Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Anzeigenpreis: Die 10 PI., Anzeigen von auswärts 13 Pf., Reklamezeile 40 Nr 236. Englisches über die deutsche Marinepolitit. Von Kontreadmiral z. D. Stiege. Etwa ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seitdem man in England der Ansicht war, die Kriegsflagge müsse, wenn sie es wage, sich auf dem Mecre zu zeigen, als Banditenflagge angesehen und ihre Schiffe danach behandelt werden. Und noch vor Jahresfrist wetterte die robuste Selbstsucht unserer germanischen Vettern jenseits des Kanals gegen dieses weitere Erstarken der deutschen Flotte und forderte allen Ernstes ihre rechtzeitige Einschränkung— wenn nicht anders möglich— durch Gewalt. Anders klingt heute die Tonart, in welcher die deutsche Flottenpolitik von England behandelt wird. Ein Artikel der„Times“; welcher kürzlich in der„Post“ wiedergegeben wurde, verdient Beachtung. Zum ersten Male wird dort Deutschlands Berechtigung, eine starke Kriegsflotte zu besitzen und zu unterhalten, anerkannt. Die Folge des seit dem Jahre 1848 währenden Strebens nach einer solchen— so etwa sagt der Verfasser weiter— war, daß auch die von der Natur wenig begünstigte deutsche Seeküste eine vollständige Umwandlung erfahren hat und nunmehr für die Handelsschiffahrt und für die Kriegsflotte eine brauchbaye maritime Basis bildet. England habe sich in seiner ganzen langen Geschichte noch nie einem so gefährlichen Nebenbuhler gegenüber befunden, wie es die Deutschen sind. Sie besäßen zum Unterschied von früheren Gegnern sowohl Armeen als auch Schiffe und Häfen, seien für Unternehmungen zur See begeistert, verfügten über Zähigkeit und unübertroffene Kenntnisse in der Kriegswissenschaft.„Die Möglichkeit eines Krieges mit dieser furchtbaren Macht darf keinen Augenblick aus unserem Gedächtnis schwinden. Eine Reihe von Flottenprogrammen steht wie Wegweiser auf der Straße des Fortschrittes in der Ausbildung der deutschen Marine.“ Weiterhin werden der Bau des Nordostseekanals und die Erwerbung Helgolands als besonders wichtige Etappen bei diesem Fortschreiten bezeichnet. Mit dem Nordostseekanal und Helgoland sei die offensive Stärke der deutschen Flotte wesentlich erhöht.„Der Besitz dieser Insel“— so heißt es fast wörtlich—„galt den deutschen Seeleuten stets für die Sicherheit des deutschen Seegestades unerläßlich. Wir sind für die Abtretung Helgolands reichlich entschädigt worden. Es ist aber sehr fraglich, ob wir heute den Vertrag wieder abschließen würden, wenn uns dazu die Gelegenheit geboten wäre, da wir einsehen gelernt haben, daß der geschlossene Handel nicht so gut war, wie er zu sein schien.“ Der Verfasser beleuchtet dann eingehend die Entwicklung der deutschen Flotte, des Heerwesens und der Verkehrsmittel, die eine wunderbar schnelle Mobilisation gewährleisten, und bespricht die Möglichkeit einer Juvasion Englands. Wenn ein kühner Vorstoß der deutschen Flotte— meint er— für einige Tage oder Stunden jenen Teil der britischen Flotte vernichten oder in Schach halten kann, der nahe der Themse, dem Modway und der Straße von Dover stationiert ist, so bildet die Landung einer starken deutschen Armee bei sonst günstigen Umständen keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. Zwischen der Themse und dem Wash allein befänden sich sieben oder acht Plätze, wo sich ein für die Landung günstiges Gestade drei bis vier Meilen long hinzieht. Im Krimkriege seien 10.000 Mann in 25 Minuten gelandet worden, und dies auf der Länge einer Meile. Auf einem Gestade von 10 Meilen Länge könnten daher in derselben Zeit 100000 Mann gelandet werden. Wenn aber Deutschland einmal eine solche Armee auf englischem Boden zu landen vermöchte, so sei das Land so gut wie geliefert. Es wird zur Bestärkung dessen ein düsteres Bild über die Zustände der englischen Armee und Landesverteidigung entworfen, welches in der Aufforderung gipfelt, sofern die Flotte nicht die erwünschte völlige Sicherheit zu geben vermöchte, auf dem Lande Abhilfe zu schafsen.— Von der Anerkennug der Berechtigung unserer maritimen Fortschritte mögen wir mit Genuginung Kenntnis nehmen. Was die Ausführungen und Uebertreibungen des Engländers hinsichtlich der Furchtbarkeit der deutschen Kriegsmacht wie der Möglichkeit Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. S Dienstag, den 8. Oktober 1907. Das Neueste Die mit einem“ versehenen Nachrichten sind unten weiter ausgeführt. Mehrere Unfälle sind in Stuttgart gelegentlich der Beisetzungsfeierlichkeiten zu verzeichnen. Die Deutschen in Amerika feierten den Gedenktag der ersten Landung Deutscher in Amerika allenthalben glänzend.„„ 1 49# K n Der franzosische Gesanote ist auf der Keise nach Rabat. Der König von Spanien wird Wien einen Besuch machen. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte, Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr 39. Jahrg. und Gefährlichkeit einer Invasion betrifft, so dürfen sie nicht unwidersprochen bleiben. Zur Steuer der Wahrheit diene folgendes: Englands im Kanal und der Nordsee stationierte Geschwader sind der deutschen Flotte in Nord= und Ostsee jederzeit mindestens um das Doppelte überlegen. Daß also eine Beherrschung der Sec unsererseits auch nur für verhältnismäßig kurze Zeit und sin dem Maße, wie sie für eine Ueberführung von deutschen Küstenplätzen nach England und für die Ausschiffung von 100000 Mann erforderlich wäre, aufrecht zu erhalten sei, ist ausgeschlossen. Ganz unbeachtet läßt der Verfasser des englischen Alarmartikels die in die Augen springende Tatsache, daß es heutzutage unmöglich ist, eine derartige Invasionsarmee mit dem für Kriegsmaterial und Munition nötigen ungeheuren Troß zusammenzuziehen und einzuschiffen, ohne die Aufmerksamkeit des Gegners zu erregen und damit seine Abwehrmaßregeln hervorzurufen. An eine Ueberrumpelung Englands mit einem deutschen Heere von 100000 Mann, voll ausgerüstet— denn seine rückwärtigen Verbindungen mit dem Mutkerlande würden binnen wenigen Stunden auf alle Fälle endgültig abgeschnitten sein— zu glauben, ist eine ungeheuerliche Zumutung. Der Vergleich mit dem Krimkriege hinkt.— Das ganze Invasionsgespenst, welches der Engländer heraufbeschwört, ist nur darauf zurückzuführen, daß er seinen Landsleuten die Verstärkung ihrer Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande mundgerecht machen will. Man kann es verstehen, daß er für diesen Zweck gerade dieses Mittel wählt, wenn man die englische Geschichte verfolgt, die seit den ältesten Zeiten unter dem Zeichen der Invasionsgefahr stand. Der Ruf„Boney(Bonaparte) kommt“ genügte bekanntlich noch vor etwas mehr als hundert Jahren, um überall, loo er in England ertönte, eine Panik hervorzurufen. Die Furcht vor dem korsischen Eroberer war berechtigt, aber so leicht, wie man denkt, hat auch dieser die Sache nicht genommen. In seinen Denkwürdigkeiten von St. Helena sagt er darüber:„Man hat geglaubt, daß mein Invasionsunternehmen nur eine leere Drohung war, weil man keine Möglichkeit sah, es auszuführen. Aber ich habe von langer Hand gearbeitet, mein Operationsplan zur See blieb unbemerkt. Ich zerstreute meine Schiffe über die Meere, die Engländer folgten ihnen. Unsere Schiffe verfolgten indessen nur den Zweck, unerwartet zurückzukehren und sich an der französischen Küste in Uebermacht zu vereinigen. Ich mußte 70 bis 80 französische oder spanische Linienschiffe im Kanal haben; dann würde ich nach meiner Rechnung 2 Monate lang die See beherrscht haben. Ich versügte über 3000 bis 4000 kleine Fahrzeuge, die nur auf das Signal warketen. Meine 100000 Mann machten täglich Einschiffungs= und Ausschiffungsübungen. Sie waren voller Eifer und guten Willens.“ So wurde vor hundert Jahren von einem der größten Strategen seiner Zeit die Sachlage mit kaltem Blut beurteilt.— Die Verhältnisse sind heute und für den in Rede stehenden Fall selbstverständlich ganz anders. Wer aber glaubt, daß sie einfacher seien, irrt sich. Politische Uebersicht. Deutschland. Die Beisetzung des Großherzogs von Baden. Karlsruhe, 7. Okt. Der Kaiser traf um 10 Uhr 45 Min. im Sonderzug hier ein. Zum Empfange auf dem Bahnhof waren erschienen der Großherzog, Prinz Max von Baden, der Kronprinz, die Prinzen Eitel Friedrich, Oskar und August Wilhelm, ferner der badische Gesandte in Berlin Graf Berckheim, der kommandierende General des 14. Armeekorps von Hoiningen und der Stadtkommandant von Reibnitz. Der Kaiser und der Großherzog begrüßten sich in herzlichster Weise. Der Kaiser fuhr dann mit dem Kronprinzen zum Schlosse. Heute vormittag fand die Beisetzungsfeier für den verewigten Großherzog statt. Präzise um 11 Uhr erfolgte die feierliche Einführung der Fürstlichkeiten in die Schloßkirche. Voran schritt der Kaiser, welcher die Großherzogin=Witwe Luise führte, dann folgte der Großherzog mit der Königin=Witwe Carola von Sachsen 2c. Nachdem die Plätze rechts und links vom Sarge eingenommen waren, begann der Gottesdienst mit dem Choral:„Was Gott tut, das ist wohlgetan.