100 Amtuches Kresbicht - farden kreis werti ernr Schvener Goksbiaut 6 General=Rnseiger für den Kreis höfte„O is eh e kreis- und lokalpolizelichen verorhgungen für den RreiDie“schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Ik. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentliche Gratis-Bellagen: o“Illustrierter Familienkreund“ und Unterhaltungs-Blatt.# Anzeigenpreis Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung geAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstützung sde uF, Sdiuzt Ger. I Erstes und ältestes Cagesorgan des Rreises H haupt-Hnnoncenvian Nlie kreis- und lokalpolizeilichen veroränungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“schwerter Zeitung“ rechtso c c o c c verbindliche Rraft o o c c c Druck und Uerlag von Garl Braus Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62 Telegr.=Aäresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 202 Montag den 30. August 1909 41. Jahrg. Die Führt des 13 9 Berlin. Die nach dem; verunglückten Pfingstsonntag beschlossene, auf den 28. August festgesetzte Fahrt Zeppelins nach Berlin hat nunmehr wirklich stattgefunden, nicht ohne Fährlichkeiten und Enttäuschungen, aber sie hat doch gut, sogar sehr gut geendet. Sie hatte Freitag zum Entsetzen der Abergläubischen nach starkem Regen begonnen. Wiederholt mußte das Luftschiff Zwischenlandungen machen, wurde erst durch widrige Winde und dann durch einen größeren Schaden an dem Propeller zu langsamer Fahrt und schließlich zum Verbleiben in Bitterfeld gezwungen, wohin ihm das Kronprinzenpaar entgegengefahren war. Graf Zeppelin hatte auf Wunsch des Kaisers die Fahrt nach Bitterfeld mit der Eisenbahn gemacht. Hier war er auf das Enthusiastischste empfangen worden, und die Menge konnte durch alle Absperrmaßregeln nicht abgehalten werden, alle Reihen zu durchbrechen. Wie sollte es erst in Berlin werden? Der Unfall. Als das Luftschiff das Städtchen Schmölln passierte, stoppte es plötzlich seine Fahrt und man sah, daß an der Maschinerie ein DDefekt entstanden war. Die Propeller hörten auf zu surren und das Luftschif stand einige Zeit lang stil. Es lenkte sich ziemlich tief zur Erde herab, so daß man alle Einzelheiten genau sehen konnte. Die Ingenieure stellten fest, daß das Stahlband, das den Motor mit dem vorderen Propeller verbindet, während der Fahrt gerissen war und sich in das Gestänge verwickelt hatte. Dadurch wurden einige Haltestangen verbogen. Kurze Zeit darauf wurden die Motoren wieder in Gang gesetzt und das Luftschiff setzte nur mit einem Motor seine Fahr fort. Trotzdem fuhr Dürr, wenn auch in langsamer Fahrt, über nach Bitterfeld. Dort wurde beschlossen, am andern Morgen um 7 Uhr loszufahren. Die Nacht verlief ruhig. Die Pioniere, die sich stündlich ablösten, hielten Wache bei dem Ballon. Noch vor ½5 Uhr traf Graf Zeppelin im Automobil ein, worauf sofort mit der Nachfüllung von Gas und Wasser begonnen wurde. Die Fahrt sollte um 7 Uhr begonnen werden, ohne den verlorenen Propeller zu ersetzen. Der Kronprinz fuhr gestern abend gegen 8 Uhr nach Berlin. Die Fahrt nach Bitterfeld. Wie wir schon gestern durch Extrablatt meldeten, hat Graf Zeppelin nach dem Unfall am Samstag abend bei dem telegraphisch angefragt, ob er erst Sonntag vormittag nach Berlin kommen sollte. Auf die Anfrage sandte der Kaiser ei langes, äußerst liebenswürdiges Telegramm, in dem er der Hoffnung Ausdruck gab, den Grafen um 12 Uhr über dem Tempelhofer Felde zu sehen. Der dichte Nebel, der schon bei Sonnenaufgang herrschte, verdichtete sich immer mehr, sodaß das sichtbar war. Graf Zeppelin, der sehr wohl auf war, unterhielt sich freundlich mit zahlreichen Herren, die ihn begrühten. dem man die Motore mehrere Male zur Probe hatte laufen lassen, gab punkt ½8 Uhr der Graf durch das Sprachrohr den Besehl:„Achtung anlüsten!“, worauf sich das Luftschiff lanesam in die Höhe hob. Auf das Kommando:„Los!“ ließen die Mannschaften die Haltleine los, und die Schrauben setzten lich, in. wegung. Das Luftschiff entfernte sich mit großer in der Richtung nach Berlin unter brausendem Jubel des Publikums. Nach einigen Augenblicken war es den Blicken der Zuschauer im dichten Nebel entschwunden. In der vorderen Gondel befand sich Graf Zeppelin, Zeppelin jun., Oberingenieur Dürr, Oberingenieur Kober und Lau, Steuermann Hacker und die Monteure Laburda und Schwarz. In der hinteren Gondel Direktor Kolsmann, Ingenieur Stahl und Monteur Kast. Auf e Salte, bund d, Vion geigen Hie vie Gtäsctiche Landung in Berlin gemeldet wird. Graf Zeppeln hat ler gebeten, ebenfalls bis zur Landung des Ballons in Berlin in Bitterfeld zu bleiben. Um 10 Uhr 50 Minuten befand sich„Z. III“ schon kurz shr dann über Sansouei und Wicdput nach der Reichehaustinuten manövrierte 3 III über dem Fichtenberg bei Steglitz, 5 Minuten vor 11 Uhr über Schöneberg und begann den Flug über Berlin. Vom Tempelhoferfeld fuhr das Luftschiff etwa 10 Minuten vor 1 Uhr über den Belle Allianzplatz Richtung Markgrafenstraße nach dem königlichen Schloß und fuhr, die Spitze abwärts neigend, um dasselbe und wandte sich dann zum Rathaus, dessen Turm ebenfalls umfahren wurde. Der Turm war von Mitgliedern der StadtverordnetenVersammlung, Beamten und Gästen dicht besetzt. Eine Musikkapelle begrüßte das Luftschiff mit dem Liede:„Deutschland, Deutschland über alles". Der Ballon umkreiste dann den Turm der Petrikirche und wandte sich von hier zur Straße Unter den Linden und fuhr über diese hinweg bis zu Brandenburger Tor, wo es ebenfalls einen Kreis beschrieb, die Spitze abwärts neigend. Vom Brandenburger Tor fuhr das Luftschiff in großem Bogen über die nördliche Friedrichstadt und flog dann wieder nach Süden dem Schlosse zu. Bei der Annäherung an die Stadt über Schöneberg verminderte das Luftschiff seine Geschwindigkeit. Man konnte deutlich sehen, wie an Ort und Stelle verschiedene Manöver ausgeführt werden, augenscheinlich mit der Absicht, die Ankunft des Kaisers auf dem Tempelhofer Felde zu erwarten. Die Dächer der Häuser waren dicht besetzt mit Menschen; auf vielen waren Tische und Stühle aufgestellt, woran gemütlich die Ankunft abgewartet und die Manöver des Luftschiffes beobachtet wurden. Um 12 Uhr manövrierte das Luftschiff in Kreisen und Bogen noch immer westlich vom Tempelhoferfelde. Man nimmt an, das Graf Zeppelin die Absicht habe punkt 12einhalb Uhr, wie vorher angekündigt, nach dem Tempelhofer Feld zu kommen. Tatsächlich kam das Luftschiff zur angesetzten Zeit auf dem Tempelhofer Feld zur Begrüßung des Kaisers an. Es verneigte sich mehrmals und fuhr sodann unter dem Glockengeläute der benachbarten Kirchen und unter jubelnden Rufen der auf Straßen und Dächern der Häuser und auf dem Tempelhofer Feld harrenden Menge im weiten Bogen nach dem Kreuzberg und kehrte dann wieder an den Stand des Kaisers zurück, wo es die verschiedenen Wendungen Feuilleton. Der Fuchsmajor vom Niederrhein.*) Von Rudolf Herzog. Die Sonne brennt heiß, und die Felsen lohn. Regungslos harrt eine Reiterschwadron. Flaumbärtige Knaben mit Greisen geschart, Den Stutzen am Schenkel, den Zügel verwahrt, Buren auf Posten, den Erbfeind zu schlagen, Mag er sich nur in die Berge wagen. Abseits vom Trupp auf scheckigem Pferd Hält ein Gesell mit gezogenem Schwert. Einen Kugelstutzen, den trägt er nicht. Hager sein Wuchs verblaßt sein Gesicht, Narben die Kreuz und die Quer darin glühen, Wie auf Deutschlands hohen Schulen sie blühen. Auf den Pferdehals stiert der alte Student.—— Wer von den Brüdern den Hein wohl noch kennt, Den gottsträflich hageren Theologen, Der sechs Semester die Füchse erzogen, Doch ach, statt der großen und kleinen Propheten Lustig sie lehrte den Bierkomment beten, Karten und Knobeln auf Herz und Nieren, Die törichten Töchter der Stadt karessieren Und, wenn andren das Fell tät jucken Auf Mensur zu stehn ohne Wimperzucken. Ein heller Schein färbt des Reiters Stirn. Dann grübelt er weiter mit düsterem Hirn, Sieht die Jahre gehn, die die Jugend entführen, Da rennt das Verhängnis durch offene Türen, Kein Geld mehr in Bänken, die Schulden und Bären Woll'n ihn lebendigen Leibes verzehren. Umheult von der Meute der Manichäer * Aus dem„Kalender für das Bergische Land 1910“. Verlegt und herausgegeben von der Volksbücherei zu Vohwinkel. Packt er den Becher nur fester und zäher, Dann— relegiert—— und dann, wie's gekommen, Daß man das Korpsband ihm abgenommen? Herrgott— stöhnt der Reiter dumpf— Das Leben, das Leben, da war's mir noch Trumpf. Bis dann zu Ende der bunte Scherz. Vaterfluch, brechendes Mutterherz——— ward es still um den lustigen Hain. Wo immer er klopfte, man rief nicht Herein; Kein Freund, der des jungen Kumpans sich erbarmt, Keine Mädchenbrust, an der er erwarmt. Und Menschheitsekel kroch an ihn heran, Und wahllos trat er die Meerfahrt an. Stumm hält er die Wacht mit dem Schwert als Vedett', Würgengel vom Burenkommando Dewet.— Da rührt sich sein Gaul und bläht seine Nüster... Ein leises Geklirr, ein erregtes Geflüster, Und um ihn herum die Reiter, die raschen, Tasten nach ihren Patroventznte, und## In sorgloser Schar, ohne ver äg. Nahen die Ariten dem harrenden mcher„ Auf reckt sich der Hein in den eisernen Bügeln, Kalt, starr, nur mit schnuppernden Nasenflügeln, Die Spitze des Säbels hoch in der Luft.... Und:„Drauf, Jungens, drauf!“ das Signalhorn ruft, Es klappern die Hufe, es zischt das Geschoß, Und der Hein ist vorauf auf schweißendem Roß, Studentisch, mit„blanken Waffen“, er sicht, Einen Kugelstutzen, den trägt er nicht, Die hagre Gestalt wird zum grausigen Mäher, Ihm ist's, als ging's auf die Manichäer, Als gält's nur eins noch: In blutigem Strauß Kämpfen die letzte Rechnung aus. „Tod“ sauset sein Säbel, und wenn er erklang, Jauchzet der Hein in wildem Und gellend über das Schlachtfeld zieht „Burschen heraus——!“ das Studentenlied. Ein blutjunger englischer Offizier! „Heran, du mein rosiger Kavalier! Ficht Sattel an Sattel! Was—? Zittert die Hand? Pariere! Der Tod ist mein Sekundant! Steh! Steh auf Mensur, verdammter Brit, Sonst bring' deine Kindsfrau zum Einpauken mit. Quart! Terz!— Da fliegt schon das halbe Ohr! So prügelt ein preußischer Fuchsmajor! Prim! Rest weg!“— Ein Schlag und ein Schrei vereint ———„Meine Mutter hat auch geweint“—— Und gellend auf's neu übers Schlachtfeld zieht „Burschen heraus——!“ das stürmende Lied. Und im Burenkorps raunt es: Da würgt der Hein, Der Fuchsmajor vom Niederrhein. Die Nacht sinkt herab, und das Feld wird stumm. Die Buren liegen ums Feuer herum. Vom Blut der Erschlagenen dampft die Erde, Ernst blicken die Männer, es schauern die Pferde. Und einer und alle im Burenkorps Ziehn ein zerlesen Gesangbuch hervor, Und vermischt mit dem schwelenden Lagerqualm Ringt sich zum Himmel ein dumpfer Psalm. Der Hein, der horcht auf... Wie das Blut ihm noch tobt! Ist das eine Art, wie den Sieg man lobt? Am Rheine ging's anders! O Heimat, mein Rhein! Was fallen die lachenden Bilder mir ein? Und vom Blute trunken, berauscht von dem Tage, Jauchzt schaurig sein Lied durch die Totenklage: „Brüder, zu dem festlichen Gelage Hat ein guter Gott uns hier vereint Der Kommandant von Feuer zu Feuer geht: „Er träumt von der Heimat“ Schließt ihn ein ins Gebet.