TArTT TAT Sinikheits Rrebelaft 144• tr den Kreis worcn! rricher mmremmemrrurm r Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund“. Ö O O O O O O O O C O O C 0 Auneigenpreis: Die sechegespaltene Petitzeile oder deren Raum 1e M., Anzeigen von auswärts 13 Pl., Reklamezeile 40 Pl. Nr. 28. Deutscher Reichstag. 92. Sitzung vom 1. Februar, 11 Uhr. Das Haus erledigt zunächst eine Rechnungssache und verWeigert sodann, entsprechend den Vorschlägen seiner GeschäftsOrdnungs=Kommission, die von beteiligter Seite nachgesuchte Benehmigung zur Einleitung eines Privatklageverfahrens gegen den Abg. Gerstenberger und zur Zeugenvernehmung der Abgg. Pichler und Schefbeck in zwei Privatklageverfahren. Weiter folgen die namentlichen Abstimmungen sowohl über die(gestern beratene) Resolution der Budgetkommission zum Marineetat, wie über das dazu beantragte Amendement Albrecht und Gen.(Soz.)(bei Feststellung von Arbeitsordnungen nicht nur die Arbeitsausschüsse, sondern auch die Arbeiter=Organisationen Das Amendement Albrecht, über das zuerst abgestimmt Pird, wird abgelehnt, mit 166 Stimmen gegen 114 Stimmen, n einer Stimmenthaltung. Die hiernach unverandert gebliebene Resolution wird angenommen mit 213 gegen 67 Stimmen, eine Stimmenthaltung. Es folgt die zweite Beratung des Nachtragsetats pro 1907: 400 000 f an den Grafen Zeppelin zur Förderung von Versuchen auf dem Gebiete der Motorluftschiffahrt, sowie Verwendung bereits disponibler Mittel für den zweigleisigen Ausbau einer Bahnstrecke in Elsaß=Lothringen. Die Kommission beantragt unveränderte Genehmigung. Abg. Vogl(W. Ver.), für die Vorlage eintretend, drückt insbesondere als Landsmann des Grafen Zeppelin seine Genugtuung über dessen Erfolge aus. Nachdem auch noch Abg. Hug(Z.) als Augenzeuge Zeppekinscher Fahrten und als Teilnehmer an einer derselben der Bewilligung der geforderten Summe lebhaft das Wort geredet, wird der Nachtragsetat unverändert angenommen. Alsdann wird die Beratung des Etat des Reichseisenbahnamts fortgesetzt. Abg. Wetzel(ntl.) bedauert, daß das wünschenswerte Projekt einer Betriebsmittelgenossenschaft— noch wünschenswerter sei allerdings eine vollkommene Reichseisenbahn=Gemeinschaft!— auf einem toten Gleise angelangt sei. Die Logik der Tatsachen werde ja aber doch wohl einmal wenigstens zu einer solchen Betriebsmittel=Gemeinschaft führen. Leider sei durch die neue Personen=Tarifreform das Reisen verteuert worden. Eine Aenderung hierin sei namentlich im Interesse unserer Jugend, nicht Erstes und alteltes Tagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Zegierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Teitung“ rechtsverbindliche Krafl. m o C C OS ·•• S:S. Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Rnschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse: Draus, Schwerte-Ruhr Montag, den 3. Februar 1903. Abg. Carstens(Frs. Vpt.) widerspricht dem. Abg. v. Bieberstein(k.): Die Löhne sind gerade bei der Eisenbahn so hoch, daß ein Abströmen der Arbeiter von der Landwirtschaft stattfindet. Wenn wirklich irgendwo niedere Löhne sind, so wird der preußische Eisenbahnminister ihnen schon abhelfen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Neumann=Hofer(Frs. Ver.): Am besten wäre es, wenn alle Staaten dem Beispiele Hessens folgen würden. Eine Reichsgemeinschaft wäre das beste für den Verkehr. Abg. Dr. Jäger(Z.) fordert das Reichseisenbahnamt auf, die Interessen der Aktionäre der Gotthardbahn wahrzunehmen gegenüber der von der Schweiz beabsichtigten Verstaatlichung. Abg. Behrens(W. Ver.) fordert Aufschließung des SiegenNassauer Erzreviers durch Bahnverbindungen nach der Ruhr. Abg. Köhler(W. Ver.): Das ganze deutsche Volk wünscht Reichseisenbahnen, aber nicht Verpreußung der Bahnen. Darauf wurde der Etat des Reichseisenbahnamtes genehmigt. Eine Reihe von Petitionen wurden erledigt. Montag, 2 Uhr: Militäretat. Schluß nach 3 Uhr. rung der Lebensgefahr mit sich bringe. Abg. Carstens(Frs. Vpt.): Der ### H e r r P r ä s i d e n t d e s Eisenbahnamts hat gestern auf verschiedene Anregungen nicht geantwortet. Ich kann mir nur denken, daß der Herr Präsident dabei von dem Gefühl der Ohnmacht geleitet wurde, in der er sich gegenüber der preußischen Eisenbahnverwaltung befindet. Auch in bezug auf das Material läßt sich die preußische Eisenbahnverwaltung viel zuschulden kommen. Ich weiß genau, daß Beschwerden über Beschwerden von Bahnmeistereien an die Direktion abgegangen sind mit der Forderung, die Löhne müßten aufgebessert werden. Aber alle diese Forderungen wurden abgelehnt. Fehlt es der schlechten Löhne halber an Personal, so wird die Betriebssicherheit gefährdet. Abg. Stolle(Soz.)t rägt Klagen über politische Bedrückung der Eisenbahnarbeiter vor. Zwinge man sie doch sogar, einem konservativen Verein beizutreten! Redner bezieht sich dabei auf Sachsen. Präsident Schulz: Den Zusammenhang zwischen Betriebssicherheit und mit der Beamten=Besoldung und den Arbeiterlöhnen kann ich nicht anerkennen. Sächs. Bundesrats=Bevollmächtigter Dr. Fischer: Der Abg. Stolle hat sich darüber beklagt, daß die Arbeiter zum Beitritt zu einem konservativen Verein gezwungen wurden. Würde sich der Herr Abgeordnete beschweren, wenn die Arbeiter gezwungen würden, einem sozialdemokratischen Verein beizutreten?(Gelächter links.) Abg. Enders(Frs. Vpt.) will die Aufmerksamkeit darauf lenken, wie die mitteldeutschen Kleinstaaten durch Preußens Eisenbahnsystem geschädigt seien. Preußen erübrige aus seinen Eisenbahnen Ueberschüsse im Jahresbetrage von Hunderten von Millionen, ohne daß die thüringischen Kleinstaaten, deren Bahnstrecken seinerzeit in preußischen Besitz übergegangen seien, auch nur das geringste von den großen Ueberschüssen abbekämen. Abg. Quarck(ntl.) schließt sich diesen Ausführungen im Interesse Koburg=Gothas durchaus an und verbreitet sich dabei namentlich über die Steuerfrage. Hier müsse unbedingt Wandel geschaffen werden. Abg. Hue(Soz.) erörtert den Wagenmangel im größten deutschen Industriegebiete, dem Ruhrrevier. Abg. Ulrich(Soz.) hält es für die Pflicht des Reichseisenbahnamtes, für die Aufbesserung der Löhne der Arbeiter und Beamten zu sorgen. Präsident Schulz erklärt, daß das nicht zu seiner Zuständigkeit gehöre. Neueste. Republik wurde in Oporto ausgerufen. Franco bewahrt seine volle Energie. Im Mordprozeß Thaw wurde der Angeblagte Thaw freigesprochen, da er bei Begehung der Tat nicht zurechnungsfähig gewesen sei. Dreußischer Landtag. 22. Sitzung. 1. Februar. Am Ministertisch: Delbrück. Vizepräsident Porsch eröffnet um 11 Uhr 15. Etat der Handels= und Gewerbe=Verwaltung. Beim Titel„Ministergehalt" Lankt„ Abg. Trimborn(Z.) dem Minister, daß es ihm möglich gewesen ist, zur Förderung des Handwerks und Gewerbes erhöhte Mittel in den Etat einzustellen. Er hoffe, daß der Handelsminister auch im nächsten Etat sich als Sieger über den Finanzminister erweisen werde.(Heiterkeit.) Die Berücksichtigung der Genossenschaften bei Submissionen sei dringend wünschenswert. Hmt unt Seinm i. 9 Handelsminister Delbruck verweist auf seinen im Vorjähre ergangenen Erlaß an die Verwaltungsbehörden, der diese Behörden auffordert, die Frage, ob ein Kaufmann oder Handwerker zur Handels= oder zur Handwerkskammer gehöre, gemäß den Urteilen der ordentlichen Gerichte zu entscheiden. Der Minister hält eine Heranziehung der Industrie zur finanziellen Förderung des Lehrlingswesens für nicht im Interesse des Handwerks liegend. Abgesehen davon aber sei die Heranziehung der Industrie auch praktisch schwierig, und diese kleinliche Kriegsmaßregel könne man sehr gut vermeiden, wenn man das Geld zur Bestreitung der Kosten der Lehrlingsausbildung von ihm, dem Minister, nehme.(Zuruf des Abg. Trimborn: Oder vom Finanzminister!) Oder vom Finanzminister!(Heiterkeit.) Der Minister teilt mit, daß er der Heranziehung der Handwerkergenossenschaften zu staatlichen Lieferungen längst volle Aufmerksamkeit gewidmet habe...... Gnterstristuns Abg. Hammer(k.): Wir sino keine Inbastkieseinde, wir sind auch keine Zünftler, wir fordern aber Licht und Luft auch für das Handwerk. Mehr als bisher muß man auf die Handwerkskammern hören. Unser Handwerk liegt nicht am Boden, es leidet nur an einigen Mängeln. Der Redner schließt mit Klagen über das Landesgewerbeamt, das die darauf gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt habe. Abg. Schröder(ntl.) tritt für die sozialpolitische Versicherung der Handwerker ein, die sich in dieser Hinsicht an den Privatbeamten ein Beispiel nehmen sollten, und begrüßt die Errichtung von Handwerkererholungsheimen und die obligatorische Einführung von Fortbildungsschulen in Städten mit mehr als 10000 Einwohnern.(Beifall.) Handelsminister Delbrück erwidert auf die Ausführungen des Abg. Hammer, daß die Konsumvereine in vielen Gegenden des Westens eine Notwendigkeit seien. Sonst sei die Zugehörigkeit zu ihnen eine Frage des Taktes. Die Anhörung der Handwerkskammern lasse sich die Regierung angelegen sein. Für die Gewerbeförderung sei im Ministerium ein besonderer Direktor angestellt. Uebrigens halte er, der Minister, persönlich enge Fühlung mit dem Gewerbe; er reise sehr viel im Lande zum Studium der gewerblichen Verhältnisse, und er halte diesen Teil seiner Tätigkeit für außerordentlich wichtig und werde ihn nicht aus der Hand geben. Weiter antwortet der Minister auf einige kleinere Wünsche des Abg. Schröder. Wenn dieser die großen Meisterkürse bemängelt habe, so müsse man doch den Versuch, auf diesem Wege dem Handwerk zu helfen, bis zum Ende durchführen. Abg. Rewoldt(freik.) geht auf die bisher angeregten Einzelfragen ein, so empfiehlt er die gesetzliche Abgrenzung von Handwerk und Fabrik. Gegen die Mängel in den Lieferungen des Handwerks für den Staat, auf die der Minister hinwies, sei nur durch zentralistische Organisation des Handwerks Abhilfe zu schaffen.. 