Mommmemmmmer — Schwerter Volksblatt O. General-Anzeiger für den Kreis Hörde S Schwerter Volks-Zeitung chen Verorchnungen fir den Preie. Die“schwerter Zeitung“ erscheint jäglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: o“Illustrierter Familienkreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die“Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstützung Aile kreis- und lokalponzeilichen Veroranungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“schwerter Zeitung“ rechtsc o o o o o verbindliche Rraft o o c c c 9 Druck und Verlag von Carl Braus. Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62 Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Erstes und dltestes Cagesorgan des Kreises(O. Haupt. Runoncenblat Nr. 193 Neueste Nachrichten. Zum Geburtstage Kaiser Franz Josefs. Kassel, 18. Aug. Der Kaiser pflog vor und nach der aus Anlaß des Geburtstages Kaiser Franz Josefs veranstalteten Galatafel anhaltend lebhafte politische Gespräche mit dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, dem österreichischen Botschafter von Szögeny=Marich und dem deutschen Gesandten Freiherrn Marschall von Bieberstein, welcher nachmittags mit dem österreichischen Botschafter im Grand Hotel eine anderthalbstündige Konferenz hatte. Der Kaiser hob bei seinem Toast auf den österreichischen Monarchen die„unentwegte Bundestreue zwischen Deutschland und Oesterreich“ hervor, welche sich,„wie allezeit, so auch jetzt wieder vollauf glänzend bewährt" habe. Einladung an Mahmud Schewket=Pascha zu den deutschen Kaisermanövern. Konstantinopel, 19. Aug. Das Blatt„Ittihad“ melde, daß Mahmud Schewket Pascha von Kaiser Wilhelm zu den deutschen Herbstmanövern eingeladen worden sei. Er hatte gestern mit dem Großwesir hierüber eine Besprechung und soll geäußert haben, daß er der Einladung sehr gern Folge leiste, wenn der Ministerrat einen dementsprechenden Beschluß fasse. Die Reichstagsersatzwahl in Landsberg=Soldin. Berlin, 19. Aug. Für die Reichstagsersatzwahl in Landsberg=Soldin ist Gutsbesitzer Schöppe als gemeinsamer Kandidat der Liberalen aufgestellt worden Die Kandidatur Weinhausen ist zurückgezogen worden. (Weitere Meldungen siehe letzte Seite.) Donnerstag den 19. August 1909 Industrie, Handel und Gewerbe im deutschen Reichstag. Wenn wir uns die Ergebnisse der letzten Berufszählung vom Jahre 1907 ansehen, so muß man zugeben, daß Industrie, Handel und Gewerbe eine mächtige Weiterentwickelung zu verzeichnen haben. Das ganze Ausland zollt der zähen Energie dem hohen Bildungsstande des deutschen Kaufmanns, der deutschen Gewerbetreibenden und des deutschen Industriellen rückhaltlose Anerkennung. Aus aller Herren Länder erscheinen ein über das andere Mal in Deutschland Kommissionen, welche von dem deutschen Industriellen und dem deutschen Kaufmann lernen wollen. Um so verwunderlicher muß es erscheinen, daß Handel, Gewerbe und Industrie, sowohl in den Parlamenten der deutschen Bundesstaaten als auch innerhalb des Reichstags nicht diejenige Vertretung besitzen, die ihnen mit Rücksicht auf ihre Mitwirkung an dem Gedeihen der deutschen Volkswirtschaft eigentlich zukommt. Besonders erstaunt über einen derartigen Zustand sind die amerikanischen und englischen Kaufleute und Inl dustriellen, welche Deutschland bereisen oder die deutschen Verhältnisse aus jahrelanger Erfahrung und aus persönlicher Fühlungnahme mit den deutschen Kaufleuten kennen. Wenn man die Mitglieder des Reichstages beruflich gliedert, so wird man finden, daß in den ausschlaggebenden Parteien nur wenige Vertreter des Handels, des Gewerbes und der Industrie sitzen. Es ist zweifellos, daß die Arbeiterklasse in unserem Reichstag die wirksamste und größte Interessenvertretung hat. Ganz abgesehen von der Sozialdemokratie, welche mit dem krassesten Egoismus die Interessen anderer Berufsstände gegenüber denjenigen der Arbeiterklasse zurückstellt, haben namentlich die christlichen Gewerkschaften im Zentrum eine außerordentlich weraöche und nüchoe Voteachenertschns. 41. Jahrg. Es ist zwar wiederholt eingewendet worden, Industrie, Handel und Gewerbe besäßen außerordentlich wirksame Interessenvertretungen in den Handelskammern, in den Gewerbeund Handwerkskammern, in den zahlreichen wirtschaftlichen Verbänden, in den Arbeitgeberverbänden usw., zumal ihnen in den volkswirtschaftlichen Beamten, welche bei diesen Verbänden beschäftigt werden, außerordentlich tätige Agitatoren im Dienste ihrer Sache zur Seite stünden. Nach dem jüngst vom „Deutschen volkswirtschaftlichen Verband“, herausgegebenen volkswirtschaftlichen Handbuch zählt dieser Verband bereits 1000 Mitglieder. Man geht nicht fehl, wenn man die Zahl der außerhalb des Verbandes stehenden volkswirtschaftlichen Beamten auf ebenfalls 1000 veranschlagt. Nach einer Zusammenstellung, die im Jahre 1905 von dem genannten Verbande in die Wege geleitet wurde, waren in diesem Jahre bei Handelskammern 215 volkswirtschaftliche Beamte tätig. Diese sich in der Zwischenzeit außerordentlich vermehrt. Dazu kommen die Generalsekretäre, Syndici usw. der wirtschaftlichen Interessenverbände, die ja immer in ihrem Einfluß steigen, aber noch lange nicht denjenigen Einfluß auf den Reichstag auszuüben vermögen, den z. B. die beruflichen Interessenvertreter der Landwirtschaft und der Arbeiterklasse auf das Parlament ausüben. Abgesehen davon, daß die von den Handelskammern, Handwerks= und Gewerbekammern und den wirtschaftlichen Verbänden an den Reichstag gerichteten Eingaben auch nicht diejenige Beachtung finden, welche sie verdienen. Wenn Gewerbe, Handel und Industrie im Reichstage nicht die entsprechende Vertretung bis jetzt gefunden haben, so liegt dies auch zum großen Teil an der bisherigen politischen Gleichgültigkeit dieser Erwerbsgruppen. Der Kaufmannsstand und der Stand der Gewerbetreibenden haben sich bisher viel zu wenig um die Politik gekümmert resp. kümmern können, weil sie nicht die nötige Zeit hierzu gefunden haben. Die heftigen Konkurrenzkämpfe nötigen den Kaufmann und den Gewerbetreibenden Feuilleton. Merkspruch. Niemand ist frei, der nicht über sich selbst Herr ist. Claudius. Die Engländer und die Luftschiffahrt. In der ganzen zivilisierten Welt verfolgt man mit aufmerksamem Interesse die Erfolge und Fortschritte, die der Kampf um die Eroberung der Luft in den letzten Jahren gebracht hat, aber in keinem Lande ist diese Anteilnahme so allgemein und mit so großer nervöser Spannung durchtränkt wie in England. Seit einigen Monaten erscheint fast keine englische Zeitschrift, fast kein englisches Blatt mehr, die nicht umfassende Artikel über die Luftschiffahrt enthalten, Rundfragen werden veranstaltet, technische und militärische Autoritäten befragt, und überall wendet sich der Blick sorgenvoll in die Zukunft. Die„Contemporary Review", das„Nineteent Century", die Forthnigtly Review“ und viele andere großen Revuen bringen große Betrachtungen.„Frys Magazine“ hat alle berühmten Luftschiffer gefragt, ob sie an die Möglichkeit der Ueberquerung des Atlantischen Ozeans auf dem Luftwege glauben und mit Ausnahme einer Stimme haben alle die Frage bejaht. Sir Hiram Maxim ist überzeugt, daß binnen kurzem Motoren konstruiert sein werden, die nicht die Hälfte der durch die Brennung erzeugten Energie verlieren, und Kapitän Weridham glaubt, daß das Ueberfliegen des Ozeans binnen kurzem eine Selbstverständlichkeit sein wird. Dabei sind diese Fachleute jedoch der Meinung, daß die Flugmaschinen im öffentlichen Leben niemals eine so breite Rolle spielen werden wie etwa das Fahrrad, da das Publikum die Gefahr des Fluges scheut. Percival Spenzerd agegn vertritt die Anschauung, daß der Flugmasch nenflug in wenigen Jahren nicht mehr Gefahren bieten wird als das Automobil, und er sieht die Zeit voraus, da das Aeroplan Dampfschiffe und Eisenbahnen verdrängen wird. Die größte Schwierigkeit bei einem längeren Ozeanfluge ist die Mitführung ausreichenden Feuerungsmaterials. Delagrange schlägt vor, in der Mitte des Atlantischen Ozeans ein riesiges Schiff zu verankern, das den Flugmaschinen Brennmaterial geben soll. Auch bei der vervollkmmneten Flugmaschine wird Windrichtung und Windstärke eine wesentliche Rolle für die Dauer der Fahrt spielen. Trotzdem ist Spencer der Ansicht, daß das Ueberfliegen des Atlantischen Ozeans in rund 75 Stunden sich bewerkstelligen lassen würde. Kapitän Windham schlägt vor, für größere Ozeanflüge die Erfahrungen wetterkundiger Seeleute auszunutzen und ist überzeugt, daß neben dem Flugtechniker, der den ersten Flug über den Ozean vollbringt, ein erfahrener Seemann sitzen wird. Den Skeptikern hält Sir Hiram Maxim entgegen, daß bei der Erfindung des Dampfschiffes englische Mathematiker schlagend„bewiesen", daß die Dampfer niemals den Atlantischen Ozean überwinden würden, da sie nicht imstande wären, das nötige Heizungsmaterial mitzuführen. Bei der Flugmaschine werde voraussichtlich durch die Wirklichkeit die Skepsis in gleicher Weise iwderlegt werden. Freilich ist dabei die verschiedene Dichtigkeit von Wasser und Luft zu beachten, die sich wie 800: 1 verhält, so daß die Flugmaschine wohl nie schwerere Lasten wird befördern können. Mr. Butler prophezeit, daß alle, die heute nicht über 30 Jahre alt sind, die Errichtung eines regelmäßigen Flugmaschinendienstes zwischen Europa und Amerika noch erleben werden; vorher aber wird die Wissenschaft in der Ausnutzung des Luftweges den Nordpol endeilltig entdect haben... 64 2 8. Mae In„Mc. Clures Magazine" beschäftigen sich T. R. Meschen und Carl Dienstbach mit dem Zeppelinschen Luftschiffe, dessen Stärke und Stabilität nunmehr erwiesen sei. Die Luftkreuzer würden in ihrer Schnelligkeit die Seedampser um das Doppelte und Dreifache übertreffen und dabei nur Motoren benötigen, die kaum 2 Prozent der Maschinenstärke der Dampfschiffe aufweisen. Die großen Lustschiffe werden nur 15 Prozent von dem kosten, was heute der Bau eines großen Schnelldampfers verschlingt.„Eine neue Kriegsmaschine ist erfunden. Sie wird so groß und vielleicht viel größer sein als die Dreadnoughts von heute. Aus der Höhe einer englischen Meile wird sie gegen die in den Tiefen sich bewegenden Gegner kämpfen und während der Schlacht mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometer in der Stunde manöverieren. Auf diese Weise wird sie ein genau gezieltes Feuer auf die Erde richten können und dabei selbst tatsächlich außer Gefahr bleiben.“ Die bisher konstruierten Steilgeschütze werden durch die raschen vogelartigen Bewegungen des Luftkreuzers überwunden.„In der Tiefe aber wird nichts dem verheerenden Feuer des Luftkreuzers entgehen. Das Luftschiff wird Schnellfeuergeschütze besitzen, Bomben mitführen, aber die Hauptwaffe im Kampfe gegen Infanterie und Kavallerie wird das Maschinengewehr bilden. Mit ihm kann der Zielende das unter ihm liegende Gelände klar überschauen und im meilenweiten Umkreis mit Kugeln besäen.“ Bereits für die nächsten Jahre sehen die Verfasser dem Auftauchen von Luftschiffen entgegen, die rund 250 Meter Länge haben werden.„Solch ein Luftschiff würde eine Hebekraft von 125 To haben. Es könnte von Deutschland aus nach jedem Teile Europas fliegen und zurückkommen, ohne zu landen, bei einer Geschwindigkeit von 35 englischen Meilen in der Stunde. Bei angemessener Sparsamkeit in der Heizung könnte der Luftkreuzer länger als eine Woche, ja voraussichtlich zwei, in den Lüften bleiben, ohne Feuerungsvorräte zu ergänzen. Zugleich würde es wenigstens 20 Tons Waffen und Munition mit sich führen.“ 86 Es ist bezeichnend, daß in allen diesen Betrachtungen immer wieder Deutschland als der Ausgangspunkt der für das britische Inselreich so gefährlichen Luftschiffer angenommen wird. Man berechnet sogar die Ersparnisse, die Deutschlands Kriegswesen durch die Luftschiffahrt erfahren würde.„Die deutsche Armee kostet heute mehr als 800 Millionen Mark im Jahre. Eine Flotte von 500 Luftschiffen würde mit 60 Millionen im Jahr erhalten werden können; dabei könnten für 100 Millionen Mark jährlich 100 neue Luftschiffe der Streitmacht angegliedert werden.