Amrüches Rresbiall für den kreis börde. rr Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugsprets: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Besteilgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund“. o 0 O O O O O O O O O O C 0 Nazeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 16 PI. Anzegen von auswäns 13 Pl., Retlamezele 40 Pl. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o 0 O O O O O O•O O O O o Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 254. Männer und Menschen. Der Prozeß Harden=Moltke, der vor dem Schöffengericht in Berlin verhandelt worden I/z, ag ugz, Aon; lande, wie im Auslande das weitgehendste erweckt. Es stebt auch in der Zustanz wie dag Dreidaß vor einem Tribunal erster Instung,—. männergericht eines Amtsrichters und zweier## fen es darstellt, derartige Dinge zur Sprache gebrucht sind. Aber man soll heute blos nicht so tun, als g# der artige Geschichten anderswo und in ähnlichen schaftssphären nicht vorgekommen wären. Wir haben in mancher Hauptstadt solchen und noch viel stärkeren „Hofklatsch“ auftauchen hören, bei dem nur der Zwang ausblieb, die weitere Entwicklung vor einem Gerichtshofe darzustellen. Es kann daher kein Zweifel bleiben, daß es noch zu Gunsten deutscher Verhältnisse spricht, wenn bei uns auf eine schonungslose Klarstellung vor Gericht hingedrängt ist, als wenn ein Vertuschen beliebt worden wäre, wie es anderswo vorgekommen ist. Das bleibt vor Allem im Auge zu behalten! Der Hauptpunkt, durch den dieser Prozeß sein eigentliches Gewicht erhalten hat, war die Darstellung, als ob ein Kreis von merkwürdig veranlagten Persönlichkeiten auf deutsche Politik einen bestimmenden Einfluß hätte ausüben können. Daß sich diese Persönlichkeiten recht weit in den Vordergrund gedrängt haben, ist nicht zu leugnen, aber diesen Menschen haben doch auch Männer gegenübergestanden, die genau wußten, was sie wollten. Die Leitung der deutschen Reichsgeschicke vollzieht sich in vollster Oeffentlichkeit und im hellsten Licht, da kann kein Motten=Gebilde übermächtig werden. Wäre es anders, dann wäre vielleicht der Prozeß unverhandelt geblieben, daß er verhandelt ist, beweist die Unverfehltheit der Reichs=Prinzipien. Und wer will Tatsachen vorbringen, die es denn wirklich anders erscheinen lassen? Hier ist ein scharfer Zugwind durch eine ganze Reihe von Menschen gegangen, die sich vielleicht von phantasievollen Träumen haben beherrschen lassen, die aber gegen den Willen von wirklichen Männern nicht aufkommen konnten. Vieles ist in diesem Prozeß ausgesprochen, aber immer noch viel wird man zwischen den Zeilen besen oder zwischen den Reden hören müssen; die Attacke, die der Schriftsteller Maximilian Harden in seiner„Zukunft“ gegen den Grafen Moltke und andere„Personen seines Kreises“ eröffnete, war mit einer Sicherheit und Genauigkeit vorbereitet, die man selten in sensationellen Prozessen vorfindet. Von dem Beklagten und seinem Verteidiger war ein Material zusammengetragen, wie es von dem findigsten Staatsanwalt nicht umsichtiger hätte ausgearbeitet werden können. Es bleibt nur eine Frage übrig, deren Beantwortung im allgemeinen Interesse liegt:„Soll es etwa werden, daß bei Beleidigungsklagen in der Lebensvergangenheit aller Parteien so genau nachgesorscht werden soll? Dann möchte doch mancher, der heute kurzerhand zum Stabbrecher bereit ist, lieber geschwiegen haben. Auch diese Seite im Prozeß Harden=Moltke kann unmöglich ganz übersehen werden. Ausländische Zeitungen haben sich angesichts der bekanntgewordenen„Enthüllungen“ sogar in Wendungen von einer deutschen Entartung und was dergleichen Worte mehr waren, gefallen. Darauf einzugehen, lohnt sich nicht; wer in einem Glashause sitzt, wie oben schon angedeutet war, der soll nicht mit Steinen werfen, und die trüben Neigungen einzelner Individuen können unmöglich verallgemeinert werden. Wer weiß, wie bald man auch anderswo in die Lage kommen wird, ein großes Reinemachen zu veranstalten, vorausgesetzt, daß der Zwang dazu so stark ist, wie er sich in Deutschland erwiesen hat. Der Prozeß HardenMoltke ist ganz gewiß ein dunkles Blatt, aber er bedeutet absolut nicht ein dunkles Stück Deutschtum. Politische Uebersicht. Den an isn iet iet iht iet iet int ihr iht der 4ht ihr ih Neueste. Die mit einem" versehenen Nachrichten sind unten weiter ausgeführt. Der Großherzog von Toskana, der Vater Frau Tosellis, und Wölflings, erhielt die Sterbesakramente. * Die Börsengesetznovelle ist vom Bundesrat durchberaten und wird dem Reichstage gleich nach dem Zusammentritt zugehen. * Durch sieben Revolverschüsse getötet wurde in Petersburg der Chef der Gefängnisverwaltung Maximowski. kaiserlichen Schlosse Wohnung genommen. Wie kannt, ist Prinz Max der nächste Anwärter auf badischen Thron.„ Mgsts.=6e. B5. Der Kaiser und der Prozeß Molite=parven. Die maßgebendsten Vertreter der Armee, der Kriegsminister von Einem, der Chef des Generalstabes der Armee von Moltke und der Generalmajor v. Oertzen anstelle des Chefs des Militärkabinetts Grafen v. HülsenHäseler, waren Freitag beim Kaiser zu längerem trag. Es liegt nahe, diesen Empfang mit den skandalösen Zuständen, welche durch den Prozeß MoltkeHarden enthüllt worden sind, in Zusammenhang zu bringen. Wir wissen aus erster Quelle, daß der Kaiser auf das allerhöchste entrüstet ist über die Vorgänge, welche jetzt durch den Prozeß in die Oeffentlichkeit gebracht sind. Wir glauben, daß nach diesem Prozeß an die Generalkommandos aller Armeekorps Orders ergehen werden, dem entsetzlichen Laster, wo es sich etwa finden sollte, mit aller Energie entgegen zu treten. Es gilt alls vollständig ausgeschlossen, daß die Personen, die durch diesen Prozeß an den Pranger gestellt sind, jemals bei Hofe wieder Zutritt erlangen werden. Der Kronprinz, durch den der Stein ins Rollen gekommen, hat in den herbsten Worten sein Urteil über die Männer abgegeben, die sich so vergessen konnten. Und das Vokk? Wer nur einige Beziehungen mit den breiten Massen hat, der wird empfunden haben, daß ein Sturm der Entrüstung durch alle Schichten geht. Und das ist das Gute, das dieser Prozeß hervorgerufen hat. Er hat uns gezeigt, wie tief die Empfindungen des Volkes verletzt sind. Ueber die Reichseinnahmen in dem halben Jahre: vom 1. April bis ultimo September macht der Reichsanzeiger amtlich Mitteilungen, denen wir das folgende entnehmen: Die zur Reichskasse gelangte Isteinnahme aus den Zöllen beträgt nach Abzug der Verwaltungskosten 336 143 159 Mk.(+ 89 787 544). Bei der Branntweinsteuer ist sowohl die Maischbottich= wie die Brennsteuer erheblich zurückgegangen. Von den neuen Steuern brachte der Frachturkundenstempel 7383386 Mk. (+ 3250 540), die Fahrkartensteuer 8960251 Mk. ( 7224 332), die Automobilsteuer 1185217 Mk. (+ 243 731), Tantiemensteuer 10 246 997,(+ 2 300 384) Mk., die Erbschaftssteuer 10 273940(+ 10 246 997) Mark. Die Einnahmen der Reichspost= und Telegraphenverwaltung betrugen 281 924 674 Mk.(+ 18185 515), die der Reichseisenbahnverwaltung 62 706 000(+ 2 239 000) Mark. Unsere Handelsbeziehungen zu Anstralien. Die „Nordd. Allgem. Ztg.“ schreibt:„Nach telegraphischen Meldungen aus Melbourne ist im australischen Bundesparlament gelegentlich der Debatte über die Vorzugsbehandlung Großbritanniens die Behauptung aufgestellt worden, Deutschland differenziere australische Waren und schlösse australische Produkte, soweit es sie nicht haben müsse, von dem deutschen Markte aus. Diese Angabe ist unzutreffend. Deutschland differenziert weder australische Waren, noch schließt es australische Produkte aus. Die gesamte Einfuhr aus Australien wird vielmehr in Deutschland nach der Bekanntmachung vom 22. Dezember 1905 auf dem Fuße der meistbegünstigten Nation behandelt.