tr den Rreis werch! rr chhmermerr Schwerter Volksblatt D General=Anzeiger für den Kreis hörde D Schwerter Volks-Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Die„Schwerter Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für währt ihren Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: jeden mit Cod 0„Illustrierter Famillenfreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o= fall gemäss Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum ungen 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unihren BedingUnterstützung. Alie kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtso c o o c o verbindliche Rraft. o o o o o e Druck und Uerlag von Carl Braus. Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62. Celegr.=Adresse: Braus, Schwerte-Rudr. Erstes Blatt. Deutscher Reichstag. 153. Sitzung. 4. November, 2 Uhr. Haus und Tribünen sind gut besetzt. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung. Eingegangen sind die Steuervorlagen, ferner Interpellationen der Nationalliberalen, der Freisinnigen, der Konservativen und der Sozialdemokraten über das Kaiser=Interview im„Dailr Das Andenken der verstorbenen Abgg. v. Winterfeld=Mentin v. Kaufmann, Ehrhardt und v. Gersdorff wird in der üblichen Weise geehrt. Auf der Tagesordnung stehen Petitionen. Abg. Fürst Hatzfeldt(Rp.): Ich beantrage, heute nur diejenigen Bittschriften zu erledigen, bei denen voraussichtlich Debatten nicht erfolgen. Dann aber schlage ich vor, daß das Haus sich vertagt, damit die Fraktionen Zeit haben, miteinander in Beratung zu treten...4 err Antunge nicht antt Abg. Singer(Soz.): Ich bitte dem Antrage nicht stattzugeben, da die Petitionen ohnehin schon viel zu schlecht behandelt werden. Petitionen, zu denen aus irgendeinem Grunde keine Wortmeldung vorliegt, dürfen nicht schlechter behandelt werden, als die anderen. Der Vorredner stellt ja die Sache so hin, als ob wir nach den politischen Vorgängen der letzten Tage noch der Sammlung bedürfen und nichts anderes behandeln können. Wir halten diese Dinge gewiß für außerordentlich wichtig, trotzdem ist es richtiger, zuerst unsere Tagesordnung aufzuarbeiten. Abg. Bassermann(ntl.): Ich muß die Anschauung des Vorredners unterstützen. Wenn wir uns bei den Reden Selbstbeschränkung auferlegen, werden wir die Arbeit bald geleistet haben. Wir können ja an geeigneter Stelle einen Vertagungsantrag stellen. Präsident Graf Stolberg: Wir haben bisher immer zuerst die Petitionen erledigt, zu denen keine Wortmeldungen vorliegen, damit möglichst viele Arbeit getan würde. Abg. Spahn(Z.) schließt sich der Ansicht des Präsidenten an. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Uns fehlt es durchaus nicht an Interesse für die Petenten. Wir konnten aber zu den Petitionen noch nicht Stellung nehmen. Abg. Fürst Hatzfeldt zieht seinen Antrag zurück. Nach einer weiteren Bemertung des Abg. Singer endet Eine Erörterung entsey" über Petitionen betreffend die Rechtsverhältnisse der Bureaubeamten bei Rechtsanwälten usw. Die Kommission beantragt: diese Petitionen, insoweit sie eine Besserung der Verhältnisse mit Ausnahme der Lohnverhältnisse verlangen, dem Reichskanzler„zur Berücksichtigung“, insoweit sie die Bildung von Arbeits= bzw. Gehilfenausschüssen anstreben,„zur Erwägung“ zu überweisen, insoweit sie aber eine Besserung der Lohnverhältnisse anlangen, über sie zur Tagesordnung überzugehen. Abg. Linck(ntl.): Es ist unsere Pflicht, endlich einmal den Bureaubeamten zu helfen, die von der Not des Lebens schwer betroffen sind. Die Arbeits= und Kündigungsverhältnisse lassen alles zu wünschen übrig. Der bisher im Bureaubetriebe üblichen Lehrlingszüchterei muß entgegengewirkt werden, schon aus hygienischen Rücksichten. Abg. Raab(W. Ver.) unterstützt die Vorschläge der Kommission. Abg. Dr. Pieper(Z.) bittet, die Petitionen nach den Vorschlägen der Kommission zu erledigen und die Arbeiten möglichst zu beschleunigen. I..). Ee ung Eickerhalt Hn. 2. Abg. Lehmann(Soz.): Es muß Sicherheit für eine sachgemäße Ausbildung der Lehrlinge geboten werden. Auch die elende Besoldung der Schreiber muß aufgebessert werden. Das Haus stimmt den Vorschlägen der Kommission zu. Es folgt die Beratung zweier Petitionen der Landwirtschaftskammern in Kassel und in Königsberg, die die Einführung eines Zolles auf Milch und Sahne im Verkehr mit Dänemark, Schweden, Norwegen und Holland verlangen, und die ferner eine verschärfte hygienische Kontrolle fordern. Die Kommission schlägt vor, den Wunsch auf Einführung eines Zolls als Material und die Forderung einer schärferen Kontrolle zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Glüer(k.) beantragt, beide Telle der Petitionen zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Gothein(Frs. Ver): Wir können uns ja den Scherz leisten und auch den Teil der Petitionen, der einen neuen Zoll verlangt, annehmen. Denn irgendwelche Wirkung hat die Sache ja nicht, da wir ja während der Dauer der Handelsverträge keinen neuen Zoll einführen können. Wie kämen wir aber überhaupt dazu, Dänemark in diesem Punkte die Meistbegünstigung zu entziehen?! Unser Export nach Dänemark hat eine ganz andere Bebeutung, als der Export von dort nach Deutschland. Tatsache ist ferner, daß bei unerer deutschen Landwirtschaft die Steigerung der Kuhhaltung nicht entfernt dem Wachstum der Bevölkerung entspricht. Und das haben unser Agrarier mit verschuldet durch die Zollverteuerung auf: i: Haben Sie ferner jemals gehört, daß die dänische Milch irgendwie gesundheitsschädliche Wirkungen gezeigt habe? heitsschädliche Wirkungen gezeigt habe? Das einzig Richtige ist, daß dieser oberflächlich gemachte Bericht der Kommission nochmals an sie zurückverwiesen wird. Abg. Sievers(ntl.): Wir führen nach Deutschland, sehr viel Milch ein, namentlich aus Dänemark. Unserer Landwirtschaft entsteht dadurch eine große Konkurrenz. Die Einfuhr aus Dänemark ist unnötig, unsere Landwirtschaft kann den Bedarf an Milch durchaus decken. Ich beantrage daher, die Petitionen, auch insoweit sie einen Zoll auf Milch und Sahne fordern, nicht nur als Material, sondern zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Wommelsdorf(ntl.): Durch die Milcheinfuhr, aus Dänemark hauptsächlich, wird unsere Landwirtschaft außerordentlich geschädigt. Ich habe den dringenden Wunsch, daß die Regierung dafür sorge, daß die Zollfreiheit für Milch und Sahne ein Ende erreicht.„. 9 4 Taantrags bie Be Abg. Spahn(Z.): Ich beantrage, die Beratung abzubrechen und den Bericht an die Kommission zurückzuweisen. Ein Antrag Albrecht(Soz.) fordert Uebergang zur Tagesordnung. Das Haus beschließt Zurückverweisung des Berichts an die Kommission. Abg. Spahn(Z.) beantragt nun Vertagung. Der Antrag wird gegen die Stimmen des Zentrums, der Freikonservativen, der Virtschaftlichen Vereinigung und der Polen abgelehnt. Eine Petition des Verbandes deutscher Eisenwarenhändler zu Mainz usw., die Einspruch erhebt gegen die Einführung von Sch ffahrtsabgaben, wird auf Antrag des Abg. Bassermann(ntl.) von der Tagesordnung abgesetzt. Eine Petition von Bergarbeiter=Verbänden erbittet 1. Schutzbestimmungen gegen das sogenannte„Sperrsystem“ in Bergrevieren und 2. gesetzliche Regulierung des die Gesundheit ruinierenden Ueberschichtenwesens. 89— Die Kommission beantragt Ueberweisung zur Berücksichtigung. Nachdem Abg. Sachse(Soz.) als Referent diesen Antrag empfohlen, bemerkt Abg. Giesberts(3.): Es handelt sich bei diesem Sperrsystem hier um ein völliges System. Ebenso bei den schwarzen Listen. Die Bergleute werden massenhaft auf diese Weise boykottiort. Das traurige Kostgängerwesen wird von den Unternelmern systematisch gefördert. Das Haus sollte daher der Petition nicht nur zustimmen, sondern auch die nächste Gelegenheil henutzen, um durch Gesetz solchen Zuständen ein Ende zu machen.,, 4-79 62243 jahhaft en. Abg. Heugsbach(Soz.) tritt gleichsalls lebhaft für die Wünsche der Petenten ein. Arbeiter seien mehrfach nur deshalb entlassen worden, weil sie in Kommissionen zur Abstellung von Mißständen in Bergwerksbetrieben mitarbeiteten. Ein schärferer Terrorismus sei gar nicht denkbar, als wenn, wie es im rheinisch=westsälischen Bergbauverein der Fall sei, die Werke sich allesamt dahin verabredeten, daß, wer auf dem einen Werke entlassen sei, monatelang auch auf keinem anderen Arbeit erhalte. Hierauf gelangt ein Vertagungs Antrag zur Annahme. Morgen 1 Uhr: Automobilgesetz, Zivilprozeß=Novelle. Schluß 6 Uhr. Politische Uebersicht. Deutschland. Der Gesetzentwurf über die Reichsfinanzreform ist jetzt von der Nordd. Allg. Ztg. bekannt gegeben worden. Aus acht Quellen sollen erhöhte Einnahmen geschöpft werden. Die Uebernahme des Zwischenhandels mit Branntwein auf das Reich soll jährlich 100 Millionen Mark einbringen. Auch der Ertrag der Brausteuer wird auf 100 Mill. Mark angesetzt. Die Tabaksteuer soll 77 Mill. einbringen, die Nachlaßsteuer, Wehrsteuer, das Erbrecht des Staates und die Erbschaftssteuer zusammen 92 Millionen. Elektrizitäts= und Gassteuer werden mit 50 Millionen veranschlagt, die Inseraten= und Reklamesteuer mit 33 Mill., die Weinsteuer mit 20 Millionen. Der dadurch sich ergebende Gesamtertrag von 475 Millionen Mark deckt jedoch noch nicht den auf 500 Millionen berechneten Mehrbedarf. Deshalb wird durch das an achter Stelle aufgeführte Gesetz über Aenderungen im Finanzwesen bestimmt, daß eine Erhöhung der ungedeckten Matrikularbeiträge bis zu weiteren 40 Pfennigen auf den Kopf der Bevölkerung eintreten soll. Da die Bundesstaaten diesen Betrag in der Hauptsache aus Einkommen= und Vermögensteuern zu decken haben, so liegt in dieser Bestimmung eine weitere Belastung des Besitzes, wie sie gegenüber den erhöhten Verbrauchsabgaben zu verlangen war. — Biersteuer. Die Steuerstaffel beginnt mit einem Satze von 14 Mark und endigt bei einer Malzverwendung von über 5000 Doppelzentnern mit 20 Mark für einen Doppelzentner Malz. Das fertige Hektoliter Bier wird durch die Steuer um 2 bis 2,40 Mark, das Liter also um 2 bis 2,4 Pfennig teurer.— Die Weinsteuer sieht für die im Inlande auf Flaschen gefüllten sowie für den aus dem Auslande in Flaschen eingehenden Wein oder Traubenmost eine Abgabe vor. Die Zuschlagsätze für jede Flasche Wein bewegen sich nach deren Preise zwischen 10 Pfg. und 3 Mark. Privatpersonen haben für den von ihnen auf Flaschen gezogenen Wein keine Zuschlagsteuer zu entrichten.— Die Tabaksteuer soll zu den bestehenden Tabakabgaben noch eine Tabakverbrauchsteuer von den fertigen Tabakerzeugnissen fügen. Von der neuen Fabrikatsteuer sollen außer den Zigaretten, für die behufs Herstellung eines angemessenen Belastungsverhältnisses zwischen Zigarren und Zigaretten eine mäßige Erhöhung der Besteuerung der teueren Sorten geplant ist, die Zigarren ohne Ausnahme, Rauch=, Kau= und Schnupftabak dagegen nur von einer bestimmten Preisgrenze an getroffen werden. Die Steuersätze betragen für Zigaretten in 6 Stufen 4 bis 96 Mark für 1000 Stück, für Zigaretten in 4 Stufen 1,50 bis 24 Mark für 1000 Stück.