18. g). Nr Lahe 9. e t e Abg. Rosenow(Frs. Spt.). Der höhe Banibistonr sei nicht nur von nachteiliger Wirkung für Handel und Industrie, sondern auch für das Handwerk. Um so nötiger sei es, das Börsengesetz zu reformieren, damit Treu und Glauben wiederhergestellt werden. Auch seine Freunde begrüßten die Einstellung größerer Mittel für die Fortbildungsschulen und deren Lehrer. Die Meisterkurse seien in jeder Art ein Mittel, das Handwerk weiterzubringen. Er bitte den Minister, die Genossenschaften möglichst Eine englische Flottenabteilung ist nach Lissabon unterwegs. Die Königin=Witwe von Portugal wurde von den des gestrigen Tages derart erschüttert daß man für ihren Verstand fürchtet. Kabinettchef Franco wird allgemein für das Lissaboner Attentat verantwortlich gemacht. 40. Jahrgang. zu fördern und sie an den Aufträgen für den Staat zu beteiligen. Abg. Pachnicke(Frs. Ver.) erwartet die beste Förderung des Handwerks von einem guten Unterrichtswesen. Seine Freunde seien bereit, auch alle gesetzlichen Maßregeln zur Hebung des Handwerks zu unterstützen, aber absterbende Formen dürfe man nicht konservieren. Die Gewerbeaussicht sei zu erweilern, z. B. auch auf die Eisenbahnunternehmungen auszudehnen. Mit der Förderung der Rechtsauskunftsstellen seien seine Freunde einverstanden.„„.. A Mg Abg. Dr. Pieper(Z.) villet, die Gewerbeaufsichtsbeamten zu vermehren. 7 4m Gmelt. Abg. Franken(nti.) warnt die christlichen albeitervereine, trotz aller Sympathie für sie, vor übertriebenen Forderungen. Dem Arbeitgeber sei es schließlich gleichgültig, ob ihm christliche oder sozialdemokratische Organisationen das Fell über die Ohren zögen. Das Ministergehalt wird bewilligt. Montag 11 Uhr: Fortsetzung und Etat der Berg=, Hütten und Salinenverwaltung. Schluß 4¼ Uhr. Polikische Uebersicht. Deutschland. Das Lehrerbesoldungsgesetz beschäftigt gegenwärtig das preußische Staatsministerium, nachdem es das Kultus= und Finanzministerium passiert hat. In etwa 14 Tagen wird es laut„B. T.“ an den preußischen Landtag gelangen, wo es Minister Holle selbst befürworten wird. Bei dieser Gelegenheit will der Minister auch zur Frage der sexuellen Aufklärung in den Schulen Stellung mehmen. Soldatenurlaub. Im Reichstage hat die Freisinnige Volkspartei einen Antrag eingebracht, in dem sie um Einstellung von Mitteln in den nächstjährigen Etat ersucht im Interesse der Soldatenurlauber. Den Mannschaften des Landheeres wie der Marine soll alljährlichmindestens aber einmal während ihrer Dienstzeit, Urlaub zu einer Reise in die Heimat erteilt werden. Die Kosten der Hin= und Rückfahrt sollen aus den erbetenen Mitteln gedeckt werden. Den Soldaten soll möglichst die Benutzung der Schnellzüge gestattet werden. „Schöner Antrag erest“, würde es in der Studentensprache heißen,„ein Schmollis den Antragstellern!“ Der preußische Kriegsminister v. Einem, der sich sei seiner Erkrankung im November v. J. nich wieder völlig erholt und mehrfach an Rückfällen gelitten hat, ist laut einer amtlichen Meldung der„Nordd. Allg. Ztg.“ am 25. Januar an einem neuen heftigen Influenzaanfall erkrankt, dder ihn ans Bett fesselt und ihn zwingt, sich von den Geschäften fern zu halten. Auf dringendes Anraten der Aerzte wird er so bald als möglich zur Wiederherstellung der Gesundheit einen längeren Urlaub nach dem Süden antreten.— Von anderer Seite wird noch mitgeteilt, daß sich der Minister erst auf dringenden Wunsch des Kaisers und des Reichskanzlers entschlossen hat, einen dreimonatigen Urlaub nach dem Süden anzutreten, so bald er wieder reisefähig ist. Seine Aerzte erhoffen von diesem Urlaub eine völlige Wiederherstellung der Gesundheit des Ministers. Der nahe liegende Gedanke, daß der Urllaub ein Vorläufer des Rücktritts des Ministers von Einem sei, ist absolut grundlos. An den maßgebenden Stellen herrscht im Gegenteil der lebhafte Wunsch, Herrn von Einem dem Dienste für das Vaterland zu erhalten. 8 Die Polenkommission des Herrenhauses. Die scommission des Herrenhauses in der Enetigungsvorlage hat den früheren Hausminister von Wedel zu ihrem Vorsitzenden, den inaktiven Staatsminister von Lucius zum stellvertretenden Vorsitzenden und den Landeshauptmann der Provinz Posen Dr. von Dziembowski zum Berichterstatter gewählt. Die Kommission ist wa je zur Hälfte aus Anhängern und Gegnern der Vorlage zusammengesetzt. Jedoch scheint der Wunsch zu überwiegen, in irgend einer Form aus der Basis der Beschlüsse der konservativen Partei des Abgeordnetenhauses ein praktisches Resultat zustande zu bringen. Standrechtlich erschossen wurde in Lissabon eine ganze Anzahl auch hochgestellter Personen, die man der Mitwisserschaft des Attentats, zum Teil wohl grundlos, beschuldigt. Die ehrengerichtliche Behandlung des Falles Hohenau dürfte sich sehr schnell abspiellen, da sich die Beweisaufnahme lediglich auf die Akten des Militärgerichts zu stützen haben wird. Graf Hohenau soll jegliche Verteidigung abgelehnt haben und will sich darauf beschränken, sein Schicksal dem Wohlwollen des Ehrengerichts und der Gnade des Kaisers zu empfehlen. Das von dem Obersten Kriegsherren gegen den Grafen Hohenau besonders einzusetzende Ehrengericht besteht aus elf Mitgliedern und wird bei der einfachen Sach= und Rechtslage und dem Verzicht auf die Verteidigung bald nach Ablauf der Präklusivfrist— von 8 Tagen— zum Spruch gelangen können. Das Ehrengericht kann in derartig schweren Fällen wie dem Hohemauschen gegen einen inaktiven Offizier auf den Verlust des Rechtes Militäruniform zu tragen oder auf den Verlust des Offiziertitels erkennen. Im letzteren Falle erstreckt sich das Urteil auch auf Aberkennung der Orden und Ehrenzeichen. Aus dem Auslande. Die Franzosen und Mulay Hafid. Anknüpfend an die Meldung, daß sich die Heeressäulen Mulay Hafids gegen Settat zu wälzen, hat der„Petit Parisien“ an den Minister des Aeußeren Pichon die Frage gerichtet, wie sich General Damade gegenüber der Mahalla des Gegensultans verhalten werde. Pichon antwortete folgendes: General Damade hat seine Maßregeln getroffen, um die europäischen Kolonien, welche zwischen Rabat und Csablanca liegen, gegen die Stämme zu schützen. Wie der General die Mahalla Mulay Hasids empfangen wird, das hängt ausschließlich von dieser ab. Solle sie die französischen Truppen angreifen, so wird sie dafür gezüchtigt werden, schickt sie dagegen Parlamentäre in unser Lager, so sind wir bereit, friedlich mit Mulay Hafid zu unterhandeln. Die Offensive werden wir nirgends ergreifen, wir sind vielmehr stets gewillt, auf die innerpolitischen Streitigkeiten in Marokko begütigend einzuwirken und den Friedensstifter zu spielen. Ostsee und Nordsee. Der Berliner Korrespondent des„Standard" telegraphiert seinem Blatte, daß drei verschiedene„Gedankenaustausche“ zwischen verschiedenen Mächten über Fragen der Ostsee sowie der Nordsee vor sich gehen. Erstens finden Unterhandlungen zwischen Rußland, Frankreich und England zu dem Zweck statt, die Bestimmungen des Annexes zum Pariser Friedensvertrag vom 30. März 1856 aufzuheben. Durch die damals geschlossene Konvention ist Rußland verhindert, die Aalands=Inseln zu befestigen oder Marine= oder Militärstationen auf ihnen zu unterhalten. Rußland, Frankreich und England sind die einzigen Signaturmächte dieser Konvention, infolgedessen sind diese Unterhandlungen auf diese drei Mächte beschränkt. Deutschland hat mit diesen Unterhandlungen gar nichts zu tun.— Gleichzeitig findet, wie bekannt, ein Gedankenaustausch zwischen den Ostseemächten Rußland, Deutschland, Schweden, Dänemark statt zu dem Zweck, eine gegenseitige Gewährleistung des territorialen status quo herbeizuführen. Bisher ist kein definitives Resultat erzielt worden. England ist über den Gang dieser Besprechungen vollständig informiert. — Drittens hat bereits ein Gedankenaustausch zwischen London und Berlin betreffend eine ähnliche gegenseitige Gewährleistung des status quo unter den Nordseemächten England, Deutschland, Holland, Belgien, Dänemark stattgefunden. Die englische Regierung hat im allgemeinen ihve prinzipielle Zustimmung bekannt gegeben umd Bereitwilligkeit ausgedrückt, die Einzelheiten zu diskutieren. Weiter ist die Sache noch nicht gekommen. Der Umfang und die Form einer folchen Deklaration über die Erhaltung des status quo an der Nordsee sind noch nicht definiert. Der militärische Gehorsam. Eine überaus einseitige Auffassung von der Pflicht des militärischen Gehorsams, die im Heere oft vorkommt, aber im Volke nie verstanden werden kann, hat wieder einmal schwere Opfer gefordert. Es handelt sich um Angehörige des Grenadierregiments Mannheim, und zwar um einen Vorgang am Morgen nach der Kaisergeburtstagsfeier. Der Urlaub hatte sich bis zum„Wechen" erstreckt, und um 10 Uhr vormittags am Dienstag hatten die Mannschaften anzutreten. Ein Vicefeldwebel der neunten Kompagnie bekam den Auftrag, mit einer Abteilung seiner Mannschaft zu einer kleinen Zielübung auszurücken. Unter seinem Befehl standen neun Einjährig-Freiwillige, ein Unteroffizier, vier Gefreite und ein oder zwei Gemeine. Auf dem Ausmarsche gab der Vicefeldwebel bei einer Wirtschaft plötzlich das Kommando„Halt" und befahl den Mannschaften, in das Nebenzimmer der Gastwirtschaft einzutreten. Die Leute sträubten sich anfänglich, diesem Befehl nachzukommen. Nachdem der Vizefeldwebel aber mit Nachdruck auf seine Autorität aufmerksam gemacht hatte, betrat die Mannschaft das Wirtschaftslokal. Diesen Vorgng beobachtete ein Leutnant der 9. Kompagnie und erstattete Meldung. Es wurde schwere Justiz geübt. Der Oberst des Regiments verhängte folgende Strafen wegen Gehorsamsverweigerung. Es erhielten die neun Einjährig=Freiwilligen je 14 Tage Mittelarrest und Entziehung der Qualifikation zu Reserveoffizieren, der Unteroffizier drei Wochen Mittelarrest, die vier Gefreiten sie 14 Tage Mittelarrest und Abnahme der Knöpfe. Der Vizefeldwebel wurde in Untersuchungshaft genommen. Augenscheinlich liegt die Sache so, daß der Feldwebel unter den Nachwirkungen der durchzechten Nacht die Mannschaften hat regalieren wollen, was diese aber, im Bewußtsein der Strafbarkeit des Befehls ablehnten. Nun darf aber der Soldat den Gehorsam nur dann verweigern, wenn von ihm ein Verbrechen geforöert wird. Dagegen haben die Leute gefehlt, aber durchaus in bester Absicht. Dies hätte unbedingt anerkannt werden und das Urteil demgemäß ausfallen müffen. So wie es jetzt vorliegt, ist es nur schätzbares Material für Antimilitaristen. Aus Stadt und Umgebung Schwerte, den 3. Februar. **(Krankheitsstatistik.) In der Jahreswoche vom 19. bis 