“ Tagegelder für Schöffen und Geschworene. Ein von freisinniger Seite im bayerischen Abgeordnetenkennung für die langjährigen treuen Dienste.— Prinz von Tagegeldern an Geschworene und Schöffen von Baden ist in Berlin eingetroffen und hat im wirken. Das Zusammengehen der Bahnverwaltungen. Zurzeit finden Verhandlungen statt, um den Staatsbahnwagenverband, der bisher die preußisch=hessische Eisenbahngemeinschaft, die Reichseisenbahn und die oldenburgische Staatsbahn umsaßte, auf Baden und Württemberg auszudehnen, gleichsam als Ersatz für die vorläufig gescheiterte Betriebsmittelgemeinschaft.— Ein Erlaß des preußischen Eisenbahnministers regt Versuche zur Verbesserung der maschinellen Bahnausrüstung und der Betriebsmittel an.— Zur Einführung des elektrischen Betriebes auf den bayerischen Staatsbahnen durch Ausnützung der Wasserkräfte des Malchensees sieht der Staatshaushalt zunächst 7 Mill. Mark vor. Frankreich. Der Kabinettsrat nahm von den letzten Depeschen aus Marokko Kenntnis, die besagen: Es ist möglich, daß die Mahalla Mulay Hafids, die sich augenblicklich in Tafetsch befindet, morgen mit den Leuten des AnfluStammes in Berührung tritt, die die Straßen nach Magador bewachen. Frankreich habe vor Magador drei Schiffe, darunter zwei Kreuzer, um nötigenfalls den Schutz der europäischen Niederlassungen zu übernehmen. Die scherifische Besatzung beträgt 1200 Mann, die zusammen mit den Soldaten der Anflus den Streitkräften Muley Hafids an Zahl überlegen sind. Rußland. Die Landverteilung. Die Verteilung des von der Bauernagrarbank angekauften Landes geht stetig weiter. Die Abordnungen, welche die Bauernagrarbank vor einiger Zeit in die Provinzen sandte, um die Landverteilungen in Angriff zu nehmen, sind vor kurzem nach Petersburg zurückgekehrt und haben sich befriedigt über den Erfolg ihrer Arbeit ausgesprochen. Endgültig verkauft sind bisher 169000 Dessjatinen an die Bauern. Für 737712 Dessjatinen wurden die Liquidationsentwürfe bestätigt, denen der Verkauf dann wohl bald folgen dürfte. Für 491 845 Dessjatinen endlich sind Anweisungen zur Aufstellung eines Liquidationsplanes gegeben worden. Augenblicklich sind danach an die Bauern verkauft oder zum Verkauf bereitgestellt worden 1384 572 Dessjatinen(Hektar). Außerdem hat die Bauernagrarbank 4½ Millionen Dessjatinen angekauft, die demnächst ebenfalls an die Bauern weiter verkauft werden sollen. Die russische Presse stellt mit Genugtuung diese Ergebnisse fest und glaubt darin ein Abzeichen zu erblicken, daß die Bauern sich allmählich vom Gemeindebesitzer lossagen und dem Privateigentum zuwenden. Besonders deutlich soll das in den Wolgagouvernements zutage treten. Amerika. Eine Indianer=Erhebung in Süd=Dakota. Die Indianer von Süd=Dakota, einem der westlichen Staaten der nordamerikanischen Union, haben sich großer Mengen alkoholischer Getränke bemächtigt und stellen, so lange sie betrunken find, eine ernste Gefahr dar, da sie der Alkohol in wahre Bestien verwandelt. Man befürchtet die Niedermetzelung der meisten Bewohner des Gebietes, bevor Unionstruppen zur Stelle sind, die zur Unterdrückung der Erhebung in genügender Stärke sofort abgesandt wurden. Asien. Die Hungersnot in Indien. Der Staatssekretär für Indien wurde durch den Generalgouverneur telegraphisch informiert, daß in Süd=Indien, Ost=Bengalen und Assam die landwirtschaftliche Lage durch die Dürre noch verschlimmert wurde, während in Birma ein reichlicher Regenniedergang eine Besserung herbeigeführt habe. Die Aussichten sind am Plerzeien in den Provinzen Agra und Oudh, in dem der Nordwestprovinz und in Rajputana, wo die ernte auf nicht künstlich bewässertem Boden fehlschlggen muß, während in Zentral=Indien, in einigen Distrikten Bombays und in großen Teilen der provinz die Aussichten immer ernster woerven. Ein guter Regenfall könnte selbst jetzt noch zur Besserung der Lage beitragen und wenigstens die Aussaat der fahrsernte ermöglichen. Die Preise ten Distrikten sind stark gestiegen und immer noch im getgen begussen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 29. Oktober. **(Stellen für Militäranwärter) im Bezirk des 7. Armeekorps. Die ausgeschriebenen Stellen sind nur für solche Personen bestimmt, die den Zivilversorgungsschein besitzen. Aplerbeck, Provinzialanstalt, Anstaltsbote und Hausknecht, 450 Mk. nebst freier Station 3. Klasse.— Bocholt, Polizeiverwaltung, Polizeisergeant, 1200 Mk. bis 1800 Mk. Gehalt.— Bottrop, Amt, Bureauassistent2. Klasse, 1200 Mark Grundgehalt Elberfeld, Kgl. Gefängnis, Schreiber, 75 bis 100 Mark monatlich. Emsdetten, Amt, Verwaltungsgehilfe, 600 Mark Gehalt. Emsdetten, Amt Polizeiwachtmeister für Bureau= und Außendienst, 12—1500 Mark Gehalt. Haan, Rheinland, Bürgermeisteramt, Verwaltungssekretär, 1350 bis 1950 Mark Gehalt. Hochemmerich, Bürgermeisteramt, Polizeiwachtmeister, 1500 bis 2400 Mark Gehalt. Hochemmerich, Bürgermeisteramt, 2 Polizeisergeanten, 1200 bis 1600 Mark Gehalt, Hochemmerich, Bürgermeisteramt, Vollziehungsbeamter, 1200 bis 1600 Mark Gehalt. Homburg a. Rh., Polizeiverwaltung, Polizeisergeant, 1350 bis 1950 Mark Gehalt. Lübbecke, Magistrat, Nachtwächter, 250 Mark Gehalt, Recklinghausen, Amt, Verwaltungsassistent 2. Kl. 1200 Mark Grundgehalt. Wesel, Amtsgericht, Kanzleigehilfe, 6 bis 16 Pfg. für jede Seite. (Etwas vom Deutschen Metallarbeiterverband,) der jüngst noch hier die Werbetrommel rührte. Im Streite zwischen den Arbeiterorganisationen im Bergitchen Industriebezirke hat nunmehr auf die schwerwiegendsten Augriffe der Deutsche Metallarbeiterverband in Stuttgart die gerichtliche Klage gegen den Solinger Industriearbeiterverband angedroht(?!), weil der letztere von dem Vorstande des Metallarbeiterverbandes behauptete, daß es eine Schmach für die deutsche Arbeiterbewegung wäre, wenn sie an ihrer Spitze noch länger Leute dulden werde, die, um ihne Ziele zu erreichen, vor keinem Verbrechen an der Arbeiterschaft zurückschreckten. Im Besitze des Industriearbeiterverbandes sollen sich tatsächlich Schriftstücke befinden, die sensationelle Aufklärungen über die Geschäftsleitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes bringen würden.— Die„angedrohte“ Klage wird hoffentlich anhängig gemacht. — Es(Mauscheln und Würfeln)— wieder bestraft als Glücksspiele.— Das Spiel ist eine Leidenschaft des Deutschen seit alter Zeit, und gewiß keine seiner guten Leidenschaften. Als Unterhaltung betrieben ist ein Spielchen amüsant und kann, solange es sich in Grenzen hält, noch keinen unermeßlichen Schaden anrichten, und doch gehört bei diesem Anfang schon recht viel Festigkeit dazu, um ihm nicht ganz und in unvernünftiger Weise sich hinzugeben. Gespielt, das ist eine bedauerliche Tatsache, wird überall, in jeder Stadt, in der einen vielleicht mehr, in der anderen weniger. Gestern waren es fünf hiesige Herren die sich in Hagen vor der Strafkammer verantworten sollten, der eine, weil er das Glücksspiel gewerbsmäßig betrieb, vier andere(Gastwirte), weil sie in ihrem Lokal das Spiel geduldet hätten. Die Verhandlung entrollte das alte Bild. Wer mag Anzeige gemacht haben? Eine müßige Frage. Als Zeugen traten Leute an, die zumteil beim Spielchen gründliches Pech hatten, und so reißt ein Pechvogel vielleicht frühere Freunde herein. Vielleicht war es so— vielleicht ähnlich— oder anders. Das Endresultat der Verhandlung war glimpflich. Das Gericht hat den Verdacht des gewerbsmäßigen Glückspieles nicht bewiesen gefunden und sprach den Verdächtigen frei. Dasselbe Glück hatte einer der Gastwirte, während die anderen drei, je nach Belastung mit 75 Mk., 50 Mk. und 10 Mk. bestraft wurden.