— Die Elektrizitäts= und Gassteuer belastet den Abgabepreis dieser beiden Produkte mit etwas weniger wie 5 Prozent. Der Erlös der Kilowattstunde liegt etwa bei 28 Pfg., das Kubikmeter Gas wird mit 12 bis 16 Pfg. verkauft, die Steuer beträgt für beide Quanten 0,4 Pfg. — Die Inseratensteuer beträgt für die Anzeigeblätter je nach deren Auflage 2 bis 10 Proz. Anzeigeblätter, die wöchentlich nur einmal erscheinen, zahlen 10 Proz., die noch seltener erscheinen 20 Proz.— Die Nachlaßsteuer erstreckt sich auf Kinder und Ehegatten, sie tritt ein bei Nachlässen von 20000 Mark an, wo sie 0,5 Proz. beträgt, und steigt bis zu 3 Proz. Als Zuschlag soll eine Wehrsteuer von 1,5 des Nachlaßwertes von denjenigen Wehrpflichtigen erhoben werden, die nicht gedient haben. Zur Kanzlerkrise. Der Reichskanzler Fürst Bülow will zunächst mit den Führern der Reichstagsfraktionen Besprechungen abhalten, bevor er seine Erklärung im Reichstage abgibt. Die Annahme, der Reichskanzler werde nach der Besprechung mit den Parteiführern sein Abschiedsgesuch erneuern, ist willkürlich und durch nichts begründet.— Während aus den Artikeln der Organe des Blocks fast überall der Wunsch herausklingt, daß Fürst Bülow dem Reichskanzlerposten erhalten bleibe, da es ein anderer nicht besser, sondern eher schlechter machen würde, fahren die Blätter der demokratischen Vereinigung. der Sozialdemokratie und des Zentrums fort, den Rücktritt des Fürsten von Bülow zu fordern. Auf die Unzahl mehr oder minder boshafter Gerüchte im Anschluß an den hochpeinlichen Zwischenfall gehen wir hier nicht ein. Erwähnt sei nur, daß der Londoner„Times“ von Petersburg aus eine neue „Enthüllung“ übermittelt wird. Danach unternahm Deutschland während des Burenkrieges den Versuch, Rußland gegen das englische Weltreich ins Feld zu schicken, indem es in Petersburg eine russische Demonstration in Zentralasien anregte, wodurch die englische Herrschaft in Indien bedroht worden wäre. Gelogen wie telegraphiert! Die Beratung der Beamtenbesoldungs=Vorlagen hat in der verstärkten Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses begonnen. Es wurde ein bestimmter Arbeitsplan aufgestellt und beschlossen, aus den Verhandlungen die Titel=, Rang= und Urlaubs##agen auszuscheiden. Die Beratungen gingen gleich ins einzelne. Vom Zentrum, von den Nationalliberalen und Freisinnigen werden Erhöhungen, namentlich des Anfangsgehaltes auf 1100, beantragt. Der Finanzminister legte die finanziellen Folgen dar. Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt. Der Casablanca=Zwischenfall, die Behandlung deutscher Deserteure, bildete den Gegenstand einer Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem französischen Botschafter in Berlin. Beide Regierungen scheinen geneigt zu sein, ein Schiedsgericht anzurufen, Deutschland verlangt aber vorher eine gewisse Sühne für den Angriff auf seine Konsularbeamten, und darüber wird noch verhandelt. Deutsche Diamanten. Kolonialstaatssekretär Dernburg überreichte dem Kaiser 20 Diamanten, die Gabe deutscher Kolonisten in Südwestafrika. Der Kaiser ließ sich von dem Staatssekretär über Südwestafrika eingehend berichten. Das neue Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das vom Reichstag hoffentlich noch in dieser Session, wenn auch erst gegen deren Schluß, wird verabschiedet werden können, beschneidet die Auswüchse des Ausverkaufswesens bis auf die Wurzel. Warennachschübe werden ganz unmöglich gemacht und Ausverkäufe nur bei Todesfall, Umzug, Geschäfts=Auflösung und dergleichen gestattet. Interessante Erörterungen wird es in den bevorstehenden Kommissionssitzungen des deutschen Handelstages geben. Zur Debatte stehen außer der geplanten Gesellschaftssteuer und der Steuer auf Gas und Elektrizität noch folgende Punkte: Pfändung des Lohnes, Heranziehung der Industrie zu den Kosten der Ausbildung im Handwerk, Ausbildung der Lehrlinge in industriellen Betrieben und dergl. mehr. Gegen die stummen Polenversammlungen. Gegen die stummen Polenversammlungen ist von der Staatsanwaltschaft zu Essen strafrechtlich eingeschritten worden. Derartige Versammlungen verstoßen gegen den§ 12 des neuen Vereinsgesetzes, den sogenannten Sprachenparagraphen. Die Verhandlungssprache, auch die geschriebene, soll nach dieser durchaus begründeten Auffassung deutsch sein. Aus dem Auslande. Frankreich. Paris, 4. Nov. Marokkanisches. Vor Casablanca landete ein Transportdampfer mit der Bestimmung, 600 Fremdenlegionäre an Bord zu nehmen. Die Anerkennung Muley Hafids scheint den Franzosen unüberwindliche Schwierigkeiten zu machen. Sie ist noch immer nicht erfolgt. Rußland. Petersburg, 4. Nov. Oesterreich=russische Verhandlungen. Wie die„Petersb. Telegr.=Agentur“ gegenüber anderslautenden Nachrichten meldet, nehmen die Verhandlungen zwischen dem Petersburger und Wiener Kabinett ihren völlig normalen Fortgang. Gegenwärtig wird hier die Antwort der österreichisch=ungarischen Regierung auf das ihr mitgeteilte Projekt des Konferenzprogramms erwartet, das ihr in der in London festgesetzten Form übermittelt worden ist. England. Glasgow, 4. Nov. Verkehrte Wohltätigkeit. Eine Erklärung, die der Lord=Provost von Glasgow über die Erfahrungen des von der Stadt eingesetzten Hilfskomitees für Arme und Arbeitslose abgab, erregt peinliches Aufsehen. Die Bewohner von Glasgow hatten vor einiger Zeit zur Unterstützung der Arbeitslosen die hohe Summe von 30 Pfd. Sterl, gesammelt. Der Lord=Provost erklärte nunmehr in öffentlicher Sitzung, daß ein großer Teil dieses Fonds nicht in die Hände der Arbeitslosen, sondern in diejenigen von Trunkenbolden geraten sei. Die Armen, die wirklich Unterstützung verdienten, duldeten schweigend, während viele derjenigen, die um Unterstützung eingekommen seien, sich tatsächlich einer genügenden Einnahme erfreuten. Ein anderer maßgebender Beamter erklärte, Glasgow sei durch diesen Fonds geradezu ein Bienenstock für Gesindel geworden. Leute, die in ihrem ganzen Leben der Arbeit aus dem Wege gegangen seien, strömten nach Glasgow, um sich dort verpflegen zu lassen. Die Bürger von Glasgow hätten den Fehler begangen, zu freigebig für den Fonds der angeblich Arbeitslosen zu zeichnen, und dieser Fonds müsse sofort polizeilich geschlossen werden. Türkei. Konstantinopel, 4. Nov. Friedenszeichen. In der gestrigen zweiten Sitzung der türkischen und bulgarischen Delegierten, an der auch die Direktoren der Orientbahn Groß und Müller teilnahmen, erklärte der bulgarische Handelsminister Liaptschew, bezüglich der Orientbahnfrage sei er bereit, mit der Pforte zu verhandeln, wenn die Bahngesellschaft zustimme oder auch mit der Gesellschaft, falls die Pforte einverstanden sei.— Sultan Abdul Hamid soll reiselustig geworden sein und beschlossen haben, denjenigen europäischen Souveränen, die ihn im Yildiz Kiosk aufgesucht haben, Gegenbesuche abzustatten. Dann würde der Sultan also auch nach Berlin kommen. Vereinigte Staaten. Newyork 4. Nov. Die gestrige Präsidentenwahl endete, wie berichtet, mit dem glänzenden Siege des republikanischen Kandidaten Taft. Der Wahlakt vollzog sich im ganzen Lande unter starker Beteiligung. In Newyork wurden die Wahlstellen von Tausenden von Polizisten bewacht. Unter den neuen Identifizierungsbestimmungen ging die Wahl nur langsam vor sich. Vormittags wurden in Newyork 30 Verhaftungen wegen gesetzwidriger Stimmabgabe vorgenommen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 5. November. Der edle Mann lebt nie vergebens, Er geht einst, hemmt sich hier sein Lauf, Nach Sonnenuntergang des Lebens Als ein Gestirn der Nachwelt auf. Tiedge. **(Aller Anfang ist schwer.) Ein altes Sprichwort, das immer noch seine Berechtigung hat. Die Rekruten, die jetzt in den militärischen Drill eingeführt werden, müssen die Wahrheit des Wortes erfahren, wie jeder andere, der einer neuen Sache gegenübersteht. Von Tag zu Tag gehts aber besser und leichter, und mit den Fortschritten wächst das Selbstgefühl, das jeder Der Roman von Annaliese von Steinmühl. 44 Er schritt gleich auf den Kernpunkt der Sache zu und entlockte ihr, mit halben Worten seine Mitwissenschaft ahnen lassend, den ganz genauen Bericht aller, die verhängnisvolle Ziviltrauung begleitenden Umstände und die Namen derer, die darum wußten. Er ließ seinerseits die Baronin bei dem Glauben, daß er alles durch den Schulzen erfahren habe. Als er dann aber bemerkte, in welchem Triumph ihre Augen leuchteten, sah sie doch ihren Sohn schon als den Erben, begann er ein ihren Ohren mißtönendes Lied anzustimmen. „Wir haben bis jetzt nur die aus dem Formfehler entstehende Ungültigkeit der Ehe in das Auge gefaßt und die daraus sich folgernde Illegitimität des Sohnes erster Ehe. „Nun, und damit ist wohl auch alles erschöpft,“ antwortete Amanda verwundert.„Es ist mir von großem Wert, daß Sie mir Mitteilung von der Indiskretion des Schulzen machten.. „Und in dankbarer Anerkennung dafür, wären Sie gerne bereit, mir eine Kleinigkeit in die Hand zu drücken, Frau Baronin.“ Ein häßliches Lächeln glitt über Kleins Gesicht, als er, ein wenig die freundliche Maske lüftend, um Böses ahnen zu lassen, hinzusetzte:„Aber, wir sind noch nicht zu Ende. Nehmen wir an, daß das Gesetz für solche grausame Konsequenzen, denn es ist doch grausam zu nennen, wenn ein ganz Unschuldiger durch die Fehler eines anderen seine Lebensstellung zertrümmert sieht, doch noch einen Ausweg kennt, um diesen furchtbaren Folgen zu begegnen.“ Amanda holte tief Atem, es war ihr, als ob sich ihr Hals immer enger zusammenschnürte, und sie konnte nur noch mit klangloser Stimme entgegnen:„Die Ehe kann doch nicht mehr gültig erklärt werden, da Marianna von Hollweg tot ist.“ „Nein, die Ehe nicht, aber das Gesetz kennt noch einen anderen Ausweg.“ Er schwieg. Es belustigte ihn, die Marter der peinvollen Aufregung auf dem schönen, bleichen Frauenantlitz wahrzunehmen. „Sprechen Sie," stieß Amanda jetzt heraus. „Das hieße den Trumpf aus derHand geben, Frau Baronin.“ „Was fordern Sie?“ rief die geängstigte Frau. „Ich fordere für meinen juristischen Rat.. der Mensch lebt Soldat haben muß. Wie aus der Raupe der schillernde Schmetterling wird, so aus dem Rekruten der echte Marssohn, der Vertreter des zweierlei Tuchs, das sich, wie bekannt, namentlich bei dem schönen Geschlecht großer Beliebtheit erfreut. Die Instruktionsstunden laufen nicht immer ohne ein Donnerwetter der„Kompagnie“= oder„Schwadronmutter“ ab. Es ist auch manchmal schwer, in die verschiedenartigen Schädel das hineinzubringen, was jeder Soldat wissen muß. Schon das richtige Grüßen will gelernt sein, so leicht es aussieht. Erst wenn es klappt, darf der Soldat allein einen Ausgang wagen. Wer in seiner Jugend ein guter Turner war, hat es jetzt leicht und genießt Ansehen; ähnlich steht es mit dem Reiten. Exerzieren und Fechten wollen auch gelernt sein, und auf gutes Putzen wird nicht minder Gewicht gelegt. Eins kommt zum andern, so daß sich mancher Rekrut als der geplagteste aller Erdenwürmer vorkommt. Wenn man will, geht's aber schon. Die Freistunden werden bald zu Stunden echter Freude im Kreise der Kameraden. Freundschaften werden geschlossen, Briefe wandern nach Hause, und die Lebenszeichen von dort sind doppelt willkommen, wenn Geld und„Fressalien" beiliegen, woran zu denken, bitte! **(Die deutsche Kartoffelernte 1909.) Nach der Schätzung des Deutschen Landwirtschaftsrats ist das Ergebnis der Kartoffelernte, ausgedrückt in Prozenten einer Mittelernte, für Deutschland 95,9 Proz., davon erkrankt 4,3 Proz. Der Stärkegehalt wird höher als im Vorjahre eingeschätzt.