mmmrmrrrr Verbunden mit: General-Anzeiger für den Kreis Hörde Schwerter Volks-Zeitung Schwerter Volksblatt Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: 0„Illustrierter Familienkreund“ und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis. Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 18 Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die„Schwerter währt ihren seden mit Cod fall gemäss ungen Zestung" geAbonnenten für endenden Unihren BedingUnterstützung. Erstes und ältestes Tagesorgan des Rreises. □ Alle kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtso o o o o o verbincliche Kraft. o o o 0 o 0 Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr. Haupf-Runongenblat. Nr. 248. Mittwoch, den 21. Oktober 1908. 40. Jahrg. Ku Sestes Wrart. Die preuhzische Thronrede. Die bei der Eröfsnung des preußischen Landtags am Dienstag vom Kaiser und König verlesene Thronrede hatte folgenden Wortlaut: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Ein Jahrhundert ist verronnen, seit Mein in Gott ruhender Vorfahr, weiland König Friedrich Wilhelm III. durch Erlaß der Städteordnung die Bürger Preußens zur Teilnahme an der Verwaltung des städtischen Gemeinwesens berief. Segensreich hat sich seitdem die Selbstverwaltung entwickelt und in stetem Wachstum über Provinzen, Kreise und ländliche Gemeinden ausgedehnt. Mit dem Erlaß der Verfassung ist die Nation in die Mitarbeit auch an den Geschäften des Staates eingetreten. Es ist Mein Wille, daß die auf ihrer Grundlage erlassenen Vorschriften über das Wahlrecht zum Hause der Abgeordneten eine organische Fortentwicklung erfahren, welche der wirtschaftlichen Entwicklung, der Ausbreitung der Bildung und des politischen Verständnisses sowie der Erstarkung staatlichen Verantwortlichkeitsgefühls entspricht. Ich erblicke darin eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Ihre Bedeutung für das gesamte Staatsleben erfordert umfassende Vorarbeiten, die von Meiner Regierung mit allem Nachdruck betrieben werden. Die schon für die vorletzte Tagung angekündigten Gesetzentwürfe über die Aufbesserung des Diensteinkommens der Staatsbeamten, Geistlichen und Volksschullehrer werden Ihnen unverweilt zugehen. Gleichzeitig sollen die Wohnungsgeldzuschüsse neu geordnet, das Besoldungssystem der unmittelbaren Staatsbeamten vereinfacht und die Lehrerbesoldung unter Festhaltung der verfassungsmäßigen Grundlagen für ihre Ordnung einheitlicher gestaltet werden. Die Gesamtheit dieser Vorlagen stellt erhebliche Ansorderungen an die Steuerzahler. Für den Staatshaushalt bedeuten sie unter Zurechnung der bereits in den letzten Jahren beschlossenen Aufbesserungen sowie der Mehraufwendungen aus dem Volksschulunterhaltungsgesetz eine dauernde Neubelastung von jährlich etwa 200 Millionen Mark. Der Ernst der Lage wird dadurch gesteigert, daß der schon im Fehlbetrage des Rechnungsjahres 1907 zutage getretene ungünstige Stand der Finanzen des Staates andauert, ja sich im laufenden Jahre verschlechtern wird. Es ist deshalb unabweislich, daß ein beträchtlicher Teil der für die Besoldungsgesetze erforderlichen Mittel durch erhöhte steuerliche Belastung von Vermögen und Einkommen in den höheren Stufen aufgebracht wird. Entsprechende Gesetzesvorschläge, die zugleich eine zweckmäßiger geordnete Besteuerung der kapitalkräftigen Erwerbsgesellschaften anstreben, werden Ihnen vorgelegt werden. Die ungünstige Lage der Finanzen in Reich und Staat inmitten eines zwar zeit eise verlangsamten, aber doch gewaltigen Ausschwungs volkswirtschaftlicher Entwicklung enthält eine eindringliche Mahnung an den Geist der Sparsamkeit und Opferfreudigkeit, mit dein Preußen in zäher Arbeit auch schwere Zeiten überwunden hat. Der Etatsentwurf für 1909, der Ihnen erst später zugehen wird, ist deshalb mit äußerster Vorsicht aufgestellt worden. Zugleich wird in allen Zweigen der Staatsverwaltung daran gearbeitet, durch übersichtlichere Gestaltung der Behörden, durch Dezentralisation und durch Vereinfachung der Geschäftsformen auf Ersparung von Ausgaben hinzuwirken und die Verwaltung den Anforderungen des Lebens in vollkommenerer Weise anzupassen. Einzelne dahingehende Vorschläge werden Ihnen, wie Ich hoffe, schon in dieser Session zugehen können. Das höhere Mädchenschulwesen soll, wie Ihnen bereits bekannt ist, mit dem Ziele umgestaltet werden, die Bildung der heranwachsenden weiblichen Jugend unter voller Berücksichtigung der häuslichen, wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben des weiblichen Geschlechts allgemein zu vertiefen und denjenigen Mädchen, die im selbsttätigen Erwerbsleben oder in wissenschaftlicher Arbeit ihren Beruf suchen, die Vorbereitung dazu zu erleichtern. Die zunächst erforderlichen Mittel werden in den Etat aufgenommen werden., Lgan uhn6 44 Wichtige aufgaven, zu benen neben anderen noch die Unterstützung von Kleinbahnen und die Verpollkommnung des Staatseisenbahnnetzes hinzutreten werden, harren Ihrer Beschlußfassung. In jüngster Zeit haben sich im nahen Orient Ereignisse vollzogen, die die Aufmerksamkeit Europas in Anspruch nehmen. Sind wir dort auch politisch wenigerinteressiert als andere Mächte, so erfordern jene Vorgänge doch ernste Beachtung. Das Deutsche Reich wird in treuer Gemeinschaft mit seinen Verbündeten für eine friedliche und gerechte Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten eintreten. Erlauchte, edle und geehrte Herren! Indem Ich Sie heute zum ersten Male nach den letzten Neuwahlen hier willlommen heiße, begleite Ich Ihre Arbeiten mit Meinen landesväterlichen Wünschen für das Wohl des Staates. Dreußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. die den den 1. Sitzung vom 20. Oktober. Am Ministertische: v. Rheinbaben, Holle, v. Arnim. Das Haus ist stark besetzt; bei Beginn der Sitzung fehlen Sozialdemokraten. Der Präsident der vorigen Sessione. Kröcher übernimmt Vorsitz und eröffnet die Sitzung mit einem Hoch auf Kaiser. Nach dem Kaiserhoch erscheinen die Sozialdemokraten im Präsident v. Kröcher erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Prinzen August Wilhelm zu dessen Vermählung die Glückwünsche des Hauses auszusprechen. Finanzminister v. Rheinbaben: Die Staatsregierung hat dem Hause eine Reihe größerer Vorlagen zu unterbreiten. Es sind erstens die Besoldungsordnung für die unmittelbaren Staatsbeamten. Damit im engen Zusammenhang steht die zweite Vorlage, die eine anderweitige Regelung des Wohnungsgeldzuschusses betrifft. Zu ihrem Bedauern ist die Regierung nicht in der Lage, diese zweite Vorlage schon jetzt einzubringen. Wir müssen in dieser Frage, wie bisher, mit dem Reiche konform gehen, und können diese Vorlage deshalb erst dann vorlegen, wenn das Reich die entsprechende Vorlage fertiggestellt hat. Das wird binnen ganz kurzer Frist der Fall sein. Die dritte Ihnen unterbreitete Vorlage ist die über das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen. Die vierte betrifft die Besoldung, das Ruhegehaltswesen und die Hinterbliebenenfürsorge für die evangelischen Pfarrer, und fünftens das Diensteintommen der katholischen Pfarrer. Schließlich werden Ihnen noch zwei Vorlagen unterbreitet, die mit diesen Besoldungsgesetzen unlöslich zusammenhängen, nämlich sechstens ein Gesetz betreffend Abänderung der Einkommen= und Vermögenssteuer, und siebentens ein Gesellschaftssteuergesetz.(Bewegung.) Der Minister erörtert dann die einzelnen Vorlagen eingehend, er betont, daß, wenn man die 1906 und 1907 vorgenommenen Beamtenaufbesserungen mit berücksichtige, jetzt alle Unterbeamten eine Aufbesserung erhalten hätten. Sie seien alle um mindestens 200 A aufgebessert. Das bisherige Mindestgehalt von 800 A sei aus dem Etat vollständig verschwunden, es betrage jetzt durchweg 1000 M. Im einzelnen teilt der Minister mit, daß die Gendarmen, Schutzleute und Förster statt ihrer bisherigen Gehaltssätze von 1200—1600 J künftig 1400—2100 M erhalten. Die Gerichtsschreiber werden den Regierungssekretären im Höchstgehalt gleichgestellt, wenn auch ihr Ansangsgehalt etwas niedriger bleibt. Die Oberlehrer werden den Richtern im Höchstgehalt gleichgestellt, d. h. ihr Höchstgehalt wird von 6000 auf 7200 M6 erhöht. Das hätte u. a. auch die Folge, daß die Regierung zu dem Entschluß kam, alle höheren Lokalbeamten mit voller akademischer Bildung und der gleichen Vorbereitungszeit im Gehalt gleichzustellen, also die Kreisschul-, die Bau=, die Gewerbeinspektoren, die voll besoldeten Kreisärzte, Oberförster usw. Diese Beamten sollten, wie die Oberlehrer und Richter, den Regierungsräten gleichgestellt werden. Das empfiehlt sich schon deshalb, weil wir gerade in den Lokalinstanzen besonders tüchtige Beamten brauchen.(Bravo.) Die Teuerungszulagen fallen nach dieser Reform der Gehälter völlig fort, die Funktionszulagen sollen nach Möglichkeit beseitigt werden. Was die Reform des Lehrerbesoldungswesens anlangt, so ist sie durch die bisherige Verschiedenheit der Besoldung der Lehrer durch die Kommunen geboten, die die Quelle der Landflucht der Lehrer ist.(Sehr richtig! rechts.) Gegenüber dem in der Kommission aufgetauchten Standpunkt, es empfehle sich die Schaffung eines Einheitsgehaltes für Lehrer, hat die Regierung daran festgehalten, daß eine Verschiedenheit der Besoldung den lokalen Verhältnissen gemäß notwendig ist.(Widerspruch rechts.) Sie hat deshalb zwar ein gleiches Grundgehalt für alle Orte eingeführt, das für die Lehrer fortan 1350# betragen und mittels Alterszulagen von durchweg je 200 M bis auf 3150 6— bisher 1800 c!— steigen soll, während das Gehalt der Lehrerinnen statt bisher 700—1420 36 in Zukunft:1050 bis 2100 betragen soll.(Beifall.) Um aber der Verschiedenheit der tokalen Verhältnisse Rechnung zu tragen, sieht die Vorlage in Städten von mehr als 25000 Einwohnern pensionsfähige Ortszulagen von 200, 400 und 750 J6, je nach der Größe und den besonderen Lebensverhältnissen der betr. Orte, vor.(Widerspruch rechts.).iugaischen Geißtlichen Was die Besoldungsreform für die evangerischen Gelstlichen anlangt, so schlägt die Regierung im Einvernehmen mit den kirchlichen Organen vor, die Gehälter der Geistlichen von jetzt 1800—4800 J auf 2400—6000 M zu erhöhen.