25. Januar gelangten im Bezirke Arnsberg folgende Krankheits= und Todesfälle zur Anmeldung: Unterleibstyphus 9 Fälle(hiervon je 1 in Kastrop, Schwerte und Aplerbeck), Kindbettfieber 11 Fälle(hiervon 1 in Dortmund=Stadt), Scharlach 170 Fälle(hiervon 24 in Dortmund=Stadt, 6 in Dortmund=Land, 16 im Kreis Hörde), Diphtheritis 90 Fälle(hiervon 1 in Dortmund=Stadt, 9 in Dortmund=Land, 5 im Kreise Hörde), Genickstarre 3 Fälle hiervon 1 in Schüren). Es starben: durch Tuberkulose 87 Personen(hiervon 1 in Dormund=Stadt, 2 in Dortmund, Land, 1 in Hörde. Durch Lungenentzündung 81(hiervon 3 in DortmundLand, 5 im Kreise Hörde), durch Krebs 10, an Magenund Darmentzündung, sowie durch Krämpfe starben 24 bezw. 25 Kinder unter zwei Jahren. (Tiefstand der Viehpreise.) Der„Frankfurter Generalanzeiger“ meldet aus Gießen:„Auf dem heutigen Viehmarkte, der mit fetten Rindern, Kühen und fand in seinen verschiedenen Deilen allseitigen Beifall und vor allem die gestellten lebenden Bilder konnten nur als vorzüglich bezeichnet werden. In kernigen Worten brachte der Vereinsvorsitzende Herr Grothaus das Kaiserhoch aus, und das Hoch auf den Landesherrn gab Zeugnis von der Begeisterung der Festgäste. Ein gemütlicher Ball machte den Schluß. Herr Brückner hatte durch vorzügliche Bedienung und sein reiches Buffet ebenfalls in vollstem Maße seine Schuldigkeit getan. n(Die ehemaligen Angehörigen des 16. Armeekorps) feierten den Geburtstag des Kaisers gestern abend im Hotel Ostermann. Als Gast durste der Verein seinen Verbandsvorsitzenden Herrn von Trotha begrüßen. Bis auf den letzten Platz war der Saal besetzt und reicher Beifall lohnte das vorzügliche Programm. Das Kaiserhoch fand in dem Vorsitzenden Herrn Kemper einen begeisterten Redner, der die Herzen mitzureißen wußte. Noch größere Begeisterung löste die Ansprache des Herrn v. Trotha aus, der mit einem Hoch auf den vielgeliebten Feldmarschall Grafen Häseler schloß. Dankbar nahmen die Anwesenden die gut gespielten Theaterstücke auf, und manche fröhliche Stunde des Festballes schloß sich dem ersten Teil des Programms an. (Der Staatseisenbahnverein Schwerte) war tigen Viehmarkte, der mit fetten Rindern, Kühen und] F(Der Staatseisenbahnverein Kälbern sehr gut versorgt war, ergab sich beim Handel wohl derjenige Verein, der von den am Sonnabend und ein Tiefstand der Preise, wie er seit Jahren nicht da Sonntag Kaisergeburtstag feiernden Vereinen den war. Trotzdem die Gießener Marktkundschaft für Fett= stärksten Besuch aufzuweisen hatte. Das Fest fand im vieh stark vertreten war, konnten die Verkäufer die Ware doch nur an den Mann bringen, wenn sie wirklich billig losschlugen. Beste Rinder wurden heute mit 68 Mark, fette Kühe 1. Qualität mit 62 Mark und 1. Sorte Kälber mit 60—62 Mark pro Zentner Schlachtgewicht bezahlt.“ r(der gestrige Schnee) hatte naturgemäß die liebe Jugend veranlaßt, Schlitten und Schlittschuhe wieder hervorzusuchen und in Benutzung zu nehmen. Trottoirs und Straßen bildeten zum Leidwesen manches Passanten wiederum das Tummelfeld. Dabei wäre um Haaresbreite auf der Hörderstraße beim evangelischen Friedhof gestern nachmittag ein großes Unglück passiert. Kommt da solch ein fünf= bis sechsjähriges Bürschchen auf seinem Handschlitten in vollem Galopp die an genannter Stelle ziemlich abschüssige Straße herabgesaust, hat natürlich die Herrschaft über seinen Schlitten verloren und jagt direkt auf ein von Schwerte kommendes Automobil zu, dessen Chauffeur es noch eben gelingt, den Kraftwagen mit ungeheurem Ruck stattsten Besuch aufzuweisen hatte. Das Fest fand im Reiche des Wassers statt und nahm einen glänzenden Verlauf. Ein gutes Konzert, Männergesang und Theatervorträge wechselten in bunter Folge. Das Hoch auf den Landesherrn brachte in zündenden Worten Herr Oberbahnhofsvorsteher Rehage aus. Ein weiterer feierlicher Akt schloß sich dem an, die Ueberreichung eines Gedenkblattes für 30jährigen Bahndienst und 5jährige Mitgliedschaft an 4 Herren= und zwar waren es die Herren Lokomotivführer Kaldewei, Schirrmeister Werth, Lokomotivputzer Wilh. Kramer und Lokomotivputzer Velten. Ein stark besuchter Festball schloß sich der offiziellen Feier an. A:(Das Neueste von Franz Hesse.) Franz Hesse denkt noch nicht daran, ein Geständnis abzulegen. An seinen früheren Seelsorger in der Heimat hat er einen Brief geschrieben, in welchem er hoch und heilig seine Unschuld beteuert und den Geistlichen in Jesu Namen und bei Christe Blut inständig bittet, doch sich seiner Familie anzunehmen und für diese zu sorgen. Der eben gelingt, den Kraftwagen mit ungeheurem Rua Pfarrer hat in seinem Antwortschreiben dem Franz seitwärts zu reißen. Der Schlitten stößt noch am Hin Hesse gegenüber seine Verwunderung darüber zum terrade des Autos an; aber dann geht die Fahrt weiter Ausdruck gebracht, daß sich Franz Hesse jetzt plötzlich und der Junge blickt so vergnügt darein, feimen Familie erinnere die er doch stets vernachlässigt talwärts, Unb drt Funge billt se Grtznuge darein, nicht ahnend, welch großer Gefahrer glücklich entronnen ist.— Immerhin lehrt das Vorkommnis wieder, daß Schlittschuhe und Schlittenfahren nicht auf die verkehrsreichen Straßen gehören. Darauf soll hiermit besonders hingewiesen sein. (Westfälischer Fortbildungsschultag.) Der diesjährige Westfälische Fortbildungsschultag findet am 21. April in Bielefeld statt. Dieser will sich in erster Linie mit der höchstwichtigen Angelegenheit der Jugendpflege durch die Fortbildungsschule beschäftigen. Herr Oberbürgermeister Cuno=Hagen hat das Referat über Pflege der körperlichen Uebungen in der Fortbildungsschule übernommen. Herr Direktor Grunewald-Bochum und Herr Rektor Kattwinkel=Gelsenkirchen werden über die Ausbildung der Lehrer an secner Famitie erinnere, die er doch stels vermchlissigt und für die er in keiner Beziehung gesorgt habe. Zugleich gab er ihm die Mitteilung, daß in seiner engeren Heimat mur er als der Mörder der Hedwig Hartmann inbetracht komme, und er möge seinem irdischen Richter gegenüber ein reumütiges Bekenntnis ablegen und dadurch sein Gewissen erleichtern. Ob Hesse diesen Rat befolgen wird? (!) Westhofen, 3. Februar. Die hiesige, etwa 80 Mitglieder starke Ortsgruppe des deutschen FlottenVereins veranstaltet am Mittwoch, dem 12. Februar, im großen Saale des Herrn Fritzenkötter 2 große kinematographische Vorführungen, nachmittags 5 Uhr für Kinder und abends 8½ Uhr für Erwachsene. In geewe un Weethen#### ziug# eigneter Abwechslung werden Bilder aus unseren KoPreene„ gegangenen Entwurfs tomen, uus der deutschen Flotte, Kriegsschiffe in ernfortbildungsschulen referieren. Gerner ht eine Ve) Lostaen gus der deutschen Flotte, Kriegsschiffe in einprechung des dem Reichstuge Bugev., der Gewenbe, zelnen Uebungen usw. in Gestalt(ebender Photogranes Gesetzes betreffend Abänderungzhulwesen wich, phien am Auge des Beschauers vortberziehen. Ausrdnung, worin für das Fortbildungs#chum###n wich= phien am Ange des Beschauers vr ige Aenderungen getrossen sind, vorgesehen. (Der Kavallerieverein) hatte die ehemaligen Reiter Sr. Majestät in recht großer Zahl im Gasthof Rath zur Geburtstagsfeter des Kaisers versammelt. Zunächst fand ein Festessen statt, das einen vorzüglichen Vrlauf nahm, zumal die Küche des ehrrn Rath ihren guten Ruf vollauf bewährte. Allmählich fanden sich sann die Familienangehörigen zahlreicher ein, um dem illgemeinen Festprogramm beizuwohnen. Der Diletantenverein Humor hatte das theatralische Programm ibernommen und wurde seiner Aufgabe glänzend gerecht. In waremn und kräftigen Widerhall weckenden Worten brachte der Vorsißende des Vereins Herr Köhle das Kaiserhoch aus und begeistert nahmen es seine Kameraden auf. Ein gemütlicher Ball beschloß den Abend und bewies ebenso wie der gesamte Verlauf des Festes, daß unser Kavallerieverein in treuer Kameradchaft zu feiern versteht. *(Unsere freiwillige Feuerwehr) feierte am Sonnabend des Kaisers Wiegenfest im Vereinslokale sei Kordeck. Zu dem voraufgehenden Festessen hatten ich etwa 60 Kameraden mit Damen eingefunden, die der guten Küche volles Lob zuteil werden ließen. Hunoristische Vorträge und thoatrallische Darbietungen würzten die Stunden, die zu schnell entflohen. Das kaiserhoch brachte der Oberbrandmeister Herr Tillmann ius, von den Kameraden neues Treugelöbnis fordernd ind sie zugleich zu ernster Mitarbeit auffordernd, beondrs auch im Hinblick auf das kommenide Verbandsfest. Freudig nahmen die Wehrmänner das Kaisersoch auf. Der Festball bot manche Stunde fröhlichen Genusses, und viel zu früh brach den meisten Festgäten der lichte Morgen an. e(Der Militäranwärter=Verein) feierte am Samstag des Kaisers Geburtstag. Es war das erste Fest, das der Verein feierte, aber sein ganzer Verlauf lieferte den Beweis, daß ein rühriger Vorstand und das Interesse der Mitglieder in die Lage versetzen, im kleinsten Vereine schöne, großzügige Feste zu feiern. Der Saal des Hotel Ostermann war von den Mitfliede Herrn Dekorateur Niederhoff in äußerst geschmackvoller Weise dekoriert worden, eine Dekoration, die ihren Glanzpunkt in einem die ganze Bühne ausüllenden patriotischen Tableau sand. Das Programm uge des Beschauers vorüberziehen. Ausgeführt werden die Vorführungen von der mit dem deutschen Kolonialverein dazu beauftragten Deutschen Bioskop=Gesellschaft. Des hohen Zweckes halber, nämlich Verständnis und Lust und Liebe für die Flotte und unsere koloniale Entwicklung in den breiteren Schichten der Bevölkerung zu erwecken, sei schon jetzt auf die Vorführungen empfehlend hingewiesen. Geisecke=Lichtendorf, 2. Febr. Mit einer Einmütigkeit, die wahrlich nichts zu wünschen übrig ließ, wurde in der vorgestern stattgehabten Sitzung der Schulvorstände des Schulverbandes Geisecke=Lichtendorf das Einkommen der evangelischen und katholischen Lehrer auf 1500 Mark Grundgehalt und 200 Mark Alterszulage von 1. April 1907 an erhöht, analog den gefaßten und genehmigten Beschlüssen der übrigen Gemeinden des Amtes Westhofen. Daß im vorigen hier das Grundgehalt auf nur 1400 Mark gesetzt wurde, hatte seinen Grund nur darin, daß die Genehmigung von 1500 Mark als ganz aussichtslos hingestellt wurde. Nunmehr ist die Lehrergehaltsfrage im ganzen Amte Westhofen, dank der verständigen Einsicht der wackeren Schulvertreter und dem besonnenen und umsichtigen Vorgehen unseres Herrn Amtmanns einheitlich geregelt. Und das kann den Gemeinden nur zum Segen gereichen; denn neben dem erhöhten Eiser in der Schule werden die Lehrer in einmütigem Zusammenwirken mit der Verwaltungsbehörde sich die derung des Gemeinwohls auch auf anderen Gebieten umsomehr angelegen sein lassen. Aplerbeck, 3. Febr. Auf der Zeche„Margarethe“ verunglückte der Bergmann Saspert dadurch, daß er durch einen herabfallenden Stein am rechten Bein verletzt wurde. Da die Verletzung dem Anscheine nach nicht erheblich ist, befindet er sich in Hauspflege.