Verbunden mit der„Schwerter Volkszeitung“ und dem„Scbwerter Volksblatt“ Die„Scwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Ik. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. D bestelgela medr. Wöchentliche Gratis=Bellage:„Ilustrierter #entreund“. v c CCHPOC O O P P.CL Muigenpreis Die zechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1###. Anzeigen von auswärts 18 Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die„Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss unungen Zeitung" geAbonnenten für endenden Unseren BedingI. Unterstützung. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Rreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“, rechtsverbindliche Kraft. 0 0 0 0CCOOOOOO 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschlus: Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Rüresse: Braus, Schwerte-Rude Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. S Haupt-Annoncenblatt Nr. 131 Dienstag den 8. Juni 1909 41. Jahrg. Erstes Wlatt Wilhelm II. und Nikolaus II. Als kürzlich die Reisepläne des Zaren in der Presse erörtert wurden, stellte man ausdrücklich ein Zusammentreffen desselben mit dem deutschen Kaiser in Abrede. Um so überraschender kommt jetzt die offiziöse Mitteilung von einer schon in vierzehn Tagen bevorstehenden Begegnung der beiden Monarchen, welcher Staatssekretär von Schoen beiwohnen und der damit eine große politische Bedeutung beigemessen wird. Diese Bedeutung liegt aber auch bei dieser Entrevue, wie wir gleich vorweg betonen wollen, nicht darin, daß besondere wichtige Abmachungen zwischen dem Deutschen Reich u. Rußland im Werke sind und bei der persönlichen Begegnung der beiden Herrscher ihre Sanktion erhalten sollen, sondern sie ist darin zu suchen, daß auch die guten deutsch=russischen Beziehungen im gegenwärtigen Augenblick, wo eben erst die Festigkeit des Dreibundes vor aller Welt dokumentiert worden ist, öffentlich bekundet werden und damit zum Ausdruck kommt, daß der Dreibund kein Hindernis für die Fortpflege der traditionellen Freundschaft zwischen Deutschland und dem Zarenreiche bildet. Und daß diese Begegnung so unmittelbar nach den imposanten Kundgebungen in Wien, die von dem herzlichen und unvergleichlichen Verhältnis des östereichisch=ungarischen Staates zum deutschen Kaiserreiche Zeugnis ablegten und eine Quittung waren für die guten Dienste, die wir der Doppelmonarchie im letzten Balkankonflikt geleistet hatten, erfolgt, ist um so bemerkenswerter, als ja Rußlands Sympathien auf der Seite der Gegner Österreichs waren. Von Beginn seiner Regierung an hat Nikolaus II. gute Freundschaft mit unserem Kaiser gehalten, und als der Zar noch öfter die hessische Heimat seiner Gemahlin aufsuchte, haben die beiden Monarchen nie die Gelegenheit eines Zusammentreffens versäumt. Noch mehr tritt das herzliche Freundschaftsverhältnis dadurch in die Erscheinung, daß Kaiser Wilhelm der erste und einzige ausländische Herrscher war, mit dem der Zar, noch bevor der Friede mit Japan förmlich abgeschlossen war, eine Begegnung suchte. Das war im Juli 1905, als Kaiser Wilhelm, einer Anregung des Zaren folgend, sich mit diesem in den Schären vor Björkö gegenüber Kronstadt traf. Man wird sich noch erinnern, welches Aufsehen jene Entrevue hervorrief und wie viele Kombinationen daran geknüpft wurden, namentlich nach der Richtung hin, als wolle sich der Zar bei seinem kaiserlichen Freund Rat holen betreffs der Gestaltung der inneren Verhältnisse Rußlands. Jener Begegnung auf hoher See folgte der Besuch, den Nikolaus II. im August 1907 dem Kaiser vor Swinemünde abstattete und der bisher der einzige geblieben ist, welchen der Zar seit dem russisch=japanischen Kriege im Auslande gemacht hat.. 4 Der russische Herrscher hat seitdem mehrere hohe Visiten erhalten, die er erwidern muß. So von seinem Oheim König Eduard VII., vom König Gustav von Schweden, vom Präsidenten Fallières, dem Staatsoberhaupte des alliierten Frankreich. Und auch dem König Viktor Emanuel ist er einen Gegenbesuch schuldig, der ebenfalls in diesem Jahre absolviert werden soll. Wenn nun der Zar auf der ersten Reise, die er ins Ausland antritt und die dem schwedischen Hofe gilt, eine Begegnung mit Kaiser Wilhelm anregt, so ist das ein neuer vollgültiger Beweis für die hohe Wertschätzung, die er unserem Kaiser entgegenbringt, und man könnte daraus das Bestreben herauslesen, dem Kaiser zu zeigen, daß die Freundschaft zu diesem durch politische Rücksichten, die den Zaren später nach Frankreich und eventuell auch nach England führen, nicht beeinträchtigt werden kann. Damit dient auch diese Monarchen=Entrevue, mögen ihr nun die leitenden Staatsmänner beiwohnen oder nicht, der Befestigung des Friedens, weshalb wir das bevorstehende Ereignis nur um so freudiger begrüßen. Politische Uebersicht. Deutschland. Der Kaiser stattete der großen Berliner Kunstausstellung seinen Besuch ab, um persönlich die Werke auszuwählen, deren Ankauf er wünschte. Prinz Eitel Friedrich, der Herrenmeister des Johanniterordens, wird in Vertretung seines kaiserlichen Vaters sich nach Köln zur Teilnahme an der Feier des 50jährigen Bestehens der rheinisch=westfälischen Malthesergenossenschaft begeben. Zur Zwei=Kaiser=Begegnung. An Stelle des Reichskanzlers Fürsten von Bülow, der an diesen Tagen durch die Plenarsitzungen über die Finanzreform in Anspruch genommen ist, wird wahrscheinlich der Staatssekretär des auswärtigen Amtes v. Schoen, unsern Kaiser nach den Finnischen Schären begleiten. Die„Hohenzollern“, auf der die Vorbereitungen für die Fahrt bereits beendigt sind, wird nicht nur von dem kleinen Kreuzer „Hamburg“ und dem Depeschenboot„Sleipner“, sondern wahrscheinlich auch noch von einem größeren Kriegsschiff begleitet werden. Die Abfahrt aus dem Kieler Kriegshafen soll schon am 10. Juni statfinden. Der Zar wird nach der Zusammenkunft mit dem Kaiser dem schwedischen Hof einen Besuch abstatten und dann nach Rußland zurückkehren, um am 7. Juli der Zweihundertjahrfeier der Schlacht von Poltowa beizuwohnen, in der Peter der Große Karl XII. von Schweden aufs Haupt schlug. Erst nachher wird der Zar die Reise zu den mit den französischen und englischen Staatsoberhäuptern geplanten Zusammenkünften antreten. Der Kaiser hat Frau Emilie Mosse, der Gattin des bekannten Zeitungsbesitzers Rudolf Mosse, in Anerkennung ihrer wohltätigen Wirksamkeit den Wilhelmsorden verliehen. Das deutsche Kronprinzenpaar beabsichtigt im Juli dem König und der Königin von England in Windsor einen Besuch abzustatten, zu dem König Eduard während seines Berliner Besuchs im Februar d. J. eingeladen hatte. So berichtet die „Nat. Ztg.“, indem sie bemerkt, daß die falschen Angaben über einen längeren Sommeraufenthalt unseres Kaisers in England wohl auf eine Verwechselung mit der Besuchsreise des Kronprinzenpaares zurückzuführen sind. Zum Direktor der staatl. Galerien Bayerns ist Geheimer Regierungsrat Tschudi=Berlin ernannt worden, der bisherige Direktor Geheimrat Neber wurde unter Verleihung des Michaelordens zweiter Klasse, mit Stern, in den Ruhestand versetzt. Geheimrat Tschudis Berufung ist in der Kunstwelt viel erörtert worden, sie ward mit Befriedigung begrüßt. Der Gedanke der Einführung von Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen will durchaus nicht populär werden; Der Kreis seiner Gegner dehnt sich vielmehr immer weiter aus. Soeben hat sich gegen ihn auch der Ausschuß des deutschen Handelstages, der in Magdeburg versammelt war, gewendet. Auch er befürchtet die mögliche Ausnützung der Schiffahrtsabgaben für fiskalische Zwecke oder wirtschaftspolitische Der deutsche Flottenverein. Nach Annahme der Resolution zugunsten der Reichsfinanzreform wurde als Ort für die nächste Hauptversammlung Berlin gewählt, obwohl von einigen Seiten Nürnberg oder Frankfurt a. M. vorgeschlagen wurde, da der Flottenverein in einer Mittelstadt besser zur Geltung komme. Großadmiral v. Köster stellte zum Schluß noch die Einmütigkeit der Beschlüsse der Versammlung fest und schloß die Sitzung mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf die deutsche Flotte. Zur Reichsfinanzreform. Diese Woche treten nun die Fianzminister der Einzelstaaten in Berlin zusammen, um sowohl die Steuervorschläge der Finanzkommission wie die Ergänzungsvorlagen des Reichsschatzsekretärs Sydow zu prüfen. Es wäre wünschenswert, daß die Oeffentlichkeit, die nun gerade lange genug in Erregung gehalten worden ist, so schnell wie möglich über die bei dieser Gelegenheit gefaßten Beschlüsse in Kenntnis gesetzt würde. Die immer wieder auftauchenden Ge, rüchte, Schatzsekretär Sydow gedenke seinen Posten zu verlassen, werden von der„Nat. Ztg“ ausdrücklich für völlig grundlos erklärt. Ebenso gewiß sind aber auch die anderen Angaben aus der Luft gegriffen, nach denen Fürst Bülow nur durch den Widerstand der süddeutschen Bundesregierungen gehindert werde, die der Regierung von Konservativen und Zentrum angebotenen neuen Steuern zu akzeptieren und auf die Erbanfallsteuer zu verzichten. Es ist doch klar, daß gerade der Reichskanzler das größte Interesse daran hat, die Finanzreform von dem Block, seiner ureigensten Schöpfung gemacht zu sehen. Der Reichskanzler ist mit den einzelstaatlichen Regierungen in der Reformfrage offenbar durchaus einer Meinung. Der Ausschuß des deutschen Handelstages sowie der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller nahmen Protest=Resoluttonen gegen die Besitzsteuer=Vorschläge der Finanzkommission an. Angesichts der am Sonnabend dieser Woche stattfindenden Riesen=Protestversammlung, die von Vertretern aller möglichen Erwerbsgebiete abgehalten wird, verzichtete der Ausschuß des Handelstages auf die Einberufung einer Vollversammlung. Die neue Reichsversicherungsordnung wurd am Montag einer gründlichen Beratung durch die zuständigen Bundesratsausschüsse unter dem Vorsitz des Staatssekretärs v. Bethmann=Hollweg unterzogen. Am 21. und 22. d. M. wird sich die Elfer=Kommission der deutschen Landes=Versicherungsanstalten mit der Sache in Jena beschäftigen. Aus dem Auslande. Frankreich. Paris, 7. Juni. Der Casablanca=Zwischenfall ist durch das Haager Schiedsgericht nun endgültig beigelegt; die deutschen Deserteure der Fremdenlegion, die der Anlaß des Zwischenfalls waren, gehen noch ihrer Bestrafung entgegen. Sobald der Kommandant der französischen Marokko=Truppen den Hager Schiedsgerichtsspruch in Händen hat, soll das Kriegsgericht in Casablanca zusammentreten und die armen Teufel von Deserteuren aburteilen. Nach den neuerlichen Grundsätzen der französischen Kriegsgerichte haben auch diese Deserteure einem harten Urteil entgegenzusehen. England. London, 7. Juni. Hier will man durch eine Sammlung eine Million Mark aufbringen um dafür ein Zeppelin=Luftschiff ankaufen. Man will das System ergründen und die englischen Ingenieure hoffen dann etwas Besseres herstellen zu können. Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese ganze Geschichte für das Produkt der allzu üppigen Phantasie eines Jingo=Blattes ansieht. Das fehlte gerade noch, daß das Werk, für dessen Gelingen das deutsche Volk eine Nationalspende zusammenbrachte, an andere Staaten verschachert wird! — Die militärische Bekämpfung der Luftschiffe ist ein Thema, das zurzeit in englischen Heer= und Flottenkreisen lebhaft diskutiert wird. Der Herausgeber einer Marinezeitschrift wandte sich an den Admiral Scott mit der Bitte um einen Artikel, wie man Luftschiffe zerstöre. Der Admiral antwortete jedoch, das behalte man besser für sich, als daß man es in alle Welt ausposaune. Das klingt ja ganz fürchterlich! Wenn's nur keine Prahlerei ist. Türkei. Konstantinopel, 7. Juni. Gegen die Mitschuldigen an der Öster=Dienstag=Revolte werden von den Jungtürken noch fortgesetzt Strafgerichte vollzogen, wenn auch die Arbeit des Henkers ein Ende gefunden hat. So wurde der Sohn des früheren Großwesiers Kiamil Pascha, Kontreadmiral Said Pascha, der geflüchtet ist und wegen reaktionärer Umtriebe verurteilt worden war, aus den Listen der Marine gestrichen.—Die Verständigung über die Orientbahnfrage zwischen der Türkei und Bulgarien steht nach der„Nat.Ztg.