— Eins sei noch erwähnt: die geschäftige Fama hatte von Biertisch zu Biertisch einen Sensationsprozeß zusammenphantasiert und hat damit, wie so oft, vielmehr zusammengeflüstert als machher vor den Schranken wahrheitsgemäß laut wurde. (Die Herren Raucher) werden in letzter Zeit, soweit sie Passagiere 3. Güte sind, bei der Zuteilung von Eisenbahncoupes doch oft etwas sehr stiefmütterlich behandelt. Als Beispiel diene der Zug HagenArnsberg=Kassel, der, gestern mittag 12,46 Hagen verlassend, über ein ganzes Rauchcoupe 3. Klasse verfügte, dessen Platzzahl durch Klosett und Durchgang auf ½ Dutzend Sitzplätze beengt war. Das scheint uns doch etwas sehr wenig. **(Vortrag.) Wir verweisen nochmals auf den heute abend im Hotel Ostermann(Brückner) stattfindenden ersten populär=wissenschaftlichen Vortrag über die moderne Frauenbewegung. Das Thema sollte weitere Kreise lebhaft interessieren. **(Verhaftung.) Gestern abend in später Stunde erregte ein Bursche einen Straßenauflauf, der in bedrohlicher Weise mit einem Revolver hantierte. Er konnte in einem hiesigen Lokale in Haft genommen werden. (Gemeiner Ueberfall.) Am Sonntag abend wurden in einem Wagen der elektrischen Bahn auf d. Wege zum Markt zwei Damen von zwei Burschen belästigt, die der Schaffner auf den Vorderperron verwies. Auf dem Markte angekommen trank der Schaffner M. im Lokale von Rudatz ein Glas Bier, wohin die Burschen folgten. Im Begriff das Lokal zu verlassen erhielt der Schaffner zwei Messerstiche in den Kopf und in die Unterlippe. Es ist geglückt die Täter, die zuerst sich noch durch falsche Namen zu decken suchten, zu ermitteln. Notwendig im Kampfe gegen dieses Rowdietum ist und bleibt die Prügelstrafe („Im Reiche des Wassers",) dieses bekannte Saaletablissement präsentiert sich den Gästen zur Kirmes in ganz neuem Gewande. Durch Neudekorierung hat Herr Schulze= Selmig es verstanden, den Räumlichkeiten einen ebenso gemütlichen als originellen Anstrich zu geben. Im Verein mit den besonderen Attraktionen, die am Kirmestage der Gäste dort harren, ist im Reiche des Wassers für morgen ein lebhafter Trubel garantiert. *:(Bahnpersonalie.) Herr Bahnhofsvorsteher Müller ist zum 1. Novemver von der hiesigen Station nach Remscheid versetzt. An seiner Stelle ist Herr Stationsassistent Peine hierselbst„welcher vor einigen Monaten das Vorsteherexamen ablegte, zum dritten Stationsvorsteher ernannt worden. **(Wohin gehen wir?) Diese Frage wird von Küirmesfreunden heute wohl schon recht eifrig ventiliert. Zwar dauern sie nur einen halben Tag, die Freuden des Jahrmarktes, aber es ist für die Nichtbeteiligten, die Anwohner der Trubelplätze, reichlich genug, und— für die Unternehmungslustigen auch. Was wird alles geboten! Da zeigt man die kleinsten Pferde der Welt und lockt an anderer Stelle durch die Musik eines zarten Trompeterkorps. Echte Tyroler, aus Düsseldorf oder Köln importiert, zumteil auch Kinder der schneebedeckten Berglande jodeln und singen, und selbst an den Schönheitssinn unseres Publikums werden Anforderungen gestellt; sollen doch„Im Reiche des Wassers" alle Besucher ihr Urteil abgeben, welche von etlichen Sängerinnen die„Schönste“ ist. Man sieht's: es wird von dem lieben Publikum alles, auch noch Schönheitssinn erwartet. Sei dem wie ihm sei, möge sich jeder erfreuen nach Geschmack, doch— mit Maßen. (?) Ergste, 28. Okt.(Preisschießen.) Gestern veranstaltete der Krieger= und Landwehrverein Bürenbruch, in dem weitgestreckten Wiesenthale des Herrn Gutsbesitzers Silbersiepe auf dem, den Krieger= und Landwehrvereinen Bürenbruch und Ergste gemeinschaftlich gehörigen Scheibenstande ein Preisschießen, leider war das Wetter nicht besonders günstig. (?)* Hennen, 28. Okt.(Grundstückserwerb.) Der Sattlermeister Herr Flunkert zu Hengsen erwarb durch Kauf den hierselbst im Dorfe gelegenen Garten von ca. 18 Ruthen des Zimmermeisters Friedrich Hunke von hier im Werte von 2400 Mark. Fl. gedenkt auf diesem Grundstück im nächsten Frühjahr ein stattliches Wohnhaus zu errichten. (2)* Drüpplingsen, 28. Okt. Dem Milchhändler Wilhelm Noskemann von hier, ging eine gute Kuh unter milzbrandverdächtigen Erscheinungen ein. ()* Kalthof, 28. Okt.(Silberne Hochzeit.) Gestern feierten die Eheleute Tagelöhner Wilhelm Reckert auf dem sogenannten„kalten Stück“ im Kreise ihrer Familie das Fest der silbernen Hochzeit. Mag es dem Paare vergönnt sein, auch wiederum in 25 Jahren das Fest der goldenen Hochzeit zu feiern. Westfalen und Rheinland. * Hagen, 28. Okt. Von einem Zuge, der gestern abend von Hohenlimburg mach Hagen fuhr, ist der Eisenbahnschaffner Hegener aus Hagen abgestürzt. Heute früh fand der Streckenwärter den Verunglückten leblos in der Nähe der Blochstation Elsey. Wie sich der Unfall zugetragen, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Gestern abend beim Eintreffen des Zuges in den Bahnhof Hagen war die Frau des Verunglückten an der Bahn und fragte nach ihrem Manne. Dabei vermißte man ihn erst und heute früh wurde er dann tot aufgefunden. * Vorhalle, 28. Okt.(Unfälle.) Der Dachdecker A. R. war auf dem Dache einer hiesigen Fabrik mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Hierbei brach er durch die Latten und stürzte in das Innere der Fabrik. R. erlitt so schwere Verletzungen, daß er in das Städtische Krankenhaus zu Hagen gebracht werden mußte.— Der Schreinermeister C. N. zog sich durch den Sturz von einer Treppe sehr schwere Kopfverletzungen zu. * Gevelsberg, 28. Okt.(Unfall.) Gestern abend gegen 8½ Uhr scheuten aus unbekannter Ursache die beiden Pferde eines hiesigen Fuhrunternehmers und gingen durch. Ein in der Haufe stehendes Fuhrwerk wurde angefahren, wobei eins der beiden Pferde dermaßen stark im Rücken verletzt wurde, daß es sofort getötet werden mußte. Der Leiter des Fuhrwerks kam ohne Schaden davon. * Letmathe, 28. Okt. Trotz der Gefahren, welche das Besteigen unseres schadhaften Aussichtsturmes mit sich bringt, wird derselbe noch immer von leichtsinnigen Personen und Kindern erstiegen. Da noch eine Eisenstange, die den Turm nach Westen stützte, gebrochen ist, muß umso ernstlicher vor dem Besteigen gewarnt werden. * Unna, 28. Okt. Hier wurde der Bilderschwindler Alfred Plückebaum unter dem Verdachte verhaftet, an dem Dortmunder Kindermord beteiligt zu sein. Er machte sich dadurch verdächtig, daß man in seinem Notizbuch einen Vermerk über den Kindermord fand, in dem gesagt wurde, daß der in Dortmund Verhaftete unschuldig sei. Der Verhaftete gibt an, für die Firma O. Heine in Dortmund zu reisen. Diese Angabe hat sich aber als unrichtig herausgestellt. * Soest, 28. Okt. Eine originelle Wette kam hier zustande. Ein hiesiger Klavierspieler wettete nämlich, ununterbrochen 24 Stunden Klavier spielen zu wollen. Selbst bei Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse usw. muß der Dauerspieler wenigstens mit einer Hand weiterspielen. Er gewinnt dadurch 200 Mark, verliert jedoch bei Nichterfüllung 100 Mark. * Kamen, 27. Okt.(In Newyork verhaftet.) Der seit dem 24. Juli d. Is. nach Unterschlagung mehrerer Geldbriefe im Betrage von 5800 Mark flüchtig gewordene Postbote Standop von hier wurde in Newyork verhaftet. * Hattingen, 28. Okt. Ausländische Arbeiter haben hier wieder eine blutige Tat begangen, der in diesem Falle jedoch einer der ührigen zum Opfer gefallen ist. Als der Arbeiter Antonio Zampragno in der Näse der italienischen Menage auf dem„Haidchen" an drei Landsleuten vorüberkam und einem dabeistehenden Mädchen guten Abend bot, drang einer von den dreien ohne weiteres auf den Zampragno ein, mißhandelte ihn durch Schläge mit einem Schirm und gab dann mehrere Revolverschüsse auf ihn ab, wovon einer die Brust traf. Zampragno sank um und üarb in den Armen seines Bruders. Der Getötete iist 27 Jahve alt. Der Mörder, Pasyuale mit Namen, ist geflüchtet. Nach den bisherigen Ermittelungen handelt es sich um überlegten Mord. * Aus dem Sauerlande, 28. Okt. Mit den schönen Herbsttagen scheint es bald vorbei zu sein. Ein dichter undurchdringlicher, kalter Nebel hält auch heute wieder, wie vorgestern, Höhen und Täler umfangen. Einen kalten Oktober soll allerdings der Landmann gerne sehen, wenn die Bauernregel wahr ist:„Ist dieser Monat kalt, so macht er für's nächste Jahr dem Raupenfraße Halt“. Eine andere sagt:„Wenn Simon und Judas(28.) vorbei, rückt der Winter herbei“.