Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund“. o 0 0 O O C O O O O C O 0 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 PI., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. lal den hiels Worch! ummmchmmmrmrmmmrmren hrmmmmrr Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbingliche Kraft. o 0 0 0 OOOO OO C O O o Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 223. Die bisherigen Resultate der Friedenskonserenz lassen sich in Kürze folgendermaßen zusammenfassen: Friedensrecht.— Aenderung der Konvention betreffs der friedlichen Regelung internationaler Streitfragen, mit Bezug auf die Enquete=Kommission. Feststellung der Drago=Lehre in sehr gemäßigter Annahme des Prinzips der verpflichteten Arbifrage und des permanenten Hofes. Eine Erklärung, daß die Prüfung der Frage betreffs der militärischen Lasten wünschenswert sei. Kriegsrecht.— Aenderungen der Haager Konvention vom 29. Juli 1899 bezüglich der Anwendung der Prinzipien der Konvention vom 22. August 1864 auf den Seekrieg. Aenderungen des Reglements vom Jahre 1899 betreffs der Gesetze und Gebräuche im Landkrieg. Erneuerung— bis zur folgenden Konferenz— der Erklärung vom 29. Juli 1899, laut welcher es verboten ist, Projektile und Explosionskörper aus Luftballons zu werfen. Regelung betreffs der Beschießung durch eine Seemacht in Kriegszeit. Feststellung der Notwendigkeit einer Kriegserklärung und der Mitteilung derselben an neutrale Stöcken. geer. 1s Regelung der Rechte und Pfrichten neuttater Staaten im Landkrieg. Regelung der Haltung der Neutralen auf belligierendem Gebiet.„6.. 6 Das Verbot, treibende Minen außerhals des durch die Kanonen der kriegführenden Macht zu bestreichenden Gebietes auszusetzen, insofern diese nicht nlach einer halben Stunde von selbst sinken. Selbsttätige Minen darf ein Staat nur in eigenen territorialen Gewässern aussetzen, wenn sie fest verankert sind oder, fells sie abtreiben, sofort sinken. Einsetzung eines Berufungshofes für Erbeutungen im Seekrieg. In Behandlung, mit Aussicht auf Annahme, ist eine Regelung betreffs belligierender Schiffe in neutralen Gewässern. Keine Uebereinstimmung ist bisher erzielt betreffs Blockade, Kontrebande, Veränderung von Kauffahrteischiffen in Kriegsschiffe und des Rechtes, neutrale Prisen zu vernichten. Montag, den 23. September 1907. Neueste. Die mit einem“ versehenen Nachrichten sind unten weiter ausgeführt. Der Großherzog von Baden schwebt, gemäß neueren Nachrichten, in ernster Lebensgefahr. Die besiegte Lusitania ist mit 550 Passagieren nach Liverpool unterwegs. Der Räuber der Dubliner Kronzuweten ist gefaßt worden. e M 6 22 polnische Dienstmaochen wies die Polizei in Elberfeld als lästige Ausländerinnen aus. Politische Uebersicht. Deutschland. Vom kaiserlichen Hoflager. Der Kaiser im Osten. Nach Beendigung der Festungskriegsübung besichtigte der Kaiser, von einer großen Volksmenge begrüßt, am Sonnabend den Neubau des Posener Schlosses. Der Monarch sprach sich befriedigt über Ausführung und Fortschritte aus und nahm photographische Aufnahmen entgegen. Von Posen reiste der Kaiser nach Königsberg zur Neueinweihung des Doms am Sonntag und nach Memel zur Enthüllung des Nationaldenkmals am Montag. Ein Jagdbesuch in Rominten schließt sich an. Anfang Oktober besucht das Kaiserpaar Kadinen.— Der Kaiser hat für den Bau der neuen Stadtkirche zu Osterode der dortigen evangel. Gemeinde aus seinem Dispositionsfonds eine Beihilfe von 25000 Mk. überweisen lassen.— Die Kaiserin ist in Plön eingetroffen, wo sie von den Prinzen August Wilhelm und Joachim empfangen wurde.— Der Kronprinz trifft heute vormittag im Automobil zu zweitägigem Aufenthalt in dem Forsthause Olberg bei Aken an der Elbe ein, um dort zu sagen. Die Kaiserin als Samariterin. Eben erst wieder hergestellt, hat sich die Kaiserin nach dem schrecklichen Berliner Brandunglück als Samariterin betätigt. Ließ sich der Kaiser eingehenden Bericht erstatten, so erschien die Kaiserin am Freitag selbst bei den Verunglückten im Muabiter Krankenhause und im AugustaHospital. Erschüttert hörte die hohe Frau den Bericht der leitenden Aerzte und wünschte allen Verletzten gute Besserung. Als sie von dem schweren Skurz einer in hoch gesegneten Umständen befindlichen Frau vernahm, wünschte die Kaiserin der Kranken persönlich Trost zu spenden. Gestützt von ihrer Hofdame, stieg Ihre Majestät die Stufen hinan. Sie sprach mit der erfreuten Frau, sagte ihr tröstende Worte und schenkte ihr zum Abschied Rosen.— Die Toten bei dem Unglück sind Mutter und Sohn. Die Mutter befand sich von neuem in vorgeschrittener Hoffnung. Unter den Schwererkrankten befinden sich zwei Feuerwehrleute als Opfer ihres Berufes. Auf dem sozialdemokratischen Parteitage empfahl der Referent Wurm zur Einschränkung der Alkryo= gefahr verschiedene Maßnahmen, die in einer längeren Resolution nach einander aufgezählt werden. Außer einigen verständigen Vorschlägen empfflehlt die Resolution Herabsetzung der Arbeitszeit auf höchstens acht Stunden, Verbot der Nachtarbeit und ausreichende Löhne. Das hieße aber doch den Bock zum Gärtner machen. Die Zuschläge zum Lohn und zur Ruhezeit würden sicherlich in den Gastwirtschaften vertan werden. Vor Annahme dieser Alkohol=Resolution wurde ohne Debatte das von der Kommission ausgearbeitete Statut für die Errichtung eines Preßbureaus einstimmig angenommen. Am Sonnabend wurde über verschiedene andere wichtige Anträge debattiert, der Parteivorstand und die Kontrollkommission gewählt und der Ort des nächstjährigen Parteitages festgesetzt. Damit ist der Paretitag in Essen beendigt, der außerhalb der sozialdemokratischen Kreise so wenig Beachtung gefunden hat, wie kaum irgend einer seiner Vorgänger. Vereinsgesetz. Gegenüber den durch die Presse gegangenen Meldungen über einzelne Bestimmungen des Vereinsgesetzentwurfes schreibt die offiziöse Nordd. Allg. Ztg., dunkel wie die Pythia von Delphi: „Der Entwurf zu einem Reichsvereinsgesetz liegt gegenwärtig dem preußischen Staatsministerium vor. Die Angaben verschiedener Blätter über seinen Inhalt beruhen lediglich auf Vermutungen, die zumteil zutreffen, zumteil nicht zutreffen, und sind jedenfalls im Hinblick auf das gegenwärtige Stadium der Verhandlungen verfrüht.“ Die Tätigkeit des polnischen Preßbureaus in Paris ist eine empörende. Es werden von ihm die nichtswürdigsten Lügen in den französischen Blättern verbreitet, die von den Franzosen natürlich gern geglaubt werden. Man höre eine Meldung des„Soleil":„Während des polnischen Schulstreiks ist in den deutschen Schulen das Blut in Strömen geflossen; um ein Exempel zu statuieren, brachten die Lehrer auf Besehl des Kaisers mehrere polnische Kinder um.“ Unverschämteres ist kaum dagewesen! Rußland. Der Beginn der Wahlen. Der Wahlkampf hat amtlich begonnen, und aus der Provinz Laufen bereits die ersten Nachrichten über Wahlversammlungen ein. In ihnen eine gewisse vorbildliche Bedeutung für den Verlauf der Wahlen erkennen zu wollen, wäre natürlich durchaus unbegründet. Die vorigen Wahlen haben zur Genüge gezeigt, wie vorsichtig man sowohl die halbamtlichen Angaben als auch die der Parteipresse aufzunehmen hat. Zumteil liegt der Grund hierfür dascheint. Er hat bereits mit einem Wahlaufruf eingesetzt, der nicht ungeschickt abgefaßt ist und energisch Front nach rechts und links macht. Einen großen Fehler aber haben die Parteiführer begangen, und der dürfte sich noch rächen: der Aufruf ist nicht nur in den beiden Zeitungen erschienen, die dem Verband freundschaftlich gegenüberstehen, nämlich in der Nowoje Wremja und dem Golos Prawdy— ein eigenes Blatt besitzen die Oktobristen in Petersburg nicht— sondern auch in der ofsiziösen Rossija. Die Gegner des Verbandes werden diesen Umstand zweifellos ausnutzen und als einen Beweis der Abhängigkeit von der Regierung auslegen Petersburg, 21. Sept. In unterrichteten Kreisen wird behauptet, daß die Position Stolypins nach wie vor eine unveränderte feste sei und daß er auch nach Einberufung der neuen Duma seine Machtstellung wahren werde. rin, daß nur in den selteneren Fällen, hauptsächlich in den größeren Städten, die Wahlmänner und ihre Auserwählten, die Abgeordneten, ein scharf ausgeprägtes politisches Glaubensbekenntnis besitzen, während die große Menge sich erst in der Reichsduma darüber klar wird, welche Fraktion ihrem Herzen näher steht. Dies ist auch durchaus erklärlich, wenn