“ Noch furchtbarer für das meerumgürtete Albion ist das Bild. das Kapitän Thelluck entwirft. Er glaubt, daß die Flugmaschine— natürlich eine deutsche— Englands jüngsten Tag heraufführen wird. In einem längeren Aufsatz weist er darauf hin, daß ganz London und die untere Themse mit seinen gewaltigen Docks und Arsenalen wehrlos der Bemannung einer einzigen Flugmaschine preisgegeben sind. Vor London befinden sich gewaltige Reservoirs mit Petroleum. Eines schönen Morgens kommt da eine Flugmaschine herangeflogen, sprengt mit Dynamitbomben die riesigen Stahlbehälter, und gewaltige Ströme Petroleum ergießen sich in die Themse. Dann stecken die schlimmen Deutschen das Petroleum in Brand. Ein gewaltiges Flammenmeer wallt auf, das Tageslicht erstickt in riesigem schwarzen Rauchmassen, während in der ganzen ThemseBreite der rotglühenden Hölle hinabzieht, London East, die Docks,, die Arsenals, alle Aferstädte. In einem einzigen r## sigen Flammenmeer geht dann Englands Hauptstadt zu Grunde die ganze Nation wird erstarren. Und all dies Entsetzen und Grauen verbringt eine kleine deutsche Flugmaschine mit ein paar Mann Besatzung. sich fast ausschließlich in seinem Betrieb zu beschäftigen und alle anderen Fragen möglichst nebenhin zu stellen. Zu berücksichtigen ist auch, daß diese Berufsstände außerordentlich in Anspruch genommen werden durch die Ghrenamtliche Tätigkeit in Handelskammern, in Gewerbekammern in wirtschaftlichen Interessenverbänden usw. Meist sind es gerade diejenigen, die durch ihre Tüchtigkeit und durch ihren weitschauenden Blick in allererster Linie berufen wären, innerhalb des Parlaments gegenüber den Parteien und der Regierung die Interessen dieser Berufsstände zu vertreten. Wenn die berufenen Vertretungen von Handel und Industrie nunmehr dazu übergegangen sind, sich fester zusammenzuschließen, um sich im politischen Leben einen größeren Einfluß zu verschaffen, so ist das zweifellos ihr gutes Recht, das ihnen in gleicher Weise wie anderen Erwerbsständen zusteht. Es darf aber nicht aus dem Auge gelassen werden, daß die verschiedenen Erwerbsstände auf ein harmonisches Zusammenarbeiten mit einander angewiesen sind, und daß ein gerechterAusgleich der wirtschaftlichen Interessen notwendig ist, wenn unser gesamtes Staats= und Volksleben gedeihen soll. Die Streitkräfte Griechenlands und der Türkei. Die scharfe und provozierende Stellungnahme der Türkei plinierten türkischen Armee von über 11/ Millionen Streitern, in der Kretafrage Griechenland gegenüber läßt einen Waffen= zu denen im Notfall noch über 40000 Mann gut ausgerüstete gang zwischen diesen alten Rivalen nicht ausgeschlossen erschei= freiwillige Albanesen kommen, steht die kleine 192000 Mann Politische Uebersicht. Deutschland. Zur Tabaksteuer. Um einem in Interessentenkreisen verbreiteten Irrtum entgegenzutreten, teilt die Nordd. Allg. Ztg. mit, daß zur Anmeldung unverzollter ausländischer Tabakblätter, und zwar bis zum 21. August 1909, nur jeder Vorarbeiter (Fabrikant), nicht auch Verkäufer oder Händler, verpflichtet ist, sofern er diese Tabakblätter in einer öffentlichen Niederlage oder in seinem Privatlager unter.amtlichem Mitverschluß lagern hat. Die vorsichtige Militärbehörde. Die französischen Offiziere elsässischer Abkunft, die zur Zeit ihren Urlaub bei ihren Verwandten im Elsaß verbringen, haben nach der„F. Z.“ von der hiesigen Kreisdirektion die Aufforderung erhalten, wegen der reichsländischen Manöver innerhalb 24 Stunden das Land zu verlassen. Die Reisen des Kaisers. Die„Neue politische Korrespondenz“, berichtet über die nächsten Kaiserreisen folgendes: Am 26 August wird in Kassel das neuerbaute Hoftheater mit der Aufführung der Lortzing' schen Oper„Undine“ eröffnet werden. Am 19. August hält der Kaiser die Parade auf dem Sande bei Mainz ab, am 20. August findet in seiner Gegenwart die Einweihung des Offiziers=Fenesungsheims in Falkenstein im Taunus statt. Am 27. August besucht der Kaiser das Damenstift Fischbeck bei Hameln behufs Ueberreichung eines Aebtissinnenstabes an die Aebtissin Frau v. Butlar. Am 28. August beabsichtigt der Kaiser den Grafen v. Zeppelin bei seiner Landung in Berlin zu begrüßen, am 29. August ist die feierliche Wiedereröffnung der abgebrannten Berliner Garnisonkirche. Es folgen dann am 1. September die Herbstparade auf dem Tempelhofer Felde und die Einweihung des Offizier=Versammlungshauses der Landwehr=Inspektion Berlin und bis zum 5. September die Flottenmanöver, die Prinz Heinrich zum letzten Male leitet. Am 7. September findet die Parade des 14. Armeekorps bei Forchheim statt; vom 8. bis 10. September befindet sich der Kaiser bei den österreichischen Manövern bei Groß=Meseritsch in Böhmen, am 11. September ist die Parade des 13. Armeekorps bei Kannstadt. Die Kaisermanöver spielen sich in der Zeit vom 13. bis 17. September ab. Am folgenden Tage will der Kaiser bei der Neueröffnung der Schackgalerie im neuen preußischen Gesandtschaftsgebäude in München anwesend sein. Schließlich wohnt der Kaiser am 20. und 21. September den Manövern der beiden sächsischen Armeekorps bei Chemnitz bei und besichtigt sowohl die von Eisenbahntruppen bis dahin fertiggestellte Feldeisenbahn Borritz=Wilsdruff, wie auch die 280 Meter lange Feldbrücke in der Schlucht bei Meißen. Auf der Albrechtsburg bei Meißen gibt der König von Sachsen am 21. September ein Festmahl. Ueber den kaiserlichen Besuch der„Ila“ in Frankfurt a. M. ist noch nichts endgültiges beschlossen, doch erwartet man ihn zwischen dem 21. u. 26. August. Fürwahr ein anstrengendes Programm. Vom evangelischen Bunde. Die 22. General=Versammlung des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch=protestantischen Interessen findet vom 23. bis 27. Septbr. 1909 in Mannheim statt. Vorträge werden gehalten: zur Jahresarbeit und zur Zeitlage, Reichstagsabgeordneter Direktor Everling, geschäftsführender Vorsitzender; Religion und Politik, Landtagsabgeordneter Amtsgerichtsrat Dr. Lohmann, Weilburg; Die Reformation und die deutsche Kultur, Geheimer Kirchenrat Dr. Meyer, Zwickau; die Reformation und die deutsche Einheit, Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Hieber, Stuttgart; Ist eine Aenderung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat anzustreben? Universitätsprofessor Dr. Otto Mayer, Leipzig; Ein starker Protestantismus, der Hort echter Freiheit, Universitätsprofessor Dr. Baumgarten, Kiel; Ein starker Protestantismus, der Bürge wahren Friedens, Stadtpfarrer Dr. Weitbrecht, Wimpfen. Aus dem Auslande. Beratung über die Arbeitsfähigkeit des österreichischen Parlaments. In der Konferenz der Parteiführer des Abgeordnetenhauses, am Dienstag, welcher eine Besprechung der einzelnen Parteien vorausgegangen war, sprachen sich sämtliche Redner für die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit des Parlaments und die Einberufung des Reichsrates im Herbst aus. Die Vertreter der Slavischen Union erklärten, daß sie keinen Beschluß gefaßt hätten, in der nächsten Session des Reichrates Obstruktion treiben, sie müßten sich aber ihre oppositionelle Taktik für die Zeit nach der Einberufung des Reichsrats vorbehalten. Schließlich wurde ein Antrag Steinwender angenommen, wonach Glombinski ermächtigt wird, mit der Regierung und den Parteien zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit des Hauses Verhandlungen anzuknüpfen. Der Herzog der Abruzzen Botschafter in Washington. Aus Newyork wird dem„Daily Expreß" telegraphiert, daß König Viktor Emanuel die Absicht habe, den Herzog der Abruzzen als Botschafter nach Washington zu schicken. Es wird hinzugefügt, daß der König bemüht sei, alles zu tun, um eine Heirat zwischen dem Herzog und Miß Elkins zustandezubringen.(?) Eine neue Spionage=Affäre in Frankreich. Der„Matin“ erfährt, daß der ins Gefängnis von Toul gebrachte Franzose Chaumy wichtige Geständnisse über den Verrat militärischer Geheimnisse gemacht habe, die sich auf die Befestigung von Türkei UU DI II EE EU ED UU ED ED EE II Infanterie Divisionen 24Sger: 28 Brigad: 83 Regimtr u.Schütten 324 Batl. zuje 4 komp. Bataillone 11 Gatallione Genie SSSSE S##EE BBASE 15 Trein-Estallone Sestsishenr ause. E Gesfoger! 1.-Pb1 Haur) 96 xi Komg festungsärt) 3 Infanterie-Oivisionen ·6 Brgad: 12 Regimenter Griechenland E VEET SHETEEN 3avallerie: 3 feldartillerie: Pgtefoge 2Pionier: Regumenter Regimenter*“ Batailone EF„ 444 ( Trainkomp, ZSanitäts: 2 Abteilungen 1Abteilung Gebirgs-Artillerie Schwerer Artl. Homp. &a8(Telegraph. Kompagnie Stärke der KriegsHotten. 9 Tirkei Urengsfärke d. Aonesn. gurbel Linientrugpen) 810000 4leen Territorialtrupp fedifs 2N. 650000 Landsturm 100000" Griechenland Nehendes heer) 15 200 Alm und Reserve) Verrtorisarmer*8 900 mee 76 800 Die Streitkräfte Griechenlands und der Türker zählende griechische Landmacht gegenüber. Nicht so groß ist der Unterschied bei der Kriegsmarine, obwahl auch hier die Türkei in der Ueberhand ist. nen. Unsere heutige Statistik ermöglicht eine genaue Orientierung über die Streitkraft beider Staaten zu Lande und zu Wasser. Schon der erste Blick zeigt, wie sehr im Nachteil der kleine Hellenenstaat ist. Einer kriegsgeübten und gut disziNancy und artilleristische Versuche in Bourges beziehen. In Nancy existiert eine Gastwirtschaft mit einer Hintertreppe, über welche man nach Angabe des Losungswortes„Kalte Bäder“ in das eigentliche Spionagebureau gelange. Unter den in der letzten Zeit dort abgewickelten Geschäften verdiene die Auslieferung gewisser Geheimdokumente über die französische Mobilisierung Erwähnung, Dokumente, für deren Wichtigkeit die Tatsache spreche, daß sich die deutsche Heeresverwaltung, nachdem sie in den Besitz der Schriftstücke gelangt sei, zu gewissen fortifikatorischen Veränderungen in Metz veranlaßt gesehen hätte. Zur Niederlage des Roghi. Ueber entsetzliche Grausamkeiten, welche an den Kriegsgefangenen der Mahalla des Roghis Buhamara verübt wurden berichten Pariser Blätter: Den Gefangenen wurden die Hände und Füße abgeschnitten, in diesem Zustande wurden sie auf Maulesel gebunden und nach Fes gebracht. Bei der fürchterlichen Hitze, die gegenwärtig in Marokko herrscht, bekamen die entsetzlich verstümmelten Leute schon nach kurzer Zeit Wundkrämpfe. Einem früheren Kaid, der zum Roghi übergelaufen war, schnitt man die rechte Hand ab und steckte den verstümmelten Arm in glühendes Pech. Muley Hafid, der jetzt keine Sorge vor dem Roghi mehr hat, spricht von einer Reise nach Marakesch. Er hat die Absicht, die Beoölkerung im Südwesten ebenso mit harten Steuern zu belegen, wie er es auch im Norden seines Reiches getan hat. Er gedenkt auch, sich von seinem Minister des Aeußeren zu trennen, weil dieser zu große Sympathien für Frankreich zeigt. Wenn Muley Hafid so weiter regiert, dürfte er bald das Schicksal seines Vorgängers teilen. Der Generalstreik in Schweden. Dienstag vormittag kam es bei der Ankunft arbeitswilliger Weber in Krokstedt zu lärmenden Kundgebungen seitens der Streikenden, von denen 20 verhaftet wurden. Weitere Ansammlungen der Streikenden wurden von der Polizei verhindert. Aus verschiedenen Teilen des Landes wird die Wiederaufnahme der Arbeit gemeldet. In der Umgebung von Göteborg haben tausend Streikende in 7 Fabriken die Arbeit wieder ausgenommen. Die revolutionäre Bewegung in Spanien. König Alfons begnadigte, wie die Blätter melden, gestern 27 Rädelsführer der letzten Unruhen in Barcelona, die zum Tode verurteilt worden waren, zu Freiheits= bezw. Deportaionsstrafen. Der Belagerungszustand ist am 17. aufgehoben worden. Ein vom Kriegsgericht wegen Teilnahme an den letzten Revolten zum Tode verurteilter Bauer ist heute morgen im Festungsgraben von Montjuich erschossen worden. Melilla. Die spanischen Truppen in Melilla begannen zu Wasser und zu Lande den Angriff gegen die Stellung der Kabylen. Nach amtlichen Berichten verfügt General Marina über folgende Streitkräfte: 22 170 Mann Infanterie, 100 Mann Kavallerie, 2000 Mann Artillerie, 670 Pioniere, 400 Mann der Telegraphenabteilung, 115 Mann von der Luftschifferabteilung, 160 Eisenbahner, 900 Train und 230 Saitätssoldaten, zusammen also etwa 27500 Mann, ferner an Material: 1856 Pferde, 265 Zug= und 2750 Lastmaultiere, 28 Maschinencewehre, 20 Schnellfeuerkanonen, 36 Berggeschütze, 2 Fesselballons, 48 optische, 12 elektrische, 8 telephonische, 8 akustische Stationen, 18 Fernsprecher und 128 Kilometer Leitungsdraht, 6 Scheinwerfer und Zelte für 34000 Mann. Die Krisis in Kreta. Türkische Kriegsmaßregeln. Der„Köln. Ztg.“ wird aus Konstantinopel telegraphiert: Zwei Admirale und 29 Offiziere sind mit einem Transport Munition, Torpedos und sonstigem Material zur Flotte abgegangen. Wie Persönlichkeiten aus den leitenden Kreisen erklären, wird das türkische Geschwader kräftig vorgehen, wenn die Schutzmächte nicht schnell Kreta zwingen, den Status quo ante wieder herzustellen und die ottomanische Souveränität anzuerkennen. Die Vertreter der Mächte setzen ihre vermittelnde Tätigkeit fort, aber an maßgebender türkischer Stelle erklärt man, man erwarte Handlungen, statt Worte. Infolgedessen herrscht jetzt im diplomatischen Korps die pessimistische Auffassung vor. Jungtürken und Großwesir. Salonikier Blätter veröffentlichen einen Depeschenwechsel zwischen dem jungtürkischen Komitee und dem Großwesir. Am Tage, bevor der Ministerrat die Absendung der zweiten Note an die griechische Regierung beschloß, richtete das Komitee an den Großwesir folgende telegraphische Anfrage:„Das Komitee wünscht von Eurer Hoheit zu erfahren, wodurch Sie die staatliche Oberherrschaft der Türkei über Kreta zu schützen entschlossen sind?“ Hilmi Pascha antwortete:„Ich bedauere, nichts weiter mitteilen zu können, als was bereits in den Zeitungen steht.“ Darauf erwiderte das Komitee:„Wir wünschen auch das zu wissen, was nicht in den Zeitungen steht.