2 Amtüches Rrescicht far dien Riels Borde. chmmmr mrrruu Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familienfreund“, o 0 0 0 0 0 0 0 o C o o 0 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und älteftes Tagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o 0 0 O O O O O O O O C o Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus. Schwerte-Ruhr Nr. 222. Sonnabend, den 21. September 1907. Rückblick und Ausblick. (Politische Wochenplauderei.) Ohne einen rechten Frühling oder Sommer gehabt zu haben, sind wir heuer in den Herbst getreten, der nun auch kalendermäßig seinen Einzug gehalten hat. Macht der Himmel weiter ein griesgrämiges Gesicht, so kann man das jetzt wenigstens mit der Jahreszeit entschuldigen; die Enttäuschung kann keine so große mehr sein. Mit dem offiziellen Herbstanfang beginnen im deutschen Vaterlande die Vorbereitungen für die parlamentarische Kampagne. Die Ausschüsse des Bundesrates treten zusammen und am ersten Donnerstag; des Oktobers findet die erste Plenarsitzung dieser Körverschaft statt. An Arbeit fehlt es nicht; sollen doch dem Reichstage gleich bei dessen Zusammentritt im November außer dem Etat mehrere Gesetzentwürfe unterbreitet werden, die in der Richtlinie der vom Fürsten Bülow eingeleiteten Versöhnungspolitik liegen, zunächst diejenigen über die Börsenreform und die reichsgesetzliche Regelung des Vereinswesens. Daß die sogen. Blockpolitik gute Aussichten auf längeren Bestand hat, das haben die Verhandlungen des Parteitages der freisinnigen Volkspartei in erfreulicher Weise bestätigt. Auch der Verlauf des sozialdemokratischen Parteitages, der in diesem Jahre in Essen die Wäsche der Partei auswusch, hat in dieser Beziehung lehrreiche Aufschlüsse erbracht. Der Verdruß über die Haltung der Freisinnigen würde nicht so groß sein, wenn man nicht von einer längeren Ausschließung der eigenen Partei von den Entscheidungen des Reichstages überzeugt wäre.- Auch sonst war der sozialdemokratische Parteitag nach mehr als einer Richtung hin von Interesse. Bebels Autorität erwies sich als keine so unbedingte mehr wie auf früheren Parteitagen. Mit dem Gedanken eines Diktators oder Papstes der Partei wurde gründlich gebrochen. Einige Genossen konnten sogar in der Militär= und Kolonial= frage ungestraft Töne anschlagen, die von den Parteigrößen früher unter keinen Umständen geduldet worden wären, und Bebel selbst entging dem Vorwurf nicht, in der Kolonialfrage eine unklare Haltung einzunehmen. Die Verhältnisse sind eben stärker als die stärksten Prinzipienreiter. Von der Fortdauer der günstigen wirtschaftlichen Konjunktur im Reiche und Preußen geben die jüngsten Eisenbahnausweise ein erfreuliches Zeugnis ab. Auch hat man mit Befriedigung vernommen, daß die hohen Fleisch= und die noch höheren Getreidepreise einigermaßen nachgelassen haben. Freilich sind sie noch keineswegs auf den normalen Stand früherer Jahre zurückgegangen Mit herzlicher Freude wurde unsere Kaiserin, die die Folgen ihres Unfalles in Wilhelmshöhe vollständig überwunden hat, bei ihrer Rückkehr nach Berlin begrüßt, und freudig ausgenommen wurde auch der Umstand, daß der Kronprinz im Schmucke der schon seit Jahr und Tag erwarteten Majors=Epauletten vor seiner kaiserlichen Mutter erscheinen konnte. Die Berliner Jugend, deren erkorener Liebling er nun einmal ist, darf der Kronprinz von seiner Beförderung garnichts merken lassen; die Bengels kriegen es fertig, den leutseligen Prinzen anzugehen, ihnen etwas zum Besten zu geben. In unseren Kolonien herrscht Ruhe. Auch Morenga, der der wackeren Schutztruppe so viel zu schaffen machte, wird uns nicht mehr gefährlich werden. Seine Unterwerfung ist nur noch eine Frage der Zeit. Die zweite Haager Friedenskonferenz nähert sich jetzt schnellen Laufes ihrem Abschlusse. Das deutsche Reich kann auf diese Konferenz, die seine Isolierung herbeiführen sollte, einmal mit berechtigter Genugtuung zurückblichen. Dürfen wir doch ohne Ueberhebung sagen, daß bei allen wichtigeren Fragen für die Entscheidung die Stellungnahme der deutschen Delegierten maßgebend war. Die Marokkoaffäre an sich ist zwar noch nicht erledigt, sie nähert sich aber ihrem Ende. Gegen ein europäisches, mit allen Waffen moderner Technik ausgestattetes Geer können die Kabylenstämme doch nicht aufkommen. Bis auf einige besonders fanatische Kreise ist denn auch die große Mehrzahl der EingeboNeueste. Die mit einem" versehenen Nachrichten sind unten weiter ausgeführt. * Das Befinden des Großherzogs von Baden gibt weiter zu ernsten Besorgnissen Veranlassung. Der internationale Bergarbeiterkongreß 1908 soll in Frankreich, der folgende in Deutschland sein. * Raisuli stellt den Europäern für Freilassung Mac Leans unerfüllbare Bedingungen. * Ein großes Lager Sprengstoffe, Gifte und Proklamationen, in der Erde angelegt, wurde in Petersburg entdeckt. renen von der Nutzlosigkeit weiteren Widerstandes überzeugt und entschlossen, unter den von den Franzosen gestellten Bedingungen Frieden zu machen. In Rußland finden die Wahlen zur dritten Duma statt, ohne daß irgend welche Erregung zu verspüren ist. Man scheint allseitig der Meinung zu sein, daß es herzlich gleichgiltig ist, wie die Wahlen ausfallen Ergeben sie eine Regierungsmehrheit, gut, dann arbeitet die