“ Und die Leute nicken. Sie kennen die Qual... Und das Burschenlied zieht mit dem Totenchoral. A und Manöver ausführte. Um 1 Uhr 50 Minuten landete 3 III schließlich glatt auf dem Schießplatz in Tegel. Berlin, 30. Aug. Gestern abend um 11 Uhr 24 Minuten ist das Luftschiff wieder in südwestlicher Richtung abgefahren. Friedrichshafen, 30. Aug. Soeben teilt Ingenieur Dürr mit, daß„33“ wegen Defekts bei Bülzing in der Nähe von Wittenberg niedergegangen, und bittet um sofortige Absendung einiger Arbeiter mit Reparaturmaterial. Die Arbeiten werden reichlich zwei Tage dauern. Der eine hintere Propeller brach ab und wurde in die Ballonhülle geschleudert. Die Hülle zerriß und das Gas strömte aus; die Landung ging glatt. Berlin, 30. Aug. Am gestrigen Zeppelintage sind in Berlin und Umgebung auffallend viel Kinder verloren gegangen, die sich zum Teil noch im Kinderwagen befanden. Eine Anzahl davon ist noch auf den Polizeibureaus. Man spricht von insgesamt 85 Kindern! Aufmerksame Eltern und Dienstboten! Berlin, 30. Aug. Graf Zeppelin fuhr vom Anhalter Bahnhof im Salonwagen des Kaisers heute früh unter dem Jubel der Menge ab. ** * Zeppelin in Berlin. (Von einem Augenzeugen.) Für den großen Tag in der Reichshauptstadt hatte man förmlich mobil gemacht. Truppen und Schutzmannschaft, die Eisenbahnen, Sanitätspersonal rüsteten sich auf den großen Tag, und für Unterkunft und gewaltige Mengen Proviant wurde gleichfalls gesorgt. In gespannter Erwartung sah man— namentlich auch die mobilisierte Schuljugend— dem Sonnabend entgegen. In der Nacht zum Samstag hatte es in Berlin heftig geregnet, und Samstag sah man enttäuscht auf einen bedeckten Himmel. Zwar ist ein solcher für den Luftschiffer sehr angenehm, aber das Publikum will für solche Tage Sonnenschein. Mittags brach die Sonne hervor und leuchtete über der in den Hauptstraßen mit Flaggen, Guirlanden und bunt dekorierten Schaufenstern geschmückten Stadt. Die großen Geschäfte und die Schulen sowie Behörden hatten geschlossen, und die Eisenbahnen etc. hatten nach oberflächlicher polizeilicher Schätzung beinahe eine Million Fremder herbeigebracht. Obwohl die Ankunft Zeppelins erst um fünf Uhr angesagt war, strömte bereits um die Mittagsstunde alles nach dem Tempelhofer Felde. Um vier Uhr waren Hunderttausende auf dem gewaltigen Felde, das einen Anblick von eigenartigem Reiz bot. So etwa mochte ein großes Schlachtfeld aussehen, ehe das blutige Ringen beginnt. Von allen Zufahrtstraßen stoßen Truppen herbei, nehmen ihre Aufstellung, während im Zentrum das Hauptheer bereits Aufstellung genommen hat. Auf die verschiedenste Weise vertreibt das Publikum sich die Zeit und lacht über den geringsten Zwischenfall. Eine ganze Zeppelinindustrie wird— immer zehn Pfennig das Stück— angeboten. Kleine Kinderballons läßt man auffliegen, und da das Publikum sie mit Jubel begrüßt, werden Gruppen von 5, 10 und 20 den Lüften übergeben. Ermüdet sitzen, liegen Hunderte, und die ganz Müden schlafen. Da kommt die ungläubig ausgenommene Kunde, Zeppelin werde heute überhaupt nicht kommen. Nach einiger Zeit bestätigen es Extrablätter, und ohne Murren und in größter Ordnung geht es heimwärts. Abends verkünden neue Extrablätter, Zeppelin habe Malheur gehabt. Infolge eines ernsteren Defektes habe in Bitterfeld eine Reparatur vorgenommen werden müssen, sodaß im Einverständnis mit dem Kaiser die Ankunft erst Sonntag erfolgen werde. Noch nie war Berlin so mit Extrablättern überschwemmt. Ganze Straßen und Plätze waren bedeckt. Das Publikum freut sich auf einen neuen Festtag. Die Eisenbahnverwaltung macht bekannt, daß die Gültigkeitsdauer der Fahrkarten verlängert werde. Sonntag bringen neue Extrazüge neue Fremdenscharen herbei. Extrablätter melden, daß das Luftschiff in Bitterfeld um 7½ Uhr morgens die Fahrt nach Berlin angetreten habe und um 12 Uhr eintreffen werde. Wieder strömt alles auf das Tempelhofer Feld, andere nehmen Aufstellung in den Straßen, durch die die Fahrt des Luftschiffes gehen soll, klettern Tausende auf die Dächer. Auf dem Felde signalisiert ein FesselBallon durch ein vorher bekannt gegebenes Flaggensystem, wo das Luftschiff jeweilig ist. Um elf etwa wird es auf dem Tempelhofer Felde gesichtet. Aber es dauert fast anderhalb Stunden, ehe es über verschiedene Vororte und Stadtteile gefahren und erst nachdem die Kaiserstandarte auf dem Tempelhofer Felde gehißt, fliegt es bald schnell, bald langsam, bald hoch, bald niedrig mehrmals um das Feld. Hoch= und Hurrarufe ertönen, Taschentücher werden geschwenkt, Hüte und Mützen geschwungen. Aber sei es, daß die eigentliche Begeisterung sich immer erst bei der Landung Luft macht, sei es, daß die Menge über eine zu gewaltige Fläche verteilt ist, es geht alles ganz ruhig zu. Ein majestätischer Anblick das Schiff, wie ihn kein anderer Ballon gewährt. Trotz aller Unfälle, die die Zeppelin=Luftschiffe gehabt, erweckt es, wie es so ruhig dahinfährt, in jedem das Gefühl, daß man diesem Luftgefährt sich mit unbedingter Sicherheit anvertrauen kann. Ein solches Gefühl erweckt kein anderer Ballon, kein Flugapparat. Nach einer Viertelstunde etwa zieht das Luftschiff, von dem herab der an der weißen Mütze kenntliche Graf Zeppelin fortwährend die Grüße des Publikums erwidert, stadtwärts, macht verschiedene Schleifen und fährt dann zu dem Landungsplatz nach Tegel. Das Feld entleert sich. Ruhig und in größter Ordnung strömen die Massen nach der Stadt zurück. Es hat keine Absperrung stattgefunden, das Publikum schützt sich durch seine Massenhaftigkeit und sein Schwergewicht vor den Automobilen und elektrischen Bahnen selbst. Ich glaube nicht, daß ein einziger Unfall vorgekommen ist. gung aller Liberalen für die Reichstagsstichwahl zustande gekommen. Das abgeschlossene Uebereinkommen hat, nach der „Neumärk. Ztg.“, folgenden Wortlaut:„Gutsbesitzer Schoeppe in Clausdorf wird als gemeinsamer Kandidat der Freisinnigen und Nationalliberalen für die nächste Reichstagswahl aufgestellt. Gutsbesitzer Schoeppe untersteht keinem Fraktionszwang, es bleibt ihm überlassen, ob er einer Fraktion beitreten will und welche er wählt. Kommt Schoeppe nicht in die Stichwahl, wird der Liberale Verein in der allgemeinen Wahl eine von den Nationalliberalen aufgestellte Kandidatur in der gleichen Weise unterstützen. Vorausgesetzt ist dabei, daß die politischen Beziehungen im wesentlichen die gleichen bleiben.“ Die Verfassungsreform in Mecklenburg. Wie aus sicherer Quelle verlautet, ist die Meldung ausländischer Blätter, die Ritterschaft habe beschlossen, die Verfassungsvorschläge abzulehnen, durchaus falsch. Die Verhandlungen werden noch in der nächsten Woche fortgesetzt, und man glaubt auf beiden Seiten durch Abänderung bezw. Neueinbringung der Regierungsvorlage zu einer Einigung zu kommen. Auch die Blättermeldung, daß die Bürgermeister die Steuern verweigern wollten, ist erfunden. Die Verhandlungen unter den„18 Herren“ sind vertraulich. Kabel Emden=Teneriffa. Die deutsch=südamerikanische Telegraphengesellschaft hat, laut„K.=Z.“, auf die Meldung von der Eröffnung des Betriebes auf dem Kabel Emden=Tenerifsa folgenden telegraphischen Glückwunsch vom Kaiser erhalten:„Meinen besten Dank für die Meldung von der Betriebseröffnung des Seekabels Emden=Teneriffa. Möge das neue Glied in der Kette der das Vaterland mit fernen Völkern und Ländern verbindenden Verkehrsmittel die gehegten Erwartungen voll erfüllen und mit reichen Erfolgen gekrönt werden.“ Neue Lehrordnung. Den Uebergang von Knaben aus der Volksschule in höhere Lehranstalten zu erleichtern, bestimmt eine wichtige Verfügung des Kultusministers der geistlichen, Unterrichts= und Medizinal=Angelegenheiten. In einer Anzahl größerer Städte ist die Zahl der aus der Volksschule in höhere Lehranstalten übergegangene Knaben nicht unerheblich. Der Minister hat deshalb in Erwägung gestellt, inwieweit es etwa in solchen Städten nach den örtlichen Verhältnissen angezeigt und möglich erscheine, derartige Knaben im dritten Jahrgange in besonderen Klassen zu vereinigen, deren Lehrplan mit Rücksicht auf den der höheren Schule so eingerichtet ist, daß für diese Knaben der Eintritt in höhere Lehranstalten nach drei Jahren ermöglicht wird. Die Abteilungen für Kirchen= und Schulwesen der königlichen Regierungen haben deshalb ihre Schuldeputationen, Schulvorstände und Kreisschulinspektoren aufgefordert, über etwaige Einrichtungen dieser Art zu berichten. Submissionswesen. Die Frage, ob die Schiedsgerichtsklausel bei Submissionen für die Städte vorteilhaft oder nicht ist, bildet seit langer Zeit schon den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Infolgedessen sah sich die Zentralstelle des deutschen Städtetages veranlaßt, eine Rundfrage zu veranstalten. Das Ergebnis ist ein sehr verschiedenes; während einzelne Städte gute Erfahrungen gemacht haben, berichten andere über schlechte, andere wieder sind zu einem bestimmten Resultat noch nicht gekommen. Dortmund erklärt, daß Schwierigkeiten durch das Schiedsgericht ohne Schwierigkeiten erledigt worden sind, Königsberg i. Pr. bemerkt, daß sich die Klausel als zweckmäßig erwiesen hat; Breslau, Kiel, München heben den Vorzug dr Schnelligkeit des Verfahrens hervor. Schlechte Erfahrungen hat u. a. Bochum gemacht, das die Klausel ganz streichen will, desgleichen Kassel; Covlmar hat sie schon gestrichen, Hamburg und Breslau lassen dem Unternehmer die Wahl zwischen einem Schiedsgerichte oder dem ordentlichen Rechtswege. Von der Nordmark. In den nationalen Blättern der Nordmark finden wir mannigfache Aeußerungen der Befriedigung darüber, daß der nationalliberale Landtagsabgeordnete Dr. Schifferer in dem Kreise Tondern, den das Dänentum angriffsweise bedrängt, Großgrundbesitz erworben hat. Wir teilen die Genugtuung über diesen Akt praktischer Grenzschutzpolitik und erinnern uns dabei daran, daß man rfüher ähnliche Fälle auch öfters aus der Ostmark hörte. Die Verleihung des Adels an einige reiche Mitglieder der Industriewelt wurde damit in Verbindung gebracht. Jetzt ist es davon still geworden. Liegt das daran, daß die inzwischen eingeführten Gesetze den Schutz des Deutschtums genügend zu verbürgen scheinen? Und ist die private Initiative in der Nordmark auf das sehr„vorsichtige“ Verhalten der Regierung zurückzuführen? Die Ntl. Korr. fügt daran allgemeinere Betrachtungen: Der innere Konflikt zwischen Staats= und Selbsthilfe spielt nicht nur in der Ansiedlungs=Politik eine ernste Rolle. Das alleinige Sichverlassen auf die Tätigkeit der Regierung schläfert die private Initiativ ein und weckt die eigensüchtigen Triebe; die Selbsthilfe allein aber kann unter den komplizierten Verhältnissen unserer Zeit nur selten etwas zusammenhängend Großes schaffen. Die Lö sung des Problems liegt nur in der ständigen Verbindung beider Tätigkeitsformen. So kann auch das energische Vorgehen Einzelner in der Nord= und Ostmark niemals die tatkräftige Sorge des Staates für das Deutschtum überflüssig machen. Nevolutionär=indische Propaganda in England. Freitag wurde im Bowstreet=Ponizeigericht der Drucker von Krischnavarmas revolutionäre Schrift„The Indian Soziologist“ unter der Anklage des Hochverrats vorgeführt. Alfred Aldred, der Angeklagte, erklärte, er habe den Druck der Schrift nicht zum Zwecke des Gelderwerbs, sondern nur unternommen, um den Kampf für die Freiheit der Presse zu führen. Ein Polizeibeametr sagte jedoch aus, der Angeklagte habe außer den tausend Exemplaren der revolutionären Schrift, die er Krischnavarma nach Paris sandte, mehrere in London verkauft. Alfred wurde in Haft behalten. Ein englisch=deutscher Konflikt. Die Kapstädter AlarmNachricht der„Daily Mail“ über einen deutsch=englischen Konflikt wegen einer Konzession bei Lüderitzbucht bringt, wie die „Kreuzztg.“ meldet, durchaus nichts Neues: Es handelt sich dabei um die sogenannte Pomonakonzession, die im Jahre 1863 von dem Hottentottenkapitän Frederiks erteilt wurde, um Landund Minenrechte auf dem Festlande und um die Erlaubnis zur Ausbeutung der Guanolager einer der Deutsch=Südwest=Afrika vorgelagerten Inseln, des Eilands Pomona. Nach Mitteilungen aus Lüderitzbucht, die Mitte März hier eingingen, ist das beanspruchte Gebiet kreisförmig und hat auf der Karte einen Durchmesser von 12 bis 15 Kilometer. Im Zentrum dieses Bereiches soll eine Silbergrube liegen, die aber niemals in Ausbeutung genommen worden ist. Wenn sich wirklich die Ansprüche der Kapstädter Firma de Paß u. Co.(nicht Deyas u. Co.!) aufrecht erhalten lassen sollten, so wird das die gerichtliche Entscheidung schon feststellen. Die Basis dieser Entscheidung ist die Kaiserliche Bergverordnung für Deutsch=Südwestafrika vom Jahre 1905. Die Bergbehörde wird entscheiden, ob die einzelnen Diamanteninteressen aus Lüderitzbucht, die bei ihrem Vordringen nach Süden in das strittige Gebiet gekommen sind, vor älteren Rechten zurücktreten müssen oder nicht. In letzter Linie ruht also die Sache in den Händen des Oberrichters von Windhuk. Marquis Ito über die chinesische Verfassungsreform. Wie ein Londoner Blatt aus Tokio meldet, hielt Fürst Ito in Tukushima eine Rede, in der er seinen Zweifeln Ausdruck gab, ob China mit Erfolg eine Verfassung einführen könnte, während anderseits ein Mißerfolg den Frieden im fernen Osten gefährden würde. Als Grund für seine Zweifel nannte er den ungeheuren Flächenraum des Reiches und die mangelnden Verkehrsmöglichkeiten, welche für ein Zusammentreten des Parlaments sehr hinderlich sein würden, auch verbiete der chinesische Konservatismus einen Wechsel des chinesischen Steuersystems und der schwerfälligen Lokalverwaltung, was beide wohl die Vorbedingung für eine Nationalversammlung sein würde. Eine englische Beschwerde gegen Belgien. Wie die belgische Presse meldet, richtete die Congo Reform Association an Sir Edward Grey ein Memorandum, worin gegen die belgische Regierung Beschwerde geführt wird, weil sie im Katanga=Gebiet unter Verletzung des Artikels 5 des Berliner Vertrages die Ansiedlung englischer Staatsangehöriger verhindere. Griechische Sorgen. Einer Abordnung von Heer= und Flottenoffizieren in Athen, die dem Ministerpräsidenten eine Zusammenstellung von Beschwerden überreichen wollte, wurde der Empfang verweigert, weil die Abordnung aus bestraften Offizieren bestand und die Art der beabsichtigten Ueberreichung der Beschwerdeschrift gegn die Vorschriften verstoße. Die Offiziere der Garnison haben sich infolgedessen zusammengetan, und wollen wie es heißt am 29. eine militärische Demonstration veranstalten. Der Ministerrat trat zusammen, um über die Lage zu beraten. Die Kretakrise. Die Antwortnote der Pforte auf die Kollektivnote der kretischen Schutzmächte ist Freitag abend dem italienischen Botschafter als dem Doyen übergeben worden. Die Pforte versichert, sie habe keine kriegerische Absicht gehabt und manche Beweise ihre friedlichen Gesinnung gegeben. Sie habe von Griechenland Aufklärung verlangen müssen, weil es Einfluß auf Kreta ausgeübt habe. Die beiden Antworten der griechischen Regierung hätten zwar dem Verlangen der Pforte nicht ganz entsprochen, seien aber als befriedigend erachtet worden, weil Griechenland versichere, sich auf Kreta nicht mehr Politische Uebersicht. Deutschland. Teilnahme eines griechischen Prinzen an den Kaisermanöpern. Wie nach der„Neuen Polit. Korr.