— Der Bergmann eMier verletze sich das rechte Auge durch einen abspringenden Holzsplitter beim len. M. mußte schleunigst ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 2. Febr. Der 15jährige KaufmannsLehrling Wilhelm Lücker, der vor einigen Tagen mit einem Geldbetrage von etwa 3000 A flüchtete, wurde Der Telsfuriken-Apparät Lepels# Der deutschen Wissenschaft ist ein neuer Triumph beschieden gewesen. Der frühere Offizier im ner Ulanenregiment Ferd. von Lepel hat die FunkenTelegraphie zu Lande von den feststehenden Sttionen frei gemacht. Er hat eine transportable Telefunkenstation geschaffen, die nur etwa fünf Pfund wiegt, also bequem getragen werden kann. Zudem kann dieser Apparat wegen des geringen Gewichtes sehr gut dung bei Luftschiffern finden, mit denen die Verständigung bisher noch sehr mangellhaft war. Die Tragweite der Erfindung ist ungeheuer. Eröffnet sie doch einer ganzen Industrie ein neues Feld. Zwei Menschen, welche auf gleiche Wellen abgestimmte Apparate besitzen, können sich demnach fortlaufend mit einander erständigen, ohne von anderen gestört zu werden. Der Aufenthaltsort eines jeden ist gleichgültig. Unsere Bilder zeigen unseren Lesern das Billd des genialen Konstrukteurs und seinen Apparat. hier mittellos aufgegriffen. Lücher ist mit dem Gelde, das er bei einer hiesigen Bank erhoben hat, nach Berlin gefahren und dort angeblich in schlechte Gesellschaft geraten. Er behauptet, er sei sinnlos betrunken gemacht und um sein Geld bestohlen worden. Nur das Geld zur Rückfahrt habe man ihm gelassen. * Elberfeld, 2. Febr. Ein 38jähriger Pianist, dessen Frau vor drei Tagen begraben worden war, beging in der vergangenen Nacht Selbstmord durch Vergiftung. Der Mann hinterläßt 5 Kinder im Alter von 5 bis 17 Ssbve.. ter e * Horst=Emscher, 2. Feor. Ein schweter unglucksfall traf den 17 Jahre alten Bergarbeiter Konezik von hier. Er hatte eine Anzahl Zündplättchen in einen hohlen Schlüssell gestecht und diese mit einem Nagel zur Explosion gebracht. Der Schlüssel platzte und zerschmetterte dem Schützen drei Finger der rechten Hand, sodaß die Finger buchstäblich abgerissen wurden. * Velbert, 1. Febr. Ein Gewitter ging gestern abend gegen 10 Uhr nieder, wobei ein so starker und andauernder Schnaefall einsetzte, daß der Schiggo früh stellenweise meterhoch liegt und die Vergisch Kleinbahn gezwungen ist, den Betrieb einzustellen. * M.=Gladbach, 2. Febr. Die 17jährige Näherin Laura B aus Wattenscheid geriet mit ihrer verheirateten Schwester, bei der sie zu Besuch hier weilte in eimen heftigen Wortwechsel, den sie sich derart zu Gemüte zog, daß sie sich mit Essigessenz zu vergiften suchte. Schwer innerlich verbrannt, wurde sie in das evang. Krankenhaus gebracht, wo dank sofortiger ärztlicher Hilfe die Lebensgefahr beseitigt wurde. M.=Gladbach, 2. Febr. In einer hiesigen Fabrik an der Künkelstraße wurde in der vergangenen Nacht vom Fabrikhof ein 1000 Pfund schwerer, mit Kupfer beschlagener Eisenkessel gestohlen. Friedrichs des Großen erste Liebe (Eine Erinnerung zu ihrem 200 sten Geburtstage.) Am 2. Februar 1708 wurde Eleonove Luise von Wreech geboren, die spätere Gattin des Obristen vom Wreech, dessen anmutig gelegener Herrenhof Tamsel kaum eine Stunde von Küstrin entfernt ist. Niemand würde es wohl moch der Mühe wert halten, sich dieser getstreichen und anmutsvollen Dame zu erinnern, hätte sie nicht ihr Schicksal in eine zarte Beziehung zu einem Größeren geführt, dessen Ruhm nun auch ein wenig Licht auf ihre anziehende Gestalt fallen läßt. Frau v.Wreech ist nämlich die erste Liebe des Kronprinzen Friedrich geworden, und die Geschichte dieser unschuldigen Neigung und schwärmenden Verehrung bildet in der von manch traurigem Ereignis verdunkelten Jugendgeschichte des großen Königs eine freundliche Episode. Als der Kronprinz in Küstrin bei der Domänenkammer arbeitete, wurde er von dem Obrist v. Wreech„auf das Mittag gebeten“, und er kehrte des öfteren wieder, denn das Schloß von Tamsel war ihm „zur Insel der Calypso“ geworden. Der Neunzehnjährige hatte sein Herz an die 23jährige Frau v. Wreech verloren. Gleich in den ersten Tagen der Bekanntschaft war zwischen beiden eine Art Freundschaftsvertrag abgeschlossen worden, nachdem der prinzliche Gast seine Diebenswürdige Wirtin als Cousine anreien und sich in seinen Briefen als ihr Vetter bezeichnen durfte. Doch ließ die junge Hausfrau kleine gesellschaftliche Ungezogenheiten ihres erlauchten Verehrers nicht durchgehen, ohne daß er in aller Form um Verzeihung gebeten hätte, und sie übte so auf den ausgelassenen, jugendlich ungestümen Prinzen eine halb erziehende, halb bestrikkende Gewalt aus, wie es Koser in seiner meisterhaften Darstellung der Kronprinzenzeit Friedrichs nennt. Der neue Vetter ließ seine Gefühle für die schöne Schloßherrin sogleich in zahlreichen Versen ausströmen und ironisierte dann selbst diese poetischen Huldigungen als eine„Masseneinlagerung geflügelter Insekten, schlimmer und gefährlicher als ein Heuschreckenschwarm, Bielfüßler mit scharfen Zähnen und gestrecktem Körper, Verse genannt“, die der gute Geschmack wegen ihrer Schlechtigkeit vom Parnaß vertrieben habe. Eine seiner Oden, die nach Tamsel gesandt wurden, rief nicht nur die verehrte Dame als zehnte Muse auf, sondern enthielt auch einen ziemlich unumwundenen Liebesantrag, auf den Frau von Wreech ebenfalls in Brsen mit taktvoller Zurückweisung und freundlicher Anteilnahme antwortete. Si nimmt die Liebeserklärung des Prinzen als einen graziösen Scherz des„großen Friedrich“, wie sie zum ersten Mal den jungen Dichter genannt hat, der sich diesen Namen später so ruhmvoll auf dem Schlachtfeld verdienen sollte, und schließt damit, daß ihr bei ihren schwachen Reimversuchen„das ganze Haus“, also auch der würdige Herr Gemahl geholsen habe. Als der Kronprinz aus Küstrin schied, sandte er zum Abschied an Frau v. Wreech sein Bild, begleitet von einem Sonett und einem Briefe, in denen beiden die Leidenschaft seiines Gefühls und der tiefe Schmerz der Resignation in einer warmen Erregung zittert. Während er in dem Gedicht der„Einen“ schweigendes Leiden gelobt und hinter heiterem Spiel des Herzens Wunde verbergen möchte, bittet er sie in dem Brief, ab und zu einen Blick auf das Bild zu werfen und dabei zu denken:„Es war im Grunde ein guter Junge, aber er wurde mir zum Ueberdruß, denn er liebte mich zu sehr und brachte mich mit seiner unbequemen Liebe zu oft in hellen Zorn.“ rinearsenal eintraf, war er bereits tot, der Kronprinz lebte war noch, verschied aber alsbald. Die Königin und Inant Manuel begaben sich um 7 Uhr zurück ins Schloß. Der Platz vor dem Marinearsenal, das Rathaus und die Bank von Portugal sind militärisch besetzt. Graf Franzisco Figueira, der Ordonnanz=Offizier des Königs, der zu Fuß neben dem Wagen herging, tötete durch einen Schuß einen der Königsmölder, ein Polizeibeamter einen andern in der Nähe des Rathauses. Ihre Persönlichkeiten sind noch nicht festgestellt, man glaubt, daß der eine Franzose. der andere ein Spanier ist(??) Die Mörder bedienten sich Karabiner mit Repetiervorrichtung zu fünf Schuß. Beide hatten die Karabiner unter ihren Mänteln verborgen. Die Nachricht von dem Attentat verbreitete sich mit großer Schnelligkeit in der Stadt. Alle Geschäfte sind geschlossen. Der Nachfolger auf dem Throne ist Infant Manuel unter der Regentschaft der Königin Marie Amalie. Paris, 3. Fbruar. Nach gestern abend eingetroffenen Nachrichten ist dem Insanten Manuel von den Zivil= und Militärwürdenträgern der Treueid geleistet worden. Die Machtvollkommenheit Francos wurde vom neuem König sofort in vollem Umfange bestätigt. Die ausgedehntesten militärischen Maßregeln sind getroffen worden, um jeden republikanischen Putsch niederzuhallten. Paris, 3. Febr. Präsident Fallieres hat der Königin von Portugal sein Beileid ausgedrückt. Wien, 3. Febr. Der Kaiser von Oesterreich hat dem portugiesischen Gesandten sein Beilleid ausgesprochen. Petersburg, 3. Febr. Die Ermordung des Königs von Portugal hat bei Hofe einen niederschmetternden Eindruck hervorgerufen, weil die unruhige in Lissabon manche Aehnlichkeit mit den hiesigen Verhaltnissen aufweist. Lissabon, 3. Febr. Gestern nachmillag unternaym eine große Anzahl bewaffneter Republikaner einen Angriff auf das Haus Francos, die Empörer wurden nach einem Feuergesecht von der Munizipalgarde zurückgeschlagen. Die Aufregung ist eine außerordentlich große. Von den Mördern des Königs sind drei verhaftet, einer beging im Gefängnis Selbstmord. Paris, 2. Febr. Das Ministerium des Aeußeren erhielt folgend. Depesche aus Madridiss Franco hat gestern den König das Dekret unterzeichnen lassen, durch welches neue Strafbestimmungen angeordnet werden und er mit der Exekutivgewalt in der Anwendung derselben betraut wird. Diese Maßnahmen seien es vielleicht, welche die Revolutionäre zum Aeußersten gereizt und zur Ausführung des Attentats veranlaßt haben. Honig Carlossänd Kronprinz Luis u. Fortugal Die Revolution in Portugal. Endentm Es ist gescheyen, was vie Enbentwickelung der unseligen portugiesischen Regierungspolitik zu bringen drohte, das Leben des Königs Karol und des Krongrinzen sind Verschwörern zum Opfer gefallen. Durch Telegramm machten wir bereits gestern von dieser Trauerpost Mitteilung. Ein weiteres Telegramm bersoge: Gariosyuh der 2h Lissabon, 2. Febr. König Ka. und„„uchgeh folger Ludwig Philipp wurden nach ihrer Nut. aus Villavicosa von einer Gruppe Bewaffneter erschossen; der Infant Manuel wurde leicht verletzt. Die Königin blieb unverletzt. Es ist offenbar, daß es auf Ermordung der ganzen Königlichen Familie abgesehen war, die infolge der durch König Karlos ausgeübten Diktatur nicht allein bei den Republikanern verhaßt war, sondern gegen die sich in letzter Zeit auch die Mißstimmung mancher Kreise richtete, die man bisher als der Krone ergeben ansah. Folgende Einzelheiten werden noch auf telegraphischem Wege bekannt:.. 