Regierung mit der Duma; bringen sie wiederum eine oppositionelle Mehrheit, ebenso gut, dann arbeitet die Regierung ohne Duma, löst diese viel mehr auf, wie sie es bei der ersten und zweiten Reichsduma getan hat. Unter diesen Umständen hat die Duma überhaupt nur noch formale Bedeutung und damit keinen rechten Zweck mehr. Inzwischen arbeiten die Kriegsgerichte mit Feuereifer, an verschiedenen Orten wurden Todesurteile gleich in Masse gefällt. Die kaiserliche Jacht Standard sitzt noch immer auf einer Sandbank in den finnischen Schären fest. Der Unfall, der bei gehöriger Wachsamkeit selbstverständlich hätte vermieden werden können, stellt wieder einmal die Erzbummelei der russischen Behörden, selbst wo es sich um die Person des Zaren handelt, in grelles Licht. Sehr betrübend ist die Vertagung der österreich= ungarischen Ausgleichsverhandlungen auf ganz unbestimmte Zeit. Die Magyaren, deren Uebermut wieder einmal ins Ungemessene angeschwollen ist, sehen es augenscheinlich auf eine völlige Loslösung Ungarns von Oesterreich ab. Daher auch ihre Forderungen über die Umfassungstheorien, die die habsburgische schwerlich beseitigen sollen. Politische Uebersicht Dentschland. Vom Kaiserhofe. Der Kaiser in Posen. Der Kaiser traf am Freitag zur Posener Festungsübung ein und wohnte alsbald einem Scharfschießen der Artillerie bei Abends speiste der Monarch bei den Königsjägern: Die Festungsübung endet nach einem letzten Nachtangriff am heutigen Sonnabend. Die Ausfälle des Verteidigers waren erfolglos geblieben, der Ring des Angreifers war nicht zu durchbrechen Vielmehr waren die Angreifer unter dem Schutze der Dunkelheit immer dichter an die Werke herangekommen. Die fürchterliche Kanonade störte die Nachtruhe der Personen. Das Tageslicht wurde zum Ausbau der errungenen Stellungen benutzt. Der Verteidiger hatte große Verluste. Auf beiden Seiten dienten Ballons als Kundschafter. Die Kontrolle der die Stadt Verlassenden war so scharf, daß selbst Generalfeldmarschall Graf Häseler von einem Posten angehalten wurde. Er mußte seinen Passierschein vorzeigen. Der Posten erhielt von ihm eine Belobigung für seine Pflichttreue.— Vor der Abreise von Posen besichtigt der Kaiser den Schloßbau. Am Sonntag wohnt der Monarch in Königsberg der Neueinweihung des Domes und am Monkag der Enthüllung des Memeler Nationaldenkmals bei.— Kronprinzessin. Cäcilie, deren Gemahl nunmehr zum Major befördert worden ist, feierte am Freitag in Potsdam ihren 21. Geburtstag. Die Kaiserin gratulierte persönlich, das Trompeterkorps der Garde idu Corps brachte eine Morgenmusik dar. Wie in Potsdam, war in Berlin reich geflaggt. Die Erkrankung des Großherzogs von Baden scheint doch ernsterer Natur zu sein. Die Krankheit besteht in einer anfangs schmerzhaften und fieberbegleiteten Entzündung des Darms(Colitis). Der Zustand hat sich heute nicht wesentlich gebessert. Das subjektive Befinden ist ein wechselndes und wird die Nachtruhe häufig unterbrochen. Der Puls ist im Verhältnis zur Körpertemperatur sehr beschleunigt und unruhig. Zur Kanalpolitik. Zur Regelung des staatlichen Schleppmonopols auf dem Rhein=Weser=Kanal, dem Lippe=Kanal und ihren Zweigkanälen wird laut Berl. N. Nachr. dem preußischen Landtage ein besonderer Gesetzentwurf zugehen. Durch ihn wird auch die Einrichtung des Schleppbetriebes durch elektrischen Schleppzug oder durch freifahrende Schleppdampfer festgelegt werden. Ferner soll durch dieses Gesetz die besondere Genehmigung für Schiffer mit eigener Kraft zum Befahren dieser Schiffahrtsstraßen einheitlich geregelt werden Morenga noch immer unbehelligt. Die FriedensUnterhandlungen mit Morenga sind ins Stocken geraten: die Schwierigkeiten liegen im englischen Gebiete, wie ja auch Morenga das deutsche Gebiet nicht betreten hat. Wie Landeskundige versichern, denken die Bondelzwarts an keinen neuen Aufstand, sie gewöhnen sich ganz gut in die neuen Verhältnisse. Namentlich spricht der Umstand dafür, daß sie sich eifrig am Eisenbahnbau als Arbeiter beteiligen, und zwar auf Veranlassung ihres ehemaligen Oberhauptes Johannis Christian. Im südlichen Teilé des Schutzgebietes soll daher alles ruhig sein. Ganz anders lauten die Nachrichten aus dem englischen Gebiete. Der Unterstaatssekretär von Lindequist hat sich direkt an den Kapgouverneur gewendet und ersucht, Morenga aus dem Grenzgebiete zu entfernen, weil seine Nähe als eine Gefahr für das deutsche Gebiet anzusehen sei. Erst einige Tage darauf erwiderte der Kapgouverneur, daß Morenga ein Wohnsitz fern von der Grenze angewiesen werde und daß bis zur getroffenen Auswahl, Morenga in Upington unter Polizei=Aussicht gestellt werden würde. Aus allen diesen Einzelheiten ersieht man, daß die Kappolizei dort mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Man begreift nicht, warum die Kappolizei nicht einfach zugreift und den Ruhestörer an einen sicheren Ort festsetzt. Bisher hat man nichts davon gehört, daß die Kappolizei gegen ihn etwas ernstlich unternommen hätte. Die Ansiedler Deutsch=Ostafrikas sollen mit der Reise des Staatssekretärs Dernburg durch das Schutzgebiet in hohem Maße unzufrieden sein. Herr Dernburg, so wurde behauptet, hat sich lediglich für den Eisenbahnbau interessiert, von dem einmal das Großkapital Gewinn erhoffe. Die