für den Kreis börde. General-Anzeiger für den Kreis Hörde S Schwerter Volks-Zeitung Zeitung" geAbonnenten kür endenden UnIhren BedingIs Unterstützung. Alie kreis- und lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung a##ch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechts2 o o o o o verbindliche Kraft. o c c cc“ Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-Gubt). Ferneprecher Dr. 62. Celegr.-Adresse: Braus. Schwerte-Rudr. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. O haupt-Annoncenblatt. Unheils=Propheten schauen heute eine dreifache Krisis im Deutschen Reiche; zum ersten eine Finanz=Krisis, zum zweiten eine Block=Krisis, zum dritten eine Kanzler=Krisis. Die eine leitet sich aus der anderen her, so wird behauptet, und was werden soll, wenn es nun praktisch zum Bruch in absehbarer Zeit kommt, das weiß kein Mensch. So geht das Gemurmel um und verdichtet sich zu bestimmten Auslassungen in verschiedenen Zeitungs=Spalten. Ist es wirklich schon so arg? Nein, noch brennt das Krisen=Feuer nicht, aber es erscheint wirklich angemessen, sich vor einem Blasen zu hüten, welches den Brand aufflammen machen könnte. Die Dinge, um welche es sich hier dreht, sind Reichs=Angelegenheiten; aber sie haben sich nicht in dem Reichstage, in dem es in der allerletzten Zeit recht„stillvergnügt“ zuging, abgespielt, sondern im preußischen Abgeordnetenhause. Und weil man nun einmal gewohnt ist, alle großen Angelegenheiten aus dem Reichstage zu hören, ist weniger darauf geachtet. Aber sie bleiben schon wichtig genug. Fürst Bülow hat in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident zuerst gesagt, ohne Nachlaß=Steuer geht es mit der Finanz=Reform im Reiche nicht; aber seine Erwartung, die widerstrebende konservative Partei werde sich mit dieser Steuer befreunden, hat sich nicht erfüllt. Da sitzt der Kernpunkt für die oben betonten drei Krisen. Denn daß als rein preußische Differenz=Angelegenheit über Nacht ein Zwist wegen Abänderung des Wahlrechtes hinzukommen sollte, ist nicht so ängstlich zu befürchten, darüber kann noch viel Wasser ins Meer fließen. Ja, was nun? Die Finanz=Krisis haben wir. Muß die Block=Krisis und damit die Kanzler=Krisis folgen? Der konservative Standpunkt ist gegen, der liberale für die Nachlaßsteuer, und auf dem letzteren steht der Kanzler. Wenn nur alle Teile bei dem bleiben, was sie heute sagen, dann hört, wenigstens für die Finanz=Angelegenheit im Deutschen Reiche, die Block=Mehrheit auf. Allerdings fehlt es nicht an Stimmen, die sagen, das macht nichts, dann gibt es eben für diesen Fall eine andere Mehrheit. Zu bedenken ist nur, ob die auseinandergesprengte Block=Mehrheit sich wieder zusammen finden, und ob der Reichskanzler mit einer neuen Mehrheit gehen wird, nachdem er 1908 im Reichstage erklärt hat, das manzelnde Vertrauen der Block=Majorität zwinge ihn, die unvermeidlichen Konsequenzen zu ziehen. Die parlamentarische Situation kann man als kritisch auffassen, aber noch ist keine Block= und keine Kanzler=Krisis da. Und wir haben schon ebenso kritische Verhältnisse gehabt, unter denen ein Kanzlerwechsel zwar drohte, aber nicht eintrat. Allerdings, wenn immer wieder das Zwietrachts=Feuer geschürt wird, dann kann es auch eines Tages brennen; indessen es muß nicht brennen. Bisher ist in der ganzen Steuersache immer nur das äußere Bild betrachtet, es ist zu viel Theorie getrieben; also muß einmal der praktische Kern geprüft werden, und dazu fehlte immer noch der rechte Wille. Nun wird es aber dazu Zeit; wie eine Katze fortwährend um den heißen Brei herumzuspringen, das geht nicht mehr lange an, dann droht eben die akute Krisis. Ohne guten Willen auf allen Seiten wird es nicht gehen, mit dem guten Willen indessen geht alles. Denn, was wir doch im Auge behalten wollen, es handelt sich hier um die finanzielle Gesundung des Reiches und nicht um akademische Doktorfragen. Und noch immer und alle Male ging Probieren über Studieren. Fürst Bülow hat's nicht leicht; ihm das Leben noch saurer, wie es ohnehin schon ist, zu machen, nötig ist's gerade nicht. Politische Uebersicht. Deutschland. Gegen direkte Reichssteuern ist auch die Mehrzahl der Bundesregierungen eingenommen, wie es die Erklärung des achsischen Finanzministers in der zweiten Kammer des Königreiches soeben wieder gezeigt hat. Wenn die Entscheidung über die Reichsfinanz=Reform fällt, und das soll zwischen Ostern und Pfingsten geschehen, wird man auch bereits genaueres wissen über das Schicksal der Reichsbanknovelle, die schon in den nächsten Wochen dem Reichstage zugehen wird. Bis dahin wird auch die deutsche Volksvertretung Gelegenheit gehabt haben, Stellung zu nehmen zu dem Gesetzentwurf über die Vereinheitlichung der Arbeiterversicherungsgesetze. In diesem Entwurf, Donnerstag, den 28. Januar 1909. der mit seinen 1739 Paragraphen die umfangreichste Vorlage sein wird, die dem Reichstage je zugegangen ist, werden auch die Bestimmungen über die Arbeiter=Witwen= und Waisenversorgung enthalten sein. Diese Bestimmungen müssen nach dem bekannten Zentrumsantrage zum Zolltarif, wie erinnerlich, im Jahre 1910 in Kraft treten. Kommissionsberatungen. In der Budgetkommission des Reichstags äußerte sich Staatssekretär von Schön bei fortgesetzter Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes über die Vorgänge von Liberia, den Mehlzollstreit mit der Schweiz, über deutsche Schiedsgerichtsverträge und über Reformen im diplomatischen Dienst.— Bei der Beschießung deutscher Dampfer an der Küste von Liberia handelte es sich um einen unerheblichen Vorgang. Eine Beschießung von Dampfern der WoermannLinie fand nicht statt. Die Schüsse wurden nur abgegeben, um die Dampfer anzuhalten. Da von der Regierung der liberischen Negerrepublik anerkannt wird, daß die deutschen Schiffe der genannten Linie über den Verdacht des Schmuggels erhaben sind, so werden die Schuldigen bestraft werden.— In dem Mehlzollstreit mit der Schweiz werden noch Verhandlungen gepflogen, über deren Ausgang sich noch nichts sagen läßt. Entsprechend den guten Beziehungen beider Länder zueinander werden diese Verhandlungen in entgegenkommender und freundschaftlicher Weise geführt.— Schiedsgerichtsverträge hat Deutschland mit England und Amerika abgeschlossen, oder ist doch dabei, das zu tun. Zum diplomatischen Dienst werden auch bürgerliche Kandidaten herangezogen.— Die Reichstagskommission für das Arbeitskammergesetz kam in ihrer ersten Sitzung noch zu keinen positiven Beschlüssen. Ein sozialdemokratischer Antrag wurde abgelehnt, ein freisinniger zurückgezogen.— Die Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses für das Lehrerbesoldungsgesetz stellte in einer dritten Lesung den Wortlaut der von ihr abgeänderten Vorlage definitiv fest. Vor allem wurde die Zahl der Orte, die Ortszulagen gewähren können, durch die Beschlüsse der dritten Lesung erhöht. Unter den wenigen sonst noch beschlossenen Aenderungen befindet sich noch folgende: Durch die Ortszulagen darf das bisherige Endgehalt— unbeschadet der Amtszulagen— für die Lehrerstellen um höchstens 900 Mark, jedoch nicht über 4200 Mk. hinaus, für die Lehrerinnenstellen um höchstens 600 Mark, jedoch nicht über 2950 Mk. hinaus, erhöht werden. In einer Resolution zu der Vorlage wird die Regierung ersucht, den mit voller Leitungsbefugnis ausgestatteten Leitern von Schulen mit 6 oder mehr aufsteigenden Klassen grundsätzlich die Amtsbezeichnung Rektor, den anderen Schulleitern die Hauptlehrer beizulegen. Handwert und Arbeitskammern. Die Handwerkskammer Düsseldorf hat sich für die Einbeziehung des Handwerks in die Arbeitskammern ausgesprochen, und zwar aus folgenden Gründen: Der Ausschluß des Handwerks aus den Arbeitskammern müßte die Zahl der Streitfälle, in denen über die Handwerksoder Fabrikeigenschaft eines Betriebes zu entscheiden ist, vermehren, was durchaus nicht den Interessen des Handwerks entspricht. Den Beschlüssen und Maßnahmen der Arbeitskammern würde sich das Handwerk, das der in der Arbeitskammer vertretenen Industrie gleich geartet ist, nicht entziehen können. Es liegt deshalb im Interesse des Handwerks, in der Arbeitskammer Sitz und Stimme zu haben, damit es seinen Einfluß bei den Beschlüssen und Maßnahmen der Arbeitskammer geltend machen kann. Die Fahrkartensteuer hat nach einem dem Abgeordnetenhaus zugestellten Bericht über die Ergebnisse des Betriebes der vereinigten preußischen und hessischen Staatseisenbahnen im Bereich dieser Eisenbahnverwaltung im Jahre 1907 einen Ertrag von 12 866 345 Mark gegen 7913913 Mark im Jahre 1906 ergeben. Die Einnahmen an Fahrkartensteuer betrugen für Fahrkarten in der ersten Klasse 1 574 055 Mark, in der zweiten Klasse 4923149 Mark, in der dritten Klasse 5552449 Mark, aus zusammenstellbaren Fahrscheinheften 786 361 Mark und bei Sonderfahrten 30331 Mark. Die Steigerung der Einnahmen an Fahrkartensteuer ist am größten in der 3. Klasse. Diese Steigerung der Einnahmen aus der Fahrkartensteuer betrug in der 3. Klasse 2,14 Mill., in der 2. Klasse 1,98 Mill. und in der 1. Klasse 686949 Mark. Die Dienststunden der Kommunalsparkassen. Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat an die Landräte, die Oberbürgermeister und Bürgermeister des Regierungsbezirks Düsseldorf eine Verfügung erlassen, wonach von der seither durchgeführten Schließung der Kommunalsparkassen an Sonnabendnachmittagen künftig abgesehen werden und die Sparkassen entweder am Sonnabend in den Abendstunden oder am Sonntag morgen geöffnet bleiben sollen. Seither hatten Arbeiter, 41. Jahrg. die am Sonnabend ihren Lohn erhalten, keine Gelegenheit, Ersparnisse davon alsbald zur Sparkasse zu bringen. Deutsche Frauen für Südwestafrika. Seit im Mai 1898 die erste mit einer Reisebeihilfe der Deutschen Kolonialgesellschaft unterstützte deutsche Frau nach Südwestafrika übersiedelte, hat die Deutsche Kolonialgesellschaft bis jetzt 700 deutschen Mädchen und Frauen freie Ueberfahrt in unsere Siedlungskolonie gewährt. Im laufenden Monat Januar 1909 haben elf deutsche Mädchen und Frauen die Reisebeihilfe bewilligt erhalten. Seit dem Erlöschen des Aufstandes gehen naturgemäß die Gesuche um die Reiseunterstützung besonders zahlreich ein. Aber auch schon bis zum Jahre 1904 hatten sie rund 200 weibliche Personen erhalten. Kleine politische Nachrichten. Der durch den Tod des Abgeordneten Reese verwaiste Reichstagswahlkreis Stade=Bremervörde ist eine sichere Domäne der Nationalliberalen und von diesen mit Unterbrechung der Legislaturperiode 1881—84 seit dem Jahre 1867 beständig vertreten gewesen. Einen Protest gegen die Unterstellung akademisch gebildeter Lehrer an höheren Mädchenschulen unter eine weibliche Schulleitung beschloß eine Philologen=Versammlung in Essen. Die Herren meinten, solche Herren würden in der öffentlichen Meinung nicht als vollwertig angesehen. Die Bergbaugesetznovelle, die Arbeiterkontrolleure vorsieht, und die Bestimmungen über die Verantwortlichkeit der Beamten neu regelt, geht dem preußischen Landtag im Februar zu. Aus dem Auslande. Frankreich. Paris, 27. Jan. Die Madrider Nachrichten von einem deutsch=französischen Tauschhandel in dem Sinne, daß Deutschland seine Intervention in Marokko aufgibt, wogegen die französischen Banken die deutsche Unternehmerfirma Reuschhausen und Häfner, die in Tanger und Larrasch verschiedene Arbeiten ausführt, finanziell unterstützen würden, sind durch die erfolgte Wiederholung nicht glaubhafter geworden. Frankreich und Spanien ersuchten die Vertragsmächte von Algeciras um ihre Zustimmung zur Verlängerung der Maßnahmen, durch die Waffenschmuggel an der marokkanischen Küste unterdrückt werden soll. Das ist auch nur ein Vorwand Frankreichs, seine Machtbefugnisse in Marokko auch weiterhin auszuüben. Ganz im Lot ist die Marokkosache überhaupt noch nicht.