Anerüches Rrebolchr Keis Wortk! Mmmmeme ct murmrrrer Schwerter Volksbiatt Verbunden mit: General-Anzeiger für den Kreis Förde S Schwerter Volks-Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentsiche Gratis-Beilagen: 0„Illustrierter Familienkreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die„Schwerter währt ihren jeden mit Cca tall gemäss ungen Zeitung" geAbonnenten für endenden UnIhren BedingI. Unterstützung. Alie kreis- und lokalpoll zeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtso o o o o o verbindliche Kraft. o o c 0 C C Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-Guhr). Fernsprecher Nr. 62. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Rude. Erstes und altestes Cagesorgan des Kreises. S. haupt=Annoneenblan. Nr. 43. Sonnabend, den 20. Februar 1909. 41. Jahrg. Ausere heutige Ausgabe umsaßt mit dem täglichen Unterhaltungsblatt und dem„Illustrierten Familienfreund“ 20 Seiten! Ststes Krarr. Deutscher Keichstag. 211. Sitzung am 19. Februar, 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Weiterberatung des Antrages Albrecht und Genossen(Soz.), betr. Regelung des Vertragsverhältnisses zwischen ländlichen Arbeitern, sowie Gesinde und ihren Arbeitgebern. Abg. Arendt=Labian(l.), tritt dem Antrag entgegen, der im Wesentlichen doch nur bezwecke, Unzufriedenheit zu säen. Nicht die schlechte Lage der Landarbeiter sei Ursache der Landflucht, sondern vielmehr die Vergnügungssucht der Abwandernden. Daß die Arbeiter schlecht behandelt würden, sei unzutreffend. Seine Arbeiter seien seine Freunde, und er der ihre. Der Redner ist im Zusammenhang außerordentlich schwer zu verstehen, namentlich auch, weil die vor der Tribüne dicht zusammengescharten Konservativen seinen Ausführungen unablässig mit Beifalls= und Heiterkeits=Salven begleiten. Der Präsident Graf Stolberg vermag daran nichts zu ändern, obwohl er zu wiederholten Malen, durch heftiges Schütteln der Glocke vorübergehend Stille erzwingend, um mehr Ruhe bittet, da selbst er den dicht vor ihm stehenden Redner nicht verstehen könne. Zum Schluß schilderte Redner noch, unter erneuten Beifalls=Ausbrüchen, wie bei der letzten Reichstagswahl die sozialdemokratische Agitation sich in seinem Wahlkreise vergeblich bemüht hätte, und wie ihnen auf seinem eigenen Gute von seinen Arbeitern gesagt worden sei, wir wissen, was wir an unserm Gutsherrn haben, macht, daß Ihr wegkommt! Abg. Zubeil(Soz.): Den ländlichen Arbeitern verweigert man die einfachsten Menscheurechte. In den Kontrakten steht immer nur was von Rechten der Arbeitgeber, aber nicht von denen der Arbeiter. Diese haben also nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, solche gegen die guten Sitten verstoßenden Kontrakte zu brechen. Man sagt immer: bloß wir Sozialdemokraten verhetzten die Arbeiter! Sie sollten doch aber wissen, was noch ganz andere Leute über die Ursachen der Landflucht sagen, so Prinz Ludwig von Bayern und die Deutsche Landwirtschafts=Gesellschaft! Aeußerungen von solcher Seite sind Ihnen freilich unbequem! Abg. Bindewald(Dt. Reformp.): Herr Zubeil sollte doch über ländliche Arbeiterverhältnisse nicht reden, er hat ja keine Ahnung davon. Abg. Werner(Dt. Reformp.): Das Schimpfen des Herrn Zubeil macht uns keine Sorgen. Hunde, welche viel bellen, beißen nicht. Die Abgg. Zubeil(Soz.) und Stadthagen(Soz.) empfehlen nochmals den Antrag. Damit schließt die Diskussion, worauf noch zahlreiche persönliche Bemerkungen folgen. U. a. bemerkt Abg. Werner, er begreife nicht, weshalb der amtierende Vizepräsident Kacmpf nicht den Abg. Zubeil wegen einer gegen ihn gerichteten boshaften Bemerkung(„ich(Zubeil) würde vielleicht noch heute Gastwirt gewesen sein, wenn ich lauter solche Gäste wie Herrn Werner gehabt hätte!" zur Ordnung gerufen habe. Vizepräsident Kaempf ruft den Abg. Werner wegen dieser Kritik seiner Präsidialführung zur Ordnung. Abg. Werner: Das schadet nichts! Herrn Zubeil erwidere ich noch, wenn er seine Gastwirtschaft hat aufgeben müssen, 10 beweist das wohl nur, daß die Sozialdemokraten schlechte Sochter ttod. 8 Lizepräsident Kaempf: Herr Abg., wegen Ihrer Worte „das schadet nichts!“ rufe ich Sie abermals zur Ordnung! Hierauf erfolgt über den Antrag auf Ueberweisung des Antrages Albrecht an eine Kommission namentliche Abstimmung. Diese ergibt Annahme des Ueberweisungsantrages mit 209 gegen 106 Stimmen. Gen Ges daß„keinem Re belenntnis, die politische Gesinnung, oder die Nationalität schrankungen irgend welcher Art bei dem Erwerb oder der Veraußerung von Grundeigentum auserlegt werden dürfen. Alle entgegenstehenden landesgesetzlichen Bestimmungen seien ausgehoben.“ Abg. Graf Praschma(3.): Wir stehen, wie schon 1886 unser verewigter Führer Huene sagte, allen diesen Ansiedlungsgesetzen gegenüber auf dem Standpunkte des Rechts, der Gerechngteit und der allgemeinen Wohlfahrt. Das Eigentumsrecht, das ünverletzlichsein sollte, wird von der preußischen Ansiedlungs= Gesetzgebung schwer verletzt.(Sehr wahr! im Zentrum.) Die Eigentums=Beschränkungen erfolgen nicht aus unter Umständen ecrechtigten sachlichen Röcksichten, sondern aus persönlichen, aus politischen Gründen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ehrliche Gegner haben ja auch zugestanden, daß das letzte Ansiedlungs= gesetz lediglich ein Kampfgesetz war und sein sollte. Schon unsere christlichen Grundsätze verbieten uns, ein solches Vorgehen zu billigen. Deshalb begrüßen wir den vorliegenden Gesetzentwurf.(Bravos bei Zentrum und Polen.) Abg. Stuothagen(Soz.) legt ausführlich dar, es ganz unzweifelhaft, daß die ganze Ansiedlungsgesetzgebung in Preußen, insoweit sie Eigentums=Beschränkungen zum Ziel gehabt habe, gegen bas Reichsrecht verstoße. Der vorliegen# Antrag habe daher volle Berechtigung. Die Eigentums=Erwerbung durch Enteignung der Polen sei nichts anderes als„gemeiner Diehstahl auf Grund des Gesetzes". Er kenne keine zweite Gesetzgebung von solchem Tiefstand, keine zweite, die so der Gewalt hat zum Recht verholfen, und zwar mit Unterstützung von nationale Politik heuchelnden Leuten. Der Eigentumsbegriff werde von diesen Leuten unterhöhlt, die ebensogut Hehler und Stehler seien, wie der gewöhnliche Hehler und Tiei Präsident Graf Stolberg erklärt diese Wendung für unzulihtig, falls sie gegen Abgeordnete gerichtet sein sollte. Abg. Gothein(Fr. Vgg.): Diese Enteignungspolitik verstösti tatsächlich gegen Reichsrecht. Wer noch Wert darauf legt, das Teutschland im Ausland als Kulturland angesehen wird, soll sich einer solchen Politik der Beschränkungen des Eigentum: zentschieden widersetzen! Wir haben dazu auch einen poli chen Grund. Wer es gut meint mit dem Reiche, wird wistn müssen, daß wir mit unseren polnisch redenden Mitbür ern in Frieden leben. Statt dessen geschieht alles, um die Begensätze zwischen Deutschen und unseren polnischen Mitbürgern zu verschärfen. Deutsch sein heißt gerecht sein. Deshal. werden meine sämtlichen politischen Freunde aus beidenIr ionen diesem Antrage zustimmen.(Bravos.)— lächste Sitzung: Mittwoch: Etat des Rechnungshofes, Dritte Lesung Dampfersubvention. Schluß nach 5¾ Uhr. Dreußischer Landtag. 35. Sitzung. 19. Februar. Am Ministertisch: Frhr. von Rheinbaben, Dombois. Präsident von Kröcher eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Minuten. Die Pfarrerbesoldungsgesetze. Dritte Beratung des Besoldungsgesetzes für die katholischen Pfarrer. Abg. Hoffmann(Soz.) verliest einen Brief, der ihm nach seiner Angabe von katholischen Geistlichen zugegangen sei. Es heißt darin, der niedere Klerus müsse sich, obwohl er nicht sozialdemokratisch sei, an die sozialdemokratische Fraktion wenden, weil diese sich stets der Rechtlosen und Unterdrückten angenommen habe. Dem Zentrum genüge es, wenn die Bischöfe reichliche Pfründen hätten und der niedere Klerus wegen der schlechten Bezahlung um so gefügiger sei. Der Brief trage die Unterschrift von 7 katholischen Geistlichen. (Ruf aus dem Zentrum: Namen nennen!) Der Redner erwidert: Das könnte Sie so passen!(Große Heiterkeit.) Ich bin sovorsichtig gewesen, die Namen vom Original abzuschneiden. Die Kirchenfürsten leiden keine Not, denen könnte man etwas für den niederen Klerus nehmen. Auf einem Essen der kirchlichen Würdenträger in Köln gab es: Geflügelkotelle, Königinsuppe, Lachsforellen, Schnitzel mit Spargel, Ragout, junge Gaus, Eis, Käse, Obst und über ein halbes Dutzend Sorten Weine.(Große Heiterkeit.) Der Staat sollte keiner Kirche Zuschüsse geben. Aber das Zentrum ist mächtig,— auch heute noch.(Widerspruch.) Wenn der Block nicht will, wie die Regierung, dann sagt sie: artig, der schwarze Mann kommt. (Schallende Heiterkeit.) Wenn der Blockkommandeur mit einem süßlichen Lächeln von den Nationalliberalen verlangt, sie sollen noch römisch=katholischer werden, als das Zentrum, sie tun es,(Schallendes Gelächter) bloß um den Block zu halten. Abg. Dr. Kaufmann(Z.): Ich vermute, daß der Abg. Hoffmann das Opfer einer Mystifikation geworden ist.(Sehr richtig! im Zentrum.) Daß die Briefschreiber katholische Geistliche gewesen sein sollen, kann ich nicht annehmen. Abg. Dr. Friedberg(nl.) bittet um Aufklärung über die Staatszuschüsse für die Ruhegehälter der katholischen Geistlichen. Welche Garantie hat die Regierung, daß den Abmachungen gemäß verfahren wird? Ministerialdirektor v. Chappuis: Die Diözesanetats müssen den Oberpräsidenten zur Prüfung vorgelegt werden. Aus dieser Prüfung würde also der Staat in der Lage sein, zu erfahren, ob nach gleichmäßigen Grundsätzen verfahren ist. Die Vorlage wird in der Gesamtabstimmung angenommen. Die Teckungsgesetze. Es folgt die Beratung der Gesetzentwürfe, welche die Bereitsteltung von Mitteln zu Diensteinkommensverbesserungen bezwecken. Zur Debatte steht zunächst in zweiter Beratung der Gesetzentwurf betreffend die Aenderung des Einkommensteuer= gesetzes und des Ergänzungssteuergesetzes. Bei Artikel 1—4 dieses Gesetzes findet eine allgemeine Besprechung statt. Es wird hierbei gleichzeitig auch das Mantelgesetz und das Gesellschaftssteuergesetz erörtert. Abg. v. Hennigs lk.): Bedauerlich ist, daß die Presse die Beschlüsse der Kommission vielfach gar nicht verstanden hat. Das gilt besonders vom„Berliner Tageblatt". Der wunde Punkt ist, daß jede Deckung für 1908 fehlt. Mit Entschiedenheit müsse man sich wenden gegen den Vorwurf des Ministerpräsidenten, daß die Parteiinteressen über das Wohl des Staates gestellt würden. Wir befinden uns in einer sehr ernsten Situation. Wird eine aufsteigende Konjunktur bald eintreten? Und wenn sie eintritt, werden wir ihre Erträge nicht zur Erfüllung der Einen Hammer hast du in deiner Kraft, Gib acht, daß er kein Unheil schafft. Schlag Stein und Eisen, Gold und Erz, Aber keine Blumen und kein Herz. J. Franke. Kulturaufgaben brauchen? Wir müssen alle an der Sanierung unserer Finanzen arbeiten.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Keil(nl.): Wie sollen die ungedeckt bleibenden 70 bis 80 Millionen# eingebracht werden? Dem Finanzminister möchte ich die Wünsche der pensionierten Beamten warm ans Herz legen, die nun ebenfalls von der Steuergesetzgebung getroffen werden.(Beifall.) Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Für die Einmütigkeit in der Kommission kann ich nur den aufrichtigen Dank der Staatsregierung aussprechen. Die Zusage der Regierung, daß innerhalb dreier Jahre eine organische Aenderung des Einkommensteuertarifs vorgenommen werden soll, ist nicht platonisch. Die ganze Lage drängt dahin. Inzwischen ist beantragt, die in der Kommission beschlossenen Zuschläge für die Einkommen von 1200 K an wieder zu beseitigen. Ich bitte, das nicht zu tun. Ich hoffe, daß die dankenswerte Einmütigkeit der Parteien auch diese Vorlage bald in den Hafen bringt.(Beifall.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Neue Steuern darf man nur bewilligen, wenn das Bedürfnis nachgewiesen ist. Steuern auf Vorrat bewilligen wir nicht. Eine organische Regelung unserer Finanzen müssen wir uns für später aufsparen. Abg. Gyßling(Fr. Vp.): Bei der späteren organischen Regelung unseres Steuerwesens werden wir die Quotisierung nicht entl hren können. Mit einer dauernden Festlegung der Zuschläge können wir nicht einverstanden sein, weil wir der Reichsfin zreform keinen Riegel vorschieben wollen. Die schwächeren Schultern müssen geschont werden. Um eine direkte Reichssteuer kommen wir nicht herum. Der Redner empfiehlt einen von ihm gestellten Antrag, der die Steuerzuschläge nicht von 1200 U Einkommen an, sondern erst von 3000 f einführen will. Abg. Dr. Pachnicke(Fr. Vgg.): Mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Depression sollten die Einkommen bis 3000 M von den Steuerzuschlägen freibleiben. Eine zutreffende Erfassung des Einkommens ist jetzt oftmals nicht möglich. Für eine Reichssinanzreform ohne direkte Steuern ist keine Mehrheit im Reich###age zu haben Unsere Abstimmung hier bei den Deckungsg setzen behalten wir uns vor. Wir müssen allerdings bedenken, daß wir es hier mit einem großen Ganzen zu tun haben, und daß mit dem Scheitern dieser Gesetze auch die Besoldungsgesetze fallen.(Beifall links.) Abg. Hirsch(Soz.): Bei einer kräftigen organischen Aenderung der Steuererhebung müssen die geringen Einkommen von 900 bis 1200 Jo freibleiben. Der Freisinn hat für das Kompromiß der Kommission gestimmt, aber viele hervorragende Führer der Freisinnigen sind damit nicht einverstanden. Hoffentlich wird der Freisinn auch geschlossen gegen die Mehrbelastung der Einkommen unter 3000 A stimmen.(Beifall bei den Soz.) Das Haus vertagt sich. Sonnabend, 11 Uhr: Fortsetzung und Ctat. Schluß 5 Uhr. Uebersicht. Deutschland. Hoftrauer. Der königlich preußische Hof legt für den verstorbenen Großfürsten Wladimir Alexandrowitsch eine zehntägige Trauer an bis einschließlich den 27. Februar. Der Hofball am 23. Februar findet deshalb nicht statt. Kommissionsberatungen. Die Reichstagskommission für die große Gewerbenovelle beschloß nach sehr eingehender Verhandlung, die sich über mehrere Sitzungen erstreckte, die Einführung schriftlicher Abrechnungen(Lohntüten) bei Lohnzahlungen für alle Arbeiter in Betrieben mit mehr als 20 Arbeitern. Bezüglich des Lohnzahlungstermins wurde beschlossen, daß die Lohnzahlung innerhalb der Arbeitszeit und nicht am Sonntag stattzufinden hat. Ausnahmen sind nicht zulässig.— Die Kommission für den Gesetzentwurf gegen den unlauteren Wettbewerb erledigte die wesentlichsten Paragraphen des Entwurfs im Sinne der Regierungsvorlage.— In der Petitionskommission wurde eine gegen die sogen. Animierkneipen gerichtete Eingabe beraten und dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen beschlossen. Zu einem Verbote der Anstellung von Kellnerinnen in Wirtschaften gäben die Verhältnisse in Süddeutschland keinen Anlaß, auch genüge der§ 33 der Gewerbeordnung, um Mißstände zu verhüten. Andere Redner erhoben ernstere Bedenken.— Die verstärkte Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses nahm bei der Feststellung des„Mantelgesetzes“ unter Ablehnung eines konservativen Abänderungsantrages die Regierungsvorlage an, nach der allgemeine Aenderungen der Besoldungsvorlagen durch den Staatshaushaltsetat erfolgen können. Die in dem Wohnungsgeld=ZuschußGesetze vorgesehene Kürzung des Wohnungsgeldzuschusses für Beamten, die bisher den vollen Wohnungsgeldzuschuß bezogen haben, soll nach einem Beschluß der Kommission nur insoweit eintreten, als durch Gehaltserhöhung, Zulagen oder Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses ein Ausgleich stattfindet. Das Aufsteigen im Gehalt gilt nicht als solcher Ausgleich. Der Reichskanzler beim deutschen Landwirtschaftsrat. Fürst Bülow hat die Rede, die er, wie angekündigt, beim Festmahl des deutschen Landwirtschaftsrats hielt, wieder benutzt, um neben seinem Wohlwollen für die Landwirtschaft tüchtig für die Reichsfinanzreform einzutreten. Von der Nachlaßsteuer hat er dabei nicht direkt gesprochen, aber seine Zuhörer verstanden auch so, daß sie in den sauren Apfel irgend einer direkten Reichssteuer beißen sollen, da ohne eine solche die Reichsfinanzreform mit den Blockparteien nicht durchzusetzen ist. Und von der Lösung der Finanzreform hängt, wie der Kanzler betonte, die Ehre, die Wohlfahrt, die Macht und die Sicherheit des Vaterlandes ab.— Der deutsche Landwirtschaftsrat sprach sich entschieden für die Reichsfinanz=Reform aus, doch müßten die Einzelstaaten ihre bisherigen Steuer=Quellen behalten, und bei den einzelnen neuen Steuern sei auf die Erwerbs=Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. Die Redner traten mit großer Energie gegen die Nachlaßsteuer auf, der Abg. von Oldenburg meinte, die Konservativen würden früher nicht für eine Erbschaftssteuer eingetreten sein, wenn sie gewußt hätten, daß dies nachkommen würde. Einzelne Redner, namentlich Abg. Sering, waren aber auch entschieden für die Nachlaßsteuer. Ueber den Grunderwerb zum Rhein=Weser=Kanal erfahren wir, daß nunmehr vier Fünftel des gesamten erforderlichen Areals freihändig angekauft sind, während das noch verbleibende Fünftel auf dem Wege der Enteignung erworben werden muß. Für den sogenannten erweiterten Grunderwerb, bei dem Grundstücke in der Nähe des Kanalunternehmens, die zum Bau selbst nicht erforderlich sind, erworben werden, um die durch den Kanalbau zu erwartende Wertsteigerung der Allgemeinheit zugute kommen zu lassen, stehen für den Rhein=WeserKanal insgesamt 24 Millionen, zur Verfügung. Von diesen entfallen auf den Rhein=Herne=Kanal 10 Millionen, von denen bisher 6 Millionen im Grunderwerb angelegt wurden, und auf den Ems=Weser=Kanal 9,5 Millionen, von denen ein Drittel verausgabt worden ist. Bei der Auswahl der Grundstücke wird vor allem darauf gesehen, daß sie sich für Hafen= und Industrieanlagen eignen und in ausreichendem Maße mit Gleisanschluß und Zufahrtwegen versehen werden können. Im allgemeinen hat sich der Erwerb freihändig bewirken lassen, das Enteignungsverfahren wurde nur auf diejenigen Strecken ausgedehnt, an denen infolge der gewerblichen Entwicklung mit einer wirtschaftlich nicht gerechtfertigten Grundstücksspekulation zu rechnen war. Ob der Staat bei der späteren Veräußerung seines Grundbesitzes nennenswerten Verdienst erzielen wird, dürfte von der weiteren gewerblichen Entwicklung der Gebiete abhängen. machung gekommen. Ich vertraue aber darauf, daß der Besuch des Königs klar gemacht hat, daß die Flottenausgaben nicht so aufgefaßt werden dürfen, als ob sie irgend eine Friktion der beiden Länder in sich schlössen.(Beifall.) Die Londoner Frauenrechtlerinnen. Gestern früh fand eine Kundgebung der Vertreterinnen des Frauenstimmrechts vor der Amtswohnung des Premierministers Asquith statt. 20 Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Polizei zerstreute die Demonstrantinnen. Dänemark. Kopenhagen, 18. Febr. Die dänischen Verteidigungsvorlagen im Folkething. Im Folkething begann heute vor vollbesetztem Hause und überfüllten Tribünen die erste Beratung der Verteidigungsvorlagen. Der ehemalige Ministerpräsident Christensen(linke Reformpartei) erinnerte daran, daß der Plan einer Neutralitätsverteidigung nach dem Kriege 1870/71 entstanden sei. Die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit den nordschleswigschen Brüdern sei nicht aufgegeben worden, sie sei jetzt aber nicht auf Kanonen, sondern auf das Vertrauen zum Rechtssinn des deutschen Volkes gegründet. Wenn jemand käme, um Dänemark selbst die vorteilhafteste Allianz anzubieten, sagte Christensen, würden wir sie abschlagen müssen. Wir wünschen gute Freundschaft. nachbarliche Beziehungen zu Deutschland. Redner betonte die Notwendigkeit, die Neutralität zu verteidigen, und gab seine Zustimmung zu der Erweiterung der Seebefestigung. Dagegen könne er sich nicht mit der vorgeschlagenen Landbefestigung einverstanden erklären, da sie die Kräfte des Landes übersteige. Dem Vorschlage, die bisherigen Landesbefestigungsanlagen niederzulegen, wenn die neue Heeresordnung in Kraft getreten sei, stimmte Christensen zu. Serbien. Belgrad, 19. Febr. Die österreichisch=serbischen Beziehungen haben sich dermaßen zugespitzt, daß man schon von einem offenen Konflikt zwischen beiden Ländern spricht. Oesterreich hat jedenfalls die öffentliche Meinung ganz Europas für sich, wenn es die Hand an den Schwertknauf legt, um dem rebellischen Serbien im ersten Falle einer Grenzverletzung die gebührende Züchtigung zu verabfolgen. Aus Stadt und Umgebung. Kleine politische Nachrichten. Mit der„Veredelung“ der Matrikularbeiträge als Ersatz für die Nachlaßsteur ist es nichts. Die Beratungen der Subkommission sollen nämlich ergeben haben, daß, wenn diese Beiträge nicht mehr nach der Kopfzahl der Bevölkerung, sondern nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit berechnet würden, die kleinen Bundesstaaten schlechter wegkämen als jetzt. Nicht weniger als 33 Millionen Mark hat der Reichstag bereits zum Bau von Kleinwohnungen für Unterbeamte und Arbeiter in Reichsbetrieben bewilligt, die gegen hypothekarische Sicherstellung gegeben werden. Erfreulich ist, daß bisher Kollisionen zwischen solcher subventionierter Bautätigkeit und der freien Unternehmungslust vermieden worden sind. Die Pflege des Turnens liegt der preußischen Unterrichts Verwaltung sehr am Herzen. Etwa 70 Lehrer und Lehrerinnen“, werden für die Zeit vom 15. bis 21. April an die Landesturnanstalt in Berlin zur Fortbildung im Turnen, sowie zur Ausbildung in der Leitung von Volks= und Jugendspielen einberufen. Die Einberufenen, die in der Leitung von Kursen bereits Erfahrung besitzen müssen, erhalten freie Reise und täglich 6 Mark. Aus dem Auslande. Oesterreich=Ungarn. Wien, 19. Febr. Die innerpolitische Lage Oesterreichs gestaltet sich immer bedenklicher. Nachdem sich die Regierung in Wien endlich zu energischen Maßnahmen gegen die tschechischen Hetzer aufgerafft hat, sieht sie sich durch die„slavische Union“, deren Bildung die Antwort auf jene tschechischen Maßregelungen ist, vor neue und ernste Gefahren gestellt. Die 125 Mitglieder zählende slavische Union wird im Wiener Reichsrat die numerisch stärkste Partei darstellen. Die Union würde bei der Zerrissenheit der übrigen politischen Parteien daher im Reichsrate entscheidenden Einfluß gewinnen. Eine geordnete parlamentarische Tätigkeit ist infolgedessen auch für absehbare Zukunft nicht zu erwarten, wenn die Regierung ihre durch die äußerste Not ihr vorgeschriebene Taktik gegen die Tschechen aufrecht erhält. Und das wird sie doch hoffentlich tun, da andernfalls nicht nur das Ministerium Bienerth einpacken könnte, sondern das Ende des Deutschtums in Oesterreich überhaupt gekommen wäre. Ein österreichisch=ferbischer Zwischenfall. Aus Swornik wird gemeldet, daß gestern in der Nähe von Nowosalo von serbischen Bewaffneten, angeblich Bauern, vom serbischen Ufer aus auf eine Unteroffizierpatrouille vier Schüsse abgegeben worden sind. Der Patrouillenführer ließ zwei Schüsse zurückgeben. Als die Patrouille den Weg fortsetzte, wurden serbischerseits noch zwei Schüsse abgefeuert. Von der Patrouille ist niemand verletzt. Ob serbischerseits jemand verletzt ist, ist anbekannt.