Amtüches Kresblalt für den kreis börde — Schwerter Volksblatt □ esbeie estsch. ai o., a at a u e e e. Die Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Berugspreis: mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: o“Illustrierter Familientreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1# Pl., Anzeigen von auswärts 18 Pl., Reklamezelle 40 Pf. Die“Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstützung esd i Pr, Sehinesdte ue P. Erstes und ältestes Cagesorgan des Rreises C haupt-hnnoncen. Alie kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“schwerter Zeitung“ rechtse c c c c e verbindische Rraff e ccc9 Druck und Verlag von Carl Braus. Fernsprecher Nr. 62 Celegr.-Aäresse: Braus, Schwerte-Ruhr —— Nr. 199 Donnerstag den 26. August 1909 Der schwedische Massenaufstand und seine Lehren. 41. Jahrg. Neueste Nachrichten. Antideutsche Maßnahmen in Böhmen. Tetschen a. Elbe, 26. Aug.Das tschechische Bürgermeisteramt in Trebnitz untersagte die Wiederanbringung des preußischen Adlers an dem neu hergestellten Denkmal der 1866 in Trebnitz verstorbenen preußischen Soldaten. Das alte Denkmal war im vorigen Jahre durch fanatisierte Tschechen zerstört worden. Eine Spiritusindustrie=Konferenz. Berlin, 26. Aug. Im Sitzungssaale des Reichsschatzamtes findet morgen eine vom Staatssekretär Wermuth einberufene Konferenz von Fachleuten der Spiritusindustrie statt. Die Konferenz soll über die Wünsche der Industrie sich äußern mit Hinblick auf die bevorstehende Beschlußfassung des Bundesrats über die Ausführungsbestimmungen zum Branntweinsteuergesetz. Erdbeben. Siena, 26. Aug. Gestern nacht, etwa 1 Uhr 25 Min., erfolgten in der Provinz Siena mehrere starke wellenförmige Erdbeben, durch die die bestürzten Bwohner aus ihren Häusern ins Frei getrieben wurden. In Buenconvento sind mehrere Häuser eingestürzt. Eine Person ist getötet, mehrere sind verletzt worden. Aus San Lorenzo wird gemeldet, daß fast alle Häuser eingestürzt oder schwer beschädigt sind. Viele Personen wurden verletzt. Weitere Nachrichten über den Einsturz von Häusern und Verletzungen von Personen kommen aus Piombine und anderen Orten. Cholera asiatica. Amsterdam, 26. Aug. Aus Rotterdam wird gemeldet, daß dort die Cholera auftritt. 4 Kinder sind bereits gestorben. Anfänglich nahm man an, daß es sich um Vergiftungsfälle handle. Eine gestern mittag stattgefundene Konferenz von Aerzte=Autoritäten stellte jedoch fest, daß es sich unzweifelhaft um Cholerafälle handelt.— Außer vier Kindern, deren Tod zuerst auf den Genuß von Süßigkeiten, später aber nach der bakteriologischen Untersuchung auf Cholera zurückgeführt wurde, ist noch ein Mann auf einem Schiff unter verdächtigen Erscheinungen gestorben. Es befinden sich gegenwärtig 14 Erwachsene und ebensoviele Kinder in Baracken unter Beobachtung. Es sind alle Maßnahmen getroffen, um eine Weiterverbreitung der Cholera zu verhüten. (Weitere Meldungen siehe letzte Seite.) Der langwierige schwedische Massenstreik ist in sein letztes Stadium eingetreten, in das der Abbröcklung der Arbeiter von den Organisationen. Ueberall melden sich Leute, die drei Wochen lang die Qualen des Streiks mitaushielten, bei den Unternehmern. Diese haben zum Schutze der Arbeitswilligen weitgehende Maßnahmen getroffen und werden in ihren Bestrebungen noch wirksam von der Regierung unterstützt. Je zahlreicher die Arbeitswilligen werden, die um jeden Preis geschützt werden sollen, um so größer wird die Gefahr des bruches von Gewalttätigkeiten. Aber dieses letzte Aufbäumen ist auch der Todeskampf, mit dem der Generalstreik sein Ende Ein Streik von der Ausdehnung, wie er soeben in Schwe den zum Ereignis geworden ist, hat die Welt noch gricgz gehrhr, Es kann andererseits aber auch keine größere geben als die ist, welche einen bei der Betrachtung des durch den Generalstreik willkürlich heraufbeschworenen Elends ergreift. Wenn ein Krieg, eine Naturkatastrophe, eine Seuche ihre verheerende Wirkungen über ein ganzes Volk verbreiten, so müssen wir uns darein finden in der Erkenntnis, daß dies Schicksalsschläge unabhängig von unserem Willen und daher unabwendbar gewesen sind. Wenn aber in einem so ruhigen Volke wie dem schwedischen die überwiegende Mehrheit der Arbeiter offenen Auges sich und ihre Familien ins Verderben stürzt und das Nationalvermögen des Landes aufreibt, dann fehlt uns das Begreifen und Schaudern erfüllt uns vor den Verwüstungen, die normale und symphatische Menschen unter dem Einflusse gewissenloser Agitatoren anrichten. Denn d aß das über Schweden hereingebrochene Unheil eine Folge der Hetzarbeit st, steht außer Frage. Die schwedischen„Arbeiter konnten nachdem erst vor Jahresfrist eine generelle Regelung der Lohnfrage erfolgt war, mit ihrem Lohn ganz zufrieden seir Geschehene Dinge lassen sich nicht mehr ändern. Schweden muß zusehen, wie es die schweren Verluste wieder einbringt, die dem Staate, seinem Handel und seiner Industrie, seinen Unternehmertum und seiner Arbeiterschaft durch den Massenausstand zugefügt worden sind. Aber die tastrophe im hohen Norden muß unbedingt allen anderen Vi kern zu einer Warnung und Mahnung werden. Auch die deutsche Sozialdemokratie koketiert mit dem Gedanken des Generalstreiks, dem sie schon wiederholt als ein grobes Mittel nicht nur zur Erreichung wirtschaftlicher, sondern auch zur Durchsetzung politischer Forderungen empfohlen hat. Wir alle auch nur einigermaßen besonneneren Elemente der deutschen Arbeiterschaft müssen nach den Erfahrungen in Schweden den Gedanken eines Massenstreiks fortan entschieden zurückweisen. Die deutsche Arbeiterschaft hat dazu um so stärkeren Anlaß, als ihr eine staatliche Fürsorge zugewendet wird, wie sie kein anderes Land der Erde aufweist. In der Sozialpolitik hat Deutschland nicht nur bahnbrechend gewirkt, sonder marschiert noch heute an die Spitze der Nationen. Und was der deutsche Arbeitgeber an sozialer Fürsorge für seine Angestellten aufzuwenden hat, das ist, ungeachtet aller sozialdemokratischen Verkleinerungsversuche, eine ganz gewaltige Leistung. Die Aufwendungen, die gefordert werden, sind so groß, daß man den immer lauter werdenden Klagen des Unternehmertums über die steigenden Lasten die Berechtigung nicht versagen kann. Der unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen ohnehin schon geringe Verdienst wird durch die sozialpolitischen Aufwendungen aufgezehrt. Die Arbeitgeber verlangen energisch, daß die Maschine der sozialpolitischen Gesetzgebung endlich auf ein langsameres Tempo eingestellt wird, da andernfalls die deutsche Industrie ihre Konkurrenzfähigkeit mit der ausländischen verliert und einpacken kann. Lohnkämpfe wird es dessen ungeachtet auch in Deutschland weiter geben; aber daß sich die deutsche Arbeiterschaft in absehbarer Zeit zu einem Generastreit verleiten lasen könnte, das glaubeg, wiz göcht, und nach den Erfahrungen des verhängnisvollen sawwedischen Versuchs erst recht nicht. Politische Uebersicht. Deutschland. Beaussichtigung der Baugenossenschaften. Das Ministerium des Innern hat vor kurzem eine Anweisung an die Verwaltungsbehörden erlassen, die sich auf eine schärfere Beaufsichtigung der Baugenossenschaften bezieht. Baugenossenschaften, die mehr als ein Haus besitzen, haben in ihrer Bilanz Spezifikation des Kontos„Miethäuser“ oder des Hauskontos beizufügen. In dieser sind der ursprüngliche Herstellungsbetrag, die Zuschreibungen für Erweiterungen, die Abschreibungen in den Vorjahren und im Berichtsjahre, sowie der Grundstücksbuchwert für jedes Gebäude oder jede einheitlich b Gebäudegruppe getrennt aufzuführen und nach Bedarf zu erläutern. Von den Baugenossenschaften, die staatliche HypoFeuilleton. Mersgruch. Wer die Wahrheit weiß und sagt sie nicht, Der ist fürwahr ein erbärmlicher Wicht! E. M. Arndt. Von der Frauenbewegung. Die Mitglieder des deutschen Bundes für Frauenstimmrecht werden heute in Berlin das Beispiel der englischen Frauenrechtlerinnen nachahmen und einen Demonstrationszug per Wagen durch die Reichshauptstadt unternehmen. Zugegeben, daß diese Gewaltpropaganda uns Deutschen unschön und unsympathisch erscheinen muß, so muß andererseits doch auch gesagt werden, daß die vielen Artikel, die jetzt durch unsere Blätter die Runde machen, mit Vorurteilen und Unwissen gespickt, geeignet sind Entstellungen in die breitere Bevölkerung hineinzutragen, die den Näherstehenden mit Erstaunen erfüllen und sein Wahrheitsgefühl peinlichst berühren müssen. Aber nicht zur Frage des Frauenstimmrechts, noch zu anderen Spezialfragen soll hier Stellung genommen, sondern nur einige allgemeine Beobachtungen mitgeteilt werden. Die bei weitem große Mehrzahl der deutschen Männer pflegen der Frauenfrage im allgemeinen und dem Frauenstimmrecht im Speziellen mit einer Mischung von fanatischer Abneigung und gleichgültiger Gönnerhaftigkeit gegenüberzustehen, und es eines deutschen Mannes nicht würdig zu finden positiv ihre Mitarbeit an jenen dringenden Problemen *) Politisches Handbuch der Frauenbewegung herausgegeben vom Allgemeinen deutschen Frauenverein.(Verlag v. Deubner, Leipzig.) zu verschwenden. Entweder sie sprechen nach mehr oder minder langem Nachdenken ihr Verdammungsurteil in Bausch und escesheichete enie e cerge. machen Witze, und das ist immer am bequemsten. Es ist aber doch seltsam daß eine große Gruppe von Männern, die sich allgemeiner Achtung und z. T. bedeutenden wissenschaftlichen Russ und politischer Verehrung erfreuen(ich nenne hier nur Prof. Förster, den Astronomen, Prof. v. Liczt, den Strafrechtler, Prof. Kraft=Ebing und Prof. Eulenburg die angesehenen Mediziner) eifrig und zielbewußt einen großen Teil ihrer Arbeitskraft der Frauenbewegung opfern. Sind alle diese, jeder zugeben, durch langes Studium und teils auch durch ihre praktische Tätigkeit ungleich mehr qualifiziert zur Beurteilung jener Fragen erscheinen müssen wie die Fernerstehenden, wirklich nur oberflächliche Beobachter und Schwärmer. Und sind all' jene Frauen die ein Leben ernster Arbeit daran setzen, an der Lösung der Probleme der sozialen und politischen Frauenfrage mitzuarbeiten, wirklich jene unfähigen und törichten eitlen Menschen, als welche sie noch von Vielen hingestellt werden. Gewiß, jede Bewegung und das ist von jeher so gewesen, hat ihre Uebertrei bungen, ihre Mitläufer, aber deshalb die Bewegung selbst in Mißkredit bringen zu wollen ist zum mindesten kurzsichtig un zeugt wenig von der Gerechtigkeitsliebe, deren sich die Deurschen ja rühmen. Und die meisten der Uebertreibungen, des bin ich mir fest bewußt, haben ihre sichere Ursache in jener ablehnenden Gleichgültigkeit der deutschen Männer; durchsetzen wird sich die Frauenbewegung doch, dazu find ihre Probleme zu zeitgemäß, schenswert, wenn sich die Gesamtbevöllerung, Frauen und Männer, in wirklich einschlägigen und sachlich geschriebenen Büchern informieren wollte, denn wer dies getan, wird hinfürder nicht sinnlos oder doch wenigstens wenig überlegt aburteilen schen Frauenfrage, welches bequem und kurz in alle bleme einführt?), und wer noch weiter nachforschen will, der soll die Schriften von Maria Wegner oder Dr. vertrud Bäum durcharbeiten. Er wird bald erstaunt sein, wie sächliches in der großen Oeffentlichkeit über all diese wichtigen Fragen kursiert. Tut man doch oft so, als sei die ganze Bewegung eine Mußestundenbeschäftigung gelangweilter, überspannter Frauen und hysterischer hypermoderner Modedamen. Man würde sehr erstaunt sein, wieviel der vorzüglichsten Mütter und Gattinnen darunter sind, wieviel der sorgsamsten Haussrauen und vor allem wieviel Kapital an ernster und tüchtiger Arbeit dabei, wenn man dies statistisch nachweisen könnte. Ist doch nichts lächerlicher als wie es so oft geschieht, behaupten zu wollen, die Frauenbewegung, wohlverstanden die gereifte und verständige Frauenbewegung, beabsichtige, die Familie zu zerstören, die Frau zu vermännlichen und sie überall als Kontur rentin des Manner hinzustellen, gleichgültig ob sie dazu fähig oder nicht. Das sind„olle Kamellen“, von den Meisten ohr Ueberlegung und mit einem Minimum von Sachkenntnis nachgeplappert. Man mag über die Einzelheiten der Frage über die einzulenkenden Wege denken wie man will; was davon richtig, was nicht, wird die Zeit lehren, und es wird noch man Iches hinwegfallen manches sich ändern. Aber das praktische Zie der Bewegung, und dies ist der ruhende Punkt in dem Flusse aller Debatten, ist doch stets, möglichst vielen Frauen eine menschenwürdige soziale Stellung ob mit, ob ohne Mann, gilt hier gleich, nie aber gegen den Mann, zu geben, und ferner, und dies ist das ideale Ziel, möglichst Vielen das Höngte Glück des Weibez, eine wüwdige Muterzschaft u. Frgiheing, Gröhn. thekendarlehen erhalten haben, wird gefordert, daß sie beim Gebäudekonto mindestens so viel abschreiben, wie von der Staatshypothek getilgt worden ist. Diese Forderung ist den Baugenossenschaften in der Form rechtsverbindlich aufzuerlegen, daß im nächsten Beleihungsvertrag und in allen künftigen, diese Bedingung für alle staatsseitig beliehenen Häuser gestellt und die Nichtbefolgung als Grund vorzeitiger Kündigung des Staatsdarlehns festgesetzt wird. Zur Polenfrage. Bei der Polizeidirektion in Bochum ist eine Zentralkasse für die Ueberwachung der Polenbewegung im rheinischwestfälischen Industriegebiet errichtet worden Am 29. August veranstalten die polnischen Handel= und Gewerbetreibenden von Berlin und Umgebung einen Verbandstag mit einer Ausstellung polnischer Erzeugnisse, die in der Hauptsache dem Boykott des deutschen Handels und Gewerbes dienen soll. Dieser unerhörte neue Uebergriff der Polen, die Durchführung eines Boykotts deutscher Waren in Berlin, wo die Polen durchaus von deutschem Gelde verdienen, weisen wieder einmal auf die Notwendigkeit energischer Abwehr des Polentums hin. Zunächst wird diese auf wirtschaftlichem Gebiete zu suchen sein. Erst in zweiter Linie kann die Staatsgewalt unterstützend eingreifen. Zum§ 1 des Jesuitengesetzes. Die Aeußerung der„Kreuzzeitung", daß man bei einem etwaigen Antrag des Zentrums auf Aufhebung des§ 1 des Jesuitengesetzes ja sehen werde, ob eine konservativ=klerikal=polnische Koalition tatsächlich bestehe, veranlaßt die„Freis. Ztg.