, richtete der Prinzregent an den Kaiser folgendes Handschreiben: Ew. Majestät bitte ich geneigtest Kenntnis davon zu nehmen, daß ich heute folgende Bestimmung getroffen habe: Ich bestimme, daß in der Walhalla, dem.von meinem höchstseligen Vater errichteten Ehrentempel, an der Seite des Marmorbildes weiland Kaiser Wilhelms I., die Büste des Feldmarschalls Grafen v. Moltke, des großen Lehrmeisters der deutschen Armee, aufgestellt werde. Möge das Bild des verewigten Feldmarschalls der Armee voranleuchten als Vorbild des höchsten kriegerischen Könnens, selbstloser Pflichterfüllung und unwandelbarer Treue. Ich benutzte auch diesen Anlaß zur Versicherung der vorzüglichen Hochachtung und Freundschaft, womit ich verbleibe Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät freundwilliger Vetter und Bruder, Luitpold, Prinz von Bayern. Vorderriß, den 15. 9. Eine Vereinigung der Modernisten wird von der Ortsgruppe Berlin erstrebt. In einem Flugblatt weist die Gruppe darauf hin, daß die Zahl derer wächst, die„den reaktionären Geist des jetzigen Kirchenregiments verurteilen“, die„die Beweise der Wissenschaft auch in religiösen Fragen zur Geltung bringen wollen“. Unter diesen befinde sich eine nicht kleine Anzahl katholischer Geistlicher. „Wollen sie ihre Ueberzeugng nicht opfern, dann müssen sie Amt und Stellung aufgeben und sich oft in mühsamstem Kampfe eine neue Existenz verschaffen. In diesem Kampf hat auch schon so mancher frühere römische Geistliche, der aus seiner Kirche austrat, das erfahren, was unser Aufruf auch jetzt wieder konstatiert: Durch Lügen und Verleumdungen sucht man ihnen den guten Namen zu rauben, damit sie durch die Verfolgung mürbe gemacht wieder zurückkehren. Nicht einer ist von diesen ehrlosen Machenschaften verschont geblieben.“ Von der Staatseisenbahn. Von der Beteiligung an ordnungsfeindlichen Bestrebungen warnt die Eisenbahndirektion Berlin ihre Bediensteten in einer Verfügung vom 15. ds Mts., welche an allen Dienststellen zum Anschlag gebracht worden ist. Die Verfügung wendet sich im allgemeinen gegen die Zugehörigkeit zu dem Deutschen Transportarbeiterverband. Ausland. Ein Dreibund im Westen? Im Hinblick auf das chinesischjapanische Abkommen wird in hiesigen diplomatischen Kreisen die Frage der Bildung eines Dreibundes zwischen Rußland, Nordamerika und China angeschnitten, um den kriegerischen Plänen Japans ein unerwartetes Ende zu bereiten. Diese Frage ist hier bereits während der Anwesenheit Tafts in Petersburg durch Iswolski zum ersten Male erörtert worden. Das Deutschtum in Oesterreich. Den Dringlichkeitsantrag wegen Nichtsanktionierung des Gesetzes über die deutsche Unterrichtssprache in Niederösterreich begründete Lueger mit einer Rede, in der er sagte: „Wir in Niederösterreich wollen, daß wir Deutsche bleiben. Wir wollen andere Nationen nicht kränken, aber auch unsere Rechte nicht schmälern lassen. Wir werden unsere Absicht mit allen Mitteln durchführen und auch stark genug sein, unseren Willen durchzusetzen. Wir sind aber der Anschauung, daß Steinwerfen und Fenstereinschlagen die deutsche Nation und Oesterreich nicht retten können“. Frankreich. Das nationale Eisenbahnsyndikat beschloß in einer gestrigen Abendversammlung, in ganz Frankrei mit der Agitation für die Aufbesserung der Gehälter zu beginnen. Zur Lage in Griechenland. Als wahrscheinlicher Nachfolger von Theotokis wird Dragums genannt. Kriegsminister Lapathiotis nimmt in der Zeitung„Empres“ Stellung gegen die Behauptung Theotokis, es sei ein Unmöglichkeit, die Wehrkraft Griechenlands auf 150000 Mann zu erhöhen. Der Kriegsminister sagt, infolge der Beseitigung der Ungleichheiten im Militärdienst, der Gewährung eines Aufschubes der Dienstableistung und Verkürzungder Dienstzeit würden vierzehn Jahrgänge mindestens 180000 Mann ergeben, einschließlich von 7 Jahrgängen der Reserve, also zusammen 250000 Mann. Antideutsche Umtriebe. Die Slowenen treffen große Vorbereitungen, um den Jahrestag ihrer vorjährigen blutigen Ausschreitungen gegen Deutsche, der auf den 20. September fällt, zufeiern. Ganz Laibach soll schwarz beflaggt werden und an den Gräbern der bei dem Aufruhr Getöteten soll eine große Antideutsche Kundgebung stattfinden. Da man abermalige Ausschreitungen befürchtet, hat die ganze Garnison von Laibach Bereitschaftsbefehl erhalten. Tschechenfreundlichkeit. Das österreichische Unterrichtsministerium forderte die Stadtgemeinde Karo.z, bei Außig auf, für die Errichtung einer tschechischen Schule Lokalitäten aufzustellen. In den deutschen Kreisen Nordböhmens herrscht die größte Entrüstung über die Tscechisierungsmaßregeln, für die Unterrichtsminister Graf Stuerlgh verantwortlich gemacht wird. England und Persien. Im Unterhaus fragte in der heutigen Sitzung Dillon(Nationalist) den Staatssekretär des Aeußern, Grey, ob er Mitteilung machen könne, über das Datum der Zurückziehung der russischen Truppen aus Nordpersien, und ob die russischen Truppen in Koswin Vorbereitungen träfen, den Winter dort zu verbringen. Grey antwortete: Ich kann zu dem früher von mir Gesagten nichts hinzufügen; ich hoffe, daß Persien auf dem Wege zu einem besseren Zustande der Dinge ist; aber solange sich die Dinge im Uebergangsstadium befinden, ist es schwer, bestimmte Mitteilungen darüber zu machen, ob und wann die dortigen Truppen zurückkehren werden. Auf eine weitere Frage Dillons, ob der Staatssekretär irgend welchen Grund zu der Annahme habe, daß die Russen auch nur im Entferntesten die Absicht hätten, das nördliche Persien zu räumen, entgegnete Grey: Ich bin der Meinung, daß die Geschichte dieser Ereignisse mich sogar nach der Ansicht Dillons zu sagen berechtigt, daß die Mitteilungen, die die Russen selbst über ihre Politik machen, durchaus glauben verdienen. Frankreich? Das Syndikat der Eisenbahnbediensteten richtete an seine Mitglieder einen in 400000 Exemplaren gedruckten Aufruf, worin unter Hinweis auf die Lebensmittelteuerung zu einem entschiedenen Eintreten für allgemeine Erhöhung der Löhne und Gehälter aufgefordert wird. China. In Peking soll eine geheime Konferenz über eine sische Regierung habe beschlossen, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen. 35 neue Divisionen sollen gebildet werden. An der russischen Grenze werden die Garnisonen verstärkt und die Grenze befestigt. Sibirien. Von amtlicher serbischer Seite werden Meldungen der ausländischen Presse, wonach in Serbien eine nationale, gegen die Dynastie gerichtete und auf Proklamierung einer serbischen Republik abzielende Bewegung bestehe, als vollständig falsch bezeichnet, und erklärt, daß diese Meldungen in tendenziöser Absicht verbreitet seien, offenbar, um den Kredit Serbiens auf den ausländischen Geldmärkten im Hinblick auf eine zukünftige Anleihe zu schädigen. werden. e 51 J1412 ** Villigst, 18 Sept. Der Turnverein„Westsalia" feiert am morgigen Sonntag im Lokale des Herrn peuckmann sein Rekrutenabschiedskränzchen, das Programm des Festes sieht Konzert, theatral. und turnerische Aufführungen und Tanz vor; hoffentlich ist dem Verein ein recht volles Haus beschieden. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 18 September. **(Wegen Platzmangel) mußten verschiedene Artikel, auch der Bericht über die letzte Sitzung des Schöffengerichts, für die nächste Nummer zurückgestellt werden. **(Der Delegiertentag der Kriegsveteranen Westfalens) findet morgen in Siegen statt. Als Hauptpunkte stehen auf der Tagesordnung:„Der Stand der Petitionsangelegenheit" und „Was können wir zur Verbesserung der Lage unserer Kriegsveteranen tun? **(Den Mitgliedern des Arbeiter= und Bürgervereins) zur Nachricht, daß die Monatsversammlung am morgigen Sonntag nachmittags 5 Uhr im Vereinslokale Rath stattfindet. Verbandssekretär Schmolke=Iserlohn wird über das Vertrauensmännersystem sprechen.(Tagesordnung s. Inserat in heutiger Rummer)„„ **(Kirchliche Konferenz.) Das„Sonntagsblall für die beiden evangel. Gemeinden", ladet die Gemeindeglieder zu reger Teilnahme an der Kirchlichen Konferenz für die Grafschaft Mark ein. Die Verhandlungen beginnen am Montag morgen 10 Uhr im Saale des Herrn Rath(„Altes Rathaus") Als Redner sind u. a. gewonnen Prof. Dr. Lang=Halle, der über das Thema: „Was hat Calvin der Gegenwart zu sagen“ sprechen wird und Konsistorialrat Dr. Simon=Münster, der die hochbedeutsame Frage„Was ist Monismus?“ behandelt. Nach den Verhandlungen findet im Gasthof zur Post ein gemeinsames Mahl zu 2 M das Gedeck statt. **(Die landwirtschaftliche Winterschule=Dortmund,) welche im vorigen Winter den stattlichen Besuch von 81 Schülern aufzuweisen hatte, eröffnet ihren 24. Kursus am Montag, 25 Oktober vorm. 10 Uhr im Schulgebäude Sonnenstr. 100. Im kommenden Wintersemester werden folgende Herren Unterricht erteilen: Direktor Dr. Müller und Landwirtschaftslehrer Lorenz landwirtschaftliche Fächer; Schlachthofdirektor Clausnitzer Tierheilkunde; Kreislandmesser Bruttig Feldmessen und Zeichnen; Kreissekretär Gerling Verwaltungs= und Gesetzeskunde; Rektor Keudel Deutsch, Geschäftsaufsätze und Rechnen; Pastor Jürgensmeyer und Kaplan Koch Religion. Der Unterricht wird in 2 getrennten Klassen erteilt. Das Schulgeld beträgt für den Winter 40,00 A. Die Unterrichtszeit ist von 9 Uhr morgens bis 2¼ Uhr nachm. mit einer längeren Mittagspause gelegt, so, daß die Schüler mit den Zügen morgens in Dortmund ankommen und schon zeitig nachmittags wieder in das Elternhaus zurückkehren können. Prospekte und Anmeldepapiere werden von der Direktion der Winterschule verschickt. **(Zur Kinderlähmung.) Von ärztlicher Seite wird geschrieben: Bekanntlich ist die Ursache der spinalen Kinderlähmung, deren epidemisches Auftreten in letzter Zeit Besorgnis erregt, noch unbekannt. Bei dieser Krankheit ist in skandinavischen Ländern die interessante Beobachtung gemacht worden, daß in den befallenen Häusern und Ortschaften vereinzelt auch Haustiere, wie Hunde, Kaninchen und Hühner unter Lähmungserscheinungen erkranken, so daß ein Zusammenhang naheliegend ist. Die Obduktion und die bakteriologische Untersuchung solcher Tiere kann zur Erforschung der Krankheit beitragen. Die Kreistierärzte und die Kreisärzte sind angewiesen, solche Untersuchungen zu machen. **(Missionsfest.) Das Missionsfest der beiden evangel. Gemeinden wird am Sonntag, 26. Sept. gefeiert. Als Festprediger ist Pastor zur Nieden aus Haspe gewonnen, während Missionar Hoffman über die Missionstätigkeit im austvalischen Archipel berichten wird. **(Einen Lieder=Abend) veranstaltet, wie wir bereits mitteilten, der Ruhrtaler Sängerverein am Mittwoch, 22. d. Mts.im Hotel Brückner. Zu diesem Abend hat der Dirigent des Vereins, Musikdirektor Haselhoff, ein hochinteressantes und abwechselungsreiches Programm aufgestellt. Neben prächtigen deutschen und ausländischen Volksliedern von Jüngst, Wohlgemuth, Hirsch, Meysel und anderen Meistern der Tonkunst, werden auch verschiedene Tenor= und Bariton=Soli sowie mehrere Duette zum Vortrag kommen. Wir werden auf das Programm noch zurückkommen, möchten nur schon heute allen Verehrern deutschen Männergesanges den Besuch des Liederabends warm empfehlen. **(Zentrumspartei.) Morgen vormittag 11½ Uhr findet im Kilwing'schenr Saale eine Vertrauensmänner=Versammlung der Zentrumspartei statt. Es stehen sehr wichtige Punkte zur Beratung. Am Sonntag, den 10. Oktober, wird eine öffentliche Volksversammlung am„Freischütz“ abgehalten. **(„Freischütz".) Das Panorama am Freischütz bringt diese Woche mehrere schöne Partien vom Rhein. Wir können einen Besuch des Panoramas nur bestens empfehlen. **(Böser Fall.) Gestern nachmittag kam in der Sedanstr. die ältere Frau S., welche einem ihr begegegnenden Wagen ausweichen wollte, so unglücklich zu Fall, daß sie eine Verstauchung des rechten Armes erlitt. **(Das Konservatorium der Musik) zu Hagen hat am 15. September den Untericht wieder ausgenommen. Das 1. Tertial der jetzt mit einer Opernschule verbundenen Anstalt beginnt am 1. Oktober und findet die Aufnahmeprüfung am 25. und 29. September statt. An der Anstalt, welche von dem städt. Musikdirektor Laugs=Hagen geleitet wird, unterrichten zurzeit 17 Lehrkräfte, u. a. auch Musikdirektor Haselhoff von hier. Auf das in heutiger Nummer veröffentlichte Inserat machen wir noch besonders aufmerksam. * Westhosen, 18 Sept. Von einem traurigen Geschick wurde die Familie Schmiedemeister Klostermann von hier betroffen. Die erst 32 Jahre alte Frau Kl., welche schon seit längerer Zeit Spuren von Geistesgestörtheit zeigte, hat vorgestern der Milch ihres etwa 3 Monate alten Kindes ein starkes Schlafpulver beigemischt, sodaß das arme Wesen bereits gestorben ist. Die unglückliche Frau wurde gestern ins evang. Krankenhaus nach Schwerte gebracht. Ueber das traurige Vorkommnis sind die unglaublichsten Gerüchte verbreitet, welche hoffentlich im Interesse der Familie durch diese Zeilen zum Schweigen gebracht Westfalen und Rheinland. * Hörde, 18. Sept. In der Nacht vom 15.