“ unmittelbar bevor. Die Bestätigung dieser Nachricht wäre hocherfreulich, da dann endlich die am 5. und 7. Oktober vorigen Jahres durch die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens und die Annexion Bosniens und der Herzegowina eingeleitete territoriale Umwälzung ihren definitiven Abschluß gefunden hätte. Persien. Teheran, 7. Juni. Hier werden die Verhältnisse, die durch die Einmischung der Russen heraufbeschworen sind, nachgerade unhaltbar. Die gemäßigten sowohl wie die revolutionären Parteien protestieren laut gegen die russische Invasion. Sogar die Monarchisten in Täbris boykottieren russische Firmen und kaufen dafür bei Deutschen und Engländern.— Es heißt, daß Rußland und England mit dem Schah einen Vertrag abgeschlossen haben, nach dem alle finanziellen Angelegenheiten Persiens unter die Kontrolle Rußlands und Englands gestellt und alle Ministerernennungen der Genehmigung Rußlands und Englands vorbehalten werden. Dagegen verpflichtet sich Rußland und England, den Schah gegen alle Ausschreitungen zu schützen, ihm Leben, Thron und Güter zu sichern und dem persischen Staat eine große Anleihe zu garantieren. Wenn sich dieser Staatsvertrag bewahrheiten sollte, so bedeutet das nicht mehr und nicht weniger als daß Persien aufhört, ein selbständiges Staatswesen zu sein. Wieder nach Berlin. Abermals sind die Finanzminister im Reiche zur Reichshaupstadt berufen, um mit der Reichs=Reform sich zum vierten oder fünften Male in diesem Winter zu befassen und frische Früchte vom Baum der Reichssteuern zu pflücken. Man kann annehmen, daß von den Kommissionsbeschlüssen die meisten die Zustimmung der Exzellenzen finden werden, daß aber auch wieder das Projekt der verbündeten Regierungen von der Erbschafts= oder Erbanfallsteuer aus der Versunkenheit, in welche es die neue Kommissionsmehrheit verwies, auftauchen wird. Dazu kommt dann als weiterer Hauptpunkt die Behandlung der Börsensteuer und speziell der Differenzpunkt zwischen den Liberalen und Konservativen, der Beschluß der aus Konservativen und Zentrum bestehenden neuen Kommissions=Majorität über die Branntweinsteuer. Die Summen, welche die deutschen Regierungen wünschen, sind ihnen ja angeboten, aber Fürst Bülow will seine persönliche Schöpfung, den Block nicht zerschlagen lassen. Und dazu ruft er die deutschen Finanzminister zu Hilfe! Noch hat er das Hoffen nicht verlernt, und da wir nicht weit von der Zeit des Johannis=Triebes mehr entfernt sind, ist es ja recht wohl möglich, daß aus dem Stamm des Blocks, der auch unter den Winter=Unbilden beträchtlich gelitten hatte, frisches und frohes Grün hervorsprießt. Allerdings hat auch das niemand gesagt, daß jemand der Zentrums=Partei das Recht, an der Finanzreform mitzuarbeiten, verwehren würde, wenn die Fraktion ganze Arbeit machen will. Sie hat die letztere ja auch in der Kommission schon mit den Konservativen gemacht, nur nicht in der Erbanfallsteuer, wie der Kanzler es wünschte. Optimisten glauben, daß etwas ganz Neues herausgefunden wird, was die teilweise Mitwirkung selbst der Zentrumspartei ermöglicht. Nachdem Graf Zeppelin 38 Stunden in der Luft geblieben ist, kann ja beim 5. oder 6. Hieb auch die Finanzreform fertig werden. Vielleicht tut das Wort des früheren Staatssekretärs Grasen Posadowsky auf dem Heilbronner sozialen Kongresse, daß der Reichstag statt der verlangten 500 Mill. neuer Abgaben eigentlich 700 Millionen bewilligen müsse, um ein für alle Male aus der Finanz=Krise herauszukommen, seine Wirkung. Mag ein gar zu umsichtig rechnender Staatsmann an diese Möglichkeit denken, daß man sich in der Bevölkerung für diesen Steuersatz von siebenhundert Millionen begeistern wird, ist doch nicht anzunehmen und damit dürfte im Reichstage die Erkenntnis dämmern, daß es besser ist, mit den Steuerfragen zu einem Abschluß zu kommen, als bis uferlose Wünsche sich zu Möglichkeiten verdichten. Denn den Steuerzahlern stehen ja für diesen Sommer genügend Steuerfreuden bevor, z. B. in ganz Preußen durch die Erhebung des steigenden Extra=Zuschlages zur staalichen Einkommensteuer, aus dem die Erhöhungen der Beamtenbesoldungen gedeckt werden sollen. Auch in anderen Staaten stehen diese Zuschläge bevor, an welche zur Stunde die meisten Steuerzahler noch garnicht denken. Im schattigen Garten des Reichskanzler=Palais in Berlin sitzt es sich jetzt behaglich und kühl unter den alten Eichen, die schon so manche bedeutsame Entscheidung gesehen haben. Da wird bei einem kühlen Trunk der Kanzler wohl nochmals das Eisen zu schmieden suchen, weil Niemandem behaglich ist, bei dem Gedanken an Reichstagsauflösung, Neuwahlen und sonstige unliebsame Dinge. Jedenfalls ist Fürst Bülow ein großer Optimist, und das ist bei unseren heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen besser, wie das Gegenteil. Denn dann würden längst die Spähne fliegen! Landgemeindetag In Arnsberg wurde Freitag und Samstag der Landgemeindetag für den Regierungsbezirk Arnsberg abgehalten. Den Vorsitz führte Ehrenamtmann Schulze=Henne aus Lohne; den Verhandlungen wohnten außer dem Oberregierungsrat Gisevius verschiedene Miglieder der Königl. Regierung bei. Aus der vorgetragenen Jahresrechnung ist zu erwähnen, daß 97 Aemter Beiträge zahlten, die Einnahmen der Kasse des Landgemeindetages sich auf 3441,75 J und die Ausgaben auf 3118,72 A beliefen, während das Vermögen am Jahresschluß 2784,14 M betrug. Unter den Ausgaben befinden sich 827,50 M Beiträge an den Provinzial=Landgemeindeverband und unter den Einnahmen 1500 M als Provision aus der Haftpflichtversicherung. In dem Bericht über die Jahresrechnung wird außer diesem günstigen Ergebnis rühmend der Nutzen des von den Landgemeindetagen der Provinzen Westfalen und Rheinland abgeschlossenen Haftpflichtversicherungsverbandes, des ersten im ganzen Königreich Preußen, hervorgehoben, der ein Segen für die Gemeinden sei. Die Jahresrechnung wird genehmigt und dem Kassenführer Entlastung erteilt. Zum Schluß der ersten Tagung hielt Herr Amtsbaumeister Bartelt aus Eickel einen eingehenden Vortrag über die Erhebung von Beiträgen zu Straßenbaukosten. Der Referent erörterte die verschiedenen gesetzlichen und ortsstatutarischen Vorschriften, insbesondere die Maßnahmen gegen das Vorgehen verschiedener Unternehmer und Zechen in bezug auf Offenlegung von Straßen, welche lange Jahre dann unbebaut liegen bleiben. Den Versammlungsteilnehmern wurden auch entsprechenden Vertragsentwürfe vorgelegt. Reicher Beifall lohnte den Referenten. Am zweiten Tage hielt zunächst der Beigeordnete Weiberg aus Wanne einen sehr eingehenden Vortrag über Generalvormundschaft und Waisenpflege. Reicher Beifall lohnte den Redner. Darauf ergriff das Wort Professor Dr. Nieter in Berlin. Als Stoff seines Vortrages hatte er gewählt„Die Bekämpfung der Tuberkulose". Es war ein außerordentlich dankbares Thema, bewegt doch die ganze Welt heute der Gedanke, wie dieser verderblichen Krankheit Einhalt getan werden kann. Der Vortrag war in mustergültiger Weise ausgearbeitet; die Anwesenden hielten daher mit ihrem Beifall nicht zurück.— Nachdem sodann noch rein geschäftliche Sachen erledigt waren, fand um 1 Uhr im Kurhotel das Festessen statt, wobei gar manche Rede gehalten wurde und eine Militärkapelle konzertierte. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 8. Juni. Was der Landmann vom Juni sagt.) Stellt der Juni mild sich ein, wird's auch der Dezember sein.— Regen am Siebenschläsertag(27.) bringt Regen 7 Wochen darnach. Wenn kalt und naß der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr.— Juni trocken mehr als naß, füllt mit gutem Wein das Faß.— Regen am St. Vitustag(15.), die Gerste nich ertragen mag.— Vor Johannes(24.), bitt’ um Regen, nachher kommt er unterlegen. Ein Feuer und Wasserkessel drauf, ist des Brachmonds bester Lauf.— Was bis September soll geraten, das muß schon im Juni braten.— Auf den Juni kommt es an, ob die Ernte soll bestah'n.— Ist es Corpori Christi(24.) klar, bringt es uns ein gutes Jahr.— Wenn der Kuckuck noch lang nach Johannis schreit, ruft er Mißwachs und teure Zeit'.— Am Medardus es nicht regnen mag, es regnet sonst wohl vierzig Tag'.— Bläst Strandung des Zeppeln H. ber Cäppingen in Würtfemberg am 31. Mal d.. Zeppelin bei Göppingen. gie Reparaturarbeit wahre Wunder der Sicherheit und SchnelUnser heutiges Bild stellt eine photographische Wiederga= ligkeit gezeigt und der Riese hat sich wieder in die Lüfte erhebe des Kampfes dar, den der riesige Bezwinger der Lüfte mit ben können, ein Erfolg des starren Systems, das dessen Verdem Birnbaum zu bestehen hatte, und bei dem das Luftschiff wendbarkeit turmhoch über alle anderen Systeme stellt. fast ein Drittel seiner Länge einbüßte, Glücklicherweise hat ja= der Juni ins Donnerhorn, bläst er in's Land das liebe Korn. — Medardus(8.) gibt keinen Frost mehr her, der dem Weinstock gefährlich wär'.— Wie's Wetter ist am Medardustag, bleibt es sechs Wochen lang darnach.— Wie's Wetter auf Medardus fällt, es bis zu Mondes Schluß anhält.— Was St. Medardus für Wetter hält, solch' Wetter in die Ernte fällt.— Regnet's am St. Barnabas(11.), schwimmen die Trauben bis in' Faß.— Juni feucht, aber warm, macht den Bauer auch nicht arm.— Nordwind im Juni gesandt, weht Korn ins Land.— **(Kampf gegen die Fliegen.) Mit dem Beginn der warmen Jahreszeit hält die Fliegenpest ihren Einzug, und die Stimmen mehren sich, die im Hinblick auf die Gefahr der Krankheitsübertragung durch unsere summenden und kitzelnden Hausgenossen, einen Kreuzzug gegen die geflügelten Plagegeister predigen. Ein allgemeines Zusammenwirken in diesem Sinne würde sich wohl in dem Zurückgehen verschiedener Krankheiten deutlich bemerkbar machen. Aber abgesehen von der Ansteckungsgefahr besitzt die Fliege auch sonst noch eine Menge lästiger Gewohnheiten, die das Faustische:„Einer von uns beiden muß die Zelle meiden“ auch gegen diese Störenfriede berechtigt erscheinen lassen. Unreinlichkeit und Naschhaftigkeit sind böse Eigenschaften für ständigen Logierbesuch. Die Fliege schleppt tatsächlich an ihren Beinen recht bedenkliche Gesellen aus dem Reiche der Mikroorganismen mit herum, über die sie hinkriecht, wieder abladet. Auf einer frisch angeschnittenen Kartoffel ist der Weg einer darübergelaufenen Fliege deutlich durch Bakterienkolonien bezeichnet. Als bestes Fliegenvertilgungsmittel empfiehlt der„Lancet“ eine verdünnte Lösung von Formaldehyd. Es ist jedenfalls ein günstiger Umstand daß dadurch mit den Fliegen gleichzeitig auch die Bakterien, die an ihnen haften, vernichtet werden. Zudem ist die zur Verwendung kommende Formaldehydlösung unschädlich und auch ungiftig für den Menschen. Auch tötet das Formaldehyd die Fliegen rasch. **(Die alten 50 Pfennig=Stücke) werden aus unbegründeter Aengstlichkeit vielfach zurückgewiesen, weil sie angeblich nicht als Zahlungsmittel gelten sollen. Es sei deshalb wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die 50=Pfennigstücke noch bis Ende September 1910 ihre volle Gültigkeit haben. Danach dürfte es sich empfehlen, diese Geldstücke nach und nach den öffentlichen Kassen zuzuführen, die sie nicht wieder ausgeben. **(Das westfälische Feuerwehr=Verbandsfest) wird am 19. und 20. Juni in Witten abgehalten. Am 19. Juni findet nachmittags 3 Uhr der Verbandstag im großen Saale des Hotels Voß statt. Als wichtige Organisationsfrage wird die Bildung von Kreisverbänden beraten werden. Der Vorstand unterbreitet darüber eine besondere Vorlage. Weiter liegt neben sonstigem wichtigen Beratungsstoff ein Antrag Weitmar vor, der die Umwandlung der Unfall=Hilfskasse in eine obligatorische westfälische Unfallkasse fordert und ein Antrag der Feuerwehr Schwerte fordert eine anderweitige Regelung der Unterstützungen seitens der Feuerwehr=Unfall=Hilfskasse. **(Ausflug.) Vom schönsten Wetter begünstigt, unternahm im Sonntag der hiesige Militäranwärter=Verein einen Ausflug iach Langschede. Die Mitglieder hatten sich mit ihren Famiien=Angehörigen sehr zahlreich an der Fahrt beteiligt. Von Langschede lenkten die Ausflügler ihre Schritte zu der so prächig gelegenen„Wilhelmshöhe“, wo im Lokale der Witwe Koch eine reich gedeckte Kaffeetafel bereit stand. Ueber die vorzügliche Verpflegung, welche hier geboten wurde, herrscht nur eine Stimme des Lobes. Nachdem sodann auf dem Rückwege im für Schwimmer über 16 Jahre am Dienstag, Donnerstag und Samstag abends 7 Uhr abgehalten; für