Verbunden mit der„Schwerter Volkszeitung“ und dem„Scbwerter Volksblatt“ Die„Schwerter Zeltung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Besteilgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famllienfreund". o 0 0 0 OCC OOOO 0O o Anzeigenpreis Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeise 40 Pf. Die„Schwerter währt Ihren jeden mit Cod fall gemäss unungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unseren BedingUnterstülzung. Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Verötfentlschung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft, o o oooCC oCCCC 0 Druck u. Verlag von Garl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Ami Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. O Haupt-Annoncenblatt. S Nr. 73. Sonnabend, den 27. März 1909. Unsere heutige Ausgabe umfaßt mit dem täglichen Unterhaltungsblatt und dem„Illustrierten Familienfreund“ 20 Seiten! Deutscher Reichstag. 234. Sitzung. Freitag, den 26. März 1909, 2 Uhr. Die Etatsberatung wird fortgesetzt. Einige an die Budgettommission zurückgewiesene Titel werden genehmigt. Tabei wird eine Resolution beschlossen: Den Reichskanzler zu ersuchen, die erforderlichen Anordnungen zu treffen, durch welche einheitliche Bestimmungen für sämtliche Reichsressorts festgesetzt werden: 1. über die Pauschalvergütungen an Beamte, betr. Schreibgerätschaften, 2. über die Beschäftigung der Bureaubeamten. Weiter folgt der Etat der allgemeinen Pensionsfonds. Abg. Erzberger weist hin auf das abnorme Anwachsen des Pensionsetats. Die Kommission habe deshalb an die Regierung und speziell die Heeresverwaltung das Ansinnen gestellt, künftig eine Mittellinie bei den Pensionierungen einzuhalten zwischen den Rücksichten auf die Erfordernisse des Heeres und dann auf die finanzielle Lage des Reiches. Dankenswert sei das Zugeständnis, daß fortan den Kapitulanten unter den Mannschaften, die auf 18 Jahre kapituliert hätten, die Militärpension unverkürzt neben der Zivilpension ausgezahlt werde, sofern die Summe beider Pensionen 2000 A nicht überschreite. Zu bemängeln sei es, wenn Beamte„zur Disposition gestellt“ würden, bloß um ihnen die Pension in Höhe ihres Gehaltes zu sichern, wie das namentlich ost beim Auswärtigen Amte geschehe. Beamte, von denen ausgeschlossen erscheine, daß sie wieder aktiv würden, müssen pensioniert und nicht bloß, um sie im Genuß ihres Gehaltes zu belassen, zur Disposition gestellt werden.„ 2 9.9eent buß 1. Abg. Graf Oriola bestätigt noch, als Referent, daß in bezug auf Voraussetzungen für die zur Dispositions=Stellung von Beamten des Auswärtigen Amtes, der Schatzsekretär bereits befriedigende Zusicherungen abgegeben habe. Abg. Gothein(Fr. Vgg.) weist darauf hin, welche vorteilhafte Einwirkung die Einrichtung der Feldwebel=Leutnants auf den Pensionsfonds haben würde. Leutnants würden nicht selten bloß Schulden halber pensioniert, oder weil sie das väterGut übernehmen wollen. Es wäre Zeit, daß man in diesem Punkte auch beim Militär dieselben Grundsätze zur Anwendung brächte, wie bei den Zivilbeamten. Gen.=Leutn. v. Vallet de Barres tritt der Auffassung entgegen, als sei die Summe der Pensionen für Offiziere so außergewöhnlich gestiegen. Seit 20 Jahren betrage die Steigerung der Pensionsausgaben für Offiziere nur 90 Prozent, für Mannschaften 124 Prozent, für Hinterbliebene 225 Prozent, für Offiziere sei sie also am kleinsten. Vergessen solle man auch nicht, daß mit jeder Heeresvermehrung der Pensionsfonds doch steigen müßte. Es sei überdies nicht richtig, daß alle Leutnants mit Pension verabschiedet würden. Nach Bemerkungen des Abg. Goercke(nl.) über die Art der Bekanntmachungen des Reichsinvalidenfonds werden der Etat des Pensionsfonds und auch gleich der des Invaliden= sonds genehmigt. Es folgt der Kommissionsbericht über die neu vom Bundesrate festgestellten Grundsätze für Anstellung von Militäranwärtern im Reichs- und Staats= und Kommunaldienst. Die Kommission beantragt zwei Resolutionen, betr. Ergänzung dieser Grundsätze nach verschiedenen Richtungen hin. Gen.=Leutnant v. Vallet de Barres erklärt, daß auch die Militärverwaltung der Frage lebhaftes Interesse entgegenbringe. Man sei bemüht, die Lage der Militäranwärter in jeder Weise zu bessern. Die Grundsätze werden genehmigt, die Resolutionen angenommen. Es folgt die zweite Lesung des Automobilgesetzes. Zunächst wird verhandelt über die Paragraphen betr. die Verkehrsvorschriften. Abg. Prinz Carolath(nl.): Die neuen Vorschriften sind Fortschritte gegenüber dem bisherigen Zustand, so besonders in bezug auf Prüfung der Chauffeure. Ueber die Fahrgeschwindigkeit ist keine Bestimmung getroffen, sie läßt sich aber auch nicht gesetzlich feststellen, denn unter Umständen kann die größte Geschwindigkeit ungefährlich, eine geringe dagegen gefährlich sein. Lauptsache wird immer sein die tüchtige Ausbildung der Abg Graf Carmer Zieserwitz(k.): Hoffentlich wird durch die neuen Vorschriften ein großer Teil der jetzigen Unzuträglichkeiten beseitigt werden. Aus den Kreisen der Chaufseure selber sind schärfere Vorschriften verlangt worden wegen des Einbringens ungeeigneter und ungenügend ausgebildeter Elemente. Bei dem Chauffeur=Examen muß nicht nur auf die technische Feilasit, sondern auch auf die moralische Geeignetheit gesehen werden. Aug. Stadthagen(Soz.) beantragt Bestimmungen über die Arbeitszeit und Ruhezeit der Chauffeure Abg. Prinz Carolath(nl.): Der Antrag ist unnötig, denn jeder Automobilbesitzer wird schon in seinem eigenen Intereise für anständige Arbeitsbedingungen sorgen. Der Autrag ist aber auch undurchführbar. Wenn ein Automobil unteretwa Che 41. Jahrg. wege ist, sollen da Chauffeur und Besitzer absteigen, wenn etwa die achtstündige Arbeitszeit gerade vorüber ist? Abg. v. Oertze#(Rchsp.): Der Antrag gehört überhaupt nicht hierher und ist überdies tatsächlich undurchführbar. Wie soll denn etwa die Arbeitszeit berechnet werden, wenn der Besitzer selbst fährt und der Chauffeur hinter ihm sitzt, nur um zur Hand zu sein? Abg. Stadthagen(Soz.): Das sind keine Gründe gegen den Antrag. Wer Sportsmann ist und Interesse an langem Fahren hat, kann sich ja mehrere Chauffeure halten. Der Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt. Die Verkehrsvorschriften werden unverändert genehmigt in der Kommissionsfassung. Tann wird über die Haftpflicht=Paragraphen beraten, Paragraphen 1—13 a. graphen 1—13a. Ferner solle auch§ 6 gestrichen werden, welcher die Haftpflichtsumme begrenzt. Ein dritter Antrag verlangt für die Automobilbesitzer eine Kastpflicht=Zwangsgenossenschaft. Abg. Dr. Bitter(dk.): Wir halten den§ 2, der die Ausnahmen von der Laftpflicht festsetzt, nicht gerade für schön. Aber an ihm soll das Gesetz nicht scheitern. Abg. Graf v. Carmer=Zieserwitz(k.): Das Gute, das das Gesetz bringt, überwiegt so sehr, daß wir die Bedenken, die wir hier und dort hatten, fallen gelassen haben. Die Sicherheit des Publikums wird durch das Gesetz sehr gefördert. Abg. Traeger(Fr. Vp.): Es liegt ein dringendes Bedürfnis für dieses Gesetz vor, das zwar nicht alle Wünsche erfüllt, aber doch etwas bringt. Es ist dies überdies der zweite Vorschlag der Regierung, und ich fürchte mich vor dem dritten. (Heiterkeit.) Ich lasse mich in meiner Stellungnahme nicht von dem Kaiserlichen Automobilklub beeinflussen, auch nicht von Rücksichten auf den verewigten Block.(Heiterkeit.) Trotz vieler Bedenken stimmen wir für das Gesetz. Auch die anderen Parteien tun es ja, wenn auch„blutenden Herzens".(Heiterkeit.) Das blutende Herz ist ja schon zu einem unentbehrlichen Körperteil des Parlaments geworden.(Große Heiterkeit.) Nehmen wir also das Gesetz an, denn wer weiß, ob nicht bald wieder ein Zusammenstoß erfolgt.(Erneute Heiterkeit. Abg. Delbrück(Fr. Vgg.): Auch meine politischen Freunde werden dem Gesetz zustimmen. Abg. Prinz Carolath: Wir halten das Gesetz für notwendig, wegen der Häufung der Automobilunfälle. Für die Lastautomobile mit 20 Kilometer Maximalgeschwindigkeit ist eine Ausnahmesteltung gemäß§ 2 begründet, denn sie lassen sich leichter aufhalten und man kann sich daher vor ihnen leichter in Sicherheit bringen. Nach einer weiteren Debatte werden unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge die Haftpflicht Paragraphen sämtlich in der Kommissionsfassung angenommen. Die Strafvorschriften gelangen debattelos zur Anschue.#####. unn der Sammiten ugugsche Die Abstimmung über die von der Kommission vorgeschlagenen Resolutionen(betr. Zwangsgenossenschaft u. a.) wird bis zu: dritten Lesung verschobez, g.#ch unt Nr ei. 2. Morgen 2 Uhr: Etats für niautschou und für die Ostasiatische Expedition, sodann dritte Lesung des Automobilgesetzes. Schluß 6¾ Uhr. Politische Uebersicht. Deutschland. Die Block=Krisis. Wenn die konservative Partei glaubte, die Hoffnung auf das Zustandebringen der Reichsfinanzreform in gemeinschaftlicher Arbeit mit den Freisinnigen aufgeben und sich daher von diesem im Interesse der Reform trennen zu müssen, so hat sie für die Ausführung ihres Entschlusses einen günstigen Moment gewählt. Sie hat damit einmal so lange gewartet, bis alle Chancen auf eine rechtzeitige Verständigung über das Reformwerk innerhalb der Blockparteien geschwunden zu sein schienen, und sie hat die Trennung zu einer Zeit vollzogen, in der ein Wechsel auf dem Reichskanzler=Posten nicht gut möglich ist. Man mag von den Gerüchten über ein neuerliches Abschiedsgesuch des Fürsten v. Bülow halten, was man will: so lange die Balkan=Wirren fortdauern,— und darüber kann unter Umständen noch eine recht geraume Weile vergehen — würde ein Kanzler=Wechsel im Deutschen Reiche die politische Aktion verwirren und aufhalten.— Die Möglichkeit des Fortbestandes des Blocks außerhalb der Reichsfinanzreform darf man als ausgeschlossen betrachten. Der Freisinn wird durch die Sprengung des Blocks wieder in die Opposition gedrängt. Fürst Bülow, der von dem Entschluß der Konservativen rechtzeitig unterrichtet worden war, hat durch seinen Unterstaatssekretär v. Loebell am Tage darauf Unterhandlungen mit den Führern der bisherigen Blockparteien anknüpfen lassen. Die Regierung hält an ihrem Entschluß, neben indirekten Verbrauchssteuern auch eine direkte Besitzsteuer einzuführen, trotz des Block=Gewitters unerschütterlich fest. Sie lehnt es sonach auch nach wie vor ab, die Reichsfinanzreform mit Hilfe des Zentrums und der Konservativen zustande zu bringen, besteht vielmehr auf einer konservativ=liberalen Verständigung auch in der Reichsfinanzreform. Die konservativen Organe sagen, der Block sei nicht Selbstzweck, und es sei nicht nötig, daß die Finanzreform von bestimmten Parteien gemacht werde. Die Reichs=Versicherungsordnung, dieses gewaltige Werk mit den nahezu 2000 Paragraphen, ist im Reichsamt des nern auf Grund der Vorschläge des preußischen Staatsministeriums noch einmal durchgearbeitet worden und liegt jetzt druckfertig vor. In der kommenden Woche wird die Riesenvorlage dem Bundesrat zugehen und gleichzeitig veröffentlicht. Keine erfreuliche Kunde für Eltern bot die teilweise Schulgeld=Erhöhung an den höheren Lehranstalten des preußischen Staates. Erhöht wurde das Schulgeld für die drei obersten Klassen auf 150 Mark. Damit ist aber noch die weitere Ministerial=Vorschrift verknüpft, daß bis auf weiteres die Fortgewährung oder Neubewilligung von Schulgeldbefreiungen auszusetzen ist. Das gilt auch für die Lehrersöhne. Der Minister will eine anderweite Bemessung des Prozentsatzes für Schulgeldbefreiungen herbeiführen. Kleine politische Nachrichten. Sekundär=Eisenbahnvorlage. Die dem preußischen Abgeordnetenhause soeben zugegangene alljährliche Sekundär=Eisenbahnvorlage beansprucht im ganzen 138 Mill. Mark. Die Annahme ist zweifellos. Gegen den Plan einer weiteren Einschränkung der Verkaufszeit an den Sonntagen haben einmütig die Berliner Fleischermeister protestiert. Diesem Protest werden sich andere interessierte Gewerbetreibende anschließen, und er wird keineswegs blos auf die Reichshauptstadt beschränkt bleiben. Der bayerische jungliberale Pfarrer Tremel hat seine politischen Anschauungen zurückgenommen und den Erzbischof von Bamberg, seinen geistlichen Vorgesetzten, um Verzeihung gebeten. Aus dem Laslande. Frankreich. Paris, 26. März. Der Pariser Post= und Telegraphendienst funktioniert nach der einwöchigen Störung trotz des beendeten Streiks noch nicht wieder glatt. Es muß über vieles fortgesehen werden, damit nicht von neuem Streit entsteht. Der bisherige Leiter der Post, Unterstaatssekretär Simyan, wird ein anderes hohes Amt erhalten, damit er den krakehllustigen Beamten aus den Augen kommt.