— Der französische Deputierte Chailleux, der unlängst in Berlin einen Vortrag über Kolonialpolitik hielt, lobte in Paris die kühne und intelligente Kolonialpartei Deutschlands und betonte, daß Deutschland in Marokko nur die Wahrung und Entwicklung seiner Handelsinteressen anstrebe. Rußland. Petersburg, 27. Jan. Der Kritiker der russischen Marine=Verwaltung, General Alexejew, der vom Kriegsgericht wegen sogen. Bestechung zu 10000 Francs verurteilt wurde, wird von der ganzen russischen Presse in Schutz genommen und man will Sammlungen für den vermögenslosen Mann veranstalten, der seinen Kampf gegen die Korruption tapfer weiter führt. Türkei. Konstantinopel, 27. Jan. Die Umwälzung auf dem Baltan. Bulgarien kämpft, aber zahlt nicht. Das ist ein alter Wahrspruch der Bulgaren, der von einem Abgeordneten soeben in der Sobranje wieder aufgefrischt wurde. Der Ruf„Nicht zahlen!“ hat eine Zauberkraft. Und die türkische Entschädigungsforderung ist groß; größer vielleicht, als daß ihr Bulgarien auch bei gutem Willen gerecht werden könnte. Da nun die Türkei eventuell unter Zuhilfenahme militärischen Druckes die bulgarische Südgrenze regulieren will, so rüstet Bulgarien eben, jedoch lediglich zu dem Zweck, abschreckend auf die Türkei zu wirken. Das hat die bulgarische Regierung auch in der Zirkularnote an die Mächte ausgesprochen und die Versicherung hinzugefügt, daß ihr Kriegsgedanken fern lägen. Da aber die bulgarische Volksvertretung einstimmig die Mobilisierung der Truppen billigte, und auch die Presse einhellig hervorhebt, Bulgarien müsse seiner eigenen Kraft vertrauen, so liegt die Sache immerhin ernst genug.— Türkischerseits erklärt man, da Bulgarien die viel zu geringe Entschädigungssumme von 3280000 Pfund nicht zahlen könne, so sei die Türkei zu einer„Grenzberichtigung“. Ostrumeliens gezwungen. Die Mächte. namentlich Deutschland, wirken in Konstantinopel wie in Sofia zugunsten der Erhaltung des Friedens.— Da das neue türkische Regime eigentlich nur in Konstantinopel und Saloniki volle Anerkennung gefunden hat, so ist es nicht verwunderlich, daß in den türkischen Provinzen der Boykott österreichischer Waren fortdauert. Das ist namentlich in dem Gebiete von Uesküb der Fall, wie jüngst auch Tripolis und Smyrna Beispiele des tollsten Fanatismus lieferten.— Mon tenegro, das sich durch den Berliner Vertrag sehr gedrückt fühlt, hat tatsächlich versucht, die Türkei und Serbien für einen gemeinsamen Krieg gegen Oesterreich zu gewinnen. Der montenegrinische Geschäftsträger in Konstantinopel hat es selber verraten. Die türkische Regierung war besonnen genug, den Vorschlag abzulehnen. Persien. Teheran, 27. Jan. Neue Unruhen beginnen wieder in der persischen Hauptstadt Teheran. Die Revolutionäre gewinnen aus dem andauernden Widerstand der Stadt Taebris neuen Mut und halten wieder Versammlungen ab. Auch wissen sie sich gegen die Polizei mit Waffen zu verteidigen. Der Schah fürchtet Verschwörungen und Attentate und hat sein Palais seit Wochen nicht verlassen. Auch im Innern des Landes finden wieder Kämpfe zwischen den beiden Parteien statt, wobei jeder Teil zusieht, daß er dem Gegner möglichst viel an Geld und Geldeswert abnehmen kann. Echt orientalisch. Vereinigte Staaten. Washingon, 27. Jan. William Taft, der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten, besuchte bereits den Isthmus von Panama, um sich durch eigene Anschauung über den Stand und die Entwickelung der Kanalarbeiten zu informieren. Er will sich gegen Angriffe sicher stellen, die seinem scheidenden Vorgänger noch das Leben ver bitterten. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 28. Januar. Nicht Mauergürtel, die zum Himmel ragen, Nicht gleiche Sitten, gleiche Lebenslagen, Nicht Dichterwort, nicht Heldenblut und Eisen Kann Herz zum Herzen, Stamm zum Stamme schweißen So innig als ein einig Recht. Ernst Jäger. **(Kaisers Geburtstag) ist auch in diesem Jahre in alter Treue und schuldiger Ehrerbietung gegen das Oberhaupt des Reiches gefeiert worden, und die„Fünfzig“ sind mit manchem edlen Tropfen begossen. Das eigene Gefühl, wenn ein Sterblicher in die„Fünfziger“ gelangt, wirkte eben hier doppelt und verstärkte die Anteilnahme, wenn das möglich war. Die Wolke, von der im alten Jahre einmal die Rede war, ist wirklich vorübergegangen, wie der Kaiser sagte. Die Schulfeiern sind in üblicher Weise abgehalten, verschiedene Vereinsfeiern folgen noch, in den Garnisonen fanden die Paraden statt, und fröhliche Gesichter zeugten überall von der gehobenen Stimmung. Die Deutschen im Auslande haben vielfach schon vorgestern gefeiert, da unsere Vertreter gestern durch offizielle Akte in Anspruch genommen waren. Natürlich haben auch die Kolonien des Tages gedacht, und aus den letzten Festmeldungen wissen wir, wie die Schwarzen sich recht gut hineingefunden haben. **(Kaisergeburtstags=Festessen.) Wie gestern morgen die Jungen gesungen, so tönte es am Abend aus den Herzen und Kehlen reifer Männer:„Heil dir im Siegerkranz“ und„Deutschland, Deutschland über alles“ nicht, weil es alte Gewohnheit, sondern als das Gelöbnis unwandelbarer Liebe und Treue zum hohen Geburtstagskinde, trotz der Ereignisse der letzten Monde. Gerade kernige Charaktere in oft rauhen Schalen, wie die nicht selten eckigen Westfalennaturen es sind, wissen diese richtig und wohl am besten einzuschätzen. Und so hatten sich denn zu dem offiziellen Festessen, welches in diesem Jahre im Hotel des Herrn Ostermann(Brückner) stattfand, ungefähr 75 Herren aus allen Kreisen der Bürgerschaft eingefunden, in diesem Sinne ihre Stellung zu unserm geliebten Kaiser zu bekunden. Herr Postdirektor Burchardt brachte in Kürze und Würze den Kaisertoast aus, und jubelnd stimmte die Festversammlung in das Hoch auf den geliebten Landesvater ein. Frohsinn und Heiterkeit herrschte bald bei der ganzen Tafelrunde, und bei der guten Küche und dem vorzüglichen Tropfen des Herrn Brückner flossen die Stunden der schönen Feier schnell dahin. **(Unser Unterhaltungsblatt) bringt heute den Anfang des äußerst spannenden Romans„Stolze Herzen“ von Alfred Sassen. Der Verfasser, bekannt durch sein treffliches Erzählertalent, führt uns darin in die höchsten Gesellschaftskreise. Er hat es verstanden, eine feine psychologische Studie zu einem tiefwirkenden Roman auszuarbeiten. Sogar die Nebenpersonen sind mit zwingender Naturtreue gezeichnet. Köstlich sind dem Verfasser auch die Stimmungsbilder in der Natur gelungen. Alles in allem wird Sassens Roman den lebhaftesten Beifall unserer werten Leser finden, den er in reichem Maße verdient. ** Die Pflege der Geisteskranken der Provinz Westfalen für 1908 gestaltet sich wie folgt: Nach der Zusammenstellung über die Krankenbewegung in den Provinzialheilanstalten zu Marsberg, Lengerich, Münster, Aplerbeck, Warstein und in der Provinzialpflegeanstalt zu Eickelborn waren zu Beginn des Geschäftsjahres 3804 Geisteskranke untergebracht gegen 3485 des Vorjahres, mithin mehr 319; ausgenommen wurden 1148, von denen 282 erblich belastet waren. Es wurden 121 als geheilt. 274 als gebessert entlassen, während 251 mit dem Tode abgingen. Am 31. März 1908 betrug der Krankenbestand 3902. **(Neue Bestimmungen über die Versteigerung von Postsendungen. Postsendungen, die einen verderblichen Inhalt haben und nicht bestellt werden können, werden bekanntlich unter gewissen Voraussetzungen versteigert. Das Reichs=Postamt hat jetzt neue Bestimmungen darüber erlassen. Einmal soll dadurch überall ein gleichmäßiges Verfahren von seiten der Postanstaten erreicht werden, dann auch ein möglichst hoher Erlös aus dem Verkauf erzielt werden, wie er sowohl im Interesse der Postverwaltung wie der Absender liegt. Diese Versteigerungen sind deshalb künftig allgemein durch Schalteraushang bekannt zu machen. Wenn es ferner zur Erzielung höherer Verkaufserlöse nützlich und angängig erscheint, sollen außerdem Interessenten, die am Ort ansässig sind, auf kurzem Wege von der anberaumten Versteigerung in Kenntnis gesetzt werden. Diese Benachrichtigung kann mündlich oder durch den Fernsprecher geschehen. Wo Vereine oder Verbände solcher Interessenten bestehen, genügt eine Benachrichtigung des Vorstandes oder einer Person, die von dieser bezeichnet worden ist. **(Sängerkampf 1909.) Die Anmeldungen zu dem SängerWettstreit in Frankfurt am Main, der zu Himmelfahrt abgehalten wird, u. in dem der Berliner Lehrer=Gesang=Verein die Kaiser=Kette zu verteidigen hat, sind nunmehr abgeschlossen. 38 Vereine, die 7000 bis 8000 Sänger zählen, werden an dem mehrtägigen Wettsingen teilnehmen. *e(Vom Segen der Alters= und Invalidenversicherung.) Seit dem 1. Januar 1891 bis zum 31. Dezember 1908 sind an 1632 873 Personen Invalidenrenten bewilligt worden, von denen durch Tod, Auswanderung usw. imlaufe der Jahre 764 787 in Wegfall kamen, so daß am 1. Januar d. Is. 868 086 liefen. Die Zahl der während derselben 18 Jahre bewilligten Altersrenten betrug 470 379, in Wegfall kamen imlaufe der Jahre 361742, so daß am 1. Januar 108 637 Renten liefen. Krankenrenten wurden in den letzten 9 Jahren 90 479 bewilligt, von denen noch 19.087 laufen. Beitragserstattungen forderten 1813891 weibliche Personen, die in die Ehe traten, an Hinterbliebene von Versicherten wurden in 400 426 Fällen die Beiträge erstattet, im ganzen erfolgten in 2219794 Fällen Beitragserstattungen. **(Westfälisches Musikfest.) Bekanntlich hat der Verband Westfälischer Musikvereine beschlossen, am 23. und 24. Mai (dem Sonntag und Montag vor Pfingsten) am Fredenbaum ein Musikfest zu feiern. Diese großzügig geplante Veranstaltung wird ein Beethovenfest werden und die hauptsächlichsten Chor= und Orchesterwerke, Gesang= und Instrumental=Soli in mustergiltiger Weise darbieten.