man die Neuheit der Beteiligung des Volkes am politischen Leben und seine niedrige Bildungsstufe in Betracht zieht. Bezeichnend ist, daß der Oktober=Verband sich diesmal energisch am Wahlkampfe beteiligen zu wollen Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 23. September 1907. *r(Schwalbenabschied?) Vor kurzem ging durch die Tagespresse die Notiz, daß die Schwalben bereits Abschied genommen hätten. Veranlaßt war die Meldung wohl durch die großen Schwärme von Schwalben, die hier und da auftauchten. Jedenfalls hat man sich getäuscht, denn noch in den letzten Tagen waren allenthalben Schwalben zu bemerben. Nicht minder irrtümlich ist die Auffassung, daß die Schwalben sich in diesem Jahre sehr stark vermehrt hätten. Beide Irrtümer sind folgendermaßen zu erklären: Bei dem Auftreten der starken Schwalbenschwärme haben wir es mit Ansammlung vagierender Haufen zu tun gehabt, die sich auf der Nahrungssuche befanden und die sich nachher auch wieder zerstreuten. Die Beobachtung dieser Haufen war in 14 Tagen wohl drei= bis viermal möglich, wodurch die Auffassung von der starken Vermehrung Platz greifen konnte. In Wirklichkeit war bislang das Wetter nicht derart, die Tiere zum Scheiden zu veranlassen, und dann war auch der ganze Sommer einer starken Vermehrung nicht günstig. Verbrechen wirken ansteckend. Die Erfahrung ist schon oft genug gemacht worden und bestätigt sich etzt wieder. Seit dem Strausberger Bahnfrevel ist über zahlreiche Fälle zu berichten gewesen, in denen gleichfalls Anschläge auf Eisenbahnzüge gemacht wurden. Zum Glück ist die böse Absicht stets durch die Aufmerksamkeit des Lokomotivpersonals vereitelt worden. Aber was heute zunichte gemacht wurde, kann morgen gedeihen. Das Gesetz sieht strenge Strafen für Bahnfrevel vor. Und soeben wurde ein junger Bursche, der einen Zug zum Entgleisen bringen wollte, von der Hirschberger Strafkammer zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht, über den Antrag des Staatsanwalts um das Doppelte hinausgehend, betonte ausdrücklich, daß zur Aufrechterhaltung der Sicherheit des Eisenbahnbetriebes die strengsten Strafen gegen Bahnfrevel verhängt werden müßten. Man kann dieser Ansicht nur beipflichten. In der Tat ist es ein fluchwürdiges Verbrechen, die Sicherheit und das Leben so und so vieler Menschen zu gefährden. Auffallen kann es, daß bis vor einiger Zeit über Anschläge auf Eisenbahnzüge fast nur aus dem Westen, dem rhein.=westfälischen Industriebezirk, berichtet wurde, seit Strausberg aber der Osten heimgesucht wird. 5000 Mark stehen auf die Ergreifung der Strausberger Bahnfrevler, gefaßt sind sie jedoch noch nicht. Sie sollen es nach Art der Bahnräuber im wilden Westen Amerikas, von denen jetzt merkwürdigerweise weniger die Rede ist, auf das vom Zuge mitgeführte Geld abgesehen haben. Dabei wird gerade der verunglückte Zug nur in geringem Maße zum Geldtransport benutzt. Das Geld und die Wertsachen der Reisenden können aber auch schon die Gier von Beutegeiern reizen. In anderen Fällen sind, sträflicher Uebermut und stärfliche Neugier die Triebfeder gewesen. Was gegen Eisenbahnanschläge geschehen kann, geschieht. Das Gesetz ist streng genug und wird auch entsprechend gehandhabt. Die Bahnvenwaltungen und die Beamten tun das Ihrige. Bleibt noch die Schärfung des Gewissens der Jugend. Wo verbrecherische Keime schlummern, hält es schwer, die böse Saat zu beseitigen. Nichtsdestoweniger muß jeder an seinem Teile an dem Kampf gegen da9 Verbrechertum mitwirken; es ist einfachste Menschenpflicht und— Selbsterhaltungstrieb! **(Nachlösen von Fahrkarten.) Fast täglich kann man auf den Bahnhöfen beobachten, daß Reisende, die wegen Verspätung keine Fahrkarten lösen konnten, unterlassen haben, dies dem Zugführer oder Schaffner des benutzten Zuges zu sagen, u. so begegnen sie dann Schwierigkeiten während der Fahrt oder auf der Reiseendstation, weil die Beamten in Erfüllung ihrer Pflicht nunmehr nach den Vorschriften des Tarifs die Zahlung von 6 Mark fordern. In vielen Fällen werden solche Reisende aus Unwissenheit die Meldung an den Zugbeamten unterlassen haben. Es ist daher wichtig für jeden Reisenden, wenn er weiß, daß er sich sofort beim Besteigen des Zuges beim Zugführer oder Schaffner zu melden hat, wenn er keine Fahrkarte besitzt, damit er neben dem Fihrpreise nur den Zuschlag von 1 Mart oder den doppelten Fahrpreis, falls letzterer billiger ist, zu zahlen hal Wer auf einer Anschlußstation wegen Zugverspätung oder kurzer Uebergangszeit keine Fahrkarte lösen kann, oder wer in demselben Zuge über die Station, nach der seine Fahrkarte gilt, hinausfahren will und dies vorher meldet, hat nur den gewöhnlichen(einfachen) Fahrpreis nachzuzahlen. ** Der Dortmunder Musikverein hat für den Winter 1907/08 ein vorzügliches Programm aufgestellt. Die Konzerte finden wie bisher im„Fredenbaum“ statt. Der Musikverein bedarf zur Erfüllung seiner großen Aufgaben dringend der Unterstützung aller Freunde vornehmer Musik. Insbesondere gilt es, seine finanzielle Leistungsfähigkeit durch Erhaltung und Vergrößerung der Zahl treuer Abonnenten zu sichern. Konzerte sind vorgesehen am 27. Okt. 1907, 8. Dez. 1907, 9. Februar und 29. März 1908. Als Solisten sind bisher gewonnen oder eingeladen: die Damen: Maria Philippi, Noordewier=Reddingius, de Haan=Manifarges, Johanna Dietz, Dr. F. Hofmann; die Herren: Felix Senius, Jacques Urlus, Max Rothenbücher, Otto Süße, Aug. Göpel. (Gestohlen) wurden ein Teil Fußbodenbretter am hiesigen Postneubau. Die Bretter sind auf einer Seite gestrichen und sollen, wenn möglich, wieder in den Besitz der Unternehmer kommen, zu welchem Zwecke eine Belohnung von 20 Mk. ausgesetzt wurde. *r(Antwortscheine.) Um im Verkehr mit anderen Ländern die Vorausfrankierung von Antworlbriefen zu ermöglichen, werden vom 1. Oktober ab bei den Kaiserlichen Postämtern in Bochum 1, Dortmund 1, Gelsenkirchen 1 und Hagen(Westf.) Antwortscheine für das Ausland zum Preise von 25 Psg. für jedes Stück zum Verkauf an das Publikum bereit gehalten: Bei den übrigen Postanstalten sind solche Antwortscheine auf vorherige Bestellung erhältlich. Die von anderen Postverwaltungen ausgegebenen Antwortscheine können bei allen Postanstalten und auch bei den Briefbestellern gegen Freimarken im Werte von 20 Pfg. für jeden Antwortschein umgetauscht werden. (Eine Rauferei) bei der es naturgemäß ziemlichlaut zuging, weckte vergangene Nacht die Schläfer in der Ostenstraße auf. Junge Burschen erledigten ihre Meinungsverschiedenheiten durch Flaschenwürfe und andere Tätlichkeiten. *(Die Stenographische Gesellschaft„Arends“) feierte am Samstag in den Lokalitäten des Herrn Walter ihr erstes Stiftungsfest. Dasselbe war sehr gut besucht und nahm einen für alle Teilnehmer befriedigenden Verlauf. (Das gestrige Freischützkonzert) erfreute sich eines recht guten Besuches. Die Darbietungen des von seinem Konzert im vorigen Jahre noch in bestem Andenken stehende Solo=Quartetts des Dortmunder Lehrer=Gesangvereins standen in jeder Beziehung auf der Höhe künstlerischer Vollendung, infolgedessen wurden die einzelnen Nummern des sehr geschickt zusammengestellten Programms auch sehr beifallfreudig aufgenommen. **(Felddienst=Uebung,) so lautete gestern der Tagesbefehl für den Garde= und Landwehrverein. Die Uebung spielte sich in der Richtung Geisecke und Lichtendorf ab, wo den Mittelpunkt ein Sturm auf den Hof Hohenschwert bildete. Dieser Sturm wurde mit der nötigen Bravour denn auch ausgeführt.(Hohenschwert besitzt, nebenbei bemerkt, historische Bedeutung als altes Kastell aus den Zeiten der Hansa, wo es eine der stärksten Befestigungen der Stadt war.) Nach dem Sturme wurde in der Schlucht ein Biwak bezogen, aber mit den Schatten des Abends wurde den wackeren Kriegern wohl auch etwas graulich vor den Schatten der Vergangenheit, sodaß sie sich zurückzogen. Kriegerische Taten regen Appetit an, und so fanden sich denn auch sehr bald gegen Abend die Kämpfer in der Stadt wieder ein, um sich, wenn auch nicht an Erbswurst und Kommißbrot, so doch am Pfefferpotthastessen im Vereinslokal gütlich zu tun, und wen die Felddienstübung noch nicht ganz marode gemacht hatte, der konnte noch der Muse Terpsychore huldigen. **(Eine Deputation des hiesigen Marinevereins) weilte gestern in Soest zur Fahnenweihe des Brudervereins und überreichte einen Fahnennagel. Die Weihe vollzog Admiral Thiele von der Nordseestation, der auch im Auftrage des deutschen Kriegerbundes einen hnennagel überreichte. (Doch das Unglück schreitet schnell) rezitierten gestern einige Automobilisten, denen mit Knall ein Viertel der Luft ausging und sie auf der Westhofener Chaussee zu unfveiwilliger Rast zwang. Natürlich fehlte das lebhaft geäußerte Mitleid der jüngeren Fußgänger nicht, denen der Luftmangel noch keine Schwierigkeiten macht. *!)