“ seltsamer Weise, das Zentrum zur Einbringung des Antrages geradezu anzuregen, indem sie schreibt: Wir möchten darauf aufmerksam machen, daß seit der Session 1893—1894 wiederholt Anträge der Zentrumspartei auf Aufhebung des Jesuitengesetzes im ganzen gestellt und daß diese Anträge regelmäßig gegen die Stimmen der Konservativen und einiger anderer Parteien angenommen worden sind. Das Zentrum darf daher auch jetzt wieder auf die Annahme eines dahinzielenden Antrages rechnen und überläßt es großmütig den Konservativen, um ihre Wähler nicht ganz und gar vor den Kopf zu stoßen, dagegen zu stimmen. Wenn das freisinnige Blatt hinzufügt, daß das Verhalten der Konservativen gegenüber dem Paragraphen des Jesuitengesetzes nichts für oder gegen das Bestehen einer konservativklerikal=polnischen Koalition beweise, so sieht dieser Ausspruch ganz darnach aus, als ob er nur eine lahme Entschuldigung für den Fall sein soll, daß die Freisinnigen getreu ihrer bisherigen Haltung bei Ausnahmegesetzen für die Beseitigung des Restes des Jesuitengesetzes stimmen und somit mit dem Zentrum zusammengehen würden. Kaufmannskammern. In einer Versammlung die der Erörterung der Ziele, Aufgaben und des Arbeitsgesetzes der Kaufmannskammern galt, nahm der Verband kaufmännischer Gehilfinnen Leipzigs eine Resolution an, die die Einrichtung solcher Kammern als notwendig fordert. Die Kaufmannskammern sollen paritätisch und selbständig organisiert sein und nicht an die Handelskammern angegliedert werden. Nicht nur Männer, sonern auch die Frauen sollen das aktive Wahlrecht vom vollendeten 21. Lebensjahre an ausüben dürfen, und beide vom vollendeten 25. Lebensjahre an wählbar sein. Vom Hansabund. Im Hansabunde sind neuerdings Ortsgruppen ins Leben gerufen worden in Altona, Apolda, BadenBaden, Dessau, Flensburg, Görlitz, Göttingen, Magdeburg, Mainz, Minden i. W. In Bildung begriffen sind Ortsgruppen in Annaburg=Buchholz, Lauenburg a. E., Mühlhausen i. Th., Sangerhausen, Stade. Dem Hansa=Bunde angeschlossen haben sich: Der Verband der Deutschen Musik= und Automaten=Industrie(Abt. Süddeutschland), die Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg in Emden, die Schuhmacher=Zwangsinnung in Hamburg, die Stadtgemeinde Haynau als Unternehmerin des Gaswerks, die Handelskammer Iserlohn, der Sch Verein für Handel und Gewerbe in Saarbrücken, der Handelsverin in Aelzen, die Kaufmanns=Kompagnie in Wismar. Der Deutsche Fleischerverband, der 1135 Innungen mit 400000 Mitgliedern umfaßt, empfiehlt seinen Mitgliedern den Beitritt zum Hansa=Bunde, indem er schreibt:„Der Hansa=Bund bietet in der Zusammenfassung der gemeinsamen Interessen von Gewerbe, Handel und Industrie die Möglichkeit, auch dem Handwerk einen größeren Einfluß wie bisher auf die Regierung und Volksvertretung zu verschaffen. Speziell der deutsche Fleischerstand hat allen Anlaß, gegen die agrarische Gesetzgebung und Wirtschaftspolitik vernehmlichen Einspruch zu erheben. Von der Schaffung des bürgerlichen Gesetzbuches an bis zum jüngsten Gesetz über die Preisfestsetzung beim Markthandel setzt sich eine lange Kette von gesetzlichen Maßnahmen fort, die die berechtigten Wünsche des Fleischergewerbes völlig außer Acht lassen, seine Interessen empfindlich schädigen und das Gewerbe ungerecht belasten“. Aus dem Ausland. Französische Beobachtungsdrachen. Die französische Militärbehörde wird bis Ende 1910 eine Anzahl Beobachtungsdrachen nach englischem Muster anfertigen lassen. Der spanische Marokkofeldzug. Die Spanier beauftragten eine Firma in Casablanca mit der Lieferung von hundert Kamelen zu Transportzwecken, Muley Hafid verbot die Lieferung, weil sie für den Aifkrieg bestimmt seien. Am frühen morgen begann bei Melilla die Angriffsaktion. Kavallerie, Artillerie und Infanterie schlugen den Küstenweg nach Nador ein. Die Rifleute konzentrierten sich in der gleichen Richtung. Bulgarische Exzesse gegen Türken. In Klisura wurde, wie die„Frankfurter Zeitung“ aus Saloniki meldet, der türkische Präfekt Sali Effendi wurde von einem Griechen verwundet, bei Vodena der Scheich Abdullah aus Medina von einem Bulgaren ermordet. Feier des 32. Jahrestages der Verteidigung des Schipkapasses. Aus Anlaß des 32. Jahrestages der Verteidigung des Schipkapasses fand in Rustschuck die Enthüllung eines Freiheitsdenkmals des ersten Bulgarien, statt. Anwesend waren rumänische und sämtliche überlebende bulgarische Freiwillige von 1877. Zur Kretakrise. Die Antwort auf die Kollektivnote der Schutzmächte ist bereits fertig gestellt und wird, falls sie der Ministerrat morgen genehmigt, sofort an alle Großmächte, nicht nur an die Schutzmächte, gesandt. Die Pforte wird erklären, daß sie mit Griechenland nicht mehr über die Kreta=Frage verhandele und gegen gewisse Erklärungen der Schutzmächte, aber unter Angabe von Gegenvorschlägen, protestieren müsse. Der griechische Gesandte in Rom, Metaxas, erklärte einem Korespondenten der„N. F. Presse":„Die Großmächte haben erkannt, welch Gefahr aus den mazedonischen Wirren dem Frieden Europas erwächst, und haben auch deswegen in den letzten Tagen ernstliche Ermahnungen an die Pforte gerichtet. Bei der Fortdauer der Wirren werden sich die Mächte wohl oder übel zu einem neuen Eingriff in die Selbstherrlichkeit der Türkei entschließen müssen. Bezüglich Kretas haben die Mächte der Türkei formelle Genugtuung verschafft. Sie haben bis Februar oder März Zeit genug, diese Frage endgültig zu regeln. Februar oder März finden in Griechenland politische Wahlen statt. Was wird geschehen, wenn die Kreter diese Wahlen mitmachen und ihre Abgeordneten nach Athen schicken? Man sollte Griechenland die Sache nicht allzu schwer machen. Sollte die Frage nicht durch Geldentschädigung(!) gelöst werden können? Die Souveränität der Türkei hat auf der Insel nicht einmal ein sichtbares Zeichen mehr. Sollte das mit einem vernünftigen Geldopfer nicht aufgewogen werden können?“ Aus Mexiko. Von Monterey und anderen Orten sind Truppen nach Galena aufgebrochen, wo sich der Gouverneur Reyes verborgen hält. Seine Gefangennahme ist wahrscheinlich. Chilenisches Münzkonversionsgesetz. Die Kammern haben das Gesetz betreffend Aufschiebung der Münzkonversion auf das Jahr 1915 zum zweiten Male angenommen. Das Gesetz wird infolgedessen in Kraft treten. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 26. August. **(Die Hundstage) ssind mit dem gestrigen Tage zu Ende gegangen. Der Höhepunkt des Sommers ist vorüber, nun setzt allmählich wieder das große Sterben in der Natur ein. Die Tage sind schon ganz erheblich kürzer geworden und der Gesang der Vögel verstummt mehr und mehr, einige von ihnen haben schon die Reise nach dem sonnigen Süden angetreten. Es wird Herbst. **(Die Bevölkerung des deutschen Reiches) betrug um die Mitte dieses Jahres 63 886000 Köpfe nach vorläufiger amtlicher Schätzung. Für Mitte 1908 war die Bevölkerung auf 62 982 000 geschätzt, sodaß im Laufe des letzten Jahres eine Zunahme um 896000 Köpfe stattgefunden hätte. Diese Zunahme bleibt ein wenig zurück hinter der des vergangenen Jahres, die auf 899000 Köpfe geschätzt ist. Bei der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1905 hatte das Reich 60641 278 Einwohner, sodaß in den seitdem verflossenen 3½ Jahren eine Zunahme um etwa 3¼ Millionen stattgefunden hat. Seit Gründung des Reiches hat sich die Bevölkerungsziffer um rund 23 Millionen vermehrt. **(Der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine) hat an sämtliche Vorsitzenden der Provinzial= und Landesverbände evangelischer Arbeitervereine die Aufforderung ergehen lassen mit aller Energie dahin zu wirken, daß überall, wo es notwendig erscheint, evangelische Arbeiterinnenvereine gegründet und diese dem Gesamtverbande angegliedert werden. Vor allen Dingen sollen dieselben zur Gründung und Organisation der Arbeiterinnenvereine die Hand bieten. ** Armenunterstützung und Wahlrecht.) Die Frage der Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte ist durch das Reichsgesetz vom 15. März 1909 neu geregelt worden, soweit in Reichsgesetzen der Verlust öffentlicher Rechte von dem Bezug einer Armenunterstützung abhängig gemacht wird. Als Armenunterstützung sind nicht anzusehen Krankenunterützung, Anstaltspflege, Unterstützungen zum Zwecke der Jugendfürsorge, der Erziehung oder Ausbildung für einen Beruf, vereinzelte Unterstützungen und solche, die erstattet sind. Dazu hat jetzt der Charlottenburger Magistrat einen bemerkenswerten Beschluß gefaßt, der von der Armendirektion an alle Organe der Armen= und Waisenpflege mitgeteilt wird. Auch derartige Unterstützungen, die bisher noch als den Wahlrechtsverlust herbeiführend angesehn werden, sollen nicht mehr als solche betrachtet werden. Ein Wahlrechtsverlust soll künftig, auch soweit es sich um Wahlen auf Grund der Landesgesetze handelt, nur eintreten: bei laufenden baren Unterstützungen, bei der Aufnahme des Wahlberechtigten selbst zur dauernden Verpflegung in das städtische Bürgerhaus oder eine gleichartige Anstalt und bei einer zeitweise an Stelle der laufenden baren Unterstützung oder der Verpflegung im Bürgerhause tretenden Krankenhausverpflegung. **(Freiwillige Feuerwehr.) Die Mitglieder der Wehr seien nochmals auf die heute abend stattfindende Generalversammlung aufmerksam gemacht. Mit derselben ist auch eine kleine Feier zu Ehren der drei Jubilare der Wehr verbunden, denen bekanntlich vor einiger Zeit die ihnen vom Kaiser verliehene Auszeichnung überreicht wurde. **(Eröffnung der Hühnerjagd.) Im Regierungsbezirk Münster wird bekanntlich heute, im Regierungsbezirk Arnsberg am Donnerstag kommender Woche(2. September) die Hühnerjagd eröffnet. Hoffentlich ist den Jägern reiche Beute beschieden. Weidmannsheil! **(Wege=Einziehung.) Seitens der Wegepolizeibehörde wird beabsichtigt, den auf der linken Seite des Mühlenstranges belegenen von der Mühlenbrücke abwärts führenden Weg in einer Länge von 70 Mtr. und den von der Mühlenbrücke nach Osten führenden Weg in einer Länge von 30 Mtr. als öffent liche Wege einzuziehen, außerdem eine oberhalb der Mühlenbrücke belegene Wegefläche in Größe von 11 Quadratmetern. Bezügl. des Einspruchsrechts gegen die geplante Einziehung machen wir auf die Bekanntmachung in heutiger Nummer aufmerksam. **(Kgl. Preuß. Klassenlotterie.) Nachdem die Ziehung der zweiten Klasse der preußischen 221. Klassenlotterie am 13. und 14. August stattgefunden hat, muß die Erneuerung der Lose zur dritten Klasse mit Vorlegung der Lose der zweiten Klasse bei Verlust des Anrechts bis zum 6. September, abends 8 Uhr, bei den zuständigen Einnehmern planmäßig geschehen. Die Ziehung der drittten Klasse erfolgt am 10. und 11. September. **(Feuerlärm) weckte heute nacht die Bewohner unserer Stadt aus süßem Schlummer. In der Rollkammer der Stiftfabrik auf der Eis nindustvie war Feuer ausgebrochen, welches jedoch ohne größeren Umfang angenommen zu haben, von den Arbeitern und der Hüttenwehr bewältigt werden konnte, sodaß die alarmierte Feuerwehr garnicht in Tätigkeit zu treten brauchte. Das Dach des Gebäudes hat etwas gelitten. Ueber die Entstehungsursache verlautet noch nichts bestimmtes. Es ist als ein großes Glück zu betrachten, daß das Feuer früh bemerkt und schnell gelöscht wurde, da es im anderen Falle an den in der Nähe aufgestapelten Holzvorraten(zur Faß= und Kistenfabrikation) und Packpapieren reiche Nahrung gefunden hätte. **(Aeußere Mission.) In den Mitteilungen des Barmer Missionshauses sind in der Synode Iserlohn, zu der auch Schwerte gehört, im Jahre 1908 folgende Gaben für das Missionsfeld der Rheinischen Mission eingekommen: Schwerte I und II 1546,89 Mark, Syburg 7,68 Mark, Westhofen 100,37 Mark, Ergste 206,80 Mark, Hennen 209,50 Mark, Altena 5325,32 Mark, Berchum 24,17 Mk., Deilinghofen 696,92 Mk., Elsey=Hohenlim= burg 2273,14 Mk., Evingsen 224,43 Mk., Hemer 1131,76 Mt. Iserlohn 3211,14 Mk., Letmathe 210,05 M., Nachrodt 264,21 M. Oestrich 252,50 Mk., Wiblingwerde 628,96 Mk. ** Holzen, 25. Aug.(Einen empfindlichen Schaden) erlitt vorgestern der Landwirt Karlheim hierselbst, in dem ihm ein wertvolles Pferd einging. Es ist bereits das viertemal, daß K. in diesem Jahre von einem derartigen Unglück betroffen wird. ** Westhosen, 25. Aug.(Pech) hatte gestern der Steinbruchbesitzer H. Oberste; vor dem Hause des Herrn Lehrers Thelzerbrach von einer mit Kies schwer beladenen Karre die Achse und ein Rad, sodaß der Wagen umgeladen werden mußte. ** Hennen, 25. Aug.(Postalisches.) Bei der hiesigen Postanstalt gingen im vergangenen Jahre ein: 923 Stück Nachnahmesendungen und 40 Postaufträge, ferner 43900 Briefe, Postkarten, Drucksachen und Warenproben, 2897 Pakete ohne und 5 Pakete mit Wertangabe, sowie 95 Wertbriefe. Aufgegeben wurden 23500 Briefe, Postkarten, Drucksachen und Warenproben, 1293 Pakete ohne Wertangabe, sowie 79 Pakete und 183 Briefe mit Wertangabe. Auf Postanweisungen wurden eingezahlt 163 203 M, während 103 304 M ausgezahlt wurden. Telegramme gingen ein 427, aufgegeben wurden 184. Die Gesamteinnahmen an Porto und Telegrammgebühren betrugen 3111 M, gegen 3206 M im Vorjahre und 2957 M im Jahre 1904. * Hörde, 25. Aug.(Zum Bahnbau DortmundSchwerte.) Die an dem Bahnübergang in der Kirchhofstraße gelegenen 3 Häuser sind bekanntlich wegen der zu erbauenden neuen Bahnstrecke Dortmund=Schwerte niedergelegt. Auch mußte die evangel. Gemeinde von ihrem dort liegenden Kirchhof einen großen Teil abtreten. Die auf dem von der Bahn angekauften Teil bereits beerdigten zwei Leichen müssen wieder exhumiert werden. Auch ist das Dienstgebäude des Gärtners und Totengräbers Henzer von der Bahn erworben und einstweilen an Bahnarbeiter vermietet worden. Ersatz für dieses Gebäude ist auf einer anderen Stelle des Friedhofes errichtet worden. Die evangel. Gemeinde hat jetzt nach dem von der Bahn erworbenen Kirchhofsgelände eine 2 Meter hohe Grenzmauer errichten lassen. Die Bahnbauverwaltung hat bereits nach der Bachstraße hinzu mit Erdarbeiten usw. begonnen. ** Schüren, 25. Aug.