(Missa solemnis, 9. Sinfonie. Ervica, Ouvertüre, Klavier=Konzert G=dur und Lieder). In der vor kurzem stattgefundenen Vorstandssitzung des oben genannten Verbandes, dem folgende Vereine angehören: Dortmunder Musikverein, Konservatoriumschor, die Musikvereine von Gütersloh, Unna, Wetter und Witten, wurde die Stärke des Sängerchores festgesetzt, der 600 Mitglieder zählt und der bezüglich der Stärke der einzelnen Stimmen ein glückliches Verhältnis aufweist. **(Für Militärpflichtige!) Nur noch bis zum Samstag läuft die Frist der Anmeldung zur Militärstammrolle. Es haben sich alle jungen Leute zu melden, die im Jahre 1889 und früher geboren sind und noch keine endgültige Entscheidung über ihr Militärverhältnis erhalten haben. **(Im Kinematographen=Theater Reichskrone) ging es gestern außerordentlich lebhaft her. Anläßlich des Geburtstags Sr. Majestät hatte der Kriegerverein für die Kinder seiner Mitglieder besondere Vorstellungen veranstaltet. Vormittags um 11 und nachmittags um 2 und 3,30 Uhr füllte sich der zur Feier des Tages hübsch mit Fahnen und Kaiserbüsten geschmückte Theatersaal mit einer fröhlichen Kinderschar, welche bei dem abwechselungsreichen und interessanten Programm recht vergnügte Stunden verlebte. Sicherlich haben sich die Veranstalter der Vorstellung den wärmsten Dank der Kinderwelt erworben. Der Krieger= und Landwehrverein Höchsten plant den Kindern seiner Mitglieder gleichfalls eine ähnliche Freude zu bereiten. Hoffentlich folgen auch noch andere Vereine der Anregung. **(Bautätigkeit.) Der Fabrikarbeiter Karl Lindert auf der Schwerterheide beabsichtigt, in der kommenden Bausaison auf der Hüsingheide ein Wohnhaus zu errichten. **(Konzert der Ruhrtaler.) Wie wir bereits kürzlich meldeten, veranstaltet der Ruhrtaler Sänger=Verein am Sonntag, den 14. Februar, wieder ein Konzert am Freischütz. Zur Mitwirkung hat der Verein den Klavierlehrer Jimkerts vom Hagener Konservatorium gewonnen. Für dieses Konzert ist seitens des Herrn Musikdirektors Haselhoff ein hochinteressantes Programm(Chöre, Volkslieder, Soli und Duette) aufgestellt, so daß wohl jedem Geschmack Rechnung getragen ist. **(Der Verein ehem. Kameraden des 16. Armeekorps) ernannte vor längerer Zeit den Königl. Kammerherrn Major Frhrrn. von Rheinbaben in einer Generalversammlung einstimmig zu seinem Ehrenmitgliede in Anerkennung des regen Interesses, das derselbe bekanntlich seit vielen Jahren dem allgemeinen Kriegervereinswesen entgegenbringt. Vergangenen Sonntag wurde nun seitens einer Deputation des genannten Vereins dem Herrn Major die Ehrenmitgliedschaft durch ein Diplom unter Glas und Rahmen, das demselben überreicht wurde, bestätigt. Das Diplom, eine künstlerisch ausgeführte Arbeit in verschiedenen Farben, zeigt außer der Widmung und den Symbolen der verschiedenen Truppengattungen das Bildnis Sr. Majestät des Kaisers, sowic des ersten Kommandeurs des 16. Armeekorps, des Grafen Häseler, ferner noch u. a. die Ansicht der Burg„Hohenzollern“ und in hübscher Farbenabstimmung eine solche von„Haus Ruhr“, dem Besitze des Ehrenmitgliedes. **(Der kath. kausm. Verein) hatte zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät gestern abend im Hotel„Zur Post“ eine hübsche Feier veranstaltet, welche sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte und bei einem Festessen und nachherigem Tänzchen, dessen Pausen durch theatralische Aufführungen unterbrochen wurden, den allerbesten Verlauf nahm. Zu Beginn der Feier hatte der Vorsitzende des Vereins, Herr Jonas sen., Westhofen, in beredten Worten das Kaiserhoch ausgebracht. **(Ein Zimmerbrand) entstand gestern Nachmittag gegen 4 Uhr in der Wohnung des Fabrikarbeiters G. in der Beckestraße dadurch, daß eins der über dem Herd zum Trocknen aufgehängten Wäschestücke auf die Herdplatte fiel. Die Hausbewohner drangen, da die Frau G. gerade in der Stadt war, durch das Fenster in die Wohnung und löschten das Feuer, ehe dasselbe größere Ausdehnung nehmen konnte. **(Diebstahl.) Der Witwe Landwirt Ludwig Eckey zu Schwerterheide wurden zwei wertvolle Enten gestohlen. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur. ** Westhofen, 28. Jan.(Das offizielle Festessen) zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät wurde gestern im Lokale der Frau Witwe Weiberg abgehalten. An demselben beteiligten sich ca. 50 Herren. Den Kaisertoast brachte Herr Amtmann v. Daniels aus. Wie allerwärts gingen auch hier die Wogen der Begeisterung sehr hoch und erst in vorgerückter Stunde erreichte die schöne Feier ihr Ende. ** Hennen, 28. Jan.(Jubelfest der Feuerwehr.) Am 9. April kann die hiesige Freiwillige Feuerwehr auf ihr 10jähriges Bestehen zurückblicken, und dieser Jubeltag soll im Juli in festlicher Weise begangen werden. Bei der allgemeinen Wertschätzung und Beliebtheit, deren sich die Wehr bei der ganzen Bürgerschaft zu erfreuen hat, wird sich die geplante Feier jedenfalls zu einem wahren Volksfest für die gesamte Gemeinde gestalten. Es wird demnächst eine größere Versammlung abgehalten, in der über die Grundzüge des Festprogrammes beraten werden soll. Hoffentlich wird auch der Wunsch der Feuerwehr, zum Jubeltage ein schönes Banner einweihen zu können, in Erfüllung gehen und die Spenden für dieses Banner recht zahlreich fließen. Den Vorstand der Feuerwehr bilden schon seit langen Jahren die Herren D. Albrecht, Klockenhoff, Hubbert und Braß. Westfalen und Rheinland. * Hagen, 27. Jan.(Mißglückter Kindesraub.) Eine von ihrem Ehemanne geschiedene Frau unternahm gestern Mittag in Begleitung ihrer Mutter und eines fremden Mannes den Versuch, die dem Ehemanne zugesprochenen Kinder an sich zu nehmen. Obschon die Türe zur Wohnung verschlossen war, drangen die drei Personen, nachdem die Tür mittels Nachschließens geöffnet war, in die Räume, ohne jedoch ihren Zweck, sich der Kinder zu bemächtigen, zu erreichen. Der fall ist zur Anzeige gebracht und wird für die Beteiligten noch ein böses Nachspiel haben. * Haspe, 27. Jan.(Vom sicheren Tode errettet) wurde ein älterer Mann im Bahnhof Kückelhausen. Bei dem Versuch, auf den schon in Bewegung sich befindenden Talzug zu springen, geriet er infolge eines Fehltrittes mit einem Bein zwischen das Trittbrett. Er wurde mit dem Kopf nach unten hängend in demselben Augenblick von dem in Vogelsang wohnenden Fritz Bracht aus dieser gefährlichen Lage befreit. Dessen Geistesgegenwart ist es zu danken, daß der Mann dem sicheren Tode entgangen ist. * Letmathe, 27. Jan.(Ein geheimnisvoller Fund.) Mehrere Schulkinder, welche sich in einem Steinbruch bei Genna befanden#ntdeckten ein versteckes Paket. Es war mit einem blauen Kittel umgeben. Die Kinder nahmen es mit nach Hause. Die Angehörigen, welchen der Inhalt verdächtig schien, brachten das Paket zur Polizei. Daselbst konstatierte man in dem Paket eine Falschmünzermaschine, welche beschlag nahmt wurde, auch befand sich ein Löffel mit einer hölzernen Endung dabei, welcher wohl zur Handhabung des Schmelzmaterials gedient haben muß. Die Maschine selbst ist einfach konstruiert. Inwendig ist sie mit Gips ausgefüllt, an dessen Mündung befindet sich ein kleiner Raum, welcher zur Herstellung von Zweimarkstücken diente. Das zum Zweimarkstück vorbereitete Gepräge trug das Bildnis des Königs Otto von Bayern. Das hiernach verfertigte Zweimarkstück ist im vorigen Jahre sehr viel im Verkehr gewesen. * Bochum, 27. Jan. Eines Mädchens wegen entspann sich in der gestrigen Nacht in der Wirtschaft Klein am Bahnhof Bochum=Süd ein Streit mit blutigem Ausgang. Zwei der beteiligten Bergleute aus Weitmar erlitten so schwere Hiebund Stichwunden am Kopfe, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. * Gelfenkirchen, 27. Jan. Seit heute Mittag 12,30 Uhr brennt der Trockenraum der Möbelfabrik Küppersbusch u. Ce Es arbeiten zurzeit vier Feuerwehren mit zwölf Schlauchleitungen auf der Brandstelle. Wie die Firma mitteilt, bleibt der Brand auf den Trockenraum beschränkt. Eine Betriebsstrung tritt nicht ein. Später wird gemeldet: Bis 7 Uhr abends war es gelungen, den Brandherd zu lokalisieren. In Frage kommt nur das Trockenlager, die anderen Gebäulichkeiten blieben vom Feuer verschont. Zur Vorsicht bleibt noch eine Brandwache an Ort und Stelle. Der Schaden ist enorm, aber durch Versicherung gedeckt. Der Betrieb bleibt in vollem Maße aufrecht. * Mülheim(Ruhr), 27. Jan. Der Hauer Neyder aus Borbeck zog sich in Ausübung seines Berufes auf der Zeche Wiesche des Mülheimer Bergwerksvereins solche erhebliche Verletzungen am ganzen Körper zu, daß alsbald der Tod eintrat * Mayen, 27. Jan. Auf der Strecke Mayen=Kottenheim wurden gestern Nachmittag um 4 Uhr durch eine Lokomotive fünf Nottenarbeiter, die wegen eines Güterzuges in das zweite Gleise getreten waren, überfahren und sofort getötet. Ein sechster Arbeiter wurde schwer verletzt. Aus Zeit und Der deutsche Kronprinz hat auf das von ihm angemeldete Manschettenknopf=Patent verzichtet, da mehrere BijouterieFabrikanten Einspruch erhoben, weil sie die gleiche Neuheit erfunden haben wollten. Der Kronprinz wollte keinen Streit und ließ die Sache fallen. Luftschiffahrt. Das im Bau befindliche Luftschiff„Zeppe lin II“ wird Ende März flugbereit sein. Die Zeppelingesell schaft läßt, um das Luftschiff vor der Fertigstellung der Repa raturen an der Reichsballonhalle unterbringen zu können, eine Zelthalle herstellen, die später als Reservehalle dienen soll Die Halle wird bis zum 1. April fertiggestellt sein. Zum Unterschied von dem letzten Luftschiff wird„Zeppelin II“ ein großes Hecksteuer erhalten, während die Höhensteuer in der bisherigen Weise belassen werden. Zur Verhinderung von Explosionen im Innern des Ballons wird das Gas nicht mehr innerhalb der äußeren Ballonhülle aus den Gaszellen herausgelassen, sondern mit Schläuchen durch die äußere Haut hindurch ins Freie geführt. Die erste Luftbahn der Welt erhält Marburg. Sie wird in allernächster Zeit in Angriff genommen, die Mittel sind bereits vorhanden. Der etwa 120 Meter lange Zylinderballon, der 60 Personen fassen kann und 180 Kilometer(!!)