Antrliches Kreiselt W #ü teer den Hreis Borct Uerhunden mit der„Schwerter Volkszeitung“ und dem„Scbwerter Volksblatt“ Eese buue a a o. I Mmne urte nd rchalenlteuicen Grschungen Verugepreis: mt. 1 6s vierntesäihrlsch, dei der Poal 42 Fl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter 10 P., Anzeigen von auswalss 19 FI., nentamezente 40 Pf. Die„Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss unungen Zeitung" geAbonnenten für endenden Unseren BedingUnterstützung. nuie nreis- und Lokalposizeilichen Verorcnungen für den Kreis durch Veröstenlichung in eg SSchpgrig Seigreg gregte Druck u. Verlag von Garl Braus, Schwerte. Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse: Braus, Schwerte-Kuhr ükr! e ec Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. S Haupt-Annoncenbiatt Nr. 109 Dienstag den 11. Mai 1909 41. Jahrg. Erstes Blatt. Dreußischer Landtag. Justizminister Dr. Beseler empfiehlt die Annahme des Sieien-Rags im Einverneßgeg, zust der hannöverschen bäuer. das im Einvernehmen mit Abg. v. Mahrenholt(k.) begrüßt die Vorlgge, in er auch einen Schutz gegen die Aufteilung des landlichen BeSitzung um 11 84. Sitzung, am 10. Mai. Am Ministertische: Breitenbach. 15 PPächuten. K#rsch eröftnet die Das Haus erledigt zunächst die nach ausstehenden EtatsDer Etat des Herrenhauses wird ohne Debatte beEs folgt der Etat des Abgeordnetenhauses. Nach kurzer Debatte wird eine Resolution der Kommission angenommen, in der die Regierung ersucht wird, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen das Recht der Präsidenten beider Häuser des Landtags zur Vertretung des Fiskus und die Rechtsverhältnisse der Beamten des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses neu geregelt werden. Bei den, Positiggen, die sich auf die Beamten und Diener des Hauset vrziehen, beantragt die Kommission die Annahme einer Resolution, durch welche die Regierung ersucht wird, im Etat für 1910 die Titela ngemessen zu erhöhen, um den Präsidenten in den Stand zu setzen, ältere Diener mit längerer als eintägiger Kündigungsfrist anzustellen und ihnen, sowie ihren Hinterbliebenen in geeigneten Fällen Unterstützungen zu gewähren. Die Abgg. Dr. Wagner(fk.), Wallenbom(Z.) und Dr. Schröder=Kassel(nl.) treten für die Resolution ein. Abg. Gyßling(Fr. Vp.) stimmt den in einer Eingabe an die Regierung niedergelegten Wünschen des Präsidenten wegen einheitlicher Organisation der stenographischen beider Häuser zu. Die probeweise Einrichtung einer Staatsanstalt für Stenographie dürfe nicht deshalb vertagt werden, weil man noch kein Einheitssystem habe. Der Kommissionsantrag wird angenommen. Ein von allen bürgerlichen Parteien unterstützter Antrag fordert für die Mitglieder des Hauses freie Eisenbahnfahrt zwischen Berlin und ihrem Wohnort und Wahlkreis für die Dauer der Session. Geheimrat v. Falkenhayn: Wie bei allen politisch bedeutsamen Anträgen enthält sich die Regierung auch hier zunächst jeder Stellungnahme.(Heiterkeit.) Jedenfalls bringt die Regierung der Verhandlung des Antrages Interesse entgegen. ebg. Gfaßel(nl.): Der Antrag ist aber nicht politisch; er soll uns lediglich eine Annehmlichkeit verschaffen, die auch im allgemeinen Interesse liegt. Warum widersetzt sich die Regierung dauernd dem einmütigen Wunsch des Hauses? Es ist ja so manches durchgesickert. Ich kenne zwar die Gründe der Regierung nicht ganz genau, aber ich mißbillige sie.(HeiterAbg. Meyer=Tilsit(k.): Die Mehrheit meiner Partei wird der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen für den Antrag Dr. Wagner(fk.) meint, daß der Geheimrat von Falkenhayn und der Finanzminister die Hauptgegener des Antrags seien. Der Redner würde auch für Anwesenheitsgelder sein. Die Abgeordneten könnten ehrenwörtlich erklären, an welchen Tagen sie hier gewesen sind.(Beifall.) Abg. Frhr. v. Erffa(k.): Die Konsequenz der freien Fahrt wäre, daß wir auch hier Anwesenheitsgelder einführen. Diese sind unmöglich ohne Anwesenheitskontrolle.(Zurufe: Warum denn nicht?) Die Minister wenden sich mit Recht gegen unnötige Reisekosten der Beamten. Und nun wollen Sie hier Abg. Kirsch(Z.): Niemals fehlt ein Minister bei der Etatsberatung. Warum heute?(Minister v. Arnim betritt den Saal, verläßt ihn aber unter stürmischer Heiterkeit des Hauses sofort wieder.) Die Diäten der Abgeordneten in Höhe von 15 K pro Tag sind wahrlich nicht zu hoch. Bauncs, Geheimrat v. Falkenhayn erwidert dem Vorredner, er wolle auf seine Ausführungen nicht näher eingehen, auch im Interesse des Ansehens des Hauses.(Unruhe.) Abg. Dr. Arendt(fk.): Herr Geheimrat, das Haus ist Abg. Barenhorst,(fk.): Auch wir stehen dem Entwurf freundlich gegenüber. Die Verschuldung des bäuerlichen Besitzes ist in Hannover nicht groß. Das Höferecht hat Anteil an nl.) erörtert die einzelnen Vorschriften des Gesetzes, mit dem er sich in allen Hauptpunkten einestomnd er Dr. Hahn(E.): Das Anerbenrecht hat die besten niedersächsischen Traditionen für sich.,„Firr, Fönnen sich liberal und konservativ, katholisch und evangere zusarumenfinden zur Erhaltung des niederdeutschen Bauermrandes.(weifall.) Der Gesetzentwurf geht an eine Kommission von 14 Mitgliedern. * feier bie Hrithe Lafung des Etats. Eine allgemeine Besprechung findet nicht besprechung wird eine Reihe kleinerer Etats debattelos geDann vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag, v Scluz gegen 5 Uhr. Politische Uebersicht. Aaste ioe Kasce haesie ae hice e e Auswahl der Kandidaten bei den Wahlen.(Beifall.) Abg. Leinert(Soz.): Die humorvolle Rücksichtslosigkeit der Regierung gegenüber dem Hause ist unerhört. Das Haus hat doch Machtmittel genug, um auf die Regierung zu drücken. Abg. Dr. Pachnicke(fr. Vgg.): Es verletzt das Ansehen De bchtache elest de Gerschfäach s ientung, angenommen, ebenso der Etat des Abgeordnetenhauses und die übrigen noch ausstehenden Etatskapttel. Damit ist die zweite Lesung des Etats für 1909 beendet. Das Gesetz betreffend die eststellung des Staatshaushaltes für 1909 und das Gesetz detreffend die Ergänzung der Einnahmen im Etat für 1900 werden in zweiter Lesung ebenfalls genehmigt. Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfes betreffend das hannöversche Höferecht. (Am Ministertisch erscheinen die Minister Do. Beseler und d. Arnim.) Deutschland. Unser Kaiser, der am 23. d. Mts. wieder in Berlin eintrifft, hat den geplanten Dresdener Besuch zum Geburtstag: des Königs am 25. Mai abgesagt. Das Interesse an der Reichsfinanzreform ist so groß, daß gegen eine Ueberfüllung der Rotunde und der Wandelhalle des Reichstags durch Wißbegierige Maßnahmen getroffen werden mußten. Es war daraus das grundlose Gerücht entstanden, den Parlaments=Journalisten seien Beschränkungen auferlegt worden. Leider entspricht dem großen Interesse des Volkes nur noch immer nicht die Förderung, die das Reformwerk erfährt. Und nan scheint es ganz und gar, als wolle man die Entscheidung bis auf den Herbst vertagen, da alle Bemühungen der Regierung, mit den Konservativen zu einer Einigung über die Erbanfallsteuer zu gelangen, bisher gescheitert sind. Gegen einen derartigen Gedanken wird indessen von nationalliberaler Seite mit Entschiedenheit protestiert. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, heißt es da. Fürst Bülow hält noch an der Hoffnung des schließlichen Gelingens fest. Er sagte dieser Tage erst noch in der Erwiderung auf eine Zustimmungs=Kundgebung seitens des nationalliberalen Vereins in Lübeck: Nord und Süd sind einig in dem ernsten Willen, dem Reiche aus seiner Finanznot zu helfen, darum kann ich trotz aller Schwierigkeiten nicht daran zweifeln, daß er auch geingen wich. Die Ungültigkeitserklärung der vier Berliner sozialdemokratischen Mandate durch die Wahlprüfungskommission des preußischen Abgeordnetenhauses erfolgte nach sehr gewissenhafter Prüfung der Sachlage, wobei auch die Geltendmachung von Billigkeitsgründen in objektiver Weise erwogen wurde. Wenn der sozialdemokratische„Vorwärts“ jetzt über Ungerechtigkeit, Knebelung der Minderheit und andere gruselige Dinge schimpft, so verläßt er damit den Boden der Tatsachen. Da es unzweiselhaft ist, daß das Plenum des Hauses dem Beschlusse seiner Kommission beitritt, so stehen in Berlin Wahlkämpfe bevor, wie sie bisher in deutschen Landen noch nicht dagewesen sind. In den wichtigsten Lebensmitteln hat im März d. J. eine kleine Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus stattgefunden, die von der schon im Februar beobachteten und sich in verstärktem Maße fortsetzenden Steigerung für Brotgetreide und einzelne andere Nahrungsmittel ausgegangen ist. Dieser Aufwärtsbewegung haben sich dann die meisten Metalle angeschlossen, während die Textilprodukte noch zumteil weiter gesunken sind. Ob sich zurzeit eine entschlossene Umkehr in dem seit fast zwei Jahren andauernden Rückgang des Preisniveaus einlettet, muß, wie die Voss. Ztg. ausführt, noch abgewartet E Der deutsch=schweizerische Mehizoustreit wird noch länger andauern, denn die im Auswärtigen Amte zwischen deutschen und schweizerischen Müllern zum Zweck der Streitos über die Ausfuhrvergütung für Mehl geführten Verhandlungen sind wegen der ablehnenden Haltung der schweizerischen Müller ergebnielos verlausen. Dem Unterstaatssekretär im Reichsschatzamt Twele wurde der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen. Das preußische Abgeordnetenhaus will, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, nach Pfingsten die Beratungen schließen, sobald die Besoldungsvorlage erledigt ist. In unserer verkehrsfrohen Zeit besteht auch für Kanalbauten, wenn nicht in allen, so doch in sehr weiten Bevölkerungskreisen, lebhafte Begeisterung. Alle Wünsche lassen sich aber auch hier nicht in die Tat umsetzen. So werden die Interessenten an einem Elbe=Kiel=Kanal sich noch eine Zeit gedulden müssen. Die Stadt Kiel hat durch den Kaiser Wilhelm=Kanal bereits Verbindung mit der Elbe. Diese Verbindung findet allerdings auf einem Umwege statt. Lediglich zum Zwecke einer Weg=Abkürzung einen neuen Kanal zu bauen, kann laut „Köln. Ztg.