* W ige ee ift. It Tüstel eih-Anstalt. 43 und 56 schäfte). billigste Preise hende Uhren. Uhr, gravierk Mk. Uhr, glatt ff. Mk. raviert, 2 Gold1.50 Mk. ach, sehr fein, Mk. tdeutsch verziert Mk. =Uhr, 2 Gold5.50 Mk. ontoir=Uhr mit Rk. 8.50, 9.00 den allerfeinsten Unker=Uhren. ten=Remontoir= ückenwerk, nur feinsten Qualit. erren von nur iger Auswahl. nger, hochfeine Mk. an u. höher. tteur=Uhren von nur 15 Mk. ulateure von Mk. abprobiert und enau. inen, System 110 Mk. nur 7 Mk. ktoria=Schwing= näher“ statt nur 68 Mk. an. ke Herde nur is zu den feinsten reichhaltigster ahl. achten ses hiessen. Reise g abend 11 Uhr Us.— ldlich ein inweber. W5899 nung nebst Stall und ermieten. Steinkühler, lweg 42. Amlüches Rresbian hmmmmmmmmmerrrmmrrmmemmmmmmmrren reir den Kreis Nerkt. umachmmermrmmmmrenetger Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund“. o O 0 C 0 0 0 0 O O O O 0 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts 15 Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o 0 0 O O C o e9 O 9 o e Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Ami Schwerte. Celegr.-Raresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 302 Australische Wehrpolitik. australische Premierminister, Mr. Deakin, ist darau gegangen, die Wehrpolitik, die er auf der britischen Kolonialkonferenz vom letzten Frühjahr skizzierte, zi verwirklichen. Er will den, vorläufig freilich noch bescheidenen Grund zu einer australischen Landund Stemacht legen. Das beherrschende Motiv seiner Politik, das von den australischen Parteien allgemein geteilt wird, ist durch das Schlagwort von den„weißen Australiern bezeichnet. Es ist die Furcht vor der aufsteigenden Macht Japans, die Australien zu seinen Rüstungsplänen veramlaßt. Freilich gewährleistet die englische Flotte der Kolonie ausreichenden Schutz. Aber hier kommt ein neues Motiv hinzu: das Erwachen der australischen Kolonie zu dem Bewußtsein seiner austra lischen Nation. Kanada, die ältere Kolonie, hat diese Entwicklung schon früher vollzogen. Jung, wie diese Entwicklung ist, und übertrieben in den Aeußerungen einer maßlosen Selbsteinschätzung und Ueberhebung gegenüber den alten Nationen Europas, so zeugt sie doch auch wieder von einer glühenden Jugendkraft des neuen nationalen Empfindens. Freilich sind die sechs Millionen Kanadier gegenüber den Vereinigten Staa ten, und die vier Millionen Australiens gegenüber Ja pan eine quantite negligeable; aber unter dem Schutze des britischen Reiches hoffen die Kolonien, in noch kür zerer Zeit als die Vereinigten Staaten deren Entwicklung zu wiederholen Als eine selbständige Nation will Australien nicht mehr allein von dem Schutze des Mutterlandes abhäugig sein, sondern seine eigene Wehrkraft entwickeln. Das Flottenabkommen mit England, das 1887 abgeschlossen und 1897 erneuert wurde, ist gekündigt worden. Australien will nicht, mehr Subsidien für das australische Geschwader der senglischen Flotte zahlen. Das australische Budget wird in den nächsten drei Jahren 100 Millionen Mark für die neue Wehrpolitik enthalten. Eine australiche Miliz soll begründet werden. Jeder junge Mann soll drei Jahre hindurch je 16 Tage üben, in acht Jahren würde die„Nationalgarde“ 218000„ausgebildete“ Mannschaften zählen. Diese Ausbildung scheint ein wenig primitiv zu sein; aber es ist immer ein Anfang, und es verdient hervorgehobeu zu werden, daß die sozialistische Arbeiterpartei diese Pläne am allereifrigsten befürwortet. Gewehre und Munition sollen in australischen Fabriken hergestellt werden; die australische Industrie wird also ihrerseits Vorteile aus der neuen Wehrpolitik ziehen. In Zukunft sollen auch die australischen Schiffe auf australischen Werften gebaut werden. Die australische Flotte soll zunächst. nur aus Unterseebooten und Küstentorpedobootszerstörern bestehen. Einstweilen sollen drei Unterseebvote und zwei Torpedoboote von England gekauft werden. England wird auch die Offiziere liefern. Die englische Admiralität, die ursprünglich die Idee seigener kolonialer Flotten in Kanada und Australien bitter bekämpft hatten, mußte schließlich auf der letzten Kolonialkonserenz nachgeben. Und schließlich ist es auch für sie ein Vorteil, wenn das australische Geschwader nicht mmehr gebunden ist, sich ausschließlich in den australischen Gewässern aufzuhalten. Später hoffe sie sogar, in den australischen Untersee= und Torpedobboten eine schnell erreichbare Unterstützung etwa für Indien oder Ostasien zu finden. Aber das ist noch reichlich Zukunftsmusik. den 27 Dezember 1907. Das Neueste Die mit einem: versehenen Nachrichten sind unten weiter ausgeführt. * Ein Meteor richtete bei San Franzisko Verwüstungen an. * In Warschau verhaftete man 150 Agitatoren unter den Truppem * In England herrscht seit drei Tagen dichtester Nebel. * Das holländische Kabinett nahm seine Entlassung. 9. Jahrgang Trotz des ungünstigen Wetters machte der Kaiser, wie gewohnt, einen Spaziergang in der Umgegend des Neuen Palais bei Potsdam und beschenkte die Wachtposten und bedürftige Personen, die ihm begegneten. Um 6 Uhr am Heiligabend, während draußen die Kirchenglocken ertönten, erstrahlten im Muschelsaale die Politische Uebersicht. ** Deutschland. Das Weihnachtsfest in der kaiserlichen Familie ist in der herkömmlichen Weise gestiert worden. Nachdem der Kaiser die Regierungsgeschäfte erledigt hatte, vereinigte sich die ganze Familie zu einem Karpfenessen. Kinder, die Kronprinzessin und ihre beiden Söhne, k Prinzessin Eitel Friedrich und die Verlobte des Prinzen August Wilhelm. Dem Gesang des„Stille Nacht, heilige Nacht“ folgte die Bescherung: Spielzeug für die Entel des Kaisers, und zumeist praktische Sachen für die eigenen Kinder und die Schwiegertöchter wie für das Kaiserpaar selbst. Ihrer Tochter hat die Kaiserin auch diesmal den Perlenschmuck vervollständigt. Die Vormittage der beiden Weihnachtstage sind dem Besuch des Gottesdienstes gewidmet, die Nachmittage für Empfänge und Ausfahrten reserviert. Das Arbeitskammergesetz. Der im Reichsamt des Innern unter Mitwirkung aller beteiligten Ressorts des Reiches und Preußens ausgearbeitete Gesetzentwurf über die Arbeitskammer liegt zurzeit dem preußischen Staatsministerium vor. Sobald dieses sich schlüssig gemacht hat, wird der Entwurf den übrigen Bundesregierungen zur Stellungnahme zugehen. u. ber den Inhalt des neuen Gesetzentwurfes kann die „Köln. Ztg.“ mitteilen, daß seine Grundlage die Organisation der Arbeitskammern nach sachlich=gewerblichen und nicht nach rein örtlichen Gesichtspunkten ist. Es besteht in Regierungskreisen der lebhafte Wunsch, die Verhandlungen so zu fördern, daß der Reichstag noch in dieser Session mit der Vorlage befaßt wird. Die Mädchenschulreform steht vor dem Abschluß. Nach der Köln. Ztg. ist#es durchaus unzutreffend, daß die Mädchenschulreform=Vorlage neuerdings im preu ßischen Kultusministerium auf Schwierigkeiten gestoßen sei. Der Gesetzentwurf wird vielmehr in kürzester Frist zur Vorlage„an das Abgeordnetenhaus fertiggestellt sein. Neue Felddienstordnung. Die im preußischen Kultusministerium tagende besondere Kommission zur Beratung einer neuen Felddienstordnung arbeitet unter dem Vorsitzdes kommandierenden Generals des 18. Armeckorps von Eichhorn. Der mit der Führung des 7. Korps beauftragte Generalleutnant von Bernhardi gehörte als Kommandeur der 7. Division dieser Kommission an und wird in ihr auch bis zur Beendigung der Arbeiten verbleiben. Vertreter der Fußartillerie, Pioniere, Verkehrstruppen und des Trains sind zu der Beratung bisher nicht hinzugezogen worden. Die Jugendgerichtshöfe machen Schule. Von Amerika zuerst eingeführt, wurde der erste deutsche Jugendgerichtshof vor der westfälischen Stadt Haspe eingerichtet. Nachdem Frankfurt a. M. vor kunzem nachgefolgt ist, wird jetzt ein weitever Jugendgerichtshof in Stuttgart in der Form geschaffen, daß die schöffengerichtlichen Strafsachen gegen jugendliche Personen unter 18 Jahren in die Hände desjenigen Richters gelegt werden, dem die Behandlung der Fürsorgeerziehungssachen und die sonstigen in die elterliche Erziehung eingreifenden Gerichtssachen ständig übertragen sind. Das 25 Pfg.=Stück kommt im neuen Jahre. Wie das Reichsschatzamt dem Zentralverbande deutscher Industrieller auf eine Eingabe mitgeteilt hat, befinden sich die Erwägungen über die Einführung eines Fünfundzwanzigpfennigstückes, insbesondere über die Gestaltung einer solchen Münze noch in der Schwebe. Hiernach ist die Einführung im Jahre 1908 mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten. Der neue Hardenprozeß in Berlin, der am hentigen Freitag weiterverhandelt wird, hat einen Wandel durchgemacht, der einen Rückschluß auf den Ausgang bereits zuläßt. Die intimsten Sachen sind diesmal unter Ausschluß der Oeffentlichbeit verhandelt worden, erst dann hat man die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Als sicher steht fest, daß sowohl Graf Kuno Moltke wie Fürs: Eulenburg jede unsaubere Freundschaft und homosexuelle Betätigung unter Eid in Abrede gestellt haben. Ferner, daß die Aussagen der Frau von Elbe, geschiedenen Gräfin Moltke, wesentlich anders und zwar zugunsten des Grafen ausgefallen sind, und daß der vielgenannte Sachverständige Dr. Magnus Hirschfeld insolgedessen sein früheres Gutachten, Graf Kuno Moltke sei homosexuell, widerrufen hat. Die anscheinend gut unterrichteten Leipz. Newest. Nachr. bringen folgende Kennzeichnung der veränderten Haltung der Frau von Elbe:„Wie kann eine Frau wie ich überhaupt einen Meineid leisten,“ schluchzt Frau von „wenn ich meine Stimmungen habe, kann ich ja nicht blau und gelb, viel weniger Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden!