Verbunden mit der„Scbwerter Volkszeitung“ und dem„Scbwerter Volksblatt“ ##„Sowertn Zeitung“ erscheint täglch, ausser Feiertags. Deuugspreis: Mlk. 1.6s vierteljäbrlich, bei der Post 42 P. bestellgeid medr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Ilustrierter entreund". o c OCCCOOOOOOS9 geapreis. Die scchsgespaltene Petitzeile oder deren Raum ###. Anzeigen von auswärts 13 M., Reklamezeile 40 PI. Die„Schwerter währt ihren jeden mit Cod fall gemäss unungen Zeitung" geAbonnenten für endenden Unseren BedingUnterstützung. Alie Kreis- und Lokalpokzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröttentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverdindliche Kraft. o c 0 0OOOOOOOOG Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Auschluse Dr. 62 Ami Schwerte. Telegr.-Aäresse: Braus, Schwerte-Rude Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. D Haupt-Annoncenblatt. Nr. 96 Montag den 26. April 1909 41. Jahrg. Deutscher Reichstag. 247. Sitzung am 24. Aptil, 2 Uhr. Die erste Beratung der Novelle zum Strafgesetz(Fr. Volksp.): Auch meine Freunde sind im allgemeinen mit der Tendenz der Vorlage einverstanden. Wir betrachten sie aber nur als ein Notgesetz. Wir stellen deshalb auch unsere weitergehenden Wünsche— z. B. auf Beseitigung des Ketzerparagraphen— zurück und erwarten dasselbe auch von den anderen Parteien. Auch Fälschungen und Betrug aus Not sollten mit demselben Rechte milder beurteilt werden, wie die Entwendungen aus Not. Schwere Bedenken habe ich dagegen gegen die neue Fassung des Beleidigungs= und Erpressungsparagraphen. Mit der Grundtendenz dieser Vorschläge sind wir selbstverständlick einverstanden: die Pestbeule am Journalismus, die Sensationslust und die Revolverpresse zu bekämpfen. Aber der Weg, der hier eingeschlagen wird, erscheint uns nicht gangbar, denn der bringt für den Beleidigten ein Danaergeschenk, für den Beleidiger ein Martyrium. Wenn der Beleidigte sich mit Erhebung des Wahrheitsbeweises nicht einverstanden erklärt, wir. er stets verdächtigt werden, schuldig zu sein und deshalb den Währheitsbeweis scheuen zu müssen. Und wo fängt das öffentliche Interesse an und wo hört es auf? Eine Schmutzpresse wollen wir nicht schützen, aber die berechtigten Interessen der Presse müssen auch da gewahrt werden! Die neue Fassung des§ 253 schwächt die Möglichkeit, auch bei Lohnkämpfen mit Erpressungsanklagen vorzugehen, nicht ab, sondern legt sie sogar gesetzlich fest, Abg. Faßbender(3.) tritt lebhaft für Kinderschutz ein, wenn möglich, noch über die Vorlage hinaus. Grausame Mißhandlungen von Kindern durch Aussichtspersonen müssen besonders scharf bestraft werden. Abg. Heckscher(Fr. Vgg.): Diese Vorlage ist in ihrer Tendenz jedenfalls eine Konzession an liberale Anschauungen. Was den Erpressungsparagraphen anlangt, so erregt mir die neue Fassung nicht gerade Bedenken, obwohl ich mich auf sie nicht festlegen will. Bedenken habe ich nur gegen die Begründung. Ein späterer Schutz der Kinder gegen Grausamkeiten ist notwendig. Was den§ 186 anlangt, so spricht der Prozeß Moltke—Harden zweifellos für den Vorschlag der Vorlage. Der Gedanke in der neuen Fassung§ 186 ist jedenfalls überaus gesund. Abg. Hormann(Fr. Vp.): Die Vorlage bedeutet unverkennbar einen kulturellen Fortschritt. Die schärfere Erfassung der Roheits=Delikte ist ein Wunsch, den wir wohl alle teilen. Es ist namentlich durchaus zu billigen, daß gegen Mißhandlungen von Kindern, wie wir sie gerade im Laufe der letzten Zeit so ungemein oft erlebt haben— Redner erinnert an eine Reihe einschlägiger Strafprozesse, namentlich auch an den Fall Bergmann— fortan ganz anders vorgegangen werden soll. Abg. Frank=Mannheim(Soz.) verlangt prophylaktisches Vorgehen gegen das Prügeln von Kindern. Schon auf unterrichtlichem Wege, in den Schulen, müsse der Erkenntnis Eingang verschafft werden, daß man durch Prügeln nicht bessere, überhaupt nicht erziehlich wirke. Staatssekretär Nieberding wiederholt, durch den Vorredner provoziert, seine gestrige Erklärung, daß für die Regierungen keineswegs die Aenderung des Beleidigungs=Voragraphen der eigentliche Beweggrund zu dieser ganzen Vorlage gewesen sei. Abg. Kirsch(Z.) wünscht eine andere Fassung der Bestimmungen über die Einschränkung des Wahrheitsbeweises. Abg. Wölzl(nl.) fordert eine energische Bekämpfung der Prostitution. Staatssekretär Dr. Nieberding: Ueber gesetzliche Maßnahmen in dieser Hinsicht schweben Erwägungen. Abg. Seyda(Pole) warnte davor, dem Richter zuviel freies Ermessen zu geben. Polnische Redakteure müssen darunter leiden. Abg. Kölle(W. Vgg.) fordert eine Abänderung des§ 193 (Wahrung berechtigter Interessen). Die Presse müsse mehr geschützt werden. Damit schließt die Diskussion. Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Die Vorlage geht an die Justizkommission. Montag, 1 Uhr: Zivilprozeßnovelle. Schluß gegen 5 Uhr. Dreußischer Landtag. 70. Sitzung am 24. April. Am Ministertisch: Dr. Delbrück. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfs über den Bergwerksbetrieb außerpreußischer Gewerkschaften. Die Vorlage macht den Erwerb von Bergwerkseigentum und die Mineralgewinnung durch ausländische juristische Personen und Gewerkschaften von der Genehmigung des Königs bzw. des Ministers abhängig. Minister Dr. Delbrückterläuterti den Zweck des Entwurfs. Nach geltendem Recht bedürfen ausläudische juristische Personen der staatlichen Genehmigung zum Erwerb von Grundegentum, nicht aber zum Erwerb von Bergwerkseigentum. Auch nach der wirtschaftlichen Seite beständen jetzt Inkonsequenzen, da in vielen anderen Staaten die Bergwerksgesellschaften in bezug auf die Höhe ihrer Aktien vollständig unbeschränkt seien. In Deutschland sei für die Aktien ein bestimmter Betrag feste gesetzt, um sie der Spekulation des kleinen Mannes zu entziehen. Schließlich bilde der Bergwerksbesitz doch auch einen wesentlichen Teil des Nationalvermögens, und es sei nötig, eine Kontrolle darüber zu bekommen, inwieweit der Bergbau durch ausländische Gesellschaften betrieben werde. Selbstverständlich bestehe nicht die Absicht, das ausländische Kapital auszuschließen.(Beifall.) Abg. v. Kessel(k.) beantragt die Ueberweisung des Entwurfs an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Abg. Dr. Hager(Z.) hält es für richtig, den Entwurf nur für das Ausland gelten zu lassen. Abg. Susensky(nl.) meint auch, daß man nicht innerhalb Deutschlands neue Barrieren errichten solle. Abg. Dr. v. Woyna(fk.) steht der Vorlage freundlich gegenüber, die nur einige Jahre früher hätte kommen sollen. Die Erörterung schließt. Die Vorlage geht an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Es folgt die Fortsetzung der am Tonnerstag abgebrochenen ersten Beratung des Antrages v. Böhlendorff=Kölpin(k.) auf Abänderung der Kreisordnung dahin, daß von dem für die Wahlberechtigung im Wahlverbande der größeren ländlichen Grundbesitzer maßgebenden Mindestbetrage an Grund= und Gebäudesteuern wenigstens die Hälfte auf die Grundsteuer entfallen muß. Auf Antrag des Abg. Gyßling(Fr. Vp.) wird damit verbunden die Besprechung der Anträge Aronsohn(Fr. Vp.) und Dr. Porsch(Z.), die ebenfalls eine Aenderung der Kreisordnungen. fordern, aber nach der Richtung hin, daß die verschiedenen Bevölkerungsklassen(Stadt und Land, Industrie und Grundbesitz) angemessener vertreten werden, als bisher. Abg. Gyßling(Fr. Vp.) fordert Ueberweisung der drei Anträge an die verstärkte Gemeindekommission. Abg. Dr. Hager(Z.) meint, daß heute zuviel Landräte in den Provinzlandtagen sitzen. Abg. Lusensky(nl.): Es liegt zu der Materie eine Fülle neuen Materials vor. Ich verzichte aber, darauf näher einzugehen, in der Erwartung, daß die Kommission alles ausgiebig prüfen wird. Abg. Dr. v. Woyna(fk.) bestreitet, daß sich auf den Kreistagen etwa eine Klassenherrschaft entwickelt habe. Ein Gegensatz zwischen Stadt und Land bestehe auf den Kreistagen nicht. Abg. Graf Clairon d'Haussonville(k.): Der Gegenstand bedarf der sorgsamsten Prüfung; insbesondere wird die Frage der Vertretung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung, der Aktiengesellschaften und der juristischen Personen auf den Kreistagen eingehend erörtert werden müssen. Die Mitwirkung der Landräte an den Provinziallandtagen sei ebenso notwendig, wie die der Oberbürgermeister und Bürgermeister.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Thurm(Fr. Vp.) bringt einen Beschluß des Sorauer Kreistages zur Sprache, wonach dem Landrat, dem seine Wohnung nicht mehr zusagte, eine neue Wohnung mit großen Kosten in einer eigenen Villa hergerichtet und ein teurer Pferdestall gebaut wurde. Abg. Dr. Beumer(nl.) nimmt die Handelskammersekretäre und den Deutschen Handelstag in Schutz, als hätten sie sich agitatorisch betätigt. Wenn irgendwo hier oder außerhalb von einer Körperschaft Agitation getrieben wird, so geschieht es vom Bunde der Landwirte.(Sehr richtig! links.) Abg. Gyßling(Fr. Vp.) tritt ebenfalls den Angriffen auf die Handelskammersekretäte und den Handelstag entschieden entgegen. Als der frühere Oberpräsident von Ostpreußen, von Horn, zum ersten Male den Provinziallandtag sah, rief er ganz befremdet:„Aber das sind ja lauter Landräte!(Heiterkeit.) Wenn ich die hören will, brauche ich sie nur zu einer Konferenz einzuberufen. Vom Provinziallandtag erwarte ich Meinungsäußerungen der nichtbeautteten Vertreter der Provinz.“ Die Besprechung schließt. Die drei Anträge werden der verstärkten Gemeindekommission überwiesen. Es folgt die Beratung eines Antrages des Grafen Praschma (Z.) betreffend die zeitweise Herabsetzung der Eisenbahntarife für Streu= und Futterstroh für Schlesien. Abg. Graf Praschma begründet den Antrag. Abg. Graf Carmer(kons.): Meine politischen. Freunde stehen dem Antrage sympathisch gegenüber. Abg. Mertin=Oels(fk.): schließzt sich dem Antrage an. Geheimrat Krönig: Die Regierung kann partielle Notstandstarife nur in ganz außerordentlichen Fällen gewähren, die eine allgemeine Landeskalamilkt zur Folge haben. Abg. Witzmann(nl.): Die Regierung hat die Pflicht, bei einem Notstande Hilse zu bringen. Bei der Abstimmung wird der erweiterte Antrag, der für alle Notstandsgebiete Tarifermäßigungen für Streu= und Futterstroh fordert, angenommten. Einen Antrag um Einführung der geheimen Stimmabgabe bei Landtags= und Kommunalwahlen beantragt die Kommission als„Materjal zu überweisen. Abg. Hoff“(Fr. Bgg.) beantragt Ueberweisung zur Berücksichtigung. Diel Abgg. Dr. Lohmann(nl.) und Dr. Hager(Z.) befürworten den freisinnigen Antrag, ebenso Abg. Borgmann(Soz.). Die Abgg. v. Pappenheim(konf.) und Dr. v. Woyna (st.) bitten, es bei den Kommissionsbeschluß zu belassen. Die Aussprache schließt. Der Antrag der Freisinnigen wird mit schwacher Mehrheit angenommen. Das Haus vertagt sich auf Montag(2 Uhr: Kultutzkat. Schluß 2½ Uhr. Politische Uebersicht. Deutschland. Zur Reichsfinanzresorm. Der soeben veröffentlichte konservative Vorschlag, d. Erbanfallsteuer durch eine Besteuerung der Wertzuwachses bei Immobilien und Wertpapieren, sowie durch einen Umsatzstempel zu ersetzen, kollidiert mit den schon in vielen Städten bestehenden Wertzuwachs= und Umsatzsteuern, Da würden also Stadt und Reich aus dem gleichen Brunnen schöpfen und dieser schnell versiegen. Die Verhältnisse liegen hier ähnlich wie bei der Luxussteuer, deren Erhebung angesichts der progressiven Staats=Einkommen= und Vermögenssteuer auch nicht gerechtfertigt ist. Der von den Abgeordneten Rösicke und Graf Westarp ausgearbeitete und mit einer eingehenden Begründung versehene Entwurf über die Wertzuwachssteuer ist als konservativer Antrag der Finanzkommission des Reichstages zugegangen. Aussicht auf Annahme hat der Antrag nicht, ist doch schon etwa der vierte Teil der Mitglieder der konservativen Reichstagsfraktion entschlossen, der Erbanfallsteuer zuzustimmen. Zum Ausgleich der Meinungsverschiedenheit zwischen Konservativen und Liberalen über die sogen. Liebesgabe in dem Branntweinsteuergesetz scheint ein Weg gefunden zu sein. Die Konferenz der einzelstaatlichen Finanzminister mit dem Reichsschatzsekretär über den Ersatz für die ausfallende Gas=, Elektrizitäts= und Inseratensteuer hat noch zu keinem definitven Ergebnis geführt, doch ist es wahrscheinlich, daß man sich auf eine Erhöhung des Kaffeezolles einigt. Wenn dieser 35 Millionen Mark mehr einbringen soll als bisher, so wird man die Steuerschraube allerdings recht kräftig anziehen müssen, denn der Kaffee=Verbrauch ist unter der Konkurrenz des Tees und namentlich des Kakaos erheblich zurückgegangen. Kommissionsberatungen. Die Verhandlungen der Finanzkommission gehen sehr langsam vorwärts, sie stehen noch bei den Kontingentierungs=Bestimmungen der Branntweinsteuer. Die Budget=Kommission befaßte sich mit der Beamten=Besoldungs=Vorlage und besprach die allgemeine Beamten=Versammlung in Berlin. Es wurde bestritten, daß diese alle deutschen Beamten vertreten habe, und gerügt, daß der Ton der Debatten zumteil herausfordernd gewesen sei. Es sollte den Beamten? ja nicht verwehrt werden, ihre Wünsche vorzubringen, immerhin müßte dabei die Form gewahrt bleiben. Zu einem Beschluß kam es nicht. Auch die Geschäftsordnungs=Komission führte ihre Debatten weiter, ohne daß aber positive Leistungen herauskamen. Die Wahlprüfungs=Kommission erklärte die Wahl des konservativen Abg. v. Kaphengst für ungiltig.— Die Budget=Kommission des Abgeordnetenhauses berjet„den Kultus=Etat. Eine Abtrennung der geistlichen Verwaltung vom Ministerium soll nicht erfolgen, dagegen wird die Loslösung der Medizinal=Abteilung erwogen. Allerlei Steuervorschläge. Dem Reichstage sind in Petitionen aus dem Publikum zahlreiche neue Steuer=Vorschläge zugegangen. Darunter befinden sich u. a.: Klavier=, Vereins=, Korpulenz=, Schaufenster=, Ansichtskarten=Steuern. Alle diese Abgaben werden aber wirklich nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen, mehr Kosten machen, wie sie einbringen, abgesehen davon, daß z. B. Vereins= und Korpulenzsteuern überhaupt nicht erhoben werden können. Zwei wichtige Themata sind von der Budgetkommission des Reichstags angeschnitten, die Verbilligung der Reise= und Umzugskosten für Beamte und Offiziere und Zuwetdungen### bedürftige Kriegs=Veteranen. Die Reform der ersterwähnten Kosten wird sicher erfolgen, auch die Verhündeten Regierühgen sehen das ein. Mag man nur bei den Veteranen nicht zu hart sein. Allen Kriegsteilnehmern eine Pension zu gewähren, wie es in Nord=Amerika bei den Veteranen aus dem Unabhängigkeitskriege geschieht, geht nicht an, ist auch nicht nötig; aber wenn etwas neues kommen soll, dann auch so, daß es der Rede wert ist, die Veteranen wirklich etwas davon haben! Die neue Reichs=Anleihe und preußische Staats=Anleihe beziffert sich auf 800 Millionen Mark, wovon 320 Millionen auf das Reich entfallen. Die Zinsen betragen zur Hälfte 3½.