— Schöner wäre allerdings, wenn wir noch einige weitere schöne Tage bekämen. Der Winter ist hier oben halt lang genug. * Kierspe, 28. Okt.(Ein schreckliches Unglück) traf gestern den 27jährigen verh. Schmied Paul Schnabel auf seiner Arbeitsstelle in der Plateschen Fabrik hierselbst. Beim Festschlagen der Matrize in den Fallhammer flog ihm ein ziemlich großer Fremdkörper mit solcher Wucht geen das linke Auge, daß der Augapfel durchtrennt wurde und die sofortige Ueberführung in die Augenklinik zu Hagen erfolgen mußte. Das Unglück trifft den Mann umso schwerer, als er das rechte Auge bereits in der Lehrzeit durch Unfall verloren hat. * Bielefeld, 28. Okt. Heimlich entfernt haben sich vor einigen Tagen zwei Seminaristen von auswärts, weil ihnen die Ausweisung vom Seminar bevorstand. Es ist festgestellt, daß sie zwei Fahrkarten nach Dortmund lösten und in der Nacht zum Donnerstag abgefahren sind. Ueber ihren jetzigen Aufenthalt ist noch nichts ermittelt worden. Sie hatten die Absicht, sich der Bühne zu widmen.— Die beneidenswerte Bühne! * Düsseldorf, 28. Okt.(Sprengstoff=Attentat.) In der Kölnerstraße hat ein Mann in der Wohnung der von ihm getrennt lebenden Frau eine Astralithpatro= ne durch eine Zündschnur zur Explosion gebracht. Verschiedene Räume wurden dadurch zerstört, Personen aber nicht verletzt. Der Täter wurde verhaftet. * Boppard, 28. Okt. Hier hat ein Maurer von einer Arznei, die Morphium enthielt, statt täglich in Zwischenräumen 20 Tropfen, wie die Vorschrift lautete, auf einmal einen ganzen Eßlöffel voll genommen und ist daran gestorben. — Köln, 28. Okt. Wegen Majestätsbeleidigung verurteilte die Strafkammer in Köln einen Arbeiter zu drei Monaten Gefängnis. Es handelte sich um eine Bemerkung über das Verhältnis des Kaisers zu Frau Krupp. Der Staatsanwalt beantragte 8 Monate. Maximilian Harden freigesprochen! Berlin, 29. Okt. Unter starkem Andrang fällte das Gericht um 10½ Uhr das Urteil im Prozeß MoltkeHarden, welches auf Freisprechung Hardens lautet, da das Gericht annimmt, daß keine Beleidigung vorliege. Harden habe den Beweis der Wahrheit der Angaben in seinen Artikeln erbracht. Es liege tatsächlich beim Grafen Moltke homosexuelle Veranlagung vor, wenngleich er sich nicht in diesem Sinne betätigt habe. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Kläger zur Last. Mandatsniederlegung, Posen, 29. Okt. Der Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Krotoschin=Koschnin, Dr. v. Mieczkowski (Pole), hat sein Mandat niedergelegt. Die Börsengesetznovelle. Berlin, 29. Okt. Die Börsengesetznovelle ist nunmehr im Bundesrat durchberaten und im wesentlichen nach den Vorschlägen der beteiligten Ressorts und dem Entwurfe des preußischen Handelsministeriums festgestellt worden. Es ist demnach zu erwarten, daß diese Gesetzesvorlage dem Reichstage bald nach seinem Zusammentritt zugehen wird. Dumawahlen. Petersburg, 28. Okt. Bis 6 Uhr abends lagen Meldungen über 260 Abgeordnetenwahlen vor. Darunter befinden sich 127 von der Rechten und Monarchisten, 83 Oktobristen und Gemäßigte, 1 friedlicher Erneuerer, 17 Kadetten, 6 Mohammedaner, 7 Sozialdemokraten und 19 sonstige Linke. Opfer des Terror. Petersburg, 28. Okt. Heute nachmittag 4 Uhr erschien im Arbeitszimmer des Chefs der Gefängnisverwaltung des Staates, Wirkl. Staatsrat Maximowski, eine unbekannte Frau und gab auf ihn sieben Schüsse ab, die ihn tödlich verwundeten. Die Täterin wurde verhaftet. Maximowski starb um 6 Uhr nachmittags im Hospital. Aus Frankreichs Parlament. Paris, 28. Okt. In der Deputiertenkammer sagte der Marineminister in Beantwortung einer Kritik, die Admival Bienamai hinsichtlich des dem Marineminister bewilligten Kredits geübt hatte, die Marine sei seit 1900 daran, die Geschosse aus Gußeisen durch Stahlgeschosse zu ersetzen. Der Minister betonte weiter, daß die vorzeitig krepieren, kaum 1 Prozent betragen, und wies darauf hin, daß vor den Küsten Marokkos die französischen Seeleute, Schiffe und Geschosse den besten Beweis dafür geliefert hätten, daß man der Zukunft ohne Pessimismus entgegensehen könne. Noch ein Spion. Brüssel, 28. Okt. Ein Belgier, welcher in einem hiesigen Restaurant eine Unterhaltung zweier Herren über die Auslieferung von Dokumenten der Küstenverteidigung Frankreichs belauscht hatte, teilte dies der Pariser Polizeipräfektur mit. Nach dem gegebenen Signalement wurde eine der Persönlichkeiten verhaftet, die sich als Offizier der französischen Landarmee herausstellte. Auch eine Maitresse des Offiziers wurde verhaftet. König Alfons in Paris. 28. Okt. Der König und die Königin von Spanien haben dem Präsidenten Fallieres im Elysee einen Besuch abgestattet. Paris, 28. Okt. Dem„Temps“ zufolge wird der spanische Minister des Aeußeren das spanische Königspaar nur bis Cherbourg begleiten. Dieser Umstand sei für die politische Bedeutung des Pariser Besuches König Alfons im Hinblick aus das französisch=spanische Einvernehmen in Marokko sehr befriedigend. Vor Casablanca. Paris, 28. Okt. General Drude telegraphierte aus Casablanca, daß Muley Reschid mit seiner 3000 Mann starken Mahalla, der sich etwa 500 Aufständische angeschlossen haben, noch immer bei Sidi Assa lagere. Auf den nach Casablanca führenden Straßen werden von den Aufständischen täglich Räubereien verübt. Die von Ben Bagdadi befehligte Mahalla Abdul Asis ist noch immer in Fedare.— General Drude forderte Ben Bagdadi auf, ihm mitzuteilen, welche Absichten er habe. Der neue Erzbischof. Posen, 29. Okt. Wie hier verlautet steht die Ernennung des Regents des Gnesener Priesterseminars Domherrn Kloske zum Erzbischof von Posen und Gnesen unmittelbar bevor. Kleinbahnunglück. Neheim, 29. Okt. Der von Soest kommende Kleinbahnzug entgleiste gestern nachmittag in der Möhnestraße, an der Anschlußweiche der Firma Brökelmann Jäger und Busse. Die Maschine war ganz in den Erdboden hineingebohrt, kein Beamter wurde verletzt. Die Entgleisung ist von ruchlosen Händen durch ein in die Weiche geklemmtes Stück Holz herbeigeführt worden. Krawall. Budapest, 29. Okt. Die Schrecken die sich Sonntag in Czernowa in der unmittelbaren Nachbarschaft der Stadt Rosenberg abgespielt haben, haben noch mehr Opfer gefordert als zuerst angenommen wurde. Bisher sind 18 Personen tot, 6 Personen ringen noch mit dem Tode. Tot sind 5 Frauen und ein 18jähriges Mädchen. Die nationalistischen Abgeordneten werden die Angelegenheit im Parlament zur Sprache bringen. * Geprügelter General. Paris, 29. Okt. Aus Nancy wird gemeldet, daß General Gouthier, der Kommandeur der Kavalleriebrigade, von einem Kaufmann, namens Barbier mit Regenschirmschlägen angegriffen wurde. Der General ohrfeigte den Angreifer, der, verhaftet sagte, er habe Aufsehen erregen wollen, weil seine Beschwerden gegen einen höheren Offizier wirkungslos geblieben waren. Zum englischen Eisenbahnkonflikt. London, 28. Okt. Heute ist der Schlußtermin der Dortmund, Nicolalstr. 5, Balkenstr. 38 beim Bezirks-Kommando. HerrenArorrzicher und Terankel die wir im Laufe des Jahres auf den Pfänderversteigerungen angesteigert haben, werden in unseren Geschäftslokalitäten Nicolalstr. 