Schwerter Volksblatt Verbunden mit: General-Anzeiger für den Kreis Hörde Die“Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: o“illustrierter Familienkreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die“Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss ungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihrer BedingUnterstützung Erstes und altestes Tagesorgan des Kreises S haupi=Annoneenblalt Schwerter Volks-Zeitung Alie kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“schwerter Zeitung" rechtso o o o o o verbindliche Kraft o o o c c 0 Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62 Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 142 Montag den 21. Juni 1909 41. Jahrg. Erstes Wlatt Deutscher Reichstag. 265. Sitzung. 19. Juni, 11 Uhr. Die Beratung der Ersatzsteuer=Vorlagen Finanzutnister v. Rheinbaben führte zunächst gezenüber einigen gestrigen Aeußerungen des Abg. Mommsen aus, es liege auch nicht der Schatten eines Anlasses vor zu dem Verdacht, als werde bei den Steuer=Einschätzungen einerseits gegen Aermere, andererseits gar gegen Freisinnige schärfer vorgegangen, als etwa gegen Grundbesitzer, zumal von anderer politischer Richtung. Seit langen Jahren sei die Steuerpolitik gerichtet auf Entlastung von schwächeren Schultern, und Fraktionspolitik werde im Steuerwesen, von der Steuerbehörde, nicht getrieben. Was die Preßmitteilungen über zu niedrige Einschätzungen vermögender Grundbesitzer, Mitteilungen, denen die Steuerbehörde selbstverständlich schon in ihrem eigenen Interesse stets nachgehe, zu besagen, wie wenig sie zu bedeuten hätten, das erlebe man alle Tage. In der Mehrzahl solcher Fälle stelle sich heraus, daß sie unzutreffend seien. Es möge ja vorkommen, daß einzelne Leute mit erheblichem Vermögen einmal keine Einkommensteuer zahlen. Das ereigne sich sowohl der Industrie wie in der Landwirtschaft, dann nämlich, wenn der eine etwa in einem Jahre mit Verlust gearbeitet, der andere durch Mißernte einkommenslos gewesen sei. Aber in keinem Falle liege da ein Unrecht vor, wenn der Betreffende keine Einkommensteuer gezahlt habe. Ganz allgemein müsse er noch betonen, wie den Steuerbehörden früher nachgesagt worden sei, sie beanstandeten zu viel Steuerdeklarationen. Jetzt werfe man den Behörden vor, nicht scharf genug auf dem Lande vorzugehen. Der Vorwurf sei unberechtigt. Eine Bevorzugung des Großgrundbesitzes gegenüber den Städten finde in keiner Weise statt, und Mommsen hätte besser getan, derartige Unterstellungen hier im Reichstage nicht erst vorzubringen.(Lebhafte Bravos rechts.) Abg. Bruhn(Dt. Reformp.) erklärt, seine Freunde stimmten der Erbanfallsteuer zu, sie würden aber ihre ganze Vergangenheit verleugnen, wenn sie nicht auch für die KotierungsWürttemb. Finanzminister v. Geßler erklärt, die württembergische Regierung habe stets auf dem Standpunkt gestanden, daß der neue Steuerbedarf unbedingt zum Teil auch eine den Besitz ganz allgemein treffende Steuer aufgebracht werden müsse. Und das sei allein durch die Erbanfallsteuer zu erreichen. Denn die direkten Steuern, die Einkommensteuer insbesondere, müßten den Einzelstaaten verbleiben. Württemberg würde jedenfalls die Erhöhung seiner Beamtenbesoldungen unmöglich ohne eine weitere Anspannung seiner Einkommensteuer wie überhaupt seiner direkten Steuern durchsetzen können. Was der preußische Herr Finanzminister über die geringe Beteiligung des bäuerlichen Besitzes an der Erbaufallsteuer dargelegt habe, sei auch durchaus zutreffend für Württemberg. In Württemberg werde, wenn man das Maß der Verschuldung des dortigen bäuerlichen Besitzes in Betracht ziehe, dieser letztere durch die Erbanfallsteuer nicht mehr belastet, als der analoge Besitz in Preußen. Er sei überzeugt, und auch die Herren auf der Rechten würden ihm darin doch wohl beipflichten müssen, daß es eine soziale und eine Ehrenpflicht des gesamten Besitzes sei, an den neuen Lasten teilzunehmen. Er hoffe daher jetzt noch auf eine Verständigung.#). 8c wig nicht wiss. En. Abg. v. Payer(Fr. Tp.): Ich weiß nicht, wieso die Worte Mommsens dem Finanzminister Anlaß zu solcher Erregtheit gegeben haben können. Und wenn wir in der Presse Mitteilungen über die ländlichen Steuereinschätzungen, über Bevorzugung des Grundbesitzes begegnen, so ist es unser gutes Recht als Abgeordnete, ja, sogar unsere Pflicht, hier darauf aufmerksam zu machen!(Sehr richtig! links.) Nun zur Sache, in den letzten Tagen haben wir den preußischen, den sächsischen und heute auch noch den württembergischen Finanzminister für die Erbanfallsteuer eintreten gehört. Diese Energie hätten die Herren vom Bundesrat nur schon etwas früher betätigen sollen! (Heiterkeit.) Wenn man mich fragt, was uns die Debatten der letzten Tage nun eigentlich gebracht haben, welche Schlüsse wir daraus ziehen sollen, so kann ich nur sagen: ich bin dadurch nur verwirrter geworden.(Heiterkeit.) Das ist sicher: meine Freunde, und ich hoffe das auch von den Nationalliberalen, werden sich bedanken, eine solche verkümmerte und ihres Wertes beraubte Reform, wie die Kommission sie vorschlägt, anzunehmen. Wird die Erbanfallsteuer abgelehnt, so wird der Reichskanzler doch wohl die Konsequenz seiner Erklärungen ziehen müssen. Wird die Erbanfallsteuer angenommen, so werden sich andererseits auch dann noch Schwierigkeiten ergeben, deren Lösung notwendig ist. Denn sonst wird sich an das fröhliche Ende dieser Finanzreform der fröhliche Anfang einer neuen anknüpfen müssen.(Sehr richtig! links.) Die ganze jetzige Situation wird auch den Regierungen zeigen, wohin man kommt, wenn man ohne den Kompaß fester Grundsätze sein Schifflein treiben läßt, wohin es will. Herr Bassermann hat neulich Mahnungen an die Konservativen gerichtet, als er vom Block sprach, und auch an das Zentrum! Ich glaube nicht, daß da etwas zu machen ist.(Große Heiterkeit.) Die Blockperiode hat uns jedenfalls eins gebracht: die Erkenntnis und das Zugeständnis der Regierungen, daß ohne Berücksichtigung des Liberalismus, so wie bisher, nicht weiter regiert werden kann. Und noch ein weiteres hat uns der Block gebracht: eine entschiedene Annäherung der Liberalen untereinander. Der Block wird uns deshalb eine— interessante und lehrreiche Erinnerung sein.(Stürmische Heiterkeit.) Kommt es zu Neuwahlen, m. H., so wird in dem dann entstehenden Kampfe hoffentlich auch das preußische Wahlrecht eine Rolle spielen(Unruhe rechts); denn diese Frage verdient das durchaus! Es handelt sich da um nichts Geringeres, als um ein Reservatrecht der preußischen herrschenden Klasse. Ich begreife nur nicht die Gutmütigkeit derjenigen— nichtpreußischen— Kreise, die es so ruhig dulden, daß der Kampf zwischen preußischer Regierung und preußischen Konservativen hier von diesen auf das Reichsgebiet hinübergespielt wird. (Sehr richtig!) Denn nur diese Wahlrechtsfrage hat die Konservativen bewogen, in der Steuerfrage mit dem Zentrum zusammenzugehen. Das Zentrum, das ja hier jetzt Opfer bringt, wird versuchen, auf seine Kriegskosten zu kommen, und die Lage der Konservativen wird dann kritisch werden. Der Glaube des Mittelstandes, daß seine Interessen bei den Konservativen gewahrt seien, ist ernstlich ins Schwanken geraten, nachdem schon der Zolltarif daran gerüttelt hatte. Wir sollten die Schlußrufe, die von Zeit zu Zeit in das Haus dringen, nicht unbeachtet lassen. (Lebh. Beifall links.) Ein Schlußantrag wird jetzt angenommen und die Ersatzvorlagen an die Kommission verwiesen. Auf der Tagesordnung steht sodann die zweite Beratung der Finanzreform=Vorlagen, so wie die Kommission sie gestaltet hat. Die Beschlüsse der Kommission liegen in einer längeren Reihe von Einzelberichten vor. Zur Geschäftsordnung beantragt der Abg. Bassermann, diejenigen sieben Steuerbeschlüsse, die die Kommission auf Grund von erst in der Kommission eingegangenen Initiativanträgen gefaßt hat, die also eine erste Lesung im Plenum noch nicht durchgemacht haben, heute in erster Lesung zu behandeln, also nicht bereits in zweiter Lesung. Ein Antrag Singer dagegen verlangt, daß dieselben sieben Steuergesetzentwürfe heute von der Tagesordnung abzusetzen seien. g e. In der sich hieru##### entspinnenden Geschaftsordnungsdebatte Abg. Bassermann zur Begründung seines Autrages in eingehenden Darlegungen fest, daß in der Vergangenheit in allen Fällen, wo die Kommission ihr nicht vom Plenum überwiesene Initiativ=Entwürfe beraten und darüber beschlossen habe, diese Beschlußfassung stets nur insoweit als statthaft anerkannt worden war, als dagegen kein Widerspruch erfolgt sei! In dem gegenwärtigen Falle habe solcher Widerspruch seitens der liberalen Mitglieder der Kommission stattgefunden. Mithin bedürften die von der Kommission beschlossenen Initiativ=Gesetzesvorschläge noch einer ersten Lesung im Plenum. Abg. Singer stimmt dem Abg. Bassermann im Prinzip bei, zieht aber daraus die Konsequenz, daß die betr. sieben Entwürfe, deren erste Lesung gar nicht auf der Tagesordnung stehe, sondern gleich die zweite, von der Tagesordnung abgesetzt werden müßten. Herr Bassermann sei gegen die bisherigen Blockbrüder entgegenkommend, wenn er die betr. Entwürfe heute zur ersten Lesung stellen wolle, das sei aber abhängig von der Einmütigkeit des Hauses! Abg. v. Richthofen(k., macht gegen den Bassermannschen Standpunkt geltend: Wenn gegen eine Abweichung von der Geschäftsordnung, sei es im Plenum, sei es in der Kommission, ein Widerspruch erfolge, so entscheide aber die Mehrheit.(Rufe: So! Das ist ja ganz etwas Neues!) Die Kommissionen hätten überdies über ihre Geschäftsordnung selbständig zu befinden. Die Beschlußfassung der Kommission über die Initiativ=Gesetzentwürfe sei also rite erfolgt, und die heutigen Anträge Bassermann und Singer somit hinfällig. Abg. Gamp(Rp.) erklärt sich für den Antrag Bassermann, gibt aber dabei nicht zu, daß in der Kommission geschäftsordnungswidrig verfahren sei. Abg. Spahn verteidigt das Vorgehen der Kommission. Abg. Geyer(Soz.) bezeichnet dieses als Rechtsbruch. Abg. Erzberger führt zahlreiche Fälle an, wo in der Kommission ähnlich verfahren sei.(Lebhafte Zurufe: Kein Widerspruch!) Allerdings sei kein Widerspruch erfolgt.(Rufe: Na alsol Das ists ja eben!) ehattg erfel. Nach weiterer Geschäftsordnungsbevarte erfolgt Abstimmung. Der Antrag Singer wird gegen Sozialdemokraten und Freisinnige abgelehnt. Bei dem Antrag Bassermann wird Hammelsprung notwendig, derselbe ergibt Ablehnung des Antrags mit 186 gegen 116 Stimmen. Die Polen stimmten Das Haus tritt sodann zunächst ein in die Detailberatung des Kotierungssteuer=Entwurfs der Kommission. Abg. Graf Westarp als Referent empfiehlt den Entwurf kurz unter Hinweis auf den ausführlichen schriftlichen Bericht zur Annahme...... Ertmunt une... s. Abg. Weber(nl.) ist gegen ven Entwurf und wender sich gegen die gestrigen Raabschen Ausführungen. Weiterberatung: Montag, 2 Uhr. Schluß 4 Uhr. Politische Uebersicht. Deutschland. Kaiser Wilhelm will eine Sondergesellschaft zur Begrüßung des Sultans Muhammed entsenden, nachdem dessen Sondergesandtschaft erst kürzlich von ihm empfangen wurde. Zu Ende— endlich! Harden, der Gegner Moltkes, hat auf die Revision des Urteils vom 20. April vor dem Reichsgericht verzichtet. Er hatte sich bei dem Urteil beruhigen wollen, wenn Graf Moltke, sein Gegner, sich eine bestimmte Reserve auferlegen würde und hatte Revision angemeldet, als diese nicht beobachtet wurde. Nun hat aber der Graf Harden sein Bedauern darüber ausgesprochen, wenn er etwa in der Erregung des zwischen beiden getroffenen Uebereinkommen verletzt haben sollte. Daraufhin hat Harden in der Zukunft erklärt, daß ihm genüge und er die eingelegte Revision zurückziehe. Das wäre also das Ende der Moltke=Hardenaffäre; die eine traurige Berühmtheit erlangt hatte. In der Nordsee herrscht zurzeit ein ungewohntes Treiben ist sie doch der Schauplatz der großen englischen Seemanöver, die ein grandiöses Schauspiel gewähren. 350 Kriegsfahrzeuge nehmen an den Uebungen teil, darunter 40 Schlachtschiffe und 28 Panzerkreuzer. Die Reede von Dover wimmelt buchstäblich von Torpedobooten, jenen flinken, kleinen Gesellen. Der Seniorenkonvent des Reichstages trat vorgestern nachmittag während der Plenarsitzung zusammen. Man einigte sich dahin, daß die allgemeine Erörterung der Finanzreform mit der ersten Serie der Reden beschlossen werden soll. Unmittelbar darauf soll auf die Tagesordnung die zweite Beratung des Finanzgesetzes gesetzt werden. Vorher ist jedoch eine Erörterung über die Frage in Aussicht genommen, ob die Rumpfkommission bei ihren Beschlüssen gegen die Bestimmung der Geschäftsordnung verstoßen hat oder nicht. Bei der zweiten Beratung der Finanzreformvorlagen soll zuerst über die von der Kommission beschlossenen sogenannten Besitzsteuern, also die Kotierungssteuer, Reichsumsatzsteuer, Reichswertzuwachs= Steuer usw. verhandelt werden. Hierauf sollen die indirekten Steuern beraten werden. Den Schluß bilden die Gesetzentwürfe über die formellen Aenderungen der Finanzgesetze, also über die Neuordnung der Matrikularbeiträge usw. Am 28. Juni, den Tag vor Peter und Paul, wird die Sitzug ausfallen. Deutschland sund Venezuela. Der Bundesrat hat dem Freundschafts=, Handels= und Schiffahrtsvertrag zwischen dem deutschen Reich und dem Freistaat Venezuela seine Zustimmung erteilt. Die Beziehungen zu Venezuela sind demnach, wenn sie auch gerade keinen übermäßig hohen Wert haben, gut und das ist erfreulich. Die Krankenversicherung der Dienstboten soll bekanntlich nach der neuen Reichsversicherungsordnung ein Zweig des Reichsversicherungswesens werden. Wie die„Tägl. Rdsch.