Stntriches Nresbichl für den kreis börde — Verbunden mit: Schwerter Volksblatt O. General-Anzeiger für den Kreis Hörde O Schwerter Volks-Zeitung Die“schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis=Beilagen: o“illustrierter Familienfreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts IS Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die Schwerter währt Ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung" geAbonnenten für endenden Unihrer BedingII. Unterstützung Erstes und ältestes Cagesorgan des Rreises O Alie kreis- und lokalpolizeilichen Uerordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“schwerter Zeitung“ rechtso o o o o o verbindliche Kraft o o o c c e Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62 Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Haupt-Annoncenblatt Nr. 161 Dielslag den 13. Juli 1909 Erstes Wlatt Deutscher Reichstag. 281. Sitzung. Montag, den 12. Juli, 11 Uhr. Auf dem Platze des Abg. Scherre, Rp., prangt aus Anlaß seines 79. Geburtstages ein Blumenkissen. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Besoldungs=Reform=Gesetzes. Hamburg. Bundesrats=Bevollmächtigter Dr. Klügmann gibt seinem Bedauern Ausdruck, daß Hamburg nicht in die Servisklasse A ausgenommen sei und bittet um entsprechende Abänderung des Kommissionsbeschlusses. Württemberg. Oberst Dorrer: Ich habe dasselbe Bedauern und dasselbe Ersuchen hinsichtlich Stuttgarts auszurechen.... ziht hieselhe F-klärunc ak ir bezug auf Oberst v. Salza gibt dieselbe Erklärung ab in bezug auf Dresden und Leipzig. Abg. Droescher(k.) erstattet ausführlichen Bericht über die Kommissionsverhandlungen. Die Kommission habe dem Grundsatz:„Ohne Deckung keine Ausgabe“ das volle Gewicht beigelegt und auch bei den Erwägungen der Regierung nicht vorbeigehen können, daß auch auf die Rückwirkung der Besoldungsbeschlüsse im Reiche auf die Kommunen und auf die Einzelstaaten Rücksicht zu nehmen sei. Mit schwerem Herzen habe sich deshalb die Kommission vielfach entscheiden müssen, ihre weitergehenden Wünsche, namentlich hinsichtlich der Postassistenten sowie Unterbeamten, zurückzustellen und sich dem von der Regierung erklärten„unannehmbar“ zu fügen,##e Schatzsekretär Sydow: Indem die Kommission Ihnen Beschlüsse vorgelegt hat, über die ein Einverständnis mit den verbündeten Regierungen erzielt ist, hat sie die Besoldungsreform ihrer Vollendung ein gutes Stück näher gebracht. Es ist mir eine Pflicht, der Kommission wie namentlich auch den Referenten für ihre mühevolle Arbeit den wärmsten Dank auszusprechen.(Beifall.) Das Wohnungsgeld beträgt jetzt ¾ des ermittelten wirklichen Durchschnitts der Wohnungs=Ausgaben. Eingaben in bezug auf die Servisklassen sind genau geprüft worden. Was die Gehälter betrifft, so bedeuten die Beschlüsse ein Mehr von 17 Millionen Mark über die Vorlage, womit sich die Regierungen einverstanden erklärt haben. Es ist nun gesagt worden, daß die höheren Beamten besser bedacht seien, als die unteren. Dieser Vorwurf ist unzutreffend. Im Durchschnitt beträgt der Gehaltszuschlag bei den höheren Beamten 8,12 Prozent, bei den mittleren 13,8 Prozent, bei den unteren 16,6 Prozent. Dazu kommt, daß auch bei der Rege„lung der Wohnungsgeldzuschüsse unter Berechnung der schon vor zwei Jahren erfolgten Aufbesserung die Unterbeamten begünstigt worden sind. Nur ein Punkt erregt unser Bedenken. Bei den Unterbeamten, Briefträgern, Postassistenten sind die Gehälter jetzt höher, als bei den analogen Kategorien in Preußen. Dabei war es bisher stets Grundsatz, daß das Reich und Preußen bei der Gehaltsbemessung gleichartig vorgehen. Trotz anschließen zu können. Die Regelung, wie sie erscheint als eine angemessene. Die Kommission spricht der Resolutionen noch den Wunsch aus, daß die MannschaftsLöhnungen schon im Etat für 1910 erhöht werden. Das würde noch 13—14 Millionen erfordern und wird schon im nächsten Winter wohl nicht möglich sein. Hinter die Zahl 1910 muß ich daher noch ein Fragezeichen machen. Es sind ja nun noch viel weitergehende Wünsche vorhanden. Auch der Reichstag ist mit Eingaben überschwemmt worden. Schon die Rücksicht auf die Einzelstaaten macht es unmöglich, allen diesen Wünschen zu entsprechen. Alle zufrieden zu stellen, ist unmöglich. Nur verständige Wünsche können erfüllt werden. Daß die gewerbsmäßigen Agitatoren fortarbeiten werden, ist ja sicher. Aber es entspricht dem Interesse der Gesamtheit und auch dem Interesse der Beamten, daß übermäßigen Ansprüchen Halt geboten wird. Ich resümiere, die Kommissions=Beschlüsse enthalten das äußerste Maß dessen, was gewährt werden kann. Weitergehende Beschlüsse können nur die Vorlage zu Fall bringen, nicht aber an den Entschließungen der verbündeten Regierungen Abg. Kopsch(Fr. Vp.): Meine Freunde haben schwere Bedenken im einzelnen, werden aber dem Ganzen zustimmen. Zu bedauern ist, daß§ 2 der Regierungsvorlage von der Kommission gestrichen ist, der dahin lautete, daß„Aenderungen der Besoldungsordnungen durch den Reichshaushaltsetat erfolgen können". Die Beseitigung dieser Bestimmung bedeutet eine Schmälerung des Budgetrechts des Reichstages. Einige Aeußerungen des Schatzsekretärs hörten sich so an, als solle den Beamten ihr Petitionsrecht geschmälert werden. Meine Freunde müssen gegen jede Einschränkung des Petitionsrechts um so entschiedener Widerspruch erheben, als den Beamten nicht das volle Koalitionsrecht, nicht das Streikrecht zustehen kann. Redner wendet sich dann der Hauptsache zu, der Gehaltsregelung, bedauert, daß nicht mehr zu erreichen war, und hebt unter Zustimmung der Linken hervor, wie ja erst die Notwendigkeit der Besoldungserhöhungen durch Verteuern aller Lebensmittel hervorgerufen worden sei. Die jetzigen Gehaltserhöhungen würden leider durch die zunehmende Teuerung kompensiert und zum Teil mehr als das. Weiter schildert Redner den Umsall des Zentrums in der Frage der Höherbemessung der Unterbeamtengehälter, sowie derjenigen der Postassistenten. Der Umfall sei Wem wohl das Glück die schönste Palme beut? Wer freudig tut, sich des Getanen freut. Goethe. 41. Jahrg. begründet mit dem„unannehmbar“ der Regierung. M. wären Sie nur fest geblieben. Die Regierung fügt sich! Das haben Sie ja schon gesehen!(Heiterkeit links und Sehr richtig!) Auch die Hinausschiebung der Erhöhung der Mannschaftslöhne um ein Jahr ist bedauerlich. Sie(zum Zentrum) haben sich da auf eine Resolution beschränkt, mit der Morivierung: Keine Ausgabe ohne Deckung! Ja, wissen Sie denn heute schon, ob übers Jahr die Deckung da ist? Ihre jetzige Motivierung ist also nur ein Feigenblatt, um Ihren Umfall auch in bezug auf die Mannschaftslöhne zu verdecken. Aber das Feigenblatt ist so durchsichtig, daß es Ihre Blöße nicht deckt! Abg. Spahn(Z.): Die Kommission ist mit ihren Beschlüssen wesentlich über die Vorlage hinausgegangen. Da kann man uns doch nicht vorwerfen, daß wir nichts getan hätten! Namentlich sind auch Schaffner und Postassistenten über die Vorlage hinaus erhöht worden. Richtig ist ja, daß bei den Schaffnern wegen Wegfalls der. Teuerungszulage eine eigentliche Steigerung nicht, eintritt. Ich würde mich deshalb auch einem Antrage nicht widersetzen. Bei den Postassistenten dürfen Sie doch auch nicht übersehen, daß sie eventuell in eine Sekretärstelle einrücken können. Ob für die Postassistenten es bei 3300 im Maximum bleiben soll, statt 3600., darüber möchte ich allerdings noch einen besonderen Bundesratsbeschluß herbeigeführt wissen. Den Bundesrat kann ich überhaupt nur ersuchen, er möchte über etwaige abändernde Beschlüsse dieses Hauses recht sorgfältige Erwägungen anstellen und ihnen Wohlwollen entgegenbringen!(Bravos im Zentrum.)„ Abg. Beck, Heidelberg(nl.): Wir haben viele Wünsche zurückstellen müssen, denn wir sind uns wohl klar darüber gewesen, daß auf die wirtschaftliche Lage der Einzelstaaten und so mancher anderer Korporationen Rücksicht genommen werden muß. Ich betone das ausdrücklich, weil wir wiederum bei anderen Wünschen, auf denen wir bestehen mußten, dies nach reiflicher Erwägung für unerläßlich hielten. Wir stehen hier vor einer Gesetzesvorlage, der wir mit gutem Gewissen zustimmen können. Bedauern müssen wir aber doch, daß die Beschlüsse der Kommission über die Unterbeamten- und Assistentengehälter auserster Lesung bei der zweiten Lesung nicht aufrechterhalten worden sind. Diese Beschlüsse waren sachlich berechtigt und sind nach unserer Ueberzeugung noch jetzt sachlich berechtigt. Auch die Erhöhung der Mannschaftslöhne soll jetzt noch aufgeschoben werden, weil das 13—14 Millionen kosten würde, und weil dafür die Deckung noch nicht da sei. Wir haben uns der Bewilligung neuer Einnahmequellen nicht entzogen. Wären sie (nach rechts) unseren Vorschlägen gefolgt und hätten Sie die Erbanfallsteuer bewilligt(Lachen rechts), so würde für alle diese Mehrerhöhungen an Gehältern das Geld da sein! Wenn wir die Vorgänge der ganzen letzten Tage bedenken, so werden Sie es uns auch nicht verdenken, wenn wir dem jetzt geäußerten „unannehmbar“ der Regierungen keine so große Bedeutung beimessen, sondern Zweifel darin setzen. Wenn einmal eine solche Neuorganisation, eine solche Regelung erfolgt, so muß sie auch eine ausreichende sein. Nehmen Sie deshalb einen entsprechenden Antrag, den wir einbringen werden, an!(Beifall links.) Inzwischen ist bereits eine ganze Anzahl von Anträgen eingegangen, die die Versetzung von so und so viel Orten in eine andere Servisklasse erstreben. g6 61 ic Abg. Singer(Soz.) weist darauf hin, daß jetzt gar nicht mehr das Material herbeigeschafft werden könne, um die Berechtigung solcher Anträge zu prüfen. Nür für Stuttgart liege das Material bereits vor, das die Versetzung in die Klasse A rechtfertige. Alle übrigen Orte sollten sich begnügen, zunächst sich mit ihrem Material an den Bundesrat zu wenden. Was die Gehaltsfragen anlange, so solle sich der Reichstag in bezug auf Unterbeamte und Postassistenten an das„unannehmbar“ nicht kehren. Am allerwenigsten brauche die Mehrheit, die bei der Erbanfallsteuer sich um das„unannehmbar“ nicht gekümmert habe, hier bei den Unterbeamten einzuschwenken wie Unteroffiziere! Die Regierung habe durch ihr Verhalten bei der Finanzreform das Recht verwirkt, hier Widerstand zu leisten. Wäre die Mehrheit in der Kommission fest geblieben, so hätten die Regierungen sicher sofort nachgegeben! 8 Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben weist die Vorwürfe zurück, als ob etwa Preußen der Vater aller Hindernisse sei. Gerade die Unterbeamten werden erheblich aufgebessert. Wir sind den Wünschen der Kommission in jeder Weiigi#eregn. gekommen. Im Reiche handelt es sich um eine jahrliche Belastung von 117 Millionen. Wie kann da Herr Singer behaupten, daß wir es an Fürsorge für die Beamten fehlen lassen? Es ist sehr leicht, die weitgehendsten Anträge zu stellen, aber für Deckung nicht zu sorgen, wie es die Sozialdemokraten tun. Die wahren Freunde der Beamten sind nicht diejenigen, die ihnen eine Fata Morgana vorspiegeln, sondern die, die nach Möglichkeit helfen. Herr Singer sagte, die Regierung habe es verwirkt, daß man ihrem„Unannehmbar“ irgendwelches Ge wicht beilege. Ich kann Ihnen da nur erwidern: Machen Sie den Versuch und Sie werden sehen, ich wiederhole das, daß, wenn Sie weitergehende Beschlüsse fassen, dieses Gesetz daron scheitert!(Hört, hört! Der Minister sprach diese ganzen keyren Vorte mit lebhafter Betonung.), gegrändet eium Entrag auf Abg. Frhr. v. Gamp(Rp) begrunder einen Antrag auf Gewährung einer Zulage für die Postverwalter zwecks Gleichstellung mit den Assistenter.„##t Een Sutan i Reichsschatzsekretär Sydow lehnt den Antrag ab. Abg. Droescher(k.): Es heißt die endgültige Verabschiedung dieser Vorlage hindern, wenn hier noch lange Reden gehalten werden.(Sehr richtig! rechts.) Wo es sich um neue Steuern handelte, mußte die Regierung nachgeben; hier braucht sie das nicht. Die Steuern haben Sie abgelehnt, hier stellen Sie Anträge über Anträge. Kein Mensch ist so naiv, zu glauben, daß sie angenommen werden. Redner polemisiert weiter gegen die Linke. 46121 bi. Mängel Abg. Graf Mielczynski(Pole) bedauert die Mängel der Kommissionsbeschlüsse, erklärt aber, im Interesse der Sache würden seine Freunde für einen Zentrumsantrag stimmen, der lediglich in Form einer Resolution eine spätere Gehaltsaufbesserung für Postschaffner verlangt. Igan Ei. ung dach ard. Abg. Lattmann(W. Vgg.): Bleiben Sie uns doch endlich mit der Erbanfallsteuer vom Leibe! Ihr ewiges Zurückkommen darauf wird ja nachgerade langweilig!(Gelächter links.) Hier handelt's sich darum, daß wir endlich Taren sehen! Anzuerkennen ist, wie würdig sich in dieser Frage der offizielle Postassistenten=Verband benommen hat. In der Hoffnung, daß die Regierung nicht immer an ihrem Unannehmbar gegenüber den Unterbeamten und Assistenten verharren wird, werden wir die Kommissionsbeschlüsse annehmen. Schatzsekretär Sydow: Heute nachmittag hat eine Bundesratssitzung stattgefunden. Der Bundesrat hat einstimmig beschlossen, daß jedes Hinausgehen über die Kommissionsbeschlüsse ein Scheitern dieses Gesetzes zur Folge haben würde. Nach weiteren Bemerkungen der Abg. Bruhn und Ricklin wird ein Schlußantrag angenommen. Es folgt dann die Einzelberatung über die Klassen der Besoldungsordnung I. Bei den untersten Klassen 1—4a befürwortet Abg. Emmel die sozialdemokratischen Anträge auf weitere Erhöhung der Gehaltssätze, u. a. für Unterbeamte beim Kanalamte, der Eisenbahneorwaltung, der Post, einschließlich der Schaffnerklasse.., Intiag ein anf Schluß Ger Behg Hierauf geht sofort ein Antrag ein auf Schluß der Debatte über die ganze Besoldungsordnung I und desgl. II. Der Antrag wird angenommen. Zunächst erfolgt namentliche Abstimmung über einen Antrag Beck=Heidelberg(nl.) und Ablaß(Frs.), bei den ersten vier Unterbeamtenklassen die höheren Sätze der Kommissionsbeschlüsse erster Lesung wiederherzustellen. Der Antrag wird angenommen mit 172 gegen 161 Stimmen.(Bewegung.) Die Klassen 4a—5 beantragt ein Antrag Albrecht, in einer Klasse mit 1200—1800 zusammenzufassen. Der Antrag wird mit 292 gegen 47 Stimmen abgelehnt. Ebenso ein Antrag Hamecher zu Klasse 5 betr. Post= und EisenbahnUnterbeamte der Schaffnerklasse., 86— 4n Su Dann wird namentlich abgestimmt über einen Antrag Beck=Heidelberg, Ablaß, die Klassen 4a—7 sämtlich zu einer Klasse mit 1200—1800 M. zusammenzufassen, also auch darin den Kommissionsbeschluß erster Lesung wiederherzustellen. Auch dieser Antrag wird wiederum angenommen und zwar mit 200 gegen 134 Stimmen.