“ Der Großwesir antwortete darauf:„Das sind Staatsgeheimnisse, welche ich jetzt nicht einmal dem Parlament mitteilen kann.“ Hierauf antwortete das Komitee mit folgendem Ultimatum:„Eure Hoheit verdanken ihre Stellung unserem Komitee, wir haben deshalb ein Recht darauf, von ihren Entschlüssen unterichtet zu sein. Wir sind mit ihrer Politik nicht einverstanden und verlangen den Krieg, falls die griechische Flagge nicht von Kreta verschwindet. Wenn sie unsere Weisungen nicht beachten, dann können Sie das Amt des Großwesirs nicht länger behalten.“ Am nächsten Tage ging, trotz des Widerspruchs des Ministers des Aeußeren, die zweite Note nach Athen ab. Zum Boykott griechischer Schiffe. Im Namen des griechischen Gesandten erhob der erste Dragoman heute beim Minister des Aeußeren abermals Vorstellungen gegen den Boykott der griechischen Schiffe. Der Minister des Aeußeren hatte sodann eine Besprechung mit dem Großwesir über die gegen die Boykottbewegung zu ergreifenden Maßregeln.— Nachrichten aus Kanea melden die Auswanderung zahlreicher Mohammedaner nach Rhodes. Gestern wurden hier drei Griechen wegen politischer Umtriebe verhaftet. In der kretischen Frage hat eine irrtümliche Auslegung des letzten Schrittes der Pforte in Athen vorübergehend neue Unruhen verursacht. Man wollte diese türkische Note in der Presse als ein Ultimatum hinstellen; man wollte sie wie eine Friedensstörung behandelt wissen, die das sofortige Eingreifen aller Großmächte in Konstantinopel notwendig mache; zum mindesten sollte die Türkei moralisch isoliert werden. Diese Wünsche haben sich nicht verwirklichen lassen. Der europäische Druck am Bosporus ist unterblieben, weil eine ruhige Prüfung des Wortlauts der Note es nicht angängig erscheinen läßt, der Pforte kriegerische Absichten zuzuschreiben. Ueberdies liegen aus Konstantinopel Erklärungen im friedlichen Sinne vor. Daß gerade jetzt, wo die Kretamächte sich anschicken, in der Flaggenfrage den Standpunkt der Pforte zur Geltung zu bringen, ein Versuch unternommen werde, um die Türkei vor der Welt ins Unrecht zu setzen, kann nicht überraschen. Es fehlt aber der hinreichende Anlaß zu einer gegen die Türkei gerichteten Intervention. Nach einem Telegramm der„Daily Mail“ aus Canea leisteten die Minister, die die neugebildete Regierung in Kreta ausmachen, den Treueid auf den König von Griechenland. Wie ein Frkft. Blatt meldet, herrschen in den Kreisen der französischen Diplomatie ernste Besorgnisse wegen der Haltung der Kreter in der Flaggenfrage. Die bisherige Entwicklung der kretischen Frage konnte jedenfalls nur dazu beitragen, in Frankreich eine große Verstimmung gegen die Kreter sowohl wie gegen die Griechen zu nähren. Konstantinopel, 19. Aug. Die griechische Regierung hat die Pforte ersucht, die Beantwortung der letzten türkischen Note bis zum Freitag aufschieben zu dürfen. Der Ministerrat hat sich hiermit einverstanden erklärt. Nach den auf der Pforte eingetroffenen Meldungen aus Kanea beschränkte sich die Aktion der Matrosenkompagnie der Schutzmächte heute früh darauf, den Flaggenmast der griechischen Flagge zu fällen, da diese selbst wegen der frühen Morgenstunde noch nicht gehißt war. Durch das Vorgehen der Schutzmächte ist die Pforte lebhaft befriedigt. Der Minister des Innern hat an sämtliche Walis den Befehl ergehen lassen, Maßregeln zur Aufhebung des Boykotts der griechifsten Schiffe zu treffen. Luftschiffahrt Zu Zeppelins Fernfahrt nach Berlin. Graf Zeppelin wird auf seiner großen Fahrt mit dem„Z. 3“ nach Berlin mit seinem Luftschiff am 26. August bestimmt in Nürnberg eine Zwischenlandung vornehmen. Graf Zeppelin junior war zur Vorbesichtigung eines geeigneten Terrains bereits in Nürnberg und hat die Verhandlungen mit den städtischen Behörden und dem dortigen Luftschifferverein geführt. Es kommen zwei 11 2 7 Aimtüches Rreiseihl chemmmmemee 1 fun den hreis Norde pmmrachmrrmrmmrrn chrumree Nr. 193 Donnerstag den 19. August 1909 41. Jahrg. Zweites Matt. Männer der Praxis und die Reichsbehorden. Es ist immer viel geklagt worden über den Mangel an Männern in der Praxis in den behördlichen Verwaltungsressorts. Durch die Errichtung des Kaiserlichen Prüfungsamtes für Tabakbewertung, das zu zwei Dritteln mit Sachverständigen aus dem Tabakgewerbe besetzt ist, hat die Zahl der Reichsbehörden, in denen neben Beamten Männer der Praxis arbeiten, einen Zuwachs erhalten. Diese Behörden scheiden sich in zwei Kategorien, in solche, in denen die Mitarbeit der Praktiker ständig und in solche, in denen sie periodisch oder temporär ist. Zu den letzteren ist in erster Reihe der Wirtschaftliche Ausschuß für die Bereitung handelspolitischer Maßnahmen zu rechnen, der schon vielfach zusammengetreten ist und seine Voten sowohl bei zoll= als bei handelspolitischen Aktionen abgegeben hat. Er ist, da der Reichskanzler die Ernennung der Mitglieder in der Hand hat, gewissermaßen diesem beigegeben. Dem Auswärtigen Amte steht zur Seite der Beivat für das Auswanderungs= wesen. Mit dem Reichsamt des Innern arbeitet der Börsenausschuß zusammen. Mit dem Kaiserlichen Statistischen Amte entfaltet der Beirat für Arbeiterstatistik eine andauernde Tätigkeit. Seine Mitglieder werden bekannlich zur Hälfte vom Bundesrate, zur Hälfte vom Reichstage gewählt. Dieser Beirat ist aber nicht der einzige, der dem Statistischen Amte zur Seite steht. Alljährlich im Februar und März tagt in ihm der Beirat für die Feststellung der Einheitswerte der aus= und eingeführten Waren. Dem Gesundheitsamte steht zur Seite der Reichs=Gesundheitsrat, der Biologischen Anstalt für und Forstwirtschaft der Beirat für Fragen dieser Erwerbsgruppen, dem Aufsichtsrat für Privatversicherung der Versicherungsbeirat. Zu den Behörden, in denen Männer der Praxis ständig mit Beamten zusammen tätig sind, gehört in erster Reihe das Reichs=Versicherungsamt, dessen nichtständige Mitglieder aus Arbeitgeber= und Arbeiterkreisen gewählt sind. Auch die Reichsschuldenkomission, in den bekanntlich sechs Reichstagsmitglieder delegiert werden, ist hierzu zu rechnen. Kurz, der Kreis der Beiräte und Behörden, in denen Männer der Praxis mit Beamten vereint arbeiten, ist nicht klein. Im allgemeinen hat sich das Zusammenarbeiten bewährt. Es sir allerdings auch, wie das Beispiel des Kolonialrats zeigt, Ausnahmen von der Regl vorgekommen. Jedoch steht zu hoffen, daß die neue, auf Grund des Tabaksteuergesetzes geschaffene Institution sich bewähren wird, umsomehr, als es sich bei ihr in erster Linie um die Entscheidung über technische Angelegenheiten handeln wird. Westfalen und Rheinland. * Arnsberg, 18. Aug.(Von der Ernte.) Nun hat man endlich im Sauerlande mit der Roggenernte beginnen können und aus aller Munde hört man:„Nun wird noch alles gut!“ denn die Regenwochen, welche den Beginn der Ernte immer wieder hinausschoben, haben dem schönsten Erntewetter den Platz geräumt Mit dem Ernteertrage können die Landwirte zufrieden sein. Dadurch, daß sich der Roggen durch Regen vielfach gelegt hat, erfordert das Mähen allerdings große Mühe; dafür bringt der Roggen aber eine gute Vollernte und desgleichen der Hafer. Der Stand der Hackfrüchte berechtigt zu den besten Hoffnungen. Setzt nicht wieder eine längere Regenperiode ein, dürfen wir versichert sein, daß es„Erdäppel stief“ gibt. * Witten, 18. Aug.(Das Muster eines preußischen Steuerzahlers) ist ein in der Nachbargemeinde Langendreeer wohnender Wirt; denn er meldete beim königl. preußischen Zollamte hier zur Automatensteuer eine„eierlegende Henne“ und zur Nachsteuer„neun Flaschen Sekt“ an. Dieser wackere Markaner kann wahrscheinlich manch anderem als Muster dienen. * Bövinghausen, 18. Aug. Ein schweres Sittlichkeitsverbrechen wurde im benachbarten Frohlinde kurz nach 12 Uhr nachts von zwei Burschen an einem hiesigen Dienstmädchen begangen. Die Täter wurden verhaftet. * Bochum, 18. Aug.(Ein Opfer der Schundliteratur.) Ein Fall, durch den die verderblichen Folgen der Schundliteratur in ein grelles Licht gerückt werden, beschäftigte heute den Jugendgerichtshof der Strafkammer. Auf der Anklagebank saß der aus der Fürsorgeerziehung vorgefuhrte, erst 15 Jahre alte Josef Watzlick aus Suderwich, dem zur Last gelegt wurde, sich eines schweren Erpressungsversuchs schuldig gemacht zu haben. Ungefähr um die Mitte des Monats Mai erhielt ein Röllinghauser Bürger brieflich die Aufforderung, binnen kürzester Frist an einer bestimmten Stelle einen Brief mit 500 Mark Inhalt niederzulegen; im Verweigerungsfalle habe er sein Leben verwirkt; eins seiner Kinder werde verschwinden und erst gegen Erlegung eines Lösegeldes von 1000 Mark wieder freigelassen werden. Der Brief trug die Unterschrift: Josef Watzlick, Räuber und Mitglied der schwarzen Hand. Man kann sich denken, daß der Empfänger des Briefes in nicht geringe Sorge geriet. Er benachrichtigte die Polizeibehörde, auf deren Geheiß er einen mit Papierschnitzeln gefüllten Brief niederlegte. Als die Dunkelheit hereinbrach, näherte sich der Erpresser, auf Händen und Füßen kriechend, dem Orte. Vorsichtig tastete er nach dem Briefe. Im selben Augenblick fühlte er sich von kräftigen Fäusten gepackt, Kriminalbeamte, die im Hinterhalt gelegen, hatten den sauberen Vogel geschnappt. Der Verteidiger wies in der Verhandlung auf die schlechte Erziehung hin, die dem Angeklagten zuteil geworden sei und trat für Strafaufschub ein, damit die Fürsorgeerziehung keine Unterbrechung erleide. Das Gericht kam jedoch zu der Ueberzeugung, daß Milde im vorliegenden Falle übel angebracht erscheine. Es verurteilte den jugendlichen Verbrecher zu vier Monat Gefängnis. * Essen, 18. Aug.(Einen gemeinen Racheakt) verübte der Bergmann August Lonski aus Gelsenkirchen. L. war ein ganzes Jahr mit einer Näherein verlobt. Als letztere Ende Januar das Verlöbnis löste, rächte L. sich dadurch, daß er am 27. Jan. dem Polizeisergeanten Metzner die Anzeige erstattete, er sei in der Wohnung seiner Braut gewesen, und als er fortgegangen sei, habe ihm in seinem Portemonnaie ein Fünfmarkstück gefehlt. Dieses habe niemand anders gestohlen als die bisherige Braut. Die Anzeige stellte sich jedoch als haltlos heraus und Lonski wurde wegen wissentlicher Anschuldigung unter Anklage gestellt. Der Angeklagte wurde heute von der hiesigen Ferienstrafkammer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. * Mühlheim=Ruhr, 18. Aug.(Die Kinderlähmung.) Die unter dem Namen Kinderlähmung bekannte Krankheit greift in besorgniserregender Weise um sich. Bis jetzt sind 30 Krankheitsfälle zur Anmeldung gelangt. * Düsseldorf, 18 Aug.(Geständnis.) Vor zehn Jahren, am 10. August 1899 wurde im Grafenberger Wald bei Düsseldorf in der„Wolfschlucht" die Ehefrau des Arbeiters Heinrich Keukens, die ihrem Manne Mittagessen gebracht hatte, ermordet aufgefunden. Zahlreiche Personen wurden inhaftiert, der Kommis Hütteman von Ahlen sogar dreiviertel Jahr lang, aber nirgends war eine Beweisführung möglich. Jetzt hat der eine 6jährige Zuchthausstrafe verbüßende Schlächter Mathias Lentz sich selbst als Täter bezichtigt. Lentz hat genaue Einzelheiten angegeben, die Oertlichkeit eingehend beschrieben und auch eingestanden, das Mordmesser bei einem Schlächtermeister in Köln gestohlen zu haben. Lentz war bei der Begehung der Tat erst 15 Jahre alt. * Hamborn, 18. Aug.(Durch Elektrizität getötet.) Der Monteur Karl Stahl von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft kam beim Auswechseln eines Isolators auf Schacht 7 der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser“ der Hochspannungsleitung zu nahe und wurde sofort getötet. * Winterberg, 18. Aug.(Eine verdienstvolle Arbeit) hat der G. S. V. ausführen lassen. Die unschön gefaßte Quelle des Lenneflusses am Astenberg erhielt eine neue würdig ausgeführte Fassung aus rauhem, dem Gebirgscharakter angepaßten Stein bestehend. Eine eingelassene weiße Granittafel zeigt die Inschrift: Lennequelle 820 Meter ü. M. Länge des Flusses 129 Km. S. G. V.“ In das Mauerwerk wurde in versiegelter Flasche eine auf die Bedeutung des S. G. weisende Urkunde eingemauert. * Köln, 18. Aug.(Ein rechtunpassender Scherz) ist einem hiesigen Kaufmann teuer zu stehen gekommen. Abends gegen ½12 Uhr ging ein Handwerksmeister von hier, in Gedanken versunken, über den Heumarkt seiner Wohnung zu. Der Kaufmann, ein guter Bekannter des Handwerksmeisters, schlich sich auf den Zehen hinter diesem her, faßte ihn beim Kragen und rief:„Geld oder Blut!“. Im nämlichen Augenblick aber wandte sich der höchst erschrockene Meister um und schlug mit seinem Spazierstock dem Angreifer so heftig über den Kopf, daß er blutüberströmt zurücktaumelte. Erst als der Meister zu einem zweiten Schlage ausholen wollte, erkannte er seinen Freund. Selbstliebe. Roman von Constantin Harro. (Nachdruck verboten.) Zwanzigstes Kapitel. will ich denn Zerstreuung suchen!