Intrhchts-Rresbialt Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Bellage:„Illustrierter Famllientreund“. a 0 0 0 O O O O O O O C C o Aazeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1° PI., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erites und alteftes Cagesorgan des Kreises. haupt-Annoncenblatt. Wie man kolonisieren soll. wurden es 10 Jahre, daß iim ferwen Osten ein Stückchen Landes durch Marinesoldaten besetzt worden ist, als Strafe dafür, daß mehnere Deutsche von sanatisierten Chinesen ermordet worden waren, ohne daß man sich in Peking beeilte, hierfür Genugtuung zu geben. Ohne Schwertstreich ist damals Kiautschou besetzt worden und wenige Monate später kam ein „Pachtvertrag“ zustande, der uns das Gebiet für 99 Jahre sichert. Damalls handelte es sich um ein wenig ansprechendes Gebiet und man lächelte verschiedentlich über diesen Ausfluß deutscher Expansionsgelüste; aber man hatte die Rechnung ohne den eisernen Fleiß der Deutschen gemacht. Es muß zwar zugegeben werden, daß der Besitz Kiautschous in militärischer Hinsicht nicht gar zu hoch zu veranschlagen ist, weil die entlegene Kolonie den Angriffen einer feindlichen Flotte, insbesondere einer japanischen, ziemlich preisgegeben wäre, da Deutschland nicht in der Lage ist, eine große Flotte in jenen Gewässern zu unterhalten. Aber hierin beruht auch nicht der Hauptwert Kiautschous, dieser liegt vielmehr auf wirtschaftlichem Gebiete und da muß man es denn hoch anerkennen, daß in der verhältnismäßig kurzen Spanne von zehn Jahren aaus dem öden und verrotteten Nest eine prächtige, saubere und blühende Handelsstadt geworden ist; großartige Hafenansagen sind geschaffen, durch welche die früher der Versandung preisgegebene Bucht zu einem der besten Häfen Ostasiens geworden ist. Handel und Wandel nahmen zusehends zu. und vor allem trug der Bau der 400 Klm. langen Schantungbahn ungemein viel dazu bei, den Besitz zu heben. Das reiche Hinterland wurde auf diese Weise erschlossen und vor allem ist die Errichtung von Kohlengruben für uns überaus wertvoll geworden. Hand in Hand damit ging eine zweckmäßige Behandlung der Eingeborenen, die ursprünglich der Wendung der Dinge nicht gerade sehr freundlich gegenüberstanden, jetzt aber hiermit äußerst zufrieden sind, weil ihnen hieraus sellber bedeutende Vorteile erwachsen sind; ist doch das Pachtgebiet, obwohl in nächster Nachbarschaft, in der Provinz Schantung, schwere Aufstände zu verzeichnen waren, stets von Unruhen freigeblieben. Diese Blüte wäre indessen kaum erreicht worden, wenn man nicht üüber eine geschickte Verwaltung verfügt hätte. Es ist bemerkenswert, daß die der Marine angehörenden Göuverneure es ganz vorzüglich verstanden haben, die Verwaltung den örtlichen Bedürfnissen anzupassen, ohne in die übliche bureaukratische Schablone zu verfallen. Insbesondere nahm man auf die Bedürfnisse der Handelskreise weite Rücksichten und suchte deren Winke zu beherzigen. Die Folgen sind nicht ausgeblieben, und während in unseren anderen Kolonien infolge des dort herrschenden„Assessorismus“ man kaum vorwärts kam, konnte aus Kiautschon nur gutes berichtet werden. Sollte das nicht auch anderwärts möglich sein? Staatssekretär Dernburg hat nach Rückkehr von seiner ostafrikanischen Reise die Amtsgeschäfte übernommen und will nun darangehen, die dort gemachten Erfahrungen in praktisch: Maßnahmen umzusetzen. Herr Dernburg ist bekanntlich nicht aus den amtlichen Bureaus hervorgegangen und man müßte von ihm in aller erster Linie erwarten, daß er auf eine bureaukratische Geschäftshandlung keinen allzu großen Wert llegt. Vorläufig ist er während des ersten Jahres seiner Amtsführung diesen Beweis im Großen und Ganzen schuldig geblieben und konnte ihn wohl auch noch nicht erbringen, aber jetzt dürfte der Zeitpunkt nahe sein, wo er zeigen kann, auf welche Weise er unseren Kolonialbesitz zu haben gedenkt. Die in Kiautschon beobachteten Venwaltungsgrundsätze bieten ein gutes Beispiel, an welches sich der Staatssekretär halten sollte; die Erfolge würden schwerlich ausbleiben und die ganze Nation würde es ihm danken. Neuehe. Die mit einem versehenen Nachrichten sind unten weiter ausgeführt. * Einem Attentat gegen den Ministerpräsidenten Stolypin kam man auf die(Spur. Deutscher Reichstag. 56. Sitzung vom 23. November 1907, 1 Uhr. Eingegangen sind: eine Interpellation Albrecht über die Lebensmittel=Teuerung, sowie zwei Interpellationen Hahn und Arendt über die hohen Kohlenpreise. Auf der Tagesordnung steht in erster und zweiter Beratung der Vertrag mit den Niederlanden betr. Unfallversicherung. Der Vertrag will— mit der Maßgabe der Gegenseitigkeit— verhindern, daß deutsche Arbeiter, die für deutsche Unternehmungen vorübergehend in den Niederlanden tätig sind, der Unfallversicherung, sei es gar nicht, sei es doppelt(dort und in Deutschland) unterliegen. Abg. Janck(ntl.) begrüßt die Vorlage namentlich auch im Interesse der Schiffahrt. Abg. Stadthagen(Soz.) knüpft an die Vorlage eine eingehende Kritik unserer Unfallversicherungs=Gesetzgebung. Ministerialdirektor Caspar verteidigt die deutsche Unfallversicherungsgesetzgebung gegen die Angriffe des Vorredners. Abg. Dove(Frs. Ver.) tritt für kommissarische Beratung ein. Abg. Schiffer(Z.) nimmt unsere Gesetzgebung gegenüber Stadthagen in Schutz und hofft auf Abschluß weiterer gleichartiger internationaler Verträge. Der Vertrag wurde einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die erste Beratung der Majestäts=Beleidigungs=Vorlage. Danach soll die Majestäts=Beleidigung fortan nur dann als solche strafbar sein, wenn sie„böswillig und mit Vorbedacht“ erfolgt ist. Bei nicht-äffentlich begangenem Delikt soll die Strafversolg ing nur mit Genehmiging der Land sjustizverwaltung eintreten. Weiter soll schon in 6 Monaten Verjährung eintreten. Kann Bestrafung auf Grund der Majestäts=Beleidigungs=Paragraphen(95, 97, 99, 01) nicht erfolgen, so sollen die allgemeinen Vorschriften d? 14. Abschnittes des Strafgesetzbuches über Beleidigung Pli; greifen. Staatssekretär Nieberding: Der vorliegende Entwurf will überleiten zu einem Strafgesetzbuch der Zukunft, ind zwar einer nahen Zukunft. Denn ich glaube, die Vora beiten zu einem neuen Strafgesetzbuch werden schon im Laufe nächsten Sommers zum Abschluß kommen. Der vorliegende Entwurf verdankt sein Entstehen der Initiative des Kaisers, dem Erlaß desselben vom Januar für Preußen und die Reichslande. Die verbündeten Regierungen hoffen, daß dieser vorläufige Entwurf die Gefahren vermeiden werde, daß viele Majestätsbeleidigungsprozesse und die in ihnen ergehenden Urteile im Widerspruch stehen mit dem Volksempfinden. Dieses Gesetz wird hoffentlich nach zwei Richtungen hin wirken. Einmal wird es, indem es die Gerichte von Urteilen entlastet, die dem Volksempfinden widerstreben, in dem Volke das Vertrauen zu den Gerichten stärken. Und zweitens wird dies auch beitragen zur Befestigung des inneren Friedens.(Beifall.) Abg. Giese(k.) ist der Regierung dankbar für diesen Entwurf. Auch er und seine Freunde meinten, daß nicht jedes übereilte Wort bestraft zu werden brauche, das dem Munde entsliehe. Das Schlimmste sei, daß sehr häufig Denunziationen eingingen erst nach vielen Jahren, lediglich aus Haß und Rache. Nun sehe aber die Vorlage vor, daß, wenn nicht mehr auf Grund der Majestätsbeleidigungs=Paragraphen vorgegangen werde, dann doch immer noch vorgegangen werden könne auf Grund der Bestimmungen des Abschnitts 14 über die gewöhnlichen Beleidigungen. Tagegen hätten seine Freunde nun doch erhebliche Bedenken. Dann würde das Antreten des Wahrheitsbeweises möglich sein, auch Widerklage, und ebenso würde die Klausel von der Wahrnehmung berechtigter Interessen zur Anwendung kommen. Und das alles geschehe in Fällen, wo es sich um Majestätsbeleidigungen handle, das, m. H., weisen meine Freunde durchaus von der Hand. Redner beantragt Ueberweisung der Vorlage an eine besondere Kommission. Abg. Traeger(Frs. Vpt.): Was die gegenwärtige Vorlage anlangt, so herrsche wohl darüber allgemeine Uebereinstimmung, daß dem Ueberhandnehmen der Majestätsbeleidigungsprozesse abgeholfen werden müsse. Die Gefestetheit des Richters gegen Einflüsse will ich nicht bezweifeln, aber— es gibt auch Imponderabiles, die ihren Einfluß geltend machen. Es müssen daher objektive Tatbestandsmerkmale festgelegt werden. Abg. Brunstermann(Rp.): Daß die Majestät einen besonderen Schutz gegen Beleidigungen verdiene, sei zweifellos. Der Gesetzentwurf komme in dankenswerter Weise den modernen Anschauungen entgegen. Abg. Osann(ntl.): Das Wort„mit Vorbedacht“ sei deutungsfähig und sollte ersetzt werden durch„mit Ueberlegung“. Auch das„öffentlich“ sei nicht ohne Bedenken, denn gerade die im Wirtshaus erfolgten Beleidigungen, die doch bisher auch stets als öffentliche angesehen worden seien, hätten in der Vergangenheit die Gerichte in viel zu großem Umfange beschäftigt. Abg. Kirsch(Z.): Aufmerksam machen müsse er darauf, daß ein ganz neues Moment in die Strafrechtspflege eingeführt werde, wenn man— obwohl für die Majestätsbeleidigungen eine nur sechsmonatliche Verjährungsfrist eingeführt werde— dennoch noch nach Ablauf der sechs Monate Strafverfolgung auf Grund des Abschnitt 14 eintreten lassen wolle. Abg. Heine(Soz.): Ich erkläre vorweg, daß, wenn der Entwurf nicht sehr erheblich verbessert wird, wir ihn ablehnen * Unterschlagungen eines Stadtverordneten in Höhe von ½ Million riefen in Duisburg große Sensation hervor. Der Zeuge Bollhardt aus dem Hardenprozeß wurde gestern verhaftet. Durch Flugblattverteilung setzte die sozialdemowerden. Staatssekretär Nieberding: Unrichtig ist es, wenn der Vorredner behauptete, dieser Entwurf sei entstanden aus politischen Motiven. Falsch ist auch, daß eine Tendenzpolitik bei der Ausarbeitung dieses Entwurfs mitgespielt habe. Es ist auch nicht die Absicht der verbündeten Regierungen bei diesem Entwurf gewesen, das freie Wort zu verhindern, im Gegenteil! Lehnen Sie die Vorlage ganz ab—, mir ist's recht! Dann bleibt die Sache wie sie ist! Abg. Graefe(W. Ver.) tritt für die Vorlage ein und hofft auf ein brauchbares Ergebnis der Kommissions=Berakungen.....