Angelegenheiten der Ansiedler aber hätten ihn vollständig gleichgültig gelassen; er habe kaum ein Kontor betreten und mit keinem einzigen Kaufmann oder Pflanzer über die Bedürfnisse des Landes gesprochen. Der Staatssekretär, der erst am 10. November wieder in Berlin eintrifft, kann sich gegen diese Angriffe noch nicht verteidigen, aber wer Herrn Dernburg aus seiner bisherigen Amtstätigkeit kennt, der weiß, daß es ihm um die wirtschaftliche Erschließung unserer Kolonien ernst ist. Wer Dernburg kennt, der zweifelt nicht, daß der Staatssekretär, dem alles äußerliche Gepränge zuwider ist, die Gelegenheit, Land und Leute, sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse Deutsch=Ostafrikas kennen zu lernen, gründlich ausgenutzt hat. Verkauf eines deutschen Gutes an Polen? Gemäß der„Schles. Ztg.“ schweben Unterhandlungen, die dem Grafen Karl von Strachwitz gehörige Herrschaft Kaminietz, Kreis Tost=Gleiwitz, welche zwei Millionen Mark Wert hat, durch einen deutschen Mittelsmann für drei Millionen an die polnische Hand abzutreten. Die Fahrkartensteuer entwickelt sich mehr und mehr zum enfant terrible der deutschen Eisenbahnverwaltungen. Auch in den Kreisen dieser Verwaltungen herrscht jetzt nur noch die eine Stimme, daß die Fahrkartensteuer eine unglückliche Maßnahme gewesen sei und so schnell wie möglich wieder aufgehoben werden müsse. Die Eisenbahntarifreform, mit der die Rückfahrkarten verschwanden, wird zwar auch nirgends gelobt, aber doch von keiner Seite für so nachteilig erklärt wie die Fahrkartensteuer. Unter den ReformE 9ens and eie 1n00 Ml Lan an euben, Quant herau= gänglich sind sie sich hei der Handbabung derselben auch Kochsalzlösung aufgeschwemmt und der Extrack wie vorschlägen des Reichsschatzsekretärs wird sich daher wohl auch ein solcher über die Fahrkartensteuer befinden. Frankreich. Paris, 20 Sept. Handelsminister Doumergue erklärte gelegentlich einer Unterredung mit dem Vertreter des„Journal“, die Einfuhr Deutschlands nach Frankreich nehme in schnellerem Maße zu als diejenige von Frankreich nach Deutschland. Besonderes Gewicht müsse man auf die Ausfuhr von Weinen legen, die auf dem deutschen Markte den spanischen und den italienischen durch die Konkurrenz bekämpfen müssen. Großbritannien. Liverpool, 20. Sept. Kriegsminister Haldane kam in seinem gestern hier gehaltenen Vortrage auch auf den Wert der wissenschaftlichen Ideen für die Regierung zu sprechen. Er führte als nachahmenswertes Beispiel in der Verwertung solcher Ideen die deutschen Regierungen, den deutschen Generalstab und die Behandlung der Anglostomiasis(Gotthard= und Tunnelkrankheit) an und meinte, es müsse anerkannt werden, daß die Deutschen besser als die Engländer zur Ersassung allgemeiner Ideen befähigt seien. Italien. Rom, 20. Sept. Das Nationalfest zur Erinnerung an die mit der Besetzung Roms am 20. September 1870 abgeschlossene Einigung Italiens wird überall gefeiert. Auf eine Huldigungsdepesche der Stadt Rom hat der König aus Racconigi ein Danktelegramm gesandt, worin er auf die hohe Bedeutung des Tages hinweist: Er solle die Italiener an die Pflichten gegen das Vaterland erinnern, das die Vorfahren groß und geeint hätten sehen wollen Japan. Die starken Rüstungen Japans richten sich nach den Bekundungen eines amerikanischen Offiziers keineswegs gegen die Vereinigten Staaten, sondern gegen Deutschland, das aus Kiautschau verdrängt werden soll. Die Japaner, die Rußland bereits aus China vertrieben hätten, würden es mit Deutschland nicht anders machen. Wegen der weiten Entfernung besäße Deutschland keine Möglichkeit, der japanischen Willkür entgegen zu treten. Das letztere mag richtig sein, aber daß Japan so töricht sein sollte, sich mit der ersten Großmacht Europas zu verfeinden, das glaubt doch wohl auch der ungenannte amerikanische Offizier nicht. Marokko. Muley Hafid. Die Stämme sind mit der Unentschlossenheit Muley Hafids hinsichtlich seines Vordringens nach Norden dermaßen unzufrieden, daß selbst diejenigen, welche ihn zum Sultan ausgerufen haben, jetzt zögern, ihm weitere Unterstützung zu gewähren. Muley Hafid sandte 50 auserwählte Anhänger mit einem Vesir nach Tanger, welche wichtige Depeschen für die Vertreter der europäischn Mächte überbringen sollen, in denen er seine Proklamation zum Sultan mitteilt und alle Verträge und die Abmachungen der Algecirasakte anerkennt, welche bei richtiger Anwendung Frieden und Sicherheit für ganz Marokko gewährleisteteten, wozu sein Bruder Abdul Aziz nach seiner Ansicht nicht imstande sei. Muley Hafid fordert, daß die europäischen Mächte aufhören, in Casablanca Anlaß zu Unruhen zu geben, und ferner, daß die französischen Truppen zurückgezogen werden, dagegen würde er die Bestrafung des Schauja=Stammes übernehmen und mit der französischen Regierung Frieden schließen. Stadt und Umgebung. Schwerte, den 21. September. r Bei dem bevorstehenden Quartals= und Dienstwechsel) werden junge Mädchen unanfechtbar in der Provinz amtlicherseits davor gewarnt, leichtsinnig Kontrakte, besonders nach Berlin, zu unterschreiben, ohne genau zu wissen, wo und unter welchen Bedingungen sie vermietet werden sollen. Auf den Berliner Bahnhöfen befinden sich Helferinnen der Bahnhofsmission, kenntlich an einer weißen Armbinde mit rosa Kreuz, an