“ zur Hälfte 4 Prozent. Eine allzu große Ueberzeichnung wird bei den heutigen Kapital=Verhältnissen wohl kaum eintreten:“ mmerhin gezeichnet werden, die 800 Mittionen werden. Ein Bierteljahrhundett deutscher Kolonialpolstil. 25 Jahre #ind jetzt verfköffen, seitvem Fürst Bismarck öffiziell Mitzeiunzen erließ, duß die Landerwerbungen des Bremer Käufmanns Lüderitz im heutigen Deutsch=Südwestafrika unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt worden seien. Die feierliche Flaggenhissung erfolgte etwas später hier, wie in Kamerun und Togo durch Generalkonsul Dr. Gustav Nachtigal, einem altmärtischen Landsmann des ersten Reichskanzlers. Fünfundzwanzig Jahre nach diesem Tage nnach vielen Mühen und kriegerischen Expeditionen, sind wir also nun so weit, daß die deutsche Kolonialpolitik auf Grund der gemachten reichen und teuer erkauften Erfahrungen lohnend zu werden beginnt. Hoffentlich kommt im zweiten Vierteljahrhundert der rechte Erfolg für die Anstrengungen des ersten Viertels. Kleine politische Nachrichten. Der Reichstag wird fortan am Freitag und Sonnabend jeder Woche seine Sitzungen ausfallen lassen, damit an diesen beiden Tagen die Finanzkommission den ganzen Tag wirken kann. Der Montag soll von jeder Arbeit befreit sein. SitzungsAnfang bleibt zwei Uhr nachmittags. Die Finanzkommission des Reichstags will wöchentlich 24 Stunden tätig sein und hofft bei solchem Fleiße mit der zweiten Maiwoche ihre Beratungen zum Abschluß bringen zu können. Dem Plenum stehen dann nicht einmal mehr zwei volle Wochen zur Verfügung, wenn es die Reichsfinanzreform bis Pfingsten verabschieden will. Die deutsch=englische Grenzkommission für Liberia=Kamerun in West=Afrika hat ihre Vermessungs=Arbeiten beendet und sich auf eine provisortsche Grenzlinie geeinigt. Die Arbeit hat infolge des starken Regens und von Terrain=Hindernissen lange Zeit in Anspruch genommen. Aus dem Auslande. Oesterreich=Ungarn. Wien, 25. April. Eine EhrenBegräbnisstätte für die Armee hat Kaiser Franz Joseph gestiftet. Er hat zu diesem Zweck den ihm gehörigen Haldenberg bei Wetzdorf in Niederösterreich, wo schon Feldmarschall Radetzky und andere hervorragende Militärs bestattet sind, bestimmt. Solche Offiziere sollen dort ihre Ruhestätte finden, die sich durch besondere Leistungen vor dem Feinde oder militärische geistige Schöpfungen von dauerndem Werte ausgezeichnet haben. Frankreich. Paris, 24. April. In Frankreich dauert das Strafgericht über die Marine fort, und zwar kommen jetzt die Marine=Vewwaltungs=Beamten an die Reihe. Es sind verschiedene Prozesse gegen Beamte eingeleitet, die gegen Trinkgelder geringere Waren=Qualitäten angenommen haben, wie zu liefern waren. Daneben laufen neue Disziplinwidrigkeiten einher. Um über alles das hinwegsehen zu können, muß man in der Tat ein Franzose sein. Dort ist man an schmutzige Wäsche gewöhnt. Rußland. Petersburg, 24. April. Ein verständiger Russe. Auf dem in Petersburg tagenden Kongreß der slawischen Gesellschaften erklärte der bekannte ehemalige Ministergehilse Gurko, den wirblichen Interessen Rußlands entspräche es am meisten, wenn es unbedingt eine Annäherung an Deutschland suche. Die Panslawisten erhoben natürlich lebhaften Einspruch gegen diese Behauptung; aber es ist nicht ausgeschlossen, daß auch im russischen Volke allmählich die Stimme des gesunden Menschenverstandes wieder erwacht. „Rußland neben Deutschland“ oder, es ist dasselbe,„Deutschland neben Rußland"; diese Ansicht hat in maßgebenden Kreisen an der Newa neuerdings zahlreiche Anhänger gefunden, was auch in Downing Street mit gesteigerter Aufmerksamkeit und Besorgnis beobachtet wird. England. London, 25. April. Die Zahl der englischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, die ihren Landsleuten den Rat geben, zur Abwehr der deutschen Konkurrenz sich die deutsche Tüchtigkeit zum Muster zu nehmen, ist im Wachsen begrifsen. Die Briten standen früher auf dem Standpunkt, alles, was sie fabrizierten, müsse anderen Ländern recht sein. Damit kommen sie aber heute nicht mehr durch. Marokko. Tanger 24. April. In Marokko ist der Teufel los. Nach der Niederlage von großen Truppenmassen Muley Hafids wird in vielen Moscheen das öffentliche Gebet wieder im Namen des entthronten Sultans Abdul Aziz gesprochen. Es geht doch nichts über muhamedanische Zustände! Vereinigte Staaten. Newyork, 24. April. In NordAmerika scheinen manche Leute ein bischen zu schlafen; denn in einer Versammlung hat der Stahlmann Carnegie die Regierung aufgefordert, gegen einen drohenden Krieg zwischen England und Deutschland aufzutreten.— Den Krieg wollen wir abwarten! Roman von Melati von Java. Aus dem Holländischen übersetzt von Leo van Heemstede. 991(Nachdruck verboten.) Eines Abends in den letzten Tagen des Februar waren wieder verschiedene Bewerberinnen dagewesen:„Damen“ mit Pony=Frisuren, mit Puffärmeln und riesigen Federhüten. Die Güte war sehr gering: die Ohren taten Charlotte web von all den tausendmal wiederbolten Fragen und Antworten, die sie hatte anhören müssen. Sie hatte nichts Passendes gefunden, und nachdem sie der letzten ihren Abschied gegeben, kehrte sie ziemlich schlecht gelannt in das Wohnzimmer zurück. „Fertig geworden?“ „Wo denkst Du bin? Das gebt nicht so geschwind!“ erwiderte sie ziemlich unwirsch.„Ich glaube nicht, daß ich dieses Mal etwas finde, und ich kann mir doch nicht helfen; übermorgen geht die Butzfrau fort, und dann side ich allein mit Büchhen: „Aber weshalb hast Du denn die— ja, wie hieß sie auch nocht— die vorige so ohne weiteres fortgeschickt?“ „Ra, ich hätte mich schönstens bedankt, das freche Geschöpf noch eine Stunde im Hause zu behalten. Sie verdarb mir alles und machte mich krank obendrein. Ich habe immer Unglück mit den Frauenzimmern; es war heute auch wieder keine einzige dabei, die mir ein wenig zuverlässig schien.“ „Immer und ewig dieses Mägde=Kavitel! Ich wollte. es wäre endlich einmal aus!“ „Du hast gut reden, ich muß mich ganz allein damit gllen! „Aber es ist doch nur für Dich...“ Es wurde leise und bescheiden geklingelt. „Da ist wieder eine. Man hat keinen Augenblisk Rubel“ Sleich darauf erschien das Zweitmädchen, um die neue Bewerberin anzumelden. „Lottchen, ich bitte Dich“, sagte der Hausherr,„wenn es Die siegreichen Jungtürken. Die ohne ernsten Kampf erfolgte Besetzung Konstantinopels durch die jungtürbischen Truppen und die Einnahme des Sultans=Palastes Jildiz Kiosk durch sie hat den Konstantinopeler Wirrwarr um einen guten Schritt vorwärts gedracht und zur Beschleunigung der weiteren Entscheidungen beigetragen. Die dem Sultan treu gebliebenen Truppen waren an Zahl so gering, daß von wirklichem Widerstande keine Rede sein konnte. Die paar Schüsse, die auf beiden Seiten abgegeben wurden, stellten noch kein Gefecht dar. Die Jungtürken sind seit Sonnabend voriger Woche jedenfalls die Herren Konstantinopels, und es bleibt abzuwarten, ob sie ihre Macht zu ihrem eigenen Schaden mißbrauchen, oder aber ob sie davon einen besonnenen und maßvollen Gebrauch zur Befestigung ihrer Stellung machen werden. Ueber die historischen Vorgänge ist im einzelnen noch solgendes nachzutragen: Obwohl das jungtürkische Hauptquartier sich in dem füdlich gelegenen San Stefano befand, so erfolgte der Einmarsch der Operationsarmee doch im Norden der Stadt nach Pera, mit dem von vornherein erkennbaren Ziele des Jildiz Kiosk. Pera wurde durch die Anmarsch=Armee zuerst besetzt. In Abständen von hundert Metern hielten kleinere Tmuppen=Abteilungen der Jungtürken Wache. Die Garde wurde aus ihren Kasernen gejagt. Wer Widerstand leistete, wurde festgenommen. Den Weg zum Jildiz mußten sich die jungtürkischen Truppen durch Gewehrfeuer frei machen. Der Sultans=Palast ist von einem Kranz von Kasernen umgeben, in denen selbstverständlich die zuverlässigsten Mannschaften untergebracht sind. Die sultanstreuen Truppen der Teximund der Taschkisla=Kaserne verweigerten denn auch die Uebergabe, so daß es bei diesen beiden Kasernen zu einer lebhafteren Schießerei kam. Der selbstverständliche Ausgang war die Besetzung beider Kasernen und die Uebergabe der Waffen seitens der darin untergebrachten Garde=Regimenter an die Jungtürken. Durch das Bombardement wurden beide Kasernen stark beschädigt. Vor dem Jildiz Kiosk kommandierte der bisherige türtische Militär=Attachs in Berlin, Enver=Bei, persönlich. Die Zahl der Toten ist noch nicht genau festgestellt, offenbar aber nur gering. Die Nachricht, daß Europäer ums Leben gekommen seien, war glücklicherweise grundlos. Ein fürwitziger Amerikaner, der sich in die Schußlinie vorgewagt hatte, wurde dagegen von einer Kugel getötet. Die jungtürbischen Truppen sehen sehr gut aus und zeigen ein musterhaftes Verhalten, so daß sich die Bevölkerung, die sich begreiflicherweise in hochgradige Aufregung geraten war, schnell beruhigte. Die europäischen Botschaften und Gesandtschaften werden von Detachements jungtürkischer Truppen bewacht, so daß ihnen nichts passieren kann: Sultan Abdul Hamid glaubte angesichts der einziehenden Truppen nichts Besseres tun zu können, als den Thronfolger, Prinzen Reschad=Effendi, gefangen zu setzen. Natürlich konnte diese Gefangenschaft nicht lange aufrecht erhalten werden.— Mit den jungtürkischen Landtruppen in Konstantinopel hat sich die nach dem Bosporus zurückgekehrte Kriegsflotte vereinigt. Das Komitee verfügt also über die Streitmacht zu Wasser und zu Lande. Bei der gewaltigen Gärung und Erregung in und um Konstantinopel kann es nicht Wunder nehmen, wenn sich die Nachrichten im einzelnen vielfach widersprechen. So lauten namentlich die letzten Nachrichten über die Besetzung Konstantinopels wesentlich ernster als die ersten Meldungen. Obwohl die Straßenkämpfe gegen die Kasernen wesentlich blutiger verliefen als der Handstreich gegen den Jildiz Kiosk, ist doch auf diesen von vornherein das hauptsächlichste Interesse gerichtet gewesen. Hier hieß es, dem Sultan sei eine Frist bis 1 Uhr zur Uebergabe gesetzt gewesen. Nach einer anderen Meldung hatte sich der Jildiz überhaupt nicht sofort ergeben, sondern nur die weiße Fahne gehißt und damit das Zeichen gegeben, daß der Sultan mit den Truppenführern verhandeln wolle. Von letzteren war die Bedingung gestellt worden, daß die JildizTruppen sich unbewaffnet ergäben, widrigenfalls der SultansPalast in Trümmer geschossen werden würde. Ueber ganz Konstantinopel wurde der Belagerungszustand verhängt. Die in unmittelbarer Nähe des Jildiz gelegene deutsche Botschaft sowie das in der Schußlinie gelegene Haus des deutschen Generalkonsuls wurden durch Gewehrschüsse beschädigt. Verletzt wurde niemand. Sehr heftig war der Kampf um die Taxim=Kaserne, deren Truppen energischen Widerstand leisteeinigermaßen möglich ist, so nimm das Mädchen, dann ist wenigstens für heute das Gewäsch zu Ende.“ „Ja, für heute. Aber wer weiß, was man dann ins Haus bekommt!“ Feierlichen Schrittes trat die gnädige Frau in das Sprechzimmerchen, wo ein junges, in einen dunkelblauen Regenmantel gebülltes Mädchen, das einen einfachen Hut ohne Federn trug, stand und wartete. Madame setzte sich und betrachtete die neu Angekommene aufmerksam vom Kopt bis zu den Füßen. Uebung macht den Meister, und Frau Sandberg wußte genau, wie sie die Stellesuchenden zu behandeln hatte. „Ich bin auf Ihre Anzeige hier erschienen“, sagte das Mädchen mit passendem Freimut und in so gebildeter Sprache, daß Frau Sanoberg sie erstaunt anblickte. „So, und wie heitt Ihr?“ „Marie... Doormann“, verstand Frau Sandberg. „Und hattet Ihr schon einen Dienst?“ „Nein, Madame, aber ich habe zu Hause tüchtig arbeiten müssen: „So, so, hm, hm! Aber das ist allerdings nicht das nämliche. Könnt Ihr bei Tisch aufwarten?“ „Das wird schon geben, Madame.“ „Und die Wäsche in Ordnung bringen?“ „O ja, das kann ich ganz gut.“ „Strümpfe stopfen? Flicken? Näben?“ Frau Sandberg stellte noch verschiedene Fragen, die sämtlich in der nämlichen wodlerzogenen Weise beantwortet wurden. Das Mädchen machte entschieden einen günstigen Eindruck. „Und wo kann ich mich nach Euch erkundigen?“ „Ich hatte ja noch keinen Dienst, Madame.“ „Aber wo wodnen Ihre Eltern?“ „Meine Eltern sind tor.“ „Aber Ihr werdet doch Familie haben?“ „Keine, die von mir weiß.“ „Das ist sonderbor, sehr sonderbar! Ich müßte doch traendwo Erkundigungen einziehen, ebe ich Euch in meinen Dienst nehme.“ ten. Hier jeuerte man auf beiden Seiten auch mit Kanonen. 400 Mann der Taxim=Kaserne flüchteten sich auf den der deutschen Borschaft gegenüder gelegenen Friedhof und suchten sich dort zu vorteidigen, gingen jedoch, da sie führerlos waren, schließlich zu den Jungtürken über. Bei diesen Kämpfen hatte es die aus den geschützten Kasernen feuernden Garde=Truppen besser als die Jungtürken, die ohne Deckung auf offener Straße kämpften. Sehr schlimm erging es auch dem an Taxim=Garten anstoßenden französischen Hospital. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 26. April. **(Zur Jubelfeier der Grafschaft Mark.) Wir teilten mit, daß Se. Majestät der Kaiser in Aussicht gestellt habe, an der Jubelfeier der Grafschaft Mark auf Hahensyburg aus Anlaß der 300jährigen Zugehörigkeit der Mark zur Krone Preußen teilzunehmen. Wie wir hören, ist das Erscheinen unseres Kaisers am 5. oder 6. August zu erwarten. An einem dieser beiden Tage wird also die Feier vor sich gehen. Die Festausschüsse sind fleißig an der Arbeit; vorgestern tagte im Hotel Middendorf zu Dortmund der Finanzausschuß. **(Regen und Sonnenschein) und Sonnenschein und Regen, in dieser bunten Abwechselung zog die Witterung in den letzten Tagen über uns dahin— durch Regenfälle und Wind verstimmend, aber stets versöhnend durch nachfolgenden Sonnenschein und stets wieder die Lust an der Frühlingsherrlichkeit durch dunkle Wolken am Morgen dämpfend, jedenfalls stets im Ungewissen lassend. Herrlich strahlte Samstag der Tag, zu herrlich wärmte die Sonne, und man stöhnte fast schon in sommerlicher Hitze— da kam's plötzlich hereingebrochen am selben Abend— die Reaktion der übermäßigen Temperatur. Ein Gewitter mit unvermutetem Platzregen und verschiedenen Donnerschlägen, für die Jahreszeit schon recht kräftig entwickelt, stürmte aus Südwest dahin, schnell, so schnell, daß es davon war, ehe man sich's versah und ehe man wußte, daß man tüchtig naß geworden war. Und in der Nacht der versöhnende klare Sternenhimmel, am Sonntag heller Sonnenschein, nachmittags vereinzelt Regenfälle und dann wieder ein herrlicher Frühlingsmorgen! Der April sorgt für die nötige Abwechselung und scheint, nach den Wetterberichten zu schließen, noch manches vor zu haben; denn es wird fortgesetzt veränderliches Wetter prophezeit. Mag es sein, mag der April dem Mai die Beständigkeit aber nicht im Regen überlassen, wir alle wollen's ihm danken! **(Eisenbahn=Personalie.) Der kommiss. EisenbahnAssistent Brand wurde zum Eisenbahn=Assistenten befördert. **(Bestandenes Examen.) Am evang. Lehrerinnen=Seminar in Coblenz bestanden von 10 Prüflingen zwei junge Damen aus unserem Leserkreise, nämlich Frl. Trottner von hier und Frl. Sieberg von Westhofen die Aufnahmeprüfung. Beide sind Schülerinnen der hiesigen höheren Mädchenschule. **(Konzert des M.=G.=V.„Sängerbund“.) Nachdem uns in dieser Saison bereits die Gesangvereine„Quartett",„Ruhrtaler" und„Cäcilia“ mit ihren Vorträgen erfreut hatten, war es gestern der M.=G.=V.„Sängerbund“, der zu einem Konzert am Freischütz eingeladen hatte. Trotz des prächtigen Frühlingswetters, welches einen Aufenthalt im geschlossenen Konzertsaal gerade nicht verlockend erscheinen ließ, war das Konzert gut besucht, sicherlich der beste Beweis für die große Beliebtheit des festgebenden Vereins, eines der ältesten Gesangvereine unserer Stadt. Mit den gestrigen Leistungen des„Sängerbundes“ kann der Besucher, wenn man die vielen Mißhelligkeiten und Schwierigkeiten(sehr häufiger Dirigentenwechsel etc.) berücksichtigt, mit denen gerade dieser Verein imlaufe der letzten Jahre zu kämpfen hatte, im großen und ganzen wohl zufrieden sein. Sowohl die kleinen Volkslieder wie auch die größeren Chöre(u. a. stand auch ein Werk mit Orchesterbegleitung„Am Kaiserstuhl“ auf dem reichhaltigen Programm) wurden unter der sicheren, zielbewußten Leitung des neuen Dirigenten, Herrn Lehrer Klähn, dem es hoffentlich auch noch gelingen wird, einem der Tenoristen weise Mäßigung im Gebrauch seiner Stimmittel zu lernen, recht gut zum Vortrag gebracht und ernteten lebhaften Beifall. Fehlen konnte allerdings auf dem Programm das Steinkühlersche Wiegenlied, welches nicht einmal einen Achtungserfolg zu verzeichnen hatte. Hoffentlich wird der„Sängerbund“ die Zeit der Krisen jetzt endgiltig überwunden haben und mit dem gestrigen Konzert auch für diese Pflegestätte der edlen Musica sacra endlich eine Zeit neuen Aufblühens und neuer Erfolge anbrechen.— Eine ausgezeichnete Kraft hatte „Ich wützte nicht, bei wem. Madame. Wenn Sie es mit mir versuchen wollen, so verspreche ich Ihnen, treu und gevorsam dienen zu wollen. Sie werden keine Ursache haben, sich über mich zu beklagen. Ich verspreche es Ihnen.“ Sie drückt sich wie eine Dame aus, dachte Charlotte und laut sagte sie:„Aber Kind, ich glaube nicht, daß Ihr zum Dienen in die Wiege gelegt wurdet.“ „Das mag wohl sein, Madame“, entgegnete sie mit trübem Lächeln,„aber es ist keine Schande, ehrlich sein Brot zu verdienen. Bitte, machen Sie einmal mit mir die Probe, es wird Sie hoffentlich nicht gereuen. Frau Sandberg dachte nach; sie hatte schon so oft Auskünfte geholt an allen Ecken und Enden der Stadt, und dabet immer so viel Gutes und Schönes gebört, und war später jedesmal wieder enttäuscht worden, daß sie es jetzt nicht für ein## großes Wagestück hielt, nach keinem andern Zeugnis zu fragen. als dem ihrer eigenen Augen und Ohren. Das Mädchen sab so durchaus anständig aus, es hatte eine so nette und bescheidene Art. und außerdem war Frau Sandberg besorgt, sonst nicht fertig zu werden. „Wann könnt Ihr bei mir eintreten.“ „Am liebsten sofort. Madame.“ „Und könnt Ihr mir denn nicht sagen, wie es kommt, das Ihr so allein in der Welt dasteht und daß niemand mir näheres über Euch sagen kann? Das siebt verdächtig aus!“ „Gewitz, Madame. Sie haben ganz recht, aber ich kann Ihnen nichts sagen. Ich bin durch besondere Umstände in diese Lage geraten. Wenn Sie mir kein Vertrauen schenken können. so müssen Sie mich nicht in Ihre Dienste nehmen. Es würde mir leid eun, denn ich wäre gertt zu Ihnen gekommen.“ Nachdem sie noch ein wenig hin und ber geredet hatten, beschloß Frau Sandberg, es mit dem Mädchen einmal zu probianen über den Lohn und so weiter waren sie sofort eins. ** (Fortsetzung folgt.) Nr. 96 Zweites Blatt. Von allerlei Mogelei. Wenn man der Steuerbehörde, dem Zöllner an der Grenze und dem Schaffner auf der Eisenbahn ein* für ein U vormachen kann, so wird das als nichts Böses angesehen. Wenn man selbst von einem Mitmenschen beschummelt wird, ei wei, dann geht's zum Gericht; aber den Fiskus zu bemogeln, gilt als nützlich. Erstens hat er genug, zweitens piesackt er die Leute auch, so viel er kann, und drittens gibt's noch viele Gründe. Die Steuer und den Zöllner wollen wir heute auf sich beruhen lassen, aber dem Schaffner auf der Eisenbahn und seiner Dienstpflicht sollen noch einige Worte gewidmet sein, und zwar im Punkte der sehr, sehr oft stattfindenden Mogelei des Publikum bei den Kinderfahrkarten. Vorschrift ist, wie allgemein bekannt, daß Kinder über vier Jahre die Hälfte des Fahrkartenpreises bezahlen, Kinder über zehn Jahre den vollen Preis. Nun, bei der Taxierung des Alters läßt der Schaffner schon genug Milde walten, und deshalb sollte man im Publikum nicht zu sehr der Lust am Mogeln die Zügel schießen lassen. Es sind, wie gesagt werden muß, zumeist die Mütter, die darauf ausgehen, ihre Kinder jünger zu machen, wie sie sind. Man kann es vor Fahrtbeginn oft genug hören, wie den Kindern zugeraunt wird:„Mach' dich klein, duck' dich zusammen.“ Würde es sich um erhebliche Beträge handeln, könnte man es noch verstehen, aber zumeist sind es doch nur kleine Summen. Schreiber dieser Zeilen hat selbst einmal gehört, wie eine sorsche Mutter dem Bahnbeamten entrüstet zurief:„Was kann das Kind dafür, daß es so schnell gewachsen ist?" Der Schaffner schwieg, und als er den Rücken gedreht hatte, ging der Jubel an. Aber das„dicke Ende“ kam nach. Der kleine Junge lief auf der Ankunitsstation zum Schaffner und flüsterte ihm ins Ohr:„Mutter hat ja man blos so gemeint. Ich bin sieben Jahre alt.“ Der Nacheakt folgte. Es soll keinem Menschen hier Moral gepredigt werden, die er nicht anerkennen will; aber es soll auf die Folgen aufmerksam gemacht werden, die sich an eine solche bewußte Mogelei knüpfen. Die gerichtlichen Strafen sind nicht mehr milde, weil diese Verschleierungs=Praxis überhand genommen hat. Wohlhabende Personen sind nicht mehr zu Geldstrafen, sondern zu Haft verurteilt worden.— Ein teurer Spaß bei der Ersparnis von einigen Groschen. Gewiß kann man sagen, es möchte eine Reform bei den Kinderfahrkarten Platz greisen, etwa dahin, daß alle Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind, frei fahren, während bis zum 14. Lebensjahre die Hälfte gezahlt wird. Aber so lange es nicht so ist, ist es besser, den Bestimmungen zu gehorchen, statt ihnen ein Schnippchen zu schlagen. Westfalen und Rheinland. * Herne, 24. April. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich auf der hiesigen Zeche Constantin der Große, Schacht Montag den 26. April 1909 4—5. Der Bergmann Josef Pawlak von hier stürzte in der Grube aus beträchtlicher Höhe in den Schacht hinab. P. hat außer leichten äußeren schwere innere Verletzungen erlitten, die den Tod alsbald herbeiführten. Der Verunglückte ist 31 Jahre alt, verheiratet und hinterläßt eine Witwe mit vier kleinen Kindern. Die Leiche wurde in das katholische Krankenhaus transportiert. * Arnsberg, 24. April. Das hiesige Eisenbahn=Empfangsgebäude soll erweitert und umgebaut werden. Die Arbeiten dazu sind behördlicherseits ausgeschrieben worden. * Düsseldorf, 24. April.(Der billige Jakob.) Zwei Arbeiter sahen vor einem Hause an der Adersstraße ein mit Eiern beladenes Gefährt stehen, das dem Landwirt Peter K. aus Stoffeln gehörte. Kurz entschlossen nahmen sie die Gelegenheit wahr und fuhren mit Wagen und Eiern davon, hielten bei einer ganzen Reihe von Wirtschaften an und setzten die Eier zu ungewöhnlich billigen Preisen ab. Als sie mit dem Handel so ziemlich fertig waren, schöpfte ein Wirt doch Verdacht und machte die Polizei aufmerksam. Nur einer der Diebe konnte festgenommen werden, da der Komplize, als er den Braten gerochen hatte, schleunigst Reißaus nahm. * Bochum, 24. April. Wegen einer unglaublich rohen Tat, durch welchen ein Menschenleben in schwere Gefahr gebracht worden ist, stand heute der Bergmann Eduard Langholz von hier vor der Strafkammer. Langholz befand sich am 25. Febr. d. Is. in der Kneiderschen Wirtschaft in Bochum Hamme. Als er aus nichtigem Anlaß mit dem ebenfalls dort anwesenden Bergmann Faulhaber einen Wortwechsel bekam, versetzte er seinem Gegner einen Faustschlag ins Gesicht. Beim Nachhausegehen lauerte dem Faulhaber vor dem Lokale auf und streckte ihn durch eien wuchtigen Hieb mit einer dicken eisenbeschlagenen Keule zu Boden. Man fand Faulhaber mit gefährlichen Schädelverletzungen in seinem Blute liegend. Er hat vier Wochen lang im Krankenhause zubringen müssen und ist wie durch ein Wunder dem Tode entgangen. Die Strafkammer verurteilte Langholz zu anderthalb Jahren und drei Tagen Gefängnis. * Krefeld, 24. April. Wegen Raubes verurteilte das hiesige Schwurgericht den Metzgergesellen Josef Schneider und den Zuschläger Jakob Reuter aus M.=Gladbach zu je 8 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Beide hatten in der Nacht vom 23. zum 24. Oktober v. Is. die Eheleute Prell in Viersen überfallen, gewürgt und etwa 500 Mark gestohlen. * Köln, 25. April.(Zur Maiseier.) Der Kölner Polizei=Präsident verweigerte die von den Sozialdemokraten nachgesuchte Erlaubnis zur Abhaltung eines öffentlichen Umzuges auf Grund des§ 7 des Vereins=Gesetzes, wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. * Al.dorf, 24. April. In der Arbeiterkolonie Kellersberg entstand zwischen einer Anzahl österreichischer Bergleute eine äußerst wüste Schlägerei, bei der die meisten der Beteiligten mehr oder minder schwere Verletzungen erlitten. Ein lebensgefährlich Verwundeter mußte dem Knappschaftshause in Bandenberg zugeführt werden. Blutige Krawalle sind in dieser 41. Jahrg. Arbeiterkolonie an der Tagesordnung, wobei durchweg nun ausländische Elemente(meistens Oesterreicher und Belgier) in Betracht kommen. * Trier, 24. April.(Guten Appetit!) Die Strafkammer verurteilte den Winzer Lohi aus Maring und dessen Sohn wegen Weinfälschung zu je vier Wochen Gefängnis. Siebeneinhalb Fuder überstreckten Wein wurden mit Beschlag belegt. Die chemische Untersuchunghatte ergeben, daß ein Teil des Weines, abgesehen von der hohen Menge zugesetzter Zuckerlösung, Jauche und Petroleum enthielt. * Bonn, 24. April. Der serbische Kronprinz Alexander wird demnächst an der hiesigen Universität den Studien obliegen. Diese Nachricht wird neuerdings aus Belgrad bestätigt. Der König hat nämlich auf Antrag einer besonderen Kommission beschlossen, daß der Kronprinz Alexander bis zum Herbste d. J. in Belgrad bleiben und von September ab die Universität Bonn besuchen soll. Rosa-Marina. Roman von Melati von Java. Aus dem Holländischen übersetzt von Leo van Heemstede. 40(Nachdruck verboten.) Als Charlotte zu ihrem Manne zurückkehrte, stiegen doch wieder einige Bedenken in ihr auf.„Ich hoffe, daß es mich nicht reuen wird, so auf gut Glück gehandelt zu haben“, sagte sie mit einem Seufzer. „Es wird schon geben, hoffe ich“, tröstete sie ihr Mann. Die Verwandten waren höchst erstaunt: das war gerade wieder so ein Geniestreich von Charlotte, ein Mädchen zu nehmen ohne Zeugnisse, das nicht einmal sagen durfte, wober es kam. Wer weiß, was für ein Geschöpf sie zu sich genommen hatte, wer weitz, wie bitter sie es bereuen wird! Aber Charlotte bereute es durchaus nicht: sie hatte ein ehrliches, sauberes und— sie durfte es ruhig sagen— braves Mädchen gefunden. Ihre Schwestern hatten es angestaunt, als sie es zum erstenmal erblickten.„Es ist eine verkleidete Prinzessin!“ sagten sie. Sie mußte in der Tat jedermann auffallen in ihrem bellblauen Kattunkleidchen und dem Tüllmürzchen auf dem Kopfe; es war die gewöhnliche Tracht der Dienstmädchen, aber doch sagte jedes zu Charlotte:„Wie kommst Du nur zu dem Dämchen?“ Das ist bestimmt kein gewöhnliches Mädchen!“ Aber es war nichts, buchstäblich nichts an ihr auszusetzen. Sie erfüllte ihre Pflicht, still, ruhig und gewissenhaft; ob ihre Herrschaft zu viel oder zu wenig fordern mochte, sie geborchte, sie ging nie aus, als nur zur Kirche; und sie kannte keine andere ZeiKreuung als die Bücher, die sie in idren freien Stunden in ihrem Zimmerchen las. Den anderen Dienstboten gegenüber war sie dreundlich und zuvorkommend, aber sie ließ sich in keinerlei Vertaulichkeit mit ihnen ein; auch der Frau des Hauses gegenüber dlieb sie zurückhaltend. Charlotte wußte, daß sie selbst weder hübsch noch geistreich wer, sie wußte sich aber über diesen Mangel hinwegzusetzen mit dem Bewußtsein ihrer Liebenswürdigkeit. Ueberall hieß sie die liebenswürdige Frau Sandberg, und diese Liebenswürdigkeit mußte ihre Umgebung oft genug entgelten. Auch den Dienstboten gegenüber legte sie diese Eigenschaft an den Tag. und wehe ihnen, wenn sie dieselbe nicht erkannten oder nicht gehörig zu schätzen wutzten. Für Marie, die neue Magd, war sie liebenswürdiger denn je; sie suchte diese ganz unter den Eindruck ihrer Unwiderstehlichkeit zu bringen, aber es gelang ihr nicht. Marie ließ sich durchaus nichts anmerken, ob sie die Madame „lieb“ fand oder nicht; Frau Sandberg war ihre Herrin, weiter nichts, und sie erfüllte alle ihre Wünsche, mochten sie in freundlichem oder weniger freundlichem Ton vorgebracht werden, mit der nämlichen Genauigkeit und Willfährigkeit, aber immer gleich schweigsam. „Aber hast Du nun nichts an dem Mädchen zu tadeln?