“ erst bei einer ganz außerordentlichen Zunahme des Verkehrs in Aussicht genommen werden. Aus den Schutzgebieten. Deutsche Baumwolle. In unserer Kolonie Deutsch=Ostafrika haben sich zwei neue Baumwollenbau=Gesellschaften aufgetan, die mit ziemlichem Kapital arbeiten. Das ist wieder ein Beweis für die Vorzüglichkeit jener weiten Länderstriche für den Baumwollbau. Die Zeiten werden nicht mehr fern sein, wo wir den Import in Baumwolle aus Amerika, das heute den Riesenanteil an der Deckung unseres Bedarfs hat, um ein sehr Erhebliches reduzieren können. Das Geld kann im eigenen Lande bleiben, es braucht nicht zu den Jankees wandern, die nur ein nacktes Profitinteresse im Auge haben. Die deutschostafrikanische Baumwollindustrie macht so große Fortschritte, daß sie auf der im Mai in Berlin stattfindenden Kolonialausstellung in einer eigenen Abteilung vertreten sein wird. Aus dem Auslande. Oesterreich=Ungarn. Wien, 10. Mai. Ein Denkmal zur Erinnerung an die Bundestreue Deutschlands in der Zeit des österreichisch=serbischen Konflikts soll in Wien errichtet werden. Ein dahingehender Antrag wird von dem Gemeinderat während der Anwesenheit unseres Kaisers in Wien beraten und zum Beschluß erhoben werden. Für das Denkmal sollen 80000 Kronen in das Gemeindebudget eingestellt werden. Wien, 10. Mai. Die„Montagsrevue“ schreibt: Kaiser Wilhelm wird in Wien einen Empfang finden, der mehr bedeuten soll als die sonstige Begrüßung des stets willkommenen Gastes. Das Jahr 1909 ist für das deutsch=österreichische Bündnis nicht nur ein Jubiläumsjahr, die Allianz hat nicht allein drei Dezennien überlebt, sondern sie hat für die beiden Reiche und deren Völker nun noch höheren Wert als in manchen Epochen der Vergangenheit. Frankreich. Paris, 10. Mai. Die Annahme, daß sich die drohende Streikgefahr abwenden wird, gewinnt Wahrscheinlichkeit. Angesichts der Maßnahmen die die Regierung getrofsen, um die Wirkung des Streiks um ein bedeutendes abzuschwächen, sind die Beamten doch stutzig geworden und eine gewisse Ernüchterung hat sich ihrer bereits bemächtigt. Jetzt wird auch darauf hingewiesen, daß die Postbeamten über keinen irgendwie in Betracht kommenden Streikfonds verfügen. Streik ist aber Krieg und zum Kriegführen gehören nach Friadrich dem Großen drei Dinge: erstens Geld, zweitens Geld und orirens England. London, 10. Mai. In Setisch=Iodien ir belamntlich nicht alles sowie en soll. Die gevolutgenster Ain triebe der Hindus dauern an. In englischen setzt dafür Stimmung gemacht, einen der Agrgeg Ert ner von Wales in Indien Hof halten zu kassen. ruhigen Köpfen dort unten so imponieren, daß sie alle schwarzen Pläne vergessen. Rußland. Petersburg, 10. Mai. Rußland hat zum Stobe der Strabe von Tührte Loichen broongeger. Maßnahme hat außer in Persien, wo man sich sagt, daß Rußland einen unberechtigten Eingriff in die innerpoltrichen Ar: gelegenheiten des Landes unternommen habe, bet. 00 England böses Blut erregt. Zumteil ist es der Neid uver den übemtegenden Einslutz, den sch Buglogt. u. de v. 9 von de Stahr empcben krt mmteit Fer aber die nuch Hand zu weisende Forderung, daß eben so gut wie auch andere dort interessierte Mächte Eingriffe zur des Handels unternehmen könnten, sodaß das Ganze schließlich auf eine indernationale Intervention herauskäme. Türkei. Konstantinopel, 10. Mai. Der Sulton heißt traditionell„Der kranke Mann“. Auch der neue Sulton Mo hammed V. ist krank; er leidet angeblich an Gicht, Zuckerkrankheit und entzündeten Augen.— Für die Feier der Schwertumgürtung sind ganz außerordentliche Sicherheitsmaßregeln getroffen worden. Danach scheint man alttürkische Anschläge gegen Mohammed V. für möglich zu halten. Es kriselt allenthalben.eneng Vereinigte Staaten. Newyork, 10. Mai. Der Gesellll Woodfort leitet eine Bewegung ein, um Roosevelt als Kandidaten für den Bürgermeisterposten in Newyork aufzustellen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 11. Mai. **(Die drei gestrengen Herren) werden namentlich von Landwirten und Gärtnern die Tage des 11., 12. und 13. Mai genannt, die den Kalendernamen Mamertus, Pankratius Servatius führen. Mamertus war ein gelehrter Presbyter in Vienna, der im Jahre 452 feierliche Buß= und Betandachten einrichtete. Pankratius war ein christlicher Märtyrer, der wäheend der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian am 12. Mai 293 enthauptet wurde. Servatius endlich war der letzte Bischof von Tongern, mit Athanasius ein Gegner der Arianer, und starb im hohen Alter um das Jahr 384 zu Maastricht. Auf sein Grab soll nie Schnee gefallen sein, weshalb der Volksglaube meint, daß nach seinem Gedenktage, dem 13. Mai, kein Frost mehr kommen werde. Sie sind auch unter dem Namen der drei„Eisheiligen" bekannt, und die Winzer nennen sie die„Weinmörder" oder„Weindiebe". Alte Bauernregeln sagen von ihnen Pankraz und Servaz Stehlen wie der Spatz, aber Mamertus, Pankratius, Servatius Machen Gärtnern und Bauern viel Verdruß. Diese haben daher eine gewaltige Scheu vor diesen„drei gestrengen Herren“, die mit ihrem eisigen Hauch oft verwüstend in die Obstblüte einfallen. Mag im Frühjahr die Erde mit frischem Grün sich schmücken, mögen an den Neben die Knospen schwellen und die zierlichen Blütenträubchen würzigen Duft ausstreuen, dem Landmann, dem Gärtner, und vor allem dem Winzer will es nicht wohl werden, solange nicht die„drei gestrengen Herren“ vorüber sind. Nun ist es ja Tatsache, daß um diese Zeit Kälterückfälle eintreten können, aber daß diese an die Tage der„drei gestrengen Herren“ gebunden seien, ist ein Märchen, das langjährige wissenschaftliche Beobachtungen und auch die Erfahrung widerlegt haben. So hatten wir im Jahre 1907 an den gefürchteten drei Tagen die höchsten Temperaturen des ganzen Sommers, und auch im vorigen Jahre wehten linde, sommerliche Lüfte. Wie die Wissenschaft erforscht hat, stellen sich die gefürchteten Maifröste nach dem Vorübergang sehr tiefer und ausgedehnter Minima bei wieder steigendem Barometer und Nordwestwind zu jeder Zeit des Mai, oft sogar, wie vor drei Jahren, noch in der ersten Junihälfte ein. Wir wollen wünschen und hoffen, daß auch in diesem Jahre die„drei gestrengen Herren“ ein gelindes Regiment führen. **(Im Schmucke des Blütenschnees) prangen jetzt unsere Obstbäume. Zu keiner anderen Zeit gewähren sie einen so prächtigen Anblick, wie gegenwärtig. Sie, deren saftige Früchte uns so manchen Genuß bieten, die Gesundheit erhalten und zurückbringen, stehen während des ganzen Jahres in schlichtem Gewande da. Sie haben nichts gemein mit der Großartigkeit der deutschen Eiche, dem imposanten Rundbau der Buchenkrone, der Würde und Anmut der Linde, der Vornehmheit der Kastanie. Die Verzweigung der Obstbäume ist einfach, die Gestalt unscheinbar, das Laub bescheiden graugrün und selbst im Herbst, wenn die schwerbeladenen Zweige auf künstlichen Stützen ruhen, vermögen sie auf unser Auge keinen solchen Reiz auszuüben, wie in diesen Tagen. Wie herrlich prangt im schneeweißen Kleide der Kirschbaum, und rosig durchglüht leuchtet aus weiter Ferne der honigduftende, bienendurchsummte Apfelbaum. Leider kommt die ganze Schönheit der Obstbaumblüte nicht immer zur vollen Geltung. Sprühen milde Frühlingsregen hernieder oder ist die Luft heftig bewegt, so ist all' die Pracht gar bald verschwunden. In Myriaden tanzen die zarten Blättchen zur Erde hernieder, diese nochmals in ein weißes Gewand hüllend. Die Zeit der Obstbaumblüte hängt von den Witterungsverhältnissen ab, meist beginnt sie Ende April und wird im Mai beendigt, mitunter fällt sie vollständig in den Mai. Letzteres steht der Obstbauer als ein gutes Vorzeichen für die künftige Obsternte an. Je später sie sich entwickelt, umso kleiner und widerstandsfähiger sind noch die jungen Früchte, wenn die drei Eismänner erscheinen. Regnet es viel in die Baumblüte, so wird der Fruchtansatz geringer als bei trockenem Wetter, da der reife Blütenstaub der Aepfel= und Birnbäume unter dem Naßwerden leidet. Außerdem hindern starke Niederschläge die Bienen am Honigsammeln, denen der Hauptanteil an der Uebertragung des Blütenstaubes auf die Narbe, also an der Befruchtung, zukommt. **(Schutz den Singvögeln!) Von verschiedenen Seiten hört man es, daß in diesem Frühling in unsere Gärten und Heime viel weniger Singvögel aus dem Süden zurückgekehrt sind, wie sonst. Der auch im sonst warmen Klima recht rauh gewesene Winter mag viele der flinken Tierchen einem frühen Ende entgegengeführt haben, abet sicher die meisten von denen, die wir vermissen, haben in den italienischen Küchenpfannen geendet. Die Italiener sind ja persönlich nette und liebenswürdige Leute, aber die Teilnahme für die Tiere haben sie, wenn man etwa von den Tauben auf der Piazza von San Marco in Venedig absieht, gerade nicht erfunden. Wie die armen Pferde oder Esel oft geprügelt werden, ist bekannt, und die durchziehenden Singvögel sind ihnen am liebsten beim Pranzo, bei der Mahlzeit. Die italienische Regierung wäre wohl geneigt, einer Konvention über den Schutz der gefiederten Sänger beizutreten, aber sie weiß im Voraus, daß sie in der Bevölkerung keinen Gehorsam finden wird. Darum unterbleibt das, was geschehen könnte. Umso mehr sollten wir in Deutschland acht haben, uns die Singvögel zu erhalten. Trotz aller Strafbestimmungen passiert noch genug, was unterbleiben müßte. Wir haben heute gewiß kein übergroßes Vergnügtsein mehr in der Welt und sollten darum jedes Jubellied doppelt wert halten. **(Kirchliche Wahlen.) In der hiesigen reformierten Gemeinde wurde nach Schluß des vorgestrigen Goterdienstes an Stelle der verstorbenen Presbyters Landwirt Weischede von der Schützenstraße Herr Kaufmann Heinrich Nöhrscheidt von der Hörderstraße als Mitglied des Presbyteriums gewählt.— In der größeren evangelischen Gemeinde finden imlause des Sommers die Neuwahlen der Repräsentanten statt. An der Wahl können sich alle Mitglieder der Gemeinde beteiligen, die 24 Jahre alt sind und sich in die Wahlliste haben eintragen lassen. Diese liegt bis zum 23. Mai in der Wohnung des Herrn Pastor Wischnath offen, und können Eintragungen dort täglich zwischen 12 und 1 Uhr mittags erfolgen. Vom 24. Mai bis zum 7. Juni erfolgt dann die Offenlegung der Listen und nach diesem Termin die Wahlen. *(Personalnotiz.) Zum Leutnant der Resewe gewählt wurde der beim Landratsamte in Lippstadt beschäftigte Supernumerar Herr Wilhelm Schröder, Sohn der Witwe Sch. an der Hagenerstraße hierselbst. **(Manöver.) Für das diesjährige Manöver des 7. Armeekorps ist, wie jetzt verlautet, ein Teil der Provinz Westfalen in Aussicht genommen, der westlich der Linie Borken=Recklinghausen=Hagen=Dahl liegt. Die Landratsämter der in Betracht kommenden Kreise sind bereits in diesem Sinne verständigt worden. Der Hauptteil des Korpsmanövers dürfte sich in der Mitte zwischen Bochum und Dortmund abspielen. Das Gelände, südlich und nördlich der Ruhr gelegen, ist zu einem Manöverfelde im militärischen Sinne wohl geeignet, während sich das Gelände bei Recklinghausen besser für Exerzitien im Regiments= und Brigadeverbande eignet. **(Der Kavallerie=Verein) hielt am Sonntag in seinem Vereinslokal eine sehr gut besuchte Generalversammlung ab. Es wurde beschlossen, den Beschluß der Generalversammlung vom 31. Dezember 1905, wonach einigen Mitgliedern der Wiedereintritt in den Kavallerie=Verein nicht gestattet werden soll, bestehen zu lassen. Ferner wurde beschlossen, an dem Kriegerfest des Kriegervereins Holzen am 11. Juli teilzunehmen und einen Fahnennagel zu stiften. Sodann wurden noch einige Angelegenheiten für das Kriegerfest, welches am 31. Juli und 1. August d. Is. am„Freischütz“ gefeiert wird, erledigt. Bekanntlich hat in diesem Jahre der Kavallevie=Verein die Vorbereitungen für das gemeinschaftliche Kriegerfest zu treffen. Dieselben sind in vollem Gange. **(Stenographie.) Man schreibt uns: Wir möchten an dieser Stelle nochmals auf den morgen(Mittwoch) abends 9 Uhr in der Schule Kuhstraße 1 beginnenden Kursus in der „Vereinfachten deutschen Stenographie Stolze=Schrey“ aufmerksam machen. Je nach Wunsch der Schüler wird der Unterricht des Mittwochs oder Sonnabends erteilt werden. An die Erlernung des Systems Stolze=Schrey kann man mit dem größten Vertrauen herangehen. Speziell dieses System hat sich hervorragend eingeführt, und wenn es uns einmal beschieden sein sollte, eine deutsche Einheits=Stenographie zu erhalten, so wird diese, nach Meinung von Autoritäten auf stenographischem Gebiete, sich vorwiegned aus Schriftzeichen des Systems StolzeSchrey zusammensetzen. Die Zahl der Systemanhänger steigt über hunderttausend hinaus. Durch seine innere Güte, leichte Erlernbarbeit und vor allem praktische Brauchbarkeit empfiehlt sich das System eben von selbst. Eine ganze Anzahl unserer Reichs= und Landtagsstenographen bedient sich desselben schon seit Jahren. **(Bei Sprengarbeiten verunglückt) ist gestern der beim Bahnbau in Wandhofen beschäftigte Arbeiter Eduard Hoffmann, Ziethenstraße hierselbst wohnhaft. Durch vorzeitiges Losgehen eines Sprengschusses wurde H. von den Gesteinsmassen getroffen und namentlich am rechten Bein schwer verletzt. Der Verunglückte, der verheiratet und Ernährer einer zahlreichen Familie ist, wurde ins evang. Krankenhaus gebracht. Es ist sehr fraglich, ob ihm das Bein erhalten bleibt. **(Der Bund ehem. Studierender der Königl. höheren Maschinenbauschulen,) eine Organisation, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens in 22 Ortsgruppen sich bereits über alle Teile des Landes verbreitet hat, beging in Hagen seinen zweiten Bundestag. Es gehören ihm jetzt 750 Mitglieder an. Der nächstjährige Bundestag soll wiederum in Hagen stattfinden.