den Quartalstagen, um jedes zuziehende Mädchen umsonst zu begleiten. In der Zwischenzeit wird dieser Dienst bei rechtzeitiger Meldung an das Bureau, Tieckstraße 17, geleistet. r(Zum nahenden Missionsfeste) ladet das hiesige Sonntagsblatt nochmals besonders ein, unter Hinweis darauf, daß in den nächsten Tagen noch ein Einzelangebot von Kaffeekarten zum Preise von 50 Pfg. erfolgen wird. Mit der herzlichen Bitte zur Teilnahme wird die Beantwortung der Frage verbunden:— Wozu feiert man denn eigentlich überhaupt ein Missionsfest? Wir haben ja gewiß bei uns keinen Mangel an allen möglichen Festen. Und alle die Feste, die den Sommer hindurch gefeiert werden, haben den Zweck, die Teilnehmer für irgend eine Sache zu begeistern. Den Zweck hat auch das Missionsfest. Es will alle Festteilnehmer für die Mission begeistern. Es ist noch gar nicht so lange her, da hielt man die Mission überhaupt für ein Steckenpferd einiger weniger sonderbarer, heiliger und überspannter Leute. Heute ist das nicht mehr so, und für jeden Christen ist die Mission etwas ganz Selbstverständliches. Sie ist Gemeingut der Christenheit geworden, so weit die Christen wirklich sind, was sie heißen. Den für die Mission interessierten Christen will das Missionsfest neue Anregungen, neuen Eifer und neue Freudigkei: geben. Denen, die nichts für die Mission übrig haben, will das Missionsfest Gelegenheit geben, die Mission kennen zu lernen. Unsere rheinische! Missionsgesellschaft gehört zu den größten, die es gibt. Ihre Arbeit hat in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen. Gottes Segen ist sichtbarlich mit ihr gewesen. Wir wollen aber bedenken, daß mit den Gaben Gottes auch die Aufgaben derer wachsen, die Gott lieb haben. *(Schulpersonalie.) Für eine an der hiesigen evang. Volksschule erledigte Lehrerstelle wählte die fremden Kuriere seitens der Anhänger Raisulis. Der. hue ldamutation Hermn Lahrer Dahlmann zus Winz] hautscha umd dan amastscha ddurr: Schuldeputation Herrn Lehrer Kohlmann aus Winz, Kreis Hattingen.— Herr Lehrer Hördemann an der hiesigen katholischen Volksschule verläßt am 1. November unsere Stadt, um eine Lehrerstelle an der Volksschule in Lippstadt zu übernehmen. **(Der Volksverein für das katholische Deutschland) wird am morgigen Sonntag Mitglieder und ste im Kösterschen Saale versammeln, wo abends um 6,30 Uhr der Reichstagsabgeordnete Giesberts übek die politische Lage spricht. **(Der Schwerter Turnverein) veranstaltet morgen im„Reiche des Wassers“ ein Schülerwettturnen, dem sich abends ein Rekrutenabschiedskränzchen anschließt. s.2(Kommunales Elektrizitätswerk„Mark“. An dieser Stelle machen wir auf eine Annonce der Mark in unserer heutigen Ausgabe aufmerksam und weisen darauf hin, daß die„Bedingungen für den Bezug elektrischer Energie“ aus dem Kommunalen Elektrizitätswerk Mark, Aktiengesellschaft, Hagen i. W.“ nunmehr erschienen sind. Außer den bereits bekannten Preisen für die Kwstd. geben die Bedingungen den Interessenten Aufschluß über Stromart und Spannung, Anmeldung, Dauer der Verpflichtung zum Bezuge der elektrischen Energie, sowie Anmeldung, Kosten der Hausanschlüsse, Einrichtung der Anlagen, Prüfung und Abnahme derselben, Zählermiete, Energieverbrauch von Glühlampen, Bogenlampen und Motoren usw. Einem roten Anhängezettel an dem uns vorliegenden Druckexemplar der Bedingungen entnehmen wir, daß der nach§ 5 der Bedingungen betr.„Kosten der Hausanschlüsse“ vom Anmelder zu leistende einmalige Beitrag für die Herstellung eines Hausanschlusses in der Höhe von 50 A bei einer Gebrauchsanweisung bis 500 Volt und 100 A bei einer Gebrauchsanweisung über 500 Volt bis zu 6 Meter Leitungslänge innerhalb der Grundstücksgrenze von der Straßenflucht aus gemessen 1. nicht erhoben wird, wenn die Anmeldung bis zum 1. November d. Is., 2. nur zur Hälfte erhoben wird, wenn die Anmeldung zwischen dem 1. November und 31. Dezember d. Is., 3. ganz erhoben wird, wenn die Anmeldung erst nach dem 1. Januar 08 erfolgt. Es liegt also im Interesse der Verbraucher elektrischer Energie, den Anschluß baldigst anzumelden. Die Bedingungen und Anmeldebogen können kostenfrei von der Mark Hagen, Bergstraße 123 (Fernruf Amt Hagen Nr. 688) bezogen werden, außerdem sind dieselben unentgeltlich erhältlich bei den Aemtern, Bürgermeisterämtern und Landratsämtern. Zu mündlicher Auskunft stehen die Ingenieure der Mark den Interessenten zur Verfügung. Der Ingenieurbesuch ist kostenlos. Zum Bezuge der Bedingungen, sowie für den gewünschten Besuch eines Ingenieurs genügt eine kurze Mitteilung an die Mark durch Postkarte unter Angabe der genauen Adresse des Interessenten. s*(Wem gehört die Uhr?) Bei dem am 3. d. Mts. festgenommenen August Fischer aus Iserlohn, wurde eine goldene Herren=Remontoiruhr ohne Sprungdeckel, mit römischen Ziffern und der Nummer 79 782 vorgefunden. Nach F. Angabe ist die Uhr einem am Wege von Iserlohn nach hier schlafend gefundenen Herren abgenommen worden. Trotz Ausschreibens hat sich der Eigentümer noch nicht gemeldet. (Am Strang) vergnügten sich gestern nachmittag einige Kinder im Spiel, als plötzlich eines derselben ins Wasser fiel. Auf das hülflose Geschrei der übrigen eilte Herr Güterexpedient a. D. Meißner herbei um das verunglückte Kind noch rechtzeitig aufs Trockene