Sesh ehte ae n 7 Schwerter Volksblau O General-Anzeiger für den Kreis Hörde O Schwerter Vonn= umnme gzelchen Verorchungen Vie den kreiDie“schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: o“Illustrierter Familienkreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Auzeigenpreis Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1e Pf., Anzeigen von auswärts 18 Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihrer BedingI. Unterstützung Erstes und ältestes Cagesorgan des Rreises C Alle kreis- und lokalponzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“schwerter Zeitung“ rechtse c c o c c verbindliche Kraft o o c c* Druck und Verlag von Garl Braus. Schwerte-(Ruhg). Fernsprecher Nr. 62 Celegr.-Aäresse: Braus, Schwerte=Ruhr haupt-Huttons eabial Nr. 217 Erstes Die Spaltung der Konservativen. Die deutsch=konservativen Wahlvereine von Berlin und Vororten hielten Montag abend eine gemeinsame Sitzung ihrer Vorstandsmitglieder ab, zu der etwa 250 Herren erschienen waren. Das Reserat über die Haltung der konservativen Reichstagsfraktion zur Reichsfinanzreform erstattete der Abg. Graf v. Westarp, der, nach der Kreuzztg., u. a. betonte es sei unwahr, wenn behauptet werde, die Konservativen hätten Bülow gestürzt, weil sie seine Aenderungspläne zum preußischen Wahlrechte fürchteten. Die konservative Partei erwarte diese Aenderungsvorschläge seitens der Regierung in aller Ruhe und sei auch zeitgemäßen Verbesserungen nicht abgeneigt. Fürst Bülow habe aber betont, daß er eine gegen den Liberalismus gerichtete Finanzreform nicht mitmache. Die Schuld an seinem Rücktritt liege daher zum mindesten ebenso sehr beim Liberalismus. Die konservative Partei könne aber ihre Abstimmungen nicht vom Gehen und Bleiben eines Staatsmannes abhängig machen. Zur Blockfrage erklärte der Referent, daß eine völlige Ausschaltung des im Zentrum vertretenen katholischen Teils der Bevölkerung auf die Dauer nicht wünschenswert gewesen sei. Trotzdem suche die konservative Partei auch keinen Unfrieden mit den nationalen Teilen des Liberalismus. Mit den Polen seien keinerlei Abmachungen getroffen worden, am allerwenigsten in nationaler Beziehung. In der hierauf folgenden Debatte entwickelte sich bei einer Rede des konservativen Parteisekretärs Dr. Kaufhold großer Sturm. Der Parteisekretär sprang mit angesehenen Parteimitgliedern um, wie etwa ein Lehrer mit Schuljungen. Seine Ausführungen strotzten dermaßen von Indiskretionen und Taktlosigkeiten, daß die Versammlungsteilnehmer ihn nicht mehr zu Worte kommen ließen. Die weiteren Auslassungen des Dr. Kaufhold lösten jedesmal großen Lärm aus:„Hört“, tönte es von der Tribüne,„pöbelhaft", „unanständig!“ und vieles mehr bekam der Redner zu hören. Der Vorsitzende wußte sich schließlich nicht anders zu helfen, daß er die Versammlung auf 5 Minuten vertagte. Danach mußte Graf Westarp einspringen, um die hochgehenden Wogen wieder einigermaßen zu glätten. Als um 1Uhr nachts Schluß der Debatte beantragt wurde, erhob sich noch einmal ein Sturm der Entrüstung, weil verschiedene Herren anscheinend noch wichtige Sachen zur Abwehr vortragen wollten. Ein Berliner Verein erklärte seinen Austritt aus der Partei. Schließlich kam gegen eine beträchtliche Minderheit eine Resoluion zur Annahme, die der konservativen Partei„Dank und Anerkennung für ihr Verhalten bei der Reichsfinanzreform“ ausspricht. Donnerstag den 16. September 1909 Generalstochter Lilli Braun=Gyzycki, geb. von Kretschmann, die frühere Mitherausgeberin der„Neuen Gesellschaft". Rings um das Parkett und hoch oben auf den Galerien haben die„Genossen“ aus Leipzig und seiner Umgebung Platz gefunden. Man sieht auch viele bürgerliche Elemente unter den Zuhörern vertreten, bei denen ein starker slawischer Einschlag unverkennbar ist. Die russisch=sozialistische Studenten=Kolonie Leipzigs ist außerordentlich stark vertreten. Auch das Tschechentum des böhmischen Grenzlandes stellt einige charakteristische Typen. Die Behörden sind dem Parteitage sehr entgegengekommen. Nicht nur, daß sie die Benutzung des erst halbfertigen Saalbaues, sowie die Anbringung eines mächtigen„Willkommen“ Schildes an der langgestreckten Front des Volkshauses gestattet haben, ist auch bei der Reichsregierung zum erstenmale ein Umschwung in der Behandlung des Parteitages eingetreten. Zum erstenmale ist es nämlich der Reichspost gestattet worden, dem Parteitage ein eigenes„Parteitagspostamt“ beizustellen, das in der ersten Etage des„Volkshauses“ bereits seine Tätigkeit mit Markenverkauf, Telegramm=Annahme und Telephonbetrieb ausgenommen hat. Im Saale herrscht drangvoll fürchterliche Enge und Hitze, so daß trotz der Abstinenzbewegung in der Partei dem Bier fleißig zugesprochen wurde. Pünktlich um 7 Uhr wurde der Parteitag mit dem Vortrag des Chors„Krönt den Tag“ eröffnet. Hierauf nahm Redakteur Lepinsky von der„Leipziger Sozialdemokratischer Parteitag. Der diesjährige sozialdemokratische Parteitag nahm am Sonntag im Festsaale des Leipziger neuen„Volkshauses“ seinen Anfang. Der Raum der erst kürzlich fertig geworden, war schön geschmückt. Weiß=rotes Fahnentuch umzieht den Vordergrund der Bühne, vor der sich in knallrotes Fahnentuch eingehüllt das Rednerpult erhebt, von dem aus in den nächsten Tagen die„Genossen“ ihre Anklagereden gegen die bürgerliche Gesellschaft oder auch gegen die eigenen Parteigenossen herabdonnern werden. Unmittelbar vor diesem Pult erhebt sich der langgestreckte Tisch der Presse hin. Im Parkett des Saales sitzen die Delegierten. Man sieht alle bekannteren Köpfe und Typen der Partei. Neben fast sämtlichen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten sind auch die Abgeordneten der Partei aus den Landtagen der verschiedenen deutschen Bundesstaaten vertreten, sowie alle hervorragenden Gewerkschaftsführer. Im Verhältnis zu sonst ziemlich spärlich sind weibliche Vertreter anwesend. Man sieht Klara Zetkin, die Herausgeberin des sozialistischen Frauenblattes„Die Gleichheit" und Wortführerin der sozialdemokratischen Frauenrechtlerinnen, sowie Luise Zietz(Hamburg) die Klara Zetkin in Temperament und Lungenkraft, vor allem auch im Zungenschlag nicht viel nachgibt, ferner Ottilie Baader (Berlin), die Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauenorganisation, dann natürlich Rosa Lupemburg, die temperamentvolle Russin, die sich durch ihre Ehe mit dem jetzt wegen Hochverrats in Untersuchungshaft sitzenden Schriftsteller Lübeck das Heimatsrecht in Preußen=Deutschland verschafft hat, und die Volkszeitung“ das Wort zur Begrüßung des Parteitages, in der er einleitend auf die Jahre 1863, das Geburtsjahr der Sozialdemokratie, und 1909, in welchem zum ersten Male der Parteitag in Leipzig stattfindet, als zweiter wichtiger Merkstei deutschen Sozialdemokratie hinweist. Hierauf betritt(stürmisch begrüßt) Reichstagsabgeordneter Singer das Podium zu folgender Ansprache:„Werte Genossen und Genossinnen! Ich möchte mir zunächst gestatten, den Leipziger Genossen herzlichen Dank auszusprechen für die freundlichen und herzlichen Begrüßungsworte des Vorredners. Wie dieser mit einer persönlichen Note schloß, so möchte ich bitten, mit eine solchen beginnen zu dürfen. Wir alle haben gehofft, daß Genosse Bebel(stürmische Zurufe) hier erscheinen würde und er selbst hat sich mit aller Macht bemüht, daß ihm dies noch im letzten Augenblick möglich sein möchte. Allein ein privater Zwischenfall hält ihn zurück. Ich kann Ihnen aber die erfreuliche Mitteilung machen, daß wir unseren August Bebel in den nächsten Tagen hier doch noch werden begrüßen können.“ Der Redner erklärte den Parteitag für eröffnet. Auf Vorschlag von Auer(München) werden Singer und Lepinsky(Leipzig) zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten gewählt. Die erste geschäftliche Sitzung des zweiten Tags des Sozialdemokratischen Parteitages wurde kurz nach 9 Uhr von dem Vorsitzenden, Reichstagsabgeordneten Paul Singer eröffnet. Bebel, der bestimmt erwartet wird, ist noch nicht eingetroffen, dagegen erschienen zu Beginn, von den Süddeutschen lebhaft begrüßt, Georg v. Vollmar, der ungekrönte König von Bayern, in Begleitung seiner Gattin, der Tochter eines schwedischen Bergwerksbesitzers. Auch Kurt Eisner, der frühere VorwärtsRedakteur ist anwesend, ferner Südekum=Desden, Rechtsanwalt Frank=Mannheim, Geck=Offenburg, Stadthagen u. a. Am Pressetisch bemerkt man Herrn v. Gerlach und den Vertreter der englischen„Trade Unions“, den Genossen Ashew in London. Genosse Beer(Wien) spricht namens der deutschen Sozialdemokraten Oesterreichs, die den Verhandlungen des deutschen sozialdemokratischen Parteitages den besten Erfolg wünschen. Nemec (Prag) überbringt die brüderlichen Grüße der tschechischen Sozialdemokratie. Namens der Südslawen begrüßt Kristan(Laibach) den Parteitag. Namens des jüdischen Proletariats spricht Genossin Schöneberg(Rußland). Der Vorsitzende Singer teilt dann mit, daß verschiedene Begrüßungstelegramme eingegangen seien, darunter ein solches von den schwedischen Genossen. Er schließt daran die Mitteilung, daß der Vorstand heute früh beschlossen habe, den schwedischen Genossen, die Opfer über Opfer brachten, zu den bereits bewilligten 20000 Mark noch weitere 30000 Mark zu bewilligen.(Lebhafter Beifall.) Die Parteileitung wisse, daß sie mit diesem Beschlusse dem Willen und dem Wunsche der deutschen Genossen Rechnung trage. Er beauftrage also den Finanzminister der Partei, diese einstimmig bewilligten 30.000 M sofort abzuschicken.