jüngere Schwimmer und Schüler eine Stunde früher. Schüler werden vom 1. Schwimmwart unentgeltlich im Schwimmen ausgebildet. Ferner wurde in der Vesammlung beschlossen, das diesjährige Stiftungsfest am Sonntag, 8. August, zu feiern. An diesem Fest werden voraussichtlich 17 dem Gau 6 angehörende Vereine sich beteiligen. Nach Erledigung verschiedener kleiner Vereinsangelegenheiten wurde die Versammlung mit einem Gut Naß auf den Kaiser geschlossen. Bevor die Mitglieder auseinandergingen, wurde der Körper erst durch ein erfrischendes kühles Bad in den Fluten des„Stillen Ozeans“ in dem so schön gelegenen„Grüntal“ gestärkt. **(Der Provinzialverband) der Gemeindebeamten Westfalens hält seine diesjährige Hauptversammlung am 11. Juli in Gelsenkirchen ab. Auf der Tagesordnung steht unter anderem auch die Errichtung eines Erholungsheims in Westfalen. Mit der Hauptversammlung wird eine Sonderausstellung von Bedarfsgegenständen für Verwaltungs= und Kassenbeamte verbunden sein. **(Der Ruhr= Lenne= Emscher= Feuerwehr= Gauverband) hielt am Sonntag in Sölde ein Sitzung ab, die von dem Vorsitzenden Herrn Tillmann=Schwerte mit einem Kaiserhoch eröffnet wurde. Als neues Mitglied wurde in den Gauverband die Feuerwehr Hennen ausgenommen, während von der Wehr Schüren ein eingehender Bericht über das am 28. und 29. August in Schüren stattfindende Gaufest erstattet wurde. Dann wurde die Tagesordnung für den in Witten stattfindenden Westfäl. Verbandstag eingehend durchberaten; seitens des Gaues soll dort der Antrag gestellt werden, daß die Vorsitzenden der Unterverbände auch Mitglieder des Hauptausschusses sind. Der Antrag der Feuerwehr Schwerte auf dem Verbandstag, welcher bekanntlich eine Abänderung des§ 6 der Feuerwehr=UnfallHilfskasse in der Weise anstrebt, daß den nicht allein in Feuerwehrdienst, sondern auch bei sonstigen von der Behörde angeordneten Hilfeleistungen verunglückten Wehrmännern die Unterstützungen der Kasse zu gute kommen soll, wird von sämtlichen Delegierten des Gauverbandes unterstützt. Nach Erledigung der umfangreichen Tagesordnung hielt der Vorsitzende Herr Tillmann noch einen interessierten Vortrag über„Freiwillige oder Pflicht=Feuerwehren“, auf den wir noch zurückkommen. **(Krankheits=Statistik.) In der letzten Berichtswoche gelangten im Regierungsbezirk Arnsberg folgende Fälle von ansteckenden Krankheiten zur Anmeldung: Unterleibstyphus 13, Kindbettfieber 7, Scharlach 170(1 Hörde, 1 Annen), Diphterie 57(1 Hörde), Granulose 8(1 Hörde). Im gleichen Zeitraum starben 40 Personen an Krämpfen, 39 an Magen= und Darmentzündung, 1 an Krebs, 28 an Gehirnleiden, 109 an Lungenentzündung(1 Schwerte, 1 Hörde), an Tuberkulose 59(3 Hörde.) Außerdem starben in dieser Zeit noch 434 Personen an anderen Krankheiten. ** Westhofen, 8. Juni.(Post=Personalie.) Der Post=Assistent Mester ist von hier nach Lünen versetzt. ** Ergste, 7. Juni.(Körperverletzung.) In der Kantine hierselbst versetzte am gestrigen Nachmittage nach einem voraufgegangenen Wortwechsel der Erdarbeiter Karl Theodor seinem Arbeitskollegen Karl Schellenberg mit einer Schüppe einen wuchtigen Schlag über den Kopf, sodaß eine große klaffende Wunde entstand. Theodor wurde kurz nach Tat von dem Gendarmerie=Wachtmeister Hill vorläufig festgenommen und heute dem Amtsgericht in Hohenlimburg zugeführt. den in Langschede die durch das letzte Hochwasser angerichteten Schäden besichtigt und mit dem Zuge 9,48 Uhr erfolgte die Abfahrt nach Schwerte, wo die Ausflügler in bester Stimmung und vollauf befriedigt von dem schönen Nachmittag wieder eintrafen.— Die nächste Monatsversammlung mit Damen findet am Samstag, den 19. d. Mts., statt. In derselben werden die Herren Dörfler und Raths über den Verbandstag in Münster, den sie als Delegierte des hiesigen Vereins besucht haben, Bericht erstatten. **(Schwimm=Verein.) Ueber eine am Sonntag stattgefundene Versammlung des hiesigen Schwimm=Vereins geht uns folgender Bericht zu: Der Schwimm=Verein Schwerte(Mitglied der deutschen Schwimmerschaft) hielt am Sonntag eine gut besuchte Generalversammlung ab. In der Versammlung, welche vom Vorsitzenden mit einem kräftigen„Gut Naß“ eröffnet wurde, konnten wieder mehrere neue Mitglieder aufgenommen werden. Dann wurden 2 Delegierte für den am 13. ds. Mts. in Werdohl stattfindenden Gautag gewählt; die Wahl fiel auf die beiden Schwimmwarte, Männer, welche bei der Marine gedient haben! Die wöchentlichen Uebungen werden ** Ergste, 7. Juni.(Feuerwehr.) In der gestern getätigten Hauptversammlung der Freiw. Feuerwehr wurde der Zimmermeister Heinrich Bornemann als Brandmeister, Gutsbesitzer Friedrich Wiesner als Stellvertreter und VerwaltungsGehülfe Otto Kalle als Schriftführer und Kassierer gewählt. Zum Vereinslokal wurde das Lokal des Wirts Karl Kappenstein bestimmt. Westfalen und Rheinland. ** Hörde, 7. Juni.(Ein gräßlicher Unglücksfall) ereignete sich gestern gegen 8 Uhr in der Nähe der Zeche „Crone". Dort wurde das 9jährige Mädchen der Familie Kranik, alter Klarenberg 10, von einem Automobil überfahren und sofort getötet. Der Kopf des unglücklichen Kindes war vollständig zermalmt, der Zopf abgerissen und die Gehirnmasse umhergeschleudert. Das Kind hatte in Begleitung der Eltern und Geschwister einen Ausflug nach der Wellinghoferheide gemacht, und während der Vater mit zwei Söhnen auf der einen Seite des Weges sich auf dem Heimweg zur Stadt befand, ging die 41. Jahrg. 22. Provinzial=Versammlung des „Hauptvereins des Evangelischen Bundes zu Schwerte. 2. Tag. Montag, 7. Juni. Der wohlgelungenen festlichen Einleitung folgte am zweiten Tage als Arbeitsversammlung eine viereinhalbstündige Sitzung der Abgeordneten und Mitglieder, nachdem vorher bereits der Provinzial=Vorstand zu einer vorbereitenden Beratung zusammengetreten war. Nach gemeinsamem Gesang des Chorals„Wach auf, mein Herz, und singe“ wurde die Versammlung von dem 1. Vorsitzenden, Pfarrer Pröbsting=Lüdenscheid, mit Gebet eröffnet. Vertreten war die stattliche Zahl von 44 westfälischen Zweigvereinen und 12 angeschlossenen Vereinen, außerdem 12 Mitglieder des Hauptvorstandes; im ganzen wies die Anwesenheitsliste 155 Namen auf. An den Verhandlungen nahmen auch der geschäftsführende Vorsitzende des Bundes, Direktor Lic. Everling=Halle (Saale) Mitgl. des Reichstags, sowie der Superintendent der Synode Iserlohn, Pfarrer Pake=Hemer, teil, beide vom Leiter herzlich bewillkommt. Die zunächst erfolgende Besprechung des gedruckt vorliegenden Jahresberichtes, eingeleitet durch den Vorsitzenden und ergänzt durch einen Bericht des Schriftführers, Pfarrers Bülow=Scherlebeck, über die Betätigung der Zweigvereine, gestaltete sich zu einer eingehenden Aussprache über verschiedene aktuelle Vereinsangelegenheiten. Erwähnt sei nur die Besprechung des vielberufenen Friedhofsfalls von Hövel=Radbod, als deren Ergebnis folgende von Oberlehrer Dr. Franzenburg=Hamm eingebrachte Kundgebung einstimmig angenommen wurde: „Die in Schwerte tagende 22. Prov.=Versammlung des westfälischen Hauptvereins des Ev. Bundes spricht ihr tiefstes Bedauern darüber aus, daß seit länger als einem Jahr zwei Mitglieder der evangelischen Kirche auf dem katholischen Friedhof zu Hövel bei Hamm an durchaus unwürdiger Stätte beigesetzt sind und noch heute dort ruhen. Anknüpfend an die vortreffliche zeitgeschichtliche Betrachtung des Jahresberichtes verbreitete sich darauf der Bundesdirektor Lic. Everling unter gespanntester Aufmerksamkeit der Versammlung über den bedeutungsvollen Ernst der gegenwärtigen innerpolitischen Zeitlage, in der es sich im letzten Grunde nicht mehr um Steuer=, sondern um Machtfragen handelte, nämlich um die drohende Wiederkehr der ultramontanen Vorherrschaft im deutschen Reiche, die schließlich jeder natioale Deutsche verhütet wissen möchte. In eine nüchterne Zahlenwelt führte dann der Kassenbericht des bewährten Schatzmeisters, Gutsbesitzers H. Osthaus=Wedigenstein. Der Abschluß der Hauptvereinskasse stellte sich in Einnahme und Ausgabe auf 22 229, 57 M, der des Hilfsausschusses für die Förderung der ev. Kirche in Oesterreich auf 22 3335,59 U. Dem Kassierer, dessen Kassen schon vorher geprüft worden waren, wurde unter dem Ausdruck wärmsten Dankes Entlastung erteilt.. Im Anschluß daran erstattete Pfarrer Quinke=Müsen als Obmann des westfäl. Hilfsausschusses den Bericht über die Folgen und Vorzüge der seit dem 1. April 1908 eingetretenen Dezentralisation dieses Hilfswerkes. Bis dahin waren die Hauptvereine des Evang. Bundes nur die Organe, welche dem Zentralausschuß für die österreichische Bewegung die nötigen Mittel zuzuführen hatten. Durch die Neuregelung ist den einzelnen Hauptvereinen eine wesentlich größere Aufgabe gestellt, indem sie jetzt für bestimmte, ihnen überwiesene österreichische Gemeinden die ganze Fürsorge bekamen. Dadurch ist die Arbeit der Hilfsausschüsse gewiß viel interessanter und vielseitiger, aber auch bedeutend verantwortungsvoller und sorgenvoller geworden. Sie ist nur durchzuführen, wenn jedes Mitglied des westfälischen Hauptvereins sich verantwortlich weiß für einen gedeihlichen Fortgang dieses uns aufs Herz gelegten Hilfswerks im Interesse unserer deutschen Glaubens= und Stammesgenossen, und an seinem Teil mithilft, daß alle unsere westfälischen evangelischen Gemeinden und Christenleute zur fröhlichen Mitarbeit gewonnen werden. Dem westfälischen Hilfsausschuß sind die Gemeinden Aussee in O.=Oesterreich, Villach, Klagenfurt und Wolfsberg in Kärnten, Bruck, Mürzzuschlag in Steiermark, Heidenreichstein in O.=Oesterreich, Braunau und Klostergrab in Böhmen überwiesen. Die zehn Pfarrer bezw. Vikare stehen in einer schweren aber hoffnungsreichen Arbeit, überall geht es vorwärts, hier schneller dort langsamer. Kirchen werden erbaut oft in vorbildlicher Schlichtheit, wie das Kirchlein in Heidenreichstein, das mit Pfarrerwohnung für 21000 Mark fertiggestellt ist. Im Sep. tember vorigen Jahres wurde es eingeweiht, seitdem sind dort schon 40 Uebertritte erfolgt bezw. angemeldet. Fünf neue Vikariate wurden 1908 gegründet, Aussee, Klagenfurt, Wolfsberg, Mürzzuschlag, Heidenreichstein. Ihre Selbständigkeit erstreben: Bruck, Aussee, Heidenreichstein. Alle erwarten Hilfe und Stärkung. Wir wollen ihr Vertrauen nicht zu schanden werden lassen. Unter dankbarem Beifall bezeugte die Versammlung ihre Zustimmung und Hilfsbereitschaft.— In der dann erfolgenden Umwahl des Vorstandes wurden die ausscheidenden Herren Sup rintendenten Achenbach=Siegen, Architekt K. Maiweg=Langendreer, Pfarrer Lic. Schnapp=Dortmund und Pfarrer Zimermann=Bönen durch Zuruf wiedergewählt. Auf die Höhe führte noch einmal der Schlußvortrag des Pfarrers Lic. Sogemeier=Wellinghofen über das hochaktuelle Thema: „Die Aufgabe des Evangelischen Bundes gegenüber dem Materialismus und Indifferentismus der Gegenwart.“ Der Evangelische Bund hat in den letzten Jahren mehr als früher den Versuch gemacht dem Teil seines Programms, der sich ebenso gegen Indifferentismus und Materialismus, wie gegen den Ultramontanismus wendet, in Wort oder Tat gerecht zu werden. Die apologetische Bewegung auf allen Seiten stellt uns indes vor die Frage: 1. Hat der Evangelische Bund hier eine Aufgabe? 2. Wie soll er sie lösen? 1. Der fragliche Punkt des Programms ließe sich als Erklärung deuten, daß der Bund auf die Mithilfe materialistischer Kreise in seinem Kampf gegen Rom verzichtet, und keineswegs ein Sammelpunkt für sämtliche antirömische Bestrebungen sein will. Doch die Bedürfnisse der Gegenwart treiben zur Aktivität. Das in allen Schichten des Volkes sich regende apologetische Bedürfnis, die Gepflogenheit freidenkerischer Wanderredner, römische und evangelische Weise des Christentums durcheinander zu werfen, die steten Hindernisse, die dem Bunde in der Wahrung protestantischer Interessen aus dem weitverbreiteten Indifferentismus des evangelischen Volkes erwachsen, die Tatsache, daß dem Evangelischen Bunde manche gesellschaftlichen Schichten zugänglich sind, die von anderseitiger apologetischer Arbeit sich nicht berühren lassen, legen ihm seine aktive Beteiligung nahe. Letztlich bestimmend ist die Einsicht, daß der Bund eine besondere Aufgabe in dieser Hinsicht hat. Die Bekämpfung der materialistischen Strömungen der Gegenwart wird ja verschiedene Farbe annehmen, je nachdem ein apologetischer Verband, einzelne freistehende Apologeten oder Evangelisten, christliche Vereine, die Innere Mission, eine Kirchengemeinde oder Synode die Arbeit in die Hand nehmen. Je nach Charakter, Arbeitsgebiet und örtlichen Verhältnissen bieten sich da Gedanken und Motive von eigenartiger Wirkungskraft. Da hat gewiß auch der Evangelische Bund kraft seiner Stellung zwischen Rom auf der einen Seite und dem Materialismus auf der anderen Seite seine besonderen Gesichtspunkte, deren wirkungsvolle Durchführung in der apologetischen Bewegung der Gegenwart eine dankbare Aufgabe für ihn sein könnte. 