List Schwerter Volksblatt O General-Anzeiger für den Kreis Härde. D Schwerter Volks-Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ erecheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: 9„Ilustrierter Familienfreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Aazeigenpreis Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1e Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pl., Reklamezeile 40 Pf. Die„Schwerter währt ibren jeden mit Cod fall gemäss ungen IR. Zeitung" geAbonnenten für endenden Unihren BedingIs Unterstützung. Erstes und dltestes Cagesorgan des Kreises. 0 Haupt- Runoncenblan. Alie kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröttentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsc c c c o o verbindliche-Kraft. e c c#99. Druck und Verlag von Garl Fraus. Schwerte-Ruhr). Fernsprecher Nr. 62. Celegr.=Näresse: Braus, Schwerte-Rude. 1. Sonnabend, den 2. Januar 1909. 41. Jahrg. Wlatt. Im neuen Jahr. Unmittelbar vor dem Beginn von 1909 hat eine surchtbare Empörung der Natur=Gewalten eine entsetzliche Zerstörung im schönen Süden, in einem Landstriche angerichtet, dessen lachendes Bild sonst alle Lebenssorgen vergessen machte. Wären wirin früheren Zukunfts=Gedanken befangen, so würde die Ansicht, das neue Jahr wird kein gutes, die vorwiegende sein; heute, wo die leichtere Auffassung vom Leben Tausende beeinflußt, dürfte eher gehofft werden 1909 wird besser, da ein so schweres Unglück ihm vom alten Jahr vorweg genommen ist. In Wahrheit können wir uns weder nach dem Einen noch nach dem Anderen richten, müssen uns vielmehr in Geduld bescheiden. Das haben wir ja schon in unserer ganzen modernen Zeit herausbekommen, daß wir auf alle Möglichkeiten gefaßt sein müssen, und darum hett das Verwundern auch bei Vielen aufgehört. Nicht einmal das können wir mit einiger Bestimmtheit sagen, daß 1909 von kriegerischen Zwischenfällen verschont bleiben wird. Die Diplomatie erhofft eine Erhaltung des Friedens, aber die Diplomatie hat auch so lange nicht an einen Krieg zwischen Rußland und Japan glauben wollen, als bis er da war. Hätte sie ihn für möglich gehalten, sie hätte ihn auch verhindern können. Darum sind die Melodien der Friedens=Schalmaien, die dem neuen Jahre entgegenklingen, doch recht zweifelhafter Natur; nicht mit Hoffnung auf Frieden wird heute ein Krieg vermieden, sondern mit dem festen Willen, Friedensstörer zur Botmäßigkeit zu Zwingen. Und dies Wort, auf welches es ankommt, ist leider in der letzten Friedensrede des alten Jahres die d. russische Minister d. Auswärtigen, Herr Iswolski, in der Petersburger Duma hielt, nicht gesprochen worden. So müssen wir denn wirklich nur hoffen. Der kritische Punkt in den Balkan=Angelegenheiten, die die Wetterwolken am politischen Himmel haben aufsteigen lassen, liegt in den Verhältnissen der kleinen Raubstaaten. In dem jungen Königreich Bulgarien herrschen krause Gedanken. Einmal schilt alle Welt auf die Türkei, weil diese mit der Anerkennung der Unabhängigkeit des neuen Zarentums zögert, und behauptet, der Sultan warte nur die günstige Jahreszeit ab, um in einem Feldzuge Bulgarien seinen Willen oder doch seine Bedingungen für die Selbständigkeit aufzuzwingen. Ein anderes Mal wird hingegen ein Bündnis mit der Türkei für empfehlenswert gehalten, um allen Ansprüchen der Beeinflussungen, die von Rußland oder Oesterreich=Ungarn kommen könnten, wirksam entgegenzutreten. Jedenfalls steht das fest, daß die Bulgaren nichts geben, aber alles behalten wollen, was sie bekommen haben. Noch gefährlicher ist das Gebahren in Serbien; die Leute in Belgrad sind vom Großmachts=Dünkel besessen, sie wissen, wie sie von den Türken vor dreißig Jahren, vom Fürsten Alexander von Bulgarien vor zwanzig Jahren geklopft wurden und wie ihnen trotzdem ichts geschah. So möchten sie es ein drittes Mal versuchen. Hinzukommt die Behauptung, daß es mit dem Thron des Königs Peter recht wankend steht, daß viele in einem Kriege die letzte Rettung erblicken. So brodelt die Hexensuppe im orientalischen Kochtopf, nur daß man nicht weiß, wer sie wird ausessen müssen. Wäre die Harmonie unter den Großmächten wie einst, es hätte keine Not, aber vom europäischen Konzert spricht man schon gar nicht mehr, eben weil keines mehr vorhanden ist, und es auch kaum so bald wieder kommen wird. Alle diese Dinge und die daraus hervorgehenden Möglichkeiten können uns vom militärischen Gesichtspunkte aus kalt lassen, denn wir wissen, daß wir davon schwerlich behelligt werden dürften. Aber einmal haben wir uns an das eng verbündete Oesterreich=Ungarn und sodann an die Rückwirkung der politischen Händel auf Handel und Wandel zu denken. Bei solchen Möglichkeiten treibt die Konjunktur keine grünen Triebe. Dürfen wir wirklich nicht erwarten, daß sich im neuen Jahre ein Staatsmann finden wird, der entschlossen ausruft:„Sorgen wir dafür, daß im Ovient Frieden gehalten werden muß!" Denn sonst wäre die Selbstlosigkeit in der hohen Politik doch sehr gering, überall bestände nur das Bestreben, nichts vom vollgehäuften Wagen der eigenen Interessen zu verlieren. Wirklich 1900 bietet nicht die besten Chancen! Politische Uebersicht. Deutschland. Vom Kaiserhofe. In sehr ernster und feierlicher Weise nahm bs kaiserliche Familie im Neuen Palais zu Potsdam vom alten Jahre Abschied: Die Majestüten und ihre Kinder empfingen am Vormittage des Sylvestertages im Sterbezimmer Kaiser Friedrichs das heilige Abendmahl. Abends waren die hohen Herrschaften im engeren Kreise vereint. Am Neujahrstage selbst fanden im Berliner Schlosse die Beglückwünschung durch die anwesenden Fürstlichkeiten und sodann Gottesdienst und Gratulations=Cour statt. Bei der folgenden Parole=Ausgabe im Zeughaus ward der übliche Neujahrs=Salut abgegeben. Mehr Geld. Vor Seiten der preußischen Regierung werden die Kommunal=Verwaltungen jetzt aufgefordert, auch für die Erhöhung der Gehälter der städtischen Beamten zu sorgen, nachdem die Besoldung der Staatsbeamten aufgebessert ist bezw. werden soll, denn ein definitiver Beschluß ist im Berliner Abgeordnetenhause noch nicht getroffen. Daß derartige Schritte eingeleitet werden würden,war vorauszusehen, aber die Kommunal=Verwaltungen dürften sich unter Berücksichtigung der dringendsten Verbesserungen doch wohl etwas Zeit erbitten, bis eine Aufklärung über die Finanzlage herbeigeführt ist. Denn daß bei den sinkenden Einnahmen des Nährstandes auch die städtischen Steuer=Einnahmen zurückgehen werden, kann nicht in Abrede gestellt werden. Die brennendsten Fragen die im neuen Jahre der Erledigung im Deutschen Reiche harren, sind bekanntlich die FinanzReform im Reiche und die neue Steuerordnung in Preußen; die letztere ist jetzt die viel besprochenere, weil damit die Erhöhung der Beamtengehälter verknüpft ist. Die Beschlüsse der Kommission widersprechen bekanntlich den Forderung des Finanzministers; sie hat es abgelehnt, bereits für das letzte Jahr Zuschläge zur Einkommensteuer zu bewilligen, rundweg hat sie das neue Gesellschaftssteuergesetz verworfen und nur für die Jahre 1909 und 1910 Zuschläge bewilligt. Die letzteren beginnen bei Einkommen von mehr als 3000 Mark mit 5% und steigen auf 25%. Vermittlungs=Versuche nützten bisher nichts. Die Verwaltungskosten für die Arbeiterversicherung sollen durch eine einheitlichere Gestaltung verbilligt werden. Das macht um so größere Arbeit, als auch die Versicherung für die Hinterbliebenen von Arbeitern, die nach dem Zolltarifgesetz mit dem 1. Januar 1910 in Kraft tritt, in das Gesetz eingefügt werden muß. Gleichwohl sind die Vorarbeiten schon so weit gefördert, daß der Entwurf in absehbarer Zeit durch Publikation im Reichsanzeiger der öffentlichen Kritik unterbreitet werden kann. Die Vorlage, die den Namen ReichsversicherungsOrdnung tragen soll, wird mit ihren 1500 Paragraphen die umfangreichste sein, die dem deutschen Reichstage seit seinem Bestehen zugegangen ist. Im Bereiche der Reichseisenbahnverwaltung greifen mit dem neuen Jahre verschieden Maßnahmen Platz, die sich weiter an die preußisch=hessische Staatseisenbahn=Verwaltung anlehnen. So werden die Abrechnungsgeschäfte für die Wagenmiete einfacher und einheitlicher gestaltet, die in Preußen bewährten Oberbahnmeister sollen auch bei den Reichseisenbahnen eingeführt werden und dergleichen mehr. Rektoren und Lehrer. Ueber das Verhältnis von Rektoren und Lehrern hat es schon häufig unter den Beteiligten Auseinandersetzungen gegeben. Die Lehrer erblicken in dem Rektor vielfach nur den ersten Lehrer an der Schule, im übrigen einen Gleichen unter Gleichen. Die Rektoren haben demgegenüber vielleicht manchmal ihre Amtswürde besonders hervorgekehrt. Der Fehde ist jetzt in Preußen durch einen Erlaß des Kultusministers ein Ende gemacht worden, nach dem der Rektor verantwortlicher Schulleiter und nächster Vorgesetzter der an seiner Schule angestellten Lehrer ist. Ein Recht, Disziplinarstrafen zu verhängen, steht