“ Etta, die schöne Frau mit den großen, sehnsüchtigen Augen, mit dem berückenden Lächeln, das doch von Schwermut wußte, rief diese Worte aus halb verzagendem, halb dankbarem Herzen in die bunte Welt hinein. Sie warb wieder um die Liebe ihres Mannes, wie sie es einst als Mädchen gethan. Schritt für Schritt mußte sie kämpfen gegen diese Gleichgiltigkeit, die Busso seit des Kindes Tod ihr bezeigte. Grazia von Thonau hatte, indem sie Ettas Eitelkeit weckte, das beste Mittel gewählt, die Niedergedrückte wieder aufzurichten. Und Busso von Liebenau wäre ein Narr gewesen, wenn er den günstigen Wind, der nun endlich in seiner Häuslichkeit wehte, nicht mit vollen Zügen eingeschlürft hätte.— So lebte denn das Liebenausche Ehepaar wieder herrlich und in Freuden.—— Etta hatte in schöner Gläubigkeit und mit dem ruhigsten Gewissen ihr großes Vermögen in Bussos Hände gelegt. Rechenschaft über den Verbleib ihres Geldes verlangte sie nicht, wohl aber die Summen, die ihr selbst ein glanzvolles Auftreten ermöglichten. Busso sing nun plötzlich an, für die Einfachheit in der Frauentoilette zu schwärmen. Grazia von Thonau lächelte boshaft zu diesem Trik, den sie durchschaute. Aber Etta griff Bussos Wunsch mit Begierde auf. Warum auch nicht? Ihre zarter gewordene Schönheit konnte sich ohne Schaden den Luxus der Einfachheit erlauben. Doch auch Grazia, die fatale Beobachterin, erschien Liebenau jetzt völlig überflüssig. Sie war ihm nur ein hübsches Spielzeug gewesen, das man um so lieber wieder zur Hand nimmt, je länger man es unbeachtet gelassen. Frau von Thonau aber sah mit ärgerlichem Staunen, wie wenig Einfluß sie doch auf Liebenau gehabt. „Ein bißchen Koketterie, ein wenig Flirt!“ dachte sie grollend. „Nun ja, seine einzige Leidenschaft ist eben das Spiel!“ Ach, das Spiel hatte in Paris große Opfer gefordert, und Bussos Gewissen trieb ihn von dem verschwenderischen Leben, dem er nicht widerstehen gekonnt, nun endlich fort. Etta sollte über Bleiben oder Nichtbleiben entscheiden. „Möchtest Du heim?“ fragte Busso schmeichlerisch.„Würdest Du es ertragen, in die altgewohnten Verhältnisse zurückzukehren, ohne das Kind dort wiederzufinden?" „Gewiß, Busso! Ich bin ja gesund!“ antwortete sie fröhlich. „Mir thäte die Heimat sogar wohl. Aber ich denke doch: wir bleiben. Deinetwegen, Busso. Hier hast Du ja das reiche, volle Leben, das Du so liebst. Es wird Dir zu Hause zu eng sein.“ Er seufzte laut auf. „Nun, natürlich, Schatz! Aber was will man machen? Dieses leidige Geld. Es rollt und rollt!... Ein Geizhals mag es halten können. Ich bin keiner.“ „Busso. Du erschreckst mich! Ich habe Dir plain pouvoir gelassen, Dir große Summen anvertraut!“ „Nun, es ist ja noch genug davon da“, murrte er.„Nur für Paris langt es nicht.“ „Ach, hol' es der Fuchs“ rief er unwirsch, als sie in peinlichem Schweigen verharrte,„zum Engel habe ich mich nie gestempelt! Das verfl.... Spiel hat mir's angethan. Man muß eben mit... Aber ängstige Dich nicht, Hetty, für Berlin haben wir noch übergeung.“ „Und wenn Du dort spielst?“ fragte sie, ihn mit großen, entsetzten Augen auschauend. Ihr war es, als stände sie mit nackten Füßen auf glühenden Kohlen. Der Schmerz, der entsetzliche Schmerz, krampfte ihr die Brust zusammen, gerade so wie damals, als sie sich über die kleine Leiche geworfen hatte. „Dein Vater war ein Spieler!“ mit welchem verächtlichen Zucken des Mundes hatte Frau von Krosinsky diese harten Worte zu ihr gesprochen, als sie noch ein Kind gewesen. „Ein Spieler!“ Zwei Rittergüter und eine bedeutende Mitgift waren dem Spielteufel zum Opfer gefallen. Dem Teufel, der jetzt Busso gepackt hielt. Ihren Busso! Ihr schauderte. Es wurde ihr schwarz vor den Augen und mit heiserer Stimme konnte sie nur hervorbringen: „Busso! Es kann ja nicht sein! Es ist so schrecklich. Habe doch Erbarmen. Sage doch, daß Du lügst!“ Da brach der Zorn, von Selbstvorwürfen aufgestachelt, aus ihm hervor und zwang ihm Reden in den Mund, die er niemals gegen Etta geführt hätte, wären nicht die Wut und die Pein in ihm übergroß gewesen. Weil er sich schuldig wußte, häufte er Anklage auf Anklage auf das arme, ahnungslose Weib. Etta stand mit gesenkten Augen, die bebende Gestalt an die hohe Lehne eines Sessels gestützt und hörte zu. Hörte auf den Klang der lieben Stimme, die sich überschrie und häßliche Worte ausklingen ließ, die von diesen heißgeküßten Lippen jemals zu erwarten, Etta einer Lästerung gleich erschienen wäre. Gerade weil Busso in der Ehe stets die höfliche Glätte des vollendeten Kavaliers bewahrt hatte, stand Etta vor seinem wüsten Toben wie vor etwas Ungeheuerlichem. Bis endlich der einzig rettende Gedanke in ihr aufdämmerte: „Er ist wahnsinnig geworden! Habe Mitleid!“ Es konnte nicht anders sein! Und wo es sich um Leben und Glück handelt, ist Gold ein toter Begriff. (Fortsetzung folgt.)— — Diesen nahm er mit in seine Wohnung, und es mußte ein Arzt geholt werden, der einen Verband anlegte. Der Kaufmann aber äußerte, daß er nie wieder derartige„Späße“ machen würde. * Aachen, 18. Aug.(Ertrunken.) In Noerdorf ertrank beim Baden in der Noer ein dort zu Besuch weilender 13jähriger Knabe aus Dortmund. Die Leiche des Knaben wurde kurz nachher in der Nähe der Unfallstelle aus dem Wasser gefischt. Für Haus und Garten. Alkoholfreie Getränke. In der gegenwärtigen heißen Zeit dürften einige Angaben über die Selbstbereitung von erfrischenden alkoholfreien Getränken, vielen Lesern willkommen sein. Hasermehlgetränk. Nimm 100 Gramm von feinem schottischen Hafermehl oder Quäker Oats, einen Löffel voll Zucker und vermische es gut mit kaltem Wasser zu einem Brei, dann gieße unter beständigem Umrühren zwei Liter kochendes Wasser dazu, um Klumpen zu vermeiden. Tue so viel kaltes Wasser dazu, als du Lust hast, und füge den Saft einer gepreßten Zitrone hinzu. Getränk aus Hagebuttensaft. Hagebutten werden weich gekocht, durch ein Seihtuch gedrückt, dann mit Zucker bis zur Dicke von Syrup nochmals verkocht. Den Saft einer Zitrone daran getan. Wenn abgekühlt, in Flaschen gefüllt und gut verkorkt. Mit kaltem Wasser verdünnt, gibt es ein erfrischendes Getränk. Getränk aus Hagebuttenkernen. Die Hagebuttenkerne müssen gut gereinigt werden. Sie werden einige Stunden gut gekocht, dann durch ein Seihtuch gegossen, mit Zucker und Zitronensaft vermischt, nochmals aufgekocht und nach Verkühlung in Flaschen gefüllt. Dieser Saft, der einen feinen Geschmack hat, hält sich nicht so lange als der eingekochte Hagebuttensaft. Gräupchenwasser. Nimm 100 Gramm seine Gräupchen, wasche sie und lasse sie in zwei Liter Wasser bis zur Hälfte einkochen. Seihe sie durch, füge die ganz fein abgeschälte Rinde und den Saft einer halben Zitrone dazu und versüße nach Belieben. Hühner im Garten. Ob es zweckmäßig ist, die Hühner in den Hausgarten zu lassen, darüber sind die Ansichten geteilt.— Der praktische Ratgeber im Obst= und Gartenbau in Frankfurt a. O.— also eine Gartenzeitung— hat diese Frage erörtert und dabei festgestellt, daß die Hühner im Garten nicht nur Schaden, sondern in vieler Hinsicht auch großen Nutzen stiften, besonders durch Vertilgung vieler schädlicher Insekten. Es sind deshalb Vorteile und Nachteile in jedem Falle genau abzuwägen. Ein Gartenfreund empfiehlt, immer kleinere Abteilungen die des Schutzes bedürfen, einzuzäunen und dann den Hühnern den großen Garten wenigstens zeitweise freizugeben. Wenn die Arbeit des Spatens beginnt, dann verläßt kein Huhn die Arbeitsstätte. Da wird jeder Wurf Erde auf Genießbares untersucht, und das Land wird rein. Gegraben wird natürlich nur nach Bedarf. Nun wird gesät und gepflanzt. So wohl erzogen sind Hühner nicht, daß sie menschliche Arbeit anders als von ihrem Nützlichkeitsstandpunkte ansehen. Darum: Drahtgeflecht her und eingezäunt. Aber die Ausgabe! Ist ja nicht so groß! Dasselbe Material wird nachher für die Erbsen gebraucht. Wer soll jetzt noch Strauch besorgen! Es ist ja auch unbegrenzt haltbar, wenn man nicht aus verkehrter Sparsamkeit eine zu geringe Drahtstärke genommen hat. Wird die bestellte Fläche größer, so wird den Hüh nern die Freiheit genommen; sie kommen in die Einfriedigung, bis im Herbst die Beete abgeräumt werden. Das Drahtgeflecht von den Schotenbeeten wird wieder benutzt, um Grünkohl=, Salat= und Blumenbeete zu schützen. Von nicht zu unterschätzendem Nutzen sind Küken, sie scharren nicht und lesen eifrig allerlein Kleinvieh von den Pflanzen ab. Sollen sie irgendwo z. B. zu den Erdbeeren nicht hin, dann heißt's immer wieder: Drahtgeflecht her, allerdings in diesem Falle engmaschiges, einhalbes Meter hoch genügt vollkommen. Bei wohlüberlegter Vereinigung von Gartenbau und Hühnerzucht erwächst nur Vorteil daraus. Eingesandt. Für Artikel unter dieser Rubrik trägt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. Durch zahlreiche Blätter ging eine Notiz unter dem Stichwort:„Unstimmigkeiten im Deutschen Kriegerbunde"; dazu wird uns geschrieben: Der Kriegerverein, sowie der Kavallerieverein Schwerte sind Mitglied der„Vereinigung deutscher militärischer Vereine“ zu der sich diejenigen Vereine zusammengeschlossen haben, die infolge Ablehnung des Unterstützungswesens(Kieler Beschlüsse) aus dem Landesverbande ausgeschlossen wurden. Der Vorstand der„Vereinigung“ hat sich alle Mühe gegeben, den angegliederten Vereinen die Teilnahme an der Huldigungsfeier vor Sr. Majestät auf Hohensyburg zu erwirken, aber vergebens, obwohl der Dezernent f. Kriegervereinswesen im Ministerium d. Innern s. 3t. die bestimmte Zusicherung gegeben hat, daß die Allerhöchste Kabinettsorder vom 25 April 1907(betrifft Zulassung zur Spalierbildung) auf die Vereine, die wegen Nichtannahme der Kieler Beschlüsse aus dem Deutschen Kriegerbunde ausscheiden mußten, keine Anwendung finden sollte. Auf diese ausdrückliche Erklärung gründete sich wohl das freundliche Entgegenkommen der städtischen Vertretung, mit allen übrigen Vereinen der Stadt auch die militärischen Vereine, die außerhalb der Landesorganisation stehen, zur Spalierbildung innerhalb des Stadtgebietes bei Abfahrt Ihrer Majestäten einzuladen. Dem Kriegerverein, der 35 Jahre in Ehren besteht, ca. 550 Mitglieder hat und seit 9 Jahren eine Allerhöchste Auszeichnung in Gestalt des Fahnenbandes besitzt, das seinerzeit der damalige Herr Minister des Innern Exzellenz Freiherr von Rheinbaben, eigenhändig an die Fahne auheftete, wurde eine günstige Stellung auf dem Bahnhofsplatz eingeräumt und diese in einer Versammlung sämtl. Vorsitzenden der Vereine der Stadt gut geheißen. Der Kriegerverein arrangierte eine patriotische Feier, die nach dem Festakt am Bahnhof stattfinden sollte, vergewisserte sich der polizeilichen Erlaubnis und engagierte die Kapelle des 10. Jägerbataillons; als jedoch die Stadtvertretung eine allgemeine Feier vorschlug, verzichtete der Kriegerverein im Interesse derselben auf die eigene Feier und trat die Kapelle für die städtische Feier ab, dieselbe blieb ihm aber für den Marsch zum Bahnhofsplatz zur Verfügung. Am Festtage, morgens 9 Uhr, verfügte dann der persönlich erschienene Herr Regierungspräsident nach Einsichtnahme in den Aufstellungsplan:„diejenigen Vereine, die dem Landesverbande angehören“— und denen ihr Platz dem Kriegerverein gegenüber angewiesen war—„nehmen Aufstellung direkt vor dem Kriegerverein"; dieser also im 4. bis 6. Gliede hinter Vereinen, die zum Teil erst 2 und 3 Jahre bestehen und wahrscheinlich aus dem Grunde dem Unterstützungswesen beitraten, um sich die Bestätigung als Kriegerverein überhaupt zu erwirken. Die Mitglieder des Kriegervereins waren einzeln durch Brief zur Teilnahme an der Huldigung eingeladen und traten zu derselben überaus zahlreich im Vereinslokal an; weit über 300 hätten an der Spalierbildung teilgenommen. Im geschlossenen Vereinslokal wurde den Mitgliedern Kenntnis gegeben von der unerwarteten, ungerechtfertigten und daher beleidigenden Zurücksetzung und die Frage angeregt, ob unter diesen Umständen eine Teilnahme des Vereins und seiner Allerhöchst ausgezeichneten Fahne mit seiner Selbstachtung, mit seiner und ihrer Ehre in Einklang zu bringen sei. Bei der Abstimmung über diese Frage sprachen sich alle Anwesenden mit Ausnahme einer Stimme gegen die Spalierbildung aus. Die Veteranen beteiligten sich auf Wunsch des Vorsitzenden an der Abstimmung nicht, da ihnen besondere Plätze vorbehalten waren. Darauf betonte der Vorsitzende:„Unsere, dem Markaner angeborene und im Fahneneide gelobte Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland kann durch diese so bitter empfundene Unbill nicht im geringsten beeinflußt werden". Er schloß mit einem brausend ausgenommenen Hurra auf den obersten Kriegsherrn, dem die Nationalhymne folgte. Der Augenblick war so ergreifend, daß in manchem Auge Tränen glänzten. Danach gingen die Mitglieder vom Vereinslokal auseinander; die meisten reihten sich anderen Vereinen an, z. B. Bürgerschützenverein, andere suchten für sich, den Grafen der Mark, ihren Kaiser und König zu sehen und ihm zu huldigen. Nur 18 von den Veteranen zogen unter Vorantritt der Jägerkapelle zum Bahnhof, um ihre Plätze einzunehmen. Der Kriegerverein Schwerte erfreut sich der größten Sympathie der Bürgerschaft, die in ihrer Mehrheit die dem Kriegerverein widerfahrene Kränkung auf's tiefste beklagt und verurteilt. Der Verein aber wird unentwegt weiterschreiten auf der Bahn, die ihn zur Blüte führte. Seine Parole ist stets dieselbe:„Mit Gott für König und Vaterland!“ Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Armin der Cherusker. Erinnerungen an die Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. von Felix Dahn. Mit 17 Bildern Originalen von Maler A. Hoffmann in München Verlag von J. F. Lehmann, München, Paul Heysestraße 26. Preis 1 Mark. Felir Dahn weiß uns in seiner Schrift über Arnim, den Befreier Deutschlands von römischer Herrschaft, vermöge seiner unübertreflichen Kenntnis germanischer Geschichte schnell hineinzuversetzen in die damalige Zeitlage und in glänzender Weise die Heldengestalt Arnims vor dem Leser lebensvoll erstehen zu lassen. Arnims Geschick war tragisch wie selten das eines großen Mannes. Dank hat ihm sein Volk für seine gewaltige Lebensarbeit, die er mit der Varusschlacht begann und unermüdlich Jahre hindurch fortführte, nicht erwiesen. Dahn führt uns in dies wechselvolle, nimmermüde Leben hinein und kommt auf Grund seiner selbstverständlich streng geschichtlichen Schilderung zum wohlberechtigten Schluß, datz wir Arnim und der Varusschlacht für die Erhaltung unserer deutschen Art und Sprache tiefen Dank schuldig sind. Um seine Größe und die Gewalt seiner Persönlichkeit recht zu würdigen, dazu kann nichts besser dienen, als die Dahn'sche Festgabe, die trotz ihres billigen Preises reich mit Zeichnungen von Künstlerhand geschmückt ist. Niemand sollte versäumen, diese hübsch ausgestattete Erinnerungsschrift zu lesen, man wird viel Anregung und Belehrung darin finden. Standesamt Schwerte. vom 1. bis 15. August 1909. 1. Geburten: 1 Sohn: Bahnarbeiter Wilh. Hücker, Stellmacher Friedr. Fund, Lokomotiv=Hilfsheizer Theodor Kleis, Eisenbahnschaffner Karl Röhrscheidt, Fabrikarbeiter Johann Matuszewski, Eisenbahnschaffner Bernhard Stratmann, Eisenbahnassistent Julius Bröcking, Fabrikarbeiter Julius Willemzig, Schaffner Heinr. Hellmann, Fabrikarbeiter August Namianowsky, Schneider Aug. Schneemann, Fabr. Joh. Dedeck(Zwillinge), Gasstocher Friedrich Hesse. 1 Tochter: Schleifer Wilh. Sinn, Fabrikarbeiter Heinr. Schmitz, Lehrer Heinrich Kohlmann, Konditor Gust. Seuthe, Fabr. Christian Heinemann, Amtsrichter Dr. jur. Otto Heppe, Fabrikarbeiter August Bathe, Fabrikarbeiter Friedr. Scheidt, 2. Aufgebote: Hüttenbeamte Friedrich Bongart und Emilie Jacobs zu Dortmund und Schwerte, Postbote Wilh. Wittenberg und Helene Kaßmann zu Altenbögge und Schwerte, Fabrikarbeiter Robert Rinnscheidt und Henriette Schöttler zu Schwerte, Kaufmann Ludwig Kühnholz und Hedwig Grase zu Schwert: und Dortmund. 3. Eheschließungen: Bürobeamte Friedr. Ettling und Meta Wiecken zu Schwerte, Bürogehilfe Johann Buschhaus u. Marie Potthast zu Schwerte und Dortmund, Damenschneider Rudolf Maluck und Alma Dudt, zu Dortmund und Schwerte, Schneider Jonas Emmel u. Friederike Lategahn zu Kassel u. Schwerte, Hilfsrottenführer Adolf Hosang und Lina Krämer zu Schwerte und Villigst, Kellner Ernst Schaffstein und Marie Malecki zu Schwerte, Bergmann Wilh. König und Anna Schäfer zu Schwerte. 4. Sterbefälle: Paul Dunemann, 3 Monat Reklameteil. Anstriche. Wer seine aus Holz hergestellten Gerätschaften und Bauten der Fäulnis und dem Zerfall nicht aussetzen will, versäume nicht, diese mit einem schützenden Anstrich durch Avenarius Carbolineum zu versehen, über dessen einzigartige Wirkung Beweise 20, 25 und 30jähriger Holzerhaltung vorliegen Man verlange aber beim Einkauf stets das echte Avenarius Carbolineum, da viele scheinbar billige, aber minderwertige Produkte im Handel sind, die bei ihrer unzuverlässigen Wirkung häufig Neuanstriche erforderlich machen und sich daher teuerer stellen als ein wirksamer Anstrich mit dem Originalfabrikat „Avenarius“. Dieses ist erhältlich bei Aug. Sieberg, Bauunternehmer. Auch eine Dauerfarbe für Innen= und Außenanstriche unter dem Namen Indurin(Idine) kann hier bezogen werden. Diese eignet sich besonders für Neubauten und zur Erzielung schöner, lichter Räume, deren Anstrich nicht wischen und hygienischen Grundsätzen entsprechen soll. 4360 Selbstliebe. Roman von Constantin Harro. 611(Nachdruck verboten.) Ja, sie allein war die Schuldige! Sie hatte den Unglücklichen, den Bereuenden, mit harten Worten von sich gestoßen! Sie sagte nichts mehr. Mit kurzen, zögernden Schritten— die Kniee wankten ihr — ging sie auf Busso zu, nahm seine Hände, streichelte sie und küßte sie fort und fort. Die Augen, die so bezwingend bitten konnten, senkte sie in seine Augen, so tief, so lange, daß sie ihn vezauberten, wie sie noch jeden bezaubert hatten, der ihrer Macht nicht ausgewichen war. Erst wollte sich Busso frei machen. Er versuchte, Etta abzuschütteln, wie man einen treuen Hund fortstößt, wenn er zur Unzeit kommt. Plötzlich aber keimte das Mitleid in ihm empor. Was hatte er der armen Hetty nicht schon angethan? Auch er umfaßte sie liebevoll. Und so endigte diese traurige Scene doch noch mit vollständiger Versöhnung. Grazia von Thonau sah das junge Ehepaar mit einem ironischen Lächeln von Paris scheiden. Sie kannte Busso genau. Sie wußte von seinen Verlusten im Spiel. „Triumphiere noch nicht, Etta“, dachte sie hämisch.„Der Spielteufel läßt seine Opfer nicht!“ Einundzwanzigstes Kapitel. In dem eleganten Klublokal des Vereins„Teutonia“ versammelten sich mehrmals in der Woche zu später Stunde die Gäste. Offiziere der Berliner und Potsdamer Garnison, Kameraden, die von weither kamen, Standesherren und Rittergutsbesitzer aus der Provinz, trafen sich hier und huldigten dem Hazard. Es befanden sich auch zweifelhafte Elemente in der Gesellschaft. Abgeschliffen in der Welt des Lasters verfügten diese Personen über die feinsten Umgangsformen, hatten aber doch ein gewisses Etwas an sich, das sie dem unbeteiligten Zuschauer verdächtig gemacht hätte. Hier, in der Leidenschaftlichkeit des Spiels, fiel es niemandem ein, psychologische Studien zu machen. In diesem kleinen, verschwiegenen Kreise war Busso von Liebenau kein Neuling. Er spielte mit Glück. Vor ihm häuften sich oft große Summen, und mancher neidische Blick traf den schönen Offizier aus tiefumschatteten Augen, die den Schlaf nicht mehr finden konnten. Nicht Liebenau allein verstand das Spiel meisterlich. Wie da die Karten blitzschnell durch die Finger glitten, wie manches Auge mit Blitzgeschwindigkeit die unscheinbaren Naturmarken prüfte, die in Form von winzigen Pünktchen, Strichelchen oder Linien auf der Rückseite der Kartenblätter sich zeigten und auch dem schärfsten Beobachter leicht entgehen konnten! Brachten diese Zeichen Vorteil und Gewinn? Wer hätte es behaupten wollen? Ein junger, blasser Mann, das einzige Kind reicher Eltern in der Provinz, stand nun schon seit Wochen im Bann der unseligen Leidenschaft, die selten eine Seele wieder freigiebt. Der junge Mensch war auch heute fortwährend im Verlust. Der Aerger veranlaßte ihn, mehr als sonst dem Champagner zuzusprechen. Des Trinkens noch ungewohnt, färbte sich sein Gesicht nach jedem Verlust höher, und er stürzte den Schaumwein, der vor ihm im Glase perlte, noch hastiger hinab. In maßloser Erregung beteiligte er sich weiter am Spiel. Seine unruhigen Augen blieben beinahe haßerfüllt wieder und wieder an Busso von Liebenau hängen, der lächelnd Gewinn um Gewinn einzog. „Heute heißt es, sich zusammennehmen“, meinte Baron Faßmühl=Mühlinghoff iro nisch. Er war auch Mitglied des Klubs, doch ein sehr vorsichtiger Spieler.„Liebenau will uns ausräubern.“ „Oho! Ich verlor ja schon!“ rief Busso, ganz in seine Berechnung vertieft.„Wie viel Karten wollen Sie, Herr Albinus?“ Er sagte es zu dem jungen Mann, den die Dämonen des Spiels schon völlig betäubten. „Drei!“ murmelte Albinus. „Zehn Mark!“ sagte Liebenau eifrig. „Dreißig!“ sprach Albinus heiser. Er gab seine letzten Goldstücke hin. Aber auch dieses Geld fiel nach kurzem Bieten Busso von Liebenau zu. Eine sinnlose Wut packte den unglücklichen Spieler. Das häßliche Wort„Ausräubern", das Faßmühl vorhin im Scherz gesprochen, trat ihm auf die Zunge. Der Champagner, der Spielteufel, vielleicht auch die Reue, die ihm am Herzen fraß, benahmen ihm alle Selbstbeherrschung. Er sah Gespenster. Er glaubte sich unter die Räuber gefallen. In schäumender Wut sprang er empor und seine Hand stieß in das Gold, das vor Busso von Liebenau aufgehäuft lag. „Falschspieler“, schrie er mit überschnappender Stimme, „Plündern Sie nur weiter die Arglosen!“ Schon packte ihn Busso bei der Kehle. Ein wüstes Getümmel entstand. Einige Herren rissen die beiden Kämpfenden auseinander. Alles hatte sich merkwürdig schnell abgespielt. Busso von Liebenau zeigte sich unnatürlich ruhig. Nur seine Augen slammten. Es berührte ihn wohlthuend, daß fast alle Anwesenden auf seiner Seite standen. (Fortsetzung folgt.) 8 S G S 95 G 3 07 5 99. S S. 8 6 05— □ ## g üacne S 3 209 n S##gg. IG* redigiert von Martha kempner-hochstädt. Dögleins Schlummerlied. Von Tante Hedwig. Folgt, Gefährten, mir zum Nest, Zweige wiegen uns aufs best'; Wiegen uns in Schlaf und Ruh', Lindenblüte nickt dazu. Schon am Himmelsbogen thront Sternenschar und Hüter Mond; Weißen Schleier übers Feld Weben sie vom Wolkenzelt. Nacht bricht an, die Sonne sank, Und die Aeuglein, sonst so blank, Schauen trüb' und müde drein— Lustig war's in Busch und Hain. Schwinget, schwinget euch zum Nest! Zweige wiegen uns aufs best'; Wiegen uns in Schlaf und Ruh, Lindenblüte nickt dazu. seiner Mutter, die sie in ihrem Garten einpflanzte und pflegte, und von dort verbreitete sie sich weiter in andere Länder. se Deutsches Großherzogtum Heiligenerzählung Ein Hund Ein Himmelsbewohner Römischer Kaiser Hoher Berg in Thüringen Ein Ein Ankerplatz Eine Münze 1 2 34 5 6 7 8 9 2 4 9 4 5 3 4 3 1 9 9 4 4 5 9 4 2 5 4 8 1 6 4 4 8 6 4 8 9 ? L 5 4 8 4 4 3 4 9 7 234 5 Kreuz-Rätsel. An Stelle der Zahlen sind Silben zu setzen. Alsdann bedeuten: Veilchen. Eine ruthenische Sage von Onkel Fritz. Vor vielen, vielen Jahren herrschte auf dem polnischen Throne in Krakau ein alter König, der schon unzählige Kriege mit den umwohnenden Völkern geführt hatte. Als nun wieder ein neuer Krieg ausbrach, fühlte er sich zur persönlichen Teilnahme nicht mehr imstande und schickte deshalb seinen Sohn Fiolek mit dem Heere aus. Das Prinzlein war noch jung und ein rechtes Muttersöhnchen, das bei der fast ständigen Abwesenheit des triegerischen Vaters von der Mutter sehr verzogen und verweichlicht worden war. Dieser Jüngling zog fast ungern in den Krieg, und er litt sehr unter den ungewohnten Verhältnissen und Strapazen. Als er nun in dem Kriegslager am Flusse Poprad saß, wirkten die Tünste des Lagerfeuers und die vielerlei unangenehmen Gerüche, die eine dichte Masse von Kriegern mit sich bringt, derart auf seine zarten Nerven, daß er in eine tiefe Ohnmacht siel. Die Mannen erschracken sehr und trugen ihn aus dem Lager fort und betteten ihn an einem einsamen Orte am Rande des Waldes. Prinz Fiolek regte sich nicht, und man befürchtete schon, er wäre tot. Ta bemerkten die Krieger plötzlich einen starken, lieblichen Tuft von unbekannter Art, der dem Boden zu entströmen schien. Und siehe! Ter Prinz, dem Uebelgerüche die Besinnung geraubt hatten, wurde durch den Wohlgeruch wieder erweckt, schlug die Augen auf und kam langsam wieder zu sich. Erstaunt und froh suchte man nach der Herkunft dieses Zauberduftes und fand im Grase bescheiden versteckt eine Menge kleiner blauer Blümchen die noch nie jemand zuvor gesehen hatte. Zur ed... der Brinz Fiolek seine Gesundheit Erinnerung daran, daß der Pring durch sie wiedererlangt hatte, nannten die Polen sie Fiolek, woraus später der deutsche Name Veilchen entstanden sein soll. Ter Prinz brachte das erste Sträußchen der neuen Blume 1—2 Atmosphärischer Niederschlag. 1—3 Getreideart. 1—4 Jagdtier. 3—4 Teil des Fußes. 4—5 Junges Tier. 3—2 Mittel zur Fortbewegung. 4—5 Althebräisches Gewicht. Silben=Rätsel. ad, che, de, em, gen, il, ler, ly, ma, nat, on, ter, tis, wo. Aus obigen 14 Silben sind 7 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben einen deutschen Dichter nennen, 1. Zeitabschnitt, 2. Säugetier, 3. Mädchenname, 4. Stadt in Franrreich, 5. Raubvogel, 6. Schlange, 7. Waffe. * Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die Seitenteile der Leiter je eine Stadt in Schlesien bezeichnen und die Sprossen einen Fluß in Pommern, die ehemalige Hauptstadt Unter=Aegyptens und einen Nebenfluß des Po nennen. Ersetzungs1123i4 4a54i26a77e87a 26e8a59a54. Die Zahlen sind durch Konsonanten zu ersetzen, dann ergibt sich ein Sprichwort. (Die Auflösung der Kätsel usw. erfolgt in der nächsten „Kinderlaube“. D. Red.) Auflösungen der Rätsel usw. aus der vorigen „Kinderlaube“. Rätsel. Lampe. * Zweisilbige Nachtlicht. 