— In der Deputiertenkammer wurde eine scharfe Kritik an dem Zustande der Kriegsflotte geübt. Die Regierung will nach Kräften sorgen, auf allen Gebieten eine Besserung herbeizuführen. Zu Weiterungen wird es hierüber also nicht kommen. England. London, 26. März. Die englischen Dreadnoughts, die bisher größten Schlachtschiffe, kosteten 50 Mill. Mk. Da der Bau von noch größeren Riesen=Panzern bereits beschlossene Sache ist, darf man annehmen, daß die Unkosten eines einzelnen solchen allerneuesten Schiffs=Kolosses auf 65 bis 70 Millionen sich erhöhen werden. Geht England voran, so machen natürlich alle anderen Staaten mit.— Einen fremden Lenkballon, der in Nacht und Nebel knatternd und unter sehr starken Licht=Effekten über London davonfuhr, will man schon wieder mal beobachtet haben. Auch die Polizei soll ihn gesehen haben.— Warum fuhr sie nicht hinterdrein? Spanien. Madrid, 27. März. Uebertriebene Meldungen von einem deutsch=spanischen Konflikt in West=Afrika hatten Madrider Blätter verbreitet. In der nahe dem deutschen Kamerun=Gebiete gelegenen spanischen Stadt Bata war ein deutscher Kaufmann mit Eingeborenen in einen Zank geraten, wobei sich diese, es handelte sich um einen Kauf von Elfenbein, benachteiligt glaubten. Sie machten andere Schwarze rebellisch, die nach Bata zogen, um an den Deutschen ihr Mütchen zu kühlen. Da aber inzwischen von Kamerun aus ein deutscher Kreuzer eingetroffen war, lief alles wieder nach Haus. Irgend welche Weiterungen sind aus dem Vorfall nicht zu erwarten. Persien. Petersburg, 26. März. Aus Persien kommen immer aufregendere Nachrichten. Die Banden des Schahs schonen nicht einmal mehr die von ihnen Verfolgten, wenn sie in den Moscheen Asylrecht gewonnen haben. Da diese Zufluchtsorte nach persischer Auffassung unantastbar sind, haben auch Rußland und England im allgemeinen Interesse Klage erhoben. Die Balkan=Wirren. Das österreichische Ultimatum an Serbien sollte im Verlaufe des gestrigen Freitag in Belgrad abgegeben werden. Da Oesterreich in diesem Ultimatum eine ganz klare und bündige Antwort Serbiens innerhalb einer bestimmten Frist verlangt, so wird die unerträgliche Ungewißheit nun wenigstens innerhalb absehbarer Zeit ein Ende nehmen. Das ist auch durchaus notwendig, denn es hat sich nicht nur des österreichisch=ungarischen Volkes, sondern auch der Regierung in Wien und Buda— pest eine ebenso begreifliche wie hochgradige Nervosität be=““(Erweiterungsbau der städtischen höheren Mädchenmächtigt. schule.) Nachdem sich die Räumlichkeiten der bisherigen städt. Der Verzicht des Kronprinzen Georg von Serbien auf die Thronfolge ist für die friedliche Erledigung der Balkanwirren mehr wert als die ganzen Vermittelungsvorschläge der Mächte zusammengenommen. Mit dem Verschwinden dieses Karageorgawitsch hat die Kriegspartei in Serbien einen tödlichen Stoß erhalten. Es darf als eine Fügung der Vorsehung angesehen werden, daß das österreichische Ultimatum an Serbien gerade bis zu dem Augenblick zurückgehalten wurde, in dem der bisherige Kronprinz, mit einem Morde befleckt, schimpflich das Land verlassen muß. Es darf gehofft werden, daß jetzt die österreichische Note seitens der serbischen Regierung eine befriedigende Antwort zeitigen wird. Verursacht Rußland nicht neue Quertreibereien, und das ist doch wohl kaum zu befürchten, dann darf jetzt der Friede, der bereits unrettbar verloren schien, als gesichert angesehen werden. Und diese glückliche Wandlung ist dem unglücklichen Diener Kolakowitsch zu danken; ohne seine Hinmordung durch Georg Karageorgswitsch hätte die Kriegspartei in Serbien vielleicht noch lange die Oberhand behalten, so daß der Krieg ausgebrochen wäre. So weit unsere Geschichte reicht, ist ein Krieg noch nie auf merkwürdigere Weise abgewendet worden, wie hier. Der Diener Kolakowitsch aber ist nach seinem Tod oder durch diesen zu einer welthistorischen Persönlichkeit geworden. Die Aussichten auf Erhaltung des Friedens, die sich ja auch höheren Mädchenschule infolge der steigenden Schülerinnenzahl als zu klein erwiesen hatten, beschlossen bekanntlich die städtischen Vertretungen einen Erweiterungsbau, westlich vom bisherigen Gebäude und in geeigneter Verbindung mit demselben. Der Neubau, ausgeführt von der Baufirma Dittrich hierselbst, geht in den nächsten Wochen seiner vollständigen Fertigstellung entgegen. Durch einen geräumigen, mit roten Platten ausgelegten Flur gelangt man in das Erdgeschoß, enthaltend ein Lehrmittelzimmer in der Mitte und zwei Unterrichtsklassen von für die Bedürfnisse der Schule entsprechender Größe. Die Zimmer sind hell und geräumig; der Fußboden ist, entsprechend dem Progymnasium, der Feld= und Sedanschule, Parkettboden. Unterschiedlich von genannten drei Lehrstellen, welche sämtlich Zentralheizung haben, weist der Töchterschulneubau Kaiserslautener Oefen mit Kohlenbedarf auf; die Anlage der Zentralheizung ist jedenfalls durch die Verschiedenheit des alten und neuen Baues nicht möglich gewesen. Eine breite, oberhalb des Podestes zweiteilige Steintreppe führt in das Obergeschoß, welches von der Aula ausgefüllt wird. Die Ausstattung derselben entspricht den Klassen im Erdgeschoß. Die östliche Seite des Flures stellt in beiden Etagen die Verbindung mit dem alten Bau her. An diesem ist der bisherige Eingang erneuert und der Flur des Erdgeschosses zu den Klassenzimmern geschlagen worden. Das bisherige Treppenhaus des alten Gebäudes Aussichten auf Erhaltung des Friedens, die sich ja auch gen worden. Das bisherige Treppenhau ohnehin in den letzten 24 Stunden etwas gebessert hatten, ge=dient mit dem Zugang von der Strangseite dem Schuldiener, stalteten sich mit einem Schlage so günstig, daß sie z. B. die Berliner Börse mit einer stürmischen Aufwärtsbewegung der Kurse beantwortete. Hoffentlich läßt nun die endgültige Entscheidung nicht lange mehr auf sich warten. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 27. März. **(Aus dem Stadtrat.) Also wäre auch für das Jahr der Etat glücklich unter Dach und Fach; in der gestrigen Sitzung ist er gemäß den Vorschlägen des Magistrats und der Finanzkommission einstimmig angenommen und die Steuersätze in der Höhe des Vorjahres, 240% Einkommen=, 265 7 Realund 100% Betriebssteuern festgesetzt. Herr Waltenberg regte zwar an, mit Rücksicht auf die schlechten Aussichten für die Zukunft schon in diesem Jahre eine mäßige Erhöhung der Sätze vorzunehmen, fand aber beim Kollegium mit diesem Vorschlage keine Gegenliebe. Sicherlich hatte er nicht Unrecht, als er das Fehlen von Rücklagen bei einem Defizit von 20000 Mark bedauerte; aber immerhin würde man es in der Bürgerschaft nicht verstanden haben, wenn man jetzt, nur um für die Zukunft zu sorgen, die Steuersätze erhöht hätte. Kommt Zeit, kommt Rat; vielleicht haben sich im nächsten Jahre die Verhältnisse derart gebessert, daß eine Erhöhung der Steuer nicht so sehr empfunden wird, wie jetzt. Dieser Ansicht, womit er jedenfalls der gesamten Bürgerschaft aus dem Herzen gesprochen hat, gab Herr Direktor Terbrüggen auch beredten Ausdruck. Herr Waltenberg zog denn auch seinen Einspruch zurück, und für dieses Jahr ist ein stärkeres Anziehen der Steuerschraube nochmals glücklich vermieden. Die übrigen Punkte der gestrigen Tagung dessen Wohnräume im Dachgeschoß des alten Baues liegen, als Aufgang. Mit der vollständigen Trennung der beiden Treppenhäuser ist der Regierungsverfügung über getrennte Zugänge der Schüler und Schuldiener Rechnung getragen. Der Schulplatz ist durch den Neubau auf die östliche Seite des alten Gebäudes verlegt, eingefriedigt und mit einigen Anpflanzungen versehen worden. Die Inbetriebnahme des Neubaues, der nach völliger Fertigstellung eine Zierde unserer Stadt sein wird, erfolgt mit Beginn des bevorstehnden neuen Schuljahres. **(Unfall.) Der Flaschenbierhändler Mitze von hier kam auf dem Wege von Hengsen nach hier so unglücklich unter die Räder seines Wagens, daß er einen Bruch des Wadenbeines erlitt. Der Verunglückte wurde nach hier transportiert, wo ihm von Mitgliedern der Sanitäts=Kolonne die erste Hilfe geleistet wurde. **(Aus dem kath. Krankenhause) hat sich gestern Nacht zwischen 10 und 11 Uhr ein an einer schweren Lungenkrankheit leidender, etwa 31 Jahre alter Mann entfernt und ist trotz der eifrigsten Recherchen noch nicht wieder aufzufinden gewesen. Der Kranke war vor ungefähr 5 Tagen aus Ergste eingeliefert worden; er ist kenntlich an seiner gebückten Haltung. Was ihn zum Verlassen der Anstalt bewogen hat, ist unbekannt. Wer Angaben über den Verbleib des Mannes machen kann, möge sich im Krankenhause oder bei der Polizeiverwaltung melden. **(Ueber die Tätigkeit des evang. Frauen= und Jungfrauenvereins) verbreitet sich das„Sonntagsblatt“ in einem Schlußartikel: Größere Aufgaben erfordern notwendig größere Mittel. Es mußten deshalb neue Wege gesucht werden, zu den bisherigen alten Einnahmen aus dem Verlosungsertrage und boten wenig Interesse, und verweisen wir auf den Sitzungs= zu den neueren der Mitgliederbeiträge noch frische Einnahmebericht an anderer Stelle. quellen zu erschließen. Im vergangenen Sommer ist der Ver**(Kath. Kirchenchor.) Wir machen nochmals auf das am such gemacht worden, und zwar mit recht gutem Erfolge, auch morgigen Sonntag stattfindende Pfarr=Cäcilienfest aufmerk= Nichtmitglieder zu Beiträgen willig zu machen. Die Sammlung sam. Sowohl das Kirchen=Konzert um 5 Uhr, wie auch die hatte ein Gesamtergebnis von 372.25 Mk. Im einzelnen sind Aufführung im Kilweg'schen Saale(„Das Heiligtum von An= aus den sechs Stadtbezirken folgende Beiträge eingekommen: tiochien“, mit Männerchören und Soli) versprechen einen hohen 1. Bezirk, durch Frau Meyer und Frl. Uflacker 55,75 Mk., 2. künstlerischen Genuß. Bezirk, durch Frau Wirths und Frau Lehrer Althoff 58,00 Mk., **(Der Garde= und Landwehrverein) wird am morgigen 3. Bezirk, durch Frau Hohenschwert und Frau Pastor Terberger Sonntag die Fahne mit Musik vom Vereinslokal Ostermann 38,50 Mt., 4. Bezirk, durch Frau Schröder, Frau Rektor Honsazur Wohnung des 1. Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalt Thoholté lek und Frau Pastor Heinenberg 66,50 Mk., 5. Bezirk, durch überbringen. Nach diesem feierlichen Akt findet die General= Frau Werner und Frau Lehrer Wiegerig 89.50 Mk., 7. Bezirk, versammlung des Vereins statt, in der u. a. auch über die Ver= durch Frau Rektor Behrensmann und Frau Lehrer Rath 64.00 anstaltung einer Felddienstübung und eines Preisschießens Be= Mark. Am 3. Januar d. Is. wurde vom Frauenverein in der schluß gefaßt werden soll. größeren evang. Kirche ein Kirchenkonzert veranstaltet. Frl. **(Am Progymnasium) fand gestern unter dem Vorsitze Anna Graeve aus Berlin hatte ihre hohe künstlerische Gesangsdes Herrn Direktor Renz die Schlußprüfung statt. Sämtlichen gabe bereitwillig in diesen Dienst der Wohltätigkeit für ihre Prüflingen konnte die Reife für die Obersekunda und damit die Vaterstadt gestellt. Der Erfolg war durchschlagend. Das finanBerechtigung zum einjährig=freiwilligen Militärdienst zuer= zielle Ergebnis war glänzend; nach Abzug aller Unkosten konnkannt werden. Die Sekundaner, welche bestanden, sind: Balks, ste der Reingewinn mit 248 Mark der Vereinskasse überwiesen Feit, Fischer, Lappe, Mertens, Potthoff, Tiedke, Twittmann aus werden, Schwerte; Groß=Weischede und Pinkvoß aus Westhofen; No 2= Ergste, 27. März.