„ j. K. 7 f1. 28 für mäti. Abg. Heascher(Frs. Ver.): Ich halte es für nunig, dem Richter in dem Gesetz objektive Merkmale an die Hand zu geben. Sonst greift der Richter unwillkürlich nach politischen Motiven bei dem Angeklagten. Was die eventuelle Anwendung des Abschnittes 14 anlangt, so bin ich dagegen. Es ist das ein reines Danaergeschenk für den Kaiser selbst! Würde doch der Richter in der Lage sein, bei Verhandlung einer solchen einfachen Beleidigungsklage sogar das Erscheinen des Kaisers zu verlangen! Abg. Bindewald(Reformp.): Meine Freunde sind durchweg der Ansicht, vorliegender Entwurf sei durchaus eine Verbesserung gegenüber dem bestehenden Zustande, sodann polemisiert Redner noch gegen die Sozialdemokratie. Die Vorlage geht sodann an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern. Montag 1 Uhr: erste und event. zweite Beratung der Vorlage betr. die Professor Müllersche Nachlaß=Stiftung. Dann die Interpellation über Lebensmitteloreise und über Kohlenpreise; ferner Versicherungs=Vertrag und BauhandwerkerForderungen. Schluß gegen 6½ Uhr. Politische Uebersicht. Deutschland. Das Befinden des Kaisers. Eine Berliner Korrespondenz, bringt allerhand, zwar nicht beunruhigende, aber doch wenig günstige Mitteilungen über den Gesundheitszustand Sr. Majjestät des Kaisers, und im sonderen über eine beabsichtigte längere Kreuzerfahrt im Mittelländischen Meere, die mit einem Aufenthalte auf Korfu verbunden und spätestens für den Februar wahrscheinlich aber schon für einen erheblich früheren Zeitpunkt in Aussicht genommen sein soll. Was diese Reise anlangt, so liegt die Sache folgendermaßen: Der Kaiser hegt allerdings den Wunsch, seine neuerworbene Besitzung auf Korfu zu besuchen. Ueber die Reise dahin und über die angeblich längere Kreuzerfahrt im Mittelländischen Meere ist aber noch nichts bestimmt. Das Befinden Sr. Majestät gibt zu keinerlei Besorgnissen irgendwelchen Anlaß. Die Nachwehen der Erkältung und der damit verbundenen Indisposition sind so gut wie geschwunden. Vielleicht wäre es nicht unzweckmäßig wwenn der Kanzler bei der Etatsberatung Gelegenheit nehmen sollte, in irgendwelcher Weise die immer wieder auftauchenden und verbreiteten Gerüchte über die Gesundheit des Kaisers zurückzuweisen und richtigzustellen. Der Kaiser ist mit seinem Aufenthalt in Highcliffe recht zufrieden. Angestvengter Arbeit folgt die wohlverdiente Erholung. Die englischen Berichterstatter bewähren sich als rechte Spürnasen und so können sie über das tägliche Leben des Kaisers bis zum Kleinsten berichten, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme der Phantasie. Man erfährt, daß der Kaiser bei seinen Automobilfahrten zwei kleine Erlebnisse hatte. Einmal wurde der Wagen von einer Herde Waldponnys, ein andermal von sechs Wildsäuen aufgehalten. Der Monarch lachte über die neue Art Saujagd, wie er es nannte. Das Leben auf Highcliffe Castle ist einfach. Der Kaiser hat kein eigenes Küchenpersonal mitgebracht, sondern begnügt sich mit den Leistungen des französischen Kochs seines Hauswirts, die übrigens ganz eßbar sein sollen. Wie es heißt, trinkt Majestät mit Vorliebe Pilsener Bier aus der Fürstenbergischen Brauerei, raucht Hamburger Zigarren und macht nach der Abendmahlzeit seine Partie Skat., Zahlreiche EinFunkiche Bostation gegen das Dreitlstenmnsttericht idn Berlin ein. * In Portugal drängen die Verhältnisse zur Absetzung des Königs. * Aus Gram erschoß sich in Bayreuth der berühmte Kammersänger Bertram. 90 A 10 F44 ladungen, das herrschaftliche Gebiet weit in der Runde zu bejagen, wurden bisher dankend abgelehnt. Wie wird die nationale Blockpartei im Reichstag bestehen? Diese Frage bildet in den Betrachtungen sämtlicher Blätter über den am vergangenen Freitag erfolgten Zusammentritt des deutschen Reichsparlaments den vornehmsten Erörterungsgegenstand. eberblickt man die große Reihe der Meinungen u. Urteile, so muß man sagen, daß die Bedenken in recht stattlicher Anzahl auftreten. Auch abgesehen von den Organen derjemigen Parteien, die in der Zertrümmerung des Blockes die Ersüllung eines Herzenswunsches erGlichen würden, fihlt es nicht an Stimmen, die einen längeren Bestand der konservativ=liberalen Vereinigung in Zweisel ziehen. Nachdem das sogenannte Defizit des Reiches die noch über die Erwartungen hinausgehende Höhe von hundert Millionen Mark erreicht hat, sind Maßnahmen zur Erhöhung der Reichseinkünfte unabweisbar geworden. Man sagt, Fürst Bülow habe bei seinen Verhandlungm mit dem Parteiführer in Norderney die Finanzfrage nicht erörtert, weil er sie für besser hielt, als sie tatsächlich ist, und weil er infolgedessen der Notwendigkeit enthoben zu sein glaubte, dem Reichstag: in dem gegenwärtigen Sessionsabschnitte mit neuen Steuervorlagen kommen zu müssen. Der Kanzler soll daher der weiteren Entwicklung der Dinge setzt ziemlich ratlos gegenüberstehen. Diese und ähnliche Argumentationen richten sich selbst. Man liebt es im großen und ganzen wieder einmal, die Situation schwärzer darzustellen, als sie ist. Gewiß fehlt es nicht an Bedenken; aber es gilt doch auch hier der vielbewährte Spruch: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Keinessalls braucht man die Hoffnung auf den Fortbestand des Blocks schon jetzt aufzugeben. Die Missionen in Südwestafrika. Die Aufhebung des§ 14 der südwestafrikanischen Schutzgebietsordnung äst, wie die„Leipz. N. Nachr.“ von zuständiger Seite erfahren, nicht zu erwarten: Der Paragraph garantiert die Ausübung der Missionstätigkeit im Schutzgebiet beiden Konfessionen in gleicher Weise. General v. Deimling hatte seiner Zeit aus politischen Gründen die Zuteilung von besonderen Missionszonen verfügt. Wenn der Kaiser nicht zu Hause ist. Die Berliner Polizei hat einen ungarischen Sozialdemokraten ausgewiesen. Ein Budapester Blatt versteigt sich aus diesem Amlaß zu folgender Leistung:„So lange der Kaiser, unser aufrichtiger Freund, in Deutschland war, hat man sich gehütet, die Ungarn anzugreifen, aber kaum war er fort, so ist dem Magyarenhaß eines Polizeimachthabers ein Magyare zum Opfer gefallen. Ehrengerichtliches Verfahren gegen den Grafen Hohenau. Auf Befehl des Kaisers ist nach dem Lok.=Anz.“ gegen den früheren Kommandeur des Regiments der Gardes du Corps und späteren Generalanajor Graf Hohenau sein ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet worden Die ZZeugenvernehmungen haben bereits begonnen. Graf Hohenau hatte bei seiner Verabschiedung das Recht behallten, die Uniform zu tragen, er bezieht auch die gesetzliche Pension. Seine sittlichen Verfehlungen kamen erst im Harden=Prozeß in ihrer ganzen Tragweite zur Sprache und zwar in jenem Teil, der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand. — In Berliner militärischen Kreisen serhält sich das Gerücht, daß der Führer des Gardekorps General v. Kessel seinen Abschied einreichen werde. Frankreich. Frankreichs Bevölkerung macht unaufhaltsame Rückschritte. Noch mie ist die Zahl der Geburten so gering gewesen wei im lletzten Jahre, für das soeben die amtlichen Zahlen veröffentlicht werden. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre gerechnet, war die Zahl der burten im letzten Jahre um rund 33 000 geringer. Der Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle betrug nur 26 650, in Deutschland dagegem 792 839 im Jahre 1905. Auch bei uns ist die Zahl der Geburken zurückgegangen. Zur Besorgnis sliegt aber umsoweniger Anlaß vor, alls sich die Sterblichkeit erheblich verringert hat. Die Zahlen für Frankreich lassen französische Patrioten wieder Klagelieder und Warnungsrufe anstimmen. Die eindringlichsten Worte und die eigenartigsten Mittel machen aber dem Zweikindersystem keinen Abbruuch England. Ein englischer Flottenverein. Trotz des ungleichen Verhältnisses zwischen der deutschen und der senglischen Marine glaubt man in London nicht mehr fertig zu werden, ohne die Bildung eines Flottenvereins nach deutschem Muster. Der neue Verein beabsichtigt, für einen viel rascheren Ausbau der englischen Kriegsflotte Stimmung zu machen. Seine Gründer verlangen, England soll für jedes deutsche Kriegsschiff mindestens drei englische bauen, allso je neun in den nächsten vier Jahren. Uns kann es recht sein, aber die englischen Steuerzahler werden zu so tollen Experimenten schwerlich geneigt sein. Rußland. In der neuen Duma wurden die Kadetten, d. h. die Vertreter der konstitutionell=demokratischen Parbei von allen einslußreichen Stellen im Präsidium ausgeschlossen. Großer Lärm entstand, als der Altrusse Kebpowsky erklärte, die gesamte Linke besäße überhaupt keinen Anspruch auf einen Platz im Präsidium, da sie aus Cauter Zarenmördern zusammengesetzt sei. Präsident Chonjakow rügte diese grobe Aeußerung zwar, der die überwiegende Mehrheit des Hauses jedoch lebhaft zustimmte. An Zank und Streit wird es also auch während der gegenwärtigen Tagung nicht fehlen; die Oppositionsparteien sind aber nurso schwach vertreten, daß sie das gegenwärtige Parlament in seinem Handeln gar nicht beeinflussen können. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 25. November. (Die Parlamentssession) hat begonnen, der Reichstag nahm seiine Sitzungen bereits wieder auf und die beiden Häuser des Landtages werden in diesen Tagen folgen. Die„Schwerter Zeitung“ ist in ihrem Leserkreise beliebt als ein Blatt, daß schnell, eingehend und doch ohne wertlose Weitläufigkeit die parlamentarischen Dagungen dem Leserkreise übermittelt. Im Gegensatz zu anderen Provinzblättern begnügt sie sich nicht mit dem täglichen kürzesten Auszug, sondern läßt stets die jeweiligen Redner des Tages Runde passieren, sodaß auch Angehörige aller Parteien die Arbeit ihrer Vertreter verfolgen können.— Wer also die hochinteressante Winterkampagne unserer Volksvertretungen verfolgen will, der tut gut daran die„Schwerter Zeitung“ vom 1. Dezember ab zu bestellen. Neu hinzutretende Bezieher erhalten bis zu diesem Datum das Blatt frei zugestellt. (Sankt Nikolas und Knecht Rupprecht,) die beiden Weihnachtsmänner, die ssich ins deutsche Reich brüderlich für diese Wochen geteilt haben, um Freude ins deutsche Haus zu bringen, indem der erstere den Süden, der letztere den Norden übernahm, llassen ihre Pelze ein bischen dichter machen und ihre Stiefel neu besohlen für die Christfestwanderung, die jetzt mit Eintritt der Adventszeit anhebt, denn der Winter, der dritte im Bunde, hat augenscheinlich im Sinn, einen Befähigungsnachweis für seine Eristenz zu erbringen. Vorige Woche meinte er es mit Eis und Schwee schon ganz respektabel, und wenn nun auch verschiedentlich mildere Witterung nachgekommen ist, man merkt's, wohin der Kurs geht. Winter bleibt diesmal Winter, und möglicherweise nicht zu knapp. Etwas Frost in der Weihnachtszeit hat immer sein Gutes, aber wir wünschen nicht, daß die Eisblumen an den Fenstern beschei44 4 8 9o iineV., 100, ∆ Schwerte, Hustngstr. 3. Neu eingetronen sind wieder die überraschend billigen, sollden Kleiderstörle = in Halbwolle und Wolle. Dieselben kosten nur das Meter 75 Pfg., 1 Mk. u. 1,25 Mk., während der frühere Preis 1,25 und 2 Mk. war. dener Heime zu üppig blühen. Vieles— auch das Brennmaterial, ist nicht billig, und der Arbeitsverdienst steigt um diese Jahreszeit nicht. Bei der Jugend, die sich die Augen an den Schaufenster=Herrlichkeiten blind sieht, heizen Freude und Wünsche ein; aber das reifere Lebensalter merkt die Sorgen, wenn sie in der Weihnachtszeit sich einstellen, doppelt. Wohin der Weg geht, das weist nicht allein der Winter, sondern auch der Reichstag. In der Reichskasse heißt es vom Gelde gleichfalls, wie an vielen anderen Stellei:„Knapp, knapper, am knappsten!“, Hundert Millionen fehlen! Hm! Das klingt nicht schön, ist aber eine Bestätigung früherer Warnungen. Immer ist gesagt:„Nicht so viel borgen, mehr laufende Einnahmen. Schuldenzinsen fressen schließlich den Schuldner auf!“ Nun wird's wohl endlich anders werden. Uebrigens geht wegen der Unterbilanz im Reiche die Welt noch nicht zu Grunde. Von den hundert Millionen läßt sich schon noch was abknapsen, und wir haben wirklich moch genug steuerkräftige Schultern. Wenn man setzt in Berlin„Hotels“ für 15 und 17 Millionen hat bauen, solchen Luxus hat hier— und auch oft verhältnismäßig wo anders— treiben können, dann ist's moch nicht so schlimm. Es fror und schneite ganz hübsch, als der Reichstag wiedern an die Arbeit ging. Na, hoffentlich werden ihm die gescheidten Gedanken nicht klamm, und riert ihm die resolute Arbeit nicht ein. *# Der Saatenstand Mitte November), wie ihn das Königlich Preuß. Statist. Landesamt für den Kreis Hörde, im Regierungsbezirk Arnsberg feststellte, weist folgende Noten auf: Winterweizen 2,4(2,5), Winterspelz—(2,3), Winterroggen 2,3(2,4), Winterrapsund Rübsam 2,1(2,3). Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf den gesamten preußischen Staat. Die Begutachtungsziffern bedeuten: 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel ldurchschnittlich, 4 gering, 5 sehr gering. **(Der Fahrradsport) pflegt im Winter etwas nachzulassen. Man gebraucht das Fahrrad dann nur, noch zu praktischen Zwecken, nicht mehr zu Ausflügen, und da vielle Leute mit ihrem Fahrrad nur den letzteren Zweck verfolgen, so tritt die Frage des richtigen Aufbewahrens der Räder an sie heran; dieses geschieht meistens grundfallsch. Einzig richtig ist folgende Art: man reinigt das Rad und hängt es ohne die Räder an einer nicht feuchten Wand auf, auch kann man das Gestell worher in Zeitungspapier verpachen was durchaus nicht viel Mühe macht. Die Räder hingegen bringe man in einen nicht zu warmen und nicht zu kalten, fin steren Keller, nachdem man die Pneumatiks nur so weit aufgetrieben hat, wie man dies mit dem Munde, allso ohne Pumpe, bewirken kann, und nachdem man sie mit Glyzerin eingerieben hat. Letzteres erhält den Gummi geschmeidig. Temperaturveränderungen verträgt der Gummi gar nicht, ebensowenig Licht, denn der Einfluß des Lichtes und der Luft führt eine Verharzung des Gummis herbei. Nötigenfalls schlage man die Räder ebenfalls in Papier ein. **(Das Bild) des gestrigen Sonntags war naturgemäß einfarben, trotz des prächtigen klaren Winterwetters, durch dessen Luftschicht als eisigen Schleier die Sonne auf die Erde herniederlachte. Der Tag gehörte den Toten und ihrem Gedächtnis, und so wanderten denn auch Scharen zum Friedhof hinaus, um die Gräber der Lieben zu schmücken. Auch die Abendmahlsfeiern in unseren Kirchen wiesen eine rege Teilnahme auf. Das gleiche gilt won dem liturgischen Gottesdienste am Nachmittag.— Jetzt senden wir die Blicke woraus, dem Weihnachtsfeste entgegen, und mit emsigem Fleiße wird zum Feste vorbereitet. (Kontrollversammlung) findet Dienstag den 26. November für das Amt Wellinghofen um 11 Uhr in der Wirtschaft Wiecken=Wellinghofen statt. Teillzunehmen haben: Provinzial=Insanterie der Jahresklassen 1900 bis 1904. Am Mittwoch, den 27. November, 9,00 Uhr vormittags, stellt sich ebendaselbst Provinzial=Infantevie der Jahresklassen 1905 bbis 1907, ferner Garde, Jäger, Kavallerie, Feldartillerie, Fußartillerie, Pioniere, Verkehrstruppen, Train, Marime, Sanitäts= und Veterinär=Personal, sowie sonstige Mannschaften. (Steckbriefe.) Einen Steckbrief zwecks Strafvollstreckung erläßt das Amtsgericht Hörde gegen den Arbeiter Johann Turski, unbekannten Aufenthalts. Erneuert werden von demselben Amtsgericht die Steckbreife gegen die Reservisten bezw. Landwehrmänner Tischler Bernecker und Klempner Oskar Meyer. **(25 Zwangsvollstreckungen) kündigt Stück 47 des Arnsberger Regierungsblattes an. *(Krankheitsstatistik.) In der Jahreswoche vom 10 bis 16. November 1907 starben an Krämpfen 2, Darmleiden 5, Krebs 2, Lungenentzündung 2, Tuberkulose 4 Personen. Es erkrankten an Unterleibstyphus 1(Schwerte), Scharlach 22(2 Schwerte), Diphtherie 5 (1 Schwerte), Granulose 1 Person. Auffallend ist die hohe Krankheitsziffer für Scharlach, deren Einzelzahlen sich auf den ganzen Kreis verteilen. *r(Wegen Mißhandlung seines alten, 69jährigen Vaters) hatte das hiesige Schöffengericht den Berginvaliden August Brieke von hier zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Brieke hatte Berufung eingelegt, und so hatte sich die Hagener Strafkammer in stundenllanger Verhandlung mit der Sache zu beschäftigen. Es wurde durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß, nachdem der alte Brieke im Jahre 1893 Haus und Hof seinem Sohme übertragen hatte, zwischen ihm und der Familie seines Sohnes Streitigkeiten und Schlägereien an der Tagesordnung waren. Am 6. Juli dieses Jahres kam es wieder um ein„Nichts" zwischen Vater und Sohn zu Streitigkeiten, bei welchen der lieblose Angeklagte seinen alten Vater gemeinschaftlich mit seinem minderjährigen Knaben in rohester Weise mit einem Besenstiel mißhandelte. Als Entschuldigung führte der Angeklagte an, daß sein Vater ein zank= und streitsüchtiger Mann sei, und wurden diese Angaben auch teilweise durch die Zeugenaussagen bestätigt. Immerhin bedauerte der Staatsanwalt, die Strafe mit Rücksicht auf die„gemeine Roheit“, des Angeklagten nicht erhöhen zu können. Das Gericht nimmt an, daß der alte Mann auch nicht ganz schuldlos sei, es erkennt deshalb nur auf 150 Mark Geldstrafe, zumal der Angeklagte nicht vorbestraft ist. (Der„Verband ehem. Soldaten des 16. A.