“ nun hört, soll es sicher sein, daß die bereits bestehenden Dienstboten=Versicherungsvereine, die sich durchaus bewährt haben, als gesetzliche Krankenkassen anerkannt und so fortbestehen bleiben. Eine andere Frage wird es allerdings sein, ob die Dienstboten nicht die Reichsversicherung vorziehen werden, in denen sie stimmberechtigte Mitglieder werden. Das sind sie nämlich in den bestehenden privaten Versicherungsvereinen nicht. Der Hansa=Bund für Gewerbe, Handel und Industrie hat von Tag zu Tag eine Zunahme seiner Mitgliederzahl zu verzeichnen. Gleichzeitig haben sich von allen Seiten Persönlichkeiten gemeldet, die sich als Freiwillige in den Dienst der Werbearbeit stellen wollen. Die Rührigkeit imponiert! Schutztruppen und Alkohol. Angesichts der Gefahren, welche der Alkoholgenuß besonders in den Tropen im Gefolge hat, ist man an maßgebender Stelle damit beschäftigt, besondere Maßnahmen gegen den Genuß von Alkohol in unseren Kolonien zu ergreifen. In erster Linie kommen naturgemäß dabei unsere Schutztruppler in Betracht, die bei anstrengenden Uebungen und Märschen sehr leicht zum Alkoholgenuß verführt werden, ohne sich dessen bewußt zu sein, daß die starke Flüssigkeitszufuhr bei dem tropischen Klima für Herz und Nieren äußerst schädlich ist. Aus diesem Grunde hat der Stabsarzt beim Oberkommando der Schutztruppen jetzt einen Versuch gemacht, unter den Angehörigen der„Schutztruppen eine Enthaltsamkeitsbewegung großen Stiles ins Leben zu rufen, und im Anschluß daran über die schädlichen Wirkungen, die der Alkohol ganz besonders in den Kolonien auf den menschlichen Organismus ausübt, die Soldaten zu belehren. Die Aufblärungstätigkeit wird sich auf das ganze Gebiet der Verheerungen erstrecken, die der Alkoholgenuß im Gefolge hat. Auch über die anscheinend günstigen Wirkungen werden die Soldaten aufgeklärt werden, da der Alkohol das Gefühl der Stärke und des Wohlbefindens zuerst vortäuscht, um späterhin desto nachhaltiger den Körper zu erschlaffen und den Soldaten pflichtvergessen zu machen. Die Enthaltsamkeitsbewegung macht unter den Sol daten große Fortschritte, und man kann jetzt schon sagen, daß der Einfluß des Alkohols bei unseren Soldaten in DeutschSüdwest gebrochen ist. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 21. Juni. *(Etwas vom Wassertrinken.) Man braucht nicht auf Lucull zurückzugreifen, um Stimmen maßgebender Feinschmecker Aus dem Auslande. Luran zulauzugleisen, Frankreich. Paris, 20. Juni. Die Affäre des Kabinetts= zu vernehmen, die einen Trunk kühlen, klaren Wassers zu den chefs Vittone, der, ebenso wie vor ihm Dupont, des Diebstahls! Genüssen zählen, denen das Prädikat„köstlich" beizulegen ist. „4 n nial dend####er nur bedingungsweise e varstohen Auch kurz vor 12 Uhr mittags und gegen 10 Uhr abends langten die Ausflügler hier wieder an, befriedigt von dem schönen Nachmittag und den Eindrücken in dem gastfreundlichen Münster. Am nächsten Samstag wird der Ausflug wiederholt für diejenigen Eisenbahner, welche vorgestern dienstlich verhindert waren. von Geheimakten beschuldigt wird, hat natürlich wieder viel Staub aufgewirbelt. Vittone erklärt seine Ankläger vielfach für Schwindler.— Der Schaden, der durch Erdbeben in Südfrankreich verursacht wurde, wird jetzt auf 16 Millionen Franks angegeben. Aus Cherbourg wird gemeldet, daß die Begegnung des Zaren mit dem Präsidenten Fallieres an Bord des Kriegsschiffes„Léon Gambetta“ erfolgen wird. Im Arsenal werde diesmal im Gegensatz zu früheren Zusammenkünften weder ein Empfang noch sonst ein Fest veranstaltet werden; die ganze Begegnung werde sich auf der Reede abspielen. Mehrere Blätter glauben, daß dieses mit den von den Sozialisten angedrohten Kundgebungen zusammenhängt. Türkei. Konstantinopel, 20. Juni. Die Pforte hat dem Parlament eine Gesetzentwurf über die Regelung der Zivilliste Adul Hamids im Betrage von 1120000 Pfund vorgelegt. Mit einer so hohen Zahlung kann der entthronte Sultan jedenfalls sehr zufrieden sein. 20 Mill. Mark als Zivilliste ist als Staatspension doch immerhin nicht zu verachten.— Mehmed Pascha, ein Vertrauter Abdul Hamids, einer der einflußreichsten Würdenträger des alten Regimes, wurde vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Das Urteil ist durch kaiserliches Jrade bestätigt worden. Zur Zwei=Kaiser=Begegnung. Da Tatsächliches über die Begegnung des Kaisers mit dem Zaren bei Bjoerkoe infolge der Natur der Sache nur wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, so ergehen sich die Preßstimmen des Auslandes nach wie vor in allerhand Vermutungen über den Ausgang der Entrevue und ihren Einfluß auf die künftige Gestaltung des europäischen Konzerts. Im Inlande hat man von vornherein die politische Bedeutung der Zweikaiserbegegnung so taxiert, wie es richtig war, nämlich als eine Bestätigung der alten gutnachbarlichen Beziehungen Deutschlands zum Zarenreiche, und infolgedessen auch nicht gerade allzuviel Aufhebens davon gemacht. Möglich auch, daß das Interesse der Oeffentlichkeit zu sehr durch die Verhandlungen des Reichstages über die Finanzreform absorbiert war. Was über die Balkanvorgänge und die um die Jahreswende durch sie heraufbeschworene drohende Schwüle zwischen den beiden Monarchen verhandelt worden ist, wissen wir nicht, es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß jene Periode überhaupt nicht direkt erwähnt worden ist, man hat Grund zu der Annahme, daß es zu einer Komplikation der Mächte wegen des kleinen Kläffers Serbien überhaupt nie hätte kommen können. Die deutsche Haltung zur Zweikaiserbegegnung hat den Franzosen imponiert, andererseits aber ist es den Politikern an der Seine aufgefallen, daß die Russen die Begegnung mit großem amtlichem Aufwand umgaben und es an Höflichkeiten gegen die Deutschen nicht fehlen ließen,— man denke nur an die Menge der Auszeichnungen, die an das Gefolge des Kaisers verliehen wurde. Wenn auch die öffentliche Meinung Rußlands kühl bis ans Herz hinan geblieben ist, so tut das der Bedeutung keinen Abbruch— man denkt in Frankreich viel zu praktisch. An der Bundestreue des Zaren wagt man jedoch nicht zu zweifeln. Und so ergiebt sich denn als Endresultat der Zweikaiserbegegnug die Aufrechterhaltung des Status quo und Befestigung deutsch=russischen Einvernehmens. Von den verschiedenen Preßstimmen über die Kaiserbegegnung seien folgende erwähnt: In der„Petersburgya Wjedomoßi“, schreibt Fürst Uchtomski:„Die russische Opposition verfolgt zähneknirschend die Entrevue. Blinder Deutschenhaß kann indessen nur den Feinden des Vaterlandes dienen. Ein künstliches Anfachen des Hasses gegen die Deutschen geht von denen aus, die Rußlands Untergang als Weltmacht wünschen.“— Sehr erfreulich ist die Stellung, die das führende Oktobristenblatt, die„Golos Prawdy“ einnimmt. Das Blatt wünscht eine entente cordiale mit Deutschland.— Das„Journal“ in Paris weist darauf hin, wie sensationell die Bekräftigung der„Wiederversöhnung“ zwischen Deutschland und Rußland wirken müsse, wenn man sich der schweren Stunden des Serbenkonfliktes erinnere.— Der konservative Daily Expreß in London führt aus ohne das gute englisch=russische Einvernehmen wäre die„teutonische Vorherrschaft“ in Europa gesichert. Die„Daily News“ meinen, es sei das Bestreben Kaiser Wilhelms, die Erinnerung Rußlands an die Behandlung im März zu verwischen.— Das„Giornale d'Italia“ in Rom befürchtet einen Rückschlag auf die Beziehungen Deutschlands zu England und Frankreich, hofft aber, daß es der versöhnlichen Sprache der Organe der Reichsregierung gelingen werde, das Mißtrauen zu heben. Ueber die politsche Bedeutung der Zusammenkunft der beiden Kaiser unterrichtet nachstehende Auslassung, die dem Wolff'schen Telegraphen=Bureau von berufener Seite mitgeteilt wurde: Die Begegnung zwischen dem Kaiser von Rußland und dem Deutschen Kaiser ist ein neuer Beweis der Beziehungen traditioneller und herzlicher Freundschaft, welche sowohl zwischen den beiden hohen regierenden Häusern, als auch zwischen den Monarchen bestehen. Dies erhellt deutlich aus den ausgetauschten Trinksprüchen, in denen beide Souveräne in diesen Beziehungen ein Unterpfand des zwischen ihren beiden Ländern bestehenden Verhältnisses und des allgemeinen Friedens erblickt haben. Bei den Unterredungen der Staatsmänner, welche die Majestäten begleiten, sind selbstverständlich die verschiedenen schwebenden politischen Fragen berührt worden. Dabei wurde festgestellt, daß zwischen Rußland und Deutschland keinerlei gegensätzliche Auffassungen bestehen, und daß beiderseits aufrichtig die Fortsetzung und Befestigung der guten Beziehungen zwischen beiden Ländern gewünscht wird. Zugleich wurde anerkannt, daß die internationalen Abmachungen, an welchen Rußland Deutschland beteiligt sind, diesen guten Beziehungen keineswegs entgegenstehen, und daß beide Seiten sich in dem Bestreben begegnen, zur friedlichen Lösung jeder etwa auftauchenden politischen Frage beizutragen. Selbstreoend ist das nur bevingungsweise zu verstehen. Auch auf dem Gebiet der Kunst des Trinkens ist es die Abwechslung, die die letzte Würze an jedes edle Getränk tut, und darum wollen wir hier nicht etwa eine Theorie aufstellen, die den Leser verpflichtet, Wasser in der Weise zu trinken wie er sein Glas Bier oder sein Glas Wein genießt. Mon könnte jetzt vielmehr entwickeln, daß Wasser eigentlich nur die rohe Materie darstellt, die durch den Geist— bitte, nicht doppelsinnig!— zu veredeln und zu läutern ist, aber das soll ja nicht der eigentliche Kern dieser Ausführungen sein. Der soll sich vielmehr auf die hygienischen Regeln beziehen, die beim Wassergenuß zu beobachten sind. Kardinalfrage ist natürlich, daß das zu genießende Wasser frei von gefährlichen Keimen ist, gerade in diesen Tagen haben wir ein warnendes Beispiel in der schlesischen Gemeinde Altwasser erlebt, wo infolge typhösen Wassers Typhus=Erkrankungen in erschreckendem Umfange vorgekommen sind. Die Gefahr des Typhus liegt beim Genusse rohen Wassers überhaupt vielfach nahe, weshalb auch in vielen Fällen das Wasser der Brunnen nur in gekochtem Zustand zu genießen ist. Man sei daher vorsichtig jetzt in den warmen Tagen, wo der Genuß alkoholischer Getränke eingeschränkt wird zu Gunsten der mit Wasser verdünnten Fruchtsäfte und Limonaden. Man hüte sich auch, in zu erhitztem Zustand Wasser zu trinken, stürze den kühlen Trunk nicht glasweise hinunter, schluckweises Trinken mit Absetzen löscht den Durst viel besser. Auf diese Weise wird auch ein Glas Wasser mehrfach zum Labsal. (Fernsprecher und Gewitter.) Mit Rücksicht auf die kommende gewitterreiche Jahreszeit sei darauf hingewiesen, daß bei nahen und schweren Gewittern Gesprächsverbindungen nicht ausgeführt werden. Die Fernsprechapparate sind zwar mit äußerst empfindlichen Schutzvorrichtungen versehen, welche etwaige Entladungen atmosphärischer Elektrizität sicher auffangen und ableiten; indes wird immerhin empfohlen, die Apparate und Leitungen nicht zu berühren. Das Aushängen des Höhrers ist verboten. **(Gewässerter Spargel.) Die Spargelzeit nähert sich zwar ihrem Ende, nichtsdestoweniger erscheint ein Hinweis darauf angebracht, daß die Polizeiverordnung zu Frankfurt a. M. auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes gegen das Spargelwässern vorgeht. Die dortige Behörde betrachtet die vielfach geübte Unsitte, Spargel unter Wasser aufzubewahren und dann als frischen Spargel zu verkaufen, als unzulässig und strafbar, da solcher Spargel gegenüber frisch gestochenem minderwertig sei. Es sind daher die mit der Nahrungsmittelkontrolle in Frankfurt a. M. beauftragten Beamten angewiesen, jeden derartigen zu ihrer Kenntnis gelangenden Fall zur Anzeige zu bringen. **(Neue Eisenbahnwagen 4. Klasse) sind jetzt von den preußischen Staatsbahnen dem Verkehr übergeben worden. weisen in ihrer Ausstattung einen bedeutenden Fortschritt auf. Es sind nicht nur Aborte eingebaut und Verbesserungen an der Beleuchtung vorgenommen, sondern es ist auch der bisher kahle Fußboden mit Linoleum belegt. (Ferkel als Handgepäck.) Die neue Eisenbahnverkehrsordnung gestattet bekanntlich die Mitnahme von Ferkeln als Handgepäck in Wagenabteilen dritter und vierter Klasse. In der dritten Klasse haben sich jedoch bereits Unzuträglichkeiten ergeben, da sich die Ferkel nicht immer einwandsfrei benehmen. Die Eisenbahndirektionen sind daher vom Minister zum Bericht darüber aufgefordert worden, wie das Publikum in den betr. Bezirken die Ferkeltransporte aufnimmt. Jedenfalls kaum mit Freude. ** Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 7. Armeekorps. Caternberg, Realgymnasium in E. Caternberg, Schuldiener, 1000 bis 1 400 M Gehalt. Dorsten, Amtsgericht, Kanzleigehilfe, 8 bis 18 4 für die Seite Schreibwerk. Erkrath, Gemeinde, Polizeiverwaltung Erkrath, Polizeisergeant, 1050 bis 1506 M Gehalt. Essen, Landgericht, Kanzleigehilfe, 8—19 4 für die Seite Schreibwerk. Essen a. Ruhr, Rheinisch=Westfälisches Elektrizitätswerk A.=G., Registrator, 100 M, Anfangsgehalt. Hamm(Westf.), Magistrat, Schutzmann, 1050 bis 1550 M Gehalt. Hochemmerich, Bürgermeisteramt, Kassenassistent, 1600 bis 2400 M Gehalt. Ort vorbehalten, Kaiserl. Postanstalt 2 Postschaffner, 900 bis 1500 M Gehalt. Recklinghausen, Bergrevier Ost=Recklinghausen, Königl. Oberbergamt Dortmund, Hilfsschreiber 90 bis 100 A monatlich. **(Eine Tagung der westfälischen Bodenreformer) wird am 3. Juli in Hagen stattfinden. Es handelt sich um den 3. Verbandstag des westfälischen Landesverbandes des Bundes deutscher Bodenreformer. Eingeleitet wird die Tagung durch eine große öffentliche Volksversammlung. In der Versammlung werden die beiden Bundesvorsitzenden Adolf Damaschke(Berlin) und A. Pohlmann(Detmold) sprechen.— Den Hauptgegenstand der Vormittagsversammlung am Sonntag bildet ein Vortrag über:„Praktische Wohnungs= und Bodenreform", Referent Beuing(Münster). In der Nachmittagsversammlung wird Geheimer Justizrat, Professor des Rechts, Dr. Erman(Münster) in einem Vortrage:„Die Eigenart des Bodens, Boden als das Gemeinsame, Boden als das Bleibende“, die grundsätzlichen Fragen der deutschen Bodenreform behandeln. Im Anschluß an die Tagung soll ein Ausflug nach Wetter an der Ruhr zur Besichtigung einer mustergültigen Kleinwohnungsanlage stattfinden. *e(Erledigte Schulstellen.) In der letzten Nummer des Amtsblattes der königl. Regierung zu Arnsberg werden 12 erledigte Schulstellen ausgeschrieben. **(Die Militär=Frei=Konzerte), welche wir gestern für unsere Abonnenten um 7 Uhr und um 11 Uhr veranstaltet hatten, waren recht gut besucht, wenn auch nicht so zahlreich diejenigen an den beiden Pfingsttagen. Ueber die Leistungen der Kapelle des Husaren=Regiments Nr. 9 aus Straßburg herrscht nur eine Stimme des Lobes.