— An die Verhandlungen schloß sich ein gemeinschaftliches Mittag— Der festliche Teil des Bundestages spielte sich Sonntag nachmittag auf Hohensyburg, der Gründungsstätte des Bundes, ab. Die Mitglieder des Bundes versammelten sich dort mit ihren Familien=Angehörigen im Garten resp. Saale des Restaurants Wulf zu einem Konzert, dem sich später ein fröhlicher Kommers anschloß. Vor dem Denkmal hielt Herr Pantel die Bundesansprache und Kaiserrede, Herr Hüttener aus Essen begrüßte die Teilnehmer, während späterhin Herr Hüsgen aus Düsseldorf in wohlgesetzter Rede speziell der teilnehmenden Damen gedachte. Erst in vorgerückter Stunde trennte man sich von der gastlichen Stätte. Die Nachtzüge entführten den größten Teil der auswärtigen Gäste nach der Heimat. Alle werden sich aber mit Freuden der hier verlebten Stunden erinnern. ** Westhofen, 11. Mai.(Zum Gesangwettstreit.) Mit der gestvigen Preisverteilung im Saale des Herrn Schulte haben die Festlichkeiten des Männergesangvereins ihren offiziellen Abschluß gefunden. Vormittags hatten die hiesigen und eine große Anzahl auswärtigen Sänger unter Begleitung der Nepp'schen Kapelle einen Ausflug nach Hohensyburg unternommen, wo die Sangesbrüder auf dieser histovischen Höhe einige fröhliche Stunden verlebten. Sowohl der hiesige Männergesangverein wie auch die„Constantia"=Münster warteten mit einigen Liederspenden auf.— Die Preisverteilung selbst wurde von dem Vorsitzenden des Jubelvereins, Herrn Weber, vorgenommen, und mit Worten des Dankes und den besten Wünschen für den Verein verabschiedeten sich die fremden Sänger, während der festgebende Verein und zahlreiche Gäste bei Konzert und nachfolgendem Tänzchen noch einige Zeit gemütlich zusammenblieben. Später wurde dann die Vereinsfahne in festlichem Zuge wieder zum Vereinslokal Walter überführt, wo dann endglitig Schluß gemacht wurde. Dem Männergesangverein aber wünschen wir auch für die fernste Zukunft ein stetiges Wachsen, Blühen und Gedeihen! ** Westhofen, 11. Mai.(Schweres Unglück.) Von einem traurigen Unglücksfall wurde gestern der Schmiedemeister Klostermann betroffen. Als er sein Schmiedefeuer angezündet hatte und eben ein Stück Eisen in die Glut legen wollte, erfolgte plötzlich eine Explosion, wodurch Kl. an der rechten Hand sehr schwer verletzt wurde. Nachdem Herr Sanitätsrat Dr. Klug dem Verletzten die erste Hilfe geleistet hatte, erfolgte die Ueberführung ins evangelische Krankenhaus nach Schwerte. Wie das Unglück entstanden ist, ist noch nicht aufgeklärt, doch wird allgemein angenommen, daß sich irgend, ein Explosionskörper zwischen den Kohlen befunden hat. :: Höchsten, 11. Mai.(Besitzwechsel.) Im Wege der Zwangsversteigerung erwarb Herr Gastwirt Schwachenberg hierselbst die seinem Hause benachbarte Goßmann'sche Besitzung, bestehend aus etwa zwei Morgen Land nebst aufstehendem Gebäude. Der Kaufpreis beträgt 9000 Mark. (—) Ergste, 10. Mai.(Bahnbau.) Nachdem man den Oberbau von Hennen ziemlich fertiggestellt hat, ist man nun seit einigen Tagen eifrig mit der Tieferlegung der Chaussee von hier nach Schwerte beschäftigt. Die ziemlich umfangreiche Arbeit schreitet rüstig voran und dürfte in wenigen Tagen beendet sein. Auf den Bahnhöfen Ergste, Hennen, Kalthof ist man seit etlichen Tagen mit der Einrichtung der Empfangsgebäude beschäftigt. Die eiserne Ueberbrückung der Ruhr, welche die Gutehoffnungshütte in Oberhausen geliefert hat, ist bereits fertiggestellt, und wird dieselbe schon provisorisch benutzt. Es besteht kein Zweisel, daß die Strecke 1910 fertig ist. (—) Hennen, 10. Mai.(Sitzung.) Der Schulvorstand der hiesigen Gemeinde tritt am 18. d. Mts. zu einer Sitzung in der Wirtschaft Albrecht hierselbst zusammen. Als Hauptberatungspunkt steht nochmals die Schulangelegenheit Kalthof auf der Tagesordnung. Bekanntlich wird in Kalthof ein neues Schulgebäude imlaufe dieses Sommers errichtet. Sodann stehen noch einige kleinere Angelegenheiten auf der Tagesordnung. Hieran anschließend findet eine Sitzung der Gemeindevertretung Hennen statt. Letzte Brahtmeldungen. Das deutsche Kaiserpaar auf Malta. Malta, 11. Mai. Bei Ankunft der Majestäten schossen die Forts und die englischen Kriegsschiffe Salut. Der Kaiser empfing an Bord die Meldung der Spitzen der englischen Behörden und des deutschen Konfuls. Um 12 Uhr empfing das Kaiserpaar den Herzog und die Herzogin von Connaught und die Prinzessin Beatrice. Um 1 Uhr gingen die Majestäten an Land, wo eine Ehrenwache aufgestellt war, und begaben sich in Automobilen zum Palast des Herzogs. Die Feststraße war reichlich geflaggt. Die Garnison bildete Spalier, die zahlreich herbeigeeilte Bevölkerung begrüßte die Majestäten und die herzogliche Familie durch andauerndes Händeklatschen. Vor dem Palast, wo wiederum eine Ehrenwache stand, wurden die Majestäten von den Spitzen der Behörden und dem Erzbischof empfangen. Es folgte eine Frühstückstafel beim Herzog und der Herzogin. Malta, 11. Mai. Aus Anlaß des Besuches der Majestäten auf Malta haben König Eduard und Kaiser Wilhelm herzliche Telegramme gewechselt. Gestern abend fand bei dem Herzog und der Herzogin von Connaught ein Diner statt, an dem außer den Majestäten das Gefolge und die Spitzen der Behörden teilnahmen. Die englischen und die deutschen Schiffe hatten illuminiert. Die Abfahrt nach Brindisi erfolgt heute früh 9 Uhr. Dem Kaiser entgegen. Wien, 11. Mai. Aus Fiume wird gemeldet: Das gesamte österreichisch=ungarische Geschwader hat Befehl erhalten, dem deutschen Kaiser entgegen zu fahren und ihn nach Pola zu geleiten. Wien, 11. Mai. Kaiser Franz Joseph wird seine Bemühungen um die Entwirrungen der ungarischen Krisis wegen des Besuches Kaiser Wilhelms zunächst unterbrechen und heute Budapest verlassen. Abgestürzt. Tetschen a. d. Elbe, 11. Mai. Im Schrammsteingebiet in der sächsischen Schweiz ist ein unbekannter Tourist beim Herumklettern 18 Meter tief abgestürzt. Er wurde schwer verletzt nach dem Schandauer Krankenhaus gebracht. Explosion bei Genua. Rom, 11. Mai. Durch eine Explosion in San Ensebio bei Genua wurde die Fabrik für Explosivstoffe„Prometheus“ in einen Trümmerhaufen verwandelt. In der ganzen Umgegend platzten infolge der starken Detonation alle Fensterscheiben. Bis jetzt wurden 10 schwer verstümmelte Leichen aufgefunden, deren Identität bisher nicht festgestellt werden konnte. Auch wurden zahlreiche Personen verwundet, unter denen sich mehrere Zollwächter befinden. Die Pariser Postbeamten. Paris, 11. Mai. Der nationale Verband der Postbeamten soll gestern Nacht eine Erklärung haben anschlagen lassen, die „letzter Appell“ an die Mitglieder des Parlaments" überschrieben ist und darauf hinweist, daß Ministerpräsident Clemenceau durch die unberechtigte Entlassung der sieben Postbeamten seine Versprechungen nicht gehalten habe. Wenn diese Entscheidung, so heißt es in der Erklärung weiter, nicht zurückgenommen wird, so ist das der Kampf bis aufs Messer. Unseres Rechtes uns bewußt, haben wir unsere Verantwortlichkeit auf uns genommen, die Regierung hat ihre Verantwortlichkeit übemommen. An Ihnen ist es, die Ihrige auf sich zu nehmen. Christenverfolgung in der Türkei. Konstatinopel, 11. Mai. Bei der Pforte eingelaufenen Meldungen zufolge ist in Bitlis und in anderen in der Umgebung des Wansee gelegenen Orten eine Scheriatbewegung ausgebrochen. Die Mohamedaner drohen die Christen niederzumetzeln, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Die Kurdenscheiks haben bei der Pforte telegraphisch militärische Hilße verlangt. Defraudation. Varel, 11. Mai. Der Rentner Inhöf, der sich entleibte, hat den dortigen Konfumverein um 40000 Mark betrogen. Gefahren des elektr. Stromes. Oldenburg, 11. Mai. Beim Ausschalten einer Starkstromleitung gelangte der Strom durch einen unglücklichen Zufall in eine Leitung, an der drei Monteure beschäftigt waren. Einer derselben wurde getötet, zwei schwer verletzt. Eine schwierige Ballonlandung. Troyes, 11. Mai. Ein deutscher, in Köln aufgestiegner Luftballon landete auf einem Felde bei Villemaur. Es kam zu feindseligen Kundgebungen seitens der Bevölkerung. Die Luftschiffer, zwei Ingenieure und ein Offizier, traten nach Bezahlung der Zollgebühren die Rückreise an, nachdem zuvor Gendarmen ihr Gepäck untersucht hatten, ohne etwan Verdächtiges gefenden zu heben. Jubiläum der Universität. Brüssel, 11. Mai. Die Uwiversität Loewen ernonnte aus Anlaß ihres Jubiläums zu Ehrendoktoren die Prosessoven Gite Nr. 109 Dienstag den 11. Mai 1909 41. Jahrg. Zweites Blatt. Eine Aufgabe unserer Marine. Unsere Marine erfüllt eine ganze Reihe Aufgaben, die mit ihrem militärischen Zweck nichts zu tun haben: sie stellt sich in den Dienst der Wissenschaft, indem sie durch Spezialschiffe meteorologische und physikalische Beobachtungen macht, und zum besten der Handelsschiffahrt führt sie Vermessungen in heimischen und fremden Gewässern aus, um Seekarten und Segelhandbücher herauszugeben, an deren Stelle leider trotz ihrer Zuverlässigkeit an Bord mancher deutscher Schiffe noch immer englische Karten geführt werden. In den Rahmen dieser friedlichen Tätigkeit fällt auch die Ausübung des Fischereischutzes und der Fischereipolizei in der Nordsee, mit welcher Aufgabe der frühere Aviso„Zieten" und im Winter ein, im Sommer zwei Torpedoboote beauftragt sind. Diese Seepolizei beruht auf einem internationalen Vertrage vom 6. Mai 1882, der zwischen Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, England und Holland geschlossen worden ist, um gewisse Streitfragen zu entscheiden und die leicht entstehenden Reibereien zwischen den Fischern der verschiedenen Nationalitäten zu verhindern. Eine wichtige Bestimmung dieses Vertrages ist die über die sogen. Drei=Seemeilengrenze; sie besagt, daß in dem Gebiete innerhalb drei Seemeilen von der Küste kein fremder Fischer fischen darf, und die Fischereischutzschiffe wachen besonders über die Innehaltung dieser Bestimmung. Es kommt in jedem Jahre ein paarmal vor, daß eines unserer Schutzschiffe einen englischen Dampfer bei Verletzung dieser Bestimmung abfaßt. Konfiszierung des Fanges und der Netze und Bestrafung des Kapitäns ist die Folge. Es ist aber auch schon Geestemünder und Bremerhavener Fischdampfern passiert, daß sie