ihm nicht zu; er ist jedoch verpflichtet, darüber zu wachen, daß die erlassenen allgemeinen und besonderen Anordnungen befolgt werden, damit die Schule ihre erzieherische und unterrichtliche Aufgabe erfüllt. Er kann daher den Lehrern und Lehrerinnen im gegebenen Falle Vorhaltungen und Belehrungen bezüglich ihres dienstlichen und außerdienstlichen Verhaltens machen. Den Vorgesetzten soll er nicht hervorkehren, sondern den wohlmeinenden Führer und Berater. Das Alkohol=Verbot im Staatsbahn=Dienst. Mit dem Verbote des Alkohols im Dienst hat die preußische Staats=Verwaltung recht gute Erfahrungen gemacht. Die Maßnahme hat wesentlich dazu beigetragen, daß das Personal nicht nur frischer im Dienste erscheint und größeren Anforderungen gewachsen ist, sondern auch den Dienst zum Vorteil der Betriebssicherheit mit mehr Ruhe, Ueberlegung und Willigkeit ausführt. Außerdem hat sich die Disziplin insofern gehoben, als Widersetzlichkeiten gegen Vorgesetzte und Streitereien unter den Bediensteten selder seltener geworden sind, und daß auch die Zahl der Erkrankungsfälle, die auf Alkoholmißbrauch zurückzuführen sind, feitener geworden ist. Eine besonders erfreuliche Wirkung ist darin zu erblicken, daß sich auch unter den jüngeren Bediensteten immer mehr die Erkenntnis von der Gefährlichkeit des Alkoholgenusses Bahn bricht und daß von den dagegen eingerichteten Fürsorge=Anstalten in immer stärkerem Umfange Gebrauch gemacht wird. Ueber den Verkauf preußischer Königeschlösser heißt es in einer halbamtlichen Auslassung:„Wenn Reich und Staat sich eine durchgreifende Beschränkung in ihren Ausgaben auserlegen müssen, so liegt es auf der Hand, daß auch die Krone den strengsten Grundsätzen altpreußischer Sparsamkeit zu huldigen haben wird, und zwar um so mehr als die allgemeine Sparsamkeitsparole am wirksamsten in die Tat umgesetzt wird, wenn die Krone auch in dieser Beziehung mit gutem Beispiel vorangeht. Die Reklamesteuer, ein Teil des Steuerprogramms der Regierung, wurde anfänglich von einem großen Teil des Publikums, auch von vielen Reichstagsabgeordneten, für ganz angebracht gehalten. Inzwischen hat sich aber ein bedeutender Umschwung in den Anschauungen vollzogen, nachdem von einem aus den beteiligten Kreisen gebildeten Ausschuß zur Bekämpfung dieser Steuer der Nachweis geführt worden ist, daß sie ungerecht, unsozial und zwecklos ist. Man kann sich in der Tat als billig denkender Mensch der Einsicht nicht verschließen, daß die Inseratensteuer einen unberechtigten Eingriff in das Erwerbsleben darstellt. Es gibt viele Geschäfte bei denen der Inseratenetat ein vielsaches des Reingewinns darstellt. Wenn z. B. bei einer Inseratenausgabe von 50000 Mark ein Reingewinn von 10000 Mark erzielt wird, so bedeutet eine Steuer von 10% die Wegnahme des halben Reingewinnes.— Durch die Beilagensteuer werden besonders mittlere und kleinere, sowie alle Versandgeschäfte schwer getroffen, weil diese fast ausschließlich auf Reklame durch Zeitungsbeilagen angewiesen sind. Ein solches Geschäft, daß bei 6000 Mk. Verdienst 20000 Mk. für Beilagen ausgiebt, ist keine Seltenheit: es müßte 4000 M, d. h. Zweidrittel des Verdienstes, an Steuern zahlen. Ganz ungeheuerlich würde auch die bisher am freundlichsten beurteilte Plakatsteuer wirken. Eine bekannte Firma der Lebensmittelbranche muß 125000„ jährlich Steuern zahlen, oder aber ein Kapital von 500000 A fallen lassen. Kleine Schilder, deren Herstellung Zeinhalb Pfennig kostet, würden jährlich 30 Pf. Steuern erfordern! Die ganze blühende Plakat=, Schilderu. Lack=Industrie würde vernichtet, zahllose Künstler, Zeichner, Maler würden brotlos werden, die graphische Industrie würde schwersten Schaden erleiden. Dem verhältnismäßig niedrigen Steuerertrage würden also unverhältnismäßig hohe Schädigungen gegenüberstehen. Mit Rücksicht auf diese unwiderleglichen Tatsachen dürfte es die Pflicht des Reichstages sein, diese Steuer abzulehnen und andere, gerechtere zu finden. Aus den Schutzgebieten. Zum Verkauf der Diamantenfelder. Einzelne kleinere Besitzer von Diamantenfeldern in Deutsch=Südwestafrika scheinen ihren Anteil verkaufen zu wollen. Sie können daran nicht gehindert werden. Die großen Interessenten, die Reichsregierung, die Kolonialverwaltung und die Firma Lenz, denken dagegen nicht daran ihre Schürfgerechtigkeit an Fremde zu veräußern. Sie übernehmen vielleicht auch die zum Verkauf ausgebotenen Parzellen und verhindern damit das Eindringen englischer oder sonstiger fremdländischer Spekulanten in unsere Diamanten=Region. Aus dem Auslande. Oesterreich=Ungarn. Wien, 1. Jan. In Wien glaubt man, daß die Frage der Balkanwirren über den schlimmsten Berg hinweg ist, und daß eine friedliche Lösung der Angelegenheit zu erwarten sei. Nach der Erklärung des russischen Ministers des Auswärtigen Iswolski, daß Rußland die Rechte Oesterreich=Ungarns auf Bosnien und die Herzegowina anerkenne, und daß es nur Begünstigungen, keineswegs aber territoriale Kompensationen für Serbien und Montenegro auf der Konferenz zu beantragen wünsche, glaubt man in Wiener diplomatischen Kreisen, daß es blos noch eines ehrlichen Maklers bedarf, damit die letzten Schwierigkeiten auf kussischer Seite schwinden. Frankreich. Paris, 31. Dez. Frankreich trifft ernsthafte Anstalten, um Marokko von seinen Besatzungstruppen zu befreien. Es sollennicht nur die Schauja, sondern auch bestimmte Gediete an der algerischen Grenze von französischen Soldaten geräumt werden. Freilich will Frankreich diesen Liebesdienst nicht ohne Gegenleistung gewähren. Die marokkanische Regierung soll gewisse Bürgschaften, die sich jedoch wohl nur auf die Aufrechterhaltung der Nuhe beziehen können, dieten. Der frühere Präsident der Republik Emil Loubet vollende te am letzten Tage des alten Jahres sein 70. Lebensjahr. Der alte Loubet, der seit dem Jahre 1876 politisch tätig ist, und der trotz der Präsidentenwürde, die er von 1899 bis 1906 bekleidete, der schlichte und einfache Mann geblieben ist, der sich am wohlsten auf dem kleinen Anwesen seiner Mutter in der Provinz fühlte, verdient es, daß wir seiner am 70. Geburtstag gedenken und ihm einen glücklichen Lebensabend wünschen. Rußland. Petersburg, 1. Jan. Im russischen Ministerium für öffentliche Arbeiten sind nun ebenso wie in anderen Ressorts große Durchstechereien ermittelt worden. Namentlich hat sich eine Anzahl höherer Beamten von einem Kohlen=Lieferan= ten stattliche Trinkgelder zahlen lassen. Serbien. Belgrad, 1. Jan. Der Sturz der serbischen Dynastie scheint unabwendbar, da sich König Peter durch das Uevermaß seiner Schulden unmöglich gemacht hat. Türkei. Konstantinopel, 1. Jan. Ein besonderer Deutschenfreund scheint der Präsident des türkischen Parlaments, Achmed Riza, nicht zu sein. Er ging über den Zusatzantrag eines hervorragenden Abgeordneten zur Tagesordnung über und zog sich damit den Unwillen des größeren Teiles der Volksvertretung zu. In dem Zusatze aber hieß es: Das türtische Volk möge nicht vergessen Deutschland, das der Türkei in den kritischen Momenten beigestanden, seine Dankbarkeit zu bewahren.— In dem neuen türkischen Parlament sind Muhamedaner, Christen und Juden einträchtig vereinigt. Das Parkament zählt 177 Muhamedaner, 48 Christen und 3 Juden. Die Nationalitäten sind noch zahlreicher als im österreichischen Reichsrat. Zum Erdbeben=Unglück in Süd=Italien. (vergl. den Artikel im 2. Blatt) verzeichnen wir noch folgende Meldungen: Mailand, 1. Jan. Die Einzelberichte, die heute über das Erdbeben vorliegen, öbersteigen die kühnsten Phantasien und erinnern an die Schrecken der Hölle. Ein Hilfszug drang bis Bagnara vor. Weiter vorzudringen war nicht möglich. Die Ueberlebenden sind ohne Dach dem Regen und Kälte ausgesetzt, es fehlt an Lebensmitteln und Aerzten, viele Verwundete sterben unter großen Qualen. Auch aus Catania wird gemeldet: Die ausführlicheren Nachrichten aus Messina entrollen ein immer schrecklicheres Bild. Ueber dem Trümmerfeld liegt nachts tiefe Dunkelheit, die nur durch die Scheinwerfer der auf der Reede liegenden Schiffe durchbrochen wird. Es fehlt auch an Wasser. Die Mannschaften der italienischen, englischen und russischen Schiffe sind unermüdlich am Rettungswerke tätig. Ueberall liegen Tote, Verwundete und menschliche Gliedmaßen umher, und ein unerträglicher Verwesungsgeruch fängt an, sich bemerkbar zu machen. Neapel, 1. Jan. Auf allen Bahnlinien, die südwärts fuhren, sieht es wie in Kriegszeiten aus. Die Bahnhöfe sind überall überfüllt; die Züge können nur zumteil Passanten befördern. Tausende von Soldaten sind zur Hilfeleistung unterwegs. Neapel ist wie im Taumel; der Lärm und die Geschäftigkeit haben sich noch verzehnfacht. Tausende beleben den Hafen und die Schiffsbureaus, um nach Messina, wo Hungersnot herrscht, zu gelangen, aber es gehen nur wenige Schiffe und unregelmäßig. Im Hafen spielen sich stürmische Szenen ab, überall sind Leute, welche ohne Nachricht von