(Bravo rechts.) Die Kosten dieser Aufbesserung betragen 10 490000 R. Auch bei der Aufbesserung der katholischen Geistlichen steht die Regierung im vollen Einvernehmen mit den Bischöfen. Das Gehalt der katholischen Geistlichen soll von jetzt 1800—3200 auf 1800—4200 o erhöht werden.661 Nun zu den ernsten und Ihnen wohl weniger erfreulichen Vorlagen. Die Beamtenbesoldungsreform belastet den Etat mit 111 Millionen, die Besoldungsreform der Lehrer mit 30 Millionen, die der Geistlichen beider Konfessionen mit 12½ Millionen 3. Macht eine Jahresmehrbelastung von 153½ Millionen. Dazu treten die Mehrausgaben aus der Besoldungsreform von 1906 und 1907 mit 33 Millionen und die Kosten des Schulunterhaltungsgesetzes: Insgesamt haben wir mit einer dauernden Mehrausgabe von 200 Millionen jährlich zu rechnen. Die Regierung kann für diese Ausgaben nur dann die Verantwortung übernehmen, wenn die Einnahmen durch die Annahme der Einkommensteuer= und der Gesellschaftssteuervorlage entsprechend erhöht werden. Die Bewilligung dieser beiden bescheidenen Vorlagen ist also die Bedingung für die Reformen der Besoldung der Beamten, Geistlichen und Lehrer. Das Defizit für 1908 wird den veranschlagten Betrag von 126 Millionen erheblich überschreiten.(Hört, Hört!) Von den 126 Millionen gedenkt die Regierung nur 55 Millionen durch Einnahmeerhöhungen zu decken, 71 Millionen bleiben ungedeckt und sollen durch äußerste Sparsamkeit allmählich ausgemerzt werden. Wir gehen einer ganzen Reihe magerer Jahre entgegen. Der Ueberschuß der Eisenbahnverwaltung geht immer mehr zurück. Der Etat für 1909 wird ein Mehr an Schuldenzinsen von 40 Millionen bringen. So bleibt nur die Eröffnung anderer Einnahmequellen. Wir sind bescheiden genug, trotz der Mehrbelastung des Etats mit 200 Millionen nur ein Viertel davon, 55 Millionen, aus neuen Steuererhöhungen zu decken. Wir wollen eine Steuererhöhung erst vornehmen bei den Zensiten von 7000 K Einkommen an. Die Zensiten mit 7000 J sollen in Zukunft 5%, ihres jetzigen Steuersatzes mehr zahlen. Zugleich wollen wir einfür allemal eine Ermäßigung der Steuer für kinderreiche Familien mit einem Einkommen bis 3000 K einführen.(Bravo!) Es sollen ermäßigt werden Familienväter mit 2 Kindern um eine, mit 3—4 Kindern um zwei und mit 5 und mehr Kindern um drei Stufen.(Bravo!) Hand in Hand mit der Erhöhung der Einkommensteuer muß eine Erhöhung der Vermögenssteuer gehen. Diese wird nur sehr geringfügig sein; wer z. B. heute bei einem Vermögen von 1 Million 500# Vermögenssteuer zahlt, soll in Zukunft 625„6 zahlen. Das ist gewiß sehr mäßig. Diese wichtige Heranziehung der Einkommen und Vermögen zur Deckung des Bedarfs bedingt, daß wir noch eine andere Einnahmequelle erschließen müssen. Das soll geschehen in der Gesellschaftssteuer. Die Vorlage fordert eine Besteuerung des Ertrages der Gesellschaftsbetriebe, eine Besteuerung des Verhältnisses des Gewinns zum Grundkapital. Und zwar derart, daß die gering reutierenden Gesellschaften mit 2% herangezogen werden sollen. Im Durchschnitt wird die Steuer 6% betragen, nur bei hochrentierenden Gesellschaften(mit 18% und mehr Gewinn) soll sie höher sein, niemals aber 7 3/8% übersteigen. Der Minister kündigte dann eine Vorlage an, die das Kommunalsteuerprivileg der zurzeit im Amte befindlichen Beamten aufrecht erhält, es aber für alle künftig ins Ami eintretenden Beamten abschafft. Der Minister schloß mit dem Appell an das Haus, im Verein mit der Regierung an der Erhaltung der Solidität der preußischen Finanzen, dem stärksten Bollwerk unseres Staatswesens, zu arbeiten.(Beifall rechts.) Präsident v. Kröcher schlägt vor, die nächste Sitzung am Montag, 2 Uhr, abzuhalten, mit der Tagesordnung: Präsidentenwahl und erste Lesung der heute eingebrachten Vordagen. Abg. Hirsch(Soz.) beantragt, vorher einen heute eingegangenen sozialdemokratischen Antrag auf Enthaftung des Abg. Liebtnecht auf die Tagesordnung zu setzen. Der. Antrag wird gegen die Stimmen der Freisinnigen, Polen und Sozialdemokraten abgelehnt. Schluß 3¾ Uhr. Herrenhaus. 1. Sitzung. Dienstag, den 20. Oktober. Der Präsident der letzten Tagung, Frhr. v. Manteuffel, eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 20 Minuten mit einem dreimaligen Hoch auf den Landesherrn und erbittet die Ermächtigung, der Kaiserin und dem Prinzenpaare die Glückwünsche des Hauses zu übermitteln. Die Schriftführer stellen fest, daß mehr als 60 Mitglieder anwesend, das Haus also beschlußfähig ist. Es erfolgt die Teichs Musikalische 20 Fig.-Bibnochtk Buchhandlung Carl Braus, Kinmlanschbs deliebter, moderner u. klassischer KompoGr. Marktstr. 8—5. Wahl des Präsidenten und der Schriftführer. Auf Vorschlag des Staatsministers Frhru. Lucius v. Ballhausen werden die bisherigen Präsidenten und Schriftführer wiedergewählt: Landesdirektor Frhr. v. Manteuffel als Präsident, Oberbürgermeister a. D. Becker als erster, Frhr. von Landsberg=Steinfurt als zweiter Präsident. Ebenso die Schriftführer der vorigen Tagung: Graf Arnim=Boitzenburg, Dr. von Burgsdorff, Graf Finck v. Finckenstein=Schönberg, Graf von Hutten=Czapski, Dr. Johansen, v. Klitzing, Graf v. SeidlitzSandreczki, Veltman. Damit ist das Haus konstituiert und die Tagevordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Mittwoch 2 Uhr: Geschäftliche Mitteilungen und Vereidigung neuer Mitglieder. Schluß 3½ Uhr. Politische Uebersicht. Deutschland. Zur Hochzeit im Kaiserhause. Berlin hat sich für den Einzug der Prinzessin Alexandra zu Schleswig=Holstein, der Braut des Prinzen August Wilhelm von Preußen, geschmückt. Der Einzug findet heute(Mittwoch) nachmittag statt, die Hochzeit am folgenden Tage, dem 50. Geburtstage der Kaiserin. Die Ausschmückung, die sich auf das Brandenburger Tor, den Pariser Platz und die Straße Unter den Linden beschränkt, hält sich in ziemlich bescheidenen Grenzen. Beinahe möchte man es gar nicht glauben, daß sie 20000 Mark kostet. Längs der Bürgersteige ziehen sich von Baum zu Baum Girlanden hin. An jedem Baum ist ein Kranz gebildet, und die Kränze sind mit Schleifen in den deutschen, preußischen und schleswig=holsteinischen Farben geschmückt. In den Girlanden stecken Teerosen aus Papier. Aehnlich präsentiert sich der Mittelweg der Linden, dem frischer gelber Kies ein freundliches Aussehen gibt. Hier hat man die hohen Lichtträger mit Girlanden= und Bannerschmuck versehen. Auf dem Pariser Platz sind Masten errichtet, um die sich Tannenreisig schlingt und die an der Spitze Banner tragen. Teppiche und Banner schmücken auch das Brandenburger Tor. Mit dem natürlichen Schmuck der Bäume ist es schon recht dürftig bestellt. Wind und Wetter räumen kräftig auf. Eisiger Ost segt durch die Straßen, während vom blauen Himmel heller Sonnenschein lacht. So heißt Berlin die jüngste Hohenzollernbraut willkommen! An der Einholung der Prinzessin Alexandra beteiligen sich außer Postillonen und Innungen auch die Berliner Schützen mit Fahnen und Musik. Die Schulmädchen, die sich an der Spalierbildung beteiligen, sollen auf ausdrücklichen Wunsch der Kaiserin nicht in Weiß, sondern in warmer Kleidung erscheinen. Die Konkurrenz der Holländer. Regierungsseitig sind Erhebungen über die Berechtigung der Klagen darüber eingeleitet, daß die heimische Küstenschiffahrt sehr stark unter der Konkurrenz der Holländer leide. Von den verschiedensten Stellen, die um ihr Gutachten angegangen wurden, ist die Berechtigung der Klagen zugegeben und namentlich darauf verwiesen, daß die Holländer konkurrenzfähig seien, weil sie nicht zu solchen Lasten herangezogen werden, wie sie die sozialpolitische Gesetzgebung in Deutschland mit sich bringt. Die bei der Erhebung gestellte Frage, ob den deutschen Küstenfischern die Ausübung ihres Berufs im holländischen Gebiet erschwert werde, mußte allerdings verneint werden. Von den verschiedensten Seiten ist auch abgeraten, fremdländischen Küstenschiffern die Ausübung ihres Gewerbes in deutschen Gewässern zu untersagen, da damit Repressalien namentlich für die deutsche Reederei in holländischen Häfen verbunden sein könnten. Kleine politische Nachrichten. In der 153. Sitzung des Reichstags, die am 4. November stattfindet, wird die Vorlage über die Reichsfinanzreform noch nicht eingebracht werden. Das wird erst am 5.-November in Gegenwart des Reichskanzlers geschehen, der wahrscheinlich das Wort zur Einführung der Vorlage ergreifen wird. Der Reichstagsabgeordnete für den 3. Posener Wahlkreis, Meseritz=Brecht, Hans Otto v. Gersdorf, ist im 45. Lebensjahre auf seinem Rittergut Bauchwitz bei Meseritz an Herzlähmung gestorben. Der Verstorbene gehörte dem Reichstage seit 1900 als Mitglied der konservativen Partei an und war für den verstorbenen v. Dziembowski(Rpt.) gewählt worden. Christlich=sozialer Parteitag. Der 12. christl.