“ Und händeringend, aber vergeblich bittet sie den Gerichtshof, man möchte sie doch jetzt ganz aus dem Spiele lassen, sie wolle mit der Geschichte nichts mehr zu tun haben. Und das war Hardens Kronzeugin. Der Staatsanwalt schüttelte immer wieder den Kopf, wie Harden der Frau von Elbe habe glauben können. Wenn ein so gewandter Journalist auf dergleichen Geschichten hereinfalle, so liege doch zum mindesten grobe Fahrlässigkeit bei ihm vor.“ In der Voss. Ztg. ist u. a. zu lesen:„Frau v. Elbe hat nicht die Empfindung, anderes bezeugt zu haben, als dazumal, aber sie ist ganz anders befragt worden und konnte daher ganz andere Antworten geben.“ Scharfe Worte hat das Blatt für den Sachverständigen:„Dieser selbe Herr Dr. Magnus Hirschfeld hat mehr als irgend jemand dazu beigetragen, den Klatsch und Tratsch breit zu treten und in alle Richtungen der Windrose zu tragen. Er ist der Bannerträger des Skandals gewesen. So gut wie Graf Moltbe kann jeder anständige, ehrenhafte, zu angesehener Stellung gelangte Mann namenlosem Unglück preisgegeben werden, wenn er nichts begangen, nichts verschuldet hat, aber von einem Sachverständigen wie Herr Dr. Magnus Hirschfeld vor Gericht als homosexuell begutachtet wird. Nicht immer wird es gelingen, in einer neuen Verhandlung, wie sie sich jetzt vor der Strafkammer vollzieht, einen dicken Strich durch die Formel„von Rechts wegen“ zu machen! Aus dem Auslande. Die Franzosen haben nunmehr wieder einen Lenkballon an der deutschen Grenze und zwar in Verdun, von wo die„Patrie“, auf Nimmerwiedersehen Reißaus nahm. Wietbekannt, heißt der Ersatzballon„Ville de Paris“, von dem bereits wahre Wunderdinge erzählt werden. In Petersburg zieht sich der Prozeß Stössel in endloser Länge dahin; auch unsere Weihnachtstage waren den Verhandlungen des Militärgerichts gewidmet, da Rußland, wie in manchem anderen, so auch in seiner Zeitrechnung gegenüber dem westlichen Europa zurücksteht Bisher überwog die Wage, der Belastung diejenige der Entlastung des Hauptangeblagten Stössel und seiner mitbeschuldigten Genevale. Im Grunde aber liegt die Schuld doch weniger an dem einzelnen Mann als an dem ganzen System, an den verrotteten Zu Kreise Hörde, Dortmund(Stadt und Lappiergunge g## der ersten Abteilung das satzungsgemäß ses Jahres ausscheidende Mitglied Herr Kommerzienrat R. Fleitmann, Generaldivektor der hesigen nigten Deutschen Nickelwerke für einen Zeillaum von am Abend des ersten Weihnachtstages in einer Familie am dadurch, daß der brennende Tannenbaum, aus Unporsichtigkeit umgestoßen, die Gardinen anzündete. Der Brand wurde jedoch, ehe er größeren Schaden anrichten konnte, schnell gelöscht. *(Freischützkonzerte.) Was man sich von den Konzerten der Schmiedekapelle am Freischütz versprochen hatte, ist voll und ganz verwirblicht worden. Die einzig in ihrer Art, und das Publikum muß Herrn Straetmanns für eine so hochinteressante Weihnachtsunterhaltung Dank wissen. Daß unser Publikum diese Dankespflicht gern abstattete, das bewies der ungemein starke Besuch der Konzerte und der nicht endenwollende stürmische Beifall bei den verschiedenen Bravournummern, wie Weihnacht auf hoher Sce usw. Wir machen deshalb noch mit besonderer Freude darauf aufmerksam, daß am nächsten Sonntag noch einmal ein Konzert dieser Kapelle stattfindet. So haben alle, die in den Feiertagen anderweitig in Anspruch genommen waren, die beste Gelegenheit, den dargebotenen Genuß auch sich und den ihren zu verschaffen. r Aplerbeck, 24. Dez. Die Volksbibliothek, die mit Hilse des Kreises im hiesigen Amtshause eingerichtet worden ist, hat gestern nachmittag ihre Pforten geöffnet. Von 5 Uhr ab gelangten erstmalig die Bücher zur Ausgabe. und hatten sich zur Unterweisung des Bibliothekbeamten die Herren Schirrich und Rektor Born von der Kreisvolksbibliothek eingesunden, nach deren Muster auch die hiesige Bibliothek eingerichtet worden ist. Für dieselbe ist das Lesezimmer im Amtshause seitens der Amtsverwaltung zur Verfügung gestellt, während der Kreis die aus 1200 Bänden bestehende Bibliothek selbst gestiftet hat, welche die besten Werke der klassischen und meuesten Litteratur umfaßt. Die Bibliothek ist geöffnet Mittwochs und Freitags von -6 Uhr nachmittags und Sonntags von 11,30—12,30 Uhr mittags; ihre Benutzung ist eine unentgeltliche, nur für den Katalog, der in den nächsten Tagen zur Ausgabe gelangt, sind 30 Pfg. zu bezahlen. Im Frühjahr des kommenden Jahres wird auch in Holzwickede eine Bibliothek durch den Kreis eingerichtet. Hörde, 27. Dez. Eine Schlägerei, wobei das leidige Messer wieder eine Rolle spielte, veranlaßten mehrere junge Burschen, die mit Ungestüm von der einen erschien und dem Treiben ein Ende machte. Einer der verletzten Gäste mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen Westfalen und Rheinland. * Hagen, 21. Dez. Einen schönen Beweis des Geinst des meinsinns und der Opferfreudigkeit gab die Bürgerwurde, schaft Hagens. Seit Jahren macht sich hier der Mangek ständen der Militär= wie der Zivilverwaltung des ganzen Zarenreiches. Darum wird man es schließlich auch als einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit sempfinden, wenn die beschuldigten Generale mit einer milden Strafe davonkommen. Das kleine Intermezzo, das General Fock, einer der Angeklagten, einen der Journalisten vor die Pistole forderte, der über ihrzeven, g werat, einige wpoötiche Besgterturgem gbeigese tict. hatte, ist chavakteristisch gewesen.— F.. übrigen funktioniert die Hinrichtungsmaschine, die an Artentätern und Verschwörern die Todesurteile vollstreckt, prompter als alle anderen Institutionen des russischen ReiDie Lage in Persien ist trotz des Rückzuges, den der Schah dem Parlamente gegenüber angetreten hat, keineswegs rosig. Da sich die Ohnmacht des Schahs erwiesen hat, so werfen sich die Abgeordneten zu Herren auf. Sie verlangen, daß der Schah seinen auf den Koran geleisteten Eid, die Verfassung zu respektieren, vor den beglaubigten Vertretern der fremden Mächte wiederhole. Auch zu diesem Zugeständnis hat sich der Schah bereit erklärt, und am zweiten Weihnachtstage sollte der feierliche Akt der Eidesleistung in Gegenwart von Abordnungen der Regierung, des Parlaments und der ausländischen Vertretungen vor sich 8 Stadt und Umgebung. Schwerte, den 27. Dezember. *(Zwischen Weihnachten und Neujahr.) Die Weihnachtstage, auf die sich Jung und Alt so sehr gefreut hatten, für die wochenlange Vorbereitungen getrossen waren, sind im Fluge entschwunden. Aber unter dem Zeichen des Weihnachtsfastes stehen unsere Häuser doch noch. Da ist zunächst das augenfälligste Symbol des schönen Festes, der Weihnachtsbaum, der, abgesehen von den niedergebrannten Lichtern und einer starken Lichtung in seinem süßen Behange, sich noch recht respektabel präfentiert und mindestens bis zum Sylvesterabend, wenn nicht bis zu einem in den Januar fallenden Geburtstag aufbewahrt wird. Auch die Vorräte an Honig= und Mandelkuchen, an Aepfel und Nüssen sind noch nicht ganz ausgezehrt, wenngleich die kleinen und die großen Naschkätzchen ganz gehörig geknabbert haben. Auch von den Frachtwagen und Eisenbahnen, Trommeln und Pfeisen, Säbeln und Gewehren sind unschwer noch soviel Teile zusammenzufinden, daß sich unsere Jungen aus diesen Teilen das Bild der ursprünglichen Schönheit ihrer Weihnachtsüberraschungen mit einiger Phantasie wiederherstellen können; die kleinen Mädchen sind mit ihren Puppen, Stuben, Küchen und Wagen behutsamer umgegangen und erfreuen sich, soweit nicht unverschuldete Schicksalstücke ihnen einen bösen Streich gespielt hat, noch all der Herrlichkeiten, mit denen das Christkind überrascht hat. Auch die auf auswärtigen Schulen befindlichen Söhne und Töchter, die Soldaten=Urlauber und sonstige liebe Verwandte und Angehörige, die zum Weihnachtsfeste zu uns geeilt waren, befinden sich noch in unserer Mitte, die Geschäftswelt pflegt auch vielfach noch der Weihnachtsruhe, auf die sie nach den Strapazen des Weihnachtstrubels ein Anrecht hat. Hat das Geschäft aller Arten auch mehr oder weniger unter der Ungunst des Wetters gelitten; was zum Feste gebraucht wurde, schaft Hagens. Seit Jahren Pogpgsg, zggag omie mutzte ia doch gekauft werden. Arbeit hatte es in se= eines würdigen,„oge. Verahstaltungen drückend fühldem Falle die Menge gegeben. Da wird die angerissene ner Festhalle fur große Pcter: guugt ein Jusschuß iu. Woche denn durchgefeiert, und bis zum Neujahrsabend dauert die Festtagsstimmung fort. Mit dem neuen Jahr hebt dann aber auch wieder die gewohnte Arbeitszeit an, deren. Pflichten und Lasten wir gerne tragen. Und so ist's recht: Saure. Wochen, frohe Feste! ist ein guter Zauberspruch. **(Weihnachtsfeiern.) Wollten wir alle die einzelnen Weihnachtsfeiern der Reihe nach besprechen, die in diesen beiden Festtagen in Stadt und Umgebung abgehalten wurden, so würde das eine stattliche Zahl werden, und doch würde ohne viel Unterschied ein Bericht dem andern ziemlich ähnlich sein. Unser: Leser und die Vereine werden sich daher gerne mit der Feststellung begnügen, daß in allen feiernden Vereinen die reichlich aufgewandte Mühe bei Jung und Alt vielen Damk fand, undes allenthalben an Gästen nicht fehlte. *(Ueber die weibliche Gewerbeaussicht) und die industrielle Frauenarbeit besagt die neueste Statistik, daß die Zahl der Betriebe mit weiblichen Arbeitern stark wächst. Im Jahre 1902 wurden in 45699 Betrieben 860 087 Arbeiterinnen über 16 Jahre beschäftigt. 