=K.“) entsandte eine Deputation nach Berlin zum Präsidium des Preuß. Landes=Krieger=Verbandes. Die Deputation, die bereits heute morgen in Berlin eingetroffen ist, besteht aus den Kameraden Leutn. a. D. W. v. Trotha=Witten, Albert Schmidt=Elberfeld und Peter WildHörde. Dieselbe wird morgen, Dienstag, vorm, 10 Uhr, von dem genannten Präsidium empfangen, und es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, daß der Zweck der onferenz, bestehende Differenzen zwischen dem KorpsVerbande und dem Landeskrieger=Verbande zu beseitigen, erreicht wird. Ferner wird die Deputation an dem folgenden Tage im Ministerium des Innern empfangen, um auf Grund gesammelten Materials daselbst das Verhalten mancher Ortsbehörden gegenüber Vereinigungen oder Vereinen ehem. Kameraden des 16. Armee=Korps zur Sprache zu bringen. Anschließend an die Konferenzen follgt die Deputation einer Einladung Sr. Exzellenz des Grafen Haeseler zum kurzen Besuch auf dessen Gut Harnerop. § Ergste, 25. Nov.(Landw. Orts=Verein.) Die Zentrale für Spiritus=Verwertung zu Berlin hat dem Vorstande des hiesigen landw. Orts=Vereins zu Versuchszwecken eine Spiritus=Glühlicht=Lampe newester Konstruktion zur Verfügung gestellt. Die Lampe, die ein strahlend helles Licht von intensivster Leuchtkraft liefert, wird in der am Sonntag, den 1. Dezember, nachmittags 5 Uhr im Saalle des Gastwirts August Hengstenberg stattfindenden Hauptversammlung, zu der auch Nichtmitglieder freien Zutritt haben, nach Schluß des Vortrages des Herrn Oekonomie=Rats Schulz=Soest in ihrer Zusammensetzung und Wirkung vorgeführt werden. Zur Befüllung dient die Spiritusmarke„Herold“, die in Schwerter Geschäften im Originalverschluß zu haben ist. Die Kosten stellen sich auf ca. 2½ Pfg. pro Brennstunde bei einer Lichtstärke von 45 HHK. gegenüber 20—22 K. Leuchtkraft der üblichen Petroleum=Tischlampe. Die Spiritus=GlühlichtTischsampe in prachtvoller Ausführung wird auf Bestellung bis 5. Detzember mit Reservezylinder und Zubehörteiten fracht= und verpackungsfrei zu 6,80 Mark Wollen Sie viel Geld sparen, so machen Sie ihre Einhäufe im Total-Ausverkauf von Normank Opponnenner, Tonworto, Hüsingstrasse. Stück geliefert. Ladenpreis ohne Reserveteile 10,25 Mark.— Man sieht, daß die Vertretung der schen Landwirtschaft keine Opfer scheut, wenn es gilt, durch ein Erzeugnis des landwirtschaftlichem. Gewerkfleißes bezw. durch ein mindestens gleichwetiiges Ersatzmittel deutschen Ursprunges das amerikanische Petroleum vom Markte zu verdrängen: Jeder national empfindende Bürger wird diesen Bestrebungen von Herzen Erfolg wünschen angesichts alljährlich ungezählte Millionen deutschen Geldes in die Taschen der den Weltmarkt beherrschenden Petroleumkönige fließen. In dieser Hinsicht sind wir mit der bekannten Monroe=Tortron, die uns durch ihre Kampfzölle so schwere Wunden geschlagen, voll und ganz einverstanden:„Amerika den Amerikanern!“ ##(!) Buchholz bei Westhofen, 25. Nov.(Grunderwerb und Bautätigkeit.) Von Herrn Maschinensteiger Klasen in Dorstfeld erwarb Herr Masthöver hiersellbst den früher Jeckel'schen stoßenden Land= und Waldparzelle. Am Steinbruche baute Herr Masthöver ein Wohnhaus. Ferner baute Herr Kolonialwarenhändler Heinrich Hunke in d der Schule eine neues Wohngebäude. Westfalen und Rheinland. entfernten Orten fest. die Cholera. An einigen dieser Orte herrscht * Dortmund, 23. Nov.(Mysteriöser Mord.) Gestern abend gegen 9 Uhr bemerkten Passanten der Siemensstvaße einen Mann, der trunkenen machte. Der Mann brach schließlich, zusammen und man bemerkte jetzt, daß Kranken zu tun hatte. Bewohner des Hauses straße 5 grahmen sich des fremden Mannes an und legten ihn ins Bett. Wenige Augenblicke darauf war er auch schon tot. Eine sofortige Untersuchung des Körpers ergab, daß er in der linken Brustseite einen tiefen Stich erhalten hatte. Ueber die Verletzung des Mannes und die Täterschaft fehlt bisher jeder Anhalt. Getötete ist, wie ermittelt wurde, der 33 Jahre alte Fabrikarbeiter Johann Rischel. * Lüdenscheid, 23. Nov.(Durch die Geburtstagskerzen!) Ein fechsjähriges Mädchen wollte heute morgen die Reste der sechs Kerzen, die gestern burtstagstisch geschmückt hatten, nochmals anzünden, als die Eltern noch nicht aufgestanden waren. scheinlich fing das Nachtbleidchen durch ein weggeworfenes Streichholz Feuer, und im Augenblick stand das Kind in helben Flammen. Der herbet#ilende Vater riß das brennende Kind auf den Fußboden nicher; wenirgleich es ihm auch gelang, das Feuer zu ecli####n, war doch bereits der ganze Rücken des Kindes mit furchtbaren Brandwunden bedeckt. Er sellbst hat sich schwere Verletzungen an Händen und Füßen zugeBrügge(Westf.), 23. Nov. Schwer verletzt wurde ein Hilfsbremser von hier, welcher einen Zug nach Gagen zu begleiten hatte, öndurch, daß sich bei Lern„ breiterungsarbeiten am ersten Tunne nach Schalesmühle zu ein Stein löste, welcher dem Bedauernswerten mit solcher Wucht auf den Kopf schlug, daß seine Ueberführung in das Lüdenscheider Krankenhaus notHeiligenhaus, B. Rov. Bei ihren Bochzstgrgr bereitungen vom Tode ereilt wurde Srau Heen, Gruu P, Mualtar treien wolte, wurde fünften Male vor den T.uautctt krcten wollte, wurde plötzlich vom Schlage gerührt und verschied sofort. * Düsseldorf, 23. Nov. Die Serpentintänzerin La Papinta wurde gestern abend im Apollotheater nach Absolvierung ihrer Nummer vom Herzschlag. getroffen und verschied, als sit eben die Garderobe betreten hatte. Die Zeitung im Dienste Schulunterrichts. Von einem Schulmann erhält die„K. Ztg.“ eine Zuschrift, der wir nachstehendes entnehmen:„Wenn ich in den follgenden Zeilen der Verwertung der Zeitung im Dienste des Schulunterrichts das Wort rede, so will ich, um keinen Irrtum aufkommen zu lassen, von vornherein bemerken, daß keineswegs die Politik in die Schule getragen werden soll. Auch will ich durchaus nicht dafür eintreten, daß nun jedes Kind die Zeitung in die Hand bekommt und deren Inhalt ddann eingehend sim Unterricht besprohen wird. Was ich will, das ist, daß der Zeitungsinhalt, soweit er eben geeignet ist, dem Unterrichte zweckdienlich gemacht wird. Die Zeitung bietet sehr viel, was geeignet iist, den Unterricht für das Leben fruchtbar zi machen. Nehmen wir da nur zunächst den wirtschaflichen und finanziellen Teil einer guten Zeitung. Weche Fülle von Stoff bietet er dem Lehrer, um seinen Unerricht ans praktische Leben, an die tatsächlichen Verhiltnisse anzuschließen. Die Notierungen der Fleisch=, detreide=, Warenpreise usw., der Kurszettel geben ihm eichlichen Stoff für den Rechenunterricht der Oberklasen. Aus dem Handelsteil wird er vieles schöpfen könen, was für die Kulturgeographie in Betracht kommt Auch aus dem übrigen Teil der Zeitung kann nag meiner Ansicht manches verwertet werden. Es wid die Kinder sicher interessieren, und vor bildendem Wert für sie sein, wenn ihnen von allgenein wichtiga Zeitungsnachrichten Mitteilung gemicht wird. Ichhabe es in den Oberklassen stets so gemicht, daß ich ander Hand der Zeitung den Kindern Miteilung von alen wichtigen Geschehnissen gemacht habe, so won dem Jode um die Menschheit verdienter Mänur, von wichigem Erfindungen, von gewaltigen Nattvereignissen(Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Ueberschemmungen), von Polar=Expeditionen usw. Bei Bespuchung solch aktueller Dinge wird man stets aufmerksan Zuhörer finden, für die Allgemeinbildung sind sievertvoller als anderer trockener Wissenskram. Ichitone nochmals, daß die Zeitung selbst nicht in die Häte der Kinder gehört. Der Lehrer hat den passenden stoff auszuwählen. Wird derselbe dann im Untercht richtig verwertet, so wird für unsere Schule zweislos ein Nutzen dabei herauskommen.“ Attentat auf Stolypin. Petersburg, 24. Nov. Gestern erschien in der Wohnung Stolypins im Winterpalais ein Mann in Paradeuniform, der sich Oberst Sinjatin nannte und den diensthabenden Beamten bat, ihn beim Premierminister Stolypin zu melden. Das Benehmen des Obersten erregte Verdacht, außerdem wurden einige Ungenauigkeiten an der Uniform entdeckt, worauf die sofortige Verhaftung erfolgte. Der vermeintliche Oberst ist eine Zivilperson, es ist die strengste Untersuchung eingeleibet worden. Der Verhaftete verweigerte jegliche Auskunft. Ohne Zweisel hatte er ein Attentat geplant und Paradeuniform angesegt, da zu dieser auch ein Revolver gehört. Nur dank der strengen Kontrolle konnte der geheimnisvolle Besucher nicht in das Kabinett StoLypins gelangen. Ehedrama. Berlin, 25. Nov. Ein blutiges Ehedrama spielte sich gestern vormittag im Hause Kleine Andreasstr. 