„ Frankreich. Paris, 19. Feor. Die prügeleien zwischen den monarchistischen und republikanischen Studenten in Paris werden nachgerade mehr wie rüpelhaft. Jetzt haben es die ersteren fertig bekommen, das Standbild des Senators Trarieux mit Hämmern und Beilen zu demolieren. Die Gerichte behandelten die jungen Leute immer noch ziemlich mild, aber nun wird es wohl anders werden. England. London, 19. Febr. Bisher haben die englischen Flug=Techniker mit ihren Flug=Apparaten wenig Glück gehabt; nach ein paar Versuchen waren sie meist dahin. Jetzt soll nun ein neuer Militär=Aeroplan konstruiert sein, der nach mehreren Aufstiegen ausgezeichnet funktioniert. So sagt man wenigstens, denn die Oeffentlichkeit hat ihn noch nicht geschaut. es ging alles recht geheimnisvoll zu. Die Deutschen und die englischen Flottenrüstungen. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses erklärte der Premierminister auf eine Anfrage: Soweit ich unterrichtet bin, hält die deutsche Regierung an den Gesichtspunkten fest, die sie uns bekannt gab, daß nämlich ihr Marineprogramm ihren eigenen Bedürfnissen gemäß festgesetzt ist, und durch das, was wir tun, nicht in geringster Weise beeinflußt werden kann. Sie ist auch der Meinung, daß es natürlich ist, wenn wir diejenigen Schritte tun, die wir zum Schutze unserer eigenen Interessen zu tun für notwendig halten. Daher sind wir in Berlin zu keiner AbSchwerte, den 20. Februar. Beteuerungen, daß man die Wahrheit sage, müssen zu dem Glauben bestimmen, daß man nicht gewohnt ist, sie immer zu sagen. Napoleon I. **(Richtungslinie für Straßenzäune.) In einer Stadt legten die Besitzer von Grundstücken an öffentlichen Wegen wenig Wert auf die Richtungslinie der Straßenzäune, wodurch unschöne Krümmungen und Windungen entstanden. Auch das Zaunmaterial ließ manchmal sehr zu wünschen übrig. Dies alles veranlaßte die dortige Polizeiverwaltung zum Erlaß einer Polizeiverordnung, welche sowohl die Errichtung wie die Ausbesserung solcher Zäune von der vorherigen Bestimmung der Richtungslinie durch die Polizeibehörde abhängig machte. Ein Grundbesitzer kehrte sich nicht daran, er glaubte auf sseinem Grundstück nach Belieben schalten und walten zu können. Das ihm zugestellte polizeiliche Strafmandat bekämpfte er durch gerichtliche Entscheidung, indem der die Rechtsgiltigkeit einer solchen Polizeiverordnung bestritt. Erst die höchste Instanz, das Kammergericht, mußte ihn eines Besseren belehren. Nun hatte er auch noch Strafe und Gerichtskosten zu zahlen. **(Der Deutsche Werkmeister=Verband) darf auf das jüngst verflossene 25. Geschäftsjahr mit großer Befriedigung zurückblicken. Abgesehen von der erfreulichen Mitgliederzunahme, die jetzt den Bestand von 50000 erreicht hat, und von der energischen Tätigkeit auf sozialem Gebiete, haben sich auch die Versicherungs= und Unterstützungseinrichtungen gut entwickelt. Es sind in diesem Jahre zur Auszahlung gekommen: 683.000 Mark Sterbegeld, 105000 Mark Invalidenunterstützungen, 77·000 Mark Unterstützungen der Mitglieder in Notlagen, 231 000 Mark Witwenunterstützungen und 4000 Mark für Waisen zurückgelegt. Auf Anregung einer wirtschaftlich selbständiger Mitglieder ist für das 25. Stiftungsfest ein Jubiläumsfonds für besondere Notfälle gesammelt worden, der einen Bestand von etwa 65000 Mark aufweist. Im ganzen betragen die bisherigen Leistungen an Stervegeld über 8 Millionen, an Mitgliederunterstützungen fast 2 Millionen, an Witwenunterstützungen bald 3 Millionen Mark, an Waisenunterstützungen 60000 Mark, an Entschädigungen aus der Brandkasse 42000 Mark, zusammen nahezu 13 Millionen. Die Reserven der Sterbekasse betragen über 8 Millionen, das Vermögen des Verbandes 1,5 Millionen, das des Brandversicherungsvereins 0,5 Millionen, zusammen also reichlich 10 Millionen Mark. Leistungen und Reserven übersteigen zusammen schon den Betrag von 23 Millionen, gewiß ein Ergebnis, das von keinem anderen Berufsverein übertroffen wird. **(Vom evang. Frauen=Verein.) Aus der Geschichte des evangelischen Frauen=Vereins, welche zurzeit im„SonntagsBlatt“ veröffentlicht wird, dürfte folgendes von Interesse sein: Feste Mitglieder=Beiträge(1 Mark) hat der Verein erst seit den letzten zwei Jahren erhoben. Die Haupteinnahmen bestanden von jeher in dem Ueberschuß aus den jährlichen Verlosungen, welche nach alter Ueberlieferung am letzten Donnerstag des Monats Februar stattfanden. Die Gewinngegenstände wurden und werden auch jetzt noch in freigebigster Weise von den Mitgliedern des Vereins und von den Bürgerfamilien in der Stadt geschenkt. Die Zahl der Gewinngegenstände belief sich in den letzten Jahren auf 700—800. Die Anzahl der verkauften Lose(zu 50 Pfg.) betrug zuletzt ungefähr 2500 und der dem Verein zur Verfügung verbleibende Reingewinn ca. 1200 Mark. Andere Einnahmequellen wollten sich nicht erschließen. Die Kassen= und Verlosungsgeschäfte hat anfangs Herr Lehrer vom Hövel, dann mindestens 40 Jahre lang Herr Lehrer Schmidt bis in sein hohes Alter mit größester Gewissenhaftigkeit geführt. Nach seinem Abgang hat längere Zeit Herr Rektor Berensmann das Schatzmeisteramt treulich verwaltet, um es dann in die Hände des jetzigen Kassenverwalters, des Herrn Lehrer Vieler, zu legen. Die Leitung des Vereins- außer der Führung der Kassengeschäfte— besorgte der Vorstand. der anfänglich aus drei, später aus vier und jetzt aus fünf Mitgliedern besteht. Besonders um die Hebung des Vereins verdiente Vorstandsmitglieder sind die verstorbene Frau Lehrer Schmidt, dann die langjährige Vorsitzende Frau Apotheker Wigginghaus sen. und nicht zu vergessen Schwester Mina von der Kronen, welche volle 29 Jahre dem Verein und der Gemeinde dienen konnte und jede pflegebedürftige Familie nach den Verhältnissen und jeden einzelnen Pflegling seiner Eigenart nach ganz genau kannte. Der gegenwärtige Vorstand des zurzeit 50 Mitglieder zählenden Vereins setzt sich zusammen aus den Damen: Frau Rektor Berensmann, Frau Pastor Graeve, Frau Pastor Heinenberg, Frau Kaufmann Wilhelm Schröder, Frau Pastor Terberger. Einer der Gemeindepfarrer eröffnet die Vereinszusammenkünfte, welche an jedem letzten Donnerstag des Monats stattfinden, mit einer kurzen Andacht, dient dem Verein gern in geschäftlichen Angelegenheiten und versieht zugleich das Amt des Schriftführers.— Hoffentlich werden sich noch recht zahlreiche neue Mitglieder dem Verein anschließen, damit dieser seiner edlen Aufgabe, der Unterstützung der Armen und Hilfsbedürftigen, immer mehr nachkommen kann. *e(Eine Festlegung des Osterfestes) oder wenigstens eine Einschränkung der Beweglichkeit desselben bezweckt eine tion, die der„Deutsche Handwerks= und Gewerbekammertag“ an den Reichstag gerichtet hat. Die Regierung wird darin ersucht,„durch Anbahnung diplomatischer Verhandlungen mit den übrigen Kulturstaaten und den kirchlichen Gemeinschaften auf eine Einschränkung der Beweglichkeit des Osterfestes hinwirken zu wollen“. Der Vorschlag der Petenten geht dahin, diese Beweglichkeit auf die Zeit vom 4. bis 11. April zu beschränken. Zur Begründung ihrer Eingabe weisen die Petenten darauf hin, daß der bisherige Zustand mit seinem Spielraum von 35 Tagen(zwischen 21. März und 26. April) für die gewerblichen Kreise erhebliche Nachteile im Gefolge habe. So werde der Betrieb der Handwerksmeister durch den Umstand, daß sie zuweilen im März ihren Lehrling zu entlassen haben, aber erst Ende April oder Anfang Mai Ersatz erhalten können, in solchen Fällen recht fühlbar gestört. Dazu kämen große wirtschaftliche Nachteile der Saisongewerbe, besonders der Bekleidungsgewerbe, die in ihrem Absatze durch die kältere oder wärmere Witterung zur Zeit des Oster= und Pfingstfestes stark beeinflußt würden.— Die Kommission, die am 28. Januar über die Petition verhandelte, erkannte die Berechtigung der Klagen an, doch glaubte ihre Mehrheit den Anschein vermeiden zu müssen, als wolle der Reichstag einen Druck auf die kirchlichen Instanzen üben, und beschloß, die Petition dem Reichskanzler als Material zu überweisen. **(Faschingsfreuden.) Für den morgigen Sonntag hat Prinz Karneval seine getreuen Untertanen nochmals aufgeboten, um eine letzte Heerschau über sie abzuhalten. Am Freischütz veranstaltet die Große Hagener Karnevals=Gesellschaft unter Mitwirkung hervorragender Kölner Büttenredner eine karnevalistische Sitzung, zu welcher das bekannte Betzel'sche SolistenOrchester aus Dortmund die Musik liefert.— Im Hotel Brückner wird der Gesangverein„Sängerbund“ ein Fastnachtskränzchen veranstalten, zu welcher auch Freunde des Vereins, welche von Mitgliedern eingeführt werden, Zutritt haben. Das reichhaltige Programm des Abends sieht Konzert, theatralische Ausführungen aller Art und Tanz vor.— Eine ähnliche Feier, mit der außerdem noch eine Verlosung verbunden ist, hat die Gesangabteilung des Staatseisenbahnvereins für heute Abend im Lokale des Herrn Michel vorbereitet. Wir wünschen allen Festteilnehmern recht viel Vergnügen! **(Eisenbahnanlagen.) Mit der schon lange geplanten Erbreiterung der Eisenbahnbrücke bei Kabel zwecks Legung des dritten und vierten Gleises zwischen hier und Hagen scheint man nunmehr doch bald Ernst machen zu wollen. Auf beiden Seiten der Ruhr werden zurzeit eifrig Vermessungen vorgenommen.— Das letzte Hochwasser hat auch diesmal wieder an der Stelle, wo 1890 der Pfeiler fortgerissen worden ist, arge Unterspülungen verursacht, denn man hat jetzt schon große Steinmengen dorthin geworfen, um die Stelle zu erhöhen, mit schweren Quadersteinen zu bedecken und mit Zement zu dichten, damit ihr hierdurch eine dauernde Befestigung zuteil wird. Eine Letmather Tiefbaufirma führt diese Arbeiten mit möglichster Beschleunigung aus. Außerdem soll, um den Wasserandrang von der Brücke abzulenken, das Lennebett teilweise verlegt werden. **(Im Silberkranz.) Das schöne Fest der silbernen Hochzeit feiern am morgigen Sonntag die Eheleute Wilh. Krick, Sedanstraße wohnhaft. Wir gratulieren dem Silberbrautpaar herzlich und geben der Hoffnung Ausdruck, daß es nach einem weiteren gemeinsam verlebten Vierteljahrhundert auch den Tag der goldenen Hochzeit erleben möge. (Schützenfest in Wandhofen.) Der Bürger=Schützenverein zu Wandhofen hat in seiner letzten Versammlung beschlossen, in diesem Jahre wieder ein Schützenfest zu feiern; als Festtage sind der 26. und 27. Juni bestimmt. **(Verkehrsstörung.) Pech hatte gestern nachmittag ein Landwirt aus Geisecke, der einen schwer mit Stroh beladenen Wagen auf der Färber'schen Wage hatte wiegen lassen. Beim Abfahren von der Wage neigte sich der Wagen zur Seite, stürzte um und legte sich quer auf das Gleise der Straßenbahn. Der Verkehr auf der Straßenbahn mußte längere Zeit durch Umsteigen aufrecht erhalten werden, bis das Hindernis schließlich beseitigt war. **(Verbrüht.) Ueber einen Eimer heißen Wassers, welches das Dienstmädchen zum Reinigen benutzen wollte und der auf dem Fußboden stand, strauchelte das 7jährige Töchterchen des Metzgermeisters Schäfer in der Wilhelmstraße und kam so unglücklich zu Fall, daß sich das heiße Wasser über das Kind ergoß. Namentlich am linken Oberschenkel hat die Kleine erhebliche Verletzungen erlitten. **(Das Kinematographentheater„Reichskrone") hat mit der Erwerbung der Passionsspiele einen außerordentlich guten Griff getan. Die ca. 2000 Bilder aus dem Leben Jesu, von Pathé herrlich koloriert, sind von einer Klarheit, wie wir ähnliche Bilder selten gesehen haben. Gestern war das Theater ständig überfüllt, so daß zahlreiche Besucher wieder umkehren mußten. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß diese Bil der nur bis einschließlich Sonntag gezeigt werden. **(Schöffengericht.) Vorsitzender: Amtsrichter Dellmann, Schöffen: Hauer Heinrich Weiher=Lichtendorf und Kaufmann Bernh. Stern von hier.— Der Schausteller Arthur R., der Bergmann Karl A. und die Ziegeleiarbeiter August und Anton Sch. von hier hatten sich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu verantworten. R. hatte mit dem Fuhrmann August Kassel Differenzen, und nachdem ihm am 2. Dezember v. Is. einige Aeußerungen Kassels hinterbracht waren, machte er sich abends mit den Gebrüdern Sch. auf, um Kassel zu stellen. Unterwegs war A. noch zu ihnen gekommen, der auch mitging. Als die vier auf Kassel stießen, ging N. sofort darauf los, gab ihm eine Ohrfeige und versetzte ihm einige Schläge mit einem Knüppel. Da die drei Begleiter keine große Beihülfe geleistet, kamen sie mit niedrigen Strafen davon. A. und Aug. Sch. erhielten je 5 Mk., Anton Sch. 10 Mk., während N. mit 60 Mark Geldstrafe büßen muß.— Wegen Betruges stand der Draht tar den Kleis worck. Antriches Rre. echhumeremr unten i Nr. 43. Sonnabend, den 20. Februar 1909. 41. Jahrg. bulsebeeesedersngaeuunerae- dünte vun fe stung pessmt Zweites Malt. Politische Wochenschau. Während die Elemente leider für eine neue Ueberschwemmung, die anscheinend von noch größerem Schaden begleitet ist, wie die bisherigen Ueberflutungen gesorgt haben, herrscht in unserer inneren deutschen Politik zur Zeit Ebbe. Die ReichsFinanz=Reform will trotz aller vertraulichen Besprechungen unter den Mitgliedern der Reichstagsmehrheit nicht vom Fleck, mit anderen Worten, es hat sich für die Nachlaßsteuer kein brauchbarer und wirklich befriedigender Ersatz gefunden. Bis zur Stunde wenigstens nicht. Aber es kann in acht Tagen auch anders sein, und darum wollen wir die Gerüchte, der Reichsfinanzminister, Schatzsekretär Sydow sei amtsmüde geworden, weil der Reichstag an seinen, neuen Steuergesetz=Entwürfen kein gutes Haar lasse, nicht zu tragisch nehmen, wenngleich ja Niemand auf diesem dornigen Posten es sehr lange ausgehalten hat. Von Anfang an war es so: Nichts wird dermaßen in Deutschland kritisiert, wie neue Reichssteuern. Indessen, wie schon gesagt, wir denken, Herr Sydow wird doch nicht ohne Weiteres die Flinte ins Korn werfen, er ist doch eine frische Kraft. Vielleicht geht es auch mit dem Finden praktischer Reichssteuern so. wie mit der Entdeckung der Diamanten in Süd=Westafrika; es wird so lange geforscht, bis mit einem Male das Resultat von selbst kommt. Also hoffen wir das Beste. Guten Muts bleibt der Reichskanzler, das hat Fürst Bülow in der Rede bestätigt, die er bei dem Jahres=Essen des deutschen Landwirtschaftsrates in Berlin gehalten hat. Er war erbaut von der friedlichen auswärtigen Lage, erfreut über König Eduard's Besuch in Berlin und meinte darauf, aber schwerlich so gelegentlich, er werde wohl länger, im Amte bleiben, wie manche Leute dächten. Mit der Reichstags=Mehrheit hat sich Fürst Bülow doch im Ganzen recht gut gestanden, hier will ihn Niemand gehen sehen, auch den übrigen politischen Parteien liegt, wenn sie die reine Wahrheit sagen, kaum etwas an einem baldigen Kanzlerwechsel, es muß also doch wohl außerhalb der eigentlichen politischen Kreise Persönlichkeiten geben, die dem leitenden Staatsmann nicht ganz grün sind, wie der Volks=Ausdruck lautet. Natürlich kann es in der Reichs=Politik nicht nach derartigen Stimmungen und solchen kleinen Kreisen gehen. sondern nur nach dem Nutzen für das große Ganze. Ziemlich still wars bei den andauernden Etats=Beratungen im Reichstage, und auch das neue Bankgesetz hat keine größere Bewegung hereinbringen können. Lebhafter war es im preußischen Abgeordnetenhaus, wo die Besoldungs=Vorlagen und das Berggesetz Auseinandersetzungen mit den Sozialisten herbeiführten. Die guten Wirkungen der vorwöchigen Berliner Monarchen=Zusammenkunft haben sich in der englischen Thronrede zur Wiedereröffnung des Parlaments gezeigt, in der ausdrücklich und unter erheblicher Genugtuung von diesen Tagen gesprochen wurde. Auch die Minister haben auf Befragen im Parlament die Worte der Thronrede bestätigt, und die Londoner Zeitungen halten sich in den wünschenswerten Schranken, die sie nie hätten überschreiten sollen Es wäre dann auch nie zu den bedenklichen Hetzereien gegen das deutsche Reich gekommen. Unter den neuen und ersteulichen Verhältnissen kommt es für uns natürlich weniger in Betracht, daß zum Frühjahr das bisherige englische Kanal= und das Nordsee=Geschwader zu einer einer einzigen gewaltigen Armada vereinigt werden sollen. Die Briten können tun was sie wollen und wir machen es ebenso. Endlich hat sich die Wiener Regierung zu einem energischen Vorgehen gegen die tschechischen Hetzer in Prag aufgerafft und eine Untersuchung eingeleitet; und es war auch die höchste Zeit, noch ein paar Jahre so weiter, und es wäre mit der habsburgischen Monarchie in Prag vorbei oder der Bürgerkrieg dagewesen. Die Tschechen tanzten der Regierung des Kaisers Franz Joseph ja schon auf der Nase herum. Der türkische Reichstag hat Europa mit Hilfe der ihm ergebenen Offiziere der Konstantinopeler Garnison gezeigt, daß er weiß das Heft in die Hand zu bekommen. Durch eine kategorische Aufforderung wurde der Großvezier Kiamil, der der Volksvertretung zu eigenmächtig war, zum Rücktritt gezwungen, der Sultan aber genötigt, den dem Parlament genehmen Minister Hilmi Pascha zum leitenden Staatsmann zu berufen. Es war eine unblutige Revolution, allerdings bei aufgefahrenen Geschützen der gefechtsbereiten türkischen Kriegsschiffe, die gezeigt hat, wie der bisherige allmächtige Wille des Padischa zu existieren aufgehört hat, wie der Nachfolger Muhamed's nun auch seinen Herrn gefunden hat. Allerdings ist es die große Frage, ob alles so bleibt, wie es heute geworden ist, denn zum Ueberblick über die gesamte türkische und europäische Lage fehlt es der jungtürkischen Parlaments=Mehrheit doch an rechter Einsicht. Wenn sie ihre Kirchturms=Weisheit in allen Dingen ausschlaggebend machen will, dann ist ein heftiger Zusammenstoß unvermeidlich, dann kommen sich Allah's Söhne gegenseitig in die Bärte. Mit der Neuordnung der Balkan=Angelegenheiten geht es unter diesen Dingen nur ganz langsam vonstatten, und die Serben lassen nicht ab von ihrem Kriegsgeschrei, dank ihrem Kronprinzen Georg. Der Prahlhans müßte nur mal ernstlich die Kugeln pfeifen hören, dann würde er wohl im Nu gründlich kuriert sein. Westfalen und Rheinland. * Hagen, 18. Febr. Eine recht begume, aber unglaubwürdig lautende Ausrede suchte der vielfach wegen Betruges und anderer Straftaten vorbestrafte Arbeiter Wilhelm H. von hier der Strafkammer, vor der er sich wegen verschiedener Zechprellereien zu verantworten hatte, aufzutischen. H. begab sich, wie er behauptet,„in Geistesabwesenheit" im Januar d. Is. eine Wirtschaft in Kabel. Er ließ sich vier Glas Bier und einen Hering ausgezeichnet schmecken und erklärte, als der Wirt Geld sehen wollte, er habe keins und er solle ihn nur vverhaften lassen. Denselben Trick führte er auch in einer Wirtschaft in Boele, ebenfalls„in Geistesabwesenheit“, aus, wo er nach Genuß von 10 Schnäpsen verschwand. Hier besaß er sogar die Dreistigkeit, kurz darauf zurückzukehren und noch zwei Schnäpse zu verlangen, obwohl er keinen roten Heller in der Tasche hatte. Als Betrüger in strafschärfendem Rückfalle wurde H. zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. * Langschede, 19. Febr. Das Kartenspiel„Lotterie" oder „Das große Los“ ist nach einem vom Unnaer Schöffengericht gefällten Urteil in jedem Falle ein„Glücksspiel“, ob nun nur kleine Beträge eingesetzt werden oder die Bank gewechselt wird usw. Wegen Duldung dieses Spiels hatte ein hiesiger Wirt ein Strafmandat erhalten und hiergegen gerichtliche Entscheidung beantragt. Das Schöffengericht kam zu oben erwähnter Entscheidung und verurteilte den Wirt zu 15 Mark Geldstrafe. * Menden, 19. Febr. Die Menschenopfer, die in letzter Zeit mehrfach die schrankenlosen Bahnübergänge auf der Nebenbahnstrecke Letmathe=Fröndenberg gefordert haben, veranlaßten die Elberfelder Eisenbahndirektion, mit der Abstellung der Mißstände nunmehr zu beginnen. So wird hierselbst mit dem Bau einer Ueberführung an der Promenade bereits im kommenden Monat begonnen. * Gevelsberg, 19. Febr. Schwere Jungen sind es, die gelegentlich des Einbruchs bei der Firma W. Vollmann hier dingfest gemacht wurden. In ihren Wohnungen in Elberfeld wurden Diebeshandwerkzeuge, Bargeld, Briefmarken und andre Diebesbeute in großen Mengen aufgefunden. Außerdem fand sich ein Notizbuch, in dem ein ganzes Register in den letzten Jahren in Berg und Mark verübter Einbruchsdiebstähle aufgezeichnet war. Die Einbrecher wurden dem Amtsgerichsgefängnis in Schwelm zugeführt. * Meschede, 19. Febr. Als der Gutsbesitzer Funke aus dem nahen Nottinghausen mit einigen Herren eine Schlittenpartie unternahm, scheuten die Pferde und gingen durch. Infolgedessen wurden die Insassen aus dem Schlitten geschleudert, wobei F. mit dem Kopf so unglücklich gegen einen Baum geschleudert wurde, daß er bald darnach starb. * Velbert, 19. Febr. Sonderbare Patrioten sind zwei Mitglieder des hiesigen Kaiser Friedrich=Vereins. Vor ungefähr Jahresfrist wurde in der hiesigen Bürgerschaft für das zu errichtende Kaiser Friedrich=Denkmal eine Sammlung veranstaltet. Die zwei in Frage kommenden Mitglieder haben nun eine ganze Anzahl eingesammelter Beiträge nicht gebucht u. für sich verwendet. In der jetzt stattgehabten Generalversammlung des Vereins wurde mitgeteilt, daß es sich im ganzen um 1500 bis 2000 Mark handele, die nicht abgeliefert sind. Jedenfalls wird die Angelegenheit noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Beste Bezugsquelle für die Damenschneiderei Seidebbaus-m. Wietgensteiler 4810 Dortmund, Westenhellweg III, Fernruf 2228. W Der Cotensee. Roman von Martin Wehrau. 40 Wie diese sein Gesicht sah, in dem sich Kummer, Schmerz und Mitleid widerspiegelten, stieg ein fürchterlicher Verdacht in ihr auf. „Hast Du etwa gar Rolf angeschossen?