(Der Männer=Gesangverein„Liedertafel"=) Schwerterheide veranstaltete gestern ein sehr stark besuchtes Herbstkränzchen im„Westfälischen Hof". Das Konzert der Schwerter Kapelle und die Gesangvorträ ge des Vereins fanden reichen Beifall und boten besonders die letzteren einen schönen Beweis von dem reichen Können des Vereins. Theatervorführung und als große Ueberraschung eine Verlosung mit recht schönen Gewinnen bildeten den Abschluß des ersten ProIn der Feierabendstunde, die mit Beginn des Herbstes wieder an Traulichkeit gewinnt, und die Familie um den Schein der Lampe sammelt, greift man mit Vorliebe nach seiner Zeitung, um die Ereignisse des Tages im Vaterlande und in der weiten Welt kenne zu lernen. Die Leser unseres Blattes hegen zur„Schwerter Zeitung das Vertrauen, daß sie, wie bisher, schnell, sicher und interessant die Tagesereignisse berichtet. Will man keine Stockung iim Bezug des Blattes eintreten lassen, so gebe man dem Boten oder der Post(durch den Briefträger), schon in diesen Tagen die Bestellung zum 1. Oktober auf. Neue Abonnenten erhalten die noch erscheinenden Septembernummern bis dahin kostenlos. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, außer Feiertags. Bezugspreis Mk. 1,65 vierteljährlich, bei der Post 42 Pfg. für Bestellgeld mehr, mit der wöchentlichen Gratisbeilage„Illustrierter Familienfreund“. Der Verlag. grammteiles, dem als zweiter, vom jungen Volk herbeigesehnt, der Ball folgte. (Der Schwerter Turnverein) hatte auf gestern nachmittag um 3 Uhr zum Wetturnen der Jugendabteilung eingeladen und konnte mit dem Erfolg der Einladung zufrieden sein. Die Darbietungen der jungen Turner zeugten von Fleiß und von Begeisterung für die edle Turnerei. Der Abend war einem Rekrutenabschiedskränzchen gewidmet, das nicht minder gut besucht war, und den Rekruten zum letzten Male Gelegenheit bot, im Kreise der Freunde das Tanzbein zu schwingen. (Brandstiftung?) Gestern abend gegen 10,15 Uhr wurden die Gäste des Hotels„Zur Post“ durch starkes Klirren aus ihrer Gemütlichkeit aufgeschreckt. Aus dem ersten zersprungenen Fenster des Speisezimmers schlugen helle Flammen auf die Straße. Mit großer Geistesgegenwart rissen einige Herren die brennenden Gardinenstoffe, Galerien usw. herunter und löschten den Brand. Immerhin hatten Fenster und Tapete bereits Feuer gefangen, das auch schon das Mobilar ergriff. Da seit länger als einer Stunde das Zimmer dunkel lag, die Tür nach außen jedoch nicht verschlossen war, so kann nur mutwillige Brandstiftung vermutet werden. */!) Geisecke, 21. Sept.(Hühnerställe schließen!) Zweibeinige Füchse haben es auf die Hühnerställe in unserer Gemeinde abgesehen. Dem Gastwirk Lünschermann auf dem Eichholz wurden 9 Gänse gestohlen, dem Lehrer Beckmann von hier eine Anzahl Hühner. * Hörde, 22. Sept. In verschiedenen Straßen unserer Stadt scheinen in hygienischer Beziehung die allerschlechtesten Verhältnisse zu bestehen. Den Straßenrinnen und Abwässerkanälen entströmt allnächtlich ein pestilenzartiger Geruch, der darauf schließen läßt, daß die Ableitungen zu anderen Zwecken benutzt werden, als zu denen sie bestimmt sind. An der Spitze dieser Straßen steht die Schützenstraße, und es ist wirklich unbegreiflich, daß die mit der dortigen Aufsicht betrauten Beamten noch nichts von den Zuständen bemerkt haben. Es ist dies umso wunderbarer, weil doch in einer Seitenstraße der Schützenstraße Schilder mit der Aufschrift„Genickstarre“ prangten, die eigentlich doppelt Veranlassung geben sollten zur Reinhaltung der ganzen Gegend. Auch die Langestraße, Altestraße und der Stift sind mit üblen Gerüchen reichlich bedacht und erfordern ebenfalls mehr Aufmerksamkeit. Westfalen und Rheinland. Essen(Ruhr), 22. Sept.(25jährige Jubelfeier bes evangel. Arbeiterverins Essei.) Glockenläuten, Posaunenklänge von den Türmen der Stadt, flatternde Fahnen und geschmückte Straßen und Plätze kündeten gestern an, daß etwas besonderes in Essen vorging. Gegen 12000 Mitglieder aus 135 evangel. Arbeitervereinen in Rheinland und Westfalen waren eingezogen, um teilzunehmen an der 25jährigen Jubelfeier des Essener Arbeitervereins und um zu bekunden, daß man nicht der roten, wohl aber der schwarz=weiß=roten Fahne folgen wolle. Acht Tage lang hatte die rote Fahne über Essen geweht, die in ihren Mauern die Delegierten derjenigen Partei beherbergte, deren Charakteristik nicht treffender gezeigt werden kann als Iserlohn, 21. Sept.(Der Pferdeverstand) hat sich wieder einmal glänzend bewährt. Zwei Milchverkäufer aus Drüpplingsen hatten den Zirkus besucht und nachher auch eine Bierreise bis gegen 1 Uhr nachts unternommen. Als sie dann zu ihrem in der Baarstraße gelassenen Fuhrwerk zurückkehrten, war Pferd und Wagen verschwunden. Die Männer machten sich schließlich zu Fuß auf den Weg nach Drüpplingsen— ca. zweieinhalb Stunden— und als sie dort ankamen, fanden sie kihr Fuhrwerk in der Nähe wohlbehalten vor. Das Pferd hatte die Bierreise seiner Lenker offenbar mißbilligt und war allein abgefahren. * Eving, 21. Sept. Sturz vom Gerüst. Aus einer beträchtlichen Höhe stürzte heute vormittag 11,30 Uhr ein Handlanger des Bauunternehmers Mühlmann an dem Neubau der evangelischen Moltkeschule vom Gerüst herab, schlug auf ein anderes Gerüst auf und blieb regungslos am Boden liegen. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg gekrönt; indes scheint der Bedauernswerte schwere innere Verletzungen davongetragen zu haben. * Langendreer, 21. Sept. An den Folgen einer Blutvergiftung ist im Wittener Diakonissenhause der 16jährige Sohn des Bergmanns Hasenpflug gestorben. Eine.sofort vorgenommene Opevation konnte dem jungen Manne das Leben nicht mehr retten. * Langendreer, 21. Sept. Durch Unvorsichtigkeit eines Arbeitskollegen wurde einem holländischen Grasschnitter mit der Sense die rechte Wade durchschnitten. Der ziemlich erheblich verletzte Mann mußte dem Krankenhause zugeführt werden. * Hattingen, 21. Sept. Der Bankkassierer Setzermann von der Märkischen Bank in Hattingen ist nach Unterschlagung von 20000 Mark seit Montag dieser Woche flüchtig. In seiner Begleitung befindet sich ein übel beleumundetes Frauenzimmer von hier. Setzermann wird steckbrieflich verfolgt. Da zogen die samtverbandes zu einer erhebenden Kundgebung ein, um mutig und entschlossen zu bekennen, daß die Sozialdemokratie nicht die Arbeiterpartei ist. Das Fest verlief wahrhaft erhebend. Am Morgen fand Choralblasen von sämtlichen Kirchtürmen und vom Vereinshaus statt, darauf wurden in den Kirchen Gottesdienste abgehalten, in denen die Herren Pastor Niemeyer=Eichlinghofen, Militäroberpfarrer Konsistorialrat Dr. Rocholl=Hannover und Pfarrer Lic. Weber aus M.=Gladbach die Festpredigten hielten. Der Festzug am Nachmittag, in dem sich auch eine Abordnung des evangel. Arbeiter= und Bürgervereins unserer Stadt befand, war schier endlos und wies 11—12 000 Teilnehmer auf Am Kaiser Wilhelm=Denkmal fand eine große patrotische Kundgebung statt. Gegen 500 Posaunenbläser trugen den Choral„Wie schön leuchtet der Morgenstern“ vor und begleiteten den kraftvoll ertönenden Gesang des alten Lutherliedes, Ein feste Burg ist unser Gott". Der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Herr Geheimrat Holle, begrüßte in herzlichen Worten den festgebenden Verein und die Gäste von nah und fern, die auf iihre Fahnen die Worte geschrieben hätten:„Fürchtet Gott, ehret den König, habt die Brüder lieb“, während der Parteitag, der in der verflossenen Woche in Essen getagt habe, Gottlosigkeit und Vaterlandslosigkeit gepredigt und alles Edle in den Staub gezogen habe. Herr Superintendent Klingemann lenkte die Bliche zu Thron und Altar, und aus dem Munde von gegen 20000 Versammelten erscholl dann kraftvoll die Nationalhymne. Nach der Feier am Denkmal fanden in drei großen Sälen Festversammlungen statt, in denen die Herren Pfarrer Werner=Frankfurt a. M., Cremer=Unna, Lic. Weber=M.