zu bringen. s(Die Frechheit mancher Bettler) kennt keine Grenzen. Befindet sich da gestern ein alter Bettler, der einst bessere Tage gesehen hat, auf dem„Geschäftsgange“. In einem hiesigen Geschäftslokale wird ihm eine Kleinigkeit an Geld geboten, die aber prompt als nicht ausreichend zurückgewiesen wurde. Stolz wie ein Spanier ging dann der Herr Bettler seiner Wege. Holzen, 20. Sept. Zwei wildfremde Männer griffen hier ein vierjähriges Kind auf und verschleppten es in ein Feld. Da das Kind mörderlich schrie, warfen es die Unholde zu Boden und mißhandelten es durch Fußtritte. Unerkannt sind die Wüstlinge leider entkommen. Geisecke, 20. Sept. Dem Milchfuhrmann des Gutsbesitzers Schulte=Höppe wurden aus der Tasche 20 Mark gestohlen, außerdem ein Paar Schuhe. Im Verdacht des Diebstahls steht ein von dort bereits verschwundener Knecht, der seine alten Schuhe wohl als Ersatz zurückließ. *(!) Westhofen, 21. Sept.(Lehrerkonferenz.) Unter dem Vorsitze des Königl. Kreisschulinspektors Herrn Pfarrer Graeve aus Schwerte fand gestern hierselbst eine Konferenz der evangelischen Lehrpersonen des Amtes Westhofen und der Stadt Schwerte statt. Zunächst hielt Herr Lehrer Bollenkamp von Schwerterheide eine Lehrprobe über das Thema:„Der Regierungsbezirk Arnsberg". Dann sprach im Saale des Herrn Fritzenkötter Herr Lehrer Doert aus Schwerte über die Gesundheitspflege der Schulkinder. Die nächste Konferenz findet am 23. Oktober in Schwerte statt. Letzte Drahtmeldungen. Bergarbeiterstreik. Belgrad, 20. Sept. Unter den Arbeitern der Kohlenbergwerke des Timoktales ist ein Streif ausgebrochen. Da die Ausständigen sich großer Ausschreitungen schuldig machen, wurde Militür in das Streikgebiet dirigiert. Gaunt Maratte. aus Larasch gemelbet wird, bestätigen sich die Meldungen von Angriffen auf die deutsche und der englische Kurter, die eine halbe Stunde nach dem frtnzösischen Kurier die Stadt verließen, wurden überfallen und beraubt; auch wurden die von ihnen mitgeführten Postsäcke aufgeschnitten.— Aus Nabat wird berichtet, daß der Gouverneur der Stadt den französischen Konsul sowie den Befehlshaber des Panzerschiffes„Admival Aube“ amtlich informiert hat, daß der Sultan sich auf dem Wege nach Rabat befinde. Derselbe habe in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch ungefähr drei Tagemärsche von Rabat sein Lager aufgeschlagen. Seine Ankunft in Rabat wird füd den 23. erwartet. In die Luft geflogen. Köln a. Rh., 20. Sept. In der Sprengstofffabrik in Linderhöhe, die etwa eine halbe Stunde von dem Schieß platz auf der bei Köln gelegenen Wahner Heide entfernt ist, fand heute morgen kurz nach 7 Uhr eine starke Explosion statt. Die Arbeiter ergriffen schleunigst die Flucht. Kaum hatten sie sich geborgen, als unter furchtbaren Detonationen das ganze Nitrierhaus in die Luft flog. Menschen sind jedoch, soweit bekannt, nicht verunglückt.“ Die Explosion war so stark, daß in dem eine halbe Stunde entfernten Orte Wahn alle Fensterscheiben zersplitterten und in der Kirche durch den gewaltigen Luftdruck Steine aus den Gewölben gerissen wurden. Bergarbeiterkongreß. Salzburg, 20. Sept. In der heutigen Sitzung des internationalen Bergarbeiterkongresses wurde die britische Resolution betreffend die Schaffung von Altersrentenfonds einstimmig angenommen. Ein Teil der Engländer reist wegen gewisser Vorkommnisse in Großbritannien(man spricht von Streikbefürchtungen) schon heute ab. Der nächste internationale Bergarbeiterkongreß soll in Frankreich, der nächstfolgende in Deutschland abgehalten werden. Raisulis Bedingungen. London, 20. Sept. Raisuli hat, wie der„Times“ aus Tanger gemeldet wird, folgende Bedingungen für die Freilassung Mac Leans gestellt. Das Gouvernement über ganz Nordmarokko, von Larache an der atlautischen Küste bis an einen Punkt einige 40 englische Meilen südlich von Tetuan am Mittelmeer, im ganzen über 3000 englische Quadratmeilen, eine Entschädigung von über 110000 Pfund Sterling für seine Verluste seit seiner Entsetzung als Gouverneur des Fah=Stammes, die Entlassung des Kriegsministers und des zweiten Vertreters des Sultans in Tanger, die Einkerkerung der Befehlshaber der Expedition, welche gegen den Khmas=Stamm focht, die Freilassung sämtlicher Gefangenen von den Bergstämmen, gleichviel, wo sie gefangen genommen wurden, und endlich eine große Lieferung von Waffen und Munition. Diese Bedingungen gelten natürlich als unerfüllbar. Russische Revolution. London, 20. Sept. Aus Petersburg wird gemeldet: Die Polizei entdeckte in Sammenihof ungeheure Vorräte von Sprengstoffen, Schießwaffen und starken Giften, sowie fertige Bomben, deren Zahl genügte, eine Stadt zu vernichten, und die im Boden verborgen waren.