—16. Septbr. wurde ein Einbruchsdiebstahl bei dem Wirt Schäfer in der Dortmunderstraße verübt. Die Diebe verschafften sich Eingang durch ein in der Hosseite liegendes Fenster, gelangten in die Wirtsstube und entwendeten Likör, Branntwein, Zigarren und einige Mark Geld; auch an den vorhandenen Nahrungsmitteln stärkten sich die Burschen zu ihrer Arbeit. * Dortmund, 18. Sept.(Schwerer Betriebsunfall.) Der Handlanger Josef Schardt war auf einem hiesigen Werke mit dem Einpacken von Maurer=Material beschäftigt, als sich beim Ausziehen desselben ein Ziegelstein aus dem Paket löste und dem Sch. so unglücklich auf den Kopf fiel, daß er einen Schädelbruch erlitt und ins Krankenhaus geschafft werden mußte. * Hamm, 17. Sept. Zu dem nächtlichen Revolverattentat auf den Bahnaspiranten Lindemann in Westünnen wird noch gemeldet, daß heute vormittag nach mehrstündiger Verhandlung die Ehefrau des Bergarbeiters Pannewig als die mutmaßliche Täterin verhaftet und dem Amtsgericht Hamm zugeführt wurde. Ein Geständnis hat die P. noch nicht abgelgt. Die Veranlassung zu dem Mordversuch dürfte auf eine Liebesaffäre zurückzuführen sein. * Mülheim(Rhein), 17. Sept. Die Riesenunterschleife, die in einem hiesigen Mühlenbetriebe seit Jahren vorgekommen sind, führen zu immer weiteren Verhaftungen. Ein Dutzend Personen sitzen bereits hinter Schloß und Riegel. Unter ihnen befinden sich zwei Bäckermeister und ein Wirtschaftsverwalter von hier, die früher in dem Betriebe angestellt waren; ferner ein Bäckermeister und ein Händler aus Kalk, sowie Fuhrleute und ehemalige Angestellte aus Troisdorf. Der Wert der veruntreuten Waren wird nach oberflächlicher Berechnung auf 70000 M geschätzt, jedoch dürfte der Gesamtbetrag bedeutend höher sein. * Mörs, 17. Sept.(Unfälle bei der Jagd.) In den letzten Tagen sind in der Umgegend bei der Feldhühnerjagd zwei Unfälle dadurch entstanden, daß beim Abfeuern des Gewehres ein Rohr platzte. In dem einen Falle wurde dem betreffenden Jäger der Daumen, in dem anderen Fall zwei Finger der linken Hand abgerissen. Beide Unfälle sind durch die Führung rauchloser Munition entstanden. Jäger, die neue Flinten kaufen, müssen sich beim Einkauf die Garantie geben lassen, daß die Waffen rauchlos beschossen und geprüft sind. Im anderen Falle ist das Schießen mit rauchloser Munition leicht mir Gefahr verbunden * Bedburg bei Cleve, 17. Sept.(Im Manövergelände zu Tode gekommen.) Heute vormittag wurde der 10 Jahre alte Sohn des Aufsehers H. aus Cleve, der den Truppen ins Manövergelände gefolgt war, von einem Krümperwagen überfahren und getötet. Der Junge stand in der Nähe eines Marketenderwagens, dessen Bespanung unruhig wurde. Um den Pferden aus dem Wege zu gehen, trat er auf die Seite und geriet unter den obengenannten vorbeifahrenden Wagen. * Wickrath, 17. Sept. Vorgestern sprang hier ein junger Mann, als ihm der Hut vom Kopfe geflogen war, von der vorderen Plattform eines in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens. Dabei schlug er so heftig mit dem Hinterkopf auf die Erde, daß er bewußtlos liegen blieb. Er wurde in ein benachbartes Haus getragen, wo ein Arzt eine schwere Gehirnerschütterung feststellte. Da er das Bewußtsein nicht wiedererlangte, brachte man ihn zu seinen Eltern, wo er in der Nacht starb. * Wesseling, 17. Sept. Der Kutscher einer Kölner Brauerei, der mit einem Wagen Bier zum Pützchensmarkt fahren wollte, geriet hier heute mittag unter seinen Wagen, sodaß ihm beide Räder über den Leib gingen. Auf dem Transport zum Hospital verstarb der Schwerverletzte. Neuer Unfall des„3. 3“ Frankfurt, 17. Sept. Ueber den Unfall der dem Z. 3 auf seiner Fahrt gestern zugestoßen ist und den wir bereits, unserer sicheren Quelle folgend, trotz der Dementis der Nachbarzeitungen durch Extrtblatt gemeldet haben, wird offiziell gemeldet: Bei dem Versuch, die Orientierung wieder zu gewinnen, ging heute früh kurz nach 7 Uhr in der Nähe von Merchingen der Zeppelinballon zu tief herunter bis etwa 2 Meter über dem Erdboden. Beim Wiederaufsteigen streifte der hintere Teil des Luftschiffes auf absteigendem Terrain eine Eiche infolge des starken Antriebes und brach den Stahlbandantrieb des rechten hinteren Propellres, außerdem wurde das Gestänge mehrfach verletzt und einige Löcher in die Hülle des hinteren Ballonteiles gerissen. Infolge des Unfalles werden die Reparaturen 2 Tage beanspruchen, ein neuer Aufstieg wird aber nicht vor Mittwoch nachster Woche stattfinden; ob dann die Fahrt sofort in das Industriegebiet erfolgt, steht noch nicht fest. „Z. 3“ kommt doch Sonntag in's Industriegebiet. „Zeppelin 3“ kommt doch morgen ins Industriegebiet Essen, 18. Sept. Wie Direktor Colsmann der Stadtverwaltung heute mitteilt, wird„3, 3“ doch morgen nach Essen kommen, da die Havarie sich als nicht schwer herausgestellt hat. Das Luftschiff soll morgens von Frankfurt über Wetzlar, Siegen nach Lüdenscheidt fahren, wo es etwa um 11 Uhr vormittags zu sein hofft. Von dort wird, falls das Wetter günstig ist, eine Schleifenfahrt übers Industriegebiet über Hagen, Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg nach Düsseldorf unternommen werden; ist die Witterung ungünstig so kann die Fahrt nur über Hagen, Barmen=Elberfeld nach Düffeldorf ausgedehnt werden. Eine Landung in Essen wird nicht stattfinden. Letzte Drahtmeldungen. Der Kaiser und der Aeroklub. Berlin, 18. Sept. Der Kaiser hat das Protektorat über den Aeroklub übemommen und genehmigt, daß sich der deutsche Aeroklub Kaiserlicher Aeroklub nennt. Vom Heere. Berlin, 18. Sept. Wie das Militärwochenblatt meldet ist der Kronprinz vom 1. Oktober ab vom Kommando des 1. Garde Feldartillerie=Reg. enthoben und zum Bataillonskommandeur des 1. Garde=Reg. zu Fuß emannt worden. Ferner wurde Heidborn, Kommandeur des Kürassierregiments„Graf Geßler“ rheinisches Nr. 18. zum Obersten befördert. Zur Reichstagswahl. Halle, a. Saale, 18. Sept. Die Vorstände sänmtlicher bürgerlichen Parteien erklärten gestern zur Reichstagswahl den Verzicht auf eigene Kandidaten und sagten die nachdrückliche Unterstützung des volksparteilichen Kandidaten Reimann=Berlin zu. Der Reichskanzler. München, 18. Sept. Reichskanzler von Bethmann=Hollweg traf gestern 9 Uhr mit dem Gesandten von Flotow und seinem Adjutanten von Schwartzkoppen in München ein und wurde auf dem Bahnhofe empfangen u. a. von dem Ministerpräsidenten Freiherrn von Podewils, dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Schön, der heute hier eingetroffen ist, und dem preußischen Gesandten von Schlözer und den Herren der preußischen Gesandtschaft. Bund der Landwirte. Berlin, 18. Sept. Wie von melreren Seiten berichtet wird, hat der Bund der Landwirte seit dem Abschluß der Reichsfinanzreform 32 400 Mitglieder verloren. König Peter von Serbien regierungsmüde Wien, 18. Sept. Von Belgrad wird gemeldet: Vor 2 Tagen fand im königlichen Palast eine Tafel statt, an der nur die intimsten Freunde des Königs teilnahmen. Der König äußerte dabei zu zwei Verschwöreroffizieren, er könne die Intriguen und Angriffe der serbischen Presse nicht mehr ertragen und werde auf den Thron verzichten. Bestrafung der Stimmkäufer. Berlin, 18. Sept. Die Strafkammer zu Flensburg verurteilte den Landmann Holtorf=Fuesing und seinen Knecht wegen Stimmenkaufes zu 6 resp. 4 Wochen Gefängnis. Holtorf=Fuesing hatte für die Wahl des freisinigen Abgeordneten Späthmann gewirkt. Marokko. Tanger, 18. Sept. Wie aus Fez vom 13. d. M. gemeldet wird, ist der Roghi Buhamara am 12. d. M. in Gegenwart seines Harems erschossen worden. Orville Wright schlägt einen Weltrekord. Berlin, 18. Sept. In Gegenwart der Kaiserin, des Prinzen Adalbert und August Wilhelm und der Prinzessin Viktoria Luise schlug Orville Wright in einem Fluge von 55 Minuten Dauer den Weltrekord für Hochflug, der bisher 155 Meter betrug durch einen Höhenflug von 200 Meter. Vorher fand ein 47 Minuten lang dauernder Flug statt, wobei Korvettenkapitän Engelhardt als Passagier mitflog. Stadthevter in Dortmund. Sonnabend, 18. Sept. Anfang 7 Uhr. Operpreise. Serie C, Nr. 1, rote Karten. Lohengrin. Romantische Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner. Sonntag, 19. Sept. Anfang 7½ Uhr. Opernpreise. Carmen. Große Oper mit Ballet in 4 Aufzügen von Georges Bizet. Montag, den 20. September. Erste volkstümliche Vorstellung. Bei aufgehobenem Abonnement. Jahreskarten gültig. Anfang 7,30 Uhr. Volkstümliche Preise. Nathan der Weise. Dramatisches Gedicht in 5 Aufzügen von G. E. Lessing. Stadtheater in Hagen. Sonnabend, 18. Sept. Keine Vorstellung. Sonntag, 19. Sept. Abends 8 Uhr: Zapfenstreich, Drama in 4 Akten von A. Beyerlein. Dienstag, 21. September, abends 8 Uhr: Die Rabensteinerin. Schauspiel in 4 Akten von Ernst v. Wildenbruch, vorher Prolog von Ludwig Spamuth Bodenstedt. Mittwoch, 22. Sept. Keine Vorstellung. Stadttheater in Barmen. Sonntag, 19. Sept. Die Meistersinger von Nürnberg. Große Oper von Richard Wagner. Montag, 20. Sept. Der Erbförster. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Otto Ludwig Dienstag, 21. Sept. Fidelio. Oper in 2 Akten von L. van Beethoven. Wetterbericht der Deutschen Geewarte. 19.Sept.: Wolkig mit Sonnenschein, wärmer. 20. Sept.: Bewölkt, teils heiter, warm, schwül, strichwei witter. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus. sämtlich in Schwerte * 4 „* Kahn. 1 Kiste f. Weintrauben (ca. 4 Pfd.) nur 95 Pfg., prima Pfirsiche * * * * Pfund 30 Pfg. 3 Inkasso=Agentur für Volks= und Sterbekassen=Versicherung an kantionsfähigen Herrn zu vergeben. Vorbedingung, ausgiebig freie Zeit und Befähigung, neue Versicherungen abzuschließen. Offerten unter N. 852 befördert Köster's Annoncen= Expedition, Hannover. 