“ entrang es sich ihren Lippen. Sie war dabei leichenblaß geworden. „Was? Angeschossen?" platzte Willi konsterniert heraus bei dieser Beschuldigung, indem er alle Vorsicht vergaß.„Wer hat elwas von Anschießen gesagt? Die Sache liegt anders; der liebe Kerl hat den Stich aufgefangen, den mir ein Wilderer zugedacht hatte... Hoffentlich kommt der Doktor bald," fügte er angstvoll hinzu. Charlotte schien zu Stein verwandelt. Sie sprach kein Wort, sondern schritt automatenhaft nach dem Wagen hin, welcher den Geliebten trug. Scheu gingen die Männer zur Seite. Zwar wußken sie nichts Genaueres über das Verhältnis der beiden, doch man erzählte sich in den strohgedeckten Hütten mancherlei in dieser Beziehung. Dort stand es fest, daß der Graf Helmbach und das gnädige Fräulein„Liebesleut" waren und„miteinander gingen.“ Das ganze Benehmen der jungen Dame schien sa auch die gehabten Vermutungen zu bestätigen. Wie von selbst hielt der traurige Zug, als Charlotte hinzutrat. Verzehrend hingen ihre Augen eine Weile an dem bleichen Gesicht, das aus der bereits eingetretenen Dunkelheit zu ihr hinüberleuchtete, dann brach sie, welche doch sonst ein so starkmütiges Hexz besaß, lautlos zusammen. Die Eistedter Leute, die ausgefahren waren, eine Person zu holen, mußten nun deren zwei nach Hause schaffen. Die Ohnmacht Charlottes war nicht von langer Dauer. Wie das Gefährt den Gutshof erreichte, saß sie schon wieder aufrecht und beobachtete mit unendlicher Angst den Geliebten, der fast einem Toten glich. Von diesem unterschied er sich nur durch die kurzen, schwachen Atemzüge, welche ab und zu leise seine schwerverletzte Brust hoben. Endlich stand das Gefährt vor der Hofveranda des„Schlosses“, wo der alte Eistedt schon wartete. Der erschreckte Diener hatte seinen Herrn von den Ereignissen in Kenntnis gesetzt. „Was ist geschehen, und wen bringst Du mir da, Willi?“ fragte er beunruhigt den herantretenden Sohn. „Vater,“ entgegnete jener leise, um von den Leuten nicht gehört zu werden,„Vater, vor dem nahenden Tode schwindet jeder Haß. Weißt Du, wer es ist, der den tödlichen Stoß eines Wilderers von mir ablenkte, indem er ihn selber auffing und Dir damit den Sohn erhielt, der, wäre jener nicht dazwischen gekommen, jetzt tot im Walde liegen würde? Es ist Graf Helmbach!“ „Willi!“ Wie von einem Keulenschlage getroffen, hatte es der alte Mann ausgerufen. In seinem Gesicht stritten Haß, Dankbarkeit, Liebe und Anerkennung um die Herrschaft. Schließlich nahmen seine Züge einen eigenartigen, rührenden Ausdruck an. „Das hat er getan,“ murmelte er,„und auf der Jagd, sagst Du?“ Plötzlich erblickte er seine Tochter, die sich jetzt mit ängstlicher Sorgfalt um den Kranken bemühte.„Doch wie kommt Charlotte dazu? Charlotte, was tust Du bei dem Manne dort?“ Das junge Mädchen zitterte, als es die Stimme des Vaters erkannte. Zögernd schritt sie zu ihm hin. Hier aber hielt sie sich nicht länger. Sie sank willenlos in die Knie und rief gebrochen und unter verzweifeltem Weinen, während sie die Knie des Alten umfaßte:„O Vater, ich liebe ihn, ich liebe ihn! Ich sterbe, wenn er mir genommen wird!“ „Auch das noch,“ entrang es sich den Lippen des aufs tiefste Erschütterten. Hierauf beugte er sich über seine Tochter und hob sie auf. „Stehe auf. mein Kind, wir wollen jetzt nicht darüber sprechen. Pflege Du ihn nur immerhin, er hat es um uns verdient.“ Er selbst gab den Befehl, Rolf in das Gastzimmer zu schaffen und es ihm an nichts fehlen zu lassen. Dann ging er in sein Arbeitszimmer und schloß sich ein. Einem Fache des Schreibtisches entnahm er ein kleines Oelgemälde, das Bildnis eines Mannes in den besten Jahren, mit dem er eine gewisse Aehnlichkeit besaß und das seinen längst verstorbenen Vater darstellte. Sinnend betrachtete er ihn eine ganze Weile. „Du weißt," flüsterte er,„ich habe Deinen Befehl, Rache zu nehmen an den Helmbachs wegen der uns widerfahrenen schmachvollen Behandlung und sie möglichst zu vernichten bis ins letzte Glied, zäh und eifrig befolgt. Nur noch wenige Wochen vielleicht, und ich hätte mein Ziel erreicht. Nun ist es zu Ende, ein Höherer hat mir die Waffe aus der Hand gewunden. Ich kann unmöglich mehr einen Feind in dem sehen, der sein eigenes Leben für meinen Sohn eingesetzt hat und dem mein Töchterchen in solcher Liebe ergeben ist.“ Düster starrte er vor sich hin. Diese Stunde, an welcher er die Vergangenheit an sich vorüberziehen ließ, wurde zu der bittersten seines ganzen Lebens. Er erkannte jetzt den Charakter seines blinden Hasses, dessen Schale er über einen völlig Unschuldigen ausgegossen hatte. Wie hatte er ihn nicht gehegt und gepflegt gleich einem Ideal. Ihm gegenüber traten alle Bestrebungen und Neigungen völlig in den Hintergrund. Und jetzt sah er ein, dieses häßliche Gefühl war ein Verbrechen gewesen. Wieder blickte er auf das Bild und seine Augen nahmen einen feuchten Glanz an. „Auch Du würdest gewiß an meiner Stelle das Gleiche tun und die Vergangenheit ruhen lassen. Der dort oben hat es anders gefügt, als wir es in unserm armseligen Menschenverstande planten. Und es ist gut so; was wir niedrigen Staubgeborenen auch sinnen und trachten, einer ist über uns, der alles fügt nach seinem Willen. Deshalb noch einmal: jener Tag der Schande soll ausgetilgt sein aus meinem Gedächtnis, denn der Enkel hat die großväterliche Schuld mit seinem Blute abgewaschen .. wir sind quitt.“ Eistedt erhob sich und begab sich nach dem Krankenzimmer. Seine Züge verloren ihre bisherige Herbheit und Strenge und ein liebes, wohlwollendes Lächeln nahm darauf Platz. Von Doktor Kanth, der sich bereits mit dem Verletzten beschäftigte, erfuhr er, daß die Wunde zwar eine längere Behandlung nötig machen würde, daß aber weitere Gefahr nicht vorhanden sei, weil glücklicherweise edle Teile nicht verletzt wären. Das Messer war an einer Rippe seitwärts abgeglitten und hatte nur einen großen Fleischschnitt verursacht. Rolf öffnete die Augen, wie Eistedt zu ihm hintrat und betrachtete ängstlich den Mann, welcher ihn und seine Ahnen die vielen Jahre mit solch unerbittlicher Rachsucht verfolgt hatte 160,20 * Münster, 19. Febr. Eine Bodensekung von etwa 1 Meter Breite und 3—4 Meter(!) Tiefe entstand gestern auf der Naesseldstraße. Ein Droschkenpferd trat in die Senkung und kam zu Fall; es konnte unbeschädigt in Sicherheit gebracht werden. Die gefährliche Stelle wurde sofort abgesperrt und gesichert. Wie das Loch entstanden ist, ist noch nicht aufgeklärt; ein Wasserleitungsrohrbruch ist nicht die Ursache. * Odenkirchen, 19. Febr. Um das Preisrauchen, das am Niederrhein immer mehr um sich greift, nach Möglichkeit zu verhindern, hatten hier die Stadtverordneten die Erhebung einer Lustbarkeitssteuer von täglich 100 Mark für derartige Rauchfeste beschlossen. Der Düsseldorfer Bezirksausschuß hat jetzt diesen sehr zeitgemäßen vernünftigen Beschluß genehmigt. Kleine Chronik. Die Wassersnot in der Altmark. Die Elbe hatte am Donnerstag ihren höchsten Stand erreicht, aber die meilenweite Niederung der Wische bleibt nach wie vor überflutet. Der Schaden ist gewaltig, Sammlungen sind bereits eröffnet. Der deutsche Kronprinz brachte Mittwoch 18 400 Mark bares Geld mit, 10000 Mark vom Kaiser, 8400 Mark auf einer Ballgesellschaft beim Prinzen Friedrich Leopold von Preußen gesammelt. Der Kronprinz mußte übrigens von Seehausen aus in aller Eile die Heimreise antreten, um nicht vom Wasser abgeschnitten zu werden. Die Stadt Seehausen ist jetzt ganz isoliert, der Bahnverkehr hat nach beiden Seiten hin(nach Wittenberge, nach Stendal) eingestellt werden müssen. Die Straßen stehen unter Wasser. Die Eisbrecher sind ziemlich bis zur Dammbruchstelle vorwärts gekommen; die Pioniere, die Tag und Nacht keine Ruhe haben, arbeiten von neuem an der Schließung des Dammes, aber das volle Unglück ist schon da. Das Wasser ist mit mächtigen Eisblöcken angefüllt. Immer müssen die Pioniere noch Bewohner von den Dächern ihrer überschwemmten Häuser herunterholen. Auch auf der Unterelbe von Hamburg abwärts ist schwerer Eisgang, viele Schiffe und Fahrzeuge stecken im Eise. Die Garde=Füsilier=Kaserne in der Chausseestraße in Berlin erlitt am Donnerstag Nachmittag ein ziemlich erhebliches Schadenfeuer. Ein Schwurgericht in die Luft zu sprengen, hatte in Berlin der geisteskranke Mann einer wegen eines Verbrechens angeklagten Masseuse geplant. Er ließ sich ein auf dem Leibe zu tragendes Blech=Futteral anfertigen, das er mit Sprengstoffen anfüllen und im Gerichtssaal zur Explosion bringen wollte. Der Klempner, der das Ding anfertigen sollte, meldete die Sache aber der Polizei. Der Geisteskranke ist in eine Anstalt gebracht. Daß die Berlinerinnen höchst kuragiert sind, haben sie selbst stets behauptet, aber bei den noch immer andauernden Messerstechereien(es sind nun schon über dreißig) bemerkt man von der Kurage nichts. Es übertrifft doch alles, daß ein im Hause der zweiten Polizeihauptmannschaft auf der Treppe angefallenes Mädchen dem Attentäter ruhig nachsah, statt einem vor der Tür stehenden Polizisten zu rufen. Aebrigens erscheinen nun auch Attentäterinnen auf dem Plan. In dem Vorort Bozhagen=Rummelsburg stach auf dem Wochenmarkt eine Frau einen Mann; sie wollte fliehen, ward aber sofort festgehalten. Der Anführer einer 40 Köpfe starken Verbrecherbande in Berlin wurde in einem 22jährigen Einbrecher verhaftet. Sein Spitzname ist: Das schüchterne Reh. Zur Steinheil=Affäre. Die Untersuchung gegen die wegen Doppelmordes angeklagte Frau Steinheil in Paris ist nunmehr beendet. Herausgekommen ist nichts. Da die ganze Sache von vornherein verfahren war, hat der Justizminister Bryand indessen eine Reform des Untersuchngs=Verfahrens angeordnet. Aus der spanischen Botschaft in Paris sind durch Einbruch wertvolle goldene und silberne Gerätschaften entwendet worden. Die weltberühmte Pelzwarenfärberei von Chapal in Paris steht in Flammen. Der Brand ist für die gesamte Pelzbranche von einschneidendster Bedeutung. da Chapals Spezialitäten ohne jede Konkurrenz sind. Die Sizilianer bestehen auf ihrem Kopf. Der König von Italien hatte bekanntlich den Bürgermeister von Messina abgesetzt, weil er bei dem Erdbeben feige davongelaufen war. Jetzt ist der Mann wiedergewählt. Großer Diebstahl. Während der Mittagspause wurden im Dom von Buarano in Italien zwei alte kostbare Spitzen im Werte von 120000 Lire gestohlen. Der Totensee. Roman von Martin Wehrau. 41 Zu seinem freudigen Erstannen aber ergriff jener seine Hand und drückte sie herzlich. Dann sprach er mit leicht vibrierender Stimme:„Ich habe Ihnen manches abzubitten, Herr Graf. Doch das lassen wir wohl bis später. Heute möchte ich Ihnen nur meinen tiefempfundenen Dank für die Rettung meines Sohnes aussprechen. Sie haben Ihr Leben für ihn eingesetzt und das vergesse ich Ihnen nicht. Sie werden das wohl später merken. Vorerst," sagte er lächelnd,„lassen Sie sich von Charlotte gesund pflegen. Ich hoffe, ihre Anwesenheit wird von gutem Einfluß auf Ihre Genesung sein. Sie ist eine vorzügliche Krankenwärterin, das gute Mädchen. Mit freundlichem Kopfnicken verschwand er und ließ ein sich wie verzückt anstarrendes Paar zurück, das im ersten Augenblick gar nicht an sein Glück zu glauben wagte. Nach einigen Tagen schon konnte Rolf nach Ilmenau transportiert werden. Zwar schien er noch immer schwach und hinfällig, er konnte jedoch, im Armstuhl sitzend, wenigstens seine Anordnungen treffen. Der alte Jahn war glücklich darüber, so vermochte ihn wenigstens„der alte Giftmischer“, wie er sich ausdrückte, nicht doch noch vom Leben zum Tode zu befördern. Rolf verbot ihm dieses Reden, doch gelang es ihm nicht, ein Lächeln zu unterdrücken, wie er daran dachte, daß ihm Eistedt bereits die Hand Charlottes zugesagt. „Reden Sie nicht solche Dummheiten, Jahn. Der alte Familienstreit ist begraben. Ich danke jenem Menschen eigentlich für den Messerstich, er war ja die Ursache zu dem geschehenen Guten. Jedenfalls sind Herr von Eistedt und ich jetzt die allerbesten Freunde.