— laut „Tag“— in der Stunde zurücklegt, soll von Marburg nach dem etwa 6 Kilometer entfernten Frauenberg fliegen. Die Eröffnung dürfte Ende März oder Anfang April stattfinden. Eine kostbare Uhrensammlung. Dem deutschen Kunstmarkt ist ein großer Verlust erwachsen. Aus der bekannten Samm lung Marfels sind die seltenen Uhren des 16. und 17. Jahrhunderts, darunter Prachtstücke in Emaille zum Preise von 750000 Frcs., in den Besitz des Pariser Antiquar's Seligmann übergegangen. Es handelt sich um außerordentlich kostbare Exemplare, die selbst in unsern großen Museen nur selten sind. Ein neues Königl. Opernhaus in Berlin für 15 Mill. Mk. Der Kaiser hat, wie es heißt, den Plan zum Bau eines neuen Opernhauses auf dem Platze des heutigen Kroll=Theaters, das schon im königlichen Besitz ist, gegenüber dem Reichstagsgebäude, genehmigt. Von den Kosten soll der Staat sieben, die Stadt Berlin acht Millionen geben, dafür aber das bisherige Opern haus zu ihrer Verwendung erhalten.(Zum Vergleich sei angegeben, daß das Reichstagsgebäude 20 Millionen, das neue Hotel Adlon 18 Millionen, Warenhaus Wertheim 22 Millionen Mark kostet.) Ueber eine Viertelmillion Gemeindeschüler, 113197 Jungen und 115 258 Mädel, zählt jetzt die Reichshauptstadt. Diese Kinderwelt bildet also allein schon eine ganz respektable Großstadt. Ueber die Ausnützung der Wasserkraft des riesigen NiaggenFalls in Nordamerika ist zwischen Canada und den Vereinigten Staaten, die an ihn grenzen, eine Vereinbarung getroffen Canada erhält 425 000 Pferdekräfte, der Staat Newyork 236 000. Da Eönnen also panz gewastige Anlagen geschaffen und bstrieben werden. Int#rase a rocht#### wer us nomde ur annn Nr. 23. Donnerstag, den 28. Januar 1909. 41. Jahrg. Zweites Blatt. Allerlei von Fürsten=Empfängen. Von Georg Paulsen. Im Berliner Rathause ist man hoch entzückt; man hat für den nahen Besuch König Eduards und der Königin Alexandra von England etwas Neues herausgefunden, einen Fünf=UhrTee, wenn die britischen Majestäten im Stadtpalast erscheinen. Das bedeutet den Gipfel der Zwanglosigkeit und erspart dem hohen Gast die Notwendigkeit, Uniform anzulegen. Und da etwa zu derselben Zeit, in welcher die Herrschaften ihren Tee trinken, die Berliner„vespern“, so ist zwischen der Elite der Gesellschaft und der breiten Bevölkerung das gleiche Behaglichkeitsgefühl geteilt. Der richtige Berliner sagt, wenn ein neuer Fürstenbesuch bevorsteht, immer:„Hingehen? I, wo werd ick denn!" Ist es aber so weit, dann ist er doch da, weil er„gerade in der Gegend was zu tun hatte". King Edward ist allerdings nun eine besondere Anziehungskraft; von allen Potentaten interessiert ja auch wohl keiner heute in Deutschland mehr, als der vielgenannte Onkel aus London und der Meister in der Einkreifung. Darum wird es Unter den Linden in Berlin auch so vergnügt wie nur möglich aussehen; mit den britischen rotweißblauen und schwarzweißroten deutschen Fahnen, die in tausenden von Exemplaren umherflattern sollen, läßt sich ja eine bedeutende Munterkeit entwickeln. Und für 60000 Mark Ausschmückungsgelder, die freilich nicht reichen werden, lassen sich schon eine Masse Fahnen beschaffen, von denen man nur wünschen kann, daß es ihnen nicht ähnlich geht, wie einem schönen Posten Dekorationsstoffe beim Besuch des dreizehnten Alfonso von Spanien. Die wurden beim schönsten elektrischen Lampenschein mit Pferd und Wagen abgeholt, wie jeder meinte, vom Besitzer, während die Dreistigkeit der Spitzbuben hier in Wahrheit triumphierte. Ueberhaupt geht es bei Fürsten=Empfängen keineswegs immer ganz programmgemäß zu, gibt's keine großen Zwischenfälle, dann kommen kleine. Meistens hinter den Kulissen, aber die sind dann gerade die peinlichsten. Das war schon vor Jahrzehnten so und wird immer so bleiben. Warum war die Königin Viktoria von England Jahrzehnte nicht in Berlin gewesen? Weil sie es nicht vergessen konnte, daß ihr Gemahl, der Prinz Albert von Sachsen=Koburg=Gotha, der Etikette gemäß nicht neben ihr oder in ihrer Nähe rangieren konnte. Ist doch Bismarck beim letzten Besuch des russischen Kaisers unter der Regierung Kaiser Wilhelms I. dasselbe passiert; der eiserne Kanzler saß bei Tafel so weit unten, daß es auffallen mußte. Das Halloh, welches er hinterher den Wächtern des Zeremoniells machte, war freilich nicht zart, aber es half. Das lustigste Empfangsstück passierte König Humbert von Italien 1889 in Berlin; um die Sache ja recht anmutig zu machen, begrüßte ihn am Opernhause eine schöne Künstlerin mit einem italienischen Gedicht. Der König war hoch erfreut und er sprach in herzlichen Worten italienisch(er beherrschte Der Totensee. Roman von Martin Wehrau. 9 Ein Hütejunge schnitt sich von einem nahen Busch eine Weidenrute ab und klopfte mit einem alten Taschenmesser die Rinde los, um sie zur Pfeife oder zum Blasinstrument zu gestalten. Sein Köter lag dabei und schaute ihm mit klugen Augen zu. Der Hirt schien der Fröhlichkeit, mit der er erfüllt war, keinen anderen Ausdruck geben zu können, als durch den im stärksten Staccato gesungenen Volksreim:„Lott eß dood, Lott eß dood.“ Zum Schluß schwenkte er das Pfeifenholz und stieß einen Jauchzer aus, daß der Hund verwundert die Ohren spitzte. Auf dem Erntefelde tummelten sich unzählige Spatzen, welche die den Aehren entfallenen Körner aufpickten und mit Wohlbehagen verzehrten. Jauchzend stieg die Lerche in den blauen Aether und schmetterte aus voller Brust ihr Liebeslied auf die entzückte Zuhörerin. Denn sie war eine große Naturfreundin, Fräulein Charlotte von Eistedt, und vergaß bei all den sich darbietenden Schönheiten fast die Angelegenheit, die sie zur Postagentur führte, wvo sie nach etwa einer halben Stunde eintraf. Der Postagent, ein emeritierter Dorfschullehrer, begrüßte vorerst die Dame ehrerbietig und kramte dann seine Neuigkeiten aus. „Haben das gnädige Fräulein schon gehört, Ihr Nachbar, Herr Graf Helmbach, befindet sich seit einigen Tagen in Ilmenau!“ „Wie?“ Sehr hastig stieß sie diese Frage hervor, so daß der Postagent sie verwundert ansah. „Graf Helmbach weilt seit Freitag abend wieder aufseinem Gut," wiederholte er. „Und Sonnabend früh war der Unfall auf dem Totensee!" stel ihr ein.„Sonderbar, sonderbar!“ Laut sagte sie:„Haben Sie ihn schon einmal gesehen?“ „Mehrere Male, er reitet nämlich öfter durch's Dorf.. ein schöner Mann übrigens. Mich wundert es jetzt gar nicht mehr, wenn man sich über seinen Aufenthalt im Auslande allerlei merkwürdige Dinge erzählt. Er besitzt eine hohe, prachtvoll genachseite Figur, blondes Haar und dito Schnurrbart, dessen Spitzen ganz aufrecht gerichtet sind. Im ganzen ein Aristokrat von reinstem Wasser. Dabei scheint er gar nicht stolz zu sein, die deutsche Sprache nicht) seinen Dank aus. Die schöne Sendbotin der Stadt Berlin aber ward immer verlegener, je liebenswürdiger der Monarch sprach, und zum Schluß brach sie endlich in die Worte aus„Non capisco!“„Ich verstehe nicht!“ Da übernahm es denn der neben dem König sitzende Kaiser der Dame den Dank seines Gastes zu verdolmetschen. Die Dekoration bei diesem Einzuge war übrigens die schönste und anmutigste, die Berlin gesehen hat, das war eine Maienstraße, wie sie nicht reizvoller gedacht werden konnte. Die Monarchen=Begegnungen sind gewisse Meilensteine auf den Straßen der Politik, nur, daß man nicht immer weiß, wie weit diese vom Endziel entfernt sind. Darum sind die Besuche die leidigsten die nicht stattfinden können, wie z. B. der des österreichischen Kaisers oder seines Stellvertreters in der ewigen Stadt, in Rom. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 27. Jan. Die Schulverwaltung beabsichtigt, bei den hiesigen Volksschulen Schulsparkassen einzuführen. * Castrop, 27. Jan.(Spiele nicht mit Schießgewehr.) Hier belustigten sich mehrere junge Burschen im Spredeier Busch mit Schießen, wobei ein kleines Mädchen einen Schuß in den Unterleib erhielt.— Feuer entstand in dem hinter der Ruhrthalbrauerei hier gelegenen Eisschuppen des Wirts Punge. Der freiw. Feuerwehr Castrop gelang es nach kurzer Tätigkeit, das Feuer zu löschen, so daß nur der Turm des Behälters ein Raub der Flammen geworden ist. * Soest, 27. Jan. Das älteste Patrizierhaus Westfalens, der„Burghof“ steht wieder einmal zum Verkauf. Die Regierung hat es nach neuerlichen Berichten abgelehnt, für den Ankauf des berühmten Gebäudes, das als Museum der Stadt in Aussicht genommen war, den auf sie entfallenden Dritteil der Kaufsumme von zirka 11000 Mk. zu bewilligen. Wer hat Lust zu kaufen? ** Oberhausen, 27. Jan.(Explosion.) Durch die noch unaufgeklärte Explosion einer Dynamitpatrone auf der dem hiesigen Autopalast gegenüberliegenden Heide wurden an dem Gebäude fast sämtlich Scheiben zertrümmert, von der Decke stürzte ein Kronleuchter, glücklicherweise ohne jemand zu treffen. Daß der Schrecken der Hausbewohner über die heftige Detonation und der damit verbundenen erdbebenartigen Erschütterungen des Gebäudes nicht gering war, kann man sich denken. * Köln, 26. Jan. Der Aerztestreik wird hier am 1. Febr. in vollem Umfange einsetzen. Bekanntlich gelten die Verträge, die seitens der Regierung mit den Kölner Aerzten abgeschlossen wurden, nur bis zum 31. Januar dieses Jahres. In diesen Verträgen war freie Aerztewahl vorgesehen, während früher die beschränkte freie Aerztewahl galt. Die hiesige Aerzteschaft weigert sich, die Verträge auf Grundlage der beschränkten freien Aerztewahl zu verlängern, und so hat der Krankenkassenverband mit 69 auswärtigen Aerzten neue Verträge abgeschlossen. Heute erklären die organisierten Aerzte von Köln und Umgegend, daß sie vom 1. Februar ab weder Kassenmitglieder noch er dankte so freundlich auf alle Grüße. Wirklich jammerschade daß es so schlecht um ihn steht.“ Stumm hatte Charlotte den Redeschwall des geschwätzigen Mannes über sich ergehen lassen. Immer mußte sie daran denken, daß die Beschreibung des Grafen so ganz auf den jungen Mann in Jägerkleidung paßte, der sie hatte retten wollen und dabei bald selbst zu Grunde gegangen wäre. Jetzt wußte sie, kein anderer als Helmbach konnte es gewesen sein. Wie sie nur daran hatte denken können, einen Angestellten von Ilmenau vor sich zu haben, ihn, dem doch sofort jeder den Weltmann ansah. Es war ein ganzeeigentümliches Gefühl, das sie bei dieser Entdeckung beschlich. Wie sie den bedauernden Satz hörte, daß es so schlecht mit ihm stehe, stieg ihr eine brennende Röte in die Wangen. Hatte nicht ihr eigener Vater durch permanentes, vorsichtiges Unterminieren der Verhältnisse des Grafen diesen hauptsächlich an den Abgrund gedrängt, vor welchem er nach der allgemeinen Ueberzeugung jetzt stand. Erregt erwiderte sie:„Was schwatzen Sie von schlecht stehen. Soviel ich weiß, und ich weiß jedenfalls mehr, als die männlichen und weiblichen Klatschbasen, welche sich mit dem Grafen beschäftigen, befindet sich dieser in durchaus geordneten Verhältnissen, wenn er auch infolge der mancherlei Schicksalsschläge naturgemäß nicht so reich ist, wie früher... So, das erzählen Sie allen Leuten, die ihr wertes Sprechorgan anscheinend zu nichts anderem zu gebrauchen wissen, als über ihre Nächsten herzufallen. Adieu!