an der englischen oder dänischen Küste innerhalb der Drei=Seemeilengrenze betroffen worden sind, denn bei diesigem Wetter, d. h. unklarer Luft, bei Regen usw. ist es sehr schwer oder unmöglich, den Abstand von der Küste richtig zu taxieren, und beim besten Willen kann es unsern Fischern dann passieren, daß sie die Grenze überschreiten. Andere Bestimmungen jenes internationalen Vertrages, deren Befolgung die Schutzschiffe zu überwachen haben, betrefsen die gegenseitige Rücksichtnahme der Fischer auf einander; z. B. ist es verboten, daß Fischer bei ihrer Ankunft auf den Fischgründen ihre Fahrzeuge so hinlegen oder ihre Netze so aussetzen, daß sie den anderen Fischern, welche ihre Arbeit bereits begonnen haben, hinderlich werden können. Wenn Fischer, die das Grundschleppnetz gebrauchen— und das tun unsere Geestemünder und Bremerhavener Fischdampfer sämtlich— sich in Sicht von Fischern befinden, welche mit Treibnetzen fischen — z. B. die Heringsfischer— so müssen erstere alle Maßregeln treffen, um jede Beeinträchtigung der letzteren zu vermeiden. Solche und ähnliche Bestimmungen, durch welche Streitigkeiten zwischen den Fischern vermieden werden sollen, enthält der Vertag vom 6. Mai 1882 ein ganze Reihe. Die Schutzschiffe haben, um ihre Innehaltung zu überwachen, polizeiliche und selbst gerichtliche Befugnisse als da sind Festnahme schuldiger Fischer, Abschluß von Vergleichen zwischen Streitenden usw. Sie überwachen ferner die Befolgung anderer Verträge, z. B. des internationalen Vertrages zur Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseefischern, haben aber außer diesen polizeilichen Funktionen noch viele andere zu erfüllen. Daß sie in Seenot befindlichen Fischern Hilfe leisten, ist selbstverständlich; sie haben ferner Arzt und Apotheke an Bord, um erkrankten oder verletzten Fischern auf See beizuspringen, sie helfen bei Wasser= oder Proviantmangel aus usw. In neuester Zeit ist versucht worden, durch die deutschen Schutzschiffe einen Nachrichtendienst zu organisieren, der die Fischer schnell über die Entdeckung günstiger Fanggelegenheiten unterrichten soll; man hat dazu die drahtlose Telegraphie benutzt. Im Binnenlande ist dieser Zweig der Tätigkeit unserer Marine natürlich weniger bekannt; in unsern Hochseefischereiplätzen Geestemünde und Bremerhaven aber wird sie von den Beteiligten dankbar anerkannt und richtig gewürdigt. Westfalen und Rheinland. * Essen, 9. Mai.(Unnatürliche Mutter.) In einem Hause der Süderichstraße hatte ein älteres Mädchen in der Nacht vom 5. zum 6. d. Mts. ein Kind geboren, welches nach Angabe der Hebamme bei der Geburt gelebt hat. Da das Benehmen der Leute der Hebamme eigentümlich vorkam, machte sie die Polizei auf die Geburt aufmerksam. Als nach dem Kinde geforscht wurde, stellte es sich heraus, daß es nicht mehr vorhanden war. Die Feststellungen der Polizei ergaben, daß das Kind verbrannt worden war. Die Mutter legte auf Vorhaltungen ein Geständnis dahin ab, daß das Kind kurz nach der Geburt gestorben sei und daß sie es aus Scham vor den Leuten im Beisein ihrer verheirateten Schwester im Küchenherd verbrannt habe. Sie erwähnte, daß sie das Kind vorher noch getauft hätten. Die Asche wurde beschlagnahmt und die unnatürliche Mutter dem katholischen Krankenhause zugeführt. * Recklinghausen, 8. Mai.(Der Berufstod, des Polizeihundes.) Auf eigenartige Weise hat in Recklinghausen=Süd ein Polizeihund sein Leben eingebüßt. Der für den Dienst gut ausgebildete Hund, dem Polizeisergeanten Beckers gehörend, war wiederholt mir ersten Preisen und Ehrenpreisen ausgezeichnet worden. Bei einer Polizeihundeprüfung, die im Waldschlößchen abgehalten wurde, war der Hund des Polizeisergeanten Beckers beauftragt worden, ein unter der Erde vergrabenes Taschenmesser aufzusuchen. Der Hund fand das Messer und wollte es seinem Herrn zutragen. Dabei entglitt ihm das Messer; der Hund schnappte danach und verschluckte es. Infolgedessen ist das Tier jdas einen Wert von etwa 400 Mark hatte, verendet. * Hamborn, 9. Mai. Beim Abspringen von einem noch in Fahrt befindlichen elektrischen Straßenbahnwagen stürzte die Frau eines Arbeiters so schwer auf das Steinpflaster, daß der Tod nach wenigen Augenblicken eintrat. * Gelsenkirchen, 9. Mai. Bei einer Schlägerei stieß der Bergmann Becker dem Arbeiter Wolte die Mündung einer Flobertbüchse in den Kopf. Der lebensgefährlich Verletzte ist bald darauf im Krankenhause gestorben. * Marburg, 9. Mai.(Der 2000. Student.) In der alten Hessenuniversität Marburg hat der 2000ste Student seinen Einzug gehalten. Im Jahr: 1867 zählte Marburg 290 Studenten; 20 Jahre später konnte man das Fest des 1000. Studenten feiern und jetzt sind es über 2000. Dieses Resultat der Entwicklung zeigt, daß Marburg dank seiner tüchtigen Lehrkräfte und Institute ein gutes Ansehen genießt. Der 1000. Student im Jahre 1887 war ein Russe; der Glückspilz, der diesmal als 2000. in die Chronik der Stadt und Universität eingetragen wurde, ist ein Marburger, Herr stud. jur. Rudolf Eller. Auf dem Universitätssekretariat wurde ihm die Botschaft zuteil und zugleich bedachte man den aufs höchste überraschten jungen Mann mit allerhand Aufmerksamkeiten. So überreichte man ihm ein von der Elwertschen UniversitätsBuchhandlung gestiftetes großes Bild seiner Vaterstadt und sonstige Geschenke. Am Nachmittag fand bereits ein studentischer Umzug statt, in dessen Mitte der Gefeierte im festlich geschmückten Wagen saß. Abends verkündeten vom prächtig illuminierten Landgrafenschlosse Böllerschüsse die Ankunft des 2000. Studenten. Die Stadt wird noch eine besondere Feier veranstalten. * Annen, 9. Mai.(Zur Roburit=Katastrophe.) Die Frage, wird der Staat den durch die Roburit=Explosionen schwer geschädigten Bürgern von Annen und Witten gerecht werden, wird gegenwärtig lebhaft erörtert. Demnächst wird sich das Abgeordnetenhaus mit der Sache befassen, und zwar geschieht solches auf Grund einer Petition, welche im vorigen Jahre der Verein Wittener Haus= und Grundbesitzer an den Landtag gerichtet hat. Nach der 1906 gemachten Aufstellung sind im Schadengebiet Witten 211 und Annen 768 geschädigte Häuser. Die Sachschäden=Taxe weist für Witten 267000 und für Annen 462000 Mark, insgesamt 729000 Mark an Schäden auf. Nicht eingeschlossen sind in dieser Summe auf 575000 Mk. taxierte Schäden an den industriellen Werken, sodaß sich der eintaxierte Sachschaden auf 729 000 und 575000 Mk.=1 304 000 Mark beläuft. In der Eingabe wird der Nachweis dafür geführt, daß der wirkliche Schaden viel höher gewesen ist, als der eintaxierte Schaden. Die allgemeine Spende brachte für Witten 164 646,37 Mark und für Annen 267 509,95 Mark auf. Die Petenten vertreten in den Eingaben mit Entschiedenheit die Ansicht, daß der Staat entschädigungspflichtig ist. * Werne, 9. Mai.(Einen seltenen Fang) machte ein Bergmann in der Kolonie Deutsches Reich hierselbst. In der Kolonie wurde zum nicht geringen Erstaunen ein Fremdling — ein Rehbock— bemerkt, der ungeniert am frischen Grün äste. Natürlich mußte nun doch versucht werden, das für diese Gegend sehr seltene Tier einzufangen. Die Jagd wurde unter Mitnahme von Heugabeln, Spaten und dergleichen aufgenommen; auf jeden Fall gehören zu einer ordentlichen Jagd auch Jagdhunde, und diese fehlten auch hier nicht, wenn sie auch Rosa-Marina. Roman von Melati von Java. Aus dem Holländischen übersetzt von Leo van Heemstede. (Nachdruck verboten.) Ihr größter Genuß war es aber, den Doktor auf seinen Gängen in die benachbarten Dörfer zu begleiten; sie war immer bereit, mit ihm zu geben, und sie wandelten dann oft stundenweit an dem goldgelben Strande hin, wo ihre Füße tiefe Spuren im Sande zurückließen, oder zwischen den silbernen Dünen; dann saben sie die Sonne, in einer glänzenden Aureole untergehend. die Wellen wie in geschmolzenes Gold verzaubert, das Dünengras mit dunklen Rubinen übersät. Die Dünen in der Ferne verschwammen in violetter Farbe, und wenn endlich die Sonne im Wasser verschwand wie eine Königin, die sich in ihr Schlafgemach zurückziebt, und noch einige Sekunden lang ihren mit Edelsteinen besetzten Mantel über den Wellen hinschleppen läßt, dann geschab es oft, datz Rose=Maries Dery gegng gehlnld Wehmut schmelzen wollte, und ein eigenartiges Beruch überkam sie, daß sie hätte jubeln und weinen mögen zu gleicher Zeit. Und dann die Rückkehr, wenn der Mond langsam, ganz langsam binter den Dünen emporstieg, so still und ruhig brennend, wie eine riesige Lampe von Oval, höher und böher, daß die Wellen in stahlblauen Lichtstrablen erzitterten und die Dünen in Silberberge verzaubert schienen— o, wie war es dann so still ringsum, so still, daß es fast eine Entheiligung schien, die Stille durch Stimmen zu unterbrechen! Dann legte Rose=Marie ihre Hand auf des Doktors Arm; sie fühlte sich ein wenig ermüdet und stützte sich auf ihn. Es gab ein solches Gefühl der Sicherheit, sich auf seinen Arm zu lehnen, und er ließ sie gewähren: er war in seine eigenen Gedanken vertieft und ließ ihr willig diese Stütze. Schweigend schritten sie nebeneinander fort, und die Fischer, die ihnen begegneten, grüßten treundlich, bisweilen leise zu einander flüsternd:„Sollte man nicht meinen, unser Doktor und das Fräulein seien Mann und Fraus“ Dem Erscheinen des Frühlings, der in diesem Jahre besonders früh und leichten Fußes in das Land gekommen, waren keine schweren Stürme vorhergegangen. Still und friedlich hatte der Winter ihm das Zepter übergeben. Jetzt stand die Sonne Tag für Tag glänzend am Himmel; überall sprangen die Knospen und Blätter aus ihren knapp gewordenen Hüllen, überall strömte Leben in die beseelte und unbeseelte Natur. „Nein, einen solchen Frühling habe ich noch nie erlebt!“ wiederholte Rose=Marie immer von neuem.„Sehen Sie nur, Onkel, welche prächtigen Blüten!" „Ich auch nicht“ erwiderte er lachend,„aber es ist noch nicht aller Tage Abend,- und wenn Sturm und Regen kommt, dann haben die jungen Blättchen und Blüten, die zu neugierig und zu vorwitzig gewesen sind, einen harten Stand.“ „Ei. Onkel, das hätte ich nie geahnt früher, als ich von dem Frühling nichts verspürte als den Duft unserer unsauberen Kanäle, daß junge Blättchen und Knospen meine Teilnahme erwecken würden.“ 8.9426 Eines Tages bekam der Doktor eine Volschaft von einem Bauern, der einen Arm gebrochen hatte und der auf einem einsamen Hofe, ziemlich weit hinter den Dünen wohnte. „Darf ich mitgehen, Onkel? Dort hinaus bin ich noch nie „Nein, Kind, ich habe es lieber nicht! Ich muß vielleicht lange dort bleiben, und wo soll ich Dich während der ganzen Zeit lassen? Auch gefällt mir das Wetter wenig; es ist heute ungewöhnlich warm gewesen, und es sind Wolken am Himmel, die nichts Gutes weissagen. Ich werde meinen Wagen vorfahren lassen.“ 4fn Ousel?“ „Aber wollen Sie nicht erst erwas enen, Onkel! „Ich denke, man wird mir da wohl etwas geben.“ „Nein, nein, die schwere Bauernkost kann nicht jeder vertragen! Ich will rasch etwas machen; in fünf Minuten din ich fertig. Das Essen wird auf dem Tische sein, ehe Veter das Bferd angeschirt bat“ Sie verschwand rasch in der Rüche, undd in intzester Zei. hatte sie ein paar Kalbsschnitzel, ein Leibgericht des Oheims, nach allen Regeln der Kunst zubereitet. „Kind, Du verwöhnst Deinen alten Onkel ganz und gar“, sagte der Doktor lachend.