mögen des 42 sollen Zeit der Schultesennen am r eeachman 5 Mark tzungswert 5 Mark tzungswert 0 Mark tzungswert 36 Mark 45 Mark Nutzungswert 84 1 145 mund. rieben 1078 90 Schafe. Mark 73—75 69—72 63—68 55—62 64—66 60—63 55—59 48—54 60—67 52—59 47—49 40—46 35—39 75—80 65—74 1se)— eu74 71—73 60—70 7 Schwerter Volksblatt O. General-Anzeiger für den Kreis Hörde O Schwerter Volks-Zeitung Feg, und inkaloolzelchen Verorchungen für dm Brei. Die“ Schwerter Zeitung“ erscheint jäglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: o“illustrierter Familienkreund“ und Unterbaltungs-Blatt.# Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 PI., Anzeigen von auswärts 13 Pl., Reklamezelle 40 Pl. Die Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstützung uinis i. P., Relanezadlt 49P Erstes und ältestes Tagesorgan des Rreises C haupt-Hnnoncenblatt Aile kreis- und lokalponzeilichen Verbfunungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“schwerter Zeitung“ rechtsc c o o o c verbindliche Rraft o o c o o 9 Druck und Uerlag von Garl Braus. Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62 Telegr.=Aäresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 174 Mittwoch den 28. Juli 1909 41. Jahrg. Erstes Blatt Neueste Nachrichten. Der Hansabund und das Ausland. Hamburg, 28. Juli. Der Hansabund wird demnächst eine umfangreiche Auslandsagitation ins Werk setzen, die der Hamburger Zweigverein durchzuführen beauftragt wurde, der mit den im Ausland lebenden Deutschen die meiste Fühlung hat. Das Urteil im Ganter=Prozeß. München, 28. Juli. Im Ganter=Prozeß wurde der Angeklagte Ganter eines Verbrechens der Privaturkundenfälschung, des Betruges und des Vergehens gegen das Postgesetz für schuldig erklärt. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre verurteilt. Davon werden sieben Monate Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Wegen eines Vergehens gegen das Postgesetz lautete das Urteil auf 3134,80 M Geldstrafe oder sechs Wochen Haft. Der Angeklagte Hamburger wurde wegen Beihilfe zur Privaturkundenfälschung zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Antrag des Staatsanwalts auf Erlaß eines Strafbefehls gegen Rechtsanwalt Mauermeier wurde abgelehnt. Eine Arbeiterkundgebung gegen die Rüstungen. London, 28. Juli. Der Arbeiterdeputierte Macdonald nahm eine Einladung der Kieler Gewerkvereine an, im August einer Massenversammlung von Schiffsarbeitern eine Rede zu halten. Die Versammlung soll sich zu einer großen Kundgebung gegen die Rüstungen gestalten. Oesterreichisch=montenegrinischer Grenzzwischenfall. Wien, 28. Juli. Am 19. Juli überschritt eine montenegrinische Patrouille die österreichische Grenze bei Gjurgjevici. Eine österreichische Patrouille gab nach fruchtloser Ermahnung an die Montenegriner Feuer. Die Montenegriner flüchteten und schleppten einen der ihren tödlich verwundet mit sich. (Weitere Meldungen siehe letzte Seite.) Briand und sein Ministerium. Der neue französische Premierminister Briand, früher Kultusminister und zuletzt Minister der Justiz, war bekanntermaßen ebenso, wie seine beiden gegenwärtigen Kollegen Millerand, der 1900 als Minister für Handel und Gewerbe die große Weltausstellung eröffnete, Mitglied der sozialdemokratischen französischen Partei. Und bis heute hat er seinen Austritt aus dieser Gemeinschaft nicht erklärt. Allerdings hat er sich in den Jahren seiner Ministerwürde in seiner praktischen Amtierung auch nicht zum leisesten Versuch hinreißen lassen, sozialistische Ideen in die Wirklichkeit zu übertragen und wird dies auch während seiner nunmehrigen Stellung als leitender Staatsmann der französischen Republik nicht tun. Denn Herr Briand und seine beiden Kollegen Millerand und Viviani haben während ihrer Ministerzeit erkannt, daß es sich unter den heutigen Zuständen ganz gut leben läßt, sie ziehen es vor, praktische Politik auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung zu treiben, und lassen die Theorie des Sozialismus bleiben, was sie ist. Darum haben sich auch die französischen Bürgerkreise nicht so besonders aufgeregt, daß sie einen„ganz roten Minister“. haben, und der neue Chef des Kabinetts hat sich auch bemüht, das letzte, etwa noch vorhandene Sorgen=Fünkchen zu verbrennen, indem er an die Spitze des Kriegs= und Marineministeriums keine radikale Zivilisten, sondern militärische Fachleute berief. An einen Uebergang zur sozialistischen Republick ist also in keiner Weise zu denken. Von dem neuen französischen Ministerpräsidenten hat man schon dasselbe gesagt, wie vom neuen deutschen Reichskanzler, nämlich, er wird nicht lange auf seinem Posten bleiben. Nun, daß muß man an der Spree, wie an der Seine abwarten. Herr Briand hat jedenfalls mit der Zusammensetzung seines Ministeriums, wie mit seinem Programm sein tüchtigstes getan, die französischen Nichtsozialisten nicht kopfscheu zu machen. Daß er auch neue sozialpolitische Pläne, wie eine Alters=Versorgung, im Angriff nehmen will, geht bei der herrschenden Finanznot in Paris nicht so fix. Deutschland ist bamir längst vorungegangen, und wer weiß, ob wir es heute könnten, wenn wir s. 3. nicht den rechten Zeitpunkt gewählt hätten. Aber mit etwas anderem hat Herr Briand zu rechnen, nämlich mit der Feindseligkeit der ehrgeizigen Pariser Politiker, die auch mal gern Minister sein und kommanderen wollen. Dem von der politischen Bühne abgetretene Clemenceau hat nichts so sehr geschadet, als daß er zu lange am Ruder blieb. Und dann sein Kommandieren, mit dem er seine Kollegen völlig nach seiner Pfeife tanzen ließ. Dazu ist ja Herr Briand zu vorsichtig, aber schließlich kann er nun auch nicht Jeden zum Minister machen, der dies gern sein möchte. Einen echt französischen Charakterzug hat der neue Staatsmann in Paris, er meint auch die strengsten Gesetze stehen nur auf dem Papier. Ausgeführt wird nur, was die Majorität der Bevölkerung zufrieden stellt. Das ist selbst unter dem Ministerium Clemenceau oft genug bewiesen; man hütete sich weislich, mit dem Kopfe durch die Wand zu rennen, sondern ging einfach um die Mauer herum, wenn sich eine Oeffnung zeigte. Das beweist Herr Briand heute schon, indem er die wegen ihrer Unbotmäßigkeit entlassenen Postbeamten wieder einstellt. Viele nennen das Schwäche, Monsieur Aristides Briand nennt das Opportunität. Auch der Zar wird sich schon darüber hinweggesetzt haben, bei seiner bevorstehenden Begegnung mit dem Präsidenten Fallieres, einem einst sozialdemokratisch gewesenen leitenden französischen Staatsmann die Hand schütteln zu müssen. Und am Ende gibt es auch schon dafür ein Vorbild; der verstorbene französische Ministerpräsident Floquet ward doch von Petersburg aus acceptiert, obwohl er 1867 bei dem Besuche des Kaisers Alexander II. in Paris auf offener Straße zugerufen hatte: „Vive la Pologne monsieur!“. So schlimm hat es Briand noch nicht einmal gemacht. Politische Uebersicht. Deutschland. General v. Bernhardi. Das Generalkommando des 7 Armeekorps in Münster teilt mit, daß General von Bernhardi ein Feuillelon. Merkspruch. Sage nur nichts halb; Ergänzen, welche Pein! Sage nur nichts grob; das Wahre spricht sich rein. Goethe. Hohenfinow, das neue Reichsdorf. von Paul Wald. Hohenfinow, das Stammgut des neuen Reichskanzlers von Bethmann=Hollweg, das er mit einem Automobil in einer knappen Stunde etwa erreichen kann, mit der Eisenbahn über Eberswalde in einer etwas längeren Frist, liegt nördlich von Berlin im brandenburgischen Kreise Oberbarnow, beim FinowKanal in einem für des Deutschen Reiches„Sandstreu=Büchse recht schmucken, hügeligen Gegend. Das Herrenhaus der Bethmann=Hollwegs ist nun allerdings, wie die meisten märkiseh Landsitze, ein nüchterner, von einem Parke umgebener Bau, gerade so ähnlich, wie das Bismarck'sche Schloß in Schönhausen unweit der Elbe, etwa anderthalb Stunden Eilzugfahrt macht es von Berlin. perr von Bethmann=Hollweg kann, da sein Besitz einen Komplex von nicht viel weniger als 14000 Morgen umfaßt, wieder als ein Kanzler„von Ar und Halm“ gelten, was Graf Caprivi bekanntlich garnicht und Fürst Bülow nur in gewissem Umfange war, denn d. Gut Klein Flottbeck bei Hamburg ist erst vor einigen Jahren von Verwandten auf ihn übergegangen. Herr von Bethmann=Hollweg kann als recht gut situiert gelten, wenn er auch wohl nicht die Millionen sein nennt, die dem Fürsten Bülow aus der reichen Gedsfreyschen Erbschaft aus Hamburg zufielen. Fürst Hohenlohe, der Vorgänger Bülows, hatte in Preuhen Bayern, Oestereich und Rußland umfangreiche Besitzungen, aber keinen eigentlichen ländlichen Wohnsitz. Fürst Hohenlohe liebte das Leben in den Städten. Fürst Bismarck besaß von seinem elterlichen Stammgut in Schöghausen zunächst nur die kleineren Hälfte, während er den größeren Teil als Nationalspende zu seinem 70. Geburtstage zurück erhielt. Sein Lieblingsaufenthalt war das pommersche Varzin, daß er 1866 erwarb und später bekanntlich Friedrichsruhe bei Hamburg, das nach 1870 und 71 in seinen Besitz überging, und wo er auch entschlafen ist. Kein Reichskanzler hatte in dem Maße, wie Bismarck, die entschiedene Vorliebe für das Landleben besessen. Es war ja auch eine andere Zeit! Herr von Bethmann=Hollweg kann von seinem Berlin so nahen Hohenfinow unschwer in heißen Sommertagen die Reichsverwaltung führen, wohnen doch eine ganze Reihe von bekannten Berliner Personen auf bekannten märkischen Edelsitzen, die in ihr Eigentum übergegangen sind. Und auch der Berliner Oberbürgermeister Martin Kirschner hat in dem der Reichshauptstadt gehörigen Schloßburg einen schönen Sommersitz dauernd zur Verfügung gestellt erhalten. Romantische Städte, wie am Rhein, in Thüringen, in Württemberg und und anderen gesegneten deutschen Gauen sind es ja gerade nicht, aber man muß halt zufrieden sein. Jetzt sind ungefähr die Tage, wo die Mütter und Väter Großeltern und Tanten und Onkeln meinen, die Ferien könnten nun bald zu Ende gehen, denn von der Ausgelassenheit, die die Buben und Mädel in der freien Zeit fertig bringen ist nunmehr schon ein gutes Stück geleistet. Und an ihre Erfindungskunst im Austrichteln der unglaublichsten Dinge, die sie nicht sollen, kommt kein so großartiger zeigenössischer Erfinder heran. Gibts etwas Neues anzustiften, dann sind sie alle einig; haben sie es baer heraus, dann schallt der Kampfesruf der glücklichen Besitzer lauter, wie der um die Erbschaftssteuer. Nun erst weiß Mutter oder Tante Bescheid, daß einmal etwas nicht stimmt. Aber lassen wir nur die Rangen, ein Austollen muß sein, und nützlicher wie der väterliche Rohrstock ist das„gegenseitige Durchbimsen“, und die Ferien sind ja bald vorbei. Nur nicht die Tugend in eitel Wohlerzogenheit aufblühen lassen, di: deutsche Reichslust will mal ihr Recht haben. In unsere moderne Zeit ist schon so viel amerikanische Dressur hineingekommen, daß man sich endlich einmal über teutonische Wildheit freut und— bald ist's damit ganz vorbei! Kleines Feuilleton. Aus der Nordmark. In der Nordmark macht das deutsche Schulwesen erfreuliche Fortschritte. An der deutschen VolksHochschule für Mädchen in Tingleff(Kreis Tondern) mußte die Lehrerinnenzahl verdoppelt werden. Diese Schule ist von dem Volkshochschulenverein für das nördl. Schleswig gegründet worden, der auch die Gründung einer Volkshochschule für junge Männer entstehen lassen will. Das Reisekleid des jungen Mädchens. In jeder Familie, in der die jungen Mädchen anfangen, eine Rolle zu spielen, wird man es beobachten können, daß die Mutter vor der Abreise mit der Toilette des Töchterchens weit mehr zu tun hat, als mit der eigenen. Die Sommerreise bedeutet für das junge Mädchen der Gesellschaft in diesem Jahre als Reisekleid bei guzieht nämlich gewöhnlich hinaus mit dem heißen Wunsch im Herzen, auch etwas zu erleben, was den Geist über das Niveau des Alltäglichen erhebt, und dazu gehört ein neues Kleid— mindestens eins. Als letzte Modeneuheit wird von den jungen Mädchen der Gesellschaft in idesem Jahre als Reisekleid bei gutem Wetter nur ein weißes Kleid getragen. Es muß schon in Strömen regnen, wenn man auf die weiße Reisetoilette verzichtet. Der Rock besteht aus einem Leinenrock, die Bluse wird aus dem gleichen Material gearbeitet, aber man kann auch das Batistoberhemd dazu gebrauchen. Als unerläßliche Attribute der Mode gelten der weiße lange Leinenmantel, der im Rücken lose getragen wird, der am Hals und an den Aermeln einen abstechenden Streifen zeigt, und der so viel wie möglich mit Knöpfen besetzt ist, die weiße Mütze und der Schleier. Der Schleier wird natürlich a la Autoschleier grtragen, d. h. er läßt das Gesicht frei schützt aber dafür die Frisur indem er zu beiden Seiten des Gesichts heruntergebunden wird. Weiße Handschuhe oder Handschuhe aus gelbem Waschleder vervollständigen die Toilette, zu der schwarze Lackschuhe oder gelbe Lederschuhe getragen werden. Für den Aufenthalt im Badeort hat sich der gepunkte Wollmousselin die Herrschaft in diesem Jahre erworben. Weiß mit lila Punkten, rost rot mit braunen Punkten, das sind die Farben, die am meisten bevorzugt werden. Junge Mädchen, die der Mode entsprechend gekleidet gehen wollen, dürfen nichts tragen, was mit Seide zusammenhängt. Abschiedsgesuch nicht eingereicht, sondern nur um Urlaub bis zum 31. Augst gebeten habe. Die allerhöchste Stelle soll in keiner Weise auf ihn eingewirkt oder ihn veranlaßt haben, ein Abschiedsgeluch einzureichen.