— Sechs politische Gefangene in Ufa entwichen, mit Revolvern bewaffnet. Sie wurden von Gefängniswärtern und Soldaten verfolgt. Vier wurden getötet, einer wurde verwundet, einer entkam. Auch ein Soldtt ist verwundet. Wie die Verbrecher in den Besitz der Schießwaffen gelangten, ist ein Rätsel.f Am Krankenbette des Vaters. Karlsruhe, 20. Sept. Der Erbgroßherzog, der gestern zu den Manövern abreisen wollte, verbleibt auf der Mainau. Die Tochter des Großherzogs, die Kronprinzessin von Schweden, wurde heute Nacht telegraphisch an das Krankenbett gerufen. Heute Nacht trafen von der Mainau Depeschen an das Staatsministerium ein. Die Ursachen der Erkrankung sind auf die Teilnahme der am letzten Sonntag in Litzelstatten stattgefundenen Kircheneinweihung bei unfreundlichem Wetter zurückzuführen. Ueberfall. Madrid, 21. Sept. Spanische und portugiesische Flüchtlinge aus Fez wurden zwischen Fez und Larache von Mitgliedern des Stammes der Sebata überfallen und konnten erst nach Auslieferung ihrer Dienerinnen und Wertgegenstände weiter ziehen. Dementi. Paris, 21. Sept. Eine gutinformierte Persönlichkeit dementiert die Nachricht, daß die Einräumung einer Interessensphäre für Deutschland in Marokko beabsichtigt sei. Die Grundlage jeder Verständigung bliebe die Algecirasakte. Tötlicher Sturz. Berlin, 20. Sept. Heute früh ereignete sich im Kesselhause der städtischen Elektrizitätswerbe in Charlottenburg ein schwerer Unfall. Bei der Aufstellung eines neuen Dampfkessels brachen die auf einem Holzgerüst stehenden Arbeiter infolge eines Bretterbruches durch, durchschlugen im Fallen den den Kessel deckenden Bretterbelag und stürzten etwa drei Meter tief in den Keller, wo sie auf eisernen Schienen aufschlugen. Zwei Arbeiter erlitten hierbei lebensgefährliche Verletzungen, während zwei andere mit leichteren Verletzungen davonkamen. Schwerte. der katb. Sonntag, den 22. Sept. Vormittags. 6½ Uhr: Stille hl. Messe Kapl. Riecke. 7¾„ Frühmesse Kapl. Riecke. 9 Uhr: Schulmesse mit Predigt. Pfr. Schnurbus. Hochamt mit Predigt. Pfr. Schnurbus. Nachmittags. 2½„ Bonisatins=Bruderschaft 8„ Elisabeth=Verein. 9 Uhr: 10¼ Lichtendert. * 8 Ur: ** mit Predigt, Biker Böddicker Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feieriags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund“. o 0 0 0 O O O O O O O O o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswälts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekannimachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o c 0 0 0 O O O F S O 0 0 o Druck u. Uerlag von Carl Kraus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aaresse: Braus. Schwerte-Ruhr Nr. 222. Sonnabend, den 21. September 1907. 9. Englische Manöverkritik. allen Dingen, die für Deutschland charakteristisch seien, zunächst die Berichte der Mandatsprüfer entgegengestehe die Armee an erster Stelle. Zweifellos habe sie nommen. Als ein österreichischer Uebersetzer die HirschFehler. Dazu rechnet der Dunkerigner der nationalliheralen Vart#i u Die„Köln. Ztg.“ gibt einige sehr interessante Beobachtungen eines Berichterstatters des „Standard“ über die deutschen Manöver wieder. Ein Leutnant aus dem Burenkrieg, der ihn begleitete, bemätelte die deutsche Angriffsweise, die viel zu dicht sei; Burenflinten hätten da eine schlimme Verwüstung angerichtet.(Der gute Mann weiß nicht, daß auf die Felder Rücksicht zu nehmen war.) Die Ausrüstung des deutschen Soldaten sei zu schwer und unbeholfen. Aber überlastet oder nicht, die Infanterie wisse ihre Beine zu gebrauchen. Einige prachtvolle Märsche seien ausgeführt worden, die man kaum für möglich halten sollte. Vielleicht sei die schwere Belastung des Soldaten die Ursache, daß der Deutsche allgemein so geduldig Sack und Pack auf Meilen mit sich schleppe. Ein eng=g##. lischer Fußgänger trage nicht sehr gern schweres Gepäck bei sich als einen T####r#eutel;#per der deutsche sei sehr gut besorgt um seinen Proviant. Schwet beladen streift der Hausvater ungeachtet seiner Jahre und seines Körperumfanges ohne Klage ven ganzen Tag umher. Der junge Krieger aus Südafrika betrachtete diese Wanderer mit mißtrauischen Buicten. „Sehen Sie nur das Geschöpf da,“ sagte er zu dem Berichterstatter, indem er auf einen Mann von 46 Jahren mit rotem Vollmondsgesicht deutete. Dieser Mann trug einen langen schwarzen Rock, karrierte Alpakahosen und einen Panamahut. Seine Figur machte den Eindruck, als ob nur die Westenknöpfe sie hinderten, wie Kuchenteich aufzugehen. Die Mecklenburger Grenadiere marschierten einen Hügel hinan, die Engländer schlossen sich ihnen an, ebenso der runde, rote Mann. Die Grenadiere marschierten schnell, der Hügel war steil. Die Engländer hielten sich tapfer bei den vordersten, aber auch der runde Mann blieb nicht zurück. Seine Pakete und Taschen schaukelten um ihn herum, er fächelte sich mit seinem Hute Kühlung zu, aber als die Kolonne Halt machte, stand er mit seinem Gepäck bei den Engländern und schien nicht im mindesten erschöpft. Die Kraft und Ausdauer schon bejahrter deutscher Zivilisten überraschte den Berichterstatter. Das Volk, das so gern bei Tafel sitze und so wenig Neigung zu atlethischen Uebungen habe(?), werde durch die zwei Jahr Militärdienstzeit im voraus gegen die Folgen seiner Fleischessünden geschützt. Unter als Kriegsinstrument ihre Fehler. Tazu rechner der Tunterianer der natibnaltidetraten Partei zurechnen Berichterstatter namentlich die Aufgeregtheit der Offiziere, die im Ernstfalle leicht die Mannschaften demoralisieren könne. Wie alle Armeen, denen nach einem erfolgreichen Kriege eine lange Friedenszeit beschieden sei, neige auch die deutsche zu Steifheit, Pedanterie und einer übermäßigen Schätzung der Ueberlieferung uno Theorie. Aber die deutsche Armee sei nicht nur eine Kriegswaffe, sie diene auch einem anderen, vielleicht noch höheren Zweck, der