„Wie werde ich mich je darein finden können; wenn Du wieder fort bist?“ „O. kommt Zeit, kommt Rat!“ entgegnete sie munter, bin und her trippelnd, um ihn zu bedienen.„Sollte es wirklich böses Wetter geben. Onkel? Es sind gerade ein vaar Pinken ausgesegelt, darunter auch das Boot von Krelis, dessen Frau so schwach ist. Ich hoffe nur, daß es keinen Sturm gibt, und sollte es gar zu schlimm werden, Onkel, dann bleiben Sie nur hübsch bei dem Bauern und wagen sich ja nicht beim!“ „Nein, gewiß nicht.... Es hat köstlich geschmeckt. Nun, meine Instrumente und ein paar Fläschchen und dann muß ich gehen. Du magst heute abend weiter im Cid lesen und dieses oder jenes dabei anmerken, was Dir besonders zusagt. willst Du?“ „Ja. Onkel, und dann darf ich ja zur Erholung noch ein Stündchen Dickens lesen, nicht wahr?“ „Gewiß, das darfst Du, weil Du mir so herrliche Leckerbissen vorgesetzt bast. Wenn ich um zehn Uhr nicht zu Hause sein sollte, so gebst Du ruhig zu Bett, verstanden?“ „Nein. Onkel, ich warte bis halb elf.“ Aber an diesem Abend studierte Rose=Marie weder den Eid, noch las sie Dickens. Der tückische Winter wollte Rache üben an dem Lenz, der so still und unerwartet ihn aus seinem Besitze verdrängt hatte. Es begann in der Ferne zu pfeifen und zu sausen; die Brandung wurde unruhiger und warf wirbelnd und kochend die hochaufspritzenden Schaumflocken an den Strand; die Wogen nahmen eine dunklere Färbung an und brausten beftig auf; es war, als wenn eine unsichtbare Macht sie zornig mache, so daß sie immer lauter und lauter ihrem Groll Luft machen mußten.(Fortsetzung folgt.) schon in Ermangelung besserer durch„Möpse“ ersetzt werden mußten. Der verfolgte Rehbock machte den Verfolgern den Fang zunächst jedoch nicht ganz leicht; er setzte mit Leichtigkeit über mehrere Hecken, bis ihm eine doch zu hoch war. Als er nicht hinüber konnte, mußte er wohl oder übel hindurch, dabei wurde ihm jedoch sein gut entwickeltes Gehörn hinderlich. Er setzte sich in der Hecke fest, und der Bock war gefangen. Unter großem Jubel der zahlreich zusammengelaufenen Koloniebewohner wurde die seltene Jagdtrophäe in einem— Schweinestall untergebracht. Man vermutet, daß der Bock aus irgend einem Park entsprungen ist. Vorläufig wird er als Fundsache behandelt. * Trier, 8. Mai. In zahlreichen Weinbergen der Obermosel und Saar hat die Frostnacht vom 2. auf den 3. Mai die zarten Rebschößlinge vernichtet. Besonders waren die Höhenlagen dem scharfen Froste, der bis auf eine Minimaltemperatur von 3 bis 4 Grad Kälte ging, schutzlos ausgesetzt. Die bereits sichtbaren jungen Gescheine sind vielfach schwarz und welk. Schwer heimgesucht von dem Frostschaden sind die luxemburgischen Weinorte Lenningen, Nemich, Grevenmacher und Gastingen, auch die bekannten Saarweinorte Saarburg, Ockfen und Wiltingen haben durch den Frost gelitten. In dem Flußtal der Mittelmosel stellte sich glücklicherweise in der Morgenfrühe ein dichter Nebel ein, der gegen die Wirkungen der gesunkenen Temperatur wie eine schützende Decke wirkte. * Kreuznach, 9. Mai.(Eine peinliche Leichenverwechslung) ereignete sich gestern bei der Beerdigung des Veteranen Machemer. Im Sarge lag statt der Leiche des Veteranen die eines jungen Mannes aus Waldböckelheim, während der Veteran nach dort transportiert und von den Angehörigen des jungen Mannes beerdigt worden war. Auf behördliche Anordnung wurde die Leiche wieder ausgegraben und nach Kreuznach gebracht, wo die Auswechslung stattfand. Waldbrände. Hinsbeck, 8. Mai. Seit gestern ist in den benachbarten Waldungen ein großer Brand ausgebrochen, der sich schon auf die Grundstücke des Grafen Schaesberg ausgedehnt hat. Die Gehöfte sind in großer Gefahr. Borken, 8. Mai. Bei einem Waldbrand, der in der Nähe der Station Deulen ausbrach, und der bei dem herrschenden Winde eine große Ausdehnung annahm, sind u. a. zwei Bohrtürme vernichtet worden. Attendorn, 8. Mai. Hier fielen 30—35 Hektar Waldbestand einem verheerenden Waldbrande zum Opfer. Fast vier Stunden war man angestrengt tätig, ehe man des Feuers Herr wurde. Waldbroel, 8. Mai. Im Spuckenbacher Walde entstand gestern morgen ein großer Waldbrand, dem ca. 100 Morgen Wald zum Opfer fielen. Honnef, 8. Mai. Gestern nachmittag entstand im sogen. Schmeerbach in der Nähe des israelitischen Friedhofe der zweite Waldbrand in diesem Jahre, der wieder erheblichen Schaden anrichtete. Eitorf, 8. Mai. Im Spich entstand gestern nachmittag in dem Tannenbestand des Grafen Hoensbroech ein Waldbrand, der bedeutenden Schaden anrichtete. Selm, 8. Mai. Kurz nach 12 Uhr entstand in dem früheren Pastorsbusch, der von der Bergwerksgesellschaft Wilhelm=Essen angekauft worden ist, ein Waldbrand, dem die jungen Anpflanzungen größtenteils zum Opfer fielen. Obwohl viele Bahnbeamte und Arbeiter schnell zur Stelle waren, um den Brand zu löschen, konnten diese gegen das wütende Element, das durch den starken Ostwind noch begünstigt wurde, nichts ausrichten. Nur ein kleiner Teil der Schonung konnte gerettet werden. Man nimmt an, daß der Waldbrand durch Funken aus der Lokomotive entstanden ist. Aachen, 8. Mai. Zwischen Waldheim und Rötgen vernichtete gestern nachmittag ein Waldbrand etwa 50 Hektar Nadelholzwald, der Gemeinde Waldheim gehörend. Die Freiwillige Feuerwehr konnte unter Hilfe von zahlreichen sonstigen Personen nach mehrstündiger Tätigkeit den Brand zum Stillstand bringen. Kleine Chronik. Die deutschen Forschungsreisenden Dr. Brunhuber und Dr. Schmitz sollten in China ermordet worden sein, wie Missionare meldeten. Bis jetzt ist aber eine Bestätigung der Hiobspost nicht eingetroffen. Hoffentlich bewahrheitet sie sich überhaupt nicht. Eine furchtbare Nache übte vor dem Moabiter Kriminalgericht der Maurer Kieselbach an zwei Zeugen, auf Grund deren Aussage er verurteilt worden war. Er schoß mit einem Revolver auf sie. Einer wurde sofort getötet, der andere blieb unverletzt. Nicht einmal vor der Heiligkeit des Steueramtes scheuen die Einbrecher bei ihren Raubzügen zurück. Spitzbuben brachen im Hauptsteueramt in Neustrelitz ein, sprengten einen Geldschrank mit Pulver und raubten 70 Mark. Am Genuß verdorbener Konserven sind 37 französische Soldaten schwer erkrankt. Ein seltsames Schiff ist es, das das Carnegie=Institut in Washington zur Erforschung aller magnetischen Abweichungen des Kompasses ausrüstet. Infolge seiner Bestimmung wurden beim Bau keine Eisenteile verwendet. Alles Eisen ist durch Messing, Bronze oder Kupfer ersetzt. Ein Bubenstreich. In einem Straßenbahnwagen in Buenos Aires wurde eine Bombe gefunden. Sie explodierte, als man sie entfernen wollte, und zwanzig Personen wurden dadurch verletzt. In Brand geriet ein Schlafwagen der Pennsylvania=Bahn. Zufällig waren Herren von der Direktion im Wagen. Sie konnten sich mit knapper Not durchs Fenster retten. Da werden Weiber zu Hyänen. In Newyork ist ein Bäckerstreik ausgebrochen. Frauen griffen Kutscher, die Brot ausfuhren, mit Knüppeln und Steinen an, rissen das Brot aus dem Wagen und zertrampelten es im Straßenschmutz.— Eine Megäre in Köln, die Frau eines Tagelöhners, mißhandelte ihre Stiefkinder aufs entsetzlichste und setzte sie schließlich dem Hungertode aus. Das Weib erhielt fünf Monate Gefängnis. Sehr zu begrüßen ist, daß die neu Strafjustiznovelle schärfere Bestrafung der Kindermißhandlungen vorsieht. Lustig gelebt und unselig gestorben. Nachdem sie vorher in der lustigen Kaiserstadt Wien in Saus und Braus gelebt hatten, erschoß sich ein Berliner Liebespaar in den Hotelbetten. Er war ein Charlottenburger Kaufmann, sie eine junge Verkäuferin. Der Kopf glatt abgerissen wurde dem beim Abfeuern eines Geschützes beschäftigten Arbeiter Tegel in Reinsdorf bei Berlin, indem das Geschoß explodierte. Der Schießmeister Runtle und ein Arbeiter wurden ebenfalls getötet.— Einen Todessturz erlitt der Leutnant v. Thermann von den Hannoverschen Dragonern. Er stürzte in der Reitschule mit dem Pferd, jagte sich die Lanze in den Leib und starb alsbald. Ein neuer Eisenbahnraub ist im Eilzug Amsterdam=KölnWiesbaden=Frankfurt bei Frankfurt an einer alleinreisenden Dame in einem Abteil 3. Klasse verübt worden. Der Räuber hatte ein schwarzes Tuch vors Gesicht genommen, den Rock verkehrt angezogen und ließ sich von der Dame, die er mit dem Tode bedrohte, 170 Mark aushändigen. Dann verschwand er. Ein äußerst gefährlicher Beruf ist der des Geldbriefträgers. Jener freundliche Beamte, der überall, wohin er kommt, mit lachendem Gesicht empfangen wird, ist auch den schlimmsten Gefahren ausgesetzt. Der Fall des Geldbriefträgers Julenburg, der von einem Verbrecher niedergeschlagen und betäubt wurde, ist noch in voller Erinnerung. Derselbe Verbrecher soll es sein, der in Berlin die Witwe Reschke schwer verletzte. Er hatte an sich Geldsendungen adressiert, um den Geldbriefträger in seine Wohnung zu locken, ihn hier zu erschlagen und zu berauben. Vorher sollte die Wirtin dran glauben. Ein Stück Türkei in Berlin. Es dürfte wenig bekannt sein, daß sich in Berlin ein Grundstück befindet, welches der Türkei gehört, nämlich ein türkischer Friedhof. Er verdankt seine Entstehung dem Tode des türkischen Botschafters Ali Azis Effendi, der im Jahre 1797 in Berlin eingezogen war, aber schon am 29. Oktober 1798 starb. Zu seiner Beerdigung wurde auf speziellen Befehl des Königs auf der Tempelhofer Feldmark bei der Hasenheide ein Grundstchück von dem bisherigen Besitzer, Graf Podewils, erworben und auf diesem Platze auch auf königliche Kosten ein viereckiges Grabgewölbe in die Erde hineingebaut. Die Leiche des Gesandten wurde in einem grünen Sarge mit einem einfachen Wagen, auf dessen Leitern die Dienerschaft saß, die Geld unter dus Publikum verstreute, die Friedrichsstraße entlang nach dem Begräbnisplatz geführt und dort in der eingemauerten Grube beigesetzt. Am 28. Februar 1804 starb bereits sein Nachfolger im Amte, der in demselben Gewölbe beigesetzt wurde. Indessen verfiel das Grab in der Franzosenzeit und geriet nach und nach vollständig in Vergessenheit, so daß über die Stelle Gras wuchs. Erst im Jahre 1836 wurde bei dem Umpflügen des Ackers das Grabgewölbe durch Zufall wieder entdeckt dadurch, daß das Gewölbe durchbrach. Es wurde nunmehr eine Untersuchung eingeleitet und im Jahre 1838 die Grabstelle wieder in Ordnung gebracht, durch zwei Grabsteine bezeichnet und mit einem eisernen Gitter umgeben. Bereits im Jahre 1839 wurde wiederum ein Geschäftsträger der Pforte in diesem Gewölbe beigesetzt. Nachdem in den fünfziger Jahren noch mehrere Todesfälle in der türkischen Gesandtschaft in Berlin stattgefunden hatten, suchte die Botschaft eine Vergrößerung des Platzes nach, die ihr im Jahre 1856 zugestanden wurde, worauf ein rechteckiges Feld mit einer Mauer zum türkischen Friedhof bestimmt wurde. Im Jahre 1866 machte sich die Verlegung des Begräbnisplatzes erforderlich und es wurde auf Wunsch der Türkischen Gesandtschaft in der Hasenheide, dem Begräbnisplatz der Freiheitskrieger gegenüber, ein neuer Platz eingerichtet und durch den königlichen Baumeister Voigtel eine Mauer mit momumentaler Pforte erbaut. Zwei Pfeiler tragen einen Bogen im maurischen Stil mit einer Inschrift in arabischen Schriftzügen, die die Worte„Türkischer Begräbnisplatz" enthält. Am 29. Dezemb. 