— Herr Straetmanns hat die Kapelle übrigens noch für den morgigen Dienstag und für Freitag für 4 Konzerte verpflichtet und zwar nachmittags 4 Uhr u. abends 8 Uhr. Wir können den Besuch nur bestens empfehlen. **(Der Staatseisenbahnverein) unternahm am Samstag unter zahlreicher Beteiligung einen Ausflug nach der Provinzialhauptstadt Münster. Die Abfahrt des Sonderzuges erfolgte *(Jubelfest des M.=S.=B„Cäcilia“.) Am Samstag und gestern seierte der M.=G.=V.„Cäcilia“ in glanzvoller Weise die 40. Wiederkehr seines Gründungstages. Mit ca. 20 Mitgliedern im Jahre 1869 gegründet zählt der Verein heute nach Ueberwindung mancherlei Schwierigkeiten ungefähr 260 Mitglieder, steht daher mit an der Spitze unserer heimischen Vereine und spielt auch im Musikleben unserer guten Stadt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auf einen Sängerkommers am Samstag abend im Vereinslokale Kordeck, an dem sich sämtliche hiesigen Gesangvereine beteiligten und mit köstlichen Liederspenden aufwarteten, folgte gestern nachmittag ein sehr gut besuchtes Fest=Konzert am„Freischütz“, welches durch die Mitwirkung des Gesangvereins„Concordia"=Werl und des Trompeterkorps des Husaren=Regiments Nr. 9 aus Straßburg sehr verschönt wurde. Die Husaren=Kapelle bot Leistungen wie man sie selten hört. Die weiche klangvolle Gesamtwirkung der Bläser nahmen vom ersten Augenblick an gefangen und die Ouverture zur„Felsenmühle“ von Reißiger, sowie die Ouverture zum „Goldenen Kreutz“ v. Brüll waren Glanzleistungen. Nicht unerwähnt bleiben darf das Trompetensolo des Musikmeisters Berkowsky, in dem er mit prachtvoller Tongebung staunenswerte Technik verband. Der Gesangverein„Concordia“ aus Werl unter der Leitung des Musikdirektors Liersch stehend, zeigte sich als eine Sängervereinigung, die hohen Ansprüchen gerecht wird. Besonders aufgefallen ist die straffe Chordisciplin, die dem leisesten Winken des Dirigenten nachkommt, ferner die gute Textbehandlung und der reine, wohltuende Chorklang. Gleich der erste Chor„Frühling am Rhein“ von Breu machte den denkbar besten Eindruck, und die weiteren Darbietungen, „Heimatliebe“ von Wengert und namentlich„Das Wander“ waren prächtige Leistungen des wackeren Vereins. Herr Liersch zeigte sich als sehr feinfühliger, temperamentvoller Dirigent, der aus einem reichen Born tiefer musikalischer Empfindung schöpft und dem auch die Energie reichlich zu Gebote steht.— Ueber die Leistungen des festgebenden Vereins„Cäcilia“ läßt sich ebenfalls recht gutes berichten. Unter seinem neuen Dirigenten hat der Verein schon viel gelernt. Besonders angenehm berührt hat die saubere Intonation und der Reinklang, sowie die gute sinngemäße Phrasierung. In Herrn Liersch hat der Verein eine Dirigenten gewonnen, der wohl fähig ist, den Verein zu immer besseren Leistungen zu bringen. Die Wiedergabe der beiden Volkslieder„Elslein von Kaub“ sowie„Die Heimat" verdienen wegen der gefühlvollen, warm empfundenen Wiedergabe hohes Lob.— Von imposanter Wirkung waren die Nummern, die von beiden Gesangvereinen gemeinsam vorgetragen wurden:„Hoch empor“ von Curti, ein äußerst schwieriger Chor gelang vorzüglich, ebenso das tief empfundene„Es ist ein Brünnlein geflossen“ von Plüddemann. Hier zeigt sich im Zusammenhalten und im Herausarbeiten der Details die ganze Dirgentenkunst des Herrn Liersch. Alles in allem ein gut gelungenes Konzert, auf das der Gesangverein„Cäcilia“ mit Recht stolz sein darf. Wir wünschen der„Cäcilia“ ein weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen!— Aus Anlaß des Jubelfestes wurden die Herren W. Kett, H. Buschhaus und Fr. Fröhling zu Ehrenmitgliedern ernannt und ihnen, wie auch den bereits früher ernannten Ehrenmitgliedern, unter denen sich auch noch ein Gründer des Vereins, Herr Olef, befindet, prächtige Diplome überreicht. **(In der gestrigen Monatsversammlung des evangelischen Arbeiter= und Bürgervereins) wurde nach Zahlung der Vereinsbeiträge die Herren Vorsitzender Hüseken und Edelhoff sen. als Vertreter für die am Sonntag, den 18. Juli, im evang. Gemeindehaus zu Langendreer stattfindende Verbands=Vorstandssitzung des Verbandes Rheinisch=Westfälischer ArbeiterVereine, in welcher über die Frage der Errichtung einer Kindersterbekasse endgültiger Beschluß gefaßt werden soll, gewählt. Seitens des Kassierers wurde über den geringen Beitritt zu der Verbandssterbekasse, welche Mitgliedern und ihren Ehefrauen gegen einen Wochenbeitrag von nur fünf Pfennig für die Person ein Sterbegeld von 100 Mark gewährt, berechtigte Klage geführt. **(Westfäl. Feuerwehr=Verbandsfest.) In Witten fand gestern unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung das westf. Provinzial=Feuerwehrfest statt. Auch unsere hiesige Feuerwehr war in recht stattlicher Zahl auf dem Fest vertreten. In Sachen der Feuerwehr=Unfall=Hilfskasse lagen Anträge der Wehren von Schwerte und Weitmar, sowie eine Eingabe des Verbandsausschusses an die Verwaltung der Provinzial=FeuerwehrUnfall=Hilfskasse vor. Versammlung beschloß, alle drei Anträge einer gemeinsamen Beratung zu unterziehen. Wie wir schon früher berichtet haben, bezwecken diese Anträge, eine Ausdehnung der Haftpflicht der Unfall=Kasse auf alle Unfälle, welche Feuerwehrleute bei Bekämpfung allgemeiner Not und Gefahr erleiden, z. B. bei Ueberschwemmungen, Eisenbahn=Unfällen usw. Wie der Redner erwähnte, steht der Beirat der Unfallkasse der Angelegenheit sehr sympathisch gegenüber, aber leider fehlen augenblicklich die nötigen Mittel. Es muß ichnliches wie in Bayern auch in Preußen angestrebt werden, daß sämtliche Feuerversicherungsanstalten im preußischen Staat verpflichtet sein sollen, zu den Kosten beizutragen. Der Ausschuß empfiehlt, möglichst weiter zu verhandeln, um eine Versicherung der Wehren auch gegen andere Unfälle herbeizuführen. In ähnlichem Sinne spricht der Vorsitzende, welcher für fakultative Versicherung gegen sämtliche Unfälle eintrat. Schließlich wurde eine im Sinne der Eingabe sich aussprechende Resolution fast einstimmig angenommen. Aus dem genehmigten Jahresbericht ist zu erwähnen, daß, nachdem heute Morgen vom Ausschuß fünf Wehren mit 216 Mitgliedern neu aufgenommen worden sind, der Westfälische Provinzialverband zur Zeit 327 Wehren mit 21163 Mitgliedern zählt. An 700 Feuerwehrleute, welche 25 Jahre der Feuerwehrsache dienen, wurde das Verbandsabzeichen verliehen. Die vom Kaiser verliehenen Auszeichnungen gelangen erst beim nächstjährigen Verbandstage zur Verteilung. Auf den Gräbern der bei der Roburit=Katastrophe verunglückten Wehrleute ließ der Ausschuß Kränze niederlegen. Der Chef der hiesigen Wehr, Herr Tillmann, wurde in den Uebungs=Ausschuß gewählt. Das nächstjährige Verbandofest wird in Lippstadt geseiert. Nr. 142 Montag den 21. Juni 1909 41. Jahrg. Hibettes Sotcher. Das Ergebnis der Generaldebatte. Die Reichsfinanzreform befindet sich wieder in der Kommission, die sie erst vor acht Tagen verlassen hat. Die Verhältnisse aber, unter denen sie jetzt dort beraten wird, haben sich doch wesentlich verändert. Die viertägige Generaldebatte im Plenum ist nicht umsonst gewesen, sondern hat die Situation nach den verschiedensten Richtungen hin geklärt. Im Land herrscht allenthalben der Wunsch, daß die Reichsfinanzresorm in der Fassung der Regierungsvorlage Gesetz werden möchte. Die eindringliche Rede des Reichskanzlers sowie die überzeugenden ziffermäßigen Darlegungen des preußischen Finanzministers von Rheinbaben sind dort nicht ohne tiefen Eindruck geblieben. Ein Appell an das Volk, das Ergebnis von Neuwahlen würde ein Verminderung der Mandatszahl der Vertreter der konservativen Partei zur Folge haben. In den konservativen Kreisen der deutschen Bevölkerung gibt es Tausende und Zehntausende, die es begrüßen würden, wenn ihre Vertreter im Reichstage sich zur Annahme der Erbanfallsteuer überwänden. Gleichwohl hat es der Kanzler aus Freundschaft für d. konservativen Parlamentarier vermieden, in irgend welcher Weise auf das von verschiedenen Seiten laut gewordene Verlangen, den Reichstag doch aufzulösen. Der Reichskanzler will aus dem Amte scheiden, wenn eine Finanzreform, die er nicht verantworten kann, zustande kommt; von der Ausübung eines Drucks auf die konservativen Gegner der Erbanfallsteuer hat er nichts gesagt. Einige konserative Abgeordnete sind diesem Steuerplane auch bereits geneigt, wie Graf Westarp im Reichstage mitteilte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich die kleine Minderheit noch vergrößert und die entscheidende Abstimmung in einer Ueberraschung, einer freudigen Ueberraschung endigt. Eins haben die Plenarverhandlungen jedenfalls klargestellt: der Block, und damit die Aussicht auf seine wirksame Betätigung bei der Entscheidung über die Finanzreform, ist noch nicht ganz zerfallen, sondern wird durch eine Art Personal=Union zusammen gehalten. Die Liberalen treten für das Finanzprogramm des Fürsten Bülow ein; die Konservativen wünschen, daß der Fürst im Amte bleibt, denn sie wissen, daß sie so leicht keinen besseren Reichskanzler erhalten, als eben den Fürsten Bülow. Die geplante preußische Wahlreform schreckt die Konservativen schwerlich so sehr, wie es d. Angehörigen einiger Reichstagsparteien vermuten oder doch zu vermuten vorgeben. Denn eine Wahlreform=Vorlage in Preußen könnte doch nur nach ihrer Genehmigung durch das Abgeordneten= u. durch das Herrenhaus Gesetz werden. Und vom preußischen Landtage haben die Konservativen nichts zu fürchten. Fürst Bülow war sich bewußt, daß er einen starken Trumpf ausspielte, als er seinen Rücktritt für den Fall einer gegen seinen Wunsch erfolgenden Verabschiedung der Reichsfinanzreform ankündigte. Die nachfolgende Generaldebatte hat bewiesen, wie recht er damit hatte. Aufgegeben hat die große Mehrheit der konservativen Reichstagsfraktion ihren Widerstand gegen die Erbanfallsteuer und andere Steuervorlagen der Regierung ja nicht. Aber ein ablehnendes Votum wird ihr außerordentlich schwer. Und wenn noch einige ihrer Mitglieder nach dem Grundsatz handeln, den der Finanzminister von Rheinbaben in Reichstage aufstellte: „Verächtlich ist der Mann, der seine Gesinnung um persönlicher Vorteile willen ändert; aber wer es tut, um die größten Ziele des Vaterlandes zu fördern, der dient dem Gemeinwohl“, dann kann doch noch etwas aus der Finanzreform werden. Ein glattes und endgültiges Nein, wie es von einigen Blättern der Partei gefordert wurde, hat Graf Westarp im Namen der konservativen Partei nicht ausgesprochen, vielmehr auf die Kommissionsverhandlungen verwiesen. Selbst der Zentrumsführer Spahn hatte keine runde und definitive Ablehnung der Regierungssteuer=Vorlagen und trat auch dem Reichskanzler nicht scharf gegenüber, wie das während der Blöckäre seitens Zentrumsangehöriger nicht selten geschehen ist. So sehr man sich gleichwohl von einer optimistischen Auffassung der Lage hüten muß, da es für eine solche im Augenblicke noch an ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkten mangelt, so wird man doch als das Gesamtergebnis der viertägigen Generaldebatte des Reichstags eine Besserung der Aussichten für das Zustandekommen der Reichsfinanzreform verzeichnen dürfen. Möchten jetzt nur die erneuten kommissarischen Beratungen sich nicht wieder so sehr in die Länge ziehen; denn die Reformfrage hat gerade Aufregung und Sorge genug verursacht. Westfalen und Rheinland. * Lütgendortmund, 20. Juni.(Hohe Patenschaft.) Bei dem 8. Sohne des Bergmanns Gustav Knoreck, hierselbst Provizialstraße 39 wohnhaft, hat unser Kaiser die Patenstelle übernommen. Der Täufling erhielt die Vornamen Oskar, Eitel. Heinrich. Den Eltern des jungen Erdenbürgers wurde ein Sparkassenbuch mit 50 Mark übermittelt. * Lünen, 20. Juni.(Skelettfund.) Bei den Ausschachtungsarbeiten zu dem Hintergebäude zum Neubau Feldheim am Roggenmarkt wurde in einer Tiefe von zwei Metern ein menschliches Skelett gefunden. Hier handelt's sich gewiß um früher begangene Verbrechen. Vor einigen Jahren stieß man in einem Garten an der Kirchen= und Ringstraße auf eine größere Anzahl menschlicher Gebeine. Höchstwahrscheinlich hat sich in dem Garten der Friedhof der reformierten Kirchengemeinde befunden, da in der Nähe die Kapelle der kleinen Gemeinde stand. * Waltrop, 20. Juni.(Aufgestöberte Spielergesellschaft.) Nach dem gestrigen Rennen wurde in einem hiesigen Restaurationslokal eine Spielergesellschaft aufgehoben. Schon in früheren Jahren ist beobachtete worden, daß hier im Anschluß an die Rennen Glücksspiele veranstaltet wurden. Die Polizei ertappte gestern nun die aus 20 Personen bestehende Gesellschaft und beschlagnahmte mehr als 1000 Mark. * Brilon=Wald, 20. Juni.(Keine Belohnung.) Eine Frau aus dem Sauerlande verlor hier ein Paket mit einem Sparkassenbuch über 5000. und 1800 M in Papiergeld. Ein Briefträger fand es, wonach die Frau benachrichtigt wurde. Da diese sich entschieden weigerte, dem Finder den verdienten Lohn zu geben, so beabsichtigt derselbe klagbar zu werden. * Gelsenkirchen, 20. Juni.(Tötlicher Unfall auf der Eisenbahn.) Auf der Fahrt von Rotthausen nach Schalke beugte sich der Lokomotivführer Karl Görisch zu weit aus der Maschine heraus und schlug mit dem Kopf gegen einen eisernen Vorsignalmast. Görisch wurde durch den Anprall auf die Geleise geschleudert und erlitt einen Schädelbruch. Er wurde lebensgefährlich verletzt dem Krankenhause zugeführt. Der Verunglückte wollte am folgenden Tage seinen Sommerurlaub antreten und die in Saarbrücken wohnenden Eltern besuchen. * Osterfeld, 18. Juni.(Die Jagd nach dem Kameel.) Ein seltenes Vergnügen, eine Jagd auf ein Kameel mitzumachen, hatte die hiesige Bevölkerung. Einer wandernden Truppe war ein Kameel durchgebrannt und lief in vollem Trabe durch die Straßen, verfolgt von Jung und Alt. Endlich gelang es, das treulose Tier festzuhalten, das bald von seinem Besitzer in Empfang genommen wurde. * Witten, 18. Juni.