“ verlautet, wird an den deutschen Kaisermanövern auch ein griechischer Prinz teilnehmen, nämlich Prinz Andreas von Griechenland. Bei dem von der„Wiener Allg. Korr.“ erwähnten Besuch des Königs in Berlin handelt es sich einstweilen nur um Gerüchte. Die Einitzung in Landsberg=Soldin. Wie von uns gemeldet, ist im Wahlkreise Landsberg a. W.=Soldin eine VereiniAus dem Auslande. Die Bekämpfung der deutschen Fahne. Das Verbot der deutschen Fahne in Kitzbühel ist noch nicht geahndet und zieht daher immer weitere Kreise. Die Gegner des Bürgermeisters versuchten im Gemeindeausschuß ein Mißtrauensvotum gegen ihn durchzusetzen, um ihn zum Rücktritt zu zwingen. Es gelang ihnen aber nicht, worauf acht christlich=soziale Ausschußmitglieder ihren Austritt meldeten und der Stadthalterei berichteten, der Ausschuß sei nicht beschlußfähig und deshalb aufzulösen. Nach Einberufung der liberalen Ersatzmänner ist der Ausschuß wieder beschlußfähig. Nun arbeitet die Gistlichkeit daran, daß die Gemeinde des Bezirks den Bezirkshauptmann, der die deutsche Fahne entfernen ließ, zum Ehrenbürger ernennt. Der Gemeindeausschuß hat deshalb Beschwerde bei der Stadthalterei und dem Ministerium des Innern eingelegt. Tschechenstolz. Der Prager Landesverein der tschechischen Aerzte hat die Beteiligung an dem Ofenpester Internationalen Aerztekongreß abgesagt. Den gleichen Beschluß faßten die ärztlichen Korporationen sämtlicher slawischer Nationen. Der Beschluß wird begründet mit der Unterdrückung der nichtmagyarischen Nationalitäten in Ungarn.— Ein Beispiel, dem die reichsdeuschen Aerzte folgen sollten, zumal nach den seltsamen Einladungen der Magyaren an sie. einmischen zu wollen. Die Pforte dankt den Mächten für die Regelung des Zwischenfalles und stellt fest, daß das erzielte Ergebnis die Regelung der Schwierigkeiten erleichtern werde, und zwar in der Weise, daß die Souveränitätsrechte der Türkei unangetastet bleiben. Ueber Mazedonien sagt die Note, die Pforte sei berechtigt, in voller Unabhängigkeit von Griechenland die Beachtung des Vertrages von 1897 zu verlangen, da durch die türkische Verfassung die durch den Berliner Vertrag vorgesehenen Reformen überflüssig geworden seien.— Heute nachmittag treten die Vertreter der Schutzmächte zu einer Beratung der türkischen Antwortnote zusammen. Die Unruhen in Albanien. Beim bereits gemeldeten Angriff der Aufständischen in Jemen auf das Munitionsdepot in Sana wurden nach neueren Meldungen durch die Explosion 172 türkische Soldaten getötet. Der italienische Botschafter hat die Pforte in einer Note aufgefordert, Maßregeln zum Schutze der Italiener in Hochdeida zu treffen. Marokko. Der„Morning Leader“ weiß Gräuliches von der barbarischen Kriegsführung der Mauren zu melden. Ein Deserteur der maurischen Harka traf in Melilla ein. Er erzählte den entsetzten Spaniern, was er auf dem Gipfel des Guruguberges gesehen. Dort befände sich eine dreihunoert Fuß tiefe Felsspalte, die mit Leichen der Spanier gefüllt ist. Bevor die gefangenen Spanier in die Schlucht gestürzt würden, würden sie von den bestialischen Feinden erst ausgeplündert, dann Stück für Stück ihrer Glieder beraubt, bis sie unter furchtbaren Schmerzen ihr Leben aushauchten. Tausend bis 1500 Leichen lägen schon in der Schlucht. Die Luft rings um den Gipfel des Berges sei von den faulenden Leichen verpestet. Der Noghi traf heute früh hier ein, eingeschlossen in einem einsernen Käfig, der auf dem Rücken eines Kamels befestigt war. Der Roghi schien gefaßt zu sein und erwiderte die Spottreden der zusammengelaufenen Menge. Der Sultan unterzog seinen Gefangenen einem fünf Minuten langen Verhör, worauf er ihn im Palais einschließen ließ. Marokko. Die marokkanische Regierung hat, nach Blättermeldungen, die Firma Renschhausen nunmehr die ausgemachre Summe von 600000 Franks für den Bau des Sammelkanals in Tanger ausgezahlt. Auf die Nachricht von der Gefangennahme des Roghi beauftragt: der Minister des Auswärtigen den französischen Gesand 40 Amtlches Kreseichl tar den Rielt-Neruke ehemren Nr. 202 „Weiles Stall. Wünsche und Klagen im Geschaftsleben. In den letzten Wochen, in welchen aus den Kreisen des Publikums so manche Klagen über Preis=Erhöhung in Folge der neuen Steuern laut geworden sind, hat auch die Geschaftwelt Anlaß gehabt, sich in Betrachtungen über den Lauf der Zeiten zu ergehen, die nicht rosig wohl aber begründet waren. Das Kapitel von der Verteuerung der allgemeinen Geschäftsunkosten ist mindestens eben so ernst, wie die Beschwerden, die Heraufschraubung der Haushaltsausgaben, und der.### Erschwerung der Geschäftslasten haben, was wir wollen, die„modernen Verhältnisse“ eine recht große Rolle gespielt. Die Neu=Einrichtung von Läden, Geschäftslokalen, höfen, Restaurationen usw., wie sie seit Anfang dieses Jayrhunderts sich überall verwirklicht hat, hat Tausende und AberTausende verschlungen, nicht selten wohl auch etwas mehr, wie unbedingt erforderlich war. Aber die Konkurrenz und das Begehren des Publikums nach Neuem und immer wieder Neues trieb vorwärts und so finden wir denn heute deren Kosten der minder günstigen Konjunktur nicht unter allen Unständen entsprechen. Das äußere Bild des Geschäftzleben in den deutschen Städten ist ein recht stattliches, im Lurc#itt viel nobler, wie z. B. in Frankreich, aber wir fragen uns doch, ob es nicht geraten erscheint, in der Ausstattung eine züglich der Ausgaben=Steigerung eintreten zu lassen. Auch das Publikum muß hierin seinen Wünschen Zwang antun, denn Eleganz und Luxus und niedrige Verkaufspreise reimen sich bei den heutigen Gesamt=Verhältnissen schlecht zusammen. Es sind nach diesem Zuvi l an Aufwand verschiedentlich recht bemerkbare Rückschläge zu verzeichnen, namentlich auf dem Gebiete der Gasthofs= und Warenhaus=Industrie. Wenn wir in unseren Tagen nicht an so Vieles gewöhnt wären, was vor swanzig Jahren noch ein endloses Staunen erweckt hätte dann würden wir es kaum glaublich erachtet haben, daß in den letzten Jahren Prunk=Hotels und Industrie=Paläste aufgeführt sind, die Deutschen Reichstags. Die Tatsache, daß das Deutche. nicht eine einzige bestimmende Stadt hat, wie etwa.., in Paris, sondern eine ganze Anzahl von einflußreichen Vekehrs=Zentren hat in allen diesen deutschen Großstädten eine Unmenge von modernen Bauten entstehen lassen, deren Dase'n der Geschäftswelt auch in mittleren und kleineren Städten nicht gleich bleiben konnte, weil das Publikum immer wieder Vergleiche mit den großstädtischen Etablissements zog. Aber wie weiter oben schon angedeutet, nicht wenigen Unternehm ist der goldene Segen ausgeblieben, und man hat Mühe sich in Erwartung„besserer Zeiten“ über dem Wasser zu halten. Das Montag den 30. August 1909 ist ein Beweis dafür, daß es mit dem modernen Aufputz und Luxus einstweilen genug ist, daß nicht weiter gegangen werden sollte, um das notwendige Kapital und den möglichen Verdienst nicht in zu argen Gegensatz zu bringen. Auch hier ist Sparsamkeit am Wate. Die gute Rückwirkung davon auch auf die burgerlichen Haushaltungen würde nicht ausbleiben und von wesentlichem Nutzen für die rechte Bemessung des häuslichen Budgets sein. Wir wollen nicht in die landläufigen Rufe einstimmen, daß viele Leute über ihren Geldbeutel hinaus leben, aber das ist sicher, daß viele Haushaltungen über das Vermögen ihrer Inhaber hinaus ausgestattet sind. Da wird eine Schuldenlast mit herumgeschleppt, die oft die rechte Ernährung der Familienglieder beeinträchtigt. In kargen Zeiten soll man auch in kleinen Dingen sparen, aber nicht etwa blos in kleinen Dingen. Solches Sparen ist nützlich, das andere nötig! 41. Jahrg. Aus Stadt und Umgebung. **(Automatensteuer.) Nach dem Stempelsteuergesetz vom 30. Juni d. Is. sind Automaten und Musikwerke steuerpflichtig, sofern sie auf Bahnhöfen oder anderen öffentlichen Orten und Plätzen oder in Gast= und Schankwirtschaften zur Aufstellung gelangen. Sie müssen bei dem zuständigen Zollamte angemeldet und gegen Lösung einer Jahreskarte versteuert werden. Nicht steuerpflichtig sind diejenigen Automaten, die zur Verabreichung von Speisen und Getränken in Restaurationen aufgestellt sind. Der Begriff„Speisen und Getränke“ hat zu Meinungsverschiedenheiten Anlaß gegeben. Nach einer jüngst nisterialentscheidung sind unter Speisen nur Gegenstände zu verstehen, die nach dem gewöhnlichen brauch und der Verkehrsauffassung im Gast= und Schankwirtschaftsbetriebe zum Zwecke der eigentlichen Beköstigung der Gäste verabfolgt zu werden pflegen, nicht aber solche, die nur Naschwaren sind. Automaten, durch die Süßigkeiten, wie Schokolade, Bonbons, gebrannte Mandeln, Mandeldessert, Pfeffermünzpastillen, Waffeln und dergleichen, verabreicht werden, sind steuerpflichtig und müssen dem Zollamte angemeldet *:( V o r s i c h t b e i m P f l a u m e n e s s e n!) D a s M i t e s s e n d e r d i e Hülle der Pflaumen bedeckenden staubähnlichen Pilze zieht nachteilige Folgen nach sich. Heftige Leibschmerzen, Erbrechen und sogar Vergiftungserscheinungen sind eine Folge von lich gegessenen Pflaumen, die mit den Pilzen bedeckt waren. Zur jetzigen Reife der Pflaumen sei auf diese nachteiligen Folgen aufmerksam gemacht, die das Unterlassen einer säuberlichen Reinigung von den schädlichen Pilzen mit sich bringt. Namentlich wird dieses von den Kindern unterlassen, die dann von den Krankheiten um so schwerer und nachteiliger betroffen **(Fensterbriefumschläge.) Ueber die Verwendung sogenannter Fensterbriefumschläge, die in letzter Zeit mehr zur wendung gelangen und bei denen die Adresse so angebracht ist, daß sie durch den Umschlag hindurchschaut, hat, das Reichspostamt folgenden Bescheid erteilt:„Der Gebrauch von Fensterbriefumschlägen zur Versendung von wichtigen Briefen gibt Anlaß zu Bedenken, da die Postverwaltung nach den gesetzl. Bestimmungen für Einschreibebriefe Gewähr zu leisten hat. Das Fehlen jeglicher Aufschrift auf dem Fensterbriefumschlag ermöglicht es, die ursprüngliche Briefeinlage durch eine andere zu ersetzen und der Postverwaltung den Beweis zu erschweren, daß die richtige Sendung ausgehändigt worden ist. Die Verwendung von Fensterbiefumschlägen kann daher nur wie bisher im inneren deutschen Verkehr für gewönliche Briefe, für die die Post keine Gewähr leistet, zugelassen werden. **(Beihilfe für Veteranen.) Wie erinnerlich, hatte der Reichstag noch kurz vor Schluß seiner Session den Gesetzentwurf über die Gewährung der Beihilfe für Kriegsteilnehmer endgültig angenommen. Der Entwurf gewährt allen Personen des Unteroffiziers= und Mannschaftenstandes des Heeres und der Marine, die an Kriegen ehrenvollen Anteil genommen haben, eine Beihilfe von jährlich 120 Mark,„wenn sie sich aus einer nicht nur vorübergehenden Ursache in unterstützungsbedürftiger Lage befinden, oder wenn sie das 60. Lebensjahr vollendet haben und über ein Einkommen von weniger als 600 Mark verfügen. Dem eigenen Einkommen werden die Zuwendungen von Dritten nur insoweit zugerechnet, als sie auf rechtlicher Verpflichtung beruhen. Ausdrücklich werd ferner in dem Gesetzentwurf bestimmt, daß das politische Verhalten eines Kriegsteilnehmers bei der Prüfung der Würdigkeit außer Betracht zu bleiben hat. Ganzinvaliden, deren jährliches Einkommen 720 Mark nicht erreicht, kann vom Ersten des Monats an, an dem sie das 55. Lebensjahr vollenden, eine Alterszulage bis zur Erreichung dieses Betrages gewährt werden.