(Bravorufe.) Auch ein weiterer Antrag Beck, die Klassen 9—11a in eine fünfte Klasse mit 1400—2000 M. zusammenzuziehen, entsprechend dem Kommissionsbeschluß erster Lesung, gelangt zur Annahme. Mit der Linken stimmten regelmäßig Wirtschaftliche Vereinigung, einzeine vom Zentrum, sowie bei der vorigen Abstimmung auch Polen. (Schluß folgt.) Politische Uebersicht. Deutschland. Der Ministerwechsel. Für den Fall, das Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg der Nachfolger des Fürsten Bülow wird, soll der jetzige Handelsminister Delbrück das Reichsamt des Innern übernehmen und seinerseits durch den Unterstaatssekretär Wermuth ersetzt werden. Ein Gesetzentwurf betr. Straßenreinigung wird dem preußischen Landtag bereits im kommenden Winter zugehen. Die von den Oberpräsidenten der Provinzen eingeforderten Gutachten über die Materie haben sich überwiegend für eine gesetzliche Regelung des Straßenreinigungswesens ausgesprochen, sodaß die kommissarischen Beratungen des Entwurfs, an denen das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, das Ministerium des Innern und das Finanzministerium beteiligt sind, schon im Oktober stattfinden werden. Nach der„Tägl. Rundschau“ soll die Regelung der Frage darin bestehen, daß unter Aufrechterhaltung der geltenden Rechte der Gemeinden die Befugnis zugesprochen wird, unter Zustimmung der Ortspolizeibehörde durch Ortsstatut die Reinigungs= und Streupflicht von Straßen und öffentlichen Plätzen in polizeimäßigem Sinne, das heißt über das eigentliche Verkehrsinteresse hinausgehend, den Anliegern zu übertragen. Die Besoldungsreform im Reich. Nachdem die neue Mehrheit des Reichstages sich mit den verbündeten Regierungen über die Finanzreform geeinigt hat, ist jetzt auch ein Kompromiß über die Besoldungsreform zustande gekommen. Die von der Regierung für unannehmbar erklärten Beschlüsse der Budgerkommission sind von den Vertretern der Reichstagsmehrheit abgeändert worden und haben die Zustimmung des Schatzsekretärs gefunden. Die Gehälter der Postassistenten sind danach auf 1800 bis 3300 Mark festgesetzt, während die Kommission ursprünglich auf 3600 Mark hinaufgehen wollte. Eine Differenz besteht bezüglich der Gehälter der Postbeamten noch bei der Klasse der Schaffner, für die die Kommission über die Regierungssätze hinausgegangen ist. Indessen dürste im Plenum auch hier ein Einverständnis erzielt werden. Der Hansabund. Einen großen Erfalg hat die Organisationstätigkeit des Hansa=Bundes neuerdings insofern zu verzeichnen, als nunmehr auch in Altona, Barmen, Bremen, Kottbus, Dessau, Elberfeld, Forst i. L., Grabow i. Mecklenb., Guben, Hanau, Karlsruhe, Lübeck, Mannheim und Offenbach a. M. Ortsgruppen gegründet sind. In Köln hat die Handelskammer mit 20 gegen 3 Stimmen beschlossen, dem Hansa=Bund beizutreten. In Halle a. S. hat eine Reihe der angesehensten Bürger einen Aufruf für den Beitritt zum Hansa=Bund erlassen. Abenteuer zweier Deutschen in Paraguay. Eine unglaubliche Behandlung ist zwei früheren deutschen Ofifzieren, den Herren v. Plessen, und Krise, in St. Bernardino(Paraguay) Arce widerfahren. Arce hatte am 29 April in einem Restaurant gezecht und sich schließlich Zudringlichkeiten gegenüber der Besitzerin erlaubt. Mehrere Deutsche, darunter von Plessen und Kriese, kamen der bedrängten Frau zu Hilfe. Der Gefa Politico entfernte sich unter Drohungen, um mit drei Soldaten, die ihre Gewehre schußfertig hielten, wiederzuerscheinen. Er erklärte die Herren für Gefangene, mißhandelte sie mit der Reitpeitsche und ließ sie nach der Gefatur(Polizeibehörde) bringen. Unterwegs warf er mit Steinen nach ihnen und befahl den Soldaten, sie von hinten zu erschießen. Die Soldaten waren verständig genug, diesem Befehle nicht nachzukommen. In der Gefatur gab Arce den Befehl, die Gefangenen sofort in den „Gepo“, einen Folterapparat zu legen. Trotz ihres Protestes mußten sie sich in ihr Schicksal fügen. Als Arce seine Opfer wehrlos gemacht hatte, befahl er den Soldaten wiederum, die Gefangenen zu erschießen. Als sie es nicht taten, schlug er die Gefangenen selbst mit einem Seitengewehr, das er einem Soldaten entrissen hatte, unausgesetzt auf den Kopf und den Oberkörper. Schließlich wollte er selbst sie erschießen, es gelang ihm aber nicht, sich ein Gewehr zu beschaffen. Nachdem die Nachricht von dem Geschehenen sich in der deutschen Kolonie verbreitet hatte, gelang es endlich, die Herren aus ihrer Zwangslage zu befreien. Wie wir von bestunterrichteter Seite hören, entspricht dieser Sachverhalt genau den Tatsachen. Der kaiserliche Geschäftsträger, Legationsrat Dr. Olshausen, benachrichtigte sofort die paraguaysche Regierung, die in einem Schreiben ihr tiefstes Bedauern über den Vorfall ausdrückte. Der Polizeichef Arce wurde seines Amtes enthoben und in Haft genommen. Es ist gegen ihn ein Verfahren eingeleitet worden. Aus dem Auslande. Frankreich. Der Senat hat gestern mit 251 gegen 8 Stimmen die Vorlage betr. Alterspension der Eisenbahnarbeiter angenommen. Bei der Beratung eines Antrages, der den Arbeitern im Falle eines unberechtigten Kontraktbruches einen Teil der Pension entziehen will, stellte Ministerpräsident Clemenceau unter Hinweis darauf, daß dieser Abänderungsvertrag das durch das Gesetz gewährleistete Recht zum Ausstand beschränke, die Vertrauensfrage. Als infolgedessen der Antrag zurückgezogen wurde, zog auch der Ministerpräsident die Vertrauensfrage zurück. Frankreich. Die Deputiertenkammer hat in ihrer Sitzung am Sonnabend die am 2. Juni 1908 geschlossene deutsch=französische Telegraphenkonvention angenommen. Die Kammer nahm weiter die Gesetzvorlage das Verbot der Bleifarben betreffend im Wortlaute des Senats an, ferner mit 460 gegen 104 Stimmen den einzigen Artikel der Vorlage, die in besonderen Fällen das Monopol der französischen Flagge aufhebt. Der Zwischenfall von Melilla. Der Staatsminister hat heute den Chef der marokkanischen Mission inoffiziell empfangen. Die Ereignisse von Melilla wurden nicht erwähnt. Die Kaids der Stämme Nador und Barraca haben um Verzeihung gebeten und sie erhalten. Amtlich wird bekanntgegeben, daß im Laufe des Gefechts bei Melilla auf spanischer Seite ein Offizier und vier Soldaten getötet und vier Offiziere und 22 Soldaten verwundet wurden. Heute früh herrscht in Melilla Ruhe. General Marina ist heute früh vorgerückt, um das Lager des Feindes bei Benibrufur zu beschießen. Der Feind zerstreute sich, ohne das Feuer zu erwidern. Die Maurer haben dabei einen Verlust von 40 Toten und 120 Verwundeten erlitten. Serbien. Im Sandschak Uesküb sind 20 Verhaftungen vorgenommen worden, wie es scheint infolge Entdeckung eines serbischen Komplotts durch die Regierung des Walajets Kossova. Auch zwei kompromittierte Mohamedaner sind verhaftet worden. Bogdan Radencowitsch, der Präsident des Klubs der ottomanischen Serben, ist, wie es heißt, aus Furcht vor Verhaftung plötzlich nach Belgrad abgereist. König Peter. Wie aus Belgrad gemeldet wird, tritt König Peter infolge seines Sturzes vom Pferde auf dringendes Anraten der Aerzte demnächst eine Badereise nach einem serbischen Badeorte an, wo er mit dem Kronprinzen zwei Monate lang bliben wird. Prinz Georg hat die Einladung mitzukommen brüsk abgelehnt: er bleibe in Belgrad, er habe kein Geld. Die Pforte. Der stürkischen Regierung ist, wie ich höre, jüngst ein sonderbares Anerbieten gemacht worden. Ein in Washington lebender Amerikaner erklärte sich in einem Schreiben an die Pforte erbötig, der türkischen Regierung die amerikanischen Banken namhaft zu machen, in denen Abdul Hamid den größten Teil seines Barvermögens deponiert hat. Er forderte 10 Prozent Provision und erklärte sich bereit, zu weiteren Verhandlungen nach Konstantinopel zu kommen. Die türkische Regierung antwortete, daß ihr Botschafter in Washington beauftragt sei, sich mit ihm ins Einvernehmen zu setzen. Nach äußerst zuverlässigen Meldungen aus Konstantinopel ist dort die kriegevische Stimmung im Wachsen. Die führenden jungtürkischen Kreise scheinen entschlossen zu sein, den Krieg zu erzwingen, falls sie in der Kreta=Frage keinen diplomatischen Erfolg erreichen können. Auch die militärischen Vorkehrungen der Türken werden eifrigst fortgesetzt, besonders beim dritten Korps. Der Kommandeur der sechsten Division, Muchlis Pascha, wurde zum Befehlshaber sämtlicher Truppen an der griechisch=türkischen Grenze ernannt. Marschall Ghazi Mukhtar Pascha, der in Wien eingetrofsen ist, hat sich zu einem Mitarbeiter der„Neuen Freien Presse“. über die Kretafrage geäußert. Er sagte:„Man übertrage dem Sultan die Ernennung eines Stadthalters, der dann von den Mächten anzuerkennen sei. Ich lasse es dahingestellt sein, ob der Gouverneur türkischer Untertan oder Ausländer sein soll, aber im letzteren Falle müßte es ein Untertan eines kleinen europäischen Staates sein, Schweizer, Holländer, Belgier oder Däne usw. Er dürfte aber unter gar keiner Bedingung Gvieche oder Untertan einer großen Macht, auch nicht ein Prinz eines regierenden Hauses sein“. * Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 13. Juli. **(Kaiserfeier auf Hohensyburg.) Wie jetzt von amtlichen Stellen mitgeteilt wird, ist der Besuch des Kaisers auf der Hohensyburg zur Teilnahme an der Jubelfeier der Grafschaft Mark bestimmt am Dienstag, den 10. August zu erwarten. **(Wie es in der Welt steht.) In vollen Zügei kann unsre Jugend bald die goldene Ferienfreiheit genießen. Von den Großen hat jetzt auch schon mancher„ausgespannt“, sitzt im schönen Grünen und läßt die Dinge der Welt in beschaulicher Betrachtung an sich vorüber ziehen. Allmählich macht sich Hochsommerstimmung bemerkbar und die Hundstagshitze rechtfertigt den in die Erscheinung tretenden Gang zum süßen Nichtstun. In vielen Gegenden unseres Vaterlandes ist jedoch von Hundstagshitze wenig zu spüren und andauernde Regengüsse bilden den Aerger des Sommerfrischlers. Nur Geduld, jede Kalamität nimmt ihr Ende, und das manchmal schneller als man glaubt. Wer hätte denn beispielsweise auch gedacht, daß die Finanzreform des Reiches so schnell unter Dach und Fach gebracht sein würde! Das heißt, lange genug hat sie ja in ihren Vorbereitungen gewährt, nur das zum Schlusse alles in Geschwindtempo sich machen ließ, das überraschte. Seine Nordlandsreise wird nun aller Voraussicht nach unser Kaiser doch machen, vielleicht nimmt er vorher mit dem neuen Reichskanzler noch Rücksprache über die neue Lage. In der Auslandsgeschichte fesseln uns nächst den französischen Sensationsgeschichten besonders die Vorgänge in Persien, über deren Ausgang sich noch immer nichts Bestimmtes vermuten läßt. Ebenso zweifelhaft ist auch der Streit der beiden feindlichen Brüder in Marokko. Die Vorgänge hier nehmen insofern noch unser besonderes Interesse in Anspruch, als die Vermutung nicht ganz unbegründet ist, daß Frankreich in Marokko wieder versuchen will, aus der Affäre Nutzen für sich zu ziehen. Auf dem Balkan wird die Zeit wohl eine ruhigere Auffassung der Kraft=Frage bringen. Neben diesen politischen Ereignissen fesseln uns zurzeit nur festliche Veranstaltungen, die wir im Inlande zu verzeichnen haben. Etwas ganz Besonderes ist die„Ila“, die Internationale Luftschiffahrts=Ausstellung in Frankfurt a. M. In Hamburg aber knallt's lustig aus vielen tausend Büchsen, die Hauptwoche des deutschen Bundesschießens ist in vollem Gange und vereinigt deutsche Schützen aus aller Herren Länder zu festlichem Treiben. **(Gedenktag.) Heute am 13. Juli jährt sich zum 39. Male die denkwürdige Begegnung König Wilhelms I. mit dem französischen Botschafter, dem Grafen Benedetti zu Ems. Nach den neuen Veröffentlichungen des derzeitigen französischen Ministerpräsidenten Ollivier gestaltete sich der Vorgang folgendermaßen: Um 9 Uhr 10 Minuten begann die Unterredung. König Wilhelm begrüßte Benedetti mit den Worten:„Der Kurier aus Sigmaringen ist noch nicht eingetroffen, aber hier haben Sie eine gute Nachricht. Hiermit sind alle unsere Sorgen und Befürchtungen beendet.“ Er zeigte dem Botschafter die Nummer der Kölnischen Zeitung, die das Sigmaringer Telegramm über den Verzicht enthielt. Benedetti entgegnete:„Durch ein Telegramm des Herzogs von Gramont bin ich von dem Verzicht unterrichtet. Mein Kaiser ist befriedigt, hofft aber von Ew. Majestät noch die Versicherung zu empfangen, daß die zurückgezogene Kandidatur auf den spanischen Thron auch in Fakunft nicht erneuert werden wird. Ew. Majestät wollen allergnädigst geruhen, mir die Erlaubnis zu erteilen, dem Herzog von Gramont zu melden, daß Ew. Majestät dem Prinzen verbieten werde, seine Kandidatur noch einmal aufzustellen.“ Hierauf entgegnete König Wilhelm, daß er diese Erlaubnis nicht geben könne und schloß mit den Worten:„Ich kenne meine Vettern, den Fürsten Anton von Hohenzollern und seinen Sohn. Sie sind beide ehrliche Männer. Sie haben keinesfalls jetzt abgelehnt mit dem Hintergedanken, jemals wieder die Kandidatur aufleben zu lassen.“ Doch auch diese Worte genügen nicht Benedetti. Er wiederholt zum dritten Male sein Anliegen. Nun erklärt König Wilhelm:„Herr Botschafter, Sie haben gehört, was ich zu sagen hatte. Sie gestatten mir nunmehr mich zurückzuziehen.