ihren Verwandten sind. Sie wollen gewaltsam auf die Schiffe, aber es ist alles vergeblich. Reggio, 1. Jan. 18 Gemeinden der Provinz und mehrere Dörfer sind vollkommen zerstört. Catania, 2. Jan. Die Aenderung der Küstenformation von Sizilien und Calabrien ist noch gar nicht in ihrem vollen Umfange abzusehen. Das allen Sizilien=Reisenden bekannte Kap Faro ist verschwunden, an seiner Stelle befindet sich eine Meeresbucht. Diejenigen der Ueberlebenden, die durch die Straße von Messina kamen, geben schreckenerregende Erzählungen wieder. Sie sahen ganze Gruppen nackter Leichname, die von der Ebbe ins Meer hinausgespült worden waren. Die Hilfsaktionen. Hamburg, 1. Jan. Der Kaiser hat an die HamburgAmerika=Linie das Ersuchen gerichtet, mit dem am 5. Januar abgehenden Dampfer„Illyria“, der zur Beförderung von Liebesgaben nach Sizilien bestimmt ist, sechs Döckersche Baracken mitzunehmen, die als Geschenk des Kaisers für die notleidende Bevölkerung bestimmt sind. Frankfurt a. M., 2. Jan. Die Handelskammer stellte 20000 Mark für die durch das Erdbeben Verunglückten zur Verfügung. Washington, 1. Jan. Die Regierung erwägt die Entsen dung der gesamten Atlantischen Flotte zur Hilfeleistung nach Messina und den anderen heimgesuchten Häfen. Die Flotte ist Sonntag in Port Said fällig. Männergesang zu pflegen, und er wird sicherlich noch manchen schönen Erfolg zu verzeichnen haben und unter den Gesangvereinen unserer Stadt stets einen ehrenvollen Platz einnehmen. Zwei gute Hilfstruppen hatte der Verein in den Solisten Frl. Schulte=Dortmund(Sopran) und Herrn Dietsch=Dortmund (Tenor) gefunden. Mit einer zwar nicht sehr großen, aber angenehm und sympathisch klingenden Stimme sang die Dame die große Arie aus„Mignon“ von Thomas, sowie die Ballade des„Glockentürmers Töchterlein“ von Löwe und als Zugabe das bekannte„Wiegenlied“, von Mozart, und fanden ihre Vorträge, welche von der hohen künstlerischen Ausbildung der Sängerin beredtes Zeugnis ablegten, ein sehr dankbares und beifallsfreudiges Publikum. Der Tenorist Herr Dietsch aus Dortmund gab gleichfalls sein Bestes, wenngleich die Bezeichnung Heldentenor, wie es auf dem Programm hieß, für ihn doch wohl nicht zutreffend ist. Der Sänger verfügt zwar über ein wohlausgeglichenes Organ und beherrscht den„Freischütz"=Saal bis in den fernsten Winkel, aber wir haben doch schon bessere Sänger am„Freischütz“ gehört, die sich nicht„Heldentenor" nannten. Das Programm des Sängers scheint auch nicht besonders reichhaltig zu sein, denn er sang genau dieselben Sachen, wie beim Volksliederabend des Gesangvereins„Cäcilia" am 26. Oktober am Freischütz, nur mit dem einen Unterschied, damals mit Klavierbegleitung, jetzt mit Orchester. Immerhin war der Vortrag des„Seeräuber“ v. Gumbert eine weit über das Durchschnittsmaß hinausgehende Leistung und der Beifall des Publikums ein wohlverdienter. Der Vierte im Bunde, Herr Kapellmeister Betzel mit seiner Künstlerschar, hat sich gestern selbst übertroffen. Sowohl die Fantasie aus Verdis„Troubadour“, wie auch die Ouvertüre zur Oper„Fra Diavolo“ von Auber zeigten das Orchester auf einer solchen Höhe künstlerischer Leistungsfähigkeit, die dem Leiter der Kapelle das allerbeste Zeugnis ausstellte. Und über die Begleitung zum„Barbarossa“ ein Wort verlieren, hieße „Eulen nach Athen tragen". Jedenfalls wird das Betzelsche Orchester gestern zahlreiche neue Freunde zu den alten hinzugewonnen haben und sicherlich noch recht oft ein gern gesehener Gast in den hiesigen Konzertsälen sein. Nach Schluß des Konzerts hatte die tanzfrohe jüngere und auch ältere Welt noch Gelegenheit, Göttin Terpsichore noch einige Stunden zu huldigen, welches auch in ausgedehntem Maße besorgt wurde. K.— Aus Stadt und Umgebung. Konzert des M.=G.=V.„Quartett Das gestrige Neujahrs=Konzert des M.=G.=V.„Quartett“, welches imlaufe der letzten Jahre zu einer ständigen Erschein ung im Musikleben unserer guten Stadt geworden ist, so daß man sich den Neujahrstag ohne das Konzert des„Quartett“ kaum noch vorstellen kann, hat einen überaus glänzenden Verlauf genommen und dürfte bei dem recht zahlreichen Publikum noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. Das gestrige Konzert war noch insofern von besonderer Bedeutung für den Verein, als derselbe imlaufe dieses Sommers zweimal den Dirigenten gewechselt hat und dieses immerhin nicht ohne Einfluß auf die Leistungsfähigkeit eines Vereins ist. Die dieserhalb mehrfach gehegten Befürchtungen hat der „Quartett"=Verein jedoch gestern vollständig zerstreut. In dem Musiklehrer Krüger=Dortmund hat der Verein einen Leiter gefunden, der gleich seinem langjährig erprobten Vorgänger Herrn Klempt das schöne Material des Vereins voll auszunutzen versteht und den Verein sicherlich vorwärts bringen wird. Gefreut hat es uns, daß auch beim gestrigen Konzert des„Quartett“ alte Volksweisen in so ausgedehntem Maße zur Geltung kamen. Außer dem prächtigen Chor„Barbarossa“— übrigens ein alter Bekannter des Schwerter Publikums—, den der Verein mit Orchesterbegleitung zum Vortrag brachte, haben das leider so wenig von unseren Gesangvereinen gepflegte „Sonntagslied“ von Kreutzer, die„Hymne an die Nacht“ von Beethoven und die„Zwei Blümelein“ von Schrader den wärmsten und nachhaltigsten Beifall gefunden. Möge der Verein „Quartett“ fortfahren, in der bisherigen Weise den edlen Schwerte, den 2. Januar 1909. Das ist der Liebe schönstes Recht, Daß sie verzeihet und vergißt. Der liebt nicht treu, der liebt nicht echt, Der diese Tiefe nicht ermißt. R. Prutz. **(Die Silvesternacht) ist, abgesehen von der unsinnigen Schießerei, ruhig verlaufen. Im Familienkreise, sowie in den Restaurationslokälen waren überall fröhliche Menschen um die dampfende Punschbowle versammelt, und als die ersehnten 12 Glockenschläge durch die Stille der Nacht tönten, sah man überall die schon so oft geschauten Bilder: Feierliches Erheben der Gläser und Händeschütteln, dabei„Prosit Neujahr"=Rufe. Die Post hatte gestern und heute eine riesenhafte Arbeit zu bewältigen. Hoffen wir, daß alle zum Jahreswechsel gehegten Wünsche in Erfüllung gehen! **(Das alte Jahr ist vorbei.) Die Menschheit macht's mit ihm wie mit den alten, abgetragenen Gegenständen und wirft 1908 in die Rumpelkammer des Vergessens. Ein wenig Pietät, die man früher so hoch hielt, wird ja heute oft für überflüssig erachtet, und an dankbare Verpflichtungen erinnern sich erst recht nicht alle Leute gern. Wir denken nur an die Zukunft, vergessen aber ganz, daß wir ohne die Vergangenheit nicht bis zur Gegenwart hätten kommen, geschweige denn die Zukunft gewinnen können. Wir wollen es zugestehen, 1908 ist kein angenehmes Jahr gewesen, es hat den Nerven viel zugemutet; aber auch da muß betont werden, daß die Nerven der modernen Generation dem Genuß und der Sensation viel besser gewachsen sind, wie der Arbeit, die doch eigentlich gerade die Nerven stählen soll. Und darum ziehen wir von dem vermeintlichen Schuld=Konto von 1908 lieber ein Stück ab und buchen es auf die Seite der Vorurteile und Irrungen und Wirrungen von uns Menschen, die wir alle den Kopf recht hoch tragen möchten, aber darüber vergessen, ihn alle tüchtig zur ausdauernden bürgerlichen Arbeit zu senken. In einer Zeit, wie die unsrige es nun einmal ist, fluten Ansprüche und Forderungen wild durcheinander. Die Existenz des selbständigen Bürgers ist nicht leicht, der Beamte klagt über ungenügende Verhältnisse, und auch an den Stellen, wo die Millionenströme fließen, wird über verminderte Konjunktur geklagt. Steigende Ausgaben, geringere Einnahmen oder sinkenden Gewinn, das ist's, was fast überall dem alten Jahr zum Vorwurf gemacht wird, ohne daß willig die Mahnung ausgenommen würde, die in diesen Tatsachen liegt, nicht die Zeit umformen zu wollen, denn das kann niemand, wohl aber, uns selbst zum Einlenken zu zwingen. Gewiß, es ist nicht zu leugnen, gerade der deutsche Nährstand hat fleißig gearbeitet, aber auch die moderne Unternehmung macht sich mehr kühn, als solide, breit, und auch unsere deutschen wirtschaftlichen Verhältnisse wirken wieder viele fremde ein. Da geht's denn nicht so, wie es sollte und müßte. Aber auch von künstlich gezüchteten gesteigerten Genüssen und künstlich erhöhtem Luxus wird nicht mit Unrecht gesprochen, und davon können wir unbeschadet der traulichen Behaglichkeit getrost eine ganze Menge ausschalten. Auch der imitierte Luxus ist für uns zu teuer und außerdem ist er nicht deutsch. Aber Strafpredigten bringen uns am Ende das alte Jahr nicht wieder näher, denken wir für 1909 an rechte Taten. Führer und Vorbilder fehlen uns, wie wir ja alle wissen, nicht, wir brauchen dabei nur auf das Sein zu achten, nicht auf den Schein. Und damit sei für uns alle der Wunsch ausgesprochen nach einem rechten glückseligen Jahr! **(Die Witterung im Januar) soll sich dem hundertjährigen Kalender nach, der in unserer heutigen Zeit allerdings kaum mehr ernst genommen wird, während der ersten sechs Tage kalt und trübe, vom 7. bis 11. aber ziemlich schneereich gestalten. In der Zeit vom 13. bis 21. dürfte mit größerer Kälte, am 22. und 23. aber mit Schneefällen und Stürmen zu rechnen sein. Klare und kalte Tage stehen vom 24. bis 28. in Aussicht, während zum Monatsschluß wieder windiges, schneereiches Wetter zu erwarten ist.