4876 Amtiches Rresbicht tärden Kreis worch r Nr. 219 Samstag den 18. September 1909 41. Jahrg. Trilles Blall. Die französischen Divisionsmanöver haben begonnen, und chon wimmelt es von allerhand tragikomischen Zwischenfällen. Höchst belehrend ist folgendes Vorkommnis, das sich am vorigen Freitag unweit Nancy während der Manöverschlacht von SaintNikolas=du=Pont zutrug. Die Jäger des 17. Korps, die als besondere Elitetruppe gelten und sich in der Tat auch durch zähe Ausdauer und namentlich gute Marschleistungen auszeichnen, kamen immer näher an die gegnerische Infanterie heran, und diese wollte sich ihrerseits nicht lumpen lassen, sondern hielt tapfer stand. Eine im rechten Augenblick eingreifende Manöverleitung, die die Kämpfenden trennte, scheint es wieder einmal nicht gegeben zu haben. So wüteten denn die Jäger und Infanteristen ungehindert gegeneinander, bis die ersteren dann schließlich zum entscheidenden Sturme ansetzten und mit Hurra in die Reihen der 152er eindrangen. Doch das war für sie noch nicht genug, man hätte ihnen nachher diesen Bombenerfolg streitig machen können, und daher suchten sie sich vor allem der Fahne des„feindlichen“ Regiments zu bemächtigen, um sie als Wahrzeichen ihres Sieges mitzunehmen. Das Regiment wollte natürlich die Fahne auch nicht im Stich lassen, und so kam es zu einem wilden Getümmel um das Feldzeichen, bei dem mit Kolben, Seitengewehren und Fäusten wacker dreingeschlagen ward. Leutnant Richilieu vom 152. Regiment wurde dabei ziemlich ernst kontusioniert, wie es in dem Manöverbericht heißt, ein Sergeant erhielt einen Kolbenschlag, der unsanft ausfiel, und eine ganze Anzahl anderer Kombattanten wurden ebenfalls übel zugerichtet. Was aber vom militärischen Standpunkte aus besehen das Schlimmste war: die heißumstrittene Fahne ging in Fetzen! Die schöne goldene Borde mit den Fängen wurde losgerissen und das seidene dreifarbige Fahnentuch ging stückweise in Besitz der siegreichen Jäger über. Schließlich wurde beschlossen, die 17. Jäger am folgenden Tage feldmarschmäßig in Kompagniefronten an den 152ern vorbeimarschieren zu lassen, auf daß sie so dem„geschlagenen“ Truppenteile die schuldige Ehrerbietung bezeugten. Und dann wurden die Jäger aufgefordert, wie es heißt, die Fetzen des Fahnentuches wieder auszuliefern, damit das Regimentsemblem wieder zusammengeflickt werden könnte. Doch hierbei stießen die Vorgesetzten auf einen entschiedenen Widerspruch. So bedeutend scheint doch die Disziplin der französischen Troupiers nicht zu Tanganyika von Süden nach Norden in den Mlagarassi fließenden Itinda=Fluß und den Mlagarassi=Fluß Südwestafrika. Nach den amtlichen handelsstatistischen Nachweisungen für das Kalenderjahr 1908 ist, ohne Berücksichtigung der Diamantenfunde, eine Steigerung des Handelsverkehrs festzustellen, die angesichts der gesunkenen Preise fast aller Waren besonders bemerkenswert ist. Die Diamantenausfuhr, die mit 416,16 Gr. im Schätzungswerte von 150 180 Mark gegeben ist, spielt nämlich in diesen Nachweisen gar keine Rolle gegenüber dem gesamten Handel mt 40 974299 Mark. Das ist im Vergleich zu den 34 115 970 Mark des Jahres 1907 eine Zunahme von 6 962720 Mark. Diese Zunahme ist in der Hauptsache auf die Ausfuhr von Kupfererzen zurückzuführen, die sich von 1282 515 M im Jahre 1907 auf 6296000 Mark im Jahre 1908 gesteigert hat. Dazu tritt zum ersten Male in der Ausfuhrstatistik eine Ausfuhr von Blei im Werte von 992#200 Mk. Auch die Ausfuhr von Farmprodukten hat sich, wenn auch in kleinerem Maßstabe, gehoben, so die Ausfuhr von Wolle von 6776 auf 18911 Mark, Straußenfedern von 40542 auf 62 968 Mark, Häuten von 82 451 auf 84609 Mark. Das Schutzgebiet ist mit einer Gesamtausfuhr von 7 795 305 Mk.(gegen 1 615 661 Mark im Jahre 1907) im vergangenen Jahre zum ersten Male in nennenswertem Maße als Produzent in die Weltwirtschaft eingetreten. Infolge der Diamantenfunde und der damit hervorgerufenen Neugründungen von Gesellschaften und Rechtsauseinandersetzungen hat sich die Zulassung eines 2. Rechtsanwalts in Lüderitzbucht als notwendig erwiesen. Rechtsanwalt Scharf, der früher in Keetmannshoop amtierte, hat vie Erlaubnis erhalten, sich dort niederzulassen. Büchertisch. sein. Koloniales. Ostafrika. Intensiv mit Schlafkrankheit verseucht ist das Gebiet im Umkreise von 100 Klm. um Ujiji. Der Hauptherd liegt an der Mündung des Mlagarassi in den Tanganyika und dem von hier aus sich nach Süden erstreckenden Gebiet. Auch der Wloidk der echilbiest nich buch ven krage 100 ftloneter von Einst und heute. Von Georg Paulsen. Durch's Land Marienfäden ziehn In stillen Spätsommertagen. Da gilt's daheim im deutschen Haus Ein glückliches, seliges Fragen. Zur Mutter flüstert das Töchterlein: Sag, willst du mir nicht deuten, Wie waltetest du am eignen Herd In den früheren, alten Zeiten? Ich möchte nicht viel an Prunk und an Tand, Bei uns soll Glück allein thronen. Und der Himmel bewahre unser Heim, Es vor bösen Sorgen verschonen. Die Mutter lächelt: Ist brav mein Kind, Schmuck sei dein Haus, doch bescheiden. Das wahre Glück und die rechte Lieb Braucht Flitterkram nicht zu beneiden. Die Tochter jauchzt: So dacht' ich's mir auch, Ja, Mutter, so will ich einst schalten; Denn hätten wir mehr als der Zimmer fünf Müßt' ich ja zwei Dienstmädchen halten Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Die Herbstfreuden des Weidmanns.„Die Jagd ging auf, das Herz erglüht, elektrisch faßt's ein jed’ Gemüt.“ Diesen alten Jägerspruch kann nur der so recht begreifen, der die reichen und köstlichen Eindrücke als Jäger empfunden hat, die das Weidwerk besonders im Herbst mit sich bringt. Der Zug unserer gefiederten Freunde und Feinde beginnt und gibt dem Weidmann viel zu tun auf der Krähenhütte und der Wassergeflügeljagd. Der Hirsch ist in die Brunft getreten und lockt hinaus in den Wald, wo man abends und morgens den Kampfschrei und somit den Stand der heimlichen, alten, starken Geweihten kennen lernt, wozu vielleicht im ganzen Jahre sich nicht wieder Gelegenheit bietet. Der feiste Damhirsch wird gebirscht und getrieben, und dem Meister Grimbart geht's jetzt mit Dachshund oder Eisen an die Schwarte. Die Hühner= und Hasenjagden sind im Gange, und auch der Fasan muß bald dran glauben, denn die jungen Hähne schildern schon. Auch die Schnepfe zieht wieder südwärts und diesen letzt erwähnten Moment zeigt in ganz hervorragender Wiedergabe ein vierfarbenes Kunstblatt der Illstr. Jagdzeitung„St. Hubertus“ in Cöthen=Anhalt, wie denn hier überhaupt die Herbstfreuden des Jägers in zahlreichen, knapp gehaltenen und doch ergiebigen Fachartikeln, teilungen und Ratschlägen jedem Jäger Belehrung, Anregung, und Unterhaltung in seltener Fülle bieten, was durc reichliche Bilderbeigaben das elegant ausgestattete Blatt zur berlert# und besten Jagdzeitung stempelt. Es sollte kein Jagdinteressent der nicht bereits Abonnent der Jagdwochenschrift„St. Hubertus“(die auch die Gebiete der Kynologie, Fischerei, Forstwirtschaft und der Naturkunde behandelt) ist, ein Probeabonnement beim Buchhändler oder bei der nächsten Postanstalt für das 4. Quartal zu bestellen unterlassen, welche ihm das Blatt für 2 4 ftei ins Hauslistern. Reklameteil. „Eine liebe Bekannte“, wird manche Leserin ausrufen, wenn sie den unserer heutigen Nummer beiliegenden Prospekt der„Modenwelt" sieht. Wohl altbekannt und doch ewig jung bleibt dieses weltberühmte Blatt, daß schon Müttern und Tanten der heutigen Generaion eine unentbehrliche Beraterin und Helferin war. Die Jugend von heute ist nicht weniger gut beraten, wenn sie sich von dem modernen Geiste leiten läßt, der allen Darbietungen der„Modenwelt" zu eigen ist, und der rührige Verlag F. Bruckmann A.=G. vormals Franz Lipperheide, Berlin W. 35, wird auch künftig alles aufbieten, um dem Blatte seine führende Stellung zu erhalten. Ein Probe=Abonnement wird Sie veranlassen, das Blatt dauernd zu halten. Verantwortliche. Füür Polbtik., Frulekon und verwandte. Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. In der Heimat. Arno nicht vielleicht doch Roman von Rose vom Spielberg. 43 Grüß Gott, Linda!" wiederholte er.„Das nenne ich Glück.“ Er reichte dem verlegen errötenden Mädchen die Hand über den Zaun, die sie etwas zaghaft ergriff. Herr Grafst sagte er erstaunt und ergriffüber den Zaun hinweg auch noch ihre andere Hand.„Sagen Sie einmal, kennen Sie den tollen Friedrich Wilhelm, Ihren Spielkameraden, (Sie suchte vergebens, ihm ihre Hand zu entziehen. „Die Zeit der Kindheitsspiele ist vorüber, wir sind groß ge„Aber mächtig, und schön dazu.. wenigstens der eine Teil. Aber, hindert das, daß wir uns wie einst bei unseren Vornamennennen. Die kleine Linda Habeschwert war doch Friedrich Wilhelms Freundin noch vor zwei Jahren, ehe sie 1 pension kam. Ist die Freundschaft jsetzt vorber? Bitzezg gishelm so fremd mit mir, nennen Siemich wieder Friedrio,„### „Friedrich Wilhelm," sagte Linda unter heißem Erroten, Sie sind doch noch immer derselbe... „Unverbesserliche Taugenichts,“ fiel er lachend ein.„Ja, sehen Sie, damit müssen Sie rechnen, Sie kennen mich doch seit langen zehn Jahren. Doch, wollen Sie mich wirklich noch länger hier draußen wie einen Bettler stehen lassen? Das war sonst nicht „Natüirlich, natirlich, bitte, treten Sienur ein,„. das heißt Arno ist Hiers“ fragte er erfteut, öfnete ohne weiteres die Gartenpforte und trat ein. „Ja,“ antwortete sie,„Arno ist jetzt immer bei uns, da er hier Hilfsprediger geworden ist. Er wird sich sehr freuen, S wiederzusehen, doch sind er und die Eltern augenblicklich leider nicht zu Hause.“ „Aber das trifft sich ja herrlich, ich meine, daß Arno Elsburg ist. Ich bleibe natürlich hier und warte, bis er wiederkommt. Ich muß den lieben Jungen wiedersehen.. Halt, wo wollen Sie denn hin? Meinen Sie, ich wäre in den Garten getreten, um für mich ganz allein zu sitzen? „Ich will nur einmal sehen, ob Er wird schon herauskommen, wenn er da ist. Bleiben Sie doch, Fräulein Linda, leisten Sie mir ein wenig Gesellschaft. Wir haben uns ja volle zwei Jahre nicht gesehen und uns so viel zu erzählen. Setzen Sie sich hierher.. bitte.. bitte. Wer konnte diesen treuherzig blickenden Augen widersteLinda Habeschwert war ein frommes, keusches Kind, das von der weltlichen Liebe noch so unberührt war wie eine frischerschlossene Blüte vom Erdenstaub. Doch was war es, war ihr das Herz vorhin so stürmisch klopfen gemacht, als si bekannte Gestalt des jungen Grafen am Waldessaum gewahrte, was hatte ihr das Blut in die Wangen getrieben, als er vor ihr gestanden und ihr so warm und innig ins Auge geblickt hatte? Sie wußte es nicht und dachte über ihre Empfindungen auch jetzt nicht nach, aber.. sie blieb und setzte sich neben Friedrich Wilhelm brachte schon seit zehn Jahren seine Ferien jedesmal auf der Elsburg zu, und da es ihm an Altersgenossen fehlte, ging er in das Haus des Oberamtmanns, mir dessen Kindern er sich anfreundete, obgleich Arno vier Jahre älter und Linda, sechs Jahre jünger als er war. Das störte nicht, und so wurden alle Spiele zu dritt ausgeführt, auf die Universität kam. Von da ab waren Friedrich Wilhelm und Linda auf sich allein angewiesen, und sie verkehrten miteinander wie zwei gute Kameraden. Dann wurde Friedrich Wilhelm Leutnant und erhielt nur einmal im Johre, uielgußz, den er stets bei seinem Oheim auf der Elsburg verbrachte. A. er das letzte Mal auf der Elsburg weilte, war Linda in einer größeren Stadt in Pension und somithatten sie sich zwei Jahre ich esebden, Orboy; gesehenz als er setzt der sungen Dame Worte ein: Jungfrau vor Er war ebensowohl von Lindas lieblicher Schönheit als von ihrem schenen, mädchenhaften WesGesprächeg ig, steifeg, Frmliches Wesen 44gast förmliches Wesen schwand und sie wieder dir ni#e kindlich. Linda von einst wurde. „Nun sagen Sie mir, Friedrich Wilhem, woher Sie so unvermutet kommen. Auf der Elsburg weiß man nichts von Ihrem beabsichtigten Besuch.“ Ich komme direkt aus meiner Garnison“ antwortete er, während ihm der Schelm aus den Augen blitzte,„und befinde mich auf Urlaub. Auf der Elsburg soll's auch niemand wissen; ich will den Oheim überraschen. Weiß der Kuckuck, Onkel mich diesmal nicht wie sonst zur Jagd auf geladen hat. Muß doch einmal sehen, was auf der Bude hier los ist. Kann mir nicht denken, daß ich auf einmal in gnade gefallen sein sollte, bin mir mit Ausnahme meines sträflichen Uebermuts keines Staatsverbrechens bewußt. Hahaha, sagen Sie, Linda, haben Sie'ne Ahnung?“ „Nun, wir werden es bald raus haben. Apropos, was macht denn die kleine Jöhre?“... gse „Wen meinen Sie, Friedrich Withelm. „Nun, das Mädel, das der Onkel zu sich auf die Elsburg nehmen wollte. Er schrieb es mir, so ungefähr vor fünf Monaten. Haha, kann mir den Oheim gar nicht als Kindererzieher, das heißt als Mädchenerzieher denken, hat sich nie mit dergleichen abgegeben und fährt auch bei der geringsten Gelegenheit gleich mit einem Donnerwetter rein. Ist nichts für Mäd„Hat Ihnen denn der Herr Graf seitdem noch nicht wieder geschrieben?“ fragte Linda erstaunt. Keine Silbe sag' ich Ihnen, er schweigt sich tot. War ja nie besonders für Briefschreiben, aber das geht doch über die Hutschnur.“ „Nun, so hören Sie, die Sache verhält sich nämlich ganz anders,“ lachte Linda. „Anders? So wäre aus der Geschichte nichts geworden? „Doch, doch, aber Anita ist gar kein Kind.“ „Kein Kind? Ja, was denn? Ein Hund.. ein Papagei? „Hahaha, Sie sind köstlich, Friedrich Wilhelm, Anita ist.. eine erwachsene, junge Dame, ein Jahr jünger als ich.. also „Sie scherzen. Der Onkel schrieb mir doch von einem Kinde.“ „Er hat es zuerst auch selbst vermutet und war dann sehr überrascht“ 169.20 Heute abend 6 Uhr Beginn von MIUk MonderPUFA W Ilterin nur erstklassiger 4916 durch eine prachtvolle Satseh-Eretthunge-Vokeratton. Dieselbe gibt ein volles und umfangreiches Bild der diesjährigen Mode in nur aparten und ausgesucht schönen Neuheiten vom einfachsten bis zum verwöhntesten Geschmack. ist nach wie vor meine grosse Auswahl. 