(Bergmannslos.) Auf der Zeche Franziska Tiefbau wurde der Hauer Gustav Borges von niedergehenden Gesteinsmassen begraben. Er konnte nur als Leiche zu Tage gefördert werden. * Recklinghausen, 20. Juni.(Umfangreiche Diebstähle) auf dem Cüterschuppen des hiesigen Güterbahnhofes wurden ausgeführt. Seit längerem beobachtete die Güterverwaltung, daß Umladegüter beschädigt waren, und daß deren Gewicht abgenommen hatte. Die davon in Kenntnis gesetzte Kriminalpolizei nahm die Untersuchung auf und verhaftete gestern 10 Arbeiter, die auf dem Güterboden beschäftigt waren. Sie haben aus den Stückgütern allerlei Sachen entwendet, wie Nahrungs= und Genußmittel, Kleidungssachen usw. Nach ihrer Angabe sollen bei den Diebstählen noch mehrere Personen beschäftigt sein. Sie hätten stets nur geringe Quantitäten entwendet, um die Gewichtsabnahme nicht bemerkbar erscheinen zu lassen. Die Polizei führt die Untersuchung weiter. * Solingen, 20. Juni.(Jugendliche Scheckfälscher.) Während die älteren Inhaber der Stahlwarenfabrik von zur Gathen gestern in Elberfeld verweilten, vereinbarte sich der junge, im Geschäft tätige von zur Gathen mit einem angestellten Handlungsgehilfen, ließ den Geldschrank des Geschäfts durch einen Schlosser öffnen und entnahm ihm den Barbestand von 200„ und das Scheckkontobuch. Auf gefälschte Unterschrift erhoben die beiden dann bei einem Bankhause auf einen Scheck den Betrag von 10000 M und suchten das Weite. Die Flüchtlinge sind vom Südbahnhof in der Richtung nach Köln gefahren, seitdem ist ihre Spur verloren. Roman von B. Corony. 43 Eines Tages, auf einem Geschäftswege begriffen, der ihn in die Altstadt führte, sah er, über den Paulsplatz gehend, eine Droschke vor dem Hause Nr. 14 halten und erkannte in der Dame, die ausstieg, sofort die Kommerzienrätin. Das wäre an und für sich nichts Auffallendes gewesen, denn hier wohnte, wie er wußte, die Direktrice Eda Bertonelle, aber bei ihr verkehrte auch Davoust, daran denkend, meinte Peter, plötzlich einen Blitz aufflammen zu sehen, der momentan grelles Licht verbreitete. Wenn nicht alles täuschte, war die erste richtige Spur eines sorgfältig gehüteten Geheimnisses aufgefunden; nun mußte eine weitere verfolgt werden. Er trat in eine kleine Konditorei, setzte sich ans Fenster und bestellte eine Tasse Kaffee. Im Laden selbst standen mehrere zierliche, vergoldete Tischchen, Vürkandt jedoch hatte in dem schon ziemlich gefüllten Nebenzimmerchen Platz genommen. Der Wagen hielt noch immer vor Nr. 14. „Wohnt dort drüben nicht eine Eda Bertonelle?" fragte Peter, als ihm das Ladenfräulein den Kaffee brachte. „Jawohl," erwiderte das hübsche Mädchen.„Sie ist Direktrice des großen Geschäftshauses C... u. Comp., nimmt aber auch in ihrer Wohnung Bestellungen entgegen.“ „Und hat wohl großen Zuspruch?“ „O ja, sehr großen!“ Meta kam jetzt, dicht verschleiert, aus dem Hause und stieg wieder in die Droschke. „Kennen Sie zufällig diese Dame?“ fragte Vürkandt. „Nein, aber sie gehort zu den Kunden der Französin und kommt, besonders seit einiger Zeit, sehr oft.“ „Vielleicht zu jemand anderem, der im Hause wohnt.“ „Nein. Ich sah sie erst neulich mit Madame Bertonelle am Fenster stehen und verschiedene Sorten von Spitzen betrachten. Ah.. da kommt auch der Herr Chevalier! Ob er wohl hier eintritt? Nein, heute nicht.“ „Auch ein Kunde?“ Vürkandt warf die Frage möglichst gleichgültig hin, während er dem Baron nachblickte „Das nicht, aber Madames Bräutigam, wie man sagt. Er nimmt häufig eine Tasse schwarzen Kaffee und ein Gläschen Absinth bei uns.“ „Und bewohnt wohl auch jenes Haus da oruven:“ „O nein! Er logiert Reiflerstraße Nr. 88, bei einer Frau Neubert, welche abvermietet. So hörte ich neulich.“ Peter bezahlte und entfernte sich. Er meinte nun mit Gewißheit annehmen zu müssen, daß Davoust, von dem Kommerzienrat kurzsund schroff abgewiesen, bei der leicht einzuschüchternden, furchtsamen Frau willigeres Gehör gefunden habe. Es kam jetzt darauf an, der Sache weiter nachzuspüren. Zu diesem Zwecke suchte Huber, einen glaubwürdigen Vorwand bereithaltend, den Franzosen in dessen Wohnung auf, jedoch mehrmals ohne ihn daheim zu treffen. Einst zu später Nachmittagsstunde gelang es ihm doch, den Gesuchten vorzufinden. „Eine angenehme Ueberraschung!“ rief der Baron mit seiner gewöhnlichen Liebenswürdigkeit.„Bitte, Platz zu nehmen.“ „Ich wollte um eine Auskunft ersuchen, aber wenn ich nicht irre, hatten Sie eben die Absicht, fortzugehen. „O es eilt ganz und gar nicht! Ich freue mich aufrichtig, den Sohn meines unvergeßlichen Freundes wieder bei mir zu sehen.“ Er öffnete ein Wandschränkchen und entnahm diesem Likör und Zigarren. Bald war ein Gespräch im Gange, welches Vürkandt so unauffällig als möglich auf jene Dinge zu lenken sich bemühte, die ihn lebhaft interessierten. Davoust entschlüpfte jedoch aalglatt allen Versuchen nach dieser Richtung hin, etwas zu erforschen. Es war gerade, als habe er sich für jede mögliche Frage die Antwort zurecht gelegt. Nichts brachte ihn in Verlegenheit, nichts überraschte ihn, selbst Peters ziemlich plump hingeworfene Aeußerung nicht: „Sie machten seit Monaten die nähere Bekanntschaft meiner Tante Meta?“ „Ja, die Frau Kommerzienrätin hat jetzt, da ihre jünere Tochter sich bald vermählen wird, häufig mit Madame ertonelle zu konferieren. Es wurde mir mithin schon wiederholt die Ehre zu teil, Ihrer Frau Tante dort zu begegnen, weil ich viel bei meiner Landsmännin verkehre.“ „So?“ „Unter uns gesagt,“ der Baron lachte leise und flüsterte hinter der vorgehaltenen Hand,„ich fange an, des Junggesellenstandes überdrüssig zu werden. Mein Gott, man sehnt sich nach der Ruhe eines verhätschelten Ehemannes. Eda ist nicht mehr die Jüngste, aber auf Jugend kann ich auch keinen Anspruch erheben. Ein junges, schönes Weibchen würde mir Sorge machen. Die gute Bertonelle kenne ich seit langen Jahren und weiß, daß sie sehr viele schätzenswerte Eigenschaften besitzt. Ich denke, sie soll sich in Paris, Brüssel, London oder sonstwo etablieren. Ersparnisse hat sie ja gemacht und ich bin ebenfalls nicht mittellos. Mein Name dürfte ihr bei einem solchen Unternehmen übrigens auch zu statten kommen.“ „Sie geben also Ihre Absicht, hier zu bleiben, auf?“ „Ich rede einstweilen nur von Plänen, Herr Vürkandt, deren Verwirklichung noch in weitem Felde steht.“ „Ich kann mir ja auch lebhaft denken, daß Sie sich hier entsetzlich langweilen, ich tue es ja ebenfalls.“ „Erwähnten Sie nicht vorhin einer Auskunft, die ich Ihnen geben sollte?“ „Ganz recht!“ Vürkandt öffnete seine Brieftasche. „Wären Sie vielleicht in der Lage, mir Mitteilung über die Pariser Firma zu machen?“ Er suchte in mehreren Fächern, die Geld und Banknoten enthielten, eine größere Summe, welche ihm der Kommerzienrat übergeben hatte und die vor Postschluß noch eingezahlt werden sollte, und zog endlich einen Zettel hervor. „Jules Galifet, hm, hm, ja, habe schon davon gehört, müßte aber doch erst nähere Erkundigungen einziehen, sagte Davoust, während sein Blick verstohlen und gierig den Inhalt der Brieftasche musterte.„Wenn Ihnen daran liegt, schreibe ich aneinen Freund, der mir umgehend antworten wird.“ „Ich wäre Ihnen sehr verbunden und frage, wenn Sie gestatten, demnächst wieder nach.“ „Sehr angenehm!.. Sie langweilen sich also in dieser Stadt?“ „Ueber alle Begriffe.“ „Freilich, wenn man um 11 Uhr zu Hause sein muß.“ „Dieses strenge Gebot beachtete ich nur anfänglich, jetzt tue ich es nicht mehr." 165,20 Runde Luftschiffhalle nach dem Projekt Zeppelins. Die bisher gebauten rechteckigen Ballonhallen haben den Nachteil, daß sie für den praktischen Gebrauch nicht vollständig ihren Zweck erfüllen. Das Luftschiff, Typ Zeppelin, muß stets bäude auf dem Festlande müßte dann entweder drehbar sein, oder ringsherum Eingangstore besitzen. Drehbare Hallen bieten nur für ein Luftschiff Raum, es käme also in erster Linie das vom Grafen Zeppelin vorgeschlagene Projekt der runden Die runde Luftschiffhalle nach dem Projekt Zeppelins Halle in Betracht. Das Gebäude werde 180 Meter Durchmesser und für vier Ballons Platz haben. Die Baukosten einer solchen Riesenballonhalle betragen 6—700000 M. Unser Bild zeigt einen solchen Bau nach dem Entwurf der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. mit der Spitze gegen den Wind in die Halle, daher die schwimmende Ballonhalle auf dem Bodensee, welche nach der Windrichtung gedreht werden kann. Bei fest stehenden Hallen könnte der Ballon leicht infolge seiner großen Angriffsfläche vom Winde gegen die Eingangsöffnung gedrückt werden. Das GeBunte Chronik. Prinzessin Salika von Aegypten, eine Cousine des Khediven, ist in Paris zur Bühne gegangen. Man strich sie zu Hause aus der Liste der Prinzessinnen. Beim Segeln ertranken fünf Personen, die einen Ausflug aufs Meer von Devonschire aus gemacht hatten. In einer Badezelle erschossen hat sich in Berlin der Rechtsanwalt Dr. Liegschütz. Er war krank und verübte die Tat in einem Anfall nervöser Störung. Infolge Selbstentzündung des Wollagers wurde die Tuchfabrik Pitsch in Berlin eingeäschert. In Paris bestand ein Ungar das juristische Examen und ließ sich in die Liste der Rechtsanwälte eintragen. Der Fall ist ganz neu. Schuster Voigt treibt sich zurzeit in Frankreich umher. Er besuchte kürzlich die Ausstellung von Nancy in seiner Hauptmannsuniform, die Polizei zog sie ihm aber aus und verhalf ihm ins Zivil. Der Typhus in Schlesien, dessen Infektionsherd bisher auf Altwasser beschränkt war, hat auch auf Waldenburg übergegriffen. Von dort sind bisher 10 Erkrankungen gemeldet worden, von denen eine tötlich verlief. Für die Einschleppung der Seuche dürfte das letzte Schützenfest, das einen starken Zuspruch der Bevölkerung hatte, besonders günstig gewesen sein. Schülerselbstmord. Auf dem Friedhof St. Christoph zu Laibach erschossen sich zwei 18 jährige Realschüler, weil sie auf der Schule nicht fortkamen. Es verschwanden in dem russischen Dorfe Iljenskoje im Gouvernement Perm in der letzten Zeit wiederholt Menschen, ohne daß es gelang, über ihren Verbleib etwas zu erfahren. Kürzlich wurde von der Polizei ein geheimer Friedhof entdeckt, der von den Anhängern einer Sekte unterhalten wird. Beim Oeffnen der Gräber fand man die Leichen der Verschwundenen die zweifellos die Opfer des religiösen Fanatismus der Sekte geworden sind. Ungeahnt ein großes Vermögen ererbt. Nicht geringes Erstaunen erweckte d. Eröffnung des Testaments eines gewissen August Hirsch, der in New York als Modelleur tätig war. Hirsch, der mit seiner Frau nicht gut stand, hat kein Vermögen hinterlassen, wohl aber hat er sein Leben bei zwei Versicherungsgesellschaften in beträchtlicher Höhe versichert. Um seiner Frau ein Schnippchen zu schlagen, bestimmte er in seiner letztwilligen Verfügung, daß die Versicherungsgesellschaften die versicherten Summen nicht an seine Frau, sondern an den Totengräber, der ihn unter der Erde befördere, zu zahlen habe. Die Frau des Verstorbenen beabsichtigt, das Testament doch anzugreifen. Aus Zeit und Welt. Dem letzten hannoverschen Kriegsminister, Freiherrn von Brandis, widmet die„Krz.=Ztg.“ anläßlich dessen 25. Todestages längere Ausführungen. Von Brandis war sozusagen geborener Soldat, er trat mit elf Jahren in den Militärdienst, mit zwölf Jahren empfing er bei Kopenhagen die Feuertaufe. Seit fünfzig Jahren wütet in der Kohlenmine der Lehihg Coal and Navigation Company bei Summit Hill im Staate Pennsylvanien ein verheerendes Feuer. Bereits über eine Million Dollar sind im Laufe der Jahre zwecks Bekämpfung des unterirdischen Brandes ausgegeben worden, alle Versuche, denselben zu löschen, sind erfolglos gewesen, niem and gelang es, sich dem eigentlichen Brandherd zu nähern. Das Feuer breitet sich immer mehr aus und bedroht jetzt den benachbarten Spring Tunnel. Man geht jetzt daran, die Minenschächte vollständig mit Schwefel auszufüllen. In den letzten Tagen sind eine große Anzahl Arbeiter zu diesem Zwecke nach d. brennenden Mine beordert worden. Die Versuche, das Feuer durch Eindringen in die Mine zu bekämpfen, sind endgültig aufgegeben worden, da die Mehrzahl der vordringenden Arbeiter, vom Rauch überwältigt, stets bewußtlos zusammen brachen. Die Wette um den kleinsten Fuß. Paris wäre im Sommer doch gar zu langweilig, wenn es nicht immer Menschen gäbe, die auf sonderbare, bizarre Einfälle kämen, womit sie die anderen und auch sich selbst unterhalten, wodurch sie einen gewissen Aufruhr in die verschiedenen Kreise tragen können. Augenblicklich hat ein reicher Einwohner der Stadt Paris eine reizende Wette vom Stapel gelassen. Der Preis dieser Wette beträgt die immerhin nette Summe von 50000 M, und das Objekt ist, zu beweisen, daß man über einen Aschenbrödelfuß verfügt. Ein Schuhmacher von Paris, der eigentlich unter die Künstler seines Faches gezählt werden muß, hat auf das Geheiß des Veranstalters der Wette einen reizenden Schuh aus Goldleder hergestellt, der so zierlich und klein ist, daß er an das Pantöffelchen von dem berühmten und unvergessenen Aschenbrödel erinnert. Jede Dame, d. in Paris weilt, od. sich zu dem Zwecke der Gewinnung der Wette nach Paris begibt, darf sich an der Wette beteiligen. Der Schuh steht vor einem Preisrichterkollegium in dem Saale des Wettenveranstalters aus, und wie verlautet, sind bereits eine Unzahl von Damen dagewesen, die den Aschenbrödelschuh vergeblich anprobiert hatten. Es sind nur Damen zugelassen, die das 18. Jahr bereits überschritten haben. Der Gewinn der Wette steht vorläufig noch aus. Wieviel Dreimarkstücke werden geprägt? Es werden gegenwärtig allwöchentlich für 4—500000 M neue Dreimarkstücke geprägt und in Umlauf gebracht. Es werden am Ende dieses Jahres 66 Millionen Dreimarkstücke im Verkehr sein, die hoffentlich dem Bedürfnis vorläufig genügen werden. Die Prinz Heinrich=Fahrt hat nun in München ihr Ende genommen. Die große Tourenfahrt nahm bekanntlich von Berlin ihren Ausgang, ging über Breslau, Tatra=Somnitz nach Budapest, wo die Autler, an ihrer Spitze Prinz Heinrich Gegenstand zahlreicher und liebenswürdiger Aufmerksamkeiten waren, sodann nach Wien und von hier über Salzburg nach München. Den Schluß der großen sportlichen Veranstaltung der größten Deutschlands auf automobilistischem Gebiet!