85 8 3 S 8599 2 Sgg 2 8 8 S 2g * SA%s *••• · 8 1 ** 6° E** 2 0 *•—* S an 323 = SES 3 9 5 Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde 41. Jahrgang. O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 193 Donnerstag den 19. August 1909 Die ter, in Warkb. Roman von Albert Graf von Schlippenbach. Nachdruck verboten.) sSscbe Rue umdhglet der Speibe dem Bruder der, Aerggr. r gönnte dem Bru stillen überlegte er, ob er nicht unter irgendeinem Vorwand am Nachmittag nach Schönholz reiten sollte. In zwei Stunden konnte er dort sein, wenn er den schmalen Fußweg durch die Heide wählte. Vielleicht hatte er mit Agnes mehr Glück, wie der dumme, faule Bernhard. „Wo ist denn aber Ihr Töchterchen?“ fragte Heuberg, um überhaupt nur etwas zu sagen. „Rosemarie speist mit ihrer Erzieherin oben. Da meine Cousine nicht anwesend ist, hielt ich es für passend, das Kind nicht an unserer Mahlzeit teilnehmen zu lassen.„„ Doch Heuberg horte nicht auf ihn. Was ging ihn im Grunde das Gör an? Später ja, wenn Kurt erst mit einer seiner Töchter verlobt war. Natürlich mußte es dann in eine Pension gesteckt werden. Dafür würde seine Frau schon sorgen. Jetzt aber drehte sich alles noch um Agnes. „Wahrhaftig, ich kann nicht sagen, wie leid es mir tut, Ihre verehrte Cousine nicht begrüßen zu können,“ platzte er heraus. Und das war eigentlich das erste wahre Wort, das er seit dem Wiedersehen mit Kurt sprach.„Und meine Söhne erst! Sie hatten sich so sehr darauf gefreut, ihre Bekanntschaft zu erneuern. Nicht wahr, Donatus, und du, Bernhard?“ Donatus stimmte sofort ein und versicherte, daß er den Augenblick kaum hätte erwarten können, die einstige Jugendfreundin wiederzusehen. Bernhard grunzte nur einige unverständliche Worte. Er kaute gerade an einem großen Stück Putenbraten.— Die Lebhaftigkeit der weiteren Unterhaltung litt dann arg unter der Enttäuschung der beiden Heubergs, obgleich Kurt, anscheinend ohne die Verstimmung zu bemerken, harmlos plauderte und Donatus sich von seiner besten Seite zu geben versuchte. Fand Barr an ihm Gefallen, dann machte er vielleicht den Fürsprecher bei Agnes, und Herr Donatus von Heuberg führte an 1 Stelle des Bruders die reiche Braut heim. Herr Max blieb ziemlich wortkarg, weil er sein Hirn zermarterte, wie er trotz des heutigen Fehlschlags Agnes während der Abwesenheit des Vetters in sein 1 Haus ziehen könnte, und Bernhard holte gründlich nach, was er durch die, vom Vater ihm nun unnütz auferlegte Zurückhaltung im Gasthaus versäumte. Er aß für drei und schüttete, Gift und Galle im Herzen, ein Glas Rotwein nach dem anderen herunter. Da blieb ihm wenig Zeit zum Sprechen. Leider bemerkte der mit seinen Eile einen krätigen Schwips angezuzteand un Hin de bedenklich, als man vom Tische...—. as Salon zum Kaffee ging. Heuberg warf ihm einen zornigen Blick zu, der jedoch zunächst gar keinen druck machte. Agnes war ja nicht anwesengugersegeng sollte er sich nun Enthaltsamkeit im Trinken aufelleg—. Er mußte sich doch für die Enttäuschung entschädigen, der Rotwein war gut. Nach einigen Glä Kognak fühlte er dann plötzlich das Bedürfnis, den b de. Ausbrüäce und stammelte dann Unsinn richtigen Ausbruckle und slam. Jann Unsinn zuKurt war höflich genug, zu tun, als bemerkte er den Zustand seines Gastes nicht, Donatus lächelte spöttisch, aber Herrn Maxens Blicke wurden endlich so drohend, daß es Bernhard schließlich für geraten hielt, zu schweigen. Mürrisch lehnte er sich in seinen Sessel zurück und würde in kürzester Frist eingeschlafen sein, wenn er von Donatus nicht alle Minuten einen wohlgezielten Fußtritt unter dem Tisch bekommen hätte. Nachdem Heuberg noch einige Zeit tiessinnig an seiner Zigarre gezogen hatte, meinte er plötzlich etwas unvermittelt zu seinen Söhnen: ,. Stzlle beseben; „Wollt ihr euch nicht einmal die Staue reitherr! Inspektor Brand soll ja mit der Zeit einen ganz vorzüglichen Rindviehbestand herangezogen haben. Junge Landwirte, wie ihr, dürfen keine Gelegenheit versäumen, „Aha,“ dachte Donatus,„der Alte will mit Barr ein wenig allein sein, um ihm auf den Zahn zu fühlen. Nun, schaden kann es sa vicht.“„dee deg Vaters einBereitwillig stand er, auf die Jver I Valerr emngehend, auf. Bernhard dagegen paßte es gar nicht. Er saß so bequem in dem großen begriff er natürlich die Absicht des Vaters nicht. Erst nach einer sehr energischen Aufforderung Heubergs schloß er sich brummend dem Bruder an. „Was wohl der alte Heuberg Geheimnisvolles von dir will?" fragte sich Kurt. Die ungeschickte Art des Vaters, die Söhne plötzlich unter einem nichtigen Vorwand fortzuschicken, ließ zu deutlich den Wunsch erkennen, mit ihm unter vier Augen zu reden. Erwartungsvoll schaute er auf seinen Gast, der wohl nicht recht wußte, wie er am besten die Unterhaltung ein STTiSS BEMETTBEUETSEN Ss * 9 3 * S 88S. S 285SE —— Fo SS3S TSE „l. i S S SyxEES: bgSMLSZTTSNSE SumSHnSSuSTgHSE S I SSERSG S ESS3 „" TG SB#g** 5 S 8 8 # EgE. S SEBRS S S• S 8 Sasgs 8 58. 8 * S 9 06 S 8 S 8 BBBSTBLSRSEAS SOZTBMSOSEERGA 8 855 L S S 9 — — ) leiten sollte, und deshalb in der Erregung große Rauchwolken aus der Zigarre sog. „Sagen Sie einmal, Barr, halten Sie es nicht für praktischer, größere Geldsummen, die man gerade nicht benötigt, in Papieren anzulegen, anstatt sie in bar bei sich aufzuheben?" Heuberg sah Kurt bei dieser Frage etwas unsicher an. Kurt lachte hellauf.„Aber ich bitte Sie, Herr von Heuberg, das ist doch eigentlich selbstverständlich. Erstens bekommt man Zinsen, und dann ist es auch weit sicherer. Ich glaube, in unserer Zeit ist wohl kein Mensch mehr so töricht, sein Kapital nutzlos im Kasten liegen zu lassen. Selbst der mißtrauischste Bauer gibt es auf die Bank oder läßt es sonstwie arbeiten. Nur eine ganz weltunerfahrene alte Jungfer, wie sie aber wohl nur noch in Romanen vorkommen kann, käme auf eine solche Idee!“ „Nun, alt brauchte sie ja nicht gerade zu sein," entgegnete Heuberg.„Viele Damen haben eben eigentümliche Ansichten.“ „Wie kommen Sie nur auf diese Frage?" Kurt lachte noch immer. „O, ich hörte nur— hier in der Nähe— lebe— jemand, der sein ganzes Vermögen in gemünztem Gelde in seiner Stube aufbewahrt.“ „Dann muß der Betreffende einfach verrückt sein,“ entschied Kurt belustigt. „Also Sie würden es doch nie dulden, daß jemand, der Ihnen nahesteht— sagen wir einmal eine Schwester oder Cousine, so leichtsinnig wäre?" Wo hinaus wollte Heuberg eigentlich mit seinen merkwürdigen Fragen? Irgendeine bestimmte Absicht verband er ohne Zweifel damit. Was es auch sein mochte, Barr hielt es für richtig, etwas vorsichtig mit der Antwort zu sein. „Von nicht dulden kann wohl keine Rede sein, oder die Pflicht geböte es mir, als Vormund oder Pfleger einzugreifen. Einen anderen Fall, in dem ich dazu ein Recht hätte, kann ich mir nicht vorstellen.“ „Aber Sie würden doch raten?“ „Nur, wenn man mich um Rat fragte.“ „So, so!“ Heuberg wurde immer unsicherer, und seine Miene würde einem Eingeweihten verraten haben, welche Besorgnis er für das Vermögen der zukünftigen Braut seines Sohnes hegte.„Ich meine aber,“ fuhr er nach einer kleinen Pause fort,„wenn zum Beispiel Ihre Cousine ein großes bares Kapital nutzlos in Gold= und Silberstücken aufheben würde, wäre es da nicht eigentlich auch Ihre Pflicht, einzuschreiten?" Jetzt begriff Kurt. Der Alte dort wollte ihn wohl über die Vermögensverhältnisse von Agnes aushorchen. Hörn hatte ihm ja erzählt, man halte sie jetzt für eine gute Partie. Es blieb ihm nur vollständig unverständlich, warum Heuberg immer von dem baren Geld sprach. Jedenfalls wollte er das Thema schnellstens abbrechen. „Nein!“ meinte er daher kurz.„In diesem Falle wäre Justizrat Hörn der Verantwortliche. Ich kümmere mich nie um Dinge, die mich nichts angehen!“ Das war so deutlich, daß selbst Heuberg es verstand.„Natürlich, natürlich," beeilte er sich beizupflichten.„Ganz meine Ansicht.— Selbstverständlich lag es mir fern, in der Tat, auf Fräulein Agnes hinzuzielen. Ich— mein Gott— ich fragte nur so.“ Hörn wird solchen Unsinn schon nicht leiden. Dazu ist der Fuchs zu schlau, beruhigte er sich selbst und atmete bei dem Gedanken auf. „Davon bin ich überzeugt,“ antwortete Kurt trocken. „Natürlich, natürlich!— Ich weiß ja gar nicht— hahaha!— ob Ihre Cousine überhaupt Vermögen hat.“ Trotzdem sich Heuberg die größte Mühe gab, eine gleichgültige Miene zur Schau zu tragen, sah Kurt ihm an, mit welcher Spannung er seine Erwiderung erwartete. „Eben darum.“ Barr steckte sich etwas umständlich eine neue Zigarette an. Er mußte sich zusammennehmen, um über das verblüffte Gesicht seines Gegenübers nicht laut aufzulachen.„Sagen Sie einmal, Herr von Heuberg, wie sehen denn bei Ihnen die Wintersaaten aus?“ fuhr er dann fort. „Gut, gut. Das heißt, im Roggen ist starker Mäusefraß und von englischem Weizen ist ein Teil ausgewintert.“ Heuberg war so verwirrt, daß er eine vernünftige Antwort kaum herausbrachte. „Nun, da sieht es in Schwarzhof besser aus. Ich bin wirklich recht zufrieden.“ „Freut mich, freut mich wirklich herzlich.— Uebrigens, wenn Ihre Fräulein Cousine einmal den Rat eines alten, erfahrenen Landwirtes bedarf, dann soll sie sich nur ungeniert an mich wenden. Ich stehe ihr jederzeit zur Verfügung, und— und glauben Sie nicht, daß es ganz angebracht wäre, wenn sie sich in manchen Dingen an meine Frau wendete?“ „Sehr liebenswürdig. Allein Agnes ist eine durchaus selbständige Natur und von Jugend an gewohnt, sich selbst zu raten.“ „Gewiß.— Aber damals lebte noch mein lieber, alter Freund Siegmund. Er war wenigstens dem Namen nach ihr natürlicher Beschützer. Nun steht sie ganz allein. Für eine junge Dame immerhin eine schwierige Lage.— Es gibt so viele Dinge,— hm! ja!— meine Frau würde in mütterlicher Weise ihr zur Seite stehen, sie schützen—“ „Schützen? Ich bitte Sie! Räuber und Mörder gibt's hier wohl nicht und wer ihr sonst zu nahe träte! Der Freiherr Kurt von Barr war stets ein ausgezeichneter Pistolenschütze." „Nein, nein! Sie verstehen mich falsch, oder ich drückte mich nicht richtig aus. Wer würde es wohl wagen? Gott bewahre, welche Idee, mein teurer Freund! Ich wollte damit nur sagen, daß wir uns herzlich freuen würden, wenn wieder ein recht reger, freundnachbarlicher Verkehr zwischen Schwarzhof und Oberrankin sich anbahnte. Meine Frau, als Mutter so vieler Töchter, hat— hahaha— wie eine Glucke die Passion, immer junges Volk unter ihre Fittiche zu nehmen, wie man so sagt. Da hoffte sie denn, einen neuen Schützling zu bekommen.“ „Sicherlich freuen auch wir uns über die Aussicht eines angenehmen Verkehrs.“— Kurts Worte klangen wieder etwas kühl.—„Aber, wie gesagt, ich reise in den nächsten Tagen nach der Schweiz zurück, und Agnes ist noch in tiefer Trauer. Sie wird sich zunächst kaum entschließen, in die nachbarlichen Kreise zurückzukehren, die ihr in den letzten zehn Jahren recht fremd wurden.“ Heuberg biß sich auf die Lippen. Wieder so ein kleiner Hieb. Er wurde aber der Antwort enthoben, denn eben kamen Donatus und Bernhard von ihrem Rundgang durch die Ställe zurück. Das heißt, während der ältere Bruder sich den Viehstapel ansah, war der jüngere im Krug gewesen, um dem vortrefflichen Bier wenigstens nachträglich die ihm gebührende Ehre zu erweisen. Herr Max erriet es sofort an Bernhards Aussehen und seiner belegten unsicheren Stimme. Aber er hielt es für geraten, jetzt zu schweigen und nur zu bitten, seinem Kutscher die Weisung zugehen zu lassen, baldigst vorzufahren. Das Donnerwetter sollte sein mißratener Sprößling dann auf dem Heimweg bekommen. Um seinen Aerger nicht merken zu lassen, beteiligte er sich lebhaft an dem Gespräch Kurts mit Donatus über rationelle Viehhaltung. Als der Wagen gemeldet wurde, war Bernhard in einem Ecksessel sanft eingeschlafen. Erst ein kräftiger Stoß seines zärtlichen Bruders weckte ihn aus süßen Träumen. (Fortsetzung folgt.) — M u Wndug usspien gun! S ue„Mi S. u 8 2 E 8 55 S 6 0S 3 S 8 5 P 5 8 6 8 S 8 2 2 S S S8S S S EEEE * 8 S TEE EEZGS S u SESTZxEGEGOEST S S-—SPEDSSB-BESESS 5 8 5 5 S 9&mp SSE3 6 55 1 Denkspruch. Die liebe hat kein Maß der Zeit, sie keimt Und blüht und reist in einer schönen Stunde. Körner. Der erste Ball. Humoreske von Maria Antoinette v. Markovics. (Nachdruck verboten.) „Wenn du die Mieze auf vierzehn Tage entbehren kannst“,— schrieb meine Großtante, die pensionierte Ober=Postmeisterin Wilhelmine v. Krücken, an meinen Papa, ihren Aeffen,„so schicke das Kind mit dem Wagen, den ich hier sende. Mit Louis ist seit einer Woche nichts anzufangen, mit Jette dito nicht, und ich selbst kann mich, außer mit„Klacks“, mit niemand vertragen. Wir brauchen etwas Sonnenschein— schicke das Kind!“ Als diese Botschaft von Tante Mina kam, war ich im ganzen Hause nicht zu finden. Ich saß im Garten auf dem schncebedeckten Birnbaum und bemühte mich, „Grete“, mein Lieblingslätzchen, aus einer höchst peinlichen Situation zu befreien. Es war nämlich bei einer Promenade auf ein paar kecke zwitschernde Spatzen gestoßen, in seiner Jagdlust auf den alten Birnbaum geklettert, zwischen zwei sich kreuzende Aeste geraten und hing, als ich zufällig in den Garten kam, an seinem Schwänzchen mit dem Kopfe nach unten.