— Im Kreise Hörde stellt sich das Ergebnis der Kartoffelernte wie folgt: Kartoffelernte 100 Proz., davon erkrankt 5 Proz. Kartoffeln sind hier im großen und ganzen gut geraten. Es wird mit Saatgut stets gewechselt. Magnum bonum, Bruce, rote Rheinische. Ap to date und Industrie sind, die gangbaren Sorten. Erstere vier Sorten sind Qualitäts=Kartoffeln, dagegen letztere beiden Viehkartoffeln; die schlechteste von allen, auch im Geschmack, ist Industrie, da diese Kartoffel im Frühjahr seifig schmeckt und sehr leicht fault.— Ueber den Kreis Iserlohn heißt es in dem Bericht: Kartoffelernte 80 Proz., davon erkrankt 15 Proz. Die Ernte der Kartoffeln ist bei gutem Wetter beendet. Die hier als Ersatz für Magnum bonum angebaute Sorte Up to date hat sich als wenig widerstandsfähig gegen Nässe gezeigt, auch kommen schon hier und da wieder krause Stauden vor. Die Herbstbestellung der Saaten ist ebenfalls beendet; der jetzt eingetretene Regen wird der jungen Saat, die gut aufgegangen und keine Fehlstellen zeigt, sehr nützen. Der dreitägige Frost hat den Futterrunkeln sehr geschadet, auch dem Graswuchs auf den Weiden; das Bieh muß deswegen früh eingestallt werden. **(Im Zeichen des Novembers.) Die Felder und Wiesen im weiten Umkreis sind leer und öde geworden, der Wind fährt brausend über die Stoppeln und reißt mit rauher Hand das letzte welke Blatt von den müden Bäumen. Nur ganz vereinzelt sieht man noch Leute draußen an der Arbeit; die letzten Feldfrüchte sind es, die noch rasch vor dem Anbruch des Winters geborgen werden, und hier und da wird eilig die letzte Wintersaat dem Boden übergeben. Erwartungsvoll sieht dann der Landmann der Witterung entgegen; denn so unangenehm auch dem Städter die sprichwörtlich gewordenen Novembernebel mit ihrer Kälte und Nässe sein mögen, dem Landmann sind sie höchst erfreulich. Er braucht einen durchweg feuchten Monat mit bedecktem Himmel, wenn die Ernte des nächsten Jahres gedeihen soll. Den Städter aber braucht die trübe Witterung nicht allzu sehr anzufechten, bringt ihm doch dieser Monat genug des Erfreulichen auf anderen Gebieten. Das eigentlich Stadtleben steht nun wieder in höchster Blüte, und schon beginnen sich die zahlreichen Läden der Stadt zu schmücken, um die Kauflust des Publikums für die kommende Weihnachtszeit rege zu machen. Auf den jagdreichen Gütern aber beginnt jetzt das lustigste Leben, zugleich freilich die traurigste Zeit für Meister Reinecke, der trotz seines eigenen roten Kleides gerade in diesem Monat allen rotröckigen Gestalten das größte Mißtrauen entgegenbringt. Er weiß, es dauert nur wenige Tage, dann klingt auch ihm der Gruß Hallali! **(Unfall.) Einen bedauerlichen Unfall erlitt gestern abend der Arbeiter H., der in seiner an der Hörderstraße belegenen Wohnung so unglücklich einige Stufen die Kellertreppe hinunterstürzte, daß er eine klaffende Wunde an der Stirn davontrug und sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. **(Arends'scher Stenographenverein.) Die am Dienstag anberaumte Generalversammlung hatte sich eines guten Benicht von Studieren allein, gnädige Frau.. zweitausend Mark für jetzt.“ Klein übersah scheinbar das Aufschrecken Amandas und fuhr ruhig fort:„Diese erste Forderung ist so gering bemessen, weil trotz meines Rates doch noch die Erbschaft Ihrem Sohne Feodor entgehen könnte. Wenn aber durch diese meine Hilfe Sie und ich erleben sollten, besagten Sohn nach dem Loe seines Vaters".. Amanda schauerte leicht zusammen.. „als Besitzer des Majorats zu sehen, so verlange ich die Auszahlung von zehntausend Mark.“ „Nimmermehr!“ rief Amanda zornig aus.„Sie sind ein Unverschämter.“ „Wenn ich beim Verlassen dieses Zimmers nicht den von Ihnen unterschriebenen Schein sowie die gleich ausbedungenen zweitausend Mark in der Tasche habe, wird es mein erstes sein, Junker von Hollweg von unsererUnterredung Kenntnis zu geben. „Ich verklage Sie wegen Erpressung.“ „Können Sie, Verehrteste, aber meinen Mund können Sie mir nicht verbinden, und die Welt ist um einen Skandal reicher. Mit meinem Sprechen erfährt die Welt die Tatsachen, die mit der ersten Ehe zusammenhängen und der Freiherr kann die Folgen abwenden, denn er liebt seinen Erstgeborenen, das Kind der Marianna von Hollweg. Amanda stöhnte auf, sie ballte die Hände in ohnmächtigem Grimm, aber was half ihr alles, der Mann hatte sie ganz in der Gewalt. „Aber wie kann ich es verhindern, daß Sie nicht dennoch sprechen. „Mein Ehrenwort!“ Der Winkeladvokat warf sich in die Brust.„Sie können sich erkundigen, wo Sie wollen, über die Diskretion des Klein herrscht nur eine Stimme. Außerdem bietet doch die in Aussicht gestellte Summe Ihnen Sicherheit, und wir können auch noch auf dem Schein den Zusatz machen:„Diskretion ausbedungen.“ Und Amanda schrieb, was Klein diktierte, dann holte sie den ausbedungenen Betrag aus dem Schreibtisch und sah Scheine und Geld verschwinden in der umfangreichen Brieftasche, Klein aber begann:„Durch Königs Gnade kann Freiherr von Hollweg seinen Sohn rechtskräftig adoptieren und der König erklärt ihn durch seine Gnade zum rechtsgültigen Erben des Majorats. Ich brauche wohl bei dem Scharfsinn der Frau Barosuches zu erfreuen. Es wurde in derselben wieder ein neuer Mitglied aufgenommen; ferner wurde beschlossen, mit Rücksicht auf die im nächsten Jahre stattfindende 25jährige Jubelfeier des Vereins, welche verbunden mit dem Rhein.=Westf. Verbandstag Arends'scher Stenographen in großartiger Weise begangen werden soll, das alljährliche Winterkränzchen in diesem Jahre ausfallen zu lassen. **(Die hiesige Freiwillige Feuerwehr) hielt gestern abend in ihrem Vereinslokal(Kordeck) eine Generalversammlung ab. Nachdem der erste Punkt der Tagesordnung(Kassenbericht) vertagt war, erstattete Herr Oberbrandmeister Tillmann den Jahresbericht. Danach zählte die Wehr am 30. Juni d. Is. 79 aktive und 21 passive Mitglieder und verfügte laut Sparkassenbuch über ein Vermögen von 488,96 Mark. 30 Gesamt= und 9 Abteilungsübungen wurden während des verflossenen Vereinsjahres abgehalten; fünfmal wurde während dieser Zeit die Hilfe der Feuerwehr bei Bränden in Anspruch genommen. Unglücksfälle sind glücklicherweise nicht zu verzeichnen gewesen. Von Neuanschaffungen sind besonders zu erwähnen ein Rauch schutzapparat im Werte von 400 Mark und ein Mannschaftswagen zu 1400 Mark. Die Wehr ist jetzt sehr gut ausgerüstet. Sie verfügt außer den schon genannten Geräten u. a. über 1 mechanische Leiter, 1 vierräderige Saug= und Druckspritze, 1 zweiräderige und 1 kleine Abprotzspritze, 1 Kübelspritze, 2 Steiger= und 2 Gerätewagen, 1 Schlauchwagen, 1 große Druckspritze alten Systems, 12 Steigerleitern, 400 Meter Schläuche und 1 Rettungsschlauch. Da alles dieses in gutem und stets gebrauchsfertigem Zustande ist, können wir Schwerter jetzt schon mit Ruhe selbst einem größeren Feuer entgegensehen, besonders da auch für Feuermeldestellen, von denen zurzeit in unserer Stadt 10 bestehen, gesorgt ist. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Festsetzung der Kaisergeburtstagsfeier. Es wurde beschlossen, diesen Tag in der gleichen Weise wie im Vorjahre am 17. Januar im Vereinslokal zu feiern. Zur Erledigung der Vorarbeiten wurde eine 6gliedrige Kommission gewählt. Dann wurde beschlossen, die Zeitschrift„Der Feuerwehrmann“ in einem Exemplar im Vereinslokal ausliegen zu lassen. Hierauf wurde der Antrag gestellt, eine photographische. Aufnahme der Wehr mit sämtlichen Gerätschaften vornehmen zu lassen. Es wurde beschlossen, daß diese Aufnahme am nächsten Sonntag, mittags 1,30 Uhr, im Schützenhof durch Herrn Photograph Münkel startfinden soll. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten kam man dann zum wichtigsten Punkt der Tagesordnung: der Ueberreichung von Dienstauszeichnungen. Herr Bürgenmeister Nohrmann hielt eine kurze Ansprache, in der er mit kernigen Worten den Dank der Stadt Schwerte für die treuen Leistungen der Wehr zum Ausdruck brachte. Wie er mitteilte; gehören folgende vier Mitglieder der Wehr bereits seit 30 Jahren an: C. Saatmann, C. Lethaus, W. Potthoff und Fr. Nöthe, zwei(C. Westermann und C. Raffin) seit 20 und eins(Tillmann) seit 15 Jahren an. Sodann überreichte er die Dienstauszeichnungen(Armlitzen) an die Herren Tillmann und Beßlich. Den vier erstgenannten Jubilaren wird eine besondere Verbandsauszeichnung auf dem nächstjährigen Verbandsfest in Witten überreicht. Herr Oberbrandmeister Tillmann dankte für die anerkennenden Worte des Herrn Bürgermeisters und die Auszeichnungen, die alle Kameraden zu treuem Festhalten an der Wehr und zu immer größerem Pflichteifer anspornen würden. Zum Schluß wurden noch einige Mitglieder neu aufgenommen. **(Aus der kathol. Gemeinde.) Die Wählerliste der kath. Gemeinde für die in nächster Zeit stattfindenden Ergänzungswahlen zum Kirchenvorstand und zur Gemeindevertretung liegt nur noch bis heute Abend zur Einsichtnahme der Wahlberechtigten im Pfarrhause auf: Wahlberechtigt ist jeder 21 Jahre alte Steuerzahler der Pfarrgemeinde, welcher selbständig ist oder einen eigenen Hausstand führt und in der Wählerliste steht. Die Liste enthält 1179 Wähler. **(Der Segen der Alters= und Invaliden=Versicherung.) Nach der im Reichsversicherungsamt gefertigten Zusammenstellung betrug die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bis einschließlich 30. September 1908 von den 31 Versicherungsanstalten und den 10 vorhandenen Kasseneinrichtungen bewilligten Invalidenrenten 1·604 585. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung des Berechtigten, Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit, Bezugs von Anfallrenten oder aus anderen Gründen weggefallen 742·136, so daß am 1. Oktober 1908 liefen 862 449 gegen 852 824 am 1. Juli 1908. Die Zahl der während nin nicht hinzuzusetzen, daß es in unserem Falle, wo es die Ehre einer altangesessenen Familie gilt, zweifellos dazu kommen wird.“ Wie betäubt hatte sich die stolze Frau auf einen Sessel fallen lassen, das Spiel schien verloren. „Gnädige Frau," sprach es leise an ihrem Ohr,„diese Lösung kann nur eintreffen zu Lebzeiten des Freiherrn. Seine Tage sind gezählt, ich weiß es.“ Amanda schauerte wieder zusammen, der unheimliche Mann wußte alles. „Nun kommt mein Rat. Sie müssen auf das strengste verhüten, daß der Kranke mit der Außenwelt in Berührung kommt, Sie dürfen ihn niemals ohne Aufsicht lassen. So lange der alte Freiherr noch lebt, darf er, hören Sie gut zu, darf er nichts von diesem ihm offen stehenden Gnadenweg erfahren. Mit seinem Tode ist Ihr Sohn der Erbe.