(Ein schweres Unglück) ereignete sich gestern auf Zeche„Felicitas". Aus dem Hangenden stürzende Steinmassen begruben zwei Bergleute, von denen der eine Schüßler aus Schüren, sofort getötet wurde, während der andere Wistelteifer, am Kopf tödlich verletzt wurde. Die Ausfahrt der Verunglückten hätte mittags erfolgen müssen; da aber gerade Zahltag war, wurden die Kontrollmarken nicht so wie üblich geprüft, sodaß erst die mittags einfahrende Schicht die Verunglückten in ihrer schrecklichen Lage auffand und für die Bergung sorgte. * Aplerbeck, 26. Aug. Schulpersonalien. Die evangelische Lehrerin Fräulein Elisabeth Boos von hier ist endgültig seitens der Königlichen Regierung in Witten angestellt; der evang. Lehrer Herr Friedrich Schneider aus Sölderholz erhielt endgiltig Anstellung in Holzwickede und die evang. Schulamtsbewerberin Fräulein Emilie Hemmerich aus Berghofen einstweilige Anstellung in Sölde. Westfalen und Rheinland. * Haspe. 25. Aug.(Im Starrkrampf gestorben.) Hier wurde gestern früh ein Arbeiter unter einer Hausrinne liegend im Starrkrampf aufgefunden, wo er während der Nacht dem Abfluß des Regenwassers ausgesetzt gewesen war. Man nimmt an, daß er in angetrunkenem Zustande dort gefallen ist und sich nicht mehr zu erheben vermochte. Ohne aus seinem Starrkrampf zu erwachen, ist der Mann heute im Krankenhause gestorben. * Oelde, 25. Aug.(Wegen Verdachts des Meineides) wurde hier der etwa 40 Jahre alte Maurergeselle Gerhard Huster verhaftet. Er hatte in einer Alimentationssache geschworen, daß er ohne Vermögen sei. Eine bei ihm vorgenommene Haussuchung ergab jedoch, daß er ein Sparkassenguthaben von 8000 Mark hat. Als die Sache für ihn brenzlich wurde, hob er schleunigst das Geld ab, um damit zu flüchten. Man nahm ihn noch eben rechtzeitig fest. * Vlotho, 25. Aug.(Folgen der Tabaksteuer.) Infolge der erhöhten Tabaksteuer mangelt es jetzt hier in den Fabriken an Arbeit, und haben daher schon mehrere Fabrikanten ihren Arbeitern teils gekündigt, teils sie auf geringere Stückzahl gesetzt oder die Arbeitszeit um die Hälfte gerurzt. Da das Reich die infolge der Steuer arbeitslos werdenden Leute bis zu ¾ ihres bisherigen Verdienstes für die Dauer von zwei Jahren unterstützen muß, so haben sich die Arbeitslosen schon bei der hiesigen Polizeiverwaltung resp. dem Zollamte gemeldet jedoch haben diese Behörden noch keinerlei Anweisungen. Da die Arbeitslosigkeit in der nächsten Zeit noch erheblich größer werden wird, so werden die für diese Arbeiter ausgesetzten vier Millionen für zwei Jahre längst nicht ausreichen. Die westfälische Tabakindustrie zahlt allein an Arbeitslöhnen jährlich rund 16 Millionen Mark; es braucht also nur der achte Teil arbeitslos zu werden, und die vier Millionen sind für Westfalen allein verbraucht. Im übrigen Deutschland gibt es aber noch über 150000 Tabakarbeiter, wovon der vierte Teil etwa noch feiern muß. * Brilon, 25. Aug.(Erntebericht.) Infolge der Nachtfröste im Mai und Juni und des nassen Vorsammers ist die Waldbeerernte vollständig mißraten. Jetzt wird vielfach beobachtet, daß die Waldbeeren an verschiedenen Stellen zum zweiten Male blühen und bereits schon angesetzt haben. Die Preißelbeerernte hat begonnen und fällt verhältnismäßig gut aus. Nr. 199 O S „Weiles Slall. Bürgerpflichten. Bürgerpflichten, ein seltenes Wort in unserer Zeit, die augenscheinlich nur noch bürgerliche Rechte kennt und die allgemeine Wehrpflicht als bürgerliche Pflicht gelten läßt. Und doch gibt es ihrer gar viele und nur wenige Staatsbürger, die sie auf sich nehmen. Wie anders würde es mit unsern bürgerlichen Rechten stehen, wenn jeder sich in gleicher wie er sich nachden Rechten drängt, auch nach den drängen würde. So spricht man oft von Wahlrecht, aber selten von einer Wahlpflicht, die nicht einmal im sitttichen trotzdem ein europäischer Staat, nämlich Belgien, sogzwangsweise Wahlpflicht kennt. Dabei hängt von dem Wahlrecht des Bürgers soviel für ihn selbst und die Gesamtheit an, daß er es wohl für eine ernste Pflicht erachten sollte, es mit Verständnis und Gewissenhaftigkeit auszuüben. Abgesehen von dieser sittlichen Pflicht zur Ausübung des Wahlrechtes, gibt es zahlreiche staatliche Pflichten, die zu übernehmen jeder für eine Ehre halten sollte. Tatsächlich bind ie. doch die meisten Staatsbürger aus Gründen der Begurmlichken bestrebt, sich diesen sittlichen Pflichten nach Möglichkeit zu entziehen. Die Folge davon ist, daß manche auf dem Gedanken der Selbstverwaltung aufgebauten Körperschaften nicht die Höhe erreichen, die sie einnehmen müßten, wenn jeder sich in gleicher Weise seiner politischen Pflichten der Gesamtheit gegenüber bewußt und bereit wäre, sie zu erfüllen. Nur zu oft führt diese Drückebergerei dazu, daß minderwertige Leute in derartigen Körperschaften eine Rolle spielen, in die sie sich aus Eitelkeit oder gar aus Eigennutz gedrängt haben und dazu drängen konnten, weil ihnen die besser geeigneten Staatsbürger den Weg frei gaben. Wie wenig bei uns das politische Pflichtgefühl nach dieser Seite entwickelt ist, beweist der Umstand, daß bei einer Anzahl derartiger Ehrenämter vielfach von den Behörden erst ein gewisser Druck ausgeübt werden muß, um die Betreffenden zur Uebernahme zu veranlassen, zum Beispiel beim Schöffen= und Geschworenendienst. Weit größer aber ist die Zahl derjenigen Ehrenämter, deren Annahme in das freie Ermessen der Bürger gesetzt ist und bei denen: Behörden oft unmöglich ist, die Stellen mit geeigneten Kräften zu besetzen. Freilich ist das nicht wunderbar, wo noch nicht einmal in weiten Kreisen des Volkes der Gedanke einer Wahlpflicht lebendig ist trotzdem sie doch auf bürgerlich politischem Gebiet etwas ähnliches ist wie die allgemeine Wehrpflicht, indem sie den Bürger zwingt, im politischen Kampfe zum wenigsten mit seiner Stimme den Kampf mit den Mächten des Umsturzes aufzunehmen. Schreitet unsere politische Erziehung tatsächlich fort, so muß die Folge davon sein, daß der Andrang zu derartigen Donnerstag den 26. August 1909 politischen Betätigungen außerordentlich stark ist, so daß für jeden Posten eine Anzahl geeigneter Persönlichkeiten zur Auswahl stehen, während solche jetzt nur mit sanftem Druck der Behörden zu erhalten ist. Wir machen uns rückständig, wenn wir von diesem Rechte der Selbstverwaltung keinen Gebrauch machen und nicht die Summe von Bildung und Lebenserfahrung, dieaußerhalb des Kreises der eigentlichen Berufsbeamten vorhanden ist, dem Staate dienstbar machen. Aus Stadt und Umgebung. 41. Jahrg. zahlbar geworden sind. Die Marken sind auf der Rückseite des Wechsels und zwar, wenn diese noch unbeschrieben und mit Wertzeichen noch nicht beklebt sind, unmittelbar an einem Rande dieser Seite, andernfalls unmittelbar unter dem letzen Vermerk oder, sofern ein solcher nicht vorhanden ist, unmittelbar neben oder unter den bereits angebrachten Marken auf einer mit Buchstaben oder Ziffern nicht beschriebenen oder bedruckten Stelle aufzukleben. Schwerte, 26. August. *:(Eine ungewöhnlich große Zwetschenernte) hat Deutschland in diesem Jahr zu erwarten. Wie man schreibt, bieten einzelne Obstzüchter schon jetzt Mengen von 3000 bis 5000 Zentner an Den Zwetschenbäumen erwächst dadurch, daß die Früchte jetzt halbreif abgeerntet werden, der erhebliche Vorteil, daß die Bäume nicht, wie sonst immer nach einer überreichen Ernte, für die nächsten Jahre kraftlos und ertraglos werden. Durch frühzeitige Ernte der unreifen Früchte werden erfahrungsgemäß die Zwetschenbäume gekräftigt und zur schnelleren erneuten Ernte befähigt. **(Die Aenderung des Wechselstempelgesetzes) wird jetzt vom Reichspostamt den Postanstalten mitgeteilt. Diese werden angewiesen, die neuen Bestimmungen bei der Prüfung der Wechsel, die der Post zur Protesterhebung übergeben werden, nach den Vorschriften für den Postprotest zu beachten. Die Stempelabgabe für Wechsel beträgt jetzt bis zu 200 Mark 10 Pf., bis zu 400 Mark 20 Pf., bis zu 600 Mark 30 Pf., bis 800 Mark 40 Pf., bis 1000 Mark 50 Pf. Jede fernere 1000 Mark kosten 50 Pf. mehr. Jedes angefangene Tausend wird für voll gerechnet. Tritt die Verfallzeit eines auf einen bestimmten Zahlungstag oder nicht auf Sicht gestellten Wechsels später als drei Monate nach dem Ausstellungstag ein, so ist auf die Zeit bis zum Verfalltage für die nächsten neun Monate und weiterhin für je fernere sechs Monate und den angefangenen Teil dieses Zeitraums eine weitere Abgabe in der eingangs bezeichneten Höhe zu entrichten. Die weitere Abgabepflicht tritt bei Wechseln mit bestimmten Zahlungstagen nicht ein, wenn die dreimonatige Frist um nicht mehr als fünf Tage überschritten wird. Diese Vorschrift findet auch auf Wechsel Anwendung, die bestimmte Zeit nach Sicht zahlbar sind. Der Zeitraum, für den die weitere Abgabe zu entrichten ist, wird bei trockenen derartigen Wechseln vom Ablaufe von drei Monaten nach dem Ausstellungstage, bei gezogenen derartigen Wechseln vom Ablaufe von drei Monaten nach der Annahme des Wechsels gerechnet. Ist der Tag der Annahme aus dem Wechsel nicht ersichtlich, so gilt für die Stempelpflicht der fünfzehnte Tag nach dem Ausstellungstag als Tag der Annahme, außer wenn nachgewiesen wird, daß die Annahme zu einem anderen Zeitpunkt erfolgt ist. Die neuen Vorschriften finden auch Anwendung auf Wechsel, die vor dem 1. August 1909 ausgestellt worden, aber erst später Westfalen und Rheinland. * Lüdenscheid, 25. Aug.(Ferienfußreise.) Hier traten 16 Schüler der oberen Klassen des hiesigen Realgymnasiums eine Ferienfußreise nach Holland an. Die Schüler stehen unter Leitung des Oberlehrers Dr. Schomberg. Gasthäuser werden nicht aufgesucht. Man wird in einem Zelt schlafen, daß die Schüler nach militärischem Vorbilde mit sich führen. Die Ernährung soll in der Hauptsache durch allerlei Konserven, Obst, Milch usw. bewerkstelligt werden. Natürlich soll auch abgekocht werden. 91514. * Recklinghausen, 25. Aug.(Rabenvater.) anscheinend infolge unmenschlicher Mißhandlungen seines Vaters ist in Röllinghausen(Landg. Recklinghausen) ein neun Monate altes Kind plötzlich gestorben. Die Leiche wurde heute morgen polizeilicherseits beschlagnahmt. * Recklinghausen, 25. Aug.(Reiche Beute.) In der Zeit von 3—4 Uhr gestern nacht wurde die große Spiegelscheibe des Uhren= und Goldwarenhändlers Karl Wester in Herten mittels eines Ziegelsteines zertrümmert. Hierauf entfernten sich die Täter, um nach einer halben Stunde, als sich nichts Verdächtiges zeigte, zurückzukehren. Sie plünderten das Schaufenster vollständig aus. Den Spitzbuben fielen für mehrere 1000 M Uhren aller Art und Goldwaren in die Finger. Bielefeld, 25. Aug.(Der Goldregen.) Ein bekanntes Studentenlied sagt:„Und wenn's Dukaten schneite, das wär' mir allzu recht". Bisher ist das nur ein frommer Wunsch geblieben, am vorigen Donnerstag jedoch konnten, wie dem„B. G.=A.“ geschrieben wird, Fahrgäste des Nachtzuges zwischen Oeynhausen und Rinteln etwas derartiges erleben. Ein in Vlotho eingestiegener Reisender hatte sich zwischen 10 und 11 Uhr abends eben auf einer Bank der vierten Wagenklasse zur Ruhe ausgestreckt, als plötzlich ein wahrer Regen von Goldstücken sich aus seiner Brusttasche ergoß, so daß in kurzer Zeit die Bank sowohl wie der Fußboden mit Zwanzigmarkstücken bedeckt waren. Als der erschrockene Verlustträger sich aufrichtete, begann das Klirren und Klappern der Goldstücke von neuem, so daß man sich wie in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht vorkommen konnte.— Das Rätsel war bald gelöst. In einem nachlässig oder garnicht verschlossenen Leinenbeutel hatte der Mann nicht weniger als 6000 M in Gold= und Papiergeld in seiner Brusttasche getragen. Beim Niederlegen hatte das Gewicht des Goldes sich seinen Weg gebahnt und war seiIn der Heimat. Roman von Rose vom Spielberg. 7 Graf Hellmut winkte seinen Diener, befahl ihm, das Gepäck zu besorgen und forderte Anita auf, ihm zum Wagen zu folAnita winkte Lisette, die in respektvoller Entfernung folgen wollte, zu sich heran:„Komm, Lisette!“ Ohne weiteres faßte sie nach ihrer Hand und hielt die Widerstrebende mit Gewalt an ihrer Seite fest. Hellmut runzelte die Stirn, doch monierte er diese ostentative Vertraulichkeit seiner Nichte mit der Dienerin nicht. Dafür blieb noch Zeit genug. Bis zum Wagen waren ohnehin nur wenige Schritte. Hier nahm er mit Anita den Fond ein, während Lisette sich scheu und ängstlich auf den Rücksitz setzte und fort rollte der Wagen nach der Elsburg zu. Die Fahrt wurde ziemlich schweigsam zurückgelegt. Der Graf fragte hin und wieder nach irgend einer Nebensächlichkeit, da er aber von dem jungen Mädchen, das gelegentlich die Gegend zu betrachten schien, nur kurze, einsilbige Antwarten erhielt, schwieg er und dachte über die soeben gehabte seltsum. Ueberraschung nach. Sie war ihm durchaus nicht angenehm, denn alle seine Pläne und Erziehungsmaßregeln wurden dadurch über den Haufen geworfen. Die jugendlich kräftige Gestalt neben ihm war, ihrem ganzen sicheren Auftreten nach zu urteilen, bereits fertig und sah nicht aus, als ob sie sich jetzt noch andere Ansichten und Gewohnheiten einimpfen lassen werde. Er sah Mißhelligkeiten und Unannehmlichkeiten aller Art voraus und tadelte sich, daß er die Papiere seines Bruders nicht einer eingehenden Prüfung unterzogen hatte. Dann wäre ihm die Ueberraschung erspart geblieben, und er hätte ganz andere Vorbereitungen getroffen und sich vielleicht doch entschlossen, dem Ansuchen seiner Schwester nachzugeben und das Mädchen vorläufig in Pension zu geben. Das würde freilich nicht dem Wunsche seines Bruders, seinem Kinde auf der Elsburg eine Heimat zu geben, entsprochen haben, und darum war es das beste, es blieb bei seiner Bestimmung, mochten nun daraus Konsequenzen erwachsen oder nicht. Jedenfalls begriff er nicht, wie er, der stets so gründlich und genau alles prüfte, Adelhelms Trauschein hatte achtlo fortlegen können. Er hatte wohl damals von Adelhelms Vermählung gehört, aber das mußte, seiner Berechnung nach, mehrere Jahre nach derselben zu seinen Ohren gekommen sein. Adelhelms Briefe, die wahrscheinlich dessen nähere Familienverhältnisse enthielten, waren stets unerbrochen zurückgegangen, und was man erfahren hatte, war auf Umwegen geschehen. So wußte er, daß dem Bruder mehrere Kinder gestorben waren, ob dieses letzte übriggebliebene das älteste oder jüngste war, konnte er nicht wissen. Er ärgerte sich, daß er Anita gegenüber seine gänzliche Interesselosigkeit an ihres Vaters früherem Geschick verraten hatte. Ihre vorwurfsvoll erstaunten Fragen zeigten ihm genugsam, was sie dabei empfunden hatte. Auch ihr jetziges hartnäckiges Schweigen schien ein Ausfluß dieser Stimmung zu sein. Er wollte sie aus ihren Betrachtungen weten. 