“ wurde Charlotte immer wieder gefragt. „Nein, ich wützte wirklich nichts! Man könnte sie vielleicht ein wenig starr oder steif nennen, aber das ist auch nicht einmal richtig: sie ist nur etwas zurückgezogen, in sich gekehrt, und doch zugleich freundlich, zuvorkommend, voll Aufmerksamkeit für mich. Auf Geschwätz läßt sie sich gar nicht ein. Nein. solch ein Mädchen bekomme ich nie wieder!“ „Ja, es ist ein Juwel! Aber weißt Du nun gar nichts von ihrer Familie? Geht sie nie aus? Hat sie keinen Schaz?“ „Bewahre! Sie hat ihre Freude einzig und allein an der Arbeit.“ Die Damen schüttelten aber trotzdem immer noch bedenklich die Köpfe; ein Mädchen ohne Zeugnisse, das niemand kannte und keine Familie hatte, das blieb doch immer eine gefährliche Sache. „Die Zeit wird es schon lehren“, sagte man; es gebt vielleicht monatelang gut. schließlich zeigen sich dergleichen Personen doch in ihrer wahren Gestalt. Man hat es schon füer eicht: n eW 0 Alles ging inzwischen seinen geregelten wung. Marie mußre sich von den anderen Mägden mancherlei spitze Bemerkung über Kleine Chronik. Einen Einblick in großstädtische Geschäftsgründungen gewährt ein vor dem Berliner Landgericht verhandelter Prozeß, bei dem eine ganze Reihe auch von auswärtigen Lieferanten geschädigt ist. Ein junger Mensch hatte eine kleine Erbschaft gemacht, die er aber bald durchbrachte. Um wieder Geld zu bekommen, dachte er ans Selbständigwerden. Vorher tischte er allen Bekannten das Märchen von einer 30000 Mark=Erbschaft auf und ward auch genügend beneidet. Als das Gerede festen Boden gefaßt hatte, mietete er einen Laden, ließ auf Borg eine Einrichtung hineinstellen und fing an, bei Lieferanten zu kaufen. Auf Grund des Geredes von der großen Erbschaft hatte er in zwei Wochen für 45000 Mk. Waren erhalten, die er schleunigst für einen Ramschpreis anderweitig versilberte. Vier Wochen hatte die Firma bestanden, dann verschwand ihr Inhaber. Auf Grund eines Steckbriefes wurde er aber gefaßt und bekam vom Schwurgericht 21 Monate Gefängnis und drei Tage Ehrverlust.— Zweierlei ergibt sich aus dem Fall, wie leicht doch heute das Betrügen und Beschwindeln ist, und wie groß das Bedürfnis der Geschäftswelt nach Absatz, denn sonst würde nicht so leicht und so umfangreich Kredit gewährt werden. Der Kantschu. Wenigstens vors Gesicht müßte der Kantschu den jugendlichen Lümmeln gehalten werden, die jetzt in die Kolonne der Erpresser eintreten. Kaum ein Tag vergeht, daß nicht von irgendwoher solche Unverschämtheit berichtet wird. Ein Bengel von etwa 18 Jahren hat es so weit getrieben, daß er sich kurzer Hand aus dem Adreßbuch eine Adresse einer Berliner Dame heraussuchte und dieser eine solche Zumutung übermittelte. Daß es hohe Zeit wird, einem solchen Treiben mit aller Strenge entgegenzutreten, liegt auf der Hand. In eine Kompagnie Soldaten mit einem Automobil hineinzufahren, ist ein starkes Stück, selbst wenn es Nachts passiert, wie es bei Ingolstadt einer von einer späten Uebung heimkehrenden Soldatentruppe geschehen ist. Zwei Soldaten sind schwer verletzt, der Chauffeur ist verhaftet. Heuchelei und Scheinheiligkeit gefallen lassen; aber sie tat, als wenn sie es nicht hörte, blieb höflich gegenüber ihren Gefährtinnen und ging ihres Weges ungestört, einsam. aber stets untadelhaft. Als es Sommer war und Frau Sandberg mit ihrer Mutter und ihren Schwestern ihren Aufenthalt auf dem Lande zu nehmen gedachte, wollte sie dem Mädchen Kostgeld geben, aber Marie ersuchte sie, in ihrem Hause bleiben zu dürfen, da sie keine Heimat habe. „Aber Lotte, sei doch nicht töricht!“ sagte ihre Schwägerin ängstlich.„Wie kannst Du dem unbekannten Mädchen Dein Haus anvertrauen?!“ „Weshalb soll man immer so argwöbnisch sein?“ entgegnete Charlotte.„Ihr denkt immer das Schlimmste von den Leuten; ich will nur Gutes von ihnen denken, so lange kein Anlaß zum Gegenteil da ist. Wir wollen sehen, wer recht behält.“ Charlotte schien diesmal recht behalten zu sollen. Marie sorgte in ihrer Abwesenheit trefflich für das Haus; ihre Treue und Ehrlichkeit wurden nur übertroffen durch den Eiter, womit sie die Interessen ihrer Herrschaft beberzigte. „Sie ist das Ideal eines Dienstmädchens!“ rief Charlotte entzückt. „Wenn man nur etwas näheres von ihr wüßte! Kann Sandberg sich nicht einmal nach ihren Verhältnissen erkundigen?“ „Wenn er es auch könnte, ich würde es unter meiner Würde halten, von seiner Stellung Mißbrauch zu machen. Marie dien: mir zu meiner vollsten Zufriedenheit, und sie hat ihre Gründe. ihre eigenen Augelegenheiten für sich zu behalten. Ich muß diese Gründe hinnehmen; ein Dienstmädchen hat ebensogut Rechte wie jeder andere Mensch.“ Nicht wenig stolz, diese schöne Redensart erdacht zu haben, blickte Frau Sandberg ihre Mutter und ihre Schwestern triumphierend an. * (hortenung felc.) Ein leichtsinniges Dienstmädchen goß in dem Orte Bömisch= Klokotschow Spiritus so unbedachtsam in einen Kocher, daß die ganze Flasche explodierte. Das Mädchen, wie das einjährige Kind ihrer Herrschaft, das sie auf dem Arme hielt, verbrannten. Ex=Präsident Castro von Benezuela ist wieder in Europa. Er ist mit dem französischen Dampfer„Versailles“, auf den er gewaltsam gebracht ist, in St. Nazaire bei Rantes in Frankreich eingetroffen. Er ist, was man begreifen kann, Gift und Galle gegen die Franzosen. Er will sich nun an Bord eines spanischen Dampfers zum zweiten Male nach Columbia einschiffen. Er soll übrigens von neuem erkrankt sein. Der New=Yorter Putzwarenschmuggel wächst sich zu einem wahren Riesenskandal aus. Angeblich sollen jährlich Zollhinterziehungen von 60 bis 80 Millionen Mark vorgekommen sein. Das ist ja kein Schmuggel mehr, sondern ein Raubzug auf die Staatskasse. Zur Besteuerung der Lohnarbeiter. Die Berufungskommission in Düsseldorf hat neuerdings, der Köln. Ztg. zufolge, einen beachtenswerten, namentlich die Besteuerung des Arbeitereinkommens betreffenden Beschluß gefaßt, der nicht allein von den Arbeitern selbst, sondern auch von den mit der Ausführung des Einkommensteuergesetzes betrauten Behörden mit Freuden begrüßt werden wird. Der Beschluß lautet: Beim gewöhnlichen Lohnarbeiter(Tagelöhner, Fabrik=, Bergarbeiter) gilt als Einkommenquelle im Sinne des§ 9 des Einkommensteuergesetzes sein Beruf, im Gegensatz zu dem sogenannten Angestellten, dessen Einkommenquelle in der Regel die jeweilige Anstellung(der Anstellungsvertrag) ist. Bei ersterer Kategorie bedingt mithin vorübergehende(kürzere oder längere, freiwillige oder unfreiwillige) Arbeitslosigkeit(Ausstand, Aussperrung. Krankheit, ungünstiger Arbeitsmarkt) nicht den Verlust der Einkommenquelle, diese bleibt bestehen, bis der Beruf selbst aufgegeben wird. Hieraus ergibt sich: Hat ein Industriearbeiter vom 1. Januar bis 30. Juni und vom 15. Oktober bis 31. Dezember 1908 700 und 300 gleich 1000 Mark verdient, in der Zwischenzeit aber gefeiert, so beträgt sein steuerbares Einkommen für das folgende Steuerjahr 1000 Mark. Für eine Schätzung des mutmaßlichen Einkommens für 1909 ist hier kein Raum, denn da die Einkommenquelle(der Beruf als Arbeiter) während des ganzen Kalenderjahres 1908 bestanden hat, liegt ein Jahresergebnis im Sinne des§ 9 vor. Die Uebung zahlreicher Veranlagungsbehörden, die in solchen Fällen das mutmaßliche Einkommen zugrunde legen, wird verworfen. Steuerrechtlich ist der Fall nicht anders zu beurteilen als beispielsweise bei einem Arzt oder Maler, der, ohne seinen Beruf aufzugeben, aus irgend einem Grunde(Krankheit, Auslandsreise) längere Zeit die Ausübung seiner Praxis oder Kunst einzustellen veranlaßt ist. Auch hier bleibt die Quelle, der Beruf als Arzt oder Künstler, ununterbrochen bestehen. Zweifel darüber, daß in Fällen letzterer Art sich die Besteuerung nach dem tatsächlichen Ergebnisse des letzten Kalenderjahres richtet, sind bisher niemals aufgetaucht. Dieser Beschluß bevorzugt allerdings den Lohnarbeiter vor anderen Berufsständen insofern, als ihm die Arbeitslosigkeit doppelt zugute kommt, weil er nach Artikel 80 der Ausführungsanweisung bei mehr als zehnwöchiger ununterbrochener Arbeitslosigkeit in der Regel Anspruch auf Ermäßigung auch imlaufe des Steuerjahres hat. Indes läßt sich eine derartige wohlwollende Gesetzesauslegung sehr wohl durch die Erwägung rechtfertigen, daß der Arbeiter infolge des § 23 bis auf den letzten Pfennig herangezogen ist und unter einer längeren Arbeitsunterbrechung wirtschaftlich besonders schwer zu leiden hat.“ Aus Zeit und Welt. Der Flugtechniker Farmann begann mit seinem Apparat Aufstiege in Wien. Das Resultat war aber ein jäher Niedersturz, der eine zweitägige Reparatur nötig macht. Der frühere nordamerikanische Präsident Noosevelt, den bei seiner in Mombassa in Englisch=Ostafrika erfolgten Landung ein Telegramm des Königs Eduard begrüßte, hat sofort die Reise ins Innere angetreten. Die Journalisten, die ihn begleiten wollten, scheint er sich glücklich abgewehrt zu haben. Die Reise geht, wie bekannt, dem Nil folgend von Süden nach Norden, zum Osterfest 1910 hofft der Präsident in Kairo zu sein, wo er von seiner Frau und seiner Tochter Ethel erwartet wird. Im Frühling 1910 kommt die Familie Roosevelt nach Europa und besucht Berlin, Paris und London. Wellmans neues Motorluftschiff, mit dem der Amerikaner in diesem Jahre seinen Versuch, den Nordpol zu erreichen, wieder aufnehmen will, ist schon fertiggestellt. Der zigarrenförmige Tragkörper ist bei einem Durchmesser von 16 Meter 56 Meter lang und hat ungefähr 8500 Kubikmeter Inhalt. Die Hülle besteht aus einer dreisachen Schicht von gummiertem Baumwolltuch und Seide. Das Gerüst für die 37 Meter lange Gondel ist aus Stahlrohren, die Gondel ist zur Aufnahme von drei Personen, mehreren Zughunden, zwei Schlitten, einem Boot, zwei Kubikmetern Brennstoff für den Motor, Lebensmitteln etc. eingerichtet. Zum Antvieb dient ein Benzinmotor von 80 Pferdestärken. Gold= und Diamantenfunde. Mit den vielfachen Ankündigungen von Gold= und Diamanten=Funden muß man heute recht vorsichtig sein, weil es meist nicht stimmt. So wird aus Mexiko berichtet, in den Mauersteinen der Stadt Guanojuato sei Gold gefunden. Bei solchen Mitteilungen können wir nur darauf hinweisen, daß auch in unseren deutschen Mittelgebirgen nach den mittelalterlichen Funden zu schließen, noch viel Geld stecken muß; man weiß nur nicht, wo. Auch von dem thüringischen Fluß Schwarza steht es fest, daß er Gold mit sich geführt hat. Also wenn man Hoffnungen hegen will, braucht man gar nicht in die weite Feine zu schweifen. Was den in unserem Deutsch=Südwestafrika angeblich ermittelten wirklichen Diamantengrund betrifft, so stößt auch diese Angabe, laut„Köln. Ztg.“, bei den Fach=Geologen auf Zweisel. Diese Herren meinen, wäre in der Tat Blaugrund in der Nähe, so müsse man neben den vielen kleinen Steinen auch größere gefunden haben. Also bescheiden wir uns. Dies und das. Hinrichtungen in Preußen. In den sechs Jahren von 1902 bis 1907 sind in Preußen 88 Hinrichtungen erfolgt, die an 80 Männern und 8 Frauen vollzogen wurden. In den einzelnen Jahren schwankt die Zahl der Hinrichtungen zwischen 5 und 21. Im Jahre 1907 betrug sie 15, kam also dem Durchschnitt(14,7) etwa gleich. Von den Provinzen hatte in dem sechsjährigen Zeitraum die meisten Hinrichtungen Schlesien mit 18; dan folgen Brandenburg, Posen und Rheinland mit je 11, Sachsen mit 9, Hannover mit 8, Ostpreußen mit 7, Pommern, Westfalen, Schleswig=Holstein und Hessen=Nassau mit je 3 und Westpreußen mit 1. In Berlin fand keine Hinrichtung statt, da die in Berlin Abgeurteilten in Plötzensee hingerichtet werden, das zum Kreise Niederbarnim gehört; daher ist auch die Zahl der Hinrichtungen in der Provinz Brandenburg mit 11 verhältnismäßig so groß. Um seine sterbende Mutter noch lebend zu sehen. 1544 Kilometer legte ein Amerikaner per Sonderzug in 967 Minuten zurück, um seine sterbende Mutter lebend anzutreffen. Vor mehreren Tagen erhielt Mister Vanderbild, Präsident der Newyorker Bank, eine Depesche des Inhalts, daß seine Mutter in Chicago auf den Tod krank darniederliege. Vanderbild bestellte sofort einen Sonderzug, der ihn auf seiner etwa 40 Kilometer von Newyork gelegenen Besitzung abholte. Vanderbild, der seine Mutter noch lebend anzutreffen hoffte, zahlte für den Extrazug 8000 Mark und gab dem Lokomotivführer ein gutes Trinkgeld mit der Bitte, drauf los zu fahren, was das Zeug halte. Vormittags 11 Uhr bestieg Vanderbild den Sonderzug, bestehend aus der Lokomotive, einem Salonwagen und je einem Schutzwagen vor und hinter dem Salonwagen. Der Lokomotivführer gab Volldampf, und bald raste der Zug mit unheimlicher Schnelligkeit dahin. Dieser Zug schlug einen Rekord, derbisher noch von keinem anderen Zug auch nur annähernd erreicht worden wäre. Nur sechsmal fand ein kurzer Aufenthalt statt, wenn die Lokomotive gewechselt werden mußte oder der Zug zum Halten gezwungen war, bis die fahrplanmäßigen Züge auf ein Nebengleise geschoben waren, um den Sonderzug vorbei zu lassen. Trotz aller Schnelligkeit, mit der der Zug dahinraste, ist Vanderbild dennoch zu spät gekommen, denn seine Mutter war etliche Minuten vorher in die Ewigkeit hinübergeschlummert. Ein wandernder Berg. Wie aus Nizza berichtet wird, hat in dem Tal des Verdon, in dem gegenwärtig eine Bahnlinie von Annet nach Saint=André gebaut wird, in der Höhe der Station Thorame ein Berg sich in Bewegung gesetzt. Eine gewaltige Erdmasse, die auf über 500000 Kubikmeter geschätzt wird, hat sich losgelöst und rückt in das Tal des Verdon vor. Rosa=Marina. Roman von Melati von Java. Aus dem Holländischen übersetzt von Leo van Heemstede. 411(Nachdruck verboten.) Eines Tages war Marie mit irgend einer Arbeit im Zimmer beschäftigt; ihre Madame und deren Schwester Sophie saßen am. Fenster und plauderten, ohne auf ihre Anwesenheit zu achten. „Habt Ihr nichts mehr von Frank gehört?“ fragte Charlotte. „Nein, was sollten wir von ihm hören! Ich finde es traurig genug, daß er gleichsam tot für uns ist. Mama hat sich zu sehr von Heuri beeinflussen lassen, sie bätte sich etwas berzlicher gegen ihn und seine Frau zeigen sollen.“ „Wann hat er zuletzt ein Lebenszeichen von sich gegeben?“ „Zuletzt auf einer Postkarte an Henri, mit der Bitte. das Seld für ihn an einen Bankier in Madrid zu übermitteln.“ „Dann ist er also jetzt in Spanien! Mit seiner Frau!