“ Schweigend verbeugte sich Klein und schweigend entließ Amanda ihn durch die kleine Tapetentür über den Flur, und deutete auf die kleine Wendeltreppe, die zum Hofe führte, dann ging sie in ihr Zimmer zurück und riegelte sich ein. Sie mußte allein sein mit ihren Gedanken. ** * Schwarzblauer Himmel lag über Büseritz, es funkelten an ihm alle Sterne, noch ruhte die Welt befangen in schweigender Nacht. Doch schon hob ein leises Rauschen an, ein kühler Hauch zog durch die Luft, und im Osten erbleichten die Himmelslichter, der werdende Tag kündigte mit rosigem Schein sein Nahen. In dem Büseritzer Park schritt Junker Otmar frohgemut hinaus dem Walde zu, die Büchse über der Schulter, um sich endlich die Beute zu holen, deren Wechsel er mit so viel Mühe ausgekundschaftet hat. Es ist ein einzelner Bock, ein Prachtkerl, der sich wohl grolend von seiner Familie zurückzog in den tiefsten Waldesgrund. Ein seltsam Gehörn trägt er, und als der Junker seinem Träger durch Zufall im Zwielicht begegnete: der Bock betrat die Wiese zur Aesung.. fieberte sein Herz nach dessen Besitz. Er hatte ihn beschlichen und belauscht, zweimal schon versuchte er ihn zu erlegen im dämmernden Abendlicht, aber er kam nicht zum Schuß. 157,20 Iunkhelks Nresennt de. Nr. 261. Donnerstag, den 5. November 1908. 40. Jahrg. Zweites Mlatt. Die Krise und der Reichstag. Der deutsche Reichstag ist am gestrigen Mittwoch zu einer ungewöhnlich wichtigen Session zusammengetreten. Wichtig nicht blos wegen der Vorlagen, die ihm zur Beschlußfassung unterbreitet sind, sondern auch wegen der gespannten allgemeinen Lage, in der sich das Reich, wie ganz Europa, beim Zusammentritt des deutschen Parlaments befinden. Wenn wir auch von einer Krise im eigentlichen Sinne weder mit Bezug auf die Vorgänge der inneren noch der äußeren Politik, sprechen können, so ist es doch wahrlich nicht zu viel gesagt, wenn man von gespannten, ja kritischen Verhältnissen redet. Die Situation des verantwortlichen Trägers der deutschen Reichspolitik ist jedenfalls keine angenehme. Man hatte ziemlich allgemein gehofft, Fürst Bülow würde in einer der ersten Reichstagssitzungen Gelegenheit nehmen, Erklärungen über den Stand der Balkanfrage abzugeben. Beunruhigende Mitteilungen über Auswärtige Angelegenheiten werden im Deutschen Reichstage erfahrungsgemäß nicht gemacht. So lange über Fragen der Auswärtigen Politik noch ungelöste Meinungsverschiedenheiten zwischen den Regierungen der betreffenden Staaten bestehen, werden sie vor dem Forum des Reichstages von amtlicher Stelle nicht berührt. Daher ist die Hoffnung auf eine baldige und friedliche Beilegung der Balkanwirren herabgestimmt worden durch die Meldung, der Reichskanzler werde den Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten einberufen, um dem über diese Dinge streng vertrauliche Mitteilungen zu machen, im Reichstage darüber aber noch Stillschweigen beobachten. Die Erklärung des englischen Kriegministers Haldane, daß der vom deutschen Kaiser ausgearbeitete Feldzugsplan gegen die Buren sich in keinem der Bureaus des englischen Kriegsministeriums befinde, hat der Veröffentlichung des Daily Telegraph doch den schärfsten Stachel genommen. Die Ausarbeitung und Uebersendung des Feldzugsplanes war eine Aufmerksamkeit des kaiserlichen Enkels gegen seine Großmutter; die Königin Viktoria hat die Sache auch in diesem Sinne aufgefaßt und behandelt. Der Schwupper des Reichskanzlers Fürsten Bülow, für den der Kanzler selbst durch sein sofortiges Rücktrittsgesuch volle Sühne geboten hat, wird selbstverständlich in den Debatten des deutschen Reichstages einen breiten Raum einnehmen. Die berufsmäßigen Gegner der Regierung werden es dabei auch nicht an heftigen Angriffen gegen den Fürsten fehlen lassen. Die Blockmehrheit des Hauses aber wird die ganze Angelegenheit vom menschlichen Standpunkte aus betrachten und dem Kanzler Gerechtigkeit widerfahren lassen. Auf den Block darf sich Fürst Bülow auch fernerhin und jedenfalls solange verlassen, bis die Blockpolitik ihre Aufgabe gelöst und die Reichsfinanzreform verabschiedet hat. In diesem Sinne haben sich die Organe der Blockparteien fast ohne Ausnahme geäußert, unter der selbstverständlichen Voraussetzung natürlich, daß Aehnliches wie bei der Londoner Publikation der Kaisergespräche sich nicht wieder ereignet. Ein Wechsel auf dem Reichskanzlerposten würde die Lage nicht verbessern, sondern wahrscheinlich noch verschlechtern, das ist bei aller Verschiedenheit der Ansichten im einzelnen das ceterum censeo, dem man in den Betrachtungen der Blockblätter immer wieder und wieder begegnet. Es wird auch hervorgehoben, daß es sich hier weder um einen Fehler des Fürsten Bülow in der inneren noch um einen solchen in der auswärtigen Politik handelt, und daß es. unmöglich ist, die Frage, ob ein Reichskanzler gehen oder bleiben soll, aus den Rücksichten herauszulösen, die die gesamte innere und äußere Reichspolitik erfordert. Darüber aber kann kein Zweifel bestehen, daß sowohl die Reichsfinanzreform im Innern, wie die Marokko= und Balkankrise im Aeußeren eine höchst unangenehme Verzögerung erfahren würden, wenn Fürst Bülow aus dem Amte schiede. Er hat sich durch seine achtjährige Amtstätigkeit als Kanzler des deutschen Reiches im Auslande doch ein hohes Maß von Vertrauen erworben, und daß ihm der Block, der die Mehrheit der deutschen Volksvertretung darstellt, treu geblieben ist und hoffentlich mit ihm die Reichsfinanzreform durchführen wird, will doch auch etwas sagen. * Groppenbruch, 3. Nov.(Einbruchsdiebstahl.) In der Nacht ist der Landwirt Herr Wilhelm Ellinghaus genannt Renkhoff von hier schlimm geschädigt worden. Von einer Verlobungsfeier auf dem benachbarten Hof des Herrn SchulteRödding gegen 2 Uhr nachts zurückkehrend, fand er seine Schlafstube nach innen verschlossen. Als er sich nach draußen begab, um eine Leiter an ein Fenster der Schlafstube zu setzen und in dieselbe zu gelangen, fand er zu seiner großen Ueberraschung bereits eine Leiter unter dem offenen Fenster stehen. Noch größer aber wurde sein Staunen, als er in das Zimmer kam und gewahrte, daß hier ungebetene Gäste eine verhängnisvolle und lohnende Suche vorgenommen hatten. Außer wertvollen Kleidungsstücken, einem Gewehr und einem Revolver waren 3560 Mark in bar verschwunden. Doch wo die Spur der Täter? Von den im Hause gewesenen betagten Eltern und dem Dienstmädchen war nichts Verdächtiges bemerkt worden. Hoffentlich gelingt es noch, den Dieb zu ermitteln. * Werl, 4. Nov.(Lampen=Explosion.) Infolge der Explosion einer Petroleumlampe an der Kleinbahn wurde ein Arbeiter derart schwer verletzt, daß er zum Krankenhaus getragen werden mußte. Dort ist er bereits seinen Verletzungen erlegen. * Werden(Ruhr), 4. Nov.(Begnadigt.) Nach 32= Westfalen und Rheinland. * Hagen, 5. Nov.(Jubiläum.) Sein 30jähriges Dienstjubiläum beging am Mittwoch Herr Bürgermeister Willde=Hagen. Es fand zu Ehren des Jubilars nur eine kleine intime Feier statt, an der Verwaltung und Stadtrat teilnahmen. Der Jubilar erfreut sich in allen Kreisen, gleichviel welcher politischen Richtung, größter Beliebtheit und versieht sein Amt nach wie vor in körperlicher und geistiger Frische. * Iserlohn, 4. Nov.(Absturz.) Bei dem Eisenbahnbau Iserlohn=Schwerte stürzte hinter dem Friedhof eine Lokomotive die Böschung herab, den Führer mit sich ziehend. Nur mit Mühe konnte der Mann mit Hilfe mehrerer Arbeiter aus seinem Stande hervorgeholt werden. Die erhaltenen Verletzungen scheinen nicht erheblicher Natur zu sein. * Annen, 4. Nov.(Verschiedenes.) Beim Anlegen von Drähten faßte der Hilfsmonteur Wilhelm Born aus Rüdinghausen irrtümlich an den Hauptleitungsdraht der Starkstromleitung hier in der Steinbach. Durch den elektrischen Strom wurde B. sofort getötet.— Ein gemeiner Streich wurde einer hiesigen Familie durch den Bräutigam ihrer Tochter gespielt. Derselbe war hier mehrere Tage auf Besuch und entnahm heimlich einem Schrank das seinem Schwiegervater gehörende Sparkassenbuch, erhob darauf 500 Mark und machte mit dem Gelde eine Lustreise nach Berlin. Nach seiner Rückkehr erbrach er nochmals den Schrank und erhob auf dasselbe Buch jetzt 700 Mark, mit dem er eine Tour nach Hamburg machte. Der Verdacht lenkte sich nun auf den jungen Mann, er wurde von einem hiesigen Polizeibeamten verfolgt und nach fröhlich durchlebter Nacht in Hamburg ermittelt und in Haft genommen. 450 Mark fanden sich noch in seinem Besitze vor, das übrige war schon durchgebracht. jähriger Strafhaft wurde aus dem hiesigen Zuchthause der 58jährige Arbeiter Zanders entlassen. Er war wegen Ermordung seiner Großmutter zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. * Bielefeld, 4. Nov.(Der Räuber in der Kiste.) Im benachbarten Lämershagen spielte sich ein unheimlicher Vorfall ab. Am späten Abend kamen in eine dortige Wirtschaft zwei fremde Männer, die eine schwere Kiste trugen. Sie baten den Wirt, die Kiste über Nacht in seiner Behausung aufzubewahren, was ihnen auch zugesagt wurde. Die beiden entfernten sich hierauf. Als bald nachher die letzten Gäste das Lokal verließen, fiel es diesen beim Weggehen auf, daß der Hund des Wirtes bellend die auf dem Hausflur stehende Kiste der Fremden umsprang und sich durchaus nicht beruhigen lassen wollte. Man argwöhnte daher nichts Gutes. Mißtrauisch hob man den nur leicht festgemachten Kistendeckel auf. Voller Schrecken wichen alle zur Seite. Der Kiste entstieg eine wahre Räubergestalt, die, in jeder Hand einen Revolver haltend, mit sofortigem Niederschießen den bedrohte, der sich ihr entgegenstellen würde. Es gelang den vereinten Kräften, den gefährlichen Menschen zu überwältigen und der Polizei zu überliefern. Man nimmt an, daß es sich hier um eine organisierte Räuberbande handelt. * Warendorf, 4. Nov.(Unfall.) In der mechanischen Weberei von Wiemann und Bispinck ereignete sich gestern morgen ein bedauernswerter Unfall. Der mit der Bedienung einer Mangelmaschine betraute Arbeiter Fr. Toppmöller geriet unvorsichtigerweise mit einer Hand, in die Maschine. Obschon die den Unfall bemerkenden Mitarbeiter die Maschine so bald als möglich außer Betrieb setzten, wurde dem Bedauernswerten der Arm bis zum Ellenbogen zerquetscht und teilweise zersplittert. Man brachte den Verletzten zum Krankenhaus. Der Majoratserbe. Roman von Annaliese von Steinmühl. 42 „Aber wie ist dem abzuhelfen?" fragte der bekümmerte Sohn,„mir sind die Hände gebunden, einesteils durch Mama, die wirklich in des Wortes eigenster Bedeutung eine Mauer um ihn baut.“ „Reißen Sie dieselbe nieder, lieber Junker.“ „Mit meines Vaters Willen erstürme ich sie gleich," lächelte Otmar schmerzlich,„gegen denselben niemals, das würde das Uebel nur noch schlimmer machen. „Ich marschierte auch nicht mit Ihres Vaters Willen gegen die gnädige Frau an.“ Otmar seufzte nur, es widerstand ihm, scherzweise an diese tiefe Dissonanz seines Lebens zu rühren. „Wo ist die Frau Baronin? Ich fand den Kranken allein, aber im Vorzimmer saß der treffliche Johann.