“ Geheimrat Dr. Helbing hielt eine kurze Ansprache. Nach dem Gebet folgte der Choral:„Jesus meine Zuversicht“, die feierliche Einsegnung der Leiche durch Geheimrat Dr. Helbing und wieder ein Choral, womit die Feier in der Kirche ihr Ende erreicht hatte; darauf fand die Ueberführung der Leiche nach dem Mausoleum im Fasanengarten statt. Die Fürstlichkeiten folgten dem Sarge zu Fuß, an der Spitze der Großherzog zwischen dem Kaiser und dem Kronprinzen von Schweden, während sich die fürstlichen Damen zu Wagen nach der Grabkapelle begaben. Auf dem Wege zum Mausoleum bildeten die Truppen der Garnison, Vereine und Korporationen Spalier. Während der Ueberführung der Leiche wurden die Glocken geläutet und Trauersalut gefeuert. In der Grabkapelle hielk Geheimrat Dr. Helbing eine kurze Gedächtnisrede und nahm eine abermalige Einsegnung vor. Ein Segen beschloß die Feier, die gegen 1,45 Uhr beendet war. Karlsruhe 7. Okt. Um 2,30 Uhr fand im Schlosse Tafel statt. Der Kaiser hat gegen 4 Uhr nach herzlicher Verabschiedung vom Großherzog Karlsruhe wieder verlassen. Kurze Zeit darauf reiste der Kronprinz ab. Wechsel in hohen Staatsämtern. Durch Extrablatt gaben wir gestern abend bereits folgende Nachricht bekannt: Berlin, 7. Oktober. Der Statthalter Fürst Hohenlohe in Straßburg tritt zurück, an seine Stelle tritt der Botschafter Graf Wedell=Wien. Den Wiener Botschafterposten tritt der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Tschirschky an. Staatssekretär im Auswärtigen Amte wird der Botschafter am Petersburger Hofe, Herr Schön. Die Neubesetzung der russischen Botschaft steht noch aus. Der nationalliberale Parteitag wurde Sonntag geschlossen, vorher gelangte noch eine Resolution Stresemann zur Annahme die folgendes besagt: Der allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei sieht ebenso wie in der Erhaltung des gewerbstätigen Mittelstandes in der Stärkung und Sicherstellung der in der Privatbeamtenschaft tätigen Mittelstandsschichten, ein Gebot der staatlichen Notwendigkeit. Der Parteitag begrüßt die Bestrebungen nach einer staatlichen Pensionsversicherung der Privatbeamten als Mittel zur Durchführung dieses Zweckes und glaubt, daß diese Versicherung nicht für die Privatbeamtenschaft, sondern auch für den deutschen Handel und Industrie segensreich wirken und vor allem im Staatsinteresse liegen wird. Er erkennt mit Genugtuung die Intervention der nationalliberalen Reichstagsfraktion an und hofft, daß es ihr in Gemeinschaft mit den übrigen nationalen Parteien gelingen wird daß den berechtigten Wünschen der Privatbeamten Rechnung trägt. Spiritusmonopol. Seit einiger Zeit wird in Blättern der verschiedensten Parteien behauptet, daß im Reichsschatzamt ein Gesetzentwurf über die Einführung des Spiritusmonopols vorbereitet werde. Die Brennerei=Ztg. ist diesen Gerüchten nachgegangen und schreibt:„Wir haben an zuständigen Stellen Erkundigungen eingezogen und können mitteilen, daß dings eine Anzahl von Vorschlägen, die aus eine Reformierung der Branntweinsteuereinnahme abzielen, zurzeit geprüft wird, daß aber irgend welche Entschließungen nicht gefaßt sind, daß auch kein wie arteter Entwurf an irgend einer amtlichen Stelle vorliegi, und daß besonders der Bundesrat in absehbarer Zeit noch nicht in die Lage kommen wird, sich mit Entwürfen auf diesem Gebieté zu befassen.“ Ein kalter Wasserstrahl. In einer Besprechung der Behauptung verschiedener Blätter, darunter des „Echo de Paris“, daß Deutschland die Kosten eines Krieges nicht zu tragen imstande sei und daher auch nicht daran denken dürfe, einen Krieg mit Aussicht auf Erfolg zu eröffnen, verweist die„Kölnische Ienuny auf das Jahr 1870, in dem wir in der Tat noch ein armes Land gewesen wären, aber den Krieg mit rücksichtsloser Tatkraft geführt hätten. Was wir damals konnten— so schreibt das Blatt—, können wir heute in erhöhtem Grade; und wenn wir schon in der Lage sind, für unsere wirtschaftlichen Zwecke aus eigener Kraft die nötigen Gelder aufzubringen, so sind wir 11. Kriegsfalle eben so wenig auf das Ausland angewiesen. Die Sorge um diese Geldbeschaffung soll man uns ruhig selbst überlassen. Wir können nichts dagegen haben, wenn französische Blätter ihren Landsleuten abraten, ihre Gelder in deutschen Werzez. gen; das mögen sie halten, wie sie wollen. Wir konnen solchen Ratschlägen gegenuber sehr kühl nur zwecklos aber, sondern aus allgemeinen Rücksichten nicht unbedenklich erscheint es, wenn man die deutsche Geldlage als so elend hinstellt, daß dadurch die Zwecke der Landesverteidigung vereitelt werden könnten.— Hoffentlich hat dieser Wasserstrahl die beabsichtigte abkühlende Wirkung. Niederlande. Kaiserbesuch. Der niederländische Minister des Auswärtigen erklärte einem Korrespondenten des Gil Blas, der ihn über den Besuch des deutschen Kaisers befragte folgendes. Der Besuch des deutschen Kaisers ist ein reiner Höflichkeitsakt. Kaiser Wilhelm war seit der Hochzeit der Königin nicht in Holland und wünschte die Königin für die er aufrichtige Sympathie fühlt, einmal wiederzusehen. Irgend welche politische Tragweite hat der Besuch nicht. Die Beziehungen zwischen den Höfen können in einem konstitutionellen Lande wic es Holland ist, keine nationale Bewegung hervorrufen, noch weniger die Leitung der politischen Geschäfte beeinflussen. Rußland. Petersburg, 7. Okt. Der letzte Dampfer der russischen Freiwilligen=Flotte, der in der vorigen Woche in Libau eintraf, brachte 181 Auswanderer von Neuyork zurück, die von den amerikanischen Einwanderungsbehörden zurückgewiesen worden waren, und zwar weil sie sich in schlechtem Gesundheitszustande befanden und ferner, weil sie den Bestimmungen des amerikanischen Einwanderungsgesetzes nicht entsprachen. Die Lage der Auswanderer wird als bedauerlich geschildert. Die Leitung der russischen FreiwilligenFlotte hat ihre Absicht, eine Dampferlinie nach Argentinien einzurichten, wieder aufgegeben. Amerika. Ein Streitpunkt zwischen Amerika und Japan ist die Frage der Arbeitereinwanderung in die Ver. Staaten. Eine neue Kundgebung dazu liegt vor. Auf Befehl des Präsidenten Roosevelt hat Staatssekretär Taft die japanische Regierung verständigt, die V nigten Staaten hielten unverändert an der Ausschlies ßung der japanischen Arbeiter fest, es sei denn, daß Japan sich bereit erkläre auf einen besonderen Vertrag über die Ausschließung einzugehen. Der Kongreß wird sich demnächst eingehend mit dieser Frage beschäftigen. Die Warnung des Staatsministers der Vereinignet Staaten von Nordamerika vor weiterer Erhöhung der Zollschranken ist gerade so berechtigt, wie zu befürchten steht, daß sie im Winde verhallen wird. Es ist ganz selbstverständlich, daß die Amerikaner auf dem Gebiete der Handelsbeziehungen mit dem Maße gemessen werden, mit dem sie selber messen. Das gilt micht blos von Deutschland, oder Europa überhaupt, sondern auch von dem fernen Osten, der sich rika niemals zum Freunde macht, wenn es sich durch Zolschranken abschließt. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 8. Oktober 1907. **(Wie es in der Welt steht.) Der Herbst liebt es jetzt, mehr als seither vor die Sonne den grauen Wolkenvorhang zu ziehen, wie denn überhaupt aus dem ganzen Naturbilde um uns herum die Farbenfreudigkeit langsam entschwindet. Aber das Wort langsam muß in diesem merkwürdigen Jahre unterstrichen w den; kahl und leer und öde und traurig, wie es viel zu früh in den über einen Leisten zurechtgemachten Herbstbetrachtungen heißt, ist es noch lange nicht, das dunkle Grün wiegt meist immer noch vor. Also sich nur nicht die gute Laune verderben lassen! Die bisher mit vieler Standhaftigkeit und Sparsamkeit bewahrte Sommer=Mode wird sich nun allerdings verflüchtigen müssen, Regenschirm, Filzhut und sind das Triumvirat, das regiert. Das hat es im bisherigen Jahresverlauf freilich schon oft genug getan, also eine sonderliche Umwälzung steckt auch darin nicht Geht die Sommer=Poesie, wie sie uns der erste Herbst noch mit gutmütiger Freundlichkeit bescheerte, also zum Kuckuck, so kommt dafür diejenige des Oktober. Strahlend als ein Zukunftsbild erscheint am Himmel des Mittagstisches die gute gebratene Gans, nicht mehr die junge, die viel kostete, aber wenig ausgiebig war, sondern die pralle, echte, gut gemästete, die in einem Monat, zum Martinstage, auf der vollen Höhe ihres Ruhmes anlangt. Aber auch bis dahin wird im Oktober mit Appetit gegessen, wenn's gut gekocht ist, was heute nicht immer ganz selbstverständlich ist; die Jagd und die Züchtung liefern manchen guten Braten, der auch in das Herbstleben Poesie hineinbringt, nämlich die des„Es hat geschmeckt!“. Nicht jeder Tag ist Küchenmeisters Diener, aber für den Sonnde Tog vr Suchennoch und as it viel beser, an der u Mode der häuslichen Gastlichkeit festzuhalten, noch immer nicht, und sie bleiben,, Meschskanzler, und sie bleiben, wie zu hoffen, leicht ganz aus. Fürst Bülow, der war in Berlin zu einer Beratung mit seinen Mit stern und Kollegen. Auch da wird dem deutschen Michel kein Tropfen Uebermut ins Glas gegossen sein. U im Uebrigen dreht sich unsere gute alte Erde schlecht och Tageslänge) schrumpft im Ottober bereits gewaltig(um 1 Stunde 59 Minuten) zusammen. Die Sonne, die an seinem ersten Tage um 6 uyr 1 Min auf und um 5 Uhre38 Minuten unterging, erhebt sich am 30. Oktober erst um 6 Uhr 55 Min. und. verläßt uns bereits um 4 Uhr 32 Minuten wieder. Der Okober ist gewöhnlich ein Monat der Stürme. Nebel und Wolken sind seine liebsten Begleiter. Aber auch Gewitter kommen im Verlaufe des Weinmonats vor. Blitz und Donner im Oktober sind immerhin Seltenheiten, doch kommen sie vor. So sagt eine Wetterregel z. Beispiel:„Oktobergewitter sagen beständig, der ommende Winter sei wetterwendig". Aehnlich heißt es:„Wenn im Oktober das Wetter leuchtet, noch mancher Sturm den Acker befeuchtet.