„, zn in.r in Milisch Herr v. Heydebrand und seine Wähler. In ernerin abgehaltenen konservativen Wählerversammlung erstattete der Vertreter dieses Wahlkreises, Dr. v. Heydebrand und der Lase, seinen Rechenschaftsbericht. Von dem Kreisvorsitzenden des Bunbes der Landwirte, Schmidthals(Militsch), sowie von dem konservativen Dr. Dimilis(Posen) wurde der Abgeordnete unter stürmischem Beifall aufs heftigste wegen der Ablehnung der Erbanfallsteuer des Sturzes von Bülow und des Bündnisses mit den Polen angegriffen. Die Versammlung verlief, ohne daß eine Resolution zugunsten des Abgeordneten v. Heydebrand gefaßt wurde. Aus dem Auslande. Das englische Rüstungsfieber. Im Unterhaus teilte gestern der erste Lord der Admiralität Mc. Kenna mit, daß die Regierung beschlossen habe, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um zum März 1912 die Fertigstellung der zweiten 4 Dreadnoughts sicher zu stellen. Bei einer Rede, die Handelsminister Churchill in Norwich hielt, erklärte er, daß die Regierung es tief bedauere dem Land die Kosten für weitere 4 Dreadnoughts auferlegen zu müssen. Es sei dies aber notwendig geworden, durch das Schiffsbauprogramm der größten militärischen Macht der Welt, die während der letzten drei Jahre mehr gebaut habe als England. 961 N 7.5 Das englische Konsulat in Schiras geführder. Aus Teheran meldet die„Times“, daß der dortige britische Gesandte 40 Sepoys und eine Marimkanone von Buschir nach Schiras zum Schutze des dortigen Konsulats abgeordnet hat, weil angeblich eine starke Bande von Kaschgaren im Anmarsche auf Schiras Peoriten vt.„., Bolizeispitel Aiew ianl Azew in München. Der russische Polizeispitzel azen sonl sich, wie aus Wien hierher gemeldet wird, nach München geflüchtet haben. Ein russischer Gendarmerieoberst und der Senator Mekorow, die Azew verfolgen, sind von Wien nach München abgereist. Zum Besuch des Zarenpaares in Kiel. Das Geschwader der Küstenpanzerschiffe, bestehend aus den Schiffen„Aegir“ „Odin“,„Siegfried",„Beowulf“,„Frithjof",„Hagen“, dall" und„Hildebrand“ ist Sonntag mittag, von Danzig kommend im hiesigen Hafen eingetroffen. Die Schiffe werden Ankunft des Zaren erwarten und den Salut der Marine feuern. Inzwischen sind für den Besuch der Zarenfamilie auf dem Gute Hemmelmark bei der Prinzessin Heinrich und dem Großherzog und der Großherzogin von Hessen alle Vorkehrungen getroffen. Auch der Marstall des Prinzen Heinrich ist zum größten Teil nach Hemmelmark übergesiedelt. Ob die Familie des Zaren am Hemmelmarker Steg oder in Borby bei Eckernförde an Land gehen wird, hängt vom Wind und Wetter ab; auch steht die Entscheidung noch aus, ob der Zar vom 27. auf den 28. Jul an Land oder an Bord der Staatsjacht„Standart“ in deren Begleitung sich die Staatsjacht„Polarstern“ befinden wird, übernachten wird. Ob und wo bei der Rückkehr des etwa eine Zusammenkunft mit dem Kaiser stattfindet, ist eine Frage, über die hier bisher Bestimmtes nicht bekannt ist. Zum Zarenbesuch in Frankreich. Die Minister des Aeußeren, der Marine und des Krieges, sowie der Unterstaatssekretär der Marine Cheron werden den Präsidenten Fallieres nach Cherbourg zum Empfang des Zaren begleiten. Empfang bulgarischer Offiziere beim Sultan. Der Sultan hat die aus Anlaß der Verfassungsfeier hier eingetroffenen bulgarischen Offiziere empfangen. Er drückte ihnen, wie„Jeni Gaseta“ meldet, seine Genugtuung über den Besuch aus, der ein Zeichen aufrichtiger Freundschaft zwischen den beiden Staaten sei. und Telephondräte durchschnitten. Bürgergarden machten später den Weg frei, worauf der Zug abgehen konnte. Bald jedoch mußte er umkehren, da auch weiterhin die Schienen aufgerissen waren. Zu derselben Zeit wurde in Barcelona der allgemeine Ausstand begonnen. Barcelona, 27. Juli. Ueber Barcelona, Stadt und Provinz ist der Belagerungszustand verhängt worden, da hier als Kundgebung gegen den Feldzug in Marokko der allgemeine Ausstand erklärt wurde. Madrid, 27. Juli. Nach einer amtlichen Meldung aus Melilla mußte ein Proviantzug der zweiten Station der Grubenbahn eine leichte Beschießung aushalten. Der Tag verlief indessen ruhig. Artillerie beschoß die Schluchten von Gurugu. Amtlich wird bestätigt, daß die Spanier in dem Kampfe am 23. d. M. 300 Tot und Verwundete hatten.— Aus Melilla wird vom 23. d. M. gemeldet: Im Verlaufe des Vormittagskampfes ging der Infanterie und Artillerie die Munition zu wiederholten Malen aus. Aus Alhucemas wird gemeldet: Die Eingeborenen haben, ermutigt durch das Gerücht, das die Spaier Verluste erlitten haben, drei Kanonen im Stich gelassen und die Gewehre und Munition fortgeworfen. 12000 Eingeborene verstärkten die Harka in Melilla. Andere Eingeborene errichteten Verschanzungen auf den umliegenden Höhen. Die Marabuts predigen den heiligen Krieg. San Sebastian, 27. Juli. Der Minister des Aeußeren hat erklärt, Spanien würde seine Maßnahmen bei Melilla zum Schutze des spanischen Gebietes in den durch den Vertrag von Tetuan vorgesehenen Grenzen halten, ohne dem militärischen Vorgehen den Charakter eines Krieges gegen das Sultanat zu geben. Paris, 27. Juli. Aus Madrid wird gemeldet, daß die marokkanische Gesandtschaft von dort abgereist sei, da der Aufenthalt dort ziemlich gefährlich würde. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln habe ide Bevölkerung die Anwesenheit der Marokkaner als eine Herausforderung angesehen. Aus Stadt und Umgebung. Spaniens Marokkofeldzug. London, 27. Juli. Der Korrespondent des„Daily Telegraph“ in Melilla sprach mit einigen Verwundeten, die in die Stadt zurückgebracht wurden. Diese gaben entsetzliche Schilderungen von den Grausamkeiten der Mauren gegen die verwundeten Spanier, die in ihre Hände fallen. Die Mauren mißhandelten die Verwundeten derart, daß sie starben, und dann verstümmelten sie noch die Leichen. Im Kampfe zeigen die Kabylen eine Furcht und Grauen einflößende Todesverachtung. Sie kamen wiederhotl bis dicht an die spanischen Geschütze heran aber die Artilleristen machten sie mit dem Säbel nieder. Von der Wildheit der Mauren gibt auch folgende Episode aus den heißen Kämpfen ein Beispiel. Ein Kabyle, der schon einige bei einer Kanone verwundet am Boden gelegen hatte, s##rang plötzlich auf und faßte einen spanischen Soldaten an der Gurgel. Die beiden rangen miteinander, bis ein Kamerad des Spaniers den Mauren durch einen Säbelhieb tötete. Aber der andere Spanier starb an den Folgen des furchtbaren Druckes, mit dem der Maure seine Kehle umklammert gehalten hatte, nach wenigen Minuten. Die spanische Abteiung Cuenca hatte einen besonders schweren Kampf zu bestehen. Sie mußt einer gewaltigen Uebermacht einige Stunden hindurch standhalten und war zuletzt bis auf 20 Mann zusammengeschmolzen die sch mit dem Banjonett so lange vertelbigggge#. ge Verstärkungen eintrafen und sie befreiten. Der Playe,—o diese mutige Abteilung mit den Mauren kämpfte war buchstäblich mit Blut gedüngt. Ein Artillerist, der dreißig Wunden erlitten hatte, als er, an seinem Geschütz stehend, mit dem Säbel die Angriffe der Mauren abwehrte, wurde wahnsinnig. Als die Ablösungsmannschaften eintrafen, weigerte er sich, die Kanone zu verlassen, indem er sich an sie anklammerte und schrie: „Das Geschütz gehört mir. Wer sich nähert ist ein Kind des Todes!“ General Marina mußte sich, als er durch die Reihen seiner Soldaten anfeuernd und aufmunternd rit wiederholt gegen die Mauren verteidigen, die ihn und seinen Stab anSan Sebastian, 27. Juli. Die Verlustziffern des gestrigen Kampfes sind, wie angedeutet, bedeutender, als amtlich zugegeben wird. Bestimmt verlautet, daß 380 Gemeine verwundet und über 100 getötet worden sind. Die angegebenen Ziffern über die Verluste an Offizieren dürften stimmen. Madrid, 27. Juli. Nach amtlichen Depeschen aus Sabadell (Pr. Barcelona) protestieren die Arbeiter gegen den Marokkofeldzug, erklärten den Ausstand, drangen in den Bahnhof und verhinderten eine Zug an der Die Eisenbahnschwellen wurden aufgerissen u. die TelegraphenSchwerte, 27. Juli. **(Ueber das alte 50=Pfennigstück) sind vom Bundesrat die folgenden Bestimmungen getroffen worden: Die Fünfzigpfennigstücke der älteren Prägung mit der Wertangabe„50 Pfennig“ gelten vom 1. Oktober 1908 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Es ist von diesem Zeitpunkt ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet diese Münzen in Zahlung zu nehmen. Die Fünfzigpfennigstücke der im§ 1 bezeichneten Formen werden bis zum 30. September 1910 bei den Reichs= und Handelskassen zu ihrem gesetzlichen Werte sow hl in Zahlung genommen als auch gegen Reichsmünzen umgetauscht. Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausche(§ 2) findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewicht verringerte sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendung. **(Alleinreisende Frauen und Mädchen.) Ueber die Unterbringung alleinreisender Frauen und Mädchen in den Eisenbahnzügen sind folgende Bestimmungen getroffen, die gerade jetzt zurzeit des stärkeren Reiseverkehrs, des Verkehrs nach den Luftkur= und Badeorten, wo manche Dame gezwungen ist, allein, ohne Begleitung, zu reisen, von besonderem Interesse sind: Alleinreisende Frauen sollen, soweit es angeht und mit ihren Wünschen übereinstimmt, im Frauenabteil, oder in einem Abteil, worin sich schon andere Frauen befinden, untergebracht werden. In sonst noch unbesetzten Abteilen ist die Unterbringung alleinreisender Frauen nur mit deren Zustimmung gestattet. Jungen Mädchen, die ohne Begleitung Erwachsener reisen, sollen, sofern die Frauenabteile besetzt sind und die Einrichtung weiterer Frauenabteile nicht angängig ist, Plätze in Abteilen angewiesen werden, in denen sich schon andere weibliche Reisende befinden. Auch in der vierten Wagenklasse sollen alleinreisende weibliche Personen in die für Frauen bestimmten Abteile gewiesen werden. Entsprechende Abteile vierter Klasse sollen, wenn möglich in allen Zügen, jedenfalls in jedem durchlaufenden oder jedem Zuge, der längere Strecken durchfährt, für Frauen bereit und gegen die Männerabteilung abgeschlossen gehalten werden. Die Schaffner haben streng darauf zu halten, daß die Frauenabteile nur von Frauen benutzt werden. Das Zugpersonal ist verpflichtet, dem Zugführer sofort Meldung zu erstatten, wenn auf der Fahrt durch das Aussteigen der übrigeni Reisenden eine weibliche Person allein in einem Abteil verbleibt, damit sie au fWunsch in einem Abteil untergebracht werden kann, in dem sich schon Frauen befinden. **(Wie sendet man Briefe nach?) Gewöhnliche Briefe und Postkarten kann man mit einem neuen Bestimmungsort versehen und zur Weiterbeförderung in den Briefkasten legen. Solche Sendungen werden als nachzusende Briefe und Postkarten behandelt. Vor der Nachsendung sollen die Postämter sich überzeugen, ob es sich um eine Nachsendung oder um die Weiterbeförderung an einen anderen Empfänger handelt, sowie ob die Sendung seit der ersten Aushändigung eine Veränderung ihres Inhaltes erfahren hat. Drucksachen, Geschäftspapiere und Warenproben darf man aber nicht mit neuer Adresse versehen in den Briefkasten legen. Werden derartige Sendungen nach der Aushändigung mit neuem Bestimmungsort versehen im Briefkasten vorgefunden, so gelten sie als unfrankiert und werden nicht abgeschickt, wenn sie nicht von neuem frankiert sind. **(Zur Kaiserfeier.) Immer mehr Vereine unserer Stadt melden sich zur Beteiligung an der Spalierbildung auf Schwerter Gebiet; gestern hat auch der Bürgerschützenverein seine Beteiligung beschlossen. Bei dieser Gelegenheit sollen auch die alten ehrwürdigen Fahnen des Vereins sowie die historischen Schwerter mitgeführt werden.