— bildete eine Geschwindigkeitsprüfung im Forstenrieder Park. Auf der ganzen Fahrt sind die Teilnehmer, abgesehen von den unvermeidlichen„Pannen“ von Unglück verschont geblieben. Die Residenz ohne Garnison.— Die Hauptstadt von Reuß ä. L., Greiz, ist die einzige Residenz im Deutschen Reiche, die außer einem kleinen Wachtkommando kein Militär besitzt. Man kann es der Stadt deshalb nicht verdenken, wenn sie sich zurück gesetzt fühlt und alles in Bewegung setzt, um eine Garnison zu erhalten, zumal sie sich auch große wirtschaftliche Vorteile davon verspricht. Die Greizer wollen sich nunmehr darum bemühen, daß entweder das 3. Bataillon der 96er, das jetzt in Rudolstatt steht und dann mit dem 1. und 2. Bataillon in Gera enger vereinigt wäre, oder d. neu zu bildende 3. Bataillon für das 153. Regiment in Altenburg nach Greiz verlegt wird. Man hofft auf starke Unterstützung von seiten des Regenten. Eine merkwürdige Lebensrettung ist bei einem Picknick, das bei Buckie in Nord=Schottland veranstaltet wurde, ausgeführt worden. Als der Tee zubereitet werden sollte, explodierte plötzlich die Spirituslampe und setzte das Musselinkleid einer jungen Frau augenblicklich in Flammen. Einer der Herren der Gesellschaft, der die Geistesgegenwart nicht verlor, ergriff die aufs höchste Gefährdete und warf sie sofort in den Fluß, der nahe bei dem Picknickplatze vorbeifloß. Dann stürzte er sich selbst nach und rettete die junge Frau vor dem Tode des Ertrinkens, indem er mit ihr zu einer flachen Stelle des Flusses schwamm. Beide Personen hatten indes doch ziemlich schwere Brandwunden erlitten. Das Tintenfaß der alten Tante. Aus London wird berichtet:„Entschuldigen Sie, daß ich Sie belästige, ich wollte fragen: hat das vielleicht irgend einen Wert? Eine alte Tante hat es mir hinterlassen.“ Mit diesen Worten erschien vor kurzem bei Christie in London ein Herr und zeigte ein altes Tintenfaß. „Wir werden es für Sie versteigern“, war die Antwort, denn der Kenner hatte sofort erkannt, daß es sich um ein kostbares altsilbernes Tintenfaß aus der Zeit Karls I. handelte. Auf einem blattartigen Gestell ruhten zwei silberne Büchsen für Tinte und Sand. Das Tintenfaß der alten Tante kam jetzt zur Versteigerung. Ein heißer Kampf entbrannte: die Unze wurde schießlich mit 1600 M zugeschlagen. Der Besitzer, der so schüchtern gefragt hatte, ob das Ding vielleicht etwas wert sei, hat für sein altes Tintenfaß nicht weniger als 9680 M bekommen. Briefkasten. Zur Beachtung für unsere Abonnenten. ber Anfragen an den Briefkasten muß die letzte Abonnementsquittung beigefügt werden. Anonyme Anfragen finden keine Berücksichtigung. Schriftliche und telephonische Auskünfte werden nicht gegeben. Geschäftsfirmen als Bezugsquellen können nicht mitgeteilt werden. Die Beantwortung d. Anfragen im Briefkasten erfolgt kostenlos. K. S. Sie sind berechtigt, Möbel festzuhalten, können sich dabei auch der Hilfe eines Polizeibeamten bedienen. Pfänden können Sie nur auf Grund eines gerichtlichen Erkenntnisses. Einer Klage bedarf es aber vorerst nicht, da Sie ein Recht zur Selbsthilfe haben. Anderen Gläubigern, die die Möbel gepfändet haben, gehen Sie vor, insoweit Sie Ihr Pfandrecht für den Mietzins aus dem letzten Mietjahr geltend machen. W. 100 Westhofen. Die Ausbildungszeit der Schiffsjungen dauert zwei Jahre. Schiffsjungen werden bei der Schiffsjungenddivision der Kaiserlichen Marine in Zukunft nur im Alter von 15½ Jahren und darüber eingestellt. Die Mindestgröße beträgt 1,48 Mtr., der Brustumfang muß mindestens 0,83 Mtr. nach dem Ausatmen gemessen, betragen. Verwaist. Roman von B. Corony. 44 „Desto besser! Ein junger Mann darf sich doch auch nicht derartig am Gängelband führen lassen. Wie wäre es also, wenn ich Ihnen heute zu ein paar vergnügten Stunden verhelfen, Sie in eine höchst amüsante Gesellschaft bringen würde?“ „Herr Baron.. als völlig Unbekannter?“ „O, von mir vorgestellt, wird man Sie gern willkommen heißen. Ich weiß nicht, ob.... 4 me7 act heule „Aber Liebster, Bester, das ist doch wieder mar echt beuische Schwerfälligkeit und doch sind Sie in Paris geboren!“ rief der Baron lachend......, vicht e a mt „Ja, wenn Sie Ihre Schüchternheil nichr zu üverwinden vermögen?“ „O, Schüchternheit, davon ist keine Rede! Nur habe ich erst im Auftrage meines Oheims etwas zu besorgen. „Sie sind wirklich von musterhaftem Diensteifer. Leider versprach ich ebenfalls Pünktlichkeit und darf mich nicht länger erwarten lassen. Ist denn diese Besorgnis so dringend, daß sie sich nicht aufschieben läßt?“ Vürkandt überlegte. Im Grunde konnte die Aufgabe des Geldes nach Berlin auch am nächsten Morgen erfolgen und er die kurze Verzögerung dem Kommerzienrat gegenüber mit irgend einem Vorwande entschuldigen. „Nun?“ drängte Davoust. „Es ließe sich ja arrangieren, aber ich bin nicht in Gesellschaftstoilette. „Mein Gott, wenn ich Ihnen schon sage, daß wir uns amüsieren wollen! Amüsiert man sich jemals, wo es steif hergeht, und wo man in vorschriftsmäßigem Anzug zu erscheinen hat?“ „Rein“. „Also kommen Sie! Mein Wort darauf, daß Ihnen die Langeweile, mindestens bis der Morgen anbricht, fernbleibt. Begleiten Sie mich'“. am m. „Mit Dank und Vergnugen nehme ich Ihren guligen VörDie beiden Herren bestiegen eine Droschke. Nach ziemlicher Fahrt befahl Davoust zu halten. „Sind wir an Ort und Stelle?“ fragte Peter. „Noch nicht, doch bald. Wenn es Ihnen recht ist, gehen wir noch eine kurze Strecke zu Fuß.“ „Aber natürlich, Herr Baron! Ganz wie Sie wünschen.“ Sie durchschritten einige Gassen und betraten endlich ein Restaurant, dessen Wirt dem Franzosen näher bekannt schien. „Schon jemand von meinen Bekannten hier?" erkundigte sich letzterer im Vorübergehen. „Ja, einige Herren, Herr Chevalier.“ „Wir haben hier ein reizendes, ganzungeniertes Zimmer zur Verfügung,“ sagte Davoust, den Arm seines Begleiters nehmend.„....... an Fängeren mur fnürlich Er führte Vurlanot durch einen langeren, kur spatlich erleuchteten Gang in ein höchst elegant und komfortabel eingerichtetes Gemach und fragte jetzt:„Nun? Ist es hier nicht ganz traulich und lauschig?“„ s. Mghrheß „Ja, gewiß!“ erwiderte Peter, sich init Wohldehagen in dem luxuriös ausgestatteten Raume umsehend.„Ein höchst gemütliches Nestchen! Wenn ich etwas bedaure, so ist es...“ „Was denn?“ „Das ich die Damenwelt nicht vertreten finde.“ „Don Juan!“ scherzte der Franzose, heute handelt es sich allerdings nur um ein Herrenessen, aber desto ungenierter können wir Männer uns bewegen. „Hätten Sie vielleicht die Güte, mich mit den anwesenden Herren bekannt zu machen?“ „Ueber die langweilige Sitte gegenseitigen Vorstellens sind wir hier erhaben. Ich versprach Ihnen ja, Sie in angenehme Gesellschaft zu bringen. Mit Madame Etikette wollen wir nichts zu tun haben. Jeder kommt und geht, lacht und redet, ißt und trinkt und unterhält sich ganz auf seine Weise und wie es ihm beliebt. Der Wirt führt eine vortreffliche Küche. Man sollte es freilich kaum glauben, wenn man so, wie Sie, zum ersten Male herkommt und im Vorbeigehen einen Blick in die Gaststube geworfen hat. Aber Weidner versteht, dessen dürfen Sie gewiß sein, Unterschied zwischen seinen Gästen zu machen... Zwei Kuverts, Ludwig!.. Sie beteiligen sich doch am Souper?“ „Natürlich, sehr gern!“„. 4 Kaus 6. Unter den Anwesenben befano sich ein oionder Herr mit glattrasiertem Gesicht, der offenbar ein Landjunker, und auch so ziemlich Neuling in dieser Gesellschaft war. rief Davoust ihm eingeführt zu ha„Freut mich, daß Sie wiederkommen!" die Hand schüttelnd. „O, ich bin Ihnen sehr dankbar, mich ben, Uebrigens wissen Sie ja...“ „Natürlich! Ich bin Revanche schuldig und bereit, sie zugeben.“ „Sehr liebenswürdig!“ „Aber erst wollen wir essen und trinken!“ „Gewiß! Aufrichtig gestanden, sind mein Durst und Hunger gleich kolossal.“ „Brav gesprochen! So höre ich es gern! Setzen wir uns also zu Tische! Ludwig, ein wenig flink, wenn wir bitten dürfen!" „Herr Chevalier, ich fliege.“ Wirklich, Speisen und Getränke ließen nichts zu wünschen übrig. Der Gesprächston, welcher angeschlagen wurde, schloß jede Steifheit und Zurückhaltung aus. Man unterhielt sich über Tagesereignisse, überbot sich im Erzählen pikanter Histörchen und persiflierte in echter Champagnerlaune manche bekannte Persönlichkeit. Peter legte seine anfängliche Befangenheit sehr bald ab und wurde der Fröhlichsten einer, wozu der reichlich genossene Wein allerdings nicht wenig beitrug. Als die Tafel abgeräumt war und Karten gebracht wurden, befand er sich bereits in höchst animierter Stimmung, hatte jedoch seine fünf Sinne immer noch genügend beisammen, um das Gefährliche der Situation zu begreifen. „Sie haben mich in einen Spielklub geführt, Baron,“ sagte er seinem Gefährten mit verlegenem Lachen ins Ohr.„Das ist allerdings sehr hübsch, sehr lustig, aber leider muß ich fort, gerade jetzt, wo es ganz besonders amüsant zu werden verspricht:“ „Weshalb denn?“ „Jenun...“ „Entzog Ihnen der Onkel etwa gar den Hausschlüssel oder fürchten Sie, morgen werde sich ein entsetzliches Donnerwetter über Ihr schuldiges Haupt entladen?“ „Keines von beiden, doch...“ „Mein Gott, hätten Sie wirklich schon die Gewohnheit, mit den Hühnern schlafen zugehen, angenommen?" 165,20 „Sie machen sich lustig über mich, Herr von Davoust.“ „Durchaus nicht! Ich finde es im Gegenteil traurig, wenn solcher Druck auf einen lebenslustigen Mann ausgeübt wird.“ S a:c S• 9S 91 an OS S 8 S 95 8— 38 9 9 — FRUS 4□ s9. 8 S• 6 S35 * S 08 S. 2 8 S 32 39 7 .8 9 8 S 2. ** ∆ = 5 * E #### E 6739 S. na— S 882 9. 9 9 —8 SSRm S 2 ——* E 10 S 2 a 6— G S* □ ** 0— E— S G 857 " 9* ** 53 S S 0 S Sm#eS. *• 5 S S 6. 7 *—:. — SS 49.— * 7 6=• *** e. S 8 S s S•09.— —.0—• * Sas Sau S3 Hisage auf die Moselbrücke hat aber nicht stattgefunden, denn das oben erwähnte Franktireurdorf war niedergebrannt worden und Nancy hatte eine hohe Kriegskontribution entrichten müssen. Uns aber, die wir bei der Mausefalle von Nancy beteiligt gewesen, wird dieselbe ewig unvergeßlich bleiben. Was sie sagen würde. Eine witzige und in der Gesellschaft sehr beliebte vornehme Amerikanerin nahm an einem Diner teil, wo die Gäste meist aus literarischen Größen und deren Anhängern bestanden. Die Unterhaltung drehte sich natürlich um literarische Angelegenheiten, und bald brachte jemand ein Gespräch über die Art und Weise in Gang, wie die bedeutendsten Tichter und Schriftsteller zu arbeiten pflegen. Unter anderem kam die Rede auf einen bekannten modernen Tichter, der, wie erzählt wurde, nur des Nachts und am frühen Morgen arbeitete. Tabei hatte er die Gewohnheit, gegen drei oder vier Uhr seine Frau aus dem Schlaf zu wecken und ihr zuzurufen:„Maria, steh' auf, es ist mir ein gutes Wort eingefallen!“ Die willige Gehilfin des großen Mannes erhob sich flugs, notierte den guten Einfall und durfte sich dann wieder zu Bett legen. Kaum aber hatte sie die Augen geschlossen, da ertönte von neuem die Stimme des Dichters:„Maria, steh' auf, steh' auf, es ist mir ein besseres Wort eingefallen!“ Und wieder erhob sich die geduldige Frau, um den besseren Einfall niederzuschreiben. Dieser Vorgang wiederholte sich zuweilen drei=, viermal, und die verständnisvolle Gefährtin des Poeten war immer bereit, ihm zu helfen. Die Gesellschaft war laut in der Bewunderung dieses innigen geistigen Zusammenlebens, aber die Amerikanerin meinte:„Wenn das mein Mann wäre, so würde ich eines Morgens, nachdem er sich hingelegt und eben die Augen zugetan hätte, vor sein Bett treten und rufen:„Mann, steh' auf, es ist mir ein sehr schlimmes Wort eingefallen!“ ste Gellern und Heute. Der Beruf des Vaiers. In eine Volksschule waren die Lehrer von der Schulbehörde aufgefordert worden, neue Listen über Namen und Stand des Vaters in ihren Klassen aufzunehmen. In einer der untersten Klassen passierte dabei ein heiteres Vorkommnis. Ein kleiner rothaariger, sommersprossiger Junge setzte den Fragen der Lehrerin nach dem Stand seines Vaters beharrlich passiven Widerstand entgegen und war durch kein Zureden zu einer Antwort zu bewegen. Endlich fragte die Dame:„Sag' mal, Hänschen, lebt dein Vater vielleicht nicht mehr?“„O doch, Fräulein.“„Arbeitet er nichts?“„Nein, Fräulein.“„Aber er sorgt doch für dich und deine Mutter, nicht?“„Jawohl, Fräulein.“„Trotzdem er nichts arbeitet, Hänschen?“ Vor dem geistigen Auge der Lehrerin stieg das Bild eines Spielers auf, oder womöglich war es noch schlimmer, am Ende war der Mann ein Einbrecher oder ging einem ähnlichen lichtscheuen Gewerbe nach. „Hänschen“, sprach sie sehr eindringlich,„sage mir sofort, wie dein Vater sein Geld verdient!“ Hänschen gab keine Antwort, man hörte nur ein unterdrücktes Schluchzen, und auf die wiederholte Mahnung der Lehrerin gestand er endlich unter bitteren Tränen:„Mutter hat mir's streng verboten. Mein Vater hat keine Arbeit, und nun ist er die Dame mit dem Vollbart im Zirkus, und Mutter hat gesagt, wenn ich's ausplaudere, wird sie mich ganz fürchterlich verhauen!“ Carusos Flötenspiel. Ehe Caruso ahnte, welches Vermögen er in seiner Stimme besaß, pflegte er die Flöte zu spielen. Eines Tages war er gerade beim Ueben, als ein Mann kam, der einen Phonographen verkaufen wollte. „Sie können den Apparat in kleinen Raten bezahlen,“ sprach er,„und damit Sie sehen, was er leistet, werde ich Ihnen gestatten, eine Walze zu bespielen.“ Caruso spielte ein Flötensolo. Er gab sich große Mühe und spielte so gut, wie es ihm nur möglich war. Als er geendet hatte, ließ der Agent den Apparat das Musikstück reproduzieren.„Ist das mein Spiel?“ fragte Caruso.„Jawohl.“„Klingt es genau so, wenn ich spiele?“ fragte der Künstler weiter.„Ganz genau. Und Sie werden jetzt sicher den Phonographen kaufen?“ „Nein, nein! Aber die Flöte werde ich verkaufen!