“ Jahn schnitt ein Gesicht, als habe er Essig getrunken, jedoch enthielt er sich aus Respekt jeder Aeußerung. Nur beim Hinausgehen murmelte ergrümlich:„Freunde? Ich danke für solche Freundschaft! Wie kann der Kater der Freund einer Taube sein!“ Sofort nach der erfolgten stillschweigenden Aussöhnung schrieb Eistedt an Schröpfer und Reichel, welche er um das persönliche Ueberbringen der bewußten zwei Wechsel ersuchte. Bange Fragen! Da streiten sich die Leut herum Der neuen Steuern wegen, Der Reichstag wie das Publikum Hat Grund sich aufzuregen, Es wird, wie die Finanzen stehn, Nicht ohne neue Steuern gehn, Drum geht ein banges Fragen: Wer will und soll sie tragen? Ein jeder hält die Hände auf Und stöhnt die Zeit ist teuer, Es wuchsen in der Zeiten Lauf Die Lasten ungeheuer. Ein Jeder sehe, wo er bleibt, Dieweil ein Keil den andern treibt. Und schwer hälts auszukommen Mit dem was eingenommen. Den Mittelstand drückt meist der Schuh, Der Landwirt klagt desgleichen, Der Arbeitsmann streikt ab und zu, Das ist ein schlechtes Zeichen! Und weil die Teu'rung herrscht im Land Hat man auch den Beamtenstand Erhört nach langer Klage: Es gab Gehaltszulage! Oft geht Frau Sorge ein und aus, Das Glück zu unterminen, Der Einzelne kommt nicht mehr raus, Drum muß er mehr verdienen. Geld fehlt nicht nur dem armen Mann, Ein Jeder strebt Verbess'rung an, Und grad in solcher teuern Zeit braucht man neue Steuern! Wer aber trägt dieselben wohl? Wen trifft der Schmerz, der herbe? Trägt sie der böse Alkohol? Zahlt sie der reiche Erbe? Macht sie, wer eine Reise tut, Durch neuen Zuschlag wieder gut? Wird sie der Luxus tragen, Das Wetten und das Wagen? Wer bringt die neuen Steuern ein? Ist es die Banderole? Ist es vom Rhein der goldne Wein? Tut es die böhm'sche Kohle? Ist es der Börsenspekulant? Ist es der Tabaksfabrikant? Sind es die Inserate, Affichen und Plakate? Bringt sie des Lichtes Quelle? Zahlt sie, wer frei vom Militär, Trägt sie der Junggeselle? Trägt Handel sie und Industrie? Freiwill'ge vor! Wo stecken sie? Man sieht in Steuerfragen Den Opfermut versagen! Wohl sinnt man hin, wohl sinnt man her, Und doch, ein Retter ist uns nah, Bald wachsen unsre Gelder: Wir haben ja in Afrika Die Diamantenfelder! Die Stein sind nur klein, jedoch: Geduld, Geduld, sie wachsen noch! Dann fließt der Goldstrom breiter Dann gehts uns gut! Ernst Heiter. Aus Zeit und Welt. Immer mehr weibliche Studenten. Auch an der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin werden jetzt Frauen als Hörerinnen aufgenommen, wenn sie mindestens eine der Einjährigen=Reife entsprechende Vorbildung nachweisen. Ja, ja, die Männer haben es wirklich schon schwer und bekommen es immer noch schwerer. Keine freudige Ueberraschung hatten die Kieler Stadtväter, die sich ein neues Rathaus bauen lassen. 1906 wurde die Bauleitung für 2 475000 Mark vergeben, aber bald kamen Nachforderungen und immer neue Ansprüche. Jetzt ist man nun schon bei 4 Millionen angelangt. Daß darob die Bürgerschaft, die 230 ¾ Kommunalsteuern zahlen muß, nicht erbaut ist, läßt sich denken. General Booth, der Gründer und Leiter der Heilsarmee, feiert am 10. April seinen 80. Geburtstag. Die über die ganze Welt heute verbreitete Gesellschaft will den Tag zu einem Ehrentag für ihren Stifter ausgestalten. Die wilde Jagd über den Ozean. Das englische Schiff Mauretania hat bei seiner letzten Amerikareise täglich durch schnittlich 1215 Kilometer zurückgelegt und damtt alle bisher erreichte Schnelligkeit geschlagen. Gegen die Nevolverschießerei. Revolver dürfen fortan nicht mehr an Personen ohne Waffenschein verkauft werden, so wird in diesen Tagen eine Verordnung des Berliner PolizeiPräsidenten bestimmen. Ohne den Besitz eines Waffenscheines darf keine Schußwaffe getragen werden. Die Ausdehnung dieser Vorschrift möchte sich auch anderswo empfehlen, denn die Zahl der Bluttaten, die mit Hilfe von dem gerade zur Hand gewesenen Revolver verübt sind, ist doch nachgerade eine erschreckend große geworden. Halbwüchsige dumme Jungen schleppen sich ja schon mit einem Schießprügel herum und richten Unfug an. Kunst, Wissenschaft und Technik. Das geräuschlose Maximgewehr. Mr. Hiram Percy Maxim führte in Newyork sein geräuschloses Gewehr vor. Von der neuen Erfindung ist bereits früher die Rede gewesen. Sie besteht aus einem Schalltöter, der äußerlich wie ein dünnes Stahlrohr aussieht und innerlich eine Anzahl von Scheiben oder Kammern enthält, die das Geschoß durchlassen und dabei die Gase festhalten und zerstreuen und auf diese Weise den Schall, der das Austreten des Geschosses begleitet, ersticken. Maxim wies nach, daß sich dieser Apparat an die Mündung jeden Gewehres befestigen lasse und dabei dasselbe Resultat erzielt. Der Erfinder versichert, daß sich dieser Schalltöter selbst für Geschütze von größtem Kaliber mit gleichem Erfolge her stellen lasse. Die Anfertigung des Schalltöters für große Kaliber sei sogar bedeutend leichter, als für die kleinen Kaliber. Taschenuhr für Blinde. Um Blinden das Ablesen einer Taschenuhr zu ermöglichen, sind schon verschiedene Konstruktionen geschaffen worden. Eine neue besteht darin, daß anstelle der 12 Zahlen 12 Stifte angebracht sind, die in der Reihenfolge der Stunden verschwinden. Der Griff der Uhr ist an der 12. Der Blinde fühlt dann die Stunde daran, daß an der entsprechenden Stelle kein Stift aus dem Zifferblatt hervorragt. Der sogen. große Zeiger unserer Uhren ist durch einen kräftigeren, kürzeren Zeiger ersetzt, damit er an den Stiften nicht anstößt. An ihm wird der Stand der Zeit innerhalb der Stunde gefühlt. Ein neuer Wunder=Apparat soll erfunden sein, der nicht nur gestattet, 4000 Worte pro Stunde zu depeschieren, sondern auch für die drahtlose Telegraphie benützt werden kann. So könnte man von einem Schiff im Ozean überall hin telephonieren und ebenso auch Mitteilungen empfangen. Nun, bis alles das komplette Wahrheit wird, wollen wir uns die Zeit nicht lang werden lassen. Für unsere Hausfrauen. Gegen Schwaben, diese unangenehmen Plagegeister in der Küche, ist eine Mischung von Zucker und Vorax zu empfehlen. Besonders Kartoffelbrei, dem diese Mischung zugesetzt wird, lockt die Tiere an, die nach dem Genuß so hinfällig werden, daß sie ihre Schlupfwinkel nicht mehr erreichen. Man fegt sie dann zusammen und verbrennt sie. Waldesduft im Zimmer. Man sammle im Herbst die Zapfen der Edeltannen und lege sie an einen luftigen Ort zum Trocknen. Wenn dann das Heizen der Zimmer beginnt, so lege man 2—3 Zapfen in die erwärmte Röhre, und bald duftet das ganze Zimmer. Nach 2—3 Tagen nehme man die ausgetrockneten Zapfen heraus, verbrenne sie und lege frische hinein, da sie nach und nach den Duft verlieren. Das schiefe Wachstum der Zimmerpflanzen. Zimmerpflanzen neigen bekanntlich sehr dazu, schief zu wachsen. Es Am nächsten Tage erschienen sie denn auch verwundert. „Haben Sie die Papiere mitgebracht?“ forschte Eistedt. „Jawohl, Herr Baron," erklang es doppelstimmig.„Der zu fünfzehntausend ist aber erst morgen fällig,“ glaubte Schröpfer erinnern zu müssen. „Ach, was Sie sagen!“ kam es spöttisch aus dem Munde des Alten.„Sie stecken sich doch eine Zigarre an?“ meinte er anscheinend ganz unvermittelt. Beide bejahten. Zu dieser Ehre kamen sie nur selten. Dor Gutsherr zündete nun ein Licht an, ergriff zum Entsetzen der Wucherer die ihm überreichten Wechsel und setzte sie in Brand. „Hier haben Sie jeder einen Fidibus zu Ihrem Glimmstengel!“ „Aber Herr Baron, das sind ja die Wechsel, das sind viersigtagsend Mark!“ lammgertguise gerhafee, „Ach, was Sie sagen. wiederhotte von Eistedt.„Uebrigens tut das nichts, sie sind bezahlt. „Bezahlt?“ „Ja, so daß ich in Zukunft,“ er lächelte ganz sonderbar,„Ihrer Dienste nicht mehr bedarf. Sie schicken mir wohl Ihre Liquidation ein für Ihre Bemühungen, es erfolgt dann umgehend das Geld... Doch ich will Sie nicht länger aufhalten.. adieu!“ Verdutzt schauten sich die Ehrenmänner an. „Aber Herr Baron... Dieser wandte sich noch einmal von seinem Schreibtisch, vor wel chen er sich, in Papieren blätternd, gesetzt hatte, zurück.„Es tut mir leid, daß ich Sie nicht mehr länger anhören kann, aber ich habe dringende Arbeiten vor.“ Mit tiefer Verbeugung entfernten sich nunmehr die Agenten, in deren Gesichtern ein unsagbar dummer Ausdruck Platz gegriffen hatte. Eistedt aber erhob sich nach deren Fortgang wie angewidert und riß die Fenster auf. Erst nach einer ganzen Weile schloß er sie wieder. „So, nun bin ich dieser Verbindung los und ledig, welche, ich sehe es immer mehr ein, das Unglück meines Lebens gewesen ist. Ich danke dem Schöpfer, daß er mich noch an meinem Lebensabend von den Schuften fortriß. Wer weiß, wie es sonst gekommen wäre!“ Er atmete auf wie von einer schweren Last befreit und schaute aus dem Fenster. Lange stand er vor demselben, in tieur mueneiomomneng An un fes Nachdenken versunken. Dann aber drehte er sich um und wandte sich wieder seiner Arbeit zu, währenddessen von seinem Munde die leisen Worte kamen:„Mein ist die Rache, spricht der Herr, ich will vergelten!“ „* * Wiederum befand sich Rolf Helmbach in der alten Bücherei. In dieser Zeit seiner Rekonvaleszenz beschäftigte er sich mit Vorliebe mit den alten Familienpapieren, die ihm immer mehr Neues und Interessantes boten. In ihnen schien der alte Glanz des gräflichen Hauses wieder lebendig zu werden und es kam ihm vor, als ob die Geister der Ahnen ihn umschwebten, wenn er die vergilbten Pergamente durchstöberte. Er hatte die Eichenkassette geöffnet, welche die wichtigsten Familienurkunden enthielt, und entfaltete eine nach der anderen, während er behaglich eine Zigarre rauchte, die ihm der Arzt bereits gestattete. Plötzlich stieß er auf ein Blatt, in dem ein fürsorglicher Ahne den Umfang des ehemaligen gräflichen Besitztums mit klaren Worten gekennzeichnet hatte. Danach betrug der Flächeninhalt der ganzen Grafschaft mehr als vier Quadratmeilen, eine Größe, wie sie vor Zeiten kaum manches deutsche Fürstentum besaß. Rolf seufzte. Er legte die brennende Zigarre weg und gab sich mit Eifer dem Studium der Aufzeichnung hin. Wo war er geblieben, der Ruhm und der Glanz des Hauses Helmbach? In alle Winde zerstreut! Und er hatte nicht zum wenigsten daran gearbeitet, dem ehemals so stolzen gräflichen Aar die an und für sich schon lahmen Fittiche zu beschneiden. Hätte er das nur früher geahnt, was er heute wußte, niemals würde es soweit gekommen sein. Wenn es auch jetzt verhältnismäßig gut mit ihm stand, so daß er die Augen noch nicht niederzuschlagen brauchte, falls ihn der alte Eistedt nach seinem Vermögen fragte, so bedeutete doch das, was er heute sein eigen nannte, eine verschwindend kleine Bagatelle im Vergleich zu dem damaligen enormen Reichtum seiner Vorfahren. Rolf mußte unwillkürlich wieder an den verschwundenen Schatz denken, an dessen Existenz er nach und nach zu zweifeln anfing. Trotzdem er das bewußte Papier mit der noch schwach erkennbaren Aufschrift„Schlüssel" unzählige Mal in der Hand gehabt und nach einem Weg gesucht hatte, den Schlüssel zur Anwendung bringen zu können, war es ihm bisher ein Geheimnis geblieben. 