=soziale Parteitag wurde in Herford mit einer Versammlung eröffnet, an der 1000 Personen teilnahmen. Der Reichstagsabgeordnete Hofprediger a. D. Stöcker ist aus Gesundheitsrücksichten dem Parteitage ferngeblieben. Die Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen betrugen im September 1908 im Personenverkehr 63926 658 Mk., d. h. gegen das Vorjahr mehr 1615 568 Mk.; im Güterverkehr 136 432 436 Mk. oder mehr 671 425 Mk. Damit weist endlich auch der Güterverkehr wieder ein, wenn auch nur kleines Plus auf. Ungünstiger soll es mit den Posteinnahmen stehen, deren Ueberschuß wahrscheinlich um 40 Millionen gegen den EtatsVoranschlag von 150 Mill. Mark zurückbleiben wird. Im Kommando der Schutztruppen ist ein Wechsel eingetreten. Oberstleutnant Quade ist als Abteilungschef in den Großen Generalstab versetzt worden und Oberst von Glasenapp, Inspekteur der Marineinfanterie, hat das Kommando der Schutztruppen übernommen. Aus dem Auslande. Oesterreich=Ungarn. Prag, 20. Okt. Ein gewissenloses Exzedententum. Am Sonntag fanden auch in anderen Städten als Prag Ruhestörungen statt. In Gablonz wiederholten sich die Zusammenstöße zwischen den Sozialdemokraten und den Deutsch=Nationalen. Gendarmerie stellte die Ruhe wieder her. In Budweis drohte es anläßlich der Bekränzung des Kaiser Franz Josef=Denkmals durch die Deutschen zu Konflikten zwischen Deutschen und Tschechen zu kommen. Der Polizei und der Gendarmerie gelang es, die beiden Parteien zu trennen. In Teplitz fanden blutige Zusammenstöße zwischen Deutsch=Nationalen und Sozialdemokraten statt. Sechs Personen wurden verletzt, davon eine schwer. Die Polizei und die Gendarmerie zerstreuten die Menge; 10 Personen wurden verhaftet, davon 3 wieder freigelassen. In Karlsbad fanden auch Ansammlungen vor dem tschechischen Vereinshaus statt, eine Fensterscheibe wurde durch Steinwürfe eingeschlagen. Da eine Wiederholung von Demonstrationen befürchtet wird, wurde die Gendarmerie verstärkt. Frankreich. Paris, 20. Okt. Der Zwischenfall mit den Legionären in Casablanca ist geprüft worden, und das Ergebnis dieser Prüfung liegt jetzt abgeschlossen vor. Es zeigt sich, daß die französische Auffassung sehr weit von der deutschen abweicht. Es ist daher tatsächlich die Einberufung eines Schiedsgerichts ins Auge gefaßt worden. Wenn auch noch keine ernsten Vorschläge wegen der Erledigung des Zwischenfalles im Haag vorliegen, so wird die schiedsgerichtliche Entscheidung aller Wahrscheinlichkeit nach doch angerufen werden. Persien. Teheran, 20. Okt. Die Belagerung von Taebris ist jetzt gänzlich aufgehoben, da der Schah einsah, daß der Versuch zur Eroberung der Stadt aussichtslos sei. Wie aus Petersburg gemeldet wird, plant die russische Regierung zum Schutze ihrer russischen Untertanen in Taebris einen Einmarsch in Persien. Die Umwälzung auf dem Balkan Die Kriegsgefahr gilt vorläufig als beseitigt. Die Konferenz wird nicht zustande kommen, sondern die Türkei wird sich mit Oesterreich=Ungarn und mit Bulgarien direkt einigen. Gegen Abtretung des Sandschak wird die türkische Regierung voraussichtlich in die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich=Ungarn willigen, und Bulgarien wird sich die Anerkennung der Türkei durch Rückgabe des ostrumelischen Teiles der Orientbahn erkaufen. In Serbien herrscht zwar noch immer einiger Kriegslärm, aber es wird hoffentlich bei den lauten Worten bleiben. Die Verhandlungen zwischen der Türkei und Oesterreich= Angarn werden offiziell, von Regierung zu Regierung geführt; die zwischen der Türkei und Bulgarien inoffiziell von Vertretern des jungtürkischen Komitees einerseits und mehreren unabhängigen bulgarischen Politikern anderseits. Da die Vertreter des jungtürkischen Komitees auch mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Malinow verhandeln, so sind auch diese Besprechungen als Staatshandlungen anzusehen. Die Sobranje soll einberufen werden, um ihrerseits das oben gekennzeichnete Kompromiß zu billigen. Die Herstellungdes Friedens auf dem Balkan kann nicht das Werk von Stunden oder wenigen Tagen sein, sondern wird auch im günstigsten Falle einige Zeit dauern. Die Blume der englischen Freundschaft ist in der Türkei schnell verblüht. Die Londoner Vorschläge für das Programm der Balkankonferenz, die England gebilligt hatte, haben der türkischen Regierung die Augen geöffnet über die wahre Gesinnung John Bulls. Mordprozeß Hesse in zweiter Verhandlung. (Eigenbericht der„Schwerter Zeitung“.) (Fortsetzung aus dem zweiten Hagen, 20. Okt. Nach Wiedereintritt des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende: Alle Anträge des Angeklagten werden abgelehnt. Die Gründe der Ablehnung werden ausführlich wiedergegeben, nicht unseretwegen, sondern einer etwaigen Revision wegen; denn der Angeklagte schiebt den Dupré vor und behauptet, dieser sei der Täter. Die Gründe, deren Verlesung geraume Zeit in Anspruch nimmt, umfassen die wichtigsten Sachen und Aussagen, sowie die Behauptungen Hesses aus der Verhandlung. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Hesse noch etwas anzuführen habe, antwortet dieser mit einem kräftigen Nein. Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen, und es werden vom Vorsitzenden folgende Fragen vorgelegt: 1. Ist der Angeklagte schuldig, am 25. November 1907 bei Altena die Hedwig Hartmann vorsätzlich getötet zu haben? 2. Im Falle der Bejahung voriger Frage: Hat der Angeklagte diese Tötung mit Ueberlegung ausgeführt? Erster Staatsanwalt Rohs: Als am 19. Juni d. Is. die Nachricht nach hier gelangte, daß das Reichsgericht das Urteil des Schwurgerichtes umgestoßen habe, da war die Ueberraschung und Enttäuschung nicht gering. Schwerlich hätte wohl Jemand, der mit Verständnis und ohne Voreingenommenheit die erste Verhandlung verfolgt hat, die Aufhebung des Urteils erwartet. Und das nach einer Verhandlung, in welcher dem Angeklagten ein Entgegenkommen gezeigt worden, das er wahrlich nicht verdiente. In jener Verhandlung war die Schuld des Angeklagten über allen Zweifel festgestellt worden, und daß diese meine Behauptung keine Uebertreibung ist, geht daraus hervor, daß die Beratung der Geschworenen nur 12 Minuten dauerte, ein Beweis dafür, daß das Urteil einstimmig gefaßt sein muß. Es herrschte nach der Aufhebung des Urteils durch das Reichsgericht eine gewisse Beunruhigung, von der auch ich nicht ganz frei war, ob es möglich sein werde, in einer neuen Verhandlung den Beweis für Hesses Schuld so überzeugend wieder zu erbringen, wie in der ersten Verhandlung; es war inzwischen seit der Tat bis heute ein Jahr vergangen, und es war möglich, daß die Zeugen sich nicht mehr so frisch und klar erinnerten, wie in der ersten Verhandlung. Aber auch in dieser neuen Verhandlung ist wieder alles so klar erwiesen worden wie früher, und die Verhandlung hat noch eine Bereicherung erfahren durch das Verhalten des Angeklagten in dieser Verhandlung selbst. Hier, meine Herren Geschworenen, auf dieser Bank sitzt der verruchte Mörder, der mit einer tierischen Roheit und Grausamkeit ohne gleichen einer armen Witwe ihr Kind entrissen hat! Jeder ist wohl tief erschüttert von dem Schicksal der Witwe Hartmann, und hier sitzt der Mensch, der die schändliche Tat begangen hat, ohne die geringste Regung, ohne Neue! Diese entsetzliche Tat, deren Opfer die Hedwig Hartmann geworden, sie ist von dem fanatischen Menschen begangen worden, der hier auf der Anklagebank sitzt. Redner erörtert dann juristisch die Frage des Mordes und der Ueberlegung bei der Tat und geht dann auf den Sachverhalt ein, wie ihn die Beweisaufnahme ergeben hat. Redner will den Angeklagten nicht weiter charakterisieren, das aber müsse er sagen, daß es ihm rätselhaft sei, wie man den Hesse als einen einfachen Mann habe hinstellen können; denn die Verschlagenheit Hesses, für die Redner verschiedene Beispiele aus der Verhandlung anführt, sei sehr groß. Redner weist auf das Schuldbewußtsein Hesses hin, auf den gelungenen DupréSchwindel, mit dem Hesse nicht einmal sofort herauskomme. Auch in den verschiedensten anderen Punkte charakterisiert Redner den Hesse als abgefeimten Lügner. Er glaube, daß man dem armen, vielgeplagten und vielgenannten Dupré, auf den so viel Schändliches gehäuft worden, dessen Briefe tief im Sauerlande ruhen sollen, wohl den besten Gefallen erweise, wenn man ihm über seinen Briefen im sauerländischen Walde einen Denkstein errichte mit der Inschrift: Nequiescat in pace? Wenn man auf die Beweggründe der Tat eingehe, so könnte man wohl die Möglichkeit eines Mordes auf Grund sinnlicher Gelüste annehmen, auch wohl die Beseitigung des Mädchens, damit sie kein Zeugnis wieder ihn ablege. Er, Redner, aber stehe auf dem Standpunkt, daß lediglich tierische Grausamkeit diesen durch und durch verlotterten Menschen zur Tat bewogen habe. Der Erste Staatsanwalt schließt mit ungefähr folgenden Worten: Ich hege die Hoffnung, daß Sie, meine Herren Geschworenen, mit mir die vollste Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten haben werden und daß Sie sich durch die Ränke und Schliche dieses Burschen werden nicht hinters Licht führen lassen. Ich bitte Sie um das Schuldig in vollem Umfange und Sie können überzeugt sein, daß Sie mit diesem Spruche allenthalben Genugtuung hervorrufen werden und dazu beitragen werden, daß die Aufregung schwindet, die mit dieser furchtbaren Tat verknüpft gewesen. Vert. Rechtsanwalt Santz erinnert die Geschworenen an ihre Pflicht, ihr Urteil aus der Beweisaufnahme zu fällen, unbeeinflußt vom Publikum und ohne Rücksicht auf das am 13. April d. Is. in derselben Sache bereits gefällte Urteil. Es handle sich um einen Indizienbeweis, dem gegenüber man erst recht vorsichtig sein müsse; es sei Sache der Geschworenen, zu entscheiden, ob der dringende Verdacht, der auf dem Angeklagten laste, durch die Beweisaufnahme bestätigt worden sei, so daß seine Verurteilung erfolgen könne. Er stellte es den Geschworenen anheim, sich über den Dupré ein Urteil zu bilden; ebenso stellt Redner anheim, die Einzelheiten der Sache und die Angaben des Hesse zu beurteilen. Während so der Verteidiger den Geschworenen die Bejahung der ersten Frage anheim stellen muß, wendet er die ganze Kraft seiner Beredtsamkeit und Ausführungen der Frage zu, ob die Ueberzeugung bei der Tat zu bejahen sei. Allerdings müsse er auch die Entscheidung über die zweite Frage den Geschworenen anheimstellen. Vors.: Nun Hesse, haben Sie noch etwas zu sagen? Wollen Sie nun endlich eingestehen, daß Sie das Mädchen umgebracht haben? Hesse: Nein, ich bin es nicht gewesen, ich weiß davon nichts, ich kann dazu nichts sagen. Es folgt die Rechtsbelehrung des Vorsitzenden; dieser faßt die Verhandlung und die juristischen Fragen, die in Betracht kommen, in meisterhaft klarer und dabei dramatisch bewegter Rede zusammen. Die Geschworenen ziehen sich zur Beratung zurück, die nur 9 Minuten dauert. Unter größter Spannung verkündet der Obmann der Geschworenen als Verdikt auf Frage 1: Ja, auf Frage 2: Ja. Der Angeklagte ist somit des Mordes im Sinne des§ 211 des R.=Str.=G.=B. für schuldig erachtet. Der Herr Erste Staatsanwalt beantragt die Todesstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Herr Verteidiger erklärt, keinen Antrag zu stellen. Hesse, vom Vorsitzenden gefragt, was er zu sagen habe, erwidert mit ruhiger und fester Stimme: Nichts. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende: Der Angeklagte wird gemäß dem Spruche der Geschworenen, die ihn des Mordes für schuldig erachteten, zum Tode und zum Verlust der sämtlichen bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.(Bekanntlich haben wir das Urteil bereits gestern Nachmittag gegen 3,30 Uhr durch Extra=Blatt mitgeteilt. Red.) Hesse hörte das Urteil mit seiner gewohnten kühlen Ruhe an, ohne mit der Wimper zu zucken. Er ließ sich ruhig wieder fesseln und wurde abgeführt. Vor dem Landgericht stand eine große Menschenmenge, die das Urteil lebhaft diskutierte und durchweg ihrer Befriedigung über dasselbe Ausdruck gab. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 21. Oktober. **(Den Wortlaut der Thronrede,) deren Inhalt wir bereits gestern durch Extrablatt bekannt gaben, finden unsere werten Leser auf der ersten Seite dieser Nummer. **(Die Gewerbebank,) e. G. m. b. H., hielt gestern abend im Zentral=Hotel eine außerordentliche Generalversammlung ab. Es wurden zunächst neue Anstellungsverträge mit zwei Vorstandsmitgliedern, den Herren B. Stern und E. Schermeng (Rendant) verlesen und nach einer Diskussion unverändert genehmigt. Anstelle des aus dem Vorstande ausscheidenden Herrn O. Homel, dem der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Thoholte für alle Lasten und Mühen im Dienste der Gewerbebank auf das wärmste dankt, tritt Herr E. Klein in den Vorstand ein. Nachdem der neue Vertrag mit diesem Herrn einstimmig genehmigt war, hieß der Vorsitzende Herrn Klein herzlich willkommen. Der Anstellungsvertrag mit Herrn F. Brandenburg aus Hörde, der anstelle des wegen Krankheit ausscheidenden Herrn Rennert als Kassenbeamter eintritt, wurde debattelos genehmigt. Hierauf hielt Herr Thoholte einen Vortrag über den Wert und die Zweckmäßigkeit einer Genossenschaftsbank. Er wies auf die Vorteile hin, die jedem Geschäftsmann aus der Möglichkeit erwachsen, Spareinlagen auch für wenige Tage verzinst zu erhalten und namentlich auch jederzeit einen namhaften Kredit ohne weitere Sicherheitsleistung offen zu haben. Die Ansprüche, die solcher Gestalt an die Kasse gestellt werden können, sind oft nicht gering, bisher aber ist es noch immer möglich gewesen, sie zu befriedigen; auch ist es gelungen, jeden Verlust bisher von der Bank fern zu halten. Nachdem noch verschiedene Vorstandsmitglieder hierzu das Wort ergriffen und gebeten hatten, die Bank stets rege zu benutzen und neue Mitglieder zu werben, machte Herr Schermeng einige interessante Angaben über den derzeitigen Stand der Kasse; so erwähnte er u. a., daß die Bank bis zum 17. Okt. bereits einen Gesamtumsatz von ungefähr 3 Millionen Mark gehabt habe, also mehr als während des gesamten Vorjahres. Dann wurde die Mitteilung gemacht, daß die Bank 300 Stück Sparbüchsen bestellt habe; gegen eine zinstragende Sicherheitsleistung von 5 Mark steht jedem Mitglied die Benutzung einer solchen Sparbüchse, die nur auf der Kasse geöffnet werden kann, vollständig frei. Ein Probeexemplar kursierte in der Versammlung und fand allgemeine Anerkennung. Zum Schluß gab Herr Kaufmann Feit noch dem Wunsche Ausdruck, die Kasse der Bank während des Samstags nachmittags offen zu halten. Dies Verlangen wurde vom Vorstande als berechtigt anerkannt, doch sei eine solche Aenderung zurzeit undurchführbar. Vom 1. Januar n. Is. ab jedoch sollen alle diesbezüglichen Wünsche befriedigt werden.— An den geschäftlichen schloß sich sodann noch der gemütliche Teil, der die Mehrzahl der Anwesenden noch lange in trauter Runde vereinte. *(Unfall.) Der 14jährige Schüler S. geriet gestern mit dem rechten Zeigefinger so unglücklich zwischen die Messer einer Wurstmaschine, daß ihm ein Stück des Fingers abgeschnitten wurde. Der Verletzte wurde ins kathol. Krankenhaus gebracht. Nr. 248.. Mittwoch, den 21. Oktober 1908. 40. Jahrg. Zweites Blatt. Aus der Köhlerhütte. In neuester Zeit beginnt die Waldköhlerei wieder aufzuleben, und zwar nicht nur in den holzreichen, dünnbevölkerten deutschen Gebirgswäldern, sondern in unserer nächsten Nähe hat der Leser Gelegenheit, ein solche Köhlerei in Augenschein zu nehmen. Ein prächtiger Herbstmorgen lockte mich auf die alte, stets anziehungskräftige Hohensyburg und weiter auf den sich anschließenden„Klusenberg“, den der Herr Major von Basse abholzen ließ. Der Weg führt oberhalb eines dunkelschattigen Waldgrundes an die Wand des zur Ruhr steil abfallenden Berges. 100 Meter tief schaut der Wanderer auf das sanft dahinfließende Silberband des lieblichen Flusses, während weiter ansteigend sich der Klusenberg gar 250 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Der köstliche Morgen mit ozonreicher, harziger Waldluft, der romantische Weg mit reizender landschaftlicher Abwechselung, versetzten mich bald in die rechte Wanderstimmung. Plötzlich eine scharfe Biegung des Talgrundes, und ein eigentümlich brenzlicher Geruch, ein Gemisch von Rauch, Erddampf und Harzduft schlägt mir entgegen. Schon glaubt' ich an das schauerliche Unglück eines Waldbrandes, als ich im nächsten Augenblick vor einem„Kohlenmeiler" stehe. Jetzt wußte ich, woran ich war. Nach und nach entdeckte ich wohl eine Dutzend solcher Meilerstätten und die niedrige primitive Klause der Köhler. Nicht hatte ich es mir träumen lassen, an dem schönen Herbsttage inmitten des hastenden Industrielebens solch idyllische Szenerie und seltene, weltfremde Berufsart zu finden. Unwillkürlich dachte ich an eine prächtige Tour vor Jahren in dem schönen Thüringer Wald, wo ich ebenfalls an weltverlorenem Fleckchen auf eine Köhlerei stieß. Ein alter Köhlermeister und sein rüstiger Sohn hatten an der Meilerstätte ihr Heim aufgeschlagen und betrieben ihre „schwarze Kunst“ Tag und Nacht, abwechselnd ihre Kräfte einsetzend. Diese bildliche Bezeichnung für das Köhlergewerbe ist nicht so unberechtigt; die Waldköhlerei, insbesondere der Aufbau und die Feuerleitung des Meilers verlangen in der Tat Geschicklichkeit, Umsicht und Verantwortung seitens des Köhlers, er muß ein ganzer Mann sein. Ich kam gerade recht zum zweiten Frühstück. Es gab „Brüh“ und dazu von gestern übrige, aber frisch angeschmorte Kartoffeln. Mir als„Besuch“ wurde alsbald vom Alten als Köhlerdelikatesse ein sogen.„Bähbes“ zurecht gemacht. Das ist ein am Holzspieß über Holzkohlenfeuer gebähtes oder mäßig geröstetes Stück kräftiges Schwarzbrot, dünn mit Fett bestrichen, welches beim Bähen in das Brot eindringt.— Unter „Brüh“ wird auf dem ganzen„Wald“— wie der Thüringer Wald von seinen Bewohnern kurz genannt wird— ein Getränk verstanden, zu dessen Herstellung etwa 3/4 Cichorie und ¼ Kaffee verwendet wird. Ich nahm der„Wissenschaft halber“ zu meinem Bähbes auch einen Napf Brüh dankbar an.— Als Krone des Früstücks schien mir aber doch ein kräftiger Schluck Nordhäuser betrachtet zu werden, mit dem jeder der beiden Köhler aus gemeinsamer Flasche die karge Mahlzeit beschloß, denn er löste je einen wohligen Seufzer in der nackten Brust der schwarzen Gesellen aus. Die Schnapsflasche wanderte sodann in eine in beträchtliche Höhe der Hütte angebrachte Tasche, die nur mit einiger Schwierigkeit zu erreichen war. Möglich, daß beide Hüttenbewohner einander nicht recht trauten und ein unerlaubter Extraschluck gegenseitig befürchtet wurde. Hierauf brachten die Männer ihre Tabakspaketchen aus einem kühlen Winkel der Hütte hervor— schwarzen Reuter AB—, um mit einiger Umständlichkeit die kurzen Holzpfeifen zu stopfen. Man kann nicht anders sagen, der eigenartig kräftige, keineswegs unangenehme Geruch dieser uralten Tabakssorte paßt ganz famos in die Waldatmosphäre. Die beiden Köhler schmauchten denn auch das edle Kraut mit beneidenswertem Wohlbehagen. Das„Mobiliar“ einer Köhlerhütte ist natürlich das primitivste, das man sich denken kann. Je eine mit Moos und Tannenreis„gepolsterte“, mit alten Säcken und dergleichen bedeckte Rohlattenbank an den beiden Hüttenwänden bilden die Hauptmöbelstücke. Sie dienen tagsüber als Sofa, des Nachts als Schlafstätte, allerdings mit vielen Unterbrechungen, denn Bedienung und Ueberwachung des Meilers erfordern unausgesetzt die Aufmerksamkeit der Köhler, und nicht umsonst hängt meist eine dicke Ruhlaer Taschenuhr am Pfosten der stets offenen Hüttentür. Für einen Tisch ist kein Platz vorhanden. Die Küche besteht aus einem oberhalb der Bank hinlaufenden kurzen Brettstück. Porzellan und Glas stehen aber nicht darauf; der Köhler löffelt seine Suppe und schlürft seine Brüh aus einem irdenen Topf oder Napf. Das Taschenmesser vervollständigt meist das Eßbesteck. Eine„Lade" birgt das Sonntagskleid, in dem der Köhler, so oft es sein Beruf erlaubt, die Kirche des oft stundenweit entfernten nächsten Dorfes besucht. Als Speise= und Vorratsschrank dient eine auf der Kopfseite stehende Kiste, an welcher der Deckel mit Lederscharnier und Riegel als Türe angebracht ist. Offenes Licht darf selbstverständlich nicht gebrannt werden; bei Lichtbedarf muß die Laterne genügen. In der Hütte brennt der Köhler nach Bedarf nur ein kleines Holzkohlenfeuer, woran er seine Speisen kocht oder wärmt, seinen Bähbes röstet und seine naß gewordenen Kleider trocknet. Zum Wärmen seiner Person braucht er ein Feuer kaum, da die Köhlerei nur in der warmen Jahreszeit betrieben werden kann, denn feuchtes Holz und feuchter Boden erschweren die Arbeit ungemein, liefern auch schlechte und weit weniger Kohlen. Die Waldköhlerei nimmt daher immer erst vom Juni ab ihren Anfang und dauert bis längI stens Anfang Oktober. So ganz allein bewohnt übrigens der Köhler sein Gemach nicht, sondern eine beträchtliche Schar„kühner Springer“ sind seine ständigen unliebsamen Gäste, was schon gar mancher Birschjäger, der die Gastfreundschaft der Köhler in Anspruch nahm und einige Stunden in der Hütte nächtigte, übel empfinden mußte. Die„klimatischen Verhältnisse“, der Köhlerhütte scheinen der Familie Puler besonders gut zu bekommen. NichtsDer Pohgratescde. * Roman von Annaliese von Steinmühl. 15 „Ach, Karl Heinrich, das machte mir Spaß, es war so abenteuerlich. Aber höre, was nun kam. Es war Schweinemarkt in dem Städtchen.