“ Damit drehte sie sich um und begab sich auf den Heimweg, indem sie den ExSchullehrer verblüfft zurückließ. „Es ist doch ein komisches Frauenzimmer, das gnädige Fräulein,“ meinte er, sein graues Haupt wiegend, fügte gleich darauf aber energisch hinzu:„Und doch gefällt sie mir tausendmal besser, als ihr finsterer Vater. Mit dem möchte ich nie etwas zu tun haben. Nicht in die Hand!“ Inzwischen schritt Charlotte rüftig weiter. Sie sehnte sich nach ihrer kleinen Wohnung, um allein sein zu können mit sich und ihren Gedanken. Vorerst mußte sie das eben Gehörte einigermaßen verdauen, ehe sie an weiteres denken konnte. Mit dem geplanten längeren Spaziergang war es jedenfalls zu Ende. Alssie am Arbeitszimmer ihres Vaters vorbei nach der Treppe ging, hörte sie Stimmen herausdringen. Familienangehörige derselben unter keinen Umständen, auch nicht gegen Bezahlung, behandeln werden. Drei Kölner Aerzte, die im April vorigen Jahres mit dem Krankenkassenverband neue Verträge abgeschlossen hatten, wurden gestern vom Ehrengericht der Kölnischen Aerztekammer wegen Ehrenwortbruchs mit Verweis und 300 M Geldbuße verurteilt. * Aachen, 27. Jan.(Neue Talsperre.) Der Kreistag des Landkreises Aachen beschloß endgültig, am DreilägerBach bei Roetgen in der Eifel mit einem Kostenaufwande von 5,2 Millionen Mark eine Talsperre zu errichten, die zur Versorgung des Landkreises mit Trinkwasser dienen soll. Der Kreistag beteiligt sich mit einem Kapital von 1530000 Mark, während den Rest der Bausumme 12 Gemeinden des Landkreises aufbringen. Kleine Chronik. Nur keine Kleinigkeits=Krämerei, denken heute die Berliner Spitzbuben und fangen an, mit Pferd und Wagen zu arbeiten. Nachts brechen sie in unbewachte Geschäftslokale ein, pakken, was sie gebrauchen können, zusammen, und am frühen Morgen kutschieren sie mit dem Raub los. Bei der Berliner Gewohnheit, sich um den Nachbar nicht groß zu bekümmern, fällt diese Frechheit dann gar nicht weiter auf. Ein achtzehnjähriger Lümmel in Berlin, dessen Lieblingsbeschäftigung das Lesen von Räuber= und Indianergeschichten war, hatte den Gashahn in den Schlafräumen seiner Mutter und seines Bruders geöffnet, um die Schlafenden zu betäuben und ungeniert Geld und Wertsachen stehlen zu können. Daß dabei Mutter und Bruder für immer betäubt werden konnten, hatte der Bursche nicht bedacht. Man glaubte ihm vor Gericht und so kam er mit 6 Monaten davon. Beim Schlittschuhlausen auf dem großen Müggelsee unweit Berlin haben sich am letzten Sonntag 38 Personen durch Stürzen Verrenkungen, Knochenbrüche usw. zugezogen. Auch verschiedene Rodel=Unfälle sind wieder aufzuführen. Deutschenhaß. Raus aus dem Fenster flogen in einer Lemberger höheren Mädchenschule neu eingeführte höchst praktische Tintenfässer, von den kräftigen Händen d. jungen Polinnen geschleudert. Und warum? Weil an den harmlosen Dingern eine Berliner Firma als Fabrikant angegeben war. Nun ist Polen ganz gewiß nicht verloren. Der Hinrichtungs=Karneval in Frankreich. Unter ebenso widerwärtigen Szenen, dem Gejohl und Gekreisch einer betrunkenen Menge, wie in Bethune, ist in Carpentras ein Raubmörder Danvars von dem Pariser Scharfrichter Deiller guillotiniert. Die französische Polizei weiß allen politischen StraßenTumulten sehr nachdrücklich zu begegnen, hier aber sieht sie ruhig zu, wie eine halbverrückte Menge die ganze Nacht vor dem Gefängnis Unfug treibt, sogar Grablieder sang. Als der Delinquent, der völlig teilnahmslos war, zur Guillotine schritt, rief ihm die Menge zu:„Sei doch fidel, alter Junge, und halte eine gute Abschiedsrede.“ In einer Minute war dann die Exekution erfolgt. Die Regierung in Paris sagt die Oeffentlichkeit der Hinrichtungen könne nur durch ein Gesetz aufgehoben „Hat mein Vater Besuch?“ fragte sie den eben herauskommenden Diener. „Jawohl, gnädiges Fräulein, den Pferdehändler Reichel.“ Charlotte zog die Brauen zusammen. Das bedeutete nichts Gutes. Stets, wenn der erschien, war irgend eine Teufelei im Spiel. „Lauschen ist ja zwar nicht besonders ehrenvoll,“ sagte sie sich, „in diesem Falle halte ich es aber für direkt geboten. Wer weiß, wozu der ekelhafte Kerl Papa wieder beschwatzt.“ Da das Arbeitszimmer des alten Eistedt gerade unter der Wohnstube seiner Tochter sich befand, konnte Charlotte, falls man an beiden Orten die Fenster geöffnet hielt, jedes Wort verstehen. Wie oft war sie infolgedessen nicht in der Lage gewesen, gegen den Grafen Helmbach gerichtete Anschläge zu vereiteln, indem sie Jahn, den Verwalter von Ilmenau, von der nahenden Gefahr in Kenntnis setzte. Sie versuchte, so gutzumachen, was ihr Vater, den sie in dieser Beziehung gar nicht verstand, ihrer Ansicht nach auf Anstiften schlechter Ratgeber verschuldete. „Wie ich Ihnen also sagte,“ vernahm sie die harte Stimme des alten Herrn,„etwa acht Tage vor dem Fälligkeitstermin gehen Sie hin und bedeuten ihm, daß eine Prolongation auf keinen Fall stattfinden werde. Sie brauchen Ihr Geld. Könne er nicht zahlen, so werde er wohl wissen, was das zu bedeuten hätte. Nehmen Sie sich meinetwegen zu der Geschichte Ihr Oberhaupt, den Schröpfer, mit heraus, auf den ja auch der zweite größere Wechsel ausgeschrieben ist. Natürlicherweise machen Sie es so, als ob ganz andere Dinge Sie nach Ilmenau führten.“ „Der ganze Zweck soll sein, ihn in die höchste Angst zu versetzen und schließlich zur Verzweiflung zu treiben. Er wird alle Hebel in Bewegung setzen, um das Geld zu beschaffen, doch wer soll ihm fünfzehntausend Mark borgen? Und wenn er die auch schließlich auftreiben sollte, das wäre übrigens ein reines Wunder, dann ist vierzehn Tage später der große Wechsel von dreiundzwanzigtausend Mark fallig. Ueber den kommt er nicht hinweg, ich weiß es.“ Charlotte hörte ein kurzes, abscheuliches Lachen, das sie erbeben ließ, um so mehr als sie, angestrengt lauschend, noch die direkt am Fenster geflüsterten Worte vernahm:„Nun kommt meine Zeit, ich habe auch lange genug gewartet." 160.20 Zu den Straßendemonstrationen in Berlin. Aus Anlaß der Wahlrechtsdebatte im preußischen Abgeordnetenhause hatte sich am Montag Vormittag eine ziemlich beträchtliche Zahl, wohl in der Hauptsache sozialistische Wähler, vor dem Abgeordnetenhause in der Prinz Albrechtstraße eingefunden, denen sich die übliche Zahl der in Berlin nie fehlenden Neugierigen zugesellte. Die anfahrenden Abgeordneten wurden mit Geschrei, Johlen und Zurufen begrüßt, die oftmals wahre Lachsalven hervorriefen und den harmlosen Charakter der werden. Aber warum hat sie nicht längst eins eingebracht? Sie kennt doch ihre Leute! Ein teilweiser Streik der Pariser Zeitungs=Maschinen= setzer ist ausgebrochen, wobei es in verschiedenen Druckereien auch zu Beschädigungen des Materials kam. Einzelne Zeitungsverleger bewilligten die Lohnerhöhung auf 14 Francs pro Tag, andere halfen sich, so gut es ging. Es gab sogar photographierte Zeitungen. Für die Setzer, die sich an den Ausschreitungen beteiligten, wird ein gerichtliches Nachspiel folgen. Aus dem italienischen Erdbebengebiet berichten italienisch: Zeitungen, daß mit den Liebesgaben verschiedentlich schnöder Schwindel getrieben wird. Hoffentlich fährt da eine exemplarische Untersuchung dazwischen. Die Erdstöße haben noch nicht aufgehört, hingegen ist der Vulkan Aetna ganz ruhig. Was mancher nicht weiß. Führung eines Wappens. Es steht jedem Bürgerlichen frei, sich ein Wappen zuzulegen, es darf nur nicht einem bestehenden Adelswappen gleich sein und nicht Rangabzeichen des Adels(Krone oder Ritterhelm) führen. Bürgerliche Wappen werden jetzt nicht mehr verliehen. Das Heroldsamt in Berlin ist nur die entscheidende Behörde für Adelswappen. Die Gesamtsumme der öffentlichen Schenkungen und Legate für 1908, die von amerikanischen Millionären gespendet wurde, ist nach in Chicago gemachten Aufstellungen geringer als im Vorjahre. Sie beträgt diesmal nur 90 932 200 Dollar gegen 140 902000 Dollar 1907. Die Schenkungen belaufen sich auf 43 560000 Dollar und die Legate auf 47372000 Dollar. Für Unterrichtszwecke wurden 36 552000 Dollar gegeben, für wohltätige Stiftungen 39 730 000 Dollar, für religiöse Körperschaften 4 414 000 Dollar, für Museen und öffentliche Bauten 9 402 000 Dollar und für Bibliotheken 854 500 Dollar. Die größte Summe hat Andrew Carnegie gegeben, nämlich 7437600 Dollar; der nächste ist Rockefeller mit 2934000 Dollar. Mrs. Russel Sage gab im ganzen 1 560000 Dollar an Schenkungen und Morgan 192000 Dollar. Die Wintermonate erwiesen sich „Demonstration" bewiesen. Die Schutzleute, welche die Straße für den Verkehr frei machten, und die Menge nach der Königgrätzstraße abdrängten, hatten denn auch sehr leichtes Spiel. Erst in der Königgrätzerstraße besann sich die Menge auf ihre sozialistischen Neigungen und begann laut lärmend und sozialistische Lieder singend nach dem Reichstage zu ziehen. Die Polizei störte das Vergnügen nicht, und erst am Reichstagsgebäude löste sich die Menge unter sanfter Nachhilfe der Polizei auf. als diejenige Zeit, in der die Multimillionäre am leichtesten ihre Börse öffneten. Im Januar, Februar und März flossen die Gaben am reichlichsten, am spärlichsten im August, September und Oktober. Der Wein im Altertum. Der Wein war bei den Alten eine Art Konfekt, in welches man Blumenessenzen, Honig, Käse, Harz und eine Menge anderer Ingredienzien und Spezereien mischte. Das Ganze gerann zu einer festen Masse, einer Art Seife, die man zerschnitt und deren Stücke man in ein Glas mit heißem Wasser schabte, um sie darin einzurühren. Auf diese Art, die der Bereitung einer Tasse Schokolade ähnelt, erhielt man, wie der heilige Hieronymus sagt, ein köstliches Getränk. Dieser Brauch war sehr alt. In der Ilias gibt Nestor einigen Freunden ein Mahl, bei welchem es so hergeht: Eine schöne„göttergleiche“ Gefangene, die im Zelte des guten Alten die Honneurs macht, gießt Wein von Pramnos in eine Schale, worin sie Käse gerieben und Weizenblüte eingerührt hat. Catull sagt irgendwo, dieses Weins und Käses überdrüssig:„Gebt mir doch ein wenig herben Wein!