(Heiterkeit und Beifall.) Es erstattet sodann Abg. Molkenbuhr den Bericht des Parteivorstandes an den Parteitag. Der Bericht geht zunächst auf die 41. Jahrg. politsche Lage ein und betont, daß der Ausbau des Arbeiterschutzes nicht viel über den Rahmen theoretischer Erörterungen hinausgekommen sei.. Dagegen sei die Belastung der Arbeiter durch die neuen Steuern zu Gunsten der Junker um so schlimmer ausgefallen. In dem Kampfe um die Steuern seien zwei Erscheinungen von verhängnisvoller Bedeutung verschwunden: Fürst Bülow und der Block. Hemmend auf den Ausbau der Organisation habe die seit 1907 währende wirtschaftliche gewirkt, die sich im Laufe des Berichtsjahres noch verschärfte. Die Zahl der organisierten männlichen„Genossen“ sei von 557 878 auf 571 050, die der weiblichen Mitglieder von 29 458 auf 62 259 gestiegen. Die Gesamtmitgliederzahl betrage 663309, das bedeute eine Zunahme von 45 973 oder 7,8 vom Hundert gegen 10,7 vom Hundert im Vorjahre. Zur Frauenorganisation betont der Bericht, daß in 257 Orten der Beschluß des Nürnberger Parteitages, eine Frau mit in den Vorstand zu wählen, ausgeführt wurde. Auf dem Gebiete der Jugend=Bewegung wurde die„Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands“ eingesetzt. Die Maifeier hatte nach dem Bericht in einigen Bezirken unter der schweren Wirtschaftskrise zu leiden, von einem Rückgang der Arbeitsruhe könne aber keine Rede sein, Das am 15. Juli ins Leben getretene sozialdemokratische Presse=Bureau hat einen Zuschuß aus der Hauptkasse in Höhe von 27 750 M benötigt. Der„Vorwärts“ hat einen Reingewinn von 111142 M erbracht, der„Wahre Jakob“ hat eine Abonnentenzahl von 230000, einen solchen von 37 105 M. Die Buchhandlung Vorwärts hatte einen Umsatz von 511 727 M. Der Kassenbericht, erstattet von A. Gehrisch, besagt, daß das abgelaufene Geschäftsjahr für die Partei ein sehr gutes war. Die Einnahmen seien gegen das Vorjahr um rund 252000 M gestiegen. Trotz der andauernden Krise seien die eigentlichen Parteibeträge wiederum stark gestiegen. Auch die „nordische Wasserkannte“ habe wieder hohe Beiträge abgeliefert. Die Einnahmen belaufen sich auf 1105 249, die Ausgaben auf 621202. Von den Einnahmen entfallen auf die nordische Wasserkante 218 637, von den Ausgaben auf Unterstützung 10015, auf Prozeß= und Gefängniskosten 6469, auf allgemeine Agitation 239 065 Ml abgesehen von einem Kassenbestand von 79348 sind für Kapitalanlage übrig 433063 M. Von der Parteipresse benötigten 16 Blätter einer finanziellen Beihilfe aus der Hauptkasse, diese betrug z. B. bei der„Nordhäuser" Volkszeitung“ nur 500 M, stieg aber bei der„Königsberger Volkszeitung“ auf 16000 und betrug bei der Polnischen„Gazetta Robotnicza“ 13000 M. Die Ausgaben für die Parteipresse insgesamt beliefen sich auf 89 780.4. Zu Beginn der Nachmittagssitzung lagen weitere Anträge zu den verschiedenen Fragen vor. Die Diskussion in der Nachmittagssitzung drehte sich weiter um die Jugendorganisation. Insgesamt beständen jetzt an 36 Orten Jugendausschüsse. 30 Orte besäßen Bibliotheken für die Jugend. Die„Arbeiterjugend“ wurde mit 25000 zahlenden Abonnenten zu Beginn des Jahres begründet. Im zweiten Quartal hatte sie bereits 28000, gegenwärtig 32000 zahlende Abonnenten. Die Anträge, betreffend Jugendorganisation wurden der Jugendzentrale überwiesen. Es folgen dann die Anträge, die eine Einschränkung bezw völlige Aufhebung des Branntweinkonsums bezwecken. Loebe(Breslau) begründet folgenden Antrag: Der Parteitag empfiehlt allen Parteiorganisationenen und der Parteipresse eine pianmäßige Propaganda zur Herabminderung des Branntweinkensums zu entfalten. Diese Boykottbewegung soll die Verkürzung des Ertrages der Branntweinsteuer und möglicherweise auch der Liebesgabe zum Ziel haben. Der Schnapsboykott unterscheide sich, so führte der Redner aus, wesentlich vom Bierboykott. Während der Bierboykott das Ziel habe, die Preise herabzumindern, damit später desto mehr getrunken werden könne, habe der Schnapsboykott den Zweck, den Konsum von Schnaps dauernd auszuschalten. Vereinigen wir uns alle in dem Rufe: Weg mit dem Fusel der Agrarier!(Lebhafter Beifall.) Zum Schluß der ersten Sitzung berichtete der Vorsitzende Singer über die Vorbereitungen zu den internationalen Sozialistenkongreß in Kopenhagen, der im nächsten Jahre stattfinden soll. Die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen sei für die deutsche Sozialdemokratie, wenn sie sich überhaupt ermöglichen lasse, selbstverständlich, sie werde sich also auch an der Kopenhagener Tagung beteiligen. Darauf wurden die Verhandlungen vertagt. Der zweite Tag. Am zweiten Verhandlungstage wurde vom Reichstagsabgeordneten Ledebour der parlamentarische Bericht erstattet. Er führte aus: Im Mittelpunkte der Beratungen des Reichstags stand die sogenannte Reichsfinanzreform, die ihren Namen aber völlig zu unrecht trägt, da sie nur ein Volksausbeutung darstellt. Im engen Zusamenhange mit der Reichsfinanzreform, standen die Versassungsanträge, die durch diese in eine neues Stadium gerückt worden sind.(In diesen Augenblick erscheint, von Beifall und Hochrufen begrüßt, Augu Bebel mit seiner Frau, die schon bei ihrer Anfahrt vor Volkshause von der dort harrenden Volksmenge begrüßt worden waren. Nur allmählig legen sich die Zurufe, so daß Ledebour fortfahren kann.) Gegen die Fraktion sei der Vorwurf erhoben worden, daß durch ihre Tätigkeit nicht genügend praktische Erfolge erzielt worden seien. Es werde ihr vorgeworfen, daß sie ihre Vorschläge nicht der gegenwärtigen Zeit angepaßt hätte. Demgegenüber könne die Fraktion behaupten, daß sie praktisch gearbeitet habe. Sie habe ihr Vorschläge gewissenhaft geprüft, ob sie überhaupt Anspruch hätten von den bürgerlichen Politikern angenommen zu werden. Das gelte besonders von den Abrüstungs= und Verfassungsvorschlägen. Was sei das Schicksal dieser Vorschläge gewesen, trotzdem die Zeit für diese Anträge so günstig wie nie zuvor gewesen sei? Die bürgerlichen Parteien hätten die Sozialdemokratie einfach im Stich gelassen, der praktischen Erfolge aber infolge der jämmerlichen Haltung der bürgerlichen Parteien, namentlich der Liberalen, gefehlt. Je stärker die sozialdemokratische Partei im Reichstage werde, desto weniger praktische Erfolge könne sie erzielen, weil dann für die bürgerlichen Parteien die Gefahr vor Augen tritt, daß die Sozialdemokratie die Oberhand gewinnen könne. Preußen hat eine vollständig bureaukratische Regierung, in allem wird nach dem Willen der preußischen Junker regiert, und zwar sowoh durch das Abgeordnetenhaus wie auch im Reichstage, da in beiden die Junker das Heft in der Hand haben. Ueberhaupt müssen wir dem gesamten Regierungssystem gegenüber grundsätzlich schärfster Opposition bleiben, wie wir dies auch getan haben. Redner verbreitet sich dann über das Verhältnis zu de anderen Parteien und fragt, wie sollen wir uns zu den Liberalen stellen? Uns ist geraten worden, möglichst nachsichtig zu sein, damit die Krähwinkler wieder an unsere Stelle treten können. Das wäre eine falsche Politik. Was unser Zusammengehen im Reichstage anlangt, so haben wir niemals die Liberalen ersucht, für unsere Anträge zu stimmen. Was das Zusammengehen bei den Wahlen anlangt, so ist es eine Frage, ob sich etwas hier ändern würde. Es wird von Fall zu Fall entschieden werden müssen; daß wir auf die Aufstellung eigener Kandidaten zugunsten der Liberalen verzichten sollen, ist eine Forderung, die keinen Wiederhall hier in dieser Versammlung finden wird.(Zustimmung.) Wir fahren gut, wenn wir in schärfster Opposition gegen die Regierung bleiben. Es zeigt sich bei allen Nachwahlen, welchen Aufschwung die Sozialdemokratie nimmt. Man sagt, sie hätte das Vertrauen des Volkes gewonnen, weil sie bei der Finanzreform für die Erbschaftssteuer eintrat. Wenn das richtig wäre, warum haben denn die Nationalliberalen und die Freisinnigen nicht das gleiche Vertrauen gewonnen? Nein, wir sind in das Vertrauen der Massen hineingewachsen wegen unserer grundsätzlichen Stellung gegen die bürgerlichen Parteien, u nur durch grundsätzliche Opposition gegen das herrschende Regierungssystem können wir uns das Vertrauen des Volkes erhalten.(Lebhafter Beifall.) Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 16. September. **(Herbststimmung.) Mit dem Sommer ist's für ein Jahr vorbei. Wild und frei streicht der herbstliche Wind bereits über die blauen Berge, durch das einsame Tal und die lichtgewordenen Baumkronen; lose Blätter wirbeln vor ihm her, gitzernder Mariensommer zieht auf seinen Fittichen mit ihm. Sein Atem ist herb, die Blumen zittern vor ihm und halten ihre flattrigen, welken Blüten fester, um noch wenige Stunden spätsommerlicher Schönheit zu retten. So manche der bunten Kelche haben sich erst aufgetan, uneingedenk, daß der Sommer versunken ist — und die Vogellieder verhallt sind; nun sehen die blassen Spätlinge bang über die leeren Hänge, und der Wind fegt frisch daher, eine Winterahnung mit sich tragend. Die scharlachnen Korallenbüschel der Ebereschen tanzen auf und nieder, in den langsam ersterbenden Zweigen rauscht und knistert es. Jedes Blättchen der Bäume wehrt sich gegen das Scheidenmüssen. Herbst ist ein unbarmherziger Geselle, er nimmt allem Blallwerk das Leben und gibt der ganzen Natur ein Aussehen. Reich und bunt, farbensprühender als selbst der Hochsommer, schimmert es von Bäumen, von Wegen und Stegen. Der Herbst hat die Natur in schillernde Farben getaucht, gleichsam als wollte er der Menschheit, bevor er sein Recht an den Winter abtritt, noch eine letzte Freude bereiten. Aber die Pracht ist nicht von langer Dauer; denn bald verblaßt die ganze Farbenherrlichkeit. Dann kommen die Herbstnebel und hinter ihnen der Winter mit seinem Eis und Schnee. **(Für Rekruten.) Angesichts der bevorstehenden Einstellungen zum Militärdienst seien die der Invaliditäts=Versicherungspflicht unterliegenden Rekruten darauf hingewiesen, daß eine Quittungskarte ungültig wird, wenn sie nicht innerhalb zweier Jahre vom Tage der Ausstellung an zum Umtausch oder zur Verlängerung vorgelegt wird. Wer es versäumt, vor seiner Abreise die Karte abzugeben, setzt sich Weiterungen bei der Rückkehr vom Militär aus, ganz abgesehen von empfindlichem Nachteil, der u. a. entstehen kann.— Ferner sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Rekruten verpflichtet sind, vor ihrer Einstellung ein etwa gegen sie schwebendes Gerichtsverfahven zur Kenntnis der Militärbehörde zu bringen. Sie werden eventuell nicht eher eingestellt, als bis die Strafsache einschließlich Strafvollstreckung gegen sie erledigt ist. Unterlassen sie die Anzeige, so werden sie bei einer Verurteilung behufs Abbüßung einer Strafe wieder entlassen, ungeachtet, wie lange sie bereits dienen. Im nächsten Jahr werden sie dann erneut ausgehoben, ohne daß die vorhergegangene Dienstzeit angerechnet gc8.„„4 **(Im Zeichen der Zundholzer.) nun wird es Ernst, um 1. Oktober tritt das Zündholzsteuergesetz in Kraft, und die Haushaltungen müssen anfangen, sich auf dieses nicht eben freudig begrüßte Ereignis ernstlich einzurichten. Vorräte sind ja im Laufe des Sommers vielfach angelegt worden, aber schließlich sechen auch biese mu. Erde, und dann beshr ev, e gng au. hölzer je einen Pfennig Steuer abladen.