“ „O weh! Da war natürlich alles überfüllt.“ „Ja, ich irrte von Hotel zu Hotel, wenn man diese Wirtschaften noch so nennen kann.“. 176 Gird Gind I. „Aber Olga, jetzt wird es wirklich zu arg. Kind, Kind, in welche Lage hat Dich Dein Leichtsinn gebracht! Ich muß wirklich schelten..... I. k. 2as Mädchan sich ahna Schuitz „Unerhört ist es, daß ein junges Mädchen sich ohne Schutz herumtreibt," fiel Frau Vinzelberg ärgerlich ein. Olga schluchzte von neuem, berichtete aber ehrlich die weiteren Erlebnisse.„Was sollte ich machen, ein Unterkommen für die Nacht mußte ich haben, und nachdem in einer Wirtschaft mir ein schmutziger, alter Kerl auf die Schulter klopfte mit den bedauernden Worten:„Nun habe ich wohl dem Fräulein das letzte Bett fortgenommen,“ flüchtete ich mich in das Gastzimmer mit dem festen Vorsatz, mich nicht hinausweisen zu lassen und dort zu übernachten. Doch nun hörte ich Säbelrasseln, es traten zwei Offiziere in das Zimmer, und damit nahte meine Rettung.„ E urig#. 5 „Wieso?“ fragte Karl Heinrich,„Du hast Dich doch nicht an die Herren gewandt?" „Natürlich, ich nahm doch selbstverständlich an, daß dieselden einer Dame helfen würden.“ Mama Vinzelberg stöhnte förmlich:„Kind, welche Ansichten!. 9 venhrassgg sssammer fod.n Auch Karl Heinrich zog die Augenbrauen zusammen, sodaß Olga ihn änstlich mit erschrockenen Augen ansah.„Aber, Karl Heinrich, was sollte ich anderes tun?“ „Sei nur ruhig, Kind, die Sache ist ja nicht mehr zu änPerrem* Go erzählte Olga aufseufzend weiter, wie die Herren so überaus artig gewesen wären und sie sofort zum ersten Gasthof geführt und ihr dort Platz verschafft hätten. „Wie eine Prinzessin hat mich die Wirtin aufgenommen auf die enpfehlenden Worte der Offiziere hin, während sie doch kurz vorher, gerade wie die andern alle, nur Achselzucken und verwunderte Blicke hatte, anstatt einer ihres Geschlechts zu helfen. Da waren die Herren ganz anders! Ich glaube, das Zimmer ist jemand fortgenommen worden. Natürlich aß ich oben für mich allein, obwohl die Herren baten, ich sollte unten bleiben. Aber ich weiß auch, was sich schickt,“ sagte die Kleine energisch und hob stolz das Köpfen.„Selbstverständlich waren die Herren den nächsten Morgen an der Bahn und brachten mir Blumen, und ich habe ihnen herzlich gedankt.“ „Hast Du die Namen erfahren?“ „Ich glaube, der eine hieß von Hagen, den Namen des anderen habe ich nicht behalten.“ Bei Nennung dieses Namens sahen sich Karl Heinrich und seine Mutter erstaunt an, aber sie schwiegen, während Olga fortfuhr:„Ich habe mich natürlich nicht zu erkennen gegeben, nur auf die Fragen erwidert, ich reise nach einem Gute Pommerns. Also, lieber Schatz, Du brauchst nicht eifersüchtig zu werden, ich sehe die Herren nicht wieder, was mir eigentlich leid tut, denn Herr von Hagen ist wirklich bildschön und so ritterlich.“ „Hm!“ machte Vinzelberg und es flog ein warnender Blick zur Mutter hinüber. „Aber wie bist Du nur hierher gekommen? Mit der Post?“ veogHein, mit einem Wagen, er wartet im Kruge, da ich doch überraschen wollte,“ sagte ganz kleinlaut Olga. Nach einer kurzen Pause, die aber Olga endlos schien, begann ach, einer kurzen Pause, die aber Olga endlos schien, beVinzelberg:„Ja, was fangen wir nun mit dem kleinen Ausreißeran? Eigentlich müßte man ihn per Gendarm wieder zurückschicken. Ohne Bewilligung der Mutter und des Vormundes dürfen wir ihn nicht hier behalten.“ „Gewiß nicht,“ erwiderte die Mutter ernst. Atemlos sah Olga von einem zum andern, als traue sie ihren Ohren nicht. „Aber Mutter,“ fuhr der Sohn fort,„hast Du nicht eine kleine Stütze im Haushalt nötig bei der vielen Arbeit?“ „Mit solcher Stütze, die fortläuft, wenn dieselbe ihr zuviel wird, weiß ich nichts anzufangen. l. Mi. 1 „Mutter,“ flehte Olga jetzt,„versuche es mit mir, ich will alles tun, wenn ich hier bleiben kann. Selbst in den Schweinedestoweniger versäume der Tourist nicht, sich den Köhlereibetrieb etwas genauer anzusehen, er wird ihm manches Interessante bieten. Mich interessierte besonders die Mitteilung des Köhlers, daß er die Feuerleitung seines Meilers in der Hauptsache nach der Farbe des diesem aus den eingestoßenen. sogen. Räumlöchern entsteigenden Dampfes besorge. Im Zustand der„Vorwärmung“ dringt aus dem Meiler ein dicker, dunkelgrauer, feuchter Dampf, der das sogen. Schwitzen der Meilerdecke verursacht. Tritt die„Ankohlung“ ein, so gibt sich dieser Zustand durch gelblichen, beißend säuerlichen Rauch zu erkennen. Beim Zustand der„Gare“ entströmt der Meilerhaube ein weißgrauer Rauch, um endlich bei der„Abkohlung“ durch einen hellblauen Dampf ersetzt zu werden. Es ist begreiflich, daß die Köhlerei im Interesse der Sicherheit des Waldes und Wildes eine sorgfältige Ueberwachung fordert, insbesondere darf der nötige Wasservorrat auf der Kohlstätte wegen der beständigen Feuersgefahr niemals sehten. Vor allen Dingen aber muß der Köhler ein nüchterner, zuverlässiger Mann sein. Schlimm daher, wenn bei allem Fleiß und aller Gewissenhaftigkeit des Köhlers, wie bei uns zu Lande nicht selten, leider die anwesende Bevölkerung oder durchstreifende Gesellen niedrige Gesinnung zeigen und sich nicht scheuen, mühevolle Arbeit durch frivoles Spiel zu zerstören, und brennende Empörung ergriff mich, als ich mir erzählen lassen mußte, daß dieser Tage hier irgend ein boshafter Bursche 200 Sack fertige Kohlasche angezündet und vernichtet hatte. Die auf der Bahnstrecke Hagen=Schwerte fahrenden Passanten mochten wohl, ohne eine Erklärung zu finden, die stille, mächtige Glut am Bergeshang bewundern, während vielleicht der biedere Köhler tränenden Auges in seine sich verzehrende und nun zerstörte Arbeit hineinstierte. Mordprozeß Hesse in zweiter Verhandlung. (Eigenbericht der„Schwerter Zeitung“.) Hagen, 20. Oktober. Der Andrang des Publikums ist heute ein sehr großer; der Zuschauerraum ist im Augenblick gefüllt. Hesse erscheint heute etwas niedergeschlagen, beinahe zerknirscht, weniger zuversichtlich, und zuweilen schlägt er das Auge fromm zum Himmel empor. Sofort nach seinem Erscheinen konferiert Hesse mit seinem Verteidiger. Zum ersten Male während der ganzen Verhandlung beschäftigt sich Hesse nicht mit seinen Akten. Die Beweisaufnahme wird fortgesetzt. Der bereits vernommene Polizeiwachtmeister Deinas wird nochmals vernommen. Zeuge hat die Ermittelungen angestellt bezüglich des von Hesse gestellten Beweisantrages, daß er im Jahre 1907 den Besuch eines Mannes, der Dupré gewesen sei, erhalten habe. Die Ermittelungen sind durchaus negativer Natur gewesen. Zeuge hat am Samstag und Sonntag das ganze Gebiet von Lenhausen nach Rönkhausen abgeschritten und hat überall, in stall will ich gehen,“ setzte sie schaudernd hinzu,„habe ich doch hier Karl Heinrich.“ „Den hast Du nicht, Du dummes, kleines Mädchen, denn wenn Du hier bleibst, so ziehe ich auf das Nebengut. Wo sollte mir neben solchem Kobold der Ernst zur Arbeit herkommen.“ Traurig senkte Olga ihr Köpfchen. „Jedenfalls muß der Vormund sofort telegraphisch benachrichtigt werden, und dann kann er morgen hier sein," fuhr Vinzelberg mit unerschütterlichem Ernste fort, sah die Kleine in ihrer Angst doch gar zu reizend aus. „Karl Heinrich, nur das nicht. Ich flehe Dich an, lasse ihn nicht herkommen. Er ist so strenge und wenn er schilt, werde ich trotzig und wild. Ach, ich kann es nicht ertragen, wenn jemand böse mit mir ist.“ Bitterlich weinend vergrub sie den Kopf in ihre Hände. Erschrocken bog sich Vinzelberg zu ihr nieder, er tröstete, streichelte und küßte sie so lange, bis die Augen wieder strahlten und der Mund lächelte. Dann sah er zu seiner Mutter hinüber, die vor sich hinmurmelte:„Das ist ja eine schöne Erziehung!“ Denselben Abend noch gingen außer den Depeschen drei Briefe an die Mutter und den Vormund ab, denn auch die alte Mama Vinzelberg war von ihrem Sohne dazu überredet worden, Herrn Dewall selbst um den Besuch des Mündels zu bitten, und es war wohl ihren Worten hauptsächlich zu danken, daß eine baldige Zusage eintraf. Hatte Frau Vinzelberg in ihren Zeilen doch durchblicken lassen, daß sie sich in jeder Beziehung der Erziehung Olgas für ihren künftigen Beruf als Gattin und Landfrau annehmen würde. Im Grunde war der Landgerichtsrat froh, seiner Verantwortung ledig zu sein und er bewog auch Frau von Soden, keine Einsprache zu erheben. So sollte Olga bis zum Herbst auf Gossen bleiben, als gehorsame Schülerin der alten Dame, und somit mußte auch die Verlobung veröffentlicht werden. Jubelnd flog Olga der alten Dame an den Hals, als sie ihr die frohe Nachricht mitteilte und stand nun erwartungsvoll am Fenster, um nach Karl Heinrich auszuschauen, der versprochen hatte zur Vesper vom Nebengute Hagelbeck herüber zu kommen, da man heute die Antwort von Mutter und Vormund erwarten durfte. 157,20 allen Häusern, Nachfrage gehalten nach dem Manne, der Hesse besucht haben soll. Niemand hat diesen Mann gesehen, und das fällt umso mehr ins Gewicht, als ein Fremder keinesfalls die Wohnung Hesses in Falbecke gefunden hätte, ohne in den Häusern am Wege nach der Richtung zu fragen. Es ist nur festgestellt, daß am 22. März d. Is. ein fremder Mann in einer Wirtschaft war, der etwas sonderbar aussah, so daß zur Hilfe der anwesenden Frauen der Landwirt Rademacher herbeigerufen wurde. 