“. Wenn dieser „Wein“ älter war, knabberte man ihn in kleinen Tafeln. War er jung, so strich man ihn auf Brot und verzehrte ihn wie Butterbrot aus der Hand. Wenn er 60 bis 80 Jahre zählte, konnte man Häuser daraus bauen. Die Griechen und Römer hatten gewiß manches Gute, wie ihre Kunst= und Literaturdenkmäler bezeugen, und in dieser Hinsicht stimmt unser Geschmack noch heute mit dem ihrigen überein. Ihrem Rebensaft indessen dürfte auch der begeistertste Philologe wohl ein Glas Rheinwein ohne jede Zutat von Käse vorziehen. Fur unsere Hausfrauen. Silberzeug. Einer sparsamen Hausfrau empfiehlt sich, abgegossenes Kartoffelwasser(von gekochten Kartoffeln) zum Putzen von Silberzeug anzuwenden. Dieses wird glänzend und rein, wenn man es mit dem kartoffelmehlhaltigen Bodensatze des abgegossenen Wassers mit den Fingern abreibt. Auch neusilberne und plattierte Sachen können so gereinigt werden. Im Griff lose gewordene Messer und Gabeln zu besestigen. Die Oeffnung im Messer= oder Gabelgriff muß zunächst gut ausgebohrt und gereinigt werden. Dann mischt man gemahlenes Kolophonium und gemahlene Kreide gut miteinander, füllt das Loch damit, macht den langen Dorn des Messers oder der Gabel sehr heiß, indem man ihn in kochendes Wasser steckt, und stößt ihn dann fest in die Höhlung hinein. Nach dem Erkalten sind die Griffe fest. Auch lose gewordene Schraubenschlüssel, Feilen und anderes Derartiges wird ebenso behandelt. Wollene Kleidungsstücke. Strümpfe und dergleichen werden im Winter nach dem Waschen häufig aufgehängt, um sie trocken gefrieren zu lassen. Dies ist aber für die fraglichen Gegenstände sehr nachteilig. Die nassen Fasern, selbst wenn sie auch noch so kurz sind, werden bei dem Gefrieren hinlänglich ausgedehnt, um sie zu schwächen und selbst zu zerreißen. Nach mehrfach angestellten Versuchen genügt schon eine ganz geringe, kaum wahrnehmbare Ausdehnung eines Fadens, um die Fasern, selbst wenn sie dick und stark sind, zu zerreißen. Die weißen Hüte aus Filz kann eine sparsame Frau leicht und billig selbst reinigen, wenn sie sich eine Mischung von acht Teilen Alkohol, acht Teilen Salmiakgeist und zwei Teilen Kochsalz bereitet und damit mittels eines Wollappens die Schmutzstellen kräftig einreibt. Dann wird der Hut mit einer ganz reinen Bürste, die man am besten vorher gewaschen hat und wieder trocknen läßt, tüchtig gebürstet, und das Aussehen wird binnen weniger Stunden tadelos sein. Winternacht. Der Winter spinnt am Rocken Gar duftig, zart und fein Mit tausend weißen Flocken Die müde Erde ein, Wie helle Sternlein flimmern Auf weißem Brautgewand, So zuckt ein gleißend Schimmern Gleich Blitzen übers Land. Dort wo die Nelken blühten, Im Gärtchen, still, versteckt, Gleich ros'gen Wangen glühten, Ist alles schneebedeckt; Ein Vöglein hockt verdrossen, Geduckt im Fliederbaum, Zwei schlummernde Genossen Die zwitschern leis im Traum. Sie träumen wohl, daß balde Der Sommer kommen will, Der Wind weht über die Halde Klagend, dann wird's still. Im atemlosen Schweigen Liegt alles ringsumher, Und rastlos tanzt den Reigen Das weiße Flockenmeer. Theater=Spielplan. Stadttheater Dortmund. Donnerstag, 28. Jan., 7,30 Uhr:„Der Troubadour“. Oper mit Ballett in vier Aufzügen von G. Verdi. Freitag, 29. Jan., 7,30 Uhr:„Die Tür ins Freie". Schwank in drei Aufzügen von Oskar Blumenthal und G. Kadelburg. Städt. Schauspielhaus, Hagen. Donnerstag, 28. Jan., 7,30 Uhr:„Die Frau vom Meer“. Schauspiel in fünf Aufzügen von Heinrich Ibsen. Freitag, 29. Jan., 8 Uhr:„Ein Walzertraum“, Operette in drei Akten von Oskar Strauß. Stadttheater Barmen. Donnerstag, 28. Jan., 8 Uhr:„Baron Trenck“, Operette in drei Akten von Felix Albini. Freitag, 29. Jan., 8 Uhr:„Die Ahnfrau". Trauerspiel in fünz Aufzügen von Franz Grillparzer. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Der Cotensee. Roman von Martin Wehrau. 10 Reichel erhob seine scharfe, mißtönende Stimme:„Sie sollen mit mir zufrieden sein, gnädigster Herr Baron. Zwei linke Füß' will ich kriegen, wenn ich ihn nicht so in die Enge treibe, daß er selbst noch das Wasser des Totensees als eine Erlösung ansteht.“ „Ich weiß, ich weiß," versetzte der andere mit leisem Hohn. „Sie kennen Ihr Geschäft in dieser Beziehung. Ich kalkuliere, Sie werden mehr als einem den Revolver in die Hand gedrückt haben, weil er Ihre zartgemeinten Forderungen nicht erfüllen konnte.“ Der Wucherer schien gekränkt; er sprach mit einem gewissen Pathos, als er antwortete: Was kann ich dafür, wenn ich ein so gutmütiges Herz habe. Kommt so ein junger Herr zu mir, wehklagend und mit bleichem Gesicht, lieber Gott, so muß ich ihm helfen. Daß ich mich durch einige Prozent mehr gegen alle möglichen Fälle sichern muß, werden der gnädige Herr Baron doch einsehen. Wie gesagt, ich hab' ein zu gutes ber „Ihres guten Herzens wegen hat sich wohl auch der kleine Rundel erschossen?“ kam es beißend aus dem Munde Eistedts. „Ich bitt' Sie, gnädigster Herr, erinnern Sie mich nicht an den gemeinen Menschen. Bin ich doch überzeugt, daß er sich nur, um mich zu ärgern, eine Kugel durch den Kopf gejagt hat. Das ganze Geld hab' ich an dem Mann verloren, mein schönes, schönes Geld!“ wehklagte er laut. „Na, streiten wir nicht darüber, mir ist es recht, daß Sie so sind. Tun Sie nur in diesem Falle Ihre Schuldigkeit und es wird Ihr Schaden nicht sein. Wenn es ihm schließlich so geht, wie dem kleinen Rundel, was geht das uns an. Kein Mensch kann uns verdenken, wenn wir zu unserem Gelde zu kommen suchen. Wann werden Sie also nach Ilmenau fahren?“ Der Gefragte überlegte.„Heute haben wir Mittwoch. Morgen muß ich nach Königsberg in Geschäften, übermorgen ist Viehmarkt, da hab' ich keine Zeit, den nächsten Tag bin ich auch verhindert, nun, sagen wir Montag. „Nun gut, Montag also. Kommen Sie dann sofort zu mir. Ich möchte gern wissen, wie er die Nachricht ausgenommen hat.“ „Machen wir, wird besorgt. Sonst noch etwas, gnädigster Herr?“ „Nein, Sie können gehen.“ Charlotte war oben ihrer Sinne kaum mehr mächtig. Was sie da gehört, hätte sie nimmermehr für möglich gehalten. Ihr Vater, den sie ja nicht gerade übermäßig liebte, zu dem sie aber trotzdem bisher in kindlicher Ehrfurcht aufgesehen hatte, als Teilhaber bei einer direkten Schurkerei! Denn als solche kennzeichnete sie ja das ganze Unternehmen. Sie konnte es nicht fassen. Was mochte der Grund zu dem glühenden Haß sein, mit dem ihr Vater den Grafen verfolgte? Zwar war ihr schon manches in dieser Beziehung aufgefallen, eine Handlungsweise aber wie diese noch nie. Im ersten Augenblick wollte sie hinuntereilen zu dem Alten und, seine Knie umklammernd, ihn bitten, abzulassen von seinem furchtbaren Vorhaben. Dann jedoch überlegte sie. Wer weiß, ob das Erfolg hatte, und dann wäre ihr Interesse, das sie an dem Grafen nahm, verraten gewesen. Nein, sie wollte auch ferner heimlich über ihn wachen und zu verhindern suchen, daß ihn noch Schwereres traf. Plötzlich fielen ihr Reichels Worte ein von der Erlösung, als welche der Ilmenauer noch den Totensee begrüßen würde. War er nicht schon einmal in diesem Gewässer, an das sie sonst so gern ging, beinahe ertrunken. Sollte.. Sie überlegte nicht weiter, sondern stürzte zur Klingel. Dem eintretenden Dienstmädchen befahl sie:„Meinen Fuchs, ich will ausreiten.“ Kaum zehn Minuten später trat sie im Reitkleid auf den Hof, wo ein Stallknecht das edle Tier schon auf= und abführte. Als sie Reichel bemerkte, der eben über den Hof schlich, flammte es in ihrem Gesicht auf. Dem Pferd einen heftigen Peitschenhieb versetzend, jagte sie in Karriere auf den die Gefahr bemerkenden und ganz versteinert dastehenden Wucherer zu, so daß es aussah, als gehe der Fuchs mit ihr durch. Der Bedrohte wurde bei dem Zusammenstoß mit großer Gewalt in eine sich daneben befindliche Jauchenpfütze geschleudert. Dabei entrang sich den zusammengepreßten Lippen der jungen Dame das Wort:„Kanaille!“ Reichel hatte es zwar nicht gehört, aber er ahnte, daß das Durchgehen nicht so ganz zufällig war. Vergalt das Fräulein von Eistedt seine überfreundliche Höflichkeit doch stets mit der eisigsten Verachtung. Unter dem Gelächter der ihm nichts weniger als gutgesinnten Knechte erhob er sich schmutztriefend von der Unfallstelle und sandte Charlotte einen bösen Blick nach. Dann ging er zu seinem Wagen, um die Heimfahrt anzutreten. Die Reiterin aber zügelte, nachdem sie dem allgemeinen Gesichtskreis entrückt war, ihr Pferd und bog bald darauf in den nach Ilmenau führenden Weg ein. Hätte der alte Eistedt dabei den Gesichtsausdruck seiner Tochter erblicken können, er würde sehr nachdenklich geworden sein. ** * „Guten Abend, alle miteinander!“ Mit diesen Worten betrat am späten Abend ein junger, anscheinend bezechter Mann das in Königsberg am Steindamm gelegene Cafe Drescher, in allen eingeweihten Kreisen nur als „Bommel=Cafe" bezeichnet. Fast alle Tische waren besetzt von einem Publikum, das in der Hauptsache aus Damen, Offizieren in Zivil und Studenten bestand. Die Bedienung wurde von vier Wiener Kellnern ausgeübt, die das Bestellte, gewöhnlich Kaffee oder Pilsener, zu den Gästen hinschafften. An der Decke lagerte ein dichter Zigarrenrauch, der das Atmen erschwerte, auch trug der durchdringende Moschus= und Patschuliduft nicht wenig dazu bei, einem gerade von der Straße Hereinkommenden den Aufenthalt in dem Schankraum zu verleiden. Trotzdem aber schien man sich hier sehr wohl zu fühlen. Trat jemand ein, so drehte sich gewöhnlich alles nach ihm um und widerlich antragende Ausrufe schwirrten jedem Ankömmling entgegen und hörten erst auf, als der Begehrte ein Unterkommen gefunden hatte. Die Worte des eben angelangten, der den rotsamtenen Vorhang wegschob und nun breitbeinig dastand, die eine Hand in der Hosentasche und mit der anderen zwischen zwei Fingern ein silberknaufiges Stöckchen balanzierend, und sich stier umsehend, erregten überall Sensation. 100,20 — 1 ——— E 9 * * F * 44— 1 — SESES" 855 5 S• S 2 2 S S 5 8 5 * 5 2 5 5 5 5 S S S 5 S 9 6 • S 9 5 ** * S 9 0 5 S 4 83 S 9— 8 85 * 5 5 ** #9 S 55 9 S 5Sg S 2 S5 5 5 SSSESEERSSSSSSSECE! * 9 5 55 :s 8 FGEE 9 S S S. S * : 5 2 5 # SO5B•1* S 50# S 4 S S.250 2 28 * # SS9 #bSO * S: GEENO SSEU GEEZEES C *) D * 00 — 5 * B S — ss — — — * 55 58 55 SHESSSS 8 8 8 * 8• 2 8 B F 0 5 5 8 95 8 5 S8. 2 * s 9 3 * 8 ∆ 15 O 5 8 S Oci ESB•ESSG S S 5 * * S 9 SE 53 — S S. 