— Im 859 Inkrafttreten der Steuer hat der Bundesrat jetzt ausfuhrungsbestimmungen und eine Nachsteuerordnung herausgegeben. Der Nachversteuerung unterliegen auch alle im Besitze von Händlern, Wirten, Konsumvereinen, Kasinos, Logen und ähnlichen Vereinigungen befindlichen Vorräte vom 1. Oktober. Als Händler gelten Personen, die vor dem Inkrafttreten des Zündwarensteuergesetzes Zündwaren in größeren Mengen angekauft haben, um sie nach dem 1. Oktober 1909 weiter zu verkaufen. Im einzelnen wird vom Bundesrat folgendes festgesetzt: Angebrochene Einzelpackungen bleiben steuerfrei, sowie Zündkerzchen bis zu 200 Stück im Besitz von Straßenhändlern, Hausierern oder ähnlichen Kleinhändlern ohne festen Verkaufsstand. Die steuerpflichtig sind alle mit einer Zündmasse, die durch Reibung zur meldet werden. Dabei ist die Zahl der einzelnen Packungen und der Aufbewahrungsraum anzugeben. Die Steuer selbst ist acht Tage nach Empfang der Aufforderung zu entrichten. Steuerplfichtig sind alle mit einer Zündmasse, die durch Reibung zur Entflammung gebracht werden kann, versehenen Stäbchen oder Spänchen aus Holz, Stroh, Pappe, gepreßten Pflanzenfasern oder ähnlichen Stoffen, ferner die sogenannten Sturmzündhölzer und Zündkerzchen aus Stearin, Wachs oder ähnlichen Stoffen. Steuerfrei bleiben bengalische Streichhölzer und andere Feuerwerkszündhölzer, sowie Feuerzeuge aller Art. Der Reichskanzler kann aber auch bengalische Zündhölzer und andere Feuerwerkszündhölzer, sowie Hölzer, Stäbchen usw., die durch Paraffinieren, Schwefeln oder auf andere Weise derart vorgerichtet sind, daß sie ohne Berührung mit Feuer durch Eintauchen in eine Flüssigkeit oder auf anderem Wege zur Entflammung gebracht werden können, für steuerpflichtig erklären. Zündhölzer mit Zündmassen an beiden Enden gelten als zwei. Der Steuer unterliegen auch Abfallzündwaren, wenn sie aus den Räumen des Herstellungsbetriebes entfernt werden. Fabriklager müssen eine Tafel mit der Aufschrift„Fabriklager fstr fertige Zündwaren erhalten. Versteuerte Packungen erhalten eine rote Marke mit der Aufschrift„Zündwaren. Steuerbetrag... M.. 5. Für das Ausland dürfen nur Packungen mit genau vorgeschriebener Stückzahl hergestellt werden. Den neuen Ordnungen sind die üblichen Formulare für Bescheinigungen, die Buchführung usw. beigefügt. **(Reises Obst) jeglicher Art kann nicht genug zum Genuß empfohlen werden denn es ist ein Universalmittel zur Erhaltung der Gesundheit. Pfirsiche bekämpfen beispielsweise schlechte Verdauung und schlechten Magen, Weintraubenr gen das Blut, der Saft der Tomaten übt einen günstigen Einfluß auf die Leber und Därme aus. Aepfel, besonders gekochte, sind für die Kinder nicht gut zu entbehren zur Erhaltung einer guten Verdauung, der Melonensaft vertreibt Fieber und Nierenkrankheiten, Brombeergelee beseitigt Husten, gekochte Pflaumen sind Skrofulösen sehr zu empfehlen. Versäume mand reichlichen Obstgenuß! **(Das Kinderprivileg.) Das in der neuesten Steuergesetzgebung in Preußen eingeführte Kinderprivileg wird in manchen Gemeinden einen nicht geringen Ausfall an Steuern herbeiführen. Die Steuer soll sozial nach der Richtung wirken, daß in kinderreichen, wirtschaftlich schwächeren Familien der Steuerdruck nicht übermäßig stark empfunden werde. Wie in einer öffentlichen Zentrumsversammlung in Essen ein dortiger Stadtverordneter mitteilte, beträgt in Essen allein der durch das Kinderprivileg verursachte Steuerausfall nicht weniger als 200000 Mark. **(Die Gerichtsferien) gingen mit dem gestrigen Tage zu Ende. Von heute ab werden die Geschäfte bei allen Gerichten in vollem Umfange wieder ausgenommen. **(Der Weltuntergang), der gestern früh 10,20 Uhr eintreten sollte, ist wieder einmal umsonst prophezeit worden; unsere gute alte Mutter Erde ist nicht einmal ins Wackeln gekommen. Mit dem Prophezeien ist es halt eine üble Sache; mal treffts, mal treffts nicht. Diesmal hat es, wie bisher immer, nicht getroffen und der Verfasser der famosen Bielefelder Flugblätter kann lange warten, bis es ihm gelingt, durch eine neue Prophezeiung abermals die Menschen in Aufregung zu versetzen. **(Pferd gestürzt.) Gestern nachmittag kam in der Nähe der alte kath. Kirche das Pferd eines hiesigen Bauunternehmers, welches in eine schwer mit Kalk beladene Karre gespannt war, so unglücklich zu Fall, daß es ziemlich erhebliche Verletzungen an den Beinen erlitt und erst nach längerer Arbeit wieder in die Höhe gebracht werden konnte. Das arme Tier mußte in den Stall gebracht werden, da es zur weiteren Arbeit untauglich war. *:(Jugendliche Diebe.) Um sich Kirmesgeld zu verschaffen, verübten die beiden Schüler Sch. und B. von hier im Mai d. Is. bei einem hiesigen Schmiedemeister einen Einbruchsdiebstahl. Sie stahlen eine Partie Eisen, das sie bei einem Althändler versilberten. Wegen dieses Diebstahls hatten sich gestern beide vor der Hagener Strafkammer zu verantworten, vied wurde Sch. zu einer Wache und B. als der Verführte zu 3 Tagen Gefängnis verurteil: **(Verein für Hundezucht.) Wie machen die Mitglieder des Vereins auf die heute abend im Lokale des Herrn Michel stattfindende Versammlung aufmerksam. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist in anbetracht der am Sonntag stattfindenden Schau am„Schützenhof“ unbedingt geboten. Die Anmeldungen für diese Schau sind bereits in sehr großer Zahl eingelaufen, sodaß allen Interessenten ein Besuch nur empfohlen werden kann. * Festspiel.) Aus Anlaß der Erhebung Preußens vor 100 Jahren, die mit dem Auszuge Ferdinand v. Schill's ihren Anfang nahm und zum siegreichen Freiheitskampf führte, wird hier für Schüler und Schülerinnen eine Sonderaufführung des Festspiels„Königin Luise" veranstaltet. Diese Aufführung soll am Sonntag, den 17. Oktober, nachmittags 4 Uhr im„Reiche des Wassers" stattfinden. **(Gefaßt.) Der Anstreicher Otto Schmidt, über dessen Diebstahl und Flucht wir am Montag berichteten, ist gestern in Wambeln gefaßt worden. Bekanntlich hatte Sch., der sich zuletzt bei dem Pferdehändler Glaas in Dortmund in Stellung befand, sich mit einem Wagen und drei Pferden seines Dienstherrn aus dem Staube gemacht. Zwei der Tiere und auch den Wagen hat er unterwegs versilbert, während er das dritte Pferd noch bei sich hatte. Jedenfalls dürfte Schm., der schon verschiedene Straftaten auf dem Kerbholz hat, die Sache recht teuer zu stehen kom**(Bei dem gestrigen Einbruch) bei der Firma Theile haben die Spitzbuben keine reiche Beute gemacht; es ist ihnen nur die Portokasse und verschiedene Invalidenmarken in die Hände gefallen. Der Geldschrank, den die Diebe auch zu erbrechen versuchten, hat ihren Bemühungen jedoch Widerstand geleistet, was für Herrn Theile um so erfreulicher ist, als dort eine größere Summe für die gestrige Löhnung lagerte. Von den Dieben hat man noch keine Spur, doch wird angenommen, daß sie von der Abwesenheit des Herrn Theile Kenntnis gehabt haben. **(Die alte Geschichte.) Beim Abspringen von einem Wagen, an den er sich aller Warnungen ungeachtet hinten angehängt hatte, kam gestern nachmittag auf der Schützenstraße ein kleiner Junge derart unglücklich zu Fall, daß er außer HautAbschürfungen an den Händen eine heftig blutende Verletzung an der Stirn erlitt. ** Westhosen, 16. Seo:. Die Wegeüberführung über die Eiserbahn, welche bei der Besitzt. g des Herrn Lohmann beginnt, geht ihrer Vollendung entgegen Augenb'icklich ist die Firma Jucho aus Dortmund mit der Monzage der Eisenkonstruktion beschäftigt. Nach Fertigstellung der Ueberführung fällt der dicht am Bahnhof vorbeiführende Weg über die Bahn fort und dann wird das 3. und 4. Gleis zwischen Shwerte=WesthofenHengstei, mit dessen Herstellung man schon seit zwei Monaten beschäftigt ist, in Benutzung genommen. ** Westhosen, 16. Sept.(Postpersonalie.) Der Postassistent Finger ist von hier nach Dortmund versetzt. * Hörde, 15. Sept. Im Preßbau des Phönix stürzte heute nachmittag beim Aufladen ein schwerer Kesselboden um und begrub drei Arbeiter unter sich. Der Vorarbeiter Pecher erlitt schwere innere Verletzungen. Dem Kolonnenführer Krause wurden beide Beine zerschmettert; der dritte Arbeiter kam mit leichteren Verletzungen davon. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 16. Sept.(Stadttheater.) Das Theater öffnet heute wieder seine Pforten und zwar mit einer Aufführung von Beethovens unvergänglichem„Fidelio", in dem sich unsere neu engagierte Primadonna Frl. Heincke in der Titelparthie, dem Publikum vorstellt. Das Schauspiel beginnt am Freitag mit Wildenbruchs„Karolinger“. Es ist ein Jugenddrama des zu früh verstorbenen Dichters, aber alle Vorzüge, die sich später in seinen„Quitzows“ und seiner„Rabensteinerin“ offenbarten finden sich schon in diesem Werke. Concentration der Handlungen, Schönheit der Sprache. * Holthausen(Amt Eving), 15. Sept. In der Gemeinderatssitzung wurde u. a. beschlossen, die in der Gemeinde wohnenden Kriegsveteranen, soweit sie nur ein Einkommen von 900 bis 1200 Mark pro Jahr haben, von der Gemeindeeinkommensteuer zu befreien. * Iserlohn, 15. Sept. Der Tochter des Landrats Nauck hier Fräulein Hertha Nauck, welche bei der Hohensyburgfeier vor dem Kaiserpaar den Begrüßungsprolog sprach, ging durch Vermittelung des Oberhofmarschallamtes eine mit den kaiserlichen Initialen versehene und mit Edelsteinen und Perlen besetzte goldene Brosche zu. * Hagen, 15. Sept. Einen bösen Ausgang dürfte das Vorgehen eines hiesigen Geschäftsmannes nehmen, das dieser mehreren seiner Kunden gegenüber anwandte. Er beschuldigte eine Frau des Diebstahls bei ihm und verlangte eine größere Summe als Schweigegeld. Die Frau geriet über die durchaus grundlose Anschuldigung in begreifliche Aufregung und wollte sogar einen Selbstmord begehen, von dem sie glücklicherweise zurückgehalten werden konnte. Der Vorgang wurde bekannt u. kam zur Kenntnis der Behörde und nun meldeten sich noch weitere Personen, gegen die der Geschäftsmann in gleicher Weise vorgegangen war. In einem Falle hatte er auch 40 M erhalten. Man wird nun den Spieß umdrehen und gegen den Mann wegen Erpressung vorgehen. * Hamm, 15. Sept. Ein recht betrubender Unglucksfall ereignete sich gestern in dem Hause Langestraße 75. Einem dort wohnhaften Fabrikarbeiter wollte sein