“ ie(Gegen die übermäßige Dauer der Schularbeiten) richtet sich eine vom preußischen Unterrichtsminister gebilligte Verfügung des Posener Provinzialschul; kollegiums. Das Höchstmaß der täglichen Hausurven soll betragen: für Sexta eine Stunde, Quinta 1 einhalbe, Quarta und Untertertig zwei, Obertertia und Untersekunda zweieinhalb, Obersekunda und Prima drei Stunden. Das Höchstmaß darf aber nicht erreicht werden, wenn die Schüler noch Nachmittagsunterricht haben.— Im Interesse der Schüler wie der Eltern dankenswert ist die soeben getroffene allgemeine Anordnung des preußischen Unterrichts=Ministeriums, daß der Staat nach den Provinzen und Regierungsbezirken, entsprechend der Art der Bevölkerung, in große Bezirke eingeteilt werden soll, in denen ein und dieselben Lehrbücher zu benutzen sind. *(Zeugengeld der Arbeiter.) Beim Auszahlen der Zeugengebühren erleben täglich viele Arbeiter eine unliebsame Enttäuschung. Die Gerichtsbeamten können nämlich Arbeitern und Handwerkern nicht mehr als 50 Pfg. pro Stunde an Zeitversäumnis vergüten, wenn diese nicht durch Vorlage einer Bescheinigung ihrer Arbeitgeber oder der Lohnzettel beweisen, daß sie mehr als 50 Pfg. die Stunde verdienen. Es liegt daher im Interesse der Arbeiter, gegebenenfalls eine solche Bescheinigung mit zur Gerichtsstelle zu bringen. *r(Alters= und Invalidenversicherung.) Nach einer soeben erschienenen Aufstellung des Reichsversicherungsamtes sind von den 31 deutschen Alters= und Inwalidenversicherungsanstalten im Monat Juni 1907 an Renten gezahlt 12 442 344,19 Mk., und zwar für Invalidenventen 9 912 953,60 Mark., 300 206,31 Mk., Altersrenten 1 401 461,19 Mk., Beitragserstattungen 827 723,00 Mk. Hiervon entfallen allein auf die Landesversicherungsanstalt Westsalen 493 355,02 Mk. Der Erlös aus Beitragsmarken im Monat Juli 1907 betrug in Summa 14 428 015,14 Mk., allein bei der Landes=Versicherungsanstalt Westfalen 766 630,86 Mark.— Es gehört politische Unreife oder Bosheit dazu, die Leistungen dieses Gesetzes für die Arbeiter als ein Nichts zu bezeichnen. (Reichstaler.) In Regierungskreisen plant man mit beendeter Einziehung der Taler eine Vorlage zur Schaffung eines neuen, handlichen Fünfmarkstückes einzubringen, das im Durchmesser nur wenig größer als der alte Taler, dafür aber dicker— etwa ähnlich dem amerikanischen Silberdollar— ausfallen Nach noch nicht abgeschlossenen Erwägungen und Vorschlägen soll für die neue Münzart die Bezeichnung „Reichstaler“ eingeführt werden. (Haus= und Grundbesitzer=Verein.) Die gestrige Generalversammlung erfreute sich eines besonders starken Besuches, stand doch an erster Stelle die Aufklärung über die Elektrisch=Lichtfrage auf der Tagesordnung. Vor Eintritt in dieselbe machte Herr Schermeng als Leiter Mitteilung von einem Schreiben des Vorsitzenden Herrn Müller, der sein Gesundheitsrücksichten niederlegen möchte. Der Eerstand will jedoch eine Neuwahl noch hintanhalten, da man den Versuch machen möchte, Herrn Müller zum Bleiben im Amte zu bewegen. Anlage= und Betriebskosten des elektrischen Lichtes beherrschteg, perg Debatte. Vom kommunalen Elektrizitätswert nack war Herr Ingenieun Prayon anwesend, der dem Sturm der Anfragen mit möglichst eingehenden Antworten zu begegnen suchte. Allgemein interessieren folgende Feststellungen: Die modernen Errungenschaften auf dem Gebiete des Beleuchtungswesens durch Elektrizität haben den Verbrauch dieser Lichtkraft gewaltig gegen früher verbilligt. Wir besitzen, heute Glühlampen mit Metalladen, Ve He, Be. gwatzstunde sparnis ermöglichen. Den mit 40 Pfg. berechnet, dem Höchstpreise des Werkes Mark, und alle modernen Errungenschaften in Dienst gestellt, soll eine Glühlampe in Stärke von 16 Kerzen pro Stunde etwa 2 Pfg. Unkosten machen. In Anbetracht, daß man an Gas 2,2 Pfg., nach anderer Behauptung sogar übex 3 Pfg. verbraucht, um den gleichen Lichteffekt zu erzielen, ist das elektrische Licht als preiswert anzusprechen. Nach einer gagensgmnpe rechnung des Herrn Prayon würde eine ebenfalls modernster Konstruktion,(800 Kerzen stark) in 1 Stde. eine Ausgabe von 10 Pfg. verursachen. Installationskosten berechnen sich pro Lampe mit 10 M. Wie mitgeteilt wurde, soll nach Möglichkeit der B trieb mit dem 1. Februar eröffnet werden. Die Anmeldung der Anschlüsse vor dem 1. November schließt den kostenlosen Anschluß incl. 6 Meter innerer Beleuchtung in sich; nach dem 1. November erfolgende Anmeldungen erfordern halbe Anschlußkosten und für Anlagen, die nach dem 1. Januar ungem= Pogz gree sind die vollen Anschlußkosten zu zahlen. N ter Anlage ist eine allerdings sehr geringe Miete für den Zähler mit in Ansatz zu bringen, die für eine Anlage bis zu 80 Glühlampen z. B. monatlv, B#lg beträgt. Die elektrische Kraft für gewerbliche Auri#he stellt sich ebenfalls billiger wie der Betrieb mit motoren, ungerechnet die Anlagekosten. So gebraucht ein 4pferdiger elektrischer Motor bei voller Kraftbenutzung stündlich für etwa 21 Pfg. Kraft. Betreffend dr Anschaffungskosten lege man einmal einen öpferdigen Motor zu Grunde, der als Gasmotor 2000—2500 Mark kosten würde, als Elektromotor vielleicht 600 M. Ausgabe erfordert. Von den Ausführungen des Herrn Prayon wav man allseitig befriedigt, was durch einige Dankesworte zum Ausdruck gebracht wurde.— Der Verein hat sich über die unverhältnismäßige Höhe der Tagesätze für den Kreislandmesser beim Kreisausschuß beschwert und zwar mit dem Erolge, daß die Sätze von 18 auf 12 Mark pro Tag ermäßigt wurden.— Einem Antrag des Vereins für ein Aufrücken Schwertes aus der 3. in die 2. Servisklasse Sorge tragen zu wollen, hat der Magistrat seine Unterstützung versagt, was allgemein bedauert wurde. Die Verkehrskommission hat durch Anzeigen in maßgebenden Blättern auf Schwerte als geeigneten Platz für Industrieanlagen aufmerksam gemacht. Ein Erfolg war zu verzeichnen, bis die Schwierigkeit eines Bahnanschlusses die eingeleiteten Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten zerschlug. Die Eisenbahndirektion erklärt sich völlig außer Stande, Bahnanschlüsse in Schwerte nach Lage der augenblicklichen Bahnverhältnisse zu ermöglichen. Für Schwertes Entwicklung ist das keine allzu erfreuliche Feststellung. Eine lange und lebhafte Debatte entstand über die Frage der Straßenbahnverlegung, über welche die Ansichten sehr geteilt sind. Während die einen keinen Schaden, aber Vorteil für die Bürgerschaft und vor allem den Verkehr Stadt—Bahnhof herausrechnen, sind wieder andere entgegengesetzter Ansicht. Jedenfalls zeigte sich, daß die Frage noch nicht so spruchreif ist als man glauben möchte, und daß zuletzt vielleicht ein Mittelweg zum Ziele führen kann, wenn die Kostenfrage nur nicht lästig wird.— Als letzte Frage der Tagesordnung wird die Aufstellung von Plakatsäulen angeregt, doch kann erst eine spätere Versammlung sich näher mit der Frage befassen.— Nach nunmehriger Erledigung der reichhaltigen Tagesordnung dankte der Leiter der Versammlung den Erschienenen für ihr betätigtes Interesse, das er weiter zu pflegen hat. **(Von dem Rindviehzuchtverein im Kreise Hörde) ist in Hengsen bei dem Landwirt Wm. Fiene eine Bullenstation errichtet. Daselbst ist ein 14 Monat alter schwarzbunter ostfriesischer Zuchtbulle aufgestellt, der in Hamm auf dem Zuchtviehmarkte angekauft ist aus der Reinzucht der Frhrl. von der Borchsche Gutsverwaltung zu Holzhausen bei Nieheim. Auch mehrfach prämiert. Außerdem sind von dem Rinviehzuchtverein noch 3 schwarzbunte ostfriesische Zuchtbullen angekauft und aufgestellt 1. bei Brennereibesitzer und Wirt W. Potthoff=Schwerte, 2. bei Rittergutspächter B. Boeddeker zu Steinhausen und 3. bei Gutsbesitzer H. Braß zu Kückshausen. Hoffentlich werden die Stationen durch rege Benutzung ihren Zweck erfüllen. *r(Stenographische Gesellschaft Arends.) Am gestrigen Tage veranstaltete die Stenographische Gesellschaft Arends unter sehr starker Beteiligung mit Damenflor einen Ausflug nach dem Höchsten. Hierbei hat der Verein einen guten Erfolg zu verzeichnen gehabt. 5 neue Mitglieder zählt derselbe nunmehr wieder zu seinen Reihen und steht zu hoffen, daß die Stenographengesellschaft Arends zu einem der ersten Vereine emporblühen wird. Auch gedenkt der Verein in nächster Zeit unter Leitung der Herren Kirchhoff und Engels auf dem Höchsten beim Wirt Herrn Overkamp einen Kursus der Arendschen Kurzschrift abzuhalten. ** Wandhofen, 7. Okt. Der Plan über die Enteignung von Grundstücken in der Gemeinde Wandhosen für den Bau der Eisenbahn Iserlohn=Schwerte wird bei dem Gemeindevorsteher in Wandhofen zu jedermanns Einsicht offen gelegt. Einwendungen sind während der Zeit schriftlich oder mündlich beim Herrn Kgl. Landrat zu erheben... 