18 ab. Dort hat die 28jährige Anna Hermann auf ihren Ehemann Ernst Hermann nach einem Wortwechsel vier Revolverschüsse abgegeben und ihn lebensgefährlich verwundet. Der Mann war, als Nachbarn hinzukamen, noch bei Besinnung und erzählte, seine Frau wäve ldie ganze Nacht fortgewesen. In Zorn und Unruhe habe er sie bis zum Morgen gesucht. Als er bei Morgengrauen zurückkehrte, war sie inzwischen wieder eingetroffen. Als er sie zur Rede stellte, zog sie einen Revolver hervor und gab vier Schüsse auf ihn ab. Büchertisch. Letzt Drahtmeldungen. Rotzvelt und die Hochfinanz. Newyork, 2|Nov. Eine Unterredung Roosevelts mit Morgan rusallgemeines Interesse hervor. Man sieht darin die Uerstützung des Präsidenten durch die Hochfinanz. Großfener. * Eine Feuersbrunst zerstörte in ist und das Kinghotel. Der Scha2 Millionen Pfd. Sterling. Gegensas Dreiklassenwahlrecht. Berlin, 25. Nl. Die sozialdemokratische Agitation gegen das Dreikssenwahlrecht hat gestern mit der Massenverteilung in Flugblättern begonnen. Die sozial demokrat ische harteiorganisation von Groß=Berlin veranstaltet mcen abend aus Anlaß des Wiederzusammentvitts depreußischen Landtages in Berlin und Umgegend 49 hlksversammlungen, die sich mit dem Wahlrechtskam befassen sollen. Selbsturd eines Künstlers. London, 25. Rhyl den Kings; den beläuft sich a „Scherenarbeiten für Kinder" betitelt sich ein ganz eigenartiges neues Arbeitsspiel, dessen Ausführung den Kleinen nicht nur großes Vergnügen bereitet, sondern auch viell Anregendes, Lehrreiches bietet. Aus Carton wird eine Anzahl Figuren nach Vorzeichnung ausgeschnitten. Dieselben sind so angeordnet, daß sie nach entsprechender Faltung zusammengesteckt werden können und dann ganz reizende, künstlerisch gedachte Gruppen bilden, die das größte Vergnügen bereiten und zugleich für kindliches Spiel benützt werden können. Diese„Scherenarbeiten“ sind in dem bekannten Spiellverlag von Otto Maier in Ravensberg erschienen. Es sind drei Serien, jede Serie kostet 50 Pfg. Mit der ersten Serie wird ein russisches Dreigespann, Troika, hergestellt, Pferde, Schlitten, Kutscher und dergleichen alles so, daß das Gespann auf dem Tisch frei steht. Die zweite Serie ein Feldgeschütz mit Besatzung, dritte Serie Menagerie mit allerhand wilden Tieren. Sehr hübsch ist es, daß die Figuren auseinander genommen und neu zusammengesetzt werden können, dadurch bilden sie auch größerem Kinderkreis eine wortreffliche Unterhaltung. Auch durch Bemalen der einzelnen Teile mit Buntstiften können die Gruppen besonders reizvoll ausgestattet werden.— Es möge dieses mette Beschäftigungsspiel allen Eltern bestens empfohlen sein. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ. Druck u. Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Bestbewährte gesunde und magendarmkranke Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder. Soziale Bewegung. Ueber die Agitation unter den Küchenfeen gab die „Genossin“ Zietz auf der sozialdemokratischen Frauenkonferenz in Berlin interessanten Aufschluß: Die Flugblätter haben wir früh zwischen 4 und 5 Uhr in die Frühstücksbeutel getan oder unter den Türen durchgeschoben. In unserem Sinne haben ferner die Handwerker agitiert, die viel bei Herrschaften zu tun haben: Maler, Tapezierer, Schlächter, Bäcker und selbst Kaminkehrer.— Ueber den Dienstboten sollen die Wasch und Scheuerfrauen nicht vergessen werden, Hamit si im Falle eines Streiks der Dienstboten nicht zu„Strei brecherinnen“ werden. Der Streik der Eisenbahner in Indien zeitigt di schlimmsten Folgen. Infolge der Einstellung der Koh lentransporte müssen viele Mühlen feiern, so daß di# arme Bevölkerung unter großer Not leidet. Auch ei Nahrungsmittelzufuhr ist unterbrochen. Bahlreich Büge liegen mitten auf der Strecke Soldaten beschü den die Bahnen. Hunderte von Europäern liegen# Kammersänger Ther Bayreuth seinem Lei gemacht. Aus Berli Bertram mahe gestan liche Urfache des Se Bertram, der sich n Berrram hat gestern früh in mit eigener Hand ein Ende künstlerischen Kreisen, welche haben, wird über die vermuttmordes folgendes berichtet: Auf der Höhe seines künstlerischen Schaffens fühlte,itt seit dem Tode seiner Frau, Verlin, B. Rovs2ez..u, gut gstern er. 170 Vortuna-Kaute hochseine Mischung. per Pfd. 1.00 Mk. 4763 mit Zugabebons und = Rabattbons= empfiehlt Carl Trog. Frdl. Wohnung von 3 Zimmern zum 1. April v. einem Bahnbeamten(2 Pers.) zu mieten gesucht. Off. unter K 4766 an die Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. g des Dampfers„Berlin" bei seben gekommen ist, unter eibression. Bertram selbst entim Tode. Er hatte wie seine eutschen Stagidne in London Kut abet srch geschäftliche Verhandlungen, die ihn nach Berlinsefen, genötigt worden, einen Tag früher als die übric nach Deutschland zurückzuten ihm wegen seines ZuBayreuth zurückzuziehen, Tagen kam er plötzlich nach geunde stets um ihn waren. Sie überredeten ihn schlissich, wieder nach Bayreuth zurückzukehren, dies tahr auch. Vor zwei Tagen schrieb er nach Berlin, d##er plötzlich an Schlaflosigbeit leide. Gestern, am Densonntag, schoß er sich im Bahnhofshotel eine Kugels den Kopf, er war sofort tot. welche bei dem Unterg Hoek van Holland um ner starken seelischen rann dabei durch Zusal Frau als Solist bei der mitgewirkt, war aber kehren. Seine Freunde# standes, sich nach dem stit was er auch tat. Vor Berlin zurück, wo seine Alleinverkauf für Schwerte und Umgegend bei Hecht Nachf. Ein jüngerer H476s Hutschmied wird baldigst gesucht. Von wem sagt die Geschäftsstelle d. Schwerter Ztg. ener Gbchung fnchh. wnlunge 40 dn„Deutsche Dakanzen= Booh“ Sttingen. Elonialwaren-, lrogen- und Seilen=Geschäften. W PTSLETTU bis zu 25 Prozent in allen Abteilungen meines noch sehr grossen Warenlagers in nur a. Bamenke! Einen grossen Posten Blusen in Seide u. Wolle zu und unter Einkaufspreis. — Das Renommee meiner Firma bürgt für die Wahrheit meines Angebots.= Hlei Kendensern DORTMUND. DamenmäntelFabrik, Brückstrasse 18. 3045 Telephon. Erstes und grösstes Spezial-Geschäft in Westtalen. 0 Prima holt. Voltheringe per Dtd. 45 Pfg. Zu haben in Seine vorzüglichen MedicinalWeine empfiehlt speziell für W25s Kranke u. Genesende MMar-arine A, fein 1 Geschmack per Id. 60 Pig. Süsschm-Margarine beer Ersatz für Nahrbutter Die Berg=Abteilung der 3. Klasse wählt am 28. November diesmal keinen Fabrikarbeiter, sondern den Kettenschmied Gustav Keppmann-Reingsen. 4 hüte, Mützen, Wäsche, Cravatten, Größte Auswahl. Bernh. Feit, Hüsingstraße 23. 221 Feruruf 221. Felasits ühses Ailbaktaut = per Pfd. 18 Pfg.= empfiehlt Carl Trog. Steckruben hat noch abzugeben *. W o r t m a n n, L i c h t e n d o r f. Hauch Meshosen ist Hüsch Werg 3 T Eitage von Räumen mit allem Zubehörzt bessere Familie zum 1. Apri90S zu vermieten. Orten unter K4723 an die Hexfist. 5. Schperter Zeitung. ihe Wohnung votz Zimmern zum 1. Dezember vorinzelner Person gesucht. 5 Ph. Ostbergerstr. 17. Zur Führung des Haushaltes (Bersonen) suche ich per sofort ee geeignete Person Heinr. Leidecker, Knapp d. Eroste. S Nur junge kräftige Leute als agenführer per sofort gesucht. Hörder Kreisbahnen. 473 empfichlt in besten Qualitäten Ernst Klein. Fr. 8 Anttuerks Rreboict für den-Kreis Re. *„SOwerter Teitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Berugspreis: Mk. 1.68 viertellährlich, bei der Post 42 Ml. mit. 1.465 wruschährsch, dei dar Porl ür Butelgena werg, grgrgig geli-brige gu ven ustru se V., Schlauercde 45 Fl. Erstes und älteltes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Nr. 716. Vom Reichshaus. (Plauderei von Georg Paulsen.) Schneeflocken flatterten durch da te und unbestimmte erzählen. Als in Wien das neue Reichsrathaus eröffnet wurde, fanden sich darin die Wappen aller österreichischen Provinzen zierlich und sauber gemalt. Aber das Wappen des österreichischen Staates, dessen Wohl in diesem Heim gefördert werden sollte, das war vergessen worden. So was kommt vor! Unsere tagspallast sieht, von denen jelder einzelne beinahe so auch viel biliger i5t, bonn honn, ter rechtzeitig, denn Mie Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreie Aaice Sesteslene Ke e ächicher Lische P es dr. 62 Ami Schwerte. Celegr.=Räresse: Draus, Schwerte-Ruhr 39. Zut dlen Kreisen der Leutkerung gortgeert liebsamste Aufsehen. — Berlin, 23. Nov. Leutnant von Wrochen vom 2. Garde=Regiment stürzte gestern bei einem Spazierritt im Tiergarten mit dem Pferde und trug Verletzungen davon, daß mman ihn in ein Krankenhaus — Osnabrück, 23. Nov. Wegen etwa 80 Einbrüchen ist hier vor einem Jahre der Eisenbahnbeamte Gehrke zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Jeist er als geistesgestört einer Irrenanstalt übergeven .. 