“ Was die französische Kriegspartei durch Benedetti erreichen wollte, hatte sie damit ereicht, den Abbruch der friedlichen Beziehungen heute vor 39 Jahren. **(Esset Obst!) Das möchte man immer wieder den Menschenkindern zurufen. Ihr Jungen und Alten: ist das gesundeste, bekömmlichste und naturgemäßeste Nahrungsmittel. Es gibt viele Leute, die haben ein paar Obstbäume und=Sträucher im Garten, aber anstatt die Früchte selbst zu essen, meinen sie, es müsse Geld daraus geschlagen werden. Ihr lieben Leute, eßt doch das Obst selber, es tut euch besser, als wenn ihr es zu Geld macht. Und wer viel Obstbäume hat, der sorge zunächst für sich selber, damit im Winter bei keiner Mahlzeit ein Apfel auf dem Tisch fehlt, und damit die Speisekammer nicht leer wird von gedörrten Pflaumen, Birnen, Aepfeln, und die Gläser mit Eingemachtem in stattlicher Reihe auf dem Brette aufgereiht stehen. **(Schutz den Zimmervögeln.) Das neue Vogelschutzgesetz gewährt wohl unseren lieblichen Wald= und Wiesensängern durch ein Verbot jeglichen Handels mit denselben während der Sommermonate einigen Schutz vor der quälerischen Einkäfigung; dennoch hat eine Anzahl von Zimmervögeln unter der Gefangenschaft zu leiden. Vogelliebhaber mögen einige Ermahnungen beherzigen: Man stelle keine Käfigvögel an sonnige Plätze, ohne dieselben so zu bedecken, daß der Vogel Zuflucht in den Schatten finden kann; setze dieselben auch nicht rauhen Winden und Zugluft aus. Man stelle sie nicht hinter Glasscheiben während des Sonnenbrandes, weil dann die Vögel unter der brennenden Hitze leiden. Man sorge für genügende Fütterung und täglich sauberes Trinkwasser. Waldvögeln lasse man passende Insektennahrung, häufiger reinen Sand, mit Erde vermischt, auf dem Käfigboden zukommen. Man vertraue keinen unzuverlässigen Personen die Pflege der Vögel an. Während der Neisezeit müssen vielsach die Tiere durch Vernachlässigung seitens der Dienstboten qualvoll verhungern und verdursten. Hiesige Vögel, die längere Zeit im Käfig gehalten waren, auszusetzen, empfiehlt sich nur dort, wo reichlich Insekten leben, eine starke Blumenkultur betrieben wird, in Gärtnereien, an Kirchhösen oder in blühenden Wiesen, so lange der Vogel noch die Kraft zum Fliegen besitzt. Frisch gefangene Vögel, die durch die Unruhe oder verstörtes Wesen bekunden, daß sie der Gefangenschaft erliegen, setze man auch im Herbst bald wieder aus. **(Eine Farbe für alle Wagenklassen.) Eine einzige Farbe für alle Klassen der Personenwagen der Eisenbahn dürfte eingeführt werden. Die Unterschiede in den Farben sollen den Reisenden beim Aufsuchen ihrer Klasse behilflich sein. Der jetzige Anstrich der Personenwagen wird im Laufe der Zeit durch Veränderung der einzelnen Farbtöne, besonders durch Verschmutzung, dochso einheitlich, daß die Reisenden, besonders in der Nacht sich nach ihm doch nicht richten können. Andererseits ist die Beleuchtung der Bahnhöfe wesentlich stärker als früher geworden, so daß die Fahrklassennummer deutlich genug erkennbar ist. Der Personenwagenausschuß war deshalb beauftragt, die Frage zu prüfen, ob nicht zur Vereinfachung und Verbilligung der Unterhaltung der Personenwagen für den äußeren Anstrich der Wagen nur eine, für alle Wagenklassen gleiche, möglichst haltbare Farbe zu verwenden sein möchte. Zur Klärung der Angelegenheit wurden vorher die Gutachten der größten deutschen Staatseisenbahnverwaltungen und die der wichtigsten Lackfarbenwerke eingefordert. Als Ergebnis der Beratung hat der Personenwagenausschuß die Anwendung des jetzigen grünen Anstriches der Wagen 1. und 2. Klasse bei allen Personenwagen in Vorschlag gebracht. **(Verband der Kommunalbeamten für Westfalen.) Am Sonnabend, den 10. und Sonntag den 11. Juli fand in Gelsenkirchen die XIII. ordentliche Hauptversammlung des Verbandes der Kommunalbeamten für Westfalen statt. Die Hauptversammlung war äußerst gut besucht und auch die Veranstaltungen des Gelsenkirchener städtischen Beamtenvereins können dem Verein nur zur Ehre gereichen. Mit Freude mußte ein jeder Teilnehmer feststellen, daß der Geist des Zusammenhaltens und Zusammenwirkens bei den Kommunalbeamten lebendig bleibt und daß das Bestreben der Beamten einzig und allein darauf gerichtet ist, den Stand geistig und wirtschaftlich zu heben und ihm die gebührend Stellung zu erringen. Seitens der Staatsbehörden und der meisten Stadtverwaltungen wird dem Verbande schon längst das Vertrauen entgegengebracht, welches er in Wirtlichkeit auch verdient; seine Handlungen bewegen sich ja in gesetzlichen und sachlichen Grenzen und noch vor kurzem ist von den höchsten Staatsbehörden mit Befriedigung anerkannt worden, daß die Haltung des Verbandes durchaus einwandsfrei ist. Diesem guten Rufe der dem Verbande vorausgeht, ist es auch zu verdanken, daß die Vertreter der Stadtverwaltung Gelsenbirchen sich sehr zahlreich an den Verhandlungen und auch an den festlichen Veranstaltungen beteiligten. Am Sonnabend hielt Herr 2. Bürgermeister von Uedelstädt die Begrüßungsansprache und am Sonntag der Oberbürgermeister Machens. Die beiden Bürgermeister betonten in ihren Begrüßungsansprachen, daß sie die Bestrebungen der Kommunalbeamten nur billigen könnten und daß sie in jeder Beziehung der Unterstützung wert seien; die genannten Herren betrachteten die Kommunalbeamten als„Mitarbeiter“ und kennzeichneten sie als nicht zu unterschätzende Faktoren im öffentlichen Leben, im Dienste der Gemeinde und des Staates. Außer den genannten Bürgermeistern waren noch die Beigeordneten Heimroth. Meyer und Assessor Krug an beiden Tagen anwesend. Der Herr Regierungs=Präsident in Arnsberg und Polizei=Präsident in Gelsenkirchen hatten schriftlich mitgeteilt, daß sie leider am Erscheinen verhindert seien. Auf den Inhalt der Verhandlungen einzugehn und das Gebotene aufzuzählen würde zu weit führen. Der Verband kann aber, das sei nochmals gesagt, mit Stolz und völliger Genugtuung auf die XIII. Tagung in Gelsenkirchen zurückblicken. **(Beginn der großen Ferien.) Es steht nunmehr fest, daß auch für den Kreis Hörde und die Grafschaft Mark die großen Ferien bestimmt am 6. August ähren Anfang nehmen; dieselben dauern bis zum 15. September. Von der geplanten offiziellen Beteiligung der oberen Schulklassen an der Spalierbildung bei Anwesenheit des Kaisers auf der Hohensyburg hat man Abstand genommen, während zuerst geplant war, eventl. die Ferien aus Anlaß dieser Feier zu verlegen. In diesem Fall hätten allerdings manche Eltern und Lehrer ihren Ferienreiseplan ändern und auf die durch die Feriensonderzüge gebotenen Vorteile verzichten müssen. Jetzt kann der Reiseplan für die Ferien endgiltig festgesetzt werden. **(Vom Krieg im Frieden.) Auf dem Marsch nach der Senne begriffen, wird heute die Abteilung des 5. Ulanen=Regiments aus Düsseldorf in der Umgebung unserer Stadt Quartier beziehen; u. a. eine ganze Schwadron in Ergste und eine halbe Schwadron in Reingsen. Vier Quartiermacher, auf dem Wege nach Unna begriffen, passierten heute Morgen unsere Stadt.— Auf dem hiesigen Bahnhof werden heute nachmittag gegen ½5 Uhr wieder zwei Militärzüge, welche Reservisten u. Landwehrleute aus der Senne zurückbefördern kurzen Aufenthalt nehmen. Den Mannschaften wird hier eine kleine Erfrischung gereicht. **(Die gestrigen Konzerte) der Krefelder Husaren=Kapelle am„Freischütz“ hatten sich trotz des wenig einladenden Wetters eines recht guten Besuches zu erfreuen, da die Mitglieder des Bürger=Schützenvereins Schwerterheide vielfach die Gelegenheit zu einer kleinen gemütlichen Nachfeier benutzten. Das Programm der Kapelle fand allseitigen Beifall. **(Die westfälischen Posaunenchöre vor dem Kaiser.) Wie wir schon früher meldeten, werden die westfälischen Posaunenchöre in Stärke von ca. 500 Mann unter Leitung des Pfarrers Dr. Morgenstern zu Hombruch gelegentlich der Kaiserfeier auf Hohensyburg dem Kaiser einen musikalischen Gruß darbringen. Die entfernter wohnenden Teilnehmer an dem Huldigungsakt werden schon am Abend vorher in Hombruch eintreffen und bei der dortigen Bürgerschaft einquartiert. *(Kath. Arbeiter=Verein.) Der kath. Arbeiter=Verein „St. Stephanus“ hielt am Sonntag abend in seinem Vereinslokal eine gut besuchte General=Versammlung ab. Als 2. Vor Inrüches füesckaf fcrien ideh Berch ele useenen 161 Dienstag den 13. Juli 1909 41. Jahrg. K Zweites Blatt. Die Wirkung der Finanzreform. Die Reichsfinanzreform passierte nun doch noch in der abgelaufenen Woche die dritte und letzte Lesung, erhält sofort die Zustimmung des Bundesrats und tritt in ihren wesentlichsten Bestimmungen am 1. August dieses Jahres in Kraft. 500 Mill. jährlicher neuer Steuern lassen sich auf die 64 oder 65 Mill. Köpfe der Bevölkerung des deutschen Reiches nicht verteilen, ohne daß nicht jeder einzelne etwas davon verspürt. Und dividieren wir die 500 Millionen durch die Zahl der Familien im deutschen Vaterlande, dann entfällt auf jede einzelne eine ganz erkleckliche Summe. Hurrastimmung kann kein neues Steuergesetz auslösen, auch wenn es besser ist, als das soeben von der neuen Reichstagsmehrheit verabschiedete. Daß dieses Gesetz seine Mängel, seine großen Mängel hat, das sagen nicht nur seine Gegner im nationalliberalen, freisinnigen und sozialdemokratischen Lager, das verhehlen auch die Minister keinen Augenblick. Und bedenkt man, daß die Finanzreform mit der Opferung des Fürsten Bülow erkauft wurde, dann kann man ihrer nur mit Betrübnis gedenken; denn das Bülow geht, ist ein Verlust. Die parlamentavischen Debatten und Kämpfe, die in der dem Abschluß der zweiten Lesung gewidmeten Nachtsitzung zu turbulenten Szenen mit Pfeifen und Johlen führten und lebhaft an die Zolltarifdebatten des Dezembers 1902 erinnerten, deutetn darauf hin, daß während der kommenden Tagungen im Sitzungssaale des deutschen Reichstags wieder ein schärferer Wind pfeisen wird. Mit dem Blockfrieden ist es vorbei. Wichtiger aber als die Lehren, die ein Rückblick auf die hinter uns liegenden 8monatigen Finanzreform=Verhandlungen erteilt, und wichtiger als die Betrachtungen über parlamentarische Zukunftsmöglichkeiten sind die praktischen und unmittelbaren Wirkungen, die von dem neuen 500=Millionen=Steuergesetze ausgehen werden. Eine durch das Gesetz sanktionierte Steuerforderung ist noch nicht immer ein Steuerertrag. Die sogenannte kleine Finanzreform des Jahres 1906 sollte 200 bis 220 Millionen einbringen und hat es bisher kaum auf die Hälfte dieses Soll=Ertrages gebracht. Auch jetzt geht die Rechnung davon aus, ob der Konsum der höher besteuerten Genußmittel der gleiche bleiben wird, bleibt aber doch noch sehr abzuwarten. Daß mit Streichhölzern, die von jetzt ab eine Steuer von 25 Millionen tragen sollen, in Zukunft wesentlich sparsamer gewirtschaftet wird, als bisher geschah, steht außer Frage. Der Konsum kann hier vielleicht bis auf 50 Prozent zurückgehen. Selbst bei solcher großen Sparsamkeit hat der einzelne Steuerzahler für seinen Bedarf an Streichhölzern noch eine höhere Summe in den Etat einzustellen als bisher. Aber das Reich kommt auf keinen SteuerErtrag von 25 Millionen, sondern nur auf einen Teil dieser veranschlagten Summe. Aehnlich kann es auch beim Bier, das 100 Millionen, beim Branntwein, der 80 Millionen, und bei den Zigarren, die 43 Millionen jährlich mehr einbringen sollen, ergehen. Da sich niemand mit einer geringeren Qualität, als der bisher gewohnten, wird begnügen wollen, so muß er eben den Verbrauch nach der quantitativen Seite einschränken. Zu größeren Ausgaben für Genußmittel ist heute kaum jemand imstande, da ja doch auch in den Einzelstaaten die Steuerschraube stark angezogen und das Einkommen kräftiger herangezogen wurde. Was von den Verbrauchssteuern gilt, trifft auch für die Verkehrs= oder Besitzsteuern großenteils zu. In Zeiten wirtschaftlicher Depression, wie wir sie noch immer haben, fehlt es aber überall an der wünschenswerten Leistungsfähigkeit, auch an der steuerlichen. Die Regierungen des Reiches und der Bundesstaaten haben auf die erste Seite ihres Programms das Wort Sparsamkeit gesetzt. Dies Wort muß unter den obwaltenden Umständen auch die Losung jedes deutschen Familenvaters und jeder deutschen Hausfrau sein. Reich und Staat brauchen ihren Zins und können sich davon nicht abhandeln lassen. Freilich, es führen viele Wege nach Rom, und ob der mit der gegenwärtigen Finanzreform eingeschlagene der richtige u. beste ist, das müssen die Erfahrungen der Wanderung noch ergeben. Das ist bei SteuerGesetzen ja die Hauptsache, daß sie möglichst wenig drücken und möglichst viel einbringen. Diesen Idealen entspricht die neue Finanzreform nicht, und man wird zufrieden sein müssen, wenn dem Drucke der Ertrag wenigstens einigermaßen gleichkommt. Die Fahrkartensteuer ist ein warnendes Beispiel! Die Jubiläums=Ausstellung der Landeskulturgesellschaft für den Legierungs=Bezirk Arnsberg. Im Börsensaal am Viehmarkt hatten sich Freitag die ersten Koryphäen der Landwirtschaft, an der Spitze der westfälische Hochadel, u. die Vertreter der Provinz, der Kreise und Städte Westfalens in großer Menge versammelt. Der Saal, der sonst nur„profanen“, Börsenzwecken dient, war festlich geschmückt worden; im Hintergrunde erhob sich aus einem künstlevisch aufgebauten Blumen=Arrangement die Büste des Kaisers. Der Eröffnungsakt begann um 11 Uhr Vormittags. Der Regen strömte leider dauernd fort. Der Protektor der Ausstellung, Herr Oberpräsident Freiherr v. d. Recke, trat vor und richtete an die Festversammlung folgende Ansprache: Meine Herren! Die Herren vom Ausstellungskomitee hatten die Liebenswürdigkeit, mich zum Protektor dieser Ausstellung zu bestimmen und als solcher habe ich die Ehre, das Jubiläum Ihrer Gesellschaft, das schon seit längerer Zeit die ganze Provinz freudig bewegt, in ihrer Mitte mitfeiern zu können. Meinen herzlichen Glückwünschen darf ich die Grüße des Herrn Landwirtschaftsministers hinzufügen, der es lebhaft bedauert, persönlich verhindert zu sein, um an Ihrem Jubelfeste teilzunehmen. Er hat mich beauftragt, Ihnen zu sagen, mit welchem Interesse er ihre Bestrebungen verfolge u. wie gern er die Erfolge Ihrer Vereinstätigkeit anerkenne. Auch für die Zukunft wünsche er der Landeskulturgesellschaft für den Regierungsbezirk Arnsberg weitere reiche Erfolge. Diese Wünsche, meine Herren, decken sich mit den meinigen. Die Landeskulturgesellschaft kann auf ein 100=jähriges Bestehen zurückblicken, auf hundert Jahre steter Arbeit und treuer Pflichterfüllung. Wenn es der Landwirtschaft in dem ständigen Wechsel zwischen banger Sorge und Zufriedenheit, zwischen Hoch und Tief, gelungen ist, schließlich auf die Gewinnseite zu treten, so ist das nicht zuletzt der klugen Beratung der Landeskultur=Gesellschaft zuzuschreiben. Möchte der Landwirtschaft auch in Zukunft ein voller Erfolg beschieden sein. Der Glanzpunkt Ihres Jubiläums bildet Ihre Ausstellung, die zu eröffnen ich als Protektor die Ehre habe. Ich bitte Sie, mit mir trotz des ungünstigen Wetters den versprochenen Rundgang anzutreten. Um die festliche Stimmung in den rechten Rahmen zu bringen, sprach der Regisseur noch einmal den Festprolog, den er bereits am Donnerstag abend auf dem Empfangsabend zum Vortrag gebracht hatte. An die Feier schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung an, der viel Lehrreiches bot. Leider verhinderte der fortgesetzte Regen eine Durchwanderung der im Freien arrangierten Schaustellungen. Den gedeckten Hallen im Schlachthof, die für die Ausstellung geradezu geschaffen sind, brachten die Gäste ein außergewöhnliches Interesse entgegen. Es sind darin untergebracht das Großvieh und das Kleinvieh, die Pferde und die Fischerei= und Bienen=Ausstellung, sowie eine Reihe Abteilungen, die mit der Landwirtschaft in engster Beziehung stehen. Vielen Beifall fand die Altertums=Ausstellung, welche uns den Werdegang der westfälischen Landwirtschaft in den verflossenen hundert Jahren so vortrefflich vor Augen führt. Zwei Mädchen aus Westfalenland präsentieren sich sogar als vollendete Spinnerinnen, unser heimischer Bauernstand hat einen großen Fortschritt genommen. Auch die Besenfabrikation wird uns gezeigt, und zwar ist es eine Dortmunder Firma, die diese Kunst dem Publikum bietet. Die Abteilung„Kaninchen“, die in allen Rassen vertreten sind, ziehen besonders die jugendlichen Ausstellungsbesucher an. Dankbar ist auch ein Besuc) der FischereiAusstellung, die neben Beständen aus den namhaften Züchtungen der Provinz auch klassische Zeugen dafür erbringt, welchen Fischreichtum der Dortmunder Hafen und der Emskanal birgt. Die mächtigen Hechte, die man dort sieht, sind erst kürzlich im Hafen gefangen worden. Das Hauptinteresse der Festteilnehmer wandte sich dem Pferdematerial zu, das so außergewöhnlich zahlreich vertreten war, daß es allgemeine Bewunderung erregte. Der Vorführung der einzelnen Exemplare wohnte ein zahlreiches Publikum bei. Die Preisrichter hatten zweifellos einen schweren Stand. Das gilt nicht nur von den Pferden, sondern auch von dem übrigen Großvieh, namentlich von den Kühen und Bullen, auf die sich ein gleich großes Interesse konzentrierte. Nach dem Rundgang nahm man einen kleinen Imbiß ein, um dann zur Festversammlung zu wandern. 