u Verbunden mit: Schwerter Volksblatt O General-Anzeiger für den Kreis Horde Schwerter Volks-Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis=Beilagen: 0„Illustrierter Familienfreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Alle kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtso o o o o o verbindliche Kraft. o o c oc e Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-(uht). Fernsprecher Nr. 62. Celegr.=Adresse: Braus, Schwerte-Rudr. Erstes und ältestes Tagesorgan des Rreises. O haupt-Annoncenblatt. Nr. 6. Handwerk und Kleingewerbe im letzten Jahre. Die deutsche Großindunstrie hat, wie allbekannt, sich im letzten Jahre manche Gewinn=Einbußen gefallen lassen müssen, und die Ausnahmen, die hiervon zu verzeichnen waren, bestätigen nur die Regel. Die mittlere Industrie hat sich gezwungen gesehen, öfter, wie ihr lieb war, Betriebs=Einschränkungen vorzunehmen und Arbeiter=Entlassungen auszusprechen, da die Aufträge mangelten und der Absatz stockte. Das haben namentlich diejenigen Branchen gemerkt, für die das Geschäft nach Nord=Amerika eine Haupt=Absatzquelle bildete. Verhältnismäßig am besten haben im letzten Jahre noch Handwerk und KleinGewerbe abgeschlossen, sofern es sich um ältere, bekannte, gut eingeführte und materiell sicher fundierte Geschäfte handelte. Dagegen haben neu begründete oder mit unzureichenden Geldmitteln übernommene Betriebe recht böse Erfahrungen gemacht. Der Mangel an Kapital zwang zu allerlei gewerblichen Operationen, die das Publikum nicht voll befriedigte, das seine freilich oft nicht geringen Ansprüche nicht erfüllt sah. Es kamen dann Preis=Unterbietungen, die erst recht ein zweischneidiges Schwert darstellten, und das Ende war der Zusammenbruch. So ist niemandem etwas genützt, unlautere Konkurrenz hat höchstens Schaden herbeiführen können! Es ist dringend wünschenswert, daß die im alten Jahre gemachten Fehler für das neue von den mittleren und kleineren Gewerbetreibenden berücksichtigt werden, falls nicht dieser Teil des Nährstandes empfindlichen Schaden erleiden soll. Die größeren und großen Industrie=Kreise schließen sich schon wieder zu Preisverbänden zusammen, um, wenn die Zeiten günstiger geworden sind, einen Ausfall einzubringen, aber für die übrigen Kreise ist verlorenes Terrain weniger leicht einzuholen. Es geht heute nun mal nicht ohne Geld, und wer auf Glück oder sonst eine Möglichkeit rechnet, die nicht auf realen Tatsachen fußt, ist nur zu oft verloren. Das zeigt die im verwichenen Jahre bedenklich angeschwollene Summe der Konkurse. Auch mit äußerster Sparsamkeit allein ist nichts anzufangen, das Publikum hat auch einen tiefen Einblick in geschäftliche Dinge, es vergleicht und kennt nicht immer mehr das alte patriarchalische Verhältnis einer Jahre lang andauernden Geschäfts=Verbindung. Wer im Gewerbebetrieb nicht sicher den Wagen vom Kutscherbock leiten kann, gerät leicht unter die Räder! Die Höhe des notwendigen Betriebs=Kapitals zu unterschätzten, birgt eine Gefahr in sich, die nicht mit einem gewährten weiteren Kredit wieder gut gemacht werden kann. Denn man ist mehr, wie erwünscht, genötigt, wieder Kredit zu geben, und damit geht der Vorteil des selbst erhaltenen Kredits meist wieder verloren. Wie schon oben hervorgehoben, haben die älteren, finanziell soliden Geschäfte verhältnismäßig gut sich gehalten, aber darum ist auch nicht zu wünschen, daß ihnen der Betrieb durch Preis=Unterbietungen der Konkurrenz unlohnend gemacht wird. Es ist mit der Schleuderei— natürlich auf Kosten einer guten und preiswerten Lieferung— mitunter recht weit gegangen, denn selbst da, wo durch gewerbliche Vereinigungen Mindestpreise angesetzt worden waren, haben diese keineswegs alle Male aufrecht erhalten werden können. Daß das Publikum durch solche Preis=Unterbietungen zu ganz irrigen Anschauungen kommt, soll nur nebenbei erwähnt werden. Gewiß, es klingt hart, wenn auf den Geldpunkt bei modernen Geschäfts=Eründungen oder Geschäfts=Uebernahmen so sehr hingewiesen werden muß. Aber beim heutigen Wettbewerbe und im Interesse der Gesundhaltung unseres Nährstandes geht es nicht anders. Es kommt nicht alle Male auf große Kapitalien an, aber sie müssen dem Betriebs=Umfange entsprechen. Die gute eigene Leistung wird doch wieder zur Hauptsache! Uebersicht. Deutschland. Kaiser Wilhelm wird bis Ende dieser Woche zum Jagdaufenthalt in dem romantisch gelegenen Jagdschloß Hubertusstock bei Eberswalde verweilen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin wohnt der Monarch kommenden Montag beim Kaiser=FranzJosef=Grenadier=Regiment der Feier des Tages bei, an welchem vor 60 Jahren Kaiser Franz Josef von Oesterreich zum Regiments=Chef ernannt wurde. Freitag, den 8. Januar 1909. Der Kaiser und sein Kanzler befinden sich in unverändertem Einvernehmen, in den Beziehungen hat sich nichts geändert, und Fürst Bülow hat auch in diesem Jahre, und zwar in Gestalt eines Gemäldes, ein persönliches Weihnachtsgeschenk von seinem kaiserlichen Herrn erhalten. So wird in Widerlegung falscher Zeitungsmeldungen halbamtlich erklärt. Ferner wird gleichzeitig die von Londoner Blättern verbreitete Erfindung ins rechte Licht gerückt, der Kaiser habe mit dem Kanzler eine Rede vereinbart, die zu Neujahr vor den kommandierenden Generalen gehalten worden sei. In Wahrheit hat der Kaiser überhaupt keine politische Neujahrsansprache gehalten. Aus dieser amtlichen Feststellung kann man die Bestätigung heraushören, daß der Kaiser den Artikel des früheren Chefs des Generalstabs, Grafen Schlieffen, in der„Deutschen Nevue“ über den„Krieg in der Gegenwart“ den Generalen vorgelesen und sich den Inhalt dieses Artikels zu eigen gemacht hat. Der Artikel legte die Entwickelung der militärischen Rüstungen seit 1870 dar und bezeichnete als deren Ergebnis, daß Deutschland und Oesterreich=Ungarn in der Mitte und ungeschützt daständen, während um sie alle übrigen europäischen Mächte Wälle und Gräben aufgerichtet hätten. Danach würde also auch Italien als außerhalb des Dreibundes stehend angesehen. Käme es wegen der Balkanwirren zum Kriege, so müßte Oesterreich die Front nach Süden, Deutschland sie nach Westen nehmen. Von Rußlands Haltung hinge die Entscheidung ab. Sind die beiden Verbündeten aber trotz der Trennung einzeln noch zu stark, so wird in Oesterreich der Nationalitätenhader geschürt. In Deutschland suchte man den gleichen Zweck, inneren Hader, durch einen Zeitungsartikel mit hinterlistig zusammengestellten verjährten Anklagen zu erreichen. Auf diesen letzten Satz, der eine Hindeutung auf die bekannten Veröffentlichungen des Londtner Daily Telegraph über die Kaisergespräche enthielt, ging der oberste Kriegsherr bei der Verlesung des Artikels vor seinen Generalen nicht ein. Die persönlichen Bemerkungen, die der Kaiser dem Schlieffenschen Artikel voranschickte, waren vielmehr rein militärischer Natur. Das englische Königspaar, das am 8. oder 9. Februar in Berlin zum Besuche der kaiserlichen Familie eintrifft, wird von der Reichshauptstadt selbstverständlich so aufgenommen werden, wie es sich gebührt. Vor dem Berliner Besuche wird König Eduard möglicherweise eine Zusammenkunft mit den französischen Machthabern haben und auf einer sich daran anschließenden Mittelmeerreise den Königen von Italien und Griechenland und vielleicht auch dem Sultan der Türkei seine Aufwartung machen. Die Handelskammern gegen die Inseratensteuer. Nunmehr haben alle Handelskammern sich mit der Inseratensteuer beschäftigt. Sehr bemerkenswert ist, daß fast ohne Ausnahme alle Handelskammern betonen, daß von der Inseratensteuer besonders der Mittelstand, der Kleinhandel und die Kleinindustrie getroffen werden, und weiter hervorheben, daß diese Steuer eine Belastung der geschäftlichen Arbeit und nicht des geschäftlichen Gewinnes bedeute. Die Handelskammer Heidelberg hebt hervor, daß die Anzeigensteuer im Falle der Abwälzung ein für viele Geschäftszweige unentbehrliches Betriebsmittel treffen würde. Der preußische Kultusminister Dr. Holle ist infolge Ueberanstrengung so schwer erkrankt, daß er sein Amt nicht wieder antreten kann. Der Reichskanzler ist aber mit politischen Sorgen dringlichster und verantwortlichster Art dermaßen überbürdet, daß er z. Z. Vorschläge über die Neubesetzung des Kultusministeriums nicht vorbereiten und dem Kaiser unterbreiten kann. Die Fiktion von der Wiederkehr Dr. Holles ins Amt wird daher so lange aufrecht erhalten, bis Zeit und Umstände die Entscheidung über seinen Nachfolger in größerer Ruhe zu fällen gestatten. Schon wieder ein neuer Steuervorschlag für die Reichsfinanzreform. Diesmal ist es eine Reichssteuer auf Lotteriegewinne, die empfohlen wird, und zwar von der„Straßb. Post.