“ * Ein unbekanntes Gedicht von Theodor Fontane. In einem Aufsatz„Aus Theodor Fontanes Nachlaß“. teilt Oskar Blumenthal in der„Neuen Freien Presse“ ein bisher unbekanntes Gedicht von Theodor Fontane mit, das ihm von dem Sohne des Dichters, Fritz Fontane, übermittelt wurde. Es lautet: Mit einem Brautschleier. Zu dem Kranz bring' den Schleier Ich dir dar. Morgen, zu des Tages Feier, Schmück' er dir das Haar. Aber auch in Zukunftstagen, In des Lebens Streit, Unter Sorgen, Bangen, Zagen Halte ihn bereit. Will des Unmuts trübe Weise Stören deine Ruh', Decke mit dem Schleier leise Alles zu. Will der Sorgen düst'res Träumen Aengsten deinen Sinn, Wirf den Schleier ohne Säumen Drüber hin. Und so wirst du guten Tagen Stets entgegengeh’n— Lernst des Lebens Ernst ertragen Und dein Glück versteh'n. Humor. Glück. Wohltätige Dame:„Aber guter Mann, wenn Sie sich schon seit Jahren um Arbeit bemühen, wie kommt es, daß Sie immer noch keine gefunden haben?“ Bettler(zutraulich):„Ich hatte eben Glück, gnädige Frau, riesiges Glück!“ S S a. S 8 S 8 * S. a:F 85 S# sabfßsS#s SS 8 * 3 5 K 5 ***** Amtliches Kreisblatt für den kreis börde 41. Jahrgang. O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Veitage zu Nr.142 Montag den 21. Juni 1909 Die Erben von Höhenlinden. 24 Roman von Fr. M. White. 35. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) ss steht ganz in Ihrem Belieben, was Sie mir anvertrauen wollen, entgegnete Herta etwas lkühl.„Ich sehe, daß Sie sehr stolz und sehr reserviert sind— aber Sie werden anders werden. Und ich liebe Ihr Gesicht. Aber glauben Sie nicht, daß es für ein Mädchen so sehr leicht ist, sich seinen Lebensunterhalt in Berlin zu verdienen!— Wenn Sie das Innere eines Versatzgeschäftes kennen gelernt haben und die letzte Mark mit einer Freundin teilen, werden Sie weniger stolz und liebenswerter sein.— Aber sagen Sie mir, was Sie tun wollen?“ Nicht ohne einigen unschuldigen Stolz zeigte ihr Margarete nun ihre Malereien. Es waren Sachen, wie sie fast jedes junge Mädchen aus vornehmem Hause einmal macht— Sachen, die unter den Augen und mit der diskreten Hilfe eines geschickten Lehrers entstanden waren und gewiß recht hübsch genannt werden konnten. Auf Herta schienen sie keinen großen Eindruck hervorzubringen. Sie behandelte die Blätter mit ziemlicher Rücksichtslosigkeit, und Margarete, die sehr feinfühlig war, sagte errötend: „Sie scheinen nicht sehr entzückt davon zu sein.“ „O— sie gefallen mir recht gut,“ entgegnete Herta. „Es ist nur— ihre Nutzlosigkeit. Ich bin ganz sicher, daß man Ihnen oft gesagt hat, Sie könnten als Malerin leben?“ — man hat es mir gesagt. Und zwar Leute, die wohl ein Urteil haben,“ protestierte Margarete. Aber Herta ließ sich nicht beirren. „Ja— ich kenne das,“ sagte sie in ihrer freimütigen und geraden Weise.„Es war mit mir genau dasselbe. In unserer guten Zeit, als der Vater noch lebte, hätte man meinen können, ich wäre die größte Künstlerin unserer Zeit— so begeistert wurden meine Arbeiten gepriesen. Meine liebe Margarete—. die hübschen Sachen, die Sie da gemacht haben, werden Ihnen auf Wohltätigkeitsbasaren glänzend bezahlt werden, solange Sie eine gesellschaftliche Stellung haben— und auf Ihr hübsches Gesicht hin. Aber ich denke, auf diese Art des Erwerbs spekulieren Sie nicht. Und auf dem Kunstmarkt—— Künstler, wirkliche Künstler, nicht so arme Handlanger der Kunst, wie wir es sind, haben Mühe, ihre besten Bilder zu verkaufen. Kein Händler würde Ihnen auch nur hundert Mark für diese ganzen Sachen bezahlen.— Würden Sie solche Sachen machen wie ich — wenigstens zunächst?“ „Ich glaube nicht, daß ich es fertig brächte,“ erwiderte Margarete kühl..„„ „Wie ich es mir gedacht habe. Helia lachelte. „Es ist zu gewöhnlich für Sie. Aber glauben Sie es mir— nicht die Miete für Ihr Zimmer werden Sie mit Arbeiten dieser Art“— sie deutete auf die Malereien vor ihr—„herausschlagen. Ich weiß es— weil ich selbst so töricht war, es zuerst damit zu versuchen. Aber es hat keinen Zweck, daß ich es Ihnen sage; an sich selbst müssen Sie es erfahren. Ich werde Ihnen die Adressen der größten und bekanntesten Kunsthandlungen aufschreiben— Sie können den Vormittag dazu verwenden, sie aufzusuchen. Ich selbst werde nicht vor dem Mittagessen hier sein; ich muß zu einer Dame, deren Roman ich illustrieren soll.“. Margarete ging mit Freuden darauf ein. So vald als möglich wollte sie Herta beweisen, daß sie unrecht hatte. Mit erhobenem Haupt und voller Hoffnung machte sie sich auf den Weg. Es war ein Vormittag, an den sie lange denken sollte— den sie niemals vergaß. Eine schwüle Hitze lagerte auf Berlin; schleppend nur und müde war der Verkehr in den Straßen. Erst heute sah Margarete, wie unfreundlich und häßlich die Gegend war, in der sie wohnte. Lange, schnurgerade Straßen, die ein Gefühl der Oede in ihr wachriefen, dunkle und schmutzige Läden, die einen Arme=Leut=Geruch ausströmten, Kinder mit hohlwangigen und skrofulösen Gesichtern, verhärmte und armselige Gestalten— das war es, was sie zu sehen bekam. Sie eilte, dieser Gegend zu entrinnen; und sie atmete auf, als sie in die eleganteren Straßen des Westens kam, in die meisten der ihr von Herta angegebenen Kunston Nach drei Stunden kehrte sie zurück. Und der Inhalt der Mappe, die sie unter dem Arm trug, hatte sich nicht vermindert.. 6. Schwer wurde es ihrem Stolz, den Gevanken zu ertragen, daß sie sich in ihrem eigenen Können und ihrer eigenen Kraft getäuscht hatte. Aber überall war es das Gleiche gewesen. Als käme sie, um zu betteln so war sie behandelt worden. Unter dem Eindruck ihrer vornehmen und eleganten Persönlichkeit hatte man sie höflich und zuvorkommend empfangen— aber wie sehr hatte sich überall das verändert, wenn sie ihre Mappe zum Eine kurze, unfreundliche, brutal geringschätzige Prüfung der Arbeiten— eine rücksichtslose Zurückweisung derselben, in den meisten Fällen mit der nachlassigen BeP ! * 558553 3 555 EESL. F E DSG 5EE S * 8#T GWTVIETEDGU EATTT = SSAamO5“-Joone SAucn OTTMTTST S a OGTRDGEET #S-AEE *„• S* — * — ** *** BE a P·SZUUGT ee be hi SaES urSS S S SWSESSSSSI Oohcorn S-* S 2..* ap;-TAR ###SSES S oEMROE SBSESN.9 FEEE Bgon S g5S REODSSOSESS S# S* 2 2 * 8 B 5 1— :— S** —— 1 70 580 S 8 6 8 S 26 S S gS 56 * 2 — S 5 Ae7 9 # —— 85 SS 5.5 90 F 4.— merkung, es lägen schon mehr solcher Sachen in dem Geschäft, als der Besitzer jemals würde verkaufen können. Im Anfang war Margarete sicher und zuversichtlich aufgetreten; sehr bald aber wurde ihre Stimme ihr selbst unbewußt bittend und bescheiden und sie selbst so müde, daß sie sich in einen Winkel hätte verkriechen und schlafen mögen. Aber bis zum Aeußersten hielt sie aus. Nichts wollte sie unversucht lassen. Ein Kunsthändler, der sich freundlicher zeigte als die anderen, ließ nicht zu, daß sie ihm die Bilder vorlegte. „Es hat keinen Zweck, meine Liebe,“ sagte er, so familiär mitleidvoll, daß Margarete ihr Elend noch tiefer empfand.„Es werden keine Bilder mehr gekauft, wenn sie nicht große Namen aufzuweisen haben. Die billigen und guten Reproduktionen haben diese Art von Sachen vom Markt verdrängt. Warum soll das Publikum fünfzig Mark für ein Aquarell oder eine Oelstudie ausgeben, wenn es für die Hälfte des Geldes Reproduktionen der größten Meister haben kann, die manchmal besser sind wie das Original?— Wenn Sie sich unnötige Demütigungen und Aufregungen ersparen wollen, überliefern Sie die Sachen dem Feuer! Oder— wenn Sie Mut genug haben, es ertragen zu können— schmücken Sie sich Ihr Zimmer damit. Sie werden in ganz Berlin keinen Abnehmer finden— wenigstens keinen, der die Sachen um der Bilder wegen kauft.“ Das war nicht mißzuverstehen, und es war so freundlich gesagt und offenbar so wohlgemeint, daß Margarete dem Mann noch Dank wußte für seine harten Worte. Das Gleiche war ihr ja schließlich überall gesagt worden— nur nicht so klar und nicht in so freundlicher Form. Um ein Uhr kehrte Margarete in ihr neues Heim zurück— und sie fühlte sich so zerschlagen, so tief gedemütigt, daß sie hätte schreien können in ihrer Qual. Wie hart die Menschen gegeneinander sind! dachte sie— und wußte nicht einmal, daß sie geradeso gewesen war, als es ihr noch besser ging. Sie hätte selbst mit Herta rechten mögen, daß sie ihr den unglücklichen Ausgang ihres Unternehmens prophezeit hatte......nd soh Aber Herta war noch nicht va— und so hatte Margarete Zeit, mit sich selbst ins reine zu kommen. Und sie hatte bereits eine Lektion empfangen, die ihr nur heilsam sein konnte. Sie wußte nun, daß es eine Welt gab, die jenseits des Horizontes von Hohenlinden lag. Es lebten andere Menschen in dieser Welt, die anders dachten und anders handelten— und sicherlich ebensoviel Achtung und Liebe verdienten. Margarete nahm die Skizzen und Aquarelle aus der Mappe, sah sie noch einmal an, Blatt für Blatt— und dann steckte sie Blatt für Blatt in den Ofen, um alle ohne Ausnahme zu verbrennen. Es war ein volles Bekenntnis, daß sie fehlgegangen war; und sie fühlte sich leichter und freier, als sie es hinter sich hatte. Sie hatte seit dem frühen Morgen nichts gegessen und war ununterbrochen gegangen. Nun verspürte sie einen ganz gesunden Hunger, und sie wollte schon die Hand nach der Glocke ausstrecken, um sich das Mittagessen bringen zu lassen, als es ihr einfiel, daß es rücksichtslos gegen Herta sein würde, nicht noch ein wenig auf sie zu warten. Aber sie konnte sich beim nächsten Bäcker ein wenig Gebäck besorgen. So machte sie sich von neuem zum Ausgehen fertig und trat auf den Korridor hinaus.„„„„.passen J. F Schon wollte sie die Wohnung verlassen, als sie aus einem Zimmer, dessen Tür nur angelehnt war, den Klang einer Stimme vernahm, die sie zwang, stehenzubleiben. Denn diese Stimme, die sicherlich einem Mann angehörte, schien ihr bekannt— und es mußte vor ganz kurzer Zeit gewesen sein, daß sie sie gehört hatte. Freilich zögerte sie nur einen Augenblick; dann kam es ihr zum Bewußtsein, daß sie im Begriff stand, zu horchen, und sie wollte die Wohnung beschämt verlassen. Sie führte ihr Vorhaben dann doch nicht aus. Denn eben, als sie die Hand auf den Drücker legte, fiel drinnen in dem Zimmer ihr eigener Name. Und nun konnte sie nicht anders— sie mußte bleiben. „Ich sage dir, daß ich sie unbedingt haben muß, hatte der Mann drinnen gesagt.„Hast du denn Ursache, auf den Namen Reckenthin stolz zu sein? Hast du jemals von Hohenlinden Gutes erfahren? Wäre Graf Egbert nicht ein Dummkopf gewesen— ein phantastischer Narr— und hättest du deine Karten nicht schlecht gespielt, du könntest heute auf dem Schloß leben und dich bedienen lassen, anstatt selbst zu dienen.“ Die Frau erwiderte etwas, das Margarete nicht verstehen konnte. Doch hörte sie aus der Stimme heraus, daß sie weinte. Noch ungeduldiger und herrischer als zuvor fuhr der Mann fort:....„ „Aber wie oft soll ich dir denn wiederhoten, baß ich sie unbedingt— unter allen Umständen— haben muß! — Bitte— sage nicht, daß du sie nicht besitzest. Ich habe sie bei dir gesehen. Es sind zwei Briefe, die von der Gräfin Reckenthin an ihren Sohn geschrieben wurden — der eine muß das Datum des 9. September 1884 tragen, und der andere kann nur um wenige Wochen später geschrieben sein. Wenn ich sie nicht bekommen kann, gerate ich in die unangenehmste Lage.— Was ich beabsichtige?— Ich beabsichtige, mehr Geld zu gewinnen, als wovon du jemals geträumt hast.“ „Geld!“ entgegnete die Frau, nun ebenfalls mit zornig erhobener Stimme.„Das ist immer und ewig dein Verlangen gewesen. Immer und ewig hattest du viel Geld in Aussicht— und oft genug magst du auch viel Geld besessen haben. Aber das hinderte dich nicht, mir noch das Wenige abzunehmen, was ich verdiente und was ich besaß. Und ich bin für drei Quartale die Miete schuldig!— Wenn ich es morgen nicht bezahlen kann, werden mir meine Sachen genommen— und ich werde auf die Straße geworfen, armer als die ärmste Bettlerin!" 29. Kapitel. Ohne Frage war es Frau Merten, die da sprach. Margarete erkannte ihre Stimme mit Sicherheit. Aber die andere, männliche Stimme dünkte ihr noch bekannter. „Das ist schlecht,“ sagte der Mann.„Warum hast du mich nicht früher wissen lassen, daß es so weit gekommen ist?— Ich hätte dir wahrscheinlich helfen sünnen:„dn en 14141494 „Du— mir heifen:— Nein, du hallest es mir versprochen, und hättest mich im letzten Augenblick im Stich gelassen. Ist denn nicht alles, was ich erspart hatte, in deine Tasche gewandert?— Hast du mich nicht bis aufs Blut ausgesogen, daß mir keine Mark geblieben ist?— Und nun kommst du und verlangst diese Briefe. Daß du nichts Gutes vorhast, weiß ich gewiß. Und an deiner Kleidung sehe ich, daß du Geld genug gehabt hast. Ich wundere mich, daß du dich in deiner Eleganz nicht überhaupt schämst, dich hier bei mir zu zeigen. Was hast du überhaupt vor?“ „Darüber kann ich vorläufig nicht sprechen— du wirst es zu guter Zeit erfahren. Ich spiele ein großes Spiel, und ich bedarf jetzt der Trümpfe. Gib mir die Briefe— und ich verspreche dir, ich verpfände dir mein Wort, daß du in einer Woche alles Geld hast, dessen du bedarfst. Nur darfst du keine Fragen stellen und darfst vor allen Dingen nicht von hier fortgehen merke das!“ „O, wenn ich doch von hier fortgehen könnte! Irgendwohin— nur nicht hier in Berlin leben bleiben. — Ich will den Agenten bitten, mir noch eine Woche Frist zu geben, obwohl ich fürchte, daß er es nicht tun wird. Ich habe ihn zu oft um Nachsicht bitten müssen.“ (Fortsetzung folgt.) .— —— Venkspruch. 0 tausendmal Beglückt der Mann, der die hinfäll'ge Kraft Des holden Phantasierens nicht verliert Im Zeitenumschwung; welchem ew'ge Jugend Des Herzens mild gewährte das Geschick; Der in der Uollkraft Cagen und des Welkens, Wie er gepflegt in grüner Blütezeit, In seinem Geiste die Natur verschönert, Der Wüste Leben gibt, und selbst dem Code. Leopardi. Die Eine Erinnerung aus dem Jahre 1870. Von Fred Vincent. (Schluß.)