136. Zeuge Landwirt Rademacher sen. kann zur vorliegenden Sache nichts bekunden. Polizeikommissar Murmann berichtet über die von ihm am Freitag und Samstag angestellten Ermittelungen betr. des Mädchens, das mit Frau Brune aus Schwerte im Koupee gefahren sei und den„Krüsemann“ am Bahnhof gesprochen habe. Hesse hat bekanntlich die Ermittelung des Mädchens beantragt, weil er annimmt, daß der Mann, der das Mädchen nach dem Bahnhof bestellt hat, um dasselbe für sein Geschäft zu engagieren, der Dupré gewesen sei. Kommissar Murmann ist nach Bestwig gefahren und es sind in Bestwig und den umliegenden kleinen Orten seitens der Ortspolizei Nachforschungen nach dem Mädchen angestellt worden. Der Kommissar selbst hat sich weiter hinaus nach der Richtung Winterberg, Steinhelle, Silbach begeben und dann nach Assinghausen, Kistelberg bis Medebach. Ueberall, in allen Orten, ist durch die Polizei ausgeschellt worden, daß sich das Mädchen melden solle, und wo das nicht möglich war, ist am Sonntag von den Kanzeln herab verkündet worden, das Mädchen solle sich melden. Die Bekanntmachungen sind auf alle möglichen Arten erfolgt und es ist nichts unversucht gelassen worden, das Mädchen zu ermitteln. Es ist auch sicher, daß alle in jener Gegend wohnenden Leute umso mehr von der Suche nach dem Mädchen unterrichtet und darauf aufmerksam gemacht sind, als der Prozeß sehr eifrig verfolgt wird und das Tagesgespräch bildet. Was also gemacht werden konnte, um das Mädchen zu ermitteln, ist geschehen, Bislang ist jedoch keinerlei Meldung erfolgt. Der Vorsitzende stellt fest, daß auch die Aemter Fredeburg, Bestwig und Bigge offiziell mitgeteilt haben, daß die Ermittelungen kein Resultat hatten. Es ist auch bei den Schuhmachermeistern in Bestwig und Umgend recherchiert worden, weil es hieß, das Mädchen sei die Tochter eine Schuhmachers gewesen; aber auch diese Nachforschungen hatten keinen Erfolg. Vorsitzender: Damit wären also zwei von den sechs Beweisanträgen, die Hesse gestellt hat, erledigt. Verteidiger R. A. Dr. Santz: Ich muß im Namen Hesses den Antrag stellen, die Ermittelungen nach dem Mädchen fortzusetzen. Durch die Bekundung der Frau Brune ist der Verdacht gegen Hesse nur noch verstärkt worden, und es ist Hesse daran gelegen, diesen Verdacht der Täterschaft zu entkräften. Er hält die Anwesenheit des Mädchens für unentbehrlich, weil sie ihn entlasten würde, und er behauptet, daß der Mann, der das Mädchen am Bahnhof empfing, Duprz gewesen sei. Er hält die dreitägige Suche nicht für genügend. Vors.: Also Hesse, Sie stellen den Antrag? Hesse: Jawohl. Erster Staatsanwalt: Ich bitte den Antrag abzulehnen. Es sind in der bezeichneten Richtung bezüglich des Mädchens längst früher Ermittelungen angestellt worden, die nicht den geringsten Erfolg hatten. Es muß doch endlich einmal mit diesen Anträgen Schluß gemacht werden, die nur geeignet sind, die Verhandlung in die Länge zu ziehen. Vert.: Ich möchte nur erklären, daß es nicht meine Anträge sind, die ich vorlege, sondern daß ich nur dem Verlangen Hesses folge. Damit zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück, die eine Stunde dauert. (Fortsetzung siehe im ersten Blatt.) Westfalen und Rheinland. * Castrop, 19. Okt.(Ein schreckliches Unglück) ereignete sich in der vergangenen Nacht in dem neuen Restaurant„Zur deutschen Flotte“ des Herrn Wirt Kaltenbach. Auf bis jetzt unaufgeklärte Weise entstand in dem Kinderschlafzimmer Feuer, das erst zu später Nachtstunde entdeckt wurde. Der beherzte Wirt löschte den Brand rasch mit einem an der Wasserleitung befestigten Schlauch, fand dann aber seine beiden Kinder entsetzlich verbrannt; das jüngste, 9 Monate alt, war bereits tot, das zweite von 2 Jahren lebt zwar noch, wird aber wohl kaum mit dem Leben davonkommen. * Langendreer, 19. Okt.(Unglücksfall.) Durch Steinfall aus dem Hangenden wurde in der Sonntag Nacht der Knappschaftsälteste S. auf Zeche„Siebenplaneten“ verschüttet. Nach angestrengter zweistündiger Tätigkeit gelang es, den Verschütteten zu befreien. Da derKopf frei geblieben, kam er mit dem Leben davon, jedoch hat er erhebliche Verletzungen an den Armen und Beinen erlitten. * Herne, 19. Okt.(Brand.) Feuer entstand heute abend gegen 6 Uhr in der Besitzung des Gerbereibesitzers Rembert an der Stückederstraße. Auf welche Art der Brand entstanden ist, weiß man noch nicht. Die alarmierte Feuerwehr eilte alsbald zur Stelle, so daß die angrenzenden Gebäude verschont blieben. Das in dem Gebäude befindliche Vieh war rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. Der verursachte Schaden, welcher nicht unerheblich ist, ist durch Versicherung gedeckt. * Kamen, 20. Okt.(Ein unheimlicher Geselle,) der Scharlach, wütet seit einigen Wochen in unserer Stadt. Während er anfangs nur vereinzelt auftrat, fordert er jetzt viele Opfer. So wurden einer Familie in voriger Woche drei Kinder in einigen Tagen genommen. Den Eltern sei daher anempfohlen, den Verkehr ihrer Kinder zu überwachen, um der Ansteckungsgefahr nach Möglichkeit vorzubeugen. * Wattenscheid, 19. Okt.(Vom Straßenbahnwagen getötet.) Auf der Hüllerstraße wurde das zweijährige Söhnchen des Bergmanns Hajewiak von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn erfaßt und auf der Stelle getötet. Das Kind hatte sich an einen Bäckerwagen gehängt und wollte über die Gleise nach Hause laufen, als es von dem Straßenbahn wagen erfaßt wurde. Den Führer des Straßenbahnwagens trifft an dem Unglück keine Schuld. * Bochum, 19. Okt.(Ueberfahren.) Heute morgen überfuhr der Personenzug 1665, der 723 Uhr von Essen nach Witten fährt, an der Blockstation Eppendorf den zum Dienst gehenden Bahnbeamten Temme aus Höntrop. Der Verunglückte, ein verheirateter Mann, war sofort tot. Seine Leiche wurde nach Bochum überführt. * Düsseldorf, 19. Okt.(Unglücksfälle.) Aus dem dritten Stockwerk eines Hauses in der Kölnerstraße stürzte ein 5jähriger Knabe auf das Hofpflaster. Der Knabe war sofort tot.— Ein 60jähriger Fabrikarbeiter auf der Düsseltalerstraße wurde in seinem Bette tot aufgefunden. Es liegt eine Vergiftung durch Kohlenoxydgas vor. Kleine Chronik. Revolveranschlag gegen einen Propst. Als der 65jährig Propst in Margonin(Prov. Posen) abends einen Rundgang um die katholische Kirche machte, erblickte er eine Leiter in unmittelbarer Nähe der Sakristei und einen Unbekannten darauf. Der Mann schoß auf den Propst, der hilferufend davonlief. Die Kugel streifte den Geistlichen an der linken Hand und prallte dann an der Uhrkette ab. Der Täter flüchtete.— Eine Seiltänzergruppe verunglückt. In Stuttgart gab eine Seiltänzergruppe eine Vorstellung. Kurz nach dem Beginn brach einer der zur Verankerung am hohen Seil benutzten eisernen Haken, so daß das ganze Gerüst plötzlich zusammenstürzte und eine Gruppe von Knaben unter sich begrub. Drei erlitten schwere Verletzungen.— Beim Radrennen in Treptow bei Berlin verunglückte der junge Renner Schadebrodt. Er stürzte so unglücklich, daß er seinen Verletzungen bald erlag.— Vom Zuge überfahren wurde ein Bierwagen bei Oels in Schlesien. Der Kutscher wurde getötet.— Die Brände in Amerika. Die Gewalt des Feuers ist jetzt gebrochen, aber Hunderte von Flüchtigen haben Haus und Hof verlassen und befinden sich in bemitleidenswerter Lage. Der Brand erstreckte sich auf 100 Quadratmeilen und zerstörte 5 Orte. Hagelschaden=Versicherungs=Verein Die Direktions= und Ausschuß=Mitglieder des HagelschadenVersicherungsvereins für den Land= und Stadtkreis Dortmund und den Kreis Hörde stellten in gemeinschaftlicher Sitzung die satzungsgemäß in der ersten Hälfte des November zahlbaren Entschädigungen für die im laufenden Jahre infolge Hagelwetters am 16. Juni, 12. Juli und 2. September entstandenen, durch Sachverständige abgeschätzte Schäden in Gesamthöhe von 11 654 Mark fest. Hierbei wurden Befürchten für den Verein für den Fall ausgesprochen, wenn sich solche erhebliche Schadensfälle— in 1904 waren noch erst 14 884 Mark Entschädigungen zu zahlen— öfter wiederholen sollten. Die Erhöhung der Beiträge auch für die alten Versicherungen hielt man deshalb für notwendig. Sind doch seit der im Jahre 1902 erfolgten Herabsetzung des Jahresbeitrages von 1 Mark auf 50 Pfg. pro ha. Grundfläche an Prämien insgesamt nur rund 27·000 Mark eingekommen, dagegen aber für Hagelschäden rund 31100 Mk., also 4100 Mk. mehr, zu zahhlen gewesen. Dann wurde auch hervorgehoben, daß die bei Gründung des Vereins vor 28 Jahren festgesetzte Höchstentschädigung von 400 Mark pro ha. dem zeitigen Werte der Bodenerzeugnisse nicht mehr entspreche, die Versicherungsnehmer aber auch berechtigt sein müßten, für einzelne Bodenerzeugnisse, insbesondere für Kappus, Runkel und Gartenfrüchte höhere Versicherungen, selbstverständlich gegen Zahlung höherer Prämiensätze, beim Verein abzuschließen. Versammlung war der Ansicht, daß hierin so bald als möglich Wandel zu schaffen sei und beschloß einstimmig, der noch im Laufe dieses Jahres einzuberufenden Generalversammlung vorzuschlagen, gleichzeitig mit dem nach dem Gesetz vom 30. Mai 1908 über den Versicherungsvertrag notwendig werdenden Satzungsänderungen eine Erhöhung des jährlichen Beitragssatzes und der Höchstentschädigung in Schadensfällen eintreten zu lassen. Der Jahresbeitrag dürfte für alle Versicherungen mit Beginn der neuen Versicherungsperiode, besser aber noch vom 1. Januar nächsten Jahres ab, auf den früheren Satz von 1 Mark pro ha. unter Annahme einer Höchstentschädigung von 500 Mark pro ha., und auf 2 Mark pro ha. bei einer Versicherung einzelner Bodenerzeugnisse bis zur Höhe von 1000 M pro ha. festzusetzen sein. Schließlich wurde auch noch die Notwendigkeit anerkannt, daß die Versicherungsurkunde fortdauernd auf dem Laufenden gehalten und die Versicherungsnehmer verpflichtet würden, zu den demnächst nach Ablauf der Versicherungsperiode zu nehmenden Weiterversicherungen einen ausführlichen Auszug aus der Grudsteuermutterrolle einzureichen: Veränderungen auch innerhalb der Versicherungsperiode zu der Versicherungsurkunde; anzuzeigen. Zur Erzielung einer größeren Gleichmäßigkeit in der Abschätzung von Hagelschäden sollen bei Verminderung der Zahl der Taxatoren größere Abschätzungsbezirke gebildet werden, auch Besprechungen unter Zuziehung der Taxatoren stattfinden. Um jederzeit geeignete Taxatoren erhalten zu können, soll der Generalversammlung vorgeschlagen werden, den Tagegeldsatz von 8 Mark auf 15 Mark für denganzen Tag zu erhöhen und für einen halben Tag 7,50 Mark zu gewähren bei Erstattung etwaiger Auslagen für die Benutzung eines Wagens auf der Abschätzungsreise. Theater=Spielplan. Stadttheater Dortmund. Mittwoch, 21. Okt., 7,30 Uhr:„Renaissance". Lustspiel in drei Aufzügen von Franz v. Schönthan u. Franz Koppel=Ellfeld. Donnerstag, 22. Okt., 7,30 Uhr:„Die versunkene Glocke“. Musikdrama in fünf Aufzügen nach der Märchendichtung Gerhard Hauptmann's von Heinrich Zöllner. Städt. Schauspielhaus, Hagen. Mittwoch, 21. Okt.: Keine Vorstellung. Donnerstag, 22. Okt., 7,30 Uhr:„Im weißen Rößl". Lustspiel in drei Aufzügen von Oskar Blumenthal und G. Kadelburg. Stadttheater Barmen. Mittwoch, 21. Okt., 8 Uhr:„Viel Lärm um Nichts". Lustspiel in fünf Aufzügen von W. Shakespeare. Donnerstag. 