8 Roman von Constantin Harro. (Nachdruck verboten.) Zweites Kapitel. „Sagt Ihnen der Landaufenthalt zu, gnädigste Frau?“ „Langweilig ist es hier, zum Sterben langweilig! Diese Bauern, dieses ordinäre Volk! Und ich eine Berlinerin. Wie soll ich denn die Einsamkeit hier ertragen können?" Die schöne Frau, welche diese Worte sprach, legte den feinen, blonden Kopf zurück und sah mit den großen, mandelförmig geschnittenen Augen in die grünen Parkwipfel, welche sie vom Fenster aus überschaute. Ihr Gegenüber, der Adjutant Baron Faßmühl=Mühlinghoff, hob das Monocle vor sein wasserblaues Auge und that, ein leichtes Gähnen unterdrückend, das Gleiche. „Jawohl! Ja!“ schuarrte er.„Miserable Landstrecke. Begreife Excellenz nicht, daß sie gerade diesen Ort zur Erholung wählten. Frau Grazia von Thonau nahm mit den wohlgepflegten weißen Händen eine mit Goldfäden durchzogene Stickerei aus dein bereitstehenden Arbeitskörbchen und langsam— sie accentuierte beim Sprechen fast jedes Wort— erwiderte sie: „Nun, aus der Gegend machen wir uns ja alle beide nicht viel, trotz unserer Malgelüste!“ Er betrachtete die schöne Frau, die wie ein Steinbild vor ihm ruhte, mit unverhohlener Bewunderung. Aber er fand es gefährlich, auf das Thema, welches sie plötzlich angeschlagen, einzugehen. So suchte er lieber neuen Gesprächsstoff herzu. „Haben Sie Nachrichten von Ihrem Fräulein Tochter?“ begann er. „Von meiner Stieftochter?“ korrigierte sie.„Allerdings. Bella schreibt oft. Sie wird in acht Tagen das Genfer Pensionat verlassen und zu uns zurückkehren. „Hierher?" rief der Adjutant erstannt.„Davon sagte Ihr Herr Gemahl noch kein Wort. „Das wundert mich“, meinte Grazia kuyr.„Er spricht ja eigentlich schon seit Wochen von nichts anderem. Uebrigens kein äußerlich bevorzugtes Mädchen, diese Bella. „Und noch ein Kind!“ sagte der Baron. „Kaum siebzehn Jahre alt, ja!" bestätigte die Generalin. Sie bringt eine Erzieherin mit, an der sie mit großer Zärtlichkeit zu hängen scheint. Ein sonderbares Mädchen, diese Bella! Ernsthaft über ihre Jahre, ewig mit Büchern beschäftigt, mißtrauisch, wie alle häßlichen Leute.“ „Sie lieben sie nicht?“ „Lieben?“ fragte sie erstaunt.„Ich bin ihr eine pflichtgetreue Mutter. Das genügt.“ Als nun der Adjutant mit einem vielsagenden„Hm, hm“ wieder seinen Bart bearbeitete, gewahrte er erstaunt, daß die Generalin mit ungewohnter Lebhaftigkeit nach dem Park hinuntergrüßte. 9 st „Wen haben wir denn da, Gnadigster ftagle er velustigt. „Eine Eroberung?“ „Natürlich!“ scher### sie.„Sie entsinnen sich doch wohl noch des blonden Bauernjünglings, der Sie neulich am See beim Malen störte? Der grüßt mich nun täglich mit ungeheurer Devotion. Ja, auf dem Lande wird man bescheiden, mein Lieber! Aber was haben Sie denn? In Ihrem Gesicht geben sich ja tausend Lachteufelchen ein Rendezvous!“ :„Ach, das Original! Ich habe das Original gefunden", rief er aus. g5hihte M46. „Ich kann Ihnen eine kleine, rostliche Geschichte erzühten von einer Hexe und einem Königskind.. und von dem Burschen da, der tanzt wie ein Wickelbär! Soll ich. Gnädigste?“ „Ich bin die Neugierde in Person!“ lächelte sie ein bißchen von oben herab.„Fangen Sie doch endlich an. Ein BauernIdyll. Was weiter?“ „Nicht ganz! Urteilen Sie selbst, Gnädigste“, sprach er bedächtig. Dann begann er:..... gn 55 Schute 14 „Von einer meiner Streifereien in den Wald kehlte ic gestern beim Abenddunkel zum Dorf zurück. Aus einem vereinzelt stehenden Gehöft lockten mich die Klänge eines verstimmten Klaviers näher. Die niedrigen Feuster des etwas verwahrlost aussehenden Bauernhauses gewährten mir bald darauf den Einblick in eine große, leere Stube, in der sechs bis acht Paare sich im Reigen drehten. Am alten Klapperkasten saß der Dorfschullehrer und haspelte seine Stücklein herunter. Die Tanzmeisterin aber? Zum Schreien, Gnädigste! Sie glich der Hexe von Endor aufs Haar. Sie war herrlich anzusehen in einem grauen Schleppkleide und einem verstaubten Häulchen mit karmoisinroten Bändern. Feierlich schritt sie einher, gewaltiger Ernst thronte auf ihrer Stirn, und majestätisch grollte ihre Stimme. Ihre kleinen, dürren Hände winkten der trampelnden Schar Beifall zu oder fielen kräftig auf die Schultern der Tanzenden nieder. Es war klassisch geradezu!“ „Also wirklich ein Original!“ unterbrach Grazia die Erzählung. Das Weiblein müssen Sie mir herschaffen, Baron. Die Hexe soll uns den schönsten Tanzabend arrangieren. Nur die Schornsteine müssen wir verdeckt halten. Denn wer weiß! Vielleicht zwingt uns die Alte, den Flug durch die Luft mitzumachen.... Sie wissen: ich liebe das Abenteuerliche.... Aber Sie erwähnten vorhin eines Königskindes?“ „Natürlich! Das kommt jetzt an die Reihe. Also die Bauernmädchen in bunten Kleidern und dito Tüchern mußten miteinander tanzen. Es gab nur einen Herrn in der Gesellschaft. Und der war? Raten Sie, gnädige Frau!“ „Nun, selbstverständlich mein Verehrer vom See. Das gelbe Strohdach mit den kugelrunden, staunenden Augen.... lachte Grazia. „Richtig! Gnädigste haben erraten! Das einzige männliche Individuum hatte nun natürlich den Vorzug, mit dem Königskind zum Reigen anzutreten....O, dieses köstliche Paar!“ „Sie geraten in Ekstase, mon cher!“ spöttelte die Generalin. (Fortsetzung folgt.) Gegen 1 Uhr begann im Börsensaale die Festversammlung, die von dem Vorsitzenden der Landeskulturgesellschaft, Herrn Schulze=Hennen, mit den Worten freundlicher Begrüßung eröffnet wurde. Er gedachte aller der Männer, die sich um die Gesellschaft und um das Zustandekommen der Ausstellung verdient gemacht und nannte dabei besonders den Namen des Herrn Direktors Dr. Müller, welcher seit Wochen und Monaten unermüdlich tätig gewesen wäre, um die Ausstellung auf die Höhe zu bringen, auf der wir sie heute gefunden. Schließlich teilte Redner noch mit, daß die Mitgliederzahl der Gesellschaft nunmehr 2036 betrage. Darauf sprach Herr Dr. E. Kloepler=Hagen über die Hundertjahrfeier der Landeskulturgesellschaft. Diesem Vortrag folgte um 2,30 Uhr das Festmahl im Lindenhof, an dem etwa 200 Personen teilnahmen. Der Herr Oberpräsident brachte das Kaiserhoch aus. Er führte aus, daß nur an rastlosem Streben, in mühevoller Arbeit der Segen und die gewinnbringende Tätigkeit der Landwirtschaft begründet sei. Religiosität und echtes vaterländisches Tun sei von jeher die erste und vornehmste Tugend der Landwirtschaft gewesen, die von dem Vater auf den Sohn vererbt sei. Aus dieser edlen Gesinnung heraus sei es Pflicht, das erste Glas Sr. Majestät dem Kaiser zu widmen, dem erhabenen Schutzherrn der Landwirtschaft. Redner leerte darauf das Glas auf das Wohl des Kaiser. Herr Schulze=Hennen brachte ein Hoch aus auf die Ehrengäste, insbesondere auf den Protektor, den Herrn Oberpräsidenten der Provinz Westfalen. Herr Oberbürgermeister Schmieding gedachte der Tätigkeit des Ausstellungsausschusses, an deren Spitze Herr Direktor Dr. Müller stehe, der geradezu Uebermenschliches geleistet habe, sodaß er(Redner)sich wundern müsse, daß dieser Herr noch so gesund an der Tafel weile. Das Hoch des Redners auf den Ausstellungsausschuß fand ein freudiges Echo. Es folgte noch eine Reihe weiterer Reden, die alle in den besten Wünschen für das Gedeihen der Landwirtschaft und der Landeskulturgesellschaft gipfelten. Herr Oekonomierat Laher=Münster feierte die Technik, die die Landwirtschaft um ein hervorragendes Stück weiter gebracht habe. Herr Graf Korff=Schmiesing brachte ein Hoch auf die Landeskulturgesellschaft aus. Küche und Keller des Lindenwirts, Herrn Heinz, wahrten ihren alten bewährten Ruf, es herrschte hierüber nur eine Stimme. Gegen 6 uhr wurde die Tafel aufgehoben, für welche die Giesenkirchensche Kapelle eine hübsche Tischmusik geliefert hatte. An den Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer, Freiherrn von Landsberg und den Landrat a. D. Freiherrn von Rhynsch wurden Begrüßungstelegramme gesandt. Die Vorführungen auf dem Ringplatze wurden des Regens wegen unterlassen. Am Sonnabend wurden bei etwas besserem Wetter einige Besichtungen z. B. Thomasmühle von Schüchtermann und Krämer, städt. Feuerwache und anderes vorgenommen. Auch die Vorführungen im großen Ringe der Ausstellung kamen zu ihrem Rechte. Der Besuch war Sonnabend wie Sonntag ein sehr reger. Am Sonnabend abend hatte der landwirtschaftliche Klub Dortmund=Hörde ein Festkonzert mit anschließendem Ball arrangiert, in welchem auch unter dankbarem Beifall der Zuschauer einige altdeutsche Tänze und lebende Bilder zur Aufführung gelangten, welche von Herren und Damen des Vereins einstudiert worden waren; besonders erregte der amüsante Hochzeitszug das Wohlgefallen der Anwesenden. Sonntag abend um 8 Uhr wurde die an Anregungen so überaus reiche Jubiläums=Ausstellung der Landeskultur=Gesellschaft geschlossen. Westfalen und Rheinland. * Arnsberg, 3. Juli.(Zur Ernte.) Infolge des seit mehreren Wochen anhaltenden Regens beginnen die Feldfrüchte sehr zu leiden. Das Getreide ist auf weite Flächen hin stark gelagert. Die Kartoffeln beginnen zu faulen. * Unna, 9. Juli.(Verschwunden.) Das etwa 2½ Jahre alte Töchterchen der Eheleute Heinrich Hartleif, Karlstraße ist seit Freitag früh 8 Uhr verschwunden. Das Kind ist mit einem karierten Kleidchen und mit gedrucktem Schürzchen bekleidet. Wer etwas über den Verbleib des Kindes bekunden kann, wird gebeten, dies umgehend bei den besorgten Eltern bewirken zu wollen. * Altena, 8. Juli. Der Plan, die Burg Altena wiederherzustellen, hat bekanntlich Freunde und Gegner, wie die ganze künstlerische Anschauung, aus der er hervorgegangen ist ebenso lebhaft wie sie von den einen vertreten, von den anderen bekämpft wird. Innerhalb der behördlichen Kreise ist der Wunsch des Kaisers vielfach für die Förderung der Absicht bestimmend. Dagegen verhalten sich die unabhängigen Städte zum Teil ablehnend gegen den Plan. * Münster, 10. Juli.(Todesfall.) Einen Verlust hat die Westfälische Wilhelms=Universität erlitten durch den Tod des ordentlichen Professors der Botanik, Dr. Friedrich Wilhelm Zopf. Der Verstorbene arbeitete sich vom Volksschullehrer zum Universitätsgelehrten empor. In Münster wirkte er seit 1899. Seinen Ruf verdankte er vor allem seiner Forschertätigkeit auf dem Gebiete analytisch=chemischer Untersuchung der Pflanzen, insbesondere der Flechten. Die Ergebnisse dieser Arbeit hat er in seinem Buche übr die Flechtenstoffe niedergelegt. Während seines Rektorates im Jahre 1904 gelang ihm die erste grundlegende Einigung der Münsterschen Studenten durch den Zusammenschluß der Korporationen zu einem gemeinsamen Korporationsausschuß. Als aber in diesem Jahre durch endgültige Verständigung mit den Vertretern der Nichtinkorporierten das von ihm begonnene Einigungswerk vollendet und ein Allgemeiner Studentenaustausch gegründet werden sollte, sandte er den wenige Tage vor seinem Tode versammelten Vertretern der Studentenschaft mit Tafelblumen aus dem botanischen Garten die herzlichsten Wünsche für den Erfolg der Einigungsbestrebungen. * Gelsenkirchen, 12. Juli. Zu dem gemeldeten Mord an der Frau Kopp haben die Ermittelungen der Kriminalpolizei folgendes ergeben: In dem Zimmer, wo die Frau Kopp schläft, schlief auch eine verheiratete Tochter der Frau, die vor zwei Jahven ihren Mann verloren hat. In der Mordnacht wollte wahrscheinlich ein Liebhaber der jungen Witwe einen Besuch abstatten. Der Mann warf mit einem Stein nach dem Schlafzimmer, als die Frau Kopp sich nun in das Erdgeschoß begab und dort ein Fenster öffnete, ist sie, wie man annimmt, von dem Manne ermordet und nach der Fundstelle geschleppt worden. Die junge Witwe hielt sich in der Mordnacht bei einer Verwandten in Gladbeck auf. * Elsen, 8. Juli.(Ein Brudermord) ist hier Freitag verübt worden. Die drei Brüder Linnenbrink, am Ottberge am Wege nach Scharmed wohnend, deren Vater tot ist, saßen beim Frühstück. Der zweite und jüngste Bruder hatten einen Wortstreit, der älteste wollte beschwichtigen, da ergriff der jüngste, ein vierzehnjähriger Knabe, ein Messer, stieß damit gegen den ältesten Bruder und traf ihn ins Herz, so daß er alsbald eine Leiche war. Der Erschlagene war neunzehn Jahre alt. Der Täter wurde verhaftet. * Cochom, 9. Juli.