Volkserziehung. Der Berichterstatter empfing auch den Eindruck, daß die Soldaten gern dienten. Obschon ermüdet, schienen sie ihm, wenn er abends an ihren Zelten vorbetging, wo die Suppenkessel dampften, doch rüstig, zufrieden und fröhlich. Die Manneszucht sei strena, die Arbeir hart, die 5sstgäcre, ooschon manchmal rauh in ihrem Auftreten, kümmerten sich um die Bedürfnisse der Mannschaften. Oft überraschte d. Engländer das väterliche Wohlwollen junger Leutnants. Die Männer in schwarzen Röcken(die alten Krieger) seien wie die alten Zöglinge einer Schule. Sie kännten die Fahnen, Uniformen, Geschichte ihrer Regimenter, beurteilten klug die einzelnen Truppen und groß sei der freudige Stolz eines Familienvaters, wenn er seinen Kindern verkünde:„Das sind die Brandenburger— wackere Kerls! Wir hatten sie mit uns in den schlesischen Manövern, als ich diente!" Als ich diente! das Wort und seine Betonung hat auf den Engländer besonderen Eindruck gemacht. Seine Landsleute könnten sich oft den Kopf darüber zerbrechen, um eine genaue Antwort auf die Frage zu geben, ob und wie sie ihrem Vaterland genützt hätten, aber der Deutsche habe die Antwort gleich:„Als ich diente!“ Kein Wunder, wenn der Mann im mittleren Alter noch wie der Jüngste hinter den Truppen herlaufe. Die Armee des Kaisers sei eine ungeheure Schule, was sie lehre, präge sie ihren Zöglingen fest ein. Achtzehnter internationaler Bergarbeiterkongreß. Salzburg, 18. September. (Dienstag.) In der Nachmittagssitzung wurden Tunkeriäner der narionalnideraten Parkei zurechnen wollte, erhob hiergegen der Vertreter Hammacher Einspruch und es wurde auf seine Veranlassung festgestellt, daß die Hirsch=Dunkersche Richtung keiner bestimmten Parteigruppe angeschlossen sei. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß in der Geschäfts=Kommission von österreichischer Seite die Frage angeregt worden sei, ob die nicht zu den freien Gewerkschaften zu zählenden deutschen Gruppen (Christliche, Polen und Hirsch=Dunkerianer) zu den weiteren Verhandlungen zuzulassen seien. Er bat den Sprecher der Kommission, seinen Bericht zu erstatten. Der Berichterstatter führt aus: Es sei zur Kenntnis des Komitees gekommen, daß sich in verschiedenen Ländern die Sonderorganisationen mehren. Ein Weiterschreiten auf diesem Wege sei bedenklich; es müsse deshalb diesem Treiben Einhalt getan werden. Zu diesem Zwecke werde dem Kongreß folgende Resolution unterbreitet: „In Anbetracht, daß der Generalsekretär des Kongresses im Auftrage des internationalen Komitees verschiedene Sonderorganisationen von Deutschland und Ungarn eingeladen hat, diesen Kongreß zu beschicken, und in Anbetracht, daß der internationale Kongreß geschaffen ist, um in jedem Lande die Organisation zu stärken und den Bergarbeitern die größten Vorteile zu sichern, wird beantragt, in Zukunft keine Organisation anzuerkennen, welche eine Sonderorganisation ist und dem allgemeinen Reichsverbande entgegensteht. Wir empfehlen den Organisationen, sich zu einem Verbande zusammenzuschließen und in Zukunft auf die internationalen Kongresse eine einheitliche Vertretung zu schicken." Zur Begründung der Resolution, die mit starkem Beifall begrüßt wurde, bemerkt der Berichterstatter, der jetzige Zustand könne nicht beibehalten werden. In England habe man einen starken Verband geschaffen, der 600000 Bergarbeiter umschließe. Jede Sonderorganisation werde in England im Keim erstickt. Der Berichterstatter schließt mit einem herzlichen Appell an die verschiedenen Organisationen, sich zu vereinigen und alles aufzubieten, die Widersprüche, seien sie persönlicher oder sachlicher Art, zu beseitigen, damit ein großer einheitlicher Verband entstehen könne. Gewerkvereinssekretär Effert=Essen(GewerkverMein Deutschland. Ein Weg durch Korn und roten Klee, Darüber der Lerche Singen, Das stille Dorf, der helle See, Süßes Wehen, frohes Klingen! Es wogt das Korn im Sonnenbrand, Darüber die Glocken schallen,— Sei mir gegrüßt, mein deutsches Land, Du schönstes Land vor allen! Prinz Emil von Schöngich=Carolath. Geheimnis des Lindenhofes. Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau. 12. „Im Gegenteil,“ versetzte Julie,„ich möchte mir die beste Meinung von Ihnen bewahren, sowohl um Ihrer selbst als um des gütigen edlen Mannes willen, unter dessen Dach mir eine so rücksichtsvolle Aufnahme zuteil geworden.“ „Dieser gütige, edle Mann ist der Gegenstand meines höchsten Abscheus!“ rief Edith Butler mit einem plötzlichen leidenschaftlichen Ausbruche.„Sie müssen dies einsehen, Sie müssen erkennen, wie wenig Zuneigung zwischen uns besteht, wie ich nur geduldet bin, aber ihm als Vorwand diene, um Ihnen seine Gunstbezeugungen zuwenden zu können.“ „Ich frage nicht nach seinen Gefühlen, wenn ich etwas zu tun für gut finde,“ fuhr diese in demselben Tone fort,„aber auch er verletzt und kränkt mich fortwährend durch die Zumutung, seinen kleinlichen Plänen und Reden Gehör zu schenken, obschon er weiß, daß weit wichtigere Dinge mir schwer auf der Seele lasten. Sie wenden ihm Ihre Teilnahme zu,— ich mag ohne dieselbe fertig werden. Alles, was ich von Ihnen beiden verlange, ist, mich gänzlich mir selbst zu überlassen.