6 „Sieh, dort liegt die Elsburg, unita. Anita fuhr ein wenig zusammen und blickte auf.„Die Elsburg," wiederholte sie leise, und ihre Blicke hingen an dem Bilde, das so urplötzlich durch die Biegung des Weges vor ihren Augen aufgetaucht war. Sie waren bisher immer durch dichten Tannenwald, der die Aussicht versperrte, gefahren. Jetzt erst wurde Anita gewahr, welche mächtige Höhe sie erklommen hatten; denn zu beiden Seiten des Weges fiel der Berg steil bis ins Tal ab.„ f.o an Wnahek Und das Schloß lag in seiner ganzen storzen ausbehnung vor ihr, würdig, feudal, und altertümlich der Gesamteindruck und doch der Neuzeit entsprechend wohnlich anzusehen mit den hohen Fenstern in der Front, in welchen die Spiegelscheiben (Es war schon etwas Dämmerung, darum erschienen ihr die alten, grauen, verwitterten Mauern düster, und ein beklemmendes Gefühl legte sich um ihr Herz. Das also war die Elsburg, dort war ihr Vater geboren worden, dort hatte er als Knabe gespielt, dort hatte er gelebt und gelitten und war schließlich aus ihren Mauern verbannt und verstoßen worden. Nur noch wenige Minuten und wir sind da,“ sagte der Graf, nachdem er seine Nichte eine Weile schweigend beobAnita holte tief Atem.„Ja,“ sagte sie kurz, und es klang Der Wagen fuhr in den Schloßhof ein und hielt vor dem Portal. Noch ehe der Diener abgesprungen war, hatte Graf Hellmut den Schlag geöffnet, stieg aus und reichte Anita die Hand. Wilkommenauf der Elsburg, mein Kind; stesei Dir fortan Anitas Hand zuckte ein wenig in der seinen, aber er hielt sie fest und führte sie einer Dame zu, die soeben auf dem obersten Absatz der Treppe erschien und sich anschickte, ihnen entgeAnita glaubte im ersten Augenblick Tante Julia, ihres Vaters Schwester, von der dieser ihr erzählt hatte, zu sehen, doch wurde sie bald eines anderen belehrt. Fräulein von Ruffer, rief Graf Hellmut der Dame zu, hier bringe ich Ihnen eine Ueberraschung, auf die Sie sowohl wie ich nicht vorbereitet waren. Komtesse Elsburg ist eine erwachsene junge Dame und kein Kind meyr. Aver ich empfehle sie trotzdem oder vielmehr besonders Ihrer Obhut.“ Auf den steifen Zügen des Fräuleins, das sich in ihrer vornehm stolzen Art genahert hatte, spiegelte sich allerdings sedie Hand nach der des jungen Mädchens ausstreckte. „Das ist in der Tat eine Ueberraschung, welche Sie uns bereiten, liebe Komteß, aber eine angenehme, denn ich hoffe, daß wir recht gute Freunde werden.“ So freundlich diese Worte klangen, so war es Anita, als wenn dabei ein Eisesschauer durch ihre Glieder ränne. Der mochte vielleicht von der schmalen, kalten Hand der Dame ausgegangen sein. Oder beeinträchtigte das hochmütig kalte Gesicht die freundlichen Worte? Anita fand keine Erwiderung, auch hatte sie noch keine Ahnung, wer die fremde Dame war, und was sie wollte. „Das ist Fräulein von Ruffer, die Repräsentantin meines Schlosses, Dir zur Erzieherin und Gesellschafterin bestimmt, Anita,“ stellte der Graf vor.„Ich hoffe, daß Du Dir die Zufriedenheit und das Wohlwollen der Dame erwerben wirst.“ Jetzt wurde Anita ein wenig blaß, sie verneigte sich leicht, ohne ein Wort zu sprechen. 169,20 nem unvorsichtigen Bewahrer entglitten. Natürlich konnte das nur einem Menschen passieren, der trotz des mitgeführten Schatzes es für angezeigt erachtet hatte, sich ein Räuschchen zu trinken. Jetzt war Holland in Not. Glücklicherweise war das Wagenabteil hell erleuchtet und die drei anderen Insassen ehrliche Leute, die dem Verlierer die Mühe des Auflesens selbst überließen. Andernfalls hätte er vielleicht Finderlohn zu zahlen gehabt, von dem er selbst nichts gewußt hätte Der Angesäuselte war aber nüchtern geworden, und als man ihn energisch ermahnte, sich doch mit dem Aufsuchen recht zu beeilen, damit nicht auf der nächsten Station etwa einsteigende Reisende ihm die Mühe des Aufsuchens abnehmen möchten, bedankte er sich mit bewegten Worten für den guten Rat. * Kupferdreh, 25. Aug. Leichenbergung auf Zeche Viktoria.) Nach langer, mühevoller Arbeit ist es jetzt endlich gelungen, die Aufräumungsarbeiten in der durch das starke Regenwetter am 31. Juli zu Bruch gegangenen neuen Schachtanlage der Zeche Viktoria in Bayfang soweit zu bewerkstelligen, daß die Leichen der sieben verschütteten Bergleute geborgen werden konnten. Fünf von ihnen waren bekanntlich Familienväter. * Wipperfürth, 25. Aug.(Entschädigung des Zirkus Blumenfeld.) Im Vergleichsweg erhielt der Zirkus Blumenfeld für den Schaden, der ihm vor einiger Zeit durch eine Zugentgleisung erwuchs, von der Eisenbahn=Direktion Essen 3000 Mark Entschädigung. * Creuzthal, 25. Aug.(Wie man zu Tode kommen kann.) Einen schrecklichen Tod fand ein kleines Kind einer Familie in dem Dorfe Dodenau. Das Kind, welches in einer mit einem Gitter(Sprossen) eingefaßten Wiege schlief, hatte sich, als es erwachte, in einem unbewachten Augenblick mit dem Kopf durch die Sprossen hindurchgearbeitet. Bei dem Versuch, den Kopf in seine frühere Lage zurückzubringen, was ihm nicht gelang, ist das Kind elend erstickt. * Siegburg, 25. Aug.(An Blutvergiftung gestorben) ist hier eine Frau, die sie sich durch Aufkratzen eines kleines Pöckchens im Gesicht zugezogen hatte. Sie hinterläßt 8 Kinder. * Mühlheim=Ruhr, 25. Aug.(Verhängnisvoller Schuß.) Der Invalide von der Brüggen wollte aus dem Laufe eines alten Gewehres einen eisernen Pfropfen entfernen. Zu diesem Zweck legte er den Lauf ins Feuer. Eine Patrone, die sich noch im Gewehr befand, explodierte und riß dem Manne die Brust auf, an den Verletzungen ist er gestorben. * Duisburg, 25. Aug.(Ein fideles Gefängni s.) Tragikomische Schilderungen wurden in einer Verhandlung gegen den früheren Gerichtsdiener Schönewald wegen fahrlässiger Gefangenenbefreiung über die ehemaligen Zustände im Gefängnis zu Dinslaken gegeben, wo Schönewald 17 Jahre lang amtierte. Die Gefangenen hatten dort ungenierten Verkehr miteinander und mit der Familie des Schönewald, auch empfingen sie Besuche ohne Vorwissen der Behörde. Bei dieser Gelegenheit waren zwei der Gefangenen entwischt, von denen nur einer wieder zurückgebracht werden konnte. Schönewald wurde freigesprochen, da die Gutachter ihn als geistig minderwertig und als dem Trunke ergeben bezeichneten. * Köln, 25. Aug. Beim Glücksspiel abgefaßt.) wurden in vergangener Nacht um 4,30 Uhr in einem Privathause 20 Personen. Beim Erscheinen der Kriminalpolizei flüchteten die Spieler bis aufs Dach. Zwei der Bankhalter, darunter ein Holländer, wurden verhaftet, während man die anderen nach Feststellung der Personalien wieder entließ. In derselben Nacht wurden von denselben Beamten in einem anderen Privathause 16 Personen beim Glücksspiel erwischt. * Köln, 25. Aug.(Grauenhafte Tat.) In selbstmörderischer Absicht schlitzte sich hier eine Frau nach einer voraufgegangenen Eifersuchtsszene den Leib auf. Sterbend wurde sie in das Krankenhaus geschafft. * Rheydt, 25. Aug.(Opfer seines Berufes.) Ein über 60 Jahre alter Weichensteller ist von einem Eilgüterzuge erfaßt und gegen den erhöhten Bahnsteig gedrückt worden. Er starb bald darauf. Der Verunglückte stand schon annähernd 40 Jahre im Bahndienst und wollte sich im Herbst pensionieren lassen. * Königswinter, 25. Aug.(Ein vielbegehrter Bürgermeisterposten.) Infolge Ablebens des früheren Bürgermeisters Kreitz der bei Bad Nauheim aus dem Zuge stürzte und getötet wurde, war die Bürgermeisterstelle zur Neubesetzung ausgeschrieben worden. Nicht weniger als 153 Bewerbungen sind dingelaufen. Darunter befinden sich 14 Offiziere, 2 Regierungs=Assessoren, 13 Gerichts=Assessoren, 14 Referendare, 7 Rechtsanwälte, 47 Bürgermeister und Amtmänner, 36 Verwaltungssekretäre, 2 Regierungs=Baumeister, 1 Senator, 1 evangelischer Pastor, kaufmännische und andere Angestellte, 1 Chemiker, 1 Prozeßagent, 1 Bankbeamter und 1 Kohlenhändler. Warum erscheint uns der Himmel blau? Wenn an schönen Sommertagen die Sonne freundlich lacht, erhebt sich wohl der Blick des sinnigen Naturfreundes, der eine Morgenwanderung ins Freie macht, der singenden Lerche folgend, zum prächtig strahlenden Himmelsblau. Zum Himmelsblau! Hier springt alsbald eine Frage von der unbefangenen Beobachtung in den grübelnden Verstand: Woher dieses Blau, das so rein und so satt, belebend auf uns einwirkt? Gehört es, wie teilweise angenommen wurde, dem Aether an, der über dem Luftraum den Himmel durchflutete und das Licht des fernen Weltkörpers wogend zu uns führt? Oder ist es die Eigenfarbe der Luft, ähnlich wie ja das Wasser an sich in dicken Schichten blau ist, was dadurch bewiesen wurde, daß man einen weißen Lichtstrahl in einen mit Wasser gefüllten Kasten eintreten ließ, der an zwei gegenüberliegenden Wänden mit Spiegeln versehen war, zwischen denen der schräg gerichtete Lichtstrahl vielfach hin= und herreflektiert wurde, bis er, aus einer Oeffnung austretend, dem Auge blau erschien? Die grüne Farbe mancher Gewä er rührt von festen Teilchen— sei es unorganischer oder organischer Natur— her, die in ihnen suspendiert sind. Anders ist die Farbe des Himmels zu erklären. Sowohl die Luft wie der in ihr schwebende Wasserdampf, Wasserdunst, Nebel= und Wolkentröpfchen lassen von den in den Regenbogenfarben sich offenbarenden Bestandteilen des Sonnen= oder Tageslichtes vorzugsweise die roten und orangefarbenen Strahlen hindurchgehen, während die blauen Elemente mehr oder weniger absorbiert werden. Daher erscheinen Sonne und Mond ahe dem Horizont, wo ihr Licht einen größeren Weg durch die Atmosphäre zurückzulege hat und somit auch die Menge der Dünste größer ist als in der Höhe des Zenits, gelb oder rot gefärbt; und in gleichem Sinn finden Morgen= und Abendrot ihre Erklärung. Daß gerade die roten Strahlen nicht zurückgehalten werden, liegt daran, daß ihre Wellenlänge größer ist, so daß die Wellen über die kleinen Bestandteile der Atmosphäre leichter hinwegkönnen, wie ja auch die hohen und langen Wellen des Meeres über das Geröll am Strande hinwegfluten und weithin das Ufer bespülen. Die kleinen Wellen aber überklettern das Geröll nicht, sondern brechen sich und werden reflektiert. So auch die kurzwelligen, blauen Strahlen des weißen Lichtes in der Luft. Sie werden von den Bestandteilen der Atmosphäre für gewöhnlich reflektiert und dieses reflektierte Licht läßt uns den Himmel blau erscheinen. Enthält aber die gesamte Atmosphäre reichlich Wasserdünste, so wird an den Partikeln desselben, welche größer sind als die der trockenen Luft, das weiße Licht in allen seinen Bestandteilen vollständiger reflektiert, und die Himmelsfarbe ist dann nicht tiefblau, sondern weißlich getrübt. Im Zenit, nach dem hin des geringeren senkrechten Durchmessers der Lufthülle wegen weniger Dünste vorhanden sind, erscheint der Himmel aus dem gleichen Grunde stets intensiver blau als in der Nähe des Horizonts. Prof. Dr. K. F. J. Bunte Chronik. Der Saatenstand im Deutschen Reich. Der Saatenstand im Deutschen Reich um die Mitte des Monats August stellt sich (wobei 2 einen guten, 3 eieen mittleren Stand bedeutet) wie folgt: Winterweizen„27(i. V. 2,4), Sommerweizen 2,4(2,6), Winerspeltgerste 2,3(2,6), Hafer 2,2(2,7), Kartoffeln 2,3(2,5), Klee 2,9(2,7), Luzerne 2,6(2.4), Bewässerungswiesen 2,3(2,2), andere Wiesen 2,7(2,8). In den Bemerkungen die das Statistische Amt an diese Zusammenstellung knüpft, heißt es: In den ersten beiden Dritteln des abgelaufenen Berichtsmonats herrschte säst im ganzen Reiche noch ungewöhnlich kühle und nasse Witterung, welche auf die Entwickelung der Feldfrüchte außerordentlich hemmend einwirkte. Erst Anfangs August trat trockenes, sonniges und warmes Wetter ein, daß das Reifen des Getreides beschleunigte. Die Berichte über Hagelschaden sind an sich wenig zahlreich. Doch wurden einzelne Gegenden recht schwer davon betroffen, Tierische und pflanzliche Schädlinge scheinen im allgemeinen keinen erheblichen Schaden angerichtet zu haben. Mit dem Roggenschnitte war größtenteils erst Anfangs August begonnen worden. Dank dem günstigen Wetter gingen die Erntearbeiten dann aber, trotzdem sie vielfach durch starke Lagerung des Getreides erschwert wurden, so gut vonstatten, daß Mitte August schon ein großer Teil der Roggenernte gut geworfen war. Mit dem Schnitte des Weizens, der zum Teil von Rost befallen ist, war bei Abgabe der Bericht meist erst begonnen worden. Ueber den Ausfall der Wintergetreideernte lauten die Berichte meist recht günstig. Auch die Ernte des Sommergetreides war Mitte August in vollem Gange. Im allgemeinen hatte sich die in letzter Zeit schnell gereifte Sommerung günstig weiter entwikkelt. Besonders Hafer hat eine wesentliche bessere Beurteilung erfahren, als imVormonat. Der Stand der Kartoffeln wird gegenwärtig in manchen Gegenden etwas ungünstiger beurteilt. Bei den Futterkräutern haben