“ Bisher wird in Deutschland nur eine Reichsstempelabgabe von 10% vom Nennwert sämtlicher Lose erhoben. Ganz kleine Ausspielungen bleiben auch von dieser Steuer befreit. Nach dem Straßburger Vorschlag soll die Reichslotteriegewinn=Steuer progressiv aufsteigen und die Gewinne mit 10 bis 20% belasten. Der Vorschlag ist nicht übel, kann aber nur für Privatlotterien in Betracht kommen, da bei den staatlichen Klassenlotterien Gewinnabzüge schon bestehen. Die Resorm des Hebammenwesens wird zur Vermeidung neuer Kosten für die Kommunalverbände keine totale sein, sondern nur einige Gebiete umfassen. Für die Zulassung zu dem Beruf ist eine angemessene geistige Befähigung in einer Vor41. Jahrg. ssee prüfung nachzuweisen. Es wird ein neunmonatlicher Lehrkursus vorgeschrieben, für die Prüfung werden neue Vorschriften erlassen. Zur Fortbildung der Hebammen sollen besondere, etwa alle 5 Jahre stattfindende Kurse von 3—4 wöchentlicher Dauer eingerichtet und mit ihnen Nachprüfungen verbunden werden. Zur Hebung der materiellen Lage der Hebammen sollen leistungsschwache Gemeinden alljährlich entsprechende Staatsbeihilfen erhalten. Kleine politische Nachrichten. Soziale Fürsorge. Der preußische Kriegsminister gab der Korbmachergenossenschaft des Regierungsbezirks Halle 50000 Artilleriegeschoßkörbe in Auftrag, wodurch dort zum ersten Male kleine Meister an solchen Lieferungen beteiligt wurden. Der deutsche Handelstag, der am Montag und Dienstag der neuen Woche in Berlin zu seiner Jahresversammlung zusammentritt, wird sich auch mit dem Gesetzentwurf über Arbeitskammern beschäftigen. Verschiedene Handelskammern haben sich bereits gegen den Entwurf ausgesprochen. Außerdem kommt die Reichsfinanzreform zur Sprache. Bergbau=Gesellschaft zur Diamanten=Gewinnung. In Berlin ist unter der Firma„Koloniale Bergbau=Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ eine Gesellschaft mit einem Stammkapital von 100 500 und dem Sitze zu Berlin gegründet worden, um die Diamanten=Schürffelder der Gruppe Lenz u. Co., Stauch, Weidtmann, Nissen in Lüderitzbucht(Deutsch=Südwestafrika) zu übernehmen. Die Umwandlung dieses Unternehmens in eine Kolonialgesellschaft mit 1 005 000 Mark GrundKapital wird vorbereitet. Aus dem Auslande. Oesterreich=Ungarn. Wien, 7. Jan. Die Umwälzung auf dem Balkan. Die Lage erscheint wieder einmal friedlicher. Die Rede des serbischen Ministers des Auswärtigen Milowano= witsch enthielt nicht ganz die Herausforderungen Oesterreichs, die man in Wien aus den ersten ungenauen Meldungen hatte herauslesen müssen. Als ein beruhigendes Moment ist auch die Tatsache aufzufassen, daß die türkisch=bulgarischen Verhandlungen wieder aufgenommen werden konnten. Frankreich. Paris, 7. Jan. Dem Sultan Mulay Hafid ist nun offiziell das in arabischer Sprache abgefaßte Aktenstück, das ihm die Anerkennung der Mächte bringt, überreicht worden.— Die französische Regierung erwägt die Räumung des Schaujagebietes, die allerdings nur unter der Bedingung erfolgen kann, daß der Sultan Mulay Hafid 2000 Mann eigener Truppen in die des Schutzes bedürftige Provinz legt. Bis zum Augenblick ist es noch zweifelhaft, ob man in Fez über die dazu erforderlichen Mittel verfügt. England. London, 7. Jan. Londoner Blätter sind um Material für ihre systematisch betriebene Deutschenhetze nie verlegen. So sagt„Daily Expreß“ zum Artikel des Grafen Schlieffen: Nur Deutschland mit seinen Verbündeten bedroht den Frieden, und die geschichtliche Erfahrung lehrt, daß es sich durch keine Rücksicht auf Recht und Gerechtigkeit vom Kriege abhalten läßt, wenn dieser ihm nur Gewinn verheißt. Wenn Italien sich mehr und mehr von ihm abwendet, Rußland sich immer mehr entfremdet und England und Frankreich immer mißtrauischer werden, so ist das einzig und allein Deutschlands eigne Schuld. Das Blatt hätte sagen sollen die Schuld der 38jährigen unermüdlichen Friedensarbeit Deutschlands. Rußland. Petersburg, 7. Jan. Die schreienden Mißstände in der russischen Verwaltung sollen durch Senatoren=Revisionen aufgedeckt und abgeschafft werden. Die bedeutungsvolle Revision soll einer Petersburger„Meldung zufolge von 3 Kommissionen ausgeführt werden. Die erste soll die Stadtverwaltung revidieren, in der greuliche Mißstände, Bestechlichkeit und Unterschlagung herrschen. Die zweite hat die Revision der staatlichen Behörden, besonders der Polizei, zu übernehmen, die dritte wird sich mit den Banken und großen Handelshäusern befassen. Die Kommissionen werden mit bedeutenden Vollmachten ausgestattet. Wegen der Vornahme der Revisionen wird bezeichnenderweise die zum russischen Neujahr geplante Veröffentlichung einer Erklärung der Regierung über die innere Politik auf einige Zeit verschoben werden. Persien. Teheran, 7. Jan. Wie aus Isphahan gemeldet wird, steht diese Stadt in hellem Aufruhr. Die Lage ist sehr ernst. Es herrscht völlige Anarchie. Soldaten haben die HauptKarawanserien und Basare geplündert. Der Gouverneur und andere Beamte haben im britischen Konsulat, verschiedene hervorragende Bürger im russischen Konsulat Unterkunft gefunden. Das Erdbeben=Unglück in Italien. Königin Helena von Italien, die sich durch ihre Unerschrokkenheit und tröstende Freundlichkeit beim Besuche des Erdbeben=Gebietes eine so außerordentliche Popularität im ganzen Lande erworben hat, feiert heute, am 8. Januar, ihren Geburtstag. Von äußeren Festlichkeiten wird bei der allgemeinen Trauer abgesehen werden, aber an herzlichen Ovationen wird es der hohen Frau nicht fehlen. Am selben Tage tritt auch das italienische Parlament zur Bewilligung der Notstands=Forderungen zusammen. 3 Millionen Franks sollen aus der Staatslasse sofort baar gegeben, 16 Millionen durch Zuschläge zur Grund= und Fahrkartensteuer erhoben werden. Die Organisation des Hilfs=Rettungsdienstes macht die besten Fortschritte. Daß die heutige Staatsbethilfe genügen wird, ist mehr wie unwahrscheinlich. Der italientsche Staat wir durch diese Karastrophe so in Anspruch genommen, daß die geplanten neuen Waffenrüstungen eine nicht unerhebliche Einschränkung erfahren dürften. Das Festhalten an der bewährten Friedens=Politik ist also selbstverständlich. Sehr schwere Schläge haben der Weinbau und die Industrie erlitten, auch deshalb schon wird geboten sein, äußere Verwicklungen zu vermeiden. Die Zänkereien, wer an dem verspäteten Beginn der italienischen Rettungs=Aktion die Hauptschuld trage, dauern fort. Die Seeleute und Soldaten haben das Menschenmögliche getan, bei den Behörden ist es jedenfalls nicht zum schnellsten gegangen. Die nicht geflüchteten Bewohner werden jetzt in Baracken untergebracht, die umherstehenden einzelnen Mauern werden eingerissen, um Unfälle durch Einsturz zu verhüten. Die Erdstöße dauern noch fort. Mit der wieder hergestellten Eisenbahn nach Palermo treffen dort noch immer viele Flüchtlinge ein. Andererseits kommen die Besitzer zerstörter Häuser zurück, um das aus den Trümmern gerettete Geld und Geldeswert in Empfang zu nehmen. Es sind merkwürdig viele alte Leute aus dem Schutt noch lebend hervorgezogen, sie haben den Hunger und Durst oft besser ertragen, wie jüngere Leute. Mehrere Personen, die aus den Trümmern lebend herausgezogen wurden, sind in der herzerschütternden Freude bald darauf gestorben. Die Erregung war zu stark für die schwachen Kräfte. Wertsachen wurden bisher für etwa 5 Millionen geborgen. Plünderer treiben trotz Proklamierung des Standrechts und Erschießung von etwa 100 Verbrechern immer noch ihr Unwesen. Sie steckten nachts mehrere noch stehende Gebäude in Brand, und während alle Wachen nach den bedrohten Punkten eilten, stahlen die Verbrecher an anderen Orten. Es sind zwar energische Verhaftungen und Füsilierungen vorgenommen, aber die Ortschaften bei Messina scheinen immer neuen Nachschub zu liefern. Die Behauptungen, es hätten sich auc Soldaten an den Leichen=Räubereien beteiligt, sind falsch; es sind das Personen, die sich für ihr schändliches Treiben in gefundene Uniformen gekleidet hatten. Die italienischen Behörden sind jetzt der Lage vollständig Herr geworden, sie haben überall in den betroffenen Gebieten einen eigenen Hilfs=Rettungsdienst eingerichtet. Die fremden Kriegsschiffe, auch die deutschen, denen die allgemeine Anerkennung ausgesprochen ist, haben ihre Fahrt jetzt weiter fortgesetzt. Beim Berliner Oberbürgermeister ist für seine TeilnahmeKundgebung und Zuwendung von 50000 Mark ein Dank=Telegramm des Präfekten von Messina zugegangen. Der erste deutsche Hilfszug ist am Mittwoch von Berlin abgegangen und wird direkt bis Kalabrien durchgeleitet werden. Das Erdbeben wird möglicherweise auch ein politisches Ereignis, den bisher verschobenen Gegenbesuch des russischen Kaisers in Italien auf die Visite des Königs Viktor Emanuel in Petersburg, die unmittelbar nach seiner Thronbesteigung stattfand, zur Folge haben. Die zahlreichen radikalen Politiker in Italien wollten lange vom Zarenreiche nichts wissen. Heute, wo sich die russischen Kriegsschiffs=Matrosen bei Messina in aufopferfreudigster Weise hervorgetan haben, haben sich die Anschauungen der Italiener über Rußland geändert. Allerdings bleibt diese von Frankreich aus kommende Annahme noch sehr der Bestätigung bedürftig. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 8. Januar 18909. Der Tod hat eine reinigende Kraft, in seinem unvergänglichen Palaste zu echter Tugend reinem Diamant das Sterbliche zu läutern und die Flecken der mangelhaften Menschheit zu verzehren. Schiller. **(Wie es in der Welt steht.) So den Monat Januar hindurch dauern die Betrachtungen über das verflossene Jahr noch an. Namentlich auch in den geschäftlichen Kreisen, wo Inventuren, Bilanzen und Abschlüsse wieder das Bild von 1908 vor die Augen zaubern, wo der Eingang der Rechnungs=Beträge das Siegel unter die Gewinn=Berechnung setzt. Nun, es steht, wie ja jeder weiß, nicht immer zum glänzendsten, immerhin im Durchschnitt nicht gar zu arg, und vor allem sind Energie und Tatkraft nicht gelähmt worden. Das sehen wir, wenn wir einen Blick in die Schaufenster unserer Geschäftswelt werfen, aus denen uns des Lebens helle Freude in Form der festlichen Stoffe usw. für die bevorstehenden Ballwochen entgegenleuchtet. Wir können uns eigentlich in jedem Jahre von neuem wundern, wie Eleganz und Geschmack immer weitere Fortschritte machen, wie stets neue Moden=Namen auftauchen, die man nie hörte, und wie doch eigentlich die verhältnismäßige Billigkeit gewahrt bleibt. Na ja, in den guten alten Zeiten, wo die Gewänder immer neu gewendet wurden, war's vielleicht noch billiger, aber da hatte auch niemand die gleichen Einnahmen wie heute. Es ist eben schließlich bei allem ein Ausgleich, wenn man nur etwas genauer hinschaut. Und wir meinen, auch in der Politik wird der nicht ausbleiben. Wir sehen heute schon, wie eine iel ruhigere Betrachtung der Dinge heute gegenüber 1908 Platz greift, wie man über die Steuerreform im Reiche nicht allein mehr streitet, sondern auch ernstlich nach „passenden Objekten" sucht. Komisches kommt ja dabei auch mit heraus, aber anders muß es in jedem Fall werden. Schon hängt der Himmel wieder voller Anleihen, und daß für diese das Geld zu jeder Zeit in jeder Höhe vorhanden sein wird, ist kaum anzunehmen. Nächste Woche kommt der Reichstag wieder zusammen, seine Mitglieder können also dann beweisen, was sie in Taten leisten können. Kriegsgeschrei gab es um die Jahreswende wieder aus Belgrad und Serbien her; aber man weiß ja längst, daß hier die Suppe bei weitem nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht ist. Im hart betroffenen italieniUnser heutiges Bild ist im Hafen von Messina am Morgen nach dem großen Erdbeben vom 28. Dezember vom Bord des Norddeutschen Lloyddampfers„Therapia“ ausgenommen worschen Erdbeben=Gebiet tritt nachgerade größere Ordnung ein. Nötig war's indessen auch. **(Eine ganz abnorme Witterung) hat uns das neue Jahr gebracht. Auf den strengen Frost der letzten Dezemberwoche setzte der Neujahrstag mit Tauwetter ein, welches am Samstag von der für manchen Straßenpassanten so verhängnisvoll gewordenen Glätte der Straßen und Bürgersteige begleitet war. Nach zwei Tagen, gerade als die fast ganz verschlammten Straßen einer gründlichen Reinigung unterzogen werden sollten, gab's wieder Frostwetter; vorgestern abend setzte ein lustiges Schneegestöber ein und die vergangene Nacht brachte uns außer heftigen Stürmen mit Regen und Schnee zur Abwechselung auch ein Gewitter. Es blitzte mehrere Male, und der den Blitz begleitende Donner wird manchen verträumten Schläfer aufgeweckt haben. Welche sonstigen Ueberraschungen wird uns der Wettergott in diesem Winter wohl noch bereiten? **(Trittleiter und Fensterbank) haben schon manche Körper=Verletzung beim Reinigen der Zimmer und beim Fensterputzen herbeigeführt. Da ist alle Male Vorsicht geboten und eine Leiter namentlich genau auf ihre Befestigung zu prüfen. Auch rasche und unvorsichtige Bewegung sollte unterbleiben und auch, wenn es sein kann, das Sprechen während solcher Beschäftigung in höheren Stockwerken nach der Straße hinaus. Steht die Leiter in einem Zimmer mit glattem Parkett=Fußboden, so ist die Aufmerksamkeit noch zu erhöhen. **(Der Arbeitslosigkeit) kann vorgebeugt werden, so etwa sagt die Essener Handelskammer zutreffend in ihrem Jahresbericht, wenn Reich, Staat bnd Kommunen in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber ihre Aufträge mehr der wirtschaftlichen Konjunktur anpassen wollten. Ist das gewerbliche Leben in reger Tätigkeit, so können die genannten öffentlichen Arbeitgeber ihre Aufträge etwas zurückhalten, schon um zu verhüten, daß dieser oder jener Industrielle zu einer ungesunden Erweiterung seier Anlagen gezwungen wird. Dafür sollen die fiskalischen Arbeiten nach Möglichkeit dann vergeben werden, wenn der Gewerbetätigkeit eine Reihe von Aufträgen erwünscht ist. **(Die Post als Arbeitgeber.) Nach der kürzlich erschienenen amtlichen Statistik der deutschen Reichspost= und Telegraphenverwaltung für das Jahr 1907 beträgt die Gesamtzahl der beschäftigten Beamten, Unterbeamten usw. außer Bayern und Württemberg, 277116. Dieses Gesamtpersonal zerfällt in 111 751 Beamte(darunter 17·826 weibliche, von denen in der Hauptsache 1215 im Telegraphendienst und 10 489 im Fernsprechdienst Verwendung fanden), 117831 Unterbeamte, 43148 nicht im Beamtenverhältnis stehende Personen(darunter 6727 weibliche), 898 Posthalter und 3488 Postillone. Die Gesamteinnahmen der Verwaltung beliefen sich im Jahre 1907 auf 597 165 056 Mark. Die Ausgaben für Besoldungen und Vergütungen der Beamten betrugen 143713217 Mark, desgleichen für die Unterbeamten und für Hilfeleistungen 103019781 Mark, für die Unterbeamten, Boten und Aufseher im Landbestelldienste 20049312 Mark, für Wohnungsgeldzuschüsse 37044671 M, für Stellen= und Teuerungszulagen 3268 579„ und für außerordentliche einmalige Beihilfen an Beamte, Unterbeamte 18 512 428. Diese Summen ergeben einen Gesamtbetrag von 325 607 988 M. Auf den Kopf der Gesamtzahl der bei der Reichspost Beschäftigten entfällt durchschnittlich ein Jahreseinkommen von 1175 M oder pro Kopf 3,22 M täglich. Einschließlich Bayern und Württemberg beschäftigt die Reichspost ein Gesamtpersonal von 312 708. Von diesen waren 127625 Beamte, 133 880 Unterbeamte, 44077 nicht im Beamtenverhältnis stehende Personen, 1695 Posthalter und 5431 Postillone der nicht reichseigenen Posthaltereien. **(Zur Bekämpfung des Vorgunwesens.) Die Handelskammern richten zum Zweck der Bekämpfung der noch immer vorhandenen Mißstände im Zahlungswesen an die Handwerker ihres Bezirks das dringende Ersuchen, bei der Ablieferung von Waren sogleich die Rechnung beizufügen oder dieselbe mindestens monatlich auszuschreiben, keinesfalls aber mit der Zusendung der Rechnungen länger als ein Vierteljahr zu warten, und event. bei Zahlung innerhalb gewisser Zeit einen entsprechenden Skonto zu gewähren. Diese Handhabe wird von einsichtigen Bestellern und Abnehmern um so weniger als eine Unbequemlichkeit oder Mahnung aufgefaßt werden, als sie geeignet erscheint, Streitigkeiten über den Preis, über Abzüge usw. tunlichst von vornherein auszuschließen. Ferner richten die Handelskammern an das kaufende Publikum die dringende Bitte, die Rechnungen der Handwerker sogleich nach Empfang zu begleichen. Wird hierdurch der jetzt bestehende Mißbrauch der ausgedehnten Kreditgewährung auch nicht gleich gehoben, so werden doch Verkäufer und Käufer allmählich an eine geordnete Zahlungsweise gewöhnt, damit würde wenigstens die Umkehr zur Besserung angebahnt werden. Der erhebliche Vorteil einer geregelten Zahlungsweise liegt darin, daß der Handwerker und Gewerbetreibende billiger einkaufen resp. produzieren, folgerichtig auch billiger verkaufen kann. **(Der Theaterverein„Humor") hatte vorgestern abend in seinem Vereinslokal eine sehr gut besuchte lung anberaumt. Drei neue Mitglieder wurden aufgenommen. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes: 1. Vorsitzender Aug. Schäfer, 2. Vorsitzender Wilh. den und zeigt, welche Verheerungen die Katastrophe am Corso Vittorio Emanuele, der Kaiserstraße, angerichtet hat. Duisberg, Kassierer Aug. Ewald; 1. Schriftführer Johann Wagener, 2. Schriftführer Wilh. Wagener; Beisitzer Carl Nolte und Heinr. Höwing, Regisseur Aug. Stokebrand. Als Kassenrevisoren wurden Johann Schreier und Heinr. Brenne gewählt. Ferner beschloß der Verein, am 14. Februar einen Preis=Maskenball zu veranstalten. Es gelangen 6 Herren= und 2 ClownPreise zur Verteilung. **(Im Silberkranze.) Heute feiern die Eheleute Heinrich Schramm und Maria geb. Koch Hagenerstraße wohnhaft das Fest der silbernen Hochzeit. Wir gratulieren bestens. **(Bestrafter Messerheld.) Gestern hatte sich der Arbeiter Fritz Th. von hier vor der Hagener Strafkammer wegen schwerer Körperverletzung in drei Fällen zu verantworten. Es handelt sich um die bekannte Affäre an der Ecke der Moltkestraße in der Nacht zum 9. November, in welcher der Angeklagte die beiden Arbeiter Seegrefe und Garrot mit einem Messer schwer verletzte. S. erhielt bekanntlich einen furchtbaren Schnitt in den rechten Arm, der die Schlagader freilegte, und G. wurde lebensgefährlich durch einen Stich in den Unterleib verletzt. Beide Leute haben längere Zeit im Krankenhause gelegen, und leidet S. noch heute an den Folgen der Verletzung. Der Angeklagte, der bereits zwei Monate in Untersuchungshaft sitzt, wurde zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 9 Monaten verurteilt; der Staatsanwalt hatte 3 Jahre beantragt. Generaloberst Graf Schlieffen. Als Verfasser des Artikels in der„Deutschen Nevue“, auf den der Kaiser bei seiner Neujahrsansprache an die aktiven Militärs Bezug genommen und den er nach Inhalt und Form gebilligt haben soll, ist der frühere Chef Generalstabes General= Oberst Graf Schlieffen bekannt geworden. Der Artikel befaßt sich zunächst mit rein militärischen Angelegenheiten, kommt aber zum Schlusse auf die allgemeine politische Lage zu sprechen. Das Nähere darüber findet der Leser unter„Polit. Uebersicht". Westfalen und Rheinland. * Hagen, 8. Jan. Einen mißglückten Betrugsversuch unternahm ein kürzlich aus der Fürsorgeerziehung entlassenes Mädchen bei der hiesigen Sparkasse Boele=Hagen. Durch Ueberklebung in einem Sparkassenbuche brachte die Mutter des Mädchens eine Fälschung auf 7000 Mark Einlage lautend zustande. Die Tochter versuchte nun, von diesem Betrage bei genannter Kasse 600 Mark abzuheben. Der plumpe Schwindel wurde sofort entdeckt und die Schwindlerin in Haft genommen. * Dortmund, 7. Jan. Die Portiersfrau Rose verunglückte dadurch tötlich, daß sie auf der Münsterstraße in einer Kurve aus dem Straßenbahnwagen herausgeschleudert wurde und einen Schädelbruch erlitt. * Wetter(Ruhr), 7. Jan. Um den gesetzlichen Musterschutz auf seine Matratzen geschäftlich auszunutzen, verfiel ein überschlauer junger Geschäftsmann auf folgenden Schwindel. Er besuchte allerorts die Möbelschreiner und gab an, Aufträge für den von ihm zu gründenden Hausstand geben zu wollen. Dabei ließ er sich Bettstellen und Matratzen, wie er sie in„dem und dem Geschäfte“ gesehen habe. Die Möbelschreiner haben darauf die gepriesenen Matratzen bezogen, den Besteller aber sahen sie nicht wieder. Die von ihnen angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß der Reflektant und der Musterschützler überall ein und dieselbe Person gewesen sind. * Haspe, 7. Jan. Weil er kein Unterkommen hatte, nahmen zwei hiesige Bäckergesellen einen Kollegen, der sich außer Stellung befand, mit auf ihr Zimmer, um dort zu übernachten Aus Dankbarkeit stahl er den beiden ihre ganze Barschaft im Betrage von 43 Mark und einen goldenen Ring, womit er schleunigst am folgenden Morgen verduftete. Als die beiden Gesellen im Laufe des folgenden Tages ihren Verlust bemerkten, benachrichtigten sie sofort die Polizei, welcher es gelang, den Dieb bald zu erwischen und ihn dem hiesigen AmtsgerichtsGefängnis zuzuführen. Amtüches Kressenut V Nu den Riess-Borch! Nr. 6. Freitag, den 8. Januar 1909. M Zweites Mlart. Alte und neue Häuser. Von Georg Paulsen. Das moderne Haus und die moderne Wohnung geben Stoff zu einem ganzen Buch des Lobes und der Anerkennung. Freilich auch an einigen Schattenseiten fehlt es nicht, zumal beim Preis, aber diese stellen sich bei viel Licht, namentlich in Uebergangszeiten, stets ein. Was aber noch ganz besonders zu beachten ist, das ist die Stimmung, in welcher die Besitzer von alten Häusern das Wachstum der Neuen begrüßen. Der Hausbesitzer stellt nun einmal in jedem Fall ein großes Kapital dar, er ist auch für die städtischen Einnahmen von einem hervorragenden Interesse. Ist denn nun wirklich durch den Bau von mehr und immer mehr neuen Häusern eine beträchtliche Entwertung der älteren, wie aus verschiedenen Städten schon geklagt worden ist, zu erwarten resp. schon eingetreten? Wir haben da immer einige Unterschiede zu machen. Neue Viertel entstehen in großen Städten heute ziemlich schnell, in kleineren langsamer; jedenfalls kommen sie überall. Ist die erste Abneigung,„aufs Feld“ hinaus zu ziehen, überwunden, so erkennen auch die Wohnungsmieter die Annehmlichkeiten, die in unserer modernen Zeit geschaffen sind, sie beginnen die neuen Häuser mit ihrem eleganteren Aufputz den älteren, einfacheren, aber dafür auch sehr oft traulicheren vorzuziehen. Daraus entstehen Klagen über Entwertung. Mögen diese nun auch nicht alle Male ganz unbegründet sein, oft ist doch die Befürchtung vor einer Entwertung größer, wie diese letztere selbst. Ist der Hauserwerb früher einmal eine Spekulationssache gewesen, haben sich also die bei höherer Zahlung gehegten Hoffnungen auf einen schnellen Wiederverkauf nicht erfüllt, so werden natürlich Preisänderungen sich nicht vermeiden lassen, aber im Allgemeinen kommt doch ein Ausgleich dadurch, daß ursprünglich nur zu Privat=Wohnungen bestimmte Häuser immer mehr in die Geschäftslage mit hineingezogen werden und Läden und gewerbliche Anlagen bringen ja nun einmal immer höhere Mieten, wie private Wohnungen. Hausbesitzer und Mieter haben in Wahrheit keine einander widerstrebenden Interessen, vorausgesetzt, daß eben keine reinen Spekulationsbauten vorliegen. Was ein Haus kostet, ist auch dem Mieter bekannt, er kann nicht heanspruchen, daß in dieser Kostenerhöhung nun gerade bei dem Haus, in welchem er vielleicht seit langen Jahren wohnt, Halt gemacht wird. Auf der anderen Seite liegt es nur im Vorteil eines Hausbesitzers, tunlichst mit der Zeit mitzugehen, denn auch ein Haus hat nur den Wert den man dafür erhalten kann. Die schöne Geschichte von der unbedingten jährlichen Wertserhöhung der Häuser stimmt keineswegs immer, und selbst der Steuerbehörde können in ihren Schätzungen hierbei Irrtümer unterlaufen. Im Allgemeinen ist die Forderung einer gesunden Baulust überall heilsam, sie regt an, bringt Geld unter die Leute, und ist dem Stadtbilde und den städtischen Finanzen von Nutzen Die alten Bauten werden damit keineswegs benachteiligt, ebensowenig, wie die Eisenbahnen Tausende von Menschen brodlos machten. Beim rechten Aufmerken und rechtzeitigen Zugreifen stellt sich schon ein entsprechender Wert, wenngleich in anderer Form ein. Nur die ungesunde Baulust darf sich nicht zu breit machen; eine wie böse, schlimme Zeche da in verschiedenen deutschen Städten in den letzten Jahren gezahlt worden ist, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Westfalen und Rheinland. *Dortmund, 7. Jan. Auf dem Brüderweg wurde die Ehefrau eines hiesigen Pfarrers kurz nach 6 Uhr von einem unbekannten Mann plötzlich angefallen und ihr ein Handtäschen mit Inhalt aus der Hand gerissen. Der Täter entkam in der Dämmerung. * Witten, 7. Jan. Dem Vernehmen nach hat die RoburitGesellschaft den Platz, auf dem die durch die Explosion total zerstörte Fabrik gestanden hat, verkauft. Wahrscheinlich wird dort wieder eine Fabrik erbaut werden.— Es sind hier abermals ganz vereinzelte Fälle von Genickstarre vorgekommen. Die Erkrankungen waren milderer Form. * Kirchderne. 7. Jan.(Seltsamer Fund.) Am Hofe des Gutsbesitzers Louis Schulte=Uebbing hierselbst wurde von einem daselbst bediensteten Mädchen eine halbe Weste gefunden, in deren Taschen eine silberne ehrren= und eine silberne Damenuhr steckten. Die von der Polizei angestellten Nachforschungen haben bisher kein Licht in die Angelegenheit gebracht. * Hamm, 7. Jan.(Von der Zeche Radbod.) Die Verwaltung der Zeche hofft die Sümpfungsarbeiten zum Schluß der Woche bis zur obersten Sohle gefördert zu haben, sodaß sie dann wasserfrei sein würde. Sobald man dieses Ziel erreicht hat, werden auch die Arbeiten zur Freilegung der Sohle von etwaigen Brüchen etc. in Angriff genommen werden. Selbstverständlich wird man an diese Arbeit mit der größten Vorsicht herangehen, um eine Gefährdung der Mannschaft zu vermeiden. Dieser Tage hat man einen Käfig mit lebenden Mäusen in den Schacht gelassen, um festzustellen, ob sich etwa große Mengen Stickstoff angesammelt haben. Die Mäuse kamen unversehrt wieder ans Tageslicht. Wie festgestellt ist, sind gerade Mäuse gegen Stickgase sehr empfindlich; schon beim Vorhandensein selbst geringer Mengen, bei welchen der Mensch noch frei atmen kann, gehen Mäuse an Erstickung zugrunde. Wahrscheinlich werden die Arbeiter zunächst mit mit Sauerstoff versehenen Atmungsapparaten ausgestattet werden. Beim Fortschreiten der Arbeiten wird man dann auch nach und nach zur Bergung der 302 eingeschlossenen Leichen gelangen. Hierbei werden zwecks Unschädlichmachung der Verwesungsgase Säuren zur Anwendung gelangen. Die Leichen selbst werden in der Grube in mit Zinkeinsätzen ausgestattete Särge gebettet, die dann zu Tage gefördert und wahrscheinlich gleich dem Schoße der Erde übergeben werden. Die mit dem Bergen der Leichen beschäftigten Arbeiter werden mit Gummihandschuhen ausgestattet, so daß sie die Leichen ohne Furcht vor etwaiger Infizierung mit Burch Kampt Zum Jeg. Erzählung aus Schwertes Vergangenheit von F. Hué. 18 Nachdruck verboten. „Wer gehl mit mir hinaus?“ rief ihr Schatz unwillig. „Du bleibst hier! Soll er Dich zerreißen? Du weißt, was Du mir versprochen hast!