„Gretens“ klägliches Miauen fand ein Echo in meinem Herzen, ich kletterte ihr nach und hatte meinen Liebling eben befreit, als Mama mich holte. „Schnell, Mieze, schnell! Tantens Wagen ist da! Kleide dich um und recht warm! Es sind wohl nur zwei Stündchen bis Libussa, aber bei fünf Grad unter Null, und im offenen Gefährt, draußen fährt der Wind scharf über die Heide— komm nur schnell, Kindchen!“ „Kindchen!"— Wie ungern ich das noch hörte! Dem lieben Leser sei es verraten, ich zählte schon fünfzehn Jahre, hatte die Selekta in der höheren Töchterschule und ein Jahr englisches Pensionat hinter mir, wurde von einem halben Dutzend Realschülern der oberen Klassen angedichtet und schwärmerisch verehrt— natürlich von weitem— hatte von Großmama zwanzig Sorten Dunstobst in Zucker einlegen, von unserer alten Susanne die feinsten Mehlspeisen backen lernen— „Kindchen!“. Selbst einen italienischen Salat hatte ich zum Silvesterabend eigenhändig—„ipsa fecit“, sagte der zu diesem Feste geladene Konrektor Dütenheim— fabriziert und mit Stolz die Komplimente unserer Gäste empfangen. „Kindchen!“. Lag denn die Würde, ein„Fräulein“. genannt zu werden, in den langen Kleidern? Es ist wahr, Mama ließ meine Toiletten ziemlich fußfrei machen— und alle unsere Freunde und Verwandten nannten mich„du" und„Mieze“; schlechtweg„Mieze“. ich konnte es zu keinem„Fräulein Mariette“ bringen, ußer hei dem langen Siebentritt=Karl der mir mit auzer bei dem langen Siebentrit=Karl, der mitr mit seiner Spottlust gründlich verhaßt war. In zwei Minuten war ich vom Birnbaum herunter, und zehn Minuten später saß ich, von Mama sorgfältig eingepackt wie ein kleiner Eskimo, den roten Baschlik über das halbe Gesicht gezogen, auf Tante Minas Wagen. Draußen auf der Heide war's mörderisch kalt. Wie kleine Glassplitter schnitt der feinsickernde Schnee ins Gesicht, und Jochen, der alte Kutscher, griff einmal um das andere in die tiefe Tasche seines Pelzes und zog die geliebte und allzeit getreue Gilkaflasche aus ihrem Versteck. Mir aber war warm und wohlig; denn erstens hatte Papa mich vor der Abfahrt von seinem Magenbittern ein wenig trinken lassen, zum andern schwelgte ich in der Gewißheit, ungezählte Krapfen essen zu dürfen, ohne Mamas ängstliches„aber Kindchen!“ hören zu müssen. Man werfe mir nicht vor, ich sei zu realistisch angelegt gewesen, und ein junges Mädchen, das seinen Liszt und Beethoven vom Blatte spielte, Shakespeare und Corneille in ihren Sprachen zu lesen verstand, hätte schon höhere Ideale als— Krapfen verehren sollen. Ich muß diesen Vorwurf geduldig hinnehmen; denn— für Krapfen ließ ich damals mein Leben! Meine erste Frage an Tantchens Kutscher war daher: „He, Jochen! Hat es diese Woche schon Krapfen gegeben?“ Jochen drehte sich herum und schnalzte im Wohlgefühl des Nachgeschmacks mit der Zunge. „Na ob!“ sagte er schmunzelnd,„erst Sonntag! Die gnädige Frau hat sie selbst gebacken. Das läßt sie der Dörthe nicht. And Punsch hat's gegeben, guten, süßen Punsch.“ In der Freude der Erinnerung trieb er die beiden Braunen mit der Peitsche an, daß der Wagen auf der holperigen festgefrorenen Landstraße hin und her flog. „—— und nächste Woche, da gibt's einen Hausball— ah! da müssen Sie mit, Miezchen! Aber der Ball ist nicht bei uns, sondern im„schwarzen Walfisch“ nebenan, wo die„Heuschrecke“ immer ihre Vereinsabende feiert.“ Mein Herz schlug Generalmarsch vor Jubel. „Ein Ball, Jochen? Ein veritabler Ball, nicht nur ein Kaffeekränzchen, wo ich immer helfen muß, die alten Damen bedienen?“ Jochen gab dem Handpferd einen Streich, daß es tanzte. „Ja, ein ganz wahrhaftiger Ball. Die Musikanten kommen von Lübbenau herüber, und die Frau Landrätin mit Söhnen und Töchtern hat auch zugesagt. Das wird ein Fest werden!“ Ich legte mich in meine Wagenecke und ließ mich hin und her rütteln. Jochen und die Braunen rückten in unendliche Fernen. Vor meinem geistigen Auge erschien Göttin Terpsichore in rosiger, duftiger, blumengeschmückter Gewandung, und nach und nach nahm dies Bild meine eigene Gestalt an. Ich sah mich im Geiste in dem grauen sechsfenstrigen Lehrsaal des englischen Stiftes zu Hannover, ich hörte die Geigentöne des alten Musikus Pipelmeyer und die Kommandos des noch älteren Tanzmeisters Lengdroit: „Eins— zwei— drei! Eins— zwei— drei! Mesdames, mehr Schik, mehr Aplomb!“— Ich sah einige junge Mädchen mit zierlich gesetzten Füßchen— die Hände hielten graziös das Kleid oder Schürzchen— dort die blonde Melanie— drüben die unausstehliche Schwatzliese und neben mir Forstmeister Müllers Hilarie mit den lieben blauen Augen. Ein Ball! Ich war Meister Lengdroits Musterschülerin gewesen, jetzt konnte ich seine Zukunftslehren in die glänzendste Gegenwart verwandeln. Während Jochen bei der zunehmenden Abendkälte sich an seine geliebte Freundin, die Flasche, hielt, träumte ich von meinen Ballerfolgen, und dies dauerte richtig so lange, bis wir in das dürftig beleuchtete Spreewälder Nestchen Libussa einrückten und gleich darauf vor Tantens Haus an der großen Freitreppe des Gartens ankamen. Man hatte mich schon erwartet. Dörthe stand in der Tür und„Klacks", Tante Minas Lieblingskater, neben ihr und machte einen Buckel. Kaum hielt der Wagen, kam auch Onkel Louis. Er wickelte mich aus meinem Pelz, hob mich wie ein Wickelkind herunter und trug mich die Treppe empor, indem es stoßweise unter seinem gewaltigen martialischen Schnurrbart hervorkam: „Armer Wurm! Bist wohl ganz steifgefroren?“ e(Schluß folgt.) Plätze in Betracht: Das städt. Gelände hinter dem Dutzendteich und der Exzerzierplatz in Schweinau. Die Verankerung des Schiffes soll genau nach Frankfurter Muster ausgeführt werden. Da Ende August das Militär im Manöver steht, werden Feuerwehr und Schutzmannschaft für die Absperrung verwendet werden. Mainz als Luftschiffstation. Wie der„Mainzer Anz. meldet, ist Mainz nunmehr als Luftschiffstation bestimmt. Ein Luftschiff, das noch nicht näher bezeichnet wird, wird(voraus sichtlich erst im kommenden Jahre) in der Festung Mainz ständig stationiert sein. Ein Berichterstatter dieses Blattes hatte mit dem Gouverneur von Mainz, Exzellenz v. Goßler, eine Unterredung. Der Gouverneur bemerkte, daß wohl anzunehmen sei, daß Mainz als hervorragender Waffenplatz eine militärische Luftschiffstation würde. Man sei bereits damit beschäftigt, dort eine Wasserstoffgasfabrik zu errichten.— In der Mainzer Luftschifferabteilung befasse man sich augenblicklich mit neuen Versuchen mit Fesselballons und habe dabei interessante neue Resultate erzielt.— Besonderes Interesse bringe man militärischerseits den Flugversuchen mit der Flugmaschine des Herrn Forg entgegen, und es sei möglich, daß der Erfinder schon bei der nächsten Anwesenheit des Kaisers vor diesem einige Probeflüge machen werde. Der Gouverneur dementierte die Gerüchte, daß die in Köln und Metz stationierenden Luftschiffe zur Truppenschau nach Mainz kommen. Ein ungetreuer Hüter. Ein Ingenieur, der als Repräsentant einer großen Firma auf der Frankfurter Ila der Ausstellungsleitung der Firma vorstand, hat sich heimlich Pläne und Modelle von Flugapparaten und Maschinenteilen dieser Firma angeeignet, um sie auszubeuten. Die Staatsanwaltschaft hat bereits die Angelegenheit in die Hand genommen, um der Firma wieder zum Besitz der wertvollen Zeichnungen zu verhelfen. Ein neues Riesenluftschiff. Eine Gruppe interessanter Firmen in Krefeld hat beschlossen, mit dem Bau des auf der Frankfurter„Ila“ im Modell ausgestellten Lenkballons„Zor zu beginnen. Der neue Ballon wird in seiner äußeren Gestalt soweit die Form der Umhüllung in Betracht kommt, dem Zeppelinluftschiff wesentlich gleichen. Die Länge des Luftschiffes beträgt 120 Meter. Die Hülle selbst umfaßt drei Ballons, von denen der mittlere 60, der vordere und hintere je 30 Meter lang sind. Die Ballons sind stumpf zugespitzt, und so miteinander verbunden, daß die kleineren vertikal verstellbar sind. Dadurch soll die Lenkbarkeit wesentlich größer werden. An jedem der drei Ballons befinden sich zu beiden Seiten und hinten und vorn Propeller, so daß jeder Ballon vier Propeller und das gesamte Luftschiff über 12 Propeller verfügt. Jeder Ballon hat eine eigene Gondel, in der sich je ein 70pferdiger Motor befindet, sodaß im ganzen 210 Ps. zur Verfügung stehen. Gesamtauftrieb des Ballons soll 4700 Kilogramm betragen. Wird der Raum, der sich zwischen den Ballons befindet, auch noch mit Gas gefüllt, so beträgt der Auftrieb 1000 Kilogran. mehr. Der Raum faßt außerhalb Ballast und Vorräten 16 Personen. Zur Steuerung dienen Flächensteuer und außerdem Kastensteuer. Durch die Verstellbarkeit des vorderen nd hinteren Teiles des Luftschiffes nimmt dieses ganz eigentümliche Forden e. g Erfolgreicher Probeflug des italienischen Milizurtaftschisfes. Das neue Militärluftschiff„1 B“ machte Dienstag früh mit 4 Offizieren und einem Ingenieur in der Gondel den ersten Probeflug, der zu vollster Zufriedenheit ausfiel. Unfälle auf dem Fliegerfelde von Reims. Die Aviatiker, die an dem Wettfliegen der großen aeronautischen Woche der Champagne teilnehmen wollen, trainieren bereits eifrig. Am Dienstagsind dabei mehrere Unfälle vorgekommen. Farman verbrannte sich bei einem Bruch des Wasserrohres das Gesicht und wird möglicherweise seine Zusage der Beteiligung an dem Wettfliegen von Reims nicht halten können. Esnault=Pelterie wird bestimmt Reugeld bezahlen, da er einen doppelten Handknochenbruch erlitten hat. Cutitz unternahm 2 Flüge von je 2 Minuten. Beim dritten Aufflug stürzte sein Aeroplan infolge einer Motorpanne schwer zur Erde nieder und wurde teilweise zerbrochen. Auf dem Flugfelde herrschte gestern ein starker Sturm, der an den Hallen für die Apparate Verwüstungen anrichtete. Luftschiffahrt. Am 1. Oktober wird in Metz eine Luftschifferkompagnie stationiert werden. Wie das Elsässer„Journal“ erfährt, soll auch in Diedenhofen ein lenkbarer Ballon stationiertwerden. Die Entwürfe und Pläne seien bereits fertig. Es würden dann in einem halben Jahre voraussichtlich 3 Ballonhallen an der Westgrenze des Reiches vorhanden sein. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 19. August. **(Gravelotte!) Alljährlich, am Jahrestage der glorreichen Schlacht von Gravelotte veranstaltet der hiesige KampfgenossenVerein eine einfache würdige Gedächtnisfeier am Kriegerdenkmal, jener Stätte, die dem Andenken der braven Männer gewidmet ist, die in dem großen Ringen um Deutschlands Einigung auf dem Felde der Ehre geblieben. Auch gestern abend hatte sich eine kleine Schar der alten ergrauten Kämpfer im Pferdekämper'schen Lokale versammelt und marschierte gegen 7 Uhr im geschlossenen Zuge zum Kriegerdenkmal. Am Fuße desselben wurde ein prächtiger Kranz mit Widmung niedergelegt, Herr Pferdekämper wies in kurzen Worten auf die große Bedeutung des Tages hin und gedachte der gefallenen Kameraden, dann entblößten sich die Häupter der alten Krieger und des Publikums zum stillen Gebet, und die in ihrer schmucklosen Einfachheit doppelt erhebende Fnier war beendet. Im lotal blieben die Veteranen dann noch längere Zeit gemütlich zusammen, beim Glase Bier allerhand Kriegs=Erinnerungen austauschend und sich im Geiste nochmals in die große Zeit vor nunmehr 39 Jahren zurückversetzend.— Wehmut beschleicht einem doch, wenn man sieht, wie das Häuflein der Alten immer kleiner wird, wie einer nach dem andern dem unerbittlichen Schnitter Tod seinen Tribut zollen muß; auch bei der gestrigen Feier fehlte mancher, der im vorigen Jahre vor dem Kriegerdenkmal noch in Reihe und Glied gestanden hat. Doch mag auch der letzte der alten Kämpfer dahinsinken ins dunkle Grab, immer wird das Andenken an sie und jene große Zeit von Deutschlands Einigung fortleben in der jüngeren Generation. **(Der Tintenstift) schafft sich immer mehr Bahn. Seit einigen Jahren ist er auch bei der Post zur Vollziehung von Unterschriften zugelassen. Später hat dann auch der Justizminister den Gerichtsvollziehern erlaubt, den Tintenstift bei der Anfertigung ihrer Urkunden außerhalb ihres Bureaus zu verwenden. Jetzt ist auch der Finanzminister nachgefolgt. Er hat durch eine besondere Verfügung ausdrücklich genehmigt, daß bei der Abgabe von Prüfungsvermerken in zoll= und steuerpflichtigen Gewerbsanstalten im Falle des Bedürfnisses Tintenstifte benutzt werden. e 0 **(Aus den evangelischen Arbeiterdereinen.) Die vom rheinisch=westfälischen Verbande evangelischer Arbeitervereine eingerichtete Familiensterbekasse wird demnächst ihre Laligten aufnehmen. Den alten Vereinen wird aus Zweckmäßigkeitsgründen der 1. Inuar 1910 als Termin für den Anschluß empfohlen. Die Zahlstellen werden ersucht, einen dahingehendn Beschluß zu fassen und dem Kassierer anzumelden. Ferner macht der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß die angeschlossenen Vereine nachfolgende Bestimmungen in ihre Statuten aufzunehmen haben:„1. Gewerkschaftlich oder politisch sozialdemokratisch organisierte Personen können die Mitgliedschaft eines evangelischen Arbeitervereins nicht erwerben. 