sich die Aussichten auf einen guten zweiten Schnitt erheblich gebessert. Ebenso ist der Sand der beiden Wiesenarten ganz erheblich besser als im Vormonat. Zum Bierkrieg. Eine von sozialdemokratischer Seite einberufene außerordentlich stark besuchte Volksversammlung in Magdeburg beschloß die Boykottierung aller Biere und Brauereien, deren Preise verteuert wurden. Eine große Volksversammlung in Lübeck verwarf die Abmachung ihrer Kommission mit den Wirten, wonach der Bierpreis 17 statt 15 4 für ein Vierzehntelglas betragen sollte, und beschloß den Boykott aller Wirtschaften, die den Preis erhöhen. Ungetreue Beamten. In Dotzheim bei Wiesbaden wurde, wie die„Frankfurter Zeitung“ meldet, der seit 23 Jahren amtierte Polizeisekretär Konrad sofort entlassen, weil er seit Jahren einem sozialdemokratischen Blatt Berichte über Gemeindeangelegenheiten gesandt hatte, die als tendenziös gefärbt und entstellt bezeichnet werden. Auch einem anderen Polizeibeamten, der in die Angelegenheit verwickelt ist, wurde gekündigt, ein Polizeiwachtmeister ferner zum Sergeanten degradiert. Allgemeine Teuerung. Seit dem Februar dieses Jahres geht das Niveau der Nahrungsmittelpreise in steigender Richtung nach aufwärts. Wenn man auf Grund der VerpflegungsRation des deutschen Marinesoldaten den wöchentlichen Kostenaufwand für die vierköpfige Familie in 55 deutschen Städten ermittelt und unter Berücksichtigung der Bevölkerung dieser 55 Plätze eine Durchschnittsziffer für den Nahrungsmittelaufwand berechnet, so stellt sich diese Ziffer für die ersten sieben Monate des laufenden Jahres wie folgt: Januar 22.46, Februar 22,37, März 22,47, April 22,59, Mai 22,87, Juni 23.24, Juli 23,67; von Februar ab setzt also die Steigerung ein, diese nimmt von Monat zu Monat zu. Die relative Steigerung gegen Februar beträgt nicht weniger als 5,8 Prozent. Unter den 55 deutschen Städten, die in die Berechnung einbezogen sind, sind nur 6, in denen die Durchschnittsziffer im Juli zurückging, darunter sind Krefeld, Trier. Am höchsten steht die Durchschnittsziffer mit 26,28 Mark in Köln. Die Nahrungsmittel, deren Preisbewegung die Steigerung bewirkt hat, sind vor allem Kartoffeln, Butter und Schweinefleisch. Aus den Kriegervereinen. Aus Oldenburg wird gemeldet: Der Delmenhorster Kriegerverein hat den Ausschluß des Ehrenvorsitzenden, Landtagsabgeordneten Müller, aufgehoben. Der Vorsitzende des Delmenhorster Kriegervereins Dr. Langhorst legte seinen Posten nieder. Unfall oder Verbrechen? In Gueret fand eine Militärschießübung statt. Es sollten Figuren beschoßen werden. Statt dessen beschossen einige Soldaten ein Steinkreuz, in dessen Nähe Ofiziere standen. 5 Offiziere sind schwer verletzt worden. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. In der Heimat. Roman von Rose vom Spielberg. 8 „Du bist müde von der Reise und möchtest Dich ausrusen, nicht wahr, mein Kind?" sagte der Graf freundlicher als bisher. Das hartnäckige Schweigen des Kindes fing an, ihn zu bedrücken, und er wollte der Szene schnell ein Ende macen. „Ja, wenn ich in mein Zimmer gehen dürfte," antwortete sie. waren die ersten Worte, die Anita über ihre Lippen brachte, seit sie ihren Fuß über die Schwelle der Elsburg gesetzt hatte. „Gewiß," erwiderte der Graf schnell,„Fräulein von Ruffer wird die Gewogenheit haben, Dich in Deine Zimmer zu führen. Dort magst Du heute abend ungestört bleiben. Morgen besprechen wir das Nähere. Und nun gute Nacht, mein Kind, Gott segne Deinen Einzug auf der Elsburg. — Gute Nacht." Sekundenlang ruhte ihre Hand in der seinen, und ihr Blick flog zum ersten Mal zu ihm auf. Sie mußte hochsehen; denn er überragte sie um ein Bedeutendes. Die Aehnlichkeit ihres Oheims mit ihrem Vater, die ihr jetzt erst auffiel, wirkte einen Moment verblüffend auf sie Das waren des Vaters Augen, das seine edel gebogene Nase, sein Kinn .. und doch.. aus des Vaters ganzem Gesicht hatte Weichheit und Güte gestrahlt, hier meinte sie nur Gleichgültigkeit, Stolz, Kälte und Strenge zu sehen. Jetzt ließ er ihre Hand los und entfernte sich mit kurzem Gruß. Ein Gefühl des Verlassenseins kam über Anita. Sie wandte sich nach Lisette um, der niemand während dieser kurzen Unterredung Beachtung geschenkt hatte, und die ihr doch das Liebste und Teuerste war, was sie nach ihres Vaters Tode besaß. „Lisette, liebe Lisette!“ Sie schlang ungeachtet des spöttischen Lächelns der anwesenden Dame, die Arme um die Schultern der Alten und drückte sie an sich. „Komtesse, ich bitte Sie, mir jetzt zu folgen.“ Wieder war es ihr, als ob man sie mit Eiswasser übergösse. Der Klang der harten Stimme tat ihrem musikalischen Ohr weh, und es war eine Eigentümlichkeit von ihr, ihre Sympathien und Antipathien nach dem Klang der Stimme zu verschenken. Ohne Lisette loszulassen ging sie der voranschreitenden Dame nach, durch mehrere ihr schier endlos erscheinende Gänge, bis endlich vor einer Tür Halt gemacht wurde. Die Dame öffnete, trat ein und hieß das junge Mädchen, ihr zu folgen. „Hier sind Ihre Zimmer, Komtesse, machen Sie es sich darin bequem, und hier nebenan liegt das Zimmer Ihrer Dievern? 440 „Dienerin? Sie irren. Lisette ist meine liebe Vertraute und Freundin.“ Anitas Blick flammte förmlich. Fräulein von Ruffer zuckte leicht die Achseln mit jenem nachsichtigem Lächeln, das man zuweilen der Unart eines Kindes gegenüber aufsteckt.„Darüber zu entscheiden, überlasse ich dem Herrn Grafen, liebe Komteß.“ „Darüber gibt es keine andere Entscheidung als die meine, entfuhr es ihr unbedacht und schroff; denn die ganze Art der Dame brachte ihr Blut in Wallung; sie wußte selbst nicht wa8„ P Agn zn merhe boch Fräulein von Ruffer zog die Augenbrauen ein wenig hoch, aber sie ließ sich nicht merken, welche Empfindungen sie bei der fast ein wenig feindselig klingenden Art des jungen Mädchens beherrschten, ebensowenig wie sie vorhin ihre herbe Enttäuschung verraten hatte. Hier hieß es gute Miene zum bösen Spiel machen. Das Zepter würde sie sich von einer„hergelaufenen Betteldirne“ nicht entwinden lassen, sie hätte sonst nicht Zilly von Ruffer heißen müssen. Daß sie einen schweren Stand haben würde, hatte sie auf den ersten Blick gesehen, doch mit einem Streiche fällt man keine Eiche. Und Fräulein von Ruffer war außerordentlich klug. „Sie sind müde,“ sagte sie ablenkend und ohne die Erwiderung zu beachten.„Ich will Sie darum allein lassen. Schlafen Sie wohl, und seien Sie morgen recht gesund und frisch. Gute Nacht.“ 1 Die Worte klangen so freundlich und liebenswurdig, sie verrieten nicht das geringste Gekränktsein noch den leisesten Unwillen, daß Anita im ersten Augenblicke ganz verdutzt die dargebotene Hand ergriff. Als sie zur Besinnung kam, hatte sich die Dame bereits mit aalglatter Geschwindigkeit durch die Tür zurückgezogen. Anita sah Lisettesprachlos und kopfschüttelnd an. Diese aber rang die Hände:„Anitachen, Anitachen, wie konntest Du nur so zu der feinen Dame, die der gnädige Herr Graf Dir doch zur Repräsententante.. „Zu.. zu was für einer Tante? Hahaha:. Lisette, Du bist gut.“ Anita brach in ein helles, melodisches Lachen aus, faßte die alte, rundliche Lisette um die Taille und drehte sie mit sich herum, daß ihr Hören und Sehen verging. „Anitachen, Liebling, halt ein.. ich.. ich werde ja.. ganz schwin.. delig. Da hielt Anita ein und küßte Lisette auf beide Backen.„Wenn ich Dich nicht hätte, Liserte! Nicht eine Stunde hielt ich es hier aus. Die Dame mit der hochmütigen Nasenspitze, mit der werde ich auf ewigem Kriegsfuß stehen, paß nur auf. Glaubst Du, ich könnte es ertragen, daß man Dich wie bisher weiter achtlos behandelt? Nein, das leide ich nicht, hörst Du, Lisette? Und mag man sich auf den Kopf stellen.“ „Ach Gott, Herzliebling.. meinetwegen sollst Du Dir keine Unannehmlichkeiten bereiten. Was liegt denn an mir? Und ob die Dame mich für Deine Dienerin oder sonst was hält, das ist doch gleich, wir bleiben doch, was wir sind, und im Grunde.. hat sie doch recht.“ „Lisette, so darfst Du nicht sprechen. Du weißt recht gut, was Du für mich bist, und ich will es nicht, daß man Dich niedriger stellt.“ „Aber wenn die Dame dem Herrn Grafen nun erzählt, wie Du ihr...“ „Bescheid gesagt hast,“ vollendete Anita.„Was ist da zu erzählen? Ich würde es jederzeit verfechten.“ „Aber.. der Herr Graf sehen mir nicht danach aus.. als wenn...“ „Lisette.. fürchtest Du Dich etwa vor ihm?“ „Ich fürchte nur, man könnte mich von Dir trennen wollen.“ „Das sollen sie nur versuchen, nicht eine Stunde bliebe ich ohne Dich im Schlosse. Ich habe ohnehin nicht die Absicht, lange auf der Elsburg zu bleiben; denn ich habe es Tante und Onkel Binnewerg versprochen, sobald wie möglich nach Berlin zurückzukommen und meine Studien fortzusetzen.“ „Hoffentlich erlaubt es der Herr Graf." 169,20 „Was Du nur immer mit Deinem Herrn Grafen hast.“ S Tachs S 583 * 3 085 892 88 DDEs 8 S 2—sag a Gei S S gSRC # S# De„Sae SS, SgS SOESS 2 bgg STeges S 99# 03— Spges P####E D# DA ME S SES: 33 SE9 S S „ 5 S 27 5 * 8 9 S 5 5m 5 9 5% 2 2 2 2 S 8. S T Sg8SS. S S SDg *„..* 8 2 BE S. i ccg S e..5 S 8 8 41c.9 redigiert von Martha Kempner=Hochstädt. Morgenlied. Tanke Emma. „Hab' es euch schon oft verboten,“ Vater Spatz im Zorne rief, „Singet, Kinder, hübsch nach Noten, Nicht zu hoch und nicht zu tief!“ 3„Wie die Alten stets gesungen,“ ∆ Der gelehrte Tompfaff spricht, S:„Also zwitschern auch die Jungen, * Bieber Spatz— vergiß das nicht!“ * e Friedrich Wilhelm III. und die Fischersfrau. Historische Erzählung von Onkel Albrecht Prinz Ludwig, der Bruder Friedrich Wilhelms III., hatte einem armen, redlichen Fischer in Schwedt versprochen, ihm ein Haus bauen zu lassen. Der Bau begann. Bald nachher starb der Prinz, aber auch der Fischer, und der Bau blieb liegen. Man sagte der Witwe des Fischers, daß der Bruder des Prinzen jetzt König geworden sei und den Bau vielleicht fortsetzen würde. Sie ging nach Berlin, meldete sich im königlichen Palais und verlangte den Bruder des Prinzen Ludwig zu sprechen. Der König ließ sie vor, und sie fragte ihn:„Is he de Broder von den Printen Ludewig?“ Der König bejahte es, und sie fuhr fort:„Sin Broder wer en ehrlick Mann un ick denken, he wert et ok sin, un wiel he nu wat worden is, wert he mi min Hus buen laten.“ Der König lächelte und ließ sich die Sache erzählen. Er versprach der Frau den Hausbau, ließ einen Befehl ausfertigen und händigte ihr denselben ein. Sie erkundigte sich, ob die Herren in Schwedt auch den Befehlen gehorchen würden, und ging auf die Versicherung des Königs fort. In Schwedt irde der Befehl pünktlich befolgt und der Bau des Hauses unverzüglich fortgesetzt. Sogleich eilte die hocherfreute Fischersfrau wieder nach Berlin und verlangte abermals den Bruder des Prinzen zu sprechen. Der König erschien, und die Frau sagte:„Wiel ick sehe, dat he eben son ehrlick Mann is als sin Broder, so bring ick em hier en kleen Fat Niengen vor sine Möje.“ Der König nahm es freundlich an, beschenkte die Fischersfrau und trug das Fäßchen Neunaugen seiner Gemahlin und sagte:„Sieh einmal, Luise, da habe ich als König schon etwas verdient.“ Ktugheit eines Hundes. Von Tante Martha. Zwei Dachshunde eines Amtmanns im Hoyaischen hatten zulaufen, und einer war so unglücklich, mit der einen Vorderder andere, ihn zu erretten. Da er dies durchaus nicht konnte, kam er ganz außer Atem auf den Hof gelaufen und sprang an dem Verwalter in die Höhe, winselte erbärmlich, lief vorwärts, kehrte wieder um, da dieser es nicht bemerken wollte, und tat immer ängstlicher, bis der Verwalter endlich aus der gar zu großen Unruhe des Tieres schloß, es müßte etwas Besonderes vorgefallen sein. Er folgte dem Hunde. Nun verwandelte sich die Unruhe desselben in die größte Freude und Ungeduld, daß ihm der Verwalter nicht so geschwind, als er wünschte, folgen konnte. Indes führte er ihn über Stock und Stein, durch Büsche, Hecken und Moräste endlich an den Ort, wo der arme Gefangene in dem Fuchseisen saß, der denn auch glücklich erlöst ward. Zahlen=Rätsel. 1 2 3 4 56 7 8 ein europäisches Königreich, 2 1 78 3 71123 4 4 7873 5 3 6 7 6 75 8 7 73675 8 7537* ein Edelstein, ein militärischer Bericht, ein Amtskleid, eine Stadt in der Mongolei, ein Pferd, ein Kanton in der Schweiz, ein Mädchenname. * Kreuz=Rätsel. Die Zahlen sind durch Silben zu ersetzen, von folgender Oovezurz eine fgngrsche Iusel 112 2—3 eine Blume, 3—4 ein althebräisches Gewicht, 314 1—3 ein Körperteil, 1—4 ein junges Schwein. (Die Auflölung der Rätsel usw. erfolgt in der nächlten „Kinderlaube“. D. Red.) so daß Wörter Auflösungen der Rätsel usw. aus der vorigen „Kinderlaube“ Oldenburg, Legende, Dogge, Engel, Nero, Beerberg, Urne, Reede, Gulden. Hagel, Hafer, Hase, Ferse, Ferkel, Segel, Sekel. * Silben=Rätsel. Wieland.— Woche, Iltis, Emma, Lyon, Adler, Natter, Arr. Geographisches Leiter-Rätsel. Müßiggang ist aller Laster Anfang. S5 S# 8. 5 S S 3•8 9 S B 85 8 5 S. ge E:—65 s 8 5 S 8 S 2 85 8 ## S S. 5 Wentter Amtliches Kreisblatt für den kreis börde 41. Jahrgang. 0 Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 199 Donnerstag den 26. August 1909 Die ketzten Garrs. Roman von Albert Graf (10. Fortsetzung. ehr beschämt und wortlos schlich der ab% gefallene Freier neben der energischen % jungen Dame durch den Park. Er hatte "9 sich das so ganz anders gedacht. Die #) schöne Mitgift! Freilich, der Vater wurde toben, aber er konnte doch unmöglich von ihm verlangen, sein kostbares Leben aufs Spiel zu setzen. Die Mutter wenigstens würde es einsehen. Nach der anderen Seite drückte sich Herr Max durch die Büsche. Er hatte beabsichtigt, im geeigneten Moment mit seinem väterlichen Segen vorzutreten, und war dem Paar heimlich nachgegangen. Schockschwerenot! Sein tolpatschiger Sohn hatte die Sache aber auch zu dumm angefangen. Es war zum Verzweifeln! Und dabei durfte er sich nicht einmal etwas merken lassen. Ganz gab er jedoch die Hoffnung noch nicht auf, den„Goldfisch“ für seinen Sprößling einzufangen.