neunjähriger Sohn freudestrahlend den selbstverfertigten„Flitzebogen“ zeigen. Hierbei schnellte der Pfeil ab und traf den Vater in das linke Auge, das sofort auslief. * Elberfeld, 15. Sept. Verbrechen? Gestern morgen in der Zeit zwischen 6 und 7 Uhr ist von zwei Knaben eine Kindesleiche— Knabe—, die etwa 4 bis 8 Wochen nach der Geburt gelebt hat, in einem Sack verpackt auf einem Gasrohr eingewickelt aufgefunden worden. * Kettwig, 15. Sept. Das landwirtschaftliche Kasino in der Meisenburg bei Kettwig hatte im vergangenen Jahre zur Verminderung der Spatzenplage für jeden eingelieferten toten Spatz 5 Pf. als Prämie festgesetzt. Bis jetzt sind etwa 1600 Spatzen bei den Annahmestellen an der Wellmuth und Meisenburg abgeliefert. Von der Abnahme der Spatzenplage ist aber trotzdem nichts zu merken. Zeppelin 3 im Industriebezirk. Dortmund, 16. Sept. Wie die D. Ztg. mitteilt, ist Stadtrat Maiweg im Auftrag des Magistrats nach Frankfurt gereist, um mit Direktor Colsmann persönlich bezüglich einer Berücksichtigung Dortmunds bei der Fahrt des Z 3 durch den Industriebezirk zu verhandeln. Direktor Colsmann hat fest zugesagt, daß der Flug über unsere Stadt gelenkt werden soll. Das Luftschiff soll aus der Richtung von Dorstfeld kommend, den Westenund Ostenhellweg überfliegen, den Reinolditurm, den Markt und die Wälle umkreisen. Eine Landung in Dortmund wird nicht möglich sein. Essen, 16. Sept. Im Auftrage der Vorbereitungskommission für den Empfang„Z.3“ in Essen hat sich gestern Herr Ernst Schröder zu Direktor Colsmann nach Frankfurt begeben, um die beschlossenen Maßnahmen mit diesem durchzusprechen. Das Ergebnis der Unterredung und der darauf weiter in Essen gefaßten Beschlüsse ist folgendes:„Z. 3“ wird am Sonntag vormittag zu einer noch nicht bestimmten Stunde von Düsseldorf abfahren und den Weg über Duisburg, Mülheim(Ruhr) nach Essen nehmen. Es erfolgt zunächst die bereits bekanntgegebene Schleifenfahrt über Essen und daran anschließend die Landung auf dem Gelände gegenüber den Krankenanstalten. Oberbürgermeister Holle nimmt mit dem Stadtverordnetenkollegium einem Festzelte Ausstellung und hält bei Ankunft des Luftschiffes eine Begrüßungsansprache. Der Aufenthalt des Luftschiffes ist auf 1 bis 2 Stunden berechnet. Nach Einnahme eines Imbisses erfolgt die Weiterfahrt über Bochum, Witten, Hagen nach Dortmund und zurück über Gelsenkirchen nach Düsseldorf, wobei vermutlich wieder Essen berührt wird. Es hat 2 W8 ∆ Amtiches Rrebollit für den Rieis Nerte. Prrmmphmmmprrmmmmeerur 2c Nr. 217 Smme Donnerstag den 16. September 1909 ee 41. Jahrg. Semasese ZWeiles Blall. K Erster Beuscher Richtertag. lungen### ersten Deutschen Die geschäftlichen Verhandiungen des ersten Leuischen Richtertages in Nürnberg wurden Montag vormittag mit einer Begrüßung der Teilnehmer und Gäste durch den Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Dr. Leeb(Augsburg) eröffnet. Das erste Referat erstattet Langerichtspräsident de Niem(Limburg) über die Besetzung der Strafgerichte an der Hand folgender Leitsätze: 1. Das Kollegialgericht ist gegenüber dem Einzelrichter das bessere Gericht. Deshalb ist der Ersatz des Schöffengerichts durch den Einzelrichter eine Verschlechterung der Rechtspflege. 2. Der gelehrte Richter ist gegenüber dem Schöffen der bessere Richter. Deshalb ist das kollegiale Gelehrtengericht gegenüber dem Schöffengericht das bessere Gericht. Daher ist der Ersatz der Strafkammer durch das Schöffengericht eine Verschlechterng der Rechtspflege. 3. Die Verbesserung des Laienelements für die Berufungsinstanz ist eine Unmöglichkeit. Deshalb ist die teiligung der Laien an der Rechtspflege auf die erste Instanz Oberlandesgerichtsrat Opoler(Kolmar) bringt einen Antrag ein, der besagt, daß eine weitere Heranziehung von Laien zur Rechtsprechung nicht wünschenswert und in der BerufungsInstanz abzulehnen ist. Dieser Antrag wird angenommen. Hierauf referiert Landgerichtsrat Kade(Berlin) über di dingte und unbedingte Strafverfolgungspflicht der Staatsanwaltschaft. Er legt der Versammlung folgende Leitsätze vor: In der neuen deutschen Strafprozeßordnung soll unter Aufrechterhaltung des Grundsatzes, daß jeder Verstoß gegen die Rechtsordung zu ahnden ist, der staatlichen StrafverfolgungsBehörde unter Nachprüfung durch die Strafgerichte sowie diesen selbst die Befugnis gegeben werden, in geeigneten Fällen jeder Art, in denen entweder durch die einzelne Straftat vie ordnung nicht bedroht ist oder aus der Persönlichkeit des Täters oder des Verletzten sich besondere Straffortfall grunde ergeben, von der Durchführung der Strafverfolgung# zu nehmen. Der Redner führt aus, daß im geltenden Reche wien Entwurfe der Strafprozeßordnung das Legalitätsprinzip herrsche, die Pflicht der unbedingten Strafverfolgung durch Staatsanwaltschaft. Dies Prinzip sei aber nicht überall durchzuführen, daher sei die Frage zu erörtern, ob nicht an seine Statt das Opportunitätsprinzip einzuführen sei, nach dem der Staatsanwalt nur bei Bedarf eingreift. Wegen vorgerückter Zeit wird sodann beschlossen, das Thema„Die Stellung des Richters zu den Parteien im Verfahren auszusetzen und sofort den letzten Punkt der Tagesordnung„Die Gestaltung der Rechtsmittel" zu erledigen. Referent ist OberAmtsrichter Riß(München). Er bezeichnet die erste Instanz als die wichtigste der drei Instanzen. Die ganze Gesetzgebung muß darauf hinzielen, daß das Verfahren in erster Instanz das jenige ist, in dem der Rechtsfall bis zum letzten Ende aufgeklärt wird. Der Redner legt schließlich folgende Leitsätze vor 1. Eine wirksame Strafrechtspflege verlangt die rasche Herbeiführung einer endgültigen Entscheidung. Daraus folgt, daß grundsätzlich die erste Entscheidung endgültig sein soll. Zu diesem Zwecke muß das Verfahren der ersten Instanz so ausgestaltet werden, daß es alle Gewähr für die Gewinnung eines gerechten Urteils bietet. 2. Die Anfechtung einer Entscheidung soll eines gerechten Urteils notwendig ist. Diesem Gedanken entspräche eine Erleichterung der Wiederaufnahme des Verfahrens mehr als die erweiterte Zulassung der Berufung. 3. Die Errichtung der Berufungssenate bei den Landgerichten verletzt de Grundgedanken, daß die Nachprüfung eines gerichtlichen Urteils nur durch eine höhere Instanz erfolgen kann. Zum mindesten soll ihre Errichtung bei den Oberlandesgerichten den Landesjustizverwaltungen freigegeben werden. 4. Es soll geschaffen werden, in solchen Fällen, in denen es sich um die Herbeiführung einer grundsätzlichen Entscheidung Berufungsinstanz auszuschalten und gegen die Entscheidung der ersten Instanz unmittelbar das Revisionsgericht gpzuxusen. 5. Es ist unzweckmäßig, in den Fällen der sofortigen. de dem Gerichte, dessen Entscheidung angefochten wird, die Befugnis zu deren Abänderung zu versagen.— Landgerichtsrat Dr. Leeb(Augsburg) schl. kesworten.— Nachmittags fand ein Festmahl statt. Leeb(Augsburg) schloß die Tagung in# den üblichen DanWestfalen und Rheinland. * Hörde, 15. Sept.(Bahnbau Dortmund=Schwerte.) Gestern vormittag fand im hiesigen Rathause Termin zwecks Erwerbung von Grundeigentum in der Gemeinde Jorde für den Bahnbau Dortmunderfeld=Schwerte statt. Es ware etwa 20 Interessenten erschienen, die sich jedoch weigerten, Forderungen zu stellen. Ein freihändiger Erwerb der Grundstüce ist also nicht zustande gekommen, weshalb die Enteignung 2 Dortnund, 15. Sept. Der in der Rheinischen Straße wohnende, bereits zum dritten Mal verheiratete Arbeiter Franz Kosianowski geriet mit seinen Stiefsöhnen in einen Streit, is dessen Verlauf er einen Revolver aus der Tasche zog und vier Schüsse auf die beiden Söhne abfeuerte. Der Stiefsohn Waldemar Treisel wurde durch einen Schuß in die linke Brustseite verletzt, der zweite Stiefsohn, Franz Smolinski, erhielt einen Schuß in den Kopf. Kosianowski wurde verhaftet. * Bommern, 14. Sept.(Brikettlager.) Einen Begriff von dem wenig guten Stande des Kohlengeschäfts kann man sich machen, wenn man sich das Brikettlager des Kohlensyndikats beim Güterbahnhof besieht. Es lagern dort nun monatelang über 1000 Waggons Briketts in mächtigen Stapeln von 3 bis 4 Meter Höhe. Die Gleisflächen sind mit hohen Unkräutern überwuchert, so daß man sich unwillkürlich fragt: wann kommt die Zeit, in der diese Läger wieder geräumt werden? Für die Güte der Briketts spricht es gewiß, daß sie eine so lange Lagerung aushalten. * Beerlage 14. Sept.(Totschlag.) Drei hiesige Burschen gerieten am Sonntag in einer Wirtschaft mit einem über 60 Jahre alten Manne, der aus Billerbeck stammt und ohne festen Wohnsitz ist, in Wortwechsel. Auf der Chaussee verprügelten die Burschen den Mann, den man am Montag morgen tot auffand. Die Burschen, die im Alter von etwa 20 Jahren stehen, Paderborn, 15. Sept. Als Kandidaten für den erledigten Bischofssitz, die also vermutlich auch auf der Regierungsliste stehen, werden an erster Stelle Domprobst Schmitz und rer Bartels genannt. Ja, man geht noch weiter und behauptet, daß Schmitz, der als Generalvikar die Diözese durch und durch kenne, am meisten Chancen habe, Bischof zu werden. In diesem Falle werde dann Bartels Weihbischof, der unbedingt bei der großen Diözese bald auch eingestellt werden müsse, da der alte Weihbischof Gockel ganz invalide ist. Als fernere Kandidaten, die auf der Liste stehen sollen, werden noch genannt: Professor Dr. Peters in Paderborn, Professor Dr. Mausbach in Münster, Professor Dr. Linneborn in Paderborn und 3 Pröpste. Auch Professor Dr. Linneborn, der 1½ Jahre in Rom, letzt am preußischen historischen Institut, zubrachte, wird vielfat als zukünftiger Weihbischof genannt, da man für diesen Posten eine jugendkräftige, westfälische Natur braucht, die den Strapazen der Visitationen in der ausgedehntesten preußischen Diözese gewachsen ist. Was an all diesen Gerüchten Wahres ist, werden uns die nächsten Wochen genauer enthüllen. Wir referieren nur die Gerüchte, wie sie in sogenannten eingeweihten Kreisen kolportiert werden. * Herne, 15. Sept. Folgende drollige Einladung hat ein polnisches Dienstmädchen in Essen an einen hier wohnenden Adressaten gerichtet:„Ich Theile Schviegerin dir libbe ich wohlte Sondag kohmen auf herne weil sich komt wihl Breutigdaß junge kohmt zu schpet nach Essen. Er kahn nicht kohmen so vröh also sei so gutt und kom mit R.. ki nach Esen bei u Ir kohmt jetzt Beschtimt so gen wirr auf Stoppenberk in Kiermus, sonst zu schpet kohmen auf herrne das lond nicht libber kohmt ihr bei uns auf Stubbe Bester gruhß Stanislava. * Recklinghausen, 15. Sept. Gegenwärtig sind hier im Stadtbezirk fünf Fälle von Kinderlähmung zu verzeichnen. Davon ist einer bereits tötlich verlaufen. Im benachbarten Suderwich sind ebenfalls einige Errkankungen vorgekommen. * Aachen, 15. Sept. Heute nachmittag gegen 5 Uhr wurde in der Kaiserstraße das 5jährige Söhnchen Wilhelm des Fabrikarbeiters Theißen aus der Viktoriastraße von einem Bäkkerwagen totgefahren. Das Gefährt war dem Kinde über den Kopf gegangen, wodurch der Tod augenblicklich herbeigeführt wurde. Luftschiffahrt Vom„Z. 3“. Um 1 Uhr 5 Min. hat der„Z. 3“ am Montag vom Ila=Gelände aus die erste Fahrt angetreten und schlug die Richtung nach Homburg v. d. Höhe ein. In der vorderen GonIn der Heimat. Roman von Rose vom Spielberg. 