“ „Wahrscheinlich! Denke Dir, als Meta kürzlich in der Residenz war, wollte sie ihn in seiner Wohnung in der Celebessraße besuchen, aber er war schon seit Februar ausgezogen.“ „Und hat Meta sich nicht weiter erkundigt?“ „Nein, sie fand das unter ihrer Würde." „Wie albern! Ich hätte die Leute schon ordentlich aus##rfragt, das versichere ich Dir.“ „Ich höre, daßz er in diesem Jahre die Ausstellund beschicken will. Sehr mißlich! Jeder spricht davon und erkundigt sich, was der Bruder macht, und man weiß nichts zu erwidern!“ „Eines schönen Tages wird er wohl wieder wie aus der Luft geschneit kommen... Ei, Marie, wo kommst Du ber? Ich habe Dich ja gar nicht gesehen. Bitte, bringe mir mein Schlüsselkörbchen, es steht im Gartenzimmer, wenn ich mich nicht krr: Marie ging eilig davon. „Wie bleich sie ist! Feblt ihr etwas“ „Das ist mir nicht aufgefallen, sie ist vollkommen gesund. Findest Du sie wirklich hübsch, Sophie? Einige wissen ihre Schönbeit nicht genug zu rühmen.“ „Ich habe nie sonderlich darauf geachtet. Meta sagt, sie hätte so prächtige Augen. „Man sieht wenig davon, sie hält sie fast immer niedergeschlagen und das gefällt Mama und Luise auch wieder nicht, sie haben immer etwas auszusetzen, ich weiß nicht weshalb. Ich mag tun, was ich will, ich kann sie nie zufrieden stellen. Das ist mir sehr unangenehm.“ „Ich würde mir das nicht so sehr zu Herzen nehmen. Du bist zufrieden mit Marie, da lasse die andern nur schwätzen.“ „Das ist leicht gesagt, wenn man aber einen eigenen Haushalt hat, und jedes mischt sich hinein...“ Marie brachte das Schlüsselkörbchen. „Danke. Marie. Willst Du die Wäsche aussuchen und nachzählen? Ich komme gleich.“ „Ich werde es besorgen. Madame.“ „Wie nett sie sich zu benehmen weiß!“ sagte Sophie.„Sie hat etwas an sich, als wenn sie die Madame wäre.“ „Und ich die Magd, hm?“ „Das habe ich nicht gesagt; ich meine nur, daß sie so ganz anders ist als die gewöhnlichen Mädchen.“ Einige Wochen darauf wurde die Gemälde=Ausstellung eröffnet. Meta und Sophie van Haeren lietzen ihrer Mutter keine Ruhe, schon am Eröffnungstage hinauszufahren; so neugierig waren sie, ihres Bruders Kunstwerke in Augenschein zu nehmen. Die beiden kleinen Bilder, die er geliefert, wurden sehr bemerkt, sie waren ganz nach der neuen Manier gemalt, in kräftigen Zügen mit grellen Farben, die in bestimmter Entfernung gesehen werden mußten, um irgend einen Eindruck zu machen. Am Gipfel des Berges hat sich eine Bresche von über 30 Meter gebildet, die sich ständig erweitert, wobei große Felsstücke abbröckeln. Die langsam zunehmende Bewegung beträgt 50 bis 60 Zentimeter in der Stunde; wenn sie nicht zum Stillstand kommt, was wenig wahrscheinlich ist, wird eine in der Nähe stehende Kapelle bald unter den Felstrümmern begraben sein. Indianische Mutterliebe. Eine„absolut wahre Geschichte" von der elementaren Stärbe indianischer Mutterliebe wird aus Port Arthur„Ontario, am Superior=See, gemeldet. Ueber 200 Meilen nördlich von diesem Hafen entdeckte ein Trapper eine Indianerin in vollständig erschöpftem Zustande. Sie hatte eine Anzahl ihrer Kinder mit sich und erzählte dem Trapper, daß sie und ihre Kinder fast Hungers gestorben seien. Als sie dann das Gewimmer der Kinder, ihren Schrei nach Nahrung, nicht mehr länger mit anhören konnte, schnitt sich die unglückliche Mutter Fleisch aus ihrem eigenen Körper, schlug ein Loch in das Eis des dort liegenden Sees und benutzte ihr Fleisch als Köder an ihrer Angelschnur, und es gelang der Indianerin, so viele Fische zu fangen, daß deren roh genossenes Fleisch so lange hinreichte, die Kinder und sich selbst vor dem Hungertode zu bewahren. In diesem Zustande fand sie der Trapper, der sie und die Kinder mit passender Nahrung versorgte und nach der nächsten Ansiedlung brachte, wo sich die Fawilie, namentlich die so aufopferungsfähige Mutter, nun langsam wieder erholt. Humor. In Gedanken.„Ich bin der Mann, der die Ehre hatte, Ihre Frau Gemahlin vor dem Ertrinken zu retten!“— Staatsanwalt:„Haben Sie sonst noch was auf dem Gewissen?“ Abrechnung. In einem Café läßt der Kellner auf Wunsch einer gemütlichen Gesellschaft den Musikautomaten spielen. Bei der Abrechnung zählt der Kellner auf:„Sechs halbe Münchener, zwei Pilsener, zwei Schokolade, sechs Zigaretten, drei lustige Witwen und ein Walzertraum.“ Verliebt. Herr:„Riechen Sie auch Veilchen so gern, Fräulein?“— Fräulein(dessen Bräutigam in einem Käsegeschäft ist):„Ach ja, Veilchen und Käse!"(Meggd. Bl.) Der Trinker beim Arzt.„... Die Wunde ist nicht von Bedeutung— muß aber genäht werden. In einer Viertelstunde ist alles vorbei.“—„Tut das weh, Herr Doktor?“ „Ja, das tut schon weh!“—„Wenn mir nun aber schlecht wird?“—„Dann bekommen Sie einen Kognak!“—„Herr Doktor.!“—„Was wollen Sie denn noch?“—„Herr Doktor— mir is schon schlecht!“ Gauner im Restaurant.„Wie gefällt dir der Pelzmantel da am Kleiderhaken?“—„Der ist unter Brüdern zweihundert Mark wert! Gehört er dir?“—„Noch nicht!“(Fl. Bl.) Schlagfertig. Die„Daily News“ bringt folgenden Dialog: Vater(beim Lesen des Zeugnisses, das ihm wenig gefällt, zu seinem Sohne):„Weißt du vielleicht, daß Georg Washington in deinem Alter immer unter den Ersten seiner Klasse war?“ —„Gewiß, Vater; und in deinem Alter war er Präsident der Vereinigten Staaten.“ Theater=Spielplan. Stadttheater Dortmund. Montag, 26. Apvil, 7,30 Uhr:„König Heinrich IV“ 1. Teil. Historisches Schauspiel in 5 Aufzügen von W. Shakespeare. Dienstag, 27. April, 7 Uhr:„Siegfried". Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner. Mittwoch, 28. April, 7,30 Uhr:„2X2=5“. Satyrspiel in vier Aufzügen von Gustav Wied. Donnerstag, 29. Apvil, 6,30 Uhr:„Götterdämmerung“. Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner. Freitag 30. April, 7,30 Uhr:„König Heinrich IV.“ 2. Teil. Historisches Schauspiel in 5 Aufzügen von W. Shakespeare. Sonnabend, 1. Mai, 7,30 Uhr:„Romeo und Julia“, Große Oper in 1 Vorspiel und 5 Aufzügen von Charles Gounod. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 27. Appil: Teils heiter, teils bedeckt, strichweise Regen, kühl. 28. April: Bewölkt mit Regen, kühler, windig. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Als sie den richtigen Punkt gefunden hatten, gelang es den Damen, einen Frauenkopf zu unterscheiden mit einem feuerroten Tuch um den Kopf, mit braungelben Wangen und mit einem Paar Augen, die zwischen all der Farbenvergeudung wie zwei Karfunkelsteine blitzten und von einer kuallgelven Jacke noch mehr gehoben wurden. „Es ist doch schön, wenn man es genau betrachtet“ sagte Sophie. „Echt à la Frank! Es soll eine Zigennerin vorstellen.“ Nachdem sie sich einmal in all die dicken Striche und Kleckse hineingelebt hatten, zog das Köpfchen sie mit unwiderstehlicher Gewalt an.„Sie lebt doch! Wie die Augen glänzen, welch ein Licht sie ausstrahlen!" flüsterte Sophie. „Sie hat Aehnlichkeit mit irgend einer Bekannten“ meinte Meta;„ich weit nur nicht, an wen mich das Gesicht erinnert. Was sagst Du dazu, Mama?“ Frau van Haeren hielt ihre Lorgnette mit dem langen Schildkrötengriff eine Zeitlang vor das Auge und sagte:„Ich kann nichts Schönes in der Schmiererei entdecken.“ „Aber das Gesicht, wo haben wir das schon geseben?“ „Ich weiß es nicht. Wenn eine Aebnlichkeit vorhanden ist, dann meine ich, könnte es mit der Marie sein. Chaclottes Mädchen!“ „Marie! Was fällt Dir nur ein?!“ „Guten Tag, Mama! Kinder, ich begrüße Euch!“ Erschreckt sahen die Mädchen sich um— der Bruder Maler stand hinter ibnen. „Frank!“ rief die alte Dame leichenblatz, und die Mädchen standen wie am Boden festgenagelt. Frau van Haeren hing sich in den Arm des verlorenen Sohnes und schritt wankend mit ihm zu einer der roten Sammetbänke, die mitten im Saale standen. Sie zitterte derart am ganzen Leibe, daß die Mädchen besorgt wurden und Frank vorwurfsvoll ansahen. (Fortsetzung folgt S 8 5 3 8 * " 3— GR" 3 3 08 S S Sng 5 " 5 3* Saßn 2 SürS 8 #-SSS "** S 2.g** * 2.— „ 8 9**** # 53a— * 2„*„ S s n S. 0* * T#s" 855 S:-* JaEE „*""„§*% S 7„„„„ —— 2—— S 2 0 3 3 9 SSSe 9gg * *" 2..• S 2.*— *„„•,*“ Se g 2 „ 5 8 9„"" SaEs“ " 22."„ 3 aS.. Sn** 28 F S S T 2.2 u 2: S 8 3 5 8 S Ss K K. 1 5 8 S B.8.: a 8 S F S 9 K 5 2. S 2.: * 28• 2. S• 2. ** W* redigiert von Martha Kempner-Hochstädt. Regenwetter. Von Tante Ella. Es kommt von der SchulKlein=Lotte nach Haus, Es stürmet und regnet— 's ist wahrlich ein Graus! Wie ist es drinnen Gemütlich und warm! Die Lotte wiegt jauchzend Das Püppchen im Arm. „Nun sage, mein Kindchen, Sag', warst du auch brav? Hat niemand, mein Liebling, Gestört deinen Schlaf? Wo ist denn die Mieze? O lausch', wie sie schnurrt! Und hör', wie verdrießlich Freund Nero heut knurrt! Der Sturm und das Wetter Ihm nimmer gefällt, Da kann er nicht jagen Das Häskein im Feld. Ganz traurig sitzt, schau' doch, Der Laubfrosch im Glas! Und doch macht den Grünrock Der Regen nicht naß. Der Vogel im Bauer Sein Liedchen nicht singt, Das sonst doch so fröhlich, So schmetternd erklingt!“ So plaudert die Lotte. Das Püppchen sie wiegt, „Gelt, Liebling,“ so lacht sie, „Wir zwei sind vergnügt! Uns stört nicht das Wetter, Des Sturmes Gebraus— Wie ist's doch, wenn's regnet, Gemütlich im Haus!“ kostbare Werk gerettet, sie mußten fliehen, starben in weiter Ferne, und ihr Kloster zerfiel in Trümmer. Wohl weiß man darum, daß die Orgel noch in der Nähe ist: aber wo sie liegt, ist allen unbekannt. Aber jedesmal nach sieben Jahren steigt sie um Mitternacht aus der Tiefe und läßt weithin ihre herrlichen Töne erschallen. Nichts gleicht dem zarten Hauche dieser goldenen Flöten bei der feierlichen Stille der Nacht in der freien Natur. Bald schwellen die Töne zu mächtigen Wogen an und rauschen durch das enge Tal hin, bald dämpft sie der Schall wieder und endet mit einem leise nachhallenden Echo in den Vergwäldern. Aber niemand wagt sich hin, den Meister zu schauen, der also die Töne in seiner Gewalt hat; und so bleibt es wohl immer der Zukunft vorbehalten, den herrlichen Schatz ans Licht zu bringen. ste Rätsel. Ich halte mich versteckt! Willst du mich finden, Such' mich in Bergwerken und Gründen, Doch nicht in Polen, Denn da ist leider nichts zu holen; Wohl aber in Preußen Und auch im Land der Reußen. Nun rate flugs mit frohem Sinn, Wer ich wohl bin? * Ergänzungs=Aufgabe. Aar, Asche, Eber, Eid, Horn, Meise. Aus jedem der obigen sechs Wörter kann man durch Versetzen eines Buchstaben ein anderes Wort erhalten. Sind die richtigen sechs Wörter gefunden, so sind dieselben so zu ordnen, daß ihre Anfangsbuchstaben den Namen eines deutschen Herzogtums ergeben. * Buchstaben=Rätsel. Jeder, Rabe, Rachen, Alter, Hand, Elbe. Obige Worte sollen durch Streichen eines Buchstaben und Hinzufügen eines neuen in andere Worte verwandelt werden. Die hinzugefügten Buchstaben sind, der Reihe nach gelesen, die Bezeichnung für ein Zeugnis. (Die Auslösungen der Kätlel usw. erfolgen in der nächtten „Kinderlaube“. D. Red.) 5 Die goldene Orgel. Eine Sage von Oskar Fitzan. Eine Stunde von Albersweiler in einem schönen Tale liegt das Torf Kusserthal, das von einem ehemals bedeutenden, nun aber völlig verschwundenen Kloster den Namen hat. Nur das Chor der Klosterkirche steht noch und wird als Kirche benutzt. Von dem ungeheuren Reichtume des Klosters weiß man mancherlei im Torfe zu sagen, besonders hört man viel von der goldenen Orgel reden, welche ehemals in der Klosterkirche stand und beim Gottesdienste gespielt wurde. Als das Kloster einmal von Feinden überfallen wurde, war denn auch dieser Schatz das erste, was die Mönche stüchteten. Sie schafften sie an einen Sumpf, der sich damals im Tal ausdehnte, und versenkten sie möglichst tief in denselben. Aber umsonst hatten sie das der Rätsel usw. aus der vorigen „Kinderlaube“. Geographisches Silben=Rätsel. Barcelona Edinburg Riga Lyon Ingolstadt Neapel. Berlin. * Rätsel. Rebe— Eben. Silben=Rätsel. Braunschweig. ch e 18 99 6· S * 85 SS## FIERRDSS *8 SESS S J•TNERN ###, § 5K80E8T n à* 2.86— SOASSG #s FSß #gg • S# S. S*8 2 2 S## r. S##g # S 9g * o E..—"— 8 TSS##ragyr S B 9 9.* B 5 # 8 Bentter! Amtliches Kreisblatt für den Kreis börcke. 41. Jahrgang O Grites und duelles Cagesorgan des Kreiles. O haupl-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 96. Montag den 26. April 1909. Twel Seltamtente. Romau von F. Stolze. (26. Fortsetzung.) sie können Ihre volle Freiheit und zudem noch meine kräftige Unterstützung gegen Herrn von Born jeden Augenblick erhalten, wenn Sie mir nur ein einziges Versprechen machen wollen.“ „Kommt der Pferdefuß doch endlich zum Vorschein? Wieviel verlangen Sie? Ein Viertel oder ein Drittel der Erbschaft?“ „Nicht einen roten Heller. Ich bin zufrieden, wenn Sie mir die Hand Ihrer Tochter zusagen!“ „Wahrhaftig, das nenne ich bescheiden! Also meine Tochter und, da ich nur zwei Erben habe, die Hälfte der Erbschaft! Und Sie glauben wirklich, daß Sie das bekommen werden?“ „Ich bin ganz fest davon überzeugt.“ „So werde ich Ihnen sagen, was Sie von mir zu erwarten haben. Zunächst keinen roten Heller, den Sie ja auch nicht wünschen, dann aber auch nicht meine Tochter, die Sie wünschen. Lieber würde ich mein Kind tot im Sarge, als in den Händen eines Schurken wie Sie sehen!“ Beide Männer sprangen auf und sahen sich mit sprühenden Augen an. Dann verzog sich Jennings' Gesicht höhnisch und er sagte: „Ich denke, Sie werden sich's doch wohl noch überlegen. Haben Sie vergessen, was Nur Ali Khan zu Ihnen sagte, als er mit Ihnen von Persepolis aufbrach? Sie wissen's nicht mehr? Ich meine, von dem eisernen Käfig, in den er Sie stecken würde, wenn Sie einen Fluchtversuch machten. Sie wissen also, was Ihrer jetzt harrt.“ „Das also sind die Beweise Ihrer Zuneigung zu uns, mit denen Sie prahlten? Aber ich trotze Ihnen. Und es wird nicht allzulange dauern, bis Oberst von Leppel mit meinen Rettern herbeikommt und mich befreit. Dann wehe Ihnen!“ „Denken Sie, daß das so schnell geht in einem Lande, das viermal größer als Deutschland ist? Und wie lange glauben Sie wohl, daß Sie's aushalten in diesem schönen Käfig? Er ist fünf Fuß lang, vier Fuß hoch und drei Fuß breit. Vielleicht überlegen Sie sich's doch noch!“.„ „Kein Wort weiter,“ rief Werner in stoizem Tone. „Brechen wir auf!“ Wenige Minuten später saß er wieder gefesselt auf seinem Pferde und der Zug setzte seinen Weg am Salzsee fort. (Rachdrus verhoter.) 