“ „Der treue Diener ist uns in dieser Zeit von unschätzbarem Wert gewesen und von ihm erhalten Erna und ich stets die eingehendsten Krankenberichte. Meistens läßt er mir sofort ein Zeichen zukommen, wenn Mama sich vom Krankenzimmer entfernt, und dann steheich oft lange im Vorzimmer und beobachte heimlich den geliebten Kranken, ohne ihn durch meinen Anblick aufzuregen. „Haben Sie niemals versucht, ihn auf diese Weise einmal ohne Zeugen zu sehen?“ „Ja, einmal, Herr Sanitätsrat, aber da geriet er in solche Aufregung, daß ich unter irgend einem Vorwand rasch verschwand.“ „Traurig und seltsam ist das alles,“ murmelte Bahrenfeld,„aber um auf meine Frage wieder zurückzukommen, wo finde ich die Frau Mama?“ „Wir wollen Martin fragen,“ Otmar setzte die Klingel in Bewegung, worauf er den eintretenden Diener befragte. „Frau Baronin befinden sich in ihren Zimmern und wünschen nicht gestört zu werden, war die Antwort, worauf der Diener sich wieder zurückzog. „Nun, dann auf Morgen, ich werde jedenfalls wieder vorsprechen, denn ich muß diese beunruhigenden Symptome im Auge behalten und vielleicht winkt mir, von Ihren Andeutungen geleitet, das verheißungsvolle Licht der Erkenntnis. Morgen, mein lieber Junker, und immer Kopf hoch. Wer so viel Freunde sein eigen nennt, wie Sie, der braucht den Mut nicht sinken zu lassen.“ Bald rollte der Doktorwagen von Hofe fort, Otmar aber eilte zu dem treuen Kammerdiener, um verstohlen das Glück zu genießen, in der Nähe des geliebten Vaters weilen zu dürfen. Als eine ganze Weile verflossen war, trat Johann auf ihn zu und sagte flüsternd:„So lange blieb die Gnädige noch nie fort, Junker, der Besuch wird wohl was zu bedeuten haben.“ „Welcher Besuch?“ fragte Otmar erstaunt. „Ach, Ihnen ist er nicht gemeldet worden? Dann galt es also nur der Frau Baronin, wie hieß er doch?" Johann sann nach, dann erblickte erplötzlich etwas weißes auf dem Teppich und stürzte darauf zu.„Na, da haben wir es ja," sagte er befriedigt.. Namen behalten war nämlich Johanns schwächste Seite, und er hatte schon manche Konfusion angerichtet: „Dr. Klein, Rechtskonsulent, Berlin, Schellingstraße.“ „Geben Sie mir die Karte, Johann,“ sagte Otmar, ohne weitere Neugierde zu verraten,„ich werde sie meiner Mutter aufheben, vielleicht wünscht sie die Adresse zu behalten,“ er steckte das Blättchen ein und verließ das Zimmer. Werwar dieser Mann? Ein Winkeladvokat ohne Zweifel, und was wollte ein solcher von seiner Mutter? Das mußte er zu ergründen suchen. Vor allem galt es unter irgend einem Vorwand die Gemächer seiner Mutter zu betreten. Der Besuch des Arztes konnte als solcher dienen, ein Auftrag desselben war zu übermitteln,. kurz, er würde den alten Herrn schon morgen auf dem Laufenden halten. Rasch durchschritt er die Vorzimmer und fand zu seinem Erstaunen die Türen des Privatgemaches geschlossen, was doch niemals geschah, wenn ein Besuch zugegen war. Es nahm den jungen Mann überhaupt Wunder, daß eine so dunkle Persönlichkeit nicht in dem ersten Zimmer abgefertigt wurde. Sein Klopfen fand zuerst keine Antwort, trotzdem er beim Nähertreten einen lebhaften Redeschwall hörte von einer sichtlich gedämpften Männerstimme.. man mußte die Portiere vorgezogen haben. Doch jetzt näherte sich jemand der Tür, Amanda selbst öffnete ihm mit der erstaunten Frage:„Ist etwas vorgefallen, daß ich gestört werde?" Kalt und hochmütig lag ihr Blick auf dem Stiefsohn, indessen ihre Gestalt den Einblick ins Zimmer wehrte. „Verzeih," klang es ein wenig scharf aus Otmars Mund denn er ahnte den unliebsamen Lauscher,„Bahrenfeld wollte Dich sprechen, er bat mich, Dir seine Worte zu übermitteln. Ich glaubte, annehmen zu dürfen, daß ich, der Sohn, nicht zu den Störenden gehörte. „Ich habe zu arbeiten, der Inspektor von Breitenstein wünscht mancherlei zu wissen.“ Wie der Blitz schoß es durch Otmars Kopf:„Sie leugnet den Besuch, der sich jedenfalls noch im Zimmer befindet. Gut, tun wir, als ob wir von nichts wüßten. List wider List, Heimlichkeit wider Heimlichkeit, auf geradem Wege ist von dieser Frau nichts zu erreichen.“ „So will ich Dich nicht länger stören, Mama,“ sagte er ruhig und schritt davon, sehr enttäuscht, der Sache nicht gleich auf den Grund gekommen zu sein. Aber der Zufall meinte es gut mit Hollweg, ais er ihm diese wichtige Auskunft durch den Mund der Mamsell sofort zu teil werden ließ. Er begegnete der treuen Seele, die stets so gerne eine kleine Unterhaltung mit ihrem Junker führte, auf dem langen Flur, der auf der Rückseite des Schlosses entlang lief. „Na, Mamsell, wie geht es mit dem alten Husten, nimmt nun wohl die Frühlingsluft mit?" „Die Märzluft tangt ihm garnicht, da wird vor Mai wohl nichts von werden, Junker, aber dem gnädigen Herrn geht es jetzt schon besser.“ „Ja, mit der Krankheit schon, Mamnsell, aber mit der Stimmung will es sich noch nicht bessern.“ „Kann es auch nicht, irgend etwas geht ihm da drin um, die Alte wies mit wichtigem Ausdruck auf die Stirn.„Und unsere Gnädige weiß darum.“ „Waren Sie in den letzten Tagen beim Vater," lautete des Junkers überraschte Frage. „Ich helfe in der Nacht oft dem Johann,“ flüsterte sie geheimnisvoll.„Sie dürfen mich aber nicht der Gnädigen verraten. Das ist doch über die Menschenkraft hinaus, so'n tägliches Wachen, da helfen wir uns heimlich aus. Der alte Herr sieht mich auch ganz gern um sich und hat so freundlich gelächelt, als ich bat, es der Frau Gemahlin nicht zu sagen, denn sie möchte mich nun mal nicht. Mit der Liebe und dem Haß ist es ein eigen Ding, nicht, Junker, welche Menschen mag man und andere sind einem kreuz zuwider." 157,20 * Ostbevern, 3. Nov.(Durch Feuer zerstört) wurden am Montag abend die Brennerei und das Stallgebäude der Wirtschaft Kramer. Die hiesige Feuerwehr, der die Wehren von Telgte und Westbevern Beistand leisteten, wandte die Gefahr von dem Wohnhaus ab. Die Entstehungsursache des Feuers ist unbekannt, der Schaden durch Versicherung gedeckt. * Geldern, 4. Nov.(Ein„armer" Reisender.) Bei einem hier aufgegriffenen Bettler fand man bei der Durchsuchung seiner Taschen die Summe von 16000 Mark teils in auf seinen Namen lautenden Sparkassenbüchern, teils in barem Gelde bestehend. * Düsseldorf, 4. Nov. Auf dem Bahndamm der Eisenbahnstrecke Natingen=Ufersmühle wurde der Ackerknecht Johann Kill bewußtlos und schwerverletzt aufgefunden. Er starb bald nach seiner Auffindung; ob ein Unfall oder ein Verbrechen vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt.— In der Gemeinde Oedt spielten mehrere Kinder„Aufhängen", wobei einem vierjährigen Mädchen sich die Schlinge um den Hals legte. Als man das Kind wieder befreite, war der Tod bereits eingetreten. * Düsfeldors, 5. Nov.(Probebelastung einer Betonbrücke bis zum Bruch.) Eine sehr interessante und lehrreiche Probe wurde hier vorgenommen. Bei der Düsseldorfer Ausstellung war in der Gruppe der Bauwerke des deutschen Betonvereins eine Betonstraßenbrücke mit Granitgelenken bei einer Spann weite von 30 Metern, einer Breite von 9 Metern und einer Pfeilerhöhe von nur 2 Metern als Straßenbrücke für den schwersten Verkehr erbaut worden, in der Voraussetzung, daß sie dauernd in diesem Straßenzuge als Verkehrsbrücke dienen werde. Sie muß aber jetzt wegen veränderter Anlage der Straße im Kaiser Wilhelm=Park abgebrochen werden. Dadurch war die seltene Gelegenheit geboten, eine Betonstraßenbrücke solcher Abmessungen einer Probebelastung bis zum Bruch zu unterziehen und dabei Feinmessungen über das Verhalten bei einzelnen Konstruktionsteilen anzustellen. In Anerkennung der Wichtigkeit einer solchen Untersuchung hat der preußische Rinister der öffentlichen Arbeiten dem deutschen Betonverein eine Beihilfe in Höhe der Hälfte der auf 10000 Mark veranschlagten Kosten bewilligt. Zu der Probebelastung waren viele Fachleute eingetroffen, aus Kriegsministerien, Eisenbahnministerien, von deutschen und ausländischen technischen Hochschulen und aus dem Brückenbaugewerbe. Es wurde mit der Belastung der Brücke mit Eisenbarren begonnen, zunächst mit 75 Tonnen und dann in Steigerung bis zu 320 Tonnen à 1000 Kg. Hierauf wurde die Belastung wegen der Gefahr für die beteiligten Personen eingestellt. Die ganze Last verteilte sich auf eine Hälfte des Betonbogens. Es zeigte sich ungefähr in der Mitte des Bogens an der Außenseite ein etwa 15 Zentm. langer vertikaler Bruch, der auf einen horizontalen Bruch von derselben Länge stößt. Die beiden Risse sind aber kaum wahrzunehmen. Im übrigen waren trotz der hohen Belastung keinerlei Anzeichen für eine baldige Ueberwindung der Druckfähigkeit des Betons zu erkennen, ein Beweis für die große Elastigität des Materials. * Brohl, 4. Nov.(Ueberfahren.) Ein 7jähriger Junge wollte gestern Nachmittag 5 Uhr den Bahnkörper überschreiten und dem gerade vorbeifahrenden Schnellzuge ausweichen, wobei er von einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zuge überfahren und getötet wurde. * Oberwesel, 3. Nov.(Ertrunken.) In der vergangenen Nacht ertrank der auf dem Schleppdampfer„Kannengießer" beschäftigte 24jährige Matrose Heidelberger von hier. Der Mann war in der Stadt und wollte nach dem Dampfer zurück, wobei er in den Rhein stürzte und ertrank. Die Leiche wurde noch nicht gefunden. * Kreuznach, 3. Nov.(Verunglückt.) Aus der Nahe wurde gestern Nachmittag die Leiche des evangelischen Pfarrers Achenbach aus Hüsselsheim gelandet. Auf dem Heimwege vom Reformationsfeste ist er wahrscheinlich im Nebel in die Nahe geraten und ertrunken. Kleine Chronik. Selbstmord eines Bildhauers. Der berühmte Berliner Gildhauer Professor Harro Magnussen hat sich mit Leuchtgas vergiftet. Magnussen schuf besonders Bismarck=Bildnisse, zu denen der Altreichskanzler teilweise noch selbst Modell saß. Auch der Kaiser erteilte dem jungen Künstler Aufträge, darunDer Majoratserve. Roman von Annaliese von Steinmühl. 43 Es ist nur, Junker, daß ich schon bei Ihrer Mutter war, und auf die war sie mächtig eifersüchtig. Ach, Du mein Gott, wenn unsere Gnädige wüßte, daß wir jetzt beinahe jede Nacht von der Seligen reden?“ „Von meiner Mutter?“ rief Otmar überrascht aus. „Ja, ja, von der seligen Frau Marianna. Was der alte Herr ist, der fängt immer zuerst davon an.“ „Ist der Vater denn nicht aufgeregt dabei?“ „Nein, er liegt ganz still und redet dann von alten Zeiten. Er hat sie sehr lieb gehabt. Wir alle hatten sie lieb, Junler.“ dic älte wischte sich die feuchten Augen,„denn sie, die erste, hatte ein Herz für jedermann bis zum geringsten Knecht, und der Junker sieht ihr sehr gleich, dieselben Augen und dieselbe Güte in Person.“ Otmar wendete sich bei dem Lobe verlegen ab und blickte den Flur entlang, dann aber faßte er den Arm der Alten und zog sie mit sich fort bis zu einer nach dem Hof vorspringenden Rotunde, dort blieb er stehen. „Geben Sie acht, Mamsell.. ich will mich nicht unnötig sehen lassen.. ob nicht jemand, die kleine Wendeltreppe hinabkommend, den Hof betritt. Mir war vorhin, als ob eine dunkle Gestalt, aus der Mutter Zimmer kommend, über den Flur huschte. „Da ist er,“ rief Mamsell Lätzner leise aus,„aber den kenne ich ja, so'n Gesicht vergißt man nicht.