1866 wurden die Leichen der bisher verstorbenen Türken feierlich nach hier überführt und im Jahre 1867 ein besonderes Denkmal auf Befehl des Sultans errichtet. Der Kirchhof ist Eigentum der Pforte und dient auch heute noch als Ruhestätte für die in Berlin sterbenden türkischen Untertanen. Was ist unter„Ladenschluß" zu verstehen? Ein Geschäftsmann war mit einer Polizeistrafe von 2 Mk. bedacht worden, weil er eine Kundin, die seinen Laden vor 8 Uhr abends betrat, noch 10 Minuten nach 8 Uhr bedient hatte, ohne den Laden zu schließen. Der Geschäftsmann beantragte richterliche Entscheidung und machte geltend, daß er gesetzlich nicht verpflichtet sei, seine Ladentür um 8 Uhr zu schließen, nur dürfe er dann an etwa noch hereinkommende Personen nicht mehr verkaufen. Das um 8 Uhr noch im Laden befindliche Publikum nehme es häufig übel, wenn die Tür geschlossen werde, und es sei bei ihm schon vorgekommen, daß dadurch ein Geschäft vereitelt worden sei. Der Amtsanwalt war dagegen der Ansicht, der Geschäftsmann hätte punkt 8 Uhr seinen Laden schließen müssen und erst nach Erledigung des Geschäfts die Tür wieder öffnen dürfen, um die Kundin wieder heraus zu lassen. Er weise auf die Postanstalten hin, deren Schalterräume pünktlich um 8 Uhr abgeschlossen werden, während die noch anwesenden Personen abgefertigt werden. So müsse der Achtuhrschluß auch im Geschäftsleben gehandhabt werden; er beantrage daher, es bei der Polizeistrase von 2 Mk. zu belassen. Das Schöffengericht sprach indes den Angeklagten mit der Begründung frei, daß jeder Ladeninhaber nach der gesetzlichen Schlußzeit seinen Laden offen halten dürfe, nur müsse der Laden für den geschäftlichen Verkehr geschlossen werden, d. h. der Inhaber dürfe nach Geschckäftsschluß nichts mehr verkaufen.— Wenn wir nicht irren, liegt in dieser Sache bereits eine Kammergerichtsentscheidung vor, die zu wesentlich anderen Ergebnissen kommt. Ihr zufolge braucht allerdings die Ladentür gleichfalls nicht abgeschlossen(mittels Schlüssel oder Riegel) zu werden, aber sie muß eingeklinkt werden und außerdem muß auf irgend eine Art ersichtlich gemacht sein, daß die Sperrzeit begonnen hat. Wer mit Rücksicht auf die Kundschaft von dem Verriegeln oder Abschließen Abstand nimmt, muß daher ein Plakat mit der Aufschrift„Geschlossen“ vor die Ladentür hängen oder durch einen Lehrling das Eintreten weiterer Kundschaft verhindern Seit mehr als 40 Jahren ist in Hunderttausenden von Fällen die vorzügliche Verdaulichkeit und Nährwirkung des Restle'schen Kindermehles, das die Kinder so gern nehmen, gründlich erprobt worden. Immer gleichmäßig und gebrauchsfertig, stets bekömmlich, nie säuernd oder sich zersetzend, bringt das Nestle=Mehl den Säugling durch die schwierige Periode des Sommers glücklich hindurt N 40 bis 50 Itr. gutes Wen zu kaufen gesucht. 2508 Wo sagt die Expedition der Schwerter Zeitung. Sesten krg Suche für sofort zwei gute, milchgebende Ziegte zuskaufen. 2520 Kantine Wandhofen. (Kraftbier) reich an Extrackgehalt 6¼%, arm an Alkohol 1%, sowie Merklinghäuser Kornbranntwein empfiehlt Gart Käßsin =Schützen-Verein Schwertt. — Dienstag den 11. Mai 1909, abends 8 ½ Uhr:— Appell der l. Kompagnie im Lokal des Schützenbruders Herrn W. Brückner (Hotel Ostermann) = Tages=Ordnung: 1. Einschreiben der Schützen 2. Besprechung über ein Kompagnie=Schießen. 3. Wahl der Chargierten. 4. Empfang der eisernen Portionen. Die Schützen erscheinen in Mütze. Lieder=Bücher mitbringen Zahlreiches Erscheinen erwartet 1476 Balster, Hauptmann und Kompagnie=Chef. Gasthof„Jur Helle“ 25 Große Küchenanrichte billig zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der Shwerter Heitung. (zum Einwicheln 2c.) gidt billigst ab Buchdruckerei Carl Braus. Zur Haarpflege emngiehle PIxavon p. Tl. 2.00 Mk. Birkenwasser 9. H. 1.75 Mk. Brennesselspiritus P. Fl. 0.75 Mk. Progerls Carl Lrog, Schwerte. #4 Schwerter Turnverein, Schwerte Mitglied der deutschen Turnerschaft. Der Verein feiert am Sonntag dem 16. Mal, Beginn 3 Uhr nachmittags sein Sommerfest im Vereinslokal„Im Reiche des Wassers“ durch Konzert, Schauturnen und Ball. Die Musik wird ausgeführt vom Trompeterkorps des Husaren-Regiments Nr. 8 aus Paderborn unter persönlicher Leitung des Kgl. Musikmeisters Herrn E. Schüler. Um 2 Uhr: FESTZUG 2456— durch die Strassen der Stadt.— Karten im Vorverkauf zum Konzert 0,40 Mk., Festkarte 1.— M.; an der Kasse zum Konzert 0.50 M.; Festkarte 1.25 M.; Ballkarte 1.— M.: Festbeitrag für aktive Turner 0.30 M.; für Schüler 0.15 M.; Fest und Ballkarte eine Dame frei. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein Der Vorstand. NB. Die Mitglieder treten um 1½ Uhr zum Festzuge an.— Kopfbedeckung: Mütze. Das 2487 Bäcker= u. Konditoreilokal in meinem Hanse, Brückstr. 21, ist vom 1. Juli d. J. ab zu vermieten, ev. mit Wohnung u. Backstube. Ludw. Hagemann. 4 Die bosiaint Alsite üie Aiur lsheciche. kauf beendet. Dagegen wird noch gutes Wiesenheu und Roggen, richtstroh gehauft. Der J. der Zioil-Dogihraehe, B.: Frhr. von Steingecher. 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Bisweilen erreicht die Kälte solche Stärke, daß es nicht mehr möglich ist, die Hände zu gebrauchen, und die erstarrten Finger können den Pinsel nicht mehr halten Wenn eine. herrliche Landschaft naheliegt, und die Winde das Vordringen erschweren, dann entledigt sich die Malerin wohl ihres Schuhzeugs, um besonders gefährliche Hügel zu erklimmen; barfuß schreitet sie über die harte Schneekruste, um nicht auszugleiten; die Wärme der Füße erweicht die Oberfläche des Schnees und so gewinnt sie einen besseren Halt und schließlich einen sicheren Stützpunkt. Freilich geht es bei diesen Expeditionen nicht immer ohne gefährliche Zwischenfälle ab; so stürzte sie einmal durch einen Schneespalt, unter dem das Meer gähnte. Aber durch einen Glücksfall fiel sie an einer kleinen geschützten Bucht nieder, es war Ebbe und so kam sie mit einigen leichteren Verletzungen davon. Auf ihren einsamen Fahrten nimmt Frau Boberg oft in den verlassenen Hütten der Eingeborenen Quartier, denn ihre Bewohner sind von der Kälte fort nach Süden getrieben worden. In solchen Tagen sind gedörrter Fisch, Seevögel, Eier und schwarzer Kaffee ihre einzige Nahrung. Wenn das Gehen unmöglich wird, bedient sie sich ihrer langen Skis. Dabei ist es nicht selten, daß sie den Wind sich dienstbar machen kann; ein großes Segel schnürt sie an sich fest, und auf ihren Schneeschuhen wird sie über die weite Schneewüste hingetrieben. Ihre Malerlaufbahn, die ein englischer Korrespondent in Stockholm schildert, begann vor fünfzehn Jahren. Damals unternahm sie gemeinsam mit ihrem Gatten, einem bekannten Architekten, eine Fahrt nach Lappland. Der Zauber und die geheimnisvollen Wandlungen des Sonnenlichtes, der Himmel und die weiten Schneeflächen machten auf Frau Boberg einen so tiefen Eindruck, daß sie den Entschluß faßte, wieder dorthin zurückzukehren und diese Schönheit auf die Leinwand zu bannen. zelt und Zeit.) Weiße Sklaven in Amerika. Bor den mannigfachen Erfahrungen, denen unerfahrene europäische Einwanderer in Amerika ausgesetzt sind, ist schon oft gewarnt worden. Unlängst wurde wieder ein Fall bekannt, in dem sieben Männer monatelang Zwungsarbeit verrichten mußten. Sie hatten mit der im Bau stehenden Nordkarolina=Bahn Verträge abgeschlossen, durch die sie mit einem Lohn von zehn Mark pro Tag als Schreiber engagiert wurden. Voller Hoffnung reisten sie südwärts nach Altapas, von wo aus sie noch sechs Meilen durch bergige Tannenwälder zu gehen hatten. Aber kaum waren sie am Ziel angekommen, als auch die Enttäuschungen begannerz. Die Einwanderer wurden mit Negern zusammen einquartiert, und als Schlafgelegenheit erhielten sie nichts als ein kahles Holzbrett. Der Oberaufseher achtete auf keinen Protest; mit dem Revolver in der Hand zwang man sie, sich in einen Tunnel zu begeben und dort mit Hacke und Schaufel zu arbeiten. Zwei von den Betrogenen gelang es, zu entfliehen. Aber kaum waren sie eine Meile gewandert, so wurden sie vom Sheriff eingeholt, verhaftet und zum Lager zurückgeleitet; ein dritter, gleichfalls wieder ergriffener Flüchtling wurde ihnen zugesellt. Am folgenden Tage schleppte man die drei 22 Meilen weit zum Sitze des Distriktvorstehers; ohne daß man sie zu Worte kommen ließ, wurden sie zu zwanzigtägiger Ankettung verurteilt. An große Eisenkugeln festgeschlossen, wurden sie an die Arbeitsstätte zurückgebracht und mußten Steine brechen. Endlich gelang es einem dev Gefesselten, heimlich einen Bericht an das Justizdepartement abzusenden. Einige Tage später erschien ein Staatsanwalt am Platze, der nach Prüfung der Sachlage die„Carolina Construction Company“, den Sheriff und mehrere Beamte wegen Sklavenhalterei in den Anklagezustand versetzte. Der Gerichtshof von Charlotte, North Carolina, verurteilte die Angeklagten; die Gesellschaft zahlte 12000 Mark Strafe. Die Zahl der auf diese oder ähnliche Weise geschädigten Weißen wird auf mehr als 3000 beziffert; trotz aller Prozesse hat man keinerlei Sicherheit, daß diese Vorkommnisse sich nicht wiederholen 18 472 m über der Erde. Diese gewaltige Höhe erreichte nach dem„Prometheus“ ein mit registrierenden Instrumenten versehener, unbemannter Luftballon, der am 7. Februar 1907 vom meteorologischen Observatorium in Uccle aufgelassen wurde. Die ganze Reise dieses Ballons dauerte nur 1 Stunde, 7 Minuten und 30 Sekunden; nach Verlauf dieser kurzen Zeit von der Auffahrt an gerechnet erreichte er, 12,7 Kilometer vom Aufstiegsort entfernt, den Erdboden wieder. Wie die Aufzeichnungen der Instrumente ergaben, betrug die niedrigste Lufttemperatur während der Fahrt Minus 62,5 Grad Celsius gegenüber Plus 6,7 Grad Celsius auf der Erde, und zwar wurde dieses Temperaturminimum in der Höhe zwischen 15000 und 17000 Meter beim Aufstieg und zwischen 14000 und 13000 Meter beim Abstieg erreicht. Die Luftfeuchtigkeit hielt sich, von 6500 Meter Höhe ab, zwischen 72 und 80 Prozent; bei 18472 Meter betrug sie 77 Prozent. Das Barometer zeigte in dieser Höhe 52 Millimeter. Die Geschwindigkeit des Ballons betrug gleich nach der Abfahrt 5,8 Meter in der Sekunde; während des Aufstieges stieg sie bis auf 9,3 Meter und während des Abstieges sogar stellenweise bis auf 20 Meter in der Sekunde. Als der Ballon aber wieder in dichtere Luftschichten gelangte, verminderte sich auch die Fallgeschwindigkeit entsprechend bis zu 7,1 Meter in der Sekunde in einer Höhe von 225 Meter bei einem Barometerstande von 760 Millimeter. Ein Franzose als Indianerhäuptling. Die Romantik lebt noch im zwanzigsten Jahrhundert. Im nordamerikap:.4 Staate Dakota starb 1906 ein Franzose, der unter den Sion indianern zu Rang und Ehren kam und es schließlich bis zum Häuptling eines Stammes brachte. Es war der Graf Loizeau du Vallon. Nach stürmischer Jugend ging er nach Amerika; ein Syndikat französischer Industrieller hatte ihn entsandt, um die amerikanischen Fabrikationsverhältnisse zu studieren. Es sollte nicht dazu kommen. Das Schicksal verschlug den jungen Aristokraten, kaum daß er das Schiff verlassen, in die erste beste Spielhölle. Als er sie-verließ, hatte er seinen letzten Dollar verloren. Er floh nach dem Westen; in der Prärie nahm er eine Siouxindianerin zur Frau, wodurch ihm der Weg zur rothäutigen Aristokratie geöffnet wurde. Eines Tages erhielt er unerwartet die Nachricht, daß er in Frankreich die Eroschaft von 30000 Francs gemacht habe Der neugebackene Indianer ließ sich durch einen Notar von Dakota die Erbschaft gushändigen. Mit ihr gab er seinem Stamme ein solennes Fes. Sechs Wochen währte das Schmausen und Zechen, und der Whisky floß ohne Ende. Voll Bewunderung beeilten die Rothäute sich, den 1 Grafen zum Häuptling zu wählen. So ist der ehemalige französische Aristokrat als Indianerhäuptling unter dem Namen „Wachsame Schlange“ gestorben. 