38 Keine Evastochter ist wohl ganz blind gegen ihre eigenen Reize. Auch Anita empfand das Wohltuende ihres Spiegelbilsich jedoch ihrer Schönheit voll bewußt zu sein und ohne sich übermäßig lange damit aufzuhalten. Nur, daß die weißen Kleider nicht mehr passen wollten, machte ihr einigen Sie lief zu Lisette und teilte dieser alten Freundin ihre Sor„Liebling, ich will sehen, was sich daran ändern läßt,“ erwiderte die Alte und untersuchte die Kleider genau. Dann aber schüttelte sie traurig den Kopf.„Es ist nichts mehr zu machen, buitg bedauerte berg chrank. Nachher vergaß sie diesen kleider seufzend in dem Schrant.„ ch“ J356 fii Liesen Kummer wieder. An einem der nachsten Tage wurde ihr jedoch Fräulein von Ruffer trat unversehens in ihr Zimmer, geprobe aus der Hauptstadt habe kommen lassen. Anita war zuerst ganz sprachlos vor Staunen, dann ließ noch zu sehr Kind und auch Weib genug, um sich an den schömeinte, ihm ihren Dank zu beweisen, wenn sie das neue Klei Fräulein von Ruffer machte ein erstaunt mißbilligendes Gesicht, als Anita in ihrem neuen weißen Staat zur Tür des Eßzimmers hereintrat, doch über Graf Hellmuts Gesicht flog ein warmer Schein. Vielleicht war es auch nur ein Sonnenstrahl, der sich vorwitzig über sein Gesicht gestohlen hatte. Anita sah strahlend lieblich aus, wozu nicht allein das weiße Kleid, sondern auch die geröteten Wangen und glänzenden Aim Nachmittag ging sie zu Linda, um sich in ihrem neuen Linda schlug die Hände über den Kopf zusammen. „Kleider machen also wirlich Leute, scherzte Anita und — ,Rein, Liebstes, Duwarstauch in Deinem schwarzen Kleide schön.. heute aber hast Du etwas Stolzes.. Königliches. Närrchen, das Du bist!“ lachte Anita auf.„Schade, daß Du nicht schon den Thron für mich in Bereitschaft hast.“ Nach einer Weile gesellte sich Pastor Arno wie von ungefähr zu den jungen Mädchen in dem Garten. Er sagte nichts über die äußere Veränderung Anitas. Dem Gottesmanne waren solche Außendinge wohl auch zu nichtig. Nur seine Augen ruhten mit ganz eigenem Glanz auf Anta. Eung; Er beteiligte sich an der Unterhaltung der beiden Freunvinnen und lachte und scherzte mit ihnen. Niemand konnte sehen, was in seinem Innern vorging, niemand, kaum er selbst, wagte in die tiefsten Spalten seiner unruhigen Seele zu schauen. Was hatte ihn der Ruhe und des Gleichmuts beraubt, was hatte ihm Zweifel und Bangen in sein bisher von Gottvertrauen erfülltes Gemüt und Herz gepflanzt? „Was hast Du, Arno, mein Junge, was verbirgst Du vor mir?" so fragte der Oberamtmann nachher seinen Sohn. Nichts, Vater!“ hatte Arno lächelnd gerufen, aber er war dabei errötet, als hätte man ihn bei einer Sünde ertappt. „Komm zu Deinem Vater, ehe es zu spät ist. Wieder hatte er gelächelt und abweisend mit dem Kopf geDarauf war er zur Mutter gegangen, die draußen im Gemüsegarten die ersten jungen Bohnen pflückte. „Du, Arnog“ fragte die hübsche, rundliche Frau verwun„Ja. ich. sehne mich nach körperlicher Arbeit. „Hast recht, mein Junge, das ewige Studieren macht Dich blaß. Komm, Du kannst mir das kleine Stückchen Land hinter den Erbsen umgraben. Der Kutscher und die Magd sind auf dem Felde, und ich brauche das Land für die jungen KohlpflanUnd Arno grub im Schweiße seines Angesichtes und begrub Gedanken und Wünsche tief unter die rollenden Erdschollen. „* Der fünfundzwanzigste Juni, Anitas siebzehnter Geburtstag, war angebrochen. wäshtg sich üher her Erde b: Ein tiefblauer Himmer woldle sich über der Erde, die sich in ihrer Farbenpracht extra für diesen Tag geschmückt zu haben schien. Die Vögel sangen und schmetterten in den Zweigen der Parkbäume ihr Morgenlied, und die leuchtende Sonne stah sich als erste Gratulantin durch die Vorhänge des Fensters auf Mit offenen, tränennassen Augen lag sie in ihren Kissen, und ihre Gedanken weilten bei den verstorbenen Lieben. Der erste Geburtstag ohne den heißgeliebten Vater. Wie hatte er sie an diesem Tage stets mit doppelter Liebe überschüttet. Und heute? Wer würde ihn hier beachten, wer danach fragen, ja, wer wußte überhaupt darum außer ihrer alten, treuen Die Tür wurde vorsichtig geöffnet, und die Haube Lisettes lugte durch die Türspalte. Lseite!“ Wie ein Schluchzen klang es. „Anitachen, mein Liebling, schon wach? Mit eiligen Schritten trippelte sie auf das Bett zu, schlang ohne Skrupel ihre Arme um deren Nacken und küßte sie. Worte von Glück und Segen kamen dabei über ihre Lippen. Anita dankte der treuen, alten Seele, während die Tränen ihr die Wangen herabliefen. „Nun schnell auf, mein Herzenskind,“ rief die Alte,„ich werde Dir helfen, daß Du schnell fertig wirst. Der Herr Graf ritten heute schon sehr früh in die Felder und werden bald wieder hier sein. Dann müssen wir, das weißt Du, schon im Ebsimmer sein.“...., ast, 6i4 mit sm 9. Anita trocknete ihre Tranen und beeilte sich mit dem unziehen. Auf das Geschwätz der Alten achtete sie kaum. Ihr war es todestraurig zu Mute. 169,20 del nahmen Platz: der Großherzog von Mecklenburg=Schwerin mit Begleitung und Oberbürgermeister Dr. Adickes. Außerdem fuhren u. a. mit: Frau v. Mumm und Gräfin Zeppelin, Professor Darmstädter=Berlin nd Geh. Kommerzienrat Gans. Im ganzen befanden sich an Bord 13 Passagiere und 7 Leute von der Bedienungsmannschaft. Die Landung ging glatt von statten. Leichter Unfall des Militärlenkballons„Groß 2“ im Manövergelände. Das Militärluftschiff„Groß 2“ das Montag mittag gegen 12 Uhr in Hall aufgestiegen war, wurde infolge zu starker Belastung durch den niedergehonden Regen herabgedrückt und schwebte ganz nahe der Erdoberfläche. Gegen ½3 Uhr nachmittags streifte das Luftschiff einige Weidenbäume in der Nähe von Oberschüpf bei Mergentheim, wodurch verschiedene Verbindungsstangen geknickt wurden. Das Luftschiff wurde zur Landung gezwungen, die leicht und ohne Hilfe vor sich ging. Die Beschädigungen sind leichter Natur. Eine Luftschifferabteilung ist nach Oberschüpf abgegangen. „Deutsch=arktische Luftschiff=Expedition“. Unter dem Vorsitze des Prinzen Heinrich von Preußen konstituierte sich Sonntag der Arbeitsausschuß der„Deutsch=arktischen Luftschiff=Expedition“, die unter dem Protektorate des deutschen Kaisers steht, in Hemmelmark. Dem Ausschuß gehören außer dem Vorsitzenden Grafen Zeppelin u. Geh. Rat Professor Dr. Hergesell Geheimer Oberregierungsrat Dr. Lewald und Geh. Kommerzienrat von Friedländer=Fulda an. Nach eingehender Beratung wurde der Organisationsplan des Unternehmens in seinen Grundzügen festgelegt. Die Expedition soll auf breite nationale Grundlage gestellt werden und zu diesem Zwecke ein Ehrenvorstand und ein Beirat geschaffen werden, der aus den maßgebenden wissenschaftlichen, finanziellen und industriellen Kreisen zu bilden ist. Zweck der Luftschiffexpediton ist die wissenschaftliche Erforschung des unbekannten arktischen Polarmeeres durch das lenkbare Luftschiff und die Entwickelung desselben zur Ausführung wissenschaftlicher Arbeiten. Windhuker Interessenten wurden durch Vermittlung Swakop= munder Freunde dem Bergtechnischen Laboratorium in Swakopmund Proben der bei und in Windhuk gefundenen blauen Erde zur Untersuchung zugeschickt. Darauf ist die Mitteilung eingegangen, daß es sich in diesem Falle lediglich um ein Verwitterungsprodukt von Glimmer, Schiefer und Granit handelt. In den nächsten Wochen wird Frau Helene von Falkenhausen in der Nähe von Windhuk eine Lehrfarm für junge Mädchen einrichten. In Aussicht genommen ist die alte Polizeistation in Brakwater mit dem dazu gehörigen, etwa 1000 Hektar betragenden Farmgrund. Koloniales. Südwestafrika. Aus den jüngsten den Windhuker Nachrichten zugegangenen Berichten aus der Spencerbucht geht hervor, daß in den verschiedenen abgesteckten Feldern Diamanten gefunden worden sind. Das Gerücht, daß 120 Kilometer von Holoog eine„Röhre“(pipe) entdeckt worden sei, der die Diamanten bei Spencerbucht entstammen sollen, ließ sofort verschiedene Schürfexpeditionen dahin aufbrechen. Das Ergebnis steht noch aus. — Die Grootfonteinbahn befördert jetzt gegen 400 To. Erz monatlich. In Guchab hat man neue Erzfunde gemacht.— Von Bunte Chronik. Die Frau in der deutschen Politik. Mit dem Inkrafttreten des Vereinsgesetzes hat sich die Stellung der Frau zur Politik geändert; ihrem Eintritt in politische Vereine und in die Parteien, ihrem Zutritt zu politischen Versammlungen steht nichts mehr im Wege. Schon wird in verschiedenen Parteien die veränderte Sachlage ausgenutzt und um die Mitarbeit der Frauen geworben. Daher richtet die nat.=lib. Korr. die Mahnung an ihre Parteifreunde, daß dieses Beispiel noch mehr viel Nachahmung finden sollte; um alle hier brach liegenden Kräfte sich nutzbar zu machen, sollte jeder Ortsverein sich mit einem Werberuf an die Frauen wenden. Die Frau werde ihren größten Schatz an Gefühlswerten dazu benutzen, um dem Niedergang der Politik zur nackten Interessenvertretung ein Gegengewicht zu bieten. Es gilt heute den in der Frau ruhenden Enthusiasmus auch für die Politk zu erwecken; ihrer Kleinarbeit soll und wird es gelingen, die große Menge der Nichtwähler zu verringern und in Söhnen und Töchtern ein so starkes politisches und vaterländisches Gefühl zu erwecken, wie es anderen Nationen längst zu eigen ist. Aus dem Reichsland. Auf das wiederholte Ansinnen des Bischofs Benzler an die Regierung, dem Priestermangel seiner Diözese durch Zulassung von Geistlichen aus Frankreich abzuhelfen, ist ihm die Antwort geworden, daß sie solange diesem Ersuchen nicht entsprechen können, als ein Teil der ihm unterstellten Priester dem seelsorgerischen Berufe durch die Tätigkeit in den Redaktionsstuben entzogen würde. Die Agrarier als Vorbild für die Großbrauereien! München, 14. Sept. Eine Aufsehen erregende Tischrede hat der Direktor der bayrisch n Akademie für Landwirtschaft und Brauereien, Prof. Dr. Hans Vogel, beim Eröffnungsessen der Deutschen Brauereiausstellung in München gehalten. In seinem Toast auf das Brauereigewerbe sagte er:„Schließen wir uns zusammen wie die Agrarier, sie haben den Brauereien den einzigen Weg gewiesen, wie sie sich ihr Recht auf bessere Zeiten schaffen können.