— Auch wir können unseren Lesern nur dringend raten, sich möglichst entfernt von der Hohensyburg aufzustellen. Dort wird es der beschränkten Raumverhältnisse wegen nnicht besonders angenehm sein, während auf der langen Feststraße Syburg=Schwerte dem Publikum genügend Gelegenheit geboten ist, das Kaiserpaar zu sehen und zu grüßen. **(Die Erhöhung der Bierpreise.) Unter dem Vorsitz des Herrn Seligmann fand gestern abend im Wilkeschen Lokale eine Versammlung der hiesigen Wirte statt, um über die zukünftige Festsetzung der Bierpreise in unserer Stadt endgiltig Beschluß zu fassen. Die Versammlung war nur sehr mäßig besucht; 26 Wirte waren anwesend. Nach Begrüßung der Versammlung und besonders der zu derselben eingeladenen Vertreter der Presse, begründete Herr Seligmann in längeren Ausführungen die unbedingte Notwendigkeit der Preiserhöhung. Die Steuergesetzgebung der letzten Jahre und besonders die durch die Verabschiedung der Finanzreform geschaffene Lage belaste das Brauer= und Wirtegewerbe in einer solchen Weise, daß es diesen unmöglich sei, die neuen Abgaben allein zu tragen. Man müsse daher versuchen, die Steuer zum Teil wenigstens auf die Konsumenten abzuwälzen und hoffe man auf das Verständnis und das Entgegenkommen des Publikums, zudem der 1. Oktober dem Gewerbe noch neue drückende Lasten aufbürde(Erhöhung der Stempelsteuern, Branntweinsteuer, Automatensteuer usw.). Während nun die Berliner Versammlung der vereinigten Brauereien Norddeutschlands bekanntlich eine Erhöhung des Bierpreises um 5 M pro Hektoliter ab 1. August beschlossen hatte, will der rheinisch=westfälische Verband, zu dem auch alle Brauereien der hiesigen Gegend gehören, sich mit einer Erhöhung von 4 M ab 15. August begnügen, jedoch unter der Bedingung, daß die Wirte solche Verkaufspreise setzen, daß ein um 7,50 bis 10 M höherer Ertrag als bisher pro Hektoliter erzielt wird. Wer dieser Bedingng nicht nachkommt, erhält kein Bier, und hohe Konventionalstrafen seitens der Brauereiverbände sorgen für strikte Innehaltung der Verträge. Nach einer kurzen Aussprache, in der von einer Seite der Befürchtung Ausdruck gegeben wurde, daß es wohl kaum möglich sein werde, alle Wirte in Schwerte und Uugegend unter einen Hut zu bekommen, wurde von der Versammlung schließlich folgende Resolution mit großer Mehrheit angenommen: Die heute im Restaurant C. Wilkes tagende Versammlung der Gast= und Schenkwirte der Stadt Schwerte hat in anbetracht der dem Brauerei= und Gastwirte=Gewerbe von neuem auferlegten großen Lasten sich veranlaßt gesehen, die Ausschankpreise für Bier vom 15. August 1909 ab in folgender Weise erhöhen zu müssen: 2 Zehntel Liter 10 Pf., drei Zehntel in Hotels usw. oder vier Zehntel in Arbeiterwirtschaften 15 Pf., vier Zehntel in Hotels usw. oder ein halbes Liter in Arbeiterwirtschaften 20 Pf.; am Schalter(d. h. beim Verkauf über die Straße) soll das Ltr. mit 30§ verkauft werden.“— So wäre also auch für Schwerte die Entscheidung gefallen; der Grundpreis für Bier ist wenig geändert, denn schon jetzt gab es in einer ganzen Reihe von Lokalen Zwei=Zehntel=Liter=Gläser. das biertrinkende Publikum wirdsich aber trotzdem recht bald mit der veränderten Sachlage abzufinden haben. **(Harkortbergfest.) Das 29. rheinisch=westfälische VolksWetturnen findet am Sonntag, 1. August d. J., am Harkortdenkmal auf dem„Alten Stamm“ bei Wetter=Ruhr statt. Samstag, 21. Juli, abends 8½ Uhr, ist Vorfeier im Lokale des Herrn Karl Düllmann in Wetter. Sonntag, 1. August, vormittags 9 Uhr findet die Kampfgerichtssitzung im Wirtschaftsgebäude auf dem Berge statt. Um 10½ Uhr: Beginn des Wetturnens bestehend in Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Schnellhangeln und Laufen über 100 Meter. Nach Beendigung des Fünfkampfes Turnspiele und Eilbotenwettlauf. Zum Schluß Ringkampf und hierauf Verteilung der Kränze und Ehren=Urkunden an die Sieger. Von jedem am Wetturnen teilnehmenden Turner wird ein Festbeitrag von 50 Pfg. erhoben; im übrigen ist jedem freier Zutritt gestattet. **(Kirchliche Konferenz.) Die diesjährige Tagung der Kirchlichen Konferenz findet in der zweiten Hälfte des September in Schwerte statt. **(Der Ausschuß des Westfälischen Sängerverbandes), dem bekanntlich aus unserer Stadt die Vereine Quartet, Ruhrtaler und Männergesangverein angehören, hat vorgestern in Dortmund eine Sitzung abgehalten, die sich hauptsächlich mit der Beteiligung an der Kaiserfeier auf Hohensyburg beschäftigte. Ferner wurde über die Abhaltung des ersten Bundestages, der am 3. Oktober in Dortmund stattfinden soll, beraten. Das nächste Bundesfest soll am Fredenbaum zu Dortmund voraussichtlich im Jahre 1910 stattfinden. **(Am„Freischütz“, finden morgen(Donnerstag) nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr Militär=Konzerte statt. Die Musik wird von der Kapelle des Infanterie=Regimens Nr. 144 ausgeführt und ist zu beiden Konzerten ein sehr reichhaltiges und gewähltes Programm aufgestellt. Hoffentlich ist auch der Wettergott gut gelaunt, damit die Konzerte im Freien abgehalten werden können.— **(Ausdehnung des städtischen Nohrnetzes.) Nachdem sich die Anwohner der Bergischen Straße fast durchweg für Abnahme von Leitungswasser erklärt haben, wird augenblicklich in geannter Straße seitens des städtischen Wasserwerkes die Wasserleitung bis zur Besitzung des Herrn Goos gelegt. **(Verband evang. Arbeitervereine.) Einer vom GesamtVerbande evangelischer Arbeitervereine veröffentlichten Uebersicht ist zu entnehmen, daß dem Verbande zurzeit 627 ArbeiterVereine und 5 Arbeiterinnenvereine mit insgesamt 101 028 Mitgliedern angehören. Auf den rheinisch=westfälischen Verband entfallen davon 189 Vereine mit 38 600 Mitgliedern. Der rheinisch=westfälische Verband ist der stärkste; ihm folgt der sächsische Verband mit 17 445 Mitgliedern. **(Der Männergesangverein„Liedertafel“ Schwerterheide) hielt am vergangenen Sonntag eine gut besuchte Generalversammlung ab, in welcher zunächst verschiedene interne Vereinsangelegenheiten Erledigung fanden. Sodann wurde beschlossen, an der Spalierbildung anläßlich der Kaiserfeier am 10. August teilzunehmen. Ferner wurde d. Beschluß gefaßt, am 19. September d. J. im Lokale des Herrn Wilh. Kordeck wiederum ein Herbstkränzchen in althergebrachter Weise durch Konzert, theatralische Aufführungen, Verlosung und Tanz zu feiern. Die Vorbreitungen hierzu sind bereits getroffen u. dürfte sich dieses Kränzchen den früheren Veranstaltungen der Liedertafel würdig anschließen. **(Der Theater=Klub„Minerva“) veranstaltet am Sonnabend im Kilwing'schen Saale eine Theateraufführung. Es sollen ein Trauerspiel und zwei Schauspiele über die Bretter gehen. Näheres wird noch durch Inserat in der Freitag=Nummer mitgeteilt. **(Truppen=Transporte.) Zwei Militär=Sonderzüge, welche das Infanterie=Regiment Nr. 16 aus der Senne wieder nach Mülheim zurückbeförderten, passierten heute mittag die hiesige Eisenbahnstation. Der erste der Züge, der 12,40 Uhr hier eintraf, hatte längeren Aufenthalt, und nahmen die Offiziere hier das Mittagsmahl ein, während auch den Truppen Gelegenheit geboten war, sich zu erquicken. **(Mit dem Rade stürzte) gestern Abend kurz nach 7 Uhr der von seiner Arbeitsstätte heimkehrende 16jährige Lehrling Schreier von der Hüsingheide auf der Hörderstraße oberhalb des Nr. 174 *S misimm Mittwoch den 28. Juli 1909 41. Jahrg. 9.8 Zweites Wlart. Heimat und Fremde. So wenig Deutschland jetzt und in Zukunft den Wagemut des deutschen Kaufmannes, des deutschen Ingenieurs und anderer deutschen Kulturpioniere entbehren kann, die in fernen Ländern oft unter den ungünstigsten und schwierigsten Bedingungen sich um den Absatz der deutschen Waren bemühen, auf den wir infolge unserer wachsenden Bevölkerung angewiesen sind, so sehr muß immer wieder vor einer leichtsinnigen Auswanderung auf gut Glück gewarnt werden. In der Regel sind es gar keine zwingenden Gründe, die den jungen Mann in die Ferne, und zwar gewöhnlich nach Amerika, treiben, sondern nur eine blinde Abenteuersucht und eine urteilslose Unzufriedenheit mit den heimischen Verhältnissen, die ihn anderswo goldene Berge erhoffen lassen. Und doch werden derartige Hoffnungen nur in den seltensten Fällen erfüllt und selbst dann nur unter einem Aufwande von Anstrengung und Fleiß, bei dem der Betreffende auch in der Heimat sein Glück gemacht hätte, und ein nützliches Glied seines Volkes geworden und geblieben wäre, während er in der Fremde, besonders in Amerika, zu leicht nur seinem Volkstum entfremdet wird und in dem allgemeinen Völkerwirrwarr untergeht. Wie gegenwärtig die Verhältnisse in Amerika liegen, haben dort weder Kaufleute noch Angehörige der gebildeten Stände und der akademischen Berufe oder auch Tagelöhner u. ungelernte Arbeiter und landwirtschaftl. Arbeiter wenig Aussicht auf ein Fortkommen. Nur Handwerker u. landw. Arbeiter sind dort gesucht, wobei jedoch zu bemerken ist, daß gute landwirtschaftliche Arbeiter es wahrlich nicht nötig haben, nach Amerika auszuwandern, sondern bessere und lohnendere Beschäftigung in der Heimat finden. Außerdem fallen sie drüben nur zu leicht gewissenlosen Unternehmen in die Hände, die ihre mangelnde Kenntnis der Sprache und die ganzen Verhältnisse ir sich ausnutzen. Viele, die in Deutschland ohne Not eine gute Arbeitsstelle aufgegeben haben, müssen sich glücklich schätzen, wenn sie in Amerika für eine zwölf= und mehrstündige Arbeit in dem Verhältnis zu den Lebensmittelpreisen einen wahren Hungerlohn beziehen. In vielen Fällen gelingt es dem Neuling überhaupt nicht, eine Arbeit finden, so daß ihm nur zwei Möglichkeiten bleiben, zu betteln oder ein Verbrecher zu werden. Leider sind gerade Deutsche unter diesen beiden Gruppen vertreten, ganz besonders zahlreich noch unter einer dritten Gruppe: den Selbstmördern, die aus Verzweiflung und um nicht zum Verbrecher oder Bettler werden wollen, selbst Hand an sich legen. Nur die wenigsten Naturen sind fähig, nach einem jahrelangen Leben voller Entbehrungen, und Hoffnungen sich später, wenn sie die Verhältnisse kennen gelernt haben, zu einer höheren Stufe emvorzuschwingen. Gewöhnlich hat der Kampf um das allernotwendigste vorzeitig ihre Spannkraft gebrochen und sie unfähig zu jedem Vorwärtsstreben gemacht, so daß sie auf der untersten Stufe der Arbeiter bis in ihr freudloses Ende bleiben. Ein junger Mann, der wirklich etwas leisten und vorwärts kommen will, hat es unter den heutigen Verhältnissen wahrlich nicht nötig, sein Glück jenseits des Wassers zu suchen, denn dank unserer Wirtschaftspolitik und unserer politischen Lage braucht Deutschland bei seinem gegenwärtigen wirtschaflichen Aufschwunge mehr Arbeiter fast auf allen Gebieten, als es trotz seiner stetig wachsenden Bevölkerung aufbringen kann. Es kann daher nicht genug davor gewarnt werden, daß junge leichtsinnig die Heimat aufgeben und einer ungewissen Zuranft entgegengehen, die ihnen in den meisten Fällen nur Not und Elend beschert. Westfalen und Rheinland. * Wellinghofen, 26. Juli.(Von einem Straßenbahnunfall) wurde gestern nachmittag die 95 Jahre alte Witwe Stratmann von hier betroffen. Die noch recht rüstige alte Frau hat noch für alle Begebenheiten recht lebhaftes Interesse und hatte dieses auch gestern anläßlich des Turnfestes bekundet. Als sie sich hinaus begab, um sich den Umzug der Vereine anzusehen, mußte sie das Straßenbahngeleise überschreiten. Hierbei stolperte die alte Frau und fiel auf die Schienen. Im selben Augenblick näherte sich ein Straßenbahnwagen. Obschon der Führer in mäßigem Tempo fuhr, vermochte er nicht mehr den Wagen zum Stehen zu bringen. Derselbe erfaßte die Frau Stratmann und brachte ihr schwere Verletzungen bei. Mittels Krankenwagen wurde die Verletzte dem Krankenhause in Hörde zugeführt, woselbst ein Arm= und ein Beinbruch festgestellt wurde. * Hamm, 26. Juli.