“ „Alberne Hexe, laß mich los,“ schrie der erzürnte Bursche, der unliebsame Enthüllungen zu fürchten schien. Mit rauher Gewalt stieß er das Mädchen von sich fort und nahm ein Holzbeil zur Hand.„Will niemand mit?“ Nach etlichem Zögern fanden sich einige Männer bereit. „Redet ihn nur nicht an!“ mahnte der Hirte. Sie achteten jedoch seiner Mahnung nicht mehr und stürmten hinaus in die tolle Sturmnacht. In demselben Moment, wo die Haustüre aufgerissen ward und die Knechte lautschreiend in die Finsternis eindrangen, verschwand an der Westseite des Hofes, da, wo ein Bächlein eine tiefe Rinne ausgespült, eine dunkle Gestalt. Geschmeidig wie ein Wiesel, dem keine Ritze zu enge und keine Mauer zu steil ist, schlüpfte sie den Abhang hinunter und verbarg sich in einer Art natürlicher Laube, die von einem wirren Gerank aus Bromveersträuchern, Hundsrosen und ähnlichen Schlingpflanzen gebildet ward. Es hätte der Augen einer Katze oder einer Eule bedurft, die nächtliche Erscheinung in dieser luftigen Höhle aufzuspüren, wo kaum ein Regentröpfchen, geschweige denn ein Lichtstrahl auf den Grund dringen konnte. Still in sich zusammengekauert lauschte sie schadenfroh kichernd in die Nacht hinaus, wo das Geschrei der Knechte, ihr gotteslästerliches Fluchen und Toben andeuteten, daß es den meisten dieser Helden mehr darum zu tun war, sich bemerkbar zu machen, als dem rätselhaften Spuk zu Leibe zu rücken. Auch auf den Nebenhöfen, die viel kleiner und meist von Hörigen eingenommen waren, ward es lebendig. Der Lärm im Haupthofe lockte die Nachbarn pflichtgemäß aus ihren Betten. Vielleicht war ein Wolf oder ein anderes Tier eingebrochen, vielleicht hatten gar Räuber die stürmische Nacht als günstigen Zeitpunkt zur Ausübung ihres schändlichen Gewerbes benutzen wollen. Man hörte die Männer miteinander verhandeln, ohne jedoch verstehen zu können, was sie einander zuriefen; dazwischen ließen etliche Weiber ihre gellende Stimme erschallen und die paar Hunde, die das Gespenst noch am Leben gelassen, ihr wütendes Konzert ertönen. Das Vieh in den Ställen, durch die allgemeine Unruhe geängstigt, vergrößerte den Tumult durch sein Gebrüll, Biöken und Quieken, je nachdem ihm die Natur eine Stimme verliehen hatte. Kurz, es herrschte eine Aufregung unter den wenigen Einwohnern des kleinen Dörschens, die man nur dann begreift, wenn man sich die schutzlose Lage des Ortes und den Charakter jener drang= und gefahrvollen Zeit vor Augen hält. Doch schon nach kurzer Zeit verstummte das Getöse 41. Jahrg. Leichengift berühren können. Welche Zeit die Bewältigung dieser ungemein schwierigen, zurzeit in keiner Weise übersehbaren Arbeit in Anspruch nehmen wird, darüber läßt sich bestimmtes nicht sagen. * Bochum, 6. Jan. Ein Ueberfall auf die Kasse der Konsumanstalt des Bochumer Vereins ist in de Nacht zum Montag vreübt worden. Der Wächter Martin Borutta vom Bochumer Verein bemerkte früh um 3 Uhr, daß die Tür der Konsumanstalt offen war. Er drang weiter und alarmierte sofort den Konsumverwalter Schütz. Bei dem Versuch, das eingefrorene Gas zu entzünden, erhielt der Wächter von einem plötzlich aus dem Dunkel hervorspringenden Mann einen Stoß vor die Brust. Boruta faßte trotzdem den Kerl, der zu entkommen suchte und sich dann wie verzweifelt mit Faustschlägen und Beißen wehrte. Auf die Alarmrufe des Wächters B. kamen zwei Schutzleute heran, die den Mann festnahmen. Kurz vorher war aus der Tür der Konsumanstalt ein zweiter Einbrecher hervorgesprungen und im Dunkel verschwunden. Man wird jedoch seiner habhaft werden. Der festgenommene Bursche nennt sich G. Große. In seinem Ueberzieher fanden sich 14 Rollen Geld und Diebeswerkzeuge. Er erzählte auf der Wache das Märchen von den Unbekannten, die ihm den Ueberzieher übergeworfen hätten. Leider glaubte es ihm jedoch niemand. * Eveking, 7. Jan(Verbrüht.) Ein betrübender Unglücksfall ereignete sich in der Familie Langenoth. Die Mutter hatte, um ihre drei Kinder zu baden, kochendes Wasser in die Badewanne geschüttet um gleich hinterher kaltes nachzuschütten. In diesem Augenblick stürzte eins der Kinde in die Badewanne und erlitt so schwere Brandwunden, daß es an den Folgen bereits nach kurzer Zeit verstarb. Der Schmerz der Eltern ist groß. Recklinghausen, 6. Jan. Gestern nachmittag stürzte beim Bau der Eisenbahnwerkstätte ein Gerüst, auf dem sich zwei Arbeiter befanden, zusammen und riß die Arbeiter mit sich. Während der eine noch glimpflich davon kam, mußte der andere mit lebensgefährlichen Verletzungen, besonders am Kopfe, dem hiesigen Krankenhause zugeführt werden. * Recklinghausen, 7. Jan. Der Fabrikant Stadtrat Limper stiftete für seine Arbeiter einen Fonds von 20000 Mark. Die Zinsen dieses Kapitals sollen zur Unterstützung der Arbeiter verwandt werden, die durch Krankheit usw. in Not geraten. Außerdem traf Limper die Einrichtung, daß sämtlichen Arbeitern, die mindestens 25 Jahre bei ihm beschäftigt sind, je 100 A ausgezahlt werden. In diesem Jahre wurde 12 Arbeitern diese Anerkennung zuteil. Kleine Die große Katastrophe auf der Berliner Hochbahn, bei der am 26.September ein Wagen in die Tiefe stürzte, und viele Menschen den Tod fanden, wird am 3. Februar vor Gericht verhandelt werden. Angeklagt sind die zwei Zugführer, durch Pflichtvernachlässigung den Tod von achtzehn Menschen herbeigeführt zu haben. und nur der Sturm, der heulend und brausend durch die Gassen pfiff, übte sein Recht aus. Sobald die guten Schwerter Bauern erfahren, worum es sich eigentlich handele, zogen sie es vor, die Vorsicht als den besseren Teil der Tapferkeit zu küren und sich in ihre Betten zu verkriechen, von wo aus sie noch lange bangen Herzens in die geheimnisvolle Nacht hinauslauschten. Eine Stunde mochte verstrichen sein, als sich das rätselhafte Geschöpf in der Laubenhöhle von neuem regte. Bis dahin hatte es ruhig auf der Erde gehockt und mit Spannung die Entwickelung der nächtlichen Komödie abgewartet. Leise schlich es durch eine Lücke des Zaunes auf den Haupthof und klopfte mit einem dicken Prügel derbe gegen die Scheunentüre. Drinnen blieb alles still, und nachdem der„ruhestörende Lärm“ noch ein paar mal mit gleichem negativem Erfolg wiederholt war, begann das unheimliche Ding sich an den Riegeln zu schaffen zu machen, gerade, als wenn es einen Einbruch oder ähnliche verbrecherische Absichten im Schilde trüge. Das Scheunentor war offen, und lautlos wie eine wildernde Katze betrat die Gestalt das Getenn. Leise tastete sie sich weiter. Die Kühe schnaubten, doch ein paar freundlich gemurmelte Worte beruhigten sie wieder. Geradeaus war die Türe zur Küche, wodurch man in die eigentlichen Wohnräume, die Kemenaten, die Vorratsstube und den Heller gelangen konnte. Der Eingang zeigte sich sorgfältig versperrt. Ein Berliner Vorortswirt konnte einen ihm unbequemen Mieter nicht aus dem Hause bekommen. Er sperrte ihm nicht nur die Wasserleitung ab, was ja schon öfter dagewesen ist, sondern verstopfte ihm auch die Schornsteine. Schwere Bluttat. Aus Stuttgart wird gemeldet: Der berüchtigte Wilderer Heinrich Kühnle, der Schwiegersohn des Volksdichters Christian Wagner, und der Schwager Kühnles, der Sohn des Schultheißen Häring, wurden vom Landjäger Land beim Wildern auf frischer Tat ertappt. Im Verlaufe der bei Kühnle vorgenommenen Haussuchung überfiel dieser den Landjäger und verletzte ihn durch 12 Messerstiche tödlich. Hierauf ergriff der Wilderer die Flucht und tötete sich durch einen Schul Das Geburtshaus des bekannten Dichters Gerhart Hauptmann, das Hotel zur Krone in Bad Salzbrunn, ist nieder gebrannt. Folgenschwerer Zusammenstoß. Bei Oldenburg karambolierte ein Bierwagen mit einem von 20 Personen besetzten Automobil. Der Wagenkutscher wurde unter das Automobil geschleudert und zermalmt. Ein Passagier ist schwer verletzt. Aus Hameln wurde seit Mitte Dezember ein Knabe vermißt. Die Leiche ist jetzt fast unbekleidet und verstümmelt aufgefunden worden. Die Unglücksfälle beim Rodeln und Schlittenfahren sind in der letzten Frost=Periode recht zahlreich gewesen. Ueberall, namentlich in Gebirgsgegenden fanden solche traurige Vorkomnisse statt. So ist der Generalsekretär des Vereins deutscher Fellstoff=Fabrikanten, Dr. Tietze, in Schlesien durch einen unglückseligen Zusammenstoß getötet. Vatermord. In Haine in Oberhessen ist ein 28jähriger Landwirt Hause unter dem Verdachte des Vatermordes verhaftet. Der 64 Jahre alte Vater wurde unter allen Anzeichen gewaltsamen Todes im Bett gefunden. Mehrere Hochverratsprozesse finden demnächst vor dem Reichsgericht statt, darunter am 13. Januar gegen die vielgenannte Sprachlehrerin Minna Petersen aus Hamburg, zuletzt in Kiel, die in französischen Diensten stand. Feuer an Bord. Fünf Tage lang hatte die Mannschaft eines amerikanischen Neuseeland= Dampfers mit einem unterwegs ausgebrochenen Brande zu kämpfen. Die Reise ward aber glücklich beendet. Was man in Rußland erleben kann. Eine in Moskau gastierende französische Schauspielertruppe sah sich nachts die dortigen Verbrecher=Kneipen an. Dabei fiel sie aber der auf einer Razzia befindlichen Polizei in die Hände, wurde verhaftet und konnte erst nach vieler Mühe wieder loskommen. Wie es in Paris um die Jahreswende aussah, erzählt A. I. Case der Frankf. Ztg.:„Die Hilflosigkeit der französischen Verwaltung gegenüber unvorhergesehenen Fällen ist geradezu verblüffend.. Seit vier Tagen sind die Müllkutscher vor unserem Hause nicht vorübergekommen. Vor der Haustür, auf der Straße, und im Hofe häufen sich die Berge von Asche, Abfällen, Papier und den seltsamsten Gegenständen an: ModeKartons, Konservenbüchsen, ein zerbrochener Weihnachtsbaum und trockene Blumen, Glasscherben, Lumpen und Fetzen in allen Farben, Apfelsinenschalen, Salatblätter liegen ungestört herum, und die Müllkutscher kommen nicht. Sie streiken, aber Ersatz wird nicht geschafft. Obgleich es Tausende von Arbeitslosen gibt, findet man keine Straßenfeger. An den größten Verkehrszentren, wo Menschen und Gefährte im Schmutz stecken bleiben, zeigen sich vielleicht zwei bis drei Straßenfeger. Die fremden Besucher von Paris schimpfen, die Pariser selbst zucken die Achseln und— lächeln. Außerdem sind in unserem Hause alle Wasserrohre und Ausgüsse verstopft und auf telephonischen Anschluß, um Hilfe herbeirufen zu können, darf man nicht hoffen.