— Bruno Bürgel, der bekannte Meteorologe, der in die Fußstapfen Rudolf Falbs getreten ist, prophezeit für die erste Hälfte des Januar trübe, feuchte und verhältnismäßig warme Witterung. Mit Beginn der zweiten Hälfte des Monats dürfte alsdann kältere Temperatur einsetzen und im Gebirge Schnee fallen, hierauf aber soll es um den 20. klar und sehr kalt werden. In den letzten Tagen des Januar tritt dann nach Ansicht des Gelehrten wieder zunehmende Bewölkung ein, die Schnee und Regen mit sich führt. Den 6. Januar bezeichnet Bürgel als einen kritischen Tag von nur untergeordneter Bedeutung, im 22. Januar hingegen erblickt er einen kritschen Termin erster Ordnung, dessen Einfluß sich schon einige Tage vorher geltend machen dürfte. **(Statistisches aus den evang. Gemeinden.) In der größeren evangelischen Gemeinde wurden, wie am Schluß des gestrigen Gottesdienstes bekannt gegeben wurde, im vergangenen Jahre 331 Kinder getauft, nämlich 169 Knaben und 162 Mädchen; die Taufziffern des Vorjahres betrugen 153 Knaben und 164 Mädchen, insgesamt 317. Es starben 130 Personen, nämlich 69 männlichen und 61 weiblichen Geschlechts; das Jahr 1907 brachte 132 Sterbefälle. Die Zunahme der Gemeindeziffer betrug im Jahre 1908 also 201 Seelen. In den Konfirmationsterminen wurden zusammen 124 Knaben und 103 Mädchen gegen 85 Knaben und 102 Mädchen des Jahres 1907 konfirmiert. Den Bund fürs Leben schlossen am Altar 78 Paare gegen 82 des Jahres 1907. Die Zahl der Abendmahlsgäste betrug unter Einschluß von 69 Hausausteilungen insgesamt 2563, nämlich 1143 männliche und 1420 weibliche Teilnehmer gegen 953 Männer und 1316 Frauen des Vorjahres.— In der reformierten Kirche wurden im Jahre 1908 getauft 51 Knaben und 51 Mädchen; die Gesamtzahl von 102 ist damit um eins höher als im Jahre 1907. Es starben 43 Personen; die Zahl der Todesfälle übertrifft das Vorjahr also um 19. Getraut wurden 20 Paare, also 8 weniger als im Jahre 1907. Am heiligen Abendmahl nahmen 332 männliche und 384 weibliche Erwachsene, insgesamt 57 Personen weniger als im Vorjahre teil. Konfirmiert wurden am Palmsonntag 33 Knaben und 37 Mädchen, also 10 mehr als im Jahre 1907. Das Wachstum der Gemeinde betrug, soweit die Geburts= und Sterbeziffer zur Vergleichung gelangen, während des Jahres 1908 nur 59 Seelen gegen 77 des Jahres 1907. **(Hufbeschlag=Lehrschmiede zu Dortmund.) Nachdem der 11. Kursus am 23. Dezember seinen Abschluß gefunden hat und den Prüflingen das Zeugnis ausgestellt werden konnte, nach dem sie berechtigt sind, das Hufbeschlaggewerbe selbständig auszuüben, liegen bereits wiederum Anmeldungen vor zur Eröffnung des neuen Kurfus am 4. Januar 1909 vormittags 12 Uhr. Weitere Anmeldungen zum 12. Kursus werden bis zum 11. Januar in der Lehrschmiede entgegengenommen. Für die Prüfung des 12. Kursus ist der 31. März festgestellt worden. *(Streut Asche!) Infolge des plötzlich eingetretenen Witterungswechsels sind die Straßen und Bürgersteige außerordentlich glatt geworden und schwer zu passieren. Mehrere Personen haben bereits unangenehme Bekanntschaft mit Mutter Erde gemacht; in der Moltkestraße kam eine ältere Frau Horn so unglücklich zu Fall, daß sie einen Beinbruch erlitt und mittels Krankenwagen fortgeschafft werden mußte. Auch sind bereits verschiedene Pferde gestürzt. Wir richten daher an alle Bürger die dringende Bitte: Streut Asche! **(Kirchen=Konzert.) Wir wollen nicht unterlassen, unsere musikliebenden Kreise nochmals auf das morgen(Sonntag) nachmittag in der großen evangelischen Kirche stattfindende Konzert aufmerksam zu machen. Die Namen der Mitwirkenden Frl. Graeve(Alt), Herr Musikdirektor Holtschneider(Orgel) und Herr Konzertmeister Schmidt=Reinecke(Geige), sowie das aufgestellte Programm verbürgen einen selten hohen künstlerischen Genuß, den sich kein Musikfreund entgehen lassen sollte. *(Aus der kathol. Gemeinde.) Im Jahre 1908 waren insgesamt 215 Taufen, 45 Trauungen und 96 Sterbefälle zu verzeichnen. Im Vorjahre belief sich die Zahl der Taufen auf 220, die der Trauungen auf 36 und die der Sterbefälle auf 85. 20 000 hl. Kommunionen wurden ausgeteilt. **(Die Allg. Kranken= und Sterbekasse) veranstaltet am morgigen Sonntag eine kleine Weihnachtsfeier mit Verlosung im Lokale des Herrn Potthoff. **(Militärpflichtige) seien auf die Bekanntmachung in heutiger Nummer, die Militär=Aushebung betreffend, noch besonders aufmerksam gemacht. **(Am Freischütz) findet am morgigen Sonntag MilitärKonzert statt. Die Musik wird von der Kapelle des 7. FeldArtillerie=Regiments aus Wesel ausgeführt, welche mit einem sehr reichhaltigen und abwechselungsreichen Programm aufwartet.(S. auch Ins.) **(Tötlicher Unfall.) Für die Familie des Arbeiters Jakob Furlan, Rosenweg wohnhaft, ist der Beginn des neuen Jahres ein tieftrauriger. Furlan, ein Mann von ca. 36 Jahren, wollte in der Neujahrsnacht seine entlaufene Katze zurückholen, kam auf der Treppe seiner Wohnung zu Fall und brach das Genick, so daß der Tod augenblicklich eintrat. **(Unter äußerst zahlreicher Beteiligung) wurde gestern Nachmittag der so jäh aus dem Leben geschiedene Uhrmacher Kaufhold zu Grabe getragen, namentlich fiel die große Beteiligung des Kriegervereins auf. Der Vater des Herrn Kaufhold ist gleichfalls einem Schlagfluß erlegen; er starb während des Gottesdienstes in der alten kathol. Kirche. **(Ein kleiner Brand) entstand am Donnerstag abend auf der Eisen=Industrie. Um die Wasserleitung vor dem Einfrieren zu schützen, hatte man im Drahtzug einen Koksofen aufgestellt. Derselbe war derart gut geheizt, daß das Dach Feuer gefangen hatte. Durch das tatkräftige Eingreifen der nebenan wohnenden Werksbeamten wurde das Feuer jedoch schnell gelöscht, sodaß ein größerer Schaden nicht entstanden ist **(Plötzlicher Tod.) Der pensionierte Bahnbeamte Braun, allgemein als Kriegervereinsbote bekannt, welcher erkrankt war, hatte am gestrigen Neujahrstage Besuch von seinem Pa stor. Als der Geistliche das Zimmer verlassen wollte, war Braun, der sich vorher noch lebhaft unterhalten, eine Leiche. **(Großer Schaden) entstand gestern im Schumacher'schen Hause an der Hüsingstraße infolge Platzens der Nohre der Wasserleitung. Das ganze Haus hat durch die Wassermassen as(Beim Silbesterschiehen) wurde der Symmastast Paul 2., welcher bei auswärtigen Verwandten zu Besuch weilte, von einem Schulknaben mit einem Taschenteschin in den Arm geschossen. Die Kugel wurde gestern im hiesigen kathol. Krankenhause aus der Wunde entfernt. Die Verletzung ist nicht besorgniserregend. *(Schwerter Turnverein.) In althergebrachter Weise feiert heute(Samstag) abend der Schwerter Turnverein sein : Nr. 1. Sonnabend, den 2. Januar 1909. 41. Jahrg. Zweites Das Erdheben=Unglück in Italien. Die Unheils=Meldungen aus dem blühenden Sizilien und dem gegenüberliegenden Kalabrien, die am ersten Wochentage von einem fürchterlichen Erdbeben betroffen wurden, das Tausenden von Menschen ihr Leben raubte, einen Besitz von Millionen vernichtete, nehmen kein Ende. Die Bewegungen im ErdInnern dauern fort, kalter Regen fällt hernieder und lähmt die Tatkraft der von Lebensmitteln, oft auch von Kleidung und Obdach entblößten Bewohner bis zum Aeußersten. Schluchzend und betend, mit Heiligenbildern ziehen sie durch die Straßen, und bei dem weiten Umfange der grausigen Katastrophe können die entsandten Soldaten und andere Hilfs=Expeditionen nur langsam vorwärts dringen und helfen. König Viktor Emanuel und Königin Elena, die in diesen Provinzen des Todes jetzt weilen, sind aufs heftigste erschüttert, sie fördern das Rettungswerk wo sie können. Die Todeszahl ist noch immer eine solche, die in die Zehntausende, ja Hunderttausende geht. So viel steht fest, daß in den am meisten heimgesuchten Städten, in dem schönen Messina der zweitgrößten Stadt von Sizilien, und in dem gegenüberliegenden Reggio die ungeheure Wassermenge, welche das Meer ans Land schickte, das Hauptzerstörungswerk vollführte, nachdem das Erdbeben die Fundamente der Häuser erschüttert und die Wände zerrissen hatte. Eine vor Angst halb wahnsinnige Menge lief ziellos in den Straßen umher, während aus den Trümmern das Todesröcheln und die Schmerzensschreie schaurig erklangen. Alle die alten Prachtbauten sind dahin, eine große Reihe der ersten Personen der Stadt ist getötet. Und dann kamen die weiteren Plagen: Die aus ihren Gefängnissen entsprungenen Verbrecher plünderten, wo sie konnten, die Gasanstalt explodierte und verbreitete in den verschonten Stadtteilen ein blutiges Feuermeer, dessen auch der Regen nicht Herr werden konnte. So waren die verzweifelten