22. Okt., 8 Uhr:„Martha". Lyonel: Herr Jokad Maikel als Gast. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 21. Okt.: Meist heiter, teils bewölkt, normal, kalte Nacht. 22. Okt.: Wolkig, normal, herbstlich, meist trocken. 23. Okt.: Bewölkt, trübe, Regenfälle, Wind. 24. Okt.: Meist bedeckt, trübe, windig mit Regen, kühl. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas; Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Der Majoratserve. Roman von Annaliese von Steinmühl. 16 „Da kommt ein Wagen auf den Hof, Mutter,“ rief Olga jetzt vom Fenster her,„ob es wohl Besuch ist?“ Eilig stand Frau Vinzelberg auf und blickte hinaus:„Büseritzer Fuhrwerk? Na, mein Töchterchen, es ist nur gut, daß die Deinigen Erlaubnis zur Veröffentlichung der Verlobung gegeben haben, denn als was hätte ich Dich wohl den jungen Verwandten vorstellen können?“ „Als Deine Stütze, Mutter," lachte Olga schelmisch auf und sah in diesem Augenblick so herzerquickend frisch und entzückend aus, daß in dem Herzen der alten Dame sich doch etwas wie Stolz über die Wahl ihres Sohnes regte und sie mit Freuden an die erstaunten Gesichter der Büseritzer denken mußte, wenn dieselben so unerwartet die reizende Braut Karl Heinrichs kennen lernen würden. „Da kommt auch Karl Heinrich, ach, wie er sich eilt," ubelte Olga, sie riß das Fenster weit auf und winkte und winkte, der erstaunten Gesichter nicht achtend, die aus dem dort vor der Veranda vorfahrenden Wagen mit brennendem Interesse zu dem schönen Mädchen hinsahen. Schon hielt das Pferd neben dem Wagen und Karl Heinrich sprang ab, um die jugendliche Gesellschaft zu empfangen, die lachend und plaudernd auf den Stufen stand, welche zum Hause empor führten. „Willkommen Erna! Sieh da, Otmar in Uniform!“ „Sieht er nicht gut aus?“ fragte das junge Mädchen stolz, während Otmar von Hollweg seinem Vetter lachend die Hand schüttelte. „Da ist ja auch Feodor!“ rief Karl Heinrich, und begrüßte einen hochaufgewachsenen Knaben von sechzehn Jahren, der schon in der Veranda stand. „Feodor kann es nicht erwarten, den schönen Gast kennen zu lernen, der Dir fröhlichen Willkommen zuwinkte, Karl Heinrich, lachte Erna, während ihr Bruder tief errötete und sich ärgerlich abwandte. Vinzelberg lachte so recht übermütig auf, aber er verriet noch nichts, sondern führte die lieben Gäste in die Wohnstube, wo sie von der Mutter überaus herzlich begrüßt wurden. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, die errötende Olga als Braut ihres Sohnes vorzustellen. Das war ein Jubel ohnegleichen, namentlich Erna wußte der herzlichen Worte nicht genug zu finden, um das neue Familienglied zu begrüßen. „Wir hatten ihn schon fast ganz aufgegeben, unsern Heinrich,“ rief Otmar,„er hat uns lange genug auf dieses frohe Ereignis warten lassen. Doch jetzt kann ich es begreifen," setzte er launig hinzu,„denn so etwas war hier bei uns nicht zu finden, das mußte er sich von wo anders herholen, nicht Erna?“ „Du hast recht, mein Junge,“ erwiderte die Schwester,„eine Olga gibt es in Pommerns Fluren nicht, dazu mußte Karl Heinrich in der Residenz Umschau halten. Aber wehe Dir, lieber Vetter, wenn die hiesigen Schönen die Nachricht von Deiner Verlobung erhalten, ich zähle die Herzen in Menge, die jammernd klagen werden. Und die Mütter erst! Du kannst Dir gar nicht vorstellen,“ wandte sich das junge Mädchen an Olga,„welche Mühe sie sich geben, Deinen Karl Heinrich von seiner Abneigung gegen Verlobung und dergleichen zu heilen.“ „Dann haben jetzt die lieben Seelen Ruhe,“ rief Mama Vinzelberg,„und nun zum Kaffee, meine jungen Herrschaften, die Mamsell hat heute frische Waffeln gebacken, als ob sie den lieben Besuch geahnt hätte.“ Fröhlich plaudernd zog die Gesellschaft in den Garten, wo unter hochragenden Linden Vesper gehalten wurde. Erst spät am Abend fuhr die Jugend wieder von dannen und nun erfuhr Olga alles nähere über die neuen Verwandten, deren Herzen sie im Sturm gewonnen hatte. „Otmar sieht recht gut in Uniform aus," begann die Mutter,„und der Schnurrbart verschönt ihn sehr, er verdeckt den Mund, der ihm nicht zur Zierde gereicht. Die Prachtaugen hat der Junge von seiner armen Mutter.“ „Ja, aber die mächtige Gestalt hat er vom Vater. Tante Marianna war klein und zart, das einzige Schöne an ihr waren die Augen. Ich sehe sie noch deutlich vor mir, war ich doch schon achtzehn Jahre alt, als sie bald nach Otmars Geburt starb. Seine Taufe zu Füßen des Sarges seiner armen Mutter wird mir ewig unvergeßlich bleiben.“ „Mir auch, Karl Heinrich, mir auch,“ murmelte Frau Vinzelberg traurig.„Der Tod Mariannas war ein unersetzlicher Verlust für unseren Otmar.“ „Ist denn die Stiefmutter nicht gut zu ihm?“ fragte Olga, ahnungslos an das graue Gespenst der Familie Hollweg ruhrend, denn es war ihnen allen, die zu dem Geschlecht gehörten, nur zu bekannt, wie traurig kühl das Verhältnis Amandas zu ihrem Stiefsohn war. „Es ist immer schwer, Stiefmutter zu sein,“ lautete die Antwort der alten Dame. „Aber doch nicht einem solchen Prachtmenschen gegenüber,“ brauste Karl Heinrich auf,„und es ist ganz gut, Mutter, wenn Olga, die doch über kurzem ganz zu uns gehört.. ein zärtlicher Blick leidenschaftlicher Liebe flog zu der errötenden Braut hin.. dieses Verhältnis genau kennt, ehe wir in Büseritz Besuch machen. Als die Mutter schwieg, fuhr Karl Heinrich fort und erzählte dem lauschenden Mädchen von der schönen, rothaarigen Frau, die drüben in Büseritz als gebietende Herrin regierte, sich nur dem Willen ihres Mannes unterordnend, der aber nur selten der angebeteten Frau etwas in den Weg legte. „Ich finde den Onkel so viel älter geworden in der letzten Zeit, Mutter," wandte er sich jetzt an die alte Dame, die seinen Bericht, ohne ihn zu unterbrechen, angehört hatte,„und mehr denn je führt Tante Amanda die Zugel. Otmar sagte mir heute, er sehne sich nach dem Ende seines Urlaubes, denn die eisige Art seiner Mutter, die so sehr von der abgöttischen Liebe zu Feodor abstäche, verletze ihn bis ins innerste Herz. Auch halte sie ihn geflissentlich vom Vater fern, und das bedrückte ihn am schwersten.“ „Armer, warmherziger Junge," klagte Frau Vinzelberg,„er hat ganz das zärtliche, schüchterne Herz Mariannas geerbt. bei rauher Berührung zieht er sich ängstlich zurück. Nur hier bei uns lebt er ganzauf.“ „Warum kann ihn denn Frau von Hollweg nicht leiden?“ „Sie neidet ihm sein Erstgeburtsrecht, welches ihn zum Majoratserben macht. Feodor erbt dereinst nur das kleine Breitenstein, welches seiner Mutter gehört.“ „Sollte Onkel Hollweg auf Wustrow auch ohne Erben sterben, so fällt dieses große Gut gleichfalls an Otmar. Diese Aussichten machen seine Stellung Tante Amanda gegenüber auch nicht besser. 157.20 — — 5 * 8 0 D * * S S — — — — 9 A PRGC AC se AWe c 18 2 0 W 85 5 a K * 17 1177 9 S e D 11 65 5 A A A * 80 —.— i K* S 15 5 99.5 * S 5 32 5 S S S5 8 50 55 . 8 SSat S 8 8 4.5 S 2 ∆ 5 5ch 2 8 n E9 SS S.2 209 E g 6. S e # 5S 8 9.9 2 □ 5 S S 8.9 : 64 S## * G 5 7 9 P S• S 8.25 95 # S S 2 35 S 55 805 ** — 4 27 S2 0.98 800 * #usas 8 8 5 0 5 8.—6 S 8 2 *** — 2 n 8.2 9 2 5 3 2 SEFORS ESETLS * * S8S B.g5S S.rg 8 G E ## S#aBPSSS55 ESScFe * S SE n BSmDES EGu ESHEESTOSNE 0 95 * 07 SSE BB.S55MSLESSS S 80 8 E S s Sa g 5 98 6 SS5U 95 * S e 5 2 S. 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Ließen einzelne Piecen, wie die japanische Romanze von Moret oder der„Marsch der Wojewoden“ das Publikum ziemlich kalt und fanden wenig Anklang. so rissen wieder andere, so die mit Schwung und Feuer gespielte Fantasie aus„Faust“, die Traumbilder=Fantasie von Lumbye, oder der prächtige Fetrassche Walzer„Gold und Silber“ zu spontanen Beifallskundgebungen hin. Auch der Cellist der Kapelle, Herr Schrameck, der mit einer Serenade von Herzel auf dem Programm stand, hat uns sehr gut gefallen. Das Hauptinteresse des Abends boten jedoch die Kriegsgemälde, Szenen aus dem gewaltigen Ringen mit dem französischen Erbfeind 1870/71 darstellend, und bei den vielen im Saale anwesenden Grauköpfen, die jene große Zeit mit erlebt und auf Frankreichs Schlachtfeldern mit für Deutschlands Ehre und Einigkeit gekämpft haben, wehmütige und doch wieder freudig bewegte Erinnerungen wachrufend. Die einzelnen Bilder, welche das gewaltige Ringen von Szene zu Szene packender schilderten, ernteten lebhaften Beifall, nicht minder der von warmer Empfindung beseelte Vortrag des Herrn Müller=Hannover, dessen angenehm klingendes Organ den großen Saal voll beherrschte. Die den jeweiligen Bildern angepaßten Musikvorträge der Kürassier=Kapelle trugen nicht wenig zum guten Gelingen des Abends bei. Vorher war eine hübsche Serie von Ansichten aus dem Hererolande auf die Leinwand geworfen, welche gleichfalls viel des Neuen und Interessanten boten. Alles in allem war es ein sehr genußreicher Abend, und wir können nur nochmals bedauern, daß sich so viele diesen Genuß haben entgehen lassen. **(Ein großes Volkslieder=Konzert) veranstaltet am Sonntag, den 25. d. Mts., der M.=G.V.„Cäcilia“ unter Mitwirkung von Frau Dr. Bock=Beuck aus Iserlohn(Sopran u. Klavier) und des Herrn Emil Dietsch=Dortmund(Tenor) am Freischütz. Das Programm für das Konzert ist ein sehr gewähltes, und dürfte sich dasselbe bei der anerkannten Leistungsfähigkeit der „Cäcilia“ jedenfalls eines zahlreichen Besuches zu erfreuen haben.(S. auch Ins.) **(Kaufm. Verein.) Am Samstag abend 9 Uhr wird im Hotel Brückner auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des D. H. V. Herr Jul. Schellin aus Frankfurt einen Vortrag über die„Staatliche Pensionsversicherung der Privatangestellten" halten.