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Harer, Schwerte. Unterzeichneter gedenkt im kommenden Wintersemester in Schwerte eine Folge von Vorlesungen: Einführung in die deutsche Literatur von der Frühzeit bis zur Moderne zu halten. Dieselben werden einmal wöchentlich im Central=Hotel Sternberg stattfinden. Beginn Mitte Oktober. Die 12—14 Vortragsstunden kosten zusammen 4 Mk.(Die erste Stunde wird gratis sein.) Anmeldungen bitte frühzeitig schriftlich oder mündlich an die Braus'sche Buchhandlung zu richten, da die Hörerzahl(Damen und Herren) nicht über 40 ausgedehnt werden kann. Waldemar Schriftsteller und Redakteur der„Schwerter Zeitung.“ Knorr’s delikate Suppen en 2 Erbswurst Erbswurst mit Schinken Erbswurst mit Speck Erbswurst mit Schweinsohren Kartoffel-Suppe Grünkern- Suppe Tapioca-Julienne-Suppe Hausmacher- Suppe Reis-Suppe empfiehlt per Wurst ausreichend für 3 Teller Suppe 10 Pig. Carl Trog. WI W S Ms K W Veltrc ue EIEFRTMMALI KR HAHHHH EUA KIEe Sämtliche Schulbuener und für Sohstige Lohrmittel Progymnasium. Hoh. Kläachenschule Volks-Schule und Fortbildungs-Schule in besten Einbänden und neuesten Auflagen zu haben bei Nr. 219 „Weiles Blall. Sozialdemokratischer Parteitag. der am heutigen Sonnabend zu Ende geht, stieß seinen am Tage zuvor gefaßten Beschluß um, in dem die Unmöglichkeit eines gelegentlichen Zusammengehens mit den Liberalen behauptet worden war. Sodann wurde das Organisationsstatut beraten. Zahlreiche Genossen erklärten, daß sie am Tage zuvor infolge eines Mißverständnisses für den Antrag der Berliner gestimmt hätten, in dem es heißt, der Freisinn hat dauernd und auch bei der Finanzreform sich des Verrats von Arbeiter=Interessen schuldig gemacht; deshalb muß die Zumutung sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, mit dieser Sorte zusammenzugehen, und gar die Kritik aus taktischen Gründen einzuschränken, blutige Verhöhnung der Sozialdemokratie empfunden wie eine blutige Verhöhnung der Soz werden. In der wiederholten Abstimmung wurde dieser Antrag unter lebhaften Beifall abgelehnt; auch die vorsichtshalber vorgenommene Gegenprobe ergab glatte Ablehnung. Die Sozialdemokratie verschanzt sich also durch keine Mauer gegen gelegentliche Zusammengehen mit dem liberalen Bürgertum. Bei der Beratung des Organisations=Statuts handelte es sich vornehmlich um Regelung der Mitglieder=Beiträge. Gegen die angeregten Staffel=Beiträge wurde protestiert und erklärt, daß die Beiträge des neuen Organisations=Statuts nur als Mindestbeträge anzusehen seien. Wer mehr leisten kann, dem ist es unbenommen, über den Mindestbeitrag hinauszugehen. Bebel, der auch dieser Sitzung beiwohnte, verzichtete wiederum auf ein besonderes Referat, sondern begnügte sich bei der Ablehnung des erwähnten Antrags in wiederholter Abstimmung mit dem Zwischenruf: Dieser Erfolg des revisionistischen Schachzuges wird für die nächsten Wahlkämpfe von Bedeutung sein. Die weitere Erörterung galt der Maifeier. An der Spitze steht die Frage: Wer soll für die Entschädigung von Arbeitern aufkommen, die wegen ihrer Teilnahme an der Maifeier von dem Unternehmer gemaßregelt werden. Bisher forderte die Partei die Beteiligung an der Feier, die Gewerkschaften allein aber sollten die Entschädigung der Gemaßregelten leisten. Richtig ist es, daß sich Partei und Gewerkschaften in der Aufbringung der Entschädigungssummen teilen. Unter lebhafter Zustimmung des Parteitages betonte Abgeordneter Bömelburg wegen der Teilnahme an der Maifeier dürfte kein Arbeiter, besonders kein Familienvater, gemaßregelt werden. Ein solches Opfer könne die Partei von niemandem verlangen. Wer durch die Teilnahme an der Maifeier arbeitslos wird, der muß daher von der Pflicht der Teilnahme entbunden sein. Auch hierin sprach sich vevisionistischer Geist aus, gerade so wie in der Zustimmung des Parteitages zur Annahme der Erbanfallsteuer durch die sozialdemokratische Reich tagsfraktion wie in der Ablehnung des Berliner Antrages auf Unzulässigkeit jedweden Zusammengehens der Sozialdemokratie mit dem Liberalismus. Samstag den 18. September 1909 Der radikale Vorwärts ist kreuzunglücklich über diese Beschlüsse des Parteitags. Auffallend ist es, daß Bebel, entgegen seinem Verhalten auf früheren Parteitagen, die revisionistischen Beschlüsse weder zu verhindern sucht, noch tadelt. So gemäßigt wie diesmal war jedenfalls noch kein sozialdemokratischer Parteitag. Preßstimmen über den Sieg der Nevisionisten. Der Widerruf des sozialdemokratischen Parteitages inbezug auf die Berliner Resolution gegen ein Zusammengehen mit den Liberalen wird von dem„B. T.“ als ein Sieg des Revisionismus freudig begrüßt:„Man wird in Zukunft mit der sozialdemokratischen Partei als mit einem positiven politischen Faktor rechnen können. Dem Liberalismus, soweit er ernsthaft auf wirtschaftlich und politisch Erreichbares hinarbeitet, wird jedenfalls eine Kooptation der Sozialdemokratie nicht mehr durch künftige Hindernisse verbaut sein“.— Das Organ der freisinnigen Volkspartei, die„Voss. Ztg.“ meint, mit diesem Siege der Revisionisten wird eine neue politische Lage geschaffen, deren natürlichen Folgen nicht vorgegriffen werden soll.„Vielleicht sieht jetzt schon ein Optimist das Sehnen nach einem deutschen Millerand der Erfüllung nahe. Soweit sind wir noch nicht, daß der sozialdemokratische Parteitag in Leipzig im Gegensatz zu dem in Dresden eine revisionistische Mehrheit hat, zum ersten Male seit Menschengedenken und mindestens ist es auch sehr bemerkenswert, daß die wüste Kriegserklärung an den Freisinn zurückgezogen wird. Der ausdrückliche Widerruf kommt einem Angebot ziemlich nahe“.— Die Freis. Ztg. hingegen glaubt, es liege gar kein Anlaß vor, dies als einen Sieg des Revisionismus zu betrachten.„Die Frage des Revisionismus hat mit der ganzen Sache gar nichts zu tum Wir haben bereits vor ein paar Tagen davon Notiz genommen, daß kein anderer als Franz Mehring, den gewiß niemand des Revisionismus zeihen wird, vor der Annahme der Berliner Resolution gewarnt hat. Es wäre also ein großer Irtum, aus der nachträglichen Ablehnung der Resolution auf eine Mäßigung innerhalb der Sozialdemokratie schließen zu wollen“ 41. Jahrg. Westfalen und Rheinland. ** Hörde, 17. Sept. Der Vorwalzer Josef Bock, der schwer an Blutvergiftung erkrankt war, ist vergangene Nacht im Hüttenhospital gestorben. * Dortmund, 17. Sept. Im Wartesaale weilte eine polnische Familie mit ihren Kindern, unter denen sich ein Zwillingspärchen von 5 Monaten befand. Als der eine der Zwillinge unaufhörlich weinte, nahm das bedienende Buffetfräulein das Kind aus Mitleid an sich, um ihm warme Milch zu reichen. Inzwischen hatten die übrigen Familienmitglieder lautlos den Wartesaal verlassen und waren mit dem bereitstehenden Zuge abgedampft, das kleine Wesen in guter Obhut zurücklassend. Durch Vermittelung der Polizeiverwaltung wurde es dem hiever Bdtsechade ttrsen. * Dortmund, 17. Sept. Der Bergmann Johann Preuß wallte auf Zeche„Westhausen" nach einem angesetzten Sprengschuß sehen, als sich dieser plötzlich entlud und dem Genannten beide Arme zerschmetterte. Preuß wurde in das Brüderkrankenhaus übergeführt, woselbst er bald nachher infolge Verblutung gestorben ist. Dortmund, 18. Septbr.(Der Sport) am Sonntag wird noch interessanter werden wie am verflossenen Donnerstag, denn für diesen Tag sind die Unterschriften noch zahlreicher und zudem finden einige Herrenreiten statt und das Verlosungs=Jagd=Rennen. Für letzteres sind 21 Pferde genannt, von denen laufen werden: Tomate Niemand, Tildra, Don Augusto, Penanink, Prellerei, Platina, Dietlinde, Vorwärts. Die Gewinnchancen für die Verlosung sind recht günstige, denn für ein Los, welches 30§ kostet, kann man ein Rennpferd gewinnen. Will man dasselbe nicht, so erhält der glückliche Gewinner statt des Pferdes 1000 Mark in Bar ausgezahlt. Wird das Rennpferd auf dem Rennplatz versteigert, und kommen bei derselben mehr als 1000 Mark heraus, so erhält der Inhaber des Gewinnloses auch diesen Ueberschuß. Die Besucher des Zuschauerraumes erhalten ein Los gratis. Am nächsten Sonntag wird Graf Zeppelin auch Dortmund mit seinem Luftkreuzer überfliegen. Nach Mitteilung der Polizeibehörde hat der Magistrat in Dortmund erwirkt, daß„Zeppelin 3“ während der Rennen den Rennplatz einige Mal überkreuzt. * Warendorf, 1. Sept. In der benachbarten Bauerschaft Vohren brach bei dem Landwirt Hartmann ein in der Nähe des Wohnhauses auf einer Wiese sich befindender Ochse aus. Ohne von den neben der Wiese spielenden Kindern gereizt zu sein, stieß er mit seinen Hörnern auf die Kinder ein und traf eines von ihnen in den Mund. Auf das Hilferufen eilten die Eltern herbei, inzwischen hatte jedoch ein anderes Kind mit einer in der Nähe befindlichen Heugabel auf das Tier eingestochen, worauf dieses von seinem Opfer abließ. Das verletzte Kind mußte in ärztliche Behandlung gegeben werden. * Bleiwäsche, 17. Sept. Ein schwerer Unfall traf die 9jährige Tochter Elisabeth des Ackerers Bernhard Vajiner. Dieselbe wollte eine Kuh zur Weide bringen. Auf der Dorfstraße kamen ihr die Kühe eines anderen Landwirts entgegen. Als nun die Elisabeth Vajiner die Kuh ihres Vaters vorbeitreiben wollte, wurde sie von den entgegenkommenden Kühen überrannt. Beide Füße waren dem Kinde gebrochen. * Herford, 17. Sept. Wie man bei Regenwetter seinen neuen Anzug schont, demonstrierte recht drastisch im Gewitterregen ein hiesiger junger Mann. Ohne Schirm saß er im Restaurant und wollte heim, um seinen funkelnagelneuen Anzug wäre es aber bei den wolkenbruchartigen Regengüssen geschehen gewesen. Was tun? Einen Augenblick überlegt der Tapfere, wirft dann rasch einen Blick auf die regennassen, menschenleeren Straen, ruft den Oberkellner zu einer kurzen Unterredung, verläßt mit ihm den gastlichen Raum und ward nicht mehr gesehen. Lächelnd tritt der Oberkellner ein, im Arm den geretteten Anzug. Durch den brausenden Regen aber stürmt in Unterbeinkleidern und faltigem Hemd der tapfere Jüngling dahin, in der Hand In der Heimat. Roman von Rose vom Spielberg. 41 Welchem Umstande sie solche Freiheit zu verdanken hatte, wußte sie nicht, aber sie freute sich darüber. Trotz aller Liebenswürdigkeit, die die Hausdame ihr erzeigte, konnte sie doch das bedrückende Gefühl des Beobachtetwerdens nie recht los werden. Ihrer offenen Natur war das geradezu zuwider. Heute fühlte sie sich zum ersten Mal frei davon, und sie beschloß in echt jugendlichem Uebermut einen recht ausgiebigen Gebrauch von ihrer Freiheit zu machen und den Vormittag dazu zu benutzen, endlich einmal wieder auf die geliebten Berge zu klettern. Zwar hatte man ihr die einsamen Streifzüge außerhalb des Parkes untersagt, und sie erinnerte sich noch ganz genau jenes Mittagessens, wo Onkel Hellmut ihr auf Fräulein von Ruffers Anregung in kurzen Worten erklarte, daß er eine Wiederholung derselben nicht wünsche. Heute war der Onkel jedoch schon früh ausgeritten auf sein Jagdschloß Turbach und wollte erst am Abend wieder zurück sein. Das Verbotene besitzt nun einmal einen besonderen Reiz, und hauptsächlich Neturen, die einen starken eigenen Willen haben, lehnen sich gegen dessen Beeinträchtigung gern auf. Anita wählte ohne Gewissensbisse den Weg, der zum Park hinaus an den Fuß des Fichtenberges führte, und von hier aus begann sie den Aufstieg auf schmalem Pfade. Er bot so viel des Schönen und romantischen, daß sie in dem Genuß schwelgte. Bald ging es durch dunklen, duftenden Tannenwald, bald an hoher Felswand vorüber. Sie mochte über eine Stunde gestiegen sein, als sie endlich Halt machte, um sich auszuruhen. Sie legte sich auf den weichen, moosigen Waldboden, verschränkte die Arme unter dem Kopf und träumte, verlockende Zukunftsbilder. So schön dieses Träumen war, so machte sie ihm doch nach einer Weile ein Ende. Sie durfte sich nicht zu lange verweilen und das Heimgehen nicht vergessen.