=Gladbach, Reichstagsabgeordneter Behrens u. andere sprachen. * Duisburg, 21. Sept. In einer hier abgehaltenen Versammlung wurde die Gründung eines Bauvereins zur Erichtung eines Kaiser Friedrich=Denkmals beschlossen. * Oberhausen, 21. Sept. Die Gutehoffnungshütte hier hat eine neue Pensionsverordnung erlassen. Nach derselben sind die Pensionsbeträge um mehr als das Doppelte erhöht worden. * Kupferdreh, 21. Sept.(Zusammenstoß.) Ein Eilgüterzug fuhr im hiesigen Bahnhof einem Güterzug in die Flanke. Die Lokomotive und die Wagen des einen sowie 12 Wagen des anderen Zuges entgleisten und wurden schwer beschädigt. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. — Aachen, 21. Sept. Rätselhafter Tod. An der holländischen Grenze, in der Nähe der Grube Nassau bei Herlen, wurde ein Pilgerkreuz zertrümmert aufgesunden. Daneben lag die mit Brandwunden bedeckte Leiche eines Bergarbeiters. Die Polizei ist eifrig bemüht, das Dunkel zu lichten. Kleine Chronik. — Wladiwostock, 21. Sept. Zehn verkleidete japanische Offiziere wurden beim Spionieren angetroffen und verhaftet. Japan fordert die Freilassung, wogegen seitens Rußland. protestiert wird. — Warschau, 21. Sept. Die Polizei entdeckte eine vollständig eingerichtete Druckerei der polnischen sozialen Partei. Vorgefunden wurden zwei Druckmaschinen, Manuskripte, Korrespondenzen und Waffen. — Berlin, 21. Sept. Ein Strafprozeß wegen Kindesmißhandlung fand heute hier vor der 2. Strafkammer statt. Die Gattin des praktischen Arztes Dr. Bergmann, die auf Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft im Juni dieses Jahres in Swinemünde verhaftet worden war, stand unter der Anblage wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs und einer das Leben gefährdeten Behandlung. Die Mißhandelte ist die 14jährige Stieftochter der Frau Dr. Bergmann. Die Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 300 Mark verurteilt; 150 Mark wurden durch die Untersuchungshaft für erledigt angesehen. Der Anklagevertreter hatte 8 Monate Gefängnis beantragt.„„ tetung beschloß London, 20. Sept. Die Staotvertlelung beschloß anläßlich des Besuches Kaiser Wilhelms, diesem eine Adresse zu überreichen und die Straßen der Stadt zu schmücken. — Frankfurt a. M., 21. Sept. In Hösbach in Unterfranken wurde der Tüncher Grimm verhaftet, der im Verdacht steht, im Jahre 1901 den Bäcker Hunger in Frankfurt erschossen zu haben. Posen, 21. Sept. Der Droschkenkutscherstreit ist beendet, da das betreffende Hotel, dessen Boykott den Kutschern von der Polizei verboten worden war, den Transport des kleinen Gepäcks wieder eingestellt hat. Wilhelmshaven, 21. Sept. Heute früh gegen dreiviertel 9 Uhr wurden bei Ausführung von Munitionsarbeiten durch Explosion von 15 Zentimeter Schrappnells 5 Arbeiter getötet, 2 Arbeiter u. 3 Frauen schwer verletzt und eine Anzahl Arbeiter leicht verwundet.(Sonnabend durch Extrablatt bekannt gegeben.) — Chinesisches Deutsch.„Wie man Deutsch in einem Tage erlernen kann“, ist nach dem Ostasiatischen Lloyd der Titel eines kleinen Büchleins, daß in allen Straßen von Peking den Chinesen zum Kauf angeboten, wird. Wie komisch unsere Sprache klingt, wenn zur Wiedergabe der deutschen Laute chinesische Zeichen verwendet werden und was für ein Deutsch der Chinese spricht, der nach solchem Büchlein lernt, davon einige Beispiele: Wie heißen Sie? Wei=hai=sen=Giz Sie essen? Den=lan=chi=aiesen? Vater: Fa-#u Mutter: Mu=ta=ehr. Bruder: Bu=lu=ta. Sopoj.. nen. Kinder: Közen=ta. Frau: Gu=lau, gen; ganKörlai=teh. Stiefel: S=thi=fun. Hände wast,#g. töu=wa=fen. Schlafen: Shi=la=fu. Kopf: Ko=fu. Gö=lo=s. Taschenuhr: Ta=sai=nu=öhr. Guten Morgen: Gu=tu=mo=n. Die militärische Laufbahn des KronGenau vier Jahre ist der deutsche Kronprinz Wilhelm Hauptmann gewesen. Nach seiner Rückkeh von der Universität Bonn wurde er am 18. September 1903 zum Hauptmann und Chef der 2. Kompagnie des 1. Garde=Regiments zu Fuß ernannt, der er schon am Tage seiner Großjährigkeit, am 6. Mai 1900, zugeteilt worden war. In seiner Eigenart als Chef der Leibestadron des Regiments des Garde du Corps führte er den Diensttitel eines Rittmeisters, doch trug er dabei nicht die Uniform dieses Regiments, vielmehr die des Pasewalker Kürassier=Regiments Königin, a la suite, dessen er am 22. Oktober 1905, am Geburtstage seiner Mutter, der Kaiserin, gestellt worden war, die die Tracht der Pasewalker Kürassiere anzulegen pflegt, wenn sie bei militärischen Festlichkeiten zu Pferde erscheint. Kein preußischer Thronfolger hat solange wie der 25jährige Kronprinz Wilhelm die Epauletten der Subalternoffiziere und Hauptleute getragen. So waren z. B. sein Vater, Kaiser Wilhelm 2., und sein Großvater, Kaiser Friedrich 3., 22 und sein Urgroßvater, Kaiser Wilhelm 1., 17 Jahre alt, als sie zu Majoren aufrückten. König Friedrich Wilhelm 4. wurde mit 18 Jahren Major und König Friedrich Wilhelm 3. avanzierte mit noch nicht 20 Jahren direkt vom Stabskapitän zum Oberst.— Darüber, welche weitere militärische Verwendung der Kronprinz jetzt erhalten wird, ist, wie die„N. G. C.“ von zuständiger Seite erfährt, zur Stunde noch keine Entscheidung getroffen. Es kann sich indessen wohl nur darum handeln, ob er jetzt wieder als Kommandeur eines Bataillons zur Infanterie zurückkehrt, ob er die Führung einer Abteilung eines Feld=Artillerie=Regiments erhält oder ob er als Kommandeur an die Spitze eines Regiments der Garde=Kavallerie tritt. Wahrscheinlich ist es, daß er zunächst das Kommando eines Bataillons des 1. Garde=Regiments z. F. bekommen wird. sodann einen deutsch=österreichischen Antrag an, der die Festlegung eines Minimallohnes auf dem Wege des Tarifes fordert. Im nächsten Jahre tagt der Kongreß in Paris. Büchertisch. Letzte Drahtmeldungen. Dynamitschmuggel. Konstantinopel, 22. Sept. Der Eigentümer einer Athener Zeitung, Nevimoa, welcher unter falschem Namen in einem hiesigen Hotel gewohnt hatte, wurde verhaftet, weil er sich verdächtig gemacht hatte, Dynamit mach der Türkei zu schmuggeln. Ein netter Bruder. Namur, 22. Sept. Hier wurde ein Mann verhaftet, der sich Schwindeleien und Unterschlagungen hatte zu schulden kommen lassen. Beim Verhör sagte er aus, er sei der Bruder des italienischen Landwirtschaftsministers Pagello, habe früher als Offizier im 4. römischen Infanterie=Regiment gestanden, habe aber wegen eines Duells seinen Abschied nehmen müssen. Im Automobil nach Ostende. Brüssel, 22. Sept. Die Königinmutter von Italien die incognito reist, traf gestern per Automobil hier ein und setzte nach kurzem Aufenthalt die Fahrt nach Ostende fort. Die Königin reist in Begleitung von 5 Personen. Lusitania. Neuyork, 22. Sept. Der Dampfer,„Lusitania“ ist gestern mit 550 Passagieren nach Liverpool abgegangen. Eine große Menge wohnte der Abfahrt bei. Inwelendieb. London, 22. Sept.„Evening News“ versichert, daß gestern ein Mann verhaftet wurde, welcher eingestand, die vor längerer Zeit geraubten Dubliner Kronjuwelen entführt zu haben. Er soll die Tat mit Unterstützung einer Dame der irländischen Gesellschaft verübt haben. Vom Krankenlager in Karlsruhe. Karlsruhe, 22. Sept. Das heute mittag 12 Uhr ausgegebene Bulletin über den Gesundheitszustand des Großherzogs lautet: Im Laufe des gestrigen Abends hat sich der Schwächezustand in besorgniserregender Weise gesteigert; nach Mitternacht stellte sich aber ein ruhiger und erquickender Schlaf ein, der auf das Allgemeinbefinden günstig einwirkte. Im objektiven Befinden ist keine nennenswerte Veränderung eingetreten. Der Zustand des hohen Patienten ist demgemäß immer noch sehr ernst. gez. Dr. Fleiner, Dr. Dreßler. Neuester Schnelldampfer. London, 22. Sept. Hiesigen Blättern zufolge soll der neue Dampfer„Mauretania“ bei der gestrigen Probefahrt eine Schnelligkeit von 26,75 Knoten erreicht Reich, R. Nach Bethlehem. Nach einer Dichtung des Verfassers der„Lyra Passienis", in Musik gesetzt für Chor und Solostimmen mit Begleitung der Orgel, des Harmoniums oder Pianoforte. 24 S. 18. 3. Auflage, geheftet 30 Pfg. Nicht leicht ist uns ein so liebenswürdiges, naives und dabei fesselndes Werklein zu Händen gekommen, wie dieses. Reich hat mit den einfachsten Mitteln ein Opus geschaffen, an dem sich Herz und Verstand laben. Für Institute, Schulen etc. wüßten wir zur Aufführung in der Weihnachtszeit nichts besseres zu nennen. Das Werklein ist durchweg im Volkstone gehalten, ohne jede Spur von Trivialität. Jeder Erzieher sollte das Büchlein ansehen. (Musikalische Tagesfragen 1889. Nr. 9.) Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, sämtlich zu Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Hinweis. Der heutigen Lokal=Auflage liegt ein Prospekt über „Makrobiotik“ bei; der verehrte Leser wird freundlichst gebeten, dieses für vorkommende Fälle aufzubewahren und bei Bestellung sich auf unser Blatt zu bernfen. Neue Hülsenfrüchte Erbsen und Linsen bereits eingetroffen Ernst Klein. besuchen Sie den nerstraße 13 part. Uhr abends. Nur noch einige Tage! Wünschen Sie auf Grund Ihrer Handschrift ein Urteil über Ihr eigenes Ich, Wesen, Fähigkeit und Charakter, dann Graphologen in Schwerte, HageTäglich zu sprechen von 2 bis 9 B3784 Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter und die internationalen Beschlüsse. Salzburg, 19. Septomber. Die hiesige„Chronik" veröffentlicht heute den Inhalt einer Unterredung mit dem deutschen Gewerkvereinsführer Effert. Es heißt darin:„Die Ausschließung der auf christlicher Grundlage stehenden Bergarbeiterorganisationen von den internationalen Kongressen hat für diese Organisationen als solche gar keine praktische Bedeutung. In Deutschland, welches durch diesen Beschluß ja nur getroffen würde, hat der sozialistische Verband, welcher auch ferner an den Kongressen teilnehmen soll, 110000 Mitglieder. Die übrigen drei Verbände, deren Ausschluß bentragt wurde, umfassen 107·000 Mitglieder; dazu kommen noch 10 000 organisierte Bergarbeiter, die ebenfalls auf christlicher Grundlage stehen(„Gegenseitige Hilfe“ in Schlesien). Es ist daher selbstverständlich, daß in Deutschland die Beschlüsse der internationalen Kongresse nur durchgeführt werden können, wenn diese 117 000 Organisierten mitwirken. Allein aus diesem Grunde bedaure ich die ungerechte Resolution, unsere Organisation von den internationalen Bergarbeiterkongressen auszuschließen, jene Resolution, die— nebenbei gesagt— von solchen ausländischen Delegierten am stärksten befürwortet wurde, in deren Ländern die Organisationeu der Bergarbeiter auch prozentual hinter den deutschen zurückstehen. An einer internationalen Verständigung in Bezug auf Schichtdauer, Versicherungsgesetzgebung, werden wir schon aus dem Grunde mitarbeiten, weil einer Einführung des Achtstundentages für Deutschland allein die Grubenbesitzer mit der Begründung widersprechen würden, eine solche Einführung würde sie dem Auslande gegenüber konkurrenzunfähig machen. Ebenso liegt die Ausdehnung der Versicherungsgesetze auf alle Länder auch im Interesse der deutschen Bergarbeiter. Auch eine internationale Verständigung bei Lohnbewegungen halte ich für äußerst notwendig. Die evtl. Annahme der Resolution würde dazu angetan sein, die jetzt vorhandene Einstimmigkeit in wirtschaftlichen Fragen wieder zu gefährden. Der Gewerkverein, dem ich angehöre, kann den kommenden Dingen ruhig entgegensehen, zumal er bei allen bergmännischen Fragen in Deutschland mit sei77000 organisierten und gewerkschaftlich geschulten Mitgliedern ein entscheidendes Wort mitredet, ganz gleich, ob er den Kongressen weiter beiwohnt oder nicht. Ohne seine Mitwirkung werden iinternationale Beschlüsse in Deutschland nicht in die Tat umgesetzt. Die Kampfesweise des sozialistischen Verbandes gegen uns überschritt seit Jahren alle Grenzen.“ Der internationale Bergarbeiterkongreß beriet nach Annahme der Resolution betreffend die Grubenkontrolle den französischen Antrag über die Stellungnahme der internationalen Föderation beim Ausbruch eines Kriegs. Die Vertreter aller deutschen Gruppen verwahrten sich gegen die Behandlung dieses Punktes durch einen Berufskongreß, an ihrer Spitze der sozialdemokratische Abgeordnete Hue. Der Kongreß nahm Truppentransport. Oran, 22. Sept. Der Dampfer„Shamrock“ ist gestern mit 320 Fremdenlegionären nach Casablanca abgegangen. Demonstration. Brest, 22. Sept. Bei dem Stapellauf des Kreuzers „Quinet“ ereignete sich ein Zwischenfall. Als beim Ablauf des Schiffes ein Arsenalkommissar zu den Arbeitern trat, sangen diese die Internationale, der Vorfall erregt großes Aufsehen. Sozialistenagitation. Paris, 22. Sept: Gestern wurden in den Straßen Paris Flugblätter verteilt, die vom antimilitaristischen Komitee unterzeichnet waren. Hierin wurde erklärt, es sei besser, einen französischen General zu töten, als einen fremden Soldaten. Weiter heißt es in dem Flugblatt, das Proletariat müsse auf einen Krieg mit Aufruhr und Streik antworten. Sieg der Marokkaner. Paris, 22. Sept.„Gil Blas“ verzeichnet das Gerücht, wonach eine französische Abteilung in Marokko von Eingeborenen in einen Hinterhalt gelockt wurde, und schwere Verluste erlitt. Im Ministerium ist über den Vorfall noch nichts bekannt Marokko. Paris, 22. Sept. Der„Gaulois“ meldet aus Tanger, in Marokko beginnen jetzt erst die Schwierigkeiten. Der Korrespondent läßt durchblicken, daß dies die Meinung des französischen Gesandten Regnaults sei, welchen die Lage als wenig befriedigend bezeichnet habe. Er soll geäußert haben, daß keine weiteren marokkanischen Häfen besetzt werden dürften, weil Frankreich keine freie Hand habe. Morenga tot. London, 23. Sept. Das Kommando des Majors Elliot griff bei Witpan in der Kalahari Morenga an, als er auf dem Wege war sich mit Simon Capper zu vereinigen. Morenga, sein Sohn, sein Onkel und drei seiner Anhänger sind getötet. Von den Briten ist ein Korporal und ein Gemeiner gefallen. Mit dem Tode Morengas ist die größte Gefahr im Süden unserer Kolonie entgültig beseitigt. Tribüneneinsturz. Neuyork, 23. Sept. Bei einem Fußballtournier in Catazoville stürzte eine Tribüne mit 100 Personen ein, 4 Tote und 56 Verletzte wurden gezählt. Neuer Kampf. Tanger, 23. Sept. Bei einem Streifzug General Drudes wurden 2 Mann getötet, 7 verwundet. Neuer Petersprozeß. Leipzig, 22. Sept. Das Schöffengericht verhandelte am Sonnabend gegen den Redakteur Müller von der sozialdemokratischen Leipziger Volkszeitung wegen Beleidigung des früheren Reichskommissars Dr. Karl Peters. Der Beklagte wurde zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung wurde gefunden in Artikeln zum Münchener Petersprozeß, in denen von „Hänge=Peters“ die Rede war und Dr. Peters als „kognakduftende Flibustiernatur“ und als„grauenhafter Mischmasch von viehischer Brutalität, schrankenloser Sinnlichkeit, feiger Lüge und bengelhafter Rangenmeisterei“ hingestellt wurde. DA F 15 kostet Jetzt Kemkarreisen — nur bei= D. Mäyer, Ostenstr. 12. Tächliger Gasschlosser dorr Instaualeur gesucht. 3734 Städt. Gaswerk, Schwerte. 0 Tüchtige, ältere Schiessergeseuen sowie ein 68797 sofort gesucht. Gebr. Overbeck, Dortmund, Mälzerstr. 3—5. Habe mich hier als 3757 Kostumarbeiterin niedergelassen und halte mich bei Bedarf bestens empfohlen. Lina Fitz Hörderstr. 8. Drucksachen liefert schnell und billig Carl Braus Schwerte. Bexehten. wurden am hiesigen Postneubau vom Abbruch des alten Gebäudes etwa 150 gm. Fußboden=Bretter welche auf einer Seite angestrichen sind. Für Wiedererlangung der Bretter sichere ich 20.— Mark Belohnung zu. S. 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Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Die lieben Nachbarn. (Plauderei von Fried von Werden.) Neueste auf dem Gebiete der europäischen Politik ist die Steigung des deutsch=französischen Stimmungsharometers von„Sturm“ auf annähernd „Schön Wetter“, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß der Teilstrich„Veränderlich" bislang dem Quecksilber noch am nächsten ist. Immerhin dürfte es an der Zeit sein, sich den Franzosen von heute einmal genauer anzusehen. Wir kennen den revanchedurstigen Franzmann, wir kennen aus dem Kriege 1870/71 die häßlichste Spezies, die Franktireurs, aber wir sollen auch den galanten, liebenswürdigen Franzosen kennen lernen, und wenn wir einmal unter allen Kriegsteilnehmern von 1870/71 Umfrage halten, so werden wir hören, daß selbst von ihnen manche, trotz der ernsten Kriegszeit, ein Liedlein vom galanten Franzmann singen können. Den Franzosen von heute halten wir im allgemeinen für einen sehr modernen Menschen, dabei ist er in Wahrheit in seinen Anschauungen und in seiner Lebenshaltung weit konservativer wie wir selbst, denn unsere Nation hat jedenfalls schnellere Fortschritte gemacht wie unsere Nachbarn. Während in unserem Volke der Drang zum Schaffen, zum Vorwärtsdringen, zu Eroberungen auf dem Weltmarkte die schönsten Früchte zeitigt, ist es beim Franzosen heute noch wie im vorigen Jahrhundert, unter der Republik wie zuzeiten der Monarchie das einzige Bestreben, ja nicht mehr zu tun, sich nicht länger irgendwie zu recken, bis man es zu einem für die Lebenssphäre, in der man sich bewegt, leidlichen Rentier gebracht hat, und kann man dann eines Tages noch ein Bändchen im Knopfloch aufweisen, so ist der Gipfelpunkt irdischer Zufriedenheit erreicht.