160.20 rührt dies daher, daß die Pflanzenteile auf der belichteten Seite langsamer wachsen, als auf der dem Lichte abgewendeten. Man hilft sich meist damit, daß man die Pflanzen von Zeit zu Zeit dreht, wodurch zwar die Schiefe ausgeglichen, aber dem verstärkten unnatürlichen Längenwachstum nicht abgeholfen wird. Außerdem vertragen viele Pflanzen das Drehen nicht. Ein einfaches Mittel, um all' diesen Uebelständen abzuhelfen, bietet ein Spiegel, welchen man in gemessener Entfernung hinter den Pflanzen aufstellt; derselbe beleuchtet die Rückseite der Pflanzen, wodurch ein annähernd gleichstarkes Wachstum beider Seiten herbeigeführt wird. Humor. Umschreibung. Sie:„Nun, wie gefällt dir mein neues Kleid? Nicht wahr, es ist herrlich?“— Er:„Ja, ja!... Aber weißt du auch schon, was es koster?“— Sie:„Nein— das interessiert ja doch nur dich!“ Im Gesängnis. Sträfling:„Ein wirklich feiner Mann, der Bankier! Mehr als eine halbe Million soll er unterschlagen haben; aber als er sich vorstellte, hat er jedem die Hand gegeben— sogar dem Huber... und der hat nur zwei Hemden gestohlen!“ Schlau.„Möchten Sie mir nicht Ihre Brille leihen? Ich habe meine vergessen!"—„Mit Vergnügen!“—„Und nun leihen Sie mir auch wohl Ihre Zeitung?! Ohne Brille können Sie ja ohnehin nicht lesen!“ Im Leihhaus. Pfandleiher:„Bedaure, auf„Schillers Werke“ gebe ich nichts!“— Studiosus(entrüstet):„Mensch, und Sie rechnen sich zu den gebildeten Leuten?!" Je nachdem. Seppl:„Zweimal hab' i' schon an' Brief kriegt, daß mei' Haus an'zünd't wird— i' muß doch an' Feind im Ort hab'n.“— Girgl:„Oder an' recht guat'n— Freund.“ Teures Studium.„Ihr Viehbestand ist sehr gering geworden, Huberbauer!“—„Ja, ja! Die schönen Ochsen habe ich schon längst wegen mei'm Aeltesten, der auf der Universität is, verkaufen müssen— und hier im Schafstall hat er auch schon herumstudiert!“ Nach der Hochzeit. Junger Ehemann:„Meine Frau hat mir dreihundert Mark übergeben. Sie wollen doch um Gottes willen nicht sagen, daß das die ganze Mitgift ist?“— Schwiegervater(kleinlaut):„Die Droschke nach dem Standesamt habe ich auch bezahlt!“ Scheinbarer Widerspruch.„Wie ist das Bier in Ihrer Gegend?“—„Vorzüglich— sonst hätt' es mir der Arzt doch nicht verboten!“(Flieg. Bl.) mistes auf der Uebertragung nützlicher Bakterien in den Boden. Auch in dieser Beziehung ist der Peru=Guano von größter Wichtigkeit: er ist nicht nur ein sehr günstiger Nährboden für Bakterien, sondern bringt solche direkt wie der Stallmist mit in den Acker. bestes Rohmaterial und sorgfältige Fabrikation bedingen die wertvollen Eigenschaften von Knorr’s Haferflocken als leicht verdauliche, nahrhafte und bekömmliche Speise. Für Kindernahrung empfehlen viele Aerzte Knorr’s Hafermehl. 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Teils heiter bei Wolkenzug, normale Temperatur. 22. Febr. Rebel, nahe Null, bedeckt, trübe. 23. Febr. Wolkig mit Sonnenschein, frostig. 24. Febr. Wolkig, teils heiter, Frost, normal. Pianokauf ist Vertrauensnaebe, Qualttüt und sellen ssmebelden Vie liefern unser vielf. präm. Fabrikat auch geg. Raten v monatl. 20 Mr. direkt ab Fabrik franko zur Probe. Lan 1000 Instr. Katal. üb. Langjährige Garande. Jahreeverhauf ober Planes, Plügel u. Harmonlume gr. u. Franke. Roth& Junius Passtesrn Hagen I. W. Welchen Nutzen bringt Peru=Guano? Es ist eine Tatsache, daß der Peru=Guano seit seinem Erscheinen auf dem Düngermarkt unter den Handelsdüngern eine ganz besonders bevorzugte Stellung einnimmt. Worauf ist dies zurückzuführen? Welchen Nutzen„kann man durch eine Düngung mit Peru=Guano erzielen? Das sind Fragen, die jeden Landwirt interessieren; ist doch die Erzielung größtmöglichster Ernten heutzutage die Lebensfrage der deutschen Landwirtschaft. Zur Erzielung hoher Erträge verlangt unser Boden jedoch eine starke Zufuhr von sämtlichen zum Wachstum der Pflanzen nötigen Nährstoffe: Stickstoff, Phosphorsäure, Kali. Diese Nährstoffe sind nun sämtlich im Peru=Guano vorhanden, und zwar seiner Natur gemäß in außerordentlich enger Vermischung, wie diese bei einem Mischdünger nicht herzustellen ist. Ein junges Pflänzchen, das nur einige kleine Körnchen Kunstdünger in seiner unmittelbaren Nähe hat, bekommt bei einer Düngung mit Peru=Guano zugleich alle drei Nährstoffe, wahrend dies bei einer Düngung mit anderen Handelsdüngern nicht immer der Fall ist. Die Folge hiervon ist, daß sich die mit Peru=Guano gedüngten Felder durch ein besonders gleichaßiges Wachstum auszeichnen. Weiter ist der Nutzen einer Veru=Guano=Düngung durch eine außerordentliche Steigerung der Ernteerträge von Seiten einwandsfreier Personen mittels vieler Versuche nachgewiesen. So brachte eine Düngung mit Veru=Guano„Füllhornmarke" nach Abzug der Düngungskosten einen Mehrertrag, gegen unbedüngt gerechnet, auf den Hektar bei Roggen 103,10 Mk., Hafer 226.50 Mk., Zuckerrüben 176,80 Mr., Gerste 243.05 Mk., Kartoffeln 244.— Mk., Futterrüben 146,40 Mark. Außer den oben angegebenen drei Nährstoffen enthält der Veru=Guano noch ca. 12 Prozent Kalk und 50 Prozent organische bezw. humose Substanz. Und gerade diese Bestandteile sind für die Fruchtbarkeit des Bodens von größter Wichtigkeit. Andere künstliche Düngemittel wirken oft energisch zersetzend auf den in der Ackerkrume vorhandenen Humus, sind also Humuszehrer. Peru=Guano dagegen ist ein Humusmehrer. Nach den neuesten Forschungen beruht die Hauptwirkung des StallDie Waschmaschine System„Kraub bedeutet einen gewaltigen Eine jugendliche Person leistet damit mindestens doppelt soviel, als eine erfahrene Waschfcau. Das Drehen geht kinderleicht. Die Wäsche leidet dabei nicht im Geringsten. 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Abhaltung des Musterungsgeschäftes für 1909. Die Ersatz=Kommission für die Musterung der Militärpflichtigen im Kreise Hörde tritt in diesem Jahre an folgenden Tagen zusammen: I. Im Bergmann'schen Saale in Hörde, Langestraße. Am Jahrgang 1. März: für die Aemter Barop und Wellinghofen 1887 2. März: für das Amt Kirchhörde und die Stadt Hörde. Buchstaben A—f einschließlich 1887 3. März: für die Stadt Hörde, Buchstaben G—3 1887 4. März: für die Aemter Barop und Wellinghofen 1888 5. März: für das Amt Kirchhörde 1888 6. März: für die Stadt Hörde, Buchstaben A—K einschl. 1888 8. März: für die Stadt Hörde, Buchstaben L—3 1888 9. März: für das Amt Barop ganz u. die Stadt Hörde, Buchstaben A und B 1889 10. März: für die Stadt Hörde, Buchstaben C—O einschl. 1889 11. März: für die Stadt Hörde, Buchstaben P—3 1889 und das Amt Kirchhörde, Buchstaben A—D einschl. 1889 12. März: für das Amt Kirchhörde, Buchstaben E—3 1889 13. März: für das Amt Wellinghofen, und Reklamationen aus den Aemtern Barop und Wellinghofen. 15. März: für die Reklamationen aus der Stadt Hörde und dem Amte Kirchhörde. II. Im Saale des Gasthofes zur Post(Schulte) zu Aplerbeck. 16. März: für das Amt Aplerbeck ganz 1887 17. März: für das Amt Aplerbeck, Buchst. A—T einschl. 1888 18. März: für das Amt Aplerbeck, Buchstaben U—3 1888 und Buchstaben A—N einschließlich 1889 19. März: für das Amt Aplerbeck, Buchstaben O—3 1889 und die Reklamationen aus dem Amte Aplerbeck. III. Im Schulze=Selmig'schen Saale zu Schwerte. 20. März: für die Stadt Schwerte 1887 und das Amt Westhofen 1887 und 1888 22. März: für die Stadt Schwerte 1888 und das Amt Westhofen 1889 23. März: für die Stadt Schwerte 1689 24. März: für die Reklamationen aus der Stadt Schwerte und dem Amte Westhofen. IV. Im Saalt des Hotel=Restaurants Deutsches Haus zu Annen (Bahnhofstraße) 26. März: für das Amt Annen 1887 und die Buchstaben A—R einschließlich 1888 27. März: für das Amt Annen, Buchstaben S3 1888 und 1889 und die Reklamationen aus dem Amte Annen. Aeltere Jahrgänge werden mit dem Jahrgang 1887 gemustert. Das Musterungsgeschäft beginnt für die Militärpflichtigen in Hörde um 7,15 Uhr, in Aplerbeck, Schwerte und Annen um 7,45 Uhr vormittags. Die zur Gestellung verpflichteten Militärpflichtigen haben sich bei Vermeidung der gesetzlichen Strafen zu den bezeichneten Terminen pünktlich und rein gewaschen einzufinden. Jede Störung der Ruhe und Ordnung des Musterungsgeschäftes wird mit einer Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit verhältnismäßiger Haft geahndet. Die Militärpflichtigen der Jahrgänge 1887 und 1888 haben ihre Losungsscheine mitzubringen. Die Prüfung und Begutachtung der Reklamationen, welche bei den Ortsbehörden rechtzeitig anzubringen sind, findet für die Aemter Wellinghofen und Barop am 13. März, für die Stadt Hörde und das Amt Kirchhörde am 15. März, für das Amt Aplerbeck am 19. März, für die Stadt Schwerte und das e! Amt Westhofen am 24. März und für das Amt Annen am # 1 27. März statt. Die Musterung dagegen, auch der Militärpflichtigen, welche Reklamationen angebracht haben, bereits vorher an den Tagen, welche für die einzelnen Aemter bezw. Städte oben näher bezeichnet sind. Die Personen, auf deren Arbeits= bezw. Aufsichtsfähigkeit es bei Beurteilung der Reklamationen ankommt, müssen sich der Ersatzbehörde an dem für die Reklamation in Frage kommenden Tage persönlich vorstellen. Verspätet angebrachte Reklamationen können nicht berücksichtigt werden, da die Zurückstellungen in Berücksichtigung von Reklamationen nur nach eingehender Prüfung der Verhältnisse durch die Ersatz=Kommission stattfinden dürfen. Die Losung findet für die Militärpflichtigen des Jahrgangs 1889 und etwaige übergegangene ältere Jahrgänge am 29. März, vormittags 9 Uhr im Bergmann'schen Saale zu Hörde statt. Das persönliche Erscheinen der Militärpflichtigen zu diesem Losungstermin ist nicht erforderlich, vielmehr steht er letzteren frei, einen anderen mit der Losung zu betrauen, etwa ihre Eltern oder den Vormund. Mangels eines besonderen Auftrages erfolgt die Losung für die nichterschienenen Militärpflichtigen durch die Mitglieder der Ersatzkommission. Hörde, den 12. Februar 1909. Der Zivil=Vorsitzende der Ersatzkommission des Kreises Höede: I. V.: Freiherr von Steinaecker. 785 Diese Woche 814 Balbtleisch von 70 Pfg. an zu haben bei H. Wiechen. Die Dortmunder Automobilmit 12 Automobilen nur Burgwall 3s direkt am Hauptbahnhof. Bildet Personen jeden Standes zu „Berufs Chauffeurenaus. Praktische und theoretische Ausbildung. Freier Stellen=Nachweis. Prospekte gralis. 589 Inh.: Heinrich Koch. S•• S• Wer liefert billigstfranz BordeauzRotwein unter Garantie der Renund unverschnitten? 215 Antwort: Wenden Sie sich an Carl Ratsin, Gasthof„Hur Helle“ in Schwerte, Oftenstraße 26. 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W. und seine Ehefrau, die zurzeit eine fünfmonatige Gefängnisstrafe verbüßt und vorgeführt ihr Ehegespons mit den Worten:„Do stäit de Vagabund jo all!