— Bestimmt wurde ferner, daß das Gesetz noch im Jahre 1909 in Kraft treten solle. Nur der Tag selbst war nicht angegeben worden. Die in manchen Kreisen der Kriegsteilnehmer verbreitete Meinung, daß die Beihilfen von 120 Mark jetzt bereits ausgezahlt werden, ist daher irrig. Der vom Reichstag einstimmig angenommene Gesetzentwurf hat leider noch nicht Gesetzeskraft erlangt. Der Bundesrat hat ihm die erforderliche Zustimmung noch nicht erteilt. Offiziös ist jedoch vor einigen Tagen zur Beruhigung der KriegsTeilnehmer versichert worden, daß die Auszahlung der Beihilfen alsbald im Herbst erfolgen würde. Westfalen und Rheinland. * Bösperde, 28. Aug.(Tod auf den Schienen.) Ein schweres Unglück ereignete sich bei der Unterführung der Eisenbahn. Ein Bahnarbeiter, der beim Legen des zweiten Gleises von Fröndenberg nach Menden beschäftigt war, übersah bei dem dichten Nevel die Annäherung des 6,56 Uhr von Menden abfahrenden Zuges. Er wurde von dem Zuge erfaßt und völlig zerstückelt. Nachdem die Leichenreste aus den Rädern entfernt, setzte der Zug mit einer Verspätung von 15 Minuten die Fahrt fort. In der Heimat. 13 Roman von Rose vom Spielberg. Und als sie jetzt vor ihr stand, da funkelte es in ihren Auoburch. dop— Pächeln, das nur ein Verziehen der Munprer vespag Feerpatteigner Bewegung, Aber Anita übersah entweder diese Bewegung, oder sie verEin spöttisches, geringschätiges Lächeln verzog sicht.„Du bist also Anita Elsburg.. ich muß sagen, Du vei Harauf aufmerksam machen, daß Du einer verheirateten dun kissen bast. Sch nohrgast Du sie denn bisher nie geübt s„Rein, nie, antwortete Anita, von diesem Empfang zuerst ganz verwirrt und verblüfft. „Shocking, wirklich shocking! Wie konnte Dein Vater Dich Sie biß die Zähne auf die Unterlippe und senkte die Augen zu gebört zu den Tugenden Bio wiest noch viellersen müssen. Einen Augenblick schien es, als wenn Anita von neuem aufs Geipräch mit teine=Zeschützerund Vormund nannte, soruAber freilich, was fragten die herzlosen Menschen hier Wenn sie nur lernte, nach ihren Standesvorurteilen zu leeinmal für nötig, ihre kindlich ehrfürchtigen Gefühle für den zulenken deutlich herausfühlte. Anita empfand diese Erlösung für sie gestellt hatte, so war sie ihm doch dankbar dafür. mein Kind, kannst Du Dich wieder auf Dein Zimmer begeben. Küsse Tante Julia die Hand und.. geh dann. Der Wink war deutlich und zugleich demütigend, und denmütigen Tante, des kühlen, ernsten, gleichmütigen Noch nie war ihe de Verlengngng sesieh eie L ehale er lias Hand beugte und ihre frischen Lippen einen winzigen Teil Mit einer stummen Verbeugung nach dem Onkel, verließ Wort. K „Verzeih', Julia, Du hast das Kind gereizt,“ gab Hellmut Gereizt?" Der Gräfin Augen schillerten grün, und ihrefeinen Nasenflügel bebten.„Wodurch? Bitte!“„4i, gi, „Durch die Erwähnung ihres Vaters in einer Weise, die sie „Hahaha, Hellmut, ich glaube gar, Du willst die Unarten „Nichts liegt mir ferner als das, aber ich meine, Du hättest ihr die Rüge auch erteilen können, ohne ihres Vaters zu erwähGraf Hellmut lehnte sich in seinen Stuhl und schlug die Gräfin Winzelberg sah den Bruder scharf an.„Willst Du „Rein, durchaus nicht nur möchte ich Dich bietrzguen helms in Anitas Gegegzgggf hirtgrngt mehr zu enguhu. „Ah, welche zarte Rücksichtnahme!“ Sie lächelte spöttisch. „Du wirst nicht weit damit kommen, ich glaube eher, daß Zügel bei diesem Mädchen nicht scharf genug angezogen werden können, wenn wir es einigermaßen für unsere Kreise mögIch werde es an der nötigen Strenge und Energie nie fehlen lassen, des sei versichert. Aber ich glaube, eine gewisse Rücksichtnahme sind wir jedem schuldig, auch einem halb besonders wenn es sich um dessen Vater handelt. Jedenfalls werde ich in Gegenwart Anitas nie anders als mit echlung und Schonung von Adelhelm sprechen. Gräfin Winzelberg schwieg eine Weile, und es schien, wenn des Bruders Worte eine Einwirkung auf sie übten. Nuch wenigen Minuten stand sie jedoch auf.„„„ 4.6#elaß nicht „Wo ist die Ruffer, Hellmut? Ich will dur Schieg niche verlassen, ohne sie begrüßt zu haben.“ „Die Dame wird in ihrem Zimmer sein. Willst Du selbst nbd e geim bemübe De,zaicht odir Krsile. dar 5oe. mir noch so ungeläufig, meinem Gatten und meinen Töchtern das heißt, wann machst Du Deine Antrittsvisite mit ihr? „Selbstverständlich so bald wie möglich, morgen oder übgr; morgen. * Plettenberg, 28. Aug.(Verschwunden.) Der Kaufmann Spielmann aus dem benachbarten Fretter ist seit einigen Tagen unter Mitnahme einer größeren Summe der Darlehnskasse, deren Kassierer er war, verschwunden. * Hamm, 28. Aug.(Gefaßte Felddiebe.) Im benachbarten Hövel wurden in letzter Zeit fast jede Nacht Felddiebstähle ausgeführt, ohne daß es gelingen wollte, der Diebe habhaft zu werden. Gestern nun machte man einen Versuch mit dem von einem Höveler Einwohner ausgebildeten Polizeihund und man hatte einen überraschenden Erfolg. Der Hund verfolgte mit größter Sicherheit eine Spur nach einem Hause, vor dem eine Frau stand, die beim Anblick des Hundes ganz fassungslos wurde und sofort eingestand, daß die Diebe in dem betreffenden Hause wohnten. Der Erfolg des Hundes erregte bei der Bevölkerung große Bewunderung und man kann sicher sein, daß die hiesige Gegend für die nächste Zeit von Felddieben verschont bleiben wird. * Hamm, 28. Aug.(Ein alte Hammer Marketenderin) Frau Luise Schröder, Heßlerstraße 4 wohnhaft, ist gestern Morgen im Alter von 78 Jahren gestorben. Frau Schröder hat an der Seite ihres ihr im Tode vorangegangenen Mannes die Feldzüge 1866, 1870/71 als Marketenderin mitgemacht. 1866 zog sie mit der damals in Hamm garnisonierenden Kürassierschwadron unter Rittmeister v. Hauteville mit nach Oesterreich. Ebenso wie diesen hat sie auch den Feldzug 1870/71 vom Anfang bis zum Ende mitgemacht, und zwar bei der vom Rittmeister Gyhlenstierna befehligten 4. Schwadron der 8. Husaren, die schon damals in Paderborn lag. Während des Krieges 1870/71 mußte sie 16 Wochen als Kriegsgefangene der Garibaldischen Truppen in Chatillon bei Wasser und Brot zubringen. Außerdem hat die Verstorbene über 30 Jahre an den Manövern teilgenommen, 15 Jahre bei den 4. Kürassieren, dann bei den 8. Husaren und dem 15. Infanterie=Regiment. Wie manchen Vaterlandsverteidiger mag die brave Marketenderin mit einem Labetrunk erquickt haben. * Iseringhausen, 28. Aug.(Ein wohl recht seltenes Abenteuer) erlebte ein 14jähriger Schäfer der Wwe. Viedenz hierselbst. Zwischen seinen Schafen, die er in den Weidekämpen hütete, bemerkte er plötzlich einen Fuchs. Er hetzte sofort seinen Hund auf den Räuber, und es entspann sich dann zwischen den beiden Tieren ein regelrechter Zweikampf, von dem insbesondere der Fuchs so eingenommen wurde, daß er den hinzueilenden Schäferjungen gar nicht bemerkte. Mit einem mutigen Entschluß ergriff nun der Junge das wütende Tier im Nacken und hielt es, trotz dessen verzweifelter Wehr, solange fest, bis er mit ihm, dazu noch seine Herde vor sich hertreibend im 1/ Stunde entfernten Dorfe angelangt war. Dort wurde der Fuchs, ein ausgewachsener Kerl, an die Kette gelegt und ist heute munter und guter Dinge und verschmäht keineswegs die ihm vorgesetzte Nahrung. * Gronau, 28. Aug.(Die Unschuld vom Lande.) Kommt da in diesen Tagen ein Zollbeamter in ein Privathaus, dessen Haushaltungsvorstand 15 Flaschen Schaumwein zur Nachversteuerung angemeldet hat. Da der Beamte den Bestand kontrollieren will, weist der Haushaltungsvorstand das Mädchen an, den Beamten in den Keller zu führen und ihm den Sektvorrat zu zeigen. Einen Augenblick stutzte die Naive vom Lande, dann fragt sie in Gegenwart des Beamten ihren Herren:„Ooch die 35 Flaschen, die im Koks vergraben sind?“ * Bochum, 28. Aug.(Die Radbod=Spende.) In dem Prozeß der Radbod=Witwen gegen die Mitglieder des Lokal=Komitee in Hamm auf sofortige Auszahlung der eingegan genen Spenden ist die Berufungsfrist verstrichen und das den Klageantrag der Witwen abweisende Urteil der ersten Instanz somit rechtskräftig geworden. Aus der Kronprinzenspende für Radbod haben die Witwen der Getöteten und an ihren Verletzungen nachträglich Gestorbenen und ihre Kinder je eine Beihilfe von 171 M erhalten. Dazu wird jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß nicht nur den minderjährigen Kindern, für die der Betrag in Sparkassenbüchern bis zum Tage ihrer Volljährigkeit festgelegt worden ist, sondern sämtlichen Kindern— auch den verheirateten— der Betrag aus den noch verfügbaren Mitteln der Spende ausgezahlt wird. Diese Anordnung beruht dem Beschlusse des Arbeiterausschusses, den das Kronprinzenpaar mit den Vorschlägen zur Verwendung der Spende betraut hat. Die Verteilung der einzelnen Beträge dieser Spende besorgt der allgemeine Knappschaftsverein in Bochum. * Hattingen, 27. Aug.(Vertierter Mensch.) Der Hüttenarbeiter Urbaniak aus Welper wurde dabei abgefaßt, wie er ein 7jähriges Mädchen im Ruhrgäßchen vergewaltigte, das er durch Versprechungen an sich lockte. Es handelt sich um einen alten Zuchthäusler. * Steele, 27. Aug.(Schweres Grubenunglück.) Auf der Nachbarzeche„Eiberg“ gerieten die Bergleute Thomas Jarascek aus Horst und Johannes Sieberg aus Eiberg unter niedergehendes Gestein, das beiden den Tod brachte. Erst nach mehrstündiger Arbeit konnten die beiden zutage gefördert werden. Sie waren verheiratet und jeder von ihnen hinterläßt drei Kinder. * Essen, 28. Aug.(Ein frecher Schwindler.) Ein hiesiger Buchhändler kaufte am 22. d. M. von einem jungen Manne, der auf eine Zeitungsannonce zu ihm kam, ein Fahrrad zum Preise von 75 Mark. Der junge Mann erklärte, er habe das Rad erst 11 Tage gefahren und er wolle noch den Garasttieschein beibringen. Dem Verkäufer wurden dann 75 Mark ausbezahlt. Einige Tage darnach kam der junge Mann wieder und teilte dem Buchhändler mit, er könne jetzt das Rad für 120 Mark verkaufen. Er könne 35 Mark verdienen, wenn er das Rad zurück erhielt. Der Buchhändler ging darauf ein und führte das Rad an der Hand. Unterwegs verstand der Mann den Buchhändler zu bewegen, ihm das Rad zu überlassen, um ihm dessen Vorzüge zu zeigen. Der Gauner fuhr mit dem Rad auf und davon. Weitere Ermittelungen ergaben, daß das Rad am 20. August in Bochum gestohlen worden war. * Düsseldorf, 28. Aug.(Einer der nicht Soldat sein will.) Der Alan Arthur Heintze von der 1. Eskadron des hiesigen Ulanenregiments Nr. 5 hatte sich mit seinem Karabiner zwei Glieder des kleinen Fingers der linken Hand abgeschossen, um sich dadurch seiner Dienstpflicht zu entziehen. Als die Tat entdeckt wurde, flüchtete Heintze nach Belgien, wo er sich nicht verständigen konnte. Er kam zurück und durchwanderte zu Fuß das deutsche Reich bis zur russischen Grenze. Dabei hat er zwei Diebstähle begangen. Das Kriegsgericht verhängte über den geständigen Angeklagten eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Außerdem wurde auf Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes erkannt. * Düsseldorf, 27. Aug.(Wertvolle Schenkung.) Kommerzienrat Dr. Schönfeld hat der städtischen Gemäldegalerie seine Sammlung mit 145 Oelgemälden, die einen Gesamtwert von mindestens 300000 Mark repräsentieren, zum Geschenk gemacht. Die Stiftung bleibt bei Lebzeiten noch in dem Besitze des Stifters. * Saarbrücken, 28. Aug.