5 u. Balkenstr. 38 zu sehr billigen Preisen verkauft Der Lagerbesland ist ganz bedeutend daher die Auswahl aussergewöhnlich gross. 2 Reichsmärker Kornbranntein empfiehlt W Carl Kaffin Gasthof„Zur Helle.“ Statt jeder besonderen Anzeige! Die Verlobung unserer einzigen Tochter Pauline mit dem Lehrer Herrn Fritz Brenne beehren wir uns ergebenst anzuzeigen. Wilhem Hefendehl und Frau Lina geb. Schumacher. Wehberg b. Lüdenscheid, im Oktober 1907. Meine Verlobung mit Fräulein Pauline Hefendehl, einzigen Tochter des Landwirts Herrn Wilhelm Hefendehl und seiner Gemahlin Lina geb. Schumacher, beehre ich mich ergebenst anzuzeigen. Fritz Brenne Schafsbrücke b. Lüdenscheid, im Oktober 1907. Eisenbahnerabstimmung, Schluß der Zählung ist Donnerstag. Bell stellte fest, daß die an den Vorsitzenden der Greet Eastern gerichtete Adresse der Angestellten gegen die Gewerkschaften nur von 144 Leuten unterz ichnet worden ist. Ein Eisenbahndirektor erblärte einem Interviewer, es sei kein Gedanke auf Anerkennung, trotzdem glaube er nicht an einen Streik. Aus Schönbrunn. Wien, 29. Okt. Nachdem das Befinden des Kaisers anhaltend günstig ist, wird der Besuch des spanischen Königspaares zwischen dem 27. und 29. November ercen. Theater. Dortmunder Stadttheater, Mittwoch, 30. Okt., 7 Uhr:„Don Carlos“. Stadttheater Barmen. Mittwoch, 30. Okt. 8 Uhr: Die Doppelehe. Humeses Der heutigen Auflage liegt eine Beilage der ma Gebrüder Mosbach, Schwerte bei, worauf wir unsere werten Leser besonders aufmerksam machen. Die Geschäftsstelle. Verantwortl. Redakteur: Friedhekm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, sämtlich zu Schwerte. Druck und Verlag von Earl Braus, Schwerte. ZuschneideKursus. — System Behm.— Gründer des besten Pariser Systems.— Es wird gewissenhafter praktischer und theoretischer Unterricht erteilt im uschneiden, Maßnehmen Einrichten u. Anprobieren der gesamten Damen=, Mädchen= u. Knaben=Garderobe u. leiste volle Garantie daß jede Schülerin ohne Vorkenntnisse nach diesem System in 4 Wochen selbstständig Zuschneiden kann ohne Stahlen und Muster. Schülerin=Aufnahme täglich. Nähkursus 6 Mark monatlich. 4166 Else Schmitz, Schwerte, Hellpothstr. 24. im. und vochen, Konagganhiuct: ekreph. Ekzema, offene Füsse Beinschäden, Beingeschwüre. 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Wöchentliche Gratis-Beilagt:„Illustrierter Familsentreund“. o 0 0 OO OO OO O OO O e Aureigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum on auswärt 10 P., Anzeigen ven ärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und älteltes Tagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o 0 0O OO O O O O O O O o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 254. Dienstag, den 29. Oktober 1907. 39. allerlei Geschäfts=Vorkehrungen (Plauderei von Hans Wald.) Kurz vor Schluß dieser Woche treten wir in den November ein, und mit diesem Monat kommen wir indie Vorbereitungszeit für Weihnachten. Der Weihnachtsverkehr ist in jedem Jahr für Handel und Wandel von größerer Bedeutung und er wird das heuer noch mehr wie sonst sein, weil die abnormeren Witterungsverhältnisse manche flauen Wochen verschuldet haben, die einmal doch wieder wett gemacht werden sollen und hoffentlich doch auch trotz der teuren Zeiten wieder wett gemacht werden. Die Industrie hat sich schon darauf eingerichtet. Es ist nun einmal feststehend, daß sich die teuren Zeiten aus erhöhten Preisen und erhöhtem, schon selbst verständlich gewordenem Aufwand zusammensetzen. Das ist der berühmte Zug der Zeit, das sind die modernen Ansprüche=Verhältnisse, die da sind und nicht wieder ins Meer geworfen werden können, weil die Menschen halt einmal Menschen sind, und darum bleibt als einstweiliges Rezept dagegen nur ein gewisses Sich=Abfinden und Sich=Einrichten übrig. Auch die Industrie hat sich darauf eingerichtet, nach der Kaufkraft der Portemonnaies gestreckt. Die Vorliebe für das ganz Billige ist ja nicht erloschen, aber sie ist von der Anerkennung einer ruhigen Solidität überholt. Das Aufgeprägte in Stil und Ausputz, das viel vorstellen soll, aber es in Anbetracht des Geldpunktes doch meist nicht fertig bringt, hat sich von dem Bürgerlichen in den Hintergrund zurückziehen müssen. das nicht prahlen will, aber seinen Wert doch betont. Diese Strömung begegnet uns heut aus Schritt und Tritt, und das Aufsehen Erweckende gelangt immer mehr zu einer geduldeten, als zu einer führenden Rolle. Das Amerikanisch=Moderne hat Europa denn doch nicht zu erobern vermocht, und die Berater dieser Richtung haben erst diesseits des Ozeans erkannt, daß nicht alles überall sich anbringen und ausbeuten läßt. Damit ist die Grundstimmung für das kommende Geschäftsleben gegeben, bei dem sich zweifellos alle Teile am besten stehen: Für mäßiges Geld tunlichst Gutes zu bieten, wobei den Aspiranten auf die aller=, allerbilligsten Preise der Ausdruck ihrer Wünsche ofsen gelassen wird. Auch in Kinderspielsachen und ähnlichen Artikeln, in Hauseinrichtungs= und Haushaltungsgegenständen kommt man vom Großartigen zum Bürgerlichen zurück; wir wollen uns freuen und können denn getrost auf ein Imponiert=Werden verzichten. Das Weihnachtsgeschäft erfordert, wie jeder Kundige weiß, einen vollständigen Feldzugsplan; die Ausrüstung, die Komplettierung mit dem Neuesten, die Zusammenstellung alles Wünschenswerten und Interessanten ist schon seit manchem Tag, unbemerkt vom großen Publikum, im Gange, es wird im November, wenn St. Martin uns seine guten, gebratenen Gänse sendet, in der Hauptsache abgeschlossen sein. Hinterher folgt die Eröffnung der Bataille auf das Publikumseine Gewinnung, den Platz eines Hauptfaktors im Weihnachtsverkehr einzunehmen, der ihm nun einmal gebührt. Es muß ja in Form der Einkäufe die Kriegskosten bezahlen, aber gibt es denn etwas Erfreulicheres? Nun, bis dahin ist es noch ein Weilchen, aber, wie dem nun einmal ist, große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der Eisenbahn=Verkehr im WarenTransport erhöht sich von Tag zu Tag, in Kasten und Kisten und Ballen verpackt zieht das Neueste, Allerneueste in die Verkaufsräume. Und damit wird auch die Erkenntnis wieder gefördert, daß es für die industrielle Fabrikation und ihren Markt keine abgeschlossenen Grenzen gibt, daß, wer finden will, nirgendwo lange mehr zu suchen braucht. Kleine Chronik. — Rom, 27. Okt. Auf den Trümmerhaufen Ferruzanos spielen sich unter strömenden Regen herzzerreißende Szenen ab: Ueberlebende suchen jammernd die Ueberreste ihrer Angehörigen. Während die Soldaten mit unglaublicher Energie arbeiten, verstummt unter den Trümmerhaufen nach und nach das Stöhnen. Ein Händepaar, das aus dem Schutthaufen hervorragte, hörte nach 24 Stunden auf zu zucken; bei rechtzeitiger Hilfe wäre Rettung vielleicht noch möglich gewesen. In Sankt Eufemia halten die Erdstöße an und rufen Panik hervor; auch dort ist alles zerstört. Kardinal Portonuovo erklärte, der Anblick der Leichen, die Wind und Wetter ausgesetzt sind, sei entsetzenerregend. — Leipzig, 28. Okt. In der bekannten PianoforteFabrik Julius Blüthner in Leipzig haben 500 Arbeiter die Arbeit wegen Lohndifferenzen niedergelegt. Die Arbeiter hatten eine 7 einhalbstündige Lohnerhöhung und eine 53 stündige Arbeitszeit pro Woche gefordert. Die Firma wollte nur 5 Prozent bewilligen. Paris, 28. Okt. Der in Vendomes mit seiner Geliebten verhaftete Reserveoffizier Berton hat, wie nunmehr gerichtlich festgestellt worden ist, tatsächlich geheime Dokumente an eine fremde Macht verkauft. Mehrfache Haussuchungen haben stattgefunden. — London, 27. Okt. Infolge dichten Nebels erfolgte heute auf der