2. Erfahrungsmäßig erweisen sich die Waffen des Materialismus als zu stumpf für den Kampf gegen Rom. Die Macht, welche überwindet, ist allein das Evangelium. Was nun speziell die apologetische Seite anlangt, welche zuoberst die Weltanschauung ins Auge faßt, so können wir die Grundanschauung des Ultramontanismus, wie des modernen Materialismus als Mon is mus auffassen und gegeneinander beleuchten. Der Monismus hier und dort stellt die Fragen der Weltanschauung unter ganz schiefe und einseitige Gesichtspunkte. Der materialistische Monismus ist in noch höherem Grade als der römische eine Verkehrung gesunder Grundsätze auf allen Lebensgebieten. Der Materialismus bedroht die fruchtbare Arbeit in den höchsten Fragen, die uns bewegen; denn seine Prinzipien sind grundstürzend nicht nur für die Religion, sondern auch für die Moral, ja, für die exakte Wissenschaft. Unter dem Eindruck der geistvollen und zielstrebigen Ausführungen des Referenten faßte man folgende von Rektor Terbrüggen=Hamm eingebrachte Kundgebung: Verwaist. Roman von B. Corony. 21 Schon oft hatte auch die Bertonelle derartige Andeutungen gemacht, und das Mädchen dann darüber nachgegrübelt und alle Möglichkeiten erwogen, jetzt aber seit der erste, holde Liebestraum sie umgaukelte, wies Eugenie solche Gedanken unwillig zurück. Was kümmerte sie das alles? Wer Kurt nahestand, mußte ihr lieb und teuer sein. Sympathien hegte sie immer noch nicht für den Oheim, aber er war des Geliebten Vater und niemand sollte einen offenen oder versteckten Angriff auf ihn wagen. Gegenwärtig gab es keinen Raum für bittere Empfindungen und finsteren Verdacht in ihrer Seele, in welche der Lenz selbst mit Sonnengefunkel und Blütenzauber eingezogen schien. Sie wollte gar nicht an all das Häßliche der Vergangenheit, an ihre einstige Verlassenheit erinnert sein und erwiderte daher ziemlich kurz und schroff:„Bitte, lassen wir dieses Thema fallen! Sie täuschen sich ohne Zweifel.“ „Mein Onkel ist Ehrenmann durch und durch und wäre sicher der erste gewesen, meine und des Bruders Interessen zu wahren, hätte ihm unser Vater bezüglich eines vorhandenen Vermögens Mitteilung gemacht. In dem Zeitraum eines Jahres, und so lange waren Sie von Ihrem Freunde getrennt, kann sich in stürmisch bewegter Zeit viel ereignen und ändern. zweifle keineswegs, daß Sie aus vollster Ueberzeugung und in bester Absicht sprechen, bin aber meinerseits eben so fest überzeugt, daß mein Vater als gänzlich verarmter Flüchtling starb. Es war mir angenehm, Sie kennen zu lernen, Herr Baron. „Gnädiges Fräulein, ich bitte, was meine wohlgemeinten Mitteilungen betrifft, um Ihre Diskretion, da ich Grunde habe, wenigstens vorläufig, alle einstigen Beziehungen zu meinem in Gott ruhenden Freund zu verschweigen. „Seien Sie unbesorgt, Herr Baron. Nichts liegt mir ferner, als Ihre Worte zu wiederholen. Adieu, Eda, Tante bittet Dich, hinzuzukommen, weil Doras Vermählung mit dem Baron von Lengerich sehr nahe bevorsteht.“ „Und Jenny ist auch schon verlobt?“ „Mit dem Grafen von Genfert.“ „Ich spreche so bald als möglich vor.“ Die Bertonelle begleitete das Mädchen hinaus. „Albernes, hochmütiges Ding!“ murmelte Davonst, seine wie Achat glänzenden Fingernägel betrachtend.„Dein Bruder leiht mir wohl ein willigeres Ohr.“ Eine glückselige, weiche, unbeschreiblichsüße Stimmung war über Eugenie gekommen. Alle Härten ihres Charakters zerschmolzen jetzt in Hingebung, Demut und wonnigem Dankgefühl.. Kurt... Der Klang dieses Namens war das Zuaberwort, welches ihr die goldene Pforte eines Paradieses öffnete und Wunder zeigte, vor denen sie ahnungsvoll und verlangend stand. Kurt! So hatte noch kein Mann sie angesehen, mit so bestrickender Stimme keiner zu ihr gesprochen. Er weckte das Bewußtsein des eigenen Wertes in ihr, lehrte sie ihr Recht auf die Freuden dieser Welt erkennen, war gekommen, wie der Märchenprinz, dessen heißer Kuß Dornröschen aus schwerem, traumlosen Schlummer weckte und jetzt harrte die Erwachte täglich seiner. Er war ihr erster Gedanke, wenn der Morgen dämmerte, ihr letzter, wenn sie die Augen schloß. Eine glühende Natur, ging Eugenie mit ihrem ganzen Herzen, ihrem ganzen Sinn in dem auf, was sie empfand und wollte, und alles, alles drehte sich um Kurt, war auf das innigste mit ihm verNoch hatte er ihr nicht mit klaren Worten gesagt:„Ich liebe Dich!“ aber sie las das unausgesprochene Gestandnis in seinem Blick, hörte es aus dem Ton seiner Stimme heraus, fühlte sich süß durchschauert, wenn erheimlich ihre Hand drückte. An die Zukunft dachte sie nicht und hatte gegenwärtig keinen anderen Wunsch, als daß alles so bleiben, daß sich nichts ver(Es kam aber doch anders und garbald. Eines Tages, als sie zufällig allein waren, legte Kurt den Arm um die schlanke Gestalt, preßte sie stürmisch an sich und flüsterte:„Eugenie, mein Glück, mein herrliches Mädchen, kannst Du mir denn Sie rang sich los und stammelte:„Dir und Alfred.. Euch llen Er lachte spöttisch und seine silbernen Sporen klirrten aneinander.„Willst oder kannst Du mich nicht verstehen? Mit dem guten, schwerfälligen Alfred mag ich Deine Zuneigung nicht teilen. Hast Du mir nicht mehr zu geben wie ihm, so ziehe ich schon vor. Dir zuwider, unausstehlich, oder meinetwegen verhaßt zu sein. So war es nicht gemeint und ich hielt Dich für zu stolz und aufrichtig genug, um von Dir ein ehrliches„Ja!" oder„Nein!" erwarten zu dürfen. Also offen herausgesprochen! Alfred ist verschossen in Dich, das weiß ich längst und ein braver, urgemütlicher Bursche, nebenbei gesagt, tausendmal mehr wert als ich. Wenn Du ihn vorziehst, nehme ich es Dir keineswegs übel, sondern gebe es ohne weiteres zu: Deine Wahl war gut und vernünftig. Dann bleibe ich aber auch vorläufig diesem Hause fern, denn ich habe Dich lieb, Eugenie, und wo ich liebe, da drängt es mich, meine Herrenrechteauszuüben, da betrachte ich jedenfreundlichen Blick, jedes warme Wort, das einem anderen zu teil wird, als Raub an meinem Eigentum. Rede frisch und offen, Mädel! An weni liegt Dir mehr, an Alfred oder mir?“ Sie stand da, jede Ader wie von geschmolzenem Blei durchströmt, und war doch blaß bis in die Lippen. Erst als er die Frage wiederholte, heftig und ungestüm, da war es, als bräche eine Flamme aus Eugenies Augen und verbreitete auch über das bleiche, schmale Gesicht lodernde Glut. „Ich weiß nicht, was ich Dir antworten soll, Kurt," sagte das Mädchen.„Vielleicht wäre es besser gewesen für Dich und mich, hättest Du den zarten Schleier des Schweigens nicht von unserem Geheimnis gerissen. Ich war glücklich und zufrieden und würde es jahrelang, nein, in alle Ewigkeit geblieben sein. Es gibt Dinge, an die man nicht rühren darf. Mancher klare Quell fließt ruhig unter der Erdrinde dahin und befruchtet Feld und Wiese, reiße aber die Erde auf, schaffe ihm einen Ausweg und er wird sich verheerend über Fruchtgefilde ergießen und Verderben statt Segen bringen. Siehst Du, so ist es auch mir. Ich hätte Dich immer still, genügsam, mit dem Geringsten zufrieden, lieben können, aber Du durftest dieses halbschlummernde Gefühl nicht wecken, nicht so plötzlich, was ich nur mir selbst gestehen wollte, ans Tageslicht ziehen.“ Erlachte etwas leichtfertig.„Warum denn, Kind? Du weißt gar nicht, wie glücklich mich Dein Geständnis macht und wie gut Dir diese Purpurrosen stehen, die jetzt auf Deinen Wangen blühen. Ich hätte Dich auch für keine so leidenschaftliche Natur gehalten, finde es aber entzückend, daß Du es bist und trotz Deines feurigen Temperamentes so viel Klugheit, Ueberlegung und Selbstbeherrschung besitzest, wie wenig andere Mädchen. Du bist wert, bewundert zu werden. Eugenie!“ 165,20 „Die 22. Abgeordnetenversammlung erkennt die Notwendigkeit der Bekämpfung des Materialismus und Indifferentismus gerade in unseren Tagen als unerläßliche Pflicht an und empfiehlt allen Zweigvereinen, in ihren Versammlungen apologetische Vorträge und häufig abzuhalten.“ Mit einem Gesangverse wurde darauf diese gehaltvolle und überaus anregende Versammlung geschlossen. Ein gemütliches, durch treffliche Trinksprüche gewürztes Mahl im Gasthof zur Post vereinigte noch einmal eine ansehnliche Gesellschaft, die freudig gestimmt am Schluß noch folgendes, aus dem kaiserlichen Kabinett ergangene Anworttelegramm entgegennehmen konnte: Potsdam, 7. Juni, 2,55 Uhr. Sr. Majestät der Kaiser und König haben sich über den freundlichen Gruß des westfälischen Hauptvereins des evgl. Bundes gefreut und lassen für diesen Ausdruck treuer Ergebenheit danken. Auf Allerhöchsten Befehl: Der Geheime Kabinettsrat v. Valentini. Mit diesem erhebenden Ausklang schloß die Schwerter Festtagung, die sich ihren Vorgängerinnen würdig an die Seite stellen kann. wartet, waren die jungen Burschen und Mädel umsonst in Scharen zum Biwaksplatze gepilgert. Ein Veltheimer hatte jedoch früh genug die Köpenikiade durchschaut und sorgte für die Festnahme unseres eifrigen Quartiermachers. Vogt 2 soll dem Wachtkommando in Minden angehören, seit fünf Tagen desertiert sein und als eigenmächtiger Quartiermacher fungiert haben. Nachdem das Regiment benachrichtigt worden war, erschien ein Sergeant aus Minden, um unseren Musketier abzuholen. Er soll im Lazarett untergebracht sein und wird dort jedenfalls auf seinen Geisteszustand beobachtet. Kleine Chronik. Westfalen und Rheinland. * Altena, 7. Juni. Die städtische Verwaltung plant die Verleihung eines Ehrensoldes an die hiesigen Veteranen. Die Hülscheider Gemeindevertretung beschloß, denjenigen Veteranen, die ein Einkommen von weniger als 1500 Mark haben und mindestens drei Jahre in der Gemeinde wohnen, auf Antrag Steuerfreiheit zuzubilligen. * Annen, 7. Juni.(Der falsche Kriminalbeamte.) Hier hat ein falscher Kriminalbeamter sein Spiel getrieben. Um einen Diebstahl auszuführen, öffnete der Mensch mit einem Nachschlüssel die Wohnung einer an derWittener Straße wohnenden Familie, von der er annahm, daß sie abwesend sei. Zum nicht geringen Erstaunen des Diebes befand sich aber die Frau zu Hause. Das brachte den Eindringling jedoch keineswegs aus dem Konzept er gab sich als Kriminalbeamter aus und erzählte, er suche einen Bettler, der ihm entlaufen sei. Als die Frau, die Verdacht geschöpft hatte, sich zu einer Nachbarin begab, verschwand der Herr„Kriminal“ so rasch wie möglich. * Bochum, 7. Juni.(Falsches Geld.) Falsches Geld wurde am Hofsteder Bach gefunden. Es sind falsche Fünfmarkstücke von ziemlich guter Prägung, zu deren Herstellung eine geringwertige Metallmasse verwendet worden ist, sodaß man an dem Klang das unechte Geld leicht erkennen kann. * Herne, 7. Juni.(Achtuhrladenschluß.) Der Regierungspräsident hat, nachdem sich die hiesigen Geschäftsleute nahezu einstimmig für die Einführung des Achtuhrladenschluß erklärt haben, die Einführung zum 14. Juni angeordnet. * Minden, 7. Juni.