— In gewisser Hinsicht ist der Franzose sehr solide. Unter den Kulturländern Europas braucht heute noch Frankreich am wenigsten Beleuchtungsstofse, weil der Franzose zeitig zu Bett geht. Kneipvereine, wie wir sie kennen und pflegen, gibt es beim Franzosen nicht. Geht er mit seiner Familie in ein Konzert, so verzehrt er sehr wenig und übt eine oft lächerlich wirkende altfränkische Sparsamkeit. Bei den höchstens ein bis zwei Kindern, die eine Familie hat, sind die Haushaltungskosten meist geringer wie bei uns; und was sich der Franzose leistet, das sind Herbstgefühl. Wie ferne Tritte hörst du's schallen, Doch weit umher ist nichts zu seh'n, Als wie die Blätter träumend fallen Und rauschend mit dem Wind verweh'n. Es dringt hervor wie leise Klagen, Die immer neuem Schmerz entsteh'n, Wie Wehruf aus entschwund'nen Tagen, Wie stetes Kommen und Vergeh'n. Du hörst, wie durch der Bäume Wipfel Die Stunden unaufhaltsam geh'n; Der Nebel regnet in die Wipfel, Du weinst und kannst es nicht versteh'n. M. Greif. Das Geheimnis des Lindenhofes. Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau. 13. „Es steht mir durchaus nicht zu, Herrn Templetons Geheimnisse zu erforschen,“ sagte sie ruhig.„Die Umstände seines früheren Lebens berühren mich nicht, ich kenne ihn nur, wie er jetzt ist. Ueberdies könnte ich mir kein richtiges Urteil bilden, wenn ich die Sache nur von einer Seite höre.“ „Aber ich kann Euch die Sache von allen Seiten erzählen,“ sagte Betty.„Ach! junges Fräulein, wenn Ihr Euch um anderer Leute Angelegenheiten nicht bekümmern wollt, so sorgt wenigstens für Eure eigenen. Ihr wollt doch gewiß Euren guten Namen nicht verlieren, und Ihr denkt nicht, wie nahe es daran ist, wenn Ihr in diesem Hause der Schande bleibt.“ „Also brachten Sie mich hierher, um mir zu beweisen, daß sich den Lindenhof verlassen müsse?“ fragte Julie, sich an Fräulein Butler wendend. Aber dies war gerade, was d. junge Dame vorläufig aus besonderen Gründen noch zu verhindern wünschte. „Durchaus nicht," versetzte sie kalt;„solange ich Montag, den 23. September 1907. seiwe Leckerbissen, wie Froschkeulen, Kaninchen usw. von denen ein deutscher Magen nicht allzu viel hält. Will man Frankreich gerne kennen lernen, so setzt man sich natürlich nicht in Paris und den großen Städten fest, sondern man geht in die Provinz. Dort sieht man die Genügsamkeit der Leute und sieht auch, wie weit sie in den Ansprüchen an Modernes in ihren kleinen Städten zurück sind. Nur das Bild der etwaigen Straßenreinigung würde„deutsche Stadtväter“ schon zum Räsen bringen. Zumal würde das geschehen, wenn er sieht, wie aller auf die Straßen geworfener Abfall mit Hülfe der Wasserleitung aus einer Gasse in die andere gespült wird, um dort ruhig liegen zu bleiben. Selbst Paris ist in einzelnen Stadtteilen heute noch wie einst ein Drecknest.— Die Wanderlust des Deutschen, die diesen in alle Weltteile treibt, kennt der Franzose bis heute noch nicht. Er bleibt daheim oder er kehrt bald wieder heim. Sein Interesse für andere Länder und ihre Fortschritte ist schwach entwickelt. Für ihn ist Frankreich noch heute das Eden der Welt, Paris der Mittelpunkt aller Kultur. Diese krankhafte Einbildung des Franzosen wird eines Tages ihnen zu ihrem-Schrecken zeigen, ständigste Nation der Welt wurden. daß sie die rückKleine Chronik. Eisenbahnunfälle. Bei dem Zusammenstoß eines Schnellzuges mit einem Güterzug in der Nähe der Station Eucarnacion in Mexiko sind 32 Personen getötet und 33 verletzt worden. Der Lokomotivführer des Güterzuges hatte das Haltesignal nicht beachtet.— Beim Rangieren fuhr der Straußberger Güterzug in Lichtenberg unweit Berlin in ein totes Gleis. Der Prellbock wurde zertrümert, die Maschine und zwei Wagen wurden beschädigt. Die Beamten konnten sich durch Abspringen retten. — Das Brandunglück in Berlin. Die Gesamtzahl der Toten beträgt vier, da außer den beiden Erstickten eine Mutter mit ihrem Sohn den Brandwunden erlegen ist.— Die Kaiserin hat für die Opfer auch Geld gespendet. — Zum„Fall Hau“ hatte Schriftsteller Paul Lindau in Berlin eine Broschüre veröffentlicht, durch die sich Oberleutnant Molitor, Hau's Schwager, verletzt fühlte. Da Lindau einen Widerruf ablehnte, wurde er von dem Generalmajor z. D. Sachs, Beauftragter der Familie Molitor, gefordert. Auch hier lehnte, wie General Sachs schreibt, Herr Lindau ab.— Der im Hauprozeß vielgenannte Zeuge Lenk wurde von der Karlscuher Berufungsstrafkammer wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Schöffengericht hatte ihn freigesprochen. — Eine rabiate Gattin wurde in Berlin festgenommen in der Person der 50 Jahre alten Straßenhändlerin Emilie Bartel. Frau Bartel, die von ihrem Manne getrennt lebt, hatte erwartet, daß diesev ihr an ihrem Geburtstage die siebenjährige Tochter herausgeben werde. Als sie sich in ihrer Hoffnung getäuscht sah, stellte sie ihren Mann in barschem Tone zur Rede. Als dieser, ohne ihr eine Antwort zu geben, sich in sein Zimmer einschloß, zog die Frau einen Revolver aus der Tasche, zertrümmerte durch einen Schuß eine Türscheibe, schlug mit der Waffe die anderen Scheiben ein, um besser sehen zu können und schoß dann noch viermal auf ihren Mann. Ein Schuß streifte ihn am Kopfe, die anderen gingen fehl. Auf den Lärm kamen Hausgenossen des Bedrohten und Polizeibeamte hinzu, die Frau Bartel festnahmen und später der Kriminalpolizei zuführten. Ein vernünftiger Mann ist der amerikanische Staatssekretär Bonaparte. Er erklärte in einer Versammlung, die Todesstrase müsse gegen alle Mörder von Beruf angeordnet werden. Ferner müsse jeder Mordversuch dem jetzigen Gesetz entsprechend besttaft werden, als ob der Mord erfolgt wäre, nämlich mit hoher Kerkerhaft. Alle Verbrecher, die viermal wegen Mordversuchs rernttcilt worden seien, müßten bei einem weiteren Versuch zum Tode verurteilt werden. — Aschaffenburg, 19. Sept. Der Stationsgehülfe Jacob Debes wurde beim Ueberschreiten des Gleises auf dem hiesigen Hauptbahnhof von einer Rangiermaschine erfaßt und ihm der rechte Arm ausgerissen. Den erlittenen Verletzungen ist er später erlegen. — Gefährliche Gesellen sind vielfach die Schnitter. Wie die„Stettiner Neuesten Nachrichten“ melden, grifsen auf dem Rittergut Wendisch=Baggendorf Schnitter den Sohn des Gursbesitzers Haker an. Dieser erschoß in der Notwehr einen der Angreifer. London, 21. Sept. In Manchester findet am 5. Oktober eine Konferenz statt zur Gründung eines Verbandes aller bestehenden Eisenbahnverbände. gezwungen bin, dort zu verweilen, wünsche ich auch Ihre Anwesenheit. Ich möchte nur, daß Sie begreifen, warum ich meinen Onkel meide und auch künftig meiden muß.“ „So sprechen Sie!“ wandte Julie sich zu der Alten, „und lassen Sie mich urteilten, soweit Ihre Geschichte mich betrifft.“ Betty bot ihr abermals einen Stuhl an, aber Julie lehnte ab.„Ich werde stehen bleiben,“ sagte diese; „vergessen Sie nicht, daß ich nicht aus freiem Willen hierher kam.“ „Glaubt sie, daß ich ihr etwas vorlügen werde?“ fragte die Alte, als Fräulein Butler verächtlich die Achseln zuckte.„Ich will Euch was sagen, junges Fräulein; ich war einst Hermann Templetons Amme, ich sah ihn unter meiner Pflege zu einem schönen, freundlichen Knaben heranwachsen, nur war er immer zu hastig und lebhaft— wenn jemand Entschuldigungen für ihn finden könnte, so wäre ich es. Aber ich kann nicht, ich kann nicht; wenn ich an Edith denke, die so schön, so gut war; die alle Leute liebten— dann bin ich wütend auf ihn; dann wundere ich mich, daß unser Herrgott ihn noch leben läßt!“ „Bitte, seien Sie etwas ruhiger,“ sagte Fräulein Butler, die selbst gänzlich unbewegt schien.„Wenn er ein Mörder ist, so wird er seiner Stvafe nicht entgehen.“ Sie blickte bei diesen Worten zu Julie hinüber; aber diese wetteiferte an Kälte mit ihr; keine Muskol in ihrem Gesichte bewegte sich. „Es ist hart für mich alte Frau, selbige Nacht mir zurückzurufen,“ sagte Betty.„Damals war ich noch stark und kräftig; aber der große Schrecken hat mirs angetan— seht, wie meine Hände zittern— alles brachte mir selbige Nacht.