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Die Regierung werde ihm vermutlich Nansens„Fram“ zur Verfügung stellen. Seine Absicht sei, in der nächsten Saison früh auszubrechen und fünf bis sechs Jahre im Norden zu bleiben. Mit Luftschisen, Ballons oder Motoren wolle er nichts zu tun haben. Er halte das alte System, welches erprobt sei, für das beste, und verlange nur ein gutes Schiff, gute Schlitten und gute Hunde. Er habe es gar nicht eilig, den Pol zu erreichen. Er gehe nicht einmal zu diesem Zwecke hinaus. Er werde von den Strömungen Gebrauch machen, die zweifellos über den Pol führten. Zu dem Zwecke werde er bei der Behrings=Straße in das Polargebiet eintreten und zwischen Spitzbergen und Grönland herauskommen. Seine Ausstattung erhalte er aus Norwegen, mit Ausnahme der Hunde, die er von der Nordküste Amerikas nehmen werde. Es sei schwierig, die Kosten des Unternehmens im voraus zu bestimmen, aber diese würden sicherlich sehr viel geringer sein, als diejenigen so vieler kostspielig ausgestatteter anderer Expeditionen nach dem Nordpol. Der verschluckte Photographenkodak. Eine ganz neue und der Originalität nicht entbehrende Manier, um die Innenwände des Magens zu photographieren, hat ein Münchener Arzt erfunden. Es ist mit Zuhilfenahme der T=Strahlen nicht möglich, die Innenwände des Magens zu photographieren, was aber in vielen Fällen, besonders wenn es sich um Magengeschwüre handelt, sich als sehr nützlich erweisen würde. Der Münchener Arzt hat einen photographischen Apparat anfertigen lassen, welcher von den Patienten mit einiger Anstrengung heruntergeschluckt werden kann. Durch einen Schlauch, welcher mitverschluckt wird und in welchem ein elektrischer Draht läuft, der mit einer kleinen Batterie in Verbindung steht, bleibt der Kodak sozusagen in Verbindung mit der Außenwelt. Einmal verschluckt, wird der Kodak durch eine elektrische Glühbirne erleuchtet, der Arzt drückt auf den Gummiball, in den der Schlauch ausläuft, und das Bild ist fertig. Der Apparat wird nun wieder aus dem Magen herausgehißt, und der Film kann entwickelt werden. Hat die Automobil=Industrie der Luftschiffahrt die Wege geebnet? Die lenkbaren Luftschiffe und die Flugapparate müssen durch Maschinenkraft den Widerstand des Windes überwinden. Es liegt in der Natur der Sache, daß die dazu nötigen Maschinen bei möglichst leichtem Gewicht möglichst große Kraft besitzen müssen. Als die Automobil=Industrie noch in den Kinderschuhen steckte, hatten die Motoren wenig Pferdekräfte und großes Eigengewicht. Nur dadurch, daß das Hauptinteresse zuerst den Schnelligkeitsmaschinen galt, die natürlich leicht und doch in höchstem Maße leistungsfähig sein mußten, hat sich die Motoren=Technik so überraschend schnell zu ihrer heutigen Vollkommenheit entwickelt. Heute baut man Automobilmotoren, die nicht mehr Eigengewicht in Kg. haben, als sie Pferdekräfte besitzen. Und erst seitdem die Automobiltechnik diesen Punkt ihrer Entwicklung erreicht hat, können ihre Erzeugnisse der Luftschiffahrt von Nutzen sein und das Problem der Lenkbarkeit seiner Lösung näher bringen. So sind die Triumphe des Grafen Zeppelin, der Gebrüder Wright und anderer Pfadfinder der Lüfte auch zugleich Triumphe der Automobiltechnik. Gefesselte Naturkraft im Dienste des Menschen. Die Natur gibt uns häufig Gelegenheit von den ihr innewohnenden Kräften uns zu überzeugen. Sei es im Sturm, in der Meeresbrandung im Gewitter, in den Vulkanausbrüchen oder im Erdbeben. Aber fessellos sind diese Kräfte und daher für uns verloren, ja, manchmal gefahrbringend. Die Technik hat es verstanden, große Kräfte in der Hand eines einzelnen Menschen segenbringend zu vereinen. Rastlos ist sie bemüht, im Kleinen aus der Natur Kräfte zu sammeln, um diese der ganzen Menschheit dienstbar zu machen— und mit Erfolg. Seit der Zeit sie gelernt hat, durch Verbrennung der Kohle, Wasserdämpfe von hoher Spannung zu erzeugen und die hierdurch gewonnenen Kräfte in der Maschine zu verwerten, sind wir gewohnt mit Kräften zu rechnen, die ins fabelhafte steigen. Sehen wir uns einmal den Lokomotivführer an. Wenige Hebelgriffe und er gibt durch seine Maschine Kräfte frei, die fähig sind ein Gewicht von Gütern zu befördern, zu deren Transport früher hunderte von Fuhren erforderlich waren. und morgen reicht dieselbe Hand, durch dieselben Hebelgriffe uns Kräfte dar, die auf einmal Tausende von Menschen durch unsere Länder fahren. Gewaltige Kräfte bergen unsere großen, transatlantischen Verkehrsschiffe in ihrem Innern. Die Maschinen eines der neuesten— am 30. Mai 1968 dem Norddeutschen Lloyd übergebenen Dampfers„Prinz Friedrich Wilhelm“— leisten ca. 14000 Pferdestärken und geben dem Schiffe eine Geschwindigkeit von ca. 19 engl. Meilen in der Stunde(engl. Meile— 1852 m). Durch Versuche hat man festgestellt, daß ca. 21 Menschen dieselbe Leistung erzielen, wie eine technische Pferdestärke. Sollten also Menschenhände dieselbe Arbeit verrichten, wie diese 14000 Pferdestärken, so müßten 14 000x21=294000 Menschen mit gesunden Muskeln ununterbrochen— da dieses jedoch nicht möglich ist, die 7 bis 8 tägige Fahrt über den Ozean vielmehr in bestimmten Zeiträumen eine Ablösung der gesamten Menschenmenge bedingen würde, so müßte mindestens die doppelte Anzahl, also 588000 Menschen— tätig sein, um das Schiff mit der obengenannten Geschwindigkeit über den Ozean zu bringen. Das vorgenannte Schiff ist eines der größten des Norddeutschen Lloyd, wie auch der deutschen Handelsflotte, doch birgt es in seinem Innern bei weitem nicht die größten Kräfte. Die Maschinen der Schnelldampfer leiston: „Kaiser Wilhelm der Große".. 28000 PS. „Kronprinz Wilhelm"... 35000 SP. „Kaiser Wilhelm II.“..... 45 000 PS. „Kronprinzessin Cecilie"... 46000 PS. Das letztere Schiff würde nach der voraufgegangenen Rechnung— 46 000X21=966000— bei der ununterbrochenen Fahrt über den Ozean jedoch die doppelte Anzahl, also 2X 966 000=1 932000 Menschen benötigen. Das sind riesige Kräfte, welche die Technik in den Dienst von Handel und Verkehr gestellt hat, und das wesentliche ist, daß es rohe Naturkräfte sind, die in der Maschine gezähmt, von wenigen Menschen ausgelöst sind und dann zur Nutzanwendung kommen. Vergleichen wir die Triebkräfte eines modernen, transatlantischen Dampfers mit dem einer Trireme, jenes Schiffes des Altertums, das einige hundert Menschen, auf drei übereinanderliegenden Bänken sitzend, durch Rudern fortbewegten. Hier edle Menschenkraft an rohe Arbeit gebunden und bis zum Aeußersten ausgenutzt, dort rohe Naturkraft im Dienste des menschlichen Geistes. Erkennen wir hier nicht deutlich die Mission der Technik, die durch Unterwerfung und Zähmung der Naturkraft, Menschenkraft von hartem Tagewerk entlasten und für große, edle und schöne Werke zu befreien sucht? Dies und das. Die undankbare italienische Presse. Angesehene deutsche Zeitungen, wie die Frankfurter, weisen mit vielem Nachdruck darauf hin, daß die meisten italienischen Blätter die deutschen und österreichischen Leistungen im Rettungswerk und bei den klingenden und materiellen Beihilfen fast konsequent totschweigen. Von Engländern und Franzosen wird wer weiß wie viel Redens gemacht, die Deutschen müssen sich mit knappen Hinweisen begnügen. Und doch ist von unserer Seite vielleicht mehr geleistet, wie von Franzosen und Engländern. Der Grund für diese Unverfrorenheit ist kein anderer, als in der Bevölkerung gegen den Dreibund Stimmung zu machen. Nicht einmal bei einem solchen Unglück hören die politischen Treibereien auf. Dabei weiß die Dreibund feindlich gewordene italienische Presse eigentlich selbst nicht, was sie gegen den Dreibund einzuwenden hat. Man möchte Oesterreich Trient und Triest abnehmen; das ist schließlich das Ganze. Von den Diamanten ist täglich mehr die Rede. Seit Staatssekretär Dernburg in Dresden und in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares auch in Berlin darüber einen Vortrag gehalten hat, klettern an den Börsen die Diamanten=Papiere, die Werte der Kolonial=Gesellschaften, lustig in die Höhe, und die Bewerbungen industrieller Gruppen mehren sich Tag für Tag. Daß ein richtiges Diamantenfieber entsteht, ist bei dem gesunden Sinn unseres deutschen Volkes nun wohl ausgeschlossen. Deutsche Diamanten sind übrigens in Amsterdam schon in größerer Zahl geschliffen worden. Ein origineller Vorschlag ist in Schopfheim im oberbadischen Wiesenthal von einem Herrn gemacht worden. Er schlägt in der Presse vor, zum Schutze der Singvögel einen Verein zu gründen, dessen Mitglieder keine Dame mehr grüßen, die einen Vogelbalg auf dem Hute trägt. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Ein holdes Weib wählt Blumen, Auch Bänder steh'n ihr gut, Ein stolzes würgt die Vögel Und steckt sie auf den Hut. Ich grüß' die schönste Blume In frischer Morgenluft, Und weig're Gruß dem Balge Mit seinem Moderduft. Ich bitte um Nachdruck.“— Ob's was helfen wird? Eine Visitenkarte von 50 Metern Länge. Eine 15 Zentimeter dicke Rolle von 30 Zentimetern Länge war ein Geschenk, das ein französischer Diplomat, de Lagrenz, von dem chinesischen Gouverneur in Macao zugesandt erhielt, als er dort eine diplomatische Mission erfüllen sollte. Der Diplomat war, so schildert der„Gaulois“, natürlich äußerst erstaunt, denn so ein Ding hatte er noch nie gesehen; er öffnete die Rolle, um daraus einen Papierstreifen hervorzuziehen, der beim Aufrollen immer länger zu werden schien und erst mit 50 Metern ein Ende nahm, als der Boden des Gemaches darunter verschwunden war. Endlich fand sich ein Chinese, der dem Diplomaten das Rätsel löste. Es handelte sich um eine Höflichkeit des Gouverneurs, dessen Visitenkarte der papierene Bandwurm war. Herr de Langrenz mußte natürlich die Höflichkeit erwidern und war ein wenig beschämt, denn seine Visitenkarte maß nur wenige Zentimeter. Letzte Drahtmeldungen. Des Kaisers Geburtstag. Berlin, 28. Jan. Des Kaisers 50. Geburtstag wurde gestern im ganzen Reiche in festlicher Weise begangen. Auch im Auslande waren an den Höfen, in den Botschaften, in den deutschen Kolonien Festfeiern veranstaltet worden, an einzelnen Orten schon am Vorabend des 27. Januar. Ueberall fand die hohe Verehrung, die Kaiser Wilhelm im In= und Auslande genießt. beredten und herzlichen Ausdruck. Von einer prunkvolleren Feier in Berlin, die etwa eine größere Volksfeier hätte werden können, war abgesehen worden, im Hinblick auf die letzten Vorgänge in unserer inneren Politik. Trotzdem gestaltete sich der Tag durch die Anwesenheit sämtlicher Bundesfürsten zu einem sehr eindrucksvollen. Die deutsche und die Auslandspresse gedachte des Festtages in Leitartikeln. Der „Reichs=Anzeiger“ veröffentlichte eine größere Reihe von Auszeichnungen. Der Erlaß einer Amnestie erfolgte jedoch nicht. Geadelt. Berlin, 28. Jan. Dem Oberpräsidenten der Provinz Sachsen Wilhelm Hegel wurde der erbliche Adel verliehen. Ebenso wurden geadelt der Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach und die Kommerzienräte Ernst und Konrad Borsig in Tegel bei Berlin. Generalversammlung des Bundes der Landwirte. Berlin, 28. Jan. Die Tagesordnung der am 22. Februar d. Is. im Zirkus Busch zu Berlin stattfindenden Generalversammlung des Bundes der Landwirte ist wie folgt festgesetzt: 1) Eröffnung durch den Vorsitzenden des Bundes, Freiherrn v. Wangenheim=Kl.