“ So in Paris! Da haben wir es in Deutschland in jeder Kleinstadt besser und können ruhig daheim bleiben. Aus Zeit und Welt. Gegen die Luftballons. Die Erfinder sind schon lange bei der Arbeit, Geschosse herzustellen, mit welchen der Lenkballon seinen Gegner bekämpfen soll. Aber auch die Konstrukteure, die Bomben und Schrapnells herstellen wollen, die geeignet sind, einen Ballon in den Lüften zu treffen, seine Hülle zu zerreißen und ihn zu Fall zu bringen, sind nicht müßig gewesen. Jetzt soll ein Schrapnell erfunden sein, welches über eine deutsche Meile— 7800 Meter weit— fliegt und wohl geeignet ist, seinem Ziel schnell den Garaus zu machen. Freilich muß das Geschoß auch treffen, und das wird in den Lüften weniger leicht sein, wie auf Erden. Was Präsident Roosevelt in Afrika will, ist nicht eine einfache Befriedigung seiner Jagdpassion, sondern er will dazu tragen, eine afrikanisch=zoologische Sammlung für das nordamerikanische National=Museum zu stiften. Für sich und seinen Sohn will er gern alles bezahlen, aber Gelehrte und andere Personen, die sich ihm anschließen wollen, müssen für sich selbst Sorge tragen. Deren Unkosten zu bestreiten, erklärt sich der Präsident nicht reich genug. Der weibliche Andrang zu den Aemtern beginnt schon seine Wirkung zu zeigen. In Berlin herrscht ein derartiger Ueberfluß von jungen Lehrerinnen, daß von den beim Magistrat sich meldenden Damen nur ein kleiner Teil berücksichtigt werden konnte. Von denjenigen Lehrerinnen, die Oktober 1905 ihr Examen bestanden, ist noch keine einzige angenommen worden.. Auch anderswo liegen zu viele Meldungen vor. Ein neuer Lenkballon. Mit dem Bau des neuen großen Siemens=Schuckert'schen Luftballons ist jetzt begonnen worden. Der Ballon ist unstart, weist aber vielerlei Abweichungen von dem unstarren Parseval=Ballon auf. Der Rauminhalt wird 12000 Meter betragen, es werden zwei, wahrscheinlich drei Gondeln angebracht werden. Die Stadt Berlin hat eine lange Reihe von Jahren mit hundert Prozent Kommunalsteuern auskommen können; jetzt will es aber nicht mehr reichen, da aus dem neuen Polizeikostengesetz und den Erhöhungen der Beamtengehälter sieben Millionen Mark dauernder Ausgaben jährlich mehr hinzukommen. — Es sind jetzt übrigens 200 Jahre, seitdem Berlin eine einheitliche Verwaltung hat. Bis 1709 gab es vier Magistrate, einen Berlinischen, einen Köllnischen, einen Friedrichswerderschen und einen Dorotheenstädtischen. Jeder hatte ein eigenes Rathaus. Daheim. Da der Sonne spätes Schimmer Nun zu blasserm Gold erbleicht, Und durch eine Flucht von Zimmern Schräge längs den Truhen streicht, Sich im immer engern Tage All das bunte Sterben drängt Und das rote Gold im Hage Loser an den Wipfeln hängt, Sieh, da will sich nahe halten, Was sich nahe haben kann; In den engen Gassenspalten Zünden sie die Lämpchen an, Und im wärmsten Kreis zusammen Drückt sich, was zu tiefst sich kennt Während noch in müden Flammen Eine höchste Wolke brennt. Wenn sich dann die Lichter wiegen Ueberm Herde, flink und kraus, Knarrt es auf den dunklen Stiegen Und das Märchen huscht durchs Haus. Aber eine lauscht erschrocken Plötzlich in das kühle Land, Und verwirrt durch blonde Locken Streicht die weiße Mädchenhand. Denkt sie des, was ohne Frieden Seine harte Straße zieht? Hörte sie des wegemüden Wandrers heimatloses Lied? Julius Havemann. Für unsere Hausfrauen. Benzin als Mittel zur Entfernung von Fettflecken usw. Benzin ist sehr feuergefährlich, man wende dasselbe daher nie bei Licht oder in der Nähe von geheizten Oefen an, da auch sonst leicht eine Entzündung infolge der entwickelten Gase eintreten kann. Ebenso beachte man etwaige kleine Wunden, daß kein Benzin daran kommt, da sonst hierdurch eine Blutvergiftung entstehen könnte. Alles mit Benzin Gereinigte muß vor dem Plätten ganz trocken sein, da sonst die Stoffe Feuer fangen können. Um Benzin zu prüfen, gieße man etwas auf weißes Papier, es darf keine Flecken hinterlassen, sondern muß nach einigen Minuten verdunstet sein. Knarrende Stiesel. Das Knarren der Stiefel, das vielen Menschen sehr, unangenehm ist, läßt sich meistens durch Bestreichen der Sohlen mit Leinöl entfernen. Sehr zuempfehlen ist es überhaupt, bei neuem Schuhwerk die Sohlen des öfteren— so lange, bis dieselben kein Oel mehr aufsaugen— mit Leinöl einzureiben, sie werden dadurch um vieles haltbarerer. Gänseschlachten. Nur selten hat man eine Stimme gegen das qualvolle Schlachten der Gänse erhoben. Im engen Mastkoben, wo die armen Geschöpfe nicht imstande sind, sich umzudrehen, da fristen sie wochenlang ihr elendes Dasein. Aber eine ebenso große Qual, wie das Mästen durch Stopfen(Nudeln, Fricken), ist das Schlachten der Gänse. Die Frauen, die gewöhnlich auf dem Lande das Schlachten besorgen, schneiden mit einem oft stumpfen Messer in den Hals und, haben sie die richtige Ader nicht getroffen oder geht aus irgend einem anderen Grunde die Verblutung nicht gut von statten, so wird immer weiter bis auf den Knochen gebohrt. Wie einfach ist es dagegen, wenn man zunächst die Gans durch einen derben Schlag auf den Kopf betäubt und dann mit einem scharfen Messer am hinteren Halse die Hauptblutader durchschneidet, wonach die Verblutung rasch erfolgt. Grünes Vogelfutter im Winter. Du möchtest deinen Bögeln gern jeden Tag, auch im Winter, etwas Grünes als Futter reichen. Nimm einen alten Strumpf, ziehe ihn über eine dickbauchige Flasche oder Bierkruke, begieße den Strumpf tüchtig mit Wasser und stelle das Ganze in einen ebenfalls mit Wasser gefüllten Untersatz. Dann bestreue den feuchten Strumpf dicht mit Vogelfutter(Rübsen und Spitzsamen, Hanf usw.). Innerhalb 10 bis 14 Tagen gehen die Körnchen auf und bald schlingen sich um die Flasche zarte, grüne Ranken. Natürlich ist die Feuchtigkeit im Untersatz immer wieder zu ergänzen. Wohl bekomm's deinen Vöglein, und du selbst freust dich sicher an dem hübschen Zimmerschmuck. Theater=Spielplan. Stadttheater Dortmund. Freitag, 8. Jan., 7,30 Uhr: Vater. Komödie in 4 Auszügen von Albert Guinon und Alfred Bouckinet. Sonnabend, 9. Jan., 7,30 Uhr: Undine. Große romandische Zauberoper in 4 Aufzügen von Albert Lortzing. Sonntag, 10. Jan., 3,30 Uhr: Panne. Lustspiel in 3 Aufzügen von Richard Skowronneck. 7,30 Uhr: Tiefland. Musikdrama in 1 Vorspiel und 2 Aufzügen von Eugen d'Albert. Städt. Schauspielhaus, Hagen. Freitag, 8. Jan. 8 Uhr: Nachtasyl. Szenen aus der Tiefe von M. Gorki. Sonnabend, 9. Jan. Keine Vorstellung. Sonntag, 10. Jan. Keine Vorstellung. Stadttheater Barmen. Freitag, 8. Jan., 8 Uhr: Mignon. Oper in 3 Akten von Ambroise Thomas. Samstag, 9. Jan., 3 Uhr: Die sieben Raben. Weihnachtsmärchen. 7, 30 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie in 5 Akten von Friedr. v. Schiller. Sonntag, 10. Jan., 3 Uhr: Tannhäuser. Große Oper in 3 Ukten von Richard Wagner.— 7,30 Uhr: Die Fledermaus. Operette in 3 Akten von Johann Strauß. Ueberbrettl=Vorträge. Montag, 11. Jan. 8 Uhr: Madame Butterfly. Japanische Oper in 3 Akten von G. Puccini. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Durch Kampf zum Sieg Erzählung aus Schwertes Vergangenheit von F. 19 Nachdruck verboten. „Schon wieder nicht!“ flüsterte der seltsame Einbrecher mit verdrießlicher Stimme.„Aus Angst verriegeln sie sich, das merke ich schon. Und in diesem Punkte ist mein Plan schlecht ersonnen. Soll ich sie sprengen?— Nein, das gäbe zu viel Lärm. Ein Glück, daß ich die Hunde beseitigt habe, sie hätten mich längst verraten! Was fange ich denn nun an?