(Unglück.) Eine auf dem Lande oft zu beobachtende Kinderunsitte hat im benachbarten Bockum wieder ein junges Menschenleben gefordert. Der Fuhrwerksbesißer Dabrock aus Hövel fuhr mit zwei aneindergehängten Wagen durch die Kolonie der Zeche Radbod, als aus der Schule kommende Kinder an die Wagen hängten. Dabei geriet der neunjährige Sohn der Bergmannswitwe Martinick unter die Räder des zweiten Wagens und wurde so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf starb. * Lünern, 26. Juli.(Tod auf den Schienen.) Heute morgen ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof ein schwerer Unglücksfall, indem der Obermeier der Rahmstation Lünern von der Maschine eines aus Unna kommenden Eilzuges erfaßt und sofort getötet wurde. Die Leiche wurde in die Leichenhalle des alten Friedhofes in Unna geschafft. * Wanne, 26. Ili.(Mit 3000 A verschwunden.) Gestern vormittag gegen 10,30 Uhr wurde der Bürolehrling Fritz Nünke, geboren am 26. Februar 1893 in Herne, von seinem Chef Kaufmann Falk, Inhaber der Firma Sommer u. Co. zu dem Bankgeschäft Rose u. Co. gesandt, um dortselbst einen Betrag von 3000 M, bestehend in 1500 M Gold, 900 M Silber und 600 in Papiergeld, abzuliefern. Der Nünke hat das Geld an der Bank nicht abgeliefert und ist anscheinend mit demselben flüchtig geworden. Die bisher nach ihm angestellten Ermittelungen sind resultatlos verlaufen. N. ist ca. 1,55 Meter groß, hat dunkelblondes nach oben gekämmtes Kopfhaar, trägt grau=schwarz gestreifte Hose und eine dunkelbraune Joppe, weiße Wäsche, Stehkragen sowie eine blaue Sportmütze. Er hat eine Taschenuhr bei sich, die sich in einer großen Kapsel befindet. * Herford, 26. Juli.(In den hiesigen Ziggarrenfabriken) wird mit Hochdruck gearbeitet, da mit Rücksicht auf das am 15. August in Kraft tretende Tabaksteuergesetz die Zigarrenhandlungen große Bestellungen machen, um sich für möglichst lange Zeit Vorräte zu verschaffen. Die Fabriken müssen jetzt mit Ueberstunden arbeiten, die Folge wird eine stillere Uebergangszeit sein, die hoffentlich nicht zu Arbeiterentlassungen führt. * Trier, 26. Juli.(Vollständig zermalmt.) In dem Eifeldorf Sinspelt gediet der Straßenarbeiter Hermes unter die Dampfstraßenwalze und wurde vollständig zermalmt. * Aachen, 26. Juli.(Die Strafkammer) verurteilte den Drogisten Adolf Schwerzel von hier wegen unerlaubter und unrichtiger Anfertigung eines Medikaments zu drei Monaten Gefängnis. Ein Augenarzt hatte einem augenkranken Mädchen ein Medikament verschrieben, bestehend aus einem Teile Suplimat, und 5000 Teilen Wasser. Die Mutter des Mädchens ging mit dem Rezept zu dem Drogisten, um es billiger zu haben. Der Drogist fertigte das Medikament auch an, obschon er kein Sublimat in seinem Geschäft feilhalten darf, nahm aber statt des einen Teiles Suplimat deren vierzig. Die Fohlge davon war, daß das Mädchen beim ersten Gebrauche der Tropfen an den Augen so erkrankte, daß es sofort in eine Augenklinik aufgenommen werden mußte. * Frankfurt, 26. Juli.(Eine neugierige Kuh) besitzt der Landwirt Franz Wagner in Neulatungen in der Pfalz. Als Mann und Frau auf dem Felde waren, beschloß die Kuh, sich die Welt von oben einmal anzuschauen. Sie machte sich, wie die„Kl. Presse“ mitteilt, von der Kette los und trat durch die offene Stalltür in das Haus. Das Tier kletterte die Treppe hinauf in den zweiten Stock u. erschien zum Erstaunen d. Straßenpassanten am Fenster eines geöffneten Zimmers, während die Katze durch nebenanliegendes Fenster herausschaute. Nach der Rückkehr der Familie galt es, das Tier wieder auf die ebene Erde zu bringen, und da es unmöglich er schien die Kuh ohne Gefahr für ihr Leben die Treppe heruntersteigen zu lassen, wurde sie unter Mithilfe einiger Dorfbewohne an den Beinen gefesselt, woauf man das Tier langsam die mit Stroh belegte Treppe hinunterrutschen ließ. Natürlich hatte das Vorkommnis einen großen Menschenauflauf hervorgerufen. Bunte Chronik. Die Beisetzung Detlevs v. Liliencron. Die Bestattung Detlevs von Liliencrons fand am Sonntag um 1 Uhr in AltRahlstedt statt. Der Dichter hat seine letzte Ruhe auf dem Friedhof in Alt=Rahlstedt gefunden, seinem letzten Wohnort, Roman von Constantin Harro. 267(Nachdruck verboten.) „Leben oder untergehen!“ stand auf der schweißbedeckten Stirn zu lesen. Nur mit einer Geretteten im Arm wollte er das Ufer gewinnen... „Da! Da!“ Eine Hand, ein weißes Kleid über den Wellen! Friedel ließ den sicheren Halt fahren und erreichte schwimmend die Gefährtin. Mit starken Armen umfaßte er sie. Aber ihre Todesangst machte ihm das Retten schwer. In hellem Wahnsinn flackerten ihre Augen. Alle Geistesgegenwart hatte sie verlassen, ihr heftiges Kämpfen mit den Schrecknissen des Todes brachte Friedel in immer größere Gefahr. „Hilfe, Friedel, Hilfe!“ ächzte sie schauerlich. Dann vergingen ihr die Sinne.——— Als sie wieder zu sich kam, lag sie im weichen Gras. Friedel, triefend wie sie selbst, rieb ihr die Schläfen, die #ände. „Ach, Friedel, wie danke ich Dir!“ sprach sie leise und matt. Aber die Worte kamen aus einem überströmenden Herzen. Serben müssen! Welch grausiger Gedanke! Und Friedel hatte siedem Tode entrungen wie ein Held. Beseeligt schloß sie von neuem die Augen.„Ja, sie lächelte sogr ein klein wenig.... Diese sinnlose Angst! War nicht Fridel mit ihr gewesen? Friedel, der doch tausendmal für sie gestoben wäre? Denn nicht einen Augenblick zweifelte sie an seiner Hilfsbereitschaft. Aieder kam es zärtlich und schuchtern von ihren blassen Lippen „Zu Guter, Lieber, wie danke ich Dir!“ Er entgegnete kein Vort. Ernst und Strenge lagen auf seinen Zügen, die treuhenigen Augen blieben von den Lidern bedeckt. Sie hatte eigentlich die Frage thun wollen:„Bist Du mir sehr böse?“. Da er so still blieb, schwieg auch sie. Ein wohliges Gefühl durchschauerte sie. Mit geschlossenen Augen lag sie da. Ihren Körper spürte sie fast nicht. „Ich bin ganz Seele, ganz Seele!“ murmelte sie traumbefangen, tief atmend, als käme jetzt das Auffliegen in den Himmel. Der Wald war allgemach dunkler geworden, das rote Licht ward zum fahlen Dämmer. Ein lauer Wind erhob sich. „Komm!“ sprach Friedel fast barsch. Und er half ihr, sich zu erheben. Etta schritt eilig dahin, sie fröstelte. Es befremdete sie auch, daß Friedel ihr nicht den Arm bot. Sie lächelte nicht mehr. Aber es war ihr wohl in Friedels Nähe, sie hätte noch lange so an seiner Seite gehen mögen, vielleicht ein ganzes Leben lang. Schon als Kind hatte sie sich neben ihm stets sicher gefühlt. Es konnte ihr nun einmal nichts Böses geschehen, wenn Friedel sie schützte. Warum schwieg er jetzt und sah so finster drein? Hatte sie ihn gar so sehr gekränkt mit ihrer tollen Kahnfahrt? Und seine Worte vorhin? Sein Aufbrausen in Liebe und Leidenschaft. War das so ganz vorüber? Hatte der gute Friedel doch Fischblut in den Adern, wie Herr Bruno Stein neulich behauptete? Sie seufzte hörbar. Friedel achtete nicht auf sie. Blaß bis in die Lippen hinein schritt er an ihrer Seite. Aus seinem Antlitz sprach tödliche Erschöpfung, der Schweiß stand ihm in kalten Tropfen auf der Stirn. Er beherrschte sich mit Riesenkraft. Jetzt hätte er Etta an sich reißen mögen, jetzt! Ihr wieder und wieder sagen, wie wehe sie ihm mit ihrem Trotz gethan, und wie gern er ihr doch verzeihe, weil er sie liebe. Er gewahrte sehr wohl Ettas weichere Stimmung. Aber gerade diese Weichheit verschloß ihm die Lippen. Oder hätte Etta ihrem Lebensretter jetzt Mitleidslosigkeit gezeigt? Sicher nicht! Und vielleicht wäre die Dankbarkeit in ihr so groß gewesen, daß sie Friedels Liebe hingenommen hätte, wie ein notwendiges Uebel. Nein, nicht aus mitleidigen Händen wollte er sein Glück empfangen! Und wenn Etta kein Wort der Zärtlichkeit für ihn fand, nach all' den wirren Worten, die er am Teich zu ihr geredet, wenn ihre Lippen nur armseligen Dank stammeln konnten, statt glühende Liebesworte zu formen, wie er sie ersehnt hatte, als er die Bewußtlose dem Ufer zutrug, dann gab es eben für ihn immer nur Entsagen. Dann wax es ein Unding, daß er hier neben ihr schritt mit lodernder Seele, die Stirn in düstere Falten gelegt, um sie nicht ahnen zu lassen, wie es auch jetzt noch um ihn stand. Er ging so schnell voraus, daß sie ihm kaum zu folgen vermochte. Sein Kopf schmerzte zum Zerspringen, die Augen brannten ihm und doch schüttelte Fieberfrost seine Glieder. Etta verstand ihren Gefährten nicht. Der Zorn kochte in ihr auf. Alles, was an Dank für Friedels mutvolle That eben noch in ihrem Innern gelebt, es war erstorben unter der finsteren Strenge, die der junge Maler geflissentlich hervorkehrte. Müde, von den nassen Kleidern beengt, schleppte sie sich hinter ihm drein. Keines von ihnen redete ein Wort. Endlich war der Garten erreicht... Hier wendete sich Friedel nach Etta um. „Geh' allein ins Haus!“ sagte er kurz, rauh. „Deine Mutter wird schelten, doch das kann ich Dir nun nicht ersparen... Etta, ich möchte auch schelten! Das Wasser dort ist als tückisch bekannt. Wir waren beide in Gefahr... Und wenn ich Dich nicht gefunden hätte.—— Es ist nicht auszudenken! Etta. Ich wäre jetzt auch ein toter Mann. Herr Gott, wie Du einen doch um allen Verstand bringst.!“ Er riß ihre Hand an die heißen Lippen. Er küßte ihre Finger wild, leidenschaftlich— immerzu, immerzu... Dann stürzte er den Weg wieder zurück. Etta zitterte und stand wie betäubt... (Fortsetzung folgt.) 4 in dem er eine Villa besaß. Am Grabe hat Richard Dehmel die Gedächtnisrede gehalten, der auch den literarischen Nachlaß ordnet. Liliencron hat noch einen Novellenband und einen Band Gedichte betitelt„Gute Nacht“ hinterlassen. Das türkische Verfassungsfest. Mit Anbruch der Dunkelheit wurden alle Stadtteile reich illuminiert. Die Ordnung wurde nirgends gestört. An dem von dem jungtürkischen Komitee veranstalteten Diner nahmen der Großwesir und das gesamte Ministerium, Schewket Pascha, die Spitzen der Geistlichkeit, Offiziere und Abgeordnete und Journalisten teil. In den Reden wurde die Einführung der Verfassung gefeiert und die Bevölkerung zur Einigkeit ermahnt. Der Sultan hat eine Amsestie erlassen, wonach alle bisher nicht vollstreckten Urteile des Kriegsgerichts aufgehoben werden und keine weiteren Verfolgungen von Reaktionären eingeleitet werden dürfen. Steigender Einfluß englischer Banken in Rußland. Aus Petersburg wird dem Standard gemeldet: In Moskau wurden gestern von den Vertretern einer Londoner Bankengruppe Dokumente unterzeichnet, die dieser englischen Finanzgruppe die Kontrolle über eine wichtige Kombination von russischen Banken geben, die nicht weniger als 70 Filialen im europäischen und asiatischen Rußland besitzt. Die Verhandlungen, die zu diesem Ergebnis führten, mußten gegen den energischen Widerstand deutscher Finanzgruppen durchgefochten werden, die bisher in Rußland allmächtig waren. Daß ein solches Ergebnis erzielt werden konnte, sei in erster Linie der Sympathie zuzuschreiben, die man in den hohen Kreisen Rußlands gegenwärtig russisch=englischen Unternehmungen entgegenbringt. Presse=Prozeß. In dem bekannten Verfahren gegen den früheren Mitarbeiter der„Wahrheit“ Hermann Dahsel, ist jetzt von der Staatsanwaltschaft gegen Dahsel die Anklage wegen versuchter Erpressung in fünf Fällen erhoben worden. Die Rechercheurin Dahsels, Frau Emmi Schuwardt, ist der Mithilfe angeklagt. Sie ist wieder verhaftet worden. Die Verhandlung dürfte im September statfinden. Spione auf einem englischen Schlachtschiff. An Bord des Schlachtschiffes„Bellerophon", das während der Flottenparade in Southend ankert, sind zwei Fremde wegen Spionage festgenommen worden. Sie sollen heimlich in den Maschinenraum geschlichen sein und die neuen Parsunsturbinen und Signalapparate photographisch ausgenommen haben. Die Geschichte klingt einigermaßen mysteriös. Die Ingoblätter dürften morgen konstatieren, daß die Spione in tiefen, gutturalen Tönen mit teutonischem Akzent sprachen. Die Berliner vereinigten Innungen und der neue Reichskanzler. Der Innungsausschuß der vereinigten Innungen zu Berlin hat an den Reichskanzler von Bethmann=Hollweg ein Huldigungstelegramm gesandt. Darauf ging folgendes Telegramm des Kanzlers ein„Euer Hochwohlgeboren u. dem Vorstande des Innungsausschusses der vereinigten Innungen zu Berlin danke ich bestens für die freundlichen Glückwünsche. Berechtigte