=Spiegel; 2. Ansprache des 2. Vorsitzenden des Bundes Dr. Noesicke=Gersdorf; 3) Bericht der vom BundesAusschuß gewählten Kassenrevisions=Kommission; 4) Aenderung des§ 12 der Satzungen und Zusatz zu den Erläuterungen des § 29 derselben,„Gewährung besonderer wirtschaftlicher Vorteile durch die Verkaufsstelle des Bundes der Landwirte, e. G. m. b. H., betr. Gründung einer Sterbekasse für Bundesmitglieder“; 5) G.schäftsbericht für 1908, erstattet vom Direktor des Bundes, Dr. Diederich Hahn; 6) Die Reichsfinanzreform. Referent Rittergutsbesitzer aus dem Winckel; 7) Diskussion; 8) Anträge aus der Versammlung. Zur Lage in Böhmen. Wien, 28. Jan. Der Bummel der deutschen Studenten in Prag steht wieder im Vordergrunde der politischen Situation Nach allen möglichen Versuchen der Tschechen, den Bummel zu vereiteln, verfiel man jetzt auf die Idee, das Trottoir längs des deutschen Kasinos und darüber hinaus auf dem„Graben“ angeblich zu Neupflasterungszwecken, ganz aufzureißen, so daß diese Straßenseite für Fußgänger ganz unpassierbar ist. Sollten die deutschen Studenten trotzdem ihren allsonntäglichen Spa ziergang unternehmen, so steht zu befürchten, daß der tschechische Mob, an dessen Aufhetzung wieder stark gearbeitet wird, die Pflastersteine zu tätlichen Angriffen gegen Deutsche verwendet Die Regierung ist entschlossen, bei einer Wiederholung der Tumulte am nächsten Sonntag sofort wieder den Ausnahmezustand über Prag zu verhängen. Unerhörter tschechischer Uebergriff. Prag, 28. Jan. Folgender unerhörter Fall tschechischer Frechheit wurde hier bekannt: Ein Fabrikant in Baden=Baden sandte ein Preis=Verzeichnis an einen deutschen Kunden in Prag. Er erhielt den Brief uneröffnet mit dem tschechischen Vermerk zurück:„Wir brauchen keine deutschen Sachen, wir haben genug tschechische.“ Es stellte sich nun heraus, daß der Adressat in Prag das Preisverzeichnis überhaupt nicht erhalten hat. Ein tschechischer Postbeamter hat einfach den Brief mit dem Vermerk versehen und ihn ohne weiteres zurückgeschickt Der Fall wurde dem deutschen Landsmannminister Dr. Schreiner zur Kenntnis gebracht. Drohende Kriegswetter. Frankfurt, 28. Jan. Wie der„Frankfurter Generalanzeiger“ aus Konstantinopel erfährt, hat die türkische Regierung offiziell bei dem Korpskommando in Adrianopel angefragt, ob die Truppen schlagfertig seien. Die bulgarische Regierung hat ihre Truppen von ganz Südbulgarien einberufen und den Kommandeuren den Befehl erteilt, beim geringsten Anlaß vorzugehen. Der serbische Kriegsminister ordnete für den 3. Februar die Einberufung der letzten Partie der Reservisten des 1. Jahrganges an. Außerdem haben an diesem Tage alle im Vorjahre assentierten Rekruten bei ihren Truppenkörpern einzutreten. Wie dem„Daily Telegraph“, gemeldet wird, vermehrte Oesterreich in der Gegend von Cataro seine Festungswerke, sowie die Zahl seiner Kriegsschiffe. Englische Spionenfurcht. London, 28. Jan. Der Sekretär der Primrose=Liga in Perthshire, Major Reed, erklärte in einer öffentlichen Versammlung zu Blackford allen Ernstes, das englische Kriegsamt habe in letzter Zeit erfahren, daß sich 6500 deutsche Spione in Großbritannien aufhalten: 5000 in England und 1500 in Schottland. Diese seien bezahlte Agenten des deutschen Generalstabes und arbeiteten unaufhörlich, um Informationen über die Küstenverteidigung, über Wasserzufuhr, über Eisenbahnen und andere für eine militärische Invasion wichtige Dinge zu erhalten. Neues Erdbeben. Messina, 28. Jan. Gestern früh 8 Uhr erfolgte wiederum eine starke, drei Sekunden anhaltende Erderschütterung, welcher ein unterirdisches Rollen vorangegangen war. Eine verhängnisvolle Kaisergeburtstags=Feier. Trier, 28. Jan. Beim Böllerschießen im Eifelorte Cadel platzte eine Bombe. Drei Personen wurden getötet. Einem Polizisten wurde die Schädeldecke abgerissen. Wochenmarktspreise. Schwerte, 27. Jan. Kartoffeln, per Zentner 3,50 Mk. Butter, per Pfd. 1,20—1,30 Mk., Eier 9 Stück 1 Mk.; Rindfleisch per Pfd. 75, Schweinefleisch 80, Kalbfleisch 80, Hammelfleisch 70, ger. Speck 80—90 Pfennige. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 29. Jan.. Wolkig mit Sonnenschein, teils Niederschläge, milde, später kälter. 30. Jan.: Feuchtkalt, Temperatur nahe Null, Niederschläge, dann windig. 31. Jan.: Feuchtkalt, starke Winde, bedeckt, Niederschläge. 1. Febr.: Wolkig mit Sonnenschein, Frost, windig. 2. Febr.: Bedeckt, teils heiter, Frost. 3. Febr.: Nebel, teils heiter, sonst bedeckt, Niederschläge, dann Frost. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte Bekanntmachung. Zur Aufnahme der Gesuche der Mannschaften der Reserve, Marinereserde, Landwehr, Seewehr. Ersatzreserve, sowie der ausgebildeten Landsturmpflichtigen 2. Aufgebots, welche gemäß§ 123. 1 usw. der Wehrordnung auf Zurückstellung bei etwaiger Einderufung zu den Fahnen pro 1909 Anspruch machen, habe ich Termin auf Sonnabend, den 6. Februar, vormittags, im alten Rathause, Zimmer Nr. 2 anberaumt. Militärpapiere, Steuerzettel und sonstige auf das Gesuch bezügl Beweisstücke sind vorzulegen. Schwerte, den 25. Januar 1909. 473 Der Bürgermeister: Rohrmann Bekanntmachung. Zur Aufnahme der Militärreklamationen für die Ersatzaushebung 1909(Jahrgänge 188“, 1888, 1887 und ältere) ist Termin auf Mittwoch, den 3., Donnerstag, den 4. und Freitag, den 5. Februar 1909, vormitlags auf dem Meldeamte(altes Rathaus) Zimmer Nr. 2 anberaumt. Die früheren Reklamationen, welche aufrecht erhalten werden sollen, sind zu erneuern und etwaige Veränderungen glaubhaft nachzuweisen. Bezüglich des jüngsten Jahrganges(1830) sind die Steuerzettel. sowie der Nachweis über etwa vorhandene Schulden, die Geburtsatteste der Geschwister des zu Retzlamierenden und sonstige auf die Reklamation Bezug habende Nachweise mit zur Steite zu bringen. Schwerte, den 23. Januar 1900. Der Bürgermeisher: 464 Rohrmannun Mein fabelhaft billiger S Raumungs-Ausverkauf dauert nur noch bis Sonnabend. 477 Otto Wilkes, Manufaktur- und Aussteuergeschäft. Krieger-Verein Schwerte. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden Portiers Fritz Fink treten die Vereinsmitglieder am Freitag, den 29. Januar d. Is, nachmittags 2* Uhr im Vereinslokale Schulze-Selmig im Reiche des Wassers an. Um recht zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Schwerte, den 478 27. Januar 1909. Der Vorstand. Junger Kaufmann mit dreijähriger Lehrzeit und engl.franz. Vorkenntnissen sucht auf sof. od. später passende Stellung als Volontair. Offerten unter B. E. 349 an die Schwerter Zeitung erbeten. Eine 475 Wohnung von 3 kleinen Zimmern zum 1. April zu vermieten. Karl Möller, Senningsweg 14. Schöne abgeschlossene Mansarden=Wohnung 3—4 Zimmer aus sofort oder später zu vermieten. 479 Bahnhofstraße 19. „Einigkeil“ Holzen. Zur Beerdigung des verstorbenen Turners und Mitbegründers Pries-Vink tritt der Verein am 29. d. Mts., nachmittags 2½ Uhr im Vereinslokale(Ameke) an. 478 Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Ergste. gerichtswahl. Versammlung der Arbeitnehmer Sonntag, den 31. Januar, 4 Uhr, im Lokale des Herrn Brinkmann. 442 Tagesordnung: 1. Zweck der Arbeitskammer. 2. Aufstellung v. 5 Kandidaten. Fahnen Reinecke, Hannover. Kaufhaus für billige Lebensmittel Brückstr. 23. Brückstr. 23. Schellfisch 3 Pfd. 49Pf. per Kiste 135 Pfg. Kieler Sprotten per Kiste 125 Pfg. Stockfisch gewalzt, Pfd. 75 und 85 Pfg. Thür. Leberwurst Pfund 60 Pfg. Thür. Blutwurst Pfund 50 Pfg. Pöckelfleisch per Pfund 35 Pfg. Süßrahmbutter nur 130 Pfg. Rüböl hell u. klar=B. 69 Pf. Süßrahm-Margarine p. Pfd. 60, 70, 80, 90 Pfg. mit prachtvollen Zugaben. Frisch geröstete und rohe Kaffees p. Pfd. 90, 100, 120, 140 mit prachtvollen Zugaben. Sparseise 1 Pfd.=Pak. 29 Pf. sonstiger Preis 40 Pfg. Weizenmehl 000 149f. Rippentabak Pld. 30 Pf. sowie sämtliche Kolonialwaren zu und weit unter Konkurrenz=Preisen nur Xaufhaus f. Lebensmittel und 485 485 Kteinfreisch — Ohren, Pfoten 2c. 2c.— per Pfund 35 Pfg. empfiehlt L. Weinberg. Unentbehrlich für jede Familie! Sne Semper Fabrikation alleiniges Gehelliniss der Frma: Perigsgraunr Sainer Reissat is Kolur und Gags Mihge.N nuormmeiem oeme,g gegate das Kaisers und Röngs Hühelgu. am Rathhause in R HIEIN BERG am Niederrhein. Am Freitag, den 29. d. Mis, vormittags 10 Uhr versteigere ich in der zum Gockel'schen Gute zu Overberge gehörigen Waldung auf der Tewe 50 Nr. langschaftige Rottannen, teilweise 15 Zoll Durchmesser enthaltend, geeignet zu Balken, Sparren, Leiterbäumen 2c., 334 sowie 20 bis 30 Nr. Eichenund Buchenbrennholz. Zusammenkunft in der Wirtschaft Pampus. Schulte, Auktionator. In jer einem Lose sollen vergeben werden: 474 Los I die Ttschler= u Schlosserarbeiten, Los II die Glaser= und Anstreicherarbeiten für die Empfangsgebäude mit angebautem Güterschuppen, sowie Stall= und Abortgebäude auf den Bahnhöfen Kalthof. Hennen und Ergste, der Neubaulinie Iserlohn=Schwerte. Die Verdingsunterlagen liegen im hiesigen Geschäftszimmer, Treppenstt. 20 aus. Angebotshefte werden daselbst abgegeben, können auch gegen postfreie Voreinsendung des Betrages in bar— Los 1 90 Pfg., Los II 60 Pfg.— von hier bezogen werden. Angebote sind mit der Aufschrift„Angebot auf Tischler= und Schlosserarbeiten", bezw„Glaser= und Anstreicherar= beiten" versehen, bis zum Eröffnungslermin, Sonnabend, den 27. Febr. 1909, vorm. 11 Uhr versiegelt und postfrei nach hier einzusenden Zuschlagsfrist 14 Tage. Iserlohn, im Januar 1909 Kgl. Eisenbahn=Bauabteilung. Bekanntmachung. Der Schulpfad vom Verbindungsweg bis Kreisstraße in der Gemeinde Holzen, welcher bisher durch die Grundstücke Flur 3, Parz. Nr. 87, ½ und i führt, soll eingezogen und durch die Grundstücke Flur 3, Parz. Nr. 87 und 344 #c verlegt werden. 476 In Gemäßheit des§ 57 des Zuständigkeits=Gesetzes vom 1. August 1883 wird dieses Vorhaben mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Einsprüche hiergegen binnen 4 Wochen zur Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Wegepolizeibehörde geltend zu machen sind. Westhofen, den 18. Januar 1909 v. Daniels, Amtmann. Bekanntmachung. Bei der Prüfung des 11. Kursus der Hufbeschlaglehrschmiede zu Dortmund am 23. Dezember 1908 haben folgende Hufschmiede bestanden: 1. August Dieckenbrock=Rauxel 2. Friedrich Moersch=Methler. Gemäß Gesetz vom 18. Juni 1884 sind diese Hufschmiede berechtigt, das Hufbeschlaggewerbe selbständig anszuüben. Hörde, den 23. Januar 1909. 444 Der Königliche Landrat: I. V.: Schwidt. Gegr. 1846. Anerkannt bester Bitterlikör! 24 Preis-Medailen! Underberg-Boonekanp. Stadttor-Drogerie1 Brückstraße 23!.. fl. Cassette mit 25 Bogen Briefpapier modernen Formats 25 Briefhüllen, ff. gefütt. Mark 1.— aus Ia. Leinen. 458 Dieselbe Cassette mit 50 Bogen und 50 Briefhüllen Mark 1.75. Carl Braus, Schwerte Gr. Marktstr. 3—5. Landbutter=Ersatz 95 p. ss. Margarine per Pfund 482 empfiehlt Weinberg. Junge Leute erhalten 406 Koft und Logis bei mäßigen Preisen im Restaurant„Zur Glocke“ — am Markt.— Inh. 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