9 a S SSSgS SSt-g g•CFRRNINASS ### K s Ta ** # S#g. 8 3 Fs#äskess ## Sontter! Amtliches Kreisblatt für den kreis börde ben Es Die Erben von Hohenlinden. zuf einem natürlichen Felsblock sich der erhöhte Kuhesitz, even Raum genug für zwei Personen bietend, die freilich ziemlich nahe aneinanderrücken Hier ließen sich die beiden nieder, ihres Alleinseins in dem weiten, dämmerigen Raume bewußt und seltsam benommen von der schwülen, feuchten, mit allerlei süßen, berauschenden Wohlgerüchen Uind setzt erst antwortete Margarete auf die letzten o„Der uns heute geraten hat, hierherzugehen, war sich dabei wohl kaum eines Unrechts bewußt,„Denn er durfte überzeugt sein, daß es an diesen Aveno im Atelier des Herrn Reignault nicht anders zugehen würde als bei all den früheren sogenannten Festen, denen ich an dieser Stelle mit meinem Vater bereits „Aber wenn Sie wußten, was Ihnen bevorstand— wie konnten Sie sich dann entschließen, Ihren Bater Sie erhob die Augen, o- z mie ein Zeinen Zügen sah, Roman von Fr. M. White. beeee.. ai sich buch seinen Felsvunn hefand nicht darauf aufgegelezig#sen z#####h euen esRbdus un u en ect ung uue Gierde „Glauben Sie wirklich, Herr Gentner, daß ich bisher unterlassen hätte, das zu tun, wenn ich mir irgend einen Erfolg davon versprechen könnte?— Mein hat vermutlich sehr triftige Gründe, es mit diesen Leuten nicht zu verderben, und es befindet sich leider nicht jeder gleich Ihnen in der glücklichen Lage, seinen Verleyr nach Belieben zu wählen und sich sein Leben ganz nach se Obwohl sie von Anfang an schtlich bemüht gewesen war, einen leichten Konversationston festzuhalten, klang für ein feines Ohr doch aus jedem ihrer Worte vernehmlich die trostlose, verzweifelte Stimmung, durch die sie sich zu dieser Flucht in den Wintergarten hatte bestimmen lassen, und sie war jetz, o Starrheit, die sie drinnen zur Schau getragen, aus ihrem Antlitz verschwunden war, von einer so hinreißenden, einer so bezaubernden Schönheit, daß es dem Manne an ihrer Seite immer schwerer siei, sich zu „Auch ig vin veleicht nicht io urgehans Kgens weicher Verdältuse st so am Gndizse ngsizsehe uens ver une riseher, um unsere Freiheit zu kämpfen und e ebene die Aung, guane Aihen un der Beckos ouidge. geshah aerdis uit uichen Beäite er uie ein Geuerzite Autene unn.#e elen, be uns Aglgesische, Bien siten. „Einem andern würde ich wohl in der Tat nicht sagte sie freundlich,„einem Lebensre wohl einige Freiheiten einräumen.“ „Richt als Ihrem Lebensretter, Komtesse, denn der geringfügige Dienst, den ich ja unbedenklich auch jeven anderen, in gleicher Not Befindlichen geleistet haben würde, gibt mir selbstverständlich kein Recht auf Ihr Vertrauen.— Meine Sehnsucht ist auf einen besseren und köstlicheren Ehrentitel gerichtet als auf den, den Sie mir soeben gegeben, und wie kurz auch immer unsere Bekanntschaft sein mag, hoffe ich doch von Ihrer Großmut, daß Sie ihn mir nicht verweigern.“ Sie gab sich den Anschein, ihn nicht zu „Und welcher Ehrentitel wäre das, Herr Gentner?“ „Der stolze Name eines Freundes, Komtesse „O, was kann Ihnen daran gelegen sein, der Freund eines armen Mädchens zu heißen, eines sich, wie Sie heut erfahren haben, in der denkbar schlechtesten Gesellschaft bewegt!“ „Und warum müssen Sie in dieser Gesellschaft leben, Komtesse Margarete? Warum machen Sie Ihren Vater schlimmer daran als wir. Und deshalb— deshalb würde ich mich glücklich schätzen, wenn ich irgend etwas tun könnte, Sie aus einer Lage zu befreien, die Ihre „Mich zu befreienr. frage se wie nczenegn. leichten Anflug von Erstaunen.„Ich verstehe Si licht recht, Herr Gentner, denn was könnten Sie für mich Da überwältgte ihn sein leidenschaftischen Fmpfinden, und indem er sich näher zu seiner schönen Nachbarin neigte, die auf dem engen Raume nicht vor ihm zurückweichen konnte, sagte er mit gedämpfter, (Wenn Sie sich mir anvertrauen wollten, ganz anvertrauen— wenn Sie mir das köstliche Recht einräumten, Ihr Führer und Ihr Beschützer zu sein auf Ihrem ganzen, ferneren Lebenswege Wenn Sie sich entschließen könnten, mein Weib zu werden Er konnte die begonnene Rede nicht vollenden, S 9 58 &am#n 55 5 ### 0 8. 60 27 + 4 1 8 S 5 F C 805 denn die Komtesse hatte sich mit einer raschen, fast ungestümen Bewegung erhoben und war von der kleinen Erhöhung, auf der sie gesessen hatte, in den Garten hinabgetreten. „Also auch Sie unterscheiden sich nicht von den anderen,“ sagte sie herbe.„Auch Ihnen ist ein Mädchen, dessen Aeußeres Ihnen gefällt, nichts anderes als ein Gegenstand des Verlangens! Wenn ich um diesen Preis aus meiner unwürdigen Lage befreit sein wollte, hätte ich wahrlich nicht bis zu dieser Stunde zu warten brauchen. Denn man verfolgt mich mit derartigen großmütigen Anerbietungen fast seit dem Tage, an dem ich anfing, mich in der Gesellschaft zu bewegen. Nur von Ihnen— ich gestehe es ganz offen— von Ihnen hatte ich es nicht erwartet.“ „Aber Sie mißverstehen mich, Margarete!“ rief er bestürzt.„Ich schwöre Ihnen, daß meine Absichten die reinsten und lautersten sind— daß ich——“ „Daß Sie mich aus lauter Mitleid zuletzt vielleicht wirklich heiraten würden,“ fiel sie ihm mit bitterem Sarkasmus ins Wort.„Wohl, ich will es Ihnen glauben. Aber Sie dürfen trotzdem nicht erwarten, daß ich Ihnen nun voll glühender Dankbarkeit in die Arme sinken werde. Obwohl ich nur ein Weib bin, möchte ich meine Befreiung lieber mir selbst verdanken, und möchte meine Ketten lieber aus eigener Kraft zerbrechen, wenn sie mir in Wahrheit unerträglich geworden sind. Wenn Sie mich für ein Mädchen hielten, das aus Mitleid geheiratet sein möchte, so haben Sie sich in der Beurteilung meines Charakters leider getäuscht.“ Er wollte noch etwas erwidern, aber da tauchte wie aus der Erde gewachsen plötzlich die hagere Gestalt Slawiks unmittelbar vor ihnen auf, und mit seinem unbefangensten, verbindlichsten Lächeln wandte sich der Pole an Margarete: „Der Graf beunruhigt sich wegen Ihres langen Ausbleibens, Komtesse, und ich wurde von ihm ausgeschickt, mich nach Ihnen umzusehen.— Wollen Sie mir gnädigst gestatten, Sie in das Atelier zurückzugeleiten?“ Rudolf hoffte, daß sie den Zudringlichen mit einem Wort der Ablehnung fortschicken werde. Und für einen Moment schien Margarete wirklich im Ungewissen über das, was sie tun solle. Dann aber nahm sie zum Schmerz des so unzweideutig Abgewiesenen Slawiks Arm. „Ja, lassen Sie uns gehen!“ sagte sie.„Es war ohnedies meine Absicht, zu der Gesellschaft zurückzukehren.“ Sie ging davon, ohne Rudolf ein Wort oder einen Blick zu gönnen. Die Augen des jungen Mannes folgten ihr, bis sich die Sammetportière wieder hinter ihrer königlichen Gestalt geschlossen. Dann fuhr er sich zweimal mit der Hand über die Stirn, atmete tief auf und ging hochaufgerichtet, mit tiefernstem, aber männlich ruhigem Antlitz desselben Weges, um das Haus des Herrn Armand Horace Reignault auf Nimmerwiederkehr zu verlassen. 2. Kapitel. Vier Jahrhunderte hatte Schloß Hohenlinden gesehen, und seit vier Jahrhunderten war es der Sitz derer von Reckenthin. Ein Kurfürst von Brandenburg hatte sich's als Jagdschloß erbaut und es später seinem Kämmerer, dem Herrn Botho von Reckenthin, zum Geschenk gemacht, als dieser ihm einen wichtigen Dienst geleistet hatte. Der neue Besitzer hatte es durch allerlei Anbauten zu einem großen und prächtigen Herrensitz umgestaltet, hatte durch gute und richtige Bewirtschaftung den Wert der dazu gehörigen Wälder und Ländereien gehoben und die Wohlfahrt der der Familie Reckenthin eigenen Dörfer sichergestellt. Die wilde und vernichtende Zeit des Dreißigjährigen Krieges war an dem Schloß im Havelland vorübergegangen, ohne etwas daran zu zerstören, und die Nachkommen Botho von Reckenthins, deren einer in den Grafenstand erhoben wurde, hatten das ihrige getan, Hohenlinden durch Neubauten und Aenderungen zu vergrößern und zu verschönen. Die Station der Eisenbahn war wohl um eine gute Viertelstunde von Dorf und Schloß entfernt. Es pflegte da im allgemeinen ziemlich still zu sein; nur an schönen Sommersonntagen kamen wohl aus des Reiches Hauptstadt Ausflügler herüber, die ein stilleres Revier den bei der großen Masse beliebten Orten vorzogen. Sonst waren es nur Bauern, die die Erzeugnisse ihres Feldes oder Gartens nach Berlin fuhren und vorher fleißig den Warte„saal“, ein Loch, dessen Wände mit mehr oder weniger geschmackvollen Plakaten beklebt waren, mit dem Qualm ihrer nichts weniger als wohlriechenden Tabakspfeifen füllten. Nicht, daß die gräflich Reckenthinsche Familie ungastlich und menschenscheu gewesen wäre. Die Besucher des Schlosses Hohenlinden aber pflegten zumeist im Automobil oder in bequemer Equipage zu kommen; die Landstraße von Berlin her war ausgczeichnet, und ein paar flinke Pferde schafften den Weg wohl in drei Stunden. Das war immer noch angenehmer als die einstündige Fahrt in der Vorortbahn, deren zahllose Stationen und sinnigen Umwege bei einer Fahrt von zehn oder zwanzig Minuten wohl zu ertragen weren, im Laufe einer Stunde aber recht auf die Nerven fielen. Um so mehr mußte dem Stationsvorstand der elegant gekleidete Herr auffallen, der am Morgen eines Spätsommertages dem Zuge als einziger Passagier entstieg. Er gehörte nicht zu den Leuten, die auf Hohenlinden verkehrten; denn die wenigen Gäste des Grafen, die mit der Eisenbahn zu kommen pflegten, kannte der Herr Stationsvorstand zur Genüge. Der Fremde hatte sich ein paar Augenblicke lang suchend nach einem dienstbaren Geiste umgesehen, der ihm seinen Handkoffer fortschaffen könnte; da sich jedoch niemand blicken ließ, kam er mit raschen, elastischen Schritten auf den Vorstand zu und lüftete leicht den Hut. „Verzeihung— aber könnten Sie mir vielleicht sagen, wo ich jemanden finde, der mir den Weg nach Hohenlinden zeigt und das Ding da“— er deutete auf den Koffer—„hinschafft?“ Der Beamte hatte zur Erwiderung des Grußes an die Mütze gefaßt. „Gewiß!— Wenn Sie sich einen Augenblick gedulden wollen— einer der Arbeiter wird wohl entbehrlich sein.— Ich vermute, Sie wollen zum Schloß?“ Der Fremde lächelte ein wenig. „Ich bin zwar des Schlosses wegen gekommen, gedenke mich jedoch zunächst ins Dorf zu begeben,“ erwiderte er etwas orakelhaft.„Wenn ich mir gestatten darf, Sie um eine Auskunft zu bitten—?— Ich werde nämlich genötigt sein, mir im Ort ein Unterkommen zu suchen. Gibt es da wohl ein leidliches Wirtshaus, in dem man eine Stube zum Alleinbewohnen haben kann?“ „Zum—?“ „Ich meine, wo man sicher ist, keine Mitbewohner aus dem Tierreiche zu haben.“ Der Beamte lachte. „Das Gasthaus von Hohenlinden ist zwar kein Hotel, aber ein Zimmer mit einem anständigen und sauberen Bett finden Sie ohne Frage. Auch leidliches Essen.— Einen Führer brauchen Sie übrigens kaum. Der Weg führt von hier schnurgerade nach dem Dorf, es ist einfach unmöglich, ihn zu verfehlen.