(Prüfung.) Am morgigen Sonnthenberg aus Holzen; Kommann aus Cronenberg; Utsch aus tag findet hier die Prüfung der diesjährigen Konfirmanden Algringen; Wenner aus Altendorf. Von den genannten Schü= statt. Die Konfirmation findet am Sonntag, den 4. April statt. lern wollen einige die mittlere Beamtenlaufbahn einschlagen,.. Westhosen, 27. März.(Nationaler Wahlverein.) andere sich dem Kaufmannsstande widmen oder sich einem tech Zwecks Gründung eines nationalen Wahlvereins für Westhofen nischen Fache zuwenden. und Amgegend findet morgen Nachmittag 5 Uhr im Lokale der "(Bestandenes Examen.) Vor der Prüfungs=Kommission Witwe Weibeg eine öffentliche Versammlung statt. Herr ParOberlandesgericht in Hamm bestand der Justizwärter Frie= teisekretär Dr., Hugo=Dortmund wird in derselben einen Vorch Liese, zurzeit am hiesigen Amtsgericht tätig, die Gerichts=.„ 5ig zungryglitische Lage“ halten.(S. auch Ins.) am Oberlandesgericht in Hamm bestand der Justizr drich Liese, zurzeit am hiesigen Amtsgericht tätig, die werichtssekretär=Prüfung mit dem Prädikat„gut“. **(Busch=Abend.) Am Dienstag abend veranstaltet Herr Georg Fritzschler aus Detmold im Brückner'schen Saale einen Wilhelm Busch=Abend. Der von Lichtbildern begleitete Vortrag verspricht sehr interessant zu werden, zumal uns über den Vortragenden sehr günstige Kritiken vorliegen. Zweifellos wird sich eine sehr zahlreiche Busch=Gemeinde am Dienstag Abend an den Meisterwerken unseres großen Dichter=Humoristen Busch erfreuen. **(Kinematograph Reichskrone.) Wie jeden Freitag, so wurde auch gestern im Kinematographen der Reichskrone mit einem neuen Programm aufgewartet, und diejenigen, die es gesehen haben, müssen gestehen, daß die jetzigen Darbietungen durchaus gute sind. Die einzelnen Bilder sind sehr klar und die Zusammenstellung des ganzen Programms ist eine sehr gewählte.„Die Löwenbraut“ führt uns in die Dressur des Wüstenkönigs ein und ein leiser Schauer überkommt dem Zuschauer, wenn die Dresseurin dem Löwen den weiten Rachen aufreißt und ihren Kopf den fletschenden Zähnen nahe bringt. Manch schönes Bild sehen wir in der„Hexe von Sevilla“. Eine dramatische Handlung wird uns in dem„Sohn des Zollwächters“ vorgeführt. Humoristisch wirken„Der weiße Neger" und „Schutzmann wider Willen“, aber die Lachmuskeln kommen erst recht in Bewegung bei der„Millionärin Witwe Steinreich“, der durch einen Rachsakt ihres entlassenen Dieners ungefähr 30 Gemeindediener auf den Hals gehetzt werden, welche die reiche Witwe als Gattin begehren. Besondere Aufwendungen hat Herr Stamm gemacht, indem er im jetzigen reichen Programm noch recht gute Bilder aus dem Slakespeareschen Drama „Othello und Desdemona“ aufführen läßt. Darum versäume niemand, in den nächsten Tagen die Vorstellungen zu besuchen. trag über die„innerpolitische Lage“ halten.(S. auch Ins.) ** Opherdicke, 27. März.(Milzbrand.) Am 12. März verendete dem Bergmann W. Radek hierselbst plötzlich eine Kuh, welche er in Gemeinschaft mit Herrn Metzger Externbrink zur Verwertung des Felles abdeckte. Um die Todesursache festzustellen, zog man später auch noch Herrn Tierarzt Dieckerhoff aus Schwerte hinzu. der Milzbrand feststellte. Am vergangenen Montag zeigte sich plötzlich bei dem Bergmann Radek eine Entzündung der Hand. Anscheinend war in eine kleine Verletzung, die er nicht beachtet hatte, Ansteckungsstoff gelangt. Als sich sein Befinden immer mehr verschlimmerte, brachte man ihn am Donnerstag in das Krankenhaus nach Unna, wo er gestern an Milzbrand gestorben ist. ** Verghofermark, 27. März.(Schulpersonalie.) Mit dem heutigen Tage hat Herr Lehrer Wächter von hier, der studienhalber auf ein Jahr nach Berlin beurlaubt war, seine Lehrtätigkeit wieder aufgenommen. Mit der Stellvertretung des Herrn Wächter war Herr Lehrer Gosewinkel von Berghofen betraut. ** Verghofermark, 27. März. Frl. Elise Steltmann von hier, Tochter des Herrn Hauptlehrers Steltmann, eine Schülerin der 1. Klasse der höheren Mädchenschule zu Hörde, hat die Aufnahme=Prüfung für das Lehrerinnen=Seminar in Torgau bestanden. ** Sommerberg, 27. März.(Preis=Maskenball.) Der Junggesellenverein„Ledig“ veranstaltet am Sonntag, den 28. d. Mts., im Saale des Herrn Haselhoff auf dem Höchsten einen Preis=Maskenball. Es gelangen zahlreiche wertvolle Preise zur Verteilung. Stadtverordneten=Sitzung. Schwerte, den 27. März. Zur gestrigen Sitzung unseres Stadtparlaments, welches unter Vorsitz des Herrn Direktor Terbrüggen tagte, waren 13 Mitglieder des Kollegiums erschienen, während der Magistrat durch Herrn Bürgermeister Nohrmann vertreten wurde.. Zur Beratung in öffentlicher Sitzung standen 10 Punkte, und zwar handelte es sich zunächst um Festsetzung verschiedener Haushaltspläne, welche ohne Debatte erledigt wurden. Der Haushaltsplan für das städt. Gaswerk wurde auf die Summe von 88000 Mark festgesetzt, derjenige für das Wasserwerk auf 56300 Mk., für das Schlachthaus und Kühlhaus auf 39 500 Mk. und derjenige betr. die Versorgung der Stadt mit elektrischem Strom auf 4 458,51 Mk. Bezüglich des letzteren Etats bemerkte Herr Bürgermeister Nohrmann, daß die Aufstellung des Etats das Werk erst 4 Monate im Betrieb gewesen sei, doch habe es sich in diesen vier Monaten des Jahres 1908 so günstig entwickelt, daß sich nicht nur das Anlagekapital gut verzinse, sondern auch bereits ein Ueberschuß erzielt sei. Ueberhaupt entwickele sich das ganze Unternehmen in einer über alles Erwarten günstigen Weise; es könne schon jetzt mit einer Mehrabgabe von 12 Mill. Kilowattstunden gerechnet werden. Der ordentliche Haushaltsplan, der dann dem Kollegium zur Annahme vorlag, ist nach einigen von der Finanzkommission vorgenommenen Abstriche in Einnahme und Ausgabe auf die Summe von 529240,24 Mark festgesetzt; das durch Steuern aufzubringende Defizit beläuft sich auf 446 690,99 Mk., und sollen nach dem Vorschlage des Magistrats und der Finanzkommission zur Deckung dieses Fehlbetrages, der ca. 30000 Mark höher als 1908, die gleichen Steuersäetz wie im Vorjahre 240 pEt. der Einkommensteuer, 265 pCt. der Realsteuer, 100 pEt. der Betriebssteuer erhoben werden. Nach den Erläuterungen des Herrn Bürgermeister Rohrmann setzen sich diese 30000 Mark, die gegen das Vorjahr mehr aufzubringen sind, aus folgenden Positionen zusammen: Für die allgemeine Verwaltung 7481 Mk. mehr als im vorigen Jahre, die Polizei erfordert an Mehrausgaben 1444 Mk., die Armenverwaltung 2000 Mk., die Krankenpflege 3000 Mk., die Schulen 3223 Mk., vor allem aber sind, im Titel Insgemein gegenüber früher 14615 Mk. mehr eingesetzt, so daß dieser jetzt mit 27.705 Mk. den Etat belaste, wohingegen es früher nur 12—15000 Mark gewesen sind. Als Grund für die stärkere Besetzung des Titels Insgemein gab der Herr Bürgermeister an, daß man für alle Fälle bei evtl. Steuerausfällen gerüstet sein wolle. Die durch die neue Besoldungsvorlage gesteigerten Schullasten seien bei Aufstellung des Schuletats nicht berücksichtigt, da diese Vorlagen ja noch nicht verabschiedet seien; man habe daher auch für diese Zwecke einen kleinen Betrag in den Titel Insgemein eingestellt. Bei den Volksschulen würde man, da das Grundgehalt hier schon seit Jahren um 100 Mark höher sei, als die Vorlage vorsehe, und es sich in der Hauptsache nur um eine Erhöhung der Gehälter für Rektoren und Hauptlehrer handle, mit einigen Tausend Mark auskommen. Beim Progymnasium würde es sich allerdings um 5000 Mark pro Jahr handeln. Dann habe man auch mit der eotl. Entziehung der Staatsbeihülfe für Schulzwecke im Betrage von 14 800 Mk. zu rechnen. Aus allen diesen Gesichtspunkten heraus empfehle es sich, den Titel Insgemein etwas höher anzusetzen. Wenn man trotzdem mit den vorgeschlagenen Sätzen auszukommen glaube, so liege der Grund darin, daß ein hiesiges Werk an Steuern wohl noch etwas mehr aufbringe, als im Etat vorgesehen sei. Redner richtete dann die dringende Bitte zu größter Sparsamkeit an das Kollegium; wenn man ganz genau nach dem Etat arbeite und alle besonderen Ausgaben vermeide, werde der Etat am Schlusse des Jahres doch noch ein erfreuliches Resultat ergeben. Herr Stadtv. Waltenberg bedauert, daß keine Rücklagen vorhanden seien. Wenn jetzt schon ein Defizit von 20 000 Mark vorhanden sei, dann solle man doch schon in diesem Jahrg die Steuersätze in mäßiger Weise erhöhen; Aussichten auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage seien vorläufig doch nicht vorhanden. Er ersuchte dann um Aufklärung über verschiedenen Positionen des Etats; namentlich komme ihm der Posten Kreissteuern mit 63000 Mark sehr hoch vor. Herr Bürgermeister Rohrmann bedauert gleichfalls lebhaft das gewaltige Anschwellen der Kreisabgaben; an dieser Tatsache sei jedoch nichts zu ändern, da der Kreis auch große Verpflichtungen der Provinz gegenüber habe. Herr Direktor Terbrüggen pflichtet im Prinzip Herrn Waltenberg bei. Man hätte aber schon vor 15 Jahren für Rücklagen sorgen müssen, jetzt könne man nicht damit anfangen. In der jetzigen Zeit der wirtschaftlichen Krisis, wo der Verdienst schon knapp genug sei, könne man es jedoch vor der Bürgerschaft nicht verantworten, die Steuersäetz ohne zwingende Not zu erhöhen. Wenn das nächste Jahr noch schlechter werde, dann komme die Erhöhung immer noch früh genug. In diesem Jahre wollen wir es ruhig darauf ankommen lassen und erst abwarten, was die Zukunft bringt. Nach einem kurzen Zwiegespräch zwischen den Herren Waltenberg und Bürgermeister Nohrmann, in dem letzterer noch darauf hingewiesen hatte, daß, wenn die schlimmsten Befürchtungen des Herrn Waltenberg eintreffen würden, man eben in den sauren Apfel beißen und die vorhandenen Fonds angreifen müsse, wurde der Etat nach den Vorschlägen des Magistrats und der Finanzkommission genehmigt. Es werden also die obigen Steuersätze, genau wie im Vorjahre, erhoben. Die Verpachtung der Kühlzellen, der Eisverkauf im Kühlhause, die Freibankgebührenordnung und eine Vorlage betr. Miete des Fellagers wurden gemäß dem Vorschlage des Magistrats erledigt. Bei der Legung des Wasser=Hauptrohres im Klusenweg ist der Kostenanschlag um 83.17 Mark überschritten, die gestern nachbewilligt wurden. Ein Vertrag mit der Eisenbahnverwaltung bezüglich Benutzung der von der Bahn gekauften Grundstücke zur Legung von Gas= und Wasserleitungen, Kabeln usw. seitens der Stadt, mit dem sich Kollegium bereits in der vorigen Sitzung beschäftigt hatte, wurde gestern endgiltig verabschiedet, nachdem einige Aenderungen in dem Vertrag vorgenommen waren. Durch anderweitige Aufstellung der Laternen können in der Liethstr. zwei bis drei Laternen in Fortfall kommen, ohne daß die Beleuchtung der Straße hierunter zu leiden hat. Auch in anderen Straßen der Stadt soll in dieser Hinsicht der Ruf nach Sparsamkeit in die Tat umgesetzt werden. Nr. 73. Unsere heutige Ausgabe umsaßt mit dem täglichen Unterhaltungsblatt und dem„Illustrierten Familienfreund“ 20 Seiten! Politische Wochenschau. Mit der besseren Jahreszeit hofften wir zuversichtlich auf bessere Tage, auch in der deutschen Politik, auf eine Beschleunigung des Ausganges des winterlichen Mißvergnügens über Finanz=Reform und neue Reichssteuern. Ostern, das Frühlingsfest, ist in der Nähe, aber die politischen Ostereier, mit denen es aufwarten will, scheinen nicht von guter Art zu sein. Es spitzt sich auch bei uns wieder einmal zu, und die Leute, die das Gras wachsen hören, rechnen schon mit einem Kanzlerwechsel, weil die Einigkeit der Blockparteien aus Anlaß der Steuerpläne in die Brüche gegangen ist. Bei der Nachlaßsteuer war die Meinungs=Verschiedenheit schon groß, bei der Aenderung der Branntweinsteuer aber noch größer. Hier brachen mit einem Male die prinzipiellen Gegensätze zwischen Liberal und Konservativ, die sich in der Zoll= und Wirtschafts=Politik so häufig zeigten, wieder hervor und drohen die Reichstags=Mehrheit, auf welche Fürst Bülow sich stützte, völlig auseinander zu sprengen. Die frühere verwandte Anschauung der Zentrumspartei und der konservativen Partei über wirtschaftliche Fragen ist wieder in den Vordergrund getreten, und somit zeigt sich eine neue Mehrheit für die Steuer=Reform im Reichstage anstelle der bisherigen der