944 8 ** Holzen, 7. Okt. Vor einiger Zeit##n sich hier ein Ziegenzuchtverein gebildet, dem 66 Mitglieder mit 86 Ziegen angehören. Vorsitzender ist Herr Wegner vom Sommerberg und Schriftführer Herr Polizeisergeant Wald. Zweck des Vereins ist die Zucht der hornlosen weißen Ziege. In der gestrigen Genérälversammlung hielt Herr Fritz Jacob einen sehr interessauten Vortrag über die Pflege der Ziege im Allgemeinen und ihre Aufzucht im Besonderen. ein ist lebhaftes Interesse der Ortseingesessenen zu (Von dem Vorstand des landwirtschaftlichen Kreisvereins Hörde) ist in Lichtendorf bei dem Landwir: Fr. Naust eine Eberstation errichtet. Durch Vermittelung des Herrn Dieckernoff ist ein deckfähiger Eber angekauft von Herrn Eduard Nacke in Brake, dessen Zucht des veredelten westfälischen Landschweins bekanntlich auf allen größeren Ausstellungen und Schauen mit ersten Preisen und Auszeichnungen stets ausgezeichnet wird. So auch jetzt auf dem Zuchtviehmarkt in Hamm außer mehreren Gelbrrezsegun Diplom und dem Ehrenpreis vom Herrn Lau#. *: Westhofen, 7. Okt.(Silberhochzeit.) Am heutigen Tage begehen in selten körperlicher und geistiger Frische das Fest der silbernen Hochzeit die Eheleute Amtsbaumeister Dickhage hierselbst.— Das Jubelpaar, dem auch an dieser Stelle zu diesem Freudenfeste herzlichste Glückwünsche dargebracht werden, erfreut sich allgemeiner Beliebtheit; namentlich hat es Herr Dickhage verstanden, sich in den langen Jahren seiner vielseitigen amtlichen Tätigkeit— er bekleidet außer dem vorgenannten Ambe auch noch dassenige eines Gerichtstaxators, Commissars und Taxators der Proo## zial=Feuer=Sozietät und verschiedene Ehrenämter— die Wertschätzung und das sowohl als auch der engeren und weiteren tgpzreise ten Kreise zu erwerben und zu erhalten. wir nun, daß es dem Vvpeagr ge de rgrnn le 7e. stiller so glücklich verlaufene Lebensabend sich recht zeigen möge, sodaß wir nach weiteren 25 Jahren ebenso freudig unsere Glückwünsche zur„Goldenen“ (2)** Ergste, 7. Okt.(Ueberfallen) wurde vergangene Nacht der auf dem Gute Bangert bedienstete Arbeiter Friedrich Netzlaff. vorher in einer Wirtschaft mit zwei Personen gehabt. Des Nachts wurde N. auf seiner von den beiden Personen überfallen, am Halse and mehreve Male gegen die Mauer gestober, sehr heftige Wunden erlitt. Einer von den Talln ist (Mer Ergste, 7. Okt.(Generalversammlung.) Gestern abend hielt der hiesige Turnverein, Mitglied der Deutschen Turnerschaft, im Vereinslokal der Witwe Kage=Beckmann eine sehr zahlreich besuchte Generalversammlung ab. Zunächst wurden wieder zwei neue Mitglieder ausgenommen. Alsdann folgten (?)* Drüpplingsen, 7. Okt.(Ein frecher Sonntagsbettler) trieb sich gestern hier umher. In einem Hause, wo er die Tür verschlossen fand, nahm er seinen Gang über die Tenne. Die allein anwesende Witwe verfolgte er bis ins Schlafzimmer. Auf das Hilsegeschrei der Frau kamen Nachbarn herbei und verabfolgten dem Eindringling eine ordentliche Tracht a# Hörde, 7. Okt. Ein auswärtiger Radsahrer fuhr in der Richtung gen Berghofen die etwas ansteigende Straße hinauf, als er plötzlich vor sich einen Motorwagen kommen sieht. Der Radfahrer hat die Geistesgegenwart, rasch zur Seite zu lenken; doch mußte er wohl die Biegung zu scharf genommen haben oder überhaupt ein Neuling auf dem Vehikel sein, er stürzte vom Rade und zog sich eine tiefe Kopfwunde zu. Mitleidige Passanten halsen dem Verletzten wieder auf, führten ihn in eine Wirtschaft und sorgten für einen Notverband. Westfalen und Rheinland. * Boele, 7. Okt.(Zusammenstoß.) In der Nähe der katholischen Kirche stieß heute früh gegen 7 Uhr ein Wagen der elektrischen Straßenbahn mit einem Fuhrwerk des Landwirts Eickelmann zusammen, als dieses, um die Ecke biegend, über die Gleise hinwegfahren wollte. Der Motorwagen konnte auf die kurze Entfernung nicht mehr halten und fuhr mit voller Wucht in den schweren Wagen hinein. Bei dem Zusammenprall wurde dieser völlig zertrümmert, aber auch der Motorwagen so beschädigt, daß er nicht weiter fahren konnte. Die beiden Wagen hatten sich völlig incinander gebohrt. Personen wurden glücklicherweise nicht beschädigt. * Eilpe, 7. Sept. Als am Samstag nachmittag die elfjährige Tochter des Metzgers Karl Knipp zu Hause badete, wurde sie plötzlich von einem Herzschlage betrofsen. Die herbeieilende Mutter sand ihren Liebling in der Badewanne sitzend tot vor. Der herbe Verlust erweckt bei der Nachbarschaft innige Anteilnahme für die schwergeprüften Eltern. * Hemer, 7. Okt.(Feuer) kam in der Drahtstiftfabrik von Tünnerhoff und Götter zum Ausbruch, das die Fabrik trotz alsbaldigen energischen Einschreitens der Wehr in Asche legte; nur Wohngebäude, Pack= und Lagerräume blieben verschont. Die Entstehungsursache ist unbekannt. * Hombruch, 7. Okt.(Kirchendiebstahl.) Seit längerer Zeit wurden in der evangelischen Kirche Gelddiebstähle ausgeführt. Heute morgen wurde ein 16 Jahre alter Schreinerlehrling von hier wegen eines Diebstahls, den er gestern abend in der Kirche ausgeführt hat, festgenommen. Der Junge hat eingestanden, mehrere Diebstähle in der Kirche ausgeführt zu haben. Elberfeld, 7. Okt. Eine geriebener Gauner versuchte bei hiesigen katholischen Geistlichen einen Trick. Er erschien laut„N. N.“ bei einem Pfarver unter der Angabe, er habe bei der Reichsbank, wo er angestellt gewesen sei, eine Unterschlagung von 300 Mark gemacht und müsse die Summe innerhalb dreier Tage ersetzen, widrigenfalls gegen ihn Anzeige erstattet werde. Er bat den Pfarrey flehentlich, ihm 200 A vorzustrecken. Der Geistliche wies ihn aber ab. Beim Küster versuchte er dann unter der Angabez er habe vom Pfarrer 200 Mark und vom Kaplan 80 Mark erhalten, 20 Mark zu erschwindeln, gleichfalls ohne Erfolg. Gestern morgen nun versuchte er sein Glück bei einem anderen Kaplan. Inzwischen wurde er aber von dem Küster, der unterdessen von dem Pfarrer über den Fall aufgeklärt worden war, erkannt. Der Küster setzte telephonisch die Kriminalpolizei in Kenntnis, die den Schwindler verhaftete. * Gelsenkirchen, 7. Okt. Einen schrecklichen Tod fand auf Zeche„Unser Fritz“, der Bergmann Tiedemann. Er wurde auf seiner Arbeitsstelle von niedergehenden Gesteinsmassen verschüttet und konnte nur als Leiche zu Tage gefördert werden. Der Verunglückte war unverheiratet. * Meinerzhagen, 7. Okt. Wie aus sicherer Quelle bekannt wird, hat der Herr Minister für öffentliche Arbeiten die kgl. Eisenbahndirektion in Elberfeld mit der Anfertigung der Vorarbeiten für eine Eisenbahnlinie von hier nach Creuzthal über Olpe beauftragt. Durch den Bau dieser Linie würde die hiesige Gegend und nicht minder das bergische Ländchen, wie Lennep, Wipperfürth usw. an die 50 Kilomeker und noch mehr dem Siegerlande mäher gelegt; zudem würde der bedeutende Umweg über Hagen fortfallen. * Düsseldorf, 7. Okt. Heute fand ein Milchmann auf dem freien Felde im Vororte Stoffeln die Leichen eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens, beide in den zwanziger Jahren und mit Schüssen in den Schläfen, die sich eng umschlungen hielten. Der nöch mit zwei Schüssen geladene Revolver lag neben ihnen. Anscheinend hat der junge Mann zuerst seine Begleiterin und dann sich selbst erschossen. Ueber die Persönlichkeiten des Paares konnte bisher noch nichts ermittelt werden. * Oberhausen 7. Okt. Gestern morgen platzte von der Lokomotive eines von Wesel in der Richtung nach Emmerich fahrenden Güterzuges kurz hinter Wesel ein Dampfrohr, wodurch der Lokomotivführer Meier aus Oberhausen schwer verbrüht wurde; der Zug wurde nach Wesel zurückgeleitet, wo Meier in das Krankenhas gebracht wurde. Der Heizer wurde nur leicht verletzt. * Mülheim(Ruhr), 5. Okt. Das zweijährige Söhnchen eines Gärtners des Gutes Haus Rott siel beim Spielen in eine nur zumteil, eingefriedigte Düngergrube und erstickte.. Die Teuerung und die Beamrenbesoldung. Der„Preußische Beamtenverein in Breslau“ hat sich durch die erhebliche und noch stetig zunehmende Verteuerung aller Lebensbedürfnisse veranlaßt geseheu, eine Feststellung der prozentualen Preissteigerungen vorzunehmen, welche die wichtigsten und Gebrauchsmittel in den letzten zehn Jahren(189 bis 1906) erfahren haben. Als Grundlage hierfür dienten Auskünfte, die bei Firmen und Geschäftsleuten eingeholt sind, sowie die von Vereinsmitgliedern seit vielen Jahren geführten Wirtschaftsbücher. Die „Schles. Ztg. bringt über die Erhebung Mitteilungen, denen wir folgendes entnehmen: Die Preissteigerungen für Brot, Fleisch und Milch brauchten nicht ermittelt zu werden, da aus anderen Erhebungen feststeht, daß sie um 10 bis 20 v. H. gestiegen sind. Von den sonstigen Lebensmitteln sind teurer geworden Butter um durchschnittlich 25 v. H., Eier sind gestiegen um 28, Kartoffeln um 22, Mehl um 10, Obst um 14, Hülsenfrüchte um 27 bis 35, Gegräupe 11 bis 20, Hirse um 45, Semmel um 27, Zwieback um 17, Heringe um 20 v. H. Die Preise für Feuerungsmaterial sind um 15 bis 22, für Hausgeräte um 15 bis 20 v. H. in die Höhe gegangen. Die Steigerung der Löhne für Hilfspersonal beträgt bei den Dienstboten 25 v. H.