Einwohner von Messina in einer Bedrängnis, die es begreiflich erscheinen läßt, daß mit Wut von diesen Unglückli chen ums Leben gerungen wurde. Die Behauptungen von großen Schiffsverlusten haben sich erfreulicherweise nicht bestätigt, dagegen sind in dem völlig verwüsteten Hotel Trinacria an 160 Gäste umgekommen, zu zwei Dritteln Engländer und Amerikaner, zu einem Drittel Deutsche, darunter auch verschiedene Hochzeitspaare. Tapfer haben die Matrosen der vor Anker liegenden Kriegsschiffe geholfen. Ist=Messina mehr als zur Hälfte zerstört, so ist das etwa 20 000 Einwohner zählende Reggio verschwunden. Nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl Bewohner hat sich hier aus der ungeheuren Sturmflut zu retten vermocht, die auf den ersten Anprall selbst die ragende Kathedrale zusammendrückte. Lediglich die höher gelegenen Gebäude, an die die Wellen nicht heran konnten, sind zerklüftet und geborsten stehen geblieben. Der Bischof ist unter seinem Hause begraben. Auch vom Militär konnten nur wenige Mann sich retten. Von kleineren sizilianischen Städten ist namentlich der Ort Palmi ernstlich mitgenommen, und so geht das Kilometer für Kilometer in diesem reichen Gebiet. Grauenvolle Angst=Szenen sind in der Schreckens=Nacht vorgekommen. Niemand nahm auf den anderen Rücksicht. Alle dachten sie nur an das eigene Leben. So geschah es, daß Verwundete, die nicht so schnell vorwärts konnten, von den Eilenden einfach in Brand und Schutt hineingestoßen wurden. Die Offiziere der im Hafen liegenden Schiffe, die mit ihren Mannschaften zuerst zu Hilfe kamen, erzählen übereinstimmend, die Gewalt der Katastrophe sei eine derartige gewesen, daß auch beherzten Männern der Mut verging. Die Häuser fielen wie Kartenblätter auseinander, in anderen schrien Menschen aus allen Stockwerken, während züngelnde Flammen bereits das Gebäude umlohten; und die Retter mußten die größte Obacht auf sich selbst verwenden, um nicht von stürzendem Gemäuer erschlagen zu werden. Es herrscht die furchtbare Besorgnis einer Epidemie, die unvermeidlich erscheint, da ein Meer von Schlamm die Leichen in Messina umschließt, und vorläufig keine Aussicht besteht, mit der Leichenbergung zu beginnen. Der Wind treibt auf weite Strecken hin die beklemmenden Ausdünstungen des Leichenfeldes. Der Norddeutsche Lloyd befürchtet, daß an der Küste von Sizilien und Kalabrien Aenderungen stattgefunden haben, und hat deshalb seinen Dampfern Ordre gegeben, bis auf weiteres die Straße von Messina zu meiden.— Aus dem zerstörten Hotel„Trinacria“ in Messina sind mehrere Deutsche gerettet. Der deutsche Konsul ist angewiesen, möglichst bald das Schicksal aller unserer in der Unglücksstadt anwesenden Landsleute festzustellen. Inzwischen hat aber auch die Hilfe Italiens wie von ganz Europa in großartiger Weise eingesetzt. Die italienische Deputiertenkammer in Rom hielt eine Trauersitzung ab, da sich die Abgeordneten von selbst, ohne weitere Aufforderung im Parlaments=Gebäude versammelt hatten. Die Verluste an Besitz werden auf etwa eine Milliarde geschätzt. Teilnahmetelegramme sind von allen Monarchen und Staatsoberhäuptern eingegangen; viele im Mittelmeer anwesende Kriegsschiffe laufen mit Lebensmitteln die heimgesuchten Städte an. Namens der Stadt Berlin übersandte Oberbürgermeister Kirschner mit einem Teilnahme=Telegramm 20000 Mark.=Die deutschen Schulschiffe„Viktoria Luise" und„Hertha“ sind aus Venodig in den sizilianischen Gewässern angekommen. 60000 Mark wurden in Berliner Bankierkreisen bereits gesammelt und sofort abgesandt. Hilfe kommt von allen Seiten. Unter den Trümmern der eingestürzten Städte lagern große Geldsummen. In der sizilianischen Bank in Messina sollen allein 50 Millionen vorrätig gewesen sein. Diese Schätze gegen das Räubergesindel zu schützen, sind sofort Maßnahmen getroffen. Rückblick auf die Schwerter Bautätigkeit im Jahre 1908. Wenn wir, alter Gepflogenheit getreu, auch in der diesjährigen ersten Nummer unserer Zeitung einen Rückblick auf die Bautätigkeit unserer guten Stadt Schwerte während des verflossenen Jahres tun, so müssen wir feststellen, daß das Jahr 1907 eine weit bessere Baulust aufwies, namentlich im Weichbilde unserer Stadt. Die Altstadt ist in diesem Jahre um eine Reihe stattlicher Privat= und Geschäftshäuser reicher geworden. Da ist in erster Linie die imposante, neue Post und die benachbarte neue Apotheke, sowie das geschmackvolle Stein'sche Geschäftshaus mit dem angebauten Restaurant zur Börse zu erwähnen. Durch den Vorbau an dem Stricker'schen Hause Schuhhaus Herz— und dem Ausbau neben der Wirtschaft Färber— Zigarrenhandlung Hagemann— ist der Hüsingtorplatz mit seinen Anlagen vor dem Postgebäude, seinen geregelten Niveauverhältnissen, seiner Pflasterung und seiner elektrischen Bogenlampe ein sehr hübscher Kreuzungspunkt unserer Stadt geworden, auf der sich der von den fünf einmündenden Straßen ergebende Verkehr glatt regelt. Ueber den großen Baum vor der neuen Post, der als alleiniger Zeuge aus dem parkähnlichen Vorgarten der früher Brüggmann'schen Besitzung stehen geblieben ist, ist man in der Bürgerschaft sehr geteilter, Meinung. Viele unserer Mitbürger sind der Ansicht, daß auch er hätte der Axt zum Opfer fallen müssen und dies spätestens in dem Augenblick tun werde, wo die Stadt von einem Passanten, der bei starkem Nebel gegen den bekanntlich im Trottoir stehenden Baum anrennt und Schaden nimmt, haftpflichtig gemacht werden würde. Vorläufig aber steht er noch und träumt von seiner früheren idyllischen Ruhe. An der Bahnhofstraße entstand das prächtige Geschäftshaus des Herrn Wilkes. An hübschen Privathäusern wurden die Villen des Herrn Bauunternehmer Zeuch an der Hagenerstraße und des Herrn Rentner Ludwig Hagemann an der Kampstraße fertiggestellt. An der Königstraße und dem Königsplatz führte Herr Bauunternehmer Luck drei Neubauten im Stile herrschaftlicher Landhäuser auf; an der im Laufe des Jahres fertiggestellten neuen Unterführung der Arnsberger Strecke errichtete Herr Zimmermeister Hanebaum ein schönes Wohngebäude. Zu erinnern ist ferner in der Altstadt an den Erweiterungsbau der höheren Mädchenschule an der Ostenstraße, der zu Ostern bezugsfähig wird und an den in Angriff genommenen Neubau Köster an der Moltkestraße. Außer verschiedenen Um= und Anbauten in der Altstadt sei endlich auch auf die verschiedenen neuen Trottoiranlagen, Beste Bezugsquelle für die Damenschneiderei Beidenbaus m. Wittgensteiner 4810 Dortmund, Westenhellweg III, Fernruf 2228. Durch Kampt Zum Sieg Erzählung aus Schwertes Vergangenheit von F. Hué. 9 Nachdruck verboten. „Die Antwort wirst Du Dir ohne viel Kopfzerbrechen selber erteilen können. Glaubst Du, ich sei gesonnen, dem Boyle ohne Gegenwehr mein Eigentum zu überlassen? Nein, nein, Güntherchen, da täuschest Du Dich gewaltig! Mein Korn soll kein Mehl für Dich geben und meinen Hafer sollen Deine Rosse nicht fressen! Was meine Schwester unterließ, kann ich nachholen. „Richwin, liebster Bruder, stürze Dich nicht in Gefahr! Ich habe ja niemand mehr auf der Welt als Dich allein!“ „Mache mich nicht weich! Auf jeden Fall wirst Du in Irmtrud eine Schwester finden. Sie wird es Dir sein schon um meinetwillen.“—— Mittemnacht war längst vorüber, aber es war noch völlig finster, als Richwin sich auf der alten Straße von Westhofen nach Schwerte, an Haus Ruhr vorüber, dem Heimatdörschen näherte, welches in stiller Ruhe dem Anbruch des neuen Tages entgegenschlummerte. Mit kräftigem Arm durchbrach er— ein sträfliches Beginnen!— das Gebüsch, ein Geflecht von dichten Hagebuchen und Dornen; welches die Grenze des Reichshofes markierte. Ein mäßig hoher Wall und ein Graben, alles zusammen Landwehr genannt, wehrte leichten feindlichen Einbrüchen. Etliche Tore, die des Verkehrs halber gelassen waren, wurden durch Schlagbäume gesperrt. Richwin mied sie, um sein finsteres Vorhaben unbemerkt ausführen zu können. Jetzt stand er vor dem Schwerter Dorfzaun. Mit einem gewandten Sprunge setzte er darüber hinweg. Hätte man damals Streichhölzer gekannt, so hätte er sein Rachewerk ungesäumt beginnen können. Nun aber richtete er seine Schritte zuerst nach seinem verödeten Vaterhause. Vielleicht fand sich in dem Herdloche, worin Abend für Abend die glimmende Holzasche zusammengefegt und mit einem Stein zugedeckt wurde, um am folgenden Morgen zur schnelleren Entfachung des Küchenfeuers Verwendung zu finden, noch ein Fünkchen, woran sich der mitgebrachte Zunder in Brand setzen ließ. Leise wie eine Katze schlich der junge Bauer durch die engen Gassen des Dörschens. Das Glück war ihm anfänglich hold. Kein Hund ließ sich vernehmen. Nur ein paar Eulen in den nahen Wipfeln und eine Nachtschwalbe störten die Stille der Nacht. In den Brüchen des Ruhrtales, das damals größtenteils mit Röhricht überzogen war, quakte der Chor der Frösche ein monotones Lied. Jetzt stand Richwin auf der Schwelle seines Hauses, jetzt bückte er sich vor dem Herde. Alles war kalt, erloschen. „Ich konnte es mir denken,“ murmelte er enttäuscht vor sich hin und tastete an der Wand umher, wo das primitive Feuerzeug jener Zeit hing. Ein Eichenbrett war’s von mäßiger Größe, in der Mitte ein rundes Loch. worin ein Espenpflock paßte. Man versetzte ihn mittelst einer Bastschnur in rotierende Bewegung, bis infolge der durch die Reibung entstandenen Hitze der losgelöste Holzstaub Funken sprühte. Doch eine langwierige, saure Arbeit war es, welche den Schweiß aus den Poren trieb und die Arme erlahmen ließ und dabei kein Ausruhen verstattete. „Endlich,“ stöhnte Richwin nach mehr als einer Stunde, als seine Nase einen brenzlichen Geruch verspürte. Er verdoppelte seine Anstrengungen, bis nach etlichen Minuten einzelne Funken glommen. Rasch legte er den Junder darauf, noch ein paar kräftige Jüge und das Werk war vollbracht. Triumphierend erhob er sich. „Jetzt hüte Dich, Günther von Boyle! Habe ich Dir am Dienstag das Fell gegerbt, so will ich es jetzt dörren, daß Du Deine Lust haben sollst! Wie es Bischof Hatto mit den hungernden Bauern gemacht hat, so soll es Dir geschehen!