23. Nov. Ein dreistev Eifenbahnraub d. Linie Paris=Toulon zwischen und Etampes versucht worden. drangen zwei mit Revolvern ewaffnete Männer sin den Gepäckwagen ein, in dem 2 Beamte gerade mit dem Sortieren der Postsachen u. teste s hieß: Freitag st Sitzungsbeging! z., Erscheinung jetzt, wo das neue Steuerboukett un die zu tueten beginnt, noch mehr die Stirn. Der Echuee und der graue Nebel passen u ganz zu dieser##### ing, aber— erfreulicherweise gilt Freitag nicht unbe dingt als ein Tag des Malheurs. Vor einem Jahr gab es am 13. Dezember im Reichstag den großen Krach, aber trotz des 13. war ddas Neuwahl=Resultat doch ein anderes, wie mancher dachte. Jedenfalls würVoltsvertreter boch rocht hoven,iete wiegerign uner. wartet eine reichstagsfreie, Orit.. kann man überall gebrauchen heute. Das neue Reichstagsgebäude dient nun schon ein Dutzend Jahre seinem Zweck, es ist also längst ein altes Haus geworden. Auf die Sturm= und Drang=Perlooe in seinem Innern ist einem soliden Philisterium gewiben, Vv. Bucger Hage giege gaezember 1006 wnten ausKleine Chronik. — München, 23. Nov. In dev ofoPper Pershäcer 19 Verpstzet: Der gotorate herankam. Der Bacter wurde getonl Der Motorrad" er Frankfurt 25. Nov. An der Straße nach Wachenkuchen rannte am Mittwoch ein Automobil gegen eine Telegraphenstange. Drei in dem Wagen sitzende Damen und der Leiter wurden hinausgeschleudert, aber nur unbedentend verletzt. Eugszäarischen B., — Berlin, 22. Nov. Gegen den schweizerischen Notar Kägi aus Kanton(Zürich), d. nach Unterschlagungp. 100 000 Fr. geflüchtet war und in Mexiko verhaft uhnen. Ader ud,. iaselen PFerena, Perid, beiner wurde Betzset, Dr Vov.- Der Aumalt dr Vrinzestn Jahre nach immer der ossigrutr, Firno, der Bouhens, gnise erzielte gestern abend spät einen Gerichtsbeschlutz Nennung, unter der es vor der Welt sich kann. Eröffnet ist das Es niert habe und die noch sehlendem 40 000 Fr. anderdet shotgend nuch vont uoterven Raosctoanentesgsechoben geritüig ue beichsten Hosite. Die Vastegettst grat. säcke auf die Gleise zu wersen, während ein 3. Mann auf der Brücke zum ersten Wagen Wache stand. Als die Beamten sich vom ersten Schrecken erholt hatten, leisteten sie Widerstand, wurden aber von den Räubern durch Revolverschüsse verletzt, dennoch gelang es ihnen, die Notbremse zu ziehen. Als Reisende hinzueilten, verschwanden die Räuber im Dunkell der Nacht und waren trotz eifriger Nachforschungen nicht mehr zu finden. Die Postsäcke wurden auf den Schienen gefunManchester, 23. Novv. Der Konflikt mit den Fabrikbesitzern und den Textilarbeitern droht nunmehr seinen Höhepunkt zu erreichen. 10 000 Arbeiter sind entschlossen in den Ausstand zu treten. Die Arbeitgeber ihrerseits haben den Entschluß gefaßt, die Aussperrung aller Arbeiten sämtlicher Spinnereien vorzunehmen, falls die Arbeiter ihre Forderungen aufrecht erhalten. In letzterem Falle würden insgesamt 150 000 Arbeiter brotlos werden. — Hannover, 23. Nov. Gestern abend gegen 6 Uhr wurde Oberleutnant von Arnim vom thüringischen Husarenregiment Nr. 12 in seiner Wohnung Dragonerstraße 11 tot aufgefunden. Kurz vor dieser Zeit beauftragte der Oberleutnant seinen Burschen, einen Gasbadeofen aufzustellen. Als der Bursche später zurückHlucd. Der Waldbach trägt sein weiß Geschäume Von Hang zu Hang hinab ins Tal Kaum daß durch schattendunkle Bäume Noch blitzt ein lichter Sonnenstrahl. Doch tvitt er aus den Waldgehegen In üpp'ge Wiesengründe ein, Dann duften Blumen ihm entgegen Und spiegeln sich im Flutenschein. Auch ich muß einst in letzter Stunde Hinab, jenseits von Lust und Leid. Mir aber öffnet tief im Grunde Die Pforte sich der Ewigkeit.„ Durch die Schule der Liebe. Romgn von Withelmine von Fälher. 25. Lesen Sie den Herren einiges daraus vor,“ Jogte„ Ben, der Tätiokeit der Vewegungsnerven; denn das Bestreben, sich der Autigen g#: Lu p zn geste, Bestreben, sich selbst zu beherrschen, ist gewissermapen egz, Herrschaft, Ist der mungs= und der Bewegungsfasern um die Vertschaft. I Reiz, der auf die letzteren geübt wird, stärker als der Willenimpuls, der die ersteren in Bewegung setzt, dann vollzieht sich die Reflerbewegung trotz des sogenannten hesten Willenz“. diese nun ein Zusammenschrecken, ein Gähnen, ein Lachen oder Weinen zur unpassenden Gelegenheit, ein Schrei, ein Zucken des Zornes oder gar ein Schlag gegen den Gegenstand, Moritz unterbrach sich lächelnd:„Sie hat den Kuß essen, der auch unter Umständen nur eine Reslexbewegung ist: menn man nicht büssen will, nicht küsfen sollte und vomtto,„unn.“ damit zog er Angelikas Kopf zu sich doch vicht ande, sie gg ungsstüm, daß sie ihr Gesichtchen wie in r getaucht wieder erhob und in lieblicher Beschämung zu ihrer Mutter eilte, welche mit einer Arbeit still am Fenster saß. und Moritz soh ihr nach mit einem Blick — Ee tse Aübrigene sonderbar, daß die Hartwich, während ste die Reflexe des Schreckens: das Weinen, der Langeweile: das Gähnen, des Zornes: das Schlagen und so weiter nennt— nicht auf den Gedanken kommt, daß es auch Reflexbewegungen Zärtlichkeit gibt!“ bemerkte der junge Hilsborn. „Nun,“ meinte Moritz lachend,„sie wird wohl keine Gelegenheit haben, Beobachtungen darüber anzustellen; sie wird, wie alle Blaustrümpfe, so häßlich sein, daß ihr niemand Zärtlichkeiten erwies.“ „Häßlich ist sie nicht,“ fuhr Johannes heftig auf.„Das ist recht voreilig gesprochen, die Hartwich könnte Anbeter genug haben, wenn sie wollte.“ Moritz drehte sich rasch nach Johannes um, dem er halb den Rücken gekehrt hatte, und starrte ihn an, als ginge ihm ein besonderes Licht auf.„Was, Teufel. Johannes. Du kennst sie? Ah. so— nun ist mir das Interesse klar, das du an ihr nimmst. Na, da kannst du ihr ja zu den versäumten Studien wird gewiß ein sehr interessantes Kolleg, bei dem ich auch zuhören möchte!“ schaltete Herbert ein. „Spotet nur, Pote Voyegastwich aber latzt aus dem VeBeispiel verfeinert sich der Tastsinn, weil er auf diesen als das einzige Organ angewiesen ist, welches ihm das Auge ersetzt. Durch fortwährende Uebung der Empfindungsnerven seiner Fingerspitzen erlangt er die höchste Fertigkeit im Unterscheiden seiner Tastempfindungen.—„Uebung macht den Meister“, hört man in Künsten und Handwerken sagen, deren Technik schwer zu erlernen ist. Was ist diese Uebung aber anders als die Gewöhnung der Seele, diesen oder jenen Nerv in Tätigkeit zu setzen, welche die erforderliche Muskelbewegung hervorbringen soll: also Uebung bestimmter Nevvenfasern? Sollten nun die Hemmungsnerven hiervon allein eine Ausnahme bilden? Gewiß nicht. Auch sie kann die Seele ihrem Willen vollkommen dienstbar machen, wenn sie keine Gelegenheit versäumt, sie zu üben, und warum sollte sie hierauf nicht denselben Eifer verwenden, wie auf die Erreichung jeder anderen zur Ausübung einer Kunst nötigen Fertigkeit? Ich hatte zum Beispiel die Schwäche, wenn ich einen Schuß hörte, aufzuschreien. Ich gab den Befehl, täglich, ohne mich davon zu benachrichtigen, eine Pistole in meiner Nähe abzufeuern: Es geschah, und in kurzer Zeit vermochte ich den Schrei zu unterdrücken. Mar könnte sagen, ich hätte mich allmählich gegen das Geräusch abgestumpft und sei nicht mehr erschrocken. Doch dies war nicht der Fall. Herbert— Sie können sich's auch merken! Die Person„; und sei nicht mehr erschrocken. Doch dies war nicht der Fall. Mädchens gehört nicht hierher, sie geht uns nichts an— wi: Ich erschrak nach wie vor, aber ich hatte die betreffenden Hemhaben es hier nur mit ihren Fähigkeiten zu tun und zu erotngsnerven darer gowöhnt don Rafser auf don Kohlkopf zur tern ab wir auf ihr Gesuch eingehen oder nicht. Lies weiter. rern, ob vir uis ohr Gesuch eingehen oder nicht. Lies weiter, eine Tögng im Afsekt, minder hwer„Slung iunr assek anderz Mord., doas aber ist bie Vogengzereg gPrung Somit wäre denn als eine Reflerbewegung im weiteren Sinne. nur vom Hendurch diese Theorie mancher arme Sünder nicht zut me schamsihn kerstode, sondern auch aus dem Fegefeuer erlöst, beschränkte Moralisten brennen lassen, und wir haben nun nur zu erörtern, in welchem Verhältnis die sittliche Freiheit zu Tatsachen steht. Alles was wir tun können, um die Selbstbeherrschung, welche den Keim aller anderen größeren Tugenden birgt, zu erlangen, ist, daß wir soviel als möglich von kleinem auf unsere Hemmungsnerven in der Verrichtung ihrer Funktion üben. Es ist eine unbezweifelte Tatsache, daß die Seele vom Beginn des Lebens an erst lernen muß, sich der Organe des Körpers als ihrer Werkzeuge zu bedienen. Ein Werkzeug, das wir selten führen, verstehen wir nicht so vollkommen zu gebrauchen als eines das wir zu handhaben gewöhnt sind. Ebenso ist es mit der Seele und den Nerven. Jede Nerventätigkeit, welche unmittelbar durch die Seele veranlaßt wird, verstärkt sich durch Gewohnheit. Bei dem Blinden zum mungsnerven waran gewohnt, den Reflex auf den Kehlkopf zur rechten Zeit abzuschneiden.— Ich weiß wohl, daß eine subjektive Wahrnehmung, wie diese, kein objektiver Beweis ist. aber ich denke, eine so einfache Folgerung bedarf auch keines solchen. Hier sind wir nun wieder an der Grenzlinie, wo wir von dem physiologischen Gebiet auf das psychologische kommen, wo die sittliche Freiheit gleichsam aus dem materiellen Gesetz hervorgeht, wie der Duft dem Blütenkelche entströmt, Wissen wir einmal, daß unsere Nerven nichts sind als eine Klaviatur, deren Tasten wir nur richtig anzuschlagen brauchen, um einen harmonischen Akkord unseres Wesens zu erzielen— und wir lernen nicht, es zu tun, so sind wir beklagenswert oder verächtlich, je nachdem die Schule war, in der wir es hätten erlernen „und so weiter;“ pgte Moritz umblätternd, das übrige konn man sich denken. Hier kommt nun ngie schezuirezichte e handlung über die motorischen Ver=getrachtung über Nervenreizung na, ich denke aber, wir haben unsere Schuldigkeit getan und genug von dem Zeuge gelesen. Was ist also nun zu beschließen? Wollen wir die Posse aufführen und einen Studenten im Unterrock auf der Hörbank und am Seziertische dulden?"k kam, bemerkte er einen intensiven Gasgeruch und beim Oeffien des Badezimmers fand er seinen Herrn in der Badewanne tot vor. Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche konnten die herbeigerufenen Aerzte nur den durch Gasvergiftung eingetretenen Tod konstatieren. Dies und Das. Die Berichte vom deutschen Arbeitsmarkt im Oktober lauteten durchaus noch nicht ungünstig. Eine Abnahme der Beschäftügung ist ja unverbennbar und sie dürfte sich im November, wenn die Kälte die Bautätigkeit einschränkt, weiter vollziehen, aber die AbwärtsEntwicklung vollzieht sich ruhig. 1907 kann jedenfalls in Deutschland nicht alls Krisenjahr, wenn auch als Wendejahr bezeichnet werden. Was 1908 werden wird, bleibt abzuwarten.— In Amerika hat der Stahltrust die Hälfte aller Hochösen stillgelegt. Ein interessantes Bild des Kaisers wird in der Londoner Tribune gezeichnet: Eine wohlgebaute, breitschultrige Gestalt, etwa 5 Fuß 9 Zoll groß, den Kopf teicht zurückgeworfen, die Fersen fest aneinander gepreßt. Sein breites Gesicht tief gebräunt, seine scharsen Augen voll von Lachen und Humor, bald aufblitzend in Lustigkeit und plötzlich ernst. Das Haar leicht ergrauend. Sein berühmter Schnurrbart keineswegs so, wie ihn die Photographien stets zeigen; eher klein, hellfarbig und an den Enden einfach auswärts gebürstet. Kronprinz Wilhelm in amerikanischer Beleuchtung ist das Gegenteil von der Wirklichkeit. Soeben hat sich wieder sein amerikanisches Blatt, die Los Angeles Daily Times, ein artiges Stücklein geleistet. Die Straßb. Post hat dort folgende Stelle über die Einführung des Kronprinzen in die Zivilverwaltung entdeckt:„Der Kronprinz sitzt von früh 9 bis abends 6 Uhr auf einem Stuhl und arbeitet wie irgend ein anderer Schreiber. Ein Jahr lang muß er auf dem Stuhle sitzen. Daß dies eine Strafe ist, wird jeder einsehen. Die kaiserliche Ungnade hängt wahrscheinlich damit zusammen, daß der Kronprinz eine Vorliebe für amerikanische Damen bekundet hat; in London schenkte er einer einen Ring, der ein Familienerbstück war, in Berlin bezauberte ihn eine amerikanische Sängerin und in Petersburg hatte er für eine Miß aus Chicago mehr Interesse als für eine russische Großfürstin. Wegen dieser gefährlichen Neigung hat ihm der Kaiser auch die schon in Aussicht genommene Amerikareise nicht gestattet. ber die Hauptursache für die Bestrafung des Kronprinzen ist in einem Skandal zu sehen, der sich in einem Klub, an einer„round table“, zugetragen hat, deren Mitglied der Kronprinz war.“ So erheiternd die Geschichte zunächst auf den deutschen Leser wirkt, so bedauerlich ist die Verbreitung derartiger falscher Charakterbilder des Kronprinzen im Auslande. und Landwirtschaft. Obstsorten fürs Gebirge. Schönheit und Güte der Aepfell und Birnen werden beeinslußt durch die Klimaverhältnisse der Gegend, in welcher sie gewachsen sind. — Dabei spielen die Wärme=, die Licht= und die Luftverhältnisse eine gleichwichtige Rolle, die Wärme allein macht es nicht, sonst müßten Früchte aus südlichen Gegenden immer besser sein, als aus mördlichen. Das ist durchaus nicht immer der Fall. Es sei nur an den berühmten Gravensteiner erinnert, der im Norden in Schleswig=Holstein am edelsten wird.— Jede Obstsorte stellt gewissermaßen ihre eigenen Ansprüche an das Klima und eine wichtige Aufgabe des Obstzüchters ist es, die Sorten zu finden, die für das Klima passen. Besonders schwierig ist die Auswahl geeigneter Sorten für Gebirgsgegenden. Der praktische Ratgeber im Obst= und Gartenbau hat eine Rundfrage hierüber veranstaltet und wurden hierbei als besonders geeignete Sorten unter anderem genannt: die Aepfell Boi„Warum nicht?“ sagte der Philosoph Taun mit Humor. „Wir promovieren ja so viele dumme Jungen— warum nicht auch einmal eine Frau?!" Lieber Kollege," begann der alte Heim,„ich glaube, wir haben nicht viele begabtere Schüler gehabt als diese Hartwich. Und ist eine talentvolle Frau nicht immer besser als ein talent„Das dürfte sich fragen,“ bemerkte Herbert und richtete seine grünen Augen stechend auf Heims ehrliches Gesicht.„Ich glaube, daß die talentierteste Frau doch nicht zustande bringt, was der unbegabteste Mann durch Fleiß und Ausdauer erreicht. Was kann sie uns und der Wissenschaft sein? Höchstens ei# Arbeitskraft, denn Produktionskraft besitzt keine Frau! Aber auch die weibliche Arbeitskraft ist so schwach, daß es sich nicht lohnt, um sie zu gewinnen, eine Lächerlichkeit zu begehen.“ „Eine Lächerlichkeit?“ fragte Heim. „Ja, so würde ich es nennen, wenn wir eine Dame unter unsere Zuhörer aufnähmen, wenn wir die Wissenschaft zu einer Puppe für eitle Närrinnen herabwürdigten, damit wir zuletzt in jedem Damenkaffee einen Areopag errichtet fänden, vor dem wir unser gehorsamstes Kompliment machen dürften, da fehlte nur. Wir haben unter uns selbst schon der Konkurrenz genug, wir bbrauchen sie nicht noch durch Mitarbeit des anderen Geschlechtes zu erhöhen.“ „Das klingt sonderbar,“ sagte der alte Heim,„sieht es doch beinahe aus, als fürchteten Sie eine Konkurrenz, die Sie doch so tief verachten, lieber Kollege. Warum überhaupt von Konkurrenz sprechen in der Wissenschaft? Ueberlassen Sie dies engherzige Wort der Industrie, die auf einem wirklichen begrenzten Boden steht. In ein so abstraktes und unendliches Gebiet, wie die Wissenschaft, sollte der persönliche Neid und Hochmut nicht hinüberspielen. Machen wir uns Konkurrenz. wenn wir im Schweiße unseres Angesichtes für eine Sache arbeiten, die der ganzen Welt zugute kommt? Wahrlich, wer einen anderen Lohn fordert als den, welchen die Erkenntnis in sich selbst birgt, der ist kein Priester der Wissenschaft. Der echte Gelehrte ist nur für die Wissenschaft da, nicht sie für ihn; er freut sich jeden Fortschrittes, sei er bewirkt, durch wen er wolle, denn die Ehre der Sache, der er dient, ist auch seine Ehre, und wir dürfen mit Recht sagen: wir arbeiten„einer für aue und alle für einen“.— Wenn sich daher weibliche Hände bieten. die unsere Mühe teilen wollen, so sollen wir sie nicht weisen, weil es zarte, weiche Frauenhände sind, sollen sie freundlich aufnehmen und ihnen ein bescheidenes Plätzchen anweisen, wo sie soviel fördern helfen, als in ihren Kräften steht!“ bemapfel, Landsberger Reinette, Charlamowski, Cellini, Weißer Klarapfel usw. und die Birnen Amanlis Butterbirne, Gute Luise von Ananchres, Williams Christbirne usw. Gartenfreunde, die sich für diese Sache interessieren, erhalten die betreffende Nummer vom Geschäftsamt des praktischen Ratgebers im Obst= und Gartenbau in Frankfurt a. Oder auf Verlangen kostenfrei zugesandt. Aufruf an alle Freunde vom Roten Kreuz. Am 16. März 1907 haben die Vaterländischen Frauenvereine und der Provinzialverein vom Roten Kreuz für die Provinz Westfalen eine Stiftung „Westfälische Schwesternschaft vom Roten Kreuz“ gemeinsam begründet. Ihr Zweck ist, das für den Kriegsfall bei weitem nicht ausreichende Personall der freiwilligen Kriegskrankenpflege durch Heranbildung von Pslegerinnen als Berufs= u. als Hilfsschwestern so zu vermehren, daß Westfalen einen seiner starken und stetig wachsenden Bevölkerung entsprechenden Anteil an der Kriegskrankenpflege dem Roten Kreuz zur Verfügung stellen kann. Es ist das eine Aufgabe von hoher Bedeutung, vielleicht die größte, welche die Vereine, die im Dienste des Roten Kreuzes wirken, im Interesse der Kriegsvorbereitung zu erfüllen haben. Aber auch in Friedenszeiten kann aus der Liebesarbeit der Roten Kreuz=Schwestern in Anstalts=, Gemeinde= und Privatkrankenpflege eine Fülle von Segen erwachsen, ohne daß dadurch ähnliche Bestrebungen anderer bewährter Krankenpflege=Organisationen beeinträchtigt werden sollen. Wir hegen die Zuversicht, daß es der Werbetätigkeit unserer vaterländischen Frauen=Zweigvereine und der Ortsvereine vom Roten Kreuz gelingen wird, aus unseren westfälischen Familiein treue Schwestern zu gewinnen, die, entweder als Berufskrankenpflegerinnen für Krieg und Frieden oder als Hilfsschwestern für den Kriegsfall ausgebildet, in den Dienst unserer Stiftung zu treten gewillt sind. Zur Erreichung des Stiftungszwecks ist in erster Linie ldie Errichtung von 2 Mutterhäusern(se leines mit evangelischer und katholischer Hausordnung) erforderlich, welche die Aufgabe haben sollen, diese unsere Schwestern zu sihrem schönen und schweren Beruf zu erziehen, ihre technische Ausbildung in Krankenhäusern zu überwachen und ihnen in Amt und Alter eine traute fürsorgliche Heimstätte zu sichern. Nach dem Finanzierungsplan, der den Gründungsbeschlüssen als Unterlage diente, bedürfen wir einer Summe von 200 000 Mk. zur Durchführung unseres Unternehmens. Wir richten daher an alle unsere Freunde in Stadt und Land die dringende und herzliche Bitte, eine Spende für unsere Mutterhäuser leisten und für sie in allen Kreisen des Roten Kreuzes tatkräftig sammeln zu wollen. Insbesondere bitten wir die Vorstände der Vaterländischen Frauen=Zweig=Vereine und der Ortsvereine vom Roten Kreuz, nicht nur von Vereinswegen einen seinmalligen Beitrag zu bewilligen, sondern auch an alle Freunde des Roten Kreuzes, von denen ein Interesse und ein Verständnis für die Aufgaben der neuen Stiftung erwartet werden darf, mit dem Wunsche um Förderung der Sammlung heranzutreten. Während wir unsere Vereine ersuchen werden, in ihren Kreisen Sammallisten— die wir ihnen noch zustellen wollen— zur Zeichnung won Beiträgen umlaufen zu lassen, geben wir den außerhalb der Vereinstätigkeit stehenden Freunden des Roten Kreuzes anheim, ihre Spende direkt an unseren Schatzmeister unter nachstehender Adresse einzusenden: An die Kasse der Westfälischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz, z. H. des Schatzmeisters, Kaiserlichen Banbdirektors „Ach was,“ rief Moritz,„solche Hände sollen für uns tun. was wir nicht selbst können: Strümpfe stricken und Kinder aufziehen, das nützt uns mehr, als wenn sie uns bei dem helfen wollen, was wir ohne sie zustande bringen!