1906 wurden 80 520 Fabriken mit 1095 892 erwachsenen Arbeiterinnen gezählt. Trotzdem gab es im Jahre 1906 nur 24 weibliche Aussichtsbeamten gegen 13 im Jahre 1902. Preußen hat die Zahl dieser Beamtinnmn seit dem Jahre 1903 nicht vermehrt, vielmehr verblieb es bei der Anstellung von 4 Beamtinnen, die im Jahr: 1906 45 900 Fabriken mit 548034 erwachsenen Arbeiterinnen zu kontrollieren hatten. Bayern hatte ebenfalls vier Beamtinnen, Sachsen 5, Württemberg und Hessen je 2, verschiedene Staaten je eine, während die weiblichen Aufsichtsbeamten in 14 Bundesstaaten vollständig fehlen. a*(Zinulose Trunkenheit) ist immer ein widerlicher Anblick, am widerlichsten wirkt sie jedoch beim Weibe. So mußten in der Nacht vom ersten zum zweibar. Zu seiner Abhülfe trat im Aprit ein Ausschuß zusammen mit dem Vorschlage, 600000 Mark durch freiwillige Zeichnungen aufzubringen, während die gleiche Summe von der Stadt übernommen werden sollte. In der kurzen Zeit von acht Monaten haben nun die ZeichSumme von 610040 Mark ergeben. Die größte Zeichnung beträgt 100000 Mark, die nächste 40000 Mk., während 221 Zeichner den kleinsten Betrag von 200 Mark übernahmen. Insgesamt sind 477 Personen und Vereine an den Zeichnungen beteiligt. In nächster Woche werden die Stadtverordneten zusammentreten, um die Bewilligung der Stadt in Höhe von 600000 Mark zu beschließen. Damit dürfte der Bau gesichert und Hagen in wenigen Jahren in der Lage sein, der Kunst eine würdige Stätte bieten zu können. * Hagen, 27. Dez. Eine böse Suppe eingebrockt hat sich ein Urlauber des 159. Regiments, der gestern hier angekommen war und vereint mit einem Freunde die Freude des Wiedersehens stark gefeiert hatte. Im jugendlichen Uebermut vertauschte er mit diesem seine Uniform gegen dessen Zivilkleider. Nachdem dann beide genügend gezecht hatten, gingen sie in ein Haus an der Augustastraße, zerstörten dort Türen und Briefkästen, bis die Polizei ihrem wüsten Treiben ein Ziel setzte. Der Soldat wurde, nachdem man ihn wieder in feine Uniform gesteckt hatte, seinem Regiment wieder * Dortmund, 24. Dez.(Unglücksfäll:.) Tödlich verunglückt ist auf den Schlackenanlagen des Eisenund Stahlwerkes Hoesch der Steinpresser Friedrich Siebert. Er war damit beschäftigt, die Schlachkenmassen mit einem Stocheisen aus der Abschlußöffnung eines großen Silos loszustoßen. Da seine Bemühungen vergeblich waren, stieg er gegen das bestehende Verbot auf den Silo und versuchte die feststzenden Schlackenmassen von oben herunter loszustoßen. Dabei verlor er das Männer mit Gleichoewicht en(Zum Mitglied der Handelskammer) für die beiter Friedrich Wulle stürzte von einer Brücke herunter und zog sich eine Gehimerschütterung zu. Er starb kurz darauf. * Dortmund, 27. Dez. Knappschaftliches. Am nächsten Samstag, 28. d. Mts., findet noch einmal eine Generalversammlung des Allgemeinen Knappschaftsvereins Bochum statt. Die Knappschaftsältesten, die dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter angehören, kommen schon vorher und zwar morgens 10 Uhr im Lokale des Herrn Fischedick in Bochum zu einer zusammen, um auch zu dieser Genevalversammlung Stellung zu nehmen. * Hohenlimburg, 26. Dez.(Origineller Weihnachtswunsch.) Wir lesen in einem hiesigen Blatte:„Herzliche Bitte an das Christkindchen! Liebes Christkindchen! Viel lieber als all die schönen Sachen, von denen uns Vater und Mutter jeden Abend erzählen, wäre es uns, wenn du uns zum Christfeste ein wenig Frost schicktest, damit der Dreck auf der Schulstraße wieder so trocken wird wie am Mittwoch, denn sonst versauft man doch bloß darin, und wir könnten Weihnachten doch nicht spielen. Mutter würde man bloß immer schimpfen, und Vater kloppen, wenn unsere Puppen ihre Schuhe auch so im Dreck stehen lassen müßten, wie die kleinen Kinder, die abends und morgens hier vorbei müssen. Also bitte, liebes Christkindchen, sei so gut — ein bißchen Kälte!" * Herdecke, 24. Dez. Am Sonntag wurde von der Polizei der Pflasterer Jul. Br. aus Hagen in Schutzhaft gemommen, der auf dem Sonnenstein bei der Teufelskanzel in einer Höhle hauste und sich dort häuslich hatte. Er war nicht wenig erstaunt, als er gezwungen wurde, das nach seiner Ansicht„traute Heim“ aufzugeben. * Milspe, 26. Dez. Ein folgenschwerer Zusammenstoß ereignete sich heute abend gegen 5½ Uhr am hiesigen Talbahnhof, indem das dem Herrn Gießereibesitzer I. D. Brackelsberg von hier gehörige Automobil mit einem dort rangierenden Eisenbahnwagen karambolierte. Durch den Anprall wurden die Insassen des Automobils, Herr Brackelsberg und dessen Sohn Karl, letzerer als Lenker des Fahrzeuges, herausgeschleudert, wobei Herr Br. sen. einen komplizierten Unterschenkelbruch des linken Beines, eine Fleischwunde am rechten Unterschenkel und eine Kopfverletzung erlitt, während sein Sohn mit einer Fußverletzung und Rippenquetschung davonkam. Der sofort herbeigerufene Arzt, Herr Dr. Knappmann, legte den Verletzten einen Notverband an, während Mitglieder der freiwillig. Sanitätskolonne den Transport der Verunglückten nach deren Wohnung bewerkstelligten. Das Automobil ist bei dem Zusammenstoß schwer beschädigt. Wen die Schuld an dem Unfall trifft, bleibt noch aufzuklären. Jedenfalls ist aber der Verkehr am Talbahnhofe, wo die Eisenbahn und die elektrische Straßenbahn die Straße kreuzen, sehr gefährdet. * Lüdenscheid, 24. Dez. Zu dem Eisenbahnunfall bei Holzwipper liegt eine Meldung vor, nach der der Unfall sich viel schwerer darstellt, als es die bisherigen Meldungen vermuten lließen. Die Maschine stürzte die zwei Meter hohe Böschung hinab und liegt mit dem schornstein nach unten, sie steht also gewissermaßen auf dem Kopfe. Der Tender hat sich in den Führerstand geschoben und darüber liegt umgeworfen ein 4. KlasseWagen. Die Passagiere mußten nach Zertrümmerung der Fenster aus dem Wagen gehoben werden. Auf der anderen Seite fiel ein 3. Klasse=Wagen ab und auf diesen ein weiterer Wagen, der noch halb auf dem Gleise steht. Insgesamt beträgt die Zahl der Verletzten 16. Heute früh waren die Gleise wieder frei. Die Aufgleisung der Maschine dürfte sich recht schwierig gestalten. Wie erzählt wird, soll der Heizer sehr schwer verletzt sein. * Olpe, 27. Dez. Bei einem hiesigen Metzger geriet ein 14jähriges Mädchen mit einer Hand in die Wurstmaschine. Da es nicht möglich war, die Hand zu befreien und ebensowenig die betreffenden Maschinenteile auseinander zu nehmen, mußte man sich zur Zertrümmerung derselben entschließen, eine Prozedur, die zweieinhalb Stunden erforderte. Was für Schmerzen muß das Kind dabei ausgestanden haben! Von der arg zugerichteten Hand mußten zwei Finger amputiert werden. * Dülmen, 24. Dez.(Beim Wildern) mittels Frettchen wurden gestern nachmittag mehrere fremde Menschen, anscheinend von Münster, im Herzoglich Croy'schen Revier„Oedeler" durch den Förster Lücke abgefaßt. Während drei derselben dem hiesigen Amtsgericht vorgeführt werden konnten, gelang es zwei Wilddieben, mit ihrer Beute, einigen Kaninchen, welche sie in einem offenen Netze trugen, zum Eisenbahnzuge nach Münster zu entkommen. * Velbert, 26. Dez.(Genickstarre.) Nach einer Pause von mehreren Monaten macht die Genickstarve hierselbst wieder von sich reden. Im städtischen Krankenhause starb an dieser gefürchteten Krankheit ein dreieinhalb Jahre altes Mädchen aus Klein=Umstand, Bürgermeisterei Werden=Land. In der Bürgermeisterei Velbert kann die Seuche wohl als erloschen betrachtet werden, da seit einem Vierteljahr kein genickstarreverdächtiger Krankheitsfall vorgekommen ist. * Bamen, 26. Dez. Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich gestern abend auf dem Güterbahnhof Rittershausen. Dort wurde in einem Abladegleise, welches von vier Uhr nachmittags zum Abladen der bis dahin eingetroffenen Güter benutzt wied, der fünf Jahre alte Sohn des in der Rübenstraße wohnenden Fuhrmanns Heinrich Röder überfahren und getötet. Die Leiche, an der der Kopf vollständig vom Rumpfe LL abgefahren war, wurde erst heute morgen gefunden. Auf wolche Weise der Knabe dort hingekommen ist, hat noch nicht ermittelt werden können. * Düsseldorf, 24. Dez. Zu den Vortragsverhandlungen im Baugewerbe wählten die Vorstände der drei großen Arbeitgeberverbände von Rheinland und Westfalen heute hier einstimmig zum Vorsitzenden den Beigeordneten der Stadt Essen, Herrn Dr. Wiedtfeld. Stimmen die Arbeitnehmer dieser Wahl zu, so ist zu erwarten, daß die Verhandlungen bald ausgmnommen werden. Herr Dr. Wiedfeldt leitete auch die Verhandlungen im August 1905 und war seitdem Vorsitzender des Einigungsamtes Essen. Es steht somit zu erwarten, daß die Verhandlungen unter dieser bewährten Leitung einen für beide Parteien günstigen Verlauf nehmen. * Köln, 24. Dez. Die Kaiserglocke des Kölner Doms wird für längere Zeit verstummen. Eine Revision zeigte, daß der Klöppel an der oberen Oese einen Bruch hat, sodaß das Herunterstürzen des Klöppels beim Läuten befürchtet wird. Der Klöppel ist 3,80 Mtr. lang und wiegt 800 Kilo; er wurde stets, wenn die Glocke nicht geläutet wurde, durch einen untergeschobenen Holzbock gestützt, damit das ganze Gewicht nicht am Glockenstuhl bezw. an der