„„ Doch vergeblich suchte sie den Weg, den sie vorhin gekommen war. Sie hatte ihn vorhin verlassen, um sich ein gemütliches Ruheplätzchen zu suchen, aber sie hätte nicht geglaubt, daß sie so weit von ihm abgekommen war. Sie ging kreuz und quer.. nirgends zeigte sich ein Weg, nur Bäume, grüner Waldboden und dichtes Unterholz. Meg r F Nun, das kann gut werden, finde ich den Weg nach der Elsburg nicht zurück,“ lachte sie. Allmählich aber verstummte ihr Lachen, ja, als sie eine halbe Stunde umhergeirrt war, ohne einen Weg zu finden, und der Wald nur immer dichter wurde, da sank ihr froher Mut ganz erheblich. Es war doch kein angenehmes Gefühl und kein beglückender Gedanke, vielleicht die Nacht hier zubringen zu mussen, während unten der Onkel sich um sie sorgte. Und wie sollte man sie hier finden, wenn man sie suchen ging?... Wer würde sie geradelhier an dieser Stelle suchen, wo Berg und Wald sich meilenweit erstreckten*„ gm... Heherst meit Sie raffte auen Mut zusammen und ging beherzt weiter, immer der Richtung nach, wo sie die Elsburg liegen glaubte. Und schon zog ein Hoffnungsstrahl durch ihre Brust, als sie es plötzlich hell durch die Bäume schimmern sah. Beim Näherkommen jedoch zeigte sich der helle Streifen, den sie für einen Weg gehalten hatte, als ein ziemlich breiter wildströmender Gebirgsbach. Das war ein unvorhergesehenes Hindernis, das war ein mächtig gebietendes Halt. Was tun? Die Schuhe und Strümpfe ausziehen und hindurchwaten? Davor schreckte sie nicht zurück, aber wie konnte sie wissen, ob drüben der richtige Weg war? „Hallo.. ho. hallo!" Sie ließ ihre Stimme erschauen in der Hoffnung, daß vierleicht ein menschliches Wesen in der Nähe wäre. Aber soweit auch ihr Ruf drang, niemand antwortete ihr. Da lehnte sie sich mutlos und ermattet an einen Baum, und die Reue beschlich sie. Sie hätte doch dem Gebot Onkel Hellmuts folgen und sich nicht so weit allein hinauswagen sollen. Das war nun die Strafe. Eine bange halbe Stunde verfloß. In kurzen Zwischenräumen ließ sie immer ihr Hallo erschallen, doch immer vergebens. Das Schlagen ihres Herzens, die bange, zitternde Angst machte einer tiefen Resignation Platz. Wo waren die stolzen Träume und Zukunftsbilder, die sie vorhin gesponnen hatte? Anita Elsburg sollte nie ein Stern am Himmel der Kunst werden, ihr junges Leben sollte früh enden. „Halloh.. ho ho Wie ein Schmerzensschrei klang es. „Ho.. ho ho!“ Wie elektrisiert wandte Anita sich um. Ihr Ruf war von einer kräftigen Männerstimme beantwortet worden. Vor Freude außer sich, faltete sie die Hände, und noch einmal rief sie laut, um die Richtung anzugeben:„Ho.. ho, hier!" Von jenseits des Baches schritt aus den Bäumen ein Mann hervor und Anita erschrak trotz ihrer Freude. Kein anderer als Onkel Hellmut war es, der sich schnellen Schrittes näherte. Er war im Jagdanzug und trug das Jagdgewehr über die Schulter. Sich gerade von ihm hier bei dem Verbotenen ertappen lassen und gerade von ihm Hilfe dafür begehren zu müssen, kam ihrem Stolz schwer an.. E25gn er machte ei. Graf Elsburg mußte sie jetzt erkannt haben, er müchte eine Bewegung des Staunens.„Anita, Du bist es? Kind, wie kommst Du denn hierher?“ rief er hinüber. verirrte mich, Onkel Hellmut.. und.. kann den Weg nicht zurückfinden, gestand sie ein wenig zögernd. Wo ist denn Fräulein von Ruffer geblieben?“ „Fräulein von Ruffer kam nicht mit.“ „Wie? Sie ließ Dich allein gehen?“ „Sie weiß nichts davon, daß ich hierherging. „Hm.. so.. Du sagtest es ihr nicht, weil Du wußtest, daß diese einsamen Streifereien gegen ihren und meinen Wunsch Eine dunkle Röte schoß in Anitas Wangen; sie senkte den Blick zu Boden und antwortete nicht. „Und nun erwartest Du von mir,“ fuhr er fort,„daß ich Dich zur Belohnung auf den rechten Weg führe?“ Jetzt sah sie schnell auf.„Ja, Onkel Hellmut.“ Diese feste Zuversicht entlockte ihm ein Räuspern.„Der Weg nach der Elsburg führt nur diesseits des Baches, Du wirst Dich also wohl oder übel zu mir bemühen müssen.“ Seine Stimmehatte einen eigenen Klang; Anita wußte nicht, ob er im Ernst oder Scherz sprach. „Durch den Bach?“ fragte sie. „Freilich, es führt kein anderer Weg...“ „Nach Küßnach,“ fiel sie lachend ein.„Gut, ich werde komW8 M 100 Sie näherte sich bei diesen Wotten dem Bach. 109,20 Kaisermanöver bei Mergentheim. Der Donnerstag war vom Wetter begünstigt. Im Zentrum und auf seinem linken Flügel war blau nicht so glücklich, wie auf dem Ostflügel. Im Tale der Ersa und auf den angrenzenden Bergen zwischen Hardheim und Bretzingen ging die 27. Division(blau) vor dem 20. Korps(rot) zurück. Hier wurden Wertheim Seotobbtei blaue Truppenteile außer Gefecht gesetzt. Der Kaiser war früh 4 Uhr mit dem Erzherzog=Thronfolger von Mergentheim über Tauberbischofsheim nach der Höhe nordwestlich Dienstadt gefahren, wo die Pferde bestiegen wurden. Der Kaiser verfolgte im nebeligen Morgengrauen das überraschende Vorgehen der bayHelmstadt □ Miltepherg bretende! Weilbach 8 Schigeng neeben grdg Cer Fansches Artton.ie Aming n. Passen„. gem 0 Munan o inter Sertsch# 0 Abbstenr ZIV. H Blaue Armee IR A K Hundhm Reudem III. B.AK·8 Aepd o P. Müistm gt sigregy Stag!####erotm. " olbüngs##r### Aongige ** o h o m p e t 6. 8# S Würzburge) 0%% Höchberg2 Neubrung„ g Heidigs, ##% a.#e 8 0n. Reinb. Oßerchshm. 9 Kinderfeld Sba#r#lD #enen Genldmtn „* 0 u Grtgn O. eSchönfeld Oimspan #schokshm ap ihn „iasch, Gerold### Ubohe Paldürn Veldstrten Wlaicr. gen □ Nerht. Berkst * I. Bay K. 26. Ink. Div. 27. Ink. Div. 1. Ink- Oiv. 2. Inf.Div. Booichen as O Rdon Havallerie-Divis. B sterbur Adelsheim 60 0 Schwabhsn. Ballenberg 3408 Krautheim ( littighen G Gichrt Ollitzir. Mliusens O. Merselhen Körigshin Mergentheim rS 10 Kilometer — Die Entscheidungs-Schlacht im Kaisermanäver. rischen 2. Division(blau) gegen die Vortruppen der 5. bayrischen Division(rot) bei Eiersheim. Als hier sich das Gefecht zuungunsten von rot entschieden hatte, ritt der Kaiser in die Gegend nordwestlich von Königshofen, wo die bayrische 12. Infanteriebrigade dem von drei Seiten umfassenden Angriff von blau ausgesetzt war. Hierauf wurde durch Schiedsrichterspruch die Brigade außer Gefecht gesetzt. Der Kaiser ließ die Regimentsmusik an die Spitze seines 6. Regiments nehmen und führte es unter den Klängen militärischer Märsche persönlich aus seiner Gefechtsstellung zurück. Hierauf ritt der Kaiser zum Standpunkt der Manöverleitung auf die Höhe nordwestlich von Schweinberg und verfolgte das weitere siegreiche Vorgehen des rechten Flügels von blau. Gegen mittag trat hier infolge der starken Erschöpfung der Angriffstruppen eine Gefechtspause ein, während weiter südlich lebhaft gekämpft wurde. Um 3 Uhr nachmittags kehrte der Kaiser mit dem österreichisch=ungarischen Thronfolger nach Mergentheim zurück. die Schlüssel zum Haus und Heim. Er hat Glück; kein Schutzmann hemmt seinen eiligen Lauf, und das natürliche Brausenaß wird ihm nicht schaden. * Cronenberg, 17. Sept. Die im vergangenen Jahre entdeckte Kartoffelkrankheit, der sogenannte Kartoffelkrebs, hat sich hier weiter ausgebreitet. Ganze Kartoffelfelder und Kartoffelstücke in den Gärten, die im verflossenen Jahre nur einzelne von der Krankheit befallene zeigten, sind jetzt völlig verseucht und liefern nur ganz geringen Ertrag. Der Versuch, der Krankheit durch Anwendung von Kali entgegenzutreten, hat nicht den erhöfften Erfolg gehabt. * Elberfeld, 17. Sept. Ein schwerer Unglücksfall hat sich heute vormittag in einer Schule für schwachbegabte Kinder ereignet. Während der Pause stürzte plötzlich ein 1—2 Meter hohes, in Steinfliesen verankertes Gitter infolge Nachgebens des Erdreiches herab und fiel unter die gerade auf dem Schulhof spielenden Kinder. Ein 8jähriger Knabe wurde erschlagen; er war sofort tot. Zwei andere Kinder wurden verletzt, eins leichter, das andere erlitt einen Beinbruch. Die Mauer, auf der das Gitter ruhte, war morsch. * Elberfeld, 17. Sept. Ueber die Zahl der Millionäre und sonstigen vermögenden Leute Elberfelds macht der soeben erschienene statistische Teil des Jahresberichts der hiesigen Handelskammer folgende Angaben: Es waren im Jahre 1908 zur Ergänzungssteuer veranlagt mit einem Vermögen von über 2 Millionen Mark 51 Personen(1907; 41), von 1 Mill. bis 2 Mill. 54 Personen(1907: 55), von 500 000 bis 1 Mill. 120(1907: 119), von 200 000 bis 500000 Mark 319(1907: 316). Bunte Chronik. Bürgerkunde. Die Erzielung einer besseren staatsbürgerlichen Vorbildung weiterer Kreise, auf deren Notwendigkeit K der Heimat. Roman von Rose vom Spielberg. 42 mach keine Torheiten, Kind. Der Bach ist viel zu tief und reißend für eine junge Dame.“ „Ja, aber, wie soll ich denn nach Hause kommen?"“ „Warte.. ich werde Dir helfen.“ Graf Elsburg nahm mit kurzem Entschluß sein Gewehr von der Schulter, lehnte es an einen Baum und stieg das Steingeröll hinab in den Bach. Das Wasser reichte ihm gerade bis an den Rand seiner hohen Jagdstiefel. Anita beobachtete schweigend und mit Staunen diese Manipulation. Jetzt hatte er das andere Ufer erreicht und stand neben ihr. „So, törichtes Kind, komm, ich trage Dich hinüber.“ „Du, Onkel Hellmut?“ fragte sie bebend. „Gewiß. Warum nicht? Vertraust Du meiner Kraft'so wenig, oder glaubst Du, daß ich Dich nicht glücklich hinüberbrachte?“ „O nein, nein.. beides nicht.“ „Nun also.“ Es durchzuckte sie seltsam, als er sie emporhob mit einer Leichtigkeit, als sei sie ein Kind, aber sie ließ es widerstandslos geschehen. „Lege Deine Arme fest um meinen Hals.. noch fester.. so das bietet für Dich und mich mehr Halt.“ Vorsichtig und langsam stieg er mit seiner Last in das Bett des Baches zurück, und ebenso vorsichtig, immer große Steine suchend, durchwatete er das Wasser, das in wildem Lauf hoch an ihm aufspritzte. Anita ruhte zitternd an seiner Schulter, die Arme seiner Weisung gemäß um seinen Hals gelegt. Sein Kopf berührte zuweilen ihren Körper, und sie fühlte, wie schnell sein Atem ging. Das Herz schlug ihr zum Zerspringen. Endlich war das Ufer erreicht. Er stieg hinauf und setzte seine Last ab. Sein Gesicht war gerötet und sein Atem ging noch immer heftig. Er nahm den Hut ab und trocknete sich den Schweiß. „Ich war Dir eine schwere Last,“ sagte sie verlegen. „Du?“ Er lachte und schüttelte den Kopf.„Ichkönnte Dich bereits vom Hansabund hingewiesen wurde, wird in erfreulicher Weise von der Staatsregierung Rechnung getragen. Wie verlautet, wird die preußische Universitätsverwaltung an sämtlichen Universitäten Lehraufträge für Staats= und Wirtschaftslehre unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse Deutschlands und Preußens erteilen. Es ist zu hoffen, daß die Beteiligung an diesen Kursen besonders aus den Kreisen von Handel, Gewerbe und Industrie eine rege sein wird. Die genauere Kenntnis der staatsrechtlichen und Verwaltungsrechtlichen Einrichtungen, volkswirtschaftlicher Begriffe und Entwickelungen, nicht zum mindesten auch ein besseres Verständnis für geschichtliche und soziale Fragen werden dazu beitragen, das Interesse der Erwerbstätigen an den Fragen des öffentlichen Lebens zu heben. Damit eröffnet sich unter anderem die aussichtsvolle Perspektive, daß die Macht der Schlagworte gegenüber dem eigenen Denken und besserer Erkenntnis an Einfluß verliert. Ein tieferer Einblick in das Werden Deutschlands und Preußens wird vor allem dem Geiste der Zusammengehörigkeit und der nationalen Einigkeit dienen. Aus der Wochenstube der Charite. Zwei kleine schwarze Berliner erblickten kürzlich in der Entbindungsanstalt in der Charite das Licht der Welt. Die Mutter, ein weißes Mädchen, hatte den Umgang mit einem Vollblutneger verschwiegen und kam frühzeitig nieder. Das Erstaunen der Aerzte und des Personals war natürlich groß. Der Brutapparat in dem dieser seltene Zuwachs aufgepäppelt wurde, wurde umlagert, ein jeder wollte die schwarzen Zwillinge im Brutkasten sehen. Gleichzeitig kam ein anders Mädchen mit Drillingen nieder. Als der Bräutigam erschien, und von dem Glück, dreifacher Vater von Mädchen zu sein, hörte, fiel er sast auf dem Rücken. Er machte bald kehrt und meinte: Na, det is denn doch zu ville! Am anderen Tage hatte die Mutter schon einen Absagebrief. meilenweit tragen, ohne eine Last zu spüren. Nun folge mir, ich werde Dich den richtigen Weg nach der Elsburg führen.