Wünsche des Mittel= und Handwerkerstandes zu erfüllen, werde ich immer bereit sein. Bethmann Hollweg. Das jüngste Dorf als Vorbild. Das jüngste Dorf des deutschen Reiches, Limburg in der Rheinpfalz, eine vor wenigen Jahren gegründete Kolonie der badischen Anilin= und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rh., darf den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, seine Lehrer am besten zu besolden. Das Anfangsgehalt beträgt 2400 M und steigt in 21 Dienstjahren auf 4500 M. Daneben wird noch eine freie schöne Dienstwohnung gewährt. Zu Weihnachten erhalten die Lehrer, wie alle Beamten des Etablissements, eine Gratifikation. Die Pension steigt bis zur vollen Höhe des Gehalts. Also gibt es in den deutschen Landen doch wenigstens ein Dorado für Lehrer. Neuer Colanderprozeß. Ein neuer Prozeß gegen den Hausvater der Erziehungsanstalt Bloehmsche Wildnis, Colander, wird demnächst vor dem hiesigen Schwurgericht stattfinden. Colander ist des wissentlichen Meineids und der Verleitung zum Meineid angeklagt. Zur Verhandlung sind vierzig Zeugen geladen. Mit 15700 Mark durchgebrannt. Der 20jährige Bankvolontär Karl Aswend, der in einem hiesigen Bankgeschäft tätig war, erhielt von seinem Vorgsetzte den Auftrag, einen Betrag von 15700 Mark bei der Reichsbank zu deponieren. Das tat er aber nicht, sondern verkaufte die Papiere und ließ sich nicht mehr sehen. Vier Kinder verschüttet. Aus Varcennes wird berichtet, daß am Samstag vier Kinder bei Heer in einer Sandgrube verschüttet wurden. Sie sind alle tot, drei weitere sind schwer verletzt. Die Kinder spielten unter Aufsicht einer Schwester, als das Unglück sich ereignete. Vor drei Monaten sind derselben Sandgrube ebenfalls 3 Kinder zum Opfer gefallen. Generalstreik der belgischen Bergarbeiter? Das NationalKomitee der Bergarbeiter Belgiens droht mit dem Generalstreik und erläßt an die angegliederten belgischen Arbeitersyndikate die Aufforderung, sich darauf vorzubereiten, da der am 28. Juli einberufene Generalrat der Bergarbeiterföderation den Generalausstand verlangt, wenn der belgische Senat durch Annahme eines vom Senator Smet de Nayer, dem InteressenVertreter der Bergwerksbesitzer, eingebrachten Amandements, das von der Deputiertenkammer beschlossene Gesetz unwirksam machen sollte. Der Antrag, durch den die Festsetzung von 9 Arbeitsstunden in einen Gesetzentwurf und in das Ermessen der Verwaltungsbehörde gestellt wird, die Arbeitsdauer jeweilig durch Verordnung zu bestimmen, wurde im Senat vom ArbeitsMinister Hubert heftig bekämpft, hat aber starke Aussicht, angenommen zu werden. Sollte dadurch das Gesetz zu Fall kommen, dann ist es sicher, daß das Referendum der Arbeitersyndikate Belgiens mit gewaltiger Majorität sich für den Generalstreik aussprechen wird. Städten von mehr als 10000 Einwohnern wird jetzt bereits hauswirtschaftlicher Unterricht in Volksschulen erteilt. Mit den Seminaren ist für auswärtige Schülerinnen, welche nicht bei Verwandten oder Bekannten wohnen, ein Pensionat verbunden. Der Pensionspreis ist auf monatlich 75 A festgesetzt.— Jede nähere Auskunft erteilt die Vorsteherin des Seminars, Frau Wiedermann, in Berlin, S. W. 48, Wilhelmstraße 30—33. Frauenberufe. Lehrerin für Handarbeit und Wirtschaftsführung: Zu den wenigen Frauenberufen, welche noch nicht allzu überfüllt sind und auch in Zukunft noch einige Chancen für gute Anstellung bieten, gehört der einer Handarbeits= und Hauswirtschaftslehrerin. Das Seminar des Provinzialvereins Berlin des Vaterländischen Frauenvereins in Berlin, Wilhelmstraße 30—33, bereitet zur staatlichen Prüfung für Hauswirtschaftslehrerinnen und für Handarbeitslehrerinnen vor. Das Honorar im Seminar für Hauswirtschaftslehrerinnen beträgt vierteljährlich 100 M, in dem für Handarbeitslehrerinnen 40 M. Zur Aufnahme ist das vollendete 18. Lebensjahr und der Besuch der obersten Klasse einer höheren Mädchen= oder Mittelschule erforderlich. Mit dem Aufnahmeantrage sind ein selbstgeschriebener Lebenslauf nebst dem Abgangszeugnis, ein Gesundheitsattest, falls die Schülerin das 21. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt hat ein Erlaubnisschein des Vaters oder gesetzlichen Vertreters einzureichen. Die Aussichten in diesem Beruf sind günstig, da der Staat sowie die Städte Haushaltungsschulen einrichten, in denen die Lehrkräfte mit Pensionsberechtigung angestellt werden. In 150 Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Der Niederrhein und das bergische Land. Von Wilhelm Schäfer.(5. Band der Sammlung: Städte und Landschaften. Herausgegeben von Leo Greiner.) Leicht kartoniert 2 M, in Halbfranz. geb. 3.50 M.— Carl Krabbe, Verlag Erich Gußmann in Stuttgart.— Wilhelm Schäfer, der sich als Herausgeber der„Rheinlande“ so große Verdienste um die rheinische Kunst und Kultur erworben hat, fügt diesem mit seinem Buch über den Niederrhein und das bergische Land ein neues hinzu, indem er die verhältnismäßig wenig bekannten Schönheiten der Stromlandschaft um Köln und Düsseldorf zu einem kaum geahnten Leben erweckt, mit unendlich geschärften Sinnen, die stille Seltsamkeit des bergischen Landes in ihrer weltfremden, frisch erhaltenen Urtümlichkeit vor uns erstehen läßt und gerade insbesonders das Grandiose und im höchsten Sinne Aesthetische der vielgeschmähten Industriebezirke an Wupper und Ruhr mit Augen anschaut, die, geübt in spezivisch modernem Sehen, die vielen noch unsichtbaren, aber dem Erkennenden um so großartiger erscheinenden Schönheiten technischer und industrieller Kultur zu beachten wissen. Das Buch bildet so einen Führer durch gewissermaßen unbetretenes Gebiet, indem es kaum Bekanntes ästhetisch erschließt, teils Verachtetes neu, warm, schönheitskräftig anschauen lehrt. Insbesondere das Kapitel über die Wupper, den Proletarier unter den deutschen Flüssen, und die Städte Elberfeld=Barmen, doch auch die über Köln, Düsseldorf, Bonn, die den allgemeinen, mehr landschaftlichen, eingeflochten sind, verdienen höchste Beachtung. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. Reklameteil. Aus Wismar berichtet man uns: Eine Gruppe von Studierenden der hiesigen Ingenieur=Akademie veranstaltete kürzlich unter Führung einiger Dozenten mit dem hierfür gemieteten Dampfer„Arendsee“ einen wissenschaftlichen Ausflug nach Lübeck. Zunächst wurden dort die neuen, hochinteressanten Einrichtungen der Lübecker Maschinenbau=Aktiengesellschaft unter Führung dortiger Ingenieure besichtigt. Nach gemeinsamen Mittagessen erfolgte ein Rundgang durch die Stadt„zu dem das Lübecker Stadtbauanmt durch die Stadt in zuvorkommendster Weise zur Führung zwei Vertreter gestellt hatte. Bei diesem Rundgang wurden mit besonderer Erlaubnis des Senats der Freien und Hansastadt Lübeck sowohl die alten Baudenkmäler wie auch einige hervorragende Neubauten eingehend besichtigt. Alles Gebotene erregte das größte Interesse der Studierenden und kehrten alle Teilnehmer am späten Abend hochbefriedigt mit demselben Dampfer nach Wismar zurück. Unter den im Reiche im Vordergrunde des Interesses stehenden Universitäten steht die Stiftung der alma mater Lipsiensis jetzt im engsten Zusammenhange mit den Sprachund Nationalitätsstreitigkeiten an der Universität Prag, die noch heute Oesterreich so manche schwere Stunde bereiten. An der dortigen Unioersität bestanden nämlich, wie wir bereits kürzlich ausführlich schilderten, vier Nationen, die böhmische (tschechische), bayerische, polnischschlesische und sächsische, die sämtlich für die Rektoratswahl je eine Stimme hatten. Da die drei letzten stets zusammenhielten, so behielten sie über die Tschechen stets das übergewicht, das sie bei der Besetzung akademischer Würden und Amter und bei der Verteilung ertragreicher Pfründen auch weidlich ausnutzten. Die Tschechen warteten natürlich nur auf eine Gelegenheit, sich dieses übergewichts, gegen das sie trotz ihrer numerischen Überzahl nicht aufkommen konnten, zu entledigen und diese bot sich ihnen, als es dem Reformator Huß gelang, das Interesse des Königs Wenzel für seine tschechischen Landsleute zu erwecken. König Wenzel ernannte einfach einen tschechischen Rektor. und verordnete kurzerhand am 18. Jan. 1409, daß in Zukunft bei allen Wahlen den Tschechen stets drei, den Deutschen aber nur eine Stimme zustehen sollte. Dieser Vergewaltigung wollten sich die Deutschen nicht fügen und beschlossen, Prag den Rücken zu kehren. Die Zahl der Abziehenden, von denen die meisten verheiratet waren, wird zwischen 30000 und 40000 angegeben. Etwa 500 derselben wandten sich zu Friedrich dem Streitbaren, Kursürst von Sachsen, der damals in Meißen residierte und der die Flüchtigen gemeinsam mit seinem Bruder, dem Landgrafen Wilhelm von Thüringen, gern aufnahm und ihnen Leipzig zur Niederlassung bestimmte. Als eigentlicher Stiftungstag gilt der 2. Dezember 1409, an welchem Tage die landesherrliche Stiftungsnrkunde morgens 9 Uhr im Refektorium(Speisesaal) der regulären Chorherren des hl. Thomas in Gegenwart der fürstlichen Stifter, mehrerer Bischöfe, Prälaten, Magister usw. verkündet wurde. Diese Urkunde schenkte der Universität 2 Zur 500 Jährseler der Aniversitäl Teipzig. Kollegienhäuser, das große und kleine sog. Fürstenkolleg, ersteres in der Ritterstraße(heutiges„Schwarzes Brett"), letzteres in der Petersstraße. Die innere Einrichtung war ganz dem Muster der Prager Universität nachgebildet. Belehrende und Lernende gliederten sich in vier Nationen: sächsische, neißnische, bayrische und polnisch=schlesische und umfaßten somit ganz Deutschland mit Einschluß Oesterreichs. An der Spitze aller vier Nationen der Rektor. Die Einführung der Reformation erfolgte 1539. Seitdem ist die Universität mehr und mehr eine der berühmtesten Pflegestätten wahrer Wissenschaft geworden, zumal seit die unter Beseitigung der Nationen i. 1830 ihre in der Hauptsache nach heute geltende innere Organisation erhalten hat. Dieser schloßen sich in Laufe der Jahre zahlreiche Um= und Neubauten an, und heute bildet das Hauptgebäude der Universität, das Augusteum am 892 Wandelhalle der Universität Leipzig. Augustusplatze mit seiner prunkvollen„Wandelhalle' gewissermaßen eine Sehenswürdigkeit der„freundlichen Lndenstadt“. Namen wie Goethe, Gottsched, Gellert, Lessing, Jean Paul u. a. glänzen unter denen, die meist hier gelehr oder gelernt haben, und von 1000—1200 Studierenden(von 1870( hat sich deren Zahl auf 5000 in den letzten Jahren gehoben, 7. gSe’ES S 98.82 0—.— SDTTS a# 8.2n: 5 Soeys S993 3 S y..• # S m B. KEBHEE S SAgen a Fenrs —, Gg• * Gggs"es &a WTP2" a SSü B 8 5 S 02 —** S 8 5. S SuTES 9—1 e**—•* —: * 0 . Ss S. a S: 9*. 10* #ng S S 3 8 SL#SK G, Trladbe redigiert von Martha Kempner-Hochstädt. Prinzeßchen und der Frosch. Von Tante Hede. Prinzeßchen ging spazieren, Der Diener hinterdrein, Er trug ihr goldenes Stühlchen, Konfekt und süßen Wein. Im Park befand ein Sumpf sich, Dort blieb Prinzeßchen stehn; Die Kleine hat im Grase Ein Fröschlein hüpfen sehn. Mitleidig war Prinzeßchen, Sie sprach:„Du armes Tier, Sollst nicht im Sumpf mehr hausen, Komm, frühstücke mit mir!“ Sie hebt den Frosch auf, setzt ihn Auf ihren goldnen Stuhl.— Was tat der Frosch?— Er hüpfte Rasch wieder in den Pfuhl! „Er fühlt sich nur im Sumpf wohl," Der greise Diener spricht. „Die Menschen, die ihm gleichen, Sind meine Freunde nicht!