“ Er behauptete dann,„der Staat treibe mit seiner ganzen Sucht, nur die kleinen Brauereien zu schützen, die großen dem Ruin entgegen.“ Die Rede wurde vor 250 Teilnehmern im Festsaal in Gegenwart des Thronsolgers Prinzen Ludwig und in Gegenwart der Spitzen der Behörden gehalten. Der Thronfolger hatte kurz zuvor in seiner Ansprache unter gleichzeitiger Zustimmung der Anwesenden betont, daß das Bierbrauen immer noch ein sehr einträgliches Geschäft sei. Stadtheater in Dortmund. Donnerstag, 16. Sept. Eröffnungs=Vorstellung. Anfang 7½ Uhr. Operpreise. Serie A. Nr. 1, grüne Karten. Fidelio. Große Oper in 2 Aufz. von Ludwig van Beethoven. Freitag, 1. Sept. Anfang 7½ Uhr. Schauspielpreise. Serie B, Nr. 1, braune Karten. Zum ersten Male. Die Karolinger. Trauerspiel in 4 Aufzügen von Ernst v. Wildenbruch. Sonnabend, 18. Sept. Anfang 7 Uhr. Operpreise. Serie C, Nr. 1, rote Karten. Lohengrin. Romantische Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner. Sonntag, 19. Sept. Anfang 7½ Uhr. Opernpreise. Carmen. Große Oper mit Ballet in 4 Aufzügen von Georges Bizet. Stadtheater in Hagen. Donnerstag, 16. Sept. Abends 7½ Uhr: 1. Abonnementsvorstellung der Serie Gelb. Zum ersten Male: Der König“ Komödie in 3 Akten von Caillavet, Flers u. Arene. Freitag, 17. Sept. Abends 8 Uhr: 1. Abonnementsvorstellung der Serie Blau. Zum ersten Male: Die fremde Frau. Schauspiel in 4 Akten von A. Bisson. Sonnabend, 18. Sept. Keine Vorstellung. Sonntag, 19. Sept. Abends 8 Uhr: Zapfenstreich, Drama in 4 Akten von A. Beyerlein. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 16. Sept.: Veränderlich, wolkig, normal, Strichregen. 17 Sept.: Bewölkt, teils heiter, normal, herbstlich. 18. Sept.: Vielfach bedeckt mit Regen, kühler, teils heiter. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, und Inserate: Friedrich Kraas; Dru von Carl Braus. sämtlich in verwandte Provinzielles ck und Verlag Zcwerte. Waranf! sparen tausende Hausfrauen so sehr viel Geld, die in PorkerS Spozial-asschat ihre Butter, Margarine, Kaffee, Käse, Eier, Fleisch- und Wurstwaren usw. kaufen. An die Zahlung der Kirchensteuern wird mit dem Bemerken erinnert, daß am 20. ds. Mts. das Mahnverfahren beginnt. 4810 Schwerte, den 13. September 1909. Nehring. Karlosser= und Die Kley zitz'schen Gärten S Weil Peiffer's Spezialgeschäft durch den Massenverbrauch für die vielen Geschäfte beim Einkauf die grössten Vorteile geniesst und deshalb bessere und billigere Waren liefern kann wie andere Geschäfte. Peiffer’s Spezialgeschäft nur prima Ware aus nur erstklassigen Fabriken zu den billigsten Preisen verkauft. IVgfl Peiffer’s Spezialgeschäft trotz der prima Ware, den billigen Preisen Rabatt-Marken verabreicht. Peiffer’s Spezialgeschäft trotz der Rabatt-MarWVerr ken auf Margarine, Kaffee, Malzkaffee i. P., Fleisch- und Wurstwaren noch extra Bons 4845 verabreicht, wofür man wie bekannt hübsche Zugaben oder auf Wunsch bares Geld erhält. uns nun meiner verehrten Kundschaft das Sparen der Rabattmarken zu erleichtern, gebe ich von heute bis Samstag auf Margarine u. Kaffee doppelte Rabatt-Marken. Peiffer's Spezial-Geschäft Inhaberin: Anna Peiffer nur 1 Schwerte Hagenerstr. 1 nur im Hause des Herrn Purscher. Ca. 30 Verkaufsstellen in Rheinland u. Westfalen. Niemand darf unterlassen, sich von meiner hochfeinen Ware und den;sehr billigen Preisen zu überzeugen. Bitte meine Schaufenster zu besichtigen. Samstag den 18 September, nachnijktags 4 Uhr verkaufe ich für die Baumschulen Ebberg 3 Morgen Kartoffeln in der Nähe von Köttershof, 2 Morgen in der Nähe der Holzener Schule, und um 6 Uhr für Herrn 4813 Mersmann 2 Morgen Grummel. 4770 kormen am onnabend den 18. Septbr. zur Neu=Verpachtung rind zwar: nachmitto gs 5 Uhr im Oelkamp u. oberhalb des Oelkamps u. nachmittags 6 Uhr sämtlich e Gärten am Dortmunde: Weg öffentlich meistbietend an Ort und Stelle. Holzen D. Jacobs. Hohenschwert Schwerte. Fahnen Reinecke, Hannover 49. soll man nur in einem reellen Geschäft kau sen, welches seit Jahren diesem Artikel ganz besondere So„gsalt zuwendet. Doppelt gereinigte stav Pfreie Federn. Starken federdichte Barchent.— Verkaufe unter langjähriger Ge,„rantie jeden Bettes: Vollständiges 1½schläfiges Ober= oder AI g(erheit mit 7 Pfund gereinigten Federn gefüllt.“s., 7.00 und 9,00 Mk. Vollständiges 2schläsiges Ober= oder Ur(xhoff it 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt ur#5e4 mie** Vollständiges 2schläsiges Ober= oder 1 gereinigten Federn gefüllt Vollständiges 2schläfiges Ober= oder gereinigten Halbdaunen Großes 2schläsiges Pfühl gereinigten Federn gefü Großes Kissen mit 2 bis 3 Pfuni gefüllt Fertige 2schläsige Stroh Bessere 1= und 2schläfige vollst Auf Wunsch Füllung de Betten mit weniger Interbeit mit 10 Pfuni Unterbekt mit 10 Pfund gefüllt — mit 3 Pfd. Ut 12,50 Mk. 15,50 Mk. 17,50 Mk. 4,00 Mk. vereinioten Pobr 2.50 u. 30 säcke 1,50 Mk. bis 2,00 Mk. äindige Betten von 50,00—120 Mark. r Betten im Beisein der Käufer. Inhalt entsprechend billiger. Schwer Mr Bacbe ere Zeiten schaftreibe mit seiner schützen, die grovor 250 Teilnehrs Prinzen Luden gehalten. Der iche unter gleichiß das Bierbrausei. ng. Anfang 7½ Karten. Fidelio. ethoven. lpreise. Serie B, Die Karolinger. senbruch. (preise. Serie C, Oper in 3 Aufzünpreise. Carmen. Georges Bizet. Abonnementsvor: Der König", KoArene. nementsvorstellung emde Frau. Schautreich, Drama in warte. richregen. rbstlich. er, teils heiter. und verwandte —* * Provinzielles “ c und Verlag Zchwerte. en 18. Septbr. ur zwar: 5 Uhr im Oelerhalb des Oelhmittags 6 Uhr irten) am Dortg öffentlich meistrt und Stelle. Schwerte. hnen Hannover 49. Jahren ,00 Mk. 2,50 Mk. 5,50 Mk. 7,50 Mk. 4,00 Mk. 3,00 Mk. 10 Mark. Sm. S 8 0 S 8 5 OFG oEC OSer-e SngEE: Soggs **** S SöS E ü-Sugeggag 00r. S SESE, BOS-SDEEES 5/88 BO5SZOSBAEES: „:9 8AUSOEES2 ee ar 9gx 55—. FS S95 8 SES SESE cn 75 8— 8 5 SSSOESSSS S ..— 8 *.W*** ** 0 * O SU WEES 5 S 5 8 SMUE a536 B 55 S a S S 5 5 5g * SOE SS * S S 786 8 S 8 S##S#5n S.ES S a%e: S 5.802.9 S•gE S S 5500 „ S* 5 9* S 2. E.S020 SOS 80 5 9:* *• 8 S 81 S#L* — 0 E5 2 9.65* S S 5 E 28980 S0 8%0 9%82 2 05 9888SE ** 8.5 8 S Zig iot S 9 Sc —.* 9•S.— S **•— 8 4 "— 2 g S 3 2 * 2 8 8 ## S S SgSSg S üEgTBFSE Bg * Sn 91* SaEZR S 8 85 * G•ES 2— S•2 ** 18.— S S Sgin S•SzIE 5 80 EUBUGLSS SS 8 2 2 E 9 5# *∆ 2 S 8 S S*9 8 8 * 5 2 85 2 8 „ S 8* 2MENE S SSSE S SSSPAEUGREEE S 2 • * a* S 8 8 # S 8 S### Eine heiße Röte stieg in mein Gesicht. „Ich versichere Ihnen, daß ich durchaus nicht verzweifelt bin,“ entgegnete ich.„Ich besitze wohl augenblicklich keine Barmittel mehr— oder doch so gut wie nichts— aber ich habe in Deutschland einiges gelernt und bose, einigez, beisich zu Wöjicheren Abnehmer zu Studie dort, für vie ich einen jicheren Abnehmer zu haben glaube, ist bald beendet, und ich bemühe mich auch um irgendeinen Hauslehrerposten. In der Zwischenzeit hoffts ich mich durch Vorträge und ähnliches durch„Da bin ich Ihnen heut im Wege gewesen. Slanien teilte mir mit, daß Sie zufällig an dem gleichen Tage wie ich über ein ähnliches Thema sprechen wollten. Sie hatten Ihre Vorlesung längere Zeit angekündigt, und ich hätte Ihr Vorrecht trotz der Aufforderung des Groß=Bojaren nicht verletzt, wenn ich etwas davon gewußt hätte.“ Isch hate kein Vorecht, sogte 1ch. und ie. wöre für mich wohl nicht viel mehr dabei herausgekommen als die Anwartschaft auf ein paar Mittagessen.“ Und als er schwieg, fügte ich hinzu: „Der einzige Verlust, den ich dabei gehabt habe, ist eine Einbuße an Selbstachtung. Ich wollte meine Vorlesung über die vaterländische Geschichte wirklich nur halten, um mir ein paar Lei zu verdienen. Und man darf sich da kein patriotisches Mäntelchen umhängen.“ „Sie sind noch sehr jung,“ meinte er lächelnd. „Sonst würden Ihnen derartige Bedenken nicht kommen. Vorträge von der Art, wie Sie ihn halten wollten, sind bei der Bildungsstufe, auf der die Landbevölkerung noch steht, immer gut und nützlich. Und daß, Siesich ein weniges damit verdienen wollten, gereicht Ihnen gewiß nicht zur Unehre. Bewunderungswürdig genug, daß Sie nicht schon zu anderen Mitteln gegriffen haben.“ Er schwieg und starrte mit zusammengezogenen Brauen in die Flammen. Ich beobachtete ihn und empfing den Eindruck, daß es Gedanken unerfreulicher Art sein müßten, die ihn beschästigten. Dabei ging mir durch den Kopf, was ich von diesem Manne im Laufe der Zeit gehört hatte. Es gab Leute, die ihn bis in den Himmel hoben— aber es gab auch viele, sehr viele, die ihm grimmig feind waren. Niemand versagte seiner unerschrockenen Kühnheit und seinem durchdringenden Verstande seine Bewunderung. Aber man schalt ihn hart und einseitig, und man war allgemein der Ansicht, daß er vor keinem Mittel zurückschreckte, wenn der gute Zweck es seiner Meinung nach verlangte. Er kämpfte für eine Heeres=Reorganisation und für die Einführung bedeutsamer Reformen. Namentlich für die Landbevölkerung, die ja noch fast durchweg aus Analphabeten besteht und keine Ahnung davon hat, um wie vieles besser als in der seit Jahrhunderten gepflogenen Art sie den überreichen heimatlichen Boden verwerten könnte, suchte er einen erträglicheren Zustand herbeizuführen, und unter ihr hatte er seine meisten Anhänger. Sein Name allein wirkte begeisternd und hinreißend auf die Bauern, und sie schworen auf jedes seiner Worte. Ungleich mächtiger und gefährlicher waren seine Gegner. Fast der gesamte rumänische Hochadel, die Groß=Bojaren, deren Reichtum in ihrem Landbesitz besteht und die fast alle einflußreichen öffentlichen Aemter in ihren Händen haben, suchten ihn niederzukämpfen. Nicht ohne Grund; denn viele der von ihm angestrebten Reformen richteten sich ja direkt gegen die Interessen des hohen Adels. Wirklich— wenn er da bis heute standgehalten hatte, so mußte er schon über ein ungewöhnliches Maß rücksichtsloser Kühnheit und Standhaftigkeit verfügen, Und man hatte ihn ja nur anzusehen, um dieses urteil bestätigt zu finden. Plötzlich strich er sich mit der Hand über die Stirn und wandte sich mir wieder zu. „Was ich sagen wollte— jedenfalls bedauere ich, Ihren Plänen hinderlich gewesen zu sein. Als mir der Ortsvorsteher von Ihrem Vortrag erzählte, nahm ich mir sofort vor, Sie auf der Heimfahrt aufzusuchen und mich zu entschuldigen. Gut, daß ich es nicht auf morgen verschob.