“ Vorsichtig bog sich Otmar vor und erblickte einenschlanken, dunklen Herrn, der rasch den Hof durchschritt und die Landstraße betrat. „Im Wagen kam er nicht vorgefahren, Junker, das tut die Sorte nicht, auch bei meinem Bruder, dem Wustrower Schulzen nicht. Otmar faßte den Arm der Alten:„Beim Wustrower Schulzen? Kommen Sie mit in mein Zimmer, Mamsell, das müssen Sie mir ausführlich erzählen.“ „Da ist nicht viel zu erzählen,“ begann die Alte, als sie ihrem geliebten Junker gegenüber saß, es schmeichelte ihr sehr, daß verselbe ihren Worten eine solche Wichtigkeit beilegte.„Es ter einen für die Siegesallee. Der Beweggrund zu dem Selbst mord ist noch unaufgeklärt. Noch am Tage zuvor(am Montag) hatte Magnussen, der Junggeselle war, an seiner großen Gruppe„Lebensdurst“ gearbeitet, zu Abend gegessen und dann einen Spaziergang gemacht, von dem er um 10 Uhr heimkehrte. Am Dienstag früh sand man ihn in seinem Bette tot vor. Von einem unbenutzten Gasarm war der Verschluß entfernt worden. Neben dem Bett lag ein Buch aufgeschlagen, auf einem Teller ein halber Apfel. Jede schrif liche Aufzeichnung fehlte.— Notstandsarbeiten. Der Magdeburzer Magistrat fordert von den Stadtverordneten wegen zunehmneder Arbeitslosigkeit 50000 Mark für Notstandsarbeiten.— Mordprozeß. In dem achttägigen Leipziger Schwurgerichtsprozeß gegen die Lebedame Minna Döll wegen Ermordung des Buchhändlers Giegler hat die Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der wegen Anstiftung mitangeklagte Buchdrucker Schmidt stellt seine Mitschuld nach wie vor in Abrede.— Zwei Aussehen erregende Selbstmorde. In Liegnitz begoß sich die 39= jährige Gattin des Frauenarztes Dr. Schultz mit Petroleum und zündete es an. Sie starb nach qualvollen Leiden.— Das Magdeburger Schwurgericht verurteilte den schon vielfach vorbestraften Stallschweizer Engel wegen Notzucht zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Als er abgeführt wurd:, zog er ein Messer heraus, stieß es sich in die Brust und verletzte sich tödlich.— Im Roßsteintunnel bei Caub am Rhein wurden drei Streckenarbeiter von einem Zuge überfahren und getötet. — Vatermörder. In Hannover stieß ein älterer Gymnasiast im Streite seinem Vater ein Messer in den Hals. Der Vater ist tödlich verletzt.— Verhaftet. Die Münchener Polizei verhaftete vier Anführer einer internationalen Hoteldiebesbande.— Epidemie. In Annaberg sind gegen 150 Zöglinge des Militärknabeninstituts und der Unteroffizierschule an Diphteritis und Mandelentzündung erkrankt. Der bisherige Verlauf der Epidemie ist günstig. ZNZNZNZNZNZNZNZNZNZN Hiermit die Mitteilung, daß wir demnächst einen hochinteressanten, in Schwerte S sPielenden Lomalt bringen werden. Wer sich die Lektüre desselben sichern will, abonniere auf die„Schwerler de Nachlieferungen des Romans können nur in beschränktem Umfange gemacht werden. NENZNZNZNZNZNZNZNZNZ Worte zum Nachdenken. Der Strom der erbarmenden, rettenden, Christum verklärenden Liebe, die sich von den Quellstätten der Inneren Mission aus unter die Armen oder einer besonderen sittlichen Abhülfe Bedürftigen in den unteren Ständen ergießt, nimmt von da unvermerkt seinen Lauf nach oben in die höheren Schichten der Gesellschaft. Dieser Strom ist wie der des Blutes und der Säfte im leiblichen Organismus, der niederwärts und zugleich nach einem höheren Gesetz des Lebens aufwärts fließt. Es läßt sich mit Sicherheit behaupten und nachweisen, daß alle Wohltat Leibes und der Seele, welche die vom Geiste Christi getriebene Innere Mission erweist, ebensoviel, ja oft viel mehr Segen den Kreisen derer, die diese Hilfe spenden, als denen, welche sie empfangen, bringt. Die Liebe Christi sendet ihre Strahlen nie nur nach einer Seite, sondern, wie die Sonne, belebend nach allen Seiten von ihrem alles beherrschenden Mittelpunkte aus. Also schon um dieser weitergehenden Wirkung willen sollen die gesunden und genesenden Gemeindeglieder sich bei diesen Arbeiten beteiligen. Je mehr dies geschieht im Blick auf den inneren Ausbau der Kirche, und je mehr die Träger des kirchlichen Amtes in diesem Geiste dabet mitwirken, desto segensreicher wird das Werk gedeihen. (Wichern, Denkschrift.) An Lobredner des Auslandes. Laßt uns Deutsche sein und bleiben: Deutscher Handschlag steht uns wohl! Was wir denken, reden, schreiben, Das sei deutschen Herzens voll! Deutsches Herz hat deutsche Triebe, Treibt zu deutscher Redlichkeit, Treibt zu Vaterlandes Liebe, Treibt uns zur Bescheidenheit. Laßt uns Deutsche sein und bleiben; Deutscher Ausdruck steht uns wohl! Was wir denken, reden, schreiben, Sei des deutschen Geistes voll! Gleim. Standesamt Hennen. (Monat Oktober.) Geburten. 1 Sohn: Handelsmann Gustav Werth, Drüpplingsen; Landwirt Hermann Rahlenbeck, Leckingsen. 1 Tochter: Kettenschmied Friedrich Vieler, Kalthoff; Handelsmann Gust. Werth, Drüpplingsen. Aufgebote. Oberbauarbeiter Hermann Schröer in Hennen und Ida Althoff in Rheinen; Schlosser Friedrich Wilhelm Leopold Kleeschulte in Schwerte und Agnes Oeke in Wordhausen; Bauführer Heinrich Otto Voß in Hagen und Emma Minna Klara Albrecht in Hennen; Magazinarbeiter Heinrich Braun in Rheinen und Wilhelmine Schmidt in Langschede: Hotelbesitzer Heinrich Schultdrees in Paderborn und Klara Beckhaus in Hennen; Maurerhandlanger Leo Guberlet in Hennen und Lina Luise Rost in Drüpplingsen; Landbriefträger Johann Dresel in Kabel und Idi Ricka Anna Peukmann in Villigst. Eheschließungen. Schäfer Friedrich Zarges in Drüppling= sen und Ida Rinke in Strickherdecke; Reckschmied Paul Otto Hillebrandt in Kalthof und Dina Franziska Bongard in Sümmern. Sterbefälle. Johanna Boers in Rheinen, 2 Mon.; Landwirt Heinrich Diedrich Westerhoff gen. Westenberg in Villigst, 74 Jahre; Kettenschmied Louis Jansen, 24 Jahre in Drüpplingsen. Theater=Spielplan. Stadttheater Dortmund. Donnerstag, 5. Nov., 7,30 Uhr:„Zar und Zimmermann". Komische Oper in drei Aufzügen von Albert Lortzing. Freitag, 6. Nov., 7,30 Uhr:„Cyrano von Bergerac“. Nomantische Komödie in 5 Aufzügen von Edmond Rostand. Sonnabend, 7. Nov., 7,30 Uhr:„Der Trompeter von Säkkingen“. Oper in 3 Aufzügen und 1 Vorspiel von V. E. Neßler. Städt. Schauspielhaus, Hagen. Donnerstag, 5. Nov., 7,30 Uhr:„Ein Walzertraum“., Operette in drei Akten von Oskar Straus. Freitag, 6. Nov., 8 Uhr:„Robert und Bertram“ oder„Die lustigen Vagabunden“. Posse mit Gesang von Gust. Naeder Sonnabend, 7. Nov.: Keine Vorstellung. Stadttheater Barmen. Donnerstag, 5. Nov., 8 Uhr:„Liebelei“. Schauspiel in drei Akten von Arthur Schnitzler. Freitag, 6. Nov., 8 Uhr:„Undine“. Nomantische Zauberoper in vier Akten von Albert Lortzing. Samstag, 7. Nov., 7,30 Uhr:„Kabale und Liebe“. Ein bürgerliches Trauerspiel in fünf Akten von Friedr. v. Schiller. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 5. Nov.: Meist heiter, rauher Wind, kühler. 6. Nov.: Teils heiter, teils nebelig, rauher Wind. 7. Nov.: Morgens Nebel, dann wolkig mit Sonnenschein, normal, Nachtfrost. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas: Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. sind jetzt vielleicht vierzehn Tage her, da war ich zum Kaffee beim Bruder. Kommt da mit einmal dieser Herr herein, nachdem die dumme Trine feierlich die Karte hereingebracht hatte, auf welcher stand: Klein, Gütermakler, Berlin, Schellingstraße. „Gütermakler? Erinnern Sie sich dessen ganz genau, Mamsell?“ „Ganz genau, Junker. Der Herr redete von allerhand, von den Gütern hier in der Umgegend, ob was hier zu machen wäre. Dann fing er von Familiengeschichten an. er wußte merkwürdig gut Bescheid. Ich hatte immer hübsch Antwort gegeben, bis mich der Schulze unter dem Tisch anstieß und mir zuzwinkerte, da wurde ich ganz still und merkte erst jetzt, wie wortkarg mein Bruder war. Das mußte der Klein doch nun auch merken, denn er stand bald darauf auf und ging. Der Bruder behauptet, es sei so'n verwünschter Spion von den Juden oder wohl gar von den Sozialdemokraten. Er zankte mich aus, daß ich so viel geredet hätte. „Hat er sich besonders nach Büseritz erkundigt?“ „Wenn ich es mir so überlege, ja, Junker, es wird an dem gewesen sein. Die Alte wurde ganz rot, denn es fiel ihr wieder schwer auf die Seele, daß der Schulze gescholten hatte, sie würde mit ihrem vielen Reden über ihren Junker demselben noch schaden. Otmar wußte genug, er bat die Alte nur, ihm mitzuteilen, ob dieser Klein den Besuch im Schulzenhof wiederholen würde. Die Mamsell stand auf, noch im Fortgehen erzählend: „Mein Neffe, der Robert, meinte nachher, Baron von Hagen habe ihn vielleicht geschickt, denn im Krug ging die Rede, der Wagen mit dem Herrn sei von Schönbergen gekommen. Dann könnte man sich noch einen Vers darauf machen, indem der Baron in der letzten Zeit sich soviel im Schulzenhof zu schaffen macht. Sie sagen ja, des Holzweges wegen, um den der lange Proseß war. Meinetwegen können sie sagen, was sie wollen, Junler, wenn ich es nur nicht glauben muß. Aber mich dauert der Bruder, wenn dem mal die Augen aufgehen, das Mädel ist schon hin, und dem Robert bekommt der Umgang auch sehr schlecht, der wird der reine vornehme Herr und geht mit Erlaubnis des Barons auf die Jagd. Es ist man nur wenig in Schönbergen zu holen, und wenn dann so'n einfacher Bauernbursche Geschmack an der Jägerei gefunden hat, dann kann er auch'mal auf verbotenen Wegen gehn. Ja, ja, es ist ein Kreuz!" Mit diesen Worten schritt die bekümmerte Alte hinaus. In Otmars Kopf war ein wahres Durcheinander beängstigender Vorstellungen geweckt. Liefen vielleicht alle Fäden in Schönbergen zusammen? Dieser Hagen, der in jüngster Zeit einen so regen Verkehr mit dem Schulzenhause unterhielt, haßte ihn wie seinen Todfeind. Er mußte wissen, wohin dieser Klein gefahren war und wo er herkam. Im Krug war das unschwer „lzustellen. Die Kutscher reden dort gern einen Strämel. Und es verging keine Stunde, da erfuhr der Junker, daß Klein von Wustrow gekommen war und den Schönbergener Weg eingeschlagen hatte. Es wurde wieder einmal Zeit, mit Karl Heinrich Rücksprache zu nehmen. Dieser lange Besuch des Rechtskonsulenten bei feiner Mutter und die Geheimhaltung desselben war jedenfalls ein wichtiges Glied in der Kette der Vermutungen. „Was hatte Mama so lange mit einem solchen Manne zu verhandeln?" „** Ja, was hatte Amanda in so langer Unterredung mit diesem Klein zu besprechen? Was ließ sie den Schreibtisch aufschließen und demselben die hohen Geldscheine entnehmen, die bald darauf nebst einem beschriebenen Zettel in der Brieftasche des Rechtskonsulenten verschwanden? Dazu müssen wir einige Schritterückwärts gehen. Als Amanda die Karte des Herrn dieselbe, die sie nachher verlor. überbracht wurde, mit dem Bemerken, der Herr käme in einer dringenden Angelegenheit, dachte sie an eine Bettelei und empfing Klein im Vorzimmer. Doch einige leise Worte desselben veranlaßten sie, ihn zum Eintritt in ihr Arbeitszimmer aufzufordern, dessen Türen sie sogar verschloß, und nun begann das meisterhafte Spiel des gefährlichen Mannes, mit welchem er alle Regungen dieser Frauenseele bloßlegte und die Saiten derselben mit kunstgeübter Hand anschlug, bis sie den Ton angaben, der zu seiner Melodie paßte, seinen Beutel füllend, und ihn noch Anwartschaft auf höheren Gewinn in Aussicht stellend. 