Untergrundbahn ein Zusammenstoß zweier Züge. Drei Personen sind getötet, 12 schwer verwundet. Den neuesten Meldungen zufolge soll sich die Zahl der Toten auf vier belaufen. Paris, 26. Okt. Der„Matin“ berichtet aus Turin, man schätzt die Gesamtzahl der Toten, Verwundeten und Vermißten auf 15 000. In San Dilatio sind durch den Einsturz eines Hauses fünf alte Frauen getötet worden. Die Ortschaft Zapaldo ist nur noch ein Trümmerhausen, unter dem sich die Mehrzahl der Einwohner befindet. — Warschau, 28. Okt. Heute Nacht warf eine Bande Revolutionärer nahe der Station Slawkow eine Bombe gegen einen Waggon, in welchem sich ein Beamter mit dem Gelde für die Auszahlung an Bauangestellte befand. Der Beamte wurde schwer verwundet, 15 000 Rubel geraubt. Die Angreifer koppelten die Lokomotive ab und entflohen. Florenz, 28. Okt. Die florentinische Zeitung„Firamoset“ veröffentlicht eine Unterredung mit Toselli, wo sie mitteilt, daß sie jetzt ihre Memoiren für ihre Kinder schreibe. Ein englischer Verleger habe ihr dafür 300 000 Lire angeboten. — Bern, 28. Okt. Die Attentäterin Latiany Leontiew hatte seinerzeit in der Schwurgerichtsverhandlung in Thun eine Reihe von Anschuldigungen gegen den Untersuchungsrichter Launer aus Interlaken gerichtet. Die Anklagekammer hat Launer jetzt wegen Verletzung seiner Amtspflichten einen Verweis erteilt. — München, 28. Okt. Die Münchener Polizei verDurch die Schule der Liebe. Roman von Wilhelmine von Hillern. (Nachdruck verboten.) 3. ..„Er hat sich immer einen Sohn gewünscht und von nichts anderem gesprochen, als von seinem Jungen und den Plänen, welche er für den gemacht habe. Als aber endlich das Kind zur Welt kam und kein Knabe war, da schrie er ganz außer sich:„Nur ein Mädchen!“ ging hinaus und schlug im Zorn die Tür hinter sich zu, daß es dröhnte. Die junge Mutter— 's war ein zartes Frauchen,— bekam vor Schreck und Kummer Weinkrämpfe und regte sich so auf, daß sie das Fieber bekam und am dritten Tage starb. Dann packte ihn freilich die Reue, er raufte sich die Haare und weinte und schrie bei der Leiche, aber lebendig machen konnte er sie doch nicht mehr. Er ist jetzt schwer gestraft, seit ihn der Schlag getroffen, und die Ernestine ist vielleicht auch zur Strafe so garstig geworden, aber er sollte doch wenigstens an dem armen kränblichen Geschöpf gut machen, was er bei seiner Geburt verbrach, statt es zu mißhandeln.— Das Kind kann ja doch nichts dafür, daß es kein Junge ist.“ Ernestine hatte dieser Rede mit klopfendem Herzen gelauscht, und nun schlich sie sich sachte hinaus, damit die Magd nicht merke, daß sie etwas verstanden. Draußen blieb sie beim Hunde stehen und wollte ihn streicheln, aber das gepuälte, dürstende Tier knurrte sie an. Sie sah, daß er kein Wasser mehr habe, ging mit dem Saufnapf zum Brunnen und füllte ihn. Als sie das Wasser so schön aus der Röhre sprudeln sah, konnte sie der Versuchung nicht widerstehen, ihren brennenden Kopf unter den kühlen Strahl zu beugen.„Ernestine, was ist denn das wieder für eine Unart!“ schrie die Haushälterin zum Fenster heraus, aber schon triefte das Wasser aus den langen Locken des Kindes herab über Schultern, Brust und Rücken.—„Es wird in der Sonne trocknen, bis ich zur Frau Staatsrätin komme“ dachte sie und brachte dem Hunde seinen Trunk; eine zweite Liebkosung wies dieser knurrend ab, weil er sich nicht im Saufen stören lassen wollte. „Nicht einmal der Hund kann mich leiden“, dachte sie und schlich fort.„Nur ein Mädchen! deshalb ist der Vater so bös, weil ich kein Junge bin?“ und im Weiterschreiten murmelte sie das Wort in einem fort, und ihre Füße gingen im Takte danach, wie nach einer Melodie:„Nur ein Mädchen— nur ein Mädchen!“ Aus dem Fenster des oberen Stockwerks schauten ihr der Oheim und dessen Gattin zu. Die letztere war wenigstens äußerlich der entschiedenste Gegensatz zu ihrem anämischen Gatten. Sie war ungewöhnlich beleibt, und ihr lachendes Gesicht zeigte eine so mächtige Vollblütigkeit, daß, wenn ihr Mann selbst ein Vampir gewesen wäre, er sich jedenfalls von dem angehäuften Vorrat an Blut= und Lebensfülle eine hübsche Zeit nähren gekonnt hätte. Er war aber kein solches Ungetüm, wenn er auch die Knappheit seines körperlichen Seins mit einem gewissen Schmarotzerbehagen durch diese üppige Hälfte ergänzte und ihren warmen Lebensatem durstig einschlürfte, wie etwa der Frierende und Hungernde den Duft eines warmen Backofens. Eine poetischere Vergleichung ließ die fette Frau und ihr Verhältnis zu der feinen, durchgeistigten Person des Gatten nicht zu, denn trotz ihrer strahlenden Schönheit, ihrer breiten, buschigen Augenbrauen und der glänzend schwarzen Herzkirschenaugen, trotz des wild gewellten dicken Haares über einer kräftigen Stirn, trug der ganze Ausdruck des breiten Gesichts mit seinem gedrungenen Doppelkinn und dem aufgeworfenen Mund ein so plumpes, geistloses und grobsinnliches Gepräge, daß ihr Anblick nur die materiellsten Gedankenverbindungen hervorrufen konnte. Doch dieser Ausdruck bedeutete zugleich, daß, wie groß auch der körperliche und geistige Unterschied zwischen dem Paare sein mochte, etwas da war, das die beiden einander verwandt machte: es war das Herz, das bei ihm verknöchert, bei ihr von Speck überwachsen war. Es gibt Menschen, deren Gemütsart sich durch die medizinische Benennung„Fettherz" trefflich veranschaulichen läßt. Es kennzeichnet alle jene Gemüter, die keiner Bewegung, keiner gesunden moralischen Tätigkeit mehr fähig sind, weil eine träge Sinnlichkeit sich, wie das Fett im Herzen, hemmend und lähmend darin abgelagert hat.— War auch der Entwicklungsgang im Gemüte ihres Gatten ein von dem ihren grundverschiedener gewesen, so fiel doch das Endergebnis übereinstimmend genug aus, um zwischen den Ehelleuten jene Harmonie herzustellen, in welcher gewöhnlich der„Hehler“ mit dem„Stehler" lebt. Die dicke, brünette Frau war eine würdige Gesinnungsgenossin ihres hageren, blonden Mannes, und daß sie außerdem Mitel wußte, ihm das Leben angenehm zu machen, die bei niemand ihre Wirkung verfehlen, der Geschmacks= und Geruchsnerven hat, bewies der mit köstlich duftenden Früchten, Biskuits und einer in Eis gekühlten Himbeerbowle besetzte Tisch vor dem schwellenden Sofa.— So ertrug denn der feine Denker die Beschränktheit und Plumpheit seiner„besseren Hälfte“ um ihrer körperlichen Vorzüge und der Leichtigkeit willen, mit der sie sich zur Genossin seiner eigennützigen Pläne machen ließ,— als Köchin besaß sie ganz und gar seine Hochachtung, und die Ehe dieser beiden so verschiedenen Menschen war vollkommen, was man eine glückliche nennt. „'s ist eine scheußliche Kröte, die Ernestine“, sagte die zärtliche Tante, ihrer kleinen, bleichen Nichte nachschauend, wie sie gesenkten Kopfes dahinschlich,„wenn ich sie auch noch so gut behandle, sie will ja doch nichts von mir wissen; man sagt, Hunde und Kinder merkten, wer sie lieb hat und wer nicht; so mag es das Balg ahnen, daß ich sie nicht mag.“ „Ob du sie leiden magst, ob nicht ist hier ganz Nebensache“, entgegnete der Gatte.„Du hast sie nicht haftete den 26jährigen Schweden Per Olaf Carlson, der in Wiesbaden Perlohrringe im Werte von 11 000 Mark und in München Kostbarkeiten im Werte von 20 000 Mark gestohlen hat. Bei seiner Verhaftung machte er einen Selbstmordversuch. Man vermutet, einen gewerbsmäßigen, internationalen Hotelschleichdieb verhaftet zu haben. — Breslau, 28. Okt. Die vorgestern im hiesigen Stadttheater angesetzte Uraufführung von Kurt Genkkes Lustspiel„Der Meisterdieb“ konnte infolge Wasserrohrbruches, der das Funktionieren des eisernen Vorhanges unmöglich machte, nicht stattfinden. Das Publikum begleitete den Vorfall mit lebhaften Demonstrationen.