— Wieder nach Hause gehen? Wo Bertha mit Schmerzen darauf harrt, ob ich ihr nicht den Bruder mitbringe? Wüßte ich, daß die Knechte alle schliefen, ich bräche die Türe auf. Doch nein, ich darf's noch nicht wagen,— ein einziger unglücklicher Zufall könnte alles verderben. Aber meinen Plan gebe ich deshalb doch nicht auf,—— ich befreie Dich aus der Hand Deiner Peiniger, Richwin, oder ich will mein Leben dabei einbüßen. Nun noch einen gewaltigen Hieb gegen die feindliche Türe, daß diese in den Angeln erbebte und das Vieh erschrocken mit den Ketten klirrte,— und das rätselhafte Wesen huschte geschwind ins Freie. Wer es war, der den abergläubischen Schwertern in solch gelungener Weise den Streich mit dem Knüppelhund gespielt und Jung und Alt Schrecken und Angst eingeflößt, haben obige Worte bereits verraten. Irmtrud Rump hatte sich vorgenommen, ihren Geliebten den Händen der Isenberger zu entreißen und zu diesem Zwecke einen überaus kühnen und dabei doch höchst einfachen Plan entworfen. Nachdem sie sich von der inneren Einrichtung des Herrenhofes genaue Kenntnis verschafft, ging sie unerschrocken ans Werk. In ihr lebte noch ein gutes Stück jenes Heldengeistes, welcher die Weiber der Zimbern und Teutonen in die Reihen der Streiter eintreten und nach verlorener Schlacht die eigenen Kinder dem Tode weihen ließ, um sie vor der Schmach der römischen Sklaverei zu bewahren. Ihr dauerte es zu lange, bis die Fehme oder Graf Adolf, vor dem Richwins Sache ebenfalls anhängig gemacht worden, ihr Machtwort gesprochen, und so beschloß sie auf eigene Faust und Verantwortung zu handeln. Das kühne Mädchen baute auf Gott, auf ihr eigenes Glück und— auf den krassen Aberglauben der Landbevölkerung, der damals geradezu ungeheuer war. Mit einem dicken Wolfspelz angetan und bloß mit einem ordentlichen Prügel bewaffnet, war sie seit einigen Tagen unter dem Schutze der Dunkelheit nach Schwerte geschlichen und hatte ihren Angriff damit eröffnet, die durch ihre Wachsamkeit so überaus hinderlichen und gefährlichen Hunde mittelst Giftbrocken aus dem Wege zu räumen. So sehr dies heimtückische Hinmorden unschuldiger Tiere ihrem ehrlichen Charakter zuwider war,— es ließ sich in Richwins Interesse nicht vermeiden. Bald verbreitete sich in der Nachbarschaft die Kunde, daß in Schwerte die Hunde an einer unbekannten Seuche stürben. Langen 1ns Berter 81 „rlangen. Irmtrud wußte, daß sich ihr bei diesem Vorhaben mancherlei Schwierigkeiten entgegenstellen würden. Aber das entmutigte sie nicht nur nicht, nein, es reizte sogar ihre ganze Keckheit, deren sie,— im guten Sinne genommen,— eine gute Portion besaß. Ohne eine solche Portion Wagemut würde sie eben garnicht auf den Gedanken einer Befreiung des Gefangenen verfallen sein. Er sollte merken, wie lieb sie ihn hätte und, eben in Erwägung dessen, was sie für ihn getan, ihren Wert schätzen lernen. Die Frauenwelt von damals hatte bekanntlich alle Ursache, sich in letzterer. Hinsicht über eine gewisse Ungerechtigkeit seitens der Männer zu beschweren, — Ausnahmen vorbehalten, welche die Regel lediglich nur bestätigen. Irmtrud hatte die Rolle des Knüppelhundes nunmehr schon über eine Woche gespielt, ohne bis jetzt ihrem Ziele näher gelangt zu sein. Ihr Plan, einfach ersonnen und kühn durchgeführt, hatte nur den einen Fehler, daß das Mädchen, um zunächst die Bewohner des Haupthofes einzuschüchtern, gewissermaßen einen Theaterdonner verüben mußte, der andrerseits die Gemüter allzusehr in Aufregung versetzte, die Spannung allzusehr vergrößerte und die Neugier reizte. Bertha hatte ihr das auch vorgehalten, aber Irmtrud hatte gemeint: „Ich werde sie so in Angst versetzen, daß sie selder nicht wissen, ob sie schlafen oder wachen, denn ich muß mit allerlei Zufälligkeiten rechnen, die ich nicht voraussehen kann.“ Die Freundin hatte den Kopf geschüttelt und dringend abgeraten. (Forts. ielen streiist es — so einöl legen Rastmzueine deln, gemit richderen nmer dagechlas k am die VöFuteine 1 mit umpf sw.) bald ch ist Wohl dem igen S c5 □ SUUnE 25% Sir S#S * □ SO Si 6 EEÖENG S ass 8 2 S 5•E —*.0• 8•PEL 5US S G61• —* SDRL *• 9 911 F 1 09 * 9•39 N Se 4 4 SOT•ERT 8 S.:STpS 993OL • SSSN SSugs 88%8 .# FE 2• 27 Sn Oes S LISETSE ## FHx 8p; *0 E * 9 8 ELHOEEL COUNDGTN Taninao Ss2y .— E 8 5 5 n E 5 RO E S C * O 1- 2 98 *. * L 2.8 9 0.S 8 # 2 0 1 S9 2 BEEES • EUSES ** 8 „** ngGEE“SEEUS Zoren) —" B„„**— U SMGEEO OOSEEE 2 S SS OSETSE UZDUEEN — UW UPPTUTOMESURAGS Soua-SOuiPOgzen • Fami uoh„„SPROESE TGEun SO O-TuT, P-UüSEU BSE *- B B.- CT— 070•— S U0 · ∆„* S SS.-SUE = TOLEBT „GETPN F•HET S* —— 9 1— S— S —.— 9 E 6. 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Aus London wird berichtet: Ganz Südengland leidet augenblicklich mehr denn je unter einer Rattenplage, die sich besonders auf dem flachen Lande fühlbar macht. Die Ratten haben auf manchen Gutsbesitzungen und Bauernhöfen den ganzen Vorrat an Kartoffeln aufgefressen und auf den Kornspeichern arge Verheerungen angerichtet. Die Bauern wissen weder Rat noch Hilfe, um der Plage entgegenzutreten. Hunde und Katzen werden zu Dutzenden gegen die Ratten losgelassen, doch ist der Erfolg ein sehr geringer. Auf einem Bauernhof wurden von den Katzen und Terriers über dreihundert Ratten an einem Tage vernichtet, aber nach Hunderten zählend tauchen immer neue Rattenschwärme auf. Jetzt wird die Regierung der Landbevölkerung zu Hilfe ten Erfolg bringen werden. Letzte Drahtmeldungen. Keine Mittelmeerfahrt des Kaisers. 8. Jan. Die„Hohenzollern“ wird in diesem Früheine diesjährige Frühjahrsverwendung der Jacht zu persönlichem Zwecke des Kaisers. Im vergangenen Jahre ging die „Hohenzollern“ bereits im Februar von Kiel nach dem MittelEine erfreuliche Kunde aus Südwest. Berlin, 8. Jan. Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt: Die Vereinbarungen zwischen der großbritannischen Behörde der Kapregierung und dem Kolonialstaatssekretär wegen gegenseitiger Unterstützung bei der Bekämpfung unruhiger Elemente an der Grenze des sudwestafrikanischen, Schutzgebietes beginrg Krächte zu tragen. Die Kapregierung lieferte die sogenannte OrtmanaBande, die verhaftete Bande des Kleinjakobus, aus. Kleinjakobus, sowie es, derer Häuptling sind einer genen Meldung zufolge, von der Kappolizei wegegaggnge. suchs erschossen. Am 5. fielen bei Rietfontein 21 Hottentrlrr. der Kappolizei in die Hände. Sie wurden entwaffnet und interniert und werden ostwärts abgeschoben werden. Sie sind wahrscheinlich der Urheber der jüngsten Unruhen im Süden des Schutzgebietes. Schließlich erklärte Simon Copper, nunmehr Orlogs müde zu sein. Eine Verabredung bezüglich seiner Stillsetzung wurde am 21. Juni 1908 in Pieterngrfhhurgg gee troffen. Die Bedeutung der Vorgänge liegt darin, un#### fassung der Grenzbevölkerung, die Untaten in Deutsch=Suowessafrika fänden im Nachbargebiete Schutz, gründlich zerstört wird. Dies wird auch auf die übrigen nicht ganz beruhigten Hottentottenstämme nachhaltig einwirken. Die Elektrizitätssteuer gefallen? Berlin, 8. Jan. Wie die„Badische Presse“ von gut untervichteter Berliner Seite erfahren haben will, hat die ReichsRegierung die Elektrizitätssteuervorlage zurückgezogen. Iswolski Botschafter in Berlin. Petersburg, 8. Jan. Der russische Minister Iswolski ist für den Botschafterposten in Berlin ausersehen. Oesterreich rüstet weiter. Wien, 8. Jan. Für den eventuellen Bedarf in Bosnien und der Herzegowina wurden 4 Gebirgs=Eskadrons in Serajewo aufgestellt. Aus Semlin heißt es, daß alle serbischen und mazedonischen Bandenführer in Belgrad versammelt sind. Aus der Unglücksstadt Messina. Neapel, 8. Jan. Belcredo vom„Messaggero" entwirft ein schauerliches Bild vom Chaos der Bureaukratie in Messina. Der Ministerpräsident Giolitti habe alle Vorkehrungen getroffen, aber den Fehler begangen, zu viele Chefs zu schicken. Die Folge sei höchste Konfusion. Die Boote der Kriegsschisse, Gogg ten zur Rettungsaktion nicht benützt werden, weil brg.