(Nachdruck verboten.) Auf dem Gouvernementsbureau fand ich noch eine Anzahl anderer Offiziere versammelt, darunter auch den mir bereits von der Nacht her bekannten Adjutanten, der uns sehr eingehende Instruktionen erteilte. „Ich habe bereits heute nacht auf Befehl Sr. Exzellenz dem Maire mitgeteilt, daß die Stadt, da sie jedenfalls an der Sprengung der Moselbrücke nicht unbeteiligt ist, uns bis heute morgen sechs Uhr 400 Arbeiter auf ihre Kosten zu stellen habe. Der Maire hat mir hierauf mit der größten Höflichkeit und spitzbübischen Freundlichkeit entgegnet, daß er zu seinem Bedauern hierzu nicht imstande sei, da es nicht in seiner Macht liege, die Arbeiter zu zwingen, und diese um kein Geld der Welt für„diese Preußen“ arbeiten würden. Ich habe ihn sodann darauf aufmerksam gemacht, daß wir in diesem Falle andere Maßregeln ergreifen müßten, die ihm und der Stadt jedenfalls sehr unangenehm sein würden, erhielt jedoch nur ein Achselzucken zur Antwort. Daß die Arbeiter weder um sechs Uhr noch auf eine zweite und dritte Aufforderung hin um sieben oder acht Uhr gestellt worden sind, ist Ihnen bekannt, meine Herren, und die höhnischen Gesichter der Franzosen werden Sie wohl selbst bemerkt haben. Wenn es uns nicht gelingt, den passiven Widerstand der Stadt zu brechen und den Herren Franzosen eine scharfe Lehre zu geben, so ist unsere Autorität unwiderruflich verloren. Se. Exzellenz rechnet daher darauf, daß Sie die soeben erhaltenen Befehle mit der größten Genauigkeit zur Ausführung bringen. Von der Schußwaffe soll nur im äußersten Notfalle Gebrauch gemacht werden, der Kolben dürfte wohl genügen. Guten Morgen, meine Herren!“ Der Himmel hatte sich im Laufe des Vormittags vollständig aufgeklärt und das alte Nancy lag im hellsten Sonnenschein, als kurz vor zwölf Uhr durch die eine Hauptstraße der Stadt die Wachmannschaften mit klingendem Spiel nach der„Place Stanislas“ anrückten; begleitet waren sie von einer größeren Menge Franzosen als sonst, die in ihrer Freude über die moralische Niederlage der Preußen sich ganz laut und ungeniert höhnische Bemerkungen zuriefen und sich gegenseitig aufforderten, mit auf den Platz zu kommen und den „Froschtanz“(la danse des grenouilles), wie sie unsern Parademarsch spöttisch nannten, mitanzusehen. Auf dem Platz angekommen, nahmen die Wachen an dem Ausgang nach dem Schlosse Aufstellung, die Musik spielte ein Potpourri aus„Pariser Leben,“ und eine dichte Menschenmenge hatte sowohl den Platz als auch die Cafés besetzt. Keinem einzigen aber fiel es auf, daß sich ungefähr fünf Minuten später gleichzeitig auf allen drei Straßen starke Infanterie=Abteilungen heranbewegten, an den Eingängen zum Platz aufmarschierten und die hohen Gittertore hinter sich schlossen. Plötzlich brach die Musik ab, auf dem Postament der Reiterstatue erschien der Adjutant des Gouverneurs und durch die augenblicklich eingetretene Totenstille hindurch drang scharf seine Stimme:„, Gu.tMan fall 5 „Achtung auf mein Kommando! Valaltion soll chargieren— geladen!“ Und rasselnd öffneten und schlossen sich die Schlösser der Zündnadelgewehre an allen vier Gittertoren, während die Menge jammernd und aufkreischend nach der Mitte des Platzes drängte. Durch den Lärm hindurch jedoch tönte das weitere Kommando: „Chargiert— fertig!“ Und die ganze auf dem Platz versammelte Menschenmenge war durch eine vierfache eiserne Phalanx von blitzenden Bajonetten von den Ausgängen des Platzes abgeschnitten. Unbeschreiblich war die Aufregung der eingeschlossenen Franzosen, und der Uebergang von der höhnischen Schadenfreude zur tödlichsten Bestürzung war so groß, daß das gellende Wutgeheul gar nicht aufhören wollte. Eine ganze Zeitlang hatte der Adjutant ebenso regungslos wie das Reiterstandbild auf dem Postament gestanden und den Augenblick erwartet, wo er sich vernehmlich machen konnte. Da aber keine Ruhe eintrat, hob er endlich die Hand, und die Spielleute fielen mit einem kräftigen Trommelwirbel ein. Das war verstanden worden, denn es wurde jetzt wirklich totenstill auf dem Platze, so daß jedes einzelne Wort der kurzen Ansprache verstanden werden konnte, welche der Adjutant in französischer Sprache hielt:. „Die Moselbrücke ist gestern abeno von Franktireurs gesprengt worden; die Bevölkerung von Nancy hat darum gewußt und wird daher zum Wiederaufbau beitragen. Wir haben Arbeiter verlangt, jedoch keine erhalten, darum nehmen wir sie uns. Alle Frauen und Kinder können den Platz ungehindert verlassen; sämtliche Männer werden sofort von hier an die Bahn eskortiert und nach der Brücke gebracht, wo sie arbeiten müssen, bis sie abgelöst werden. Niemand wird früher entlassen, als bis ein Arbeiter für ihn gestellt worden ist. Wer sich fügt, wird gut behandelt, wer sich widersetzt, wird niedergeschossen. Oest la guerre!“ Toller als zuvor brach das Wutgeheul wieder los, und fast schien es, als wolle die aufgeregte Menge sich gewaltsam einen Ausweg erzwingen. Wiederholt wälzte sie sich auf die Gittertore zu, doch jedesmal prallte sie vor den Bajonettreihen zurück, um sich endlich, verhältnismäßig früher, als wir gehofft hatten, in ihr Schicksal zu ergeben. Der zweite Akt der Komödie spielte sich ungemein rasch ab. Bald war der Platz von den überflüssigen Kindern und Frauen gesäubert, und nun ging Abteilung nach Abteilung der Männer unter scharfer Bedeckung nach dem Bahnhofe ab, wo sie sofort in die bereitstehenden Züge verladen wurden und nach der Brücke abdampften. Alles, was nur imstande war, eine Schaufel zu führen, wurde mitgenommen, sogar die Besitzer der Cafés und ihre Kellner, und es gewährte einen eigenartig erheiternden Anblick, neben dem finster blickenden Bourgeois und dem Arbeiter in blauer Bluse den eleganten, parfümierten Flaneur in Zylinder und Glacéhandschuhen zum Brückenbau abführen zu sehen. Hin und wieder allerdings widersetzte sich ein besonders rabiater Schreier der Abführung, allein wir hatten es nicht nötig, von der Waffe Gebrauch zu machen, der Adjutant behielt recht, der Kolben genügte. Am Abend desselben Tages aber hatte die Stadt schon mehr Arbeiter gestellt, als wir überhaupt brauchen konnten, und bereits zwei Tage spöter war die Bahnverbindung mit Nanteuil wiederhergestellt, und die Truppen= und Lebensmittel=Transporte konnten ungestört weiterbefördert werden. Ein zweiter Angriff — *(Zum Schützenfest auf der Schwerterhaide) wird in den beteiligten Kreisen jetzt auch eifrig gerüftet. nachmittag wurde auf der Wiese bei der Wirtschaft Emde fleißig exerziert und Gewehrgriffe geübt. Zu den Uebnngen hatten sich die Mitglieder des Vereins sehr zahlreich eingefunden, sodaß wohl die besten Vorbedingen für einen guten Verlauf des Festes gegeben sind. Das Fest selbst wird am 10. und 11. Juli gefeiert und zwar wird das Königsschießen am„Schützenhof“ abgehalten, der übrige Teil des „Freischütz“. Als Festmusik ist die Kapelle der Krefelder Husaren gewonnen. *(Ueber rücksichtslose Radler) hatten gestern die Passanten der Iserlohnerstraße wieder zu klagen. Einer der Burschen überfuhr ein kleines Kind, welches eine stark blutende Wunde am Kopf erlitt, machte sich nach dieser„Heldentat“ aber schleunigst aus dem Staube; das Publikum, welches mit Recht über eine solche Roheit empört war, hätte dem Burschen im anderen Falle sicherlich übel mitgespielt. Kann denn seitens der Polizei diesen überhand nehmenden Unfug der Stahlroßlenker nicht gesteuert werden? Das Publikum hat denn doch schließlich auch noch ein Recht auf Benutzung der Landstraße. **(Garde= und Landwehr=Verein.) In der gestrigen Versammlung des Garde= und Landwehrvereins, welche unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Thoholte im Vereinslokal stattfand, wurde beschlossen, sich geschlossen an der Kaiserfeier auf Hohensyburg zu beteiligen. Von der Engagierung einer Musikkapelle wurde Abstand genommen. **(Die Repräsentantenwahlen der größeren evangelischen Gemeinde,) welche im Anschluß an den gestrigen Hauptgottesdienst in der Sakristei der Kirche stattfanden, brachten große Ueberraschungen. Von den ausscheidenden Mitgliedern Herm. Kleingarn, Heinrich Nehring, Friedr. Rahlenbeck, Werkmeister Karl Schulte und Wilh. zur Nieden von hier, Heinr. Externbrink und Friedrich Cordes von Geisecke, Friedrich Gehrmann von Rheinen, Wilhelm Wilms vom Höchsten und Friedrich Herrmann aus Refflingsen wurde nur Herr Sparkassenrendant Nehring mit 69 Stimmen, also einstimmig wiedergewählt. Im übrigen wurden mit je 50 Stimmen die augenscheinlich von der hiesigen christlich=sozialen Ortsgruppe aufgestellten Herren Brune, Fund jr., Constantin Heimbeck, Heierhoff, Wilh. Klempt, Schlosser Möller, Lokomotiovführer Rademacher, Rentrop und Wagner, sämtlich in Schwerte, gewählt, da der christlich=soziale Verein sich fast geschlossen an der Wahl beteiligte. Damit sind zum ersten Male die zur Kirchengemeinde gehörenden Landgemeinden entgegen bisher geübtem Brauche bei den Repräsentantenwahlen ausgefallen. An der Wahl beteiligten sich 69 Gemeindemitglieder, eine bisher in der Geschichte der Repräsentantenwahlen nicht annähernd erreichte Ziffer. Gemeinden verteilt werden. Die Gemeinde Hennen erhält 5787,77 M, die Gemeinde Ergste 3511,30 M, und die Gemeinde Berchum 972, 13 MA. 3. Die neu zu errichtende Haftzelle in Berchum soll nach dem Projekt des Zimmermeisters Hunke aus Hennen au.geführt werden. 4. Hinsichtlich der Anträge der Polizei=Beamten auf Gehaltserhöhung wird das Höchstgehalt vom 1. Juli d. J. um 100 M erhöht. 5. Der Beitritt zum Verbande deutscher Verkehrsvereine wird abgelehnt. * Sölderholz, 20. Juni.(Einer gefährlichen Diebesbande) ist jetzt das Handwerk gelegt worden. Schon seit längerer Zeit wurden hier und in Sölde eine Reihe von Diebereien verübt, welche die Bürgerschaft in nicht Aufregung versetzten. In einer Wirtschaft waren ca. 200 M bares Geld, sowie silberne Eßbestecke gestohlen, einem Kolonial= warengeschäft war ein Besuch abgestattet, ein Schuhmachermeister war bestohlen worden usw. Lange wollte es der Polizei nicht gelingen, der Täter habhaft zu werden, bis sich der Verdacht endlich auf die beiden Bergleute Aug. und Wilh. Reis und die Tochter des Berginvalieden Bertz lenkte. Eine vorgestern bei diesen Personen abgehaltene Haussuchung bestätigte diesen Verdacht und förderte eine Menge der gestohlenen Gegenstände zu Tage. Die ganze Diebesgesellschaft wurde jetzt verhaftet und nach Aplerbeck in Polizeigewahrsam gebracht. ** Wichlinghosen, 21. Juni.(Besitzwechsel.) Das in Touristenkreisen sehr bekannte Restaurant„Waldschlößchen“ ist zum Preise von 44000 M an Herrn Th. Warmstall in Dortmund verkauft. **(Der Schützenbund) hatte gestern nachmittag seine Truppen zum„Schützenhofe“ befohlen, wo im Laufe des Nachmittags fleißig im Bataillons=Verbande geübt wurde. Die Gewehrgriffe„sitzen" bereits und auch die große Wachtparade klappt ganz verzüglich, sodaß König Josef II., der auf Uebungsplatz erschienen war, den Schützen nur seine Anerkennung aussprechen konnte. Nach dem Rückmarsch zur Stadt blieben die Schützen noch ein Stündchen im Vereinslokal Kilwing gemütlich zusammen.— In der vor dem Ausmarsch stattgehabten Generalversammlung wurde beschlossen, die angeregte Aenderung der Statuten bis zum Herbst zu vertagen. **(Uebertriebene Gerüchte) von einem Ueberfall auf den Pferdehändler B., der sich auf einer Geschäftsreise befand, durchschwirrten am Samstag unsere Stadt. Die Sache hat inzwischen ihre Aufklärung gefunden und ist auf ein Telegramm zurückzuführen, in dem Herr B. seine Angehörigen von der Erkrankung eines Pferdes in Kenntnis setzte. Westhofen, 21. Juni.(Der Krieger= und Landwehr=Verein) hatte gestern nachmittag an der„Rettelmühle ein Preisschießen veranstaltet, woran sich die Mitglieder sehr zahlreich beteiligten. Im Fritzenkötter'schen Saale wurde bei nachfolgendem Kommers die Preisverteilung vorgenommen. Folgende Mitglieder wurden mit Preisen ausgezeichnet: I. Klasse: Fr. Filthaut, Fr. Pieper, W. Dahlhaus 2, Wilh. Westerhoff 3, Niemes 1, Wilh. Merten 2, H. Dickehage, A. Heidergott, Adolf Borggräfe, Emil Klostermann, Emil Kloose, Gustav Rinker 2, H. Selge, W. Niemes 2. 2. Klasse: Max Wald, Hertzbruch, F. Sondermann, A. Klann N. Lohmann, A. Dahlhaus, A. Weber, W. kötter, E, Dahlhaus, F. Klann, W. Schmitz, Julius Frenkel, T. Krumme, Friedr. Breer. 3. Klafse; H. Hogten, F. Brer 1, P. Röllinghoff, Herm. Bringmann, X. izgr; hoff, W. Martin 1, A. Michel, E. Schneider, W. A. Backhaus, F. Wüste, O. Grevening, Heinrich Schulz, G. Rinker, ** Hohensyburg, 21. Juni.(Eine ungemein hohe Besuchsziffer) wies unsere schöne Höhe am gestrigen Sonntag auf. Außer vielen hunderten Besuchern der näheren und weiteren Umgebung waren ein Männer= und Jünglingsverein in großer Zahl mit eigener Musik, und etwa 1000 Mitglieder des Duisburger Eisenbahnvereins, gleichfalls mit eigener Kapelle, erschienen. Es herrschte infolgedessen ein geradezu großartiges Leben und Treiben, zumal es auch von Radlern, Kutschwagen und Autos nur so wimmelte. Hohensyburg bildet sich immer mehr zum bestbesuchtesten Ausflugsort der Grafschaft Mark aus, über welche Tatsache die Besitzer der Sommerlokale nur erfreut sind. Wenn zum bevorstehenden Kaiserbesuch das Wetter wie gestern ist, wird die eintreffende Volksmenge jedenfalls nicht zu zählen sein. ** Verghofermark, 21. Juni.(Preisgekrönt) kehrte der M.=G.=V.„Concordia“ hier(Dirigent C. Herlinghaus) vom Wettstreit zu Brügge zurück; derselbe errang in der I. Klasse bei scharfer Konkurrenz— 10 Vereine— den 5. Preis, 1 Ehrenpreis und den 2 Hauptehrenpreis. Außerdem wurde dem Dirigenten C. Herlinghaus der 2. Dirigentenpreis zuerkannt. Den sieggekrönten Sängern sowie ihrem rührigen Dirigenten ein kräftiges„Gut Sang.“ ** Verghosen, 21. Juni.(Schulpersonalie.) Der Lehrerin Frl. Maria Wiethoff ist die Verwaltung einer Schulstelle an der hiesigen kath. Volksschule endgiltig übertragen wobrn. ** Ergste, 19. Juni.(Amtsversammtuu##.) In der gestrigen Sitzung der Amtsverordneten wurde u. a. folgendes beschlossen: 1. Die Sparkassenrechnung für 1908 wurde geprüft und dem Rendanten Entlastung eerteilt. 2. Die Sparkassenzinsüberschüsse für das Rechnungsjahr 1908 stellen sich auf 10 271,20 M und sollen den Gemeinden des Gewährleistungsverbandes zur Befriedigung ihrer außerordentlichen kommunalen Bedürfnisse überwiesen und gleichmäßig auf die einzelnen Westfalen und Rheinland. * Hörde, 20. Juni.