(Der Hauptmann von Köpenik in neuer Ausgabe.) Nachdem in den Nachbardörfern Veltheim und Lohfeld(Kreis Minden) ein Musketier Notquartiere besorgt hatte, was die dortigen Einwohner in nich geringe Aufregung versetzte, ging der Mann nach Eisbergen, um hier die Leute in ungleich größere Aufregung zu bringen; denn hier hatte er sich direkt an die Gemeindebehörde gewandt, um mit ihrer Hilfe Quartiere mit Verpflegung zu bestellen. Es begann ein Leben und Treiben im Orte, wie man es eben nur von einer Einquartierung sieht. Der Musketier, der sich Voigt 2 nannte, sowie der Gemeindevorsteher hatten schwere Arbeit zu leisten.. Man mußte bis in die späte Nacht hinein schreiben. Man zerbricht sich den Kopf, die vielen Offiziere und Mannschaften unterzubringen; der Gemeindediener beflügelt seinen Fuß, die vielen Quartiere anzusagen. Die Offizierquartiere werden von unserem Musketier selbst besichtigt und für gut befunden. Da beginnt ein Laufen und Rennen und Rüsten; Kammern und Stuben blitzen, die Tennen sind abgefegt und von Spinngeweben gesäubert. Schlächter wie Bäcker machen Geschäfte wie noch nie. Zwei Kühe waren besonders geschlachtet, und ein schwerer Stier von einem benachbarten Gute war verabredetermaßen dazu bestimmt, den Soldaten ein stärkendes Mahl zu bieten. Das war ein emsiges Sorgen. Eilboten wurden zur Stadt gesandt, um Geflügel und Wild und das fehlende Geschirr zu bestellen. Während dieser Zeit hatten die Nachbargemeinden Veltheim und Lohfeld vergeblich auf ihre Einquartierung ge„Zeppelin II“ Und wieder stieg Graf Zeppelin Empor ins Reich der Lüfte, Um zielbewußt dahinzuziehn Hoch über Berg und Klüfte; Hoch über Wald und Flur und See Und über Duft und Blütenschnee Flog Zeppelin der zweite Zur Fernfahrt in die Weite. Rings lag die Welt im Festtagskleid Im Frühlingsglanz, dem lichten Und alle Menschen hatten Zeit Zu schauen und zu„sichten“, Es wogte hier und wogte dort Die Menschenmenge brausend fort Weil sie den Ruf vernommen: „Z. 2“ wird heute kommen! Drum hielt sich auch Berlin bereit Das Luftschiff zu empfangen Indeß es kam nicht ganz so weit, Es wollte„heim“ gelangen. Drum landete der Lüfte Held Nicht auf dem Tempelhofer Feld, Zur Umkehr rief der Ritter, Bei Bitterfeld, wie bitter! Doch ausführ'n wird Graf Zeppelin, Was er sich vorgenommen Und kam er jetzt nicht nach Berlin, Geduld, er wird bald kommen! Ihm ist jetzt kein Problem zu schwer, Da er den Weg durchs Aethermeer Bei Tag und Nacht gefunden In beinah 40 Stunden! Zwar hat ein böses Mißgeschick Auch hierbei ihn getroffen Doch der Erfolg blieb nicht zurück, Er krönte unser Hoffen! Es hat der Held an hohem Bord Bestimmt den neu'sten Welt=Rekord Und wird sich gar nicht weigern, Auch diesen noch zu steigern. Der Deutsche jauchzt: Welch stolze Fahrt! Welch aussichtsvolle Reise! Doch wenn der Vetter dies gewahrt, Dann grollt er wieder leise Und wittert dies und jenes schon Und träumt auf's Neu von Invasion Und sieht, o böses Zeichen, Ringsum Gespenster schleichen! Und wenn die Nacht herniedersinkt Auf's stolze Reich der Briten Und oben Stern an Sternlein blinkt Wird heiß darum gestritten. Mißtrauisch blickt zum Himmelsdom Der Laie wie der Astronom, Sie sehn in jedem Sterne Des Luftschiffs Blendlaterne! Und sehen sie die Wolken zieh'n Da sehen sie Gespenster Und glauben schon ein Zeppelin Fliegt ein zum Bodenfenster. Der Name schon weckt Leidenschaft, Doch deutscher Geist und deutsche Kraft Sie schaffen ruhig weiter Zu Schutz und Trutz. Ernst Heiter. Zur Last geworden! Ein kleiner 2jähriger Knabe wurde vor einer Woche in Berlin auf der Straße hilflos und verlassen aufgefunden. Die Polizei, die sich des Verlassenen annahm, erließ Aufruse in der Hoffnung, daß sich die Eltern des Kindes melden würden, aber vergeblich, es hat sich niemand gemeldet. Das Kind wird von den Eltern absichtlich verleugnet, welch' trauriges Sittenbild! Eine Wasserhose setzte einen Teil der Stadt Santauder unter Wasser. Das Wasser reichte bis zur Höhe des ersten Stockwerkes. Eine Selbstmordepidemie scheint in Frankfurt a. M. ausgebrochen zu sein. Nicht weniger als 4 Menschen töteten sich dort an einem Tage. Eine Butter=Revolte gab es in einer holländischen Besserungsanstalt. Weil ihnen verboten wurde, mehr als ein halbes Pfund Butter wöchentlich aus der Kantine zu beziehen, meuterten die Zöglinge, sodaß Militär requiriert werden mußte. Ein schweres Automobilunglück hat sich bei Wien ereignet. Der Chauffeur des Automobils des Grafen Boos zu Waldeck wurde während der Fahrt plötzlich ohnmächtig und verlor natürlich die Gewalt über das Fahrzeug, das gegen einen Baum raste. Die junge Gemahlin des Grafen wurde herausgeschleudert u. erlitt einen Schädelbruch, dem sie sofort erlag, der Graf und der Chauffeur kamen mit leichten Verletzungen davon. Ein vernichtendes Schadenfeuer hat in Workau zwanzig große Speicher der Workau=Kasan=Bahn, viele Lokomotiven u. Güterwagen zerstört. Die Verluste betragen viele Millionen. Auf der Worbau=Kasan=Bahn rollen auch viele deutsche Güter. Rasend vor Wut wurde ein Belgier, der im Tanzsaal Streit mit seiner Geliebten bekommen hatte. Er eilte auf die Straße und feuerte hier, vor Wut seiner Sinne nicht mächtig, blindlings auf ein vorüberfahrendes Auto eine Anzahl Revolverschüsse ab. Ein Dame wurde tötlich, mehrere Personen schwer verletzt. Es gelang, den Rasenden festzunehmen. Buchstäblich in Atome zerrissen wurde der Körper eines Pariser Arbeiters, der Selbstmord verübte, indem er in seiner Brusttasche eine Dynamitpatrone zur Explosion brachte. Gefährliche Böllerschüsse waren es, die in einem rheinischen Dorfe zur Kindtauffeier abgegeben wurden. Man hatte die Büchse mit Schrotpatronen geladen. Neun Personen wurden verwundet. Alter schützt vor Torheit nicht. In Böhmen erschoß ein 54 Jahre alter Milchhändler seine Geliebte, eine etwa 40jährige Bergmannsfrau, und dann sich selbst. Der Grund war Liebeskummer. Kaum glaublich, aber wahr ist es, was der Frkf.=Ztg. aus Höchst mitgeteilt wird. Dort ist ein Verein verlassener Ehemänner und Ehefrauen gegründer worden. Die Mitglieder wollen sich gegenseitig helfen, daß bei den einzelnen der häusliche Frieden wieder hergestellt wird. Die Ehescheidung soll bekämpft werden. Soziales. Eine außerordentlich starke Entwickelung beweist der Jahresbericht des ev. Diakonievereins in Berlin=Zehlendorf, der auf dem Gebiete der kirchlichen und humanitären Wohlfahrtspflege unsern gebildeten Frauen immer neue Wege zu einer befriedigenden Arbeit erschließt, und ihnen gleichzeitig die Berufsbildung dazu unentgeltlich und ohne jede Verpflichtung für die Zukunft, auch ohne Kautionsstellung vermittelt. Im vergangenen Jahre sind über dreihundert Schülerinnen in die Seminare für Krankenpflege und soziale Arbeit eingetreten. Die Zahl seiner Schwestern und Pflegerinnen hat wieder zugenommen und beträgt jetzt 1292. An Reserveschwestern stehen ihm zu Aushilfen und Vertretungen 198 zur Verfügung. Das gesamte Arbeitsgebiet, das sich auch aufs Ausland erstreckt, umfaßt 180 Stationen. Wir benützen diese Gelegenheit, im Interesse mancher Leserin, die sich vielleicht nach einem geeigneten Betätigungsgebiet umsieht, auf den genannten Verein höflichst hinzuweisen. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, vinzielles und Inserate: Friedrich Kraas: Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Roman von B. Corony. „Ich will nur geliebt sein, nichts weiter, 22 nur wissen, daß ich Dir unentbehrlich bin, wie Du es mir bist, daß Du, um Dich glücklich zu fühlen, meiner bedarfst, wie ich Deiner. Diese Ueberzeugung füllt mein Leben aus, ist alles, dessen ich benötige. „Mehr könnte ich Dir allerdings gegenwärtig auch nicht gehen,„Engenie. Ein Leutnant ohne Aussicht auf prompte Beloerung:. Du begreifst.. und wie Papa nun einmal ist und denkt.“ „Ja, die Verhältnisse und Deines Vaters Ansichten sind mir bekannt. Ich bin ein mittelloses Mädchen und Du stehft erst im Beginn Deiner Laufbahn. Wenn ich reich wäre, ach Gott, warum bin ich's auch nicht!“ „Still, Papa kommt!“ unterbrach sie der junge Offizier. „Sei guten Mutes, Teure! Der Zukunft ist niemand sicher, aber die Gegenwart gehört uns. Ein Tor, der nicht mit beiden Händen nach ihren holdesten Gaben greift!“ Kommerzienrat Vürkandt schritt mit kühlem Gruß, der ebenso kühl erwidert wurde, an seiner Nichte vorüber, die das Zimmer verließ, er reichte dem Sohne die Hand:„Willkommen! Bist Du schon lange hier? Man hat wohl vergessen, mir Deinen Besuch zu melden.“ „Ich kam eben erst und verbot dem Diener ausdrücklich, Dich zu stören, da ich ja weiß, wie kostbar Deine Zeit ist. Mama und die Schwestern sind ausgefahren, aber Bäschen war so liebenswürdig, mir einstweilen Gesellschaft zu leisten. Ich muß auch in spätestens einer halben Stunde wieder fort. Bin heute bei dem Kommandanten Graf von Iffland zum Souper geladen, das er zu Ehren seines aus der Pension heimgekehrten Töchterchens gibt.“ „Ein Ball soll sich anschließen. Da wird man natürlich mit allen möglichen Backfischchen tanzen und Süßholz raspeln müssen. Schauderhaft langweilig! Na, in Gottes Namen. Geht mal nicht anders.“ „Bei dem Grafen von Fffland?“ rief Vürkandt und dunkelrote Flecke brannten auf den hervorstehenden Backenknochen seines scharf und mager gewordenen Gesichtes.„Der empfängt ja Gäste aus den höchsten Kreisen. Seine Gemahlin ist eine Prinzessin von H.. Kurt, auf diese Einladung darfst Du stolz sein. „Es gilt für eine besondere Ehre und Auszeichnung, von dem Grafen empfohlen zu werden. Daß mir dieser Vorzug zuteil wurde, verdanke ich nur einem glücklichen Zufall. Prinz von R. ist verhindert, der an ihn ergangenen Einladung zu folgen, da muß ich gewissermaßen als Ersatzmann dienen. Mein Gott, man braucht ja Tänzer. Die hochadeligen jungen Damen dürfen doch nicht als Mauerblümchen figurieren. Da wird eben unsereiner als Notbehelf herbeigeholt. Ich hätte ja mit Wonne abgelehnt, kannst es mir glauben, mit Wonne. Aber. der Graf ist einflußreich und man will vorwärts kommen, da heißt es eben ein Auge zudrücken und gute Miene zum bösen Spiel machen.“ „Natürlich, Kurt, natürlich! Du mußt nach einer festen, starken Hand greifen, die Dich zu stützen und heben vermag.“ „Selbstverständlich!“ „Du wirst nun gewiß viel beim Kommandanten verkehren.“ „Nun ja, das ist nicht gerade ausgeschlossen.“ „Alles hängt davon ab, wie Du heute dort reüssierst.“ „Jenun, ich traue mir einige gesellschaftliche Talente zu, Papa.“ Er zog die Uhr hervor.„Jetzt ist es wohl Zeit, ich mich verabschiede.“ „Noch eins, mein lieber Junge!“ „Was denn?" „Ich überraschte Dich vorhin im eifrigen Gespräch mit Eugenie, und glaube überhaupt in letzterer Zeit bemerkt zu haben, daß Du Dich für sie interessierst.“ „Ach, Papa! Man unterhält sich gut mit ihr. Sie hat pikante Einfälle und gehört nicht zu den albernen Modegänschen. „Aber ich warne Dich vor ihr. Eugenie ist die Tochter eines Mannes, der gar schlimme Eigenschaften hatte und mir viel Böses tat.“ „Ja, ja, Du erzähltest mir die Geschichte schon einmal.“ „Am liebsten würde ich nie mehr davon reden und überhaupt alles vergessen, was Ernst betrifft. Aber da sind seine Kinder als lebende Erinnerungszeichen. „Ueber Eugenie hast Du keine Ursache. Dich zu beklagen. Sie drang sich wahrhaftig nicht vor und ist der Mama eine rechte Stutze und liebe Gefährtin, aber daß Du den Cousin nun doch hierher berufen hast, das setzt mich einigermaßen in Erstaunen.“ „Es ist ein letzter Versuch, zu dem mich einesteils Deine Mutter beredete, den ich aber auch hauptsächlich deshalb anstellte, weil der junge Mann unter strenge Aufsicht kommen soll, denn er trägt den Namen Vürkandt und soll ihm keine Unehre machen. Daß ich, wo es not tut, festen Druck auszuüben vermag, wirst Du mir wohl glauben. „Gewiß, Papa!“ „Und hilft alles nichts, so werde ich Mittel und Wege finden, ihn für immer aus Deutschland hinwegzuschaffen. „Er war schon in Newyork und kam doch wieder.“ „Wenn ich an eine jährliche Unterstützung die Bedingung seines Fernbleibens knüpfe, wird er klug genug sein, sich zu fügen. Was Eugenie anbelangt...“ „Sie hat ein herrliches Talent und möchte sich der Bühne widmen.“ „Ichwill keine Theaterprinzessin unter meinen nächsten Verwandten haben. „Papa, über diese Sache denkst Du doch nicht ganz zeitgemäß. Die Kunst adelt. Es gibt Sängerinnen, welche mit Grafen, Fürsten, Herzögen vor den Traualtar traten. Primadonnen, die man mit Orden schmückte und deren Lebensweg eine Reihe von Erfolgen und glänzenden Ehrenbezeugungen war.“ „Es gibt aber auch hundertfach so viele, die es trotz der schönen Stimme zu nichts bringen, sich an kleinen Theatern herumtreiben und ihrer Familie nur Kosten und Demütigungen verursachen. Ich will es nicht darauf ankommen lassen, daß man etwa achselzuckend und mit spöttischer Miene von meiner Nichte spricht. Das zu verhindern, bin ich meinen Kindern und mir selbst schuldig. Den törichten Gedanken muß sie aufgeben. Findet sich eine annehmbare, standesgemäße Partie, und in unserem Hause hat Eugenie ja Gelegenheit, junge Leute kennen zu lernen, so will ich sie reich ausstatten und ihr eine hübsche Mitgift geben, meine Söhne aber müssen dem Mädchen fern bleiben, verstehst Du? Wäre es anders, so könnte das weder ihr, noch dem verblendeten, jungen Menschen zum Vorteil gereichen, denn ich würde einfach meine hei, von beiden zurückziehen. Das merke Dir, Kurt!