Armatur hänge. Kleine Chronik. —. Geheimnisvolle Bluttat. In Eisleben wurde die Frau eines Bergmanns auf dem Heimwege von einem Manne, der sich an einem dunklen Talwege versteckt hatte, durch einen Schuß aus einem Jagdgewehr schwer verletzt. Hierauf sprang der Täter aus seinem Versteck hervor und schlug mit dem Gewehr auf die Frau, sodaß die Waffe in Stücke sprang. Der Täter ist der hiesige Bergmann Bartkowiak. Er ließ sich heute früh von einem Zuge überfahren und wurde sofort getötet. Der Beweggrund ist noch unbekannt. — Einen seltsamen Unfall erlitt ein Mainzer Wirt. Er hatte sich zur Linderung rheumatischer Schmerzen, an denen er seit einiger Zeit litt, Alkoholumschläge an Armen und Beinen machen lassen und sich fest verbandagiert ins Bett gelegt. Als er gegen Mitternacht erwachte und ein Streichholz anzündete, begann der Alkohol zu brennen, und im Nu standen der Wirt und das Bett in hellen Flammen. Mit verzweifelter Anstrengung schleppte er sich— die Verbände hinderten ihn an der freien Bewegung— bis zur Tür und schrie um Hilfe. Auf sein Rufen kamen Hausbewohner herbei und erstickten die Flammen. Der Verunglückte hat schwere Brandwunden davongetragen. — Im Uebermut erschossen. Zu Tasertshofen bei Nürnberg wurde der ca 6jährige Zimmermannssohn Andreas Dormeyer unweit seiner elterlichen Wohnung mit einer Schußzwunde am Kopf tot aufgefunden. Dem Kleinen war der tödliche Schuß von dem 12 Jahre alten, aus der Schule kommenden Knaben Johann Faulhaber mit einem Flobertrevolver beigebracht worden. — Die konfessionellen Verhältnisse der Bevölkerung des Deutschen Reiches stellen sich nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 folgendermaßen dar: ½ testanten 37646 852, Römisch=Katholische„22 09449: Russisch=Orthodope 1991, Griechisch=Katholische 13161, andere Christen 259 719, Israeliten 607 862, Angehörige anderer nichtchristlicher Religionen 909, Personen anderen Bekenntnisses 12024, ohne Angabe des Bebenntnisses 4270. Ueberwiegend römisch=katholisch ist die Bevölterung in Bayern, Baden und Elsaß=Lothringen, in den anderen Bundesstaaten ist sie überwiegend evangelisch. In Preußen stehen 23 341 562 Protestan ten 13344 488 Römisch=Katholischen gegenüber. — Cholera. Nach einer telegraphischen Meldut sind von einem zwischen Medina und Mekka befindli chen Pilgerzuge 18 Pilger an der Cholera erkrankt. Zehn von ihnen sind bereits gestorben. Petersburg, 23. Dez. Amtlichen Telegrammen zu folge hat die Geheimpolizei ein neues revolutionäres Komplott entdeckt, dessen Mitglieder Attentate gegen hohe Staatsbeamte planten. Bisher wurden fünf Verhaftungen in dieser Angelegenheit worgenommen. Die Polizei beschlagnahmte zahlreiche Waffen, Bomben, sowie Material zur Herstellung von Bomben. Teheran, 23. Dez. Da die Kosahen versagen, will der Schah Kurdenstämme in die Residenz beordern, eine Maßnahme, durch die die Gefahr verdoppelt wird. Das Parlament will durch Absetzung des Schahs diesem Schlage zuvorkommen. Die Lage in Teheran ist bisher augenblicklich recht kritisch. Die Gesandten sind heute wieder zu einer Beratung zusammengetreten, um über die bei einer weiteren Zuspitzung der Dinge zu ergreifenden Maßregelln zu beraten. Teheran, 23. Dez. Der Schah gab im Kampf mit dem Parläment nach, indem er seine Treue zur Verfassung durch eine auf den Wortlaut der Krone gestützte Erklärung kundtat. Ofsenheit darlegten und nicht über die Köpfe der Arbeiter hinweg beschließen, sondern mit diesen zusamnen sich über die zu ergreifenden Maßregeln besprechen wollten.“ Herausgeber dieser Korrespondenz ist der bekannte Genosse Calwer, deshalb sind die Ausführungen„in jeder Beziehung beachtenswert". Beachtet hat sie auch die„Leipz. Volksztg.“, die den Genossen Calwer scharf anschnauzt. Sie meint, man müsse denken, der Artikel sei für ein rechtsstehendes Blatt geschrieben, es sei bedauerlich, wie Calwer seine Tätigkeit auffasse. Auch Genosse Schippel ist wieder etwas auf Abwege geraten, er hat in einer Berliner Versammlung über Kolonialpolitik gesprochen und u. a. folgendes ausgeführt: „Die heutige Industrie kann nicht bestehen und sich nicht weiter entwickeln, ohne in die Produktion anderer Länder einzugreifen. Unsere Industrie braucht Rohstoffe aus fremden Ländern. Immer neue Quellen müssen erschlossen werden, um den Bedarf an Rohstoffen zu decken.— Wir können also nicht mehr ohne koloniale Erdstriche leben und könneu deshalb nicht prinzipielle Gegner der Kolonisation sein... Wenn wir erst den sozialistischen Staat hätten, dann würde der Bedarf an Gebrauchsgegenständen und deshalb der Bedarf an Rohstoffen größer sein wie jetzt. Wir würden dann noch mehr wie heute auf die Kolonialerzeugnisse angewiesen sein... Das Eingreisen europäischer Kultur in fremde Erdteile ist eine Notwendigkeit.“ — Es ist doch immer schlimmer bestellt um die Prinzipientreue der Genossen, weil bei einzelnen der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnt. Wissenschaftliches. (Monisten=Takt.) Ein würdiges Pendant zu der Leistung des Herrn Dr. Koeppen, welcher jüngst in Schwerte gelegenklich seines Böcklin=Vortrages die Wehrlosigkeit seiner Zuhörer derart ausschlachtete, daß die selbständig Denkenden der verschiedenen Weltanschanungen mit Entrüstung an den Vortragenden zurückdenken, lieferten die Monisten in Elberfeld. Vor Weihnachten hielt dort der auch hei uns bekannte Dr. Dennert aus Godesberg einen Vortrag. Zum Schluß desselben drangen die Monisten vor und verteilten ihre betannten Propaganda=Flugzettel. Ob die Anhänger dieser Weltanschauung nicht ahnen, daß sie sich dadurch ein großes Armuts=Zeugnis ausstellen? Denn Fanatismus hat allemal persönliche Unsicherheit als Ursache, in der christlichen wie monistischen Weltanschauung Wenn nun der Fanatismus ein Hauptmerkmal des Monismus(vergl. Haeckel an dessen Spitze) ist, so ist der gesamte Monismus eine Theater=Puppe auf hohlen gläsernen Füßen. Wahre Wissenschaft ist objektiv. Alle Wissenschaft muß von dem unerschütterlichen Grundsatz beherrscht werden, daß es unsere Pflicht ist, so scharf wie möglich zwischen Wissen und Vermutung zu unterscheiden. Je mehr wissenschaftlicher gebildet, umso mehr mehren sich unsere Vermutungen. Aus diesen wieder drängt sich uns das. Bewußtsein unseres Unvermögens im Erkennen aller Geheimnisse der Natur auf und dieses führt zum Glauben(Prof. Reinke). Wahrer Glaube, losgelöst von allem Konfessionellen, ist an sich ohne Fanatismus, ist ewigkeitsfähig und macht ewigkeitsfähig. Letzte Drahimeldungen. Genossen auf Abwegen. Die Dortmunder Eisenindustrie hat wegen der zurpeit mindergünstigen Geschäftslage nach Rücksprache mit den Arbeitern und mit ihrem Einverständnisse eine Lohnreduzierung von 15 Prozent eintreten lassen. Dazu schreibt die„Arbeitsmarktkorvespondenz" u. a.: „Das Vorgehen der Dortmunder Betriebe ist in jeder Beziehung beachtenswert; einmal deshalb, weil die Betriebsverwaltungen den Vertretern der Arbeiter die uugenblickliche Lage mit meitgehender Ueberfall. Saloniki, 27. Dez. Zwanzig berittene griechische Komitatschis überfielen bei Nurfang im Bezirk Saloniti eine größere Anzahl bulgarischer Bauern. Fünj Bauern wurden getötet. Politische Weihnachtspredigt. Newyork, 27. Dez. Der amerikanische Bischof von St. Louis griff in seiner Weihnachtspredigt in scharfer Weise die Kreuzfahrt der Flotte nach dem Stillen Ozean an und erklärte die Fahrt für eine bedenkliche Bedrohung des Weltfriedens. Panik bei Feuersbrunst. Madrid, 27. Dez. In Requeng in der Provinz Valencia brach bei einer Feuersbrunst eine Panik aus. Im Gedränge wurde ein Mädchen totgedrückt, zwei erlitten Beinbrüche. 2 Millionen verschenkt. London, 26. Dez. Aus Newyork wird berichtet, daß John Rockefeller der Newyorker Universität eine Summe von zwei Millionen Dollars geschenkt hat, welche zur Gründung einer medizinischen Fakultät verwendet werden sollen. Londoner Nebel. London, 26. Dez. Infolge des dichten Nebels, welcher in England schon seit drei Tagen herrscht, sind in der Umgebung von Sheffield drei Personen in den Ka nal gestürzt und ertrunken. London, 26. Dez. In der Nähe des Bahnhofes von Kings=Creß erfolgte gestern infolge des dichten ein Zusammenstoß zweier elektrischer Straßenbahnwagen. Mehrere Personen wurden schwer verletzt. Im Kampf mit der Revolntion. Warschan, 26. Dez. 150 Agitatoren, welche unter den Truppen rovolutionäre Propaganda treiben, wurden verhaftet. Außerdem ist im Lokal der sozialistischrovolutionären Kampforganisation eine Liste von 800 Persönlichkeiten beschlagnahmt worden. Ein Meteor. San Franzisko, 26. Dez. Ein Meteor ist in der vergangenen Nacht in der Nähe von Belle Fontaine niedergeangen. Ein Gebäude wurde vollständig zertrümmert und in Brand gesteckt. Ein Engländer ist dabei umgekommen. Der Meteor fiel kurz nach Mitternacht, begleitet von einer heftigen Explosion, und drang 6 Meter in den Boden. Er hatte einen Umfang von 9½ bis 10 Meter. Ministerdemission. Haag, 26. Dez. Das gesamte Kabinett hat seine Demission eingereicht. Die Krisis ist bekanntlich durch die Verweigerung des Kriegsbudgets heraufbeschworen worden. Die Königin Wilhelmina hat die Demission des liberalen Kabinetts angenommen, nachdem sie einel ängere Unterredung mit dem Kabinettschef gehabt hatte. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Druck u. Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. e Kriegsmarine-Ausstellung. vom 22. Dezember bis einschl. 