„ Auch Perpetua hatte keinen Erfolg bei Kurt zu verzeichnen. Im stillen verwünschte sie zwar die unschuldige Rosemarie, die den Vater nicht einen M mit ihr allein ließ, aber sie mußte sich eben darin schicke Anfangs hoffte sie noch durch Liebkosungen, die si Kinde spendete, den Weg zum Herzen des Pazere au finden. Deshalb überschutgtesie die Kleine mit J igz. v keiten. Doch Rosemarie schien wenig empfänglich vafür zu sein. Sie duldete wohr die Umarmungen und Küsse, aber sie erwiderte sie nicht. Das wunderbar ausgebildete Gefühl sagte ihr, daß Perpett Heuberg nicht aufrichtig war. Die junge Dame sah dann auch bald die Fruchtlosigkeit ihrer Bemühungen ein. Da das„Gör“ ihrem Zweck nun nicht dienlich sein wollte, ärgerte sie es doppelt. Wo war nur die zieherin, damit sie endlich den Balg nähme? gelang es ihr im Zwiegespräch, ohne ewig durch das Kind gestört zu werden, Kurt Barr näher zu kommen. Aber natürlich, wenn man eine solche Person braucht, ist sie nie da! Trotz ihres Zorns blieb sie jedoch äußerlich ruhig und sanft und ließ von ihren nichts merken. Obgleich sie, um den Weg möglichst zi verlängern, Kurt durchaus nicht direkt zu dem Aussichtspunkt geführt hatte, war das Ziel, ein Hügel an der Parkmauer, von dem man ziemlich weit ins flache Land schauen konnte, endlich doch erreicht. Während Rosemarie sich über die Brüstung lehnte, setzte sich Perpetua, wie ermüdet, auf eine Bank. Barr blieb neben ihr „Ach,; meinte sie mit einem gefühlvollen Augenaufschlag und deutete auf sein Töchterchen,„es muß doch von Schlippenbach. (Nachdruck verboten.) ein unendliches Glück sein, solch herziges Kind sein zu „Allerdings, mein gnädiges Fräulein,“ bestätigte er und schaute zärtlich zu seinem Liebling herüber.„Rosemarie ist mein größtes Glück.“, galb um sg schwerer Ja, aber ich denke es mir deshale umn so schucter sind selten zu„Madenosele Venot isr icen Vesgalkerienelte se stelich uicht ersegreigen Ghabe Er beseiats nich her auch nie von meinem Ambe. Es begleitete mich stets auf meinen vielfachen Reisen. Die eigentliche ErMonaten weilt Rosemare nun in Schwarzhof bei meiner eine treuere, fürsorglichere körperliche und geistige Pflege, wie bei Agnes, kann ich mir für sie nicht wünschen.“ Perpetua warf dem Sprecher einen schnellen, bosen Blick zu. Er bemerkte es aber nicht. Gleich darauf zeigte ihr Gesicht auch wieder den sanften Ausdruck. „Gewiß ist das ein Glück für Ihr Töchterchen, aber mir tut jedes Kind leid, das ohne die Liebe einer Mutter „Rosemarie selbst enphndet es nicht sge. rer, sie ihre Mutter nie gekannt, hat. Meine Frau starb „Eo lange sind Sie schon Witwer?“ Perpetua gab ihrer Stimme einen erstaunten und wehleidigen Klang. Sie Aermster!— Wie vereinsamt müsen Sie sich „ost gewiß.— Aber ich habe eben mein Kind sein. Eine teilnehmende, treue Gefährtin, die Genossin 9½ ein,ee e en Lamergenot. seiner Mühen und Arbeit, einen guten Rumelüden, der ihm die Sorgen von der Stirn wischt, ihn erheitert „Um so schmerzlicher müssen Sie ihn sicherlich nun Vielleicht.— Aber meines Kindes Wohl ist mir wichtiger, wie die eigene Behaglicgteit, O, Sie fürchten, eine Snesmutter würde Ihr wie Sie es wünschten“ die bösen Stiefmütter geyoren doch in das Fabelbuch. — Jedes junge Mädchen, das ein geliebter Mann zur *•0 g S E SSSaSESTEE a S•hepg S SSSnSSSIPTEn SUMEBGTSTZUNTNA 9* 5 S 2 *— 9S EE *••" 5 ***###% SEGess ***— B= 80 0 15 S 8* 2 g S 9. 288 TUun 2 *** 9 5 g E 52 ** B EKDS 2 EL *•5½SE S S S 8. 8 88 „."- S•*• S S835SS 9tg S F. G 9 S 0— ∆ 5 8•3 8 TSTERE a K E M S# 12 B SS.98 P S U8 O SHhSSSHESEESSZEGNBTSASLUSEEZTRLG SDÄZUSESSEGEEBBZEGBBSTRSÄDLEEZ"LLEE — Mutter eines so reizenden Kindes wählte, wie Rosemarie, würde sich doch glücklich schätzen. Ich wenigstens—“ Perpetua schwieg plötzlich und senkte den Blick, als ob sie über ein Geständnis erschreckte, das ihr unwillkürlich über die Lippen kam. Ein flüchtiges Lächeln irrte über Kurts Gesicht. Hielt die junge Dame ihn wirklich für so beschränkt, die plumpe Komödie nicht zu durchschauen? Glaubte sie, das unbedeutende Gänschen vom Lande, deren Gesichtskreis gerade von Oberrankin bis Tempelbach reichte, ihn, den welterfahrenen, gereiften Mann täuschen zu können?! „Mein gnädiges Fräulein,“ erwiderte er ruhig,„ein Mann in meinem Alter wird sehr vorsichtig. Wenn man wie ich sechsunddreißig Jahre zählt und Witwer mit einem Kinde ist, muß man stets befürchten, lediglich Gegenstand einer Spekulation zu sein, um so mehr, wenn man sonst in auskömmlicher und geordneter Vermögenslage sich befindet.— Aber wollen wir nicht die anderen Herrschaften wieder aufsuchen? Ich bin sicher, sie warten schon auf uns.“ „Ja, Papa, ich möchte zu Tante Agnes," Rosemarie schmiegte sich an den Vater an. Perpetua biß sich zornig auf die Lippen. In ihrer Beschränktheit war sie sich allerdings nicht ganz klar, ob die Worte nur im allgemeinen gesagt oder speziell auf sie gemünzt waren. Jedenfalls schien ihr das Ziel ihrer Wünsche, Herrin in Schwarzhof zu werden, plötzlich in weite Ferne gerückt, und sie hatte eben noch geglaubt, bei der Wendung, die sie dem Gespräch gab, und mit Hilfe des kleinen Theatercoups, ihm ein gut Stück näher zu rücken. Aber dieser langweilige, steife Mensch war entweder fischblütig und dumm oder boshaft und tatsächlich sehr vorsichtig. Und nun gar die es Gör! Wäre sie mit Kurt allein, dann ließe sich vielleicht doch noch eine kleine Szene aufführen, aber so!— Am liebsten hätte sie Rosemarie geohrfeigt.— Aber nur nichts merken lassen! Es war ja noch nicht aller Tage Abend.— Fräulein Perpetua besaß viel Selbstbewußtsein und glaubte noch immer fest an die zwingende Macht ihrer Reize. Sie mußte ja end ich siegen, wenn — ja, wenn sie eben nur einmal mit Kurt allein wäre und ihm dann deutlicher zeigen konnte, daß sie jederzeit bereit war, in seine Arme zu sinken. Dem widerstand doch kein Mann auf die Dauer! Aber das dumme, vorlaute Balg durfte natürlich nicht dabei sein. „Gewiß, mein Herzchen, dein lieber Papa hat ganz recht," meinte Perpetua sanft und erhob sich,„wir mussen eilen, wenn ich auch— sie schaute Kurt verschämt lächelnd an— unter Ihrem Schutz, Herr von Barr, wohlgeborgen bin.“ „Sicherlich, mein gnädiges Fräulein," antwortete er trocken.„Wenn wir zusammen sind, passiert Ihnen ganz gewiß kein Abenteuer.“ Obgleich er sich innerlich über die junge Dame höchlichst amüsierte, verzog er keine Miene. „Wenn ich nur wüßte, ob er wirklich so kühl und unnahbar, oder das Ganze nur Maske ist!" dachte Perpetua, während sie wie ein achtzehnjähriges Mädchen den Hügel herunterhüpfte.„Aus seinem steinernen Gesicht wird man wirklich nicht klug.“ Kurt und Rosemarie folgten langsam nach. Auf dem direkten Weg hatten sie bald das Herrenhaus erreicht, wo die anderen ihrer schon harrten. Heuberg warf seiner ältesten Tochter einen fragenden Blick zu. Perpetua zuckte ärgerlich mit den spitzen Schultern und sing dann ein Gespräch mit Mademoiselle Benoit an. Agnes näherte sich dem Vetter.„Bitte, laß den Wagen vorfahren,“ raunte sie ihm zu.„Ich habe von dem Aufenthalt hier genug.“ „Ich nicht minder,“ gab er lachend zurück und ging nach dem Stall, um den Kutscher zu beordern. Nach einer Viertelstunde meldete der Diener, der Wagen des Herrn Barons wäre vorgefahren. „Aber ich bitte Sie,“ versuchte der Hausherr dem Aufbruch der Barrs zu widersprechen,„wir rechneten bestimmt darauf, Sie würden uns die Freude machen, zum Abendessen zu bleiben.“ „Leider ist es mir nicht möglich. Ich erwarte heut abend wichtige Nachrichten aus der Schweiz, und meine Cousine ist noch immer etwas angegriffen. Sie müssen uns schon gütigst entschuldigen,“ wehrte Kurt ab. Alles Protestieren und Bitten half nichts. Selbst Perpetuas schmollende Miene über den frühzeitigen Aufbruch machte gar keinen Eindruck auf Kurt. Er schien sie nicht einmal zu bemerken. Es blieb Heubergs daher nur übrig, Vetter und Cousine unter wortreichen Versicherungen ihrer Freude über den Besuch und ihrer treunachbarlichen Freundschaft ziehen zu lassen. Bernhard, der noch immer arg zerknirscht sich etwas im Hintergrund hielt, wußte nicht recht, wie er sich benehmen sollte. Agnes kam ihm in ihrer Gutmütigkeit zu Hilfe. Unbefangen und mit einigen freundlichen Worten reichte sie auch ihm zum Abschied die Hand. Erleichtert atmete er auf und warf ihr einen dankbaren Blick zu. Es wäre ja auch zu schrecklich, wenn sie noch grollte und ihrem Vetter gar von seiner gewaltsamen Werbung erzählen würde. Doch er sollte nicht lange sich seines Lebens freuen. Kaum war das Rollen des abfahrenden Wagens verhallt, als sich Herrn Max' eben noch so liebenswürdige Miene in erschreckender Weise veränderte. „Du Tölpel!“ schrie er den jüngsten Sohn wütend an,„hast dich natürlich den ganzen Nachmittag wie ein Esel benommen. Erst säufst du von meinem guten Rheinwein wie ein Loch und schwatzest lauter Blödsinn, dann gießt du der jungen Dame beinahe das Kleid voll Kaffee, und endlich erschreckst du sie ganz unvermittelt durch eine Werbung, die mehr einer Attacke als einer Liebeserklärung ähnelte, und holst dir natürlich eine Zurechtweisung, wie sie einem so dummen Jungen gebührt. Von dir als Freier wird sie wohl fürs eise genug haben. Aber das sage ich dir: Bist du in vier Wochen nicht verlobt, dann bringe ich dich zum Amtmann Besser, dort kannst du dann hinter dem Pflugschwanz gehen! Das merke dir!“ „Woher weißt du denn, daß sich Bernhard einen Korb holte?“ fragte Frau von Apen mit boshaftem Lächeln. „Ich— ich hörte und sah es ja!— Natürlich zufällig,“ verbesserte sich der tobende Vater. „So, so! Zufällig.“ Herr Max wurde durch die spitze Bemerkung seiner Schwiegermuttter nur noch mehr gereizt.„Und du,“ fuhr er Perpetua an,„hast dich wahrscheinlich auch möglichst töricht benommen, wenigstens sah der Kurt nicht danach aus, als ob er sehr entzückt von dir wäre.“ „Ich kann mich dem steifleinenen Menschen doch nicht an den Hals werfen," begehrte die Tochter trotzig auf. „Schweig', wenn ich mit dir rede, du Gans!“ schrie Herr Max zornig,„oder ich vergesse, daß du siebenundzwanzig Jahre alt bist!“ Perpetua stampfte wütend mit dem Fuß auf, dann hielt sie das Taschentuch vors Gesicht und lief weinend ins Haus. „Wenn ich diesen ewigen, wüsten Lärm mit dem friedlichen Familienleben in meinem Hause vergleiche, muß ich meine arme Tochter immer von neuem bedauern.“ Frau von Apen erhob sich hoheitsvoll und zog sich mit indignierter Miene zurück. Frau Elvira folgte ihr. Jetzt war die beste Gelegenheit, die Mutter um das Geld zu bitten. So empört sie auch tat, innerlich frohlockte sie. War sie doch nie besserer Laune, als wenn ihr Schwiegersohn sich ärgerte. Einen schweren Kampf würde es freilich kosten. (Fortsetzung folgt.) # S 5 Denkspruch. Wohl geht der Jugend Sehnen Nach manchem schönen Craum; mit Ungestüm und Cränen Stürmt sie den Sternenraum. Der Himmel hört ihr Flehen Und lächelt gnädig: nein! Und läßt vorübergehen Den Wunsch zusamt der Pein. Uhland. Eine vom schwachen Geschlecht. Skizze von Betty Ritweger. (Nachdruck verboten.) (S Das Hannchen hatte voll Eifer gesprochen und sah ihren Mann nun erwartungsvoll an. Der räusperte sich und besann sich, ob es wirklich so schlimm mit dem Husten sei. Aber wenn's das Hannchen sagte, mußte es wohl wahr sein, und es war dann schließlich seine Pflicht, sich seiner Familie zu erhalten. Nach einem Weilchen hob er gewichtig an: „Ein anstrengendes Handwerk ist die Schlosserei freilich, besonders für einen, der nicht ganz taktfest auf der Brust ist, und so recht einträglich ist's heutzutage auch nicht mehr; daran sind die Fabriken schuld. Wär' noch nicht das Dümmste, eine Waschanstalt einzurichten. Für'ne Frau allein ist das natürlich nichts, das seh' ich wohl ein.“ Der Heinrich war ganz Eifer für die Sache und bildete sich bald ein, die Seele des Unternehmens zu sein, das in Wirklichkeit Frau Hannchen allein in Gang brachte.„Mein Mann ist nicht kräftig genug zum Schlosser,“ so erklärte sie allen, die es hören wollten, und sie glaubte es selbst beinahe. Sie mußte es glauben, um es den Kindern— es waren nun fünf, drei Mädchen und zwei Buben, glaubhaft zu machen. Sie sollten den Vater ehren als Haupt der Familie, jetzt und immer. Als einmal die Marie heulend aus der Schule nach Hause kam und die Mutter fragte: „Du, ist's wahr, daß der Vater ein Nichtstuer ist? Die Lena Greiner hat's gesagt, und deswegen wäre er auch kein Schlosser mehr,“ da bekam sie ein paar kräftige Ohrfeigen und die rasche Antwort:„Siehst du nicht, wie der Vater sich plagt, alle Wege läuft, Rechnungen schreibt, Holz macht und Kohlen beischleppt? Und wenn Not an den Mann geht, gießt er sogar die Wäsche auf dem Rasen. Kann er was dafür, daß er zu schwach zur Schlosserei war? Er wär’ längst tot, wenn er das Geschäft nicht aufgegeben hätt'. Die Leut' müssen nur immer was zu schwätzen haben.“ Da schämte sich die Marie aus Herzensgrund, und das Hannchen war an dem Tage ganz besonders zärtlich gegen ihren Heinrich. Die Liebe zu ihm hatte sich allmählich, ohne daß ihr das recht zum Bewußtsein kam, mehr in die einer Mutter für ihr Sorgenkind gewandelt. Aber ihr ganzes Bestreben ging dahin, ihm seine Stellung als Oberhaupt der Familie zu erhalten. Hatten die Kinder ein Anliegen, so hieß es stets:„Fragt den Vater, ob er's erlaubt.“ Die besten Bissen bei Tisch gehörten dem Vater, und mit peinlicher Sorgfalt sah Hannchen darauf, daß ihr Mann stets gut und sauber gekleidet ging. In ihrer Schwäche stark, hielt und stützte sie ihn, wußte sie sein Selbstbewußtsein zu heben, indem sie jede kleine Arbeit, die er vollbrachte, als wichtigste Leistung hervorhob. Sie ließ ihn nun ohne Einwendungen täglich seinen Frühschoppen machen und legte ihm auch nichts in den Weg, wenn er sonst ab und zu sein Glas trank. Ein Säufer wurde er nunmehr nicht, das sah sie, und den Kindern machte sie klar, daß der Vater„Stärkung“ nötig habe. Auf die paar Groschen kam's nicht an. Das Geschäft ging ausgezeichnet, besonders als die Töchter heranwuchsen und man kaum noch fremde Hilfe brauchte. Die Schulden, die auf dem Häuschen ruhten, wurden getilgt, und manchmal, wenn der Heinrich Eintragungen in die Bücher machte, meinte er schmunzelnd: „Es war doch meine beste Idee, daß ich die Schlosserei aufgegeben und mich euch erhalten habe.