“ Er suchte und fand ein Gefäß, worin er den Brand transportieren konnte und schickte sich an, dem Haupthofe*) seinen verderblichen Besuch abzustatten. Alter Gewohnheit folgend zog er vorsichtshalber die doppelteilige Haustüre hinter sich zu, als ihn ein paar eiserne Arme umschlangen und mit unwiderstehlicher Gewalt zu Boden schleuderten. Im nächsten Augenblick fielen mehrere Männer mit lautem Geschrei über ihn her. Ein Windlicht tauchte hinter einer Mauer auf und erhellte die nächste Umgebung der nächtlichen Ringszene. „Habt ihr ihn, Jungens?“ kreischte die Stimme Günthers.„Haltek ihn fest, laßt ihn nicht durch, und wenn er sich wehrt, gebt ihm eins über den Schädel!“ *) Cartis genannt in den Urkunden. Die Redenhöfe hießen mansi. Wegeaufbesserungen und vermehrte Beleuchtung einzelner Die hiesigen industriellen Werke haben im verflossenen Jahre auch verschiedene, Ven bekeiten kleineren oder größeren Umfangs nardeutendsten Neubau haben die##—##ie mit dem neuen Walzwerk an Damms-gr und Rosenweg aufgeführt. Dieselbe Firmo rieß am Holzenerwege zwei sehr hübsche Beamtenhäuser erbauen. Daß das Jahr 1908 unserer Stadt die elektrische Beleuchtungsgelegenheit seitens des Kommunalwerkes„Mark“ brachte, darf nicht unerwähnt bleiben. Die Erweiterungsbauten des Bahnhofs Schwerte erreichten nach siebenjähriger Bauzeit ihr Ende, und schon ist der Bahnbau Schwerte=Iserlohn in vollem Gange und größere Neuanlagen, über die wir bereits berichteten, stehen auf angrenzendem Wandhofer Gebiete bevor. Hoffentlich bringt das neue Jahr denn auch den endlichen Beginn der Strecke Schwerte=Dortmund. Im Weichbilde der Stadt Schwerte wurden an neuen Häusern gebaut: Neubau Wittler am Kirschbaumsweg, Bremshey=Schwerterheide, Milchhändler Brenne und Doppelhaus Berlin, letztere beiden am Klusenweg und endlich Neubau O. Homel auf der Kluse. Wie wir eingangs erwähnten, blieb in der Feldmark die Bautätigkeit zurück; die gesteigerten Grundstücks= und Materialienpreise, Arbeitslohn im Bauhandwerk und die niedergehende Konjunktur sind die Ursachen dieser betrübenden Erscheinung. Und auf Grund der jetzigen gedrückten Lage einen besonders hoffnungsvollen Ausblick auf die Bautätigkeit des neuen Jahres tun zu wollen, erscheint uns bei dem Umstande, daß in unserer Stadt sowohl in alten Häusern wie auch in Neubauten manche kleinere Wohnungen und Etagen frei stehen und auch zum 1. April noch nicht vermietet sind, etwas gewagt. Aber gerne wollen wir der Hoffnung Ausdruck geben, daß uns das neue Jahr in dieser Hinsicht Lügen strafen werde. Westfalen und Rheinland. ** Hörde, 31. Dez. Die Reform des höheren Mädchenschulwesens dürfte auch für unsere Stadt einwirkend sein. Die hiesige höhere Mädchenschule besteht bisher als Mädchen=Mittelschule und wird dem innern Ausbau nach den neuen Bestimmungen unterworfen werden müssen. Da eine solchergestalt reorganisierte Schule schwerlich in dem jetzigen Töchterschulgebäude Platz findet, so muß schon aus diesem Grunde ein neues Gebäude dafür errichtet werden, ganz abgesehen davon, daß schon in ihrer jetzigen Gestaltung diese Schule wegen ihrer sehr starken Frequenz nicht länger mit den jetzigen Räumlichkeiten auskommt. Bekanntlich hat die städtische Verwaltung schon vor längerer Zeit einen Neubau an der Tiefestraße ins Auge gefaßt und auch dafür Grundstücksankäufe getätigt. * Hagen, 31. Dez. Zwei ungetreue Arbeitsburschen schädigten einen hiesigen Händler empfindlich. Er hatte sie vor dem Feste zur Aushilfe angenommen. Zum Dank für gewährten Arbeitskohn entwendeten die Burschen für mehrere hundert Mark Wertsachen und nahmen damit französischen Abschied. Es dür te schwer werden die gestohlenen Sachen wieder herbeizuschaffen. * Iserlohn, 31. Dez. Zum Kapitel Theaterelend. Das Personal des hier in dieser Saison seit Anfang Oktober gastierenden Theaterensembles macht in der hiesigen Presse bekannt, daß der Direktor Hans Egbert=Emler ohne Wissen des Personals gestern früh die Stadt heimlich verlassen und nachträglich mitgeteilt habe, daß er die Direktion plötzlich niederlegen müsse. Da für Deckung fälliger Gagen in keiner Weise gesorgt sei, habe das Personal, um die Saison wenn möglich weiter zu führen, aus seiner Mitte eine Verwaltung gewählt, der die Fortführung der Geschäfte übertragen sei.— Zur Erläuterung dieses Vorganges ist mitzuteilen, daß das Theat r in letzter Zeit immer spärlicher besucht war, trotzdem die Leistungen den Verhältnissen entsprechend— ziemlich befriedigend waren. * Witten, 30. Dez. Der strenge Frost in den letzten Nächten hat es zu Wege gebracht, daß die Ruhr Treibeis führt. Der Mühlengraben, ein Seitenarm der Ruhr, ist ganz zugefroren. * Bochum, 31. Dez.(Feierschichten, Lohnkürzungen und Arbeiterentlassungen.) Der Vorstand des alten Bergarbeiterverbandes hat an den Verein für die Bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund in Essen eine Eingabe gerichtet, die sich mit den Lohnabzügen, Feierschichten und Kündigungen auf den Zechen des Ruhrbezirkes beschäftigt. In der Eingabe wird gesagt, daß die schnellen und starken Lohnherabsetzungen, mit denen manche Zechen gerade im Weihnachtsmonat rücksichtslos vorgegangen seien, die Belegschaft und deren Familien in große Aufregung versetzt hätten. Der Vorstand des Bergbaulichen Vereins möge deshalb auf alle Zechenverwaltungen in dem Sinne einwirken, daß die Schichtlöhne in Anbetracht der teuren Lebensmittel garnicht, die Gedingelöhne aber dann nur um ein Geringes reduziert werden, sofern die Kohlenpreise weiter fallen. Ebensolche Aufregung hätten verschiedene Massenkündigungen und die Einlegung von Feierschichten hervorgerufen. Die Belegschaften seien besonders darüber ungehalten, daß auf manchen Zechen Feierschichten und sogar rücksichtslose Kündigungen im Weihnachtsmonat vorgenommen worden seien, während auf anderen Zechen eine ganze Anzahl Ueberschichten gemacht würden. Der Vorstand des Bergarbeiterverbandes bittet, Beschlüsse der Zechenvertreter dahingehend herbeizuführen, daß unvemeidliche Betriebseinschränkungen einheitlich auf alle Zechen des Neviers verteilt, die Bevorzugung einzelner vermieden und von Kündigungen ganz abgesehen werde. Aus Zeit und Welt. Im Zeitalter der Luftschiffahrt. Ein Marburger Ingenieur will ein neues Lenk=Riesen=Luftschiff erfunden haben, das 60 Personen foßt und 150 bis 200 Kilometer in der Stunde zuräcklegt Studentenhumer. Ein Stud. med. in Jena erläßt folgende originelle öffentliche Bekanntmachung: Um der Stätte meiner rastlosen Arbeit näher zu sein(gemeint ist damit die Universität), habe ich meine Wohnung von Paulinenstraße Nr. 11 nach dem unteen Löbdergraben Nr 17 verlegt, was ich meinen lieben Freunden, werten Hoflieferanten und Gläubigern, vor allem aber den so überaus geschätzten Geldbriefträgern hierdurch geziemend zur Kenutnis bringe. Ich gebe mich der angenehmen Hoffnung hin, in meinem neuen trauten Heim von den letzterwähnten Herren recht oft, von meinen werten Gläubigern aber möglichst selten aufgesucht zu werden, und möchte diese Herren auch bitten, Ware stets nach meiner neuen, Rechnungen dagegen no Mahnbriefe ruhig weiter nach meiner und besoyda leerstehenden Wohnung senden zu wollen. Präsident Castro ist aus der Privat=Klinik des Professors Israel wieder in seine erste Etagen=Wohnung im Hotel Esplanade in Berlin übergesiedelt. Er wird dort von dem Professor der eine Operation in der Tat nicht für nötig befunden hat, weiter behandelt. Nur strenge Diät muß er halten. Castro hat sich in sein Schicksal,„entthront“ zu sein, gefunden. Er hat davon gesprochen, dauernd seinen Wohnsitz in Berlin aufzuschlagen, sich aber noch nicht definitiv bisher gebunden. Wenn ihm Berlin nur nicht„zu solide“ ist. Der Letzte von den Generalen, die 1870 bei der Mobilmachung gegen Frankreich als Generale ins Feld rückten, lebt nach dem am 9. November erfolgten Tode des 87 jährigen Generals von Strubbeg nur noch der Generalleutnant Graf Siegmar zu Dohna=Schlobitten, der soeben, am 29. Dezember, in Berlin 90 Jahre alt wurde. Besonders in den Schlachten an der Hallue und bei Saint Quentin trat er rühmlich hervor. Als Kommandeur der 13. Kavallerie=Brigade zu Münster trat er 1873 mit dem Charakter als Generalleutnant in den Ruhestand Der verdiente General ist ein Enkel Scharnhorst's, des berühmten Neorganisators der preußischen Armee im Jahre 1807. Scharnhorst fiel 1813 bei Prag. Briefkasten. Doktor. Was Sie suchen, bietet Ihnen„der Guckkasten" buntillustrierte Zeitschrift für Humor, Kunst und Leben, Herausgeber Paul Keller. Preis pro Quartal Mk. 2.