“ Hand 165.20 So#. 8. uua „SpS * O: gU D Ganann aCEP-NSET S•. S6gn ESSSRTRSSSR Ugor n 3n n... S 24 9• 3. S3..—. 60 22.—— 10 2 „• 3 88 SESSS am. S 0 9 DS *—— 2 FE □ **** 8.5—S 65 " S 98 . S T 10 24 bald schon war sie ihm wieder voraus— und der Führer an ihrer Seite...D, gr e „Ihr Beruf ist wohl sehr schwer: frügte sie ihren Begleiter. Aber er schüttelte den Kopf. 's gibt nichts Schöneres auf der Welt!“ meinte er. „I hab' sie halt arg lieb, meine Berge. Un— und wann i net zu führen hab'— nacha steig’ i alleweil allein darin herum.“ (Schluß folgt.) Gellern und Dämon Alkohol. Die Mitglieder einer gelehrten Gesellschaft in Paris hatten ihr Stiftungsfest gefeiert, dem auch der berühmte Gelehrte Ampère beiwohnte. Es wurden viele Reden gehalten, und Ampère hatte den Genüssen der Tafel reichlich zugesprochen, als er spät am Abend den Weg nach seiner Wohnung einschlug. Als er in die frische Luft trat, taumelte er etwas, der Kopf brannte ihm wie Feuer, und so lehnte er sich denn, als er an eine Gaslaterne gekommen war, an das kalte Eisen, um seine glühende Stirn ein wenig zu kühlen. So blieb er einige Augenblicke stehen; dann knöpfte er seinen Paletot zu, um seinen Weg weiter fortzusetzen, denn die Luft fing an, frisch zu werden. Doch zu seinem Schrecken war er nicht imstande, sich zu bewegen, als er sich von der Laterne entfernen wollte. Da er stets bemüht war, allen Dingen auf den Grund zu gehen, so grübelte er über das Problem nach und kam schließlich zu der Ueberzeugung, ein Schlagfluß hätte ihn getroffen. Der kalte Schweiß trat ihm auf die Stirn, und das Entsetzen packte ihn bei dem Gedanken, auf offener Straße sterben zu müssen. Tränen stürzten ihm aus den Augen, er begann laut zu weinen und zu schreien, bis endlich ein Polizist auf der Bildfläche erschien. Weinend klagte ihm der Gelehrte sein Leid, doch der Polizist brach plötzlich in lautes Lachen aus und befreite Ampère von— dem Laternenpfahl, um den er seinen Ueberzieher geknöpft hatte. s2 lelt und Zeit. Mißbrauch der Flaschenpost. Befindet der Seemann sich in Lebensgefahr und wünscht er seiner Familie oder Heimatsbehörde eine letzte Nachricht zukommen zu lassen, so pflegt er seine Mitteilung in eine Flasche zu stecken, diese wasserdicht zu verschließen und sie zur weiteren Beförderung den Wellen anzuvertrauen. Schiffer, die auf ihrem Wege einer Flasche begegnen, oder die Küstenbevölkerung, die eine Flasche treiben sieht, scheuen gewöhnlich keine Mühe und keinen Zeitverlust, um sich derselben zu bemächtigen und ihren Inhalt an seine Adresse weiter zu befördern. Leider ist mit diesem Beförderungsmittel in den letzten Jahren viel Unfug getrieben worden. In leichtsinnigem Uebermut, oft aus Unkenntnis haben sich Vergnügungsreisende und Badegäste in den Seebädern der Flaschenpost bedient, um gleichgültige Meldungen oder Grüße durch sie zu befördern. Daß dies der Sache geschadet hat, liegt auf der Hand. Wer einmal aus Menschenfreundlichkeit mit vieler Mühe eine solche Flasche geborgen hat, von der er annehmen mußte, daß sie die letzten Grüße eines dem Tode Geweihten enthielt, und dann in der Flasche nichts weiter als eine Ansichtspostkarte fand, kommt nur zu leicht in die Versuchung, die nächste Flasche ruhig ihrem Schicksal zu überlassen. Die Flasche wird dann eines Tages unbeachtet an der Küste zerschellen oder sonst zugrunde gehen. Und die Angehörigen der Schiffbrüchigen, vielleicht einer ganzen Schiffsbesatzung, erhalten niemals Nachricht über die letzten Stunden ihrer Lieben, die fern von der Heimat den Tod in den Wogen gefunden haben. Deshalb ist man jetzt bestrebt, diese Frage auf internationalem Wege zu regeln. Jedes Schiff soll in Zukunft wasserdichte Behälter von bestimmter Form und Farbe mit sich führen, die an Stelle der gewöhnlichen Flaschen treten werden. Diese Behälter hat der Kapitän derartig aufzubewahren, daß kein Unbefugter herankommen kann. Verlust von Menschen= und Tierleben in Indien. Nach den Feststellungen der englischen Regierung sind in Indien im Jahre 1903 nicht weniger als 2966 Personen von wilden Tieren, 899 von Tigern, 388 von Wölfen, 327 von Leoparden, der Rest hauptsächlich von Bären, Elefanten, Hyä= nen, Schakals und Krokodilen getötet. Am Schlangenbiß starben 24621 Personen. Ungefähr die Hälfte dieser durch Schlangenbiß verursachten Todesfälle fand in Bengalen und ungefähr ein Viertel in den nordwestlichen Provinzen statt. Diese verhältnismäßig große Menge von Todesfällen am Schlangenbiß schreibt sich von den Ueberschwemmungen her, welche die Schlangen in die höher gelegenen, von Menschen bewohnten Gebiete vertreibt. Während somit die meisten Verluste an Menschenleben auf die Rechnung der Schlangen zu schreiben sind, und nur die wenigsten durch die wilden Tiere verursacht werden, ist es beim Vieh umgekehrt, indem 89 238 Stück von wilden Tieren und nur 9449 durch Schlangenbiß getötet wurden. Ein Barbiervogel. In Südamerika gibt es einen Vogel, der von den Eingeborenen Houtou genannt wird und dessen zoologischer Name Monotus ist. Er besitzt die Eigentümlichkeit, daß er sich seinen Schwanz beschneidet. Der Schnabel des gefiederten Sonderlings ist nämlich mit einem sägeartigen Rande versehen, mit dessen Hilfe er die Beschneidung bewerkstelligt. Sobald der Schwanz ganz ausgewachsen ist, beginnt der Vogel die äußersten Federn um einige Zentimeter zu beschneiden, und wiederholt dies immer, sobald sie wieder ihre volle Länge haben. Männchen und Weibchen beschneiden auf diese Weise ihre Schwanzfedern. Humor. Mitleid. Ein sehr kurzsichtiger Herr kommt an einer öffentlichen Uhr vorbei und kann nicht erkennen, ob die Zeiger auf zehn oder auf zehneinviertel stehen. Er wendet sich an einen kleinen Jungen von sieben oder acht Jahren und fragt ihn:„Kannst du mir sagen, Kleiner, wieviel die Uhr da oben zeigt?“ „Gewiß,“ ist die prompte Antwort,„es ist ein Viertel nach zehn.“ Und dann fügt er mitleidig hinzu:„Ich hab' aber die Uhr schon gekannt, als ich vier Jahre alt war.“ umhi!! # p Pemtter Amtliches Kreisblatt für den kreis börde 41. Jahrgang. O Grites und äuelles Cagesorgan des Kreites. O haupt-Runoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 131 Ks Die Erben von Hohenlinden. Roman von Fr. M. White. 24. Fortsetzung.] (Nachdrutk verdoten. ie wenigen, die ihn überhaupt kennen, 9 halten ihn für einen entfernten Verwandten unserer Familie. Tausende, ungezählte Tausende hat er von mir erpreßt— und wenn ich ihm einmal eine Zahlung weigern wollte, wenn ich ihm sagte, daß er doch nur hinzugehen brauchte und sich als Graf Reckenthin bekanntzugeben, erklärte er stets, daß ihm gewisse Papiere fehlten— die, vor denen er eben sprach— der Heiratsschein seiner Mutter, glaube ich. Glauben Sie nicht, daß wir ihm blindlings vertrauten!— Aber seine Kenntnis von den allerintimsten Dingen, seine Familienähnlichkeit und die Sicherheit seines Auftretens mußten uns täuschen. Und erst, als ich Sie sah, wußte ich, daß wir uns trotz allem geirrt hatten.— Sie werden mich von diesem Menschen „Noch nicht,“ erwiderte Rudolf.„Ein wenig länger muß die Komödie gespielt werden. Allerdings erzählte mir Walter schon von diesem Menschen; aber erst, als ich ihn eben eintreten sah, kam mir der Gedanke, wi großartig ich diesen exzellenten Betrüger werde brauchen können. Wenn es nötig ist, werde ich ihn mir nützlich, machen; sollte es nicht nötig sein, wird mich Herr Alfred Reckenthin, oder wie er nun heißen mag, nicht lange aufhalten.— Nun aber noch eins! Ich habe Ihnen mein volles Vertrauen geschenkt. Vorhin sagte ich, daß ich nicht wußte, was mei—— was den Grafen Egbert Reckenthin von Hohenlinden vertrieb. Ganz gichtig gpe ist das doch nicht— denn aus Einzelheiten, dig Teil zu Lebzeiten meines Vaters, zum Teil nuch seinen Tode aus hinterlassenen Papieren erfuhr, habe ich doch bestimmte Vermutungen geschöpft— trotzdem er selbst es mir niemals gesagt hat. Sie aber müssen mir alles sagen. Alles— damit meine ich das, was mit der Heirat meines Vaters mit der armen Marie Burckhardt zusammenhängt. Denn diese Heirat war doch wohl die Ursache allen Unglücks?“ „Nicht diese Heirat,“ sagte die Grafin tonlos, „sondern unser unsinniger Familienstolz. Was werden Sie denken, wenn Sie erfahren, welche Rolle ich in der traurigen Sache gespielt habe?— Aber ich kann nicht darüber reden— heute nicht. Es sind schon zuviel der Aufregungen für mich gewesen. Kommen Sie an einem der nachsten Tage und speisen Sie mit mir— jederzeit werden Sie mir willkommen sein. Und dann— dann werde ich Ihnen alles sagen, was Sie zu wissen wünschen. Rudolf erhob sich. „So gestatten Sie, daß ich mich für heute verabschiede! Von Ihrer, 9Etgen gebrauch machen: zukommen, werde ich mit Oreuderpoben. Und wieder Auch die Gräfin hatte sich erhoren. Und wirder standen Tränen in ihren Augen, als He, sagte; Lieber Rudolf— ist es möglich, Juß Ih. Kommen eine glücklichere Zeit ankündigt?— Ach, ich, verlagge ja kein Glück mehr für mich— nur Ruhe und Geur möchte ich haben, mein Leben zu beschließen. Es wäre nicht meine Schuld, würden Sie es nicht haben, erwiderte er.„Ich habe für recht eri Ait, was ich mir vorgenommen habe— und ia, wero# durchführen. Vielleicht werden noch schwere Stunden kommen— der Lohn aber wird ein volles und geEre strecte ihr die Rechte entgegen, sich zu verabschieden. Sie aber zog ihn an ihre Brust. „Küsse mich, mein lieber Junge,“ sagte sie. wir vor den andern die Komödie weiterspielen— wenn wir allein sind, kann ich es nicht. Du hast die Augen meines Kindes— und du bist mir lieb, als wärst du mein Sohnl“— Rudolf traf vor dem Schloßportal noch immer eine größere Menschenmenge. Abseits von den übrigen sah er den Grafen Tarnow im Gespräch mit Walter stehen; Der Graf begrüßte ihn lebhaft und schüttelte ihm du habe erst jetzt gehört, wie großen Dank ich Ihnen schulde,“ sagte er.„Lassen Sie mich Ihnen versichern, daß Sie mich stets bereit finden werden, Ihnen meine Erkenntlichkeit zu beweisen— soweit es in meinen „Aber bitte— was ich getan habe, gexdient,e großes Aufheben wahrhaftig nicht.— Wie jah. s da drinnen...te die Achsell Weiß ich es? Die Polizei läßt niemanden hinein— und es ist bisher seltsamerweise keine klare Auskunft zu erlangen gewesen. Man kommt sich selbst wie ein Fremder vor— ich beginne beinah zu zweis#in, daß es mein eigenes Haus ist, vor dem ich stehe.“ Walter räusperte sich verdächtig. Aber Rudolfs gebieterischer Blick hinderte ihn, sich noch auffälliger zu „Vielleicht hat der starke Rauch die Feuerwehr bisher selbst behindert, sich einen klaren Ueberdlick über S Sgegen — Ter S ochHgESR PISYTEgEPSSGSEg resnEE SADLDESE BDGUDSOSTAATUST SRNTW AMTOMTTTEE S-— 8p 58 S 1e 2 8 SSLMEE G OWSITE S SSSE S B 5 8 **** S SugEs S 2 GSTGS SESTOS CSALEGS EKSS SvETSZ-SSSES —""— Scfekss S— 0 Denkispruch. 9 Die Liebe ist nur dann Liebe, wenn sie das Opfer unseres Selbst ist. Colstoj. Der wilde Stier. Eine lustige Geschichte aus den Bergen. Von Lothar Brenckendor f. (Nachdruck verboten.) Freundlich lachte die Sonne herab vom strahlend blauen Sommerhimmel auf die kleine Gesellschaft, die da bergan geschritten kam. Sie meinte es ein wenig gar zu gut, die liebe Frau Sonne. Das junge Mädchen freilich, dessen lichtblondes Haar sie mit ihren Strahlen in flüssiges Gold zu verwandeln schien, schritt so leichtfüßig daher, als spüre sie die sengende Hitze nicht. Der elegante junge Mann in modischem Touristenanzug aber, der sich vergeblich bemühte, mit ihr Schritt zu halten, fuhr sich nun schon zu wiederholten Malen verstohlen mit dem Taschentuch über die feuchte Stirn. Und die rundliche kleine Dame, die ein beträchtliches Stück Weges hinter ihnen aufwärts kraxelte, blieb eben jetzt mit kläglichem Seufzer stehen. „Ilse!“ jammerte sie.„Mädel, so lauf doch nicht so! Ich kann nicht mehr!? Auch der junge Mann war mit einem erleichternden Aufatmen stehengeblieben. Und Fräulein Ilse Sar= torius kehrte sofort um. „Aber liebste Mama, wir haben ja noch nicht den zehnten Teil des Weges zurückgelegt!“ sagte sie.