„„ 1 K 8 — Rom, 28. Okt. Die Entgegnung der vom Papste getadelten Jung=Katholiken ist nunmehr erfolgt. Es ist ein anonymes Buch erschienen, betitelt„Programm der Modernisten; Antwort auf die Enzyklika Pius des Zehnten. Die Arbeit schließt mit folgenden Worten:„Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, ein neues Bewußtsein von dem unvergänglichen Wert des Katholizismus zu verbreiten, die augenblickliche Verurteilung schreckt uns nicht. Wir wollen, daß das Christentums wieder eine Macht d. Fortschrittes werde. — Brüssel, 28. Okt. Die Polizei verhaftete einen deutschen Checkschwindler auf Anzeige eines Hotelbesitzers. Der Verhaftete trat als reicher Engländer auf, machte Schulden, und überreichte als Zahlung einen gefälschten Check. gm.., Iinke uus 4 — Berlin, 28. Okt. Mit ihrem Kinde aus vem Fenster gesprungen ist die 19jährige Frau des Tischlergesellen Kretschmer aus der Cuverystraße. Während das kleine erst 10 Wochen alte Töchterchen sofort tot war, mußte die unglückliche Mutter mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Das Motiv der Tat ist unbegründete Eifersucht der Frau und daraus entstanden eheliche Zwistigkeiten. — Rastenburg, 28. Okt. Das Oberkriegsgericht des ersten Armeekorps verurteilte den Leutnant Elstermann, genannt v. Streitt, wegen vorschriftswidriger Behandlung, Verwendung Untergebener zu Privatzwecken und Urkundenfälschung zu 7 Monaten Gefängnis und Dienstentlassung. Die Verhandlung und Urteilsbegründung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.„„.:„ Ent — Berlin, 28. Okt. Der 2jahrige Stubent der Pharmacie August Gerlach der Sohn einer Oberamtmannswitwe aus Steglitz, kam am Sonntag früh mit zwei Komilitonen aus der Kneipe und geriet in der Chausseestraße mit einem Unbekannten in Streit. Plötz lich zog dieser einen Revolver feuerte einen Schuß auf Gerlach ab und entfloh. Gerlach erhielt eine schwere Verletzung in der rechten Brustseite. — Berlin, 28. Okt. In der Nähe des Treptower Parks wurde kürzlich die Leiche einer Frau aus dem Wasser gezogen, einige Tage später fand man einen Leichnam eines Mannes in der Spree. Die Angelegenheit hat ja jetzt ihre Aufklärung gefunden, es handelt sich um ein Ehepaar, das gemeinsam in den Tod ging, weil es fürchtete, die schwer nervenkranke Frau würde dem Irrsinn verfallen. Preßstimmen zum Prozeß v. Moltke=Harden. Die Blätter kommentieren in spaltenlangen Artikeln das nicht mehr zweifelhafte Ergebnis des Prozesses v. Moltke=Harden und wenden sich mit Abscheu gegen den stinkenden Movast, den die Verhandlungen aufgedeckt haben. Selbst rechtsstehende Organe betonen, daß ein längeres Verbleiben des Grafen Moltke in der Umgebung des Kaisers unmöglich war. Rechtsstehende Blätter sind es auch, die sich zum Teil in außer ordentlich scharfer Weise gegen den Leiter des Prozesses, den Amtsrichter Kern, aussprechen. So schreibt zum Beispiel die Kreuzztg.: Was sich da jetzt vor dem Berliner Schöffengericht vollzieht, das ist eine Schande für die deutsche Publizistik und wahrlich kein Ruhm für die deutsche Rechtsprechung. Wir sind durch die Vorgänge bei den Prozessen in München und Karlsruhe nicht verwöhnt, aber hier hat man wirklich das Gefühl: Schlimmer kann es nicht mehr kommen. Es muß bedauert werden, daß nicht der Staatsanwalt die öffentliche Klage gegen Harden erhoben hat. Der Staatsanwaltschaft und der Justizverwaltung scheint leider das nötige Augenmaß gefehlt zu haben, als sie den Kläger auf den Weg der Privatklage verwies. Post: Daß der Kläger Graf Moltke nicht für die hohe Stellung eines Flügeladjutanten des Kaisers prädestiniert war, hat der Prozeß trotz aller emphattischen Versicherungen Moltkes unwiderleglich festgestellt. Zu einem Freunde des Kaisers eignete er sich keinesfalls. Im Ausbeuten des Prozesses finden sich die äußeren und inneren Reichsfeinde zusammen; er ist für sie noch dankbarer als die emoiren des Fürsten Hohenlohe. Der Moltke=Prozeß ist leider eine Fundgrube für die in letzter Zeit mit so großem Erfolge bekämpfte Sozialdemokratie. Hoffentlich reinigt diese furchtbare Gewitterluft die Luft. Tägl. Rundschau: Wohl selten hat die Rechtspflege eines modernen Staates einen Prozeß geführt, der in gleicher Weise die öffentliche Sittlichkeit verpestet, das Vertrauen der unteren Klassen zu den höheren, ja zum Throne erschüttert und das eigene Land vor dem Auslande rücksichtsloser an den Pranger gestellt hat, wie dieser Moltke=Harden=Prozeß. Wie will man denn da noch den Mut finden, irgend eine laszive Theatervorstellung oder ein unsittliches Buch zu verbieten, die doch nicht den tausendsten Teil des moralischen Schadens anrichten können, den eine solche Gerichtsverhandlung anstiftet?! Graf Moltke hat im Gerichtssaale den Eindruck hinterlassen, daß er sein Auge nicht recht frei erheben darf. Deutsche Tageszeitung: Die Verhandlung hat das Vorhandensein einer Kamarilla in keiner Weise bewiesen, daß Fürst Eulenburg und Graf Kuno Moltke irgendwie und auf irgend welche Weise widernatürliche Neigungen betätigt hätten; sie hat auch nicht bewiesen, daß beide Männer im medizinischen und technischen Sinne homosexuell seien Herrn Harden als Helden des Tages zu feiern, liegt keine Veranlassung vor. Die Akten über diesen unheimlichen und unheilvollen Prozeß werden noch lange nicht geschlossen werden. Das deutsche Volk ist in seinen breiten Schichten noch nicht so verseucht. Es kann sich gegen die Verseuchung stemmen und muß es tun. Die geschlechtliche Sünde ist im eminenten Maße und im eminenten Sinne der Völker Verderben. Der Prozeß dieser Tage hat ein flammendes Menetekel an die Wände unseres Volkshauses geschrieben. Berliner N.N.: Das deutsche Volk steht den Taten dder Gezeichneten mit Verachtung gegenüber. Und Herrscher und Volk urteilen mit gleicher Schärfe über die schadenfrohen Feinde wie beklemmten Freunde. Nationalztg.: Was in aller Welt hat mit der Affäre Moltke=Harden das Treiben einer Reihe hochstehender Offiziere in einer Potsdamer Villa zu tun? Was selbst die Details aus dem Eheleben des Klägers? Vossische Zeitung: Allgemein wird der Wunsch sein, daß nicht sobald die Presse wieder in die Notwendigkeit versetzt werde, in ihren Berichten Scheußlichkeiten wiederzugeben, die zu berühren sonst ein anständiges Blatt geflissentlich meidet. Es kann nur lebhaft beklagt werden, daß es notwendig wurde, die geheimsten geschlechtlichen Dinge in unerhörter Breite vor aller Welt zu behandeln. satz zu der bisherigen Zersplitterung enger zusammengeschlossen haben, haben bereits über die Streikfrage abgestimmt. Das Ergebnis kann bei dem bisherigen Verhalten der Bahnverwaltungen nicht zweiselhaft sein, wird aber erst im Laufe dieser Woche verkündet, da der Ausstand nicht vor dem 1. November beginnen soll. Die Eisenbahner verlangen außer Anerkennung ihres Verbandes finanzielle Besserstellung. Hiobsposten über Hiobsposten kommen aus Kalabrien, das wie vor zwei Jahren von einem Erdbeben heimgesucht worden ist. Amtlich werden 25 Unglücksorte aufgezählt, man fürchtet aber, daß die Zahl größer ist. Ueberall wird über unzureichenden Hilfsdienst geklagt. Es scheint sich der Vorgang von 1905 zu wiederholen, daß die Bevölkerung keine Hand rührt und alles den Soldaten überläßt. Die Zustände in dem völlig zerstörten Ferruzano sind trostlos. Die Größe des dortigen Unglücks erklärt sich daraus, daß die Einwohner im Augenblick des Erdbebens schliefen. Beinahe ebenso schwer geschädigt sind Brancatione. und St. Ilario, diese wie Ferruzano Orte von je etwa 3 000 Bewohnern. Die Orte sind auf Hügelspitzen gelegen und nur mit schlechten, schwierigen Zugangstraßen ausgestattet. Die Straßen sind entweder durch das Erdbeben zerstört worden, oder Wolkenbrüche haben sie in wild dahinbrausende Gießbäche verwandelt. Unter diesen Umständen ist die Hilfeleistung schwer, für die der König von Italien 100 000 und der Papst 50 000 Lire gespendet haben. Ein Panzerschiff überbrachte Holz zum Barachkenbau und Desinfektionsmittel. Das Werk der Zerstörung in Ferruzano wurde durch einen Bergsturz vollendet. Eine Familie wurde von einer Erdspalte verschlungen. Einem Säugling diente der Leichnam der Mutter als Schutz. Ein lebend Geretteter wurde wahnsinnig. Viele Verwundete starben aus Mangel an Hilfe. und Im englischen Eisenbahnkrieg fällt in dieser Woche die Entscheidung. Die Angestellten, die sich im GegenWetterbericht der Deutschen Seewarte. 