(in Berlin mehr), bei den Aufwartefrauen 33eindrittel v. H. Bei der Wäschevereinigung ist der Lohn der Waschfrau um 33eindrittel bis 60 v. H. gestiegen. Ebenso erfordert die gesamte Kleidung erheblich höhere Ausgaben. Männer= und Kinderhüte sind um 10 bis 25, Frauenhüte um 30, Leibwäsche um 33eindrittel, baumwollene Unterkleidung um 20 bis 25, wollene um 16 bis 28, Oberkleidung um 20 bis 50, Schuhwerk um 10 bis 25, Schirme, Handschuhe und dergleichen um 10 bis 25 v. H. teurer geworden. Außerdem sind die Wohnungen im Preise(um fast 25 v. H.), das Schulgeld ist um 20 v. H. erhöht, die Bücher sind durch Wegfall des Rabatts um 5 bis 10 v. H. teuerer geworden. Ebenso haben sich die Aerztehonorare und Arzneikosten sowie die Kirchensteuern erhöht. Von den Ursachen dieser Preissteigerungen fällt besonders eine ins Gewicht, nämlich das ungemein starke und rasche Ansteigen der Arbeitslöhne in allen Betrieben und Geschäftszweigen. Die Kaufleute und Gewerbetreibenden vermögen die Steigerung der Arbeitslöhne und Rohmaterialienpreise durch fortschreitende Preiserhöhungen für ihre Waren und Arbeitsleistungen auszugleichen. Mit voller Wucht aber trifft die zunehmende Verteuerung sämtlicher Volksbedürfnisse, die übrigens im Jahre 1907 noch erhebliche Fortschritte gemacht hat, alle öffentlichen und Privatbeamten, die auf ein festes Einkommen angewiesen sind und denen es dabei wegen ihrer Berufs= und sozialen Stellung unmöglich ist, mit der Lebenshaltung unter ein bestimmtes Niveau zurückzugehen. Die Veröffentlichung dieser statistischen Erhebung kommt gerade zur rechten Zeit. Sie wird hoffentlich bei den endgiltigen Beratungen in den Ministerien noch die gebührende Beachtung finden. Genickstarre. Dortmund, 8. Okt. In den letzten 8 Tagen wurden im Ruhrrevier 38 Neuerkrankungen an Genickstarre gemeldet. Die Zunahme der Epidemie beträgt rund 14 Prozent. 1 Zum Kaiserbesuch in Holland. Haag, 7. Okt. Königin Wilhelmina und Prinz Heinrich der Niederlande beabsichtigen, den Deutschen Kaiser und die Kaiserin aus Anlaß ihres Besuches in Holland bei der Landung in Vlissingen zu begrüßen. 44 Kisten Patronen. Tanger, 8. Okt. Die Behörden von Mazagan haben trotz des Einspruches des französischen Konsuls für den Sultan Muley Hafid 44 Kisten Patronen nach Marrakes abgesandt. Eisenbahnkatastrophe. Turin, 8. Okt. In der Nähe des Bahnhofes von St. Pietro d'Arena erfolgte ein Zusammenstoß zwischen einem Turiner Gilzug und einem anderen Personenzug. 14 Wagen wurden zertümmert, 6 Reisende schwer verletzt. Weitere Einzelheiten fehlen. Verunglückt. Karlsruhe, 7. Okt. Bei den heutigen Beisetzungsfeierlichkeiten sind mehrere Unfälle zu verzeichnen. Auf dem Schloßplatze hatten mehrere junge Burschen die Bäume erstiegen, um den Zug besser übersehen zu können. Einer der Burschen stürzte infolge Brechens eines Astes herab und fiel dem unter dem Baume stebenden Schieferdeckermeister Kraber so unglücklich auf den Kopf, daß dieser das Genick brach. Auch der Herabgestürzte trug schwere Verletzungen davon, desgleichen ein Dragoner, der vom Pferde stürzte und einen schweren Schlag von diesem erhielt. Außerdem waren in dem furchtbaren Gedränge eine große Anzahl von Ohnmachten, besonders von jungen Mädchen. Gefangen oder desertiert? Tanger, 7. Okt. Aus Rabat wird berichtet, daß drei Fremdenlegionäre deutscher Abstammung von maroktanischen Truppen gefangen genommen worden sind. Diese wurden dem Sultan Abdul Aziz vorgeführt und einm Verhör unterzogen. Der Sultan erkundigte sich speziell über die Ereignisse in Casablanca und ieß die drei Soldaten dem deutschen Konsul übergeben. Es ist noch nicht festgestellt, ob es sich um Deserteure oder Kriegsgefangene handelt. Eine nette Braut. München, 7. Okt. Unter der Voraussetzung, daß die vor einigen Tagen in Berliner Blättern gemachden Mitteilungen über die Braut des Leopold Wölfling namens Maria Ritter richtig sind, erfährt der „Bayrische Kurier“, daß die Maria Ritter aus Nowag im Kreise Neisse in Schlesien gebürtig ist, im Frühjahr 1903 in München sich aufgehalten und wegen gewerbsmäßiger Unzucht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt sowie aus München ausgewiesen worden sei. Eisenbahnstreik. Wien, 8. Okt. Die Resistenzbewegung der Eisenbahner dauert fort. Die bisher stattgefundenen Versammlungen haben zu keiner Einigung geführt. Eine Kündigung von 700 Mann Maschinenpersonals hat die Situation verschärft. Verhaftete Verschwörer. Bukarest, 8. Okt. Die Polizei verhaftete eine axmenische Verschwörerbande in deren Wohnung sie eine Menge Schriftstücke, Bomben und Dynamit beschlagnahmte. Die Verhafteten sind an einer Verschwörung in Sofia trotz ihres Leugnens beteiligt gewesen. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 9. Oktober: Meist klar, heiter, milde, strichweise bedeckt. 10. Okt.: Veränderlich, windig bei normaler Temperatur. Vom sozialen Felde. Der Buchdrucker=Gehilfenverband, mit dem der Vorstand des Deutschen Buchdruckervereins den bekannten Organisationsvertrag abgeschlossen hat, will politisch und religiös durchaus neutval sein. Der „Korrespondent", das Organ des Verbandes, bringt nun aber kürzlich einen geharnischten Hetzartikel gegen das Zentrum. Der Schluß des Artikels lautet: „Christus hatte nichts mit Judas gemein, und das wah re Christentum hat nichts gemein mit dem Streikbruche. Aber vor allem eines, Kollegen, merkt euch, wer euch das bietet, und— revidiert eure Stellung zum Zentrum!“ Ob der Vorsteher des Augustinusvereins, Herr Otto in Crefeld, nun wohl einsehen wird, wie durch und durch neutral der Gehilfenverband in politischer und religiöser Hinsicht ist? Seit dem Jahre 1902 hat man die katholischen Gehilfen am Rhein, in Bayern usw. en masse in den Gehilsenverband hineingetrieben. Man hoffte damals, dem Verband dadurch einen anderen Geist einhauchen und die Vorherrschaft der Sozialdemokratie in ihm brechen zu können. Das gerade Gegenteil ist eingetreten. Die betreffenden Gehilfen sind entweder nach und nach mit sozialistischen Ideen erfüllt worden, oder sie sind doch dahin gebracht, daß ihnen an der Zugehörigkeit zum Verband mehr gelegen ist als an der Geltendmachung ihrer religiösen Ueberzeugung. Nur selten besitzt einer einmal, wie kürzlich der Gehilfe Jakob Rümmen in Kempen, so viel Ueberzeugungstreue und Mut, daß er dem Verbande, weil er es an ehrlicher Neutralität in religiöser und politischer Hinsicht fehlen läßt, den Rücken kehrt. Die Sache verdient in der Tat allgemein die größte Beachtung. Letzte Drahtmeldungen. Nach Wien. Paris, 7. Okt. Der„Matin" bestätigt aus Wien, daß das spanische Königspaar am 18. d. Mts. in Wien eintreffen und dort drei Tage verweilen wird. Hierauf wird es einen achttägigen Aufenthalt in BadenBaden nehmen. Die Fahrt nach Wien wird jedenfalls über Italien erfolgen. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, sämtlich zu Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Hinweis! Der heutigen Auflage liegt eine Beilage der Buchhandlung Carl Braus, Schwerte, bei, worauf wir unsere werten Leser besonders hinweisen. Die Geschäftsstelle. Ernährt die Kleinen mit Vir dermab! Kindermein. Suche zum 1. Nov. ein erfahrenes, ehrliches Tienstmadchen bei guter Behandlung und gutem Lohn. 4023 Zu erfr. in der Expedttion. Gelegenheitskauf! Gebr., gut erhaltenes Planino 4076 ist mit 10jähr. Garantie sehri billig zu verk. H. van Bremen, Dortmund. Heiligerweg 15. Eine Wohnung von 2—3 Zimmern zum 15. Okt. oder 1. Nov zu mieten gesucht. Off. mit Preisangaben unter R 4085 an die Exp. d. Blattes erbeten. 9 Hwungberräuuf. Am Mittwoch, den 9. Oktober, vormittags 10 Uhr werde lich im Pfandlokale bei Wirt Rath, hierselbst 1 Vertikow gegen bar versteigern. Schwerte, den 8. Oktb. 1907. Morgenroth, Gerichts=Vollzieher. Anaid gen Mühmach den 6. P0. morgens 8 Uhr soll im hiestt. Schlachthause minderwertiges ns heisch Eine bessere Wohnung Gtage von 5 Zimmern mit Zudehör per 1. Januar 1908 zu vermieten. H. Duhme jr., Hagenerstraße 18. 4090 freund! Zimmer vermicken e Pohnung von zum 1. Januar zu 84000 Beststroße 8. 845 „Freischütz“ Sonntag, 13. Okt., nachm. 4 Uhr Militär-Konzert der 8. Husaren aus Paderborn unter Leitung des Kgl. Stabstr. Herrn E. Schüler. Eintritt 50 Pfg, 10 Karten 3 Mk. Sonntag, den 20. Oktober: Sinfonie-Konzert. Zigarren und Zigaretten in jeder Preislage. N. Nordhäuser Kautav. von G. A. Hanewaar.. In 5 Pfd.=Kistchen zu Originalpreisen. Adolf Heinrich, Hüsingstraße 28. Mein M Hagenerstraße 93, enthaltend 8 Räume mit reichlichem Zubehör ist ab sofort zu vermieten, ganz oder geteilt Näheres zu erfahren bei Carl Horn, 4067 Wandhofen. Nur echte N Für die kommende Saison empfehle ich mein großes Loger in B Kutrikanischen Baurrbranddsen, Teischen Gesrn von einfachster bis feinster Krgulirr=hrez=uur* sowie Kohlenbecken, Ofenschirmen etc. Lagerbestand circa 100 Stück. R. handmann, Schwerte. CC I Verkauf. 4044 Am Mittwoch, 9. Oktob., nachm. 4 Uhr wird Frau Ww. Landwirt H. Spaemann, Geisecke, 3 Morg. gut geratene Kartoffeln(Magnum vonum) u. ca. 4. Morg. Runkeln, sow. 60 Rth. Kappus, alles in der Nähe d. Hofes, öffentlich meistbietend zum Verkauf aussetzen. Zusammenkunft auf dem Hofe. Auch ist noch ein größ. Post. Klee= u. Wiesenheu z. verk. Merklinghäuser Kornsranntwein empfiehlt Carl Raffin, Gathof„Zur Geller: Schwerter Fleisch=Halle empfiehlt: dickes fettes Rindfleisch per Pfund 60 Pfg. Prima Schweinefleisch per Pfund 65 Pfg. Pr. mager u. Koteletts per Pfund 70 Pfg. Plockwurst per Pfund 100 Pfg. Fleischwurst per Pfund 75 Pfg. Knoblauchwurst per Pfund 75 Pfg. Mettwurst ger. per Pfund 75 Pfg. Mettwurst per Pund 75 Pfg. Zungenwurst per Pfund 75 Pfg. Schwartemagen per Pfund 75 Pfg. Leberwurst per Pfung 40 Pfg Blutwurst per Pfund 48 PfKaufmännischer Verein Schwerte (Ortsgruppe im D. H.