— Uebrigens hätte ich es wohl weniger eilig mnich nicht hätte überzeugen wollen. gehabt, wenn ich mich nacht zutte nr-gragen wollen, ob Sie wirklich mit dem verabschiedeten Butarester Sie haben viele Fragen gestellt, und ich habe sie ohne jeden Rückhalt beantwortet. Darf ich mir nun auch meinerseits gestatten, Sie um eine Ich nahm es für eine ub),„ Haben Sie meinen Vater gekannt?“ Der Zug, der jetzt auf seinem Antlitz erschien, ließ es mich begreifen, daß selbst seine gewaltigsten Gegner p ue sich habe ihn gekannt; sagte er.„Und wenn ich glauben müßte, daß Sie auch nur eine einzige Eigenschaft von ihm geerbt haben— mich würde jeder Bissen gereuen, den ich Ihnen vorhin reichte.“ Ich fuhr auf. Mein Gesicht brannte. „Unter solchen Umständen möchte ich Sie bitten, sich nicht länger aufhalten zu lassen,“ sagte ich mit zitternder Stimme. Aber er rührte sich nicht. „Ich habe keine Veranlassung dazu,“ entgegnete er gelassen.„Ich habe nichts Uebles von Ihnen gehört. Und ich pflege einen Menschen nicht zu verachten, nur „Herr Oberst!— Ich werde Ihnen nicht gestatten, auch nur ein kränkendes Wort über meinen Vater zu sagen. Ich würde mich gezwungen sehen, es als eine persönliche Beleidigung zu betrachten.“ uen Blig Er sah mich scharf an, aber ich hielt seinen Blick ruhig aus. Da lächelte er wieder. „Weshalb sollten wir auch von Ihrem Vater reden!“ meinte er.„Ich habe es ja nur mit Ihnen zu tun.— Ich habe mir vorhin erlaubt, Ihre Arbeit da“— er deutete mit einer Kopfbewegung auf das Manuskript „durchzublättern. Und ich habe ein Kapitel darin gesunden, das von den Verteidigungsmöglichkeiten der serbischen Grenze handelt. Würden Sie mir diesen Teil und das erste Kapitel über die Sereth=Linie auf ein paar Tage überiassen?" „Wenn Sie es wünschen—“.... „Ich wünsche es in Ihrem Interesse. Und ich wäre Ihnen für die Erlaubnis verbunden, es auch anderen Personen vorlegen zu dürfen. Es könnte sein, daß ich auf diese Weise eine angemessene Beschäftigung für Sie ausfindig machte.“ „Dann habe ich natürlich nichts dagegen einzuwenden. Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich Ihnen für Ihr Wohlwollen und Ihre Mühewaltung danken „Dadurch, daß Sie sich alle Dankesäußerungen ersparen.— Ich habe Ihnen ja auch noch nichts Bindendes versprochen. Ob Sie für den Posten, an den ich denke, geeignet sind, das hoffe ich erst aus Ihrem Aufsatz zu ersehen. Und ich würde natürlich auch bei Ihrem Regiment Auskünfte einholen müssen. Dagegen haben Sie doch wohl nichts zu sagen?“ „Durchaus nicht!— Und ich selbst stehe Ihnen mit jeder gewünschten Erklärung zur Verfügung. Nur heute „Heute abend sind Sie zu müde und angegriffen — natürlich! Und ich will Sie jetzt nicht länger um Ihren Schlaf bringen.“ (Fortsetzung folgt.) — — :— 85 S 8 S O EEG'S S# SE 9 5 S B Lx * 9 8 *e* 5 8E a 5 # 9 S SZrS S 47 c. — — Denkspruch. Das Göttliche ist uns nirgend näher, als in unserem eignen Herzen. Klopstock. Krank. Von Anton Tschechoff. (Autorisierte Uebersetzung.) (Schluß.)(Nachdruck verboten.) Als er sich entschloß, Heg, Kopf zu erbeßezeuger es in dem Waggon fast schon hell. zogen ihre Pelze an und machten sich bemerkbar; der Zug hielt. Die Gepäckträger mitz iägentmw gie g izen und ihren Schildern drängten sich am die Rei##nden und nahmen ihre Pakete. Klimoff zog seinen Mantel an und stieg, den anderen Reisenden mechanisch folgend, aus dem Waggon. Ihm war's, als ginge nicht er mehr, sondern als bewege sich an seiner Stelle ein anderer, ein Fremder... Er hatte die Empfindung, als wären sein Fieber, sein Durst und die 9rätg Bilder, die ihn die ganze Nacht hindurch vom Su en zu, mit ihm aus dem Wagggzggftzsgen. nisch nahm er sein Paket und rief einen Knischer. Der schtschik verlangte 1¼ Rubel für die Fahrt nach der Powarslajastraße. Klimoff handelte nicht einen Augenblick und setzte sich ohne Widerrede ruhig in den Er verstand noch die Bedeutung der Zahlen, chütten. Er verstand noch die Bedeutung der Zahlen, doch das Geld hatte schon keinen Wert mehr für ihn. Zu Hause kamen ihm seine Tante und seine Schwester, ein junges Mädchen von 18 Jahren, entgegen. und er erinnerte sich, daß sie sich auf das Erzieherinnenexamen vorbereitete. Ohne auf die Fragen und Begrüßungen zu antworten, begann er, da er vor Hitze erstickte, ziellos durch die Stuben zu laufen. Bei seinem Bett angelangt, sank er auf das Kopftissen nieder. Der Finnländer, die rote Mütze, die Dame mit den weißen Zähnen, der Duft des gebratenen Fleisches, die zuckenden Flecken tanzten ihm im Kopfe herunz g. gr. erßie schon nicht mehr, wo er war, und hörte nicht mehr die der Seinen, die sich ängstlich um ihn Als er wieder zu sich kam, sah er sich entkleidet im Bett liegen; er erblickte eine Wasserkaraffe und Paul, der neben ihm stand. Doch deshalb war Klimoff noch nicht erlöst, er oder behaglicher. Er konnte nicht wie früher seine Arme und seine Beine bewegen, die Zunge klebte ihm vune und bund er thorte die Peise des Finnländers quietschen. Neben seinem Bett bewegte sich ein dicker schwarzem Bart, der den Burschen mit seinem sagen, Mann,“ brummte der Doktor.„Sehr gut, sehr gut!“ Der Doktor nannte Klimoff„junger Mann“, anstatt„ja“ sagte er„jä“! „Jä, jä, jä,“ flüsterte er.„Na, na, na!... Sehr gut, junger Mann... Sie dürfen nicht den Mut Die schnelle, nachlässige Sprechweise des Doktors, sein dickes Gesicht und sein protegierendes„junger Mann“ ärgerten Klimoff. „Warum nennen Sie mich immer junger Mann?“ stöhnte er.„Was soll diese Vertraulichkeit? Zum er erschrak vor seiner eigenen Stimme. Sie klang so trocken, schwach und pfeifend, daß man sie nicht zu erkennen vermochte. „Gewiß, gewiß,“ murmelte der Doktor, ohne sich im geringsten aufzuregen;„aber Sie dürfen sich nicht ärgern... Jä, jä, jä...“ Die Zeit verfloß zu Hause ebenso erstaunlich schnell wie im Waggon. Auf das Tageslicht folgte in dem Schlafzimmer gleich die Dämmerung. Klimoff hatte die Empfindung, als verlasse der Arzt sein Bett keinen Augenblick. Beständig vernahm er sein„Jä, jä, jä...“ Fortwährend und ununterbrochen zogen Gesichter durch das Zimmer. Da sah er Paul, den Finnländer, den Hauptmann Jarotschewitsch vom zweiten Regiment, den Sergeant=Major Maximenko, den Offizier mit der roten Mütze, die Dame mit den weißen Zähnen, den Doktor.. Alle sprachen, gestikulierten, rauchten und aßen. Einmal, am heilichten Tage, sah Klimoff sogar den Beichtvater seines Regiments an seinem Bett stehen, den r A l e x a n d e r. E r t r u g d i e S t o l a u n d h i e l t d a s Sakrament in den Händen. Dabei murmelte er etwas mit einem Ernst, den Klimoff nie an ihm bemerkt hatte. Der Leutnant erinnerte sich, daß der Vater Alexander liebevollerweise alle katholischen Offiziere„Liaken“*) nannte, und rief ihm, um ihn heiter zu stimmen, zu: „Vater, du weißt doch, daß der Liake Jarotschewitsch zur Zeit des Aufstandes in die Wälder gelaufen ist!**) Doch der Vater Alexander, der sonst stets lustig und heiter war, lachte durchaus nicht; er wurde im Gegenteil nur noch ernster und machte das Zeichen des Kreuzes über Klimoff. Nachts gingen abwechselnd zwei Schatten geräuschlos durch das Zimmer. Das waren Klimoffs Schwester und Tante. Die Schwester kniete nieder und beten, sie verneigte sich vor dem Heiligenbild, und ihr in der Wand verneigte sich auch, so daß zwei Schatten zu Gott beteten. Die ganze Zeit seiner Krankheit hindurch wurde Klimoff von dem Geruch des gebratenen Fleisches und der Pfeife des Finnländers gequält, doch einmal verspürte er einen scharfen Weihrauchduft. Vor Ekel drehte er sich konvulsivisch in seinem Bett um und begann zu schreien: „Weihrauch!... Nehmt den Weihrauch fort!“ Es erfolgte keine Antwort. Man hörte nur irgendwo Priester mit gedämpfter Stimme singen, auch schien jemand die Treppe hinunterzulaufen. Als Klimoff wieder zu sich kam, war niemand im Er betrachtete das Licht, die ihm bekannten Möbel, die Tür, und begann sofort zu lachen. Ein sanftes, glüc liches, leises Lachen erschütterte seine Brust und seinen Bauch, und ihm war's, als kitzle ihn jemand. Ein Gefühl endlosen Glückes und animalischer Freude, wie sie wohl der erste Mensch empfinden mußte, als er die Welt erblickte, überkam ihn vom Kopf bis zu den Füßen. Klimoff empfand den leidenschaftlichen Wunsch, um sich Leute zu sehen und sprechen zu hören. Sein Körper lag schwerfällig da wie eine Masse, und nur seine Arme bewegten sich. Doch er achtete kaum darauf; seine ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf Nebensächliches. Er freute sich über seinen Atem, uoer sein Lachen; er freute sich, daß eine Karaffe, eine Decke, Bänder an den Vorhängen existierten. Gottes Welt erschien ihm selbst an E ein Schaltziumer vor,rschient Haichle der Leutrant: gohgrig, Ala der Dottor ertcer hh was ist voch die Medizin für eine schone Sache! Potiaten— Poben, 1663. Du, Anhinger versteckten **) Aufstand vom Jahre 1eos. Ti anhang= sich in den Wäldern. c — als notwendig heraus gestellt, daß der Landungsglatz insoeinen Abmessungen erweitert wird, als die Jusumm der eigentlichen Landungsstelle entfernt Aufese e o#a sonst die Vewegungen des Luftschiffes gefährdet werden könnten. Die mit Karten versehenen Perwerden an der Lührmannstraße Ausstellung nehmen, ein Teil des anderen Publibums wird vielleicht gleichfalls dort och Platz finden, doch dürfte es sich empfehlen, die Landungssver von einer der benachbarten Höhen aus zu beobachten, um so die Sicherheit guten Sehens zu gewinnen. Zu den Landungsmanövern werden 150 Mann Militär herangezogen werden. Ein Oberst weilte heute hier, um die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Die Absperrung erfolgt durch die verstärkte Polizei und etwa 300 Bergleute in Uniform, die auf Ansuchen des bergbaulichen Vereins die Absperrungsmaßnahmen unterstützen werden. An der Fahrt von Düsseldorf nach Essen nehmen u. a. teil Direktor Gillhausen und Professor Dr. Bammler(Essen). An der Weiterfahrt ab Essen nimmt u. a. Oherbürgermeister Geh. Reg.