1. Januar 1908 Schwerte im grossen Saale des Herrn Schulze-Selmig. Täglich geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Unter den Ausstellungsgegenständen(mehr als 100 Nummern) befinden sich 17 grosse, prächtige künstlerisch ausgeführte Kriegsschiffsmodelle, Torpedo, Seemine. Maschinen- und Schnellladekanonen, Maschinengewehr, das im Feuer vorgeführt wird, Revolverkanonen, Boxer### kanonen und andere Trophäen aus dem Boxeraufstande. 1000pfündige Riesengeschosse, Kartätschen, Schrapnells, Bomben, Mörser, die wichtigsten nautischen Apparate, Taucher, Modell einer Kriegsschiffmaschine, Seekabeltypen usw. usw. 50 Pfg. Militär ohne Charge und Schüler 20 Pfg. Gleichzeitig wird auf eine Sonder-Ausstellung des unterzeichneten Vereins, in der die denkbar seltensten Raritäten zu besichtigen sind, empfehlend hingewiesen. Es ladet freundlichst ein * Marine-Verein für Schwerte und Umgegend. Arbeits=, StellungsWohnungsGesuchen und=Angeboten werden bei dreimaliger Aufgabgratis zum vierten Male veröffentlicht. Freischütz. Sonntag, den 29. Dezember, nachmittags 4 Uhr auf vielseitigen Wunsch nochmals W5336 Konzort der Solinger WaffenschmiedKapelle. Eintritt 50 Pfg. Abonnementskarten 20 Pfg. Autschlag. Elsenkuchen und Waffeleisen ne empfiehlt billigst# L. Wemnberg. Verkauf. Am Dienstag, dem 21. Januar 1908, werden öffentlich meistbietend gegen Kredit verkauft: 3000 Stück nur Lärchenstangen 1.—3. Klasse zu Leiterbäumen, Deichsel= und Frechtungsstangen, Baumpfählen geeignet; 7000 Stück rollannen Bohnenstangen 1. u. 2. Klasse, 3000 Stück rottannen Heckenstöcke. Alle Stangen sind von besonderer Länge und Gradschaftigkeit. 30 Stück starke eichen Deichselstangen. Eine größere Partie buchen Scheit= und Ansnpethotz. Sämtliche Hölzer lagern an sehr bequemer Abfuhr in unmittelbarer Nähe chausierter Wege. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr in der Wirtschaft Schulte am Neuenhause bei Kalthof. Forsthaus Gerlingsen bei Iserlohn, den 29. Dezember 1907. Schwarzelühr'sche Forstverwaltung. — Statt besonderer Anzeige. Heute morgen 7 Uhr entschlief sanft und gottergeben mein lieber Schwiegervater, unser guter, treusorgender Grossvater, Schwager und Onkel Karl Siepmann im 76. Lebensjahre. Namens der trauernden Binterbliebenen: Ww. Lehrer Siepmann. Schwerte, den 26. Dezember 1907. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 29. Dezember, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause Hagenerstrasse 36 aus statt. Buchdruckerei Vall Braus Schwerte=Ruhr Gr. Marktstrasse 3—5 empfiehlt sauber u. geschmackvoll — allggenarfe VisitenVerlobungsEinladungs. und GlückwunschKarten etc. Trauerbriefe und DanksagungsKarten. Hädderen 5151 Eröffne mit dem heutigen Tage am hiesigen Platze im Hotel Sternberg eine Har derei und halte mich be allen Gelegenheiten dem geehrten Publikum bestens empfohlen. Bestellungen werden im Hotel Sternberg entgegengenommen. Telefon Nr. 267. K. Anzers. Aure Berten soll man nur in einem reellin Geschätt kausen welches seit Johren diesem Artikel ganz besondere Sorasalt zuwendet. Doppelt gereinigte staubfreie Federn. = Starken federdichten Barchent.= Verkaufe unter laugjähriger Garantie jeden Bettes: Vollständiges 1½ schläfiges Ober= und Unterbett mit 7 Pfund gereinigten Federn gefüllt.... 7,00 u. 9,00 Mk. Vollständiges 2 schläfiges Ober= oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt.... 10,00 u 12,50 Mk. Vollständiges 2 schläfiges Ober= oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt........ 15,50 Mk. Vollständiges 2 schläfiges Ober= oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Halbdaunen gefüllt...... 17,50 Ml. Großes 2 schläfiges Pfühl mit 3 ½ Pfd gereinigten Federn gefüllt........ 4,00 Mk. Großes Kissen mit 2 bis 3 Pfund gereinigten Federn gefüllt 1,75, 2,10 2,50 und 3.00 Mk. Fertige 2 schläfige Strohsäcke 2,00 M. bis 2,50 M. Bessere 1 und 2 schläsige vollständige Beiten von 50,00—120 Mk Auf Wunsch Füllung der Betten im Beisein der Käufer. Betten mit weniger Inhalt entsprechend billiger. Ortntont. Susse Schwerte, Hüsingstr. 3. Einladung zur der Mitglieder des RindviehZucht Vereins im Kreise Hörde auf Sonntag, den 29. Dezember 1907, nachmittags 4 Uhr beim Wirt W. Potthoff in Schwerte(Deckstation). Tagesordnung: 1. Abänderung der Satzungen zur Bildung einer Züchtervereinigung die von der Landwirtschaftskammer anerkannt wird. Hierzu Vortrag des Herrn Direktor Dr. Müller. 2. Verschiedenes. Um rege Beteiligung auch von Nichtmitglieder ersucht Der Vorstand. Zwangsversteigerung Am 28. dss. Mts., vorm. 10 Uhr, werde ich beim Wirt Rath, hier, folgende Gegenstände öffentlich gegen bar versteigern: H5352 1 Kommode. Schwerte, den 27. Dezbr. 07. Grothaus, Gerichtsvollzieher, Hagenerstr. 52. Ganse infolge Verzög. auf der Bahn zu spät eingetroffen, hochf. Hafermast, Pfd. nur 65 Pf. Velikoteßh. Wahle. Vesag der Buchbandlung des SrichungsVereins in Deubirchen, Kreis Goers. Der christliche Hausfreund (Deukirchener Abreibkalender) für 1908 mit bibl. Betrachtungen auf den Vorder= und kurzen Erzählungen, Gedichten 2c. auf den Rückseiten der Tagesblättchen in schönem grobem Druck(1 Expl.=75 Pf., 13 Expl. = 9 Mark) ist erschienen und wird um möglichste Verbreitung desselben herzlich gebeten. Man achte genau auf Citel und Firma. Zu beziehen durch die = Buchhandlung= Carl Braus, Schwerte=Ruhr. solzbekkäuf! Am Samstag, den 28. d. Mts., vormittags 10 Uhr verkaufe ich in der zum Gockel'schen Gute zu Overberge gehörigen„Waldung auf dem Brink ca. 50 bis 60 Nummern schwere Buchen, zum Teil 2½ Fuß Durchmesser enthaltend. W3 Das Holz steht in unmittelbarer Nähe des von Schwerte nach Unna führenden Kreisweges. Schulte, Auktionator. Landvutter=Ersatz 0.95 m. Aesebzeiche Seihezei geisen 6#n BordeaurRolwein, M garantiert rein, direkter Im. 10 n port vom französisch Wein in fst. Margarine, per Pfd. empfiehlt — Artikel 71450 Backen Ale empfichlt in besten Qualitäten Ernst Klein. Düsseldorfer ASssenzen Kaiserpunsch, Rumpunsch, Arakpunsch, Ananaspunsch, Burgunderpunsch, Rotweinpunsch ½ Flasche Mk. 2.50, ½ Flasche Mk. 1.50 empfiehlt Carl Trog. Bekanntmachung. Jagdgewehrgefunden. Welinghofen, 23. Dezbr. 1907. I im Kusschauk Glas Die Polizei=Verwaltung:### 20 Pfg. empfiehlt. 1350 W5346 Hartung. ni slen)Dastin Gasthof Die mir bekannte Person, die am 22. dss. Mts. an meiner Wohnung die Fensterscheibe entzwei geschlagen hat und Würste und Geld entwendet hat, fordere ich auf, sich innerhalb 3 Tagen bei mir abzufinden, anderenfalls ich die Sache dem Staatsanwalt übergebe. H5337 Frau Ww. Hast, Lichtendorf. Bückinge 5 Pf. Kiste(30 Stück) nur 1,15 Mk. ferner Sprotten, Makrelen, Aale, 5335 6 in Calikanin, sur Helle. WOERSRSSSAHter Hobe Dr. Oetker'’s VanillePudding Palvert — 5174 Provision ahlt eine leistungsfähige technische Gummi= und Asbestfabrisi an gut eingeführte Platzvertreter in Rheinland und Westfalen. Gefl. Off. unt. M. A. 2990 an Haasenstein amp; Vogler A.=G., Berlin W. 8. Lachs 2c. Velikateßh. Wahle. Frdl. möbl. Zimmer * Etage, zu vermieten. W5161 Wilhelmstraße 10. für don-Rieis-werck. Amerucremmmrenrchermmmerrrmrrurn Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Ilustrierter Familientreund“. J · 0OOOOOOO OO9 0 Nareigenpreis: Die gechsgespaltene Petitrelle oder deren Raum 1e P., Auzeigen von auswärts 13 Fi., neniamezelle 40 Pf. Erstes und alteltes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o cOOOOO OO S• 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 302. Eine Hinrichtung in (26. Juni 1663.) älteste Kirchenbuch der hiesigen größeren evangelischen Gemeinde enthält außer den abrichen Eintragungen der Familiennachrichten u. a. auch noch einen sehr interessanten, durchweg in lateinischer Sprache geschriebenen Ueberblick der Ereignisse aus den Jahren 1652—1704 unter dem Titel Res gestae, d. h. Taten, Ereignisse. Neben Bemerkungen zur allgemeinen Weltgeschichte und deutschen Reichsgeschichte finden wir auch eine Reihe von Angaben über Schwerte und Umgebung so z. B. über die großen Brände von 1659, 1661 und 1669. Kulturhistorisch interessant ist besonders der Bericht über eine hier in Schwerte am 26. Juni 1663 vollzogene Hinrichtung durch den Strang, und ich glaube im Interesse der zahlreichen Leser der„Schwerter Zeitung“ zu handeln, wenn ich gedachten Bevicht nachste hend in möglichst wortgetreuer Uebersetzung folgen lasse. „Im Jahre 1663, am 26. Juni wurde an dem neuen Galgen(in novo gabalo) wegen so oft begangenen Diebstahls gehängt Johann Bomhemer, ein nachgeborener Sohn, ein junger Mann von 36 Jahren, der in Werden im Bistum Münster geboren, aber in Dortmund erzogen war. Es folgt zur besseren Kenntnis der Hergang der Hinrichtung. Am vorhergehenden Tage, dem 25. Juni, verkündete der Gerichtsschreiber (judicti scriba) in unserer, d. h. der Verkündier des Wortes Gottes Gegenwart um die siebente Morgenstunde dem Diebe, daß er morgen gerichtet werden sollte, und ermahnte ihn sich zur Henkersmahlzeit zu rüsten. Von diesem Augenblick an weilten wir(Prediger) einzeln, aber zu verschiedenen Zeiten und Stunden bei dem Gefangenen, jedoch nicht in der Nacht. Als der Hinrichtungsmorgen graute, wurde er früh um Uhe in der neunten Woche seiner Gefangenschaft unter dem Geläute der(Armesünder=) Glocke aus dem TurFreitag, den 27. Dezember 1907. me inmitten der bewaffneten Bürger unseres Amtes hinausgeführt, um das Urteil zu vernehmen. Auf diesem Wege ging ich auf