“ „Lieber junger Freund.“ sagte Heim lächelnd,„der Bau der Wissenschaft ist groß, sehr groß, und ich denke, weder wir, noch unsere Nachkommen werden ihn vollenden„wie viele ihrer uuch een! Ich glaube, meine Herren, sagte der Philosopy Taun seiner milden, vergeistigten Redeweise,„es gibt hier nur zwei Gesichtspunkte, über die wir uns zu einigen haben. Entweder wir machen unsere Entscheidung von dem Leistungsvermögen der Dame abhängig, dann haben wir vor allen Dingen die vorliegende Schrift gewissenhaft zu prüfen; oder wir stellen das Prinzip auf, ein für für allemal keine Frau an unserer Universität zu promovieren, dann kommt die Fähigkeit oder Unfähigkeit derselben gar nicht in Betracht. Lassen Sie uns daher vorerst über diese beiden Punkte ahstimmen.“ 16 gzimme i „Das ist wahr, Taun hat recht, vief Heim,„ich stimme ür Aufnahme genialer Frauen wie diese.“ „Ich nicht, weil ich überhaupt bestreite, daß es„geniale Frauen“ gibt!“ erwiderte Herbert. „Ich meinesteils bin nicht grundsätzlich dagegen,“ sagte Taun,„eine Dame bei uns hören zu lassen, und wäre ich es sogar gewesen, so würde mich die Oviginalität der Hartwichschen Schrift umgestimmt haben. Ich weiß nicht welchen Wert der physiologische Teil derselben hat, darüber muß unser verehrter Kollege Möllner entscheiden, aber den naturphilosophischen Gedanken, der ihr zugrunde liegt, finde ich anregend, und das ist mehr, als man von einem Laien fordern kann.“ Ich bin prinzipiell gegen jede Frauenmanzipation.“ rief Moritz.„weil ich unsere soziale Ordnung, so wie sie ist, als die allein vernünftige erkenne und sie nicht verrücken lassen will!“ „Ich stimme für die Hartwich,“ sagte der junge Hilsborn, „unsere soziale Ordnung wird durch einen solchen Ausnahmefall nicht verrückt, die Hartwich wird nicht gleich Scharen von Nachahmerinnen finden, aus dem einfachen Grunde, weil sie ein außergewöhnliches Talent ist. Ich sage, wir haben kein Recht. einem solchen Talent die Mittel zu seiner Entwickelung zu verweigern weil es zufällig in dem Kopfe einer Frau steckt. Ein großer Geist fordert große Nahrung, und es ist eine Grausamkeit, wenn wir ihm dieselbe aus moralischem Brotneid vorenthalten und ihm zumuten, in den kleinlichen Alltagsbeschäftigungen der Frauen unterzugehen.“ „Hilsborn hat nicht unrecht,“ meinte Meibert,„aber kann denn ein solcher Geist seinen Wissensdurst nicht auch in anderer Herrn Coste, Münster i. W., Reichsbank oder sofern an ihrem Wohnort eine Zweiganstalt der Reichsbank besteht, dasellbst auf das Girokonto der Wests sälischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz in Münster i. W. einzuzahlen. Die Erträge der Vereinssammlungen wolle man ebenfalls an den genannten meister oder durch Zahlung auf Reichsbank=Girokonto der Westfälischen Schwesternschaft albführen. Münster i. W., den 10. September 1907. Die Vorstände der Westfälischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz, des Provinzialverbandes der Vaterländischen Frauen=Vereine Westfalens und des Provinzial=Vereins vom Roten Kreuz für Westfalen. Vaterländischer Frauen= Zweigverein vom Roten Verein. Kreuz. Vorstehenden Aufruf bbringen wir mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntnis, daß wir im Kreishause zu Hörde eine gemeinsame Sammelstelle für dem Kreis Hörde gebildet haben. Wir richten an die Einwohner des Kreises die herzliche Bitte, eine Spende für die neubegründete Stiftung zu leisten und Beiträge entweder unserem Kassierer, Herrn Kreissekretär Hiltebrandt hier, Kreishaus=Zimmer Nr. 6 oder dem zuständigen Herrn Bürgermeister oder Amtmann oder den einzelnen Vereinssammlerinnen, die für Weitergabe der Beiträge an die Sammelstelle sorgen werden, zu übermittelln.(Unterschriften.) Heitere Ecke. Ein Börsenwitz. Augenblicklich wird, laut„B. Z. a. M.“, an der Börse folgende Scherzfrage verbreitet: „Wodurch ähnelt die Börse einer Kinderstube?“ Antwort:„Dadurch, daß die Großen ldarin die Kleinen ausziehen.“ Schlagfertig.—„Herr Fischer, Sie sollen gesagt haben, an meiner Wiege hätten die Grazien nicht gestanden?“—„Hm, ja.... Sie sind eben nicht gekommen aus Neid!“ Inkonsequent.—„Drei Monat hat dir lda Amtsrichter draufg'haut, Sepp, weg'n Wilderns?“— Ja, a Vierteljahr! Und dabei is er der Vorstand des Vereisn zur Erhaltung alter Volkssitt'n.“ Das schlechte Gewissen.— Heiratsvermittler(vor Gericht):„Ich slehne den Herrn Staatslanwalt wegen Befangenheit ab. Ich habe sihm zu seiner Frau verholsen, das könnte er mir nachtragen. Uebertrumpft. Ein amerikanischer Farmer, der in Deutschland zu Besuch war, enzählte am Stammtisch große Dinge von seinen Hennen, die so bolossale Eier legen und so gute Brüter seien, daß es gar michts feltenes sei, wenn aus zwölf Eiern zwanzig Kühen auskriechen.„Freund,“ meinte ein biederer Pommer, der die Geschichte angehört hatte,„das ist gar nichts, bei uns ist es alltäglich, daß eine Henne hundert Eier auf einmal ausbrütet.“— Der Yankee mußte zugestehen, daß ihm derartiges noch nicht vorgekommen, und fragte wie denn das möglich sei.„Sehr einfach, Mister“, versetzte der Pommer,„wir füllen ein Faß voll Eier und setzten die Glucke auf das Spundloch.“ Städt. Schauspielhaus Hagen. Dienstag, 26. Nov., 8 Uhr: Erstes Auftreten des Die rektors Dr. Oskar Kaiser.„Narziß“. Stadttheater Dortmund. Dienstag, 26. Nov.:„Aida“. Stadttheater Barmen. Montag, 25. Nov., 8 Uhr:„Rosen“. Dienstag, 26. Nov., 8 Uhr:„Mignon“. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, sämtlich zu Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Weise stillen als auf der Universität? Die Dame hat es ja schon in der vorliegenden Abhandlung bewiesen, daß sie auch außerhalb des Hörsaales etwas gelernt hat. Wozu braucht sie denn gerade die Doktorwürde? Das ist doch nur eine Eitelkeit, und es wäre eine Blamage für uns, wollten wir uns dazu hergeben solche Torheiten zu unterstützen. „Der Ansicht bin ich auch,“ fügte Berk hinzu. Doch Hilsborn beruhigte sich noch nicht:„Daß eine Frau, die das Leistungsvermögen eines Mannes in sich fühlt, auch männliche Würden beansprucht, finde ich sehr natürlich, und daß sie die Wissenschaft nicht zur Untevhaltung, sondern als ihren ausschließlichen Lebensberuf betreiben will, ist ein Beweis, wie vief sie von dem Ernst und der Größe derselben durchdrungen ist; wahrlich! das ist etwas anderes als Fraueneitelkeit, die sich geistig und körperlich nur schmückt, um zu gefallen. „Du bist ein tapferer Ritter, Hilsborn, sagte Möllner und reichte dem jungen Manne die Hand. „So wären wir denn nun drei gegen vier, und es fehlt noch Möllner,“ sprach der alte Heim.„Stimmt er für die Hartwich, so würde keine Majorität erzielt, deshalb denke ich, wir lassen ihm in jedem Fall den Ausschlag geben, da er als Physiolog allein über die Bedeutung der vorgelegten Abhandlung zu entscheiden hat.“...... 843 4amene Ich dächte, vief Moritz,„eine solche Vilekkuntenatbeit können wir alle beurteilen, es ist eben die moderne Spielerei mit den sogenannten Hemmungsfasern. Dahinter steckt ja nicht viel!“ Sämtliche Anwesenden blickten gespannt auf Johannes. der ernst und ruhig im Sessel lehnte.„Eine Dilettantenarbeit ist es nicht. Ich bestreite nicht, daß es vorgegriffen und einseitig sein mag, alle Selbstbeherschung auf die Hemmung von Reflexen zurückführen zu wollen, jedenfalls zeugt aber die Auffassung der Hartwich von einem weit über gewöhnliches Laienwissen gehenden Verständnis der heutigen Nervenphysiologie, und ich finde in einer so selbständigen Verwertung des vorhandenen Materials einen Beweis entschiedener Produktivität.“ Dabei sah er Herbert an. „Wirklich?“ fragte dieser spitz. „Ja, bestätigte Möllner mit Wärme,„dennoch aber— gebe ich meine Stimme zu ihrer Aufnahme nicht— und somit ist die Sache erledigt, denn wir sind nun fünf gegen drei!“. Die Anwesenden sahen sich teils erstaunt, teils unwillig an. „Was üst denn das?“ rief Heim.„du warst ja heute ganz entzückt von dem Genie dieses Mädchens.“ „Auf dich haben wir uns verlassen.“ klagte Hilsborn. „Das ist die erste Ungerechtigkeit, deren sich unser verehrter Freund Möllner schuldig macht,“ sagte Taun kopfschüttelnd.