=Rat Holle teil. Düsseldorf, 16. Sept.„Z. 3“ wird voraussichtlich Sonnabend mittag mit Oberbürgermeister Marx hier eintreffen und am Sontag den Ausflug ins Industviegebiet unternehmen. Alsdann wird er wieder nach hier zurück kehren, um am Montag die Heimreise anzutreten. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung am Landungsplatz auf der Golzheimerheide sind der Stadtverwaltung 2 Kompagnien Infanterie und 50 Kürassiere zur Verfüig gestellt, die im Vereine mit der hiesigen Polizeimannschaft den Dienst versehen werden. Eine Anzahl hiesiger Herren wird an dem Auflug teilnehmen. Graf Zeppelin beteiligt sich bestimmt nicht an der Fahrt. Zwischenfall beim Aufstieg des Parseval 3. Frankfurt, 16. Sept. Der„Parseval 3“ stieg gestern nachmittag um ½5 Uhr auf. Dabei ereignete sich ein aufsehenerregender Zwischenfall: ein Artillerist, der zur Bedienungsmannschaft gehörte und eines der am Luftschiff befestigten Taue halten wollte, wurde beim Aufstieg mit in die Höhe gezoen. Das Seil hatte sich bei dem Auffahren um die Beine des Soldaten geschlungen.. Das nach Tausende zählende Publikum wurde zunächst vor Schrecken sprachlos. Der Mann schrie, hatte aber die Geistesgeenwart, ein wenig emporzukletter und mit einem Fuß in eine Schlinge des Seiles zu gelangen, sodaß er ziemlich festen Halt hatte. Die Insassen der Gondel des„Parseval“ bemerkten anfänglich nichts; erst als ein Beamter eine weiße Fahne schwang, wurde man aufmerksam. In einer Höhe von ungefähr 50 Metern stockten die Motore, eine Landung war jedoch nicht möglich, da man sich über dem Eisenbahndamm befand und in der Nähe von Häusern. Das Luftschiff mußte eine Linksschwenkung machen und landete nach drei Minuten auf dem Flugplatz. Dort wurde der arme Soldat aus seiner gefährlichen Lage befreit. Nach Aufnahme neuen Wasserballastes unternahm sodann das Luftschiff ohne Störung den Aufstieg. Kinder= und Frauenarbeit. Auf Kongressen und Jahresversammlungen ist letzthin wieder das Kapitel der Kinder= und Frauenarbeit, unstreitig ein äußerst wichtiges, eingehend erörtert worden. Viele gute Vorschläge und Wünsche wurden dabei laut, aber auch nicht wenige einseitige Beobachtungen. Es ist hervorgehoben, daß noch mehr als bisher geschehen müsse; aber es ist übersehen, die Scheidegrenze zwischen unseren mittleren und kleineren Städten einerseits und den größten Bevölkerungs=Zentren andererseits zu ziehen. Wenn Kinder, Mädchen und Frauen sich in den ersteren eine gewisse Zeit beschäftigen, so erfolgt das ohne de weiten vorherigen Weg, der in den letzteren meist der Arbeit vorangeht; und überall haben sie Licht und Luft dicht vor der Nase, die ihnen auch deheim zu Hause bleiben, während sie in den weiten Häusermeeren nur zu oft fehlen. Und die Kritiker der heute geltenden Bestimmungen haben eins fast ganz übersehen: In den größten Städten werden heute die heranwachsenden Schulkinder von den Eltern oder erwachsenen Geschwistern„in Mithilfe“ oft mehr zur Arbeit herangezogen, wie es bei der Tätigkeit für einen fremden Arbeitgeber nach den gesetzlichen Vorschriften geschehen darf. Das ist in MittelKleinstädten im Allgemeinen ausgeschlossen, denn dort besteht nicht die Notwendigkeit, dermaßen für die Miete zu arbeiten, wie etwa in Berlin und anderswo. Die Mädchen= und Frauen=Arbeit in gewerblichen und industriellen Betrieben, sie muß sein. Ganze Industrien sind darauf aufgebaut, die Bevölkerung ganzer Landstriche rechnet au den Verdienst als einen unbeding tnotwendigen Beitrag zur Lebenhaltung. Aber es muß nicht sein, daß sich der A zur weiblichen Arbeit in einem Maße äußert, der oft genug weit über das Bedürfnis hinausgeht. Und Gegenden, in welchen weibliche gewerblich Arbeit, hraut, venze, ten ist, genauer kennt, der hat gefunden, daß die ju—= chen, die keine Fabrik=Arbeit erhalten können, lieber bei magerer Kost zu Haus sitzen, wie sich im Wirtschafts=Betriebe auszubilden. Das ist der wunde Punkt und bleibt es: Tausende von jungen Mädchen könnten Stellungen als Hausgehilfinnen überall finden, hätten gesunde Beschäftigung, nahrhaftes Essen, lernten gründlich Bescheid für ihre künftige eingene Wirtschaft; aber dazu fehlt die Lust trotzdem das weibliche HaushaltungsPersonal schon mehr wie behutsam behandelt wird. Mag es überall nicht gleich sein, auch der andere Teil ist nicht allenthalben von vollendeter Güte. Jedenfalls ist feststehend, daß viele behagliche Wirkungskreise überall winken. Daß sich, besonders in großstädtischen Arbeiterfamilien, woher auch regelmäßig die lautesten Klagen erschallen, die häuslichen Verhältnisse in Folge der nicht genügenden Bekanntschaft der Frauen mit der Wirtschaft bedeutend verschlechtert haben, ist bekannt. Was für prächtige und umsichtige Frauen haben viele ältere Gewerbegehilfen und Arbeiter; aber wenn die Töchter oder Schwiegertöchter dem Beispiel folgen sollen, dann gibt's schon Protest. Besser ist's in Mittel= und Kleinstädten immer noch geblieben; aber so wie früher ist's auch nicht mehr, namentlich nicht in der Nähe von größeren Städten. Alles in Allem: Wenn über diese und verwandte Themata auf großen Versammlungen Reden gehalten werden, dann sollen sie den Kern der Sache treffen, nicht das äußere Bild. Sonst gibt er Wirrwarr! Letzte Drahtmeldungen. Reichstagswahl in Koblenz. Koblenz, 16. Sept. Bei der vorgestrigen wahl im Wahlkreise Koblenz=St. Goar erhielten Wellstein(3.) 11 462 und Haas(Soz.) 2844 Stimmen Wellstein ist somit gewählt. Es ergibt sich also, daß die Stimmenzahl des Zentrums gegen 1907 um 7770, d. h. um ziemlich genau 40 Prozent gegen 1903 um 4123, zurückgegangen ist. Dagegen haben die Sozialdemokraten gegen 1907, 672 Stimmen, d. h. 30 Prozent, gegen 1903 837 Stimmen gewonnnen. Taucherunglück. Ravenna, 16. Sept. Als gestern früh vier Taucher damit beschäftigt waren, eine Dynamitkapsel zu entfernen, die zur Sprengung unter Wasser im hiesigen Hafen verwendet werden sollte, aber nicht zur Explosion gebracht werden konnte, erfolgte unvermutet die Entladung. Drei Taucher wurden getötet, der vierte verletzt. Graf Posadowsky gegen den Alkoholismus. Nürnberg, 16. Sept. In der Sitzung des zurzeit in Nürnberg tagenden Kongresses des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch alkoholischer Getränke hielt der frühere Staatssekretär Posadowsky eine Rede, in der er der Auffassung entgeentrat daß Trinkfestigkeit das Zeichen wahrer Männlichkeit sei, und in der er die Einschränkung der Zahl der Wirtschaften und die Fortsetzung des Kampfes gegen den Alkoholismus forderte, um unserem Volke die volle Wehrfähigkeit zu erhalten und die wahre Lebensfreude wiederzugeben. Bethmann Hollweg und Iswolski. Berlin, 16. Sept. Bei dem Mahle in der russischen Botschaft am Dienstag fand eine längere intime Aussprache zwischen dem Reichskanzler und dem russischen Minister des Auswärtigen Sswolat katt. Wochenmarktspreise. Schwerte, 15. Sept. Kartoffeln 4,— u. 3.50; Butter 1,30 u. 1,20; Eier 13 Stck. 1.—; Rindfleisch 70 u. 60 Pfg.; Schweinefleisch 90 Pfg.; Kalbfieisch 80 Pfg.; Hammelfleisch 70 Pfg.; geräuch. Speck 90 und 80 Pfg. 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Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 3½ Uhr vom Sterbehause, Hüsingstrasse aus statt. Kondolenz-Besuche verbeten. 4858 We WA gerte M STRUMPFE nöche BLUSEN JIRITDAFE CAROINEN VORHANGE #. Sezen P•TUCHER WE tc S Wnn Voranzeige. Im kommenden Winterhalbjahr sollen in Schwerke sechr Volnsnunstareit? stattfinden. Dieselben sollen Vortrag, Gesang, Rezitation und Lichtbilder bieten und zwar ist bisher folgendes Programm vorgesehen: Oktober: Elternabend zur Aufklärung über die Schundliteratur. November: Detlev v. Liliencron=Abend(aus Anlaß seines Todes im Juli d. J.) Dezember: Deutsche Weihnacht in Dichtung, Musik und Bild. Januar: Fontane=Abend. Februar: Deutscher Humor in Dichtung, Musik und Bild. März: Westfalens Dichter. Es wird streng darauf gehalten werden, daß weder politische noch religiöse Momente in das Programm hineingetragen werden und daß nur wirkl ich Gediegenes zur Darstellung kommt. Als Lokal hat der Magistrat bereitwilligst die Aula der höheren Töchterschule zur Verfügung gestellt. Der Eintriktspreis ist ganz gering gehalten, damit jeder, gleichgültig wes Standes und Alters er sei, das Kommen ermöglichen kann. Der Einzelabend kostet nur 25 Pfg., alle sechs Abende zusammen 1.20 Mark. Ein eventueller Reingewinn wird der städtischen Armenkasse zugewiesen werden. Näheres wird noch bekannt gegeben. Waldemar Gröhn Redakteur der„Schwerter Jeitung.“ 4837 Heute ein brauner Jagdhund auf den Namen„Ponto“ hörend, entlaufen. 4853 Wiederbringer erhält Belohnung. Schulte=Osthennen. Otto Marx' 3 Mark Korsekt ist das beste. Hamburger Engros=Lager 2153 Schwerte, Ostenstraße 20. Wegzugshalber einen schönen Köchhere billig zu verkaufen. 4816 Ostenheide 27. Habe mehrere. 4850 schone Ferkel zu verkaufen. August Ohm, Hermannstraße 201 am Messingwerk. Drei gebrauchte Zimmeresen zu kaufen gesucht. Angebote unter G. 4822 an die Geschäftsstelle d. Bl. 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Althoff zu Holzen und für die Metzger in Westhofen der Trichinenschauer Louis Goedecke zu Westhofen bestellt. Westhofen, 10. September 1909. Der Amtmann. I. V.: Der Beigeordnete: Dieckerhoff. Wahnlatur-Ranier(zum Einwicheln z.) gibt billgst ab Mükulatur=Papirt Buchdruckerei Carl Braus. 40 für beste Qualität bürgt. Dr. Oetker’s Zuckerist der beste und billigste Ersatz für Vanille. Zum Backen nur das echte Dr. Oetker’s Backpulver. Ueber 1000 Meter nur gute Kleiderstolfe habe ich weit unter Preis erworben! Gute schwere halbw. Kleiderstoffe das Meter nur 75 u. 85 Pf. ich verkaufe unter Garantie) Gute reinwollene Kleiderstoffe das Meter nur 95 u 1.— Nk. für gutes tragen Gute reinwollene Blusenstoffe das Meter nur 1.15 u. 1.20 Mk. Früherer Preis bedeutend höher! Niemand sollte sich diesen seltenen Gelegenheitskauf entgehen lassen. 4797 Schwerte Hüsingstrasse 3. Wilhelm Sämtliche Sowrarsgener und für Schstige Lenrittel Progymnasium. Höh. 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