“ aber auf dieses Erwachen erfolgt eine neue Erstarrung, in welcher das Tier stirbt. Die Spinnstube der Prinzessin Atchen. Eine Kyffhäusersage von Ernst Giester. Einst ging ein großer Schwarm Knaben aus Kelbra auf den Kyffhäuser, um Nüsse zu pflücken. Sie gingen in die alte Burg, kamen an eine Wendeltreppe, stiegen hinauf und fanden ein kleines Gemach mit schönen, achteckigen, roten und blauen Fenstern. In der einen Ecke lag eine Spindel mit Flachs und in der andern ein Haufen Flachsknoten. Von diesen nahm jeder der Knaben aus Schäkerei einen Hutkopf voll, sich damit zu werfen, und so liefen sie lustig hinunter, warfen einander und streuten dabei die Flachsknoten auf dem Wege aus. Als die Knaben nach Kelbra zurückkamen, war es schon Abend; der ärmste unter ihnen fand gerade seine Eltern beim Tischgebet. Er nahm seine Mütze ab, und da fiel klingend etwas Glänzendes auf die Erde und bald noch ein Stück und noch sieben andere. Die Mutter lief hinzu, und siehe, es waren goldene Flachsknoten, womit die Prinzessin Utchen, die Tochter Barbarossas, dem armen Manne ein schenk machte, der seinen Sohn nun dafür ein Handwerk lernen ließ. Dies wunderbare Ereignis wurde noch denselben Abend in ganz Kelbra kund. Die Nachbarinnen liefen herzu, die seltsamen Flachsknoten zu sehen, und den folgenden Tag zog jung und alt auf den Kyffhäuser. Alle suchten, aber keiner fand die roten und blauen Fensterscheiben, keiner die Spinnstube der Prinzessin, noch die angehäuften Flachsknoten, und alle schlichen verdrießlich wieder heim. Winkerschläftt Von Onkel Hermann. Viele unserer einheimischen Tiere, die im Sommer Feld und Wald beleben, verfallen bei eintretender Winterkälte in einen Schlafzustand, der an Scheintod grenzt. Namentlich ist dies bei der Klasse der Insekten und Amphibien der Fall. Unter den Säugetieren halten vorzüglich Fledermäuse, Bären, Dachse, Igel, sowie einige Arten der Nagetiere einen Winterschlaf. Während dieses tiefen Schlafes, dem sich die Tiere meistens in verdeckten Schlupfwinkeln und Bauen hingeben, wird das Atmen langsamer und minder tief als gewöhnlich, der Pulsschlag seltener und leiser, aber beide hören wohl nie ganz auf, obgleich die natürliche Wärme des Körpers bis auf wenige Grade über den Gefrierpunkt herabsinkt. Der Schlaf ist bei einigen Arten so fest, daß sie auch durch starke äußere Verletzungen nicht zu erwecken sind; bei andern, wie bei den Bären, ist der Winterschlaf kaum tiefer als der gewöhnliche, tägliche, denn sie sind aus jenem ebenso leicht zu wecken, als aus diesem. Auch die Dauer des Winterschlafes, ist nach den einzelnen Arten und nach dem Aufenthaltsort verschieden. Der gemeine Bär bleibt in den Pyrenäen nur 40 Tage, im nördlichen Schweden den ganzen Winter hindurch in seinem Winterlager; der Zobel, das Murmeltier, der Siebenschläfer halten eine um so länger dauernde Winterruhe, je kälter die Lage ihres Aufenthaltsortes ist. Ebenso der Igel, welcher in den ebenen Gegenden Deutschlands von Martini bis März schläft. Wärme weckt alle Winterschläfer sehr bald. Ein zu hoher Grad von Kälte weckt sie auch, Buchstabenrätsel. Mit L als Baum es uns Schatten gibt; Mit W ist es als Blume beliebt. * Punkt=Rätsel. L.e.e.— o.t,—.a.h'—.i h—rm.— D.6—..—i.—d.n— i m.—.o.m'! * Silben=Quadrat. Die Silben sind so zu ordnen, daß wagerecht und senkrecht dieselben drei Worte entstehen, und zwar: 1. Königreich in Asien, 2. wohlriechende Gartenblume, 3. türkische Stadt in Kleinasien. (Die Auflösung der Kätsel usw. erfolgt in der nächsten „Kinderlaube“. D. Red.) Auflösung aus der vorigen„Kinderlaube“. Umstellungs=Aufgabe. Waldersee. Winde, Asen, Lehm, Delta, Ebro, Ragnit, Siena, Eris, Erpel. Amtliches Kreisblatt Werttg für den Kreis börde 41. Jahrgang. O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 174 Mittwoch den 28. Juli 1909 Die terh 8. Kapitel. urt fühlte sich nach seiner Roman von Albert Graf von Schlippenbach. (16. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten) verarmte, daheim und taten nichts. Die unteren Klassen aber lebten, wenn möglich, noch stumpssinniger dahin wie jene. 9 6 Die Gotthardbahn brachte dann neues Leven in den Sumpf des alten Schlendrians; doch es erwuchs nicht aus den alteingesessenen Familien. Intelligente Unternehmer aus anderen Kantonen machken sich die günstige Lage an der Bahn und die Naturkräfte zunutze. Die zahlreichen Wasserläufe wurden dienstbar gemacht, Industrien blühten auf. Das Patriziat aber legte nach wie vor die Hände in den Schoß und verharrte, grollend über die Eindringlinge, die zu Vermögen kamen und nun die erste Rolle spielten, in altgewohnter Trägheit. Dafür kam nun in die unteren Schichten der Bevölkerung, die bisher von den angesehenen Familien für einen Hungerlohn abhängig waren, Geld. Die Leute verdienten in den Fabriken reichlich. Doch mit dem Geld zogen auch Unzufriedenheit und der Wunsch nach noch höherem Lohn und größeren Lebensgenüssen ein. Ganz allmählich erst, dann immer fester, saßte die Sozialdemokratie Fuß, schlug Bresche auf Bresche in das Althergebrachte und warf endlich in Garenzo alle Traditionen über den Haufen, bis dann, von Italien her, das Gift des Anarchismus die ganze arbeitende Bevölkerung durchseuchte. Allein, zwischen den sich befehdenden Parteien stand Kurt Barr. Die Patrizier beneideten den vom Glück begünstigten Fremden, die Fabrikanten den erfolgreichen Konkurrenten, die Behörden nörgelten mit dem Ausländer, die Arbeiter grollten dem Edelmann, alle dem monarchisch gesinnten Großdeutschen....„e ictsgtr Bastig. Anfangs empfand Kurt dies aues nicht sehl. Kastlose Arbeit half ihm über manches hinweg, und das stille, innige Glück in seinem Hause, die Liebe seiner reizenden Frau, der Umgang mit dem tüchtigen, verständigen Schwiegervater entschädigten ihn für viele Entbehrungen. Dann starb Erna, bald folgte der Vater nach. Kurt glaubte am Totenbett der Heißgeliebten verzagen zu müssen. Nur die Sorge um das kleine, rosige Wesen in der Wiege, das die Entschlafene ihm als Liebespfand hinterließ, hielt ihn ab, einen verzweifelten Schritt zu tun. Das Kind wurde ihm dann zum Trost in seiner Vereinsamung. Es wurde sein ein und alles. Doch der Gedanke, was aus Rosemarie werden sollte, wenn er selbst stürbe, ließ ihm keine Ruhe. Seine Verhältnisse waren zwar geordnet; wenn die Fabrik einigermaßen günstig verkauft wurde, schützte der Erlös seine Tochter wohl vor Not. Aber wer wurde das Kind des Fremden wohl vor Uebervorteilung bewahren? Neid und HabRückkehr einSeine einzige der Cousine. Zeilen so heimatlich an. Ein eigenes Elternhaus hatte der Frühverwaiste kaum gekannt. Schwarzhof ersetzte es ihm schon in der Jugendzeit. Dort verlebte er beim Onkel Siegmund als Kadett die Ferien und als junger Offizier den Urlaub, bis das Unglück über die Familie hereinbrach und fast gleichzeitig auch der Umschwung in seinem Leben eintrat. Selbst in seiner wildesten Zeit fühlte er sich wirklich glücklich und zufrieden nur in Schwarzhof. Gleich nach seiner Heirat siedelte er dann nach der Schweiz über. In den meisten Städten und Städtchen dort bilden einige wenige Familien ein geschlossenes Patriziat, das ehedem bedeutende Vorteile genoß, eine bevorzugte Stellung einnahm und das Heft in den Händen hielt. Die Folgezeit der französischen Revolution und die Helvetische Republik räumten damit für immer auf, die Aristokratie mußte sich wohl oder übel fügen und lernte auch in den meisten, dem großen Verkehr erschlossenen Orten, sich in die neuen Verhältnisse schicken. In den kleinen und abgelegenen Städten dagegen versuchten sie noch lange zäh, aber ohne glücklichen Erfolg, sich am Althergebrachten anzuklammern. Auch in Garenzo bestand ein Patriziat, dessen Mitglieder, trotz der republikanischen Gesinnung, mit der sie zeitweise protzten, sich weit erhaben über alle anderen Menschen dünkten, nur untereinander heirateten und sich in ihren Vorurteilen und ihrem lächerlichen Dünkel hermetisch gegen die Außenwelt einkapselten. In dem weltvergessenen Nest gelang es ihnen auch, noch einige Jahrzehnte einen gewissen Nimbus um sich zu verbreiten und die Massen zu beherrschen. Nennenswertes Vermögen war freilich längst nicht mehr vorhanden, denn keiner wollte heraus, um zu erwerben. Der Grundbesitz warf eben gerade so viel ab, das Leben fristen zu können. Anfangs gingen wohl jüngere Söhne nach Rom oder Neapel, um in einem Schweizerregiment eine kärgliche Pension zu erdienen, aber das Königreich beider Sizilien hörte eines Tages auf zu existieren; es blieb nur noch die päpstliche Schweizergarde. Dort nahm man jedoch lieber die ruhigen Deutschschweizer, als die händelsüchtigen Tessiner. Zum Studium fehlten die Kenntnisse und Mittel. Der Kaufmannsstand war den hochmütigen Herren nicht fein genug. Daher blieben die Söhne des Patriziats, das mehr und mehr 0 SSthssE S### a S S S Sm S S 8 5 #g sucht brachten es dann sicherlich zuwege, daß das Gut der Waise verschleudert wurde. An ihr sich zu bereichern, hielt gewiß niemand für unrecht. Die gepriesene Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit besteht zumeist nur in der Theorie. Die unmündige Landfremde würde das Gegenteil von dem erfahren müssen, was man prahlerisch auf die Fahnen der Freistaaten schreibt. Wer wachte endlich über Rosemaries geistiges und körperliches Wohl, wenn er einmal plötzlich abberufen wurde? Unter fremden Menschen, im fremden Lande mußte sein Liebling aufwachsen, heimatlos! Der Gedanke, eine zweite Ehe einzugehen, war Kurt wohl hin und wieder gekommen. Gerade weil er mit seiner Frau so glücklich lebte, fehlte ihm die Gefährtin in der Einsamkeit. Aber wo fand er eine Gattin, die seinem Kinde eine treue Mutter wurde, es behütete und bewahrte, wenn er die Augen schloß? Gewiß, es gab in Garenzo schöne Mädchen in den Patrizierfamilien, und sicherlich bekam er keinen Korb, wenn er ernstlich warb. Die Väter waren froh, wenn eine Tochter versorgt war, und den Töchtern war ein gutsituierter Freier gewiß willkommen; aber ihm graute bei der Vorstellung, sein, auf deutsche Art eingerichtetes, penibel sauberes Heim könnte in eine unordentliche Wirtschaft umgewandelt werden, wie sie in den alteingesessenen Familien gang und gäbe war. An eine echte Herzensneigung, an eine wahre Harmonie in der Ehe zwischen ihm, dem eingefleischten Norddeutschen, und einem jener halvitalienischen Mädchen, deren Lebensanschauungen so himmelweit von seinen eigenen abwichen, war überhaupt nicht zu denken. Nach Deutschland aber kam er zu selten, dort um die Hand einer Landsmännin zu werben. Mademoiselle Benoit gab sich ja redliche Mühe, sein Kind gut zu erziehen und ihm selbst die Häuslichkeit so bequem wie möglich zu machen. Aber wenn sie einmal heiratete? Hübsch und nicht unvermögend, fehlte es ihr keineswegs an Bewerbern unter den jüngeren Fabrikbesitzern, Ingenieuren und Kaufleuten. Bisher hatte sie stets Körbe ausgeteilt und ihm erklärt, sie wollte sein Töchterchen nicht verlassen. Aber vielleicht kam doch einmal der Rechte! „Warum heiraten Sie die nette Erzieherin Ihres Kindes nicht?“ meinte einmal ein Geschäftsfreund, ein Deutscher, bei einem Glase Wein, als Kurt ihm von . töhscha Person würde seinen Sorgen erzählte.„Die hübsche nicht nein sagen, seien Sie versichert.“ Ein paar Tage war er den Gedanken nicht los geworden und hatte die Schweizerin heimlich genauer beobachtet. Hübsch, gebildet und anhänglich war sie ohne Frage. Aber er empfand auch nicht die Spur eines wärmeren Gefühls für sie. Deshalb gab er sich nicht einmal die Mühe zu prüfen, wie sie wohl über ihn dächte, und nach kurzer Zeit erinnerte er sich kaum mehr an den Vorschlag... Lu, Schmei, meiste um 4. Je länger er jedoch in der Schweiz weilte, um so einsamer fühlte er sich. Da stieg denn oft in stillen Stunden eine brennende Sehnsucht nach der alten Heimat und den einzigen Blutsverwandten in ihm auf. Am liebsten wäre er mit Rosemarie nach Schwarzhof geeilt, um den Oheim und die Cousine anzuflehen: Nehmt euch meiner Rosemarie an, wenn ich einmal nicht mehr bin.