-V.) Sonntag, den 13. Oktober 1907, nachmittags 4 Uhr beginnend, in den Räumen des Hotels Ostermann (Brückner): = 14jährige= Verbandsgründungs-Feier unter gütiger Mitwirkung des Ruhrtaler Sänger-Vereins Schwerte, unter persönlicher Leitung seines 4084 Dirigenten Herrn Musikdirektor August Haselhoff. Konzert O Theater O Ball Die Mitglieder, sowie Freunde und Gönner des Vereins mit ihren Angehörigen, sind freundlichst eingeladen. Kaufmännischer Verein Schwerte. Plandleib-Anstalt omp Dortmund Nicolaistr. 5. Bakenstr. 38 beim Bezirks-Kommando. HerrenArrrezicher und Terantel die wir im Laufe des Jahres auf den Pfänderversteigerungen angesteigert haben, werden in unseren Geschäftslokalitäten Nicolaistr. 5 u. Balkenstr. 38 zu sehr billigen Preisen verkauft Der Lagerbesland ist ganz bedeutend daher die Auswahl aussergewöbnlich gross Pelzwaren werden jetzt, weil noch keine Hochsaison, innerhalb einiger Tage zu billigsten Preisen repariert und modernisiert. Kürschnerei Köbert Lipphauh, Schwerte, Brückstrasse 1. P 4015 8 S der Molkerei Westheim 140 Pfg. d. oslfriesische, sehr gute Qualität, 130 Pig. Speistkat..„ zum Einkellern empfiehlt C. Lethaus. Ein noch fast neuer, kleiner Dauerbrandofen ist verziehungshalber billig zu haben. Von wem sagt die Geschäftsst. d. Schw Zt. 4083 Malz= Extract=Bier (Kraftbier) reich an gehalt 6¾%, arm an Alkohol 1½% empfiehlt K Carl Raffin, Gasthof„Zur Helle“. Weide=Verpachtung. Die dem Freiherrn von Romberg gehörige bei Fröndenberg gelegene Ruhrweide, sog. Jungfernkampsweide, 12 Morgen groß, soll auf 6 Jahre verpachtet werden. Haus Brünninghausen bei Dortmund. Freiherrlich von Romberg'sche 4059 Rentei=Verwaltung. von 5 Zimmern mit allem Zubehör per 1. Januar 1908 preiswert zu vermieten. 4028 A. Rettstadt, Wandhofen. Ageschlossene 1. Stage pr Piand 25 Pls. Einen leichten B407s Leiterwagen und ein Gig zu verkaufen. Grünstraße 1. Der Plan nebst Beilagen über die Enteignung von Grundstücken in der Gemeinde Wandhofen für den Bau einer Eisenbahn von Iserlohn nach Schwerte wird nach Vorschrift des§ 19 des Gesetzes über die Enteignung von Grundeigentum vom 11. Juni 1874(G. S. S. 221) während der Zeit vom 11. bis 25. Oktober d. I. bei dem Gemeindevorsteher in Wandhofen zu Jedermanns Einsicht offen gelegt. Einwendungen gegen den Plan sind während der Dauer der Offenlegung bei mir schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu geben. Diese dürfen aber nur die Gestaltung des Planes, nicht aber die Entschädigungsfrage zum Gegenstand haben. 4092 Hörde, den 3. Oktober 1907. Der Königliche Landrat: Busch. Wohnung von 2 gr. Zimmern per 1. Novbr. zu vermieten. H3979 Zu ersr. Kirchhof 2, 1. Treppe. Zum 1. Im. od. früher Etage von 5 Zimmern zu vermieten. B3983 Frau Kaiser, Ostenstraße 35a. Eine Wohnung von 4082 2 Räumen auf 1. November zu vermieten. Näheres Hagenerstraße 50. A Phönix Dauerbrenner hygiehisch deaistes System OegnalSicherheits-Requlator Gasausströmung und Ez. plosionen ausgeschlossen Dram das neue Spstem. Ein glumsnde Erfolg ∆ schreianger Sunden auf dem Gebiete der Heirtechnik. 913.0 112 edersee, Schwerte Bahr. Gebr. Maver,###.### Kuhr. Feinete Qualität Hausfrauen verlangt beim Einkauf von Billigster Aufschnitt In einem besseren Hause findet eine junge Dame oder Schülerin 63978 Kost und Logis. Wo sagt die Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. Eine Wohnung von 2 Zimmern mit Zubehi bis zum 1. Januar zu vermieten. Näheres in der Expedition der Schw. Ztg. 4088 Vortrge“, vym miunnut Von deuischem Böchsenleisch stets die Marke P 4087 CRorrgsm *(Dosen mit Schwars-retem Belavtt und Zirmaa) hergestellt aus allerbestem Rinder-Pökelfleisc. in der Fleischkenservenfabrik von Eckhardt& Streithorst 6. u. b. u. Prämliert mit der Staatsmedallle, SiegerOsnabröck. Ehrenpreis des Reichsmarineamtes und vielen ersten Preisen, Die„3hwperte„ike fjis vsenesährsch, bei der Pori 42 P. fütr Bertelgela mehr. Wöchenliche Grals=Belage:„Muzsriener Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts IS Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und altestes Tagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Nr. 236. Dienstag, den 8. Oktober 1907. Ueberführung der Leiche des Großherzogs von Baden. Am Mittwoch früh hat die feierliche Ueberführung der Leiche des Großherzogs von der Insel nach Konstanz an Bord des Dampfers„Kasser helm“, den der Verewigte so oft benutzt hat, und von da mit der Eisenbahn nach Karlsruhe stattgefunden. Gegen 8 Uhr früh wurde der Sarg aus der Schloßkirche in Mainau auf den Schloßhof hinausgetragen und in feierlichem Zuge, wobei die GroßherzoginWitwe mit dem Großherzog Friedrich II. und dem Kronprinzen von Schweden hinter dem Sarge schritten, zum Dampfer gebracht. Auf dem Wege zur AbDie Überführung d. Leiche nach d. Schloss fahrtsstelle sangen die Schulkinder Choräle und die Musikkapellen spielten Trauerweisen. Bei der Ankunst am Schiffe nahm die Ehrenkompagnie Aufstellung und präsentierte, während der Sarg nach dem Schiff übergeführt wurde. Hinter=dem Trauerschiffe hatte sich eine Fischerflottille aufgestellt, bestehend aus 40—50 großen schwarzen Kähnen, die Halbmast geflaggt hatten und mit gesenkten Rudern paradierten. Von Sipplingen war ein Schiff mit der Bürgerwehr und einer Militärkapelle zur Stelle, die gleichfalls während der Ueberführung der Leiche einen TrauerAlie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o 0 0 O OO O O O O O C O 0 Drucku. Verlag von Garl Braus, Schwerte. Fernsprech=Anschlus: Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr 39. Jahrg. marsch spielte. Die Leiche wurde nach dem Mitteldeck des Dampfers„Kaiser Wilhelm“ übergeführt und unter einem schwarzen Baldachin aufgestellt. Das Seitendeck und das Mittel= und Oberdeck waren mit schwarzem Flor ausgeschlagen und mit Fahnenschleifen verziert. Unter den Klängen des Chopinschen Trauermarsches setzte sich das Schiff dann langsam in Bewegung, um gegen 9 Uhr in Konstanz einzutreffen, wo die Leiche unter dem Geläute der Glocken von einer unabsehbaren Menschenmenge empfangen wurde. Ohne weitere Zeremonien bildete sich der Trauerzug und geleitete durch das Spalier der Vereine, Schulen, Beamten und Soldaten zum Bahnhof. Die Abfahrt nach Karlsruhe erfolgte ohne längeren Aufenthalt. Längs des Bahngleises hatten Schulen, Vereine und die Bewohner Aufstellung genommen. Der Zug wurde überall mit weihevoller Trauer, Glockengeläute, Chorallgesang und Trauermusik empfangen. Die auf den Feldern Arbeitenden entblößten das Haupt. Die Fahrt durch das Land machte einen überwältigenden Eindruck. Der Großherzog begrüßte auf den größeren Stationen persönlich die Spitzen der Behörden, indem er aus dem Wagen stieg. Als der Sonderzug sich der Residenz näherte, wurden Kanonenschüsse gelöst und von sämtlichen Kirchen läuteten die Glocken. Dem Zuge entstieg der Großherzog, der die Großherzogin leitete. Sodann wurde der Sarg aus dem reichgezierten Gepäckwagen auf den Bahnsteig gebracht und von dort auf den Leichenwagen. Unter Glockengeläute bewegte sich der Trauerzug nach der Schloßkirche, woselbst eine kurze Andacht abgehalten wurde. Auf den Straßen hartte eine ungeheure Menschenmenge, die entblößten Hauptes den Zug vorüberziehen ließ. Die Schloßkapelle ist schwarz ausgeschlagen. Gegenüber dem Altar hat der Sarg inmitten eines Pflanzenhaines Aufstellung gefunden. Zu beiden Seiten des Katafalks befinden sich sechs Säulen mit Armleuchtern, längs der Galerien Kränze mit langen Schleifen. Deutschlands Kraft. „O Deutschland, was dich herrlich macht, Sind deines Herzens starke Triebe Zu Dichtung, Frauen, Liederpracht— Dein letztes Teil ist deine Liebe! Und wie um trotz'ger Eichen Schaft Sich wilde Rosen blühend ranken, So schlägt um deutsche Reckenkraft Die Schönheit ihre Lenzgedanken...“ Geheimnis des Lindenhofes. Frei nach dem Ehglischen von Clara Rheinau. 26. Diese Austern waren für Leute, welche sich recht gut selbst solche Sachen hätten kaufen können und denen keinen Dank wußten, die sie schickten; denn ich weiß von zweien, welche das Fahrgeld nicht bezahlen wollten und sagten—“.. 34 unthung „Aber jener Mann, Fräulein Meggit? unterorach sie Weston. „Ach ja, er war natürlich auch da und des alten Peters Derwent Sohn mit seiner Frau und noch zwei seine Damen, wie ich anfangs meinte, aber es stellte sich heraus, daß sie nur Ladenmädchen aus Allingham waren; und ich muß sagen, wenn ich sehe, wie solche junge Frauenzimmer sich bekleiden—“ O, was liegt daran,“ sagte Templeton.„Saß jener Mann auf dem Verdecke des Postwagens?“ „Guter Himmel, nein; deshalb siel er mir ja so sehr auf, seinesgleichen im Innern des Wagens. sitzen zu sehen! Aber ich muß sagen, für die übrig feuschaft war er gut genug; denn auch die gepi Mammsells saßen innen—.—“ „Hatte der Mann Gepäck?