“ Er nahm sein Gewehr wieder über die Schulter und so schritten sie eine Weile schweigend nebeneinander her. „Gib mir das Versprechen, Dich nicht wieder so weit allein hinauszuwagen, Anita,“ sagte er jetzt. „Diesmal hat Dich ein glücklicher Zufall in die Nähe meines Jagdgeländes geführt, aber Du könntest Dich einmal wirklich verirren, wo kein Mensch Dich wiederfindet. Versprichst Du es mir?" „Ja. Zürnst Du mir?“ „Aber nein.. nein.. ich.. halt, Kind, Du fällst.“ Er griff nach ihrem Arm und zog sie von dem Abgrund zurück dessen Rand sie so nahe war, daß es nur eines Fehltritts bedurfte um hinunterzustürzen. „Bleibe an meiner Seite und gib mir Deinen Arm, so gehst Du sicherer.“ Der Weg wurde jetzt schmal und steil und war von Steinen übersät. Er zog sie näher an sich heran und führte sie sorgsam, damit sie auf den spitzen Steinen mit ihren feinen Stiefelchen nicht ausglitte. „Hast Du Dich sehr geängstigt als Du vorhin den Weg nicht mehr zurückfandest?“ fragte er nach kurzer Pause und beugte sich ein wenig zu ihr herab. „Zuletzt wohl, als ich bereits eine Stunde lang vergebens umhergeirrt war.“ „Siehst Du?“ „Du meinst, das wäre die gerechte Strafe gewesen?“ Er zwinkerte mit den Augen.„Verdient würe sie schon.“ „Ach, Du bist grausam. „Wirklich?“ Er zog ihren Arm, der ihm entglitten war, wieder fester an sich. „Ja, ganz gewiß, denn die Strafe war zu hart für das Vergehen. Ich wollte ja nur meine lieben Berge besuchen. „Du sollst nur nicht allein gehen, Anita.“ „Soll ich es denn Fräulein von Ruffer oder Lisette zumuten, diese beschwerlichen Wege mit mir zu gehen?“ „Nein, nein, für die Dame wie die Lisette mögen Deine Kletterpartien allerdings zu anstrengend sein. Wenn Du Dich * Neuregelung der Lehrergehälter. Das hessische Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, hat dem Landtag eine Dankschrift zugehen lassen, die sich mit der Frage der Neuregelung der Lehrergehälter beschäftigt. Die oberste Schulbehörde macht der Ständekammer den Vorschlag, die Gehaltsbeträge der hessischen Landlehrer mit denen in Preußen gleichzustellen, d. h. den Maximalgehaltsbezug von 3000 auf 3300 Mark zu erhöhen; dazu soll noch eine Extravergütung von 100 Mark für Stellen in kleinen Gebirgsdörfern(im Vogelsberg usw.) treten. Auch eine durchgreifende Erhöhung der Witwen= und Waisenbezüge der Lehrer wurde von der Regierung in sichere Aussicht gestellt. Reklameteil. Eine interessante Erscheinung erregt zurzeit die Aufmerksamkeit der hiesigen einkaufenden Hausfrauen. Beim Betreten der Kaufläden fällt ihnen eine in lebhaften Farben gehaltene Packung(mit einem weißen Hirsch als Schutzmarke) in die Augen. Diese Packung enthält ein neues, eigenartiges Produkt der bekannten Fabriken von Dr. Thompson's Seifenpulver. Veranlaßt durch die großen Fortschritte der modernen Wissenschaft beschäftigte man sich schon lange damit, ein Mittel zu finden, welches 1. der geplagten Hausfrau zu einem mühelosen, angenehmen„Wäschetag" verhilft und 2. eine einfache, richtige Behandlung speziell der feineren und feinsten weißen Wäsche ermöglicht. Nach langen Versuchen und auf Grund der in der Waschküche gesamelten praktischen Erfahrungen gelang es nun der oberen genannten Firma, eine ganz neuartige, überraschend wirkende Zusammensetzung herauszufinden. Die Prüfung dieses Waschmittels(„Ozonit“ genannt) durch viele Hausfrauen und Fachleute hat ergeben, daß es alle oben aufgeführten wichtigen Forderungen tatsächlich erfüllt.— Mit seiner Hilfe wird das gründliche Reinigen und gleichzeitige= prächtige Bleichen der Wäsche und selbst des feinsten Leinens ein Vergnügen; dabei garantieren die Fabrikanten, für peinlichste Schonung auch des feinsten Gewebes, da„Ozonit“ weder Chlor, noch irgendwelche andere schädliche Substanzen enthält. Schon allein der Umstand, daß die rühmlichst bekannten Fabriken von Dr. Thompson's Seifenpulver die Hersteller des „Ozonit“ sind, läßt auf ein hervorragendes Erzeugnis schließen. Wir können den verehrten Hausfrauen daher nur empfohlen, einmal ein Paket„Ozonit“, Schutzmarke„Weißer Hirsch“ (per ½ Pfd.=Paket 35 Pfg.) mit nach Hause nehmen, um dieses wirklich moderne, ausgezeichnete Waschmittel kennen zu lernen. Reissuppe auf schnellste Art. 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Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn: Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte jedoch meiner Führung anvertrauen willst, so will ich Dich zu den schönsten Stellen führen.“ „Du wolltest, Onkel Hellmut?“ rief sie überrascht und erfreut dazwischen. „Gewiß, wenn es Dir Freude macht.“ „Aber Du bist so beschäftigt, und wenn Du einmal Zeit hast, gehst Du auch viel lieber auf die Jagd. „So? Meinst Du?“ Er lachte hell auf.„Das käme auf den Versuch an. Wir werden einmal eine Zeit verabreden, ja?" „Von Herzen gern.“ In ihren Augen leuchtete es. Er blieb stehen und nahm ihre Hand aus seinem Arm. „Hier trennen sich unsere Wege. Sieh, da unten die Türme der Elsburg. Du kannst den Weg nicht mehr verfehlen.“ „Du kommst nicht mit heim?“ fragte sie verwundert. „Nein, ich muß noch einmal hinauf. Adieu, Anita!“ Er zog den Hut und stieg, ohne sich noch einmal umzusehen, den Weg zurück. Anita ging der Elsburg zu. ** * Linda Habeschwert stand am Gartenzaun des Elternhauses gelehnt und lauschte den Tönen, die aus dem nahen Walde herüberklangen. Sie hatte den Kopf etwas vorgebeugt; auf ihren Wangen brannte eine dunkle Glut, und in ihren Augen spiegelte sich eine selige Ahnung, ein frohes Erwarten wider. Da, sie preßte die Hand auf das lautschlagende Herz, trat ein junger Mann in Jägerkleidung aus dem Dunkel des Waldes und jetzt, hatten seine scharfen Augen sie schon bemerkt? schwenkte er den Hut mit lautem Jauchzer ein paarmal durch die Luft. Zum Zurückziehen war es zu spät. So ängstlich auch ihr Herz klopfte. Linda Habeschwert rührte sich nicht von der Stelle. „Grüß Gott, Fräulein Linda!“ Er rief es schon von weitem, während er seinen Schritt beschleunigte. Er war groß und schlank gewachsen und verriet in Haltung und Bewegungen den Offizier. Sein vornehm geschnittenes, jugendfrisches Gesicht zeigte ein Paar lachende kecke Augen, einseine, gerade Nase und ein Schnurrbärtchen über den frischen Lippen. 169,20 WE und Möbeln am Umzug Im Devorstehenden „— für KS zu decken. In Einzeln-Möbeln grösste Auswahl. Gekaufte Möbel werden auf Wunsch zurückgestellt EKere Rasdet EKerd“ 0 Rabatt gewähre ich bis zur Fertigstellung meines Neubaues auf sämtliche Artikel bei Einkauf von 5 Mk. an und Eintragung in die beliebten kl. Sparbücher. Ein Möbeleinkauf bietet Ihnen also jetzt die denkbar 8 # Tene Hermann KEOPADTAN Hauptgeschäft Hagen, Frankfurterstrasse 97—101. Zurückgekehrt! Dr. Georg Weinberg Spezialarzt für Haut-, Harn- und Blasenleiden. 4780 Dortmund, Königswall 46. Rarchen für halbe Tage gesucht. 4860 Ostenstraße 9 k. Heute ein brauner Jagdhund auf den Namen„Ponto“ hörend, entlaufen. 4853 Wiederbringer erhält Belohnung. Schulte=Osthennen. Heinr. Geiger Weingrosshandlung Wesel Schwerte Feldstrasse Schützenhof Telephon 422. 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Der Diener, der mit dem Teebrett eino, Rein, ich danke; sagte er;„ich habe keine Zeit; man erwartet mich zu Hause.“ Wenn ich setz daran denke, kann ich mich, des Lachens nicht erwehren, doch an jenem Abend weine ich bitterlich, ich weinte vor Wut bei dem Gedanken, daß Dummkopf hätte zugrunde richten Und das alles um orientalische Teppiche und ein einen Gott für die Kinder; es muß wohl auch einen für die unbesonnenen Frauen geben.— Uebrigens ist das ja auch so ziemlich dasselbe! geschickt und dazu geschrieben, so viel hätte er mindestens auf seinem Rock mit nach Hause genommen, seit er bei uns verkehrte. Scheußlich, nicht?“ Gellern und Heule. Ein treuer Diener Das Pariser Armee=Ruseum ist durch eine Schenkung des Hauptmanns Vigoureux um ein Bildnis des Piqueurs Wernet, des Vorreiters Napoleons I., bereichert worden. Im Jahre 1814, nach dem Abschied von Fontainebleau, ritt Wernet der Kutsche vorauf, die den gestürzten Napoleon führte. Auf dem Wege verriet ihm ein Bauer, daß einige hundert Meter vorne eine Schar von Verschworenen auf der Lauer läge: der Kaiser sollte ermordet werden. Im Galopp sprengte der Piqueur zurück, sagte Napoleon, daß die Straße weiter vorne in Unordnung und nicht zu passieren wäre, und übe redete den Kaiser, auf einem abgelegenen Seitenpfade den Weg fortzusetzen und weiter hinten wieder auf die Landstraße zu stoßen, wo er, Wernet, ihn mit dem Wagen erwarten würde. Kaum war Napoleon im Walde verschwunden, so nahm der kühne Diener dessen Platz im Wagen ein und befahl dem Kutscher, im schärfsten Galopp weiterzustürmen. Noch war nicht eine halbe Meile zurückgelegt, als sich eine wütende Füsilade über das Gefährt ergoß; mehrere Pferde wuden getötet, der Wigen durchlöchett, aber es gelang durchzukommen, und nach einer halben Stunde konnte Napoleon wieder die Kutsche besteigen. Erst späler erfuhr der Kaiser, daß der treue Piqueur an jenem Tage für ihn sein Leben aufs Spiel gesetzt hat. Bumor. Scheußlich! Mia:„Also du hast dich mit deinem Pia:„Ja, ich habe ihm alle seine Geschenke zurückgeschickt, und was glaubst du, was er getan hat Mia:„Ich habe keine Ahnung.“ „Er hat mir ein halbes Dutzend Schachteln Gesichtspuder Ehescheidungen in Frankreich Die letzte amtliche Statistik der Ehescheidungen in Frankreich zeigt, daß seit der Einführung des Scheidungsgesetzes von 1884 die Zahl der Ehetrennungen riesenhaft angewachsen ist. 1884 wurden 1879 Ehescheidungen vollzogen; im Jahre 1904, 20 Jahre später, wurden dagegen nicht weniger als 14 692 Ehen aufgelöst. Die meisten Scheidungen, 10 597, gehen übrigens auf Gewalttätigkeiten, Mißhandlungen usw. zurück Wegen Ehebruchs wurden insgesamt 381! Ehen geschieden: die Frauen marschieren mit 2304 obenan, während die Männer in 1507 Fällen sich der Untreue schuldig gemacht haben. Zu diesen Zahlen treten aber noch die Trennungen von Ehegatten da die katholische Kirche bekanntlich Scheidungen nicht anerkennt. Ueber die kirchlichen Trennungen werden Zahlen nicht angegeben. * Eine Wahlmaschine. Es scheint, daß die Tage der Wahlurne gezählt sind. Ein italie nischer Erfinder, Eugenio Boggiano, hat eine sinnreiche Wahlmaschine konstruiert, durch die die Umständlichkeiten der Stimmenabgabe vereinfacht werden. Der Apparat hat äußerlich das Aussehen einer altertümlichen Wanduhr; auf der Vorderseite erscheinen die Namen der Kandidaten, und der Wähler wirft eine kleine Scheibe in die für seinen Kandidaten bestimmte Oeffnung. Die Stimme wird unsichtbar registriert; dabei kann jedoch die Gesamtzahl der für jeden Kandidaten abgegebenen Stimmen abgelesen werden. Rebus. Ga Uer äsfeugf lamm ücht □ Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 219 A E 0h Oovenheim Roman von E. Ph. Oppenheim. (5. Forrsetzung.) ##er Strand war überall mit großen Wasser*½½ lachen bedeckt, die entweder der Regen 6I verursacht oder das über die lfer getretene * 4) Meer zurückgelassen haben konnte. Gerade un teto sich einer hiele# (Pachdruck verboten.) heute,“ sagte sie in ihrer „Wir haben jedes Jahr ein doch nur wenige hin von Meer zurückgelassen. Po..„ ir % unter mir breitele sich einer biesel kleinen ∆)2 3 Sen aus; und dicht an seinem Rande, den halben Körper im Wasser, lag reglos die lang ausgestreckte Gestalt eines Mannes. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, denn er lag mit dem Rücken nach oben. Aber ich hegte keinen Zweifel darWie lange es währte, bis ich die Fähigkeit wiedergewann, klar zu denken, vermag ich nicht zu sagen. Es sind vielleicht nur wenige Minuten gewesen, die ich dort zubrachte, mir aber schienen es Ewigkeiten gewesei zu sein. Ich konnte den Blick nicht losreißen von dem leblosen Körper unten im Sande, es war, als zwänge der Tote mich in einen Bann. Als ich mich endlich aufraffte, flogen Fieberschauer über meinen Körper, und ich starrte um mich wie ein Irrer. Mein Blick fiel auf das Dach eines niederen Haises, das sich in einiger Er fernung erhob. Ich erinnerte mich, daß es einem Fischer gehörte; und dorthin lief ich nun, als würde ich mit Die Tür, die schief in ihren Angeln hing, stand offen, und ich stürmte über die Schwelle, ohne mich durch ein Klopfen anzumelden. Es Hom, gfienen Herd die ich kam; und eine Frau, die an Dem visericghragen gestanden hatte, fuhr bei meinem Entritt erschrocken der Herr Lazar,“ sagte sie. Natürlich kannte jeder den Fremden in dem kleinen Nest.