Block=Parteien. Kann eine solche Mehrheit, wenn sie in der Tat verwirklicht wird, mit dem alten Kanzler arbeiten? Die Annahme, daß dies für eine größere Dauer möglich sein werde, ist gering, und so spricht man heute schon von einem kommenden neuen Reichskanzler in der Person des bisherigen Statthalters Grafen Wedel in Straßburg. Man spricht auch noch von mehr, nämlich davon, daß die alte Intimität zwischen dem Reichs=Oberhaupt und seinem ersten Ratgeber doch nicht wiederhergestellt worden sei, und Fürst Bülow vor kurzem ein neues Rücktritts=Gesuch eingereicht habe, das zwar damals abgewiesen sei, indessen bald erneuert werden könnte. Die ganze bisherige Sensations=Rederei kommt also gerade zu Ostern, wo wir Frieden und Freude zu haben vermeinten, von neuem an den Tag; sie kommt gerade in dem Moment, wo eine einmütige nationale Kundgebung im Reichstage den Willen der Volksvertretung erkennen ließ, für die fundamentalen Grundsätze unserer Wehrkraft unentwegt einzutreten. Diese Kundgebung lag in der ohne alle Debatte erfolgten Annahme des Marine=Etats, eine Tatsache, die den deutschen Flottenkritikern in England, wie in der ganzen Welt zeigte, daß das friedliche Deutschland niemandem auf die Finger sehe, aber auch sich selbst nicht auf die Finger sehen lasse. Kaiser Wilhelm und die Kaiserin wollten im kommenden Monat ihr Schloß Achilleion auf der griechischen Insel Korfu besuchen. Die Verwirklichung dieses Planes hängt natürlich von der politischen Entwicklung ab. Ein Unfall ist der Kaiserjacht„Hohenzollern“ beim Beginn ihrer Reise nach dem Mittelmeer passiert, indem sie mit einem norwegischen Dampfer, der in den Fluten der Nordsee versank, zusammenrannte. Die Sonnabend, den 27. März 1909. ganze Mannschaft konnte aber an Bord der„Hohenzollern“, die selbst keinen wesentlichen Schaden erlitt, gerettet werden. Hoffentlich bleibt für die eigentliche Kaiserreise jedes Mißgeschick ferne. Der große Balkan=Wirrwarr— der Streit zwischen Oesterreich=Ungarn und Serbien— hinter dem wieder Rußland steht, zeigt heute ein freundliches, morgen ein griesgrämiges Gesicht, und je nach Charakter=Anlage sprechen Pessimisten oder Optimisten von Krieg oder Frieden. Und auch im allergünstigsten Falle, nämlich in dem, daß eine Konferenz die Behandlung der ganzen Angelegenheit fürs Erste in die Hand nimmt, kann in der Tat niemand sagen, ob nicht mit einem Male ein neuer Zwischenfall vorhanden ist. Es ist bedauerlich, konstatieren zu müssen, daß die Verträglichkeit der Großmächte so gering geworden ist, daß sie einen kleinen Staat wie Serbien dazu benutzen, um ganz Europa in Unruhe zu erhalten. Wenn diese serbische Auftrumpferei schon Anlaß bieten kann, unseren Erdteil vor die Möglichkeit eines großen Krieges hinzustellen, was soll dann erst werden, wenn direkte Lebens=Interessen in Betracht kommen? Daß die Engländer unseren Flottenbau wieder einmal beim Wickel hatten, haben wir oben schon gesagt; aber die Regierung und auch zahlreiche Zeitungen haben sich von der früher beliebten Angstmeierei ferngehalten. Ministerpräsident Asquith hat sogar die unverbesserlichen Schwarzseher, die deutsche Schiffe schon vor London erblicken,„alte Weiber“ genannt. Das war etwas derb, aber nicht unzutreffend. Jedenfalls tragen doch die deutsch=englischen Beziehungen heute ein anderes Gesicht wie früher, und wenn man erst in London sieht, wie gar nichts geschieht, so wird es auch besser und besser werden. In Paris ist der Ausstand der Post= und Telegraphen=Beamten beendet. Der Regierung blieb nichts übrig, wie in der Personen=Frage Konzessionen zu machen, der Leiter der Postverwaltung, Unterstaatssekretär Simyan, wird in einiger Zeit einen anderen guten Posten erhalten und damit seinen aufgeregten Untergebenen aus dem Gesicht gebracht werden. Ein böses Präjudiz für die französische Beamten=Disziplin ist jedenfalls damit geschaffen worden, und manche Beamtengruppe mag sich in Zukunft auf das, was heute geschehen ist, beziehen. Aber die Franzosen sind nun einmal leichtherzig. Westfalen und Rheinland. * Annen, 26. März. Kinder zündeten hier zweimal den sogen. Wullener Berg an. Da durch das Feuer das Pulvermagazin in der Zeche„Ringeltaube“ bedroht war, mußten die freiw., sowie die Kruppsche Feuerwehr zu mehrstündiger Löscharbeit ausrücken. * Wickede, 26. März.(Brand.) Gestern früh gegen 6 Uhr entstand im Wohnhause des Milchhändlers Karl Stockhecker in der Courlerstraße Feuer. Das Haus ist bis auf den Grund niedergebrannt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. * Arnsberg, 26. März.(Dienstboten=Perle.) Wegen einer Reihe von Veruntreuungen stand die Dienstmagd 41. Jahrg. Gertrud L. aus Freienohl vor der Strafkammer. Da die L. leugnete, so mußte ein umständlicher Beweisapparat in Bewegung gesetzt werden. Es waren 20 Zeugen und 1 Sachverständiger erschienen. Die Angeklagte war bei dem Metzger Josef Neise seit ihrem 14. Lebensjahre in Dienst und hatte während einer 7jährigen Tätigkeit meist nur Botengänge zu verrichten, auf denen sie ihre Veruntreuungen beging, indem sie einkassierte Gelder nicht ablieferte. Auf diese Weise soll die L. ihren Dienstherrn nach und nach um 1557 Mark geschädigt haben. U. a. bestellte sie einmal für einen Eisenbahnbeamten in Wennemen. der Kindtaufe feiern wollte, 10 Pfund Rindfleisch und nahm das Fleisch auch in Empfang, um es zu besorgen. Als Neise dann später den Beamten an die Zahlung erinnerte, wußte dieser von dem Fleisch nichts. Die Angeklagte bestreitet diesen, wie auch alle anderen Fälle. Wenn sich Differenzen ergeben hätten, so könnte das nur an ihrem mangelhaften Anschreiben gelegen haben. Dem Antrage des Staatsanwalts gemäß wurde die Angeklagte zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. * Mülheim(Ruhr), 26. März. Von einem Automobil des Thyssenschen Wasserwerks überfahren wurde das 5 Jahre alte Söhnchen der Eheleute Schlosser Fischer von hier. Das Kind, das, als das Automobil nahte, im letzten Augenblick noch über die Straße lief, trug einen Schädelbruch davon und hat bis jetzt die Besinnung noch nicht wiedererlangt. Den Chauffeur trifft keine Schuld. * Barmen, 26. März.(Verzweiflungstat einer Mutter.) Die Frau des Fabrikarbeiters Flocke warf gestern Nachmittag ihre drei Knaben in die Wupper und sprang dann selbst hinterher. Während die Knaben noch lebend aus dem Wasser geholt werden konnten, wurde die Frau als Leiche geborgen. Der Grund zu der Tat ist in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen. * Stockum, 26. März.(Durch einen jähen Todes= fall) wurde die Familie K. hier schwer heimgesucht. K. leistete einem Landwirt beim Ausroden eines Baumes Hilfe. Beim Niederfallen des Baumes wurde K. so unglücklich von einem Aste desselben getroffen, daß er kurze Zeit darauf verschied.— Das dreijährige Kind eines Bergmanns hier wurde von einem Radfahrer auf der Landstraße derart überfahren. daß es am Kopfe schwer verletzt wurde. * Buer i. W., 25. März. Ein Wettbewerb um Entwürfe zu einem Amtshause in Buer i. W. wird bis zum 15. Juni d. J. ausgeschrieben. Die Bausumme soll höchstens 550000 Mark betragen. Vier Preise von 3000, 2000, 1000 und 750 Mark sind ausgesetzt worden. Beste Bezugsquelle für die Damenschneiderei 4810 Dortmund, Westenhellweg III, Fernruf 2228 Schicksalsgenossen. Roman von G. Rosen. 36 „Welches war der Name des Schiffes, mit dem Sie fuhren „Die Seemöwe.“ „Erreichte das Fahrzeug glücklich seinen Bestimmungsort?“ „Nein, es ging durch einen furchtbaren Orkan zu Grunde. Aber weshalb diese Erkundigungen?“ „Ich ersuche Sie um noch einige Augenblicke Geduld. Was wurde aus Ihrer Frau Gemahlin und Ihrem Kinde?“ „Sie gingen unter. Ich sah sie niemals wieder.“ „Trug sich das Unglück zur Tages= oder zur Nachtzeit zu?“ „In stockfinsterer Nacht.“ „Auf welche Weise wurden Sie selbst gerettet?“ „Näheres darüber weiß ich selbst nicht. Als ich aus einer todesähnlichen Erstarrung erwachte, befand ich mich auf einem fremden Fahrzeug, mit dem ich bis Liverpool reiste, von wo aus ich mich nach London begab.“ „Was war der Zweck Ihrer Reise dorthin?“ „Die Verwaltung des Vermögens meines verstorbenen Vetkers, Hugo Kamin, zu übernehmen, der mich zu seinem Testamenisvollstrecker ernannt hatte.“ „War das Kaminsche Vermögen beträchtlich?“ „Es betrug ungefähr drei Millionen Mark.“ „Sie sollten es bis zur Großjährigkeit Cäsar Kamins, des Sohnes Ihres Vetters verwalten, zu dessem Erben Sie, im Falle er vor seinem neunundzwanzigsten Lebensjahre stürbe, bestimmt waren.“ „Ja.“ *„ W a s w u r d e a u s d e m K n a b e n?“ Ehe Bergner diese Frage beantwortete, bewegte er sich legen hin und her, bemüht, Krämers Blick auf sich zu lenken, aber der Matrose starrte zu Boden, als hörte er nichts von der Unterredung. „Das Kind starb," ssagte er endlich tonlos. „Und Sie wurden dessen Erbe?“ „Sahen Sie die Leiche des Knaben?“ „Nein.“ „Woher wußten Sie alsdann, daß er tot war?“ „Ich hatte in London noch sehr viel mit der Abwicklung der Geschäfte meines Vetters zu tun und deshalb keine Zeit, dem Kinde meine Aufmerksamkeit zu widmen. Ihm eine Heimat und sorgsame Pflege zu sichern, vertraute ich den Knaben einem Matrosen an, der seit Jahren in meinen Diensten gestanden hatte und beauftragte ihn, den kleinen Cäsar nach Hamburg zu bringen und meiner Wirtschafterin, einer alten braven Person, die bereits von der Ankunft des Kindes unterrichtet war, zuzuführen. Der Matrose meldete mir, der schwache kränkliche Knabe sei unterwegs gestorben und legte mir später die seine Mitteilungen bestätigenden amtlichen Papiere vor. Wünschen Sie Ihr eigentümliches Verhör noch weiter fortzusetzen, Herr Doktor?“ „Ich werde in wenigen Minuten zu Ende sein. Wie hieß jener Matrose““„.... ae.e Gale; „Hans Krämer, der Mann, der sich in Ihrei Begleitung ungerufen bei mir eindrängte.“ „Und den Sie bis vor einer Stunde tot wähnten.“ „Ja, auf Zeitungsberichte hin.“ „Hatten Sie diesen Krämer nicht für schweres Geld erkauft, den Knaben aus dem Wege zu räumen?“ fragte der Anwalt mit kühler Ruhe. „Wer wagt diese schimpfliche Behauptung?“ rief Bergner aufspringend. Ein Zochesblitz aus seinen Augen streifte den Matrosen...,.. zum grstan M.o asfhliher „Ich“ erwiderte Kramer, zum ersten Mar aufondend. „Sie! Ein Strolch, ein Vagabund wie Sie, will eine so vernichtende Anklage gegen einen Mann wie ich erheben?" donnerte Bergner mit schauerlichem Lachen. Der Anwalt blätterte in seinem Notizbuch und schrieb mit Bleistift einige Bemerkungen nieder, als wiederum die Glocke an der Eingangstür schallend ertönte. Paul Bergner fuhr erschrocken auf. Sein Gesicht war geisterbleich, seine Augen glühten fieberhaft. „Herr Robert Bergner, Fräulein Dora und noch einige andere Personen, meldete der Diener. „Meinen Bruder und seine Tochter führen Sie in den Salon, für die Fremden bin ich nicht zu sprechen, rief der Hausherr. „Die Angekommenen sind lauter gute Bekannte und auf Verabredung mit uns hier," bemerkte der alte Röder,„Sie würden uns sehr verpflichten, ihnen allen den Eintritt in dieses Zimmer zu gestatten.“ „Ichscheine mich heute in meinem eigenen Hause jedes Selbftbestimmungsrechtes entäußern zusollen. Als Patient, der nicht stark genug ist, Widerstand zu leisten, füge ich mich Ihren Anordnungen. Lassen Sie die Leute herein,“ wendete sich Bergner mürrisch an seine Diener. Robert Bergner, ein Herr in langem Rock, Ella Martin und Dora traten ein, während Klaus und seine Frau schüchtern folgten und sich scheu in den dunkelsten Winkel zurückzogen. Der Kapitän und seine Frau nickten Ella und Dora mit zärtlichen Blicken und freudestrahlenden Augen einen stummen Gruß zu. „Mit Ihrer gütigen Erlaubnis, Herr Bergner,“ rief der Anwalt, als die Neuangekommenen geräuschlos Platz genommen hatten,„will ich unser kleines Verhör fortsetzen. „Ich muß es ablehnen, Ihrem Wunsch zu entsprechen, Herr Doktor,“ entgegnete Bergner finster.„Ich bin ein kranker Mann und nicht im stande, mich noch ferneren Anstrengungen zu unterziehen.“ „Wie Ihnen beliebt. Ich bitte nur noch um die Vergünstigung in Ihrer Gegenwart einige andere Personen befragen zu dürfen. Frau Ella Bergner, möchten Sie mir einige Fragen beantworten?