“ unterbrach Weston den kein einziges Stück. Jene aufgetackelten Frauenzimmer hatten zwei Hutschachteln, in noch mehr Putz und Flitter steckte; ich weiß es, denn ich sah sie damit in der Kirche—... g 15419#. „Und der Mann war schäbig gerleidet: fragte Templeton. „Ja, schäbig und gerade wie ein Einbrecher. Eine kurze grobe Jacke mit großen Hornknöpfen, karrierte Hosen, die jedenfalls aus einem Trödlerladen stammben; eine sehr seine und sehr schmutzige Weste und einen alten Hut, der eingedrückt und ohne alle Fasson war. Aber sein Gesicht war schlimmer als sein Anzug und seine Manieren noch das allerschlimmste. Ich glaubte, er wollte Spiller um einen Teil des Fahrgeldes betrügen, denn dieser sprach sehr heftig und drohte ihm mit der Peitsche. Und dann zu sehen, wie der Mann die Finger an die Nase legte und so gräßlich grinste! Noch überläuft es mich eiskalt, wenn ich daran denke.“ „Blieb er über Nacht im Rhinozeros?“ „Sie sollen es hören; erst schickte ich meine Jette hinaus, um zu sehen, wohin die seinen Mamsells gingen; denn sie wurden nicht abgeholt, und wohin gingen sie? Zu Jean Diggings. Es waren seine Nichten; und er hat mit vier Talern die Woche eine Frau mit 12 Kindern zu ernähren! Ich muß sagen, es ist schrecklich, daran zu denken! Den Mann hatte ich indes noch nicht aus den Augen verloren, und ich wußte, daß er das Rhinozeros" noch nicht verlassen hatte. Wie ich mich anstrengte, um zu erraten, wen er zu besuchen gekommen war, können Sie sich denken. Als Jette zurückkam, schickte ich sie gleich hinüber zu Frau Parker — das ist das„Rhinozeros“, wie Sie wissen—, um zu fragen, wieviel Uhr es sei. Ich empfahl ihr an, sich nach dem sauberen Herrn umzusehen, ob er in der Schenkstube sitze; denn wenn er auch innen im Wagen fuhr, paßte er doch nirgends anders hin, und Frau Parker ist sehr eigen und empfindlich, und sie muß es auch sein. Nun als Jette zurückkam, sagte sie mir, er sitze im Wirtszimmer und plaudere mit den übrigen Gästen; aber Frau Parker, sagte sie, sehe gar nicht erKleine Chronik. — Eine Hand voll Sand trug einem Garde=Dragoner in Berlin 6 Monate Gefängnis ein. Der Mann hatte in der Trunkenheit den Sand seinem Unteroffisier ius Göicht gemorstet. freut aus. Ich konnte mir nicht klar werden, was diesen Mann, der wie ein Einbrecher ausfah, ohne Gepäck nach unserem Dorfe geführt habe, wo er doch anscheinend niemand kannte; also schickte ich nach etwa einer Stunde Jette wieder hinüber, um mir mein gewohntes Glas Bier zu holen, und ich empfahl ihr an, Frau Parker von den beiden geputzten Mamsells zu erzählen, weil ich dachte, bei dieser Gelegenheit könne sie vielleicht etwas verstehen, was der Mann spreche. Und so war es auch. Er sagte, er glaube ein tüchtiger Marsch in der Dunkelheit werde ihm wohltun, er werde jetzt für ein paar Stunden ausgehen.“ „Davon sagten Sie mir ja neulich gar nichts,“ bemerkte Weston. Hermann machte eine ungeduldige Geberde und Fräulein Meggit versetzte mit beleidigter Würde:„Ich erzähle nie eine Geschichte auf zwei Arten, Herr Weston. Sie hörten mir auch nie so geduldig zu wie Herr Templeton und dürfen Ihre Fehler nicht mir in die Schuhe schieben.“... 7.8 „Ach ja, ich weiß es, es ist aues meine Schuld,“ gestand Weston zu;„ich bin ein unruhiger Geist. Bitte fahren Sie fort! die Erzählung interessiert mich sehr.“ Das alte Fräulein war wieder versöhnt und fuhr fort: 4 „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich erschrak, als, Jette mir dies berichtete, denn das paßte ja gerade für einen Einbrecher. Es war Weihnachten, wie ich bereits bemerkte, und die meisten Leute feierdten das Fest zu Hause; aber Jette und ich waren ganz allein, und ich bekom große Angst und wünschte, es käme irgend jemand zu Besuch bei mir. Schließlich schickte, u#n Ao: über ins„Rhinozeros" und ließ Bruder der Wirtin zu mir herüber bitten, und als er kam, sagte sich ihm, was ich von dem Manne hielte und wie ich mich fürchtete; und er sagte, auch ihm hätte er nicht gefallen, noch weniger aber sein eifriges Fragen nach all den Namen der reichen Familien den Umgegend und wo sie wohnten. Der Mann war ausgegan9 — Aschaffenburg, 7. Okt. Bei einer Treibjagd auf der Gemarkung Lohr wurde ein siebzigjähriger Treiber erschossen,„„ M57# — Newyort, 7. Srl. In Havanna walben sieben Polizeibeamte vors Kriegsgericht gestellt. Die Anklage behauptet, daß sie Kubaner, die wegen antiamerikanischer Umtriebe verhaftet waren, mißhandelt hätten. 20 Gefangene werden vermißt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese getötet wurden, damit diese nicht gegen die Peiniger aussagen könnten, ja, man befürchtet, daß die Zahl der Opfer noch größer sei. — Trier, 7. Okt. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Gefangenwärter Rauch, der das Entweichen des bei seinem Fluchtversuch erschossenen berüchtigten Einbrechers Mostert begünstigt hatte, zu drei Jahren Zuchthaus...„ g6. Em e — Karlsruhe, 7. Dlk. Im Prozeß Hau fanden neuerdings Vernehmungn an Ort und Stelle statt wegen des Verhaltens des Barons von Lindenau. Dem Verhör wohnten auch die Verteidiger Dietz und Gönner bei.„„9#rich — Halle a. S., 7. Okt. Vor dem zeriegsgerih der 8. Division waren dieser Tage wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung und rechtswidrigen Waffengebrauchs der Vizewachtmeister Karl Zimmermann und der Sergeant Otto Kallenberg vom Artillerieregiment Nr. 75 angeklagt. Beide hatten eine friedlich ihres Weges gehende Frau zu Boden gestoßen und den dazukommenden Ehemann mit dem Säbel und dem Fuße bearbeitet, sodaß der Mann eine blutende Wunde und eine gebrochene Rippe davontrug. Das Urteil lautete gegen Kallenberg auf 14 Tage und gegen Zimmermann auf 3 Monate Gefängnis. — London, 7. Okt. Der Ozeandampser der WhiteStar=Linie„Gedric“ ist in Newyork angekommen und meldet stürmisches Wetter. Unterwegs erhielt der „Gedric“ eine drahtlose Meldung vom Cunnarddampfer„Umbria“, worin der Komandant der„Umbria“ mitteilte, einen fürchterlichen Sturm erlebt zu haben. Riesenwellen flossen über die Decks der„Umbria“ und schwemmten die Kommandobrücke ins Meer. Viele Leute an Bord ertranken. Die drahtlose Verbindung mit der„Umbria“ brach dann ab, sodaß der„Gedric“ keine Nachrichten mehr erhielt. Man erwartet mit Spannung die Ankunft der„Umbria“. — München, 7. Okt. Wenn Mitglieder des russischen Kaiserhauses reisen, wird nach einer neuen Anordnung auf sämtlichen Staatsbahnen die Aufsicht verstärkt. Die gleichen Maßnahmen sollen auf österreichischen und italienischen Bahnen durchgeführt werden. Ein Reisender, der von Kufstein nach München im gleichen Zug wie der aus Italien kommende Großfürst Michael Alexandrowitsch fahren wollte, wurde von der Mitfahrt ausgeschlossen, weil er keine Legitimation hatte. Der Mann entpupte sich später als ein harmloser Häutehändler, der mit Politik nichts zu kun hat.„ 26„..68 — Dresden, 7. Drl. Ein furchtvates Familien= drama trug sich heute morgen zwischen 4 und 5 Uhr im Hause Nr. 8 in der Weimarischenstraße zu. Dort wohnt der Kellner Wilhelm Regler mit seiner Frau und einer Schwester derselben. Ein aus Leipzig zu Besuch bei Regler sich aufhaltender Bruder, der Arbeiter Regler, kam nun in der vergngenen Nacht mit den genannten Frauen zu Streitigkeiten und zog plötzlich einen scharfgeladenen Revolver hervor, mit dem er die Schwester der Frau Regler durch einen Schuß tötete und die letztere durch weitere Schüsse schwer verletzte. Er selbst stürzte sich darauf aus der im 4. Stockwerk belegenen Wohnung herab und blieb in schwerverletztem Zustande liegen. Es ist fraglich, ob er und Frau Regler am Leben erhalten werden können. — London, 7. Okt. Verschiedene Schiffsunfälle werden gemeldet, u. a. aus Jarmouth, von wo ein Telegramm mitteilt, daß das französische Schiffe„Mowette“ in der Nordsee mit einem englischen Fischerboote zusammengestoßen sei, dessen Mannschaft gerettei werden konnte. Bei dichtem Nebel sind ferner die Dampfer„Settler“ und„Agincourt“ auf einen Felsen ausgelaufen. Die beiden Dampfer sind unrettbar verloren. Die Besatzungen konnten gerettet werden. Die„Post“ berichtet: An maßgebender Stelle werden Erwägungen angestellt, die auf Schaffung einer Kolonial=Artillerie hinzielen. Hauptsächlich handelt es sich um die Frage, welcher Art die Artillerie zu wählen sei, ob schwere oder leichte, Gebirgsgeschütze oder Schnellfeuergeschütze. Einwände, die dagegen angeführt wurden, daß der Feind mangelhaft bewaffnet, schlecht ausgebildet und auch ohne Artillerie sei, sind als nicht stichhaltig anerkannt worden. Es sei nur auf die große Unterstützung hingewiesen, welche die Artillerie in dem Gefecht bei Onganjira der Infanterie geleistet hat. Bestimmend muß aber der große moralische Eindruck sein, den die schnell und weitschießenden Kanonen auf die Eingeborenen machten. Bisher wurden in Afrika fünf verschiedene Modelle verwendet, wodurch der Munitionsersatz besonders schwierig war. Es besteht nun in Anbetracht der schwierigen Wehrverhältnisse einerseits und der erforderlichen kleineren Wirkungssphäre die Absicht, nur ein Modell mit geringerer Wirkung als auf europäischen Kriegsschauplätzen zu verwenden. Dies Modell ist zerlegbar; es wird bespannt mit vier Maultieren oder Pferden, je nach der Beschaffenheit des Geländes. Im Niederungsland sind Pferde, im Gebirge dagegen Maultiere zu verwenden. Räder, Deichseln, überhaupt alle Holzteile sollen aus einer Holzart hergestellt werden, die vor allem unter der dörrenden Hitze nicht leidet. Als 8 aate u. Co rig. das Motel verkaufe ich P 3953 s0 lange Vorrat reicht 4 schwere Kleiderstolfe# für solide Hauskleider geeignet. * Wilh. Sasse. Schwertch