60 Lissabon, 2. Febr. Gestern Ncachmittag nach 5 Uhr traf der König mit seiner Familie aus Villa Vicosa hier wieder ein. In dem Augenblick, wo der offene Wagen von Praco do Commercio in die Arsenalstraße einbog, schoß eine Anzahl mit Karabinern bewaffneter Leute auf den König und den Thronfolger, welche sterbend in das Marinearsena geschafft wurden. Hier verschieden sie bald darauf. Die Polizei tötete auf dem Platze drei der Königsmörder, deren Leichnahme nach dem Rathause geschafft wurden. König Carlos, die Königin Amalie, der Thronfolger, sowie der Infant Manuel befanden sich in demselben Wagen. Als die Schüsse fielen, erhob sich die Königin, um den Thronfolger zu decken. Der König und der Kronprinz wurden von drei Schüssen getroffen.. Infant Manuel wurde leich verwundet. Die Königin blieb unverletzt. Die Leichen des Königs und des Kronprinzen wurden nach 9 Uhr abends in zwei geschlossenen Landauern nach dem Palais Necessidades übergeführt, von Munizipal=Kavallerie eskortiert. In einem weiteren Telegramme heißt es: Der König erhielt drei Kugeln, eine in den Nacken, die zweite in die Schulter und die dritte in den Hals. Letztere durchschlug die Schlagader und führte den Tod herbei. Der Kronpriz erhielt ebenfalls drei Kugeln in Kopf und Brust. Infant Manuel wurde am Kinn und am Arm verwundet. Als man mit dem König im MaStandesamt Schwerte. vom 15 Januar bis 1. Februar 1908. 1. Geburten. 1 Sohn: Brauer Konrad Dellermann; Schlosser Julius Sippe; Obermeister Friedrich Sinner; Bergmann August Dürhold; Hülfsweichensteller Wilh. Schreiner; Fuhrmann Albert Selle; Maurer Ludwig Geisel; Schmelzer Johann Friese; Lokomotivheizer August Lategahn; Fabrikarbeiter Otto Enzian; Fabrikarbeiter Karl Schrei; Schlosser Wilhelm Dierks; Fabrikarbeiter Karl Ludwig. 1 Tochter: Metalldrucker Albert Gräfe; Stricker Heinrich Heitbreder; Bergmann Heinrich Rügge; Maurermeister Andreas Kohl; Wagemeister Karl Geilhorn; Schuhmacher Albert Weinbrenner; Polierer Friedrich Schäfer Straßenbahnführer Karl Siedler. 2. Aufgebote: Lokomotivführer Adam Lignierski und Sophie Kußmann zu Schwerte; Schreiner Johannes Wolf und Emilie Grüber zu Niedermaßen und Schwerte; Kesselheizer Theodor Schwohuke und Friederike Tiemann zu Schwerte; Fabrikarbeiter Justus Prüssing und Luise Brinker zu Schwerte; Kaufmann Hermann Fischer und Theresia Feit zu Schwerte. 9 6 3. Eheschließungen: Packer Jorvo Vleyer und Maria Ortwein zu Schwerte; Kaufmann Gottlieb Herchet und Erna Blomberg zu Herborn und Schwerte; Fabrikarbeiter Josef Fildhans und Gertrud Weier zu Schwerte; Portier Wilhelm Arndt und Karoline Heidemann zu Schwerte; Zimmermann Karl Nünne und Maria Schablowsky zu Schwerte; Hülfsheizer Heinrich Weiher und Paula Brieke zu Schwerte.. g wieg Sriechn, 4. Sterbefälle: Sanitätsrat Tl. mev. Friewlich Tütel, 77 Jahr; Elfriede Hesse, 20 Tage; Elisabeth Hosang, 4 Jahr; Eduard Dürhott, 1 St.; Ehefrau Werkmeister Wilhelm Clöer, Lina geb. Strieder, 44 Jahr: Klara Selle, 8 Jahr; Elfriede von der Heydt, 1 Monat; Wilhelm Schreiner, 4 Tage; Ww. Tagelöhner Hermann Heinrich Gräfe, Theodora Friederika geb. Siebel, 80 Jahr; Ehefrau Weichensteller Friedrich Wesselbann, Wilhelmine geb. Züt, 42 Jahr. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Tilmann Vafen. Druck u. Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. Die englische Krankheit bewirkt bei sehr vielen Kindern eine chronische Stuhlverstopfung, welche durch eine richtige Ernährung mit „Kufeke“=Kindermehl und Milch behoben wird. 51465 „Was soll ich morgen kochen“? Das ist die Frage, die sich jede Hausfrau täglich vorzulegen hat. Die Haushaltlehrerin E. Henneking hat ein Fortuna Kochbuch zusammengestellt, das über diese Frage erschöpfende Auskunft gibt. Dies Buch ist sehr handlich, in schönem Einband, 200 Seiten stark. Jede Leserin dieser Zeitung, welche ein solches Buch zu eihalten wünscht, möge 40 Pfennig in Marken an Dr. A. Oetker, Bielefeld einsenden. Das Buch wird ihr dann franko nebst Rezeptbüchern dieser durch ihr Backpulver überall bekannten Firma zugesandt. Alle diejenigen, die über die hohen Preise der Lebensmittel zu klagen haben, finden in diesem Buche gute Ratschläge, um einfache bürgerliche Speisen mit hohem Nährwert herzustellen. 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Aufgebots, welche gemäß§ 123,1 usw. der Wehrordnung auf Zurückstellung bei etwaiger Einberufung zu den Fahnen pro 1908 Anspruch machen, habe ich Termin auf Sonnabend, den 8. Februar 1908 vormittags auf dem Meldeamte(altes Rathaus) Zimmer Nr. 2 anberaumt. Schwerke, den 18. Januar 1908. Der Bürgermeister 454 Rohrmann. Bekanntmachung Zur Aufnahme der Militärreklamationen für die Ersatzaushebung 1908(Jahrgänge 1888, 1887, 1886 und ältere) ist Termin auf Mittwoch, den 5., Donnerstag, den 6. und Freitag, den 7. Februar 1908 vormittags auf dem Meldeamte(altes Rathaus) Zimmer Nr 2 anberaumt. Die früheren Reklamationen, welche aufrecht erhalten werden sollen, sind zu erneuern und etwaige Veränderungen glaubhaft nachzuweisen. Bezüglich des jüngsten Jahrganges(1888) sind die Steuerzettel, sowie der Nachweis über etwa vorhandene Schulden, die Geburtsatteste der Geschwister des zu Reklamierenden und sonftige auf die Reklamation Bezug habende Nachweise mit zur Stelle zu bringen. Schwerke, den 28. Januar 1908. 455 Der Bürgermeister Rohrmann. Bekanntmachung. Zur Entgegennahme von Reklamationen auf Zurück stellung oder Befreiung vom aktiven Militärdienst, sowie der Reklamation der Reservisten und Landwehrleute auf Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung, habe ich Termiu: auf den 10. Februar für die Gemeinden Holzwickede und Hengsen, auf den 11. Februar für die Gemeinden Sölde und Opherdicke, auf den 12. Februar für die Gemeinde Schüren. „„ 13.„„„„ Berghofen „„ 14.„„„„ Aplerbeck im hiesigen Amtsbüro. Zimmer 10, während der Dienststunden anberaumt. Die Reklamationen die persönlich anzubringen sind, müssen durch Vorlage von Bescheinigungen und Urkunden begründet werden. Namentlich sind die Geburtsscheine der Eltern und sämtlicher Geschwifter, sowie die Steuerzettel und der Nachweis des Arbeitsverdienstes der sämtlichen Geschwister während der letzten 6 Monate zu erbringen Die Invalidenrente, Penstion und Schuldenzinsen sind ebenfalls nachzuweisen. Bei behaupteter Erwerbsunfähigkeit empfiehlt sich die Beibringung eines kreisärztlichen Attestes. Die im Vorjahre angebrachten Reklamationen sind zu ergeiters. 158 Aplerbeck, den 23. Januar 1908. Der Amtmann: Leonhard. Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie in Bittermark liegt bei dem Kaiserlichen Postamte in Hörde vom 3. Februar ab 4 Wochen aus. Dortmund, 29. Januar 1908. W462 liche Ober=Postdirektion. Natura bu Herren und Damen— können sich allerorts dauernden schriftl. Nebenverdienst verschaffen durch Adressenarbeit(bei 1000 Adr. 8 M.) Anfragen an F. Stephan, Berlin, Belle=Alliancestr 25. 467 10 80 Eit. Ain zu kaufen gesucht. 8 Gefl. Offerten mit Preisangabe an die Expedition d. Bl. der Gute Existenz! Junge Leute erhalten kostenl. ausl führl. Prospekt d. Landwirtschaft. Lehranst. u. Lehrmolkerei Braunschweig, Madamenweg 158- Tau sende v.S ellung, besetezt Direktor J.Krause. 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Der 440289 28 Fachblatt für das gesamte Zeitungswesen Eigentum und Verlag des Vereins Deutscher Zeitungsverleger Hannover. Leitartikel über prinzipielle und praktische Pragen des Zeitungswesens. Aus der Praxis für die Praxis Rechtspflege, Maßregelungen usw. Vereinswesen und Versammlungen, Gründungen, Veränderungen, Personalien usw. Vermischtes Sprechsaal Abwehr“ von Mißbräuchen, Papierkorb-Offerten usw. Stellen-Angebote u.-Gesuche Gewerbl. Anzeigen über Bezugsquellen jeder Art... Nur Postbestellungen! Vierteljährlich 2,50 Mk. AnzeigenZeilenpreis 30 Pig., bei Stellen-Gesuchen 15 Pig. Wichtige Lektüre und Auskunftsstelle für jeden Fachmann, sei er Verleger oder Zeitungsbeamter, Redakteur oder Mitarbeiter Probenummern umsonst. Ein gut möbliertes ist sofort zu vermieten. 434 Dasselbe kann auch ohne Möbel gemietet werden eventuell mit Speicherzimmer. Näh. Sedanstraße No. 9 er Stellung sucht, verlange VS die„Denische Gckengen Hauuge versteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Holzen belegene, im Grundbuche von Holzen Band I Artikel 40 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kaufmanns Nathan Rosenberg in Schwerte eingetragene Grundstück Flur III Nr. 477/115 (fortgeschrieben aus 225/115) der Gemeinde Holzen am 31. März 1908, vormittags 11 Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 11 versteigert werden. Das Grundstück, belegen in den Rosen, Nr. 43X1, bestehend aus Hofraum mit aufstehendem Wohnhause und Stall, ssowie Hausgarten ist 3 ar 19 qm. groß und hat einen jährlichen Nutzungswert von 360 Mark. Es ist eingetragen in die Grundsteuermutterrolle unter Artikel 178 und in die Gebäudesteuerrolle unter Nr. 144. Der Versteigerungsvermerk ist am 23. Januar 1908 in das Grundbuch eingetragen. Schwette, den 29. Januar 1908. W459 Königliches Amtsgericht. Sarr-Braus Buchdruckerei III ***** III Vorteilhafteste Bezugsquelle für Verenne in Drucksachen aller Art wie Statuten, Mitgliedsund Eintritts-Karten, Programmen, Plakaten, Festzeitungen, Diplomen, etc. etc. Schnellste Lieferung. Geschmackvolle saubere Ausführung. = Billige Preise. Moknlatur=Popier billgist# ab die Buchdruckerei Carl Braus. ##r wer will guten Kuchen bachent. g .. Der muss haben sieben Sachen::: Zucker asslz PALPII HGEN Schmal2) Milch,Eia Fiehl,„Safran macht den Kucher gel! Hüben und drüben. Der Zufall hat es gewollt, daß an demfelben Tage im deutschen Reichstage die neue Flottenvorlage angenommen wurde, die im Wesentlichen eine Verjüngung unserer Schlachtflotte anstrebt, an dem in London das britische Parlament eröffnet wurde. In der Thronrede für die letztere Zeremonie ist des DezemberAufenthaltes des deutschen Kaisers auf englischem den in freundlicher Weise gedacht, und diese Worte haben schon einen Widerhall in den Debatten des Unterhauses gefunden.