“ begrüßte. Beide Angeklagte leben sei über 2 Jahren getrennt und stehen in Ehescheidung. Bei Gelegenheit eines Sühne termins sollen sich die beiden gegenseitig mit Tötung bedroht haben. Der Ehemann wurde jedoch freigesprochen, während die bessere Hälfte noch zwei Wochen Gefängnis dazu bekam.— Der Agent Heinrich V. soll im Jahre 1907 und 1908 verschiedene der Firma H. Timmann in Dortmund gehörende Beträge in Höhe von etwa 150 Mark, sowie zwei Nähmaschinen im Werte von 50 und 130 Mark unterschlagen haben. Nach um fangreicher Beweisaufnahme mußte die Sache zwecks weiterer Klärung vertagt werden.— In der Nacht zum 3. Mai v. Is. wurden hier und in Westhofen eine Reihe von Sachbeschädigungen verübt, über die wir seinerzeit berichteten und wegen deren der Schreiner Zimmermann und die Anstreicher König und Menne zu erheblichen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Der vierte Beteiligte, der Anstreicher Wladislaus Krupski, konnte bisher nicht aufgefunden werden und ist steckbrieflich verfolgt worden, bis ihn jetzt das Schicksal ereilte. Die Verhandlung ergab, daß der Angeklagte an der Zerstörung von einigen hundert Nöhrensteinen des Elektrizitätswerkes„Mark“„mitgewirkt", an einer Baubude Fensterscheiben eingeschlagen, sowie auf der Iserlohnerstraße eine Anzahl Telegraphendrähte durchschnitten und außerdem groben Unfug verübt hat. Dem noch nicht vorbestraften Angeklagten wurden mildernde Umstände in erheblichem Maße zugebilligt, und lautete das Urteil auf zwei Monate Gefängnis und eine Woche Haft. ** Hennen, 20. Febr.(Jagdglück.) In dem Lenning= hauser Jagdrevier hatten gestern Nachmittag vier Nimrode das Glück, in einer Tannenschonung fünf Füchse einzukreisen und sämtlich zu erlegen. Weidmannsheil! Letzte Drahtmeldungen. Antimilitärische Strömungen. Prag, 20. Febr. In Schlan sind 30 Unteroffiziere eines hiesigen tschechischen Regimentes bei einer antimilitärischen Geheimversammlung überrascht und verhaftet worden. Sie wurden dem Militärgericht eingereicht. Im Zusammenhange mit den anderen Vorfällen der letzten Zeit erregt diese Verhaftung großes Aufsehen. Bombenfund. Chalous=sur=Saöne, 20. Febr. Nahe der Grenze wurde gestern eine Bombe aufgefunden, die sich als sehr gefährlich erwies. Anscheinend handelt es sich um einen Nacheakt von Schmugglern. Familien=Drama. Haynan, 20. Febr. Hier tötete die Gattin eines Brauereibesitzers wegen Nahrungssorgen ihre beiden Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren, indem sie ihnen die Kehle durchschnitt. Darauf beging die Frau Selbstmord. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. 856 Ein Komitee für die Hochwasser=Geschädigten. Berlin, 20. Febr. Auf Anregung des Kronprinzen ist ein Komitee für die in den preußischen Provinzen durch das Hochwasser Geschädigten in Bildung begriffen. Dem unter dem Protektorat des Kronprinzen stehenden Hilfskomitee sind bis jetzt u. a. beigetreten: der Hofmarschall des Kronprinzen, Graf von Bismarck=Bohlen, der Minister des Innern von Moltke, Landwirtschaftsminister von Arnim, Generalkonsul von Koch, Deutsche Bank. Diskonto=Gesellschaft, Berliner Handelsgesellschaft, der Präsident des Roten Kreuzes, Oberbürgermeister Kirschner, Geh. Justizrat Esser in Köln und andere. Die kon stituierende Versammlung findet in den nächsten Tagen statt. Der neue„Zeppelin“ Friedrichshafen, 20. Febr. Mitte März sollen mit dem Zeppelinschen Luftschiff die ersten militärischen Aufstiege stattfinden. Für die diesjährigen Kaisermanöver soll schon die Verwendung des Zeppelin=Luftschiffes beabsichtigt sein. Hochzeit im Hause Zeppelin. Stuttgart, 20. Febr. Gestern fand hier im Beisein des Königspaares die Trauung der einzigen Tochter des Grafen Zeppelin, der Gräfin Hela, mit dem Oberleutnant im Ulanenregiment König Karl. Frhr. v. Brandenstein statt. Dem Reichsanzeiger zufolge hat der König dem Oberleutnant im Ulanenregiment König Karl I., Württembergisches Nr. 19, Alexander von Brandenstein aus Anlaß seiner Vermählung mit der Gräfin Hela Zeppelin in den Grafenstand erhoben mit der Maßgabe, daß der Grafentitel samt der dem Namen von Brandenstein beizufügenden Bezeichnung Zeppelin sich im Mannesstamm in der geraden Linie und nach dem Erstgeburtsrecht vererbt. Vom neuen Parsevalballon. Bitterfeld, 20. Febr. Der Ballon Parseval 2 unternahm gestern eine neue Fahrt. Er stieg bis zu 200 Meter Höhe und entschwand infolge des starken Nebels bald den Blicken. Die Landung vollzog sich glatt. Ein freudiges Ercignis im italienischen Königshause. Rom, 20. Febr. Die Königin Helena sieht im Sommer einem freudigen Ereignis entgegen. Die Not der Altmark. Magdeburg, 20. Febr. Die Not im Ueberschwemmungsgebiet ist groß, und noch ist nicht abzusehen, wann es gelingen wird, den furchtbaren Eisgürtel bis Wittenberge zu sprengen, der die Fluten der Elbe festhält und in die Altmark=Niederung hineintreibt. Seit gestern steht auch die Stadt Seehausen über 1 Meter unter Wasser. Das Wasser steigt fortgesetzt und dehnt sich immer mehr nach Norden und Westen aus. Die Stadt Werben ist vom Verkehr gänzlich abgeschnitten. Das Wasser steht bereits am Bahnhof; die niedrig gelegenen Stadtteile waren schon gestern geräumt. Fiasko des englischen Armee=Aeroplans. London, 20. Febr. Der neue englische Armee=Aeroplan, über dessen Vorzüglichkeit sich die maßgebenden englischen Kreise nicht lobend genug äußern konnten, hat gestern bei einem Aufstieg in Aldershot ein arges Fiasko erlitten. Er machte nur ganz langsame Sprünge und blieb schließlich im Morast stecken. Bei einem zweiten Versuch erhob sich die Maschine zwei Meter in die Luft, um ungefähr 100 Schritt weit zu fliegen, dann überschlug sie sich in der Luft und schlug so stark auf die Erde auf, daß sie starke Havarien erlitt und gebrauchsunfähig wurde. Hiobspost aus Persien. Teheran, 20. Febr. Laut Nachrichten aus Taebris ist das deutsche Waisenhaus in Choi von den Truppen des Schahs bedroht. Teheran, 20. Febr. Der Schah wagt noch immer nicht durch gewaltsame Oeffnung der trotz seiner Drohung immer noch geschlossenen Basare die Empörung zu entfesseln. Er verliert stündlich Terrain. Die Europäer und Perser verproviankieren sich in der Voraussicht, der durch den Sturz des Schahs erfolgenden Verkehrsstörung. Serbische Rüstungen. Prizren, 20. Febr. Unter den hiesigen Serben werden Sammlungen zur Ausrüstung serbischer Banden veranstaltet. Jum Boykott gegen Oesterreich=Ungarn wird von Serbien immer noch sehr gehetzt, dennoch finden österreichisch=ungarische Waren hier ungestörten Absatz. Theater=Spielplan. Stadttheater Dortmund. Sonnabend, 20. Febr., 7,30 Uhr:„Der Troubadour“. Oper mit Ballett in 4 Aufzügen von G. Verdi. Sonntag, 21. Febr., 2,45 Uhr:„Onkel Bräsig". Lebensbild in fünf Aufzügen von Fritz Neuter.— Abends 6,30 Uhr:„Die Meistesinger von Nürnberg“. Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner. Montag. 22. Febr., 7,30 Uhr:„Onkel Bräsig". Lebensbild in fünf Aufzügen von Fritz Reuter. Dienstag, 23. Febr., 7,30 Uhr:„Der Trompeter von Säckingen“. Oper mit Ballett in 1 Vorspiel und 3 Aufzügen von Viktor E. Neßler. Mittwoch, 24. Febr., 7,30 Uhr:„Sappho“. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer. Donnerstag, 25. Febr., 7,30 Uhr:„Tiefland“. Musikdrama in 1 Vorspiel und 2 Aufzügen von Eugen d'Albert. Freitag, 26. Febr., 7,30 Uhr:„Rosmersholm“. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Ibsen. Sonnabend, 27. Febr., 7,30 Uhr:„Faust“. 1. Teil, 1. Tagewerk, in 5 Aufzügen von W. v. Goethe. Sonntag, 28. Febr., nachm. 3 Uhr:„Faust"., 1. Teil, 2. Tagewerk, in 5 Aufzügen von W. v. Goethe.— Abends 7,30 Uhr: „Faust's Tod“. Aus Goethe's Faust 2. Teil. Bearbeitet in 5 Aufzügen von Adolf L'Arronge. Jum 1. März sauberes Halblagsalschir für die Apotheke gesucht. Schwerte=Ruhr. Tüchtiges evang. 827 Mädchen von 17—18 Jahren für kinderlosen Haushalt z. 1. März od. spät. gesucht. Frau G. Schultz, Hagen, Bismarckstr. 19. I. 831 Suche per 1. Mai einen ordentl. Jungen von 14 Jahren zum Milchfahren. Overbeck, Holzen. Eine Ein Wohnung von 3 Zimmern zum 1. April zu vermieten. 851 Mährstraße 6. Geweckter, gewissenhafter Taufbursche indet Stellung bei 842 Carl Braus, Große Marktstraße 3—5. Mehrere tüchtige Geerzieher ür dauernde Beschäftigung für sofort gesucht. Von wem sagt die Expedition dieser Zeitung. 806 Stadttheater Barmen. Samstag, 20. Febr., 8 Uhr:„Iphigenie auf Tauris". Schauspiel in 5 Aufzügen von Wolfgang von Goethe. Sonntag, 21. Febr., nachm. 3 Uhr:„Bei uns da drüben“. Ein Kolonialschwank in 4 Akten von Max Reimann und Otto Schwartz.— Abends 7 Uhr:„Der Zigeunerbaron“. Operette in 3 Akten von Johann Strauß. Montag, 22. Febr.: Karnevalistischer Ueberbrettl=Abend. Vorträge. Ballett. Einakter. Urgroßväterchens Geburtstag. Verwandlungsszenen, 4 Personen. Dienstag, 23. Febr., 8 Uhr:„Wuppertaler Fahrten“. Große Karnevalsposse mit Gesang und Tanz von Ferd. Ahnelt und Konrad Dreher. Mittwoch, 24. Febr., 8 Uhr:„Frühlingsluft“. Operette in drei Akten von Josef Strauß. Donnerstag. 25. Febr., 8 Uhr:„Elektra". Musikdrama von Richard Strauß. Freitag, 26. Febr., 8 Uhr:„Wuppertaler Fahrten“. Große Karnevalsposse mit Gesang und Tanz von Ferd. Ahnelt und Konrad Dreher. Samstag, 27. Febr., 8 Uhr:„Moral“. Komödie in drei Akten von Ludwig Thoma. Sonntag. 28. Febr., vorm. 11 Uhr:„Frau Warrens Gewerbe“. Komödie in drei Akten von Bernhard Shaw.— Nachmittags 3 Uhr:„Lohengrin“. Romantische Oper von Rich. Wagner. — Abends 7,30 Uhr:„Fra Diavolo“, Komische Oper in drei Akten von F. Auber. Montag, 1. März, 8 Uhr:„Elektra". Musikdrama von Richard Strauß. Junger Mann zum baldigen Eintritt für Comptoir=Nebenarbeiten gesucht. Kaufmännische Kenntnisse nicht erforderlich. 858 C. Rob. Lohmann, G. m. b. H. Westhofen i. W. Schöne Wohnung 3 Zimmern, mit Vorratskammer, Trockenboden, Stall u. Gartenland per 1. April ds. Is. und ein möbl. Zimmer mit Morgenkaffee per sofort oder päter zu vermieten. 857 Hellweg 17. Wohnung von 2 Zimmern, mit Stall und Gartenland vom 1. April zu vermieten. 821 Merkisch, Hermannstr. 18. Mein Wehnhuns an der Ergster Chaussee, enthaltend 8 geräumige 3 Bodenstuben und 4 Keller mit Wasserleitung 2c. nebst Garten ist per 1. 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Samstag 8„ Turnen in der städtischen Turnhalle. Westhofen. Sonntag(21. Febr. 1909.) Vorm. 9½ Uhr: Beichte. Vormittags 10 Uhr: Predigtgottesdienst, nachher hl. Abendmahl; nachm. 2 Uhr Kindergottesdienst. Gottesdienstordnung der katholischen Pfarrkirche. Sonntag, den 21. Februar. Quinquagesimä. Vormittags. 6½ Uhr: Stille hl. Messe. Kapl. Riete 7¼ Uhr: Frühmesse. Dr. Rensing. Gemeinschaftl. hl. Kommunion der Jungfrauen=Congregation. 9 Uhr: Schulmesse. Pfr. Schnurbus. 10¼ Uhr: Hochamt mit Hirtenbrief. Nachmittags. 2½ Uhr: Andachl. 5 Uhr: Jungfrauen= ConLichtendorf. 8= Uhr: Frühmesse, 10 Uhr: Hochamt mit Prdiot 2 Uhr: Andact. Die Tatsache, daß für die Söhne des deutschen Kronprinzenpaares sowie in der italienischen Königsfamilie das Nestle'sche Kindermehl gebraucht wird, dürfte wohl der beste Beweis für die Vorzüglichkeit desselben sein. 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