24. Kapitel. Auf der Plattform von Persepoils war seit Mittag nordwestlich vom Palaste des Darius ein großes Lager aufgeschlagen, das sich in drei Teile gliederte. Unmittelbar am Fuße des prächtigen Baues erhob sich über ein Dutzend leichter Zelte, von denen die meisten sich schon durch ihre Form als Schlafzelte kennzeichneten, während zwei größere mit ringsum laufender Veranda und doppeltem Dach zweifellos dem Tagesgebrauch, also den Mahlzeiten und Zusammenkünften und dem Schutz gegen die Sonne dienten. 66and sich Weiter nordöstlich von dieser Gruppe befang sich zwischen zahlreichen Kisten und Gepäckstücken eine Anzahl kleinerer, halboffener Zelte, in denen zum Teil Feuer brannte, während sich ringsherum Männer in persischer Tracht, offenbar die Dienerschaft, bewegte. Ganz dicht an der herrlichen Treppe, die von der großen Halle des Ferxes zu den Propyläen hinabführt, hatte sich die dritte Gruppe, aus etwa zwanzig Mann irregulärer persischer Kavallerie bestehend, gelagert. In ihrer Mitte stand ein größeres Zelt, vor dessen Oeffnung ein Shärtib(Oberst) auf einem Teppich sich behaglich von der Sonne bescheinen lieb.„.. M6 4arm In der Ebene selbst, am Fuße der Plalisorm, rings um die vorüberströmenden Djugs(offene Wassergräben) waren zahlreiche Maultiere und Pferde von der edelsten Rasse bis zum kleinen Bergklepper angeseilt, bewacht von den Maultiertreibern und PferdeDie Sonne hatte etwa drei Viertel ihrer Tagesbahn vollendet. Aus den Zelten der ersten Gruppe trat eine Anzahl Personen in männlicher Kleidung hervor, die meisten von ihnen im besten Mannesalter, nur drei ganz knabenhaft. Alle wendeten sich dem Kunigsberge zu und schritten den schmalen Felspfad empor, der zum ersten Königsgrabe führt. Auf dem davorliegenden großen Felsvorsprunge machte die Mehrzahl der Gesellschaft Halt und versenkte sich in die Betrachtung des großartigen Ruinenpanoramas, das sich von hier aus Blicken bietet. Der mächtige Säulenwald, die sich malerisch anordnenden schönen Paläste, dahinter die weite Talebene mit den sie umgrenzenden hohen Gebirgszügen, rechter Hand die phantastischen Bergspitzen des Kuh i Ajub und des Mian Kaläh, das alles bot im glänzenden Sonnenscheine ein zauberhaftes Bild, dessen zarte Farbentönung sich von dem hellen Goldgelb des Vordergrundes bis zum glänzendsten Violett, überspannt von einem tiefblauen Himmel, abstufte. Im e - F##EE 1. 592-II, M 3 5SAEAPHFTA ESN.•• Tale zerstreut lagen wie Oasen von Gärten umgebene einzelne Dörfer, und das Ganze erhielt reiches Leben durch die die Plattform und die Fläche an ihrem Fuße geschäftig umwimmelnden Menschen und Tiere. Besonders die drei jungen Leute, die von den älteren wie von einer Korona umgeben waren, gaben ihrem Entzücken freien Ausdruck und jubelten laut in die klare Luft hinaus. Die reinen hellen Stimmen ließen erkennen, daß man junge Mädchen in Männer= tracht, nicht Knaben vor sich hatte, denen ein Teil der sie umgebenden Männer offenbar den Hof machte. Zwei Männer, der älteste und einer der jüngsten, waren im Hintergrunde zurückgeblieben. Sie gingen unauffällig in das Königsgrab. Der ältere trat, während der jüngere im Eingang stehen blieb und bald nach außen, bald nach innen blickte, mit leisem Schritt an das hintere Sargbecken heran, beugte seine hohe Gestalt, griff mit der Hand hinein, bewegte sie in dem leicht klappernden Geröll, das den Boden bedeckte, hin und her, zog ein Pack Papiere daraus hervor und hob es triumphierend empor. Schnell prüfte er den Inhalt, versenkte dann das Ganze in seine Brusttasche und flüsterte seinem Begleiter zu: „Ich habe die Schriftstücke, Ewald, alle, es fehlt nichts. Aber laß dir nichts merken!= Heut abend reden wir weiter darüber. Jetzt paß auf, wie ich es mache!“ Ewald nickte zustimmend. Dann traten sie an die Oeffnung der Grabtammer, und Oberst von Leppel rief: „Aber meine Herrschaften, wollen Sie denn ewig da draußen stehen bleiben und sich nicht auch einmal das Innere dieser interessanten Grabstätte ansehen? Sie ist ja zwar längst ausgeplündert, aber man kann doch immer noch erkennen, wie die ursprüngliche Anlage war. Zwei Särge haben offenbar in diesen leeren Becken gestanden, in denen wohl die Ueberreste des Großkönigs und seiner Gemahlin aufbewahrt waren. Davon ist natürlich jede Spur verschwunden, als die Iran erobernden Horden die Gräber erbrachen und sich des reichen Schmuckes der Leichen und der Särge bemächtigten.“ Alles drängte hinein, auch die drei Damen, denen sich Hauptmann von Born und Achim von Leppel eng zur Seite hielten. So sehr sie es auch zu verbergen suchten, konnten sie doch den scharfen Augen der jungen Mädchen nicht verhehlen, mit wie mißtrauischen Blicken sie sich gegenseitig überwachten. Es war für Alice eine schwere Aufgabe, dem Hauptmann mit freundlicher Höflichkeit so zu begegnen, daß nicht jede Hoffnung in ihm erstickt wurde, und er doch auch nicht wagte, mit seinem Liebeswerben frei hervorzutreten. Gegen Achim durfte sie gleichfalls ihre Neigung nicht zutage treten lassen, sondern mußte ihn ganz als guten Freund der Familie behandeln, was für ihn, obwohl er ihre wahren Gesinnungen kannte, oft schwer zu ertragen war. Aber es mußte sein, denn es stand zuviel auf dem Spiele. Für die übrigen freiwilligen Mitglieder der Expedition war natürlich dies kleine Intrigenspiel kaum erkennbar. Es waren wohlhabende junge Herren aus der Moselgegend, meistens Reserveoffiziere, einige nähere Freunde und Genossen Achims auf seiner früheren Forschungsexpedition, alle leidenschaftliche Jäger und abenteuerlustig. Nur zwei von ihnen waren oberflächliche Bekannte des Hauptmanns, der sie angeworben hatte. Einen wirklichen Freund oder auch nur Anhänger besaß er aber unter ihnen allen nicht. Es waren eben zu bedenkliche Gerüchte über ihn im Umlauf gewesen, und so begegnete man ihm denn mit kühler Höflichkeit. Die Gesellschaft brach auf und zog auf dem rauhen, am Bergabhange entlangführenden Felspfade weiter, vorüber an der tiefen Felsenzisterne, in der sich vor Zeiten das für die Paläste und die Gartenanlagen erforderliche Wasser sammelte, bis man allmählich das zweite Königsgrab erreichte, das von den heutigen Persern mit dem Namen Hamam, d. i. Bad, belegt wird. Es enthält nur ein Sargbecken, beherbergte also vormals auch nur eine Leiche. Die an sich sehr schöne Aussicht wurde durch den tiefen Sonnenstand im Westen beeinträchtigt, und so zog man denn auf treppenartigem steilen Pfad in das Pantertal zu der Höhle hinab, in der, wie man durch den Hauptmann wußte, Arnold Werner gefangengenommen worden war. Als man dort anlangte, verhinderte Oberst von Leppel zunächst das Betreten des Inneren. Da es bereits zu dunkeln begann, wurde eine der mitgebrachten Magnesiumfackeln entzündet und bei ihrem Scheine die Höhle vorsichtig und unter Schonung des Erdbodens abgesucht. Man fand die Stelle, wo das Schriftstück vergraben gewesen war, und forschte nach, ob sich hier oder an einer anderen Stelle noch irgend etwas verborgen fand. Alle Mühe war indessen vergebens, und so kehrte man denn, da es inzwischen völlig dunkel geworden war, zu dem Lager zurück, wo die Diener bereits in dem großen von drei Petroleumlampen erleuchteten Zelt die Hauptmahlzeit vorbereitet hatten. Man unterhielt sich, während man durch Speise und Trank die Lebenskräfte wieder auffrischte, lebhaft über das Gesehene. Der Oberst und Ewald waren ziemlich einsilbig, auch Achim hielt mit seiner Ansicht zurück. Hauptmann von Born aber ließ seiner Phantasie freien Spielraum. In beredten Worten schilderte er die Notwendigkeit schnellen und energischen Vorgehens. Jeder verlorene Tag sei eine schwere Gefahr für den Gefangenen. Man könne nicht wissen, welche Mittel Jennings, den er in den schwärzesten Farben malte, anwenden könne, um Arnold Werner ein Geständnisabzupressen. Nicht die Baharlus seien zu fürchten, sondern dieser Mensch. Denn die Nomaden könne man leicht mit Geld abfinden, während Jennings offenbar ganz besondere finstere Zwecke verfolge. Er, Born, würde sich gar nicht wundern, wenn dieser die Dokumente bereits aufgefunden habe, nach denen man hier vergebens forsche, und nun dem Gefangenen irgendeine Zusicherung abzunötigen suche, die ihn in den Besitz des größten Teiles der Erbschaft setze. Und als ginge ihm plötzlich ein Licht auf, heftete er den angstvollen Blick auf Alice und rief mit zitternder Stimme: „Mein Gott, warum habe ich daran nicht eher gedacht! Ja, wenn er das Testament bereits in Händen hat, was wird er anders von dem unglücklichen Vater verlangen, als die Hand seiner Tochter? Aber ich, ich werde es nicht dulden! Wenn Sie alle hier tatenlos zögern, ich werde mit den beiden Herren, die sich mir persönlich angeschlossen haben, morgen früh aufbrechen und, so schnell unsere Pferde laufen können, den verräterischen Schurken aufsuchen und ihm eine Kugel durch den Kopf jagen.“ Alle blickten den so plötzlich in eine Art von Raserei Ausbrechenden betreten an. Oberst von Leppel, Achim und Ewald Werner wechselten Blicke miteinander. Ganz besonders aber wirkten die Worte des Hauptmanns auf Alice. Sie wurde leichenblaß und vermochte sich kaum aufrecht zu halten. Dann aber strömte ihr das Blut ins Gesicht und sie rief: „Ich habe zwar mein Wort gegeben, es zu verschweigen, aber ich kann es nicht länger, es wäre ein schweres Unrecht. Ja, der Herr Hauptmann von Born hat recht. Denn dieser Jennings hat an dem Tage, bevor er seinen Abschied in Bombay einreichte, mir seine Liebe erklärt!“ „Und das hast du uns vorenthalten?“ rief Ewald entrüstet. (Fortsetzung folgt.) B S 0 . 9) * 3 X2 Denkspruch. Das Glück ist nie ganz ohne Leid: Zum Begleiter hat es stets den heid. Doch dem Reid ist wieder das Gute beschert: Er beitet sich nur an das, was neidenswert. Sanders. Zu spät. Novellette von Fritz Gantzer. Schluß.achdruck verboten.) „Nein, Toni,“ sagte da der Doktor unterbrechend, „du darfst nun nicht wieder fort, sondern mußt für immer daheim bleiben.“ Da lächelte sie, als solle dies Lächeln der Ausfluß eines Dankes, einer Erlösung sein, und sagte:„Ja, lieber Vater, ich bleibe gern daheim.“ „Warte nur,“ hatte die Mutter am nächsten Morgen gesagt,„du sollst mir bald wieder meine alte, frische Toni sein.“ Und eine rührende Pflege umgab das heimgekehrte Kind. Es war wie einst, als sie noch die kleine, feine, zerbrechliche, immer kränkliche Toni war— und die sie nun wieder zu werden schien. Mit jedem Tage wurde sie elender. Die Augen lernten das heitere Lachen nicht wieder, und die Röte der Gesundheit kehrte nicht zurück. Müde und träumerisch vor sich hinstarrend saß sie an den kurzen, trüben Wintertagen in einem beqnemen Korbsessel am Fenster und versicherte auf alles bange erkundigende Fragen immer wieder:„Ich fühle mich wohler. Es wird schon alles gut werden.“ Doktor Hellwig und seine Frau marterten sich mit bitteren Vorwürfen, daß sie einst dem drängenden Bitten nachgegeben, und sahen in dem langsamen Dahinwelten ihres einzigen Kindes die Folge der Ueberanstrengung in dem schweren Beruf. Im Februar kam es plötzlich wie ein neuer Lebensmut über Toni. Sie wurde heiterer, nahm wieder lebendigeren Anteil an den Ereignissen des Tages und freute sich über die ersten Stare und Schneeglöckchen. Aber es war nur ein letztes mattes Aufflackern gewesen. Als der linde Märzhauch die schwellenden Knospen der Fliederbüsche im Garten koste, schien es, als wenn er in Tonis Seele die Sehnsucht nach einem Lande mit ewigem Frühling lebendig mache. Tagelang schon war sie nicht mehr aufgestanden. Sie hatte keine Schmerzen, sie klagte nicht. Freundlich und still lag ihr weißes Antlitz in den weißen Kissen, kaum noch zu unterscheiden von deren Farbe. Und dann schied ihre Seele an einem weichen, linden Märzabend, als es in der Luft nach den ersten Veilchen duftete und die glutrote Sonnenscheibe hinter den fernen Bergen Weinend knieten die Eltern vor dem Bett des sterbenden Kindes. „Seid nicht traurig,“ sagte sie mit leiser, lieber Stimme,„daß ich von euch gehe. es eure Schuld ist, weil ihr mich einst von euch ließet. Nein, Vater, Mutter.... Die Schuld an meinem Sterben trägt einer, der mir mit seiner Untreue das Herz brach. Ich wollte ihn nicht anklagen, aber ihr sollt euch keine Vorwürfe machen. Und ich habe ihm ja auch verziehen....“ Sie tastete mit ihren Händen nach den Gesichtern der Weinenden und streichelte sie. Dann sank sie kraftlos zurück.... Draußen, vor dem geöffneten Fenster, sang ein kleiner Frühlingsvogel sein Abendlied. Es klang so zärtlich und süß und lockend... Und unter dem lebensfrohen Freuen des Lenzesboten entschwebte Tonis Seele in die Fernen des ewigen Frühlings.— Humor. Schmeichelhaft.„Ich behaupte ntemald, etwas zu wissen, was ich nicht weiß,“ sagte Binks,„wenn ich etwas nicht weiß, dann geniere ich mich eben nicht und sage ganz offen:„Ich weiß es nicht.“ „Das ist sehr richtig und ehrenhaft," versetzte Scharf, „aber ich sollte denken, deine Unterhaltung müßte ziemlich eintönig sein.“ Tiefgebeugt kehrten Doktor Hellwig und seine Frau eben von dem Begräbnis ihres Kindes zurück. Als sie durch den Garten gingen, kam ihnen der Briefträger nach und übergab dem Doktor einen an Toni adressierten Brief. Es war ihnen jetzt unmöglich, den Brief zu öffnen und zu lesen. Schon sein Eintreffen empfanden sie als etwas Schreckliches, das ihnen neue heiße Tränen in die Augen trieb. Acht Tage vergingen. Man dachte kaum noch an den Brief, als der Doktor wieder zufällig darauf stieß. Er ging zu seiner Frau nach dem Wohnzimmer hinüber und fragte: „Wollen wir nun unseres Tonerls Brief lesen?“ Die Frau Doktor nickte wehmütig Zustimmung. Da öffnete Doktor Hellwig den Brief, setzte sich neben seine Frau und las leise vor: „Meine liebe Toni! Vor einigen Tagen kam ich von meiner Reise zurück, die mich seit dem vorigen Herbst von hier ferngehalten hat, und erfuhr gleich nach meinem Eintreffen, daß Du schon seit längerer Zeit zu Hause weilst. Eine seltsame Unruhe packte mich; einige Bekannte raunten mir allerlei zu. Ich spürte dem Gehörten nach und entdeckte einen Wust gemeiner Intrigen und Verleumdungen. Ja, es ist eine Intrige gegen mich gesponnen worden, wie sie niederträchtiger nicht zu denken ist. Es ist alles eine große, gemeine Lüge, was man Dir über mich gesagt hat. Und die Dir vorgelegte Anzeige von meiner Verlobung war die Fälschung eines skrupellosen Schurken. Ich werde an den Verleumdern Rache nehmen, dessen darfst Du versichert sein. Aber laß diesen gemeinen Wust von Lügen! Es ist nicht gelungen, uns auseinanderzureißen für immer. Ich verstehe es, daß Du an mir irre werden mußtest.