[So lläßt sich denn konstatieren, daß wirklich einsichtsvolles Verhalten an der Themse gegenüber einer deutschen Verteidigungs=Maßnahme beobachtet ist, die von dem Vemreter der verbündeten deutschen Regierungen noch ausdrücklich als eine folche bezeichnet worden ist, die gegen keinen fremden Staat, möge er heißen, wie er wolle, eine Spitze haben solle. Es werden in der chauvinistischen britischen Presse ja wohl moch ein paar Bemerkungen hinterher kommen, die einen etwas anderen Ton anschlagen, aber darüber kann man sich gern hinwegsetzen, wenn man Einsicht und Verständnis an den Stellen erblickt, auf die es ankommt. Daß sich Engländer und Deutsche binnen Jahresfrist nun ganz in den Armen liegen werden, das glaubt ja wohl niemand, ist am Ende auch nicht erforderlich, die Hauptsache ist, daß die peinliche Periode der Boreingenommenheit, über wolche s. Z. die deutsche Thronrede so beachtenswerte Worte sprach, vorüber ist. Wir sehen also, daß auch in der Politik nichts unmöglich ist, daß man sich schon vertragen kann, wenn man sich nur vertragen will. Der gute Wille ist es immer, welcher entscheidet! Wir freuen uns ganz besonders über diese neueste Betätigung der seit dem letzten Sommer eingeleiteten besseren deutsch=englischen Beziehungen, weil verschiedemtlich die Mutmaßung aufgetaucht war, dem ehemaligen chauvinistischen französischen Minister des Auswärtigen, Herrn Theophil Delcasse, könnte wegen seines neulichen alarmierenden Auftretens in der Pariser Deputiertenkammer von London aus ein geheimer Wink erteilt sein. Denn Dellcasse hatte sich von seinem englischen Kollegen zu dem famosen geheimen Marokko=Vertrag„herumkriegen, lassen, der Deutschland nicht mitgeteilt ward und den Anfang des ganzen Zwistes bildete. Warum sollte es so ganz unmöglich gewesen sein, daß jemand, der nicht ganz ohne Einfluß in London war, diese Geschichte von neuem hätte aufrollen wollen? Politische Intriguen, und zwar sehr abgefeimte, hat es ja so lange gegeben, wie es eine Politik gibt. Zum Glück können wir also überezugt sein, daß Herr Delcasse aus eigenem Antrieb auf Abenteuer ausging, die ihm ja auch nicht bekommen sind. Mag's so bleiben! Der deutsch=englische Spezial=Streit, in dem das Wachstum der deutschen Flotte, das nur in aufrichtiger Verteidigungs=Absicht vor sich ging, von drüben her mit recht argwöhnischer Miene verfolgt wurde, war nicht schön. Es ist doch nun aal nicht zu leugnen, daß die kolossale Verstärkung des britischen Nordsee=Geschwaders vor einigen Jahren in Deuschland gerade kein erflhl zum Häufer-Illuminieren erweckte, und wenn ein deutscher Politiker von Ruf die bekannte Aeußerung des Zivil=Lords der Admiralität von dem HHinüberwerfen von 100000 Mann nach der deutschen Küste und der blitzschnellen Vernichtung der deutschen KriegsMarine getan hätte, es würde ein gewaltiges Hallo in ganz Großbritannien gegeben haben. Doch— Schwamm drüber! Wir hoffen das ist vorbei, und zwar endgiltig. Mag nun der Abschluß eines neuen Handelsvertrages in nicht zu ferner Zeit das Siegel zu der Aera des gegenseitigem Verstehens bedeuten! Buntes Allerlei. Eine Entdeck ung im Allensteiner Drama. Wie die Allenst. Ztg. weldet, hatte Hauptmann v. Göben einige Zeit vor der Erschießung des Majors von Schönebeck in einer Allensteiner Apotheke wiederholt Arfenik gekauft. Wie er sagte, wollte er Raubzeug vergiften. Er verlangte schließlich weißes, farbloses Arsenik, weil er mit blauem nichts anfangen könne, erhielt jenes aber nicht. Das Arsenik, das er sich gekauft, hat er offenbar der Frau von Schönebeck gegeben, die bei ihrem Fortzuge aus dem Mordhause das Gift mitnahm. Es wurde unter ihren Sachen gefunden, aber weniger, als ursprünglich gekauft worden war. Die schweren Berliner Mordtaten haben jetzt wenigstens zum Teil ihre Aufklärung gefunden und damit ist der Gefahr vorgebeugt, daß man sich über die Sicherheit in der Reichshauptstadt seine Gedanken machte. Der Mordgeselle, der im Sommer vorigen Jahres mehreren kleinen Kindern in bestialischer Weise den Leib aufgeschlitzt hatte, ist in der Person des an Unzurechnungsfähigkeit leidenden Epileptikers Minow nunmehr positiv festgestellt worden. Auch der mutmaßliche Mörder der Trödlerin in der Linienstraße, der Witwe Rielbock, konnte festgenommen werden. Unter dem dringenden Verdachte der Täterschaft wurde der Galvaniseur Nitschke aus Charlottenburg in Polizeige, wahrsam gebracht. Leider ist die Zahl der Mordaten, von denen Berlin in letzer Zeit heimgesucht wurde, so groß, daß mehrene Verbrecher noch immer ungestraft umherlaufen. Der Polizei aus diesem satalen Umstande einen Stick zu drehen, wäre ungerecht. Sie tut, was in ihren Kräften steht. Vielleicht ließe sich das ganze System verbessern; dahin gehende Bestrebungen; sind im Gange und führen hoffentlich zu einem günstigen Resultat. Ein neuer Ozeaurekord. Der Schnelldampfer der englischen Cunard=Gesellschaft„Mauretania“ ist in Queenstoon aus Newyork angekommen und hat einen neuen Rekord geschaffen. In 24 Stunden fuhr das Schiff 640 Knoten. Die Ueberfahrt nach Amerika wird schließlich noch zu einem Sonntagnachmittags=Vergnisgen. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich auf der Chaussee zwischen Altenhain und Deutsch=Lissa in der Provinz Schlesien. Einem der Insassen, einem Bäckermeister Gutschner aus Breslau, wurde der Kopf zertrümmert, so daß er auf der Stelle ttot war. Die beiden anderen Herren wurden lebensgefährlich verletzt. Der Chauffeur konnte sich durch Abspringen retten. Das Unglück geschah dadurch, daß das Auto gegen einen Baum rannte. Beleidigung des Gardedukorps. Vor dem KriegsGericht der Potsdamer Kavalleriedivision hatte sich der Die Liede höret nimmer auf. An dem Hügel ihres Sohnes. Eines Mörders stillem Schrein, Sitzt, beraubt des Mutterlohnes, Ein gedrechlich Mütterlein! Ach, wer soll ihn nun noch lieden? Wessen Träne fällt darauf? Doch die Liebe ist geblieden. Wahre Liede hört nicht auf. An dem Hügel ihres Sohnes. Eines, Mörders stillem Schrein, Liebt, beraubt des Mutterlohnes, Ihn sein treues Mütterlein. die Schule der Liebe. Romen von Withelmine von Hillern. (Nachdruck verboten.) 80. „Geh' einstweilen ins Haus, Gretchen, bat Ernestine,„ich komme gleich nach.“ Und sie ging, so rasch es ihre Kräfte erlaubten, um das **“„ das Kind eine Aufgabe h ließ. zu Ga., dei und nahte sich dem Greis, der Käthchen wollte ihr entg Haus zen Ernestine.„Mein erster Auserstehung dunkel in mir, in wollte ihr entgegenlaufen. Sie winkte ihr freudlich, und kniete bei Leonhardt nieder. der ist das? fragte Leonhärdt. Ja, Vater, Du hast's erraten,“ sagte na ist zu Dir. Es ist trotz meiner Auf Dir will ich mir Licht holenk“„ „Du Licht holen bei mir, dem Du alles Licht bringst: zcun wohl, ich weiß, wie Du's meinst und gebe Dir was ich habe. Gott hat an mir durch Dich so viele Wunder getan— er fügt auch noch das hinzu, daß ich schlichter, alter Dorfschulmeister Dir etwas sein hann. Du hohes, auserwähltes Menschenbild! So sprich Ernestine, warum will es noch immer nicht recht tagen in Deiner Seele, während doch in Dein Leben die Sonne so hell hereinstrahlt?“ „Schick das Kind weg, Vater!“ dat Ernestine leise. „Geh, liedes Käthchen,“ sagte Leonhardt. „Zu Walter?“ fragte die Kleine vergnügt. „Vo, wenn er nicht arbeitet— Du mußt eden einmal zusehen, od er Dich brauchen kann.“ Räthschen stand noch und zögerte noch mit einem fragenden Blichk auf Ernestine. Diese gewahrte es und reichte ihm Freundlich. Zie Hand:„Mein gutes Kathchen, kennst Du mich noch? Ich Gulor gern einen Kuß geben, aber Du weißt, ich brachte Dir schon einmal Unglück durch meine Berührung!“ „O nein, das ist nicht wahr,“ sagte Käthchens und näherte sich Ernestinen,„ich fürchte mich gar nicht vor Ihnen.“. „ Nun, so komm her. Du süßes Kind!“ und Ernestine zog Kleine an sich, nahm sie auf den Schoß und sie küßten sich nach Herzenslust. Es war das erstemal in ihrem Leben, daß Ernestine ein Kind in den Armen hielt und sie empfand diese reine Freude mit der ganzen Frische ihres neuerwachten Gemütes. „Ach, Vater Leonhardt,“ sagte sie:„Wie viele Arten von Liede gibt es doch! Und jede ist begluckend an sich. Ich gewann plötzlich eine ganze Menge von Wesen lieb, an denen ich früher achtlos vorüber geschritten wäre.., 6—5 Welch' wunderbare Wandlungen siad vas?“ „Es geht Dir wie dem Mann mit dem steinernen Herzen in Hauff's Märchen. Dein Oheim hat Dir einen Stein in die Brust gesetzt und Möllner war der Schatzheber der Dir das eigene, warm pulsterende Herz wiedergad.:.„„.. Ernestine errötete bei diesen Wollen, sie war froh, oaß Leonhardt nicht sehen konnte, wie sehr.— Aber er sah es doch!— Wo Möllner ist, da ist Segen,“ fuhr der Greis fort.„So hat er auch wieder für dies Kind, da wie ein Vater gesorgt. Ich weiß nicht, ob er Dir's gesagt hat? Die Gräfin Worrnonska sandte richtig die vierzigtausend Rubel ein und es ist seiner unwiderstehlichen Redegabe gelungen, den Starrsinn der Eltern zu brechen und sie zu vermogen, Käthchen in einem guten Institute erziehen zu lassen. „Devon wußte ich nichts.“ sagte Ernestine. Ja, ja— er spricht nie von seinen Verdiensten, der merkwürdige Mann!“ meinte Leonhardt. Und wie weise hat er alles geordnet und eingerichtet, damit dem Kinde sein Eigentum vor den unvernünftigen Eingriffen der Eltern gewahrt bleibt— er ist wahrlich ein Wohltäter aller Menschen..“ „Ein Wohltäter aller Menschen—“ murmelte Ernestine.„Um so weniger darf sich aber dann auch der einzelne rühmen, was er für alle tut, ohne Ansehen der Person.“ Leonhardt richtete unwillkürlich die toten Augen nach Ernestinen, als wolle er sie auf dieses Wort hin ansehen. Dann sagte er:„Geh jetzt, mein Käthchen, geh ins Haus, das Fräulein kommt auch bald nach“„" 000 Käthchen ging hinein. Als es in die Stube trat und Waller nicht dort fand, lief es zu ihm auf sein Studierzimmerchen. Es schmiegte sich vergnügt an ihn und sagte sehr geheimnisvoll:„Du — das Fräulein„vom Schlosse hat mich wieder geküßt! „Was tausend!