—. Rose=Verlag, Berlin S. W. 48. Der Guckkasten verspricht eine wirksame Konkurrenz zu werden für die in ihrem übrigen Inhalt so nutzlose „Jugend". Der Guckkasten darf in anständiger Familie aufliegen. FlanOs I. eln Fisgel, Narmonlume, mit geld. Medalllen von unübertrufener Qualish. s eeste bent direk: Freis zans steht, lisfers enr 20 Mark an überall bis franke sur Prebe. Langjäbrige Geraniie. JebresKatalege gratie und Prenke. verhauf über 1000 Instrun Roth& Junlus Panstabrs I. W. J. 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Bekanntlich hatte die vor einigen Wochen getätigte Wahl des Landwirts Naust zum Vorsteher nicht die Bestätigung gefunden, so daß eine Neuwahl erforderlich war. Westfalen und Rheinland. * Münster, 1. Jan.(Großfeuer.) In dem Gebäude der Landesversicherungsanstalt für die Provinz Westfalen brach gestern vormittag Großfeuer aus. Der Dachstuhl wurde vollständig zerstört. Das dritte Stockwerk ist ausgebrannt und das zweite Stockwerk stark beschädigt. Sämtliche auf dem Dachstuhl verwahrte Akten sind vernichtet, außerdem ein großer Bestand der im dritten Stockwerk liegenden General= und Rentenakten. Die Entstehung des Feuers ist unbekannt. Die brennenden Papierschnitzel rieselten in einem förmlichen Aschenregen über die Altstadt nieder. * Aus dem Münsterlande. 31. Dez.(Eineunangenehme Ueberraschung) erfuhr ein Landmann aus einer Bauerschaft im Münsterlande, der mehrere an einen Händler verkaufte Schweine abgeliefert hatte. Der Händler bezahlte ihm in einer Wirtschaft den abgemachten Betrag von 400 Mk. aus. Bevor der Landmann den Betrag einsteckte, wurden die Pferde vor seinem Wagen unruhig und er und der Händler eilten hinaus, die Pferde zu beruhigen und festzubinden. Nachdem dieses erledigt war, ging der Landmann ins Haus zurück, um nunmehr das Geld einzustecken; aber o wehl der ganze Verkaufs preis war verschwunden. Alle Nachforschungen nach dem Dieb waren erfolglos, sodaß der Landwirt wohl das Nachsehen haben dürfte. * Solingen, 29. Dez.(Polizeihund Roland aus Hagen.) Der an einem Förster im hiesigen Kreise verübte Mord scheint sich aufzuklären, dank der wertvollen Hilfe, die der Polizeihund Roland aus Hagen leistete. Der Hund nahm sowohl an der Leine als später auch allein die Fährte nach den Dörfern Baumberg und Berghausen auf, wo er vor dem Hause bekannter Wilddiebe Halt machte. Es wurden 5 Personen in Haft genommen, unter denen man den Mörder bestimmt vermutet. * Düsseldorf, 31. Dez.(Roheit.) Die hiesige Strafkammer verurteilte einen Kaufmann, der einen Hund in grausamer Weise gemartert und schließlich noch lebend begraben hatte, zu 6 Wochen Gefängnis. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 3. Januar: Bewölkt, kalt, Schneefälle, windig. 4. Januar: Vielfach heiter, strenger Frost, starker, rauher Wind. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Peovinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Bei Lungenleider, Katarrhen, Keuchhusten, Insluenza verordnen die meisten Professoren und Aerzte jetzt nur noch Dr. Fehrlins Histosan, denn dieses neue Präparat ist nach Untersuchungen am Institut zur Erforschung der Infektionskrankheiten in Bern und nach vielfachen Erfahrungen in Krankenhäusern und Sanatorien (z. B. in den berühmten Heilstätten von Davos, Arosa, Leysin, Bozen, Meran, Abbazia usw.) ein wirklich ausgezeichnetes, ganz auffallend günstig wirkendes Mittel gegen die genannten Krankheiten. Besonders auffallend ist, wie schnell sich das Aussehon der Patienten ändert. Die blasse kränkliche Farbe verschwindet schon nach einigen Wochen, der Körper erhält ein frisches, gesundes Aussehen und der Patient fühlt wieder neue Arbeits= und Lebenslust. Nach den neuesten Verössentlichungen der Universität Genua beruht die prompte und außerordentliche Wirksamkeit des Histosans auf einer gründlichen Sanierung des Blutes u. der Gewebesäfte, wodurch der erkrankte Organismus schnell in einen Zustand versetzt wird, in welchem dann die Natur eingreisen und die völlige Genesung herbeiführen kann. Histosan(Guajacoleiweißverbindung D. R. P. 162,656 ist nirgends offen nach Maß oder Gewicht, sondern nur in Originalflaschen zum Preise von Mk 3.20 in Apotheken vorrätig Wo es nicht erhältlich ist. kann es portofrei von Dr. Fehrlin's Filiale in Singen a. H., Hegaustraße Nr. I/29 bezogen werden. In Schwerte bei Herr Apotheker Werth. 16 Letzte Drahtmeldungen. Attentatsversuch auf Clemenceau. Paris, 2. Januar.. Im Hofe des Ministeriums des Innern wurde gestern ein Mann verhaftet, der mehrere Revolverschüsse in der Richtung des Dienstzimmers Clemenceaus abgegeben hatte. Der Mann ließ sich ohne Widerstand verhaften. Das deutsche Hilfskomitee für Süd=Italien. Berlin, 2. Jan. Der von dem Deutschen Hilfskomitee angeregte Gedanke einer einheitlichen und tatkräftigen Hilfeleistung des deutschen Volkes hat in allen Teilen des Reiches lauten Wiederhall gefunden. Fortwährend laufen neue Beitrittserklärungen der angesehensten Männer Deutschlands ein. Auch sind bereits von den verschiedensten Seiten große Mengen von Kleidungsstücken und Decken dem Komitee angeboten. Außerdem sind dem Komitee größere Geldsummen bereits zugeflossen und viele hohe Beträge in Aussicht gestellt. Um die Einheitlichkeit der Hilfsaktion des deutschen Volkes zu wahren, haben die deutschen Großbanken beschlossen, die eigenen Beiträge nur dem Hilfskomitee zuzuwenden. Aus Südwestafrika. Berlin, 1. Jan. Nach den an amtlicher Stelle eingetroffeneu neuesten telegraphischen Nachrichten aus Südwestafrika ist die Lage im Süden unverändert. Um die Rückkehr der auf englisches Gebiet übergetretenen räuberischen Hottentottenbande zu verhindern, sind zurzeit drei Kompagnien, ein Maschinengewehrzug und eine Batterie des Südbezirks längs der Grenze bereitgestellt. Major Bärecke beabsichtigt in den nächsten Tagne die Karrasberge mit den verfügbaren Truppen gründlich abzusuchen. 1 Million unterschlagen. Petersburg, 2. Jan. Der Direktor der großen kaspischen Maschinenfabrik, namens Israelssen, ist nach Unterschlagung von 400000 Rubeln, gleich einer Million Mark, durchgebrannt. Die Fabrik wurde geschlossen. Vom Erdbeben=Unglück. Palermo, 2. Jan. Der Dampfer„Umberto“ ist mit 500 Ueberlebenden aus Reggio hier eingetroffen. Unter diesen Flüchtlingen sind 500 Verwundete. Der Kapitän erklärte, er habe in Reggio gesehen wie die Geretteten vor Hunger ihre Hunde töteten und sie verzehrten. Rom, 2. Jan. Der König von Italien hat an den Ministerpräsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem er seinen Schmerze über das Unglück Ausdruck giebt. Der Rettungsdienst in Reggio sei gut geregelt.— Seit heute regnet es nicht mehr. Theater=Spielplan. Stadttheater Dortmund. Sonnabend, 2. Jan., 3,30 Uhr: Hänsel und Gretel. MärchenOper in 3 Bildern von Engelbert Humperdinck.— 7,30 Uhr: Die Jüdin. Große Oper mit Ballet in 4 Aufzügen von F. Halevy. Sonntag, 3. Jan., 3,30 Uhr: Goldfische. Lustspiel in 4 Aufzügen von Franz v. Schönthan und Gustav Kadelburg. 7,30 Uhr: Samson und Dalila. Große Oper mit Ballet in 3 Aufzügen von Camille Saint=Saens. Stadttheater Barmen. Samstag, 2. Jan., 3 Uhr: Die sieben Raben. Phantastisches Weihnachtsmärchen.— 7,30 Uhr: Die Näuber. Schauspiel in 5 Akten von Fr. v. Schiller. Sonntag, 3. Jan., 3 Uhr: Ein Walzertraum. Operette in 3 Akten von Oskar Straus.— 7 Uhr: Ein Wintermärchen. Große Oper in 3 Akten von Carl Goldmark. Montag, 4. Jan., 8 Uhr: Margarethe(Faust). Große Oper in 5 Akten von Ch. Gounod. Heute Morgen 11½ Uhr starb sanft und gottergeben nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, und Onkel, der Eisenbahnschaffner a. D. Wilhelm Braun unerwartet im Alter von 58 Jahren und 9 Monaten. Dieses zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an. Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Ampen, Schwerterheide, Ergste, den 1. Januar 1909. Die Beerdigung findet Montag, den 4. Januar. nachmittags um 2 Uhr vom Sterbehause Mühlenstrasse 26, aus statt. 32 Gottesdienste. Evangelisch=reformierte Gemeinde. Sonntag 9½ Uhr: Pastor Terberger. Versammlg. der Konfirm. Evangelisch=lutherische Gemeinde. Sonntag 9½„ Pastor Wischnath. 11 Uhr: Kindergottesdienst. 