# Niemand würde anders gedacht haben, der sich in Deiner Lage befunden. Und daher verzeihe ich Dir gern, daß Du glauben konntest, ich sei ein ehrloser Wicht. Und nun soll alles gut werden. Ich sehne mich nach Deinem lieben Gesicht und nach Deinen guten, hellen Augen und erbitte sofortige Antwort, ob ich kommen darf, um Dich von Deinen lieben Eltern als mein geliebtes Weib zu erbitten. Meine Bemühungen sind von Erfolg gekrönt worden. Ich werde zum 1. Juli d. Is. meine Stellung als Chefarzt am Elisabeth=Krankenhause zu F. antreten. Unserem Nestbau steht also nichts mehr im Wege. In Sehnsucht Deine Antwort erwartend Dein treuer Erich Heiberg.“ Mit gemach verlöschender Stimme hatte Doktor Hellwig zu Ende gelesen. Seine Frau schluchzte still in sich hinein. Und auf seinen Wangen suchten sich zwei große blanke Tropfen langsam ihren Weg. Mit einer schweren Bewegung erhob er sich und sagte mühsam mit zitternder Stimme: „Ich will ihm schreiben, daß seine und unsere Toni gestorben ist.""— * dor„Sätgerbänh“ iv der Konzertöngerin Fel. Eckenmann aus Köln gewonnen, welche sbereits vor einigen Jahren am„Freischütz“ Proben ihrer hohen künstlerischen Leistungsfähigkeit abgelegt hatte. Die klangvolle tiefgesättigte Altstimme der Sänget## hat in der Höhe bedeutende Kraftfülle, dabei klingt sie in erstaunlicher Tiefe immer edel und berührt aufs angenehmste. Wie die Künstlerin die ergreifende Dichtung von Carmen Sylva„Der Sandträger“, welche der Komponist Bungert so herrlich vertont hat, zum Vortrag brachte, oder die als Zugabe gesungene große Arie aus„Mignon“, das wirkte überwältigend. Auch mit ihren übrigen Liederspenden fand die Sängerin, deren liebenswürdige Bescheidentheit im Auftreten lobend erwähnt zu werden verdient, ein dankbares und beifallfreudiges Publikum. Ein Wort der Anerkennung gebührt hier auch Herrn Lehrer Klähn, der die Sängerin auf einem Klavier, welches allerdings recht bald durch ein besseres, der Bedeutung des„Freischütz" entsprechendes Instrument ersetzt werden dürfte, sicher und doch sehr dezent begleitet.— Der instrumentale Teil des Programms wurde vom Betzel'schen SolistenOrchester ausgeführt, welches sich seiner Aufgabe mit bekannter Meisterschaft entledigte; namentlich in den beiden Geigensoli „Walthers Preislied“ aus den„Meistersingern" und„Träumerei“ von Schumann entzückte Herr Betzel durch den wunderbar weichen und doch vollen Ton seines Instruments und den seelenvollen Vortrag.— An das Konzert schloß sich noch ein gemütliches Tänzchen an. **(Großfeuer.) Die schrillen Töne des Feuerhorns schreckten in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag die Bewohner unserer Stadt jäh aus ihrer Ruhe. Es brannte die Fabrik von C. Grüber im Speckebruch. Das Feuer war kurz vor 12 Uhr in Fertigwarenlager ausgebrochen und hatte sich mit unheim licher Schnelligkeit auf die ganze Fabrik ausgedehnt. Nur mit Mühe gelang es der Freiw. Feuerwehr, das Wohnhaus, in dem sich auch das Kontor befindet, zu retten. Die turmhoch gen Himmel schlagenden Flammen, welche die Umgebung tageshell erleuchteten, boten einen einzigartigen, schaurig=schönen Anblick. Auch jetzt noch kann man einen Einblick in das Wüten des verheerenden Elements gewinnen, wenn man sieht, wie mächtige Transmissionen gleich Haarnadeln verbogen und die großen Schwungräder eine ganz andere Gestalt erhalten haben. Die Fabrik selbst ist vollständig vernichtet und wird wieder ganz neu aufgebaut werden müssen. Da auch viele neue Waren mit verbrannt sind, ist der Schaden ganz enorm; glücklicherweise ist er, wenigstens zum größten Teil, durch Versicherung gedeckt. Menschenleben sind erfreulicherweise nicht zu beklagen, dagegen haben zwei Personen bei den Rettungsarbeiten Verletzungen erlitten, der Sohn des Herrn Grüber am Kopf und ein Feuerwehrmann, Schreinermeister Waselowski, an der Seite. Zum Glück ist der große Dampfkessel nicht explodiert, wäre auch dieses Unhzeil eingetreten, dann wären sicherlich auch unsere braven Feuerwehrleute, die sich bei dem Brande wieder einmal bestens bewährten, schwer betroffen worden. Bedauerlich ist auch, daß durch das Unglück ca. 25 Arbeiter, die bisher in der Fabrik beschäftigt waren, völlig arbeitslos geworden sind. soffentlich gelingt es, sie recht bald bei anderen Firmen unter zu bringen.— Bekanntlich ist die Fabrik bereits im Jahre 1892 einmal abgebrannt, doch war der Schaden damals bei weitem nicht so groß wie heute. Am gestrigen Sonntage war die Brandstätte das Ziel vieler Hunderter, und man muß gestehen, daß der Trümmerplatz wirklich des Anschauens wert ist; er legt noch jetzt beredtes Zeugnis für das blinde Wüten der Feuersgewalten ab. Ein seltener Anblick für Schwerte— glücklicherweise selten! **(Der Kindergottesdienst) in der größeren evang. Kirche, bisher von 11—12 Uhr vormittags, nimmt vom nächsten Sonntag an nachmittags 2 Uhr seinen Anfang, worauf die Eltern der Kinder hiermit besonders hingewiesen seien. **(Die Jünglings=Sodalität) hatte gestern eine Versammlung anberaumt, die sehr gut besucht war. In derselben wurde u. a. auch die Gründung einer Fußballspiel=Abteilung beschlossen und zum Leiter dieser Abteilung Herr Lehrer Grosche bestimmt, der mit einer besonderen Kommission die nötigen Vorbereitungen treffen wird. Hoffentlich werden recht viele Mitglieder diesen so gesundheitsfördernden Sport pflegen. Das Stiftungsfest, welches anläßlich des 10jährigen Bestehens des Vereins besonders glanzvoll gefeiert werden soll, findet am 6. Juni im„Reiche des Wassers" statt. Die Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange, u. a. ist auch schon ein namhafter Redner für die Festversammlung gewonnen. *:(Einen schweren Unfall) erlitt gestern gegen abend ein Radfahrer Hugo Faust aus Hohenlimburg, der unterhalb des Stadtwaldes mit seinem Rade stürzte und bewußtlos liegen blieb. Man schaffte den Verunglückten in das nächste Haus, wo ihm Herr Dr. Emmerich, den man vom„Freischütz“ geholt hatte, die erste Hilfe zuteil werden ließ und für die Ueberführung des jungen Mannes, der eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, ins evang. Krankenhaus sorgte.— Aus Anlaß dieses Falles möchten wir an unsere Polizei die freundliche Bitte richten, auf die Schnelligkeit, mit der viele Radler an den jetzigen Frühlingssonntagen die außer Elektrischen, Fuhrwerken aller Art und Autos von Spaziergängem belebte, teilweise abschüssige Hörderstraße heruntersausen, ihr Augenmerk zu richten. Noch am gestrigen Sonntag konnte man feststellen, daß es fast unmöglich ist, mit Kindern die Hörderstraße zu passieren, namentlich, da die Sonntagsradler durchweg die leidige Angewohnheit haben, zu ihrem rasenden Tempo noch zu zweien oder dreien nebeneinander zu fahren und dadurch die ganze Straße einzunehmen, Daß diese Sonntagsradler vielfach obendrein nicht die genügende Sicherheit im Fahren besitzen, erhöht ihre Gemeingefährlichkeit noch. %7(Neues Baukunternehmen.) Am Samstag ist hier unter der Firma„Westfälische Kredit=Anstalt, Kommanditgesellschaft auf Aktien“ ein neues Bankunternehmen errichtet worden. Das Grundkapital beträgt 500000 Mark in 500 Aktien zu je 1000 Mark, Der persönlich haftende Gesellschafter ist der Bankdirektor Rudolf van Erkelens, welcher eine Reihe von Jahren dem Vorstande des Magdeburger Bankvereins angehört hat. Den Aussichtsrat bilden die Herren Justizrat BackhausenSchwerte, Fabrikbesitzer Julius Möhling=Schwerte, Rentner Philipp. Boecker=Hohenlimburg und Bürgermeister KnippschildGevelsberg! Als Geschäftslokal ist das frühere Postgebäude an der Bahnhofstraße vorgesehen, welches zweckentsprechend instand gesetzt werden soll. *(Schießverein.)„Mit dem gestrigen Sonntag hat auch der Schwerter Schießverein seine Tätigkeit wieder aufgenommen.„Das gestrige Eröffnungeschießen am„Schützenhof“ hatte sich einer zahlreichen Beteiligung zu erfreuen, und lustig knallstanden Vorsitze des Herrn Emil Duhme abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, imlause des Sommers ein größeres Preisschießen zu veranstalten. Regelmäßige Schießtage sind Freitag und Sonntag. (Schüler=Wettturnen.) Das gestern nachmittag im„Reiche des Wassers“ vom Schwerter Turnverein veranstaltete Schülerwettturnen hätte eigentlich etwas besser besucht sein können. Der Vorsitzende, Herr Protz, hielt die Begrüßungsansprache. Dann folgten die Uebungen der Schüler an Geräten. Diese, sowie die Freiübungen wurden fast durchweg tadellos zur Ausführung gebracht und stellten den Leitern, den Herren Wilh. Kaiser und Lehrer Banse, das beste Zeugnis aus. Besondere Erwähnung verdient auch noch die Ansprache des Herrn Lehrer Banse, in der er auf die große Bedeutung des Turnens für unsere Jugend hinwies. Dem Schwerter Turnverein ein kräftiges„Gut Heil! **(Blutige Köpfe) gab es gestern nachmittag in Wandhofen, wo mehrere Arbeiter des Bahnbaues in Meinungsverschiedenheiten geraten waren und sich gegenseitig verbläuten. Einer derselben wurde derart schver verletzt, daß er in ärztliche Behandlung gegeben werden mußte. **(Umgestürzter Milchwagen.) Gestern vormittag wurde auf der Hörderstraße beim Herannahen der Elektrischen das Pferd eines Milchwagens derart erschreckt, daß es scheute, zur Seite sprang und der Wagen umgerissen wurde. Der Kutscher konnte sich noch rechtzeitig durch Abspringen Opfer des Feuers geworden. Der sehr bedeutende Schaden ist in beiden Fällen durch Verficherung gedeckt. Auf welcher Weise das Feuer bei E. entstanden ist, hat noch ermittelt werden können. Die polizeiliche Untersuchung ist bereits * e H e n g s e n, 2 4. A p r i l.( M i t d e r D ü n g e r g a b e l.) brachte ein bei einem hiesigen Landwirt beschäftigter Handwerksdursche einem anderen mehrere Stiche im Gesicht und in der linken Brustseite bei. Die Veranlassung war ein voraufgegangener Wortwechsel. Der Täter wurde festgenommen und dem Amtsgericht Unna zugeführt. retten, während mit ihm auf dem Wagen sitzender kleiner Knabe bei dem Sturz anscheinend erheblich verletzt wurde. **(Eine kleine Verkehrsstörung) entstand gestern im Straßenbahnbetriebe am„Freischütz". Ein Wagen, der jedenfalls infolge Kurzschluß defekt geworden war, mußte ausrangiert werden. *e(Ein Zimmerbrand) entstand in der Nacht zum Sonntag in der Wohnung des Herrn Gerhold an der Hüsingstraße. Das Feuer, dessen Ursache anscheinend auf eine kleine schadhafte Stelle am Kamin zurückzuführen ist, konnte jedoch gelöscht werden, ehe es größeren Umfang angenommen hatte. **(Staats=Eisenbahnverein.) In der gestrigen Versammlung des Staats=Eisenbahnvereins, welche im Stadtkeller tagte, wurde beschlossen, den Sommerausflug in diesem Jahre nach Münster zu unternehmen, und zwar am 19. und 26. Juni. Die Abfahrt mittels Sonderzuges erfolgt an beiden Tagen gegen 12 Uhr mittags. Das Sommerfest wird in gewohnter Weise am 11. Juli im„Reiche des Wassers“ gefeiert. Des weiteren wurde in der gestrigen Versammlung noch die Beschaffung von drei neuen Fahnenschärpen beschlossen. **(Segler der Lüfte.) Ein großer Luftballon, aus der Richtung von Dortmund kommend, passierte gestern morgen nach Ergste zu unsere Stadt. Anscheinend war der Ballon, der ziemlich hoch stand, später in eine andere Luftströmung geraten, denn er wurde wieder nach Westen zurückgetrieben. **(Kath. Arbeiterverein St. Stephanus.) Die gestrige Monatsversammlung war wiederum von etwa 60 Mitgliedern besucht. Der Vorsitzende, Herr Heinr. Richter, leitete die Versammlung und konstatierte mit Freuden, daß sich wieder elf Personen zur Aufnahme gemeldet hätten, so daß die beiden letzten Monatsversammlungen allein einen Zuwachs von 25 Mitgliedern bringen konnten. Das System der Vertrauensmänner scheint sich demnach zu bewähren. Nach Erledigung einiger interner Vereins=Angelegenheiten hielt Herr Paul Liese den angekündigten Vortrag über die Unfallversicherungsgesetzgebung. In eineinhalbstündiger Rede führte der Vortragende die Bestimmungen und Vorschriften des Gesetzes vor und gab ein anschauliches Bild von den Rechten und Pflichten der Versicherten. Die anschließende Diskussion zeitigte außerordentlich gute Resultate. Von besonderer Bedeutung für die Mitglieder war auch noch die Besprechung über die Einkommensteuer, die den Anwesenden zeigte, wie man sich in dieser Sache verhalten muß. Der Vorstand erklärte sich bereit, in allen Steuerangelegenheiten den Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite stehen zu wollen. Die Wohlfahrtseinrichtungen des Vereins, als Sterbekasse, gemeinsamer Bezug von Kohlen und Kartoffeln, waren ebenfalls Gegenstand lebhaftester Diskussion. Der Wareneinkauf ist in der Weise geregelt, daß die damit beauftragte Kommission Einzahlungen von 50 Pfg. an annimmt und bei späterem Bezug die eingezahlten Gelder verrechnet. Eine ganze Reihe von Mitgliedern meldete sich zur Einzeichnung. Wegen der vorgerückten Stunde mußten einige Gegenstände für die nächste Tagesordnung zurückgestellt werden. **(Im Banne des Alkohols) befand sich ein Mensch, der sich bereits gestern derartig die Nuse begossen hatte, daß ihm seine Füße den Dienst versagten und er sich an der Ecke Osten= und Hellpothstraße zum Schlaf niedergelegt hatte. Die Versuche mehrerer Passanten, den Menschen wach zu bekommen, waren leider erfolglos und so bot er noch lange ein widerliches Bild sittlicher Verkommenheit. ** Westhofen, 26. Apvil. Das gestern Nachmittag im Saale des Herrn Schulte vom Zither=Musikverein„Harmonie". Hörde veranstaltete Konzert war mäßig besucht. Die musikalischen Vorträge waren sehr gut und fanden lebhaften Beifall, besonders auch die Solo=Vorträge des Zither=Virtuosen Herrn Ernst Koch=Hörde. Der Verlauf des ganzen Konzerts war schön und harmonisch und wird gewiß alle Teilnehmer befriedigt hebben (—) Kalthof, 25. April.