„Was ist denn Mein Aussehen mochte diese Frage wohl rechtfertigen. Und ich stieß hervor:.„.6 Tt „Da unten— auf dem Strano— liegi ein Toter.“ Dabei deutete ich durch eine Armbewegung die Richtung an. Sie stellte den Kochtopf beiseite, in dem sie gerührt hatte, ihr breites, verknöchertes Gesicht, aber spiegelte keine sonderliche Bewegung. Es mochte u genug begegnet sein, daß hier Ertrunkene angeschi wurden, um es ihr als etwas Alltägliches erscheinen zu lassen, „Ja, der Sturm!“ sagte sie nur. denn, Herr?“ „Da— dicht bei meinem Hause von den Klippen abbiegt.“ Sie trat in die Tür, beschattete die Augen mit einer Hand und spähte zu der bezeichneten Stelle hinüber. „Aber wo ist es wo der Weg „Es werden mehr sein denen, die sie verschluckt.“ rshaden Haster, Molen eie V., Vlange an Ve Ich schütelte den Kopf einz der Rinder ir struierte, hantierte die Frau wieder am Herde; dann kam sie „Sie müsen sch leter, Hereige, meinte be. iäie sehen nicht gut aus. So em Toler— das ist u die Stadteute, guch ein Möbel, das bedentliche Aehnlichkeit mit einer denn meine Fübe broicg, ihr, Biag site sich nach diesem Liebesdienst nicht weiter um mich bekümmerte, sondern Aber ich sand teine Ruhe. Ee zuntreiben an senen Ort, wo Ohren gelte wieder sener furchtbare Tergrin, gehehten der Nacht für eine Ausgebur gageige dag weigze ghescht, hatte— und immer wieder sal u.) du. zanst suchte das an meinem Fenster erschienen war. Unzu(ammen. ich mir zu sagen, daß diese Dingg f=Hie grauenhaften hang mit dem Toten haben konnt.., das Ende war, Bilder gaben mich nicht frei— uno wieder zurück, daß ich den Weg, den ich gekommen war, sing, ohne auf den Vilchmich diegmal nicht damit, den Aber ich begnügte u.12 v. Hetrachten. Toten vom Klippenragzlige fanden eine Stelle, an der Neine suchenden Blicke kandekonnte, ohne daß die man zum Strande, viesehre grog gewesen wäre. Die nachdem ich mich von der durch den Stur, gerufenen Erschütterung erholt hatte, fand ich mich unverletzt. Zögernd, von einem inneren Widerstreben zurückgehalten, näherte ich mich dem Toten. Und als ich ihn erreicht hatte, mußte ich mich an die Klippenwand stützen, weil mich von neuem ein Schwindel überfiel. Daß der Verunglückte kein Fischer war, hatte ich schon vorhin gesehen. Er trug einen städtischen Anzug und schien den besseren Ständen anzugehören. Sein Haar war fast völlig ergraut; der Hut, den er getragen hatte, schwamm inmitten einer Wasserlache. Ich sah zum Meere hinüber, und meine Zähne schlugen wie im Frost aufeinander. Eine niedere Düne erhob sich in kurzer Entfernung— solange ich mich erinnern konnte, und ich hatte in der letzten Zeit doch Stürme erlebt, die dem gestrigen an Heftigkeit kaum etwas nachgaben, war das Wasser über jene Bodenerhebung niemals weggegangen. Dann aber— dann konnte der Tote auch nicht angeschwemmt sein. Endlich raffte ich mich zu dem auf, weswegen ich herabgestiegen war: ich kniete neben dem Leblosen auf den Boden, um seinen Kopf hochzuheben und ihm in das Gesicht zu sehen. Jetzt erst gewahrte ich die Wunde, die er an der Seite des Kopfes hatte; das Blut mochte das Wasser abgewaschen haben. Ich faßte sein Haupt behutsam mit beiden Händen und hob es auf; aber mit einem lauten Schrei fuhr ich zurück, als ich einen Blick auf das fahle Antlitz der Leiche geworfen. Denn es war dasselbe Gesicht, das ich am Abend zuvor an meinem Fenster gesehen. 4. Kapitel. Seltsam!— In dem Augenblick, da ich mir Gewißheit verschafft hatte, gewann ich meine Kalblütigkeit zurück. Die Situation hatte plötzlich ihre Schrecken für mich verloren. Eine Gleichgültigkeit, die mich mir selber fremd und fast unheimlich machte, war an die Stelle meiner vorherigen Erregung getreten. Mein Denken war völlig klar und logisch, und ich vermochte ruhig zu überlegen. Noch einmal maß ich die Entfernung bis zum Meere mit den Augen. Es war unwahrscheinlich, beinahe unmöglich, daß die Sturmflut so weit vorgedrungen sein sollte. Wer aber konnte es mit Sicherheit in Abrede stellen?— Eine einzige Welle hätte ja genügt, den Körper bis an den Rand der Klippen zu schwemmen. Und ich kannte die Art, wie solche Fälle an der Küste erledigt wurden. Man hielt sich da nicht mit langen Untersuchungen auf. Der Fischer würde seine Meldung erstatten und der Tote auf dem Kirchhof von Potesci beigesetzt werden— damit war die Sache für die Behörde erledigt. In der Zeit der Winterstürme waren derartige Unglücksfälle bei Constanta ja so zahlreich, und es war nicht möglich, einem jeden besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Auch die Wunde am Kopf würde bei niemandem einen Verdacht erregen— solche Verletzungen trug wohl jeder, der auf den Strand geworfen wurde. Und ich sah ja auch, daß die Verletzung keineswegs schwer genug war, den Tod des Unglücklichen herbeizuführen. Eine andere Erklärung, als daß der Mann oben von der Straße in die Tiefe gestürzt war, gab es ja für mich nicht; und da ich keinerlei andere Verletzungen als die an der linken Kopfseite an ihm wahrnehmen konnte, mußte ich wohl glauben, daß er besonders verhängnisvoll gefallen war und sich das Genick gebrochen hatte. Ich glaubte nicht an einen Fehltritt des Mannes in der Dunkelheit. Aber ich hütete mich wohl, die Bilder weiter auszuspinnen, die sich an den Schrei in der Nacht und an das eigentümliche Verhalten des Obersten Joan Sutzko knüpften. Plötzlich drohte mir doch der Herzschlag zu stocken. Starr sah ich auf eine Stelle nieder— auf die wie im Krampf zur Faust zusammengezogene rechte Hand des Toten. Sie war ja nicht leer, diese Hand. Und was sie umklammert hielt, so daß es nur zum kleinsten Teile sichtbar war— ich mußte es ihr nehmen. Wie unter einem Zwange handelte ich, meine Bewegungen waren automatenhaft. Noch einmal kniete ich nieder in den feuchten Sand und ergriff die eiskalte Totenhand, die schwer in meiner Rechten lag. Es war unmöglich, die starren Finger zu lösen, und schwere Mühe kostete es mich, ihnen ihren Besitz zu rauben. Ein glattes, goldenes Herrenarmband war es— von jener Art, wie es die rumänischen Offiziere zu tragen lieben. Der Verschluß war zerbrochen, als wäre die Kette ihrem Besitzer vom Arm gerissen worden. An einer Stelle aber waren ein paar Buchstaben und ein Datum eingraviert. Die Buchstaben lauteten: „L. P.— J. S.“ Ich schob den Fund in die Tasche und blickte verstört um mich. Von dem Fischer war noch nichts zu sehen. Mich aber beherrschte plötzlich die Vorstellung, daß ich mich nicht bei dem Toten finden lassen dürfte. An der gleichen Stelle in den Klippen, wo ich herabgestiegen war, versuchte ich, die Straße wieder zu erreichen. Und es glückte— wenn meine Glieder auch mehr als einmal ihren Dienst zu versagen drohten, und wenn es auch in meinen Ohren rauschte und brauste wie das Toben des entfesselten Orkans. Ein roter Nebel wogte vor meinen Augen, und ich atmete keuchend, als ich endlich oben stand, und nur mit ungeheurer Willensanstrengung hielt ich mich aufrecht. Endlich beruhigten sich meine Nerven ein wenig, und nun harrte ich tatlos des Fischers. Aber er war nicht der erste, der des Weges kam. Schon von weitem erkannte ich das geputzte Bauernmädchen, das sich vom Dorfe her näherte. Schon ihre Art zu gehen, sich bei jedem Schritt in den Hüften zu wiegen, hätte mir gesagt, wer sie war. Und als sie bis auf eine kurze Entfernung herangekommen war, winkte sie mir freudig grüßend zu. Und ihr Gesicht zeigte ein strahlendes Lächeln, wie sie mir dann die Hand reichte. „Ich wollte Sie besuchen,“ sagte sie.„Ich mußte doch nach Ihnen sehen.“ „Sehr freundlich von Ihnen, Fräulein Slanicu,“ entgegnete ich ernst. Die Tochter des Ortsvorstehers war gewiß ein gutherziges Mädchen, und ich war ihr eigentlich zu Dank verpflichtet. Aber zuweilen— und namentlich, wenn sie mit anderen sprach als mit mir— erinnerte sie mich zu stark an ihren Vater, als daß ich eine sehr hohe Meinung von ihren Charaktereigenschaften hätte haben können. „O, ich hatte auch einen besonderen Grund, zu kommen,“ fuhr sie lachend fort. Daß sie mich hier getroffen hatte, schien sie außerordentlich vergnügt zu stimmen.„Vater hat gestern mit der Prinzessin Potesci gesprochen und ihr erzählt, daß Sie auch einen Vortrag hatten halten wollen. Der Prinzessin tat es sehr leid— ich meine, daß Sie nun durch den Obersten so wenig Zuhörer hatten— und sie meinte, ihr Vater würde Ihnen für ein zweites Mal den Saal vom Wirtshaus mieten. Der Oberst hat sich auch sehr für Sie interessiert, sagt mein Vater, und viel über Sie gefragt. Heute muß Vater aufs Schloß, und da meinte er, er könnte doch mit dem Groß=Bojaren davon sprechen — wenn es Ihnen recht ist.“ Sie hatte ihre Neuigkeiten, mit denen sie mir wohl eine große Freude zu machen gedachte, lebhaft hervorgesprudelt. Jetzt entgegnete ich: „Es ist sehr nett von Ihrem Vater, und ich weiß ihm gebührend Dank. Aber ich glaube nicht, daß ich meinen Vortrag wiederhole."(Fortsetzung folgt.) itug uspiansn gun 0 Denkspruch. Glaubt nicht, daß die Klugheit sich webt Aus der Anzahl von Jahren; Es gibt viele, die vieles erlebt, Aber wenig erfahren. Roderich. Das Rendezvous. Novellette von Henry Gréville. Deutsch von Wilhelm Thal.(t) (Schluß.)(Nachdruck verboten.) „Sie brauchen ja nicht am hellen Tage zu kommen,“ fuhr der Versucher fort;„abends, gegen 8 Uhr, wenn die Nacht hereingebrochen ist, führt Sie eine Treppe im Torweg geradeswegs in mein Kabinett. Selbst meine Dienerschaft wird nichts erfahren, dieser kleine Schlüssel öffnet die Tür.“ Er reichte mir einen Schlüssel— so groß wie ein Uhrschlüssel, aus ziseliertem Golde, mit Rubinen besetzt. Er legte ihn vor mir nieder; ich schwieg. „An welchem Tage?“ fragte er ganz leise. Ich stieß den Schlüssel zurück. „Mein Graf, ich werde nicht kommen!“ „Ich frage Sie, an welchem Tage, damit ich nicht der Gefahr ausgesetzt bin, Ihnen zu begegnen, denn ich habe Ihnen doch versprochen, Sie sollten mich nicht sehen. Was weiter geschah, weiß ich nicht; sicher ist nur, daß ich fünf Minuten später allein war, den Schlüssel in der Hand hielt und das Versprechen abgegeben hatte, am nächsten Abend zu kommen. Die Geschichte meiner Gewissensbisse, meiner Aufregung, meiner gefaßten und fallen gelassenen Entschlüsse übergehe ich mit Stillschweigen. Am nächsten Abend ging ich scheu, zu Fuß— der Graf Alexis wohnte in der Nebenstraße— nach seinem Hause und trat in den Torweg. Dieser Torweg erschien mir ganz außergewöhnlich. Ich habe mich seitdem überzeugen können, daß er sich in keiner Weise von anderen Torwegen unterschied, aber man denke sich, daß ich mein Leben lang keinen Torweg betreten hatte. Ich bemerkte die fragliche Tür, stieg drei Stufen hinauf— niemand sah mich— der Hof war leer— ich steckte den Schlüssel ins Schlüsselloch, nicht ohne ein bißchen zu zittern, und... trat ein. Ein ganz kleines Vorzimmer, von einer farbigen Laterne beleuchtet, bot mir seine warme Gastfreundschaft; überall Blumen, wenig Licht, kein Hauch... Ich spitzte das Ohr— nichts. Diese Stille beruhigte mich. Ich ließ meinen Pelz fallen und öffnete eine Tur. Der Graf Alexis hatte nicht gelogen; sein Kabinett war ein wahres Wunder. Als ich mir alle Kästen angesehen, alle Schubläden geöffnet, alle Juwelen probiert, betrachtete ich eine mit prächtigen Teppichen behangene Tür, die in die inneren Gemächer führen mußte. Allein, was war dieses Palais ohne seinen Wirt! Was kümmerten mich die Kistchen und Juwelen ohne die schwarzen Augen und weißen Zähne des Grafen Alexis? Seinetwegen war ich gekommen, nicht aus gewöhnlicher Neugier, die ich in einem Museum oder bei einem Antiquitätenhändler ebensogut hätte befriedigen können! „Nun denn, ja,“ sagte ich mir endlich, nachdem ich ziemlich lange geschwankt,„ich werde bleiben. Schließlich bin ich jung, frei, ich tue niemandem unrecht und bin meine eigene Herrin!" „Ach was!