„Wie sollen wir da wohl bis zum roten Wandl kommen?“ „Wir werden wohl darauf verzichten müssen, Kind! Ich habe mir zu viel vorgenommen. Und ich bin schon jetzt zum Umsinken müde.“ Das hübsche Gesicht des jungen Mädchens zeigte einen so niedergeschlagenen Ausdruck, daß es das Herz der gutmütigen Rätin rührte. „Ich will dir aber die Freude nicht verderben, Ilse— da du nun einmal so aufs Bergsteigen versessen bist. Für mein Alter ist das wirklich kein Vergnügen mehr— dir aber wird's gewiß guttun. Es sind von hier keine fünf Minuten mehr bis zum Alpen=Hotel; da werde ich hingehen und mich ausruhen. Ihr Jungen aber mögt in Gottes Namen weiter klettern. Auf dem Rückwege holt ihr mich dann wieder ab.“ In heller Freude wurde sie vom Töchterchen umarmt. „O du herzensgute Mama!“ jubelte Fräulein Ilse.„Aber darf ich dir das Opfer denn wirklich zumuten? Du mußt dich doch schrecklich langweilen so allein!“ „Laß nur gut sein, Kind! Ich werde mir ein Zimmer nehmen und mich schlafen legen. Ich bin wirklich so müde, daß mir der Schlummer not tut. Unter dem Schutze des Herrn Assessors weiß ich dich ja sicher; und außerdem erwartet euch ja bei der Hütte am Bergsee der bestellte Führer.“ „Wenn Sie nicht ebenfalls zu sehr angestrengt sind, Herr Assessor—“ Herr von Brenkwitz warf sich in die Brust. „Ich, mein Fräulein?! Habe ich Ihnen denn nicht erzählt, daß ich zweimal auf der Zugspitze gesessen bin? Für mich gehört eine solche Tour natürlich noch zu den bequemen Spaziergängen.“ „Na, denn man los! Adieu, liebe gute Mama— und tausend Dank! In zwei oder drei Stunden sind wir wieder bei dir!“ Sie stieg wieder rüstig bergan, und mit von Anstrengung gerötetem Gesicht folgte ihr der elegante Assessor nach. Ein paarmal suchte er sie auf diplomatischen Umwegen zum Langsamergehen zu veranlassen. Da sie ihm aber sofort die Frage vorlegte, ob er etwa doch schon müde geworden sei, und in aller Harmlosigkeit meinte, das Besteigen der Zugspitze sei vielleicht weniger beschwerlich, gab er seine Bemühungen auf. Verzweifelt keuchte er hinter ihr drein, heiße Bitten um einen plötzlichen Regenguß oder etwas Derartiges zum Himmel emporschickend. Aber der Himmel erfüllte seine Bitten nicht— nach wie vor erstrahlte er in unendlicher Bläue. Und als die Hütte am Bergsee vor ihnen auftauchte, gab Herr von Brenkwitz die Hoffnung endgültig auf, durch ein Ereignis irgendwelcher Art von der Qual dieser Hochtour erlöst zu werden. Sie waren noch um ein gutes Stückchen von der Hütte entfernt, als ihnen ein Mann in der Tracht der Bergbewohner entgegenkam. Er zog höflich grüßend den grünen Loden=Hut, als er die beiden erreicht hatte. Und herablassend redete ihn der Assessor an. „Na, da sind Sie ja!“ meinte er.„Sie wollen uns doch zum roten Wandl hinaufführen— nicht wahr? Sie sind doch wohl der Führer?“ Der Fremde war stehengeblieben, und es zuckte eigentümlich um seine bärtigen Lippen. Einen Augenblick lang ruhte sein Blick bewundernd auf der lieblichen Erscheinung Fräulein Ilses— dann zog er noch einmal den Hut. „Wann d’Herrschaften an Führer brauch'n, steig i gern mit auffi,“ erwiderte er. Und Fräulein Ilse war erstaunt, einen wie merkwürdigen Klang der Dialekt des Mannes hatte. „Na schön!“ sagte Herr von Brenkwitz.„Anjeseilt braucht man ja wohl für den harmlosen Berg nicht zu werden?“ Das Zucken um die Lippen des Führers verstärkte sich. „Na,“ erwiderte er,„ang'seilt wird net. Das hat's nicht nötig. Aba—“ „Was denn?“ „Wann's net lieba an kloanen Steck'n nehman woll'n— i holet Eahnen oanen aus der Hütt'n.“ Der Assessor wurde glutrot. Hatte er doch Fräulein Ilse erzählt, daß er mit seinem Stecken, der um ein gutes Stück länger war als er selber, zweimal auf die Zugspitze gestiegen war. Und er bemerkte wohl, wie verräterisch es um ihre roten Lippen zuckte. „Das lassen Sie meine Sache sein!“ fuhr er den unangenehmen Menschen an.„Ich habe mit diesem Stock ganz andere Partien gemacht. Er ist beim Ueberspringen von Spalten unentbehrlich.“ „Wie Sie wünsch'n!“ Fräulein Ilses blanke Augen blickten immer erstaunter. Was redete denn dieser Mensch eigentlich für einen Dialekt? So sprachen doch die Einwohner hier nicht? Von einem seltsamen Mißtrauen erfüllt, musterte sie den Führer mit einem prüfenden Blick. Hm— die verstaubten Stiefel, an denen gewaltige Nägel glänzten— die kurze Lederhose — die braungebrannten Knie— das sonnengebräunte, von etwas verwildertem Barthaar umrahmte Gesicht mit den hellen, scharf blickenden Augen— das verwegene grüne Lodenhütchen mit der Adlerfeder— so hatte sie sich einen echten und rechten Bergführer allerdings vorgestellt. Vielleicht stammte der Mann aus einer anderen Gegend. „Dann kann's ja wohl weitergehen!“ meinte der Assessor, und sie begannen bergan zu klimmen. Der Tannenwald, der sie bisher begleitet hatte, lichtete sich mehr und mehr, und saftig grüne Almen traten an seine Stelle. Herr von Brenkwitz hatte sich vorgenommen, diesmal an Fräulein Ilses Seite zu bleiben. Aber zu seinem stillen Ingrimm wollte ihm das nicht gelingen. Sehr Tochter, an der Seite ihrer Mutter, auf der anderen Wegseite, als ein Automobil herangesaust kam. Das Mädchen wurde erfaßt und unter die Räder geschleudert, wodurch das Gefährt sofort zum Stillstand kanm. Ein gellender Aufschrei der Mutter, die noch versuchte, nach ihrem stürzenden Kind zu greifen, erfolgte und dann wurde die Aermste ohnmächtig, sodaß sie in das Zechenhaus getragen werden mußte. Tiefes Mitleid bemächtigte sich aller Umstehenden mit den gebrochenen Eltern und den jammernden Kindern. Passanten holten sofort die Polizei herbei und hat dieselbe die Untersuchung sofort eingeleitet. * Holzwickede, 7. Juni. Das Hellweger Erziehungshaus beging gestern unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung der näheren und weiteren Umgebung sein 46. Jahresfest. Herr Pfarrer Strathmann=Opherdicke hielt die Begrüßungsansprache, während Herr Pfarrer Schulze=Neuhoff=Lünern einen Rückblick auf die Entwicklung des Hellweger Erziehungshauses warf. Nach der Kaffeepause schilderte Herr Pfarrer Strathmann in eingehender Weise die Entwicklung der Anstalt, welche vor 46 Jahren mit 8 Kindern eröffnet wurde und jetzt 166 Kinder(98 in Holzwickede und 68 in Opherdicke) zählt. Hierauf hielt Herr Pfarrer Richter=Methler die Festpredigt. Mit einer Ansprache des Herrn Inspektors Flicker=Holzwickede und einem Schlußwort des Herrn Pfarrers Mießner=Holzwickede erreichte die erhebende Feier ihr Ende. Nach derselben erfreuten die Kinder der Anstalt die Festteilnehmer durch Veranstaltung von Spielen usw. Menden, 8. Juni.(Zum dritten Male ausgebrochen) ist der Einbrecher Keidel. K. wurde hier von zwei Polizeibeamten verhaftet und ins Gefängnis gesperrt. Durch Auseinanderbiegen des eisernen Fenstergitters hat er den Weg ins Freie gefunden. Aus dem Gerichtsgefängnis in Arnsberg ist Keidel bereits zwei Mal ausgebrochen. * Menden, 8. Juni.(Siebzigjähriges Arbeitsjubiläum.) Daß Leute 50, auch wohl 60 Jahre in einer Fabrik arbeiten, kann man wohl öfter lesen, daß aber ein Mann 70 Jahre auf einem Werk tätig ist, kann doch als eine recht große Seltenheit angesehen werden. Heute wurden es 70 Jahre, daß der Arbeiter Kaspar Heinrich Scheiwe aus dem benachbarten Holzen bei der Firma Neuwalzwerk A.=G. Bösperde tätig ist. Von der Firma und seinen Mitarbeitern wurde der Jubilar in großartiger Weise beschenkt und beglückwünscht. Zu bewundern ist noch die Rüstigkeit, mit welcher der Mann seiner Arbeit nachgeht. * Arnsberg, 8. Juni.(Schwere Bluttat.) In der Ortschaft Neuandreasberg bei Ramsbeck wurde eine schwere Bluttat verübt. Zwischen dem Sohn des Schuhmachermeisters Willecke und dem 18jährigen Rüthling kam es nach einem burzen Wortwechsel zum Streit, wobei ersterer von Rüthling erschossen wurde. Der Tod trat sofort ein. Der Täter wurde verhaftet und ins hiesige Untersuchungsgefängnis gebracht. * Altena, 7. Juni.(Unfall.) Heute morgen zogen die Kölner Artilleristen, die von der Senne kamen, durch unsere Stadt, um zur Garnison zurückzukehren. An der steinernen Brücke stürzte ein Stangengaul und kam zu Falle. Das Tier begrub seinen Reiter unter sich. Er wurde von seinen Kameraden hervorgezogen und hatte sich außer schweren Verletzungen auch einen Beinbruch zugezogen. Dr. Eichholz leistete die erste ärztliche Hilfe. Dann wurde der Verunglückte auf einer Tragbahre in das katholische Krankenhaus transportiert. * Herne, 7. Juni.(Folgenschwerer Zusammenstoß.) Auf der Wischerstraße stieß das Gefährt des Fuhrmanns Wittkowski infolge Scheuwerdens der Pferde mit einem Motorwagen der elektrischen Straßenbahn zusammen. Durch den heftigen Anprall wurde Wittkowski vor die Räder seines Fuhrwerks geschleudert, die über ihn hinweggingen und ihm den Kopf zermalmten. Der Tod trat auf der Stelle ein. Wittkowski war verheiratet; seine Familie befindet sich in Polen. * Ueckerath, 7. Juni.(Das leidige Petroleum.) Ein 20jähriges Mädchen in Büllesbach goß gestern mittag, um rasch Feuer zu erhalten, Petroleum in den Herd. Dabei explodierte die Kanne und das Mädchen stand im Nu in Flammen. Es wurde so schwer verbrannt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. * Goch, 7. Juni.(Schreckliches Unglück.) Auf einer Weide in der Umgebung unserer Stadt wurde ein dreijähriges Mädchen von einer Kuh, die durch einen Hund scheu geworden war, mit den Hörnern aufgespießt und derart schwer verletzt, daß an dem Aufkommen des Kindes gezweifelt wird. Auch die Dienstmagd eines Landwirtes, die das Kind zu schützen versuchte, erlitt schwere Verletzungen. * Recklinghausen, 7. Juni.(Ein leichtsinniger Schütze.) Der auf der Horneburgerstraße wohnhafte Arbeiter Benda hantierte in seiner Wohnung mit einem scharfgeladenen Revolver. Die Waffe entlud sich plötzlich und die Kugel drang der Frau des Arbeiters, die dem Treiben ihres Mannes zugesehen hatte, in die Lunge. Frau Benda brach zusammen und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Die Verletzung ist lebensgefährlich. * Duisburg, 7. Juni.(Die arme Frau.) In der Rheinstraße starb gestern eine Frau namens Dickmann, die seit einer Reihe von Jahren eine Armenunterstützung von der Stadt bezog. In dem Nachlasse der Frau fand man jetzt ein Sparkassenbuch versteckt, das auf mehrere tausend Mark lautete. * Köln, 7. Juni.(Ein eigenartiges Mißverständnis,) das beinahe schwere Folgen gehabt hätte, passierte einer hiesigen Arbeitersfrau. Die Frau erhielt von ihrem in Metz beim Militär stehenden Sohne einen Brief samt einem Bild vom stattgefundenen Bedingungsschießen. Der Sohn hatte eine 12 geschossen und als Andenken das Bild erhalten. Auf den Rand des Bildes hatte er geschrieben:„Erschossen am“ Hierüber geriet die Frau, nach der Düsseld. Ztg., in große Aufregung, denn sie nahm an, ihr Sohn habe sich erschossen, schrie laut auf und wollte sich in den Rhein stürzen. Mehrere Frauen aus dem Hause versuchten vergeblich, sie zu beruhigen. Das gelang erst einem Schutzmann, der von der Sache benachrichtigt worden war und das Mißverständnis aufklärte. * Aachen, 7. Juni.(Feuer im Trauerzimmer.) In einem Hause am Reichsweg in Aachen=Forst war gestern morgen eine Kindesleiche aufgebahrt und der Sarg mit brennenden Kerzen umstellt worden. Darauf verließ die Mutter des verstorbenen Kindes auf kurze Zeit die Wohnung, die sie verschloß. Als sie zurückkehrte, stand der Sarg mit der Leiche in Flammen. Hausbewohnern gelang es, das Feuer zu löschen. Sarg und Leiche waren angebrannt, ebenso der Tisch und die Tischdecke. Wissenschaft und Technik. Kein falscher Anschluß mehr? Die Stadt Hildesheim hat ein automatisches Telephonamt aufzuweisen d. h. ein Telephonamt, bei dem die Verbindung zwischen einzelnen Teilnehmern nicht durch Telephonfräulein hergestellt zu werden braucht, sondern bei denenjeder einzelne Teilnehmer selbst sich mit der gewünschten Nummer verbinden kann, was durch eine sinnreiche Konstruktion vermittelt wird. Wenn dieses System sich bewährt und in anderen Städten eingeführt wird, so dürfte die letzte Stunde der Telephondamen geschlagen haben, sie werden pensioniert werden müssen. Das ist eigentlich ein sehr herbes Schicksal, und ein weiches Herz wird die armen Fräulein, obschon sie so manche falsche Verbindung auf dem Gewissen haben, mitleidig bedauern. Eine glänzende Versammlung der Geistesaristokratie, das ist auch diesmal wieder die Tagung der Goethe=Gesellschaft gewesen, die in Weimar in Gegenwart des Großherzogs stattfand. Besonderes Interesse beanspruchte der Festvortrag des Professors Treu=Dresden über„Hellenische Stimmung in der Bildnerei von einst und jetzt.