“ „Nun erzählen Sie Fräulein Sand die Geschichte gerade so, wie Sie mir dieselbe erzählten," sagte Fräulein Butler. „Ja, wie war es nur? Ich bin so schwach im Kopfe, ich muß mich besinnen,“ begann die Alte.„Ja, Euer Großvater starb, als seine beiden Kinder noch sehr jung waren. Da sie auch keine Mutter mehr hatten, so kam eine alte Dame, Frau Ponsford hieß sie und war eine Base von der Familie; die hielt Haus und zog Edith groß, die vier Jahre jünger war als ihr Bruder. Hermann ging in den Unterricht zu ünserm alten Pfarrer und die beiden Kinder waren nie getrennt und hatten sich sehr lieb. Hermann war zehn Jahre alt, als Oberst Butler nach Diefental kam. Er war ein feiner Herr, zu sein für uns Landleute, und er blieb auch nie llange unter uns, sondern wohnte meistens in London. Er hatte einen einzigen Sohn, welcher bei der Armee stand. Aber einmal war er zu Besuch in Tiefental und Hermann fing Streit mit ihm an, weil er auf seinem Grund und Boden gejagt hatte. Aber der Leutnant lachte ihn aus und sagte, das könne er tun, so oft er wolle. Hermann war sehr stolz, weil er arm war, und er hatte ganz recht; der Leutnant war im Unrecht, aber das ist keine Entschuldigung für das, was nachher passierte. Als Edith etwa 18 Jahre zählte, ging sie zu Besuch bei einer Verwandten ihrer Mutter, die viele Meilen entfernt an einem schönen Orte wohnte. Sie blieb viele Monate lang weg und als sie wiederkam, sahen alle, daß sie nicht mehr die nämliche war. Sie siechte dahin, als ob es ihr auf dem Lindenhofe zu einsam schien, nachdem sie oft so viel Schönes gesehen hatte, und ihr Bruder wünschte, daß sie ihr Heim nie verlassen hätte. Es war zu Anfang Winter, als sie heimkam und der Oberst und der Leutnant waren beiden in Tiefenthal. Ich pflegte in selbigen Tagen oft nach dem Lindenhofe zu gehen, und ich hörte, wie ihr Bruder sich über alle dieses grämte. Hanna Braun war damals die einzige Dienerin im Hause, dann noch ein junger Bursche zur Aushilfe. Dieser klopfte eines Abends an die Tür meiner Hütte und sagte mir, Frau Pons Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, dden 23. September. Jeder Deutsche soll wissen: 1. Daß das gesamte deutsche Nationalvermögen etwa 200 Milliarden Mark beträgt(daß Deutschland also kein armes Land mehr ist); 2. daß das jährliche Gesamteinkommen des deutschen Volkes 21 Milliarden Mark ausmacht(also nur vier Milliarden geringer als das des reichen englischen und schon um eine Milliarde höher als das des reichen französischen Volkes ist); 3. daß Deutschland als Hauptquelle seines Wohlstandes einen Handel im Werte von 11 Milliarden Mark hat, von dem etwa zwei Drittel über See gehen; daß in Deutschland die Ausgaben für Staatsschulden, Heer und Marine auf den Kopf der Bevölberung jährlich 18,50 Mark betragen (während sie in England 33, in Frankreich 41 Mark ausmachen); 5. daß in Deutschland die Gesamtbelastung mit Steuern(direkten und indirekten) auf den Kopf jährlich 23 Mark beträgt(in England dagegen 47 und in Frankreich 50 Mk.); und 6., daß das deutsche Volk, das man als arm und mit Steuern bis zur äußersten Grenze belastet hinstellen möchte, sich für alkoholische Getränke(Wein, Bier, Branntwein), eine freiwillige Jahresabgabe von etwa 3,5 Milliarden Mark, für Tabakgenuß über 110 und für Lotterielose 240 Mark auferlegt. **(Das Feuerchenmachen) auf den Feldern hat wieder begonnen. Bei der gegenwärtigen Kartoffelernte sind namentlich die Knaben sofort daran, das dürre Kraut, das einstweilen liegen geblieben ist, zu verbrennen. Rücksichtslos gehen die etwa 10—12jährigen Knab en dabei zu Werke. Nachdem das Feuerchen am Flackern ist, wird es mit Stöcken und dergl. ausgeschlagen, wobei die Funken und brennenden Teile des trockenen Krautes umherfliegen, sodaß sie allzu leicht die Kleider in Brand setzen. Wieviel hört man nicht von Unfällen, wozu derlei Spielereien geführt haben; in manchen Fällen hatten sie sogar den schmerzlichsten Verbrennungstod zur Folge. Besonders gefährlich ist es für die kleinen Mädchen— diese sind auch meistens dabei vertreten— da deren Kleidchen für das Feuer sehr empfänglich sind. Wir möchten es den Eltern dringend ans Herz legen, die Kinder davon abzuhalten und besonders die Streichhölzer so zu verschließen, daß sie von den Kindern nicht zu erreichen sind. Die Reisezeit ist vorüber; das Geld für die Badereise ist ausgegeben. Mancher Familienvater dürfte sich jetzt die Frage vorlegen, ob das schwere Geld, welches die Badereise verschlungen hat, bei der nächsten Steuerveranlagung abgezogen werden darf. Ein Jurist glaubte, er sei unbedingt berechtigt, die Kosten für die Badereise in Abzug zu bringen, weil es sich um Kosten handle, welche aufgewendet seien, die Gesundheit zu erhalten und den Erwerb zu sichern. Das Oberverwaltungsgericht erachtete die Kosten für die Badereise nicht abzugsfähig, wie aus§ 91 des Einkommensteuergesetzes zu folgern sei. Alle Menschen streben danach, ihre Gesundheit zu erhalten und ihr Leben zu verlängern. Die Ausgaben für die Erhaltung der Gesundheit werden aber nicht ausschließlich gemacht mit Rücksicht auf die Erwerbstätigkeit. Auch die gewöhnlichen Ausgaben für den Unterhalt einer Person erscheinen gesetzlich nicht abzugsfähig. Selbst ein Heldentenor, welcher im Interesse der Erhaltung seiner Stimme eine Badereise unternommen haben wollte, wurde mit seinem Anspruche, die Ausgaben für die Badereise abzuziehen, endgiltig abgewiesen. Jeder Mensch habe Organe, deren Erkrankung seine Erwerbstätigkeit beeinträchtige. * Hörde, 21. Sept. Vor einigen Tagen ging von Dortmund aus eine Notiz durch die Zeitung, mach der der Sitz vom Phönix nach Dortmund verlegt würde. Diese Nachricht hat vielfach großes Befremden erregt, denn manche Abmachungen mit dem Hörder Verein ließen darauf schließen, daß Hörde der Hauptsitz der Verwaltung würde. Warum nun jetzt ein Umschwung hier vorliegen soll, ist nicht recht erklärlich, und allgemein ist man nach wie vor der Meinung, daß Hörde als Mittelpunkt des Venwaltungsapparates am günstigsten und zweckmäßigsten liegt. Wie uns nun auch von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist die oben erwähnte Nachricht auch noch völlig unbegründet und ein definitiver Beschluß noch nicht gesaßt, es ist aber zurzeit keineswegs die Absicht der Direktion, unsere Stadt auszuschalten. Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen.— Am 23. d. Mts. wird die Kreisbibliothek wieder eröffnet. Der Bestand ist im Laufe der letzten Monate bedeutend erweitert worden, besonders an guten belletristischen Schriften ist jetzt kein Mangel mehr. Die besten Werke auf diesem Gebiete sind eingestellt, sodaß alle Wünsche der Leser befriedigt werden können. Die Benutzung des Instituts ist eine unentgeltliche. das zur Erinnerung an die schwere Prüfungszeit der preußischen Monarchie errichtet werden soll, und zu dem die Mittel durch Sammlungen in ganz Preußen ausgebracht worden sind, wird nach einstweiligen Bestimmungen am 23. September in Gegenwart der gesamten kaiserlichen Familie enthüllt werden. Das Denkmal, das von Professor Breuer=Charlottenburg geschaffen wurde, hat auf dem freien Platz zwischen dem Dangefluß und dem Memeler Rathause Aufstellung gefunden, gegenüber dem Hause, in dem das Königspaar vom 8. Januar 1807 bis zum 15. Januar 1808 wohnte und wo noch heute das berühmte Kügelgensche Bild der Königin Luise hängt. Das Nationaldenkmal besteht aus einer Säule von Granit, die die zu neuem Leben erwachte kettensprengende Borussia trägt. Ein Herzschild an der Säule wird die Reliefporträts des Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise zeigen. Eingerahmt wird das Denkmal von den Büsten der großen Männer, die in jenen Memeler Tagen in der Umgebung des Königspaares geweilt: Stein, Hardenberg, York, Gneisenau, Alexander Dohna, Schrütter und Schhn. 1 Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 21. Sept. Augenblicklich schweben Vorverhandlungen wegen Errichtung eines Verbandes der Westfälischen Männergesangvereine auf Anregung des Oberpräsidenten Freiherrn von der Recke. Demnächst findet hier eine Versammlung zur Besprechung dieser Angelegenheit statt. * Baak b. Hattingen, 21. Sept. Die Tiroler=Gesellschaft Viletil, welche augenblicklich hier gastiert, machte gestern abend eine Kahnpartie auf der Ruhr. Dabei kippte ein Kahn um, sodaß seine Insassen ins Wasser fielen. Während einer von ihnen, der Konditor Stange von hier, mit Mühe das Ufer erreichte, ging die Frau des Kapellmeister Viletil, die sich zunächst an St. angeklammert hatte, unter und ertrank. Der Leichnam wurde bald nachher gelandet. Frau Viletil war 38 Jahre alt und stammte aus Wien. * Lüdenscheid, 21. Sept.