— Doch er wagte es nicht. Auf keines seiner Schreiben hatte er Antwort bekommen, er fürchtete, der grollende Onkel würde ihm die Tür weisen. Dann riß das letzte, unsichtbare Band, das ihn an die Heimat fesselte, dann war die Erfüllung seines glühendsten Wunsches, das Kind seiner Familie doch noch einmal zuzuführen, für immer unmöglich; Rosemarie durch seine Schuld in Wahrheit gänzlich verwaist, ein abgeschnittenes Reislein vom alten Stamm, das der Wind einmal, weiß Gott wohin, wehte, sobald er starb. Gern hätte er damals die Fabrik verkauft und wäre nach Deutschland gezogen, allein die Pflicht, für das Kind weiterzuarbeiten, um ihm einst an Hab und Gut so viel wie möglich zu hinterlassen, hielt ihn in der Fremde fest. In der Schweiz konnte der Freiherr von Barr erwerben, hier haßte man ihn nur als glückbegünstigten Eindringling; aber in Deutschland mit seinen Vorurteilen würden die Standesgenossen den adligen, kleinen Fabritbesitzer über die Achsel ansehen und Vater und Tochter als Deklassierte verachten. Ja, ein industrielles Unternehmen, in dem Millionen arbeiten und Hunderttausende gewonnen werden, darf auch dort ein Edelmann zu eigen haben, besonders wenn ihm nebenbei auch Landbesitz gehört. Er ist dann zunächst„Rittergu'sbesitzer“, und der„Fabrikherr" tritt in den Hintergrund. Inhaber einer kleinen, gewerblichen Anlage zu sein, wie Kurt sie doch nur erwerben konnte, gilt jedoch bei der deutschen Engherzigkeit nicht als standesgemäß— lieber hungern. Kurt aber wollte arbeiten, um sein einziges Kino vor dem Elend zu schützen, einst bei fremden Leuten Versorgung suchen zu müssen. Die Aussicht, Schwarzhof vielleicht zu erben, nützte ihm nichs. Laut Stiftungsurkunde fiel das Gut nach Erlöschen der Familie im Mannesstamm der ältesten Tochter des letzten Besitzers zu. Wenn der Oheim ihn überlebte, wurde Agnes Herrin auf Schwarzhof. Nun hatte das Schicksal ihn zum Majoratsherrn gemacht und die einzige Blutsverwandte, die er und Rosemarie besaßen, waltete auf dem Familiengut als Hausfrau, bewirtschaftete den Besitz und wachte in treuer, zärtlicher Liebe über seinen Liebling. Wahrlich, er hatte Grund, froh und dankbar zu sein. Bis nach Mitternacht saß er nach getaner Arbeit oft noch am Kamin, in dem das lohende Feuer prasselte, und dachte mit Sehnsucht der Zeit, wenn er erst dauernd in Schwarzhof sein würde. Und neben dem Verlangen nach seinem Kinde und nach der alten Heimat erwachte mehr und mehr die heiße Sehnsucht nach der schönen Cousine in seinem Herzen. Vor vierzehn Tagen noch hatte der Totengräber das Grab des Freiherrn Siegmund mühsam mit der Spitzhacke in den hartgefrorenen Boden gehauen, während die Arbeiter von Schwarzhof mit Schneewolf und Spaten einen Weg zu seiner letzten Ruhestätte bahnten, nun wehte schon seit Tagen ein milder Südwind, Schnee und Eis waren geschmolzen; die Wasserlachen von den Feldern durch die Drainage verschwunden. Das Winterkorn grünte und sproßte, auf den Aeckern pflügten und eggten die Ochsen= und Pferdegespanne und bereiteten den Boden für die Sömmerung vor. Fast über Nacht war es Frühling geworden. Häufiger und länger noch, wie früher, saß Agnes im Sattel und beaussichtigte die Arbeiten auf dem Felde. Kurt hatte ihr eine ausreichende Summe zur Anschaffung von Kunstdünger und einiger notwendigen Maschinen, zu deren Ankauf bisher stets die Mittel mangelten, zur Verfügung gestellt, und nun fühlte sie die Verantwortung doppelt. Früher, als Schwarzhof noch dem Vater gehörte, trieb sie das Interesse und die Liebe zum angestammten Besitz hinaus. Jetzt kam das Pflichtgefühl dazu, über das ihr anvertraute Gut eines Dritten wachen zu müssen. Das landwirtschaftliche Journal über die täglichen Arbeiten führte sie selbst auf das genaueste, denn der Inspektor mit seinen rauhen Händen kam mit der Feder nicht gut vorwärts. Er stammte noch aus der alten Schule, in der ein Lehrling das Studium der Landwirtschaft mit dem Pflugschwanz in der Hand und nicht mit der Stickstofftabelle anfing.— Die Eintragungen in die Vieh= und Bodenregister wurden ihm sauer genug. Früher genügten seine Hieroglyphen als Beläge, jetzt schrieb Agnes alles sauber noch einmal ab, um Kurt, kehrte er in einigen Wochen zurück, die Uebersicht und die Prüfung der Bücher zu erleichtern. Ihre größte Freude war, jeden Abend dem Vetter einen Bericht über ihre Tätigkeit und seines Töchterchens Wohlbefinden zu schreiben.(Forts. folgt.) . AgugigN ur Wtug Suspienn gun! Weg Wei: Prss„Wig S gt Wenkspruch. Rasch im Fluge die Freud' umarmen, leise Nur den Mund ihr berühren, wie die Biene Dektarblumen berührt, Freund. versetzt uns Unter die Götter. Matbillon. zweite Ehe. Novelle von Gertrud v. Hagen=Vethacke. (Nachdruck verboten.) Die Trauung war vorüber.— Ein Essen im intimen Freundeskreise folgte.— Die junge Frau hatte sich in ihre Zimmer zurückgezogen. Sie schickte die Schwägerinnen fort und auch die Zofe. Allein wollte sie sein, sich ohne Hilfe umkleiden. Eine Weile blickte sie den Hinausgehenden nach. Ihre Hände zerrten an dem Spitzentaschentuch, welches sie hielten. Endlich nahm sie den kostbaren, weißen Rosenhut aus ihrem Haar. Vor sechs Jahren hatte ein Brautkranz darin geruht. Ein Mann— ihr erster Mann löste denselben aus ihren Locken, langsam, vorsichtig, als fürchte er die Blüten zu verderben. Dann hatte er ihr die Haare aus dem erhitzten Gesicht gestrichen und einen Kuß daraufgedrückt. Pt.— M 8, Weshalb sie wohl heute an all dieses denken mußte?— Sie streifte die Handschuhe von ihren Armen.— Breit und neu glänzte ein Traureif an ihrer rechten Hand. Auf dem Finger daneben trug sie noch einen Ring von ihrem früheren Gatten. Er schenkte ihn ihr nach der Geburt ihres ersten Kindes. Dieser, See betnir, 1ot ect uge Mtt von einem schmalen Goldrand gesaßte große Brillant bar schien, liebte sie Charles plötzlich hätte sie längst erinnern können, daß er nicht mehr Wenigstens bildete sie sich das ein. bleiben, als hätte sie ihn zufällig vergessen. Ihr Erstgeborener! Wenige Stunden war er alt, als sie ihn sich staunend angesehen, während er mit in sich geballten Fäustchen schlief. Und als fühle er ihren Blick, hatte er unvermittelt die Augen aufgeschlagen und seine junge Mama fragend angeguckt, genau wie sie ihn. Sie war sehr glücklich gewesen damals! Frau Erna griff nach dem Ringe. Ob es unrecht war, wenn sie ihn von sich gab? Durfte sie das überhaupt? Dürfen?! Hatte sie jemals danach gefragt— nein! Sie wußte, sie war jung, schön, das Leben gehörte ihr und sie gestaltete es sich, wie sie wollte. Das Schicksal hatte ihr bis jetzt kaum einen Wunsch versagt, so sehr verwöhnte es sie. Und nun— gewiß durfte sie den Ring hier lassen, wenn es ihr beliebte. Eine ihrer Schwägerinnen mochte ihn später tragen. Doch wozu diese Sentimentalität? Ihre größte Freude waren wertvolle Schmucksachen. Warum solltsie sich dieses Stückes berauben, solange es ihr Sie nahm den Ring in die Hand. Welch rei der Stein ausstrahlte. Was war das? — Tränen fielen auf ihn herab. Siebzehn Jahre war Ernerstenmal heiratete, ihr Ge der vierziger. Die er“ Ihr Mann verzärtelte sie, nachdem sie ihm die Kinder gegeben, nur noch mehr. Sie wußte oft nicht, was sie vor Uebermut beginnen sollte. Man machte ihr den Hof. Das kam ihr sehr lustig vor, und sie lachte sich halbtot über jeden neuen Verehrer. Allen, allen mußte sie die Köpfe verdrehen, bloß zum Spaß. Anfangs achtete ihr Mann nicht darauf.„Sie ist eben ein Kind," damit entschuldigte er ihre Streiche. Schließlich, als es Erna zu toll trieb, kam eine Stunde, in der er ihr Vorstellungen machte. Er nahm sie auf den Schoß und redete leise mit ihr.„Man soll mein kleines Frauchen nicht kokett nennen,“ schloß er seine Ermahnungen. Frau Erna ärgerte sich. Aun gerade wollte sie von ihrer Freiheit nichts missen. Gab sie ihrem Manne ernsten Anlaß zu Sorgen? Nein! Sie würde ihm zeigen, wie wenig sie sich um seine Reden kümmerte.„Warte!“ sagte sie, drehte sich auf den Hacken herum und verschwand aus dem Zimmer. War sie bis dahin unbewußt kokett gewesen, so wurde sie es jetzt vorsätzlich. Besonders der Freund ihres Gatten, der junge, reiche Charles Behrendt, sollte ihr zu Füßen liegen. Das würde eine Strafpredigt setzen! Sie freute sich schon im voraus darauf. Charles Behrendt gehörte zu jenen von Mädchen und Frauen stark bevorzugten Männern, die schließlich blasiert den heftigsten Anstürmen eine gewisse Kälte entgegenbringen. Auch Erna konnte sich keiner Bevorzugung seinerseits rühmen. Doch, einmal, sie entsann sich genau, küßte er ihre Hand, und seine Lippen hatten merkwürdig dabei gezittert. Danach vermied er selbst diese Höflichkeit. In jenen Tagen hatte sein Zurückziehen ihren Ehrgeiz verletzt, nun stachelte es ihre Eroberungslust an. Aber all ihre Mühen scheiterten in nichts. Sie weinte, trotzig und wild! Wo er ihr unerreichwahnsinnig. Eine volle Woche schmollte sie mit sich und der ganzen Welt.“ Dann faßte sie einen Entschluß, den sie auch sofort ausführte. Sie betrat das Arbeitszimmer ihres Gatten. E' Glück bei ihnen. bewundernd Manne: scfiel? eines Feuer Er trübte sich A gewesen, als sie zum Ae bedeutend älter, anfangs iste Zeit ihrer Ehe wohnte das Er liebte sie zärtlich, und sie sah dem gereiften, geistig bedeutenden neben sich auf. Zwei Knaben hatte sie ihm geboren. Vor Gesundheit strotzende, herzige Kerlchen, die beide dem Vater ähnelten! 9, sie war sehr stolz, wenn sie mit ihren Söhnen spazieren ging! 3u großer, holzgetäfelter Raum mit dunkel gehaltMöbeln war es. Durch die heruntergelassenen een sien drang nur an einer Stelle ein schmaler Joion streifen und brach sich in einer geschliffenen diesen glitzernden Streifen sah Frau Er, Boie; bi# ihr die Augen wehtaten. Und dabei s Wort betonend, daß sie ihrem Mann„adte Liregr#e hören wolle, weil sie Charles Beh: fnicht mehr.9“ fände und daß sie nichts dagege„nidt viel!“ seinem Freunde wiedererzählte. hätte Zu sich herumgerissen ihn anblicken muß an den Schläfe: es kommer es ni„bscher wenn er es #n hatte sie ihr Gatte, daß sie Blutrot war sein Gesicht, und #n schwollen dicke Adern auf.„Ich habe ##n sehen,“ sagte er dumpf.„Aber ich wollte lcht glauben. Charles verkriecht sich vor uns, er Vul unseren Frieden nicht stören. Der hat wenigstens Selbstbeherrschung. Du hingegen— du quälst ihn und mich.“ Die Finger ihres Mannes gruben sich in ihre Arme. In seinen Zügen lag Furchtbares. Ganz angst wurde ihr dabei. „Laß mich los.“ rief sie,„laß mich los!“ Erna floh hinauf in ihr Schlafzimmer. Sie schluchzte unaufhörlich:„Wie schrecklich, er hat mir wehgetan, wie schrecklich!“ Dann wurde ihr klar, daß ihr Mann mehr ahne wie sie, daß Charles ihm gegenüber sich verraten. Und allmählich stieg ein unbeschreiblich frohlockendes Gefühl in ihr auf.„Gesiegt hatte sie, wiederum gesiegt!“ (Schluß folgt.) Friedhofes. Das Rad zerbrach; der Radler selbst kam mit dem *e(Am Turm) der alten katholischen Kirche sind gegenwärtig wieder Dachdecker mit Reparaturarbeiten beschäftigt, da die vielen lose sitzenden Dachziegel eine große Gefahr für die Straßenpassanten bilden. Wann wird die katholische Gemeinde diese wertvolle Besitzung, die jedes Jahr neue Ausgaben verursacht, endlich vorteilhaft verwerten können? Im Interesse der ganzen Gemeinde länge es sicherlich, wenn dies alte Gebäude, das mit seinen zertrümmerten Fenstern das Straßenbild nicht gerade günstig beeinflußt, recht bald verschwinden würde. ** Holzen, 26. Juli.(Zur Kaiserfeier) auf Hohensyburg. Am Samstag abend fand eine Versammlung verschiedener Korporationen der Gemeinde Holzen unter Vorsitz des Herrn Gemeindevorstehers Jacobs im Mersmann'schen Lokale statt. Seitens der Gemeindevertretung sind 200 Mark für die Ausschmückung unseres Ortes, der unmittelbar der Durchfahrt des Kaiserpaares dient, bewilligt. Mögen alle Gemeinde=Eingesessenen wetteifern in der würdigen Vorbereitung auf den Besuch der Majestäten.„ ** Hohensyburg, 27. Juli.(Hur Kaiserfeler., Brei Glocken, welche der Bochumer Verein geliefert und die für die neue Kirche in Velbert bestimmt sind, sollen zur Kaiserfeier zum erstenmale benutzt werden und ihr eherner Mund soll das Kaiserpaar auf unserer historischen Höhe begrüßen. Die Glocken, von der Famile Judith=Velbert gestiftet, sind bereits gestern hier eingetroffen; die größte derselben ist zwei Meter hoch und wiegt 60 Zentner. ** Ergste, 28. Juli.(Der Turnverern Ergste), Mitglied der deutschen Turnerschaft, konnte in seiner letzten neralversammlung wieder 4 neue Mitglieder aufnehmen. Die Versammlung beschloß, an der Spalierbildung auf Hohensyburg in geschlossenem Zuge teilzunehmen, und besprach dann noch nähere Einzelheiten über das 25jährige Jubelfest am 14. und 15. August. Das genaue Programm dieser Feier wird noch durch Inserat mitgeteilt. Gut Heil! ** Ergste, 26. Juli.(Volksbibliothek.) Die hiesige Volksbibliothek ist für die Monate August und September geschlossen. Die noch in Händen der Leser befindlichen Bücher sind bis spätestens zum 15. August zurückzugeben. ** Hennen, 27. Juli.(Im Silberkranz.) Die Eheleute Pol.=Sergt. Korte feierten gestern unter reger Anteilnahme der ganzen Ortschaft beim Wirt Albrecht das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Dem Jubelpaare auch unsererseits noch nachträglich besten Glückwunsch! wurde. Um 5 Uhr erfolgte im Münster nach einer Ansprache des Kardinals die feierliche Wiederverschließung der Reliquien in den Marienschrein.„„ * Wipperfürth, 27. Juli.