ausdrückliche Bitte des Uebeltäters ihm allein zur Seite, während die Herren Amtsbrüder auf anderem Wege dorthin eilten. Das Urtei wurde verlesen; der Henker nahm einigemal einen Schluck Wein(NB: Henker war M. Henrich Mosel, gestorben am 18. Januar 1668 nach Ausweis des Kirchenbuches), und dann bewegten wir uns in der Weise, wie oben erwähnt, zum Tore, und zwar zu Fuß; denn der Wagen, den in solchen Fällen Spickmann in Gesecke (Geisecke) zu stellen hat, folgte. Als man zum„Creutz auff der Hauffe“(vielleicht„steinernen Kreuz") gelangte, wurde auf jener Ebene ein Kreis gebildet, im Beisein der Herren Amtsbrüder das Gebet des Herrn (oratio Dominica) gesprochen und der letzte Vers des Liedes:„Ich danke dir, Herr Gott, in deinem Throne, alle traurige Gefangene“ gesungen, und mit innigem Mitgefühl(condolenter) sprechen für ihn bei Gott Nach Beendigung dieser feierlichen Handlung wurde er mit Wein gestärkt, und nachdem diese Unterbrechung auf dem Kreyenberge, gegenüber von Melschedekamp wiederholt war, erreichten wir das Kreuz. Es wurde wieder ein Kreis geschlossen, und ich allein tröstete den zu Hängenden unter dem Galgen(Concluso circulo ego solus suspendendum sub patibulo solabar), und nach Absingung eines Verses des Liedes„Gott der Vater wohn' bei uns“(von Luther) ermahnte ich das ganze Tranergefolge zu christlichem Mitbeid und Fürsprach: bei Gott für das Heil gegenwärtiger armer Seele in kurzen Worten und las den Psalm(?)„So wünsch ich nur eine ggute Nacht der Welt“ und fügte das Gebet des Herrn(Vater unser) hinzu und wünschte ihm eine glückliche Reise zu dden himmlischen Freuden(tter beatum ad caelica gaudia precabar). Nachdem dies so vollendet war, rief ich insbesondere ihm, als er die Leiter emporstieg, und während des Aufziehens zu:„Herr Je39. su, nimm meinen Geist auf!“ Zum Schluß stimmte der Schulmeister(Johann Quante, F 19. Okt. 1668) mit den Schülern das Lied an:„Nun bitten wir den Heil'gen Geist“(von Luther), und dann öffnete sich der Kreis u. jeder ging sein ehrbar(modeste) nach Hause. Fh. Kleine Chronik. Berlin, 24. Dez. Der Kaiserliche Disziplinarhof für die Schutzgebiete eerkannte heute gegen den Gouverneur z. D. Woldemar Horn wegen Disziplinarvergehens in Togo auf Strafversetzung, 300 Mark Geldstrafe und Tragung dder Kosten. Die 1. Instanz der Kaiserlichen Disziplinarkammer für die Schutzgebiete hatte auf Dienstentlassung unter Belassung von zwei Drittel der Pension erkannt. Berlin, 24. Dez. Gestern abend gegen 11 Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Restaurant Dressel, Unter den Linden 51, gerufen. Als die Feuerwehr anrückte, schlugen bereits die hellen Flammen aus dem Dachstuhl des Gebäudes heraus. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich angesammelt. Mit 3 Rohren gelang es, das Feuer bald zu dämpfen. Einige Kochlehrlinge, die bereits in den Dachkammern schliefen, konnten gerettet werden. Berlin, 24. Dez. Die„Kreuzztg.“ hat die Einführung einer Papiersteuer in der Höhe von etwa 1 Mark auf den Zentner empfohlen. Dazu meint die„Deutsche Tagesztg.“:„Daß die Steuer im Reichstage eine Mehrheit finden sollte, ist nicht anzunehmen. Im Gegenteil, sie würde auch auf der rechten Seite nicht volle Zustimmung finden.“ Barcelona, 24. Dez. Als gestern Polizeibeamte einen verdächtig aussehenden Gegenstand, den man auf einem unbelebten Platze gefunden hatte, aufnahmen, explodierte dieser, wodurch zwei Beamte verletzt wurden. Kurze Zeit darauf erfolgte in einem Portal eiWinternächte. Wenn der Tag verebbt, spinnt schläfrig die Zeit Ihre langen Winternächte.... Doch lebt eine goldene Seligkeit, Die ich jubelnd darein verflechte... Es braust der Sturm: um die Scheiben weht Gepeitschter Flocken Getriebe.... Und mächtig durch unsere Seelen geht Das Flügelschlagen der Liebe... Otto Rühle. Durch die Schule der Liebe. Roman von Wilhelmine von Hillern. (Nachdruck verboten.) * „Dürfte ich mir erlauben," begann er hamisch.„Sie, geehrtes Fräulein, um eine Belehrung zu bitten, inwiefern die bloß Tatsache, da eine Frau einige Sprachen spricht— alle, wie Sie vorhin meinten, werden's wohl doch nicht gewesen sein— inwiefern diese Tatsache von Interesse für die Wissenschaft sein sollte?“ „Ja, darauf wäre ich auch neugierig,“ rief Moritz. Ernestine blickte beide fest an.„Ich bin gerne bereit, Ihnen das zu erklären. Ich hätte nicht gewagt, das zu tun, wenn Sie mich nicht dazu aufforderten, denn ich hätte es für eine Beleidigung gehalten, vorauszusetzen, daß Sie einer solchen Erklärung bedurften.„ M 2 24 „Der Hieb saß, bemerkte Molig mnir Humor. „Wir streiten, meine Herren, ich bin auf Vergeltung gefaßl. sagte Ernestine und fuhr fort:„Ich dachte, die Leistungsfähigkeit einer Dorothea Rodde sei mindeestns ein ebenso bedeutsamer Beitrag zur Naturgeschichte der Frauen, als die Beispiele mertwürdiger Instinkte von Tieren, welche die Zoologen so eifrig aufsuchen. Oder ist die Naturgeschichte der Frauen weniger interessant als die der Affen?“ „Wir pflegen die Frauen weder als solche zu betrachten. noch zu behandeln,“ warf Möllner ernst dazwischen. „Nun denn, wenn Sie ihnen wirklich die Stufe ebenbürtiger Menschen einräumen, so wäre Dorotheas eminentes Talent schon deshalb für die Wissenschaft von Wichtigkeit, weil es ihr Anhaltspunkte für die Erforschung des Verhältnisses des weiblichen zum männlichen Gehirn bieten könnte, eine Aufgabe, die noch keineswegs gelöst, ja deren soziale Wichtigkeit nicht einmal erkannt ist, sonst müßte schon vielmehr in diesem Punkte geschehen sein, sonst würde sie nicht von vielen mit einer so frivolen Gleichgültigkeit behandelt! Ich, meine Herren, lebe der Ueberzeugung, daß der große Streit über Emanzipation der Frauen nur spruchreif wird durch die Physiologie, denn sie allein ist imstande, nachzuweisen, ob die materiellen Bedingungen des Denkvermögens bei der Frau in dem Maße vorhanden sind wie bei dem Manne, und sie sind es— wer will dann noch der Frau das Recht bestreiten, dem Manne selbständig in der geistigen Welt gegenüber zu stehen?“ „Noch sind wir aber nicht so weit," warf Johannes ein, „noch ist das nicht bewiesen!“ „Aber auch nicht das Gegenteil.“ sprach Ernestine.„Deshalb eben wäre es meiner Ansicht nach ganz am Platze, wenn die Physiologie den Sektionen berühmter Frauen mehr Aufmerksamkeit schenkte. „Und was wäre damit erreicht?“ „Können Sie mich das im Ernste fragen? Würde ein für die Frauen günstiges Resultat solcher Forschungen nicht der ganzen sozialen Regelung des Verhältnisses der Geschlechter einon Stoß geben? Und ist die Beziehung, in welche so die Physiologie zur Moral tritt, nicht für die erstere ein Triumph, auf den sie stolz sein kann?“ „Das wäre alles recht gut,“ meinte Movitz,„wenn die ganze Frage überhaupt der Mühe lohnte. „Ihnen freilich nicht— aber uns! Was kümmert Sie die Stellung der Frauen, ihre Fähigkeit oder Unfähigkeit? Wenn nur Ihre Frauen die rechte Stellung einnehmen, d. heißt, wenn sie ihnen gehorsame Dienerinnen sind, die Fähigkeit haben, gut zu kochen und Ihre Kinder zu erziehen, dann ist alles gut. und die erste Frage, die der Mensch an die Weltordnung zu stellen hat, ist gelöst!“ Ein allgemeines Murren antwortete auf diesen Ausfall. doch Ernestine war in Leidenschaft geraten und fuhr fort:„Der Schmerz über diese engherzige Gleichgültigkeit war es, der mich trieb, mich den Naturwissenschaften zu widmen. Ich, meine Herren, will es versuchen, das Interesse und den Eifer der Gelehrten mehr auf diese Forschungen hinzulenken. Lächeln Sie n chit zgelingt es mir auch nicht, selbst in dieser Sache etwas zu leisten, gelingt es mir nur, durch meine Bestrebungen andere anzuregen, so ist diese eine Aufgabe wert, ein ganzes Dasein daran zu setzen. Wenn es mir von einer minder skrupulösen Universität ermöglicht wird, die dazu nötigen anatomischen und phystologischen Studien zu machen, dann sollen diese psychisch und physisch gleich wichtigen Untersuchungen der einzige Zweck meines Lebens sein.“ Aber mein Fräulein,“ sagte Johannes düster,„was wollen * Sie denn noch finden, das Ihren Zwecken entspräche? Wir haben ja zur Evidenz nachgewiesen, daß das weibliche Gehirn absoult leichter wiegt. als das des Mannes und...“ :„Haben Sie auch nachgewiesen, daß es das absolute Gewicht allein ist, worauf es ankommt?“ ]„Das nicht, aber es stimmt doch meistens!“ „Meistens, wenn es einmal nicht stimmt, so ist der Beweis erschuttert. Wohl hatten Bryon, Cuvir und andere auffallend schwere Gehirne— dafür sank das Gewicht des Gehirns von Gelehrten, wie Hermann, Hausmann, selbst unter das Gewicht normaler weiblicher Gehirne herunter. Wir sehen also, daß es auf das Verhältnis des Gehirns zum Körper, ja auf das der einzelnen Hirnteile zu einander ankommt, vielleicht auch auf die verschiedenen Menge der grauen Substanz,— und daß das relative Gewicht des weiblichen Gehirns nicht geringer, als das man aber doch solch armem Mann, wenn er hungrig von seiner des männlichen, ist in dieser Frage die einzig sichere Errungenschaft, deren sich die Physiologie rühmen darf.“ Sie schlug das Auge inbrünstig auf.„O, könnte ich einen Funken Licht in dieses dunkle Chaos werfen, dann wollte ich gerne sterben. Aber mein Fräulein,“ sagte Herbert in belehrendem Tone,„da doch das Weib in allem zarter und schwächer ist als der Mann, so ist es natürlich, daß auch ihr Gehirn leichter und kleiner ist und es daher nicht denken und geistig arbeiten kann, wie ein Mann.