(Großfeuer.) Heute morgen gegen 4½ Uhr wurden die hiefigen Bewohner durch Feuerlärm aus ihrer Ruhe aufgeweckt. Das ganze Gehöft des Gastwirts Wilhelm Eckmann stand in hellen Flammen. Das Feuer ist gegen 3½ Uhr auf der Fleischkammer ausgebrochen und hat sich im Augenblick auf sämtliche Gebäulichkeiten ausgedehnt. An Retten war überhaupt nicht zu denken. Die Mobilien sind größtenteils alle verbrannt. Durch den starken Wind wurden die Funken auf die naheliegenden Gebäude des Gutsbesitzers Fritz Schulte getrieben und noch ehe man es verhindern konnte, stand auch eine Scheune, Remise und Stallgebäude des Schulte in hellen Flammen. Auch die Brennerei von Schulte hatte schon Feuer gefangen. Nur dem rastlosen Arbeiten der herbeigeeilten Drüpplingser, Leckingser und Hennener Feuerwehren ist es zu verdanken, daß nicht die Brennerei und des Wohnhaus des Sch. ein Raub der Flammen geworden sind. Die sämtlichen Heu= und Strohvorräte des Sch. sind ein Letzte Drahtmeldungen. Der deutsche Kronprinz in Wien. Wien, 26. April. Der deutsche Kronprinz hat am Sonnabend nach herzlichem Abschied vom rumänischen Königspaaxe Bukarest wieder verlassen und ist hier zum Besuch des Kaisers Franz Joseph, seines Paten, eingetroffen, wo er bis zum heutigen Montag abend verweilt. Wie in der rumänischen Hauptstadt, ist der liebenswürdige Erbe der deutschen Kaiserkrone auch in Wien mit großer Herzlichkeit begrüßt worden. Französische Zeitungen behaupten, der Kxonpristz habe den Auftr## gehabt, in Bukarest dahin zu wirken, daß Rumänien in deutsches Fahrwasser gerate. Selbstverständlich war mit der sion des Kronprinzen eine politische überhaupt nicht verbunden. Die Lage in Konstantinopel. Konstantinopel, 26. April. Die Stadt ist vollständig in den Händen der Operationsarmee und von Revoluttonären gesäubert. Der Hauptkampf vollzog sich in der Umgrhung der deutschen Botschaft. Kritisch gestaltete sich ihre Lage, als ein Bataillon Meuterer in die Botschaft Einlaß verlangte. Die Botschaft war vorher von Salonikier Truppen besetzt worden, welche die völlig demoralisierten Flüchtlinge vertrieben. Einen argen Kugelregen empfing das exponiert gelegene Haus des deutschen Generalkonsuls und der belgischen Legation. Die Zugänge zur deutschen Botschaft sind frei. In der ganzen Stadt ist der Verkehr ungehindert. Die Truppen kampieren feldmarschmäßig in den Straßen.— Die Besatzung des Jildiz hat bis auf einen geringen Rest den Jildiz geräumt. Die Insubordination in der französischen Marine. Toulon, 25. April. Aus Villa Franca wird gemeldet, daß die Matrosen des Panzerschiffes„Patrie" wegen schlechter Nahrung und Ueberbürdung den Dienst verweigert haben. 200 Matrosen sammelten sich auf dem Oberdeck und ließen Rufe nach einer Vermittlung laut werden. Ein Schiffsoffizier stellte die Ordnung wieder her. Am anderen Tage erhielten die Matrosen Genugtuung. Streik der Postbeamten. Paris, 26. April. Das Syndikat der Telegraphen= und Telephonarbeiter hat beschlossen, am 1. Mai zu feiern. Die Revolution in Persien. Taebris, 26. April. Alle Bäckereien sind geschlossen. Es sind viele Fälle von Hungertod vorgekommen. Scharen von Frauen veranstalten Straßendemonstrationen. Sattar Khan versicherte wiederholt, daß er fest entschlossen sei, sich nicht zu ergeben. Er erklärte das Gerücht, wonach er die bewaffnete Intervention Rußlands willkommen geheißen habe, für unrichtig. Teheran, 26. April. Die russische Gesandtschaftswache in Teheran ist auf 65 Mann verstärkt worden. Die englische Besatzung hat Abuschehr trotz Wiederherstellung der Ruhe nicht verlassen. Russische Truppen rückten mit großer Zahl in westpersien ein, um Taebvis gegen die Truppen des Schahs, die den Waffenstillstand schmählich gebrochen haben, zu schützen. Erdbeben in Portugal. Lissabon, 26. April. Durch ein Erdbeben sind hier einige Personen verletzt worden. Viele Einwohner haben die Nacht auf den freien Plätzen und in den öffentlichen Gärten zugebracht. In Bonavente, Salvaterra und in Alverca sind viele Häuser eingestürzt. Der Tajo ist bei Santarem aus den Ufern getreten. Nach Bonaventura, das besonders schwer betroffen zu sein scheint, sind Hilfsmannschaften abgegangen. Lissabon, 26. April. Aus den Trümmern von Benevente sind bereits 40 Leichen geborgen worden. Der König hat die Nacht auf dem Schauplatz der Erdbebenkatastrophe zugebracht. In Santarem und Aviz wurden neue Erdstöße verspürt. Von Zigeunern erstochen. Köln, 26. April. Gestern abend wurde hier ein Maurer aus Wiesbaden von einem Zigeuner durch zwei Messerstiche getötet. Die Zigeuner hatten den Maurer angerempelt, es kam zu einem Wortwechsel und schließlich griff ein Zigeuner zum Messer. Nach der Tat flohen die Zigeuner, konnten aber, obgleich zwei von ihnen die Verfolger mit Nevolvern bedrohten, festgenommen werden. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Previnzielles und Inserate: Friedrich Kraas;„Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Zur Entwöhnung der Säuglinge von der Mutter= oder Ammenmilch eignet sich vor allen anderen Nährmitteln„Kufeke“, da es sehr leicht verdaulich ist und von den Kindern„seines,„Wohlgeleicht verdaulich ist und von den Kindern seines, 2 schmacks wegen sehr gern genommen wird. Man hann es, in oder Fleischbrühe(Kalbfleischbrühe von Kalbsknochen gekocht, Suppen geben, die einen zweckmäßigen Uebergang Zier gemischten Kost bilden. Auch von größeren Kindern und schwächter Verdauung wird„Kufetze“ in Mich, Fleischsuppe oder Kakao sehr genommen und ausgezeichnet vertragen. Es beeinflußt den darniederliegenden Appetit und das Körpergewicht in der günstigsten Weise und ist daher auch für Rekonvaleszenten als leicht verdauliches, wohlschmeckendes Nahrungsmittel sehr zu empfehlen. Erh alle diese Woche einen Waggon Flechtenkranke trockene, nasse Schuppenflechten und das so unerträgliche„Hautjucken“ heile unter Garantie(ohne Berufsstörung) selbst denen, die nirgends Heilung fanden, nach langjährig### Heilung fangen, nach langjähriger praktischer Erfahrung. Auf das bertellungenrtohren wohe ut Deutsches Reich. erteill. 2. 6 patent Nr. 130329 Troppler, Si Marien= Charloktenburg, Kant1966 AgraFr. babrensmann, Gesseche. 9933 4•3 Dem lieben Gott hat es gefallen, Freitag abend um 7 Uhr unsere liebe Tochter und Schwester Margarethe nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 13 Jaaren und 5 Tagen zu sich in den Himnel zu nehmen. Um stille Teilnahme titten Friis Jäger und F.au nebs: Kindern. Bärenbruch bei Ergste, den 23. April 1909. Die Beerdigung findet vom Sterbehaus den 27. d. Mts., nachm. ½4 Uhr statt. 2226 Bekanntmachung. Der Trichinenschauer Schlüter zu Westhosen hat sein Amt als Trichinenschauer für den II. Bezirk der Stadt Westhofen freiwillig niedergelegt; den Trichinenschauer Robert Kümper zu Sommerberg, welcher für den östlichen Teil der Gemeinde Holzen bestellt war, habe ich seines Amtes als Trichinenschauer enthoben. Mit meiner Zustimmung ist nunmehr der Fleischbeschauer Gödecke zu Westhofen als Trichinenschauer für die Stadt Westhofen— ohne Metzger— und die Gemeinde Wandhofen, der Trichinenschauer Friedrich Lueg gt. Althoff zu Höchsten als Trichinenschauer für die Gemeinde Holzen mit Ausnahme der Metzger und ohne die Ortschaft Rosen, von der Ortspolizeibehörde bestellt worden Stellvertreter ist ist in allen Trichinenschaubezirken der Schlachthof=Inspektor Tierarzt Dieckerhoff in Schwerte. Hörde, den 23. April 1909. Der Landrat: 2225 I. V.: Schmidt. Bekanntmachung. Die festgesetzten Kreis=Hundesteuer= Hebelisten der Gemeinden des diesseitgen Amtes und die Gemeinde= Hundesteuerlisten der Gemeinden Westhofen, Holzen und Lichtendorf für 1909 liegen vom 25. April er. ab während eines zweiwöchigen Zeitraumes bei den 25. April er, ab während eines zweiwöchigen Jestraumes bei betr. Gemeindevorstehern zur Einsicht der Steuerpflichtigen offen Westhofen, 22. April 1909. 2222 Der Amtmann: v. Daniels. Wohnung von 3 kleinen Zimmern per 1. Juli zu vermieten. 2164 Karl Möller, Senningsweg 14. Farben Lacke Pinsel bei grösserer Abnahme Vorzugspreise. Wilh. Heppe 2161 Nachfolger, 3 Ein kleiner schwarz und er schu braun gesteckter Hund R und jugendfrische Hau zu erhalten, gipfelt in dem Satz: Wasche, Dich mit Zuckooh-Seife (à St. 50 Pf. u. 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Wiederbeginn des Unterrichts am 22. Arrll. Beginn des III. Tertials am 1. Mai. Neuanmeldungen und Aufnahmeprüfungen Mittwoch den 28. April von 2—6 Uhr. Unterricht von den ersten Anfängen bis zur — höchsten Ausbildung.— Unterrichtsfächer: Klavier, Violine, Viola, Cello, Flöte, Klarinette, Trompete, Sologesang und alle theoretischen Fächer. 2098 — Jahreshonorar von 80 Mk. an.— Den auswärtigen Schülern des Konservatoriums(auch Erwachsenen) gestattet die Königl. Eisenbahn-Direktion die Benutzung von Schülerkarten. Ferner gewährt die Direktion der Westfäl. Kleinbahnen(Strassenbahn: Hagen—Hohenlimburg— Lethmathe, Grüne—Nachrodt) bedeutende Preisermässigung. 4 Für Brautleute! Wenn Sie heiraten interesse, wenn Sie sich meine guten dauerhaften Herde ansehen. Ich liefere Herde sowie sämtliche für den Haushalt nötigen Gegenstände in nur ner- guter Qualität zu billigsten Preisen bei kulantesten Zahlungsbedingungen. 1019 Fritz Neuwerth. Einladung zur Sitzung der Städiverordneten am Dienstag den 27. April 1909, nachm. 5 Uhr im Rathaussaale hier. Tagesordnung: I. Oeffentliche Sitzung. 1. Festsetzung der Stadtkassen=Rechnung und der NebenRechnungen der Stadtkasse für das Rechnungsjahr 1927. Genehmigung der vorgekommenen Etatsüberschreitungen und Entlastung des Rendanten. 2. Bewilligung der Mittel für die Herstellung eines Kanals und eines Bürgersteiges an der Hörderstraße. 3. Bauerlaubnis=Vertrag betr. Eisenbahnbau Dortmund. Schwerte. 4. Bewilligung von Mitteln für die Beschaffung von Möbeln für die Freischütz=Anlagen. 5. Verteilung der Zinsen der Kaiser=Wilhelm=AugustaStiftung. 6. Mitteilungen. II. Geheime Sitzung. Schwerte, den 21. April 1909. Der Stadtverordneten=Vorsteher: 2155 Terbrüggen. Bekanntmachung. Das im Mittelpunkt der hiesigen Stadt belegene alte Amtsgebäude soll meistbietend 2224 auf Abbruch verkauft werden. Termin hierzu ist auf Dienstag, 4. Mai cr., nachmittags 6 Uhr in der Wirtschaft Schulte hierselbst anberaumt. Die aufgestellten Bedingungen sind auf dem hiesigen Amtsbureau einzusehen. Westhofen, 20. April 1909. Der Amtmann: v. Daniels. Eine billige 2192 Wohnung von 5 Zimmern nebst Stallung auf sof. od. 1. Mai zu vermieten. Näheres Westenort 6. Schhue grede Eroten=Keners dilligst zu haben. Gärtnerei Knostmann, Kötterbachstraße 2. Suche auf sofort einen schulfreien Jungen zum Mitfahren auf einem Flaschenbierwagen. 2171 Flaschenbierhändler Fr. Schulte. der Wohnung 3 Zimmer, elektr. Licht, Keller und Stall per 1. Mai zu vermieten Daselbst eine Wohnung von 3 Zimmern per 1. Juli zu vermieten. Näheres bei H. Huhn, Holzen, Rosenweg 43/3. 2154 Die Dortmunder Automobil Fahrschule mit 12 Automobilen 1052 nur Burgwall 3s direkt am Hauptbahnhof, bildet Personen jeden Standes zu „Berufs-Chauffeuren“ aus. Praktische und theoretische Ausbildung. Freier Stellen=Nachweis Prospekte gratis. 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Es werden daher die Pferdebesitzer im Kreise aufgefordert, ihre sämtlichen Pferde an den für ihren Wohnort bestimmten Musterungsplatze eine Skunde vor der im Plane angesetzten Zeit vorführen zu lassen und zwar mit Ausnahme: a) der unter Jahre 4 alten Pferde, b) der Hengste, c) der Stuten, die entweder innerhalb der letzten 14 Jage abgesohlt haben oder voraussichtlich innerhalb der nächsten 4 Wochen abfohlen werden(bei hochtragenden Stuten ist der Deckschein dem Gemeindevorstanbe einige Tage vor dem Musterungstermine zu übergeben), d) der Vollblutstuten, die im„Allgemeinen Deutschen Gestütbuch“ oder den dazu gehörigen offiziellen — vom Unionklub geführten— Listen eingetragen und von einem Volldluthengst laut Deckschein belegt sind— auf rechtzeitig beim Gemeindevorstande zu stellenden Antrag—, e) der Pferde, welche auf beiden Augen blind sind, 1) der Pferde, welche in Bergwerken dauernd unter Tage arbeiten, g) der Pferde, welche wegen Erkrankung nicht marschfähig sind oder wegen Ansteckungsgefahr den Stall nicht verlassen dürfen, h) der Pferde, welche bei einer früheren in der betreffenden Ortschaft abgehaltenen Musterung als dauernd kriegsunbrauchbar bezeichnet worden sind, 1) der Pferde unter 1,50 Bandmaß. Von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde sind ausgenommen: 1) Beamte im Reichs= und Staatsdienste hinsichtlich der zum Dienstgebrauch, sowie Aerzte und Tierärzte hinsichtlich der zur Ausübüng ihres Berufes an dem Tage der Musterung unbedingt notwendigen eigenen Pferde, 2) die Posthalter hinsichtlich derjenigen Pferdezahl, welche von ihnen zur Befördernng der Posten kontraktmäßig gehalten werden muß. Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen Pferde nicht rechtzeilig oder vollzählich vorführen, haben außer der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen, daß aus ihre Kosten ei Herbeischaffung der nicht gestellten Pferde vorgenommen wird. Kosten eine zwangsweise Plan für die Pferdevormusterung im Kreise Hörde im Jahre 1909. Monat Datum Tag Stunde Mai 6. 7. 8. 10. 11. 12. 8 V. 10,15 B 11 V. 1 N. 8 V. 8.20 V. 9,30 V. 11 V. 8 V. 8.30 V. 9 V. 9.15 V. 11 B 12 M. 8 V. 9 V. 10,30 V. 12 M. 8 V. 8.30 V. 9,30 V. 10,30 V. 11 V. 11.30 V. 8 V. 9 V. 10 V. 11 G. 12 M. 12.30 M. 9 V. 10 9. Hörde, den 16. April 1909. 2142 Gemeinde Stadt Hörde Schüren Aplerdeck Berghofen Opherdicke Hengsen Holzwickede Sölde: Lichtendorf Geisecke Villigst Schwerte Wandhofen Holzen Westhofen Garenfeld Syburg Ktrchorde Lücklemberg Hacheney die Orts Hacheney, Brünning! Haus Brünninghaus Benninghausen, Hacheney die Ortschaften Zegninghpfen, 2l.—490 Loh, Stuchtey, Höchsten Niederhofen.7 Wichlinghosen.. Wellinghofen... Persebeck..... Salingen!... Eichlinghosen Gr. und Kl. Barop Aschaften ghausen, iusen, rücher T• Siaion Berog Rüdinghausen Annen## Musterungsplatz Auf Neumarkt Auf Adelenstraße In Aplerbeck auf Chaussee nach Söide Bei Gockel Ostausgang Hengsen Weg nach Opherdicke Am heiligen Baum Weg nach Jeche Freiberg Auf Straße Schwerte Opherdicke in des Hauses Rutenborn Ru tnborn Auf Beckestraße in Schwerte An Wirtschaft Breucker An Wirtschaft Hüseken Schulplatz An Wrtschaft Schneider a. d. Ruhrbrücke Bem Gemeindevorsteher In Löttringhausen am Spritzenhaus Südausgan Bruninghausen am Weg nach Hacheney Südausgang Brünghausen am Wege nach Hacheney Ostausgang Wellinghosen, Weg nach Benninghosen In Persebeck auf Weg nach Löttringhausen ordausgang auf Weg Vor—g z Oslausgang guf Chau Prov. Chaussee westlie nach Barop nach Barop Brüchemhopf Oslausgang Menglinghausen Auf Weg nach Annen Ev. Kirche in Annen Der Landrat: gez Luckhaus.