“ „Wenn Sie so liebenswürdig sein wollen, ihn mir zu zeigen, würde ich das Alleingehen allerdings vorziehen. Den Koffer darf ich wohl hierlassen?“ „Ich werde ihn nach Hohenlinden schaffen lassen. Darf ich fragen, auf welchen Namen—?“ „Mein Name ist Gentner— Rudolf Gentner.“ Der Beamte verneigte sich leicht. (Fortsetzung folgt.) 10 u5 S a „ M“ u ai ing ttt u S S uic hunh Muuge e 00 Denkspruch. Es bewährt sich, daß das moralisch Schönste und Edelste auch das meilte Glück bringend ist. W. v. Humboldt. Verloren— Gefunden. Von Leo Sonntag. (Schluß.(Nachdruck verboten.) Ich suchte mich zwar zu überreden, daß sie mir gleichgültig sei: doch wenn ich wußte, daß sie bei meiner Schwester war, hatte ich im Geschäft immer sehr wenig zu tun, so daß ich früher nach Hause kam als gewöhnlich, und wenn die Mädchen Spaziergänge machten, wußte ich es stets so einzurichten, daß meine Zeit mir erlaubte, sie zu begleiten. Eines Morgens kam Paula mit der Bitte zu meiner Schwester, ihr bei einigen Einkäufen behilflich zu sein; Charlotte aber überredete sie, zum Mittagessen dazubleiben, und erst dann zu gehen, so daß ich das Vergnügen hatte, sie zu treffen, als ich um zwölf Uhr kam. Nach Tisch machten sich die beiden Mädchen zum Ausgehen bereit. Fräulein Forster trug ein hübsches Kostüm aus weichem braunen Wollenstoff und einen passenden Strohhut. Lachend zog sie ein Paar schwarze Handschuhe an und sagte zu Charlotte: „Sieh nur, Lottic, wie hübsch die passen! Ich hatte ein Paar braune zu diesem Anzug und habe neulich den einen verloren. Heute will ich mir aber ein Paar neue kaufen!“ Ich horchte hoch auf, Charlotte ging gerade aus dem Zimmer, um etwas zu holen, und rasch entschlossen trat ich auf Fräulein Forster zu: „Wissen Sie, wo Sie Ihren Handschuh verloren haben, Fräulein?“ fragte ich. „Nein,“ versetzte sie ganz unbefangen.„Ich hatte den einen ausgezogen, weil ich Geld aus meiner Börse nehmen wollte, und vermißte ihn erst, als ich nach Hause kam. Warum fragen Sie, Herr Soldan?“ „War es an einem regnerischen Morgen?“ fuhr ich fort, ohne auf ihre Frage zu achten. „Ja,“ war die Antwort, und eine glühende Röte bedeckte plötzlich das ganze Gesichtchen. „Nun, dann will ich Ihnen sagen, warum ich gefragt,“ sagte ich, indem ich mich zu ihr niederbeugte. „Es sind ungefähr vierzehn Tage her, da fand ich in einem Trambahnwagen einen kleinen braunen Damenhandschuh; sollte das der Ihre sein?“ Paula errötete noch tiefer als vorher. „War es der Ihre, Paula? Waren Sie der Engel, der mich aus der peinlichsten Verlegenheit erlöste? Ja? Und darf ich heute abend zu Ihrer Tante kommen und Ihnen den verlorenen Handschuh zurückbringen?“ „Ja,“ entgegnete sie leise, und da in demselben Augenblicke Charlotte in das Zimmer trat, so sprach ich kein Wort weiter. Am Abend aber machte ich einen Besuch bei Röders; anstatt jedoch, wie gewöhnlich, nach den Damen zu fragen, fragte ich heute nur nach Fräulein Forster, Sie kam sogleich in den Salon, und wir unterhielten uns zuerst über gleichgültige Dinge; trotzdem war sie verlegen und beantwortete meine Fragen sehr zerstreut. Als die Unterhaltung so gar nicht in Fluß kommen wollte, zog ich den Handschuh aus meiner Tasche, reichte ihr denselben und fragte: „Ist das der Ihre, Fräulein Forster?“ „Ja; aber ich begreife immer noch nicht, wo Sie ihn gefunden haben.“ „Das will ich Ihnen sagen. Er fiel mir in den Schoß, als Sie mir die zarteste Aufmerksamkeit erwiesen, die mir je widerfahren.“ „Ich versichere Sie, ich hatte keine Ahnung, wer Sie seien; ich sah nur, daß Sie ein Gentleman waren, — und ich bedauerte Sie,— und ehe ich recht überlegt hatte, was ich tat, war es geschehen! Was mögen Sie gedacht haben?“ „Ich war Ihnen von Herzen dankbar, Paula, und habe mir die größte Mühe gegeben, meine Retterin ausfindig zu machen, doch umsonst; denn ich hatte ja Ihr Gesicht nicht geseche r.g—. Mieher Sum Geldg „Ich erkannte Sie sofort wieder, Herr Soldan, als Sie mir den Abend vorgestellt wurden, und geriet in die grenzenloseste Verlegenheit. Sie hatten mich gewiß für sehr aufdringlich gehalten!“ „Aufdringlich! Paula, sagte ich Ihnen nicht, daß ich Ihre zarte Aufmerksamkeit verstand? Und ich will noch etwas hinzufügen. Ich, der erklärte Junggeselle, verlor an jenem Morgen mein Herz an die Unbekannte. Doch es wäre wohl noch zu retten gewesen, wenn ich keine Spur von ihr gefunden. Jetzt aber, da ich erfahren, daß die Retterin im Trambahnwagen und das liebliche Mädchen, das ich seit vierzehn Tagen kenne, eine und dieselbe Person sind, jetzt ist es unwiederbringlich verloren; es müßte denn sein, Sie wollten es mir zurückgeben. Wie ist es, Paula? Ihren Handschuh habe ich Ihnen wiedergegeben, was werden Sie mit meinem Eigentum anfangen? Werden Sie es behalten“„, stut##um fant: 6i. Paula lächelte errötend, dann sagte sie leise: „Wenn es Ihnen einerlei ist, möchte ich es behalten.“ „Einerlei!“ rief ich und zog das Mädchen an mich, „nein, Paula, einerlei ist es mir nicht, ganz gewiß nicht; denn ich will es nicht wiederhaben. Aber das Deine mußt du mir dagegen geben, willst du, Liebchen?“ Was Paula darauf antwortete, will ich nicht verraten; nur soviel will ich noch erzählen, daß Charlotte über die vertrauliche Mitteilung, die ich ihr beim Nachhausekommen machte, entzückt war und daß wenige Tage später unsere Bekannten durch hübsche Karten überrascht wurden, auf denen zu lesen stand: Paula Forster Alfred Soldan Verlobte. Die Geschichte von dem kleinen braunen Handschuh aber haben wir niemanden verraten, nicht einmal meiner Schwester. Ein arktisches Maleridyll. Im fernen nördlichen Eismeer, auf der einsamen Insel Furoen, steht hoch auf einem Felsen ein Maleratelier. Die schwedische Malerin Anna Boberg hat dort ihr winterliches Quartier aufgeschlagen. Keinen Gefährten hat sie außer einem inländischen Bedienten: und kein anderes Mittel steht bereit, der nördlichen Einöde zu entfliehen, als ein kleines Segelboot, das unten am Fuße des Felsens vor Anker liegt. Aber nur die wenigste Zeit verbringt die unternehmungsfrohe Künstlerin in ihrem primitiven Felsennest. Meist ist sie unterwegs, und ihre Exkursionen führen sie weit hinein in die stummen Polarregionen. Eingehüllt in ein grobes Renntierfellgewand, den Kasten mit dem Malgerät auf dem Rücken, so zieht Frau Boberg aus, um irgend einen guten Beobachtungspunkt zu erklimmen, wo sie ihren Studien obliegen kann. In diesem gewaltigen, stummen Schauspiel arktischer Schönheit findet sie ihre schönsten Anregungen, ihre größten Aufgaben, wunderbare Lichteffekte lassen sich beobachten, und in allen Farben spiegeln die Sonnenstrahlen sich in den Eisweiten wie in einem Doerpfeld=Athen, Grauer= München, Roethe= Berlin, Wiedemann=Vonn u. den, Oberlandesgerichtspräsidenten Spahn in Kiel. Großfeuer. Innsbruck, 11. Mai. Feuer, das bei der herrschenden Trockenheit rasch um sich griff, äscherte in der Ortschaft Wald bei Imst 9 Häuser ein, darunter die Kirche und das Pfarrhaus. Die Krönung des Sultans. Konstantinopel, 11. Mai. Die Feier der Amgürtung des neuen Sultans mit dem Schwerte Osmans ist ohne Zwischenfall verlaufen. Der Sultan traf, wie vorgesehen, um ½1 Uhr zu Schiff vor der Ejubmoschee ein, wo er von den Ministern und Würdenträgern empfangen wurde. Zur Feier, die innerhalb der Moschee war und eine halbe Stunde dauerte, hatten Fremde keinen Zutritt. Den Rückweg legte der Sultan zu Lande zurück. Der Sultan war in großer Uniform und wurde auf dem ganzen Wege von den Truppen und der Volksmenge mit den lebhaften Rufen:„Lange lebe unser Padischah" begrüßt. Er machte einen frischen Eindruck. Für das diplomatische Korps, das fast vollzählig vertreten war, für die Vertreter der Presse und für andere geladene Gäste waren nahe am Adrianopeler Tore Zelte mit Erfrischungen aufgeschagen. Auch die Offiziere und Mannschaften des deutschen Stationsschiffes„Loveley“ hatten an der Feststraße Aufstellung genommen. Die ganze Feier machte einen einfachen Eindruck und verlief ohne große Prunkentfaltung, jedoch unter großer Teilnahme der Bevölkerung. Handel. Neuß, 10. Mai.(Fruchtmarkt.) Weizen, 2. Sorte 25,50 Mk., 3. Sorte 23,50 Mk.; Roggen, 1. Sorte 18,70 Mk., 2. Sorte 17,70 Mk.; Haser, 1. Sorte 17,70 Mk., 2. Sorte 16.20 Mk., 3. Sorte 14,80 Mk. für 100 Kg. Katoffeln 3.30—3,60 Mk. Heu 3.40—3,80 Mk., Luzerner Heu 4,20 Mk. für 50 Kg. Krummstroh 16,00 Mk., Breitdruschstroh 18,00 Mk. für 500 Kg. Kleie 6.20 Mk. für 50 Kg. Köln, 10. Mai.(Fruchtmarkt.) Heu 7,00—7,50 Mk., Maschinenstroh(Roggen) 0,00 Mk. Richtstroh(Flegeldrusch) 3,80 Mk., Krumm= und Preßstroh 2,60—3.00 Mk. Gichttbeaten Bortuund. Dienstag, 11. Mat, 7 Uhr:„Siegfried". Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner. Mittwoch, 12. Mai, 7½ Uhr:„Alt=Heidelberg“. Schauspiel in „füuf Aufzügen von Wilhelm Meyer=Förster. Wettenbericht der Deutschen Ceewarte. 11. Mai: Wolkig mit Sonnenschein, wärmer, trocken. 12. Mai: Warm, heiter bei Wolkenzug, strichw. Gewitter. 13. Mai: Schön, heiter, warm, strichweise Gewitter. Denantmortlich: Fiir Polkksk, Ferileten und unmanhee Gebiete: Hans Schlinzigk: für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas: Diuck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Die dan:-Aach de rell ist das besse. Hamburger Engzog= Lager 2153 Schwerte, Ostenstraße 20. Schwerter Sport=Kluß. — 2519 Heute abend 9 Uhr = Versammlung.— Der Vorstand. Bekdnmtmdelung. 2529 Aese besche Frisches Pökelfleisch per Pfund nur 35 Pf. Feinste Süßrahmbutter per Pfund 130 Pf. 2536 Kaufhaus 1 Butterkirne, für Lebensmittell Ladentheke, Erhalte heute 1 Waggon prima schwere Emaille-Ware. Auf meine morgige Beilage mache aufmerksam. Fritz Neuwerth. Brückstrasse 23. Junges Ehepaar sucht zum Herbst hübsche Wohaung, abgeschlossene Etage von Zimmern mit Zubehör. Etwas Garten erwünscht. Offerten unter T. H. 2521 an die Geschäftsst. der Schwerter Zeitung. 2 Faselschweine ## b i l l i g z u v e r k a u f e n. Zu erfragen 2515 Bismarchstraße 10 Gesucbt 8 brave Mädchen gegen hohen Lohn nach Hagen und Köln, sowie 2521 mehrere Landmädchen Frau Christine Duisdicker, Stellenvermittlerin, Teichstraße 3 Tüchtiges 2528 Dienstmädchen auf sofort gesucht. Frau Straetmanns, „Zum Freischüt“. Wir suchen einige 2530 Zührkelle, Scheerekarbeiter und Kessetheizer. Vereinigte Deutsche Nickelwerke. Zwalgsbirkauf. Am Mittwoch dem 12. 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Kälber: (für 100 Pfund Lebendgewicht.) a) feinste Mast=(Voll=Mast) und befte Saugkälber b) mittlere Mast= und gute Saugkälber.... c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte (Fresser) Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel b) ältere Masthammel....... c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1½ Jahren.. b) fleischige...... c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber. Tendenz: rege. 67—70 60—66 53—59 65—66 61—64 58—60 54—57 69—70 64—68 58—63 50—57 50—52 45—49 40—44 65—73 55—64 65 63—64 58—62 2 Wohnungen mit Garten auf sofort oder später zu vermieten. 2359 Ww. Körner, Hüsingheide 35. Suche auf sofort mehrere tüchtige Taillen= und 2425 Rockarbeiterinnen. Helene Rosenthal, Hagenstr. 18 1. Toschr Masverkadf Da ich in kürzerer Zeit mein grosses Lager Herren- und Ainaben-Anzüge im Ganzen verkaufe, so bietet sich nur noch kurze Zeit Gelegenheit billig zu kaufen. 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