“ :„ G e r n.“ „Kennen Sie Herrn Paul Bergner?“ „Ja.“ „Seit wann?“ „Seit meinem siebzehnten Jahr.“ „Wie lange ist das her?“ „Beinahe zwanzig Jahre.“ „Ihr Mädchenname?“ „Ella Martin. Kapitän Robert Martin und seine Frau, beide hier anwesend, sind meine Eltern, die heimlich zu verlassen, um seine Gattin zu werden, mich Paul Bergner überredete." 163,20 „Das ist nicht wahr,“ rief Paul Bergner dazwischen. * Froitzheim, 25. März. Bei einem im hiesigen Walde ausgebrochenen Schadenfeuer fielen annähernd 2—300 Morgen Holzbestand dem verheerenden Element zum Opfer. Am meisten geschädigt ist die Gemeinde durch Vernichtung einer 15jährigen Kiefernkultur. * Köln, 26. März. Die meisten ober= und mittelrheinischen Nebenflüsse führen infolge der starken Schneeschmelze Hochwasser. Die Sieg überschwemmt weite Gebiete. Bei Brabach erfaßte die Flut einen vierjährigen Knaben und führte ihn vor den Augen der Angehörigen hinweg. Die Leiche wurde später gelandet. Die hochgehende Wupper zwingt erneut zahlreiche tiefgelegene industrielle Werke, ihren Betrieb einzustellen. Die Lenne führt gleichfalls Hochwasser. Da noch meterhoher Schnee in den Bergen liegt, so rechnen die Anwohner mit dem Eintritt einer neuen Katastrophe. * M.=Gladbach, 26. März. Mit Erpresserbriefen, welche Die schwarze Hand“ unterzeichnet waren, ist hier bekanntlich in letzter Zeit vielfach Unfug getrieben worden. Vor der Strafkammer stand jetzt sogar ein Dienstmädchen, die jugendliche Sofie Roeben, die es auch einmal mit einer solchen Erpressung hatte versuchen wollen. Ihrem Dienstherrn, dem Buchdruckereibesitzer Kühlen von hier, stahl sie 150 Mark bar. Um den Verdacht von sich abzuwälzen, legte sie einige silberne Gabeln und Löffel auf die Treppe und einen Brief in den Hausflur, worin ihr Dienstherr aufgefordert wurde, am nächsten Tage 100 Mark an die Haustür zu legen, widrigenfalls „Die schwarze Hand“ ihn töten würde. Die Angeklagte, die geständig war, wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. als auch auf dem Zuschauerraum=Platze statt. Der Verein macht noch auf die rechtzeitige Lösung der Jahreskarten merksam. Die Inhaber dieser Karten haben freien Zutritt an sämtlichen Renntagen dieses Jahres; der Preis beträgt für die erste Tribüne 20 Mark und für die zweite Tribüne 15 Mark. Konfirmation. Kleine Chronik. Unterschlagungen. In Württemberg wurden in drei amtlichen Kassen größere Unterschlagungen entdeckt. Einer der ungetreuen Kassierer nahm sich das Leben, der zweite entfloh, der dritte ist krank. Dem vielgenannten Wunder=Doktor Schäfer Ast in Radbruch ist nun auch einmal etwas Menschliches von Spitzbuben widerfahren, die ihm seinen baren vorhandenen Geldvorrat von 15000 Mark stahlen. Ast gilt längst als reicher Mann. In der Augen=Klinik der Berliner Charitee sollen die Erreger der ägyptischen Augenkrankheit gefunden worden sein. Der große Prozeß gegen den Berliner Bankier Friedberg, diesen Allerwelts=Glücksbringer, durch den viele kleine Sparer geschädigt sind, hat gestern begonnen. Für die Verhandlungen sind zwei Wochen in Aussicht genommen worden. Bestialische Mordtat. Bei Trautenau schlug ein nicht geistig normaler junger Mensch seinen Vater nieder, schnitt ihm den Kopf ab und zündete das Haus an. Dann ging er zum Schnaps. Er wurde in der Kneipe verhaftet. Je eleganter, umso verdächtiger, das scheint bald für die Verhältnisse an der französischen Riviera zu passen. Nachdem letzthin wiederholt elegante Diebesbanden aufgehoben sind, ist jetzt in einem Nizzaer Luxuszuge eine steinreiche Dame wegen Vergehens gegen fremdes Eigentum(Banknoten=Entwendung) festgenommen worden. Man würde bald von einer„gemischten Gesellschaft" dort unten reden können, wenn man dies nicht schon lange täte. Zu Ostern gibt es in und um die Grabeskirche in Jerusalem bekanntlich alljährlich blutige Raufereien unter den Pilgern der verschiedenen christlichen Konfessionen, so daß oft die türkischen Wachen einschreiten und Ruhe stiften müssen. Bei einem Handgemenge zwischen Armeniern und Katholiken sind jetzt bereits zahlreiche Leute verwundet und getötet worden. Der Newyorker Polizei=Präsident hat entdeckt, daß unter seinen eigenen Leuten sich zahlreiche Erpresser befinden, die von Bewohnern der Stadt große Summen ergattert haben. Er forderte deshalb Mittel zur genauen Beobachtung dieser Zustände durch besondere Geheimpolizisten. Die Newyorker Stadtverwaltung lehnte die geforderte Summe ab. Sport. Dortmund. Der Dortmunder Rennverein hat für die am 4. und 12. April stattfindenden Rennen ca. 25000 Mark Geldund zwei Ehrenpreise ausgesetzt. Dieser Betrag ist gleichmäßig zur Hälfte auf die beiden Renntage verteilt. Gelaufen werden an jedem Tage sechs Rennen für Vollblut=Pferde; von den 12 Rennen sind drei Flach= und 9 Jagd=Rennen. In allen Rennen ist der niedrigste Preis mindestens 1200 Mark. Der Betrieb des öffentlichen Totalisators findet sowohl auf den Tribünen, WEEEE Schicksalsgenossen. Roman von G. Rosen. 37 „Sie sind dieses Herrn rechtmäßige Gattin und ihm gesetzlich vermählt?" befragte Dr. Schott Ella, ohne Bergners Worte beachten. „Ja, und ich kann die Beweise dafür erbringen. Der Geistliche, der uns nach Vorzeigung der standesamtlichen Genehmigung traute und die Zeugen der heiligen Handlung sind zur Stelle und hier sind die Papiere, die alles bescheinigen, erwiderte Ella, dem Anwalt einige Schriftstücke überreichend. „Möchten Sie uns erzählen, was später geschah?“ Mit vor Erregung zitternder Stimme berichtete Ella die traurige Geschichte ihres Lebens, von ihrer schweren Erkrankung, nachdem ihr Mann sie verleugnet und verlassen hatte und von der erschütternden Mitteilung, die sie, kaum genesen, von dem Tode ihres Kindes empfing. Als sie ihre Leiden bis zu dem Augenblick schilderte, in welchem sie den Beweis für die Rechtmäßigkeit ihrer Eheschließung mit Paul Bergner und die Gewißheit erhielt, daß ihr Kind noch lebe und als die Adoptivtochter ihres Schwagers und ihrer Schwägerin sich unter deren Schutz befinde, vermochten weder Dora noch Frau Martin ihre Tränen zurückzudrängen. Der Geistliche erhob sich, um seine Unterschrift unter dem ihm vorgelegten Trauschein zu prüfen und anzuerkennen, und er entsinne sich der Feierlichkeit um so deutlicher, als die Einsegnung jener Ehe seine erste Amtshandlung war. Auch Zeugnis des Standesamtes war unanfechtbar. Dann wurden Klaus und seine Frau vorgerufen. Paul Bergner warf einen vernichtenden Blick auf sie, er verz suchte zu sprechen, war aber außer stande, ein Wort hervorzuKlaus und Betty waren durch den Anwalt, der sie bereits wiederholt vernommen hatte, in so großer Angst, daß sie jetzt ohne Zögern alle ihre Beziehungen zu Paul Bergner und die in seinem Auftrag begangenen Verbrechen eingestanden. Während die Schiffersleute ihre Aussagen machten, wanderten Paul Bergners Augen von dem Gesicht seiner schönen Tochter zu dem des Bruders, den er in den Tagen des Unglücks herzlos verlassen hatte. Der Streik! Und wieder bringt das alte Leid Die alten Klagelieder: Alljährlich um die Frühlingszeit Kehrt auch die Streiklust wieder. Da sagt der sonst so tät'ge Mann: Was geht mich denn die Arbeit an; Ich bleibe jetzt zu Hause Und mache eine Pause! Man kann vom Streik wohl hie und da In allen Landen lesen; Doch was man jüngst in Frankreich sah, Ist noch nicht dagewesen. Der Streik, der in Paris begann, Nahm große Dimensionen an: Es streikten die gesamten Fernsprech= und Postbeamten! Der Sekretär, der Assistent, Beamte brav und bieder, Sie wurden nicht nur„resistent“. Sie legten gänzlich nieder. Es liefen schnellen Schritt's davon Die Damen auch vom Telephon, Und jeder Post=Verwalter Schloß streikend seinen Schalter! Dem Telegraphenamt entfloh'n, Die dort sonst eifrig saßen; Keck rief der kleinste Postillon: „Ich pfeife jetzt aufs„Blasen“!“ Also der„Schwager" blies nicht mehr, Es stockte Wandel und Verkehr, Es kam kein Geldbriefträger, Drum wuchs das Heer der Kläger! Kein Postbeamter stand mehr stramm, O schreckliche Entgleisung! Jin ganz Paris kein Telegramm, Nicht Brief, noch Postanweisung; Vom Ausland keine Nachricht mehr, Ob Krieg, ob Frieden rings umher! Und keine Kursberichte,— Verteufelte Geschichte! Zwar ließ der Herr Minister zieh'n Auf„Posten“ die Soldaten; Zwar sah man diese brav sich müh'n, Zu raten und zu— drahten! Und doch, trotz diesem Aufgebot, Kam Frankreich nicht aus seiner Not; Man rief:„Laßt Frieden walten! O kehrt zurück, Ihr Alten!“ Rückt wieder in das Arbeitsfeld, Vergnügt und unverdrossen, Sonst ist Paris von aller Welt Chinesisch abgeschlossen! Frau Mode sitzt betrübt zu Haus Und kann nicht in die Welt hinaus, Und Ihr verderbt der Dame Zum Frühjahr die Reklame! Drum kehrt zurück, Euch sei gewährt Subtilere Behandlung. Man hört's gerührt, der Streik erfährt Schon die gewünschte Wandlung! Und freudig klingt's nach West und Ost: Paris hat wieder seine Post! Und sie befördert weiter, Was man ihr schickt! Ernst Heiter. Es ist ein ernster Schritt und eine bedeutsame Wendung im Leben der meisten Kinder unseres Volkes, wenn sie zum Konfirmationsoltar treten. Die noch so jugendlichen und meist noch so unreifen Kinder werden von nun an mehr auf sich selbst gestellt und treten aus den schützenden, das Jugendleben umschirmenden Bollwerken heraus. Es sind drei starke Mächte, die das Kinderherz schützend umhegen. Hineingeboren wird das junge Leben in die Mauern des Elternhauses. Hier umfängt es die zarte Sorgfalt, lacht ihm der erste Sonnenschein der Liebe, hier wurzelt es fest und findet seinen besten Halt. Der Segen eines treuen Elternhauses prägt sich tief in die weiche, empfängliche Kindesseele ein.— Zum ersten Male berührt das junge Herz dann ein neuer Einfluß mit dem Eintritt in die Schule. Eine neue Lebensgemeinschaft umfängt das Kind im Kreise der Kameraden, und allmählich macht die Schulzucht ihre segensreichen Wirkungen geltend mit ihrer Gewöhnung zu regelmäßiger Ordnung und ernstem Pflichtgefühl, mit ihrer stillen, geräuschlosen Arbeit am Charakter und Gesichtskreis der jungen Menschenkinder. Es kann reicher Segen sein, der nachhaltig für das ganze Leben wirkt!— Und zu diesen beiden Mächten gesellt sich als dritte: die kirchliche Gemeinschaft. Seit der Tauffeier wirkt auch sie auf das junge Herz, wirbt um seine innerste Erschließung für das Höchste in Kindergottesdienst und Jugendlehre und schließlich im geordneten Konfirmanden=Unterricht. Sie will den höchsten Segen vermitteln: die Festigung der Seele im lebendigen Gott! Der Abschluß und die Krönung all“ dieser Jugendarbeit und Jugendzucht bringt der Konfirmationstag, gleich bedeutsam für Haus, Schule und Kirche! In geweihter Feier an heiliger Stätte soll noch einmal heilige, bleibende Saat ausgestreut, soll noch einmal tiefe Bewegung der Seele wachgerufen werden— ernst und eindrucksvoll!