„ gebracht wurde. Alles war an Bord vorhanden., Arbeitswerkzeuge, aber sie wurden nicht verteilt, und du Hafenpolizei mangelte, mußten die Kriegsschiffe zu weit vom Lande ankern. Der Dampfer„Duca di Geneva“, der wegen seiner Neuheit vorzüglich zum Hospitalschiff geeignet gewesen wäre, wurde vom Oberkommandanten zum Generalquartier erkoren, anstatt daß dieser aufs Land unter eine Baracke ging; freilich, in der Baracke wäre vielleicht eine gute Verpflegung unmöglich, die das Generalquartier derart bekümmerte, daß zwei Stunden verloren gingen mit der Festsetzung der Tischordnung. Während unterdessen die Soldaten am Lande laut darüber klagten, daß sie zur Untätigkeit verurteilt waren, und das Brot auf den Schiffen schimmelte, wies man das Angebot eines fremden mit Lebensmitteln beladenen Dampfers zurück, der selbst die Ausschiffung der Güter besorgen wollte. Neue Erdbeben in Süditalien. Rom, 8. Jan. Nach Meldungen aus Monteleone und Palmi wurden gestern dort zwischen 6 und 7 Uhr abends ziemlich heftige Erdstöße verspürt, die unter der Bevölkerung eine große Beunruhigung hervorriefen. Catania, 8. Jan. Der Direktor des Aetna=Observatoriums stellte fest, daß auf den der Küste parallel laufenden Höhen von Messina sehr große Erdspalten sich gebildet hätten. Gestern wurde hier ein leichter Erdstoß verspürt. Reggio di Calabria, 8. Jan. Von gestern mittag bis nachmittags 2 Uhr wurden einige ziemlich heftige Erdstöße verspürt. Marinetruppen sind mit der Errichtung von Baracken beschäftigt. Wiederaufbau Messinas beschlossen. Messina, 8. Jan. Auf den Trümmern von Messina fand eine Versammlung der Ueberlebenden statt, welcher ein Senator und mehrere Deputierte beiwohnten. Die Versammelten faßten einen Entschluß, welcher den Wiederaufbau als ein einmütiges historisches und nationales Bedürfnis bezeichnet und die Erwartung ausspricht, das Parlament werde in Uebereinstimmung mit dem Verlangen der Nation und dem Wunsche der ganzen zivilisierten Welt wirksame Maßnahmen treffen, um Messina ein neues Leben zu sichern. Das böse Gewissen der italienischen Regierung. Rom, 8. Jan. Die italienische Regierung untersucht alle telegraphischen Meldungen aus Sizilien und Calabrien in strengster Weise. Alle Depeschen, selbst solche, die in mildester Form über Mängel des Rettungswerkes, Plünderungen und Ruhestörungen berichten, werden zurückbehalten. Deutsche Hilse. Berlin, 8. Jan. Die Kaiserin überwies dem Deutschen Hilfskomitee 3000 M. Der deutsche Marineattachee Kapitän Rampolo übernahm die Gesamtleitung der deutschen HilfsaktiStatt besonderer Anzeige! Heute morgen verschied plötzlich und unerwartet meine innigstgeliebte Braut Eilriede Mose. Sie starb in Schömberg im Schwarzwalde, wo sie zur Erholung weilte. Freunden und Bekannten diese Trauernachricht mit der Bitte um stille Teilnahme. 114 Holzen, den 6. Januar 1909. Fritz Jacobs. Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. d. Mts., nachmittags ½ 4 Uhr von der Dorstfelder Totenhalle aus auf dem Friedhofe zu Dorstfeld statt. on und siedelte nach Neapel über. Der Eisenbahnminister teilte dem Komitee mit, daß allen Materialsendungen für die Notleidenden Frachtfreiheit von den in Betracht kommenden Mächten gewährt sei. Wetterbericht der Deutschen Geewarte. 9. Januar: Meist heiter mit Wolkenzug, kalt, Frost. 10. Januar: Feuchtkalt, windig, trübe, Niederschläge. Verantwortlich: Für Politik. Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. P Eihrmirchen per sofort oder später gesucht. Adolf Kalsbach, 85 Brückstr. 3. Schöne 3—4 räumige 90 Mansarden wohnung sofort oder später zu vermieten. Georg Sahrhage, Restaurant zur Glocke, Markt Eine Wohnung von 4 Zimmern ganz oder geteilt, nur an ruhige Mieter zum 1. April zu vermieten. Aug. Breucker, Hörderstr. 79. 2 freundliche, große, neu tapezierte Zimmer I. Etage, sof. od. später zu verm. Rademacher, Oberpostschaffner, Hagenerstraße 108. 59 Schöne Wohnung von 3 Zimmern, mit Stallung und Gartenland per 1. April oder früher zu vermieten. 51 C. Ballul, Westenheide 14. 2 Wohnungen von je 2 Zimmern in einem Hause zum 1. April zu mieten gesucht. Zu erfragen in d. Geschäftsstelle d. Itg. 50 Heute Nachmittag 1½ Uhr entschlief sanft und gottergeben, nach kurzem, schwerem Leiden, unsere liebe Mutter, Grossmutter. Urgrossmutter, Schwägerin und Tante Ww. Gotelr. hess Karoline geb. Brune im vollendeten 71. Lebensjahre. Dieses zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme. Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Haspe und Herne, den 7. Januar 1909. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 3 Uhr vom Sterbehause, Westenstrasse 4, aus statt. 130 verwitw. Eine Wohnung von 3 Zimmern mit Zubehör an eine ruhige Familie zum 1. April zu vermieten. 120 Zu erfragen in der Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. Eine Wohnung von 4 großen u. einem Mansardenzimmer ganz od. get. zu vermieten. Näheres 112 Brückstraße 5. Halte stets Särge und s Leichenwäsche auf Lager. Wilhelm Scherff, Schwerke, Molllkestr. Statt besonderer Anzeige! Heute nachmittag 5¼ Uhr ist nach Gottes Wohlgefallen meine treue, unvergessliche Gattin, unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante urhestine-ura geb. Thiemeyer im Alter von 67 Jahren nach längem Kranksein im festen Glauben an ihren Erlöser sanft und friedlich zur ewigen Ruhe eingegangen. Emil Krummel nebst Famile. Schwerte, Hohenlimburg, Schalke und Kleinbremen, den 7. Januar)1909. Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. Januar, nachmittags 3½ Uhr vom katholischen Krankenhaus aus statt. 119 Bei Drüsen, Scropheln, englischer Kranheit, Blutarmut. Hautausschlag Halsund Lungenkrankheit, Husten, zur Stärkung scrophulöser, blutarmer, schwächlicher, in der Entwicklung und beim Lernen zurückbleibender Kinder, empfehle eine Kur mit meinem beliebten Lahusen's Lebertran Der beste und wirksamste Lebertran. Leicht zu nehmen und zu vertragen. Nur echt in Originalpackung Preis Mk. 2.30 und 4.60 und mit dem Namen„[ODELLA“. Alleiniger Fabrikant Apotheker Wilh. Lahusen, Bremen. Immer frisch zu haben ins hwerte: Adler-Apotheke und Neue Apotheke. Schoule Wöhnlung von 2 Zimmern per März oder April zu vermieten. 133 Poststraße 4. Auf dem Wege von Ergste nach Schwerke einen 129 Herren- Regenschirm d verloren. Der redliche Finder wird gebeten. denselben bei Frau Hoffmeister abzugeben. Fabnen, 2640 Reinecke, Hannover. Schlachlhof. Samstag, den 9. ds. Mts., soll morgens 9 Uhr auf der Freibank des Schlachthofes, minderwertiges Kindfleiich verkauft werden. 121 Die SchlachthofVerwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem plötzlichen Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sprechen wir hiermit unsern innigsten Dank aus 117 Familie Furlan. Kinrmatrg!!. Reichskrone. Theater lebender Photographien. Schwerte. PROGRAMM 109 von Freitag, den 8. bis Donnerstag, den 14. Januar. 1. Bretonische Hauben. Inter. Naturaufnahme. 2. Andenken an einen Traum. Herrliche kol. Darstellung. 3. Der Schutzengel. Ergreifendes Drama. 4. Eine Mandel Eier. Humoristisch. 5. Der Waldmensch. Spannendes Drama. 6. Geheimnisvoller Schrank. Humoristisch. 7. Der Steinbrecher. Rührendes Drama. 8. Erbschaft der Jungfrau. Humoristisch. Kaufmännischer Verein, Schwerte Ortsgruppe im D. H. V. Der bekannte Herr, der am 6. d. Mts., abends 10½ Uhr im Konzertsaal des Café Viktoria, Hagen Bahnhofstraße seinen Mantel mit einem schwarzen vertauschte, wird aufgefordert, denselben binnen drei Tage zurückzusenden, andernfalls Anzeige erstattet wird. Mitteilung unter L. 124 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung erbeten. Sonntag, den 10. Januar 1909, abends 6½ Uhr im Hotel Ostermann(Brückner): 132 3. Vortrag. Rosegger, ein Bild seines Lebens und Rezitationen aus seinen Werken. Redner: Rezitator Günther=Berlin. Karten 0.50 Mk. Bekanntmachung. In meiner Bekanntmachung vom 28. Dezember 1908 betreffend Gewerbegerichtswahlen, muß im zweiten Absatze der letzte Satz wie folgt lauten: „Als Beisitzer soll nicht gewählt werden, wer in dem Bezirke des Gewerbegerichts nicht seit mindestens 2 Jahren wohnt oder beschäftigt ist, ferner wer wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen zu dem Amte nicht geeignet ist.“ Zugleich weise ich darauf hin, daß die am 28. Dezember 1908 begonnene 2=wöchige Anmeldefrist zur Eintragung in die Wählerliste nicht am Sonntag. dem 10., sondern gemaß§ 193 Bürgerlichen Gesetzbuches am Montag, dem 11. Januar d. J. endet. Iserlohn, den 7. Januar 1909. 126 Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Nauck, Geheimer Regierungsrat und Landrat. Zwungsberkauf. Am Samstag, 9. Jan. er., vormittags 10 Uhr, werde ich im Pfandlokale beim Wirt Rath hierselbst 1 Eisschrank, 1 Kommode und 1 Sofa gegen Bar versteigern. 125 Schwerte, 8. Jan. 1909. Morgenroth, Gerichtsvollzieher. Beleihungen städtischer und landwirtschaftlicher Objekte zu günstigen Bedingungen. 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An seiner Stelle ist der Klempner Gustav Rump in Schwerte in den Vorstand gewählt worden. Schwerte, den 4. Januar 1909. Königliches Amtsgericht. 5 1 1 9 5 0 U garantiert rein, direkter Im= u port vom französisch. Wein a11 bauer, pr. Flasche aus dem! Haus mit Glas 1.00 Mk., in im Ausschank pr. Glas a 20 Pfg. empfiehlt 1350 0 Cart Raffig. Gasthof SSpans* zur Helle.„ mznn 12 Beste und billigste Einkaufsstelle für Lebensmittel. Petroleum helbrennend per Ltr. 17 p. Weizenmehl weiß und hochbackend 197 per Pfd. 14 Pfg. Zuckerhonig per pfd. 25 pg. Stampfzucker seink. v. Böd. 20 pfg. Rüböl hell und klar per Lir. 70 Pf. Schmalzbutter per po. 55 bfg. Auf Wunsch liefere frei ins Haus. a. Wrinrer,, Trehsurz zum Auftauen von Abflußröhren empfiehlt L. Weinberg. Nach beendeter Lageraufnahme stellen wir grosse Posten Waren zum NabVorkauf Noch niemals ist Ware Extra-Tischen ausgelegt: Damen-Hemden 110 cm lang stek 65 p. 500 Stck. angeschmutzte Wäsche als Damen- u. 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Die Haushaltspläne der Gemeinden des Amtes Aplerbeck für 1909 liegen vom 13. d. Mts. ab 14 Tage lang bei den Herren Gemeindevorstehern zur Einsicht offen. Aplerbeck, den 6. Januar 1909. 123 Der Amtmann: Leonhard.