“ „Aber Herr Professor,“ erwiderte Ernestine und ein schlimmes Lächeln spielte um ihre Lippen,„Sie hören doch, daß es nicht auf das absolute, sondern auf das velative Gewicht ankommt. Sonst wäre ja der größte und stärkste Mensch auch der klügste— und Sie, mein Herr, wären an Verstand der Kleinste unter den Anwesenden; denn Sie sind es doch sicher an Gestalt. Wieder entstand eine Pause der höchsten Verlegenheit. Viele konnten nur mit Mühe das Lachen verhalten, als sie das wütende Gesicht des winzigen Männchens sahen. Anderen war es peinlich, der Szene beizuwohnen. Ein solches Benehmen war denn freilich in den Analen der ehrwürdigen Professorenkreise von einer Dame unerhört und so folgerecht und natürlich es für die, welche Ernestine kannten, aus ihrer Art zu denken und zu sein hervorging, so überraschend, abstoßend und unbegreiflich war es für die Fremden— am meisten für die Staatsrätin. der jedes schroffe Wort des Mädchens Essig in eine Wunde goß. Das alte Schicksal blieb auch hier nicht aus; sie war eben nicht wie die anderen— ohne es zu wollen, hatte sie alle abgeschreckt. Die Absonderlichkeit haftete ihr an, sie mochte sein. wo sie wollte. Keiner teilte ihre Interessen, sie hatte mit niemand etwas gemeinsam— sie war und blieb vereinzelt— allein!— Selbst Johannes schwieg gedankenvoll, sie suchte schüchtern sein Auge und fand es nicht. Elsa spielte noch immer ohne Publikum Ophelia und dachte darüber nach, wie süß es sei, magdlich zu dienen, wenn nes Hauses einer anderen Straße ebenfalls eine Explosion, durch die ein Militärkrankenwärter schwer verd Tode geschleist. Einen Akt, der von brutale: Roheit Zeugnis ablegt, begingen dieser Tage zwei in Apeler bei Hannover bedienstete Knechte. Die beider trausportierten einen anderen Knecht, F., der total betrunken war und infolgedessen nicht gehen konnte, von Friedheim nach Apeler. Die Burschen schlugen zunächst auf den Mann ein, zogen ihm die Kleider aus und schleiften ihn schließlich die Straße entlang. Hierauf legten die Männer den Trunkenen quer über eine Schiebkarre, sodaß sein Kopf und die Beine wiederun auf dem Erdboden schleiften. Als die Knechte mit dem Mißhandelten auf dem Hofe des Dienstherrn in Apeler anlangten, hatten sie eine Leiche auf der Karve. Der Mann war infolge der brutalen Behandlung gestorben. Die beiden rohen Burschen wurden sofort verhaftet. — Eine Tragödie in einer Menagerie. Eine schreckliche Szene fand am 18. Dezember, abends, in der Ferrari=Menagerie in Richmond, Virginien, statt. Eiwe der Nummern des Pregramms bestand darin, daß Alfred Clarke, ein Tierbändiger, sich mit Löwen und Tigern zu schaffen machte. Man bemerkte, daß Löwen, ein besonders großes und mächtiges Fier, Zet: chen von Unruhe an den Tag legte, und als den Käfig trat, fing der Löwe an, in einer schrealichen Weise zu brüllen. Einige nervöse Mitglieder der Zuschauer schrien, und als der Löwe einen Sprung auf den Tierbändiger machte, wurde dieser ermahnt, den Käfig zu verlassen. Er weigerte sich jedoch, dies zu tun, und schlug den Löwen mit einer Peitsche, damit er sich niederlege. Unmittelbar darauf sprang der Löwe mit einem ärgerlichen Gebrüll auf den Tierbändiger, und ehe er sich versehen konnte, warf er ihn auf den Boden. Obwohl Wärter herbeieilten so wurde der unglückliche Tierbändiger fürchterlich zugerichtet und blieb tot. Der Löwe wurde nachher erschossen. — Ein eigentümliche Doppelehe führte die Frau eines Fabrikbesitzers im Osten Berlins. In der Langestraße wurde auf frischer Tat ein Einbrecher gefaßt, der durchaus nicht mit seinem Namen und seiner Wohnung heraus wollte. Man ermittelte aber doch, wie er heißt und wo er wohnte, und fand in seiner Behausung, in derselben Straße, außer gestohlenen Seidenstoffen und Blusen auch einen Zettel mit der Adresse einer Fabrikbesitzersfrau dieser Fund klärte sich dahin auf, daß die nette Ehefrau mit dem Einbricher ein Verhältnis unterhalten und ihm auch die Wohnung bezahlt hatte. Auch sonst hatte sie ihn unterstützt, wenn sein „Geschäft“ nicht ging, und als er einmal„sitzen“ mußte, bezahlte sie auch für seinen Freund, der für diese Zeit die Wohnung übernahm, die Miete. Im Hause war der häufige Besuch der Dame bei den stillen und ruhigen Mietern nicht weiter aufgefallen, weil niemand von seinen Hausgenossen wußte, daß er ein Einbrecher Nach vierjähriger Gefänguisstrafe Selbstmord verübt. Gestern morgen wurde hinter der Mauer des Tegeler Strafgefängnisses die Leiche des 39jährigen Kaufmanns Felix Stehle aufgefunden. S. hatte sich seinerzeit große Unterschlagungen zuschulden kommen lossen und war zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dieser Tage wurde er aus der Strafanstalt entlassen. Er äußerte, sich das Leben nehmen zu wollen, weil er doch keine Stellung mehr bekommen würde. Gestern fand man seine Leiche. Er hatte sich mi Lysol vergistet. — Die Biererzeugung in Deutschland betrug im Berichtsjahre 1900/07 73,16 gegen 72,76 Millionen Hektoliter im Vorjahre. Der Bierverbrauch ist von 119,4 auf 118,2 Liter für den Kopf der Bevölkerung zurückgegangen. In Bayern war er mit 238,9 gegen 234,9 im Jahre 1905/06 am größten. — Mordversuch und Selbstmord. Am Sonntag versuchte der 40 Jahre alte Kanzleisekretär August Sterke in Berlin, Angestellter des Statistischen Amtes, seine Frau und sich selbst zu erschießen. Er kaufte heimlich einen Revolver, legte ihn unter sein Kopfkissen und bat seine Frau, ihm Umschläge zu machen. Als sich die Frau ihm näherte, schoß er zweimal auf sie. Hierauf gab er mehrere Schüsse auf sich selbst ab, sodaß er schwer verletzt nach dem Krankenhause gebracht werden mußte. Die Frau ist ungefährlich verletzt. Sterhe hatte bereits früher Tobsuchtsanfälle gehabt und war in einer Anstalt untergebracht worden, aus der er aber als geheilt sentlassen wurde. — Räuberischer Ueberfall. In Mailand betrat ein eilegant gekleideter junger Mann den Juwelierladen Delfrate auf dem Corso Vittorio Emanuele im Zentrum der Stadt, als der Besitzer allein anwesend war und lließ sich Juwelen vorlegen. Als Delfrate den eisernen Juwelenschrank öffnete, überfiel ihn der Fremde und suchte ihn durch mehrere Dolchstiche zu ermorden. Auf das Geschrei des Schwerverwundeten floh aber der Verbrecher auf die Straße, wo er nach heftiger Gegenwehr von den Passanten überwältigt wurde. — Toselli=Konzert. Der Pianist Toselli gab Sonn tag in Mailand nach seiner Verheiratung sein erstes Konzert im hiesigen Konservatorium. Der Saal war ausverkauft, der Erlös des Konzertes war für einen wohltätigen Zweck bestimmt. Toselli erntete reichen Beifall. Seine ebenfalls anwesende Gemahlin, die frühere Gräfin Montignoso, war der Gegenstand allgemeiner Ausmerksamkeit. Von hier aus tritt Toselli allein eine Konzertreise nach Turin und Hamburg an, wo er vom 10. bis zum 28. Januar zu konzertieren gedenkt. Dann begibt sich Toselli nach Warschau. — Vom Zuge zerfleischt. In der Gemeinde Widzu an der Strecke Gurgenow=Bukarest verhaftete die Gendarmerie ein verdächtiges Individuum, das sich Karl Ketschkow nannte und nur bulgarisch und russisch sprach. Der Mann wurde mit Handschellen gefesselt in den Zug gebracht, der ihn nach Bukarest bringen sollte. Auf dem Bahnhof Widza sprang K. in dem Augenblick aus dem Zuge, als der Bukarester Personenzug einlief. Ein Gendarm stürzte dem Flüchtling sofort nach Die Maschine des Bukarester Zuges zerfleischte beide, den Flüchtling undeden Gendarm, die fast auf der Stelle tot waren. Die Bukarester Polizei machte nun die überraschende Entdeckung, daß der angebliche Ketschkow der Bulgare Pamitza war, der vor einiger Zeit Sarafow, den Führer der revolutionären Partei er mordete. München, 24. Dez. Als Demonstration gegen die Erschießung eines Münchener Studenten durch einen Schutzmann wurde heute Nacht der Münchener Polizei von zahlreichen Studenten vor dem Rathause eine Katzenmusik dargebracht. Die Studenten hatten einen jungen Burschen gedungen, der sich als Leiche auf das Straßenpflaster legen mußte, und vollführten dann einen furchtbaren Lärm mit dem Ruf:„Der ist erschossen worden." Alle Anwohner wurden aus dem Schlafe geweckt. Die Polizei begnügte sich damit, die Haupträdelsführer festzunehmen. Die vorläufigen Ergebnisse der Berufs= und Betriebszählung im Deutschen Reiche werden veröffentlicht, dürften aber noch eine Berichtigung erfahren. Die Bevölkerungszahl betrug am 12. Juni 1907: 61 697 277(davon 30543270 männlichen Geschlechtes) gegen 60641 278 bei der Volkszählung am 1. Dezember 1905. Die Bevölkerungsvermehrung überhaupt hat „ ist aber eine weitene Zunachgelassen, im einzernen ist aber eme weint. nahme des männlichen Geschlechts gegenüber dem weiblichen zu bemerken. Am beträchtlichsten war die Vermehrung in einzelnen mitteldeutschen Kleinstaaten und in den Hansastädten, während Lippe, Elsaß und Niederbayern Abnahmen aufweisen. Sehr erheblich war der Zug vom Osten nach dem Westen. Die Zahl der Haushaltungen ist um 184 989 auf 13 549.520 gestiegen. Die Zahl der Gewerbebetriebe hat sich gegen 1895 um 132 787 auf 2928074 verringert. Dagegen ist die Zahl der Land= und Forstwirtschaftsbetriebe, 5767814, um 209 497 größer. — 20 000 Dollar im Gesängnis verdient. Im Staate Ohio wurde vor einigen Tagen die Summe von 80000 Mark an einen Gesangenen ausbezahlt, die sich dieser während seiner Gefangenschaft verdient hatte, Der Sträfling war wegen Betrügereien zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden, von denen man ihm jedoch fast zwei Jahre erließ. Wegen seiner guten Führung genoß er befondere Vergünstigungen und sehr viel Freiheit. Es war ihm freigestellt worden, einen Handel mit Kuriositäten zu eröffnen, und da ein Kaufmann in Sträflingskleidern nicht gerade zu den alltäglichen Erscheinungen gehört, machte er brillante Geschäfte. Außerdem wußte er durch andere Nebenbeschäftigungen sein Einkommen zu vergrößern, sodaß man ihm nach fünfjähriger„Gefangenschaft“ die nette Summe von 20000 Dollars auszahlen konnte und er als vermögender Mann in seine Heimat zurückkehrte. — Schlagfertige Antwort. Bei einem winterlichen Festessen wurde ein Offizter so gesetzt, daß er den sehr gut geheizten Ofen direkt im Rücken hatte. Er ertrug die Hitze solange wie möglich, aber schließlich konnte er es doch nicht mehr aushalten und bat um einen Ofenschirm. Der Gastgeber, ein reichgewordener Emporkömmling, der es nicht vertragen konnte, wenn man bei ihm nicht alles vollkommen fand, ließ den Schirm zwar holen, konnte aber die spitze Bemerkung nicht unterdrücken:„Ich hätte gedacht, ein preußischer Offizier könne Feuer vertragen!