— Imlaufe dieses Winters wird aber der Verein noch weitere vier Vorträge veranstalten, und zwar sind als Redner bereits gewonnen: Rezitator Ernst Günther aus Berlin(Deutsche Dichtungen und deutsche Dichter der Gegenwart), Hofrezitätor W. Neander=Hannover(Lichtbilder=Vortrag), G. Brost=Magdeburg(Vorträge nationalen und volkswirtschaftlichen Inhaltes) und Frl. Tory Eick aus Koblenz(Rezitations= und Liederabend(Volkslieder und Melodramen). Der Eintrittspreis für sämtliche vier Vorträge ist auf 1,50 Mark festgesetzt. **(Erweiterungsbau an der höheren Mädchenschule.) In einer der letzten Nummern hatten wir bekanntlich die für verschiedene Arbeiten an dem Schulbau abgegebenen Offerten veröffentlicht. In der Offerte des Herrn W. Nötting(Anstreicher= arbeiten) hat sich insofern ein Irrtum eingeschlichen, als derselbe 2050 Quadratmeter Fußbodenfläche zu ölen berechnet hatte, während es in Wirklichkeit nur 205 Quadratmeter waren. Der abgegebene Preis reduziert sich daher von 1314,98 M. auf 798,58 Mark. **(Dortmunder Stadttheater.) Sorgfältig vorbereitet, findet am Donnerstag, den 22. d. Mts., die Erstaufführung des Musikdramas„Die versunkene Glocke“ von Heinrich Zöllner statt. Der Vertonung liegt das gleichbetitelte Märchendrama unseres großen schlesischen Dichters Gerhard Hauptmann zu Grunde. Mit ganzer Hingabe an die Sache und liebevoller Vertiefung in das bedeutende Dichterwerk ist der Komponist den Intentionen des großen Poeten gefolgt und hat so ein musikalisches Gewand geschaffen, das mit zart duftigstem Stimmungszauber nur bestrickendster Melodik in wundervollen Märchenstoff umfließt. Mitgliedern eine Umfrage veranstaltet. 51 Handelskammern haben darauf Gutachten erstattet, in denen die stoffliche Beschaffenheit, die Größe und Ausstattung der Zehnmarkscheine bemängelt wurden. Allgemein wurde insbesondere die Verwendung eines widerstandsfähigeren Papiers gewünscht, Das jetzt verwendete sei zu weich und zu lappig und zerreiße deshalb leicht. Es sei sehr porös, sauge infolgedessen Flüssigkeit auf und sei daher in gewissem Maße gesundheitsgefährlich. Es nehme auch den Schmutz leicht an, werde klebrig und erschwere so das Zählen. Die Zehnmarkscheine seien aus diesem Grunde besonders ungeeignet zur Auszahlung des Lohnes an Arbeiter, die die Annahme der Scheine auch vielfach verweigerten. Es sei zu befürchten, daß bei längerem Gebrauch der Scheine der weiße Trockenstempel herausbrechen werde. Der Präsident des deutschen Handelstages richtet daher an den Staatssekretär des Reichsschatzamtes die dringende Bitte, die Zehnmarkscheine fortan aus besserem Papier herstellen zu lassen. **(Ein Kinematograph) wird augenblicklich in der „Reichskrone" aufgestellt. Der Theatersaal ist vollständig umgebaut und neu eingerichtet. Ende dieser Woche werden die ersten Vorstellungen gegeben. **(Krankheits=Statistik.) In der letzten Berichtswoche wurden im Regierungsbezirk Arnsberg folgende Fälle von ansteckenden Krankheiten zur Anmeldung gebracht: Unterleibstyphus 24(1 Holzen, 1 Hörde), Ruhr 3, Kindbettfieber 7, Scharlach 215(1 Schwerte, 11 Hörde, 3 Annen), Diphtherie 60(2 Hörde), Granulose 11 Fälle. Im gleichen Zeitraum starben an Krämpfen 10 Personen, an Magenund Darmentzündung 49(1 Schüren, 1 Aplerbeck), an Krebs 5, Lungenentzündung 22, Tuberkulose 40(1 Hörde, 1 Hombruch, 2 Annen). ** Lichtendorf, 20. Okt.(Abgewiesen.) Gegen die kürzlich getätigte Verpachtung der hiesigen Jagd war von verschiedenen Interessenten Einspruch sowohl beim Landratsamt als auch bei der Regierung erhoben worden. An beiden Stellen sind die Protestler jedoch abschlägig beschieden worden. ** Ergste, 20. Okt.(Im Silberkranz.) Gestern feierten die Eheleute Küster Küssel und Frau, Karoline geb. Filthaut, das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Silberbrautpaar gingen von allen Seiten herzliche Glückwünsche zu, denen wir die unsrigen gern anschließen. (?) Hennen, 20. Okt. Die diesjährige Gemeinderatswahl findet am Freitag, den 27. November, nachmittags 3 Uhr im Lokale des Herrn Wilh. Albrecht hierselbst statt. Es scheiden mit Ablauf dieses Jahres aus: Gutsbesitzer Fr. Bedehäsing in Kalthof und Rentner Fr. Noelle=Wying sen. in Leckingsen(1. Abteilung), Landwirt Diedrich Stork in Hennen(2. Abtl.). Wirt Diedrich Albrecht in Hennen(3. Abtl.). Das Verzeichnis der stimmberechtigten Wähler liegt vom 26. d. Mts. ab vier Wochen auf dem Gemeindebureau hierselbst zur Einsicht der Beteiligten offen. Reklamationen können nur während der Auslegungsfrist angebracht werden. Zeit und Welt. Die Suche nach den letzten vermißten Luftschiffern, den deutschen Leutnants Förtsch und Hummel, deren Ballon„Hergesell“ ohne Insassen und ohne Gondel in der Nordsee gefunden wurde, ist eingestellt worden. Die beiden Unglücklichen scheinen ertrunken zu sein, während die anderen nach der See verschlagenen Luftschiffer sämtlich gerettet wurden. Vom Völkerschlacht=Denkmal. Der Deutsche Patriotenbund zur Errichtung eines Völkerschlacht=Denkmals bei Leipzig hielt am 18. Oktober seine Hauptversammlung ab. Nach dem Geschäftsbericht ist die im Innern des Baues sich entwickelnde, 29 Meter weit gespannte Kuppel, in Granitwerkstücken ausgeführt, bis zur Höhe des 49 Meter hoch gelegenen Galerieumganges fertiggestellt. Das übrige Bauwerk ist bis zur Unterkante des Hauptgesimses in einer Höhe von 52,5 Meter hochgeführt, so daß noch etwa 36 Meter aufgesetzt werden müssen. Die Geheimmittel. Eine vulgäre Redensart lautet:„Was der Bauer nicht kennt, das ißt er nicht.“ Man könnte nur wünschen, daß dieser Grundsatz Gemeingut weitester Kreise würde, denn er enthält eine sehr beherzigenswerte Wahrheit und Weisheit. Leider ist aber heute nur vielfach das gerade Gegenteil Gebrauch, das marktschreierisch angebotene Geheimmittel lockt Kranke und was noch alles mit Sicherheit hervorzaubern sollen. Wenn die liebe Eitelkeit etwas geprellt wird, wenn sie für eine Salbe, Tinktur oder sonst ein mixtum compositum, dessen Wert nur wenige Pfennige beträgt, tüchtig berappen muß, um nachher zu erkennen, daß sie geschröpft worden ist, so ist das ganz gewiß auch schmerzlich, macht aber doch zugleich auch klug; man braucht die Sache dann nicht allzu tragisch zu nehmen. Anders ist es, wenn ein Kranker, der so und so viele Aerzte vergeblich zu Rate gezogen hat, schließlich den lockenden Anpreisungen erliegt und es mit diesem oder jenem Geheimmittel versucht. Gewissenlose Industrieritter, die wertlose Geheimmittel, wertlos ihrer Zusammensetzung wie ihrer Wirkung nach, an Kranke zu hohen Preisen abgeben, sollten mit Recht gründlich bestraft werden. Der Gesetzentwurf über die Kurpfuscherei, der dem Reichstage ja in Aussicht gestellt ist, enthält hoffentlich auch Bestimmungen über die Geheimmittel, deren sich die Gesetzgebung auch sonst schon angenommen hat. Ueberraschend ist es demgegenüber, daß die Vorschläge auf Besteuerung der Geheimmittel zugunsten der Reichsfinanzreform Aussicht auf Verwirklichung haben sollen. Diese Steuer kann nur dann einen lohnenden Ertrag bringen, wenn der Umsatz in E heimmitteln ein recht großer ist. Es geht aber doch nicht an, daß der Staatssekretär des Reichsamts des Innern das Geheimmittelwesen als schädlich und sträflich unterdrückt und daß der Reichsschatzsekretär aus eben diesen Geheimmitteln Steuererträge für seine Finanzreform schlagen will. Der Schatzserketär wird vielmehr verzichten und sein Kollege umso tätiger sein müssen. Letzte Drahtmeldungen. Zur Hochzeit im Kaiserhause. Berlin, 21. Okt. Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig=Holstein, die Braut des Prinzen August Wilhelm, traf gestern abend in Begleitung der Kaiserin und des Prinzen August Wilhelm auf Station Wildpark ein. Die Herrschaften begaben sich in das Neue Palais. Zeppelins Aufstieg. Friedrichshafen, 21. Okt. Falls kein Nebel herrscht, findet am Donnerstag zwischen 8 und 9 Uhr der erste Aufstieg des Zeppelinschen Luftschiffes„Zeppelin 1" statt. Der Kronprinz bei Zeppelin? Stuttgart, 21. Okt. Wie man hier hört, wird der Kronprinz am Sonntag hier eintreffen und am Montag einem Aufstieg des Zeppelinschen Luftschiffes beiwohnen. Althoff f. Steglitz b. Berlin, 21. Otk. Der frühere Ministerialdirektor im Kultusministerium, Wirkl. Geh. Rat Dr. v. Althoff. ist gestern abend gestorben. Zur Balkankrisis. Sosia, 21. Okt. Zwischen den Delegierten des jungtürkischen Zentralkomitees und des hiesigen Bundeskomitees ist eine vollkommene Verständigung über die schwebenden Streitfragen erzielt worden. Das gemeinsam ausgearbeitete Protokoll fordert unter Betonung der Grundlosigkeit eines türkisch=bulgarischen Krieges die Regierungen beider Länder auf, Delegierte zu entsenden zur Ausarbeitung eines Vorschlags zur Beilegung der Differenzen. Das Protokoll wurde der bulgarischen Regierung überreicht und gestern in Sofia, Konstantinopel und Saloniki veröffentlicht. Einer Blättermeldung zufolge erklärten jungtürkische Abgesandte in den Komiteeberatungen, die Pforte werde ihre hier eingegangenen Verpflichtungen anerkennen und durchführen. Die Sobranje wurde für den 28. Oktober zur ordentlichen Session einberufen. Furchtbare Zerstörung. Amoy, 21. Okt. Nach den letzten Meldungen über den am 17. d. Mts. in Tschang=tschou(Kwang=tung) aufgetretenen Taifun sind dabei über 2700 Menschen ums Leben gekommen und 3600 Häuser zerstört worden. Neue Waldbrände in Amerika. Newyork, 21. Okt. Im Norden des Staates Newyork sind erneut riesige Waldbrände ausgebrochen. Ein Teil des Staates steht unter dichtem Rauch, so daß vielfach am Tage die künstliche Beleuchtung in Anspruch genommen werden muß. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Hans Schlinzigk; für Lokales, Provinzielles und Inserate: Friedrich Kraas: Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Mil Beginn der rauhen Jahreszeit empfiehlt sich die tägliche Verwendung von Kaiser=Borax im Waschwasser als Vorbeugungsmittel gegen rauhe und aufgesprungene Hände. Kaiser-Borax macht selbst das härteste Wasser sofort weich und die Haut wird durch regelmäßige Borax=Waschungen gestärkt. Kaiser=Borax nur echt in roten Kartons zu 10, 20 und 50 Pfg. ist in den Drogerien, Apotheken, Kolonialwaren=, Parfümerie= u. Seifengeschäften vorrätig. **(Neue Zehnmarkscheine.) 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