(Aus Gram in den Tod.) Bei einer Schlägerei hatte hier vor einigen Wochen einer der Beteiligten den Kaufmann Ehrenberg, der nur zufällig des Weges kam, in den Unterleib gestochen. Die Verletzung war so schwer, daß der junge Mann einige Tage darauf unter gräßlichen Schmerzen im hiesigen Hospital starb. Jetzt hat sich seine Braut aus Gram über seinen Tod in den Deutschmühlweiher gestürzt, aus dem sie als Leiche herausgeholt wurde. Der Messerheld ist verhaftet. Bunte Chronik. Zwei neue Mittel gegen die Tuberkulose haben sich jetzt erprobt. Einerseits ein Teerpräparat Sputan, das die meisten der aus dem Teer gewonnenen, bei Tuberkulose wirksamen Substanzen besonders stark enthält und nach der„Deutschen AerzteZeitung" bei Kniegelenks=, Hoden= und Knochentuberkulose mit gutem Erfolg angewandt wurde. Andererseits eine Mischung von Asphalt mit Myrrhe und Benzoeharz, die, wie die„Therapie der Gegenwart“ mitteilt, auf Grund der Erfahrung hergestellt wurde, daß Asphaltdämpfe bei Krankheiten der Athmungsorgane heilwirkend sind. Der unerträgliche Asphaltgeruch ist bei der Mischung beseitigt, die beim Verdampfen eine angenehmen Geruch gibt. Die Fumiform genannte Mischung wurde zu Tabletten gepreßt, und Räucherapparate lassen diese verdampfen. Bei tuberkulösen Lungenerkrankungen und auch bei Keuchhusten wurden gute Erfolge damit erzielt. Sprachenverhältnisse im Reichsland. Angesichts der lebhaften französischen Agitation in Elsaß=Lothringen ist die statistische Feststellung der Sprachenverhältnisse im Reichsland von hohem Interesse. Darnach haben die deutsche Sprache als Muttersprache angegeben: Im Kreise Straßburg=Stadt 96 78, Straßburg=Land 99%, Erstein 997, Hagenau 997, Molsheim 75 pCt., Schlettstadt 94 pCt., Weißenburg 99 ¾, und Zabern 98¾. Im Oberelsaß stellte sich die Verhältnisziffer folgendermaßen: Altkirch 94½/, Kolmar 97 7/8, Gebweiler 98 7 Mülhausen 96 pCt., Rappoltsweiler 66 pCt., Thann 97 pCt. In Lothvingen sprechen Deutsch als Muttersprache im Kreise Metz=Stadt 74%, Metz=Land 46 //8, Bolchen 84 7, Chateau=Salins 30%, Diedenhofen=West 54, Forbach 95%, Saarburg 76%, und Saargemünd 89 pCt. In ganz Elsaß=Lothringen haben also 86,97 die deutsche Sprache und 11,03% der Bevölkerung die französische Sprache als Muttersprache angegeben. Brotgetreideernte. Nach einer sehr vorsichtig aufgestellten Schätzung der diesjährigen deutschen Brotgetreideernte würde man, wie uns ein Mitarbeiter mitteilt, ungefähr folgende Zahlen für die wichtigsten Getreidearten erhalten, denen die letztjährigen in Klammern beigefügt seien: Winterweizen 32,385 Mill. dz(33,497 Mill. dz), Winterroggen 101,799 Mill. dz (105,913 Mill. dz). Im ganzen berechnet sich die Brotgetreideernte schätzungsweise für 1909 auf 145,06 Millionen Doppelzentner, 149,49 Millionen im Jahre 1908. In Wirklichkeit ist sie aber jedenfalls noch höher, die Minusdifferenz gegenüber 1908 also geringer. Aber selbst wenn die Ernte um 4,4 Millionen Dopelzentner hinter dem Ertrag im Jahre 1908 zurückbliebe, häten wir es mit einem recht befriedigenden Ertrage zu tun. Denn die Ernte wäre, abgesehen vom Jahre 1908, der Menge nach die ertragreichste. Depeschenwagen. Wie wir von militärischer Seite erfahren, sind bisher von den kleinen„Depeschenwagen“ bei unserer Kraftfahrabteilung schon vier Wagen erprobt und als tauglich befunden worden. Die Depeschenwagen werden evtl. anstelle der Motorräder unserer Kraftfahrabteilung benutzt werden, da sie nicht nur eine größere Geschwindigkeit ermöglichen— sie fahren bis zu 75 Kilometr in der Stunde,— sondern auch einen bedeutend größeren Bewegungsradius haben. Besonders zeichnen sie sich dadurch vor den Motorrädern aus, daß sie auf schlechtem Gelände, aufgeweichten Feldern fahren können, wohin die Motorräder nicht kommen. Die Depeschenwagen bieten für zwei Mann Besatzung Raum. Die Wagen führen ständig an Benzin einen eisernen Bestand von 6 bis 10 Litern mit sich. Der Anstrich der Wagen ist feldgrau. Unsere Banknoten. Während beim Erlaß des Bankgesetzes vom Jahre 1873 das für das deutsche Reich festgesetzte Kontingent an steuerfreien Banknoten noch unter 33 Banken verteilt werdne mußte, existieren gegenwärtig außer der Reichsbank nur noch 4 Notenbanken: die bayerische Notenbank, die Sächsische Bank zu Dresden, die Württembergische Notenbank und die Badische Bank. Aber auch sie sind verschieden bezüglich der von ihnen ausgegebenen Banknotenarten. Die Reichsbank hat von jeher Banknoten zu 100 und 1000 M ausgegeben, und kennt seit dem Gesetz vom 20. Febr. 1906 auch solche zu 20 und 50 M. Die Bayerische Notenbank, die Württembergische Notenbank und die Badische Bank haben nur 100 M=Noten zur Ausgabe gebracht, während Noten der Sächsischen Bank zu 100 und 500 M umlaufen. Der Betrag der letzteren war stets der kleinste unter den Banknotenarten; er beziffert sich auf 17,8 Millionen A am Ende des Vorjahres. Dann folgte der Betrag der Banknoten zu 50 M mit 137,2 Millionen, dann der zu 20 M mit 145,9 Millionen, darauf der zu 1000 M mit 385,6 Millionen und schließlich der zu 100 M mit 1440,2 Millionen A. Die 100 A=Banknote, die von allen Notenbanken ausgegeben wird, ist also mit dem Höchstbetrage im Umlauf. Auf die Reichsbank kam von dem gesamten Banknotenbetrage in Höhe von 2124,7 Millionen N eine Summe von 1975,4 Millionen M, wovon 1308,7 Millionen 100 M=Banknoten waren, auf die Bayerische Notenbank 65 Millionen M, auf die Sächsische 43,3 Millionen, auf die Würtembergische 21,6 Millionen und auf die Badische Bank 19,3 Millionen. Daß auch der Betrag der gesamten, in Umlauf befindlichen Banknoten von Jahr zu Jahr sich steigert, ergibt sich daraus, daß Ende 1904 für 1751,3 Millionen, Ende 1905 für 1808,4 Millionen, Ende 1906 für 1929,4 Millionen und Ende 1907 für 2026,9 Millionen A Banknoten im Umlauf waren. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. In der Heimat. Roman von Rose vom Spielberg. 14 „Hast Du auch die Absicht, sie den anderen Familien der Nachbarschaft vorzustellen?" „Vorläufig noch nicht.“ „Ich bin ganz Deiner Ansicht, sie muß erst etwas abgeschliffen werden. Dann also auf Wiedersehen, Hellmut.“ Sie rauschte hinaus wie eine Königin, und als sie nach etwa einer Stunde aus dem Zimmer der Ruffer heraustrat, um nach ihrem Wagen zu gehen, lag ein unverkennbar triumphierender Ausdruck in ihren Zügen. Von einer schlechten Stimmung war nichts mehr zu merken. Sie nickte sogar dem sich respektvoll verbeugenden alten David, an dem sie vorübergehen mußte, huldvollst und gnädigst zu.. ein noch nie dagewesenes Faktum. ** Einige Wochen waren vergangen. Anita schien sich schon etwas in die neuen Verhältnisse eingelebt zu haben, wenigstens kam nie eine Aeußerung über ihre Lippen oder eine Handlung zum Vorschein, die das Gegenteil besagt hätte. Mit ihrer alten Lisette hatte sie es sich in ihren drei Zimmern so behaglich wie möglich eingerichtet und verließ sie nur ungern und nur gezwungen. Dieser Zwang wurde nicht willkürlich ausgeübt sondern ergab sich aus den Verhältnissen und Gewohnheiten, und Anita war viel zu klug, um nicht die Notwendigkeit dieses Zwanges einzusehen. So war sie genötigt, das Frühstück mit Fräulein von Ruffer, sowie das Mittagessen mit dieser und dem Onkel zusammen einzunehmen. Dieses kurze Beisammensein bei Tisch trug nicht dazu bei, Onkel und Nichte einander näher zu bringen. Der Graf hatte es meistenteils sehr eilig, wechselte während des Essens nur die gebräuchlichsten Höflichkeitsphrasen und ging nach Tisch seinen Geschäften nach. Die Frühjahrszeit ist für den Landwirt die Zeit, wo es am meisten Arbeit gibt, und Graf Elsburg, der sich selbst,„seinen ersten Inspektor“ nannte, war jetzt mehr unterwegs, zu Pferde auf den Feldern und Gütern, als daheim auf der Elsburg. Anita kam diese Abwesenheit des Oheims, dem sie sich innerlich ganz fremd fühlte, sehr gelegen. So hatte sie genügend Zeit, sich in die neue Umgebung einzuleben und ihrem erzwungenen Aufenthalt hier die besten Seiten abzugewinnen. Anfangs ließ sie die Hausdame, in der sie nach ihres Onkels Weisung eine Respektperson zu sehen hatte, gewähren, denn so war es nach des Grafen ausdrücklichem Wunsche. Anita sollte sich erst an die Verhältnisse gewöhnen. Sehr fein und geschickt verstand es Fräulein von Ruffer jedoch, Anita allerhand erzieherische Winke zu geben. Leider wußte sich Anita ebenso geschickt ihrer Gesellschaft zu entziehen, so daß es an Gelegenheit fehlte, auf sie einzuwirken, und auch die gelegentlichen Ermahnungen schienen wenig zu fruchten. Anita erwies sich trotz ihrer sechzehn Jahre als ein vollständig selbständiger Charakter, der sich nicht in enge Grenzen oder gar ummodeln und beschränken ließ. Vor allen Dingen war ihr jeder Zwang verhaßt. Sie konnte nicht einsehen, daß es notwendig sei, stets in Gesellschaft der Ehrendame zu sein. Sie war viel lieber allein mit sich oder Lisette; in Gegenwart Fräulein von Ruffers konnte sie sich niemals eines innerlichen Fröstelns erwehren. Sie zog sich darum zurück und blieb, wenn auch stets höflich, doch verschlossen und kühl. Fräulein von Ruffer hingegen fühlte, daß sie sich niemals die Zuneigung dieses Mädchens erringen würde. Darum war es ihr auch weniger zu tun. Nur eins fürchtete sie: ihre Macht zu verlieren. Es konnte und durfte so nicht weitergehen. Geschah nicht jetzt zu Anfang etwas, so war es nicht allein um ihre Autorität geschehen, sondern alle ihre ehrgeizigen Pläne fielen ins Wasser. So angenehm und ihren Zwecken dienlich es ihr zuerst erschienen war, daß der Graf ihr jede Bestimmung über Anita selbständig überließ und sich in keiner Weise um sein Mündel kümmerte, so erwünscht war ihr jetzt seine Einmischung. Er mußte ein Machtwort sprechen, wenn sie Macht gewinnen wollte. Sie bat deshalb den Grafen eines Tages um eine Unterredung, die höflich gewährt wurde. Doch schien der Graf etwas erstaunt über ihr Anliegen und ihre Frage, wie er das Leben seines Mündels geregelt wünsche. Nach seiner Meinung hatte er sich am ersten Tage genügend darüber ausgelassen und geglaubt, daß alles nach seinen Bestimmungen gehandhabt würde. Daß das junge Mädchen auch hierin einen eigenen Willen haben, ja mit seinen Ansichten nicht einverstanden sein könne, hatte er nie in den Bereich der Möglichkeit gezogen. verstand sich für ihn von selbst, daß sie sich gehorsam fügte, nachdem er ihr gleich am ersten Tage den Standpunkt klar gemacht hatte. Mit dem Näheren wollte er nichts zu tun haben. Er war froh gewesen, daß alles wieder im alten Gleis zu laufen schien und daß seine Junggesellenruhe und Arbeit keine Störung erfuhr. Nun rüttelte ihn seine Hausdame mit einem Male aus dieser Ruhe empor. Sehr schonend für Anita, in gewandten Worten und leisen Anspielungen machte sie ihm klar, was sie mit Anita bis jetzt für Erfahrungen gemacht hatte. Er schüttelte verwundert den Kopf.„Aber natürlich darf das Kind sich nicht selbst überlassen bleiben,“ hatte er nur erwidert. „Komtesse Anita verbringt ihre Zeit mit der alten Dienerin, oder sie sitzt im Musikzimmer und singt. Die alte Lisette ist kein passender Umgang für sie.“ „Sie haben recht,“ pflichtete Graf Elsburg bei. „Und es wäre das beste, der Herr Graf veranlaßten eine Umquartierung der Dienerin,“ fuhr sie fort. „Nein, nein,“ wehrte er nun ab,„vorläufig lassen wir es noch dabei. Meine Nichte wird sich allmählich in die neuen Verhältnisse zu schicken wissen. Auch was die Ausübung der Musik betrifft, will ich keine Einschränkung. Das war das Resultat ihrer Unterredung mit dem Grafen gewesen, und sie hatte absollt nichts erreicht. Vielleicht gelang es Gräfin Winzelberg. ihren Bruder aus seiner in Bezug auf Anita allzu gleichgültigen Ruhe zu wecken. Bei der nächsten Gelegenheit klagte sie der Gräfin unumwunden ihre Sorgen. „Ja, Sie haben recht, liebe Ruffer, Anita ist ein ganz unerzogenes, widerspenstiges Ding, erwiderte diese.„Ihrer Energie würde es wohl gelingen, den wilden Vogel zu zähmen, wenn mein Bruder Sie unterstützte. Nun, vertrauen Sie mir nur, ich werde die Sache schon arrangieren.“ Hellmut hatte, wie er es seiner Schwester versprochen, soleich in den ersten Tagen seine Nichte nach Winzelberg geracht 181.20) W. ie 8 S S..— #0 *** —* — 9: 9 Sece S. Ge • S9s S#SE S. gs E suhs S 9— „ SSGe * 9g. S 6—2 S 9.380 Soto7 *7* 7O 70 2 9•. 1 5 7 8 #9 * * 0 2— **7 # E 8 9* a 52 95 2 S 9 —.** *• * 400 9•• S 23•K R— 9 f*. 5 40 8 **% * S 9" 9S— □ □ 0 2 9 #0 7 5 — 0—2 F 5 S###. SSn „ S# *. 9..... SATAUTNT %% O-ESSGT . GS•• 1 — 00— .— E: 5 S 2 S 9 9 *## 8 9 99.— 290—* 0 2 5 * 9 = 8 * s. + S6TS S*2*— 8 8 8 .* 02 S— 4 9—8 # 5 S S 22. 5 8 — 8 5• 6 — 8. 8.5 Sm 2 8 S.: S. SJE 9—. ∆ . □ 8 G S: * G 8 * 2 1 9 S von allen Seiten. Dann seufzte sie tief auf den Bienenkorb hin und her, daß der Inhalt klapperte. Und sie seufzte wieder. Voll war er noch lange nicht. Aber zu dem hut würde es wohl reichgapgng gang dumme Verlobung! Was hatte man denn vur Kurt schrieb so selten, und sie— ja, sie wußte auch wirrlich nicht recht, was sie ihm antworten sollte. Einem Vetter konnte man ganz anders schreiben als einem Bräutigam. Wenn Hans Kurt no9h) Hie;„en Gtreiche dann wollte sie ihm alles erzählen, all die ihene aus der Selekta, und vom Rodeln hätte sie ihm berichten können, wie famos es ginge mit BrZper einen.