“ Dann lächelte sein Hannchen ihm freundlich zu und sagte:„Ja, und nur gut, daß du dich so auf die Schreiberei verstehst— damit könnt' ich mich allein gar nicht befassen.“ Und wenn er ihr, die mit glühenden Wangen am Bügelbrett stand, übers Haar strich und schmeichelnd sagte:„Bist doch ein Prachtweib, Hannchen,“ dann wurde sie noch röter vor Freude, und das Eisen fuhr noch einmal so flink über das Wäschestück, das sie gerade in Arbeit hatte. Als der Heinrich fast fünfzig war, erkrankte er an einer Lungenentzündung, die rasch eine bedrohliche Wendung nahm. Aerztliche Hilfe und treueste Pflege vermochten nichts; am neunten Tage ging's zu Ende. Hannchen war trostlos und hielt sich nur mit Gewalt aufrecht, um dafür zu sorgen, daß alles, was nun nötig war, in gehöriger Ordnung geschah. Die Todesanzeige lautete: Es hat Gott gefallen, unsern inniggeliebten, treusorgenden Gatten und Vater, den Wäscheanstaltsbesitzer Heinrich Morbach nach kurzem Leiden zu sich zu nehmen. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Als der Geistliche zu der Witwe kam und nach den ersten teilnehmenden Worten meinte:„Sie sind eine tapfere Frau, und ich habe immer bewundert, daß Sie — hm— es war doch währlich nicht leicht— Sie verstehen—“ da fiel sie, während ihr die hellen Tränen über die Wangen rollten, rasch ein:„Ich hab' ihn so liebgehabt, Herr Pfarrer, und daß er nicht stärker war, dafür konnt' er doch nicht. Und nun wird er uns so fehlen, mir und den Kindern. Nie gab's ein böses Wort zwischen uns— und er war ein so guter Mann und ein so guter Vater. Nicht wahr, das werden Sie auch an seinem Grabe sagen, Herr Pfarrer?“ Und der Pfarrer hob es in seiner Rede wirklich hervor, wenn auch mit nicht ganz gutem Gewissen. Frau Hannchen ließ die Glocken auf beiden Kirchen läuten, als man ihren Heinrich zur letzten Ruhe brachte, und sie ließ ihn auf einem„gekauften“ Platz begraben. Und für sich nahm sie gleich einen daneben. Es war eine„schöne Leich““, wie man's in Kreuzburg nannte. Die Wäscheanstalt ging merkwürdigerweise nach des Familienoberhauptes Tode so gut weiter wie bisher, aber Frau Hannchen versicherte ihren Kunden immer wieder, wie schwer sie's nun hätte ohne ihren Mann, der das Geschäft in Gang gebracht habe, weil er für sein Handwerk nicht kräftig genug gewesen sei. Und da der Heinrich Morbach nur knapp fünfzig alt geworden und an einer Lungenentzündung gestorben war, glaubten's die Leute auch wirklich. Denn wo die Tatsachen so deutlich sprachen, mußte der Zweifel schweigen. Frau Hannchens Töchter verheirateten sich der Reihe nach mit braven Männern, und die beiden Jungen gerieten gut. Der eine„schlug auf den Großvater“ und wurde ein tüchtiger Kunstschlosser, der andere berechtigte schon als Seminarist zu den schönsten Hoffnungen.„Sie haben wirklich Glück mit Ihren Kindern," so sagte wohl der oder jener zu der Mutter, und sie verfehlte nie mit nassen Augen zu erwidern:„Ja, ja, des Vaters Segen baut den Kindern Häuser!“ — * Auch hat man jetzt mit der Roggenernte begonnen und mit dem Ergebnis der Ernte ist man allgemein zufrieden. Die Haupthalmfrucht des Sauerlandes, der Haser, steht ausgezeichnet, und man kann demnächst mit einer guten Mittelernte rechnen. Auch die Spätkartoffeln haben einen vorzüglichen Stand und wirkt auf sie die jetzige günstige Witterung ganz ausgezeichnet. Wenn nicht alles täuscht, werden wir ein vorzügliches Kartoffeljahr bekommen. Das Gras hat sich vorzüglich entwickelt und steht eine gute Grummeternte zu erwarten. Auch über den Stand der Feldfrüchte braucht man nicht zu klagen. Je nach Lage und Stand der Obstbäume in dem klimatisch rauhen Sauerlande werden auch unsere Bergbauern mit der diesjährigen Ernte zufrieden sein. Die sonnigen Tage des August haben auch in dem Imker bessere Hoffnungen geweckt. Die Heide steht in prächtiger Blüte, und das Bienenvolk ist fleißig an der Arbeit, die Zellen seiner Stöcke zu füllen. * Essen, 25. Aug.(Drei Opfer der Emscher.) Beim Baden in der Emscher ertranken 2 junge Arbeiter. Ein Zimmermann, der sie zu retten versuchte, fand ebenfalls den Tod in den Fluten. * Düsseldorf, 25. Aug. Heute nachmittag gegen 5 Uhr ertranken in einem schlammigen Teiche in Oberkassel zwei Kinder, ein Mädchen von 13 und ein Junge von 12 Jahren. Die Kinder hatten nebst einem Schwesterchen von 10 Jahren auf einem Holzfloß gespielt, dieses kenterte und die Kinder fielen ins Wasser. Das 10jährige Mädchen wurde gerettet, während die beiden anderen Kinder ertranken. Die Leiche des Mädchens wurde gefunden, die des Knaben noch nicht. * Düsseldorf, 25. Aug.(Tod durch Ueberfahren.) Ein Brotwagen rannte einen Kinderwagen um. Ein darin liegendes Kind wurde herausgeschleudert; ein Rad des Wagens ging ihm über den Hals, was den sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Kutscher soll zu schnell gefahren sein. * Goch, 25. Aug.(Schweres Automobilunglück.) In dem nahe gelegnen Orte Gennep fuhr ein Automobil hinter einem Wagen, auf dem ein Bauer, dessen Sohn und ein Knecht saß. Plötzlich scheute das Pferd, die drei Personen fielen rücklings vom Wagen und gerieten unter das Automobil. Sie konnten nur als Leichen geborgen werden. * Siegburg, 25. Aug.(Was auf Kinderaussagen zu geben ist,) dafür folgendes Beispiel: Eine Arbeiterin aus Rinteln war auf Anzeige einer mit ihr verfeindeten Familie und auf die Aussage enes zehnjährgen Waisenkindes, das sie in Pflege hatte, zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt worden, weil sie das Kind angehalten haben sollte, unzüchtige Handlungen von einem inzwischen verstorbenen 80jährigen Greis zu erdulden. Vergebens waren alle ihre Beteuerungen und alle Versuche ihres Verteidigers, durch Revision und Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens die Unschuld der Frau zu erweisen. Kurz vor seiner Einsegnung hat nun das einstige Pflegekind der Frau dem Seelsorger unter Tränen unaufgefordert gestanden, daß die Frau unschuldig im hiesigen Zuchthaus gesessen habe. Die Frau ist jetzt im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen und auch vom Staat entschädigt worden, soweit eine äußerliche Entschädigung hier helfen kann. Bunte Chronik. Der preußische Etat von 1910. Der preußische Stat von 1910. Die Ausarbeitung des preußischen Staatshaushaltsetats für 1910 zu dem die Einzelressorts ihre Neuforderungen bis zum 1. September einrichten müssen, wird demnächst vom Finanzministerium in die Hand genommen werden. Die geschäftliche Behandlung der Neuanmeldungen wird, wie gewöhnlich, vor sich gehen. Schriftliche und mündliche Auseinandersetzungen, auch kommissarische Verhandlungen werden vom Anfang September ab sich ablösen, damit das umfangreiche Werk zustande gebracht wird. Man kann damit rechnen, daß der Etat vor Weihnachten fertiggestellt sein wird. Er wird dem Landtage dann, wie auch früher, vor Mitte Januar des nächstfolgenden Jahres unterbreitet werden können. Auch der nächstjährige preußische Staatshaushaltsetat wird wesentlich durch die Ausgaben beeinflußt werden, die für Beamten=, Lehrer= und Geistlichenbesoldungserhöhungen notwendig geworden sind. Gewiß sind für diese Zwecke auch Einnahmeerhöhungen bereits bewilligt worden. Sie werden bei den Ansätzen für die Einkommensteuer, für die Vermögenssteuer und für die Stempelsteuer im nächstjährigen Etat zur Erscheinung kommen. Man wird aber nicht vergessen dürfen, daß diese Einnahmeerhöhungen bei weitem nicht den Ausgabesteigerungen, die die Besoldungserhöhungen im Gefolge haben, glech sind, vielmehr hinter ihnen stark zurückbleiben. Der nicht durch die neuen Einnahmen gedeckte Teil des Ausgabezuwachses wird aus den bisherigen Einnahmequellen gedeckt werden müssen. Nun ist es ja erfreulich, daß, wie die letzten Einnahmeausweise erkennen lassen, die erste preußische Einnahmequelle nämlich die Eisenbahnverwaltung, wieder steigende Erträge abzuwersen beginnt; und deshalb auch für 1910 wenigstens nicht, wie dies beim Etat für 1909 notwendig gewsen ist, mit einer Minderung des Einnahmeansatzes der Eisenbahnen gegenüber dem Vorjahre zu rechnen nötig sein dürfte. Jedoch wird man nicht vergessen dürfen, einmal daß die Eisenbahn in letzter Zeit wegen der außergewöhnlichen Steigerung ihrer eigenen Ausgaben weit weniger Mittel für die allgemeine Staatsverwaltung zur Verfügung zu stellen in der Lage war, wie früher, und auch aus dem gleichen Grunde bleiben wird, und sodann, daß, wenn die letztjährige allgemeine ungünstige Lage der preußischen Finanzen zu einer günstigen umgestaltet werden soll, dazu schon beträchtliche Einnahmeerhöhungen nötig sein werden. Mit derartigen Steigerungen der Einnahmen, bei der Eisenbahn dürfte man aber wohl für eine nahe Zukunft kaum rechnen können. Kurz, an eine Gestaltung der preußischen Finanzen, die als durchaus günstig bezeichnet werden könnte, ist noch nicht zu denken. Daraus ergibt sich aber die Konsequenz. daß bei der Ausarbeitung des nächstjährigen Staatshaushaltsetats der Grundsatz äußerster Sparsamkeit aufrechterhalten werden muß. Nur die durchaus notwendigen Neuausgaben werden im nächsten Etat ihre Stelle finden. Daß darunter die Kulturentwickelung nicht leiden wird, ist selbstverständlich, da für Kirche, Schule und Kunst die preußischen Etats stets auch unter günstigen Verhältnissen Neuausgaben aufzuweisen in der Lage waren. Entgültige Einführung der Markenheftchen. Die Reichspostverwaltung hat trotz des von der Berliner Weinfirma Kempinski erhobenen Einspruches die Ausgabe von Markenheftchen mit Reklame beschlossen. Die erste Ausgabe wird im November dieses Jahres erfolgen; die Marken=Reklamestreifengesellschaft, der die Lieferung der Heftchen übertragen ist, ist von der Postdirektion bereits in diesem Sinne verständigt worden. Uebrigens hat die genannte Firma neuerdings auch Briefmarkenautomaten konstruiert, die für Privaträume, Restaurationen, Zigarrengeschäfte, Ansichtskartenläden und andere Detailgeschäfte bestimmt sind, und ebenso wie die öffentlich aufgestellten Automaten gegen Einwurf eines Zehnpfennigstückes zwei Fünfpfennigmarken verabfolgen. Die Marken sind in Schutzhüllen eingeschlossen, die gleichzeitig als Reklamestreifen dienen; außerdem liegt den Marken in Heftpflastergröße ein Reklamezettel bei. Die Apparate werden unentgeltlich verliehen und auch das für den Apparat erforderliche Markenmaterial ohne jede Geleistung zur Verfügung gestellt. Der 5. internationale zahnärztliche Kongreß ist Dienstag in Berlin im Sitzungssaale des Reichstages eröffnet worden. 600 Delegierte beteiligen sich an den Beratungen, als Ehrenvorsitzender wurde der Direktor des Anatomischen Instituts in Berlin, Geh. Medizinalrat Dr. Waldmeyer, ernannt. Nach einem feierlichen Begrüßungs= und Eröffnungsakt hielt Prof. Dr. Walkhoff die Eröffnungsrede, die den Fortschritten der Zahnheilkunde im letzten Jahrzehnt galt. Im Namen der Reichsregierung begrüßte der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Dr. Bumm, den Kongreß. Als Vertreter des preußischen Kultusministeriums sprach sodann Ge. Ober=Medizinalrat Professor Dr. Kirchner einige Worte der Begrüßung. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen schloß der Vorsitzende die erste allgemeine Sitzung; unmittelbar darauf erfolgte die Eröffnung der Ausstellung. Diese bietet ein übersichtliches Bild von dem hohen Stande der dentistischen Wissenschaft und ist auch für den Laien in vieler Beziehung hochinteressant. Einen gewissen agitatorischen Wert besitzt die Ausstellung des Deutschen Zentralkomitees für Zahnpflege in den Schulen, das ein reiches statistisches Material über die Erfolge seiner Arbeit, Wandtafeln, Photographien usw., ausgestellt hat. Unter den Städten, welche von Gemeinde wegen de Zahnpflege in den Schulen eingeführt haben, steht Straßburg obenan, das im Laufe von sechs Jahren 35000 Kindern in seiner Schulklinik behandeln ließ. Die hierfür ausgewandten Kosten betragen über 11000 Mark allein im Jahre 1908. Einen retrospektiven Charakter haben die Ausstellungsgegenstände des Kaiserin=Friedrich=Krankenhauses, die namentlich in Bildern und Instrumenten bestehen. Man sieht da Zahnzangen aus alter Zeit, die in ihrer Form bedenklich an die Roßen Hausschlüssel erinnern, mit denen der Dorfbader noch jetzt Zähne zu ziehen pflegt. Die zahnärztliche Wissenschaft hat natürlich auch eine eigene Industrie ins Leben gerufen, die namentlich in Deutschland und in Amerika blüht. In Amerika befindet sich die zurzeit größte Fabrik für künstliche Zähne, die jeden Tagen deren 92000 Stück produziert Sie sind von einer Schönheit wie sie die Natur niemals hervorbringt. Verschiedene Größen der Zahnheilkunde haben wissenschaftliche Sammlungen ausgestellt, die für den Nichtmediziner nicht gerade schön zu betrachten sind, z.B. Wachsmodelle, die die Verunstaltungen gewisse Krankheiten, wie Syphilis und Lepra, im Gesichte zeigen. Verschiedene Kästen bergen Versteinerungen, in der Hauptsache Kopfparten, mit den gut erhaltenen Zähnen. Die überaus lehrreiche Ausstellung soll nach Schluß des Kongresses noch vier Tage lang dem großen Publikum zugänglich gemacht werden. Der Vorstand des deutschen Protestanten=Vereins versendet folgenden Aufruf: „Die evangelische Landeskirche befindet sich in einer bedenklichen Lage. Darüber sind sich Orthodoxe und Liberale einig. Die Kirche hat eine geringe Anziehungskraft; zahlreiche Austritte zeugen davon, mehr aber noch die in allen Kreisen weitverbreitete Gleichgültigkeit gegen die Kirche und gegen kirchliches Leben. Und doch ist man sich darüber einig, daß in unserem Volke ein steigendes Bedürfnis religiöser Vertiefung und religiöser Gemeinschaft vorhanden ist. Wie kommt das? Die evangelische Kirche steht abseits vom heutigen Leben der Gesamtheit. Sie hält fest an der ausschließlichen Geltung von veralteten Dogmen und Einrichtungen; sie ist trotz einzelner neuzeitlicher Einrichtungen die alte Pastorenkirche unter bureaukratischen Konsistovialregiment geblieben, welche wenig Interesse erweckt. Eine Aenderung ist nur möglich, wenn tüchtige Männer aus allen Kreisen der Bevölkerung sich um die Kirche kümmern, ihre Rechte auf eine Mitwirkung an der Gemeindeverwaltung und an den Synoden geltend machen. Diejenigen, welche mit den gegenwärtigen Zuständen in der Kirche unzufrieden sind, handeln unrecht, wenn sie nicht die ihnen zustehenden Mittel zur Herbeiführung einer Aenderung benutzen. Die Gelegenheit dazu ist jetzt geboten. Die Wahlen zu den Gemeindekörperschaften finden in diesem Herbste statt. Es ist dringend notwendig, daß alle, welche ein Interesse für die Kirche haben, sich an diesen Wahlen beteiligen. Zur Wahl ist jeder Angehörige der Kirche in seiner Gemeinde berechtigt, wenn er sich rechtzeitig(in Berlin bis 7. Oktober, an den anderen Orten bis Ende August) zur Wählerliste angemeldet hat. Der deutsche Protestantenverein richtet an alle Berechtigten, insbesondere aber an die Liberalen, die dringende Bitte, sich an den bevor stehenden Kirchenwahlen rege zu beteiligen. Etwaige Anfragen, sonstige Mitteilungen, Anmeldungen zum Eintritt in den Verein sind an das Bureau des Vereins(W. 35, Steglitzerstr. 