(Die Lage der Winzer) gestaltet sich durch die naßkalte Witterung sehr bedenklich. Die wenig Ertrag liefernde Heuernte muß häufig unterbrochen werden. Teilweise liegt das Gras noch abgemäht, teilweise steht es noch auf dem Halm. Im Weinberg war man mit dem zweiten Bespritzen der Rebstöcke beschäftigt. Die Arbeit muß jetzt ruhen. Die Blüte verläuft langsam, der Sauerwurm greift immer mehr um sich. Bunte Chronik. Willy Hamacher f. In Bad Reinerz ist, erst 44 Jahre alt, Professor Willy Hamacher gestorben. Von Geburt Breslauer, ging er nach kurzer Studienzeit in Düsseldorf nach Berlin, wo er gleich dem älteren Eugen Bracht in das Atelier des mehr als in seinen Werken in seinen Schülern erfolgreichen Gude trat, und getreuer als der eben genannte, persönlichere Bracht die Tradition des Meisters fortsetzte. Ja, er spezialisierte dessen Schaffen noch; alle seine Werke behandeln eigentlich nur ein Thema: das Spiel der Wellen. Er schildert sie, wie sie vom Sturme gepeitscht, und schaumgekrönt den Strand hinaufrollen, wie sie sich überstürzen, donnernd und grollend mit den winzigen Fischerbooten spielen, oder wie sie brandend gegen glatte, ungefüge Felswände schäumen. Er war ein fleißiger Arbeiter, und besonders die Berliner hatten alljährlich auf der Ausstellung am Lehrter Bahnhof Gelegenheit, Bilder von ihm zu sehen. Wie denn auch heuer wieder eine charakteristische Probe seines Könnens nicht fehlt. Seine Kunst, die mit einem flüssigen, glatten Vortrag ein gewisses einnehmendes Pathos verband, gewann sich rasch Anerkennung, die auch in verschiedenen Medaillen, so z. B. der Berliner Goldenen, greifbaren Ausdruck fand. Eine italienische Entführungsgeschichte. Im Garten der reichen Laplaca bei Caccamo auf Sizilien erschien unvermutet ein junger Mann, der um die Hand des Fräulein Laplaca anhielt, aber abgewiesen wurde. Der junge Mann setzte hierauf das Mädchen auf ein Maultier und schleppte es fort. Auf die Hilferufe des Mädchens eilten dessen Bruder, ein Ingenieur, herbei, um den Entführer an der Ausführung seines Vorhabens zu verhindern. Aber ehe er seinen Revolver abdrücken konnte, stürzte er, von einem Flintenschuß getroffen, tot nieder. Eine Massenaushebung erregte Freitag vormittag in der Oranienstraße in Berlin einiges Aufsehen. Der Kriminalpolizei war es zu Ohren gekommen, daß sich dort in einer Herberge Leute aufhielten, die an Einbrüchen in Köpenick, Oberschöneweide und anderen Orten in der Umgebung Berlins beteiligt seien. Sie hob deshalb das Nest einmal aus und brachte die ganze Gesellschaft, 150 Köpfe, nach der Wache des 28. Reviers. Weil die Räume so viele Menschen nicht faßten, so wurde ein Teil zunächst auf dem Hofe aufgestellt. Die Musterung ergab, daß fast alle wohnungslos waren. Trotzdem wurden 133 Personen nach Feststellung ihres Namens wieder entlassen. Nur 17 wurden dem Polizeipräsidium zugeführt, zum Teil Ausgewiesene, zum Teil Einbrecher. Karzerstrafen und Fortbildungsschüler. Von Seiten eines Regierungspräsidiums waren Bedenken gegen die Vollstreckung der über Fortbildungsschüler verhängten Karzerstrafen mit Hilfe der Polizei erhoben worden. Dies hat dem Minister Delbrück Veranlassung gegeben, sich generell über diese Angelegenheit zu äußern. Der Minister erklärt zunächst, daß er sich diesen Bedenken nicht anschließen könne, und sagt dann weiter: „Die Vorschrift in§ 120 Absatz 3 der Gewerbeordnung, wonach im Wege statutarischer Bestimmungen diejenigen Vorschriften erlassen werden können, durch welche die Ordnung in der Fortbildungsschule und ein gebührliches Verhalten der Schule gesichert wird, bietet die Möglichkeit, in die Ortsstatute eine Bestimmung aufzunehmen, nach der der Schulleiter befugt ist, Karzerstrafen bis zu 6 Stunden während der schulfreien Zeit zu verhängen. Ist die Verhängung der Karzerstrafen aber rechtsgültig von der durch Ortsstatut dazu ermächtigten Stelle erfolgt, so muß es auch möglich sein, diese rechtsgültig erfolgte Anordnung zu vollstrecken. In Uebereinstimmung mit dem Herrn Minister des Inneren habe ich keine Bedenken dagegen zu erheben, daß Fortbildungsschüler, die sich zum Antritt der Karzerstrafe nicht freiwillig einfinden, von der Polizei dazu vorgeführt werden.“ Die Geige Joachims. Durch ein besonderes Legat ist die prachtvolle Stradivarius, mit der Joseph Joachim so oft seine Zuhörer entzückte, in den Besitz seines Neffen, des Professor Harold Joachim in Oxford, übergegangen. Die Geige war ein Ehrengeschenk, das dem Meister am 15. April 1889 im Londoner St. James=Saale überreicht wurde. Eine große Anzahl englischer Bewunderer Joachims war damals zusammengetreten, um dem Meister der Geige dies Instrument zu schenken, das für 24480 Mark angekauft wurde. Der kunstvoll gearbeitete Violinkasten trägt eine kleine Metallplatte mit der Inschrift: An Joseph Joachim. Um die Erinnerung an die 50. Wiederkehr des Tages wachzuhalten, an dem er zum ersten Male in der Oeffentlichkeit spielte und als ein Zeugnis der hohen Bewunderung und der großen Wertschätzung seiner englischen Freunde. 15. April 1889.“ Diese Stradivarius war früher im Besitze Viottis gewesen. Diplomprüfung für studierende Landwirte. Die proußische Unterrichtsverwaltung hat eine Ordnung der Diplomprüfung für studierende Landwirte erlassen, die die Landwirtschaftslehrerprüfung nicht ablegen wollen, jedoch Wert auf einen gewissen Abschluß ihres akademischen Studiums legen, Gelegenheit bieten, den erfolgreichen Besuch der Hochschule nachzuweisen. Die Diplomprüfungen können an den Universitäten in Breolau, Göttingen, Halle, Kiel und Königsberg, an der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, sowie an der landwirtschaftlichen Akademie in Bonn abgelegt werden. Flugapparat eines Studenten. Der Student der technischen Hochschule Jospe hat einen Flugapparat erfunden, den er dem sächsischen Kriegsministerium vorführt. Er überflog gestern das Gebäude des Elektrotechnischen Instituts. Der Apparat wird heute in Gegenwart des Königs einen Flug unternehmen. Dresdener Kapitalisten haben die Absicht, zur Verwertung der Erfindung eine Firma zu gründen. Der Kwilecka=Prozeß neuester Auflage hat gestern Montag in Posen begonnen. Bekanntlich klagte die Bahnwärtersfrau Cecilie Meyer schon seit langen Jahren gegen die Gräfin Isabella Kwilecki auf Herausgabe des kleinen Grafen Joseph Kwilecki, der ein untergeschobenes Kind sein soll. Inzwischen starb die Gräfin, der Prozeß geht jetzt gegen deren Erben weiter. Große Feuersbrunst. Eine gewaltige Feuersbrunst brach in der Nacht zum Sonnabend in Cherbourg in den ArsenalWerkstätten für Untersee= und Torpedoboote aus. Die ganze Garnison rückte zur Hilfeleistung aus. Die Stadt war taghell erleuchtet. Um Mitternacht war die Gefahr vorbei. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Francs. Vom Folkwang=Museum. Das Museum Folkwang in unserer Nachbarstadt Hagen, welches wegen seiner großen Sammlungen und Ausstellungen rühmlichst bekannt ist, bringt in diesem Monat eine außerordentlich umfangreiche Sonderausstellung von javanischen Batiks, orientalischen Geweben, Teppichen und bedruckten Kattunen. Am interessantesten von allem ist wohl die Sammlung von 15 großen Batiks, die auf den Tischen im Hauptraum ausgebreitet sind. Unter Batik versteht man einen gefärbten Kattun, der mit der Hand durch ein Verfahren bedruckt wurde, welches seine höchste Blüte auf den hinterindischen Inseln und vor allem auf Java erreichte. Das Verfahren, das schon im Altertum bekannt war, stammt wahrscheinlich aus Indien und kam, wie Funde aus koptischen Gräbern beweisen, von dort auch nach Egypten. Die Technik ist folgende: Die Musterung wird mit geschmolzenem Wachs bedeckt und dann der Stoff in das Färbewasser getaucht, welches nur auf die vom Wachs freigebliebenen Stellen einwirkt. Durch Wiederholung dieses Prozesses mit verschiedenen Farben lassen sich mehrfach gefärbte Batiks herstellen. Jedoch findet man bei javanischen Batiks meist nur zwei, aber absolut echte Naturfarben, nämlich ein Blau und ein Braun verwandt, die da, wo sie übereinandergedruckt werden, ein warmes Schwarz ergeben. Da das kalt gewordene Wachs leicht rissig wird, dringt das Färbewasser in diese Risse ein und bildet eine Art von Marmorierung, die das Hauptkennzeichen der Batiks geworden ist. Neben dieser Methode des Batiks gibt es noch ein einfacheres Verfahren, das sogenannte Bandhana oder Knüpffarben, bei welchem man einzelne Stellen des Stoffes umschnürt oder mit einem Kräuselfaden so fest zusammenzieht, daß sie keine Farbe annehmen. Auch von diesem Verfahren, das ebenfalls in Hinterindien geübt wird, bietet die Ausstellung ein schönes Bespiel. Das Batikverfahren ist seit etwa 15 Jahren durch houlandische Künstler auch in Europa eingeführt worden. Auf der diesjährigen Weihnachtsausstellung wird das Museum hervorragende Beispiele von zwei Düsseldorfer Damen, Schülerinnen von Professor Behrens, zeigen. Leider ist die Technik der Javaner, die im Museum durch den aufsichtführenden Beamten an Beispieln in verschiedenen Stadien gern erläutert wird, geschädigt worden durch schlechte Maschinenbatiks, die in Holland fabriziert und dann für billiges Geld in Java eingeführt werden. Ein Beispiel von solchem Maschinenbatik ist auf der Ausstellung ebenfalls zu sehen. Außer diesen Batiks sind ebenfalls nur bis Ende dieses Monats orientalische Gewebe, Teppiche und bedruckte Kattune ausgestellt. Hervorzuheben sind vor allem persische, kleinasiatische und türbische Seiden= und Brokatstoffe aus dem 16.—18. Jahrhundert. Ferner persische mit der Hand bedruckte Kattune, welche im Batikverfahren gemustert sind. Das alles wird vielleicht noch übertroffen durch einige arabische und indische Stickereien, von denen diejenigen an der Rückwand des Saales ihres Alters wegen einen fast unerschwinglichen Wert darstellen. Eine schöne Reihe von persischen und vorderasiatischen Teppichen, ebenfalls alles ältere Stücke in wunderbaren Farben, gibt der Ausstellung eine wertvolle Abrundung. Zum Schluß seien noch die beiden neuausgestellten Sonderkollektionen mit Gemälden von Guy Maynard, einem in Frankreich lebenden Engländer, und Carl Heine, Koblenz, erwähnt, auf die ein anderes Mal noch besonders eingegangen werden soll. Briefkasten. bur Anfragen an den Briefkasten muß die letzte Abonnementsquittung beigefügt werden. Anonyme Anfragen finden keine Berücksichtigung. Schristliche und telephonische Auskunfte werden nicht gegeben. Geschäftsfirmen als Bezugsquellen können nicht mitgeteilt werden. Die Beantwortung der Anfragen im Briefkasten erfolgt kostenlos. B. Bruchstraße. Wenden Sie sich am besten an Pastor v. Bodelschwingh=Bielefeld, der Ihnen jede gewünschte Auskunft geben wird. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 13. Juli: Teils heiter, teils bewölkt, mit Strichregen, mäßig 14. Juli: Vielfach bedeckt, trübe, kühler, strichweise Regen. 15. Juli: Vielfach Regen, mäßig warm, meist bedeckt. 16. Juli: Bewölkt mit Strichregen, normale Temperatur. 17. Juli: Wolkig mit Sonnenschein, wärmer, meist trocken. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Waldemar Gröhn; Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. S IE A a 5 8 ###gg! SS#SEE TTTAE F."m S E S ## S B&a 99 T K 10 S 5 S S 9 8 9 7 2.8 er 5. Sc••) redigiert von Martha Kempner-hochstädt. Frau Gaus und ihre Töchter. Von Tante Hede. Frau Gans, die plagt der Hochmut sehr, Sie rechnet sich zur haute volée, Seitdem die Töchter groß geworden, Und etwas Geld im Portemonnaie. „Putzt euch nur, Kinder, macht euch schön Und zieht die Strandschuh' an, die guten, Frisiert euch nach der neusten Mode, Tann ärgern sich Geheimrats Puten.“ So spricht sie, zieht ihr Staatskleid an, Fegt mit dem seidnen Rock die Treppe. Bald wär' sie hingestürzt; Frau Gans Verwickelte sich in der Schleppe. Auf Schritt und Tritt stört sie das Kleid, Sie kann sich weder drehn noch wenden. Hochmut will Zwang!— Sie rafft den Rock Empor mit ihren plumpen Händen. Die jungen Gänschen, aufgeputzt wie Pfau'n, Erkennt man straßenweit schon am Geschnatter; Frau Kratzfuß, die im Torweg müßig steht, Lacht laut und ruft:„Kommt schnell herbei, Gevatter; Tort geht die alte Gans mit ihren Jungen, Sie glaubt, der große Schloßhund sei ihr Pate! Zwei Zitterfedern hat sie aufgesteckt! Hielt sie das Geld doch lieber hübsch zu Rate, Erzög' die Töchter nicht zu Modepuppen, Hielt zur Bescheidenheit, zum Fleiß sie an! Wer solche dumme Gans zur Frau bekommt, Der ist in Wahrheit ein geschlag'ner Mann!“ Die Gründung von Chemnitz. Von Tante Elli. Nach der Zerstörung des alten Thüringer Reiches, um das Jahr 530 n. Chr., hatte sich ein slawischer Volksstamm, die Sorben, an der oberen und mittleren Elbe niedergelassen. Diese Sorben trieben Ackerbau und Viehzucht und brauchten deshalb für ihre Ansiedlungen fruchtbare Ebenen. Mit der Zeit sahen sich die Nachkommen genötigt, weiter ins Land vorzudringen, da die Weideplätze für die zahlreichen Herden zu klein wurden. Im Süden setzte das undurchdringliche Gebirge des Miripuidiwaldes ihren Wanderungen ein Ziel. Die Sorben hatten nämlich nur Werkzeuge aus Stein und konnten aus diesem Grunde nicht daran denken, größere Urwaldstrecken auszurotten. In einem gar lieblichen Tal bauten sie nun ihre Hütten. Ausgedehnte Steinlager besanden sich in der ganzen Gegend, und die Sorben nannten ihre neue Niederlassung„Kaminitz", das bedeutet: Steinort. Aus diesem slawischen Torfe entstand mit der Zeit Sachsens größte Fabrikstadt, zugleich eine der bedeutendsten des Deutschen Reiches, das sächsische Manchester. Hier wurde die erste deutsche Lokomotive,„Glückauf“, gebaut, welche 1848 fröhlich ihre Reise in die Welt antrat. Bis heute hat Chemnitz ungefähr 2000 dieser Tampfrosse hinausgesandt, die das Vaterland nach allen Richtungen durchkreuzen. König Triedrich Wilhelm IV. und die kleine Gratulantin. Von Onkel Hermann. Friedrich Wilhelm III. starb am 7. Juni 1840, und sein ältester Sohn, Friedrich Wilhelm IV., bestieg den preußischen Königsthron. Der neue Landesherr hatte sich am 29. November 1823 mit der Prinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern vermählt, welche sich durch ihre große Leutseligkeit und Liebenswürdigkeit sehr bald die Liebe der Herzen erwarb. Das königliche Paar blieb kinderlos. Königin Elisabeth war eine Versorgerin der Witwen und Waisen, eine Schützerin armer, verlassener Kinder. Auch der König war ein Freund der Kinder, und wenn er auf dem Landgute Paretz seinen Geburtstag feierte, dann versammelten sich sämtliche Schulkinder des königlichen Gutes mit ihren Lehrern vor dem Schlosse und begrüßten die hohen Herrschaften mit einem kräftigen Hurra! An diesem Tage 15. Oktober) wurden ein Jahr um das andere sämtliche Schulkinder von Kopf bis zum Fuße neu gekleidet, und regelmäßig geschah es, daß der mächtige Preußenkönig mit eigener Hand diesem und jenem Tagelöhnerjungen ein Glas Wein reichte, während die Königin den feinen, weißen Kuchen den kleinsten Kindern selbst zuteilte, und beide hatten ihre Freude daran, mit den Kindern zu scherzen und ihren Spielen zuzuschauen. Einst befand sich der König auf der Reise. In einem Torfe wurde er festlich empfangen. Die Schuljugend mit ihrem Lehrer begrüßte ihn, und ein kleines Mädchen trat an den Wagen heran und sagte dem Könige ein Gedicht her, worüber er sich sehr freute. „Du hast deine Sache schön gemacht, kleine Gratulantin,“ sagte der hohe, freundliche Herr.