Wanahruse Geschoß hat Krupp eine„Schrappnell=Granate“ konstruiert, welche die Vorzüge beider Geschoßarten vereinigt. Die Kolonial=Artilleristen werden außerdem mit einem Karabiner bewaffnet werden, da die ArtillerieMunition bei den schwierigen Wegen zu leicht knapp wird, und weil sie zweitens dadurch in der Lage sind, ihre Transporte selbst zu decken und so die berittene Truppe zu entlasten. Amerikanische Urteile über Deutschland und den Kaiser. Die beiden amerikanischen Austauschprofessoren Burgeß und Buttler haben sich nach ihrer Heimkehr über die in Deutschland gewonnenen Eindrücke in einer für uns sehr schmeichelhaften Weise geäußert und im besonderen ihrer Verehrung für Kaiser Wilhelm Ausdruck gegeben. Nach einem Bericht der Newyorker Staatszeitung rühmte Professor Burgeß das Verständnis, das er in allen deutschen Kreisen für seine Aufgabe fand. Wörtlich sagte er dann:„Auffallend ist das allerdings vom Kaiser angeregte und genährte, aber heute durch alle gebildeten Kreise gehende tiefernste Bestreben, ein inniges Freundschaftsverhältnis mit den Vereinigten Staaten zu schaffen. Es war mir daher eine ganz besondere Freude, gerade auch in Hofkreisen darauf hinweisen zu können, daß in den Vereinigten Staaten eine einflußreiche Gesellschaft besteht, deren Zweck es ist, beide Länder in innigere Beziehungen, insbesondere zur Verhütung von Kriegen, zu bringen. Die Person des Kaisers hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht und ich halte ihn für einen der bedeutendsten Menschen der Gegenwart. Bezaubernde Liebenswürdigkeit, gepaart mit großer Menschenkenntnis und einer geradezu verblüffenden Beschlagenheit auf fast allen Gebieten machten die Unterhaltung mit ihm zu bleibenden Marksteinen.“ Professor Buttler erklärt, die Ansicht, daß der Kaiser unberechenbar sei, sei völlig irrtümlich.„Seine Perönlichkeit hat etwas ungemein Gewinnendes und er besitzt sogar einen demokratischen Zug. Die geschäftiche und handelspolitsche Tätigkeit seines Landes und der ganzen Welt erregt sein eifrigstes Interesse. Er ist ein wirklicher Staatsmann, und wenn er nicht Kaiser wäre, würde er sicher Präsident geworden sein.“ Haus= und Landwirtschaft. (D) Aplerbeck. Freunden und Kennern seinen edlen Tafelobstes sei jetzt ein Spaziergang nach dem Obstmuttergarten in Aplerbeck bestens empfohlen. Der Garten, der bekanntlich ein Unternehmen der beiden Kreise Dortmund(Land) und Hörde ist, weist zurzeit eine Fülle des edelsten Obstes auf. In diesem Jahre sind besonders die Birnen ausgezeichnet geraten, und ist es eine Pracht, die mit schönen, vollkommenen Früchten reich behangenen Bäume zu schauen. Mit der Ernte ist bereits begonnen. Von Sorten seien genannt: Gute Luise von Avranches, Amanlis Butterbirne, holzfarbige Butterbirne, Esporens Herrenbirne, Regentin, Baronin Mello, Hofratsbirne, Diels Butterbirne, Gellerts Butterbirne, Forellenbirne, Bosk's Flaschenbirne. Allerlei Unkraut. In Norderney hat sich in diesem Sommer scheints alles getummelt, teilt doch die Altenburgen Zeitung ihren Lesern mit, daß Graf Mirbach in Norderney vom Reichsgericht empfangen wurde. Also auch das Reichsgericht war dort. Ein furchtbarer Mensch muß der im Augustusburger Wochenblatt empfohlene Beamte eines Detektivinstitutes sein, von ihm wird geschrieben, daß er bisher 132 Wilddiebe ausrottete. Hoffentlich hat er sie alle skalpiert, um diese Behauptung beweisen zu könDem Kronprinzen sagt das Düsseldorfer Tageblatt nach, daß er dem Kongreß für Hygiene und Demagogie beigewohnt habe. Nächstens wird er wohl noch dem sozialdemokratischen Parteitage beiwohnen. Rosa Luxemburg lernt schon die Begrüßungsrede auswendig. Ein erhebendes Beispiel von Toleranz bietet folgende Anzeige des Elberfelder Generalanzeigers, in der es heißt: Ein Katholik sucht Kapital von 18—20 Millionen Privat. Protestant bevorzugt. Dem Mittelstande will der Landtagsabgeordnete von Richthofen, laut Erfurter Allgemeinem Anzeiger, mit„Gewerbefrechheit" dienen. Ob ihm damit gedient Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, sämtlich zu Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte, gen, wollte aber nach einer Stunde wieder zurück sein, und da war es zehn Uhr. Herr Elton sagte mir, ich brauche mich nicht zu beunruhigen; er wolle mir mitteilen, wann der Mann zurückgekehrt sei— und dies tat er beinahe um Mitternacht; und er sagte, der Mann sei in bester Laune, prahle mit seinem vielen Gelde und zeige ganze Haufen Banknoten, welche man nicht bei ihm vermutet hätte. Uebrigens hörten wir nie von einem Einbruche, und am andern Morgen fuhr er mit der ersten Post wieder weg.“ „Und er kehrte zurück— wann war das?“ fragte Hermann. Das nächste Mal kam er nicht mit der Postkutsche; aber er stieg im„Rhinozeros“ ab, blieb jedoch nicht lange. Jette sah ihn des abends um einhalb 9 Uhr im Wirtszimmer, aber als sie eine Stunde später wieder hinüber kam, war er fort, und Frau Parker sagte, er habe davon gesprochen, die ganze Nacht zu reisen. Das war im Februar; und dann wurde er später noch zweimal gesehen, außer dem einen Mal in der Nähe des Lindenhofes um 4 Uhr morgens.“ „Wie lange ist das schon her, und wer sah ihn?“ „Er schlief zweimal in der„Glocke" bei Jettes Vater, und ihr Bruder war erstaunt, ihn früh morgens, als er auf die Arbeit ging, schon zu sehen, denn er glaubte den Mann noch schlafend im Bette. Sie können sich darauf verlassen, Herr Templeton, er hatte die Absicht, in den Lindenhof einzubrechen; ich habe mich ganz gewiß nicht geirrt.“ Nach kurzem Danke verließ Hermann das alte Fräulein und begab sich nach der„Glocke“, einer kleinen Schenke, etwa zwei Meilen vom Dorfe entfernt. Simon Derwents Sohn war ausgegangen; aber er selbst war imstande, einen sehr ausführlichen Berich über den Männ zu geben, welcher zweimal bei ihm übernachtet hatte. Er bestätigte, daß sein Sohn ihn zur angegebenen Zeit in der Nähe des Lindenhofes gesehen hatte; in der„Glocke“ hatte er schon am Abend vorher seine Zeche berichtigt und war nicht mehr, dort eingekehrt. Namen hatte er keinen genannt. Mit diesem Bescheide mußten die Freunde sich zurieden geben und sie waren bereits auf dem Heimwege, als Fritz und Thomas ihnen begegneten. 20. Kapitel. Als die alte Hanna hörte, daß ihr Herr zurückgeehrt sei, stürmte sie, trotz Juliens Bemühungen, sie davon abzuhalten, in das Wohnzimmer, und ohne sich an in Anwesenheit eines Fremden zu stören, umchlang sie Hermann mit beiden Armen, wie eine Muter, die ihren Sohn von einem schrecklichen Verhängnis bedroht weiß. „O, so ist es dennoch gekommen!“, rief sie aus; „ich wußte es— ich wußte es immer! Sie hießen mich schweigen, wo ich doch besser gesprochen hätte— und nun müssen Sie dafür leiden. Sagte ich Ihnen nicht, Hermann Templeton, es sei Tollheit, es hieße Gott versuchen? Sagte ich Ihnen nicht, wie wir gestraft werden würden?" „Ei, Hanna, was ist mit Ihnen?“ fragte Hermann. „Was brachte Sie in diesen aufgeregten Zustand?“ Beruhigen Sie sich doch, sonst werden Sie sich krank machen. Es ist kein Grund zu dieser übermäßigen Besorgnis vorhanden. Kommen Sie; ich will Sie auf Ihr Zimmer geleiten.“ Die Arme war in einem bedauernswerten Zustande. Ihre Körper= und Geisteskräfte schienen sie plötzlich verlassen zu haben, und der starre Ausdruck in dem runzeligen Antlitze sprach von einem Entsetzen, daß der schwache Geist nicht mehr zu überwinden vermochte. Während Hermann sie wegführte, setzte sie ihre Klagerufe fort. „Ich versprach, die Wahrheit zu verschweigen,“ jammerte sie;„aber länger kann ich nicht mehr. Sie können nicht von mir verlangen, immer noch zu schweigen— nein, nein! Oh, lassen Sie mich alles fagen! Lassen Sie mich nicht mit diesem Geheimnis auf der Seele in das Grab steigen!“ Hermann blickte sich haftig um und als gewahrte, winkte er ihr, und sie folgte„#... Hannas „Die Zeit ist gekommen, wo Ihre Freundschaft eine schwere Probe zu bestehen haben wird, Sand," begann er mit traurigem Lächeln.„Unsere arme alte Hanna hier, hat schon seit vielen Jahren schwer, aber auch mutig gelitten. In ihrer augenblicklichen Gemütsstimmung möchte ich die Sorge für sie niemand anders anvertrauen als Ihnen; und ich weiß, schon um der Armen selbst willen werden Sie alles tun, um sie zu beruhigen und zu erheitern. Ohne daß sie es beabsichtigt, können ihre Worte mich in große Verlegenheit stürzen. Ich kann sie nicht gerlcneng Haung selbst darf sie nicht erklären.“ Sie du## können mir nur Schaden bringen. An allen Gliedern zitternd, sank die arme Alte auf einen Stuhl und Hermann trat besorgt an ihre 8888#uen S uuchen „Es schmerzt mich unendlich, zu sehen, duß nuch undere, deren Treue und Anhänglichkeit mir seit Jahren so unschätzbar sind, in mein Unglück verwickelt werden. Wir hätten in Ihrem Alter Ihnen recht ruhige Tage bereiten sollen, meine arme Hanna, fügte er bei, herzlich die Hand der Alten ergreifend.„Metz blutet für Sie; aber Sie kennen meine Lage, Sie###### sen, daß ich zuversichtlich hoffe, alle Schwierigkeiten schließlich noch zu überwinden. „Ich weiß, daß Sie ausgestoßen sind, und daß Sie am wenigsten es verdienen, schluchzte, Hanna.„sa# weiß, ich fühle, daß ich nicht schweigen sollte— nicht schweigen kann. O, wenn das Schlimmste eintreten würhe(Fortsetzung folgt.)