#e. Aog Student im zweiten Semester war. Aber ern:" uligam schreiben, ging wirklich gräßlich schwer! und das Sparen war auch eine langweilige Geschichte! Wo man in Geld oft so nötig hatte! Da war in der des ersten Putzgeschäfts ein Hut, ach Gott, das reine Gedicht! Weißes Stroh mit einem Kranz von Vergißmeinnicht und mit einem hellblauen Chiffontuff und mit Seide abgefüttert. Einfach suß: Aber Mama hauptete, der Matrosenhut bom beiznzgegxerzmenie gagte wie neu und genüge für ein Schulmareun halte manchmal so komische Ansichten. Als ob eine Selektanerin ein Schulmädel Ja, und mit dem Hut. Mama hatte gesagt:„Wenn du ihn von deinem Taschengeld bezahlen kannst, hab' ich nichts dagegen. Und nun überlegte Irmtrud schon seit gestern abend, ob es wohl sehr schlecht und treulos sei, für das Kommißvermögen aus der Sparbüchse den Hut zu kaufen. Es lockte sie so furchtbar, er würde ihr so reizend stehen! Und— und— sie würde ja doch im ganzen Leben kein halbes Kommißvermögen zusammenbringen, auch nicht, wenn sie alles Geld aus dem Bienenkorb auf Zinseszins anlegte. Und vielleicht hatte der arme Junge, der Hans Kurt, auch manchmal einen Wunsch— wirklich, schon aus Rücksicht auf ihn war es einfach geboten, mit der dummen Sparerei aufzuhören. Und flugs setzte sich Irmtrud an ihren zierlichen Schreibtisch, und die Feder flog nur so übers Papier: Lieber Hans Kurt, sei mir, bitte, nicht böse, aber weil's doch niemals reichen wird, was wir ersparen, auch nicht mit Zinseszinsen, will ich heute das Geld aus meiner Sparbüchse nehmen und mir einen Sommerhut dafür kaufen, den ich sonst nicht kriege. Und ich glaube, wir waren ein bißchen dämlich, als wir uns verlobten, wenn's auch damals wundervoll war. Aber ich bin inzwischen zu der Ueberzeugung gekommen, daß es ein Irrtum war. Wir lieben uns nicht mit der großen Liebe, die immer in Romanen so herrlich beschrieben ist. Es wäre mir viel angenehmer, Du wärst wieder Vetter Hans Kurt und ich Deine Cousine. Dann könnt' ich Dir auch viel mehr und ganz anders schreiben. Und nun muß ich schließen; der Vergißmeinnichthut ist sonst am Ende schon weg, und das wäre entsetzlich. Bitte, sei mir nicht böse, lieber Hans Kurt, es geht wirklich nicht anders. Er steht mir zu gut. Fritz Arnold sagt auch, ich müßte immer Hellblau tragen. Fritz Arnold ist nämlich im Winter viel mit mir gerodelt, und er hat einen vorzüglichen Geschmack und studiert schon im zweiten Semester sed V. a5 grüßt Dich herzlich Deine Dich liebende Irmtrud. Irmtrud erhielt postwendend Antwort auf diese Eistel. Ste lantete: Hurra, Irmtrud, Du bist doch ein gunz samoses Mädel! Wenn Du auch— aber, na, das wollen wir ruhen lassen! Es war ja wirklich ein großer Unsinn. Nun kann ich mir hundert Zigaretten und zwei Flaschen Kognak kaufen. Morgen ist mein Geburtstag, und da muß ich was schmeißen. Und dann sind wir quitt. Du legst das Kommißvermögen in einem Hut, ich in Kognak und Zigaretten an. Ga., baß wir tüchtig gespart haben seit unserer Verlobung. Nun haben wir doch was davon. Ich kann Dir heute nichts weiter schreiben, denn gleich beginnt die Arbeitsstunde. Den Vergißmeinnichthut kann ich mir vorstellen. Friedel von Hopfgarten hat so'n ähnlichen, weißt Du, die Schwester von meinem besten Freund im Korps. Ich bin fast jeden Sonntag mit bei seinen Eltern in Berlin. Friedel trägt auch mit Vorliebe Blau, steht ihr großartig. Ja, liebes Cousinchen, mit der großen Liebe, da hast Du, glaub' ich, ganz recht. Aber deshalb können wir doch gute Freunde bleiben. In diesem Sinne grüßt Dich herzlich Dein treuer Vetter Hans Kurt von Wartensleben. Aphorismen von Carrière. Das künstlerische Glaubensbekenntnis des großen französischen Malers der Dämmerungen und Träume Eugène Carrière enthüllt ein Buch, das aus den Vorreden zu seinen Katalogen, aus seinen Aufzeichnungen, intimen Briefen und Gesprächen zusammengestellt ist. Die Rätsel der Persönlichkeit und der Moral haben den Künstler vor, allem beschäftigt.„Es ist ein feststehender Gedanke," so schreibt er,„daß wir alle in uns ein zweites Wesen besitzen, auf das wir nicht achten, aber das nicht minder Anteil nimmt an unserem Leben. In mir ist dieses Gefühl so start, daß ich glaube, es aussprechen zu müssen. Mein äußeres Sein steht fast völlig im Gegensatz mit meinem inneren Wesen, dem ich mein ganzes Leben lang ohne Widerspruch habe folgen müssen. Jetzt erst habe ich nun eine ganz deutliche Empfindung dieser doppelten Persönlichkeit, die nichts mir früher so stark zum Bewußtsein gebracht hatte.“—„Traurigkeit kommt von Selbstsucht her,“ schreibt er ein andermal,„denn der Mensch, der sein Leben für keinen anderen hingibt, schließt sich selbst ab und trennt sich von den Menschen. Daher kommt seine Traurigkeit.“ Leben der Menschen scheint ihnen so elend und jammervoll, weil sie hartnäckig nur an ihre Schwächen und niemals an ihre Kräfte denken.“—„Krankheit ist furchtbar, denn man hat sich dann nicht mehr selbst in der Gewalt. Sie lehrt uns, wie notwendig die Menschen einander sind.“—„Die menschlichen Tugenden sind allein auch künstlerische Tugenden.“ In solchen Sätzen stellt sich die edle, menschliche, leidensvolle und resignierte Weisheit Carrières dar. Bumor. Der Weinkeller.„Sag' mal, lieber Sohn,“ fragte der Schwiegervater in spe,„wirst du dir denn auch einen Weinkeller einrichten?“ „Na,“ meinte der junge Mann, der sich nicht ganz klar darüber war, wie er die Frage aufzufassen habe,„wir werden natürlich immer ein paar Flaschen Wein im Hause haben, im Fall jemand krank werben sollie.“ „Sehr gut," versetzte der alte Herr,„dann konnt ihr mich zweimal die Woche bei euch erwarten, und ich werde jedesmal krank werden.“ Sg .„ RE S S 0.— BSEIE „.*** FS TR &am ou. S E:9„* S„S B S 8 S— R S 8nSP Se’. + e SH9E „. 1 S•. SSxg **** * F S Ses S e 5 ——— 40 S 3#g E 5*— *** 9= K# * A e#rs S##Pgns B S* g-TUUSE S F. SEx #angeer S:— ##### 8 8 S.5— an. Sggs n e7 2 c 8 55 7 Segen *=.• 1.— ostS: K 41. Jahrgang. O Grlies und älteltes Cagesorgan des Kreiles. 0 haupt-Annovcenbigtt — Schlettstraßburg=Land 8 # S SS SSERS □ S 3 5e- 5 00 8 S 2 ∆— □ S n 5g. a G #### 5 * 8 2.—— # 89 2 22 S 5 8 5 S 9336 r S• 53 s. 5# 5 BSEERE a 8 2 5 „S S• u 5""* a“„ WAES * E HE-SEES 8 3ES O Engmenu S 5 ß. EgES# 9 SSSS 2 8## * S„ 5— #S6 s 858 S— S u TS— S S C T 52 * SOE3L5 *E"SSES S a T***" S ESgE ##Sn: 2. * nn S SSTTPNE S 3 SiS, TnEENN ##R: # SRN S SSSS E 3.• P. Sppg S FEEEGEEE 12 18 S S 8 8 S* ∆ 5 5#.# Se#g 9 E„ O* SSp#ss SHMTEN 9 5 8.2 8 5 * □ ∆ 2 E 0 6 S* G S 3 *#: S oP-P5ETE à EÄSSBESZUBSINE S5 85 S S SASE PFTH Kp; SHSSEREEER S 8 52* BLohnE S###5S#SES * Bi*S 98 80 S.3 3##. S FE K ##0 S#gsE E-EI E IAAEUHSS"* am 80 5 5 wie der menschenscheue und vergrämte Vetter Klemens, zur Verwunderung seines Bruders Klaus, in ihrem Hause sich so wohl fühlte, daß er ihn allein nach Schlesien zurückreisen ließ und immer noch ein paar Tage länger blieb; wie Gottliebe ordentlich aufblühte, Klemens schätzen und lieben lernte und gestern mit freudigem „Ja“ ihre Hand in die seinige legte. Nachdem Champagner serviert war, erhob sich Graf Walkerode und brachte in herzlichen Worten die Gesundheit der Brautpaare aus. Er, die Gräfin und Gerda schauten Agnes beim Anstoßen der Gläser ganz besonders liebevoll an und flüsterten ihr freundliche und tröstende Worte zu, die ihr wohl taten. Als sie dann endlich nach herzlichem Abschied von allen nach Tempelbach fuhr, war sie in heiterster Stimmung. Der Justizrat Hörn empfing sie mit wahrhaft väterlicher Güte. Der alte Herr war, was ihm selten passierte, gerührt, und um es zu verbergen, wetterte er scherzend und mit lauten Worten gegen die Jugend von heutzutage, die sich heimlich verlobte, ohne erst die alten Freunde um Rat und Erlaubnis zu fragen. „Und was das schlimmste dabei ist,“ setzte er dann gut gelaunt hinzu,„ich habe es selbst gewünscht, als der Kurt Barr zum erstenmal bei mir war und ich sein Herz erkannte, daß mein neuester Klient und meine liebste Klientin ein Paar werden möchten.“ Alles Protestieren von seiten Agnes' nützte nichts, er holte eine Flasche seines allerbesten Rheinweins, um mit ihr auf eine glückliche und gesegnete Zukunft anzustoßen. Ehe sie ging, um die Besorgungen zu machen, nahm sie Hörn bei der Hand.„Mein liebes Kind, die Frau Gräfin Walkerode hat versprochen, Ihnen in dieser Zeit Ihre liebe, selige Mama zu ersetzen, und das ist sehr schön und nett von ihr. Ich aber bitte mir aus, die Rolle des Vaters übernehmen zu dürfen. Die langjährige Freundschaft mit Ihrem verstorbenen Papa gibt mir ein Recht dazu. Sie sollen nicht ohne anständige Aussteuer in die Ehe gehen. Geld werden Sie jetzt nicht flüssig machen können, Ihr Bräutigam braucht das Kapital vor der Hand noch selbst, das weiß ich. Ich ersuche Sie daher, über meinen Geldschrank zu verfügen. Sie geben es mir später einmal zurück.— Nein, nein, keinen Dank.— Adieu!“ Ehe Agnes sich versah, hatte sie der alte Sonderling zur Tür herausgeschoben. Die Großgrundbesitzer der Umgegend Tempelbachs stellten meist ihre Pferde im„Schwarzen Roß“ ein. Auch Agnes war dort vorgefahren, um den müden Gäulen eine kurze Rast im Stall zu gönnen. Sobald sie die Einkäufe gemacht hatte, begab sie sich dorthin zurück, hieß den Kutscher anspannen, bestellte sich eine Tasse Kaffee und ging in das„reservierte Zimmer“, in dem sich die Damen gewöhnlich aufhielten. Es war leer. Nach einigen Minuten brachte der Kellner das Gewünschte, Agnes bezahlte und schickte sich eben an, nachdem der Bedienstete das Gemach verlassen, das etwas zweifelhafte Getränk zu trinken, als sich die Tür wieder öffnete und Donatus Heuberg mit einer tiefen Verbeugung hereintrat. Die Gesellschaft des Oberrankiner Erben war Agnes durchaus nicht angenehm, doch grüßte sie höflich wieder und reichte dem jungen Herrn, in dessen Elternhause sie kürzlich Gast gewesen war, die Hand. Donatus zog sie mit einer nochmaligen Verbeugung an die Lippen. „Ich preise den Zufall," begann er die Unterhaltung, der mich heut nach Tempelbach führte und mir so die unerwartete Freude und Ehre verschafft, Sie, mein hochverehrtes, gnädiges Fräulein, begrüßen zu dürfen.“ „Ich war in Schönholz und hatte Gelegenheit, dort zwei Brautpaaren meine Glückwünsche darbringen zu können.“ „Zwei Brautpaaren?“„ „Ja! Fabian Witzenhagen und Gerda Walkerode, Gottliebe Gernow und ihr Vetter Klemens aus Schlesien. Beide Paare sind seit gestern verlobt. Sie können sich denken, daß es eine sröhliche Tafelrunde war.“ „Was Sie sagen, mein gnädiges Fräulein! Das sind ja großartige Neuigkeiten! Sind die Verlobungen schon öffentlich?“ „Wie würde ich sonst etwas verraten, Herr von Heuberg! Sicherlich werden beide Anzeigen morgen oder übermorgen bei Ihnen eintreffen." „Die Glücklichen sind nun am Ziel ihrer Wunsche!“ Donatus seufzte tief und schaute Agnes schmachtend an. Sie tat, als bemerkte sie es nicht.„Gerdas Verlobung kam mir allerdings nicht überraschend. Sie und Fabian lieben sich schon lange,“ meinte sie ruhig.„Dagegen ahnte ich nicht einmal das Vorhandensein des Bräutigams von Gottlieben. Um so herzlicher freute es mich für sie. Sie scheint sehr glücklich zu sein. Er ist nicht mehr jung, aber heiter und sehr nett und im Alter gut zu ihr.“. 4. 346 Gatlich „Wer hätte überhaupt geoacht, vaß Gottliebe noch heiraten würde? Eigentlich ist sie doch aus den Jahren heraus!" Donatus machte eine spöttische Miene. „Warum? Sie ist frisch und kerngesund. Natürlich, für einen ganz jungen Herrn paßte sie nicht mehr, dazu ist sie schon zu ernst. Aber sie ist gewiß ganz geeignet, einen älteren Mann glücklich zu machen, der mehr auf Herz und Gemüt, als auf blühende Jugend sieht und dem vor allen Dingen an einem gemütlichen Heim gelegen ist. Die Hauptsache bleibt doch wohl für eine Ehe, daß die Charaktere zusammen passen.“ „O! wie recht haben Sie, mein gnädigstes Fräulein,“ pflichtete Donatus mit einem überraschenden Enthusiasmus bei.„Mir aus der Seele gesprochen! Nur eine wahre Seelen= und Herzensharmonie bietet Gewähr für ein dauerndes Glück in der Ehe. Aber wie viel Verbindungen werden jetzt nur aus äußeren Rücksichten, aus reiner Berechnung geschlossen! Ob wahre, reine Liebe vorhanden ist, danach wird nur noch selten gefragt. Das ist geradezu empörend!“ Herr Donatus machte ein höchst entrüstetes Gesicht... „Allerdings, es ist für ein junges Maochen beschämend zu wissen, daß sie nur ein Spekulationsobjekt ist, meinte Agnes bitter.. Aee 6 „Ja, mein gnädigstes Fräulein, und oeshalb— verzeihen Sie, daß ich den delikaten Punkt berühre— hat es mich aufs tiefste verletzt, daß Sie, die ich so hochschätze, die ich— die ich— so verehre, neulich in unserm Hause in eine derart peinliche Lage gebracht wurden.“...... Wan Gauhara 1. 9. „Ich verstehe Sie nicht, Heri von Heubelg!“ Agnes war auf das unangenehmste berührt und machte ein unnahbares Gesicht. „O! mein gnädigstes Frautein, Sie brauchen sich vor mir nicht zu verstellen, ich weiß alles, die Augen dessen, der eine tiefe Neigung im Herzen trägt, sehen scharf. Ich—.. auf Harr von GauhAgnes richtete sich storz auf.„Herr von Heuberg, ich muß Sie bitten, dies Thema fallen zu lassen, oder Sie zwingen mich, das Zimmer zu verlassen!" Doch Donatus war nun einmal im Zuge und ließ sich nicht aufhalten. „Ich weiß, nicht nur mein törichter Bruder hat Sie in seiner plumpen und unerzogenen Art belästigt, sondern auch Ihr Vetter war taktlos genug, Sie in seinem Hause, in dem Sie das Gastrecht genießen, durch einen aufdringlichen Antrag zu verletzen.“— „Ich verbiete Ihnen, in diesem Ton von meinem Vetter zu sprechen!“ rief Agnes empört und schritt zur Tür, doch Donatus vertrat ihr den Weg. „Sie wollen eine schlecht angebrachte Großmut üben,“ fuhr er unbeirrt fort.