157,29 bei anen 8 1 948 910 ngin 15 ißte lein wer Und von nges ache 1 alls e zu sen eßen dades 1ache Herr eine leise Arund ines, und Is sie sutel Aus7.29 IK 4 6 95 5 5 G * S 8 5#BEE 2 S S 2 5 S.E * E 8 GSRES S S 55 8 52 8 8 8 8 a 5 S.2% 6 G 2# 9 22* G 5 9 5— 5 * 89 SEES 5 S 2 # S S 8 — 8 2 935 S 8 2 5 8 * 8 5 S2 ## 8 8.5 2 S 8 9 EEE * S•S S 8 8 * 882 5 85 2 55 " 2 S 2 S SSg. am am Ss S SFSSSE G 2 S 8 5 S S 9 □ 8 2 S S.: S 15 4 E B5SE * 8.** S GSEE S J. 9ass E 583 E S 5 8 ge 2 S S E S FGES ** 6##S * 5 S 58 3 9 99 555 S5 S 5 5 S# 09— S S S S 0 E S###. 5 E * S 0 e * *** 9EhgE 65 8 5 S B#* 9 E 8 2.2 24 0 B 33 GE Gsen S S E 2 . 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Juli 1908. 1908 bewilli ten sind, 17 Unfall daue sicherungsges von Versiche * West letzten Perso Einwohner meinden ver (2191), Wan (767), Lichte 303(305), beziehen sich ** Schü sand am Di außer dem! Kreisarzt gen der Ap sters Voß 2 wurden, wel heitsarbeiter gründe der herausstellen dreas festzu angeschriebe erlitten hat, wieder bei abends spät Zimmer dur tag morgen Polizeikomn ersten Zuge brachte den erst im Apl hören, soll Klinge Blu wissen, wie den Verneh aufkommen, Totschlag o dem jeder a zum Opfer „Jur! Unter (Gesellschaft Saatmann Richtigstellu in hier nich angegriffen Wir be Tatsachen# 1) Es Mitteln ge wird der# taktvoll geh Tageblatt zur Abgabe gezwungen Das gibt der den Abon hiermit Drei= bis erster Lin wir uns ere lang erwarten legung so gung der von Vorl gen habe für Hand desselben Zeitraumes bewilligten Aktersrenten betrug 467 557. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung des Berechtigten oder aus anderen Gründen weggefallen 357261, so daß am 1. Oktober 1908 liefen 110 296 gegen 112096 am 1. Juli 1908. Invalidenrenten gemäß§ 16 des Invalidenversicherungsgesetzes(Krankenrenten) wurden seit dem 1. Januar 1900 bewilligt 87329. Davon sind infolge Todes, Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit oder aus anderen Gründen weggefallen 67 921, so daß am 1. Oktober 1908 liefen 14 908 gegen 19642 am 1. Juli 1908. Beitragserstattungen sind bis zum 30. September 1908 bewilligt: an weibliche Versicherte, die in die Ehe getreten sind, 1771021, an versicherte Personen, die durch einen Unfall dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Invalidenversicherungsgesetzes geworden sind, 5357, an die Hinterbliebenen von Versicherten 392 455, zusammen 2168833. ** Westhosen, 4. Nov.(Einwohnerzahl.) Nach der letzten Personenstandsaufnahme hat der hiesige Amtsbezirk 7726 Einwohner gegen 7712 im Vorjahre. Auf die einzelnen Gemeinden verteilt sich diese Zahl wie folgt: Westhofen 2195 (2191), Wandhofen 686(679), Villigst 260(244), Syburg 725 (767), Lichtendorf 1039(1011), Garenfeld 514(531), Geisecke 303(305), Holzen 2009(1984). Die eingeklammerten Ziffern beziehen sich auf das Vorjahr. *e Schüren, 4. Nov.(In der Mordsache Lessing) sand am Dienstag Nachmittag ein Lokaltermin statt, an dem außer dem Untersuchungsrichter und Staatsanwalt auch der Kreisarzt Herr Dr. Pollack teilnahm. Den eifrigen Bemühungen der Aplerbecker Polizei und des Gendarmerie=Wachtmeisters Voß 2 hatten zur Folge, daß wichtige Anzeichen ermittelt wurden, welche den Verdacht der Täterschaft auf den Gelegenheitsarbeiter Heinrich Andreas lenkten. Ob diese Verdachtsgründe der weiteren Untersuchung Stand halten, wird sich bald herausstellen, vorläufig scheinen sie genügt zu haben, den Andreas festzunehmen. Der Verdächtige, ein 35jähriger, schlechtangeschriebener Mensch, der wohl schon ein Dutzend Vorstrafen erlitten hat, ist von seiner Frau geschieden und lebt seitdem wieder bei seinen Eltern. Diese sagten aus, daß der Sohn abends spät nach Hause gekommen, die ganze Nacht ruhelos sein Zimmer durchwandert und das Bett nicht berührt habe, Dienstag morgen um 5 Uhr aber schon wieder fortgegangen sei. Polizeikommissar Meuler ermittelte, daß Andreas mit dem ersten Zuge nach Unna gefahren war, er reiste ihm nach und brachte den Gesuchten bereits am Nachmittag mit, um ihn vorerst im Aplerbecker Polizeigefängnis unterzubringen. Wie wir hören, soll sich bei Andreas ein Messer befunden haben, dessen Klinge Blutspuren aufwies, doch will der Festgenommene nicht wissen, wie dasselbe in seine Tasche gekommen ist. Die weiteden Vernehmungen und Besichtigungen lassen die Vermutung aufkommen, daß es sich bei der schweren Tat nicht nur um einen Totschlag oder Mord, sondern um einen Raubmord handelt, dem jeder andere zufällig des Weges Kommende gerade so gut zum Opfer fallen konnte, wie der unglückliche Franz Lessing. „Zur Abwehr versteckter Angriffe!“ Unter dieser Devise greift uns das„Schwerter Tageblatt" (Gesellschafter Emil Saatmann in Mülheim a. Rh. und Hugo Saatmann in Hamm) an, weil wir bei einigen Firmen eine Richtigstellung abgaben, nachdem wir bei unserer Kundschaft in hier nicht wiederzugebender Weise von dem„Tageblatt“ angegriffen worden waren. Wir behaupten hiermit nochmals eine Verstellung von Tatsachen seitens des„Tageblattes“ und konstatieren: 1) Es ist unwahr, daß die„Schwerter Zeitung“ mit allen Mitteln gegen das„Schwerter Tageblatt“ arbeitet, vielmehr wird der Prozeß ergeben, daß wir, wenn überhaupt, äußerst taktvoll gehandelt haben und nur durch das Vorgehen des „Tageblatt" bei unserer Kundschaft zu einer Gegenwehr und zur Abgabe des nachstehenden Rundschreibens bei vier Firmen gezwungen worden sind: Schwerte(Ruhr), im Oktober 1908. P. P. Das„Schwerter Tageblatt“(Buchdruckerei Saatmann) gibt der Geschäftswelt gegenüber die Anzahl seiner zahlenden Abonnenten mit 800, 900 und 1000 an und übertreibt hiermit selbst diese niedrige Zahl noch um ungefähr das Drei= bis Vierfache. Nicht nur in unserm eigenen, sondern in erster Linie im Interesse unserer geehrten Kundschaft fühlen wir uns verpflichtet, dieses schriftlich niederzulegen, und unere langjährigen, teilweise seit 40 Jahren treuen Inserenten erwarten von uns infolge der näheren Umstände die Festlegung solchen Handelns, das auf die Täuschung und Schädigung der Inserenten hinzielt. Wir stellen Ihnen anheim, von Vorliegendem beliebigen Gebrauch zu machen. Im übrigen haben wir diese Angelegenheit bereits dem Schutzverein für Handel und Gewerbe zur weiteren Verfolgung übergeben. Hochachtungsvoll„Schwerter Zeitung". 2) Es ist unwahr, daß unsere Klage gegen das„Tageblatt“ von dem Vorstande des Schutzvereins für Handel und Gewerbe zurückgewiesen sei, zumal eine Sitzung überhaupt noch nicht stattfinden konnte. Die in Frage kommenden Herren Vorstandsmitglieder des Schutzverbandes haben sich bereit erklärt, dies jederzeit und jedermann zu bestätigen. 3) Die von dem„Tageblatt“ angegebenen Abonnenten— bezeichnender Weise genau 800, und zudem nicht, wie bei der Kundschaft behauptet, 1000— sind bei weitem keine Abonnenten! Abonnenten sind nur solche, welche die Zeitung bestellen und bezahlen. 4) Es ist unwahr, daß wir die Auflage unserer Zeitung verschiedenen Geschäftsleuten gegenüber auf weit über 3000 angegeben haben. Beweis: Die Geschäftswelt. Durch Termine abgehalten, kann leider Herr Notar Justiztat Backhausen, wie er uns mitteilt, in den ersten Tagen eine notarielle Feststellung unserer Auflage und zahlenden Abonnenten nicht vornehmen, und baten wir daher Herrn Notar und Rechtsanwalt Voß=Hagen, dieserhalb schnellmöglichst herüberzukommen. Bei Berücksichtigung obiger Tatsachen und nach Bekanntgabe unserer notariell beglaubigten Auflage kann jeder leicht sein Urteil fällen, und überlassen wir es dem Publikum, festzustellen, auf welcher Seite die Wahrheit ist. Verlag und Redaktion der„Schwerter Zeitung“. (Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde.) Aus Zeit und Welt. Der Kaiser als„ehrlicher Finder". Auf einem Spazierritt im Berliner Tiergarten fand der Kaiser dieser Tage ein frisch gewaschenes und geplättetes Oberhemd, das die Wäscherin anscheinend verloren hatte. Er ließ es aufheben und im Fundbureau des Polizeipräsidiums abliefern.— Die Kaisertochter, die im 17. Lebensjahre steht, wird wieder einmal„verlobt“. Der„Auserwählte“ ist diesmal der 20jährige Prinz Christophorus von Griechenland, der sechste Sohn des Königs „Zeppelin". Der diesjährige Wein wurde, wie vom Rhein geschrieben wird, auf den Namen„Zeppelin“ getauft. Es ist von ihm zwar nicht viel da, doch steht er„hoch“ über den anderen.— Auch die neueste Luftspazierfahrt des Grafen Zeppelin mit der Herzogin Wera von Württemberg an Bord seines Luftschiffes ist vorzüglich verlaufen. Neue Aufstiege finden erst wieder statt, wenn der Kaiser(am Sonnabend) in Donaueschingen beziehungsweise in Friedrichshafen eintrifft. Ein Ausstellungs=Fehlbetrag. Die internationale Ausstellung für angewandte Elektrizität in Marseille in Frankreich, in der etwa 35 deutsche Firmen vertreten waren, wurde geschlossen; der Fehlbetrag beläuft sich auf über eine Million Franken. Auch ein Zeichen der Zeit! Kurse am Spinnrocken. Um die alte Sitte des Handspinnens wieder zu belben, werden in vielen Volksschulen Badens während der Wintermonate Spinnkurse für Mädchen abgehalten. Wozu Markthallen gut sind. Der alte Zirkus Renz in Berlin war ursprünglich eine Markthalle. Ein ähnliches Schicksal soll eine andere Berliner Markthalle teilen, in der nicht alle Stände vermietet sind und die deshalb der Stadt nicht genügend Geld einbringt. Angeblich wird ein Hamburger Direktor die Halle pachten und zu einem Varieté umgestalten. Die Braunkohlenpreise fallen, die Steinkohlenpreise immer noch nicht. In der Generalversammlung des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikats wurde mitgeteilt, daß eine nicht unbedeutende Preisermäßigung für Braunkohlen eingetreten sei. Unsere Schullesebücher müßten viel mehr, als es geschieht, in den Dienst des Tierschutzes treten, und zwar durch passende Lesestücke. So sah ich ein hübsches in einer französischen Fibel. Zwei Knaben sahen eine Kröte!„Welch ein häßliches Tier!" ruft der eine.„Wir wollen es töten!“, sagt der andere. Sie suchen Steine und Stöcke. Da naht ein Eselfuhrwerk, und der Esel will gerade den Fuß dahin setzen, wo die Kröte sitzt. Da sieht er sie und geht seitwärts, um sie nicht zu verletzen. Da sahen die Knaben sich an und einer sagt zum andern:„Sieh doch den Esel, er ist braver als wir.