„Nun will ich dir aber einige Fragen vorlegen.“ Er zeigte dem Kinde eine Apfelsine und fragte:„Wohin gehört das?“ „Ins Pflanzenreich,“ antwortete schüchtern das Mädchen. „Wohin nun das?“ fragte der König weiter und zeigte ein Goldstück, das er aus der Tasche gezogen hatte. „Ins Mineralreich.“ „Wohin gehöre ich aber, mein Kind?“ war die dritte Frage. Freundlich blickte die Kleine den König an und sagte: „Ins Himmelreich!“ Da glänzte eine Träne in des frommen Königs Auge, und er hob das Mägdlein auf und küßte es. BuchstabenGemse, Guano, Magnet, Nadel, Kreis, Nebel, Haus, Portal, Degen. Stellt man obige Wörter richtig unter einander, so ergibt eine senkrechte Reihe von Buchstaben den Namen einer wichtigen Festung im Deutschen Reich. Sprichwort= al, be, das, den, fein, fromm, len, men, schei, schen, sein, steht, tig, züch. Die Silben sind so zu ordnen, daß sie, im Zusammenhang gelesen, ein Sprichwort ergeben. s (Die Auflösungen der Kätsel usw. erfolgen in der nächsten „Kinderlaube“. D. Red.) — Whlog gernrch as n 8 Sate * S.— 4 S S 3.8nS S 8 S 288 K a 5 5 5 5 S S SSSSTESS 5 G 8 BSRnS #aness „ S 65 u. S S' S 3 8 8 S 8315 S 5 855 S• S#a Die letzten Garrs. Roman von Albert Graf von Schlippenbach. (4. Fortsetzung.) (Nachdruck verboter) Leichtümer freilich habe ich nicht gesammelt, aber mit Hilfe meines Schwiegervaters, # eines praktischen Mannes, gelang es mir, das kleine Fabriketablissement, das ich damals mit den wenigen tausend Mark übernahm, die meine Frau mit in die Ehe brachte, von den drückendsten Hypotheken freizumachen und erheblich zu erweitern. Rosemaries Großvater, mein treuer Mitarbeiter, starb vor einigen Jahren. Die ganze Arbeitslast ruht nun auf meinen Schultern allein. Ich kann das mühsam Erworbene nicht lange ohne Aufsicht lassen.“— „Gedenkst du denn nicht, jetzt, wo dir in der Heimat das Erbe der Väter zufiel, dein Unternehmen im Ausland aufzugeben?“ warf Agnes ein. „Allerdings, aber die Zeit ist zum Verkauf nicht günstig, und verlieren will und darf ich nichts von dem einmal Errungenen. Von dem Erlös würde doch nur ein Teil mir gehören. Erst muß ich meine Schuld abtragen. Der Rest wäre Rosemaries Vermögen. Ich will daher auf eine günstige Gelegenheit warten, um meines Kindes Zukunft sicherzustellen.“ „Und was soll aus Schwarzhof in der Zeit werden? Glaube mir, auch hier ist des Herrn Auge nötig.“ Rosemarie war inzwischen von Agnes' Schoß heruntergeglitten und an den großen, runden Tisch getreten, über dem eine Hängelampe hing. „Darf ich mir die Bilder ansehen, Tante?“ fragte sie und deutete auf einige Albums und Prachtwerke. „Gewiß, mein Liebling.“ Das kleine Mädchen schlug sofort eins der Bücher auf und war bald in das Anschauen so vertieft, daß es auf das Gespräch des Vaters mit der Tante nicht weiter achtete... T. 5m Gurt Lax Gesur“4 „Ich weiß es wohl, nahm Kurt das Gesprach wieder auf,„daß ein Besitz wie Schwarzhof nicht ohne Aufsicht sein kann; aber du führst doch schon seit Jahren hier alles mit größter Umsicht. Da bin ich, der von Landwirtschaft nichts versteht, zunächst ganz überflüssig.“ „Ja, Vetter, damals war mein Vater hier der Herr, jetzt aber bist du es. Wenn du mir auch vorübergehend, wie es scheint, dein Eigentum anvertrauen willst, in absehbarer Zeit mußt du doch die Verwaltung selbst übernehmen. Je eher du es tust, je besser wird es für mich sein. Leicht wird mir das Weggehen von Schwarzhof ja gewiß nicht werden, wo an jeden Baum und an jeden Strauch sich eine Erinnerung für mich knüpft; doch in der Gewißheit, die Heimat verlassen zu müssen, wird jeder Tag bis dahin für mich eine Qual mit stets sich erneuerndem Abschiednehmen von allem sein, was mir lieb und ans Herz gewachsen ist. Ruhe und Sammlung werde ich erst wiederfinden, wenn das Schlimmste hinter mir liegt, und ich eben gezwungen bin, mich in neue Verhältnisse einzuleben.“ Mit stetig wachsendem Erstaunen hatte Kurt die Erregte aussprechen lassen.„Ich verstehe dich nicht!“ stammelte er endlich.„Warum willst du Schwarzhof überhaupt verlassen?"„ P.5 8# „Weil ich muß! Seit Papas Tove have ich kein Recht mehr, hier zu weilen.“ Gegen ihren Willen klang die Antwort schroff und hart. „Kein Recht?“. 92— „Nein!" Die Bitterkeit übermannte Agnes wieder. „Als Tochter war ich von dem Augenblick an heimatlos, als meines Vaters Augen sich für immer schlossen. Das Gesetz weist mir die Tür im Elternhause. Die Einrichtung des Majorats kennt keine Schonung für weibliche und nachgeborene Hinterbliebene. Sie werden vertrieben und sind die Enterbten—“ „Du irrst,“ unterbrach Kurt sie mit Wärme.„Der Schmerz macht dich ungerecht.“ „Ungerecht?! Muß ich denn nicht für jeden Bissen Brot danken, den ich hier, am Tische meines Vaters, noch esse? Ist es nicht unerhört, daß ich hier, wo ich vor wenigen Tagen noch Herrin war, jetzt nur noch geduldet bin?“ Kurt stieg das Blut zu Kopf. Die scharfen Worte der Cousine enthielten ja geradezu eine Anklage gegen ihn. Wie kam sie darauf, ihm die Beleidigung ins Gesicht zu sagen, er wolle sie aus dem Vaterhause vertreiben! Eine heftige Antwort schwebte ihm auf der Zunge, doch er zwang sich zur Ruhe. „Verzeih, wenn ich dich unterbreche. Ist Schwarz= hof etwa von dem Gelde, vom Privatvermögen deines seligen Vaters erworben?“ fragte er daher nur. Agnes stutzte.„Nein— aber—!“ Kurts Frage verwirrte sie augenscheinlich. „Du hast recht, nicht Onkel Siegmund, sondern einer unserer gemeinsamen Vorfahren erwarb vor Jahrhunderten den Besitz, und sein Urenkel machte ihn zum Fideikommiß, zu einer Familienstiftung. Durch diese hochherzige Tat entzog er sich selbst die unumschränkte Verfügung über den bisher freien Besitz, nur um dadurch das Gut dauernd der Familie zu erhalten. Und tatsächlich ist es auch nur dem Forterben in der männlichen Deszendenz und in der Primogenitur zu danken, daß die Freiherren von Barr noch nach hundertundfünfzig Jahren Schwarzhof, Grund und Boden, das * „* 2 8: STI Sares s 28555 S5iES E*„ S59TS * S S 8 SUMFEESS S88 G S 2 FP Or 8—# S 9 S 2 2 5 -#* S 312 S er UUsen •2*—* S S Stn SOGEE S 8 58 E 8 * * S 9•— 9 S BUS g 5 S S S 2 = 3 * S S ZSORME Rückgrat jeder Familie, zu eigen haben, und wir, die Letzten des Geschlechts, auch heut noch unter eigenem Dach sitzen. Dein Vater war nicht unbeschränkter Herr, nur Nutznießer der wohltätigen Familienstiftung. Er war der Bevorzugte, deshalb konnten jedoch mein Vater oder ich uns nie als Geschädigte betrachten, und darum bist du heut auch nicht die Enterbte. Wäre es anders, so müßte man jedes Stipendium, jede Wohltätigkeitsstiftung als Ungerechtigkeit bezeichnen, weil sie nicht allen, sondern nur wenigen von denen zugute kommen, die den Anforderungen genügen, sie zu genießen. Von hundert Bewerbern ist oft nur einer der Glückliche.“ „Nein, Vetter, dein Vergleich ist nicht richtig,“ rief Agnes erregt.„Jene bitten um etwas, was ihnen nicht gehört, mir jedoch raubt das Gesetz, was ich bereits hatte.“ „Du irrst, Agnes, nicht du, sondern dein Vater war der Nutznießer." „Ist das nicht dasselbe?“ fragte sie etwas kleinlaut. „O nein! Die Witwe und die Kinder eines Staatsbeamten verlieren nach dem Tode des Gatten und Vaters auch sein Gehalt und müssen die Dienstwohnung räumen. Wie sie im günstigen Fall Pension oder Erziehungsgelder erhalten, werden beim Majorat die Hinterbliebenen des bisherigen Nutznießers mit einer Rente abgefunden. Dadurch sind sie immer noch besser gestellt, wie entferntere Verwandte, die nichts aus der Familienstiftung beziehen und doch vielleicht einmal zur Nachfolge berufen sind.— Sache des Erben ist es allerdings, für die Witwe und die Waisen seines Vorgängers zu sorgen, wenn sie eigenes Vermögen nicht besitzen. Das Gesetz verpflichtet ihn dazu freilich nicht, aber es ist Ehrenpflicht und selbstverständlich.— Was treibt dich nun von Schwarzhof fort?“ Agnes sah den Vetter etwas unsicher an. Sein bestimmtes Wesen machte Eindruck auf sie. Durch ihre anfänglich schroffe Art gereizt, hatte er wohl mit mehr Nachdruck gesprochen, als er eigentlich beabsichtigte. Die Art verletzte sie, und deshalb wollte sie es sich nicht eingestehen, daß sie ihm eigentlich recht geben mußte. „Ich darf nicht bleiben,“ murmelte sie trotzig. „Du darfst nicht?“ „Nein, ich will auch nicht!“ „Auch wenn ich dich herzlich bitte?“ Sie schwieg und wich seinem forschenden Blick aus. „Willst du mir nicht wenigstens den Grund sagen?“ Agnes errötete und antwortete nicht sogleich. Kurt aber deutete ihr Schweigen falsch. Der Gedanke schoß ihm plötzlich durch den Kopf, daß die Cousine vielleicht verlobt wäre. Die Falte auf seiner Stirn vertiefte sich. Es ging ihn ja gar nichts an, er hatte keinerlei Recht, sich in ihr Vertrauen zu drängen, sie ebensowenig die Verpflichtung, ihn in ihre Zukunftspläne einzuweihen. Als er damals nach der Schweiz ging, war sie noch ein Kind. Zum ersten Male nach Jahren sah er sie heut wieder. Und doch, es tat ihm plötzlich weh, die einzige nähere Verwandte, die er noch besuß, die wiederzusehen er sich so gefreut hatte, deren Gegenwart ihm freundliche Bilder der Vergangenheit vorzauberte, die ihm den Begriff der Heimat verkörperte, sich als die Braut eines ihm fremden Mannes vorzustellen. Schwarzhof erschien ihm bei dem Gedanken, Agnes, die Letzte von der Familie des Oheims, wollte das Haus verlassen, öde und vereinsamt. „Verzeih," stammelte er endlich,„aber ich konnte ja nicht wissen, daß deine Zukunft schon völlig klar ist, daß du endgültig über sie entschieden hast.“ „O nein, Vetter. Ich ahne nicht einmal, wo ich ein Unterkommen finden werde. Morgen wollte ich unsern Pastor, meinen alten Freund und Lehrer, um Rat fragen und auch dem Justizrat Hörn in Tempelbach, Papas langjährigem juristischen Berater, darüber schreiben. Papas Hinscheiden kam so unerwartet, ich selbst bin ja völlig unerfahren.“ Agnes' Stimme zitterte. Kurt atmete auf. Er hatte sich also geirrt. Warum ihn das mit Befriediguug erfüllte, darüber legte er sich keine Rechenschaft ab. „Aber dann begreife ich erst recht nicht, liebe Cousine, weshalb du Schwarzhof verlassen willst.“ Agnes schaute zu Boden.„Der Gedanke, dir zur Last zu fallen, dir im Wege zu sein, ist mir so peinlich,“ murmelte sie endlich. „Ich bitte dich, welche Idee! Oder meinst du es eigentlich umgekehrt, daß es dir schmerzlich wäre, mich, den Erben von Schwarzhof, stets vor Augen haben zu müssen?“ Agnes wollte ihn unterbrechen, doch er fuhr eilig fort:„Nun, ich erklärte dir doch soeben, daß ich vorab weder bleiben kann noch will.“ „Und später, wenn du verkauft hast?— Es ist nicht angenehm, eine arme Verwandte als ständigen Gast im Hause zu haben.“ „Agnes! Tust du mir absichtlich weh, oder ist es nur der Schmerz, der dich so bitter macht?" Kurt stand erregt von seinem Stuhl auf und trat dicht vor die Cousine hin.„Sieh! Du und ich und das Kind dort, wir sind die Letzten unseres Stammes und stehen einsam in der Welt. Ist es nicht unnatürlich, wenn du den alten Familiensitz verläßt, um bei Fremden Anschluß zu suchen, anstatt hier unter meinem Dach, im Hause deines einzigen Blutsverwandten, zu bleiben, der dich wie ein älterer Bruder vor den rauhen Stürmen schützen kann, die einem weltfremden, jungen Mädchen, wie dir, draußen im Leben drohen?" Unschlüssig schaute Agnes zu Boden.„Du bist freundlich, Vetter,“ meinte sie endlich leise,„aber—“ sie hielt inne, um Kurt nicht zu verletzen, und verschwieg den Nachsatz.„Ich mag nicht bleiben, wo ich kein Recht mehr habe,“ schwebte ihr auf der Zunge. Sie fühlte wohl, ihr Stolz wurde zum Bettelstolz, aber der Gedanke war ihr unerträglich, daß von den Nachbarn, die sich ihr so unfreundlich zeigten, etwa die vom Vetter herzlich gebotene Gastlichkeit als ein aus Erbarmen gewährtes Almosen angesehen werden könnte. Bei dieser Idee gruben sich Agnes Zähne in die Lippen. Trotzig vermied sie Kurts Blick. Wieder wurde er stutzig. Lag der Weigerung der Cousine, das in zartester Weise angebotene Heim anzunehmen, vielleicht doch noch eine besondere Ursache zugrunde? War es etwa mädchenhafte Scheu, oder wußte sie gar von dem Wunsch des Oheims, den er vor Jahren zu erfüllen nicht in der Lage gewesen war? „Verzeih,“ meinte er nach kurzem Zögern und nicht frei von Befangenheit,„wenn ich einen etwas delikaten Punkt infolge deines Zögerns berühren muß, aber sprach Onkel Siegmund denn nie davon, daß ich ihm— seinerzeit, als er mir half, mich mit meinen Gläubigern auseinanderzusetzen, an Stelle eines von ihm gewünschten Versprechens— eine schriftliche, durchaus bindende Zusage machte, die dich betraf?“ Gespannt blickte Kurt zu Agnes hinüber. Jetzt mußte ihre Miene es verraten, wenn sie etwas von den damaligen Verhandlungen wußte. Doch sie blieb völlig unbefangen. Nur überrascht schien sie von der Mitteilung zu sein. „Nein, Papa sprach nie davon,“ meinte sie erstaunt. „Aber ich bitte dich, er muß doch wenigstens mein Versprechen erwähnt haben, wenn er von deiner Zukunft sprach, von der Zeit, wenn er nicht mehr unter uns weilen würde.“ „Papa hat nie mit mir darüber geredet. Seit dem Tode meiner Mutter versank er immer mehr in Schwermut und dumpfes, teilnahmloses Hinbrüten. Tagelang sprach er kaum ein Wort. Gelang es mir einmal, sein Schweigen zu brechen, dann erzählte er von Mama. Er lebte nur in der Vergangenheit. An die Zukunft dachte er nicht.“ (Fortsetzung folgt.) * Immer vertun und nichts erwerben, Macht vor der rechten Zeit verderben; Füllen, Prassen und trunk'ne Freud' Bringen letztlich trocknes Herzeleid Aiter Spruch. Der alte Novellette von Fritz Gantzer. (Nachdruck verboten Ein breiter, greller Lichtstreifen flutete plötzlich in die Bodenkammer unter dem steilansteigenden Dache, als die Tür zu diesem Raum geöffnet und damit der schon tiefstehenden Nachmittagssonne der Eintritt gestattet wurde. Er lief über Gerümpel aller Art und fand auf seinem Wege Staub und Spinnengewebe in Menge. Aber er fürchtete sich nicht und empfand keinen Widerwillen, sondern strich mit seinen goldenen Fingern liebkosend über den verstaubten Wirrwarr. Besonders gut meinte er es mit einem alten Tische, der auf knaufig gewundenen Füßen mitten in der Bodenkammer stand. Ihn bedeckte er mit seinem ganzen strahlenden Kleide, daß er wie aus eitel Gold gefertigt schien. Und der alte Tisch erwachte aus seinem traumreichen Schlaf, und alles, was mit ihm geschlafen, erwachte auch: ein paar Stühle, die nur noch drei Beine hatten, eine Puppenküche, altmodische Lampen, vielerlei Kisten und Kästen, ein Spiegel mit zersprungenem, blindem Glase und manches andere noch, was Rumpelkammern eben beherbergen. Es ging wie ein wisperndes Raunen durch die alte Gesellschaft. Die verstaubten Augen wurden hell und sahen in der Tür zwei Menschen, ein junges, blühendes Mädchen und eine alte Frau mit gütigen Zügen in dem runzligen Gesicht. Ueber die rosigen Mädchenlippen kamen jetzt nach einem längeren stummen Hineinstarren in die Bodenkammer Worte.