(Erhängt) hat sich ein 17jähriger Schreiber namens Boecker aus Bochum an einem Strauche auf der Chusseeböschung bei Rumeiohl. B. ist gestern mittag mit dem Rad hier angekommen. In den Kleidern fand man ein Notizbuch mit der Adresse seiner Mutter. Die Beweggründe sind unbekannt * Altena, 21. Sept. Der 9jährige Sohn der Eheleute Hoffe, Steinstraße, war mit Brombeerenpflücken am steilen Abhang am Schwarzenstein beschäftigt, als er an einem etwa 4 Meter hohen Felsen plötzlich einen Fehltritt tat und in die Tiefe stürzte. In schwer verletztem Zustande wurde er von einem des Weges kommenden Arbeiter in die elterliche Wohnung gebracht. * Lippstadt, 21. Sept. Beim Umgraben eines Gartengrundstücks in der Soeststraße wurden gestern mittag mehrere menschliche Skelette in einer Tiefe von etwa 60 Zentimeter aufgefunden. Wie sie dorthin gelangt sind, ist vorläufig noch in Dunkel gehüllt. * Soest, 21. Sept. Bei Nieder=Ense wurden sehr wichtige Altertumsfunde gemacht. Man fand ein riesiges Leichenfeld, das aus dem ersten Jahrhundert nach Christus stammt. Die Zahl der bisher aufgedeckten Menschen= und Pserdeskelette beträgt 70. Im naheu Wald fand man ferner ein Römerlager größeren Stils. * Nachrodt, 21. Sept. Von einem bedauerlichen Unglücksfalle wurde auf dem hiesigen Walzwerke ein junger Arbeiter betroffen, indem ihm von einer Blechtafel die linke Hand durchschnitten wurde.— Unsere Haltestelle wird demnächst auch ein Bahnhofsgebäude erhalten. Mit den Vorarbeiten wird bald begonnen werden. Allerlei Unkraut. Die Mülheimer Polizei scheint eigenartige Ideen über den Wert des Typhus für das Wohl einer Stadtgemeinde zu hegen, wenigstens nach einem Bericht der Mülheimer Zeitung vom 9. Sept. Es heißt da über die Geschichte eines Typhusfalles:„Die Polizei hat die zur Weiterverbreitung der Seuche erforderlichen Maßregeln getroffen. Ein großer Schwerenöter scheint Muley Hafid in Marokko zu sein. Der Magdeburger Central= anzeiger meldet von ihm:„Muley Hafid bestätigt, daß er die Absicht hat mit den europäischen Mädchen in freundlichem Einvernehmen zu leben. In vorzüglicher“ Stimmung muß der Kaiser in Münster gewesen sein. Die„Nationalzeitung“ schreibt über seine Fahrt zum Paradefeld. In den Straßen hatte ein tausendköpfiges Publikum Spalier gebildet, welches der Kaiser mit jubelnden Hurrarufen begrüßte.— Das tut der Kaiser wohl selten. Wetterbericht der Deutschen Geewarte. 24. Sept: Vielfach heiter, schwül, mäßig warm, später windig, kalt. 25. Sept: Lebhafter Wind, Regenfälle, kühl. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. ford wäre tot und ich solle kommen, um ihve Leiche anzukleiden. Ich ging hin und mitten in der Nacht stürzte plötzlich Hanna in das Zimmer und sagte, Fräulein Edith wolle mich sprechen. So suchte ich sie denn auf und erschrak zu Tode, als ich sie angekleidet und aschgrau aussehend auf ihrem Bette liegend fand. „Betty,“ sagte sie mit großer Mühe,„Sie müssen sogleich nach Tiefental gehen und Herrn Oberst Butler diesen Brief bringen. Aber geben Sie ihn ja niemand anders und bringen Sie den Oberst mit hierher.“ „Ich war ganz bestürzt, aber ich tat ihr den Willen. Bis Tiefenthal war nur anderthalb Meilen, und in selbigen Tagen war ich gut zu Fuß. Ich gab dem Oberst den Brief selbst in die Hand. Als er las, wurde er bald rot bald blaß.„Gehen Sie voraus, Frau!“ sagte er mit ganz schrecklicher Stimme;„ich werde Ihnen folgen.“ Als wir im Lindenhofe ankamen, führte ich ihn gleich in Fräulein Ediths Zimmer hinauf. Sie schien am Sterben zu sein. Hanna Braun hielt weinend ein Kindchen im Arme. Ich schrie laut auf, als ich dies sah. Der Oberst wies mich zur Türe hinaus und drehte den Schlüssel um. Hermann war wegen Frau Ponsfords Begräbnis nach Upton gegangen und noch nicht zurück. Aber als er kam, hörte ich, wie ihn Hanna in Ediths Zimmer gehen hieß. Dann wurde die Tür wieder verschlossen und dann—“ die Alte hielt einen Augenblick inne und wiegte ihren Körper hin und her,—„hörte ich Ediths Stimme so gräßlich schreien, daß ich mir die Ohren zuhielt. Später lauschte ich wieder; ich glaube, die zwei Männer kämpften miteinander vor dem Bette der sterbenden Edith. Ich hörte sie rufen:„Er hat uns beide gemordet, aber es soll ihm nichts zu Leide geschehen,— schwört es mir!“ „Jetzt stürmte Germann aus dem Hause, um einen Doktor zu holen. Während er fort war, wurde ich gerufen, um Edith sterben zu sehen. Ich hörte ihre letzten Worte, welche sie zu dem Oberst sprach.„O, vergeben Sie ihm,“ sagte sie,„und tragen Sie Sorge für —“ Ich glaube, sie meinte ihr Kind, aber sie sprach nichts mehr.“ „Als alles vorüber war,“ sagte mir der Oberst in seiner strengen Weise, ich solle das Kind nach Tiefental hinüberbringen. Ich wollte es nicht tun und sagte, das Kind würde umkommen, wenn man es in dieser kalten Nacht hinausbrächte. Aber der Oberst hieß mich den Mund halten und tun, wie er befohlem habe. Hanna Braun machte ein Gesicht, als ob sie das Kind gar nicht ansehen könne. So wichelte ich denn den Wurm in ein warmes Tuch und trug ihn nach Tiefental. Und nun wißt Ihr, wie Ihr zu Eurem Großvater kamet, Fräulein. „All dies geschah im März vor 17 Jahren; damals war es, wie mir Hanna später erzählte, schon fast ein Jahr, daß Edith sich mit dem Leutnant Butler im Geheimen hatte trauen lassen. Ihr Bruder war nach ihrem Tode in einer ganz wilden Laune; alle fürchteten sich, mit ihm zu sprechen. Dann kam eine neue Sorge. Man vermißte den Leutnant; er war zuletzt in der Nähe des Lindenhofes gesehen worden, an dem Tage, da Hermann nach Upton ging. Man schlug Lärm, und die Leute glaubten, Hermann habe ihn aus dem Wege geschafft. Er wurde verhört und alle anderen im Hause auch. Ich sagte, was ich Edith zu dem Obersten hatte reden hören; aber es wurde nichts darauf gegeben, weil sie damals nicht klar im Kopfe gewesen sei. Es wurde bewiesen, daß Hermann länest Upton verlassen hatte, ehe er nach dem Lindenhofe zurückkehrte. Was hatte er während der Zeit getrieben? Waren nicht zwei Leute ums Leben gekommen, und niemand wußte wie? Ich kann nie die Worte vergessen„Er hat uns beide gemordet!" Aber er kam frei, denn man konnte ihm nichts beweisen. O, es war eine schreckliche Nacht!“ „Können Sie sich nun noch über meine Abneigung wundern?" fragte Fräulein Butler, sich zu Julie wendend. „Ich kann mich nur wundern, daß Sie es ertragen, in seiner Nähe zu sein, wenn Sie alle diesem Glauben schenken,“ versetzte diese. „So glauben Sie es nicht?“ „Nein,“ entgegnete Julie mit Nachdruck. „Aber die Beweise sind stark!“ „Stark— aber auf der anderen Seite,“ sagte Julie.„Bedenken Sie nur, welchen Eindruck ein Mörder machen müßte, der 17 Jahre über seinem Verbrechen gebrütet hätte. Wie Kain würde er das Brandmal auf der Stirn tragen und wie Kain sich vor Gott zu verbergen suchte, so würde er vor dem Bilde Gottes in seinen Geschöpfen zurückweichen. Und nun stellen Sie sich den offenen und freien Gesichtsausdruck Ihres Onkels vor, sein unbefangenes Benehmen, sein freundliches Lächeln, seine ganze Umgebung glücklich zu machen. Bedenken Sie, was für ein Leben er führt; er schwelgt mit Entzücken in Gottes freier Natur; er bildet seinen Geist durch die gewählteste Lektüre und weilt mit sichtlicher Vorliebe an seinem alten Wohnort. Dann sehen Sie nur, wie er von seinen Dienstboten geliebt und geehrt wird; vor allen von Hanna, die doch mindestens ebenso viel wissen muß, als diese Frau— aber, wie ich vermute, noch weit mehr weiß. Nein, ich glaube nicht, daß er ein Mörder ist— Sie selbst können es nicht glauben.“ Edith Butler senkte einen Augenblick das Haupt vor Juliens klarem, forschendem Blicke. „Was sagt sie?“ fragte die Alte, die nicht alles verstanden hatte.„Will sie mir nicht glauben? Warum kleidete Hanna Braun Ediths Leiche an, ehe ich von Tiefental zurückkam? Warum hielt sie mich aus dem Zimmer fern? Beseitigte nicht unser Herrgott selbst alle meine Zweifel, indem er mir Edith in ihr Leichentuch gehüllt erscheinen ließ, als noch das Blut aus ihrein Herzen strömte? Glaubt Ihr das nicht?“ (Fortsetzung folgt.) —„„ „„„„