“ Und sie schämen sich und gehen weiter, ohne der Kröte ein Leid zuzufügen. Letzte Drahtmeldungen. Die Reise des Kaisers. Eckartsau, 5. Nov. Kaiser Wilhelm traf gestern Nachmittag auf der Station Siebenbrunn ein und wurde vom Erzherzog Franz Ferdinand begrüßt. Der Bahnhof war mit Festons, Girlanden und Flaggen in den österreichischen und deutschen Flaggen geschmückt. Der Wartesaal war mit Blumen und Blattpflanzen geziert. Der Erzherzog, der um 2,30 Uhr aus Wien eingetroffen war, leitete persönlich das Arrangement und verblieb im Wartesaal, bis die Ankunft des deutschen Hofsonderzuges gemeldet wurde. Sofort nach Verlassen des Zuges eilte der Kaiser, der im Jagdanzuge war, auf den Erzherzog zu, schüttelte ihm beide Hände und küßte ihn auf die Wange, sodann verblieb er kurze Zeit in angeregter Unterhaltung bei ihm. Der Kaiser dankte freundlichst für die Huldigungen des angesammelten Publikums und bestieg mit dem Erzherzog das Automobil, mit dem er sodann die Fahrt nach Eckartsau antrat. Die Gefolge folgten in fünf weiteren Automobilen. Als die Automobile vor dem Schloß eintrafen, herrschte bereits Dämmerung. Das Schloß erstrahlte im hellen Lichte. Das vor der Einfahrt angesammelte Publikum begrüßte den Kaiser ehrerbietigst. Fahrt des Parsevalballons. Berlin, 5. Nov. Die Abnahme=Prüfung des ParsevalBallons hat gestern früh 7¼ Uhr begonnen. Die Füllung dauerte bis 10 Uhr. Um 1 Uhr erfolgte der Aufstieg zusammen mit dem Militärluftschiff. Gleich nach der Auffahrt befand sich der Ballon in so dichtem Nebel, daß eine Orientierung nicht möglich war. Auch in größerer Höhe war der vor dem Aufstiege abgelassene Drachenballon nicht zu bemerken, so daß man versuchte, dicht über dem Erdboden sich an Gegenständen zu orientieren. Da sich auch dies als unmöglich erwies, wurde die Landung beschlossen, die glatt und ohne fremde Hilfe erfolgte. Gegen 4 Uhr hielten Feldarbeiter den Ballon, der stets zur Rückfahrt bereit war, auf dem Landungsfelde. Der Nebel wurde immer dichter, so daß man schließlich den Ballon entleerte. Auch hierbei wurden weder der Ballon, noch Teile der Gondel beschädigt. Ein National=Bismarck=Denkmal am Rhein. Berlin, 5. Nov. Der Ausschuß, dessen Präsidium der Reichskanzler und die Abgg. Basserman, Dr. v. Heydebrand und Kaempf und der Oberpräsident der Rheinprovinz v. Schorlemer=Lieser angehören, erläßt einen Aufruf zur Errichtung eines National=Bismarckdenkmals, das am Rhein errichtet werden soll. Der doutsch=französische Zwischenfall. Paris, 4. Nov. Laut einer halbamtlichen Note des Abendblattes„Liberte“ ist die französische Regierung nicht in der Lage, die Deserteure freizugeben oder sich wegen der Vorgänge auf dem Schiff zu entschuldigen. Ein Schiedsgericht erscheine nach wie vor als richtiger Ausweg. Zur Präsidentenwahl in Amerika. Newyork, 5. Nov. Nach den bisherigen Schätzungen ist die Wahl von Taft mit 1091 000 Stimmen Mehrheit erfolgt. Präsident Roosevelt übersandte ein herzliches Glückwunschtelegramm an Taft. Taft dankte hierfür und betonte, diese Wahl bedeute einen Triumph für die Geschäftsführung Roosevelts.— Die Sozialisten gewannen neue Stimmen in vielen kleinen Plätzen und hoffen eine Million Stimmen erreicht zu haben. Aber ihre hiesigen Kandidaten sind sämtlich geschlagen. Auch Hearsts Partei hat kläglich abgeschnitten. Französische Umtriebe. Tanger, 4. Nov. Aus Mazagan wird gemeldet, daß die Franzosen die Uled Fordsch, die sich dem Sultan Muley Hafid nur scheinbar unterwarfen, aufstachelten, sich ihrer von Muley Hafids eingesetzten Kaids zu entledigen. Die Franzosen tieferten den Uled Fordsch sogar Munition. Seit mehreren Tagen wird nun in Dukala zwischen den Uled Fordsch und den Haftdisten gekämpft, und die Franzosen liegen auf dem nordlichen Flußufer zum Eingreifen bereit. Der französische Befehlshaber machte bereits einen Aufklärungsritt über den Fluß bis Uled Nami. Alles das zeigt, daß die französischen Behörden in Casablanac darauf hinarbeiten, neue Unruhen zu schaffen und dadurch nicht nur die Truppenzurückziehung zu hintertreiben, sondern auch einen Vorwand zu weiterer Ausdehnung der militärischen Operationen zu schaffen. Paris, 5. Nov. Nach einer Meldung des„Agence Havas“ aus Melilla wurden die Truppen des Roghi von feindlichen Stämmen angegriffen. Der Kampf dauerte fünf Stunden. Das Ergebnis ist ungewiß. Ein Zeichen der Zeit. Berlin, 5. Nov. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat angeordnet, daß zur Steuerung der Arbeitsnot allenthalben im Herbst und Winter die vorbereiteten Staatsbauten, für welche die Geldmittel bewilligt sind, in Angriff genommen und soweit es die Witterung gestattet, fortgeführt werden sollen. Gleichzeitig ist angeordnet worden, daß bei Staatsbauten nur inländische Arbeiter beschäftigt werden. Immer neue Erdbeben. Plauen i. Vogtl., 5. Nov. Die Erdbeben haben erneut mit aller Kraft eingesetzt und übertreffen alles bisher Dagewesene. Wie aus Brambad gemeldet wird, wurden dort über 100 Erdstöße, darunter solche von außerordentlicher Heftigkeit gezählt. Aus Untersachsenberg wird berichtet, daß die Einwohnerschaft sich zumteil bis spät in der Nacht auf der Straße aufgehalten hat. In Zwota hat eine Anzahl von Häusern und Dächern Risse bekommen. Greiz, 5. Nov. Hier und in der Umgebung wurden sieben starke Erdstöße, die stärksten seit Jahren, verspürt. Die Bewohnerschaft wurde durch unterirdisches Rollen und Fensterklirren erschreckt und flüchtete auf die Straßen. Regensburg, 5. Nov. Wie aus verschiedenen Orten des Fichtelgebirges gemeldet wird, fand dort ein starkes Erdbeben statt, so in der Gegend bei Seußen, Wunsiedel, Selb und Marktleuthen. An letzterem Orte war das unterirdische Rollen so stark, daß die Fenster klirrten und die Lampen in den Wohnhäusern in Schwingungen gerieten. Leipzig, 5. Nov. Gestern Nachmittag 2 Uhr 10 Minuten wurde hier ein Erdbeben wahrgenommen, das besonders heftig in Neuschönefeld und Leutzsch verspürt wurde. Auch in der Altstadt von Leipzig war die Erderschütterung deutlich wahrnehmbar. Schiffsuntergang. Antwerpen, 5. Nov. Zwischen dem Dampfer„Derwent“ und dem Schoner„Euterprixse“ fand in der Nordsee ein Zusammenstoß statt. Der Schoner sank in wenigen Minuten, der Kapitän und 42 Mann der Besatzung ertranken. Eingesandt. Wie ein Märchen aus tausend und einer Nacht mutet es an, wenn man in Nr. 256 dieses Blattes liest, das speziell für die KettenIndustrie die allgemeine Geschäftsflaue nicht zutreffend sei, vielmehr infolge Ueberhäufung von Aufträgen andauernd neue Arbeitskräfte eingestellt werden müssen.— Sonderbar, überall in deutschen Landen, überall in der engeren Heimat liegt seit vielen Monaten die Industrie und Geschäftslage so sehr darnieder, daß wir einen trostlosen Winter entgegengehen; aller Orten wird in der Hauptsache auf Lager, teilweife mit Feierschichten gearbeitet, denn das Wenige, was an Aufträgen eingeht, ist sehr bald erledigt.— Sonderbar, wenn es so flott in der Kettenbranche gehen soll, speziell in Ergste, daß die in Frage kommende Firma dann bei dem reichlichen Elngang von Aufträgen noch ihren Arbeitern die Löhne heruntersetzen muß. Geht es flott, so liegt doch nicht die geringste Veranlassung vor, die Arbeitslöhne zu drücken, im Gegenteil wäre dann eine Aufbesserung ganz am Platze.— Sonderbar, wenn die Arbeiterschaft gelassen all' dem zusieht, wo gerade sie pekuniär so sehr dabei interessiert ist, oder ist es etwa nur eine Ehre, im glücklichen Ergste unverächtlich Ketten zu machen? — Wenn wirklich eine momentan lebhaftere Beschäftigung Platz gegriffen hat, so darf dieses doch nicht im allgemeinen und im besonderen auf die lokale Industrie als dauernd hingestellt werden. Allerdings ist schon beobachtet worden, daß derartige, den Tatsachen vollkommen entgegenstehende Berichte in Zeitungen lanziert werden, die nach verschiedenen Richtungen hin gedruckt werden können. (Mehrere Hettenschmiede.) Wochenmarktspreise. Schwerte, 4. Nov. Kartoffeln per Zentn. 3,00—3,300 Mk., Brot per 10 Pfg. 1.20—1,50 Mk., Butter per Pfd. 1,30 Mk., Eier 8 Stück 1,00 Mk.; Rindfleisch per Pfd. 75, Schweinefleisch 80—90, Kalbfleisch 90, Hammelfleisch 80, Ger. Speck 80—90 Pfg. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigt; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas: Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Del Usele Boueis für die Güte von Kathreiners Malzkaffee sind die vielen Nachahmungen. 5388 Eine Wohnaug (abgeschlossene Etage von 5 Zimmern) im Mittelpunkt der Stadt, mit allen Bequemlichkeiten, elektr. Beleuchtung etc. sofort oder später zu vermieten. Näh. in der Geschäftsstelle. Eine Wohnung von 2 Zimmern mit Stallung und Gartenland per sosort oder später zu vermieten. 5269 Dortmunderweg 132. 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Wenn jetzt mit dem Erscheinen eines neuen deutschen Bleistiftes auf dem Weltmarkt der deutschen Bleistift=Industrie der Preis eines endgültig entscheidenden Sieges auch über die bisher vornehmsten Fabrikate des Auslandes zugesprochen werden darf, so ist dieser Triumph dem neuen Zeichenstift„Gastel!“= der Firma A. W. Faber in Stein bei Nürnberg zu danken. Dies neueste Erzeugnis, das Resultat langjähriger und eingehendster Versuche, läßt alle Eigenschaften des durch ein neues Verfahren präparierten feinsten Graphits in höchster Potenz erscheinen und berechtigt es, allen Auslandsfabrikaten kühn„die Spitze zu bieten“. Der neue Zeichenstift stellt auf dem Gebiete der Bleistiftfabrikation das denkbar und überhaubt erreichbar Feinste dar. Von 6 B, mit welchem die tiefsten der Tusche ähnlichen Wirkungen erziehlt werden können, bis zum besonders extra harten 8 H, für Zeichnungen auf Stein, entspricht jeder der sorgfältig abgestuften 16 Härtegrade dem speziell für ihn vorgesehenen Zweck und allen von nern, Ingenieuren und Architekten im täglichen Gebrauch zu stellenden Anforderungen. Feinste widerstandsfähige Spitze und größte Jartheit des Striches verbinden sich in ihm mit geringster Abnützung und daher längster Dauer. A. W. Faber's„Castell“. Bleistift ist der beste der Gegenwart. Bekanntmachung. Der Neubau einer einklassigen Schule mit LehrerWohnung, Aborte und Stallung auf dem Sommerberg, Gemeinde Holzen, veranschlagt zu insgesamt 23300 Mk. soll mindestfordernd vergeben werden. Zeichnungen liegen auf hiesigem Amtsbüro Zimmer Nr. 1 woselbst auch Angebote gegen Entrichtung der Schreibgebühr in Hihe vor 2 Mark pro Stück bezogen werden können, zu Einsichtnahme offen. Verschlossene Offerten mit der Aufschrift„Schul=Neubau Sommerberg“ sind bis längstens zum 25 November d. dem hiesigen Amte einzureichen. Westhofen, 2. November 1908. Der Amtmann v. Daniels. 5391 Hinweis. Der heutigen Auflage ist ein Prospekt der Buchhandlung Carl Braus, Gr. Marktstraße, betr. neue BücherErscheinungen beigelegt, den wir geneigter Beachtung empfehlen. 5383 Die Geschäftsstelle. Nechdruch verboten Kaffee! Kaffee! Zu beziehen durch: Carl Braus, Buchhandlung, Große Marktstraße. Kaffee am Morgen! Kaffee spät abends! Kaffee für Dervöle! Kaffee für Herzleidende! Kaffee bei Schlafloligheit! Kaffee bei Blutarmut! Kaffee Toviel man will ohne Schäckigung der Selundbeit hann man genieben, wenn man statt des gewöhnlichen Bohnenkaffees den Coffeinfreien Kaffee HAG (Marke Rettungsring) kauft. Clirklicher Kaffee, kein Surrogat. Voller, reiner Kaffeegelchmack, volles seines Hroma. Jeder Arzt empfiehlt ihn. Man mache eine Drobe. Zu haben in allen desseren Geschäften, ept. wende man sich an die Kaffee-Handeis-Aktion-Gefellichafe, Bromen. 69 algr Manier(zum Einwicheln 2c.) gibt billigst ab akuluiat Pupirt Buchdruckerei Carl Braus.