„Ich kenne ja Ihr edles Herz, das mich mit Allgewalt zu Ihnen zieht; aber ein Mensch, wie Ihr Vetter, der sich nicht scheut, die Schutzlose unter seinem eigenen Dach zu behelligen—“ (Fortsetzung folgt.) ** F 8 — Denkspruch. Von Herzen glücklich zu lein im Kleinen, Will mir fürwahr als ein Großes erscheinen. E. Ziel. Kommißvermögen. Humoreske von B. Wegreiter. (Nachdruck verboten.) „Er“ war Kadett, das heißt, nicht etwa„Plöner“. oder„Oraniensteiner", sondern„Lichterfelder". Was das sagen will, weiß jeder, der das Wesen des„Korps“. kennt. Im Lichterfelder gibt's nur Sekundaner und Primaner! Hans Kurt von Wartensleben war bereits Obersekundaner, und in drei Jahren würde er Leutnant sein! Wie stolz war„sie“, die reizende kleine Irmtrud von Redern, auf„ihn“! Und wie schwellte es sein Herz mit freudigem Stolz, wenn er bemerkte, wie er„ihr“ imponierte. Sie liebten sich glühend und für ewig! Das hatten sie sich in Onkel Joachims Park unter der großen Kastanie gestanden, zwei Tage vor Ferienschluß. Hans Kurt hatte„ihr“ einen Kuß gegeben, einen ganz zaghaften. Vor lauter Zaghaftigkeit hatte der Kuß nicht die Lippen der kleinen Irmtrud, sondern nur ihr keckes Nasenspitzchen getroffen, und der Schnurrbart des jungen Helden— er hatte wirklich schon einen ganz ansehnlichen— hatte die Nasenspitze so gekitzelt, daß Irmtrud niesen mußte, was der Feierlichkeit des Augenblicks einigen Eintrag tat. Und dann hatte Onkel Joachims Hero ganz in der Nähe gebellt, und wo Hero war, da war Onkel Joachim sicher auch nicht weit. Hans Kurt fand nicht den Mut zu einem zweiten Versuch. Er sagte nur noch mit wichtiger Miene:„Morgen früh, Irmtrud, wenn alle noch schlafen, wollen wir uns hier wieder treffen. Wir müssen doch noch mal richtig über unsere Zukunft sprechen, nicht wahr? Du bist nun meine Braut, und da gibt's eine Menge zu überlegen. Also um 7 Uhr bist du hier.“ Irmtrud hatte genickt, dann war Onkel Joachims Stentorstimme ertönt:„Ihr Kroppzeug, find' ich euch endlich! Tante ist schon ganz böse; ihr hättet helfen wollen Sauerkirschen pflücken.“ „Ach wirklich— das hatten wir ganz vergessen,“ hatte Irmtrud gerufen,„da wollen wir uns aber sputen!“ Und Hand in Hand war das„Brautpaar“ davongestoben. Am andern Morgen erwachte Irmtrud erst um ¾7 Uhr. Sie rieb sich die Augen und besann sich, was— ach Himmel— sie war ja Braut und hatte Hans Kurt versprochen, Punkt sieben an der großen Kastanie zu sein. Schade— sie war noch so furchtbar müde! Am letzten Ferientag hatte sie sich eigentlich noch mal recht nach Herzenslust ausschlafen wollen. Pfui— daran nur zu denken! Wo es sich um Hans Kurt handelte! Wie der Wind war Irmtrud aus den Federn, und rasch war ihre Toilette beendet. Mit gesucht gleichgültigem Gesicht und etwas bösem Gewissen schlenderte sie langsam die Treppe hinab, und auf den Anruf der Mamsell:„Na, Trudelchen, wohin denn in aller Herrgottsfrühe?“ erwiderte sie etwas von oben herab:„Ich will bei dem herrlichen Wetter einen Morgenspaziergang machen.“ Die Mamsell konnte sich doch wahrhaftig nunmehr angewöhnen,„Gnädiges Fräulein" oder wenigstens„Fräulein Irmtrud“ zu sagen.„I, herrliches Wetter nennen Sie das, Trudelchen? Wo's fisselt und ordentlich kalt is?“„Ich denke, es wird sich bald aufhellen,“ gab Irmtrud zurück, und die Mamsell rief ihr nach:„Der Kurt is auch eben raus.“ Die Mamsell sagte nie„Hans Kurt". Sie behauptete, entweder hieße einer Hans oder Kurt, beides zusammen, das sei verrückt. Atemlos und etwas erfroren langte Irmtrud an der Kastanie an. Es fisselte wirklich und war recht frisch. Aber seiner Liebe muß man Opfer bringen können! Und das hellblaue Batistkleid war ohnedies nicht mehr ganz sauber. Hans Kurt wartete schon. Halb glückselig, halb befangen begrüßten sich die Liebenden. Es war ihnen ganz feierlich zumute, und Hans Kurt wagte heute nur einen Handkuß. Dann begann er so ernsthaft, als sollte er einen freien Vortrag in der Geschichtsstunde halten— er hatte sich gestern abend noch alles zurechtgelegt, was er sagen wollte: „Also, Irmtrud, wir sind nun verlobt, und in ein paar Jahren können wir uns heiraten, und dann immer zusammen sein. Aber natürlich darf jetzt noch kein Mensch etwas davon erfahren. Ich bin überzeugt, unsere alten Herrschaften würden behaupten, wir seien noch viel zu jung zum Verloben, aber das ist doch lediglich unsere Sache, nicht wahr? Aun— Eltern haben eben manchmal komische Ansichten von so was. Ich weiß, daß ich dich immer lieben werde, und du, meine süße Irmtrud, wirst mir sicher treu bleiben.“„Ich bin dein auf ewig, Hans Kurt, nichts soll mich von dir trennen,“ hauchte Irmtrud mit vor Aufregung und Kälte zitternden Lippen. Sie hatte mal so was Aehnliches in einer wundervollen Geschichte gelesen, und es paßte jetzt großartig. Dann aber kam ihr plötzlich ein Bedenken:„Sag' mal, Hans Kurt— wie ist's denn mit dem Kommißvermögen? Du weißt doch, ohne das können wir nicht heiraten, und ich glaube, das ist eine Menge Geld, und meine Eltern sprechen immer davon, wie sie sich einrichten müssen—“„Hm, meine auch,“ gab Hans Kurt kleinlaut zu und fuhr dann fort:„Ja, ohne Kommißvermögen geht's nicht, aber das wird sich seinerzeit schon finden. Vielleicht gibt uns Onkel Joachim etwas dazu—“„Ja, und wir können uns doch auch etwas sparen, Hans Kurt. Du kriegst doch sicherlich auch Taschengeld.“„Natürlich, und nicht zu knapp; darin ist mein alter Herr nicht knauserig. Er sagt, ich solle beizeiten mit Geld umgehen lernen.“„Siehst du! Dann können wir doch in ein paar Jahren eine Menge zusammensparen. Wir wollen nur gleich anfangen. Weißt du was, Hans Kurt? Wir kaufen uns jeder eine Sparbüchse, mit so'nem Schlitz und zum Verschließen. Da tun wir dann allemal, wenn wir Taschengeld kriegen, etwas rein und auch, wenn wir mal was geschenkt bekommen. Großmama gibt mir bei jedem Besuch fünf Mark, denk' nur! Und wenn die Büchse voll ist, dann nehmen wir das Geld heraus und legen's auf Zinseszins.“ Bei dem Wort„Zinseszins“ schwebte der kleinen Irmtrud eine fabelhaft schnelle Vermehrung des Kapitals vor. Sie hatte im Rechnen leider immer nur eine III. Eifrig fuhr sie fort:„Und ich esse niemals mehr Windbeutel mit Schlagsahne, und zu Weihnachten und zum Geburtstag wünsch ich mir jedesmal ein Zehnmarkstück, und das kommt in die Sparbüchse.“„Und ich rauche keine Zigaretten mehr; ich sag' einfach, der Arzt hätt's mir verboten. Weißt du, sonst halten mich die Kameraden für schlapp, und eine Notlüge ist erlaubt. Ich rauche ja furchtbar gern Zigaretten, aber dir zuliebe, meine süße Irmtrud—“ Hans Kurt drückte einen feurigen Kuß auf Irmtruds Hand.„Ja, meinst du, Hans Kurt, Windbeutel mit Schlagsahne oder Schillerlocken schmeckten nicht auch großartig? Aber für dich — o, Hans Kurt, ich hab' dich ja so schrecklich lieb— du bist— ach, du bist ein ganz entzückender Junge!“ Hans Kurt konnte nun nicht mehr anders— er mußte seiner süßen kleinen Braut einen richtigen Kuß geben, wenn ihn auch der„Junge“ ein bißchen kränkte. Aber gerade, als er ernstlich Anstalt machte, bellte die Hero wieder, und um nicht von Onkel Joachim entdeckt zu werden, liefen Irmtrud nach der einen und Hans Kurt nach der anderen Seite davon. Und aus dem Kuß wurde wieder nichts. Irmtrud von Redern stand in ihrem hübschen kleinen Zimmer und betrachtete mit tiessinniger zuiene ihre Sparbüchse, einen reizenden Miniatur=Bienenkorb, von in Tanger, speziell im Namen Frankreichs bei Muley Hakeiten zu bewahren, die bieher den gefangenen Vghelgn. guteil dern und den geplanten gemeinsamen Schritt der Konfuln in Fes zu beschleunigen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 30. August. **(Die Nebhuhnjagd beginnt.) Speziell in Preußen und Sachsen, wo vom 1. Dezember bis zum 31. August durch die gesetzliche Schonzeit geschützt sind, bietet sich de „Weidmannsleuten“ jetzt eine neue, sehr erfreuliche Jagdaussicht. Denn ein„Rebhühnerl“ wie die Süddeutschen sagen, i ein beliebter Braten, dem jeder gerne zuspricht, wenn er die nötigen Mittel hat und nicht etwa gerade Vegetariane Ueberhaupt wird das„Piffpaff“ auf den Feldern und Fluren von un an immer Bausiver., Mion ggzelgunger gaoch tzig. 6al der, imner bereit, mit der unterm Arm vrhalge, gpig gen sger propper sein. Wie es heißt, haben die SonntagsMai 1892 erhalten Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften aus öffentlichen Mitteln Der Anspruch auf Unterstützung ist bei der Gemeindebehörde desjenigen Ortes anzubringen, an welchem der Unterstützungsbeechtigte zur Zeit des Beginnes des Unterstützungsanspruches solches nicht binnen vier Wochen nach Beendigung der Uebung beson, io Peogeu de vrgzisentglgte des Einbernisenen, be o der vns, grtezihzichen Tagesagnes füir erwacsene M daß der Gesamtbetrag der Unterstützung 60— der Maßgabe, kuh der Ecsant# Unterstützung 60 Prozent nicht übersteigt. Der Anspruch auf Unterstützung ist von dem Einberusenen oder von dersenigen Pezer„11„. liegt, anzumelden. Die Zahlung erfolgt nach den vorschriften des Bundesrats vom 2. Juni 1892 des Abgangs des Einberufenen zur Uebung für die Zeit bis z1 Schluß des laufenden Halbmonats, b) für jeden folgenden die Uebungszeit fallenden Halbmonat vom ersten Tage desselben im voraus und c) vom ersten Tage des letzten Halbmöna für die Zeit bis zur Beendigung der Uebung, einschließlich der etinge auf eine gopeseanget, eischläehsch der Marshtage. für einem Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten ist in letzter Zeit wiederholt über den Mangel an Raucherabteilen sowohl auf Hauptbahnen als auch auf Nebenbahnen Beschwerde geführ worden, Auchz die. Beobuchtungen, uch zuweisen Mangel an direktionen haben bestätigt, daß sich guuett...#c### Raucherabteilen bemerkbar gemacht hat, während an. raucher= und Frauenabteilen Ueberfluß vorhanden war. Es ist festgestellt worden, daß besonders Züge in den Morgen= und Abendstunden vorwiegend von Reisenden, die Raucheg namentlich Geschäftsreisenden— benutzt werden, wahrent bei anderen Zügen die Raucher in der Minderheit sich Nach den bisherigen Bestimmungen werden nur in säntlichen Personenzügen die Hälfte der Wagen oder Abteilungen erster, zweiter und dritter Klasse ohne Einrechnung, der Frauenabteile und bei ungraden Zahlen auch die übegurgenden Ppteilz, Hl. Nichtraucher bestimmt. Um nun den verschiedenen Anspruch. tunlicht Rechnung zu tragen, hat der„olggin Eisenbahndirektionen ermächtigt, für die grr„ in Einzelfällen, wo die Verringerung der Nichtraucherabteile zweifellos zu keinerlei Anständen führt, die nach obigen Bestimmungen bei ungraden Zahlen überschießenden Abteile als solche für Rauche zu bezeichnen. Die Kgl. Eisenbahndirektionen sind beauftragt, gemacht werden dürfen, alsbald zu bestimmen. **(Besitzwechsel.) Herr C. W. Böhmer hier erwarb die Besitzung des Berginvaliden Böhmer zu Geisecke zum Preise von 10 000 Mark. **(Sedanfeier des Garde= und Landwehr=Vereins.) Anläßlich des denkwürdigen Tages von Sedan hatte der Gardeund Landwehr=Verein gestern nachmittag am„Schützenhoft e Preisschießen veranstaltet, welches sich einer sehr zahlre#chen teiligung zu erfreuen hatte. Mit klingendem Spiel rückte de. Verein gegen 3 Uhr zur Stadt hinaus, und während des ganzen Nachmittags ging's auf den Schießständen mugter Büchsen knallten und ein heißer Kampf um die P##### sche Gebrauchsgegenstände— entspann sich hier, währ die Feuerwehr=Kapelle mit einem abwechslungsreichen Konzen Programm aufwartete. Folgende Vereinsmitglieder konnten mit einem Preise ausgezeichnet den Heimweg antreten: 1. Klasse: Hagemann, Lange, Schreiber, Balster, Sagowsky, Grotensohn, Scherff, Holsiepe, Müller, Edelhoff, Schulte, Lick, Locher, Thoholte, Schmidt, Weikinat, Kuchheuser, Haselhoff, Justus, Ellingnam, Hesse, Kollnann, Tetampo, Pasesztog, Bricher, Schütze, Lick, Hagemann, Schmidt, Balster, Hase.,„, Traunrr, Holsiepe, Grotensohn, Ruhkamp, Hesse, Scherff, Thoholte, Vor der Preisverteilung wies der Vereinsvorsitzende Her Rechtsanwalt Thoholte auf die große Bedeutung des Sedanzages hin, gedachte der siegreichen Armee und ihrer Führer und brachte ein dreimaliges Hurra auf den Kaiser aus, dem die Kaiserhymne folgte. Ein fideles Tänzchen beschloß den schötritt der Tod den Menschen an!) Die an der Hellpothstraße wohnende Frau Isaak Neugarten, eine in den ober Jahren stehende rüstige und gesunde Frau, wurde heute früh von ihrem Manne tod im Bett vorgefunden. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben plötzlich ein Ziel gesetzt. **(Ein Kinderschützenfest) wird am kommenden Donnerstag am„Freischütz“ veranstaltet. Die Leitung desselben wird der bei unserer Jugend im besten Gedenken stehende Seppel“ übernehmen, sodaß ein gutes Gelingen des Schützenfestes, wenn auch das bestellte Festwetter etwa nicht eintreten sollte, wohl gewährleistet ist. Wer also seinen Kindern eine Freude und sich selbst einen recht vergnügten Nachmittag bereiten will, der besuche mit ihnen das Tyroler Kinder=Schützenfest am„Freischütz“.— Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch auf das am„Freischütz“ aufgestellte Panorama aufmerksam machen; diese Woche wird das schöne Thüringen gezeigt. **(Turnverein„Eintracht".) Den Reigen der diesjährigen Rekruten=Abschiedskränzchen eröffnete gestern der „Eintracht"(Mitglied der deutschen Turnerschaft) durch eine wohlgelungene Feier im Kilwing'schen Saale, an der sich außer zahlreichen Gästen auch vier Nachbarvereine beteiligten. Ein äußerst reichhaltiges und abwechselungsreiches Programm war dieser Feier zugrunde gelegt. Musikvorträge der Kapelle des Herrn Kümper wechselten in bunter Folge mit turnerischen und theatral. Darbietungen aller Art ab, sodaß den Festteilnehmern die Stunden viel zu schnell dahingingen. Während einer Konzertpause brachte Herr Engelhardt, der Vorsitzende nach Begrüßung der Gäste und anknüpfend an die geschichtliche Bedeutung des Sedantages in begeisterten Worten das Kaiserhoch aus. Mit einem frisch=fröhlichen Turnerball, der bis zum frühen Morgen andauerte, wurde das schöne Fest beschlossen. Dem Verein, der in diesem Jahre die Rekruten E. Hoppe, W. Engelhardt und H. Schulte zur Fahne entlassen kann, ein kräftiges„Gut Heil“! ** Holzen, 30. Aug.(Turnfest.) Unter Beteiligung einer ganzen Anzahl auswärtiger Turnvereine feierte gestern der Turn=Verein„Einigkeit“ in den Lokalitäten des Herrn Amecke sein zweites Stiftungsfest, welches in bester Weise ver2: Holzen, 28. Aug.(Bautätigkeit.) In unserer Gemeinde wurde in diesem Jahre eine rege Bautätigkeit entfaltet. Es wurden ca. 10 Neubauten errichtet, die meistens Einfamilienhäuser(Rentengüter) und Doppelwohnungen sind. Auch unsere Nachbargemeinde Westhofen ist nicht untätig geblieben. Der Neubau des Gastwirts Neuhaus ist fertiggestellt und auch die Neubauten des Amtsrentmeisters Weistenhöfer und des Rentners Kötter gehn ihrer Vollendung entgegen. * Hilden, 28. Aug.(Verbrüht.) Das 1½jährige Töchterchen des Formermeisters Schönkens wurde von siedend heißem Wasser so schwer verbrannt, daß es alsbald starb. Bunte Chronik. Arbeiterbewegung. In der Leichterschiffahrt des Londoner Hafens ist ein Streik wegen der Arbeitszeit ausgebrochen; die Arbeiter veranstalteten eine geheime Abstimmung über den Generalstreik, der sich auf etwa 20000 Fahrzeuge erstrecken würde. Der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisverband veranstaltet in Verbindung mit dem Sozialen Museum, beide zu Frankfurt a. Main, in der Akademie für Sozial= und Handelswissenschaften zu Frankfurt a. Main, vom 11.—16. Oktober einen Ausbildungskursus für Verwalter öffentlicher Arbeitsnachweise mit anschließenden pracktischen Uebungen. Als Vortraggegenstände sind folgende vorgesehen: Stellung des Arbeitsvertrages im Wirtschaftsleben, Arbeits= und Lehrlingsverträge und deren rechtliche Folgen, die Psychologie des Arbeiter, Grundzüge der Arbeiterversicherung mit Einschluß der Arbeitslosenversicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktberichterstattung, Schwankungen und Verschiebungen des Wirtschafslebens im Zusammenhang mit geographischen Faktoren, Geschichte und Praxis der öffentlichen Arbeitsvermittelung, mit Einschluß der privaten Stellenvermittlung, Armenpflege, Wohlfahrtseinrichtungen und Notstandsarbeiten, das preußische Wanderarbeitsstättengeseß und Wanderarbeitsstätten. Die Vorträge selbst werden durch Besichtigung von öffentlichen Arbeitsnachweisen in Frankfurt, Mainz und Wiesbaden und sonstigen städtischen, privaten und Wohlfahraseinrichtungen(wie städt. Arbeitsvermittlungsstelle, Herberge zur Heimt, Asyl für Obdachlose, Witwerheime, Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen und Gewerkschaftshaus) wirksam unterstützt. Außer einer Einschreibegebühr von 10 M werden weitere Gebühren nicht erhoben. Dampfkesselexplosion. Durch Explosion eines Dampfkessels wurden in einer Fabrik in Oporto 28 Arbeiter schwer verletzt. Einer wurde unter den Trümmern begraben. Fleischvergiftungen. Wie die Blätter aus Toulon berichten, sind nach dem Genuß von verdorbenem Fleisch von der Besatzung des Torpedobootes 174 mehrere Soldaten unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Letzte Drahtmeldungen Todesurteil. Westfalen und Rheinland. * Finnentrop, 29. Aug. Im Alter von 55 Jahren starb gestern im Krankenkhaus zu Altenhundem der Gemeindevorsteher Römberg aus Fretter an den Folgen einer R. hatte am Mittelfinger ein kleines Geschwür, welches bei der Arbeit aufgegangen und durch Schmutz verunreinigt worden war.„„"* 4 * Münster, 22. Aug.(Heimische Straußenzucht.) Die in der letzten Zeit durch die Presse gehenden Schilderungen über Hagenbecks Straußenzucht machen Schule. In der„Landwirtschaftlichen Zeitung für Westfalen und Lippe“ macht ein Landwirt in einem Artikel„Ein Zukunftsbild“ den Vorschlag, als landwirtschaftlichen Nebenbetrieb die Straußenzucht einzuführen. In dem Grunde, den der Landwirt für diesen neuen Betrieb ins Feld führt, liegt der Humor der Sache. Der Landwirt berichtet von seinen ihn sehr betrübenden Erfahrungen, daß ein Hut seiner Gatin soviel koste, wie er für ein Mastkalb löse. Die neue Hutmode verlange immer mehr„Federn aufs Gehirn“, ein kleiner Vogel reiche da nicht aus. Hagenbeck habe gezeigt, daß der Strauß in Deutschland vorzüglich gedeihen könne. Darum könnten die Landwirte sich leicht helfen, um genügend Federn für die Hüte der Gattin und der Töchter zu erhalten. Die Zuschrift schließt mit den Worten:„Jeder Landwirt, der seine Frau lieb hat, aber ihr Nadelgeld knapp halten muß, der Weide und Stallung hat, denke an die Straußenzucht * Burgsteinfurt, 29. Aug.(Eine chochherzige Stiftung) hat der vor einigen Tagen hier verstorbene Kommerzienrat Adolf Rotmann, langjähriger Mitinhaber der großen Tabak= und Zigarrenfabrik Fr. Rotmann, durch letztwillige Verfügung gegründet, indem er 20000 M zu Gunsten des Kontorpersonals und der Meister und 25000 M für die Arbeiter überwies. Die Zinsen dieser Kapitalien sollen dazu dienen, in Krankheits= und Unglücksfällen Unterstützung zu gewähren. Frau Kommerzienrat Rotmann geb. von Basse hat aus Anlaß des Hinscheidens ihres Gatten dem hiesigen evangelischen Krankenhause 3000 M und dem hiesigen evangelischen Jünglingsund Männerverein 1000 A zur Verfügung gestellt. * Saarbrücken, 29. Aug. Der Unteroffizier Reitz vom Infanterie=Regiment 70, der wegen Soldatenmißhandlung in 387 Fällen angeklagt war, ist zu neun Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt worden. * Recklinghausen, 28. Aug.(Einen nieverrrachtigen Streich) beging der auf der Zeche beschäftigte Arbeiter Sluwenski. Um von der Zeche Vorschuß zu erhalten, verfiel er auf den Gedanken, seine Tochter sterben zu lassen. Flugs ging er zum Standesamt und meldete dort sein Kind als an einem schweren Nervenfieber gestorben an. Mit der ihm ausgestellten Urkunde begab er sich zur Zeche und erhielt den gewünschten Betrag. Sehr bald stellte sich die Fälschung heraus, von der auch die Polizei Kenntnis erhielt. Der Mann hatte vor einiger Zeit in einem ähnlichen Falle seine Ehefrau„sterben“ lassen; damals wurde er von der Strafkammer Bochum für längere Zeit hinter die schwedischen Gardinen * Wattenscheid, 28. Aug.(Von einem schweren Schicksalsschlage) ist die Familie Adam Paul von hier betrofsen worden. Zu gleichen Zeit wurden drei Kinder der milie im Alter von 1 bis 4½ Jahren,; die an Scharlach und Diphtheritis gestorben waren, beerdigt. Der Vater selbst lieg schwer krank darnieder. * Bottrop, 29. Aug.(Einen schrecklichen Tod) se vorgestern nachmittag der auf der chemischen Fabrik der Zeche „Prosper 3“ beschäftigte 17 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Ortmann von hier. Er war mit der Entsernung aus einem Klärbassin, das eine heiße Fr####, enthielt, beschäftigt, dabei ist ertin das Bassin gestürzt und hat sich am gan zen Körper derart heftitze Brandwunden zugezogen, daß er einige Stunden nach der Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. Leipzig, 30. Aug. Das Reichsgericht hat die Revision der Witwe Luise Glaeser, die am 24. Juni vom Schwurgericht in Hirschberg wegen Giftmordes zum Tode verurteilt worden ist, verworfen.“ Grubenunglück. Cesnowicze, 30. Aug. In den hiesigen Kohlengruben wurde eine Zeche durch plötzlich ausbrechende Wasser überschwemmt. Man vermutet, daß 26 Bergleute, die z. Zeit in der Grube waren, verloren sind. Arbeiterbewegung. Hamburg, 30. Aug. Die heutigen Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverbande für Binnenschiffer und verwandte Gewerbe einerseits und dem Verband der Hafenarbeiter, Sektion Binnenschiffer, sowie dem Zentralverbande der Maschinisten und Heizer andererseits haben zu einer bis Ende 1912 gültigen Vereinbahrung geführt. Irredentistische Gewaltätigkeiten. Trient, 30, Ang. Ungefähr 3000 Italiener unter der Führung des Reichstagsabgeordneten Avancini beschimpften und bedrohten am Bahnhof die zu den Festlichkeiten nach Innsbruck fahrenden deutschen Schützenvereine. Einzelne Schützen wurden, wie die„Neue Fr. Presse“ meldet, gezwungen zurückzubleiben. Die Gendarmerie schritt ein und verhaftete viele Demonstranten, darunter den Abgeordneten Avancini. Die Flugwoche der Champagne. Bethery, 30. Aug. Courtiß hat Samstag vormittag 10 Kilometer in 7 Minuten 55 Sekunden zurückgelegt und damit den Rekord Bleriots geschlagen. Die Cholera in Rotterdam. Rotterdam, 30. Aug. Einer Mitteilung des Bürgermeisters zufolge sind gegenwärtig in den Baracken 8 Cholerakranke und zwei choleraverdächtige Personen. Der von 3 Kranken ist ernst, der der anderen zufriedenstellend. Am 25. August wurde gemeldet, daß ein Kind an der Cholera gestorben ist; es sind also seit dem 20. August 5 Personen gestorben, und zwar lauter Kinder, während 47 Personen sich unter Beobachtung befinden. Wetterbericht der Deutschen Geewarte. 31. August: Veränderlich, starke Winde, kühl. 1. September: Abwechselnd, windig, wärmer. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn: Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. „Freischütz“. 4513 Donnerstag den 2. September 1909, nachmittags 4 Uhr Tyroler Kinder=Schützenfest— unter Leitung von Onkel Seppel.## Näheres durch Plakate. Habe noch Wohnunge von 2, 3 und 4 Zimmern fur 1. Oktober oder später zu vermieten, letztere bilden eine ab geschlossene Etage. 4537 Hagemann Wöhnung 4 Zimmer à 80 Mark, abgeschlossen, am 1. Oktober zu vermieten. 4465 Iu erfragen Hörderstr 48 1. Eig. Fahnen Reinecke, Hannover 49, Hagen I. W., Weststrasse 99 ###uf sofart gelucht. Näheres beim Wirt Anton Menke, Schweuse. Billig! Billig! 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August, nachmittags 4 Uhr * und abends 8 Uhr: 88 * Grosse Militär-Konzerte nahme Die tieftrauernden Eltern u. Geschwister Höfen b. Ergste, den 28. August 1909. Die Beerdigung findet am Dienstag, 31. August, nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause aus statt. Beschluß. * Das Verfahren zum Zwecke der Zwangsversteigerung der in Geisecke belegenen, im Grundbuche von Geisecke Band I, Artikel 1 auf den Namen des Bergmanns Friedrich Böhmer in Lichtendorf eingetragenen Grundstücke Flur 1 Nr. 187/33, 280/33, 281/341, 154/46, 312/116, und 311/117 wird ausgehoben, da der betreibende Gläubiger den Antrag auf Zwangs=Versteigerung zurückgenommen hat. Der auf den 31. August 1909 bestimmte Termin fällt weg. 4528 Schwerte, den 28. August 1909. Königliches Amtsgericht. ausgeführt vom Balalaika- u. Militär-Musikkorps des Hofkapellmeisters Major Faltis, kaiserlich russischer Garde-Musik-Chef, kais, u. königl. österr. und fürstl. bulgar. Militär-Kapellmeister a. D. usw. 4 9 Eintritt 50 Pfg. 10 Karten 3 Mk. 85 E 5 Statt besonderer Anzeige# de Dankerfüllt zeigen wir die Geburt eines prächtigen Knaben 228 an Gelsenkirchen, den 27. August 1909. Waterloostrasse 42 4535 Pastor Schumacher u Frau## Claire geb. Ostermann. Dienstag, Mittwoch gebe ich auf meine hochfeine Margarine Einmachtöpfe u. Einmachgläser. Durch Masseneinkauf mit verwandten Geschäften bin ich in diesem jahre in der angenehmen Lage, Einmachgläser und-Töpfe so billig zu verkaufen, dass: es im eigensten Interesse einer verehrt. Kundschaft liegt, von dieser billigen Offerte Gebrauch zu machen. Beachten Sie bitte die Preise im Schaufenster. Fritz Neuwerth. doppelte Rabatt=Marken außerdem erhält jeder Kunde beim Einkauf von 3 Mark eine 4533 Goldrand=Tasse geschenkt! Frau Otto Schmidt, Hagenerstraße 8.— Gärten-Verpachtung Dienstag den 31. 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