2. Mitglieder, welche gegen die Interessen des Vereins oder Verbandes verstoßen, werden durch Mehrheitsbeschluß der Generalversammlung aus dem Verein ausgeschlossen, desgleichen Mitglieder, welche sich sozialdemokratisch betätigen oder einem sozialdomokratischen Verein angebören.“.. g. Lem uensante **(Konzert der„Ruhrtaler. Mit dem geptanken Gartenkonzert und der italienischen Nacht wurde es also gestern wieder nichts. Es ist ganz eigentümlich, daß der„Ruhrtaler Sänger=Vereins“, der sich der Gunst des hiesigen musikliebenden Publikums in so reichem Maße zu erfreuen hat, bei St. Peter so schlecht angeschrieben ist; ist es doch bereits das dritte Gartenfest, welches der fröhlichen Sängerschar vollständig verregnet. Trotz des schlechten Wetters hatte sich das gestrige Konzert, welches in dem kleinen Saale des Hotel„Zur Post“ abgehalten wurde, eines sehr guten Besuches zu erfreuen und mit Befriedigung werden alle Gäste auf den schönen Verlauf des Abends zurückblicken. Sowohl die köstlichen Liederspenden des Vereins, von denen uns besonders„Ich fahr dahin“(Bungardt) und „Gretula“(Schwalm) am besten gefallen haben, wie auch d'e Bariton=Soli des Herrn Schäfer und die Geigen=Soli des Herrn Kapellmeisters Betzel(Loreley=Paraphrase und Träumerei) lösten rauschenden Beifall aus, wenn auch gerade die letzteren Sachen sehr unter der Altersschwäche des vorhandenen Pianinos zu leiden hatten. Hoffentlich wird das nächste Konzert, welches Herr Musikdirektor Haselhoff mit seiner Sängerschar veranstaltet, nicht alzu lange auf sich warten lassen. **(Diebstahl.) Die Diebstähle nehmen hier bald überhand. Vorgestern wurde auch der Fabrikant Meyknecht an der Dammstraße heimgesucht und die Vorräte seines Kellers einer gründlichen Revision unterzogen und vieles mitgenommen. Auch hier fehlt noch jede Spur von dem Täter. Es ist bereits das dritte Mal, daß bei Herrn Meyknecht ein Diebstahl verübt wurde. **(Von der Bautätigkeit.) Im Jahre 1908 wurden im hiesigen Stadtbezirk 12 Neubauten im Werte von 385 000 Mark errichtet; außerdem 10 Anbauten(65000 Mark) und 50 sonstige Bauten(250000 Mark). Am Schlusse des Berichtsjahres waren noch drei Gebäude in Arbeit. Der durchschnittliche Tagelohn belief sich für einen Bauhandwerker auf 5,10 M, für einen Handlanger auf 4,10 M. ** Westhofen, 18. Aug.(Verkehr bei der Postanstalt.) Im Jahre 1908 wurden an Empfänger im Bestellbezirk 169000 Briefe, Postkarten Drucksachen usw. bestellt, 8565 Pakete ohne und 607 Pakete mit Wertangabe sind hier angekommen, außerdem 394 Wertbriefe. Aufgegeben sind 161 900 Briefe, Postkarten usw., 5885 Pakete ohne und 119 mit Wertangabe und 511 Briefe mit Wertangabe. Postnachnahmen gingen 3406 Stück ein, Postauftragsbriefe 420. Auf Postanweisungen wurden im Berichtsjahr 560 747 M eingezahlt, während 386 448 M zur Auszahlung kamen. 928 Telegramme wurden aufgegeben und 846 sind eingegangen. An Porto und Telegrammgebühren wurden 16 645 M, und an Wechselstempelmarken 123.en nommen. po zurückkehrender überfüllter Straßenbahnwagen in Brand. Unter den Fahrgästen brach eine Panik aus. Viele flüchteten zu den Ausgängen und sprangen ab. Zwei Frauen stürzten u. blieben tot. Elf Personen wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht; eine von ihnen ist bald nach ihrer Einlieferung gestorben. Auf einem Brett über den Kanal. Der Versuch Westlakes, den Kanal auf einer Planke zu durchkreuzen, von dem wir neulich berichteten, ist wieder ergebnislos verlaufen. Nach einem guten Anfang war er später nicht imstande, gegen die starke Strömung anzukämpfen. Zuletzt wurde Westlake in der Näh der englischen Küste bei Walmer, in der Nähe von Dover, an Land getrieben. Aufsehen erregende Verhaftungen. Der Direktor der Berlinischen Treuhandgesellschaft Romulus Echtermeyer und der Di rektor der G. m. b. H. Grunsfeld und Co. Otto Grunsfeld sind wegen Urkundenfälschung und Betruges auf Veranlassung der königlichen Staatsanwaltschaft verhaftet und in das Untersu chungsgefängnis nach Moabit gebracht worden. Ohne Erfüllung gesetzlicher Formalitäten gaben sie 1,5 Millionen Mark Kuxen aus für ein Zechenunternehmen, welches garnicht exitierte. In ihrer Wohnung beraubt. In Fermersieben drang ein Unbekannter in die Wohnung eines Weichenstellers ein und forderte die Ehefrau auf, den Militärpaß des abwesenden Ehemanns herauszugeben, da die Behörde ihn brauche. Die Frau schickte sich an, den Paß aus einem Kasten herauszunehmen, als ihr der Unbekannte plötzlich eine mit Chloroform getränkte Maske vors Gesicht hielt und unter Todesdrohungen Geld forderte. Er ist mit 45 Mark entkommen. * Linden a. d. Ruhr, 18. Aug.(Todessturz) Die 9jährige Hedwig Oelmann aus der Weberstraße stürzte in dem Hause ihres Onkels an der Königstraße drei Treppen hoch in den asphaltierten Ilur hinab und zog sich dadurch einen Schädelbruch zu, an dessen Folgen sie nach einigen Stunden verschieden ist, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Bunte Chronik. Orientalische Kunstausstellung. München veranstaltet 1910, jedenfalls unter dem Protektorat des Prinzen Ruprecht, auf dem städtischen Ausstellungsareal eine Ausstellung großen Stiles, deren Mittelpunkt Meisterwerke orientalischer Kunst bilden sollen. Das Musikprogramm dieser Ausstellung soll einen Umschwung iin den öffentlichen Konzert= und Musikbetrieben erzielen helfen. Todesfall. Der Professor der medizinischen Fakultät, der zeitige Rektor der Universität München, Geheimrat Dr. von Bolling, ist gestern abend gestorben. Prof. v. Bolling gehörte zu den angesehensten Medizinern Süddeutschlands. Unglück auf der Berliner Stadtbahn. Montag abend 10 Uhr 2 Minuten fiel bei der Einfahrt des Südring=Zuges Nr. 2161 in Bahnhof Friedrichstraße ein Fahrgast, Frau Herzing, von dem Bahnsteig auf das Gleis und wurde von der Zugmaschine und drei Wagen an beiden Beinen überfahren. Aerztliche Hilfe war sofort zur Stelle. Die Verunglückte wurde alsbald in die Kgl. Klinik in der Ziegelstraße eingeliefert. Die Schuld an dem Unfall ist noch nicht aufgeklärt. Qualvoller Selbstmord. Die Ehefrau des Portiers Latt in Rixdorf beging Sonntag in Abwesenheit ihres Mannes Selbstmord, indem sie sich auf dem Korridor ihrer Wohnung mit Brennspiritus übergoß und sich dann anzündete. Die herbeigerufene Feuerwehr fand die Frau bereits verbrannt vor. Schiffsbrand in Liverpool. Montag abend brach auf dem in Liverpool in Dock liegenden Cunard=Dampfer„Lucania“ Feuer aus. Die Kajüten brannten aus. Als das Feuer auch zum Steuerraum übergriff, mußte das Schiff angebohrt werden, um vor Vernichtung bewahrt zu bleiben. Straßenpanik. Nach Beendigung eines Wasserfestes in Neapel, an dem eine große Menschenmenge teilgenommen hatte. geriet in der Nacht zu Montag ein über den Monte PosiliLetzte Drahtmeldungen. Aus Regierungskreisen. Berlin, 19. Aug. Wie verlautet ist dem deutschen Ministerresidenten in La Paz(Bolivien) v. Haxthausen der persönliche Titel und Rang eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers verliehen worden. Herr v. Haxthausen ist nach einem mehrmonatlichen Urlaub in Deutschland jetzt auf seinen Posten nach Bolivien zurückgekehrt. Der Regierungspräsident Schreiber ist zum Unterstaatssekretär im Handelsministerium ernannt worden. Verhandlungen zum Abschluß eines deutsch=amerikanischen Handelsvertrages. Berlin, 19. Aug. Die Verhandlungen wegen des Abschlusses eines deutsch=amerikanischen Handelsvertrages werden zunächst in Washington geführt werden. Sie werden sofort nach der Rückkehr des deutschen Botschafters Grafen Bernstorff von seiner gegenwärtigen Urlaubsreise eröffnet werden. Man ist sich an unseren maßgebenden Stellen der großen Schwierigkeiten bewußt, die einem solchen, für uns einigermaßen günstigen Abkommen entgegenstehen. Man ist aber auch entschlossen, alles aufzubieten, um zu diesem Ziele zu gelangen. Denn für Deutschlands Industrie und Handel ist, trotz aller Hemmungen und Schranken des neuen amerikanischen Zolltarifs der dortige Markt noch immer von außerordentlicher Bedeutung. Der Papst, die Zentrumspartei und die katholische Geistlichkeit. Mailand, 19. Aug. Wie der vatikanische Korrespondent der„Perseveranza“ wissen will, ist die Mission des Kardinals Vanutelli anläßlich des eucharistischen Kongresses von Köln, zwischen dem Zentrum und den intransigenten Mitgliedern der hohen katholischen Geistlichkeit Deutschlands zu vermitteln, nicht gelungen. Einige einflußreiche Bischöfe hätten erklärt, sie wollten trotz der Mahnung des heiligen Vaters, die Bewegung gegen das Zentrum begünstigen. Ein amerikanisches Eisenbahnprojekt in Kleinasien. Köln, 19. Aug. Die„Köln. Ztg. meldet aus Konstantinopel: Ein amerikanisches Syndikat unterbreitete dem Großvesir ein Konzessionsgesuch für eine Eisenbahnlinie von 2000„ Kilometern Länge von Sivas zum See von Wan. Großes Schadenfeuer. Klagenfurt, 19. Aug. In der Ortschaft Mora entstand durch Knaben, welche heimlich rauchten, ein großes Schadenfeuer. 38 große Bauerngüter sind niedergebrannt. Ein altes Ehepaar fand in den Flammen den Tod. Demission des chilenischen Ministeriums. Santiago de Chile, 19. Aug. Das Ministerium hat seine Entlassung gegeben. Unglück Leco, 19. August. In dem benachbarten Olginate entstand durch Kurzschluß in mehreren Häusern mit elektrischer Beleuchtung Feuer. 10 Personen fanden dabei den Tod, 20 erlitten schwere Brandwund u. Eine russische Gesandtschaft in Marokko. Petersburg, 19. Aug. Der Ministerrat beschloß in seiner letzten Sitzung, der Duma einen Gesetzentwurf zu unterbreiten, der die Umwandlung des russischen Generalkonsulats in Marokko in eine Gesandtschaft fordert. Gefangennahme des Roghi. London, 19. August. Die letzten Nachrichten aus Marokko bestätigen, daß Buhamara gefangen genommen und nach Fes gebracht wurde. In der Hauptstadt herrscht ungeheurer Jubel über den Erfolg der Truppen Muley Hasids. Wolffs Bureau bestätigt ebenfalls die Nachricht. Wochenmarktspreise. Schwerte den 18. August 1909. Kartoffeln 100 Pfd. 4 M. und 3.50 M.—— Butter 1 Pfd. 1.30 und 1,20 M.— Eier 13 Stück 1 M.— Rindfleisch 1 Pfund 70 und 60 Pfg.— Schweinefleisch 1 90 Pfg.— Kalbfleisch 1 Pfund 80 und 70 Pfg.— Hammelfleisch 1 Pfd. 70 Pfd.— Geräuch. Speck 1 Pfund 90 und 99 P1s. Wetterbericht der Deutschen Geewarte. 19. August: Wolkig, Regenfälle, ziemlich kühl. 20.: Veränderlich, Sonnenschein und Regen, kühler. 21.: Abwechselnd, windig, bühl. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. 948 Visitenkarten, Verlobungskarten u.-Briefe, Hochzeitseinladungen, Hochzeitszeitungen in bester Ausführung, Menukarten, Geburtsanzeigen, Trauerbriefe, Trauerkarten usw. werden gut und :::: schnell geliefert.:::: Grosse Musterauswahl Sorgfältige Ausführung Carl Braus, Schwerte Buchdruckerei— Zeitungsverlag Fernruf Nr. 62= Gr. 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Einsprüche sind binnen einer weiteren Frist von 14 Tagen bei mir anzubringen. Wandhofen, 17. Aug. 1909. Der Jagdvorsteher: 4362 Klempt. Bekanntmachung Die Jagdpachtgelder=Verteilungsliste der Gemeinde Geisecke liegt vom 19. d. Mts. ab 14 Tage lang in meiner Wohnung offen. 4361 Einsprüche sind binnen einer weiteren Frist von 14 Tagen bei mir anzubringen. Geisecke, 17. August 1909. Der Jagdvorsteher: Göckel. Die Arbeiten und Lieferungen zur Entwässerung von bahneigenen Gebäuden auf Bhf. Holzwickede(rd. 630 lfdm Tonrohre durchschnittlich 20 cm weit, 250 lfdm Zement=Rohre, durchschnittlich 50 cm weit, und 40 Einsteigeschächte) sollen ungeteilt vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen im diess. Geschäftsgebäude(Zimmer 3) zur Einsichtnahme aus. Angebotshefte können, solange der Vorrat reicht, für 60 Pf. abgegeben oder gegen Einsendung dieses Betrages in bar zugesandt werden. Die Oeffnung der Angebote findet am Monlag dem 30. August d. Is. vorm. 10½ Uhr statt. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Hagen, im August 1909. 4364 Kgl. Eisenb.=Bekr.=Insp. 3. Nuchelgeicher! Dr. Gottbrecht homöopathischer Arzt Dortmund, Baurhausstr. 7 Fahnen Reinecke, Hannover 49. Einige Tage! zu jedem annehmbaren Preis meiner bekannt guten SChune jeder Art. 4355 Wilh. Krieger, meister (Kauft beim Fachmann!) Bahnhofstrasse 18 ist die 4356 I. Etage zum 1. Januar oder auch früher zu vermieten. Aug. Sieberg H. Wiecken empfiehlt 4367 prima Hammelfleisch Wir suchen für unsere ver. heirateten Klempner per 1. Okt. noch einige geeignete Im alten kath. Pastorat habe eine schöne Wohnung Stallung zu evtl. mit mieten. ver4388 Puddings und Cremes, Saucen und Schlagsahne, Cacao und Kuchen, Torten und Backwerk Dr. Oetker’s Vanillin-Zucker. Zum Backen 4359 nur das echte Dr. Oetker’s Backpulver. Landbutter feinste Süßrahm=Margarine per Pfund O0 Pfg. empfiehlt L. Weinberg. in Schwerke. 4248 Langscheder Walzwerk und Verzinkereien Aktien=Gesellschaft, Langschede a. d. Ruhr. 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