2„ Gottesdienst in der Schule zu Eichholz. Vereine und Versammlungen. Dienstag 8 Uhr: Jungfrauen=Verein. Mittwoch 2„ Missionsverein. Donnerst. 8„ Bibelstunde in der kl. Kirche. Past. Terberger. Freitag 8½„ Vorbereitungsstunde. Evangelische Stadtmission, Schwerle, Kuhstraße 7. Sonntag morgens 8 Uhr: Blaukreuzverein. Sonntag, 3. Januar 1909 nachm. 3 Uhr: Gemeinschaftskonferenz. Von Montag bis Samstag jeden Abend 8½ Uhr: Gebetsstunde. (Internationale Gebetswoche.) Evangelischer Männer= und Jünglingsverein Schwerte. Sonntag, 3. Januar abends 8 Uhr: Vereinsstunde. Von Montag bis Samstag jeden Abend 8½ Uhr: Gebetsstunde. Westhofen. 1 Sonntag Epiph.(3. Jan. 1909.) Vorm. 10 Uhr: Predigtgottesdienst, nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Gottesdienstordnung der katholischen Pfarrkirche. Sonntag, den 3 Januar 1909. Vormittags. Stille hl. Messe. Kaplan Riecke. Frühmesse mit Predigt. Dr. Rensing. 6½ Uhr: 7¼" 9„ 10¼ Schulmesse mit Predigt. Hochamt mit Predigt u. Segen. Nachmittags. 2½ Uhr: Andacht. 3 Uhr: Marien=Verein. Lichtendorf. ½8 Uhr: Frühmesse. Vikar Böddiker. 10 Uhr: Hochamt m. Predigt. Nachm. 2 Uhr: Andacht. Meine 27 Verlobung mit Frl. Christine Duisdicker ist aufgehoben. Brauer. Tüchtiges Madchra, evang., 14—16 Jahre, bei gutem Lohn auf sofort nach Vohwinkel gesucht. 6389 Näheres Märkischestraße 1, erste Etage. Allen Freunden und Bekannten die besten Glückwünscbe zum neuen Jahre! Familie Christ, 1 Tübingen. HackelänerVereinig. Schwerte. Zur Teilnahme an der Beerdigung des verstorbenen Kameraden Wilhelm Brann treten die Mitglieder am Montag, den 4. d. Mts., mittags 1 Uhr im Vereinslokal(Aug. Michel) an. Beerdigung ist 2 Uhr. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 34 Der Vorstand. NB. Zugleich wird auf die morgen abend 7½ Uhr stattfindende Generalver ammlung aufmerksam gemacht. In meinem Hause Ruhrstr. ist per 1. April 1909 eine Wohnung von 5 Zimmern mit Balkon zu vermieten.„ 20 E. Homel. Einf. möbl. Zimmer sofort gesucht. Offerten mit Preis unt. F. 22 a. d. Geschäftsst. d. Bl. Pfr. Schnurbus. Ein tüchtiges 18 Dienstmädchen mit guten Zeugniffen gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsje der Schwerter Zeitung. Eine 7 Wrhnn. 3 von 2 Zimmer mit Stall sooit zu vermieten. Liethaosse 19 a. Schöne freundliche Wöhnlung 6145 Mittelpunkt der Stadt) 4 großen Zimmern, I. (im von Etage, in bürgerl. Privat. hause an ordentliche Leute zum 1. April oder früher zu vermieten. Wo sagt die Expedition der Schwerter Zeitung. Krieger-Verein Schwerte. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden Wilhelm Braun treten dieVereinsmitglieder am Montag, den 4. Jan. ds. Is. nachm. 1½ Uhr im Vereinslok Schulze-Selmig Im Reiche des Wassers an. Um zahlreiche Beteilig. ng wird ersucht. Schwerte, 2 Jan. 1909. 31 Der Vorstand. Eine Wohnung von 4 ineinandergehenden Zimmern eventl mit vunr zwei BodenJimmern= zum 1. April 1909 zu vermieten. 6343 Carl Weber, Mährstr. 3. In ruhigem Privathause, Kuhstraße Nr. 5, ist eine 6368 abgeschl. Etage von 4 Räumen, eotl. mit Mansarden, auf 1. April zu vermieten. H. Oberhansberg. Staatseisenbahn= Verein Schwerte Eine Wohnung von 3 Zimmern, mit Stallung per 1. April 1909 zu vermieten. 6369 Märkischestr. 19. Wohnung, abgeschl. Etage von 5 Zimmern, Baderaum und sonstigem Zubehör, mit Garten auf sofort oder später zu vermieten. 1.6355 Näheres in der Geschäftsstelle der„Schwerter Zeitung. e. V. 30 Zur Beerdigung des verstorbenen Mitgliedes Bremser a. D. Braun tritt der Verein am Montag, den 4. ds. Mts. um 2 Uhr am Bahnhof an. Der Vorstand. Wohnung 6401 von 3 großen Zimmern mit Zubehör, eventl. auch Bodenzimmer zum 1. 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Da die Erfahrung gelehrt hat, daß sich der Gesuchte die Winter hindurch in fester Stellung zu befinden pflegte, mache ich jetzt nochmals auf den gefährlichen Verbrecher aufmerksam. Wenngleich Sternickel im Zuchthause das Schneiderhandwerk erlernt hat, nehme ich an, daß er sich entweder wieder als Müller oder als ländlicher Arbeiter, vielleicht auch in Steinbrüchen, Ziegeleien, bei Bahn oder Wegebauten ein Unterkommen verschafft haben wird. Ich weise auf seine Liebhaberei für Tauben, seinen Hang zum weiblichen Geschlecht, sowie auf seine Gewohnheit hin, trotzdem er unverheiratet ist, von seiner angeblichen Frau oder Braut und seinen zwei Kindern zu sprechen Er versteht, sich bei seinen Arbeitgebern beliebt zu machen, zeigt Zuneigung zu Kindern und macht in seinem ganzen Auftreten einen sicheren und anständigen Eindruck. Mit seinesgleichen unterhielt er keinen Verkehr; es fällt auf, daß er keine Korrespondenz hat. Sternickel pflegt anzugeben, er habe bei den Kürassieren oder Alanen gedient. Seine polizeiliche Anmeldung bewirkt er pünktlich, aber auf gefälschte Papiere. Seine geringen Habselichkeiten führt er in einem Rucksack oder Pappkarton bei sich und gab mehrfach an, daß sich seine sonstigen Sachen auf der nächsten Bahnstation befänden. Bei den Ermittelungen ist auch auf unbekannte Leichen Bedacht zu nehmen und ebenso hierher Nachricht zu geben, wenn sich polizeiliche Ermittelungsverfahren wegen irgend welcher Straftaten gegen Personen richten, mit denen Sternickel identisch sein könnte, sowie wenn bei den Recherchen festgestellt werden sollte, daß sich irgendwo eine Person, die Sternickel gewesen sein kann, in Stellung befunden und diese unlängst aufgegeben hat. Die Ermittelungen werden erleichtert werden, wenn man sich gegenwärtig hält, daß nur breitschulterige Personen im ungefähren Alter von 40 Jahren, von 1,75 m Größe, mit dunklem Haar und beginnender Glatze,rotblondem Schnurrbart(eventl. auch Kinnbart),blaugrauen Augen, länglichem gesunden Gesicht, vorstehenden Backenknochen in Frage kommen. Sternickel soll im Unterkiefer derart schräg zueinander stehende Zähne haben, daß diese in der Mitte eine kleine dreieckige Lücke bilden. Mit Vorliebe trägt er grünlichen Schlapphut und Joppe. Vergleiche Deutsches Fahndungsblatt Stück 2109 No. 28 vom 1. März 1906 und 2532 No. 20 vom 22. Juli 1907, das diesseitige Ausschreiben vom 14. 11. 1907, welches sich im Besitz jedes Gendarmen befindet. Ich ersuche die Ermittelungen hinter Sternickel, der sich sicher noch im Inlande aufhält, mit allem Nachdruck wieder aufzunehmen und mir von jeder aufgefundenen Spur sofort Mitteilung zu machen. 5946. IV. 55. 08. 6394 Berlin, den 14. Dezember 1908. Der Polizei=Präsident, Abtlg. IV. Preisermässigung! Die noch vorrätige Damen= und Kinder=Konfektion wird zu staunend billigen 8478 197 8 Preisen ausverkauft# K Reparaturen. an Regenschirmen in eigener Werkstatt auch an solchen, welche nicht von mir gekauft sind. prompt und billig.— Auf jede Reparatur kann gewartet werden. Bernhard Feit. Hüsingstrasse 23. 3139 Fernruf 221 „Zentral-Hotel Sternberg — Am Conntag, den 3. Januar 1 b Am Conntag, den 3. Januar 1 * S t r e i c h- K o n z e r t Entree frei! Entree frei! Es ladet ergebenst ein #4 C. Jungesblat.# Wndsehwelnrkeiseh = von Frischlingen empfiehlt billigst O. Op den Winhel. 35 = Katura— teinste Süssrahmmargarine * bester Ersatz für " Landbutter empfiehlt " Carl Trog. Tanz=Unterricht. Eröffne Montag, den 4. Januar, abends 8 Uhr im Gasthof„Jur Helle“ einen 25 neuen Kursus. J. Bartsch, Tanzlehrer. 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Unter Bezugnahme auf§ 25 der Deutschen Wehrordnung vom Mai 1888 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht daß alle Militärpflichtigen, welche sich im hiesigen Verwaltungsbezirke aufhalten, in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar 1909 im Büro des Meldeamts(altes Rathaus Zimmer Nr. 2) sich zur Aufnahme in die Rekrutierungsstammrolle zu melden haben und zwar vormittags. Hierzu gehören: a) männliche Personen, welche im Jahre 1889 im hiesigen Bezirke geboren sind, b) militärpflichtige Personen, welche im Jahre 1889 in anderen Bezirken geboren sind, hier aber ihren Aufenthalt haben. c) Militärpflichtige der älteren Jahrgänge 1886, 1887, 1888. welche noch keine endgüttige Entscheidung über ihre Dienstverpflichtung durch die Ersatz=Behörden haben. 2302 Die unter b gedachten Personen müssen bei der Anmeldung ein Geburtszeugnis(vom Standesamt ausgestellt) vorlegen. Bei Wiederholung der Anmeldung zur Stammrolle ist der im ersten Militärpflichtjahre erhaltene Losungsschein vorzulegen. Außerdem sind etwa eingetretene Veränderungen in betreff des Wohnsitzes, des Gewerbes, des Standes usw. anzuzeigen. Sind die Militärpflichtigen vom Orte ihres Aufenthalts(Wohnsitzes) vorübergehend anwesend, so haben ihre Elteru, Vormünder, LehrBrot=, Fabrikherrn die Verpflichtung, sie bis zum obigen Termin zur Stammrolle anzumelden. 24 Wer die vorgeschriebene zueldung zur Stammrolle oder zur Berichtigung derselben unterläßt, wird gemäß 8 25 U W. O. mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Schwerte, den 31. Dezember 1908. Der Bürgermeister: Nohrmann.