“„Gewiß, Herr Kommerzienrat,“ war die rasche Antwort,„aber nicht im Rücken!“ Bekanntmachung. Die Haushaltspläne der Gemeinden Hacheney, Lücklemberg, Niederhofen, Wellinghofen und Wichlinghosen für das Rechnungsjahr 1908 liegen vom 21. d. M. an 14 Tage lang bei den betreffenden Gemeindevorstehern zur allgemeinen Einsichtnahme offen. Wellinghofen, den 19. Dezember 1907. Der Amtmann: HHartung. Theater. Städt. Schauspielhaus Hagen. Freitag, 27. Dez., 7½ Uhr:„Der Dieb“ Samstag, 28. Dez., nachm. 3½ Uhr:„Eneewittchen und die Zwerge“. Stadttheater Dortmund. Freitag, 27. Dez., 7½ Uhr:„Die große Gemeinde". Sonabend, 28. Dez., 3½ Uhr:„Christrosen oder die Wanderung zum Schneekönig“. 7 Uhr:„Lohengrin“. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 27 Dez.: Teils heiter bei Wolkenzug, Frost, teils bedeckt, Nebel. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ. Druck u. Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. es nur einer von ihr fordern wollte. Ach, keiner wollte sich überzeugen, wie lieblich sie gehorchen könne. Und sie summte leise Ophelia's Worte auf englisch vor sich hin. Geziert mit Blumensegen, Das unbetränt zum Grab mußt geh'n Von Liebesregen. Frau Taun blickte bedenklich nach Ernestine hinüber. Sie fing an, die Idee mit den lebenden Bildern fallen zu lassen mit solcher Unerträglchkeit brächte man ja kein Ensemble zustande— und dann die Unterhaltung bei Tische! Sie konnte doch ihren jungen Gästen nicht zumuten, anatomische Abhandlungen mit anzuhören.„„ Herbert bemerkte die Bresche in Frau Tauns guter Meinung und beeilte sich, noch eine mörderische Bombe hineinzuwerfen.„Sie hat nicht einmal die gewöhnlichste gesellschaftliche Bildung!".„ Die übrigen Damen in der Nähe nickten bestimmend. Gott sei Dank, dieser Ausbund von Schönheit und Gelehrsamkeit besaß wenigstens etwas nicht, was sie alle in hohem Grade besaßen, und hatte es dahin gebracht, sich den Herren, welche ihrer Erscheinung ein so gefährliches Interesse zeigten, unausstehlich zu machen. Eine Dame zupfte die andere.„Wie sie den Ellbogen auf den Tisch stützt!“ „Wie unpassend!“ „Nun sieh einmal an, wie schnell du dir die Leute zu Feinden gemacht hast!“ sagte der alte Heim.„Du hast von deinem Standpunkt aus nicht Unrecht, aber wer wird denn so weit mit der Tür in das Haus fallen, in dem man gastlich aufgenommen sein will? Wer mit Menschen zusammen gehen will, muß ihnen nicht gleich auf die Hühneraugen treten!" „Ich will mit diesen nicht zuasmmengehen,“ sagte Ernestine. „Freilich willst du's— mußt es wollen. Denkst du denn, du bedarfst keiner Hilfe keiner Unterstützung— du kannst alles allein machen in der Welt? Wie unpraktsch, wie über alle Maßen ungeschickt!“ „Ich verstehe Sie nicht, Vater Heim.“ „Ich glaub's wohl— Angelika unterbrach das Gespräch, indem sie Ernestine eine Schüssel mit Creme reichte, die allgemein gelobt wurde.„Von dem müssen Sie essen, Fräulein, ich habe es selbst bereitet, das ist mein Stolzl“.4 „Du hast ja geyort, daß Frautein von Hartwich die edle Kochkunst sehr gering schätzt— rühme dich deren also jo nicht vor ihr,“ spottete Moriz. 4 9. Angelika sah mitleidig Ernestines Beschamung dei viesen Worten, und während sich die Damen in ein eingehendes Gespräch über die Zubereitung des Aprikosencremes verwickelten. sagte sie freundlich:„Sie haben wohl recht, wenn Sie es tadeln. daß wir Frauen solchen Dingen zuviel Wichtigkeit beilegen, aber es gehört denn doch zum Leben und ganz darf man es nicht übersehen; wozu hätte uns denn der liebe Gott Geschmacksnerven gegeben, wenn wir uns nicht für den Wohlgeschmack unserer Speisen interessieren wollten. Es ist so natürlich, daß man denen, die man liebt, das Leben nach allen Seiten hin angenehm zu machen sucht und ihnen auch selbst für die untergeordnetsten Genüsse sorgt, wozu Sie mit Recht Essen und Trinken sählen.„„ EE Eum„ „Verzeihen Sie die Frage,“ sagte Ernestine,„wure dieser Genuß nicht durch die Hände einer Köchin zu bereiten, während Sie Ihre Zeit zu etwas Besserem verwendeten?" „Ja, rief Angelika unter allgemeiner Heiterkeit,„wenn man das Geld hat, eine perfekte Köchin zu bezahlen, dann freilich. Wenn man es aber nicht hat— wie wir, da muß man schon mitunter selbst an den Herd, oder schlecht essen. Das will schweren Arbeit heimkommt, nicht zumuten, und ich versichere Sie, wenn ich sehe, daß meinem lieben Moritz etwas schmeckt, was ich ihm selbst zubereitet, das ist eine Freude, fast so groß wie die, ein Kind zu nähren.“ Ernestine blickte sie starr an— das ging über ihren Hortzon!. Angelika schmiegte das Köpfchen an ihres Gatten Schulter: „Deshalb sind wir doch noch lange keine Mägde. Was man aus Liebe tut, das kann nicht erniedrigen; wenn man freiwillig gehorcht, so ist man ja nicht geknechtet! Folgen muß man doch irgend jemand im Leben— warum nicht dem Manne, der uns beschützt und für uns arbeitet?“. Und sie ergriff Moritz's Hand und drückte verstohlen einen Kuß darauf. „Wenn wir selbst für uns arbeiten lernten.“ meinte Ernestine,„brauchte es kein anderer zu tun, und wir wären niemand verpflichtet, von niemand abhängig!“ „Ach“— sagte Angelika und ein reizendes Lächeln verklärte ihre Züge, ihre großen Kinderaugen blinzelten Moritz schalkhaft an.„Wir können sie ja doch nicht entbehren, die gestrengen Herren der Schöpfung— ich wenigstens möchte nicht leben ohne meinen Moritz, und wenn ich noch so reich und klug wäre.“ Ein wahrer Beifallsjubel lohnte diese allerliebste Aufrichtigkeit, es war, wie wenn plötzlich ein frischer Luftzug durch ein schwüles Krankenzimmer weht; man atmete auf. Angelikas reine, echte Natürlichkeit tat allen wohl auf die„finsteren, verschrobenen Anschauungen“, die man von Ernestine hatte hören müssen. „Und diese Närrin hoffst du noch zur Vernunft zu bringen?“ flüsterte Moritz Johannes zu. „Ja!“ entgegenete dieser kurz und scharf. „Na., ich wünsche dir Glück zu der Arbeit; ich möchte mir kein Weib so sauer verdienen.“ Das Souper war zu Ende. Die Staatsrätin hob die Tafel auf. Man trat in ein Nebenzimmer, wo Punsch herumgereicht wurde. Johannes führte Ernestine schweigend hinein. Die Pflichten des Wirtes zwangen ihn, sie zu verlassen. Sie stand allein inmitten des Zimmers und sah sich im Kreise um nach jemand. an den sie sich wenden könne. Keiner näherte sich ihr. Die Damen steckten flüsternd die Köpfe zusammen und sahen nach ihr hin, die Herren bildeten Gruppen für sich und kehrten Ernestine entweder den Rücken oder betrachteten sie durch ihre Brille. Sie stand allein wie auf einer Bühne vor dem Publitum. Sie wußte nicht, was sie machen sollte. In eine Ecke flüchten, das dünkte hir so feige und unwürdig, und doch hielt sie das Kreuzfeuer stechender Blicke jetzt so wenig aus, wie vor Jahren. als sie es auch in der Gesellschaft bei der Staatsrätin über sich ergehen lassen mußte. Was half ihr nun ihr Geist und Wissen? Sie war und blieb gemieden, verkannt, mißachtet bei den Gebildeten wie bei den Bauern. Was war es nur für ein Verhängnis, das über ihrem Haupte hing? Wer konnte ihr dies Rätsel lösen? Da wurde ihrer Qual ein unverhofftes Ende gemacht. Elsa schwebte an Möllners Hand auf sie zu. „Fräulein Herbert wünscht Ihnen vorgestellt zu werden.“ sagte dieser. Ernestine blickte verwundert auf das seltsame, blumenbekränzte alte Kind nieder und ergriff zögernd das dargebotene, feuchte, faserige Händchen. „Ich bat meinen— unsern Freund“— sie sah sich um, Möllner war bereits wieder zu den anderen Gästen getreten— „uns mit einander bekannt zu machen, weil ich mich, ach! so wunderbar zu Ihnen hingezogen fühle. Ihr Gespräch über das Gehirn hat tief in meine Gedankenwelt eingegriffen, denn Sie müssen wissen— auch ich schwärme für die Naturforschung und bin eine halbe Gelehrte. Ich treibe Phrenologie! Ich bin eine Jüngerin Schewes, dessen treffende Diagnose meines Charakters mich für die Gallsche Lehre gewann. Gott, wie genußreich müßte es sein, wenn ich mit Ihnen, die Sie so umfassende Studien über das Gehirn machten, dieses Thema eingehender besprechen dürfte— ich bin überzeugt, wir würden uns verstehen! Vor allem aber müssen Sie mir gestatten. Ihren Kopf zu untersuchen— diesen merkwürdigsten aller Frauenköpfe! Welch reiche Ausbeute wird er mir liofern, kommen Sie, setzen Sie sich!“.(Forts. folgt.)