“ Bemerkenswert war Treus ablehnende Haltung gegen Begas. Wieviel Regen fällt auf die Erde? 464 174620000 000 Tonnen im Jahr! das hat, wie der„Corriree della Sera" behauptet, die Statistik herausgebracht. Um einen Begriff von dieser scheinbar ungeheuren Menge zu bekommen, braucht man sich diese Wassermassen nur verteilt vorzustellen: täglich fallen 1271 Milliarden Tonnen, stündlich 53 Milliarden, 883 Millionen in der Minute und nur 15 Millionen Tonnen in der Sekunde. Diese Zahl ist garnicht so groß, denn die Oberfläche der Erde beträgt rund eine halbe Milliarde Quadratkilometer. Die ganze Regenmenge von 464 Milliarden würde sich auf der Erde zu einer Schicht von 94 Zentimeter Höhe verteilen lassen. Wellmanns Noropolfahrt. Der amerikanische Luftschiffer Walter Wellmann scheint jetzt seine Vorbereitungen für seine diesjährige Polarfahrt beendet zu haben. Ein Telegramm aus Tromsoe meldet nämlich, daß Arthur Wellmann, der Bruder des Luftschiffers, dort angekommen ist, und daß er wahrscheinlich heute abgehen wird. Wellman hat sich, wie erinnerlich sein wird, trotz der früheren Mißerfolge entschlossen, den Versuch, im Luftschiff nach dem Nordpol zu gelangen, auch in diesem Sommer wieder aufzunehmen. Er hat sich ein eigenes Schiff konstruiert, einen dreimastigen Dampfschoner mit einem 75=PS=Motor. Das Schiff nimmt 4000 Kilogr. Eisenspäne zur Wasserstoffentwicklung an Bord. Das Schiff geht mit Walter Wellman wahrscheinlich erst Mitte dieses Monats nach der Virgo=Bei auf Spitzbergen, wo sich die Wellmannsche Station befindet. Die Zeit des Aufstieges wird natürlich von den Witterungsverhältnissen abhängig sein. Wellmanns Motorluftschiff war bereits auf der Londoner Ausstellung ausgestellt. Der zigarrenförmige Tragkörper ist bei einem Durchmesser von 16 Meter 56 Meter lang und hat ungefähr 8500 Raummeter Inhalt. Die 3 Meter lange Gondel ist zur Aufnahme von drei Personen, mehreren Zughunden, zwei Schlitten, einem Boot, zwei Raummeter Brennstoff für den Motor und Lebensmitteln eingerichtet. Zum Antrieb dient ein Benzinmotor von 80 Pferdekraft. gend von Robschos an der bulgarischen Grenze fand ein Feuergesecht zwischen türkischen und bulgarischen Grenzposten statt. Es wurde 11 Stunden geschossen. Die Verluste sind unbekannt Ehedrama. Hof. 8. Juni. Der stellenlose Kaufmann Pleißner, der mit seiner Frau in ehelichen Zwistigkeiten lebte, paßte dieser, als sie die Porzellanfabrik Moschendorf verließ, auf und feuerte vier Schüsse ab, durch welche die Frau schwer verletzt wurde. Sie wurde in das Krankenhaus gebracht und starb dort. Pleißner richtete dann die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich ebenfalls schwer. Außerdem wurde ein unbeteiligtes junges Mädchen durch die Hand geschossen. Der Direktor der Porzellanfabrik, Bächer, der den Vorfall mit ansah, erlitt infolge der Erregung einen tödlichen Gehirnschlag. Handel. Neuß, 7. Juni. 24,20 M. Roggen la. 16,90 M. für 100 Kg. Fruchtmarkt. Weizen la. 26.20, IIa. 19,20, IIa. 18.20 M. Hafer la. 18,40, IIa. Kartoffeln 3,80 bis 4,— M. Heu 3.80 bis 4,— M. Luzernerheu 4,40 M. für 50 Kg Maschinenstroh 18.— M. Flegeldrusch 20.— M. für 500 Kg. Rüböl 60,—, faßweise 62.—, gereinigtes 63.— M. für 100 Kg. Preßkuchen 102.— M. für 1000 Kg., in kleineren Partien 106.— M. Kleien 6,20 M. für 50 Kg. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. 8 Zimmer 1. Juli zu vermieten. E. Engelhardt, 2964 Anstreicherm. Bismarckstr. 11. 2 oder 3 Zimmer an Brautpaar od.kleine Familie zu vermieten. 3118 Näheres Hüsinstraße 23. Eine Wohnung von 3 Zimmern sofort oder später zu vermieten. 3122 Fr. Becker, Stadtkeller. 2 einfache Herren oder bessere Arbeiter können billig 2977 erhalten mit oder ohne Morgenkaffee. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. Einige schöne 2996 Wöhnungen dem neuerbauten Hause Holzen=Rosen sind zu vermieten. Wilhelm Lelitko. 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Es ist deshalb nur natürlich, daß Kaiser Nikolaus, der in Europa eine lange Reise unternimmt und in deutsche Gewässer kommt, mit Kaiser Wilhelm zusammentrifft. Gerade das Gegenteil wäre erstaunlich. Die Annahme, daß dieses Zusammenkommen irgend etwas an der bestehenden Mächtegruppierung ändern könne, wäre ganz ungerechtfertigt. Das Ziel der politischen Tätigkeit Europas kann nicht darauf gerichtet sein, die bestehenden diplomatischen Gruppierungen zu sprengen oder zu zu schwächen. Die beiden Gruppierungen sind so beschaffen, daß sie zur Erhaltung des Gleichgewichts genügen. Wilhelm II. kann mit dem Zaren zusammentreffen, ohne daß man darin eine Drohung für das französisch=russische Bündnis erblickt; König Eduard kann den König von Italien besuchen, ohne daß der Dreibund gefährdet erscheint, Es wäre gut, wenn alle Welt endlich von dieser Ueberzeugung durchdrungen wäre. Selbstmord. Berlin, 8. Juni. Der Sergeant Hinnemann von der 9. Kompagnie des Kaiserin Augusta=Garde=Grenadier=Regiments hat sich auf seiner Stube mit seinem Dienstgewehr eine Kugel durch den Kopf geschossen. Er starb auf dem Transport zum Lazarett. Verschüttet. Flensburg, 8. Juni. Gestern nachmittag wurden in einer Sandgrube bei Engelsby zwei Knaben und ein Mädchen, alle drei im Alter von 3 bis 4 Jahren, verschüttet. Die Kinder waren erstickt, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Blutige Stiergefechte. Madrid, 8. Juni. Bei den Stiergefechten in Madrid, Sevilla, Kartagena, Coruna und Algeeiras wurden am Sonntag 10 Matadore u. Banderilleros schwer verwundet und 3 getötet. Die Balkanbanden unter sich. Sofia, 8. Juni. Meldungen aus Küstendil zufolge ist dort der mazedonische Bandenchef Zaprjanow auf offener Straße durch 3 Nevolverschüsse getötet worden. Der flüchtige Mörder ist ein Anhänger Sandanskys, gegen den Zaprjanow im vorigen Jahre ein Attentat versucht hatte. Seeräuber.— Grenzplänkeleien. Frankfurt, 8. Juni. Die Frankf. Ztg. meldet aus Saloniki: Seeräuber plünderten bei der Insel Samos 2 klein Schiffe und ermordeten die Besatzung.— Bei einem Blockhaus in der die beste und begetrteste nagen ernattie Prcnaufkast der Sen Vertocde Erhatung Städtischer Viehhof, Dortmund. Zum heutigen Schlachtviehmarkte waren aufgetrieben 946 Stück Großvieh, 1982 Schweine, 528 Kälber, 18 Schafe. Dortmund, den 7. Juni 1909. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt.... b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete...... c) mäßig genährte junge, gut genayrte altere.. d) gering genährte jeden Alters Bullen: c) vollfleischige ausgemästete Bullen bis zu 5 Jahren b) vollfleischige jüngere Bullen...... c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere d) gering genährte... Rinder und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Rinder höchsten Schlachtwertes b) vollfleischige ausgemastete Kuhe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren... c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder..... d) mäßig genährte Kühe und Rinder..... Kälber: (für 100 Pfund Lebendgewicht.) a) feinste Mast=(Voll=Mast) und beste Saugkälber b) mittlere Mast= und gute Saugkälber... c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte (Fresser) Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel... b) ältere Masthammel...... c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1½ Jahren.... b) fleischige...... c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eder... Tendenz: Gut. Mark 72—74 67—71 62—66 54—61 64—66 60—63 55—59 70—72 66—69 58—65 50—57 50—52 45—49 40—44 65—70 68 65—67 58—64 Oeffentliche Bekanntmachung. Nach§ 8 des Gesetzes betreffend die Bereitstellung von Mitteln zu Dinsteinkommensverbesserungen, sind vom 1. April 1909 ab von allen Einkommensteuerpflichtigen mit Einkommen von mehr als 1200 Mk. und von allen Ergänzungssteuerpflichtigen Steuerzuschläge zu erheben, welche betragen: I. Bei der Einkommensteuer: für die physischen Personen, sowie diejenigen eingetragenen Genossenschaften, deren Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht, und die Vereine, einschließlich eingetragener Genossenschaften, zum gemeinsamen Einkaufe von Lebensoder hauswirtschaftlichen Bedürfnissen in großen und Ablaß im kleinen, auch wenn ihr Geschästsbetrieb nicht über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht, in den Einkommen=Steuerstufen von mehr als 1200 bis 3000 Mk. 5 pCt. 3000 bis 10500" 10„ „ 10500 bis 20500" 15„ „ 20500 bis 30500" 20„ „„ 30500 Mk. 25„ b) für Gesellschaften mit beschränkter Haftung in den Einkommensteuerstufen von mehr als 1200 bis 3000 Mk. 7,5 pCt. 3000 bis 10500 Mk. 15„ „„ 105·0 bis 20500" 22.5„ „„ 20500 bis 30500" 30„ „„„ 80500 Mk. 40 pCt. c) für Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Berggewerkschaften in den Einkommen- Steuerstufen von mehr als 1200 bis 3000 Mk 10 pCt. „„ 3 0 0 0 b i s 1 0 5 0 0" 2 0„ „„ 10500 bis 20500" 30„ „„ 20500 bis 30500" 40„ „„„ 30500 Mk. 50 pCt. II. Bei der Ergänzungssteuer: 25 Prozent der zu entrichtenden Steuer. Bei Bemessung der nach dem Maßstabe der Einkommensteuer an kommunale oder andere öffentliche Verbände zu entrichtenden Abgaben bleiben die Steuerzuschläge außer Betracht. Die Steuerpflichtigen werden hiervon mit dem Bemerken in Kenntnis gesetzt, daß die Erhebung der Steuerzuschläge gleichzeitig mit den veranlagten Einkommensteuer= und Ergänzungssteuerbeträgen erfolgen wird. 3107 Hörde, den 5 Juni 1909. Der Vorsitzende der Einkommensteuer Veranlagungs=Kommission. I. B.: Schmidt. Tastre=Irppen Drell= Jagd= in allen Grössen empfichlt Ernst Müller, Ostenstr. 18. 2813 Gras=Verkaus. Auf Donnerstag den 10. d. nachmittags 6 Uhr soll das Gras(Futterbau) in meiner Wiese(Ausschachtung) an der Arnsberger Bahn zwischen Dortmunder= und Kirschbaumsweg gelegen, nummerweise verkauft werden. 3108 Ed. Pferdekämper. * Zur Haarpflege empfehle PIxavon p. Fl. 2.00 Mk. Birkenwasser p. Fl. 1.75 Mk. Brennesselspiritus p. Fl. 0.75 Mk. 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Unser Blick sucht den Mann, der uns mit starker Hand wieder in die Zeiten zurückführt, wie wir sie unter dem gewaltigen Einiger des Reiches, unter unserm Bismarckt erleben durften. Den Dank haben wir Westfalen ihm abgestattet, als wir am 11. Mai 1895 in Friedrichsruh in sein treues Auge schauten. Damals gelobten wir in treuem Gedenken an jene unvergeßliche Stunde, die Wiederkehr dieses Tages alljährlich festlich zu begehen. Drum auf, Westfalen auf, auch dieses Jahr zur alten Wittekindsfeste, strömt herbei zur Bismarckfeier auf der Hohensyburg am 12. Juni! „Kommt her zum Thing. Um Euren Bismarck schließt den Ring, Vor diesen Quadern, da er steht, Sprecht Euer Dangebet— Bismarck! Der Vorstand 3127 des westsälischen Bismarckbundes. macht ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen, Steckenpferd= straße 21 l. 2942 o. Bergmann& Co Radebeul.! Anfragen sind 35 Pfg. in Mar). Belgmann,& Co., Radeveur. ken beizulegen. 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Juni er, vormittags 9 ½ Uhr anfangend, werde ich im Pfandlokale des Wirt Rath, hierselbst 5 Tische, 12 Stühle, 3 Bettstellen, Wasch=Konsolen, Nacht=Konsolen, Kleiderständer, 1 Nähmaschine, Bilder, Spiegel, Sessel, Teppiche, Vorhängesowie 1 Partie Haushaltungs=Gegenständewie Porzellan= u. Gassachen usw. freiwillig gegen bar versteigern. 3132 Die Sachen sind gebraucht und können 1 Stunde vorher besichtigt werden. Schwerte, 8. Juni 1909. Morgenroth, Gerichts=Vollzieher. 1 Totenbriefe, Totenzettel,„ Kranzschleifen mit Aufdruck, Danksagungskarten liefert sauber und promptest Buchdruckerei Carl Braus Schwerte, Gr. Marktstrasse 3-5. S Verlangen Sie gratis Katalog von Garten-, Balkon-, u. Rohrmöbeln, Feld-, Klapp-, Schaukel- und Klosettstühlen, Reise-, Schlaf- und Wäschekörben, Eisschränken, Kochkisten, Stahlaluminium- Kochgeschirren, Kinder-Schreibpulten, Kinder-Stühlen, Kinder-Möbeln, Leiter- und Kastenwagen, Sportwagen, Kinderwagen, Kinderbetten, Dampfwasch-Maschinen, Wäsche-Mangeln usw. 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