(Konkurs Sondheim.) In der Sache J. Sondheim fand eine Gläubigerversammlung in Dortmund statt, in der Rechtsanwalt Dr. Hoffmann einen Ueberblick über die Lage gab. Danach betragen die Verbindlichkeiten ca. 310000 Mark., denen Aktiven von 103 420 Mark gegenüberstehen. Unter den Passiven befinden sich 261600 Bankschulden, das übrige sind Warenschulden an über Gläubiger. Der größte Teil der Bankschulden ist durch Sicherheit gedeckt. Infolge der Forderungen der Verwandten und der Subhastation des Hauses im Konkurse, bei dem noch größere Ausfälle entstehen dürften, haben die Gläubiger nur mit einer Dividende von 20 Prozent zu rechnen. Für das Warenlager ist ein Käufer vorhanden; dieses war in der Inventur vom 1. Januar 1909 mit 85000 Mark ausgenommen. * Aplerbeck, 20. Juni.(Der Gemeinderat) hielt gestern nachmittag im Sitzungssaal des Amtshauses eine Versammlung ab, in der u. a. die Abnahme der Rechnung der Handwerker=Fortbildungsschule für das Jahr 1908 erfolgte. Das Institut hat einen Etat von 1629 J, welcher Betrag je zur Hälfte vom Staat und der Gemeinde zu tragen ist; außerdem hatte die Gemeinde für die Erstanschaffung von Lehrmitteln einen Zuschuß von 147 M zu leisten. In einem Punkte hatte sich die Gemeindevertretung mit einem Antrag der Kriegsveteranen Flunkert und Genossen auf Befreiung von den Kommunalsteuern zu befassen. Es wurde mit 9 gegen 3 Stimmen beschlossen, dem Antrag stattzugeben, soweit es sich um die unteren Stufen der Einkommensteuer bis einschließlich d Vechet„ G * Neheim, 20. Juni.(Totauf den Schienen.) Von der Ruhr=Lippe=Kleinbahn wurde der Arbeiter Schneider überfahren und schrecklich verstümmelt, so daß der Tod sofort eintrat. Erst durch Blutspuren und Fleischteilchen, die dem Triebwerk der Maschine anhefteten, wurde der bedauernswerte Unfall au Station Hüsten bemerkt. Eine Wittwe und sechs Kinder beweinen den Verlust ihres auf so schrecklicher Weise ums Leben gekommenen Ernährers..6 6 * Ottweiler, 20. Juni.(Vergistung durch Enegessenz.) Ein Tagelöhner, der dem Trunke ergeben ist, verlangte von seiner Frau die Schnapsflasche. Statt dieser gab ihm die Frau eine Flasche mit Essigessenz. Der Mann genoß davon und starb bald darauf an Vergiftung. * Köln, 20. Juni.(Schlecht belohntes Vertrauen.) Von zwei internationalen Gaunern wurde ein reicher Amerikaner, der in die Betrachtung des Kölner Domes versunken war, um 6200 M geprellt. Beide gaben sich gleichfalls als Amerikaner aus und wußten den reichen Amerikaner. art zu düpieren, daß dieser seine gesamte Barschaft von u#### und einen Scheck von 1200 M, den er bei einem Kölner Bankhause umsetzte, ihnen in die Hände gab, in Verfolg eines Wunsches der beiden Gauner, daß er ihnen Vertrauen schenken möge. Vorher hatte einer der Gauner dem andern bereits seine Barschaft ausgeliefert, worauf der Amerikaner auf den Leim einging. Erst nach dem Verschwinden der beiden angeblichen Landsleute entdeckte der richtige Amerikaner, daß er einem Gaunerpaar in die Finger gefallen war. Die Kriminalpolizei hat die Spur der beiden bisher noch nicht aufgenommen. * Dülken, 20. Juni.(Der 4 A=Zensus.) Die Stadtverordneten nahmen einstimmig einen Antrag auf Verleihung des Wahlrechtes an die Zensiten mit 4 M Steuersumme an. * Bonn, 20. Juni.(Die Waldbrände) in Walberberg beschäftigten das Schwurgericht. Wegen vorsätzlicher Brandstiftung hatten sich zu verantworten der Fabrikarbeiter Joseph Krämer, der Ackerer Joseph Krämer und der Grubenarbeiter Anton Breidenbach. Sie wurden beschuldigt, in der Nacht vom ersten zum zweiten Osterfeiertag drei Waldbrände vorsätzlich angelegt zu haben. Die Beweisaufnahme fiel für die Angeklagten sehr ungünstig aus. Für die Verhältnisse in Walberberg waren die Bekundungen von Polizeiinspektor Witkugel, der die Täter seinerzeit ermittelt hat, bezeichnend. Eine Reihe Burschen, darunter die Angeklagten, übten einen derartigen Druck auf die Bevölkerung aus, daß diese nicht eher Aussagen zu machen wagte, als bis mehrere der Beteiligten in Haft saßen. Unter dem frühern Besitzer des Gutes in Walberberg hatten sich die Wilddiebereien und die Holzdiebstähle derart ausgedehnt, daß die Leute am lichten Tage auf die Jagd gingen. Dagegen schritt der jetzige Besitzer, Hauptmann v. Kempis, ein, indem er die Wege sperven ließ und Holzdiebstähle zur Anzeige brachte. Aus Nache legten die Angeklagten dafür die Waldbrände an, die 57 Morgen Wald vernichteten. Die Geschworenen sprachen die Angeklagten schuldig. Joseph Krämer erhielt drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, Gottfried Krämer neun Monate Gefängnis und Anton Breidenbach zwei Jahre Gefängnis. * Koblenz, 20. Juni. Zur Untersuchung des baulichen Zustandes der vielen Tunnels an der Mosel, Saar, Lahn und am Rhein ist ein besonderer, mit ungefähr 90 Glühlampen ausgestatteter Wagen eingestellt worden, der eine genaue Besichtigung des Tunnelinnern ermöglicht. * Trier, 20. Juni. Vier Arbeiter durch schlagende Wetter schwer verletzt— zwei Arbeiter ertrunken. Schlagende Wetter verletzten auf der Kohlengrube zu Merkenbach vier Arbeiter schwer.— Zwei bei der Villa Weber in dem luxemburgischen Orte Dommeldingen beschäftigte Arbeiter, ein Gärtner und ein Kutscher, stürzten mit einem umkippenden Nachen in das Flüßchen Alzette. Beide ertranken. Der heldenmütige Rettungsversuch des ins Wasser springenden Fräuleins Weber war leider vergebens. Letzte Brahtmeldungen. Die Kaiserreise. Berlin, 20. Juni. Der Kaiser traf, wie aus Neufahrwasser gemeldet wird, an Bord der„Hohenzollern“ um 7,30 Uhr dort ein und begab sich um 7,45 Uhr in eigenem Automobil nebst Gefolge nach Langfuhr zur Abendtafel im Kasino der Leibhusaren. Die Abreise von Langfuhr über Berlin nach Hamburg erfolgte um 10 Uhr 20 Minuten abends. Die beiden Begleitkreuzer„Hamburg“ und„Sleipner“ haben ohne Unterbrechung ihre Fahrt nach Kiel fortgesetzt. Zur inneren Lage. Berlin, 20. Juni. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt gegenüber einer Angabe des„Deutschen Boten“ in ihrem Wochenrückblicke: Unter Berufung auf konservative Kreise wird in dieser Korrespondenz behauptet: Die Konservativen glauben zu wissen, daß trotz aller gegenseitigen Versicherungen die Stellung des Fürsten Bülow seit den Novembertagen erschüttert ist und ihm in Wiesbaden auch nur die Aufgabe gestellt blieb, die Reichsfinanzreform so oder so zu erledigen. Wir können feststellen, daß ein solches„Wissen“, wenn es in der Tat irgendwo gehegt werden sollte, jeder Begründung entbehren würde. Grauenvolle Entdeckung. Berlin, 20. Juni. Londoner Blätter berichten aus Konstantinopel: In einem Vororte wurde in der Nähe des Jildis ein Koller entdeckt, in dem zahlreiche Opfer Abdul Hamids eingekerkert waren. Als der Keller geöffnet wurde, stellte sich heraus, daß die Gefangenen ihren Qualen längst erlegen waren. U. a. fand man auch den Schädel des früheren Großwesirs Midhat Pascha, der das erste türkische Parlament geschaffen und später in Ungnade gefallen und 1882 in SüdArabien auf Befehl Abdul Hamids ermordet worden war. Abdul Hamid hatte sich zur Sicherheit den Schädel übersenden Kronzeugen im Prozeß Eulenburg. München, 20. Juni. Fischer Ernst und Wildhändler Riedel, die Kronzeugen im Eulenburg=Prozeß, haben soeben Vorladungen für den 6. Juli erhalten. Oberlandsgerichtsrat Mayer ist bisher nicht geladen worden. Die Thyphusepidemie in Altwasser. Breslau, 20. Juni. Nach einer Meldung der„Schles. Ztg.“ greift der Typhus in Altwasser weiter um sich. Bis heute mittag gelangten laut amtlicher Feststellung 283 Krankheitsfälle zur Anzeige, von denen 6 tödlich verliefen. König Eduard in Marienbad. Prag, 21. Juni. König Eduard wird incognito unter dem Namen eines Herzogs nach Marienbad kommen. Die Besuchsreisen des Zaren. London, 21. Inni. Der Petersburger Korrespondent der„Morning Post“ meldet, daß der Zar wahrscheinlich nach dem Besuche beim König von Italien dem Sultan einen Besuch abstatten und sich dann nach Livadia begeben werde, wo ihm der Sultan den Gegenbesuch machen werde. Schwere Ausschreitungen. Liverpool, 21. Juni. Hier kam es gestern aus religiösen Ursachen zwischen Katholiken und Protestanten kämpfen. Viele Häuser wurden demoliert. Die Polizei mußte mit blanker Waffe einschreiten und nahm 30 Verhaftungen vor. Zahlreiche Polizeibeamte erlitten Verletzungen. türkisch=griechische Konflikt. Paris, 21. Juni.„Echo de Paris“ meldet aus Saloniki: Die türkische Regierung bereitet mit fieberhafter Tätigkeit die Verstärkungen an der griechischen Grenze vor. Die Kadees der drei Armeekorps sind vollstandig. Die Militärintendantur bereitet große Menge Proviant vor. Offiziere, welche beurlaubt waren, werden zurückberufen. Die Kretafrage in der türkischen Kammer. Konstantinopel, 21. Juni. Auf eine Interpellation betr. die Kretafrage erklärte der Minister des Aeußern, das Kabinett teile den Wunsch der Kammer, die Rechte der Türkei auf Kreta zu schützen. Es habe alle notwendigen Maßnahmen getroffen, und werde seine Pflichten voll erfüllen. Türkei werde sich als Freundin des Friedens bewähren. Sollte sie aber angegriffen werden, so werde sie ihre Rechte kraftvoll verteidigen. Da über die Frage der Truppenzurückziehung gegenwärtig verhandelt werde, so könne der Minister hierüber keine Details mitteilen. Keine Macht bestreite der Türkei übrigens ihre legitimen Rechte auf Kreta. Die muselmanischen Redner erklärten, alle Ottomanen würden für Kreta ihr Leben opfern. Der Kammer genügten die Erklärungen der Regierung, und sie nahm eine patriotische Resolution an. Ende des Straßenbahner=Streiks in Petersburg. Petersburg, 21. Juni. Der Streik der StraßenbahnAngestellten ist beendet. Die Anführer wurden ausgewiesen, die übrigen unterwarfen sich den Bedingungen der Verwaltung. Wetteobericht der Deutschen Seewarte. 22. Juni: Ziemlich kühl, wolkig, gewitterhaft Regenfälle. 23. Juni: Wenig verändert, vielfach bedeckt, windig. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. -Kinder. meh Kankenkost. Herverragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabel u. lelden nicht an Verdauungsstörung. Bekanntmachung. Der Kreisausschuß des Kreises Hörde hält vom 21. Juli bis zum 1. September d. Is. Ferien. Während dieser Zeit finden Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in dringenden Anglegenheiten statt. 3338 Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind die Ferien jedoch ohne Einfluß. Hörde, den 17. Juni 1909. Der Vorsitzende des Kreis=Ausschusses: Dr. Luckhaus, Königlicher Landrat. Militär=Aushebung für den Landkreis Iserlohn. Die diesjährige Aushebung für den Landkreis Iserlohn wird am 23., 24., 25. und 26. ds. Mon., vormitlags 7½ Uhr im neuen Saale der Alexanderhöhe hierselbst stattfinden. Sämtliche Militärpflichtige, die zum Erscheinen verpflichtet sind, werden hiermit aufgefordert, sich an dem Tage und zu der Stunde pünktlich zu gestellen, welche in der ihnen zugehenden Vorladung bezeichnet sind. Auch sind diejenigen Militärpflichtigen zum Erscheinen verpflichtet, denen keine Vorladung zugegangen ist. Militärpflichtige, die ohne genügenden Eutschuldigungsgrund im Aushebungstermine fehlen, verlieren die ihnen aus der Losung erwachsenden Vorteile und den aus etwaigen Reklamationsgründen hergeleiteten Anspruch auf Zurückstellung oder Befreiung vom Militärdienste und werden vorzugsweise zum Dienst herangezogen werden. Militärpflichtige, die sich der Gestellung böswillig entziehen, können sofort zum Militardienste herangezogen werden. Wer durch Krankheit verhindert ist zu erscheinen, hat ein ärztliches Zeugnis einzureichen. Dieses muß von der Ortspolizeibehörde beglaubigt sein, sofern der ausstellende Arzt nicht amtlich angestellt ist. Ueber alle angeblichen Krankheiten Leiden durch drei glaubhafte Zeugen, die nicht verwandt sind, nachgewiesen werden. Militärpflichtige, welch Bruchband, Kneifer oder Brille tragen, haben diese mitzubringen. Die Reklamationen werden am Gestellungstage des Militärpflichtigen, nach Schluß des Aushebungsgeschäftes verhandelt. Eine Prüfung der Reklamation erfolgt dann nicht,— die Anwesenheit des Reklamierten und der Angehörigen ist also dann nicht erforderlich— wenn bei der Aushebung auf Grund körperlicher Beschaffenheit des Militärpflichtigen die Entscheidung„dauernd unfauglich, Landsturm, Ersatzreserve oder 1 Jahr zurückgestellt", erfolgt ist. Diejenigen Angehörigen der Reklamierten, deren Arbeits=, Aussichts= oder Unterstützungsfähigkeit in Betracht kommt(auch alle Kinder über 14 Jahre) sind der Ober=Ersatzkommission persönlich vorzustellen. Ist dies untunlich, so kann eine Berücksichtigung nur auf Grund eines Zeugnisses erfolgen, welches von einem beamteten Arzte ausgestellt ist. Wünsche um Zuweisung zu einem bestimmten Truppenteil sind im Termin vorzubringen, da spätere Gesuche um Umbestimmung grundsätzlich abgewiesen werden. Iserlohn, den 8. Juni 1909, Der Zivil=Vorsitzende der Ersatz=Kommission des Landkreises Iserlohn 3170 Nauck, Geheimer Regierungs= und Landrat. Bekanntmachung. Das Proviantamt Münster kauft noch fortgesetzt gesundes Roggenrichtstroh. Hörde, den 28. Mai 1909. 2905 Der Zivil=Vorfitzeden: Luckhaus. Einige Fuder prima 3342 Wiesen= d. Krechen kauft. Nickelwerk, Schwerte. HUNDERBERGALBRECH Hofliaferant Seiner Maisstat des Kaisera und Königs Wilheia II. am Rathausela RHEINBERG am Miederrkein. Gegr.# 1846. * Anerkannt bester Bitterlikör! D##riunge andeonhten 24 Preis-Medaillen! Underberg-Boonekamp. Freischütz. Dienstag den 22. Juni 1909. nachmittags 4 Uhr u. abends 8 Uhr: Grosse 3350 Militär-Konzerte ausgef. v. ganz TrompeterKorps des 2. Rhein. Husaren-Regiments Nr. 9 aus Strassburg unt. persönlicher Leitung des Kgl. Ober-Ausikmeist. Herrn Berkowski. Bei eintretender Dunkelheit grosse Illumination des Waldes. Eintritt 50 Pfg., 10 Karten 3 Mk. Geschäfts-Verlegung! Meinen verehrlichten Kunden hiermit die Mitteilung, dass ich mein Zigarren-Geschäft von Bahnhofstrasse 27 nach Bahnhofstrasse 25, Im selben Hause, verlegte.„. 4u Memay 3345 Hochachtungsvelr: Emil Krummel. Salal-Ser in hervorragenden Qualitäten und allen Preislagen zu haben 3260 bei Wilh. HeppeNachf. Zur Haarpflege empfehle Pixavon p. Fl. 2.00 Mk. Birkenwasser p. Fl. 1.75 Mk. Brennesselspiritus p. Fl. 0.75 Mk. # Droserte Carl Trog, Schwerte. stehen zu vermieten unter Anrechnung der Miete beim Kauf nach Vereinbarung. 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