68, 2) zu richten“ Sachsen=Koburg=Gotha. Herzogin Viktoria Adelheid wurde heute nachmittag 1 Uhr 50 Minuten auf Schloß Reinhardsbrunn von einem Prinzen glücklich entbunden. Falzmünzer in der französischen Kriegsmarine. Der„Matin“ meldet: Vor einiger Zeit wurden in Ziotat, Dep. Rhonemündung, 8 Matrosen der Kriegsmarine wegen Anfertigung und Ausgabe falscher Gelder verhaftet. Im Laufe der Untersuchung ist festgestellt, daß eine bedeutende Falschmünzerbande an Bord der Kriegsschiffe besteht. Gestern abend wurde ein Matrose des Panzers„Suffren" verhaftet. Weitere Verhaftungen stehn bevor. Der Seestern verloren. Das„Reutersche Bureau“ meldet aus Brisbane: Der deutsche Kreuzer„Kondor“ ist von seiner Kreuztour auf der Suche nach dem vermißten deutschen Regierungsdampfer„Seestern" zurückgekehrt, ohne eine Spur gefunden zu haben. Fidele Einjährige. Mit einer skandalösen Affäre beschäftigt sich, dem„B. T.“ zufolge, gegenwärtig die Potsdamer Kriminalpolizei. Gegen den Besitzer eines Restaurants in der Havelresidenz, in dessen Räumlichkeiten die Einjährigen mehrere in der Umgebung Potsdams garnisonierender Regimenter „Schönheitsabende“ mit fünf jungen Mädchen veranstaltet hatten, ist ein Verfahren wegen Kuppelei eingeleitet worden. Die Untersuchung gegen die Einjährigen wird vom Kriegsgericht geführt. Tötlich gebüßter Leichtsinn. Eine zum Besuch nach Hangelar reisende jugendliche Verkäuferin aus Solingen, die in Köln irrtümlicherweise in einen durchfahrenden Schnellzug stieg, sprang trotz der Warnung der Mitreisenden aus dem in voller Fahrt befindlichen Zug, geriet unter die Räder und wurde zermalmt. Opfer der Hitze. Das kroatische Organ„Narodni List“ meldet, daß bei den Manövern in Dalmatien=Risano infolge der Hitze zweihundert Soldaten und zehn Offiziere Unfälle erlitten. Schadenfeuer. Gestern brannte die dem früheren Direktor der Nürnberger Schuckertwerke, Kommerzienrat Wacker gehörige Villa am Bodensee vollständig aus. Gemälde und Kunstwerke im Werte von mehreren hunderttausend Mark sind vernichtet worden. Verschwinden der Insel Clipperton. Vor einigen Tagen wurde gemeldet, daß der König von Italien das Amt des Schiedsrichters in dem Besitzstreite zwischen Frankreich und Mexiko umdie Insel Clipperton im Stillen Ozean übernommen habe. Heute meldet das„Pariser Journal“, daß in Mexiko Nachrichten eingetroffen sind, wonach die Insel Clipperton gelegentlich des letzten Erdbebens völlig verschwunden sei. Von der russischen freiwilligen Flotte. Auf der Schichauwerft in Danzig werden zurzeit fünf Dampfer für die russische Freiwillige Flotte gebaut. Zur Abnahme dieser Dampfer, sowie zu ihrer völligen Ausrüstung wurde der Kapitän 1. Klasse Skalski nach Danzig abkommandiert. Als er in Danzig angekommen war, erklärte er dem Direktor der Werft, er sei bereit, die volle Ausrüstung der Dampfer gegen eine Provision von 40 Prozent zu seinen Gunsten zu übernehmen. Dieser echt russische Antrag ging dem deutschen Direktor aber doch zu weit. Der Vorfall drang an die Oeffentlichkeit und rief hier im Komitee der Freiwilligen Flotte große Erregung hervor. Der Direktor des Komitees, v. Radlow, der den profitgierigen Kapitän nach der Werft entsandt hatte, ist eilig nach Danzig abgereist, um die skandalöse Affäre beizulegen. Australische Unwetter. Heftige Regengüsse haben im Staate Viktoria Ueberschwemmungen verursacht, wie sie seit 40 Jahren nicht vorgekommen sind. Der Eisenbahnverkehr zwischen Melbourne und Adelaide ist unterbrochen. Der Materialschaden ist bedeutend. Auch Verluste an Menschenleben sind zu beklagen. Letzte Drahtmeldungen. Probeaufstieg von„Z. 3“. Friedrichshafen, 26. Aug. Das Luftschiff„Z. 3“ ist gestern nachmittag 5¾ Uhr nach zweieinhalbstündiger glatt verlaufener Probefahrt bei der schwimmenden Halle glatt gelandet. Die Neuerung, insbesondere der veränderte Antrieb der Propeller haben sich ausgezeichnet bewährt. Der Generalstreik in Schweden. Stockholm, 26. Aug. Sämtliche hiesigen täglichen Zeitungen haben Dienstag beim Oberstatthalteramt um Beschlagnahme der Kasse und sonstigen Aktiven des Typographen=Verbandes zur Deckung des von den Zeitungen beanspruchten Schadenersatzes für den Kontraktbruch und die dadurch verursachten Verluste ersucht. Dieser Verlust wird bis zum 23. Aug. auf 52000 Kronen berechnet. Laut dem dem Ersuchen beigefügten Verzeichnis soll der Verband 1908 über Aktiven im Betrage von etwa 560 000 Kronen verfügt haben, jedoch sollen bereits Streikunterstützungen ausgezahlt sowie— nach Bekanntwerden des Klageantrages— ein Teil der Aktiven auf mehrere andere Rechtssubjekte übertragen sein. Wie verlautet, ist das genannte Ersuchen vom Oberstatthalteramt bewilligt, und es sind die betreffenden Aktiven mit Sequester belegt worden. Französische Aluminiummünzen. Paris, 26. Aug. Der Finanzminister hat soeben eine Kommission ernannt, die die Frage der Ersetzung der französischen Bronzemünzen durch Aluminiummünzen studieren soll. Englische Parlamentarier in Rußland. Berlin, 26. Aug. Als Antwort auf den Besuch der DumaAbgeordneten in England ist ein Gegenbesuch englischer Parlamentarier in Rußland geplant. Wie der Petersburger Korrespondent meldet, beschlossen die monarchistischen Vereine in Moskau, diesen Gegenbesuch möglichst zu verhindern und dagegen zu protestieren. Zur Kretakrise. Konstantinopel, 26. Aug. Der Ministerrat beriet gestern die Antwort auf die Kollektivnote der Schutzmächte. Wie verlautet, gibt die Pforte zunächst einen kurzen Rückblick auf die Ursachen, die zu direkten Verhandlungen mit der griechischen Regierung geführt haben, und betont, daß die Beziehungen beider Länder wieder normal seien, nachdem die griechische Regierung freundschaftliche Versicherungen abgegeben habe. Die Pforte ersuchte die Schutzmächte, mit ihr unverzüglich in Verhandlungen zu treten, um eine endgültige Regierungsform in Kreta unter türkischer Oberhoheit festzusetzen. Die Antwortnote wird morgen den Schutzmächten zugestellt werden. Wochenmarktspreise. Schwerte, 26. Aug. Kartoffeln 100 Pfd. 4 M und 3.50 Butter 1 Pfd. 1,30 und 1.20 M; Eier 13 Stück 1 A; Rindfleisch 1 Pfd. 70 und 60 Pfg.; Schweinefleisch 90 Pfg., Kalbfleisch 80 und 70 Pfg.; Hammelfleisch 70 Pfg.; Geräuch. Speck Psd. 90 und 80 Pfg. Wetterbericht der Deutschen Geewarte. 27. August: Abwechselnd, normale Temperatur, strichweise Gewitter. 28. August: Wolkig mit Sonnenschein, schwül, mäßig warm. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Syburg belegenen, im Grundbuche von Syburg, Band I. Artikel 2 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der mit ihrem Ehemann in provinzieller Gütergemeinschaft lebenden Ehefrau Steinhauermeister August Degener, Emma geb. Sander zu Syburg eingetragenen Grundstücke Flur III Nr. 298/102. 297/102 und 299/106 am 1909, vormittags 11 Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 6 versteigert werden. Die Grundstücke liegen am Steinbrink. Das Grundstück Flur 3 Nr. 297/102, groß 18,18 ar besteht aus Hofraum mit Wohnhaus. Die übrigen Grundstücke sind Aecker und haben eine Größe von 38,13 ar. Der des Hausgrundstückes beträgt 300 Mk. jährlich. Der jährliche Reinertrag der Ackergrundstücke ist mit 2 69/100 Taler eingetragen. 6 Der Versteigerungsvermerl ist am 19. Juni 1909 in das Grundbuch eingetragen. Schwerte, den 26. Juni 1909. 3628 Bekanntmachung. In unser Handelsregister ist heute die Firma„Brauckmann& Hahn, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Schwerte“ eingetragen worden. Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung von Wasch=, Wring= und Maschinen und Werkzeugen, insbesondere die Verwertung der von den Herren Brauckmann und Hahn angemeldeten und ihnen erteilten Patente und sonstigen Schutzrechte. Das Stammkapital beträgt 20000 Mark. Geschäftsführer sind: Diedrich Brauckmann in Holzwickede, Schreinermeister Hermann Hahn in Schwerte und Fabrikbesitzer Julius Möhling in Schwerte. Bei Willenserkärungen und Zeichnungen ist die Mitwirkung zweier Geschäftsführer erforderlich. Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 9. August 1909 festgestellt. Schwerte, den 25. August 1909. 48 Königliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Meisterkurse für die Provinz Westfalen. Am 11. Oktober 1909 beginnt je ein neuer achtwöchiger Meisterkursus für Schneider, Schuhmacher, Bauschlosser und Kunstschmiede, sowie Bau= und Möbelschreiner im Handwerkskammergebäude in Dortmund Kaiserstraße Nr. 78. Aufgenommen werden Schneider= und Schuhmachermeister, Schlosser= bezw. Kunstschmiede= und Schreinermeister, sowie in erster Linie solche Gesellen, die sich in Kürze selbständig machen wollen und die Gesellenprüfung abgelegt haben. Gesellen, welche diese Prüfung noch nicht abgelegt haben, aber an einem Meisterkursus teilzunehmen beabsichtigen, bezw. sich hierzu melden, tun daher gut, sich sofort zur Ablegung dieser Prüfung zu melden. Anmeldungen zu obenerwähnten Meisterkursen sind bis spätestens 10. September 1909 unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, eines amtlichen Führungszeugnisses und der Ausweise über die Lehrlings=, Gesellen=, Militär= und eotl. Meisterverhältnisse an den mitunterzeichneten Leiter der Kurse einzureichen. Das Unterrichtsgold beträgt 20 M für den Kursus. In der Regel erhalten die Teilnehmer reichliche Beihülfen zum Lebensunterhalte. Geschäftszimmer des Leiters: Dortmund Schwanenwall 41. Die westfälischen Handwerkskauimern sind zu weiteren Auskunftserteilungen gern bereit. Die nächstfolgenden Kurse in den genannten Handwerkszweigen, sowie ein Malerkursus, werden voraussichtlich am 10. Januar 1910 beginnen. Dortmund, den 14. August 1909. Das Kuratorium: Dr. Schmieding, Oberbürgermeister Geheimer Regierungsrat. 4475 Der Leiter: Regling, Direktor. Gewerber bei Frankfurt e. M. Akademie Friedber Polytechnisches Institut und Architckten. Spezlalkerse für Maschinenban der Berg- und Hätten- a1 lerton“ bndroirte. Abediventen von Facbschnles Anden Anfschme 1 HUn Visitenkarten, Verlobungskarten u.-Briefe, Hochzeitseinladungen, Hochzeitszeitungen in bester Ausführung, Menukarten, Geburtsanzeigen, Trauerbriefe, Trauerkarten usw. werden gut und :::: schnell geliefert.:::: Grosse Musterauswahl 948 Sorgfältige Ausführung Carl Braus, Schwerte Buchdruckerei— Zeitungsverlag Fernruf Nr. 62= Gr. Marktstr. 3—5 Bekanntmachung. Auf Grund des§ 57 des Zuständigkeits=Gesetzes vom 1. Aug. 1888 machen wir hiermit bekannt, daß der auf der linken Seite des Mühlenstranges belegene von der Mühlenbrücke abwärts führende Weg in Länge von ca. 70 m, und der von der Mühlenbrücke nach Osten führende Weg in Länge von 30 m, sowie eine unmittelbar oberhalb der Mühlenbrücke linksseitig belegene 11,00 gm große Wegefläche als öffentliche Wegeflächen eingezogen werden sollen. Die einzuziehenden Wegeflächen sind nach der Flur 32 Parzellen Nr. 222/178 und 216/178 fortgeschrieben. Der diesbezugliche Plan liegt auf dem Stadtbauamte hierselbst zur Einsicht offen. Einsprüche gegen die geplante Einziehung sind zur Vermeidung des Ausschlusses innerhalb 4 Wochen, vom Tage der Bekanntmachung ab gerechnet, schriftlich oder zu Protokoll bei der unterzeichneten Wegepolizeibehörde geltend zu machen. Schwerte, den 24. August 1909. 4469 Die Wegepolizeibehörde: I. V.: Niederstadt, Beigeordneter. Statt besonderer Anzeige! Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, gestern morgen ½2 Uhr unser innigstgeliebtes Söhnchen und Brüderchen Rudolf nach kurzer, schwerer Krankheit im zarten Alter von 10 Monaten wieder zu sich in den Himmel zu nehmen. 4447 Um stille Teilnahme bitten Die tiefbetrübten Eltern: Oskar Thiem u. Frau Clara geb. Zängerling. Die Beerdigung findet Freitag vorm. 11½ Uhr v. Sterbehause Bismarckstrasse 12 aus statt. Gesucht in besten Kreisen eingef. Herren als Berkreter zum prov. Verk. von Zigarren an Private von renm. Hamb. Firma. Näheres unt. G. 6304 an Daube & Co., Hamburg. 3317 Otto Marx' 3 Mark Korsel! ist das beste. Hamburger Engros=Lager 2153 Schwerte, Ostenstraße 20. Werde mein Haus (Zwei=Familienhaus) nebst Stallung in der Mühlenstraße billig verkaufen. Näheres in der Geschäftsst. der„Schwerter Zeitung". Neue holl. Vollheringe Stck. 7 Pfg., Dtzd. 75 Pf. 4471 Neue eingel. Vollheringe Stck. 10 Pfg. Rollmops 2 Stück 15 Pfg. Delikatesshaus Wahle Fernruf 295. F. 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