“ sagte ich;„ich will leben! Um diese Zeit kleiden sich andere Frauen an, um auf den Ball zu gehen, Plattheiten zu hören und Quadrillen zu tanzen; ich will wenigstens.. Eine kleine Repetier=Stutzuhr schlug ½9 Uhr. Ihr Ton klang genau wie der einer Reisependule, die ich vor drei Jahren zum Geschenk erhalten hatte. Es war bei der Geburt meines Sohnes; mein Mann hatte mir diese kleine Pendule in einem SammetEtui aus Paris kommen lassen. Es war ein seltenes Schmuckstück und hatte seitdem an der Wiege meines Sohnes die Stunden gezählt. Um ½9 Uhr gab ich ihm in seinem Bettchen den Gutenachtkuß; er wußte das so genau, daß er auf den Schlag der Uhr wartete und dann„Mama!“ rief. Bei diesem Schrei holte mich das Kindermädchen, wenn ich nicht da war, und mein Baby bekam seinen Gutenachtkuß, worauf es sofort, wie von dem Zauberstabe einer Fee berührt, einschlief. Ich hatte meinen Sohn an diesem Abend nicht gesehen. Wenn ich ins Theater ging oder auswärts speiste, küßte ich ihn sorgsam, ehe ich ging, und erklärte ihm meine Abwesenheit. Ich empfand Gewissensbisse bei dem Gedanken, mein Sohn rufe mich jedenfalls in diesem Augenblick. Wie war es nur möglich, daß ich meinen kleinen Jungen über diesen Grafen Alexis mit seinen schwarzen Augen hatte vergessen können?! Mit Entsetzen entdeckte ich, daß ich mich seit dem vorigen Tage gar nicht um das Kind gekümmert hatte. Noch mehr, nach seinem Spaziergange, als er nach Hause gekommen war, hatte ich ihn nicht einmal zu mir kommen lassen... Ja, vergaß ich denn, daß ich Mutter war? Und warum? Am ein Paar schwarze Augen und ein bißchen Pathos! Ein Wagen hielt vor der Freitreppe, setzte jemanden ab und fuhr sofort mit schrecklichem Lärm in den Torweg ein. Der Graf kam nach Hause. „Aber er hatte mir doch versprochen, ich sollte allein sein!“ rief ich halblaut;„das ist abscheulich; das ist ein Wortbruch!“ Und was sollte er von mir denken, wenn er mich hier fände? Ich hörte einen Schritt sich der Wohnungstür nähern, die Sporen klirrten, der Schlüssel knarrte im Schlüsselloch... ich stürzte in das kleine Vorzimmer, lief auf meinen Pelz zu und rannte nach der Treppe, indem ich die Tür mit dem kostbaren Schlüssel, den ich wohlweislich mitnahm, sorgfältig verschloß. Fünf Minuten später war ich zu Hause und lief zuerst an das Bett meines Kindes, das mit ernster Miene aufsaß und seiner Bonne erklärte,„es würde nicht eher einschlafen, bis es Mama gesehen". Als das Baby mich bemerkte, streckte es mir die Arme entgegen und sagte zu der erschrockenen Bonne: „Ich hatte dir ja gesagt, sie wird kommen!“ Darauf küßte es mich, legte sich auf sein Kissen, schloß die Augen und die Fäuste und schlief ein. Ich hatte kaum Zeit, die Toilette zu wechseln, da hörte ich Pferde vor meinem Fenster halten; ich setzte mich behaglich an meinen gewöhnlichen Platz und befahl, den Tee auftragen zu lassen. Der Graf Alexis trat mit wirren Haaren, düsterer Miene und leidenschaftlichen Augen ein: „Gott sei Dank,“ rief er;„ich finde Sie noch am Leben!“ Seine Stimme, sein Ton, seine Miene, das alles kam mir falsch und verlogen vor. „Und warum, teurer Graf, sollte ich nicht am Leben sein?“ fragte ich ihn mit der ruhigsten Miene. Infolge meiner Zuversicht verlor er ein wenig die seinigg „Aber,“ sagte er,„ich glaubte... Sie wären gekommen... nicht wahr, teure Marie, Sie sind gekommen; Sie haben gewußt?“... Wig tich. Ich sah ihn aufmerksam an, und ic weiß nicht, Kaffee wird ein Drittel billiger wenn man halb guten Bohnenkaffee und halb Kathreiners Malzkaffee nimmt. Auf diese Weise erhält man ein bekömmliches, wohlschmeckendes und— billiges Getränk. Kathreiners Malzkaffee ist nur echt in geschlossenen Paketen mit Bild des Pfarrers Kneipp.— Es gibt Nachahmungen! 160 Hotel Ostermann (Inh. Brückner). Mittwoch, 22. Septbr., abends 8½ Uhr: Lieder-Abend des Ruhrtaler SängerVereins(Dir. Musikdirektor Aug. Haselhoff) Eintrittskarten im Vorverkauf 60 Pfg., an der Kasse 75 Pfg. Karten im Vorverkauf sind zu haben in den Zigarrenhandlungen Schmidt und Schöttler und bei den Mitgliedern. Die Gönner des Vereins sind hierd.frdl. eingelad. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. 4909 Die glückliche Geburt eines Mädchen zeigen erfreut an Aug. Hark und Frau Amalle geb. Mast. Lippstadt, den 17. September 1909. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teilnahme, für die zahlreichen Kranzspenden, beim Tode jmeines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir allen, ganz besonders den Vereinen, denen der Verstorbene angehörte, unsern tiefgefühlten Dank. 4898 Familie Kordes. Ev. Arbeiter- und Bürger=Verein am Mittwoch auf dem Wochenmarkt abhanden gekommen.„Die bekannte Person, welche den Korb mitgenommen hat, wird aufgefor Schwerte. dert, diesen binnen 3 Tagen in der— Scn Geschäftstelle der Schwerter Zei= Monatsversammlung tung abzugeben, widrigenfalls, Ag, Monals berfan..=Ung erstattet wird. 4907] Sonntag den 19. September, nachmittags 5 Uhr im Vereinslokale Rath. Tagesordnung: 1. Beitragszahlung für beide Kassen. 2. Vortrag:„Das Vertrauensmännersyst. Schmolke=Iserl. 3. Vereinsangelegenheit en. Um zahlreich. Besuch bittet Der Vorstand. Dortmund. 4889 Beginn des nächsten Wintersemesters Montag den 25. Oktober, vormittags 10 Uhr. Anmeldungen nimmt entgegen und Auskunft erteilt Der Direktor Dr. Müller, Sonnenstrasse 100. Krieger-Verein Schwerte. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden Horitz Neublam treten die Vereinsmitglieder am Sonntag, den 13. September, nachmittags 2.45 Uhr im Vereinslokal „Im Reiche des Wassers“ an. Abmarsch 3 Uhr. Um zahlr. Beteiligung wird ersucht. 4905 Schwerte, 18. Sep. 1909. Der Vorstand. Statt Karten! Die Verlobung unserer Tochter Veronika mit dem Gutsbesitzer Herrn Franz Bloch zu Lupitze. Kreis Bomst, beehren wir uns hierdurch ergebenst 4890 anzuzeigen. 48 Obergütervorsteher Lorz und Frau geb. Heetjes. Schwerte i. W., im September 1909. Veronika Lorz Franz Bloch Verlobte. V Korbranntwein hiesigen 4929 per Liter 60 Pfg. empfiehlt 4928 Honatag den 19. Jegkender halle Saale des Herrn Jos. Amecke ein Tanzkränzchen ab, wozu freundlichst einladet Jos. ich im 4914 Amecke, Wirt. W. Graas, Tanzlehrer. Weinbrrg. Verloren!a Sonntag d. 19. September s. Weinberg. ggC. Weinberg. Am Samstag auf dem Wege von Holzen zum Bahnhof ein kleines Paket mit Stahlstäben. Wiederbringer! erhält Belohnung. 4906 Karl Rehfeld, Holzen. Empsehle gute. 4888 Haus., Küchen= und sowie Mädchen v. 15—16 Jahren. Frau Maria Klemz Stellenvermittterin. Unna, Hertingerstraße Nr. 28 sämtlicher Neuheiten Baumeister, 9 Putz Hagenerstr. 3a. Modes Gertentacte. Evangelisch=reformierte Gemeinde. Sonntag 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evangelisch=lutherische Gemeinde. Sonntag 8 Uhr: Pastor Heinenberg. 9½ Uhr: Pastor Wischnath. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Vereine und Versammlungen. Dienstag 8 Uhr: Jungfrauenverein. Freitag 4¼ Uhr: Vorbereitungsstunde. Evang. Stadtmission Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag vorm. 8 Uhr: Blaukreuzstunde und Verpflichtungsgelegenbeit N. 4 Uhr: Bibelstunde. Mittwoch A. 8½ Uhr: Gebetsstunde. Evang. Männer= und Jünglingsverein Schwerte. Sonntag abends 8 Uhr: Vereinsstunde. Donnerstag abends 8½ Uhr: Männerchor. Freitag A. 8½ Uhr: Bibelbesprechung. Samstag abends 8 Uhr: Turnen in der städt. Turnhalle. Sottesdienstordnung der katholischen Pfarrkirche. Sonntag, 19. Sept. 6½ Uhr: Stille hl. Messe. 7¾ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gem. hl. Kommunion der Erstrommunikantinnen 9 Uhr: Schulmesse mit Predigt. 10¼ Uhr: Hochamt mit Predigt.— Nachm. 2½ Uhr: Muttergottesandacht. Lichtendorf. 7½ Uhr: Frühmesse. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt.— Nachm. 2½ Uhr: Andacht. Pfr. Boeddicker. Höchsten. 8 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt.— Nachm. 2½ Uhr: Andacht. Die Wäsche nar eine halbe Stunde kechen— senst nichts! Keine Zutaten, bein Reiben und Bürsten! CEUHTT Sie uberruschenat Ohne weitere Hühe schön gereinigte, gebleichte, garantiert unverdorbene Wäsche! D. R.-P. aus den Fabriken von Dr. Thompson’s Seifenpulver, G. m. b. H., Düsseldorf. Waschmethode Graraatiert frat von Shloc und anderenscherten Substansen! 4881 Pierest WAker Herbst und Winter 1909. Hagen, im September 1909. Damen-Konfektion! Die Neigung der Herbst- und Winter- Mode begünstigt wieder das kleidsame Meisterwerk— das Paletot- und JackettKostüm. In den Pariser und Berliner Modell-Ateliers sind hochinteressante Neuheiten durch den vornehmen Geschmack tonangebender Künstler entstanden. Unsere wirklich eleganten Kostüme zeichnen sich durch hervorragenden Sitz, vorzügliche, fliessende Passform und unerreichbare Preiswürdigkeit aus. Damen-Hüte! Auch die diesjährige Mode bringt wieder eine Vielseitigkeit, wie man solche in früheren Jahren nie beobachten konnte. Aber sie bringt auch entzückende Gebilde fantasiereichster Arbeit. Dreimaster-Marquis, Trotteurs und Tricorns, längliche Amazonen debütieren neben den beliebten, immer wieder in neuen Formen erscheinenden Rembrandts. Reizende Garnierungen in Moiré, mit Samt- und Bandschleifen, Flügel- und Reiher-Garnituren geben den entzückenden Modellen den letzten Charme. Kleider- und Seiden-Stoffe! Jede Geschmacksrichtung, jede Eingebung findet in dem Stoffreichtum, den unsere Spezialabteilung bietet, ihre Erfüllung. Homespun, Cachemire, Popeline, Satin-Direktoire, Duchesse sind die grosse Mode für Kleiderstoffe, Moiré renaissance, Cachemir de sois, Crépe meteor, Duchesse-Musseline geben den Ton an in allen Seidenstoffen. Die ganze moderne Farbenskala von den wundersamen Flieder-, Rost- und Havannatönen bis zu den Kupfertönen ist vertreten. P. P. Es gereicht uns zu besonderer Ehre, Ihnen auch dieses Jahr wieder bekannt geben zu können, dass sämtliche Neuheiten für die Herbst- und Winter-Saison eingetroffen sind. Durch die Unterstützung unserer Einkaufshäuser werden wir nicht nur von sämtlichen Neu-Erscheinungen der Mode auf dem laufenden gehalten, sondern wir nehmen auch zu Beginn der Saison an den Mode-Hauptplätzen Paris und Berlin den Einkauf persönlich wahr und studieren dort eingehend alles Neue, um es für uns zu verwerten. Um Ihnen einen, wenn auch kleinen Ueberblick über das gesamte Modenbild zu geben, veranstalten wir von Freitag den 17. September ab, ausser unseren mit Herbst- und Winter-Neuheiten dekorierten Front-Schaufenstern im vorderen Lichthof der 1. Etage eine Mode-Ausstellung zu deren Besuch wir Sie ergebenst bitten. 4878 Hochachtungsvoll Sinn& Co., G. m. b. H. On& Se. nagen Konservatorium der Musik Hagen i. W verbunden mit Opernschule. Staatlich konzessioniert Hochstrasse 101, I. u. II. Btage., der höh. Töchterschule gegenüber, 7 Minuten vom Hauptbahnhof. Direktor: Städtischer Musikdirektor Robert Laugs. Frequenz: 380 Schüler, 17 Lehrkräfte. Wiederbeginn des Unterrichts am 15. September. Beginn des I. Tertials am 1. Oktober. 4904 Neuanmeldungen und Aufnahmeprüfungen, Samstag den 25. und Mittwoch den 29. September von 2 bis 6 Uhr. Unterricht von den ersten Anfängen bis zur höchsten Ausbildung, = Unterrichtsfächer: Klavier, Violine, Viola, Cello, Flöte, Klarinette, Trompete, Sologesang u. alle theoretischen Fächer ahreshonorare von 80.— Mk. an. — Prospekte kostenlos durch die Direktion.—= Den auswärtigen Schülern des Konservatoriums (auch Erwachsenen) gestattet die Königl. EisenbahnDirektion die Benutzung von Schülerkarten. Ferner gewährt die Direktion der Westfäl. Kleinbahnen (Strassenbahn Hagen-Hohenlimburg, Letmathe, GrüneNachrodt) bedeutende Preisermässigung. Gersteumiht „. ernen, in trockener Ware kauft 4925 zu höchsten Preisen E. Wolnberg. haben nachweislich in der Schwerter Zeitung' sind dilliger geworden bei 49264 Tientenguter für Arbeiter. 20 Minuten vom Nickelwerk entfernt, an der Chaussee gelegen, sind Grundstücke für Rentengüter äußerst preiswert für 500—800 Mark pro Morgen zu haben. Offerten unter B. H. 4886 beförd. die Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. 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