“ lachte Walter:„Spürst Du noch nichts?“ „Ach bewahre.“ hexen.“ „Ich möchts nicht kürlichen Seufzer, äre.— ich hal rief Käthchen überlegen:„Sie kann ja nicht prodieren,“ sprach Walter mit einem unwillgich glaude, wenn ich an Deiner Stelle gewesen wäre,— ich hätte den Zauber schon gefühlt!“ „I warum nicht gar— Du hast mir ja selbst gesagt, man dürfe nicht an so etwas glauben,“ meinte Käthchen. „Nun, Käthi,“ scherzte der junge Mann, es wäre doch aus Vorsicht gut, wenn ich Dir's wieder wegküßte, das kann keinenfalls schaden. Wohin hat sie Dich geküßt? Dahin? „Ja und dahin, auf die Stirn und den Mund und auch auf die Stelle, wo mein Arm sehlt.“—.ingnf vief Malten und Nun, das wollen wir alles wieder wegoringen iie, Waller und küßte das Kind herzhaft ab.„So, nun mach', daß Du fortkommst. denn ich muß arbeiten!. MLsJum j: 4iast, Gäthdchenr „Ach, Du mußt auch immer albeiten: klagle Ralischen. „Ja, Ihr Schulkinder habt's gut!— Ihr dürft nach der Schule mspringen und spielen, bei mir fängt dann das Lernen erst recht Das konnt Ihr Euch freilich nicht denken. Nun geh', herziges Ding. und wenn das Fräulein aus dem Garten kommt, so lauf Oven un, Jag wig ich kun. Adjes, Du lieber Herr Schulmeister Und höre, nicht wahr. Du sagst es aber niemand, daß ich mich habe vom Fräulein küssen lassen— sie schelten und spotten mich sonst wieder aus.“ „Nein, ich wills verschweigen— wir klugen Leute brauchen den dummen nicht alles auf die Nase zu binden. Aber höre, lieber als mich darfst Du das Fräulein nicht haben— sonst sag' ich's Deiner Muter“. g 4.49. M O nein! Du bist mir doch der Auerneuste auf per ganzen Welt!“ beteuerte Käthchen und warf zu mehrerer Bekräftigung die Tür recht derb hinter sich ins Schloß. Es trippelte seelenvergnügt in die Wohnstube hinunter, wo Gretchen noch allein bei Frau Leonhardt saß; das Kind schloß eine rasche Freundschaft mit jener, die ihm nun, da es doch nicht bei seinem angebetenen Schulmeister Walter sein durfte, für den Augenblick genügte. Frau Brigitte hatte in gernen auf den Tisch gestellt. Sie tat es : K ä t h i w a r m i t d i e s e r E i n r i c h t u n g ä u ß e r s t eit verging ihr sehr schnell. Sie hatte kaum hrt, als Errnestine mit Leonhard# eintrat. nun einmal nicht anders einverstanden und die Zeit verging ihr sehr schnell. Sie den dritten Apfel, verzey## Wenesmte um Wungurt. Beide waren stillbewegt, beide hatten rotgeweinte Augen. Käthchen wollte hinaus, um Walter zu rufen, wie er befohlen. „Bleid', Käthchen,“ sagte Ernestine,„ich will selbst mit Herrn Leonhardt hinaufgehen und sehen, ob und was er geardeitet. Einjährige Jacoby vom 1. Gardeulanen=Regiment zu verantworten wegen Beleidigung des Gardedukorps. Das Dienstmädchen der Eltern Jacobys war mit einem Unteroffizier verlobt. Der Einjährige erfuhr dies und soll dem Dienstmädchen gegenüber eine drastische Aeußerung, die an die jüngsten Prozesse erinnert, getan haben. Der Bräutigam erstattete Anzeige. Jacoby erhielt 3 Wochen Mittelarrest. Kleine Chronik. — Bluttat. In Madrid wurde eine furchtbare Bluttat verübt. Als der Metzgermeister Bolseiro sein Geschäft öffnete, wurde ihm von einem Angehörigen einer Verbrecherbande durch einen Axthieb der Kopf vom Rumpfe getrennt. Auf die um Hilfe rufende Frau des Ermordeten wuden zahlreiche Revolverschüsse abgefeuert, die jedoch fehlgingen. — Entweichung eines zum Tode Verurteilten. Der zum Tode verurteilte Verbrecher Faber ist in Gent aus dem Gefängnis entsprungen. — Grubenunglück. Infolge Wassereinbruchs sind auf einer Grube bei Brampton in England drei Bergleute von der Außenwelt abgeschnitten worden. Man vermutet, daß sie ertrunken sind. — Ueberfall durch Italiener. Die Blätter melden aus Villerupt, Departement Meurthe=et=Moselle: Italienische Arbeiter drangen in das Spielzelt einer wandernden Komödiantentruppe ein, weil ihnen der Eintritt verweigert worden war. Sie überfielen die Schauspieler und verletzten sie mit Messerstichen. Ein Kind wurde getötet und mehrere erwachsene Personen verletzt. Es entstand eine surchtbare Panik. Gendarmerie wurde aufgeboten, um die Italiener festzunehmen. — Die Jagd nach dem Eisenbahnfrevler. Die Zahl der verhafteten angeblichen Straußberger EisenbahnAttentäter hat sich um zwei vermehrt. Die Polizei in Ruß bei Tilsit verhaftete einen Schneider namens Preuß, der als Urheber des Straußberger EisenbahnAttentates in Betracht kommen soll. Preuß ist aus der Nähe von Berlin gebürtig. Sein Vater ist angeblich Oberrangienmeister gewesen Die Beschreibung in dem amtlichen Signalement paßt genau auf den Verhafteten, vor allem schleppt er auch einen Fuß nach. Bei seiner Vernehmung bestritt Preuß energisch, die Tat begangen zu haben. Unter dem Verdacht, jenes Attentat verübt zu haben, wurde in Stettin auch der Maurer Mar Selke festgenommen. Industrie in der Gegend von Bechum. In Interessentenkreisen wird setzt schon eifrig Propaganda gemacht für den Bau einer direkten Eisenbahnlinie von Wesel nach Gladbeck. Durch den Bau einer solchen EisenbahnLinie, für den an den Eisenbahnminister eine Petition gerichtet werden soll, würde eine direkte EisenbahnLinie auf dem linken Lippeufer durch das ganze Lippetal von Wesel bis Hamm geschaffen und die bestehende Eisenbahnstrecke Oberhausen—Wanne—Hamm nicht unwesentlich entlastet werden. Dank des Kaisers. Im„Reichsanzeiger“ wird folgender kaiserliche Dankerlaß veröffentlicht: „In zahlreichen Telegrammen und Zuschriften sind mir beim Eintritt in mein 50. Lebensjahr treue Glückund Segenswünsche aus allen Teilen des Deutschen Reiches und aus weiten Fernen dargebracht worden. Behörden, Vereine und Vereinigungen, alt und jung, hoch und niedrig haben in Stadt und Land meinen Geburtstag festlich begangen und meiner dabei freundlichst gedacht. Diese patriotischen Kundgebungen haben mich von neuem erkennen lassen, welches Maß von liebevollem Vertrauen und treuer Anhänglichkeit mir aus allen Kreisen des deutschen Volkes entgegengebracht wird. In herzerhebender Weise ist dadurch mein Ehrentag verschönt und meine Festesfreude erhöht worden. Das verflossene Lebensjahr hat mir neben manchen freundlichen Ereignissen auch schmerzliche Erfahrungen nicht erspart. Auch bin ich durch den Heimgang mehreler meinem Herzen besonders nahestehender Persönlichkeiten, wie meines unvergeßlichen Oheims, des letzten Fürsten von Deutschlands Helden in großer Zeit, und meines treuen Erziehers und Freundes in tiefe Trauer versetzt worden. Ich preise aber des Allmächtigen Güte, daß es wieder ein Jahr des Friedens und fortschreitender Entwickelung für das Vaterland gewesen ist, und vertraue zuversichtlich, daß Gott der Herr auch fernerhin seine schützende Hand über das deutsche Volk halten und es auf friedlicher Bahn weiterführen wird zum Segen der Gesamtheit wie jedes einzelnen. Von dem Wunsch beseelt, allen, die mich an meinem Geburtstage durch den Ausdruck ihrer freundlichen Teilnah me und treuen Fürbitte erfreut haben, meinen herzlichsten Dank erkennen zu geben, ersuche ich Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Berlin, den 30. Januar 1908 Wilhelm I. R. An den Reichskanzler.“ Vom Kohlenreichtum Nord=Westfalens. Die Erschließung der Steinkohlenfelder im nördlichen Westfalen hinter Hamm dürfte im Jahre 1908 weitere Fortschritte machen, so daß tatsächlich die Zeit nicht mehr fern zu liegen scheint, wo der Schwerpunkt der Kohlenproduktion im niederrheinisch=westfälischen Bergbaubezirk nicht mehr allein im Ruhrgebiet, sondern auch an der Lippe liegen wird. Wie nämlich verlautet, beabsichtigt die Bergwerksgesellschaft Westphalen G. m. b. H., im kommenden Sommer zur Erschließung ihres bedeutenden Steinkohlenfelderbesitzs im nördlichen Westsalen, bedeutend nicht nur wegen des Umfanges der Felder, sondern auch wegen der Mächtigkeit und guten Qualität der erbohrten Kohlenpartien, mit dem Abteufen zweier Schachtanlagen im Lippegebiet und zwar bei Ahlen und bei Dolberg zu beginnen. Außer der Bergwerksgesellschaft„Westfalen“ verfügen im nördlichen Lippegebiet noch die Bohrgesellschaft„Anweliese“ und die Mansfelder Kupferschiefer bauende Gewerkschaft über beträchtliche Kohlenfelder, die ebenso wie die Felder der Gesellschaft„Westfalen" durchweg sehr gute Fett= bezw. GasGaskohlen enthalten. Da das Vordringen des Kohlenbergbaues im nördl Westfalen zweifellos auch Verbesserungen der Verkehrsverhältnisse im Gefolge haben wird, so dürfte es auch einen günstigen Einfluß ausüben auf die Zement= und Kalkses Wirken ein neues festes Band geschlungen um Volk und Heer. Dies wird auch für die Zukunft von Heil und Segen sein und in der gesamten Nation mit herzlichster Dankbarkeitkempfunden werden. Hierdurch beauftrage ich Sie, insonderheit, dem Zentral=Komitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz, den Ritterorden, den übrigen Organisationen, Allen, welche unter Ihrer Leitung in aufopsernder und erfolgreicher Weise für die freiwillige Krankenpflege in Südwestafrika tätig gewesen sind, Meine volle Anerkennung und meinen Dank auszusprechen. Berlin, den 7. Januar 1908. gez.: Wilhelm R. An meinen Kommissar und Militär=Inspektor der freiwilligen Krankenpflege. Westfalen und Rheinland. * Kalk, 31. Jan. Wie so viele alte Leute, so hat auch ein hiesiger Einwohner die Gepflogenheit, bei den kalen Nächten den Ofen seines Schlafzimmers einzuheizen. In der vergangenen Nacht nun wird er durch ein Kätzchen dadurch geweckt, daß dieses ihm recht unsanft mit den jonst so schmeichelnd weichen Samtpfötchen das Gesicht betastete. Ehe er sich über den erschlafften Zustand seines Körpers Rechenschaft geben konnte, erkannte er zu seinem Entsetzen, daß das Zimmer voller Rauch und Gase war. Noch einig: Minuten, und er wäre zweifellos erstickt gewesen. So aber wandte das Haustier schweres Unheil ab. * Heißen, 31. Jan. Die 8 und 16 Jahre alten Töchter des Milchhändlers Friedrich Kiesendahl in lerum verbrühten sich durch Umfallen eines mit kochendem Wasser gefüllten Waschkessels derart, daß sie in das Krankenhaus nach Mülheim überführt werden mußten. An dem Aufkommen des ältesten Mädchens wind gezweifelt. Erlaß Die Beendigung der Tätigkeit der freiwilligen Kran kenpflege in Südafrika gibt Mir vollkommene Veranlassung, die