(Zum Marheur des Herkus Blumenfeld.) Die amtliche Meldung lautet: Gestern vormittag fuhr der Sonderzug des Zirkus Blmenfeld auf der Fahrt von Lüdenscheid nach Wermelskirchen bei der Einfahrt in den Bahnhof Ohl=Rörsahl infolge falscher Weichenstellung auf ein totes Gleise, zertrümmerte den Prellbock am Ende dieses Gleises und fuhr noch etwa 30 Meter weiter auf den Bahnsteig, wobei eine Wand des Stellwerksgebäudes beschädigt wurde. Personen sind nicht verletzt. Die Maschine und einige Wagen sind beschädigt worden. Der Sonderzug konnte seine Fahrt mit dreistündiger Verspätung fortsetzen. * Gummersbach 27. Juli.(Diebstähle.) Bei Gelegenheit des Schützenfestes sind hier eine Reihe Einbruchsdiebstähle verübt worden. Am ersten Schützenfesttage wurde an fünf Stellen eingebrochen. Am hellen Tage wurden dem Bäckermeister Viebahn 794 M in bar und ein Sparkassenbuch über 400 M, dem Kaufmann Osberghaus aus dem Schlafzimmer 3 goldene Uhren mit Ketten und 75 A in bar gestohlen. Durch Eindrücken der Schallvorrichtung am hiesigen Fahrkartenschalter wurde das Fenster geöffnet und die Kassette mit 62 M gestohlen. Bei der Güterabfertigung wurden sämtliche Pulte und die Tür zum Raume, in welchem sich der Geldschrank befindet, aufgebrochen jedoch fiel hier den Dieben nichts in die Hände. Ferner wurde dem Bahnhofswirt die Theke aufgebrochen und der Barbestand von etwa 60 M geraubt. überrascht wurden als sie Lotungen in d. Gewässern vornahmen und daß sich die russischen Fahrzeuge geweigert hätten, auf Befehl der Lotsenstation die Quarantänestation aufzusuchen, bevor sie sich nach dem von Hernösand begaben. Im Aufsuchen des Hernösander Hafens sei aber nicht nur deshalb eine Unkorrektheit zu erblicken, weil zur selben Zeit schwedische Kriegsschiffe in der Gegend manöverierten, sonder auch weil nach den bestehenden Vorschriften höchstens drei ausländische Kriegsschiffe auf einmal einen schwedischen Hafen, der nicht Kriegshafen sei, aufsuchen dürften. Der Landeshauptmann berichtet, das Auftreten der Russen habe peinliches Aufsehen erregt. Konstantinopel im Belagerungszustand. Konstantinopel, 28. Juli. Wie der„Courrier d'Orient“ meldet, beschloß das Kriegsgericht mit Zustimmung Schewket Paschas, den Belagerungszustand über Konstantinopel bis März 1911 zu verlängern. Die Cholera. Petersburg, 28. Juli. Seit vorgestern sind 59 Neuerkrankungen und 19 Todesfälle an der Cholera vorgekommen. Die Gesamtzahl der Kranken beträgt 733. Neuer Flugrekord. Washington, 28. Juli. Orville Wright hat mit seinem gestrigen Aufstieg, den er mit einem Offizier als Passagier unternahm, einen neuen Rekord aufgestellt. Er blieb 72 Min. 14 Sek. in der Luft und durchflog eine Entfernung von 50 Klm. Spanien und Marokko. Paris, 28 Juli. Die Lage der spanischen Truppen in Meals 820 Spanier kampfunfähig gemacht worden. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 27. Juli. In der gestern nachmittag abgehaltenen Gläubigerversammlung des Bankhauses F. Greve wurd eine Vermögensübersicht gegeben, wonach ein Fehlbetrag von 28 724,16 Al vorhanden ist. Die Westdeutsche Vereinsbank in Münster tritt mit einer Forderung von 288000 MA auf. ihr indes Werte in Höhe von 459 469 M verpfändet sinr. Außerdem sind noch 326 314,59 M sonstige Gläubigerguthaben vorhanden, denen, wenn das besonders in Grundstücken angelegte Vermögen in der angenommenen Höhe zu realisieren ist, 297590 M an Werten gegenüberstehen. Auf Grund stellung faßte die Gläubigerversammlung folgenden Beschluß: 1. Neue Geschäfte werden nicht mehr eingegangen, soweit sie nicht zur Abwicklung der bisherigen Geschäfte erforderlich sind; 2.Das gesamte vorhandene Vermögen wird zum Zwecke der Befriedigung der Gläubiger versilbert; 3. Schulden bis zum Betrage von 500 M sollen unverzüglich nach Zustandekommen des nachgesuchten Zahlungsausstandes aus den vorhandenen Mitteln zahlt werden; 4. Die Abwicklung der Geschäfte wird dem gewählten Gläubigerausschusse übertragen; 5. Die Gläubiger haben sich bis zur endgültigen Abwicklung jedes gerichtlichen und außergerichtlichen Vorgehens zu enthalten; 6. Der Gläubigerausschuß übemimmt durch die Annahme seiner Wahl die gewissenhafte Durchführung obigen Auftrages. Erwähnt werden mag noch, daß diese Beschlüsse einstimmig zur Annahme gelangten und etwa 2 Drittel der in Frage kommenden Gläubiger durch Unterschrift sich verpflichteten. Die etwa 600 Gläubiger welche unter 500 M Einlagen haben, werden also wenn die Liquidation durchgeführt wird, keine Verluste erleiden. * Hamm, 27. Juli.(Zwei„schwere Jungen") aus Bochum, der Gärtner Hermann Botenbender und der Modellschreiner Fritz Wille, unternahmen am Sonntag einen Streifzug nach Hamm, um hier auf Beute auszugehen. Sie drangen während des Vormittagsgottesdienstes in eine Wohnung an der verkehrsreichen Südstraße ein, wurden aber bei der Arbeit gestört und mußten den größten Teil der bereits zusammengepackten Diebesbeute im Stiche lassen. Die Verfolgung den Einbrecher gestaltete sich zu einer aufregenden Hetzjagd durch die ganze Stadt, zahlreiche Passanten beteiligten sich. Schließlich liefen die Verfolgten in die städtische Flußbadeanstalt, wo Wille in einer Badezelle festgenommen wurde, während Botenbender in die Lippe sprang, um das andere Ufer zu gewinnen. Ehe er aber landen konnte, hatten ihn seine Verfolger mit einem Kahn erreicht und zogen ihn trotz heftigsten Widerstandes aus dem Wasser. Die beiden Einbrecher, die im Alter von 21 und 22 Jahren stehen und bereits mehrfach vorbestraft sind, waren mit mehreren Dietrichen, Bohrern und Messern ausgerüsttet. * Elberfeld, 27. Juli.(Vergiftung.) Der Fabrikarbeiter Karl Kistner aus der Nützenbergerstraße ist an Vergiftung gestorben. K. war in der nchemischen Anlinfabrik vo Wülfing, Dahl u. Co. tätig und damit beschäftigt, die Farbstoffe aus den Kesseln zu entfernen. Seit etwa 8 Tagen klagte er über heftiges Uebelsein, und namentlich in den letzten Tagen litt er an starkem Erbrechen. Ein zu Nate gezogener Arzt war der Ansicht, daß die Erkrankung durch die Einatmung giftigen Farbstoffes hervorgerufen worden sei, und veranlaßte K., die Arbeit einstweilen einzustellen. Der Zustand des Erkrankten verschlimmerte sich in den letzten Tagen aber derart, daß am Mittwoch der Tod eintrat. * Aachen, 27. Juli.(Schluß der Heiligtumsfahrt.) Gestern wurde hier die Heiligtumsfahrt unter Anteilnahme einer riesigen Menschenmenge aus nah und fern feierlich geschlossen. An die letzte öffentliche Vorzeigung der Reliquien vom Turme, die Kardinal Dr. Fischer, Köln, vornahm, schloß sich gegen 2 Uhr eine endlose Reltquienprozession, in welcher die Reliquien und Schätze sämtlicher Aachener Kirchen getragen Soziales. Aussperrungen in der Papierfabrikation. Die Aussperrungen in Stockholm von denen bisher 13000 Arbeiter betroffen wurden, haben gestern weitere Ausdehnungen angenommen. 2 Holzschleifereien, die dem Papierfabrikant angehören, und Fabriken der Textilindustrie u. des Sägeverbandes haben ihre Arbeiter ausgesperrt. Am 2. August wird diese Maßregel auf den Eisenwerkverband ausgedehnt werden. Falls auch dieser Schritt erfolglos bleibe, sollen weitere Aussperrungen nach den Bestimmungen des schwedischen Arbeitgebervereins erfolgen. Die Zahl der heute ausgesperrten Arbeiter beträgt 40 bis 50000.— Das Landessekretariat der Fachvereine hat gestern abend dem Arbeitgeberverband mitgeteilt, daß beschlossen worden sei, an die Mitglieder sämtlicher Landesorganisationen Proklamationen zu senden, in denen zur Arbeitniederlegung im ganzen Lande am 4. August aufgefordert wird. Berlin, 28. Juli. Ihrem Beschluß gemäß sind die Geldschrankschlosser heute in den Ausstand eingetreten. Etwa 1000 Mann sind es, die die Arbeit in sämtlichen Betrieben niedergelegt haben. Gleichzeitig haben die Arbeitgeber beschlossen, dem Streik die Aussperrung folgen zu lassen. Nach ihrer Meinung lag keine Veranlassung vor, den Streik zu proklamieren, da die wesentlichen Forderungen: 8½ stündige Arbeitszeit bei einem Mindeststundenlohn von 75 Pf. für selbständige Arbeiter fast überall durchgeführt sei. Kommt es zur Aussperrung in der Geldschrankbranche, so würden etwa 6000 Mann feiern müssen. Glasgow, 28. Juli. Die heute hier abgehaltene Konferenz zwischen den Bergwerksbesitzern und den Führern der Bergarbeiter zur Herbeiführung eines Kompromisses, das den Ausbruch eines allgemeinen Ausstandes verhindern sollte, führte zu keiner Verständigung. Am Donnerstag soll eine neue Versammlung in London abgehalten werden. Stockholm, 27. Juli. Die Aussperrungen von denen bisher 13000 Arbeiter betroffen wurden, haben heute eine weitere Ausdehnung angenommen. Am 2. August wird diese Maßrege auf den Eisenwerksverband au gedehnt werden. Stockholm, 27. Juli. Die gestern eingetretene große Aussperrung ist darauf zurückzuführen, daß neue Streitigkeiten in den verschiedenen Arbeitszweigen, bei den Schneidern, Wegeund Wasser=Bauern, Papierarbeitern usw. trotz langwieriger Versuche der amtlichen Friedensrichter nicht beigelegt werden konnten. Für den 4. August haben die Arbeiter den Generalstreik in Aussicht gestellt. Der Maximalarbeitstag für Bergleute in Belgien. Brüssel, 28. Juli. Der Senat hat heute beschlossen, daß der Maximalarbeitstag in den Bergwerken, den die Kammer auf neun Stunden festgesetzt hatte, durch königlichen Erlaß in Fällen der Notwendigkeit um eine Stunde verlängert werden kann. Dre Gesetzentwurf muß nunmehr an die Kammer zurückgehen. Schmeinemartt. Zum heutigen Markt waren ungefähr 80 Tiere aufgetrieben. Für 6 Wosten alte Ferkel wurden Preise von 24—26. erzielt, für 8 Wochen alte 30—32 M, 10 Wochen alte 24—38 M. Trotz der ziemlich hohen Preise war der Handel recht flott. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 28. Juli: Heiter, schön, warm, schwül, abends strichweise 29. Juli: Bewölkt, schwül, warm, strichweise Regen, Gewitter. 30. Juli: Bewölkt, Regenfälle, warm, teils heiter. 31. Juli: Kühler, lebhafter Wind mit Regen, teils heiter. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinze#### und Inserate: Friedrich Kraas; von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. da es die in der Muttermilch vorhandenen Nährstoffe im richtigen giebig und daher billig ist, stets gleichförmig hergestellt wird und nicht verdirdt. 3979 Letzte Drahtmeldungen. König Eduard und Fallieres. Pilsen, 28. Juli. Präsident Fallieres trifft am 18. August zum Kurgebrauch in Marienbad ein(wo er dann also mit König Eduard zusammentreffen würde, wenn die Meldung sich überhaupt bewahrheitet). Kreta. London, 28. Juli. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Canea blieb die griechische Flagge auf der Festung und den Kasernen der kretischen Miliz bis Sonnenuntergang gehißt.(Nach einer Havas=Meldung aus Paris ist dort von einer Hissung der griechischen Flagge absolut nichts bekannt.) Kanea, 28. Juli. Die englischen, französischen und italienischen Truppen haben heute vormittag, die russischen heute nachmittag Kreta verlassen. Marokko. Paris, 28. Juli. Muley Hafid begnadigte, wie der „Temps“ erfährt, seinen Bruder Muley Mohammed, ließ ihm die Fußschellen abnehmen und verfügte, daß ihm im Palais eine Residenz eingerichtet werde. Es heißt, der Sultan werde seinen Bruder an die Spitze der gegen die Hyaina entsandten Mahalla stellen. . D i e c h i n e s i s c h e n B a h n a n l e i h e n. Newyork, 28. Juli. Nach einer Neutermeldung aus Peking teilte der amerikanische Geschäftsträger den englischen Gesandten mit, daß, wenn die Intriguen, eine Aenderung in dem ursprünglichen Anleihe=Abkommen für die Hankau=Szetschuanbahn herbeizuführen, nicht aufhörten, die Vereinigten Staaten dies Vorgehen in dem Sinne auffassen würden, das die Intrigen von England gebilligt würden. Russische Uebergriffe in schwedischen Gewässern. Stockholm, 28. Juli. Aus Hernösand wird gemeldet, daß vier russische Torpedobootszerstörer von wachthabenden Lotsen Heute Nacht 2 Uhr entschlief nach langem schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder und Onkel, der Maurermeister Wrans-Geckel im 66. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, den 27. Juli 1909. Die Beerdigung findet am Freitag dem 30. Juli, nachmittags 4¼ Uhr, vom kath. Krankenhause aus statt. „Firh Shug Phrh Austalt Carl Schoppmeier, Schuhmachermeister Schwerte, ur Hagenerstraße 10. 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