“ „Sie werden begreifen, daß ich unter diesen Umständen nicht länger im Hause bleiben kann. Ich kam nicht hierher, um Herrn Templetons Gesellschafterin zu sein. Kann ich Ihnen fernerhin nicht mehr vonnutzen sein, so bin ich bereit, zu gehen.“ Es war eine schwere Aufgabe für Fräulein Butler, ihre Worte zurückzunehmen, zu erklären oder sich zu einer Bitte herabzulassen; aber sie hatte sich jetzt in diese Lage gebracht. bedachte Julie, und sofort war auch ihr Entschluß gefaßt. „Ich bin bereit, hier zu bleiben, solange Sie meiner Dienste bedürfen,“ sagte sie, einen großen Nachdruck auf das Wörtchen„Sie“ legend;„kein anderes Motiv könnte mich zu längerem Aufenthalte hier veranlassen. Es würde mich freuen, könnte meine Anwesenheit ein wenig Gutes wirken.“ „Ich glaube es Ihnen,“ versetzte Edith Butler bewegt.„Sie haben bereits Gutes hier gewirkt, und wir bedürfen Ihres wohltätigen Einflusses, um all das sie mißverstehen mich,“ sagte sie kalt;„ich habe Schlimme zu ertragen. Ich weiß auch, daß es Ihnen die mitzveritehen wich bagte te bot;„ic5 b.,„IBefriesgung gewährt, anderen zu bellen und nütlich keine Klage gegen Sie, ich wünsche Ihr Weggehen nicht. Wenn Sie dieses Haus verlassen, so kehre auch ich ihm den Rücken. Ihre Gegenwart allein macht mir den Aufenthalt hier erträglich, ermöglicht das Zusammensein mit meinem Onkel. Wir sind eine unglückselige Familie, Fräulein Sand; Zwietracht und finstere Geheimnisse verhindern jede wärmere Annäherung. Vorderhand wünsche ich noch hier zu bleiben und erwarte von Ihrer Gutherzigkeit, daß Sie mich nicht verlassen, nicht verurteilen, bis Sie mehr erfahren haben, um sich über das, was Sie sehen und hören mögen, ein richtiges Urteil zu bilden.“ Aus Ediths Butlers Worten sprach soviel wirkliches Gefühl, daß Julie sich geneigt fühlte, besser von ihr zu denken als seither. Nach allem, was sie von der Familiengeschichte bisher erfahren hatte, mußte sie annehmen, daß ein düsteres Geschick diese beiden letzten Glieder derselben innerlich getrennt halte. Wenn sie ausharrte auf ihrem Posten, wenn sie mit der Zeit doch näher iin die Verhältnisse eingeweiht wurde, war es ihr vielleicht vergönnt, eine gewisse Harmonie zwischen Onkel und Nichte herbeizuführen, den Weg zu einem besseren Einvernehmen anzubahnen. Dies alles Ecfrndiung gewährt, anderen zu helfen und nützlich zu sein, und daß Sie sich nicht beklagen über die Einsamkeit, zu der Sie verurteilt sind, ich weiß auch, daß Ihre Dienste mit Geld nicht zu bezahlen sind. Sie sind im Besitz meines Geheimnisses, und Sie sehen, ich vertraue Ihnen ohne Furcht.“ Für Julie begann von diesem Tage an ein neues, weit weniger angenehmes Leben als bisher. Es schien, als ob das düstere Familiengeheimnis auch auf sie seine Schatten warf, und sie fühlte sich sehr peinlich bedrückt davon. Die vertraulichen Mitteilungen Fräulein Butlers lasteten ihr schwer auf der Seele; denn sie fühlte, daß diese ihre Stellung Herrn Templeton gegenüber total veränderten. Jetzt schon konnte sie ihm nicht mehr in der offenen, unbefangenen Weise gegenübertreten, die ihn so sehr an seine Schwester Edith erinnert hatte. Aber auch in ihrer jetzigen Gemütsverfassung glich sie wieder jener Edith, die, ebenfalls unter dem Einflusse eines peinlichen Geheimnisses, dem Blicke des Bruders auswich und ihn durch ihr ungewohntes Schweigen in Besorgnis versetzte. Hermann Templetonwußte sich die Veränderungen in Juliens Benehmen nicht anders zu deuten, als aan etn 1n0n am.1. an. Soaut boru. nänglich sind sie sich hei der Handhabung derselben auch Kochsalzlösung aufgeschwemmt und der Extrack wie ein christlicher Bergarbeiter Deutschlands): Die dem Kongreß vorgelegte Resolution gipfelt darin, daß, falls bis zum nächsten Jahre nicht eine Vereinigung der deutschen Organisationen stattgefunden hätte, die übrigen Organisationen, also beispielsweise die unsrige, die polnische Berufsvereinigung und der Gewerkverein Hirsch=Dunker nicht mehr zugelassen werden sollen. Die Tragweite dieser Resolution— so darf ich wohl ruhig behaupten— ist dergestalt, daß sie der Arbeit, der gewerkschaftlichen Arbeit der vereinigten internationalen Bergarbeiter sicher nicht zum Nutzen gereichen wird. Ferner möchte ich von vornherein beionen, daß wir nicht bitten, unter allen Umständen zugelassen zu werden. Wir stehen aus dem Standpunkte, daß wir das Streikrecht voll für uns ausnutzen. Das haben wir bewiesen bei dem großen Bergarbeiterstreik. Wir haben es bewiesen im vorigen Jahre, wo wir 180000 Mark verstreikt haben. Wie die Verhältnisse nun einmal in Deutschland liegen, ist angenblicklich an eine Verschmelzung im nächsten Jahre nicht zu denken. Das erkläre ich öffentlich, damit Sie wissen, daß, wenn die Resolution angenommen wird, Sie damit über 100000 Organisierte ausschließen; denn nach der von dem Delegierten Hi gegebenen Statistik haben die drei Verbände über 100000 organisierte Arbeiter. Wenn Sie die ausschließen wollen, dann zeigen Sie damit, daß nicht die gewerkschaftliche Vertretung in erster Linie Ihr Zweck ist, sondern daß andere Gründe mitspielen. Reichstagsabgeordneter Sachse, Vorsitzender des alten Bergarbeiterverbandes(Deutschland): Wir sind in Differenzen geraten mit unseren österreichischen Kameraden über die Zulassung der Organisationen. Sie haben uns schon Vorwürfe gemacht über unsere Haltung auf dem Londoner Kongreß; sie