selbstlose Opferwilligkeit, mit welcher alle Bevölkerungs schichten Deutschlands die Mittel für die freiwillige Kran kenpflege aufgebracht haben, sowie die zu Folge glücklicher Einfügung in den staatlichen Sanitätsdienst besonders wirksame Tätigkeit der freiwilligen Krankenpflege in Südwestafrika in vollem Maße anzuerkennen. Durch Entsendung tüchtiger Pfleger und Pflegerinnen, die zweckmäßig ausgerüstet, unter wichtigen Delegierten, den amtlichen Kriegssani tätsdienft wirksam unterstützt haben, ist auf dem eigentlichen Gebiete werktätigen Samaritertums bei der Pflege Verwundeter und Kranker Hervorragendes geleistet worden. Durch die Zuführung reicher freiwilliger Gaben, die den fernen, völlig fremden Verhältnissen glücklich angepaßt waren, hat auch die kämpfende Truppe fortdauernd liebreiche Fürsorge und Unterstützung erfahren. Dieser zwiefache Beweis opferwilliger, teilnehmender Liebe aus allen Gauen der Heimat hat in hohem Maße dazu beigetragen, den unter Mühsalen und Entbehrungen ringenden Kämpfern bis zuletzt Freudigkeit, Krgft und Ansdauer zu erhalten. Die freiwillige Krankenpflege, in schweren Zeiten entstanden, nach den Erfahrungen der großen Kriege in stetiger Friedensarbeit ausgebaut und vervollkommnel, hat so auch in Südwestafrika sich zu verlässig und leistungsfähig erwiesen und durch ihr selbstloBekanntmachung. Die für die Bundesstaaten des deutschen Reiches eingeführte einheitliche Arzweitaxe ist zufolge Bekanntmachung des Herrn Ministers der Medizinal= Angelegenheiten vom 24. Dezember 1907 am 1. Januar 1908 für das Königreich Preußen in Kraft getreten. Die amtliche Ausgabe dieser Arzneitaxe sist im Verlage der Weidemannschen Buchhandlung in Berlin S. W. 68, Zimmerstraße 94, erschienen und im Buchhandel zum Ladenpreise von 1,20 Mart für ein in Leinen gebundenes Stück zu beziehen. Ueberschreitungen der Taxe unterliegen der Bestrafung nach§ 148 Ziffer 8 der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich(in der Fassug vom 26. Juli 1900— Reichsges. Bl. S. 871 ff.) Arnsberg, den 9. Januar 1908. Der Regierungs=Präsident. In Vertr.: Diderichs. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 3. Februar: Bedeckt, meist trübe, feuchtkalt, Niederschlldge. 4. Februar: Veränderlich, normal, starke Winde. 5. Februar: Veränderlich feucht, Niederschläge, windig. Theater. Städt. Schauspielhaus Hagen. Montag, 3. Februars Geschlossen. Dienstag, 4. Februar, 8 Uhr:„Die beiden Leonoren“. Stadttheater Dortmund. Montag, 3. Febr., 7½ Uhr:„Der Sochtourist". Dienstag, 4. Febr.:„Rienzi, der letzte der Tribunen“ Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Tilmann Vasen. Druck u. Verlag von Carl Braus, sämtlich in Schwerte. „Ach Gott, das gnädige Fräulein wollen sich doch nicht in die Dachkammer bemühen?" Liebe Frau Leonhardt,“ sagte Ernestine mit trübem Lächeln, mein Weg geht von nun an wohl nur noch durch Dachkammern.“ . Und sie nahm Leonhardts Arm und überließ die alte Frau ihrer Verwunderung. Walter sprang, wie von Glut übergossen, von seinem Sessel empor, als Ernestine mit seinem Vater eintrat.„ O mein Gott— Sie kommen zu mir? rief er:„Eins sie es denn, oder ist es die verkörperte Wissenschaft, die sich meines Strebens erbarmen will und zu mir niedersteigt, um mir zu „Walter, Sie beschämen mich,“ sagte Ernestine. Ich, Sie beschämen?“ rief der schwärmerische junge Mann. „Sie, den Inbegriff aller Größe, aller Geistesherrlichkeit, vor dem ich nur ein Schüler, ein Bettler bin?“ Walter, sprechen Sie nicht so zu mir. Sie wissen nicht, was Sie tun! Ich habe mich unter vielen Schmerzen bescheiden gelernt, habe mich zu der Demut meines Geschlechts zurückgerungen nach mancher blutigen Niederlage— Aber noch bin ich schwach und solche Worte könnten leicht den kaum bewältigten Ehrgeiz wieder wecken. Sie meinen es gut, Walter, aber ich darf an der Grenze meines verlassenen Reichs keine Stimme mehr hören, die mich zuruckruft in die alte, stolze Geistessphäre. Ich komme, um Abschied zu nehmen, Walter. Ihr Vater wird Ihnen sagen, warum und wohin ich gehe! „O. Fräulein Ernestine,“ klagte Walter,„Sie wollen fort und wie es scheint auch der Wissenschaft entsagen?“ „Ich muß entsagen, Walter, und wenn auch vielleicht nicht der Wissenschaft, so doch der Forschung. Ich muß durch mein Wissen mein Leben fristen und das kann ja eine Frau in unserer Zeit nur als Lehrerin. Ich werde mich begnügen mussen in einem Mädcheninstitut vor einem Auditorium von— Kindern meine Vorlesungen zu halten. Die Männer wollen nun einmal kein Weib zum Pro— und der Mann will keinen Professor zum Weib! So oder so bin ich unmöglich, die Welt ist anders als ich träumte, sie gönnt dem Streben einer Frau keinen Raum, und um mir ihn zu schaffen, dazn bin ich zu schwach.“ „Schade, schade!“ sprach Walter,„wenn solch eine Frau sich erst Raum erkämpfen muß. Auf Händen sollte man sie tragen, auf ein Piedestal stellen und wär's nur um der erhabenen Schönheit eines solchen Geistes in solchem Leibe willen!“ Leonhardt zupfte den leidenschaftlichen Sprecher am Aermel. „Nein, Vater, ich will reden, ich will dem Zorn Luft machen, der schon lange in mir gärt, dem Jorn über die Engherzigkeit, die solch eine Erscheinung zum schnöden Kampfe ums Dasein verdammt.“ Ernestine wendete das Gesicht ab, ein schwerer Seufzer rang sich aus ihrer Brust. Leonhardt schüttelte mißbilligend das Haupt gegen seinen Sohn: „Es ist nicht gut, Walter, einem Menschen, der entsagen muß, die Entsagung schwer zu machen, Ernestine ist und wird immer groß sein— und in der Bescheidung, die sie sich jetzt auferlegt, am größten. Wir, Walter, können die Welt nicht anders machen und Ernestine ist ein Weib— sie muß sich fügen.“ „Ja, fügen!" wiederholte Ernestine und man hörte deutlich, wie sie in neuausbrechender Qual die Zähne übereinander biß. „Fräulein Ernestine,“ flehte Walter,„verzeihen Sie mir, daß ich Sie erregt und kaum Begrabenes aufgerüttelt habe. Es war gut cheiden den mit weschenz, Schmerz ich Sie aus dem Vereiche chelrn sehe, in dem ich heimisch werden will, das kann ich Ihnen nicht sagen. Es ist mir zumute wie dem Kunstler, den seine Muse verläßt, wie dem gläubigen Schwärmer, dem seine Heilige den Rüchen werndet:s er 2 „Walter,“ sprach Ernestine gefaßt, aber mit gehobeller Brust: „In ihren Worten liegt eine schwere— und, wie ich hoffe, letzte Versuchung. Ich will sie bestehen und wenn Sie älter sind, dann werden Sie erst begreifen, wie ich es konnte. Sie sind eben noch sehr jung, Walter, ich weiß, wie man denkt und fühlt, es ist ja nicht so lange her, daß ich es auch war, eigentlich kaum sechs Wochen! Ich bin in der kurzen Frist um sechs Jahre gealtert und betrachte mich selbst und die Menschen mit andern Augen, denn ich kämpfe jetzt, wie Sie sagen, einfach den Kampf ums Dasein!“ Sie reichte Walter unter Tränen die Hand:„Ihnen danke ich, daß Sie mir noch einen Augenblick die Genugtuung gewährten, mich als große Frau“ zu empfinden. Es war ein schmerzliches, aber doch ein Gluck!“„„„ Walter betrachtete sie mit Begeisterung:„D glauben Sie mir, die Wissenschaft. nach der ich strebe, wird mir immer in Ihnen verkörpert bleiben, wird immer nur Ihre Jüge tragen. Und wenn elwas aus mir wird— dann haben Sie es aus mir gemacht. Wie Sie mir äußerlich die Utensilien liehen, ohne die ich meine Studien nie fortsetzen gekonnt hätte, so streuten Sie mit Ihrem schöpferischen Geist tausend Gedankenkeime in mir aus, die, wie ich hoffe, mit der Zeit zur Reife kommen sollen, und Ihr Beispiel lehrte mich das Glück der Arbeit erst erkennen. Wer soviel für einen Menschen getan, der darf sich dreist als das empfinden, was Sie mir ewig bleiben werden eine Vorsehung.“....2 Camten ii.. „Walter, dies Wort aus einem Munve, der berufen ist, die Wahrheit zu verkünden, wie selten einer— dieses Wort lohnt ein ganzes Leben der Mühe!— Sie haben eine Jukunft, Walter, wenn senken darf, daß ich in meiner Art etwas dazu beigetragen, Sie Ihrer Bestimmung nayer zu bringen, dann will ich getrost herniedersteigen aus meiner geträumten Höhe, denn dann habe ich nicht umsonst gearbeitet und gestrebt!— Ich muß nun fort.“. Sie sah sich im Zimmer um, wo ihr Blick hinfiel, tag und stand einer ihrer Apparate, sie faltete die Hände:„Diese Sachen, Walter, bewahren Sie mir treulich auf— vielleicht kommt einmal der Augenblick, wo ich sie zurückverlange— sie kämpfte eine Träne sinunter— sie wußte, daß dieser Augenblick nie kommen werde: is dahin, fuhr sie fort, betrachten Sie alles als Ihr Eigentum.— senen Geräten hausen und mir bald die Sterne nahe brachten, bald wissend, nicht sehend mehr!“ Sie verließ geräuschlos das Zimmer. Walter warf sich Leonhardt, der ihr folgen wollte, in die Arme, „Du weinst mein Sohn?“ „O, Vater, ich weiß selbst nicht warum.“ „Ich verstehe Dich, mein Sohn: Du weinst um die verlorene Poesie des Lebens. Wem von uns wäre in seiner Jugend eine solche Träne erspart gewesen?!“.. an.gen wi 22.. Eine Viertelstunde später siog der Wagen mi Ernestine und Gretchen durch das Dorf dem Schlosse zu und noch lange stand der alte Leonhardt unter der Haustür und lauschte dem Rollen der Räder, da er dem Wagen nicht nachblicken kounte. Ernestine saß in sich gekehrt, schmerzversunken da. Plötzlich Lopkte lie dem Kutscher, er hielt die Pferde an. Sie waren vor „Bleib hier und erwarte mich," befahl sie Greichen,„ich will einen Augenblick da hineintreten.“... Sie stieg hinaus und näherte sich der Tur. Diese war nur angelehnt. Ihre Hand zögerte beim Oeffnen. Was trieb sie so unwiderstehlich in die kleine armselige Dorskirche? Die Erinnerung! Forts. folgt. Vorbereitung. Erster Schauspieler:„Aber. Mensch, wie siehst du denn aus? Du hast Dich ja sicher seit zwei Wochen nicht rasiert!“ Zweiter: „Ich wollte mich nur auf meine Rolle vorbereiten, ich spiele morgen nämlich das Wildschwein im„Freischüß.„.. Gssu— gleggendorfer Stuuut.) Angenehm. „Sage einmal, wie steht es denn mit dem jungen Baron?“ :— Er ist bereits bis über die Ohren— seines zukünftigen Schwiegervaters verschuldet!..:(Fl. Ot.) Ach so! Gnädige:„Aber Marie, sie haben ja handgroße Löcher in ihrem Rocke, schämen sie sich denn nicht?“— Marie:„Aber gnä„* c 4, ist i, gen ibnen!“ dige Frau, der A#### ist zu von ihllen