30. Okt.: Teils bewölkt, teils heiter, Nachts Reif. Bekanntmachung. Die Gemeinde Schüren, welche bisher in fünf Trichinenschaubezirke eingeteilt war, ist in die 4 nachstehend aufgeführten. Trichinenschaubezirke neu eingeteilt worden. 1. Bezirk. Erlenbach von Nr. 1 bis einschließlich 54 und Metzger Bußberg. Trichinenschauer: Heinrich Langendorf, Schürufer; Stellvertreter: Adolf Schneider, Schürufer. 2. Bezirk. Schürufer von Nr. 1 bis einschließlich 58, Vorstadt von 1 bis 18, sowie der sogenannte Nagelpöten und Metzger Grünecken. Trichinenschauer: Adolf Schneider, Schürufer; Stellvertreter Heinrich Langendorf, Schürufer. 3. Bezirk. Die östliche Seite der Adelen= und Dorfstraße einschließlich Niergarten sowie Bruchstraße von Nr. 10 bis einschließlich Nr. 20 und Metzger Kämper. Trichinenschauer: August Kroll, Adelenstraße 24; Stellvertreter Fr. Diedrichs, Adelenstraße 24. 4. Bezirk. Die westliche Seite der Adelen= und Dorfstraße, Bruchstraße von Nr. 1 bis einschließlich 9, Freie=Vogelstraße, Kolonie und Pinkel und Metzger Schöneberg. Trichinenschauer Fr. Diedrichs, Adelenstraße; Stellvertreter August Kroll, Adelenstraße. Hörde, den 22. Oktober 1907. Der Landrat: J. V.: v. Lucke. an dich zu fesseln verstanden, und das ist ein Fehler— denn der schlechte Schein von Hartwigs Grausamkeit gegen das Kind fällt dadurch auch mit auf uns. Man hält sie im Dorfe schon für ein Opfer liebloser Erziehung. Der Pfarrer betrachtet sie wie eine Märtyrerin, deren er sich als Christ annehmen müsse, der Schullehrer ist wegen ihres klugen Kopfes für sie eingenommen— es fehlte nur, daß diese Leute uns auf den Hals kämen und meinem blödsinnigen Bruder noch in der elften Stunde das Gewissen rührten, daß er ihr in der Reue wer weiß was vermachte. Das wäre ein sataler Streich, und solche Leute fallen leicht von einem Extrem ins andere.— Das Kind muß also unter jeder Bedingung von ihm ferngehalten werden. Gelingt es mir nicht, sie von hier fortzubringen, so müssen wir sie wenigstns durch Güte an uns ziehen und den Leuten den Mund stopfen.“ Ein unwilliger Seufzer seiner Frau unterbrach ihn.„Ich weiß wohl, es ist eine lästige und widerwärtige Pflicht, aber es wird ja, so Gott will, nicht lange dauern. Hartwich ist übernächtig— er kann noch ein Jahr leben, er kann aber auch, wenn ein zweiter Schlaganfall kommt, in der nächsten Stunde weg sein— dann magst du meinethalben die Last abschütteln und Ernestine in ein Institut stecken. Der Anstand aber, meine Liebe, muß immer und## allem aufrecht erhalten werden.— Du weißt, daß der Anstand jederzeit die Richtschnur meines Handelns war. Wie ich es nicht liebe einen schmutzigen Rock zu tragen, auf einem unreinen Tischtuch zu speisen, so ist mir auch jeder Fleck an meinem Namen unerträglich.“ Er hatte sich während dieser Rede an den Tisch gesetzt und die duftende Bowle in einen Becher von Eisglas gegossen. Während er sie mit sein zugespitzten Lippen bedächtig prüfend einschlürfte, warf sich die Gattin neben ihm so ungestüm in das Sofa, daß die Sprungfedern knackten und der arglose Gemahl auf der anderen Seite wie auf einer Wage in die Höhe geschnellt war, das Gleichgewicht verlor und sein Getränk auf das reinste aller Hemden goß.— Er schnalzte leise mißbilligend mit der Zungenspitze und wischte sich sorgfältig ab.„Nun muß sich mich ganz umkleiden“, sagte er im Tone schärfsten Vorwurfs. „Das bedeutet nichts Gutes, daß du dich gerade bei diesem Gespräch vollgeschüttet hast“, meinte verblüfft die abergläubische Frau. bedeutet, daß du nie lernen wirst, dich wie eine Dame zu benehmen!“ war die ruhige Antwort. „So!?“ rief die Getadelte lachend.„Ich muß mir wohl aristokratischere Manieren angewöhnen, damit lich deinem Bruder mehr Ehre mache, der sich in dem * kon er hrennt den Schlag an den Hals geSchnaps, den er orennt, den Schlag an den Fmer„ trunken hat? Ein schöner Adeliger— das muß ich ge„Gerade weil er seinem Stande Unehre macht, will ich meinem Stande desto mehr Ehre machen und darin sollst du mich unterstützen, statt darüber zu lachen. Und wenn wir sein Erbe antreten, dann will ich zeigen, daß man nicht in freiherrlicher Wiege geboren zu sein braucht, um ein Aristokrat zu sein— und der weggejagte Marburger Professor wird in der Elite der wissenschaftlichen Welt wie in der Gesellschaft eine Rolle spielen, um die ihn ein Fürst beneiden kann.— Mit Geld geht ja alles, und wo Geld und Verstand beisammen sind, da fängt man die Menschen wie Fliegen an „Ach, das wird herrlicht“ rief die von dieser Aussicht hocherfreute Frau, goß sich ein großes Glas Bowle voll und stürzte es in raschen Zügen hinunter. „Es ist allerdings ein so unerhörtes Glück, daß man so nüchtern sein muß wie ich— um den Verstand nicht darüber zu verlieren;“ sagte der Mann und schaute mit seinen weißblauen Augen fast träumerisch vor sich bin.„„ W M „Dann halten wir Wagen und Pferbe und ich fähre mit Bedienten vor den Läden an. Und Gretchen bekommt eine französische Bonne und wird immer weiß Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ. Druck u. Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. und himmelblau gekleidet. Wir ziehen in die Residenz und Du, Leuthold, brauchst nichts mehr zu arbeiten, kannst dich den ganzen lieben Tag amüsieren!" bemerkte die Gattin und warf stolz den Kopf zurück, als dächte sie sich in die Seele eines ihrer künftigen Kutschenpferde hinein. 1.694 „Glaubst du, ich wurde dann zum Tagediev: fragre er sie mit einem stechenden Blick.„Nein, gewiß nicht! Wenn ich die zehn Gebote zu machen gehabt hätte, ich hätte statt des siebenten Gebotes gesetzt:„Du sollst dem lieben Gott den Tag nicht stehlen!“ denn kein Dieb erscheint mir so verächtlich wie der Tagedieb!“ Die Frau lachte und zeigte zwei Reihen der schönsten Beißwerkzeuge, deren Stärke sie gleich darauf durch das Aufknacken von Haselnüssen erprobte. „Glaubst du“, fuhr Leuthold fort,„ich würde mich mit dem Ruhm, ein reicher Mann zu sein, begnügen? Nein, mich dürstet nach anderen Ehren. Sobals die Mittel in Händen habe, nehme ich meine alte senschaft wieder auf und dann will ich etwas leisten, was mir die armen Teufel, die täglich ein paar Stunden Kolleg lesen müssen, nicht nachmachen werden! Und ein chemisches und physiologisches Laboratorium will ich mir errichten, wie es manche Universität nicht aufzuweisen hat.— Ach— wenn ich einmal all des verhaßten Zwanges, all der elenden Handlangergeschäfte in der rauchenden, stinkenden Fabrik entledigt bin, dann will lich mich baden in der freien, frischen Strömung der Wissenschaft und mir einen Namen machen, der sich den ersten unserer Zeit zur Seite stellt.“ „Das ist das ganze Glück, was du dir ausmalst?“ fragte geringschätzig die Frau. „Es gibt kein größeres Glück, als eine Nolle in der Welt zu spielen durch eigenes Verdienst— und hat mich meine Armut bisher daran verhindert, so soll mir nun balld mein Reichtum dazu verhelfen, indem er mich unabhängig macht. (Fortsetzung folgt.)