„Pfui, wie häßlich sieht das alles aus, Großmama! Und von diesem alten Gerümpel soll noch etwas für meinen Hausrat zurechtgeflickt werden? Ach nein, Großmama, du hattest vorhin nur gescherzt, nicht „Keineswegs, Kind,“ entgegnete die alte Frau, während ihre guten Augen mit einem sinnenden Ausdruck auf dem alten Tische ruhten.„Dieser Tisch dort soll dich in dein neues Heim begleiten. Er braucht nicht zurechtgeflickt zu werden; denn er ist noch gut und fest. Und wenn du erst seine Geschichte kennst, wirst du ihn sehr gern haben wollen.“ „O, erzähle diese Geschichte!“ bat das junge Mädchen mit verlangenden Augen. „Gern. Aber nicht hier oben. Später, wenn die traute Dämmerung kommt, sollst du die Geschichte erfahren. Und nun wollen wir wieder hinabgehen.“ Da schloß sich die Tür. Und die goldene Lichtfülle schwand. Der Staub lag wieder grau und häßlich auf der alten Gesellschaft in der Rumpelkammer, und die Spinnengewebe hingen wie schmutzige Lappen in allen Ecken. Eine Weile wisperte es noch. Und den alten Tisch trafen neidische Blicke. Der Spiegel mit dem zersprungenen, blinden Glase lächelte höhnisch, und einer der dreibeinigen Stühle flüsterte einer wurmstichigen Bücherkiste zu:„Er soll sich nur nicht einbilden, daß er besser sei, als wir alle. Er ist auch nur ein altes Gerümpel.“.. I1. Herschlssen und schlaßz Und die alte Bücherkiste nickte verschlafen und schloß die Augen. Und alle anderen schliefen auch schon wieder. Nur der alte Tisch war noch eine Weile wach und reckte sich glücklich, daß es leise knackte. Und dann schlief er auch ein und träumte von einer frohen Zukunft im Sonnenglanz ohne Staub und Spinnengewebe.— Die Dämmerung kam mit einem fernen, leisen Schreiten und gab dem Abendgold sattere Farben. Vom Felde her sandte das blühende Korn seinen würzigen Duft. Und die Grillen begannen ihr melodisches, anheimelndes Geigen. An einem der weitgeöffneten Fenster des alten Düringshofener Gutshauses saß Hanna Normann an das Knie ihrer Großmutter geschmiegt und wartete auf die versprochene Geschichte. Endlich löste die alte Frau den sinnenden Blick von der fruchtbaren, im grünen Gewande des Frühsommers prangenden Ebene und strich der Enkelin kosend über die Fülle des nußbraunen Haares. „Nun sollst du die Geschichte hören, Kind," begann sie dann, leise und langsam sprechend, als hole sie ihre Gedanken weit her aus grauer Vergangenheit, in der sie erinnernd geweilt. Erst als sie nach einem längeren Schweigen fortfuhr, hatte die Stimme ihren alten, gewohnten Klang. „Du mußt mit mir einen tüchtigen Schritt rückwärts tun, Hanna. So an die hundert Jahre. Mein Großvater war gerade Herr auf Düringshofen geworden und hatte zum ersten Male die Herbstsaat gestreut. Nicht mit frohen Händen und hoffendem Herzen, sondern mit bewölkter Stirn und banger Sorge. Denn der Krieg war im Lande, und drüben im Thüringischen hatte der Franzos gerade bei Jena und Auerstedt gesiegt, um nun mit lockerer Manneszucht weiterzumarschieren. Ein böses Erzählen lief ihm vorauf: der Feind macht wenig Federlesens. Er nimmt, was ihm gefällt, und scheut sich selbst vor Brennen und Plündern nicht. Düringshofen lag damals noch seitab von der großen Landstraße und wußte nichts von aller Hast und Unruhe da draußen in der Welt. Aber die Herren Franzosen waren gute Spürnasen. An einem stürmischen Abend der letzten Ottobertage sprengte ein Trupp Reiter auf den Hof, und der sie führende junge Offizier verlangte mit aufbegehrendem Fordern den Herrn des Gutes zu sprechen. Man war in Düringshofen auf das schnelle Kommen des Feindes so gut wie gar nicht vorbereitet und hatte das Silberzeug und die übrigen Wertsachen nicht in Sicherheit gebracht. Alles lag schön geordnet in Truhen und Schränken, gerade so zum Zufassen und Mitnehmen recht. Jetzt war keine Zeit mehr, das Versäumte nachzuholen. Im letzten Besinnen vermochte dein Urgroßvater nur noch die Kassette, die sein gesamtes Barvermögen, etwa 900 Taler, enthielt, seinem Sekretär zu entnehmen, um sie sicher zu verbergen. Ratlos sah er sich um. Da fiel sein Blick auf den Tisch, der unter der Platte ein Geheimfach besaß, und kam im entschlossenen Handeln gerade noch so zurecht, das Geld dort zu verstecken. Die Franzosen erwiesen sich schlechter als ihr Ruf. Sie nahmen, was ihnen gefiel, und als sie endlich abzogen, ließen sie ein wüstes, ausgeplündertes Haus zurück. Nur die Geldsumme im Geheimfache des Tisches war ihnen nicht in die Hände gesallen. Das war das böse Jahr 1806. Als die Zeit der Vergeltung kam, blieb auch dein Urgroßvater nicht daheim. Er sah Düringshofen nicht wieder. Der große Tag von Leipzig forderte sein Blut für die Freiheit seines Volkes und Landes. Sein Weib saß mit ihren beiden Kindern gerade an dem Tische im Wohnzimmer und schrieb einen Brief an den im Felde stehenden Gatten, als man ihr die Nachricht von seinem Heldentod überbrachte. Da sind unzählige heiße Träne auf die Tischplatte getropft. Was der alte Tisch im Laufe der nächsten Jahrzehnte als stummer Zeuge an Freud und Leid miterlebte, weiß nicht zu berichten. Ich will dich mit meinem Erzählen gleich um gute dreißig Jahre weiterführen. (Schluß folgk.) sitzender anstelle des von hier verzogenen Herrn Nicher wurde Herr Cl. Kebekus gewählt; erster Vorsitzender ist bekantlich Herr Pfarrer Schnurbus. Der Verein sowie die kürzlich gegründete Gesangabteilung des Vereins ist zurzeit in erfreulicher Entwicklung begriffen. **(Schwimmfest.) Am Sonntag den 8. August feiert der hiesige Schwimm=Verein sein diesjähviges Stiftungsfest unter Beteiligung zahlreicher Vereine, welche in der deutschen Schwimmerschaft vereinigt sind. Die Vorbereitungen für das Fest, welches im Kordeck'schen Saale und im„Grünental“ abgehalten wird, sind im vollen Gange. **(Krankheits=Statistik.) In der letzten Berichtswoche gelangten im Regierungsbezirk Arnsberg folgende Fälle von ansteckenden Krankheiten zur Anmeldung: Unterleibstyphus 20, Kindbetfieber2, Scharlach 117,(1 Schwerte, 1 Bickefeld, 2 Hörde, 1 Schüren), Diphtherie 52(1 Schwerte, 1 Höchsten, 1 Hörde, 1 Holzwicked), Granulose 18(5 Schwerte, 2 Hörde, 1 Aplerbeck). Im gleichen Zeitraum starben 33 an Krämpfen, 39 an Magenund Darmentzündung, 18 an Krebs(1 Hörde), 9 an Gehirnleiden, 67 an Lungenentzündung(1 Sölderholz, 1 Hörde, 4 Hombruch), 51 an Tuberkulose. An anderen Krankheiten starben während der Berichtswoche 333 Personen. ** Holzen, 12. Juli.(Ausstellung.) Der hiesige Kaninchenzucht=Verein veranstaltet im nächsten Monat eine Lokalausstellung im Saale des Herrn Amecke. Näheres wird noch durch Inserate mitgeteilt. ** Ergste, 13. Juli.(Goldene Hochzeit.) Am morgigen Tage feiern die Eheleute Rentner Heinrich Schulze=Noelle (Eltern des Herrn Pfarvers Schulze=Noelle) das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Die ganze Gemeinde Ergste nimmt an dieser Jubelfeier lebhaften und innigsten Anteil. Auch wir sprechen dem Gold=Brautpaar, welches sich noch verhältnismäßiger Rüstigkeit und Frische erfreut, schon jetzt unsern herzlichsten Glückwunsch aus. ** Ergste, 12. Juli.(Diebstahl.) Dem beim Landwirt Silbersiepe hierselbst bediensteten landwirtschaftlichen Arbeiter Gust. Finkhaus, wurde heute vormittag, während er mit Runkelrübensetzen beschäftigt war, aus seinem Jakett, welches er am Chausseedamm hingelegt hatte, von zwei vorüberziehenden Handwerksburschen ein Portemonnaie mit ca. 2.50 Mark Inhalt geraubt. Die Handwerksburschen haben in der Richtung nach Schwerte mit ihrem Raube das Weite gesucht. ** Ergste, 11. Juli.(Verhaftet) und dem Königlichen Amtsgericht in Schwerte zugeführt wurde gestern durch den Fußgendarmen Wachtmeister Faust aus Wandhofen der Arbeiter Karl Kochelt, zuletzt in der Kantine Wandhofen wohnhaft. Derselbe hat sich in der Kantine hier dadurch der Unterschlagung schuldig gemacht, daß er unter der Angabe am Bahnbau Arbeit gefunden zu haben sich am 7. d. Mts. einen Spaten lieh und sich außerdem auch noch ein Frühstück geben ließ und ohne Bezahlung durchbrannte. K. wurde nun gestern am Bahnbau in Wandhofen ermittelt und dem Amtsgericht zugeführt. ** Ergste, 12. Juli.(Ein gemeiner Streich) wurde dem Landwirtschaftsgehülfen Gust. Finkhaus hierselbst in vergangener Woche gespielt. Der Schweizer Rud. Neumann, welcher bereits seit acht Tagen ebenfalls bei dem Landwirt Silbersiepe bedienstet war, borgte sich von F. einen fast neuen Ueberzieher zu einer Reise nach Schwerte, woselbst er seine ihm nachgeschickten Kleidungsstücke in Empfang nehmen wollte. Neumann ist nicht zurückgekehrt, hat auch den Ueberzieher nicht zurückgesandt.„„ ** Aplerbeck, 13. Juli.(Spiekturse.) unter Leitung des Lehrers Späh=Wambel findet ein Kursus zur Ausbildung von Lehrern in der Leitung von Volks= und Jugendspielen statt. Die Uebungen werden jeden Freitag nachmittag abgehalten und wird bei gutem Wetter auf dem Platz an der evangel. Schule hierselbst, bei ungünstiger Witterung im Saale der Wwe. Erdmann gespielt. Die Fahnenweihe des Kriegerund Landwehr=Vereins Holzen. (Schluß.) Der Parademarsch fiel außerordentlich schneidig aus. Voran schritt der Festverein mit der neuen Fahne. Die übigen Vereine folgten in folgender Reihenfolge: Kampfgenossen, Schwerte, Krieger= und Landwehrverein, Garenfeld, Kavallerie=Verein Schwerte, Artillerie=Verein, Schwerte, Krieger= und LandwehrVerein, Höchsten, Verein ehemal. 16er, Schwerte, Pionier=Verein Hoerde, Garde= und Landwehrverein, Schwerte, Krieger=Verein, Schwerte, Krieger= und Landwehrverein, Villigst, Krieger= und Landwehrverein, Wellinghofen, Krieger= und Landwehrverein, Westhofen, Krieger= und Landwehrverein, Hohensyburg, Verein ehemal. Ang. d. 16. Armeekorps, Schwerte, Verein ehemal. 67 er, Hoerde, Krieger= u. Landwehrverein, Lichtendorf=Geisecke, Kvieger= und Landwehrverein, Berghofen. Der Krieger=Verein Schwerte war so stark vertreten, daß er in zwei Riegen antreten konnte. Und nachher zog man ins Festzelt, wo Kapellmeister Stradtmann ein abwechslungsreiches Programm zum Nachmittagskonzert bot. Dort hatte man auch Muße, die neue Fahne genauer anzusehen. Auf der Vorderseite trägt sie auf blauem Grunde mit Goldschrift den Spruch: „Gehorsam, Treue, Tapferkeit", „Des deutschen Kriegers Ehrenkleid!“ Auf der anderen Seite ist eine Germania auf gelbem Grund gemalt, darunter Ort und Jahreszahl in Goldschvift. Während der Kaffeetafel verlas Herr Jakobs ein Telegramm des Kameraden Nöber, der zur Kur in Neuenahr weilt. Dann erhob sich Lehrer Hillefeld und hielt folgende Ansprache: Hochgeehrte Festgenossen! Deutschland, unser liebes Vaterland, gehört zu den schönsten Ländern, welche die Sonne begrüßt in ihrem ewigen Laufe. Doch wären es auch kahle Felsen und öde Inseln— da es unser Vaterland ist, gebührt ihm unsere Liebe. Nun aber hat nicht nur seine hohe Fruchtbarkeit, sein gesundes Klima, seine zentrale Lage, sondern vornehmlich der Umstand, daß seine Bewohner von jeher kühnen Heldenmut, einen unbesiegbaren Freiheitssinn, einen nie erschlaffenden Schaffensdrang bewiesen haben, dieses Land vor allen Ländern der Erde ausgezeichnet und zum Träger der Zivilisation gemacht. Berechtigt uns dies nicht, mit Stolz auf unser Vaterland zu blicken? Doch werte Festgenossen, daraus entspringen auch Pflichten für uns, die nämlich, die Liebe zu unserem teuern Vaterlande dadurch zu betätigen, daß wir durch Tapferkeit, Eintracht und immer fortschreitender Kultur dem Vatelande seine hervorragende Stellung im europäischen Staatensystem erhalten, damit zu allen Zeiten das Dichterwort seine Berechtigung erhält: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt. Donnernd erscholl das Hoch auf das deutsche Vaterland und begeistert stimmte man gemeinsam:„Deutschland, Deutschland über alles“ an. Bald war die Stimmung überall fidel und gemütlich. Um 8½ Uhr begann der Festball, auf den die Holzener Jugend ungeduldig gewartet. Wie man erzählt, waren noch viele der Festteilnehmer früh morgens nicht zu Hause— man wollte gewiß den Sonnenaufgang bewundern. Westfalen und Rheinland. * Lüdenscheid, 13. Juli.(Goldenes Amtsjubiläum.) Superintendent Niederstein=Lüdenscheid, langjähriges Vorstandsmitglied der Westf. Provinzialsynode, blickte heute auf eine fünfzigjährige gesegnete Amtstätigkeit zurück, wovon nicht weniger als 48½ Jahre auf Lüdenscheid entfallen. Die Verwaltung der Synode Lüdenscheid liegt seit 24 in seinen Händen. Er ist auf allen Gebieten des kirchlichen Lebens, besonders in der inneren wie in der äußeren Mission weit über die Grenzen der Synode hinaus tatkräftig hervorgetreten und hat sich insbesondere als Vorsitzender der Märkischen Missionskonferenz die Förderung lebendigen Missionssinnes angelegen sein lassen und dadurch sich den besonderen Dank aller Missionsfreunde erworben. Den Jubiläumstag verlebt er in der fernen Schweiz in geistiger und körperlicher Rüstigkeit und Frische, die ihm Gott zum Segen seines Amtes und seiner vielgestaltigen Wirksamkeit noch lange erhalten wolle. * Herne, 11. Jul.(Eine schwere Bluttat) erregt zurzeit die Gemüter der Herner Bürgerschaft. Als der Schlosser Oberscheidt in der Nacht von Freitag auf Samstag vor der Wirtschaft Kühlhoff in der Wilhelmstraße von mehreren seiner Freunde Abschied nehmen wollte, kam eine Gesellschaft, bestehend aus mehreren jungen Burschen und zwei Mädchen des Weges und verlangte, daß Oberscheidt mit seinen Kollegen das Trottoir räume. Letztere weigerten sich und bemerkten, daß noch Platz genügend vorhanden sei den Bürgersteig neben ihnen zu passieren. Anscheinend gerieten die Burschen, fünf an der Zahl, über diese Bemerkungen in Zorn, denn plötzlich stürzten sie sich, ehe einer an Abwehr denken konnte, auf den Schlosser Oberscheidt und brachten ihm mit einem dreikantigen spitzen Gegenstand, Feile oder Stilett, neun Verletzungen bei. Ein Stich traf die Lunge, ein zweiter die Schläfe. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde Oberscheidt ins Krankenhaus gebracht, wo er wenige Stunden darauf verstarb. Die hiesige Kriminalabteilung der Königl. Polizei nahm sofort unter Leitung des Kriminalkommissars von Randow die Verfolgung der Täter auf. Es gelang bis Samstag abend den Haupttäter, den Arbeiter Gustav Kind, zu ermitteln. * Gelsenkirchen, 11. Juli.(Der Mord in Bulmke) scheint seiner Aufklärung entgegenzugehen. Im Laufe des gestrigen Tages wurden zwei Verhaftungen vorgenommen, die der Polizei Anhaltspunkte für den Verdacht der Täterschaft gaben. Wie verlautet soll der Ermordete mit dem bisher in Ueckendorf beschäftigten Ziegeleiarbeiter Kutschinski identisch sein. Das Absuchen des Bulmker Stadtgartens nach dem Kopfe und den Kleidungsstücken blieb erfolglos. Sport. Der große Preis von Dortmund, ein mit 20000 Mark ausgestattetes Jagdrennen, bildete gestern die Hauptnummer des Rennens in der westfälischen Industviestadt. Wie berichtet wird, hatten nur Peru und Florham etwas mit dem Ausgang zu tun. Der Krackersche Hengst gewann sehr sicher mit anderthalb Längen gegen Florham, zehn Längen zurück folgte Thisbe vor Danae. Der vielgewettete Pennbruder brach aus, und Peggine kam zu Fall. Durch den Sieg von Helga im Hacheneyer Jagdrennen kamen die Farben des Herrn E. v. Kracker zu einem zweiten Erfolge. Die genauen Resultate sind: 1. Rennen: 1„Edfu(Charvat). 2. Ruhm(Lommatzsch. 3. Golddrossel(Michnon). Tot.: 25:10. 4—1 Lg. Drei liefen. 2. Rennen: 1 Mevval(Bastian), 2. Myrthe(Lommatzsch), 3. Gallicia(Reith). Tot.: 27:10. Pl. 16, 15:10. Unpl. Melone (angeh.), Strombilo(angeh.), ½—8 Lg.— 3. Rennen: 1. Mac Garvy(Lommatzsch), 2. Lofnarr(Reinicke), 3. Wandora(Hoge). Tot.: 47:10, Pl.: 16, 19, 13:10. Unpl. Weltkind(ausgebr.), Chinospin Marigny(ausgebr.), Penanink. 1½—3 Lg.— Großer Preis von Dortmund. Pr. 20000 M. Dist. 4600 Mtr. 1. Hrn. E. v. Krackers Peru(Printen), 2. Florham(Hoge), 3. Theibe(Seiffert). Tot.: 26:10, Pl. 13, 20, 14:10. Unpl. Gloster, Danae(4), Pennbruder(ausg.), Brakel. Sehr sicher. 1½—15 Läng. 5. Rennen. 1. Helga(Charvat), 2. Paula(Fischer), 3. Afrikander(Hoge). Tot.: 42:10. Pl.: 20, 25:10. Upl.: Aufidius, Corodexter. 6—8 Lg.— 6. Rennen, 1. Erzherzog(Reinicke), 2. Plü(Birghan), 3. Kontar(Bastian. Tot.: 126:10. Pl.: 20, 12, 16:10. Unpl.: Margiana, Condrada, Niemand, Nickelkönig. 2—3 Lg. Letzte Drahtmeldungen. Zum Reichskanzlerwechsel Berlin, 13. Juli. Der Kaiser verläßt, wie wir hören, Dienstag abend Kiel und ist am Mittwoch früh in Berlin. Am Mittwoch nachmittag wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Ernennung des neuen Reichskanzlers bekanntgegeben werden. Fürst Bülow verläßt Ende dieser Woche Berlin und begibt sich nach Norderney. Todesfall. Berlin, 13. Juli. Der frühere nationalliberale Reichstagsabgeordnete Depken ist gestern in Bremen im Alter von 72 Jahren gestorben. Depken war von Beruf Landwirt, als solcher 37 Jahre lang Vorsitzender der Bremer Kammer für Landwirtschaft, im Jahre 1873 Vorsitzender der internationalen landwirtschaftlichen Ausstellung in Bremen. Im Reichstage vertrat er den hannöverschen Wahlkreis Stade=Bremervörde von 1898 bis 1907. v. d. Soltz. Berlin, 13. Juli. Generaloberst Freiherr v. d. Goltz ist, gestern mittag in Konstantinopel eingetroffen und im Namen der deutschen Botschaft von dem Botschaftsrat Dr. v. Miquel empfangn worden. Zu seiner Begrüßung hatten sich ferner zahlreiche türkische Offiziere, darunter General Pertew Pascha und General Imhoff Pascha sowie eine große Anzahl von Mitgliedern der deutschen Kolonie eingefunden. Haus Hoffmann f. Weimar, 12. Juli. Der beliebte und geschätzte Novellist Hans Hoffmann ist Sonntag plötzlich an den Folgen einer Lungenentzündung im fast vollendeten 61. Lebensjahre gestorben. Er schrieb u. a.„Iwan der Schreckliche" und„Der eiserne Rittmeister“ zwei Romane und mehrere Novellensammlungen z. B. „Das Gymnasium zu Stolpenburg" und Geschichten aus Hinterpommern und anderes mehr. Lebensfrische und Humor durchzog seine Dichtungen, seine Weltanschauung war ein gesunder, schöner Optimismus. Hochwasser im Juli. München, 13. Juli. Infolge der starken Regengüsse und eines dadurch heworgerufenen Dammbruches mußte der Verkehr auf der Strecke Endorff=Obingen bis auf weiteres eingestellt werden. Aus Nordtirol werden ebenfalls starke Regengüsse gemeldet, so daß große Gefahr einer Ueberschwemmung vorhanden ist. Die Flüsse steigen rasch. Breslau, 13. Juli. Gestern nachmittag gingen hier schwere Regengüsse nieder, die die niedriger gelegenen Straßen=, Anlagen und Gärten überfluteten. In der südlichen Stadt stehen viele Kellerwohnungen unter Wasser, sodaß sie geräumt werden mußten. 1 Eisenbahnunglück. Brüssel, 13. Juli. Gestern vormittag fuhr auf dem Ostbahnhofe Verviers ein von Lüttich kommender Personenzug mit solcher Wucht gegen den Prellbock, daß 57 Reisende verletzt wurden. Explosion im Kohlenschuppen. Flensburg, 13. Juli. Bei der Station nordschleswigsche Weiche fand gestern nachmittag gegen 5 Uhr im Kohlenschuppen der königlichen Staatsbahn eine Explosion statt. Der ganze Schuppen cseriet in Brand. Der Luftdruck war so stark, daß sämtliche Fenster der Bahnhofswirtschaft und des Bahnhofsgebäudes zertrümmert wurden. Ein Mann erlitt schwere Brandwunden. Holz und Eisenteile wurden etwa 300 Meter weit fortgeschleudert. Unter den Passagieren des Sonderburger Zuges, der gerade die Weiche passierte, brach eine Panik aus. Frankreich. Paris, 13. Juli. Im Verlaufe einer Rede in der Deputiertenkammer warf Clemenceau den Sozialisten vor, daß sie Anhänger der Gewalt seien. Dann legte er dar, daß die Regierung mehrere Reformen zu Ende geführt habe. Die Altersversorgung würde vor Ende der Legislaturperiode angenommen werden, oder er werde nicht mehr Minister sein. Die Wahlreform lasse sich erst nach der Reorganisierung der Verwaltung durchführen. Er schloß mit den Worten, er werde fortfahren, dem Volke die Wahrweit zu sagen, denn er sei überzeugt, daß dies das beste Mittel sei, ihm zu dienen. Paris, 13. Juli. Im weiteren Verlauf der Debatte über die Neuorganisation der Artillerie wurde das Projekt des Generals Langlois, das Batterien zu 6 Geschützen fordert, abgelehnt. Der Senat beschloß die Schaffung von 11 Fußartillerie=Regimentern und 42 Feldartillerie=Regimentern mit 147 gegen 127 Stimmen, das sind zwei auf das Armeekorps, entsprechend dem Vorschlage der Kommission. Nachdem der Gesamtentwurf angenommen worden war, wurde die Sitzung aufgehoben. Zehn Todesurteile in Rußland. Das Kriegsgericht in Lublin hat, wie aus Warschau gemeldet wird, in der Affäre der Gefängnisrevolte in Lublin von 23 Angeklagten zehn zum Tode durch den Strang verurteilt. 60 Häuser eingeäschert. Czernowitz, 13. Juli. Vorgestern abend brannten in Wiznitz 60 Häuser samt Nebengebäuden nieder. 150 ärmere Familien sind obdachlos, doch sind Opfer an Menschenleben nicht zu beklagen. Die Nache des Abgewiesenen. Rom, 13. Juli. Ein von einem Mädchen abgewiesener Bursche lauerte in Genzano(Provinz Rom) in Begleitung seines Bruders den beiden Brüdern des Mädchens auf und stach sie nieder. Die Ueberfallenen gaben Schüsse ab, durch die zwei Personen getötet und mehrere verwundet wurden. Vom Balkan. Konstantinopel, 13. Juli. Nach hier eingelaufenen Meldungen hat an der türkisch=serbischen Grenze ein Zusammenstoß zwischen der Bevölkerung zweier Dörfer stattgefunden.— Ein Jrade des Sultans bestätigt das über den serbischen Wahdetti, sowie über den Kommandanten des 4. Armeekorps Jussuf Pascha gefällte Todesurteil. Zur Revolution in Kolumbien. Washington, 13. Juli. Wie das Staatsdepartement erfährt, ist zum Zwecke von Verhandlungen zwischen dem Vizepräsidenten von Kolumbien Holguin und dem von den Insurgenten zum Präsidenten ausgerufenen Präsidenten Gonzasez=Valencia ein Waffenstillstand geschlossen worden. Argentinien und Bolivia. La Paz, 13. Juli. Die Unruhen sind im Zunehmen begriffen. Das Volk verlangt den Krieg, während die leitenden Personen sich darauf beschränken, den Schiedsspruch Argentiniens zu mißbilligen und eine Revision zu fordern. Pern und Bolivia. Valparaiso, 13. Juli. Die Admirakität reklärte sich bereit zur Entsendung von Kriegsschiffen zum Schutze der chilenischen Interessen im Falle eines Konfliktes zwischen Peru und Bolivia. Amerikanische Tarifbill. Washington, 13. Juli. In einer Konferenz zwischen dem Präsidenten Taft und der zur Beratung der Abänderungsanträge zur Tarifbill eingesetzten Senatskommission, die gestern im Weißen Hause stattfand, wurde beschlossen, die vorgeschlagenen Steuern auf die Reineinnahmen der Handelsgesellschaften von 2 auf 1 Prozent herabzusetzen. Handel. Essen, 12 Juli. Produktenbörse.(Nicht amtlich) Weizen inl. 28,00—28,50, dto. fremder 27,00—28,50, Roggen inl 20.00—21,00, dto. fremder 21,00—22,00, Buchweizen 22,50—22,75, Futtergerste 14,00—14,50, Mais 16,00—18.50, Weizenvorschuß 35,25—35.50, Roggenvorschuß 27.00—00,00, Weizenkleie(mit Sack) 11,00—00,00. Alles per 100 kg frachtparität Essen ohne Sack bei Abnahme von Doppelladungen mit Ausnahme von Kleie, die mit Sack gehandelt wird. Am nächsten Mittwoch dem 14. d. Mis., nachm. 5 Uhr, werde ich ca. 8 Morgen Gras auf der hinter der Pumpstation zu Villigst belegenen Wiese nummerweise meistbietend verkaufen. Zusammenkunft in der Wirtschaft Grave und an Ort und Stelle. 3743 Schulte, Auktionator. Zur Einmachzeit empflehlt: 8612 la. Plattenzucker, Weinessig, Essig-Essenz, sämtl. Gewürze, Salizyl. u. Pergament-Papier usw. usw. Wilheim-Hoppe o. 8 Stadtischer Viehhof, Vortmund Zum heutigen Schlachtviehmarkte waren aufgetrieben 873 Stück Großvieh, 1717 Schweine, 427 Kälber, 25 Schafe. Dortmund, den 12. Juli 1909. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt....... b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete... c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere.. d) gering genährte jeden Alters Bullen: c) vollfleischige ausgemästete Bullen bis zu 5 Jahren b) vollfleischige jüngere Bullen....... c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere d) gering genährte.. Rinder und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Rinder höchsten Schlachtwertes b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren..... c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder d) mäßig genährte Kühe und Rinder.... Kälber: (für 100 Pfund Lebendgewicht.) a) feinste Mast=(Voll=Mast) und beste Saugkälber b) mittlere Mast= und gute Saugkälber... c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte (Fresser) Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel.. b) ältere Masthammel.... c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1½ Jahren... b) fleischige c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber Tendenz: lebhaft. Mark 75—77 71—74 65—70 58—64 64—66 60—63 52—59 73—75 69—72 Wegen 3758 debergabe = des Geschäfts= ersuche ich meine Kundschaft, die von mir erhaltenen Rabatt=Marken und Gutscheine bis spätestens zum 15. d. Mts. bei mir einzutauschen. Spätere Vorzeigungen werden nicht mehr berücksichtigt. Schwerte, 12. Juli 1909. Sullas Horctt, Schwerke, Hagenerstraße 8. ber Gesucht! ein bravesMädchen, welches kochen kann, zu einer kleinen PastorenFamilie per 1. August. Lohn 100 Taler. Gute Zeugnisse und baldige Vorstellung erwünscht. 3756 Stadt= und Landmädchen erhalten kostenfrei Stellung. Frau Christine Duisdicker, Stellen=Vermittlerin, Teichstraße 3. Tüchtiges 3759 Dienstmädchen gegen hohen Lohn in angenehme Stellung gesucht. Näheres zu erfragen in der Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. 3757 Knochenbildendes * O für Kinder erhält man aus Milch 3749 und Or. SStkers Pnddingpalver. Zum Backen nur d. echte Dr. Oetker’s Backpulver. Veranntmachung für die bei dem Zusammenlegungsverfahren von Hengsen— H 667— beteiligten Grundbesitzer. In der Zusammenlegungssache von Hengsen ist der Auseinandersetzungsplan aufgestellt. Das Königliche Amtsgericht zu Unna ist daher von mir ersucht, von jetzt ab Auflassungen der bei diesem Verfahren beteiligten Grundstücke nur dann entgegenzunehmen, wenn die Beteiligten eine von mir ausgestellte Bescheinigung vorlegen, daß der Auflassung Bedenken nicht entgegenstehen. Dortmund, den 3. Juni 1909. 2981 Der Königliche Spezialkommissar Melchior, Regierungsrat. Steckbriefserledigung. Der unterm 14. Mai 1909 gegen den Reservisten Johann Fust erlassene Steckbrief wird hierdurch aufgehoben. 3754 Gericht d. Bezirkskommandos I1 Dortmund. Zwangsversteigerung Am 14. d. Mts., vorm. 10 Uhr werde ich beim Wirt Rath folgende Gegenstände gegen bar versteigern: 1 Matraße, 1 Kopfkissen, 1 Zither, 2 Bilder und 1 Küchenschrank. Grothaus, 3760 Gerichtsvollzieher. Jüngerer Schbeider Sehilft für dauernde Arbeit sofort gesucht. Rickert, Schwerte Ostenstraße. 63— 55— 50—51 45—49 38—44 70—75 74 71—73 65—70 Mükalalut-Pupter Buchdruckerei (zum Einwickeln 2c.) gibt billigst ab Carl Braus. 3 Stück 25 Pf. empfiehlt Drogerie Eine Wohnung von 4 Zimmern mit Stall, Heuboden, Trockenboden und Keller im ganzen oder geteilt an ruhige und ordentliche Familie zu vermieten. Gust. Kirchhoff, Bergischestr. 41. 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Handwerker, insbesondere Schuhmacher, Schneider, Sattler, Schmiede, Schreider pp. haben den Vorzug. Hörde, den 22. Februar 1909. 958 Der Königliche Landrat. ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfr. Aussehen, weiße, sammetweiche Haut, ist der Wunsch aller Damen. Alles dies erzeugt die allein echte SteckenpferdLilienmisch= Seise v. Bergmann& Co., Radebeul. à Stck. 50 Pfg. in Schwerte: Adler=Apotheke, Neue Apotheke. 891 In Westhofen: Wilh. Engel. Malz=Extract=Hier Kraftbier) reich an Extrackgehalt (¾%, arm an Alkohol 1%; sowie Merklinghäuser Kornbranntwein empfiehlt Wart Kässin Gasthof„Zur Helle“ Tausende Raucher empfehlen molnen garant. ungoschl.efelten, deshalb sehr be3S besse“ kömmlichen und * Ag gesunden Tabak. 1Tabakspfei“e umsonst.: 0 Pfd. meines berühmt. Förstertabak für Mr. 11.20 frko. 9 Pfd. Pastogrentabak u. Pfeifekost. Wzus. Mk. 5.— frko. 9 Pfd. Jagd-Kanastor mit Pfeife Jk. 6.50 frro. 9 Pfd. hollánd. Kanarter m. Pfeite Md 7.80 frkc. 9 Pfd. Fankfurter Kansster m. 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