— Denn mit diesem Tage fallen für die Mehrzahl der Konfirmanden auf einmal jene sie bisher streng umhegenden Bollwerke, die Saaten sollen wachsen, die Zucht ihre Frucht bringen. Die junge Seele selbst fühlt sich auf einmal frei und blickt jauchzend in ein neues Land der Freiheit. An diesem Tage recht deutlich spüren Eltern und Erzieher, daß ihre Macht sehr beschränkt ist, und sinnend und sorgend blickt manch' Elternpaar auf das konfirmierte Kind. Wie wird es sich stellen, welchen Weg wird es gehen, nun, wo es nur noch gehalten wird durch das Bewußtsein eigener Verantwortung? Ja, es ist ein bedeutsamer Lebensschritt, der nur dann getrost unternommen werden kann, wenn die Fundamente im Herzen fest liegen. Je tiefer die Liebe der Familie, je gewissenhafter die Zucht der Schule, je heiliger der Ewigkeitsernst kirchlicher Arbeit das junge Herz ergriffen, umso fester wird es stehen, selbst verantwortlich im Kampfe des Lebens. Gott lasse diesen dreifachen Segen der Jugendzeit recht vielen über den Tag der Konfirmation hinaus folgen! Zeit und Welt. Eine britische Flagge hat der englische Südseeforscher Leutnant Shackleton auf dem südlichsten Punkte gegen den Pol hin, den er erreichte, gehißt, nämlich am 88. Grad südlicher Breite und 162. Grad östlicher Länge. Mit nur drei Männern war er von seinem Schiffe„Discovary“ aus bis hierher vorgedrungen, meist unter Benutzung eines Motorschlittens, streckenweise aber auch mit Hilfe von Pony's. Wiederholt mußten steile Eisgebirge überwunden werden. Eine zweite Expedition hatte den Erfolg, den magnetischen Südpol zu finden. Beide Expeditionen vereinigten sich am 4. März und trafen zum Beginn dieser Woche wieder in der Halbmondbai in Neuseeland ein. Leutnant Shackleton hofft auf seinem nächsten Zuge den Südpol selbst zu erreichen. Das bayerische, echte oder imitierte, Bier drängt alle die früheren berühmten Lokalbiere in den Hintergrund. Das hat selbst das Berliner Weißbier, das doch in der Riesenstadt einen großen Verehrerkreis hatte, in den letzten Jahren merken müssen; der Konsum ist gewaltig zurückgegangen. Demnächst soll nun auch die letzte Bernauer Bierbrauerei geschlossen werden. Das Bernauer Bier ist lange Jahrzehnte ein Lieblingsgetränk am preußischen Königshofe gewesen, besonders auch im TabaksKollegium Friedrich Wilhelms I. „Zugegeben, daß alles, was hier behauptet worden, wahr sei, was ich entschieden in Abrede stelle," rief Paul Bergner, als Dr. Schott fertig zu sein erklärte,„sehe ich nicht ein, weshalb diese Angelegenheit noch andere, als die unmittelbar Beteiligten, interessieren sollte. „Wenden wir uns einer zweiten Angelegenheit zu, die sich auf diesen jungen Mann, Herrn Otto Michels, und dessen Freund, Paul Helm bezieht.“ „Sie haben sich heute die Rechte des Hausherrn angemaßt, was kann ich kranker schwacher, Mann tun, als mich Ihrem Machtgebot unterordnen?“ seufzte Paul Bergner mit einer Stimme, die seine furchtbare Seelenqual verriet. „* Sie sagten mir vor einer Weile," fuhr Dr. Schott fort, „daß Sie Hugo Kamins Söhnchen dem in Ihrem Dienst stehenden Matrosen Hans Krämer anvertrauten. Welche Anweisungen gaben Sie dem Mann zur Zeit?“ „Es ist mir unmöglich, mich dessen noch zu erinnern. Mein Gemüt war damals durch den Verlust meiner Frau und meines Kindes so verstört, daß ich von den Vorgängen aus jenen Tagen nur dunkle Vorstellungen übrig behalten habe.“ „Gaben Sie Krämer Geld und sagten Sie ihm, daß er noch mehr erlangen könne, wenn er den kleinen Cäsar beiseite schaffe?“ „Das ist eine Lüge!" „Kam Krämer je zu Ihnen, um Ihnen zu erklären, er hätte es nicht über sich zu gewinnen vermocht, den Knaben zu töten und er lebe noch?“ „Nein, nein, nein!“ „Sagte er Ihnen, daß Paul Helm, ein in Ihrem Geschäft angestellter junger Mann, und Hugo Kamin, ein und dieselbe Person wären?" „Ja, aber Krämer hatte sich inzwischen so unzuverlässig erwiesen, daß ich seinen Worten so wenig Glauben schenkte, wie ich heute nicht das geringste Gewicht auf seine unwahrscheinlich, plump erfundene Geschichte lege.“ „Na, das wäre auch wunderbar, wenn ein so vornehmer Herr nicht zu leugnen versuchte, welche Schlechtigkeiten er auszuführen gesonnen war,“ brummte Krämer. „Solche Unverschämtheiten dulde ich nicht," brauste Bergner auf.„der Mensch muß augenblicklich mein Zimmer verlassen.“ Sie mieteten und bezahlten Leute, mich aus der Welt zu schaffen,“ knurrte Krämer mit einem bezeichnenden Blick auf Klaus und seine Frau,„aber obgleich sie Ihr Geld einsteckten, verrichteten sie die ihnen aufgetragene Arbeit nicht. Es ist gut für Sie, daß Anton Krug tot ist, die Toten reden nicht.“ Bei der Erwähnung dieses Namens sank Paul Bergner in sich zusammen. Regungslos, wie gebrochen saß er da. „Erzählen Sie uns von Ihren Beziehungen zu Herrn Paul Bergner," forderte Dr. Schott den Matrosen auf. Krämer berichtete, daß er vor dreiunddreißig Jahren bei dem Vater Roherts und Paul Bergners in Dienst getreten war, er schilderte die Umstände, unter welchen der kleine Kamin seiner Obhut anvertraut worden, daß er das Kind sehr bald kieb gewann, und statt es zu beseitigen, einige Jahre sich behielt, es später Klaus und seiner Frau übergab, bis das Bürschchen eines Tages verschwunden war. Der hübsche, aufgeweckte Junge hatte einen vornehmen Beschützer gefunden und kehrte erst wieder zu dem alten Klaus zurück, als er durch den Tod seines Wohltäters in Not geraten war.„Der hier anwesende junge Mann, bis jetzt unter dem Namen Otto Michels bekannt,“ schloß Krämer,„und mein ehemaliger Pflegebefohlener, sind ein und dieselbe Person, wie ich selbst unwiderleglich zu beweisen in der Lage bin, und worin Kapitän Martin mich mit seinem Zeugnis und die Angabe verbürgter Tatsachen zu unterstützen vermag." Kapitän Martin nickte bestätigend. Es wäre unmöglich, die Wirkung dieser Enthüllung auf Paul Bergner zu beschreiben. Er wollte sich aufrichten, aber die Kraft versagte ihm, ächzend sank er in seinen Sessel zurück. „Sie behaupteten noch vor wenigen Minuten, Paul Helm sei Hugo Kamins Sohn,“ rief er verwirrt. „Wenn ich es tat, sagte ich eine Lüge, Herr Bergner.“ „Kennen Sie Paul Helm, Krämer?“ fragte der Anwalt. „Ja, seit neunzehn Jahren. „Wo machten Sie seine Bekanntschaft?" „In einem kleinen Städtchen Englands, in das der Zufall mich verschlagen hatte. Bei den Schiffersleuten, bei welchen ich Quartier nahm, besand sich ein kleiner deutscher Junge, der Paul hieß, und den meine Gastfreunde in einer wilden Sturmnacht, einen Rettungsgürtel um den Leib geschnallt, aus dem Wasser gezogen hatten.“ 163.20 Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Von dem Führer durch die Reichsfinanzreform, der von der Vereinigung zur Förderung der Reichsfinanzreform in Hermann Hillgers Verlag, Berlin, herausgegeben wird, ist nunmehr auch der zweite Band(Pr. 60 Pfg.) erschienen. Wir finden hier vor allem eine zusammenhängende Darstellung der einzelnen Steuervorschläge der Regierung mit einigen Kommentaren, indessen ohne ausdrückliche Stellungnahme. Ein weiterer Abschnitt behandelt die Zukunftsaussichten der Reichssinanzreform. Als Anhang sind zwei Kapitel über die formelle Finanzverwaltung des Deutschen Reiches und über internationale Finanzvergleiche beigegeben. Acht Tafeln und graphische Darstellungen illustrieren mit packender Anschaulichkeit die Steigerung der Ausgaben und Einnahmen des Reiches, den Stand der Reichsschulden, die Wohlstandsentwicklung und Aehnliches. Ueber alle Fragen, die mit der Reichsfinanzreform in Beziehung stehen, bietet der Führer, der nunmehr abgeschlossen ist, gediegene, gemeinverständliche und unparteiische Aufklärung. Theater=Spielplan. 5 Aufzügen von Adolf L'Arronge.— Abends 7,30 Uhr:„Fatinitza". Operette in 3 Aufzügen von Franz von Suppé. Montag, 29. März, 7,30 Uhr:„2X2=5". Satyrspiel in vier Aufzügen von Gustav Wied. Dienstag, 30. März. 7,30 Uhr:„Romeo und Julia“, Große Oper in 1 Vorspiel und 5 Aufzügen von Charles Gounod. Mittwoch, 31. März, 7,30 Uhr:„Faust“. 1. Teil, 2. Tagewerk, in 5 Aufzügen von W. v. Goethe. Donnerstag, 1. April, 6,30 Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg“. In drei Aufzügen von Richard Wagner. Freitag, 2. April, 7,30 Uhr:„2X2=5“. Satyrspiel in vier Aufzügen von Gustav Wied. Sonnabend, 3. April, 7,30 Uhr:„Der Waffenschmied". Komische Oper mit Ballett in 3 Aufzügen von Albert Lortzing. Sonntag, 4. April, nachm. 3 Uhr:„Der Erbförster". Trauerspiel in 5 Aufzügen von Otto Ludwig.— Abends 7,30 Uhr: „Der Prophet". Große Oper mit Ballett in 5 Aufzügen von G. Meyerbeer. Städt. Schauspielhaus, Hagen. Sonnabend, 27. März: Keine Vorstellung. Sonntag, 28. März, nachm. 3,30 Uhr:„Der Vetter". Lustspiel in drei Aufzügen von Roderich Benedix.— Abends 8 Uhr: „Die Bluthochzeit“. Ein geschichtliches Trauerspiel in vier Akten von Albert Lindner. Stadttheater Barmen. Freitag, 26. März, 8 Uhr:„Der Trompeter von Säkkingen“. Romantische Oper in 1 Vorspiel und 3 Akten von V. Neßler. Samstag, 27. März, 8 Uhr:„Das Rheingold“, von R. Wagner. Sonntag, 28. März, vorm. 11 Uhr:„Der Kammersänger", von Frank Wedekind(drei Szenen).— Nachm. 3 Uhr: hörnte Siegfried“.(Siegfrieds Tod).— Abends 7 Uhr: „Kriemhilds Rache“. Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedr. Hebbel. Rontag, 29. Näy: Geschlosen. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 28. März: Veränderlich, sehr windig, milde. 29. März: Bedeckt, feucht, Niederschläge, windig. 30. März: Meist trübe, ziemlich warm, strichweise Regen. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas: Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte F E IE W srämlen, vos unübenrosener Gualich Pianos i ums Prissürdigtelt, leken ur droht an Private auch gegen Raten von 20 Mark an überall bin franke sur Prebs. Langjäbrige Garantie. Jahre verkauf über 1000 Instrumenee. Kataloge gratis und hrank Roth& Junius Basstars Hagen f. W. Ooschitrer 1561 jedem vortrefflich,— wenn nämlich Kathreiners Malzkaffee ganz genau nach der praktisch erprobten Kochvorschrift gemacht wird; sie steht auf jedem Paket. Richtig zubereitet ist Kathreiners Malzkaffee das Lieblingsgetränk von Alt und Jung. Mächen—[Dortmunder Renn=Verein. Frage: zum haldigen Eintritt gesucht..! Wer liefert billigstfranz. Bordea zum bawbigen Emm Be##a. Frau Carl Wolf, Hörderstr. 45. Wohnung von 2 eventl. 3 Zimmern zum 1. April zu vermieten. 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Vortrag: „Die innerpolitische Lage“ (Herr Parteisekretär Dr. Hugo, Dortmund.) Auch die Mitglieder der nationalen Wahlv=reine in Schwerte, Holzen, Hörde 2c. sind freundlichst eingeladen. 1522 J. 2: Max Lohmann, Westhofen. Als letzten Punkt der Tagesordnung mußte Kollegium einen der Gaskasse schuldenden Betrag von 10,52 Mark niederschlagen, da bei dem Betreffenden„nichts zu holen“ sei. Der Herr Bürgermeister teilte dann noch mit, daß der kürzlich gefaßte Beschluß des Kollegiums, durch Ortsstatut die Zahl der Stadtverordneten auf 18 festzusetzen, die Genehmigung des Bezirksausschusses gefunden habe. Auf die öffentliche Sitzung folgte noch eine geheime. Letzte Drahtmeldungen. Der neue Block stimmt ab. Berlin, 27. März. In der Finanz=Kommission des Reichstags ist die Entscheidung über die neue Gestaltung der Branntweinsteuer von den Konservativen, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Zentrumspartei herbeigeführt worden. Mit 16 gegen 12 Stimmen ist beschlossen, daß die sogen.„Liebesgabe“ dauernd 20 Mark betragen soll. Dagegen stimmten Freikonservative, Nationalliberale, Freisinnige, Sozialdemokraten. Die Mehrheits=Parteien in der Kommission haben auch eine Mehrheit im Reichstage selbst, allerdings nur von fünf Stimmen. Danach scheint die dauernde Sprengung des alten Blocks besiegelt zu sein. Umschwung der russischen Politik. Petersburg, 27. März. Auf Grund von Mitteilungen von informiertester Stelle ist der Korrespondent einer Berliner Zeitung in der Lage, die ungewöhnlichen Vorgänge zu schildern, die dem Umschwung der russischen Politik in der Frage der Anerkennung der Annexion Bosniens vorangingen. Die englische Note, die Iswolski riet, die Annexion sofort anzuerkennen, war schon bemerkenswert durch die Festsetzung einer Frist von achtundvierzig Stunden für die Beantwortung. Dadurch erhielt die Note förmlich den Charakter eines freundschaftlichen Ultimatums. Geradezu unerhört war aber der mündliche Kommentar, mit dem der englische Botschafter Nivolson die Note überreichte und im schärfsten Tone Iswolski begreiflich machte, daß man ihn persönlich für das Kommende verantwortlich machen werde, wenn durch sein rückhaltiges Benehmen die Gefahr eines großen europäischen Krieges entstehen würde. Darauf gab Iswolski, der den Eindruck völliger Gebrochenheit und Bestürzung machte, nach. Iswolski's Stellung gilt als erschüttert. Serbien nimmt Vernunft an. Belgrad, 27. März. Die Nachricht von der Anerkennung Bosniens und der Herzegowina seitens Rußlands hat in Belgrad die letzten Hoffnungen, welche schon durch die Abdankung des Kronprinzen scharf erschüttert waren, zunichte gemacht. Selbst die überzeugtesten Optimisten, die der Erfolge der serbischen Sache sicher waren, sind vollkommen niedergeschlagen. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß die Großmächte das serbische Volk endgültig auf Gnade und Ungnade Oesterreich=Ungarn ausgeliefert haben. Vom serbischen Kronprinzen. Belgrad, 27. März. Die im Ausland verbreiteten Gerüchte, daß der Kronprinz geflüchtet sei, sind unbegründet; er weilt in seinem Palais. Belgrad, 27. März. Gerüchtweise verlautet, daß es dem Könige gelungen sei, den Kronprinzen zu bestimmen, nicht auf seinem Verzicht zu bestehen, da dazu kein sachlicher Grund vorliege. Prag, 27. März. In der Wohnung des ehemaligen serbischen Försters Hezniy fand eine polizeiliche Haussuchung statt. Zwei Briefe des serbischen Kronprinzen wurden beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Dynamitattentat auf die Belgrader Brücke. Wien, 27. März. Wie aus Semlin gemeldet wird, wurde auf die Artillerieposition der Eisenbahnbrücke, die nach Belgrad führt, ein Dynamitattentat versucht, welches jedoch durch die Wachsamkeit der Posten vereitelt worden ist. Schweres Eisenbahn=Unglück. Budapest, 27. März. Auf der Strecke Agram=Fiume geriet zwischen den Stationen Josipdal und Tonnj gestern Nacht infolge starken Gefälles ein gemischter Zug ins Rollen. Eine Kuppelung riß, und die hinteren Wagen stürzten mit voller Wucht auf die vorderen. 22 Waggons sind zertrümmert, zahlreiche Passagiere tot und verwundet. Dynamit=Explosion. Kattowitz, 27. März. Eine Dynamitexplosion richtete auf der Klofatgrube in Kattowitz große Verwüstungen an. Mehrere Häuser wurden verwüstet. Ein Steiger und viele Bergleute wurden schwer verletzt, einer tödlich. Opfer der Berge. München, 27. März. Vier Studenten, die eine Skitour in die Silorettagruppe unternahmen, werden vermißt. Eine Rettungs=Expedition ist auf der Suche nach ihnen begriffen. WeinsergS Haustaltung-Kultt. s per Pfund ist unerreicht in Geschmack und Aroma. Verlangen Sie gefl. Zugabebou# Am 25. März starb unser Freund und Kollege Nachrul. 1576 Brautpaar sucht per 1. Mai oder später Wohnung von 3 Zimmern in besserem Hause. 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Sonntag, den 28. März 1909, vorm. 10 Uhr: Predigtgottesdienst, nachm. 2 Uhr: Prüfung der diesjährigen Konfirmanden. Gottesdienst der katholischen Pfarrkirche. Sonntag, den 28. März. Passionssonntag. Beginnn der österlichen Zeit. Vormittags:„„, Nur. Eesmet 6½ Uhr: Stille hl. Messe. Pf. Schnurbus. 7 Uhr: Frühmesse m. Predigt. Dr. Rensing. Gemeinschaftl. hl. Oster=Kommunion des Marien=Vereins. 9 Uhr: Schulmesse m. Predigt. 10¼ Uhr: Hochamt mit Predigt. Kapl. Rieke. 2½ Uhr: Kreuzwegandacht. 5 Uhr: Andacht f. d. Pfarr=CäcillenVerein. 6 Uhr. Fesversammlung. grühmesse Biher Gähdiker Lichtendorf. ½8 Uhr: Frühmesse, Emat Bobviner: r: Andach Stuttgarter gestrickte werden seit Jahren aus garantiert reiner Wolle ohne jede Belmischung hergestellt von der Tricotkleiderfabrik Stuttgart, M. Emminger. Alleinverkauf: Geschwister Becker = Schwerte.= Restaurant Gahrensmauu, = Geisecke.— Sonntag, den 28. März 1909: Theatralische Unterhaltung Motto: Wollt Ihr Euch mal amüsieren, Tut Euch durchaus nicht genieren, Laufe, wer nur laufen kann, Nach Fritz Bährensmann, Geisecke. Anfang 4 Uhr für Kinder. Nachdem permanent für Erwachsene. Entree 25 Pfg. in extra schwerer Qualiät 26 cm 65 28 cm 75 Pfg. 30 cm 85 Pfg. empfiehlt 1597## L. Wenberg Magnum bonum Up to date Industrie Paulsens Juli Rosen Perle von Erfurt empfiehlt in ring= und kräuselkrankheitsfreier Ware 16039 Proben sind eingetroffen. Bestellungen erbitte frühzeitig. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt 2 Uh.#t gestreift Leinen u Normal-Trikot 70X 140 80x 185 90x 190 100 X 200 cm Prode Prei unds 80d 9oo 10.00 1150 4. Hormal-frkot Spei 40880 COB-OSOgo Go8en sozgen Steppdecke Unterbetten Pezweitzitong'it 11 50 18.60 20.76 23.50„ Kopfkissen gülilngit Krolbeer-) 3.25 600 8.50 11.50 13.00“ 4e von 3.75 bis 47.50 Räumungs-Verkaufs“ wegen Abbruch u. 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März 1909 Der Königliche Landrat des Kreises Hörde. Luckhaus. Bekanntmachung. Auf Grund des§ 21 Abs. 5 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907(G.=S. S. 207) wird hiermit im Anschluß an die Bekanntmachung vom 22. v. Mts. bekannt gemacht, daß die öffentlich meistbietende Verpachtung der Jagänutzung in dem Jagdbezirk der aus ders Gemeinde Wichlinghofen bestehenden Jagdgenossenschaft am Sonnabend, den 17. April 1909,— nachmittags 51 Uhr, Wichlinghofen, Eden 20. März)1909. Der Jagdvorsteher.#n Huntermann, Gemeindevorsteher. Kinematograph Reichskrone. Programm: 1594 vom 26. März bis 1. April 1909. Tilly Bébee, die Löwenbraut, mit ihren wilden Zöglingen. „Die Hexe von Sevilla. I Spannendes Drama aus dem Mittelalter Der Sohn des Zollwächters. Drama. Durch's Telephon gehört. Außerordentlich spannend. Der weiße Neger. Humoristisch. Schutzmann wider Willen. Humoristisch. Das moderne Orakel. Originelle Trickszene. En. Kanderungen in Progranm vorbehalten. Täglich ununterbrochene Vorstellung. Wochent. 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Ach! ich liebte ihn ja so sehr! Doch in diesem Augenblick, da ich fast schon unterliegen wollte, vernahm ich wie aus weiter Ferne eine Stimme, die Stimme meiner sterbenden Mutter, ihren letzten Mahnspruch an uns: „Liebet euch untereinander, so wie ich euch geliebt habe von erster Stunde an,“ und gleichzeitig tauchte das arme, entstellte Gesicht meiner Schwester vor mir auf. Nein, ich durfte sie in ihrem Elend nicht verlassen. Mein Glück an der Seite dieses Mannes würde ihr Tod sein. —— Mein Entschluß war gefaßt. Sanft drängte ich den Knienden von mir zurück. „Auf morgen!“ sagte ich, indem ich mich gewaltsam zur Ruhe zwang,„ich werde Ihnen meine Antwort schreiben. Sie müssen jetzt gehen. Meine Schwester kann jede Minute zurückkehren.“ Er stand hastig auf. In seinem schönen Gesicht lag ein Ausdruck von Glück und Hoffnung, der mein armes Herz wie mit tausend Messern zerschnitt. War er doch meiner Gegenliebe gewiß! Was konnte uns da noch trennen?—— Noch einmal beugte er sich zu mir herab, um einen leisen Kuß auf meine Stirn zu drücken. Dann wiederholte er ahnungslos„Auf morgen!“ und verließ mich.—— Ich hörte ihn fortgehen, die Treppe hinunter, ich vernahm das Aufschließen der Tür, nun erklangen seine festen Schritte auf der Straße. Danach ward es still und— für immer still auch in meinem Leben. Der letzte Tag des alten Jahres ist vergangen. Zwölf dumpfe Schläge vom Kirchturm durchzittern die klare Winterluft und verkünden den Beginn des neuen Jahres. Sie rütteln mich aus den Träumen der Vergangenheit empor. Und jetzt tönt auch die Stimme meiner geliebten Schwester aus dem Krankenzimmer, die in zärtlichen, sehnsüchtigen Lauten meinen Namen ruft. Indem ich zu dem Bett der teuren Kranken eile, gedenke ich wieder der letzten Mutterworte, die die Richtschnur meines Lebens gewesen sind und mir Kraft gegeben haben, mein eigenes Glück zu opfern:„Liebet euch untereinander, so wie ich euch geliebt habe von erster Stunde an!“ * Der teure Der alte Hannes, der Pedell an einem Gymnasium Mitteldeutschlands, hatte einen Hund, den er sehr lieb hatte.„Flockchen“, ein häßlicher, struppiger Fixköter, hatte von den Schülern der Oberklasse den schönen Namen„kompttmierte Hundeausstellung" erhalten, und sie machten sich oft über die große Liebe des Alten zu dem scheußlichen Hundevieh lustig. „Lache Se nor,“ pflegte Hannes bei solchen Gelegenheiten zu sagen,„lache Se nor, ich deht mein Flock net for zwanzig Mark hergewwe.“ Auf diese oft wiederholte Aeußerung hin beschlossen die jungen Leute eines Tages, den Alten auf die Probe zu stellen. Sie sammelten in ihren Klassen zwanzig Maik, und als sie durch ihre Neckereien Hannes einmal wieder dahin gebracht hatten, den bekannten Ausspruch zu tun, erklärte einer der Schüler: „Ich glaube wirklich, Sie haben recht, Hannes. Wenn Flockchen auch ein Fix ist, so ist er doch ein treues Tier. Ich möchte ihn kaufen. Hier sind zwanzig Mark, vielleicht entschließen Sie sich doch.“ Mit diesen Worten zählte er das Geld auf einen Tisch auf. „Nein, junger Herr," versetzte der Alte,„wie gesagt, for zwanzig Mark gebb’ ich des liewe Dierche net her. Awwer—“ mit ernster Miene suchte er in seiner Westentasche, legte dann eine halbe Mark auf den Tisch und strich das aufgezählte Geld ein—„ich habb’ nie gesagt, daß ich en net for neunzehn Mark fufzig verkaafe deht. Also der Hund geheert Ihne.“ Napoleon I. auf den Pfaden Harnn al Rischids. Eine hübsche Anckdote ging unlängst wieder durch die Pariser Blätter, die Napoleon I. in der Rolle des weisen Haiun al Raschids zeigt, wie er inkognito durch die Straßen von Paris wandert und die Stimmung des Volkes erforscht. Eines Tages war er mit Duroc auf einer solchen Wanderung in einem bescheidenen Café eingekehrt und hatte mit ihm das Frühstück eingenommen, als beide bemerkten, das sie kein Geld bei sich hatten. Was tun? Die beiden einfach gekleideten Leute wurden mit Mißtrauen betrachtet, und als Duroc sich an die Wirtin wandte und die ältliche Dame bat, sich mit der Bezahlung zu gedulden, stieß er auf starken Widerstand und mußte sich anhören, wie sie über alle Zechpreller und Schwindler zu schimpfen anfing und die Polizei herbeizuholen drohte. Napoleon und Duroc sind in gelinder Verzweiflung. Um, 14 Fr. also— soviel betrug die Rechnung für ihr Frühstück— sollten sie ihr Inkognito aufgeben. Da mischte sich noch im letzten Augenblick der Kellner hinein. „Meiner Treu,“ meinte er,„die beiden Herren sehen gar nicht übel aus; sie machen ganz den Eindruck, wie wenn sie ehrliche Leute wären, und ich will für sie die 14 Fr. bezahlen Täusche ich mich, nun dann ist's mein Schade; ich werde davon nicht arm werd n!“. Und er bezahlte die Rechnung. Ein Stunde später erschien Duroc wieder und fragte zum großen Erstaunen der Besitzerin und all der andern Kellner, die sich über die edle Handlung des großherzigen„Gargons“ bereits weidlich lustig gemacht hatten, die Dame:„Wieviel kostet Ihr Kaffeehaus?“ „Jedenfalls mehr als 14 Fr.,“ war die spitze Antwort, die erhielt.„Nennen Sie mir nur ruhig die ganze Summe.“„Nun denn, 30000 Fr. und nicht einen Sou weniger.“„Hier sind sie,“ sagte Duroc, indem er das Geld auf den Tisch legte. Auftrage meines Begleiters schenke ich das Kaffeehaus Ihrem Kellner, zum Dank dafür, daß er Zutrauen zu uns gehabt hat.“„Und Ihr Begleiter war...?“„Der Kaiser..!“ Humor. Die Wahrheit.„Herr Borger hat sich wohl viel Mühe um die reiche Erbin geben müssen?" „Turchaus nicht, er hat ihr einfach die Wahrheit gesagt.“ „Er hat ihr die Versicherung gegeben, er könne nicht ohne sie leben.“ Scheußlich. Peter:„Warum steigst de dann net mehr im„Goldene Hahne" ab, Adam?“ Adam:„Des will ich der soge, Peter. Wie ich's letzte Mol dort wor, da hammer vorm Schlofegehn en gute Grog getrunke, unn wie ich ins Bett gange bin, da hawwe se mer en Krug mitgewwe. Nadierlich denk' ich, es ist Grog drin, unn was maanste, wos drin wor? Haaß Wasser. Scheußlich, net?“ * Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 73. Sonnabend, den 27. März 1909. operiert werden sollte und daß Eile not tat. Der Herr Generalarzt aus Koblenz wollte auch nicht einen Tag länger warten.“ „Wissen Sie irgend etwas über den Inhalt des Testamentes? Wird das vorige dadurch aufgehoben, oder handelt es sich nur um einen Nachtrag?“ „Während der Abfassung war nur der Herr Oberst zugegen. Die Unterschrift haben die beiden Herren Aerzte beglaubigt.“ „Sie verstehen aber doch sonst, wo es sich um Ihren Vorteil handelt, ganz gut an der Tür zu lauschen!“ „Herr Hauptmann, seien Sie gerecht! Das ganze Haus war auf den Beinen. Im Vorzimmer nebenan stand die Dienerschaft, im Schlafzimmer waren die Frauen versammelt, es war eben ausgeschlossen, beim besten Willen!“ „Ich will's glauben. Sie wissen ja selbst, was für Sie auf dem Spiele steht." „Gewiß, Herr Hauptmann. Sie können sich auf mich verlassen!" „Das war am Tage der Testamentsaufnahme. Wissen Sie, wo das Dokument deponiert ist?" „Sicher nicht. Aber ich glaube, im Amtszimmer des Herrn Obersten.“ „Weshaib„glauben“ Sie das?“ „Sehen Sie, Herr Hauptmann, bei der Testamentsaufnahme konnte ich nicht horchen, aber nachher, bei den Besuchen, die der Herr Oberst dem Herrn Geheimrat machte——“ „So? Hat er ihn wiederholt besucht?“ „Beinahe alle Tage, ausgenommen die Zeit, wo er nach London gereist war.“ „Nach London? Er verreist doch sonst fast nie. Was hat er denn in London zu suchen?“ „Genau weiß ich das nicht. Denn es war immer schwer zu hören. weil sie die Gartenfenster offen hatten.“ „Esel, da hätten Sie unter den Gartenfenstern horchen sollen!“ „Das ging nicht, Herr Hauptmann. Da lag immer Obersts Nero, und der kann mich, wie Sie wissen, nicht leiden und bellt, so wie er mich sieht.“ „Und in Schloß Eichkamp wußte man auch nichts über den Zweck der Reise?" „Nicht ein Sterbenswörtchen. Da weiß ich noch mehr, denn ich glaube, sie hängt ebenfalls mit dem Testament zusammen.“ „Aber Mensch, so reden Sie doch! Sie gehen ja wie die Katze um den heißen Brei herum!“ Bergmann warf einen verstohlenen, zugleich furchtsamen und doch triumphierenden Blick auf den Hauptmann und fuhr fort: „Es war nämlich immer von dem Herrn Werner die Rede und von einem Brief, den sie aus England erwarteten. Ich glaube, von einem Herrn Thomas Norson „Doch nicht etwa von Thomson u. Morris?" rief der Hauptmann. „Ja, das war der Name,“ entgegnete Bergmann mit lauerndem Blick. Der Hauptmann ließ die Faust schwer auf den Tisch fallen und sank förmlich zusammen. „Nehmen Sie sich zusammen, gnädiger Herr,“ sagte Bergmann.„Die Leute könnten sonst aufmerksam auf uns werden.“ Der Hauptmann gab sich einen Ruck, goß ein Glas Wein hinunter und fragte: „Weshalb glauben Sie, daß das Testament sich noch in den Händen des Obersten befindet?“ „Weil davon die Rede war, ob man das erste Testament nicht vom Gericht unter Einreichung des neuen zurückfordern solle und die Herren sich entschlossen, es nicht zu tun, weil es Ihnen zu Ohren kommen Zönne: Der Hauptmann saß einige Minuten schweigend da. Dann wendete er sich an seinen Genossen und fragte: „Hören Sie, Bergmann, würde Ihnen viel daran liegen, den Wechsel mit der gefälschten Unterschrift in Ihre Hände zu bekommen?“ „Ach, gnädiger Herr, wenn das möglich wäre!“ „Es ist möglich. Ich bin bereit, ihn gegen das zweite Testament auszutauschen.“ „Das habe ich aber doch nicht in Händen! Wie soll es denn in meinen Besitz gelangen?“ „Das ist Ihre Sache und geht mich nichts an.“ „Es ist unmöglich, gnädiger Herr! Das wäre ja ein Verbrechen!" „Tun Sie doch nicht, als ob Sie so gewissenhaft wären und nicht sehr gut mit Nachschlüsseln umzugehen wüßten.“. 16s K. Bt u. 66584 „Ich kann es unmöglich! Es ist zu gefährlich!" ächzte Bergmann. „Nun wohl,“ entgegnete der Hauptmann,„wenn Sie den Wechsel nicht brauchen, brauche ich ihn auch nicht mehr und werde ihn noch heut dem Staatsanwalt übermitteln.“ „Wollen Sie mich unglücklich machen, gnädiger Herr?“ „Durchaus nicht. Ich habe Ihnen ja gesagt, auf welche Weise Sie das für Sie so kostbare Dokument erwerben können." „Aber es ist ja unmöglich! Der Nero schläft in dem Amtszimmer und würde mich, wenn ich wirklich die Tür öffnete, zerreißen.“ „Als ob Sie nicht wüßten, wie man einen bissigen Hund stillmachen kann!" „Aber es wird dem Täter nachgeforscht werden, man kann mich in der Nacht in der Nähe des Schlosses bemerken, und dann, Herr Hauptmann, wäre nicht nur ich, sondern auch Sie verloren!“ Der Hauptmann zuckte zusammen.„Unsinn,“ rief er,„niemand würde glauben, daß ich Sie angestiftet hätte. Aber ich will ein übriges tun. Bringen Sie mir in spätestens einer Woche das Testament, so sollen Sie noch 10000 Mark dazu haben, damit Sie über den großen Teich hinüberduften können.“ „Das reicht nicht, gnädiger Herr. Ich muß doch einen ordentlichen Anfang machen können.“ „Nun gut,“ entgegnete der Hauptmann,„Sie sollen das Doppelte haben, wenn Sie mir das Testament schaffen. Dann erhalten Sie aber den Wechsel nicht. Den behalte ich als Sicherheit, damit Sie, wenn Sie drüben das Geld durchgebracht haben, nicht wieder hierherkommen und mir Daumschrauben ansetzen.“ „Ich bin's zufrieden,“ sagte Bergmann,„denn in Amerika wechsle ich doch den Namen. Wo aber treffe ich mit Ihnen zusammen, gnädiger Herr, wenn ich das Testament habe? Ich muß die Gelegenheit dazu abpassen und alles so einrichten, daß mein Fortbleiben nicht auffällt, sondern den Anschein einer längeren Geschäftsreise hat.“ „Ganz recht. Das kann Ihnen ja auch als dem Verwalter der Güter meines Schwiegervaters nicht schwer werden. Am besten scheint es mir, wenn wir uns ebensowenig als heut in meinem Gasthof treffen. Ich werde zwar einstweilen hierbleiben: Sie aber schreiben mir, sobald Sie das Testament haben, wann Sie abfahren und auf welcher Zwischenstation wir uns treffen. Oder noch besser, Sie telegraphieren mir. Dann können Sie unmittelbar nach der entscheidenden Nacht Ihre Reise antreten.“ „So wird die Sache sich machen lassen. Ich hoffe, Ihnen schon in vier, längstens fünf Tagen die Depesche senden zu können.“ (Fortsetzung folgt.) .„Mt M“ ui iic„ahauu“ nog ue u H tt a c g hung„i Mce. 90 Denkspruch. Begeisterung ist darum so schätzbar, weil sie der menschlichen Seele die Kraft einflößt, ihre schönlten Anstrengungen zu machen und fortzusetzen. Smiles. stillem Winkel. Erinnerungen einer Einsamen. Von Klara Voigt. (Schluß.)(Nachdruck verv#. n.) Da trat das Verhängnis ein. Unvorhergesehen wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf es die arme Braut und uns alle. Acht Wochen vor der Hochzeit erkrankte meine geliebte Schwester plötzlich an den „schwarzen Pocken“. Einzelfälle der furchtbaren Krankheit waren zu derselben Zeit auch sonst in unserem Städtchen vorgekommen. Als die Gefahr überwunden und sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war ihr einst so liebliches Antlitz von Narben zerrissen und entstellt. Beim ersten Blick in den Spiegel wußte sie, wie sich ihr Schicksal nun wenden müßte. Nach schweren, inneren Kämpfen schrieb sie an den Mann ihrer Liebe, daß sie unter den jetzigen Verhältnissen nie seine Gattin werden könnte. Ihr klardenkender Sinn und scharfer Verstand erkannten nur allzugut, daß ein Mann, der ein Weib einst schön gesehen und um dieser Schönheit willen geliebt hat, niemals über die Entstellung ihres Aeußeren hinwegkommen würde, selbst wenn er aus Ehrenhaftigkeit sein einmal gegebenes Wort hielle. Am nächsten Tage kam Kurt Verino, der während der Krankheit seiner Braut immer die herrlichsten Blumen gesandt hatte, in unser Haus. Den Brief hielt er in seiner Hand. Sein Gesicht war sehr bleich, als er mich nach meiner Schwester fragte.„Es ist nicht möglich, daß dieser Brief ihr Ernst sein kann!“ setzte er hinzu. Dann verlangte er sie zu sprechen. Die Unglückliche hatte sich in ihr Zimmer eingeschlossen und wollte ihn nicht mehr sehen.—— Während ich ihm das mitteilte, vermochte ich meine Tränen nicht zurückzuhalten. Er sah mich erschüttert an. „Ist es denn so schlimm?“ fragte er mit stockender Stimme.„Wird es nicht wieder besser werden? Hat der Arzt keine Hoffnung gegeben, daß sie ihre frühere Schönheit zurückerhält?“ Als ich trostlos schwieg, wußte er genug. „Und dennoch würde ich nie so ehrlos sein, ihr jetzt ihr Wort zurückzugeben! Sagen Sie ihr dies, bitte, und daß ich hoffe, sie wird noch wieder anderen Sinnes werden.“ Er reichte mir die Hand und ging hastig fort. Meine Schwester blieb bei ihrer Weigerung. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, sie umzustimmen, gab ihr Kurt das Wort zurück. Bald darauf verreiste er für längere Zeit, ohne sie seit ihrer Krankheit wiedergesehen zu haben. In den ersten Monaten ging AnneMarie überhaupt nicht aus und dann nur tiefverschleiert. Sie litt entsetzlich, wenn sie auch selten darüber sprach, ich wußte, daß sie ihre Nächte schlaflos verbrachte und sich im Schmerz über ihr grausames Geschick verzehrte. Aus jener Zeit stammte auch das schwere Herzleiden, dem sie später böllig zum Opfer fiel.—— Es war bereits Herbst geworden, als meine Schwester von einem Spaziergang heimkehrte. Der erste Blick auf ihr todblasses, schmerzverzerrtes Gesicht sagte mir, daß sie ihren einstigen Verlobten wiedergesehen hatte. Draußen in den einsamen Anlagen war es gewesen. In der sicheren Voraussetzung, hier keinem Menschen zu begegnen, hatte sie ihren Schleier zurückgeschlagen. Da war er, den sie noch in der Ferne glaubte, ihr plötzlich aus einem der Seitenwege entgegengetreten... O Gott, das Wiedersehen! Der Ausdruck des Entsetzens, mit dem er sie ein paar flüchtige Sekunden angeschaut! Entsetzen in diesen Augen, die einst voll Bewunderung an ihrer Schönheit hingen! Das war der bitterste Tropfen in ihrem Leidenskelch gewesen.—— Wie er sich dann gewaltsam zusammengerafft, um sie zu grüßen und einige Worte an sie zu richten, war sie geflohen.—— Von jenem Tage an ging meine Schwester nur noch abends aus. Wieder war es Silvester geworden. Anne=Marie war dichtverschleiert in Begleitung unserer Verwandten in den Abendgottesdienst gegangen. Mich fesselte eine leichte Erkältung ans Haus. Als ich allein in unserem Stübchen saß, dachte ich an meine letzte Begegnung mit Kurt Verino zurück. Auf einer Besorgung in der Stadt hatte ich ihn kürzlich getroffen. Mit einem Ausdruck, den ich mir nicht enträtseln konnte, hatten seine Blicke auf meinem Antlitz geruht. Suchte er die Züge der längst Verlorenen, vielleicht noch Geliebten in meinem Gesicht? Warum schaute er mich seit einiger Zeit immer so prüfend an?— Ein helles Klingeln an der Korridortür schreckte mich aus meinen Träumen jäh empor. Ich eilte zu öffnen, verwundert, wer noch in so später Stunde bei uns Einlaß begehrte. Da stand Kurt vor mir im langen Mantel mit Schneeflocken bedeckt. Seine dunklen Augen suchten mit unverhohlener Glut die meinen.„Sie sind allein, Jeannette, ich weiß es, und ich mußte Sie heute noch sprechen, ich mußte es!“ Zitternd am ganzen Körper wich ich vor ihm zurück. Er sah das und fügte in weichem, beschwörendem Ton hinzu:„Warum fürchten Sie mich? Nur eine Frage will ich an Sie richten. Wenn ich das getan habe, gehe ich wieder.“ Dann stand er bereits in meinem Zimmer, ohne daß ich es hindern konnte, und sagte leidenschaftlich: „Jeannette, ich liebe Sie! Ich have Sie schon lange lieb gehabt, ohne daß ich mir klar darüber geworden bin, damals schon, als...“ „Und meine Schwester?“ unterbrach ich ihn mit zitternder Stimme,„das gestehen Sie mir an dem Abend, der Sie vor einem Jahr mit meiner Schwester vereinte! Wie ist es möglich, daß ein Mann so schnell vergessen kann!" „Höre mich an, Kind, bevor du den Stab über mich brichst! Deine Schwester war sehr schön, als wir uns nach langen Jahren wiedersahen, und aus ihren Blicken, ihrem ganzen Wesen sprach glühende Liebe und Hingabe. Du aber warst damals fast ein Kind noch, in deinen brennenden, schwarzen Augen lag trotzige Abwehr, deine Lippen schürzten sich stolz, wenn du mit mir sprachst, und dennoch hörte ich oft dein silberhelles Lachen, dein süßes Geplander noch aus unserer Kindheit zu mir herübertönen, und meine Seele hing, sich selbst unbewußt, an dir... Als ich mich mit deiner Schwester verlobte, glaubte ich sie zu lieben, aber es war nur ihre Schönheit und ihre innige Liebe zu mir, die meine Sinne gefangennahm und meiner Eitelkeit schmeichelte, mein Herz redete nicht. Weißt du noch, an unserm Verlobungsabend, als dein Gesichtchen so schneebleich war und deine Augen von vergossenen Tränen erzählten? Da erkannte ich plötzlich, als zerrisse ein Schleier vor meinen bisher blinden Blicken, daß auch du mich liebtest, und deine trotzige Abwehr nur jungfräuliche Sprödigkeit gewesen war! Doch da band mich bereits mein Wort als Ehrenmann. Nie hätte ich es gebrochen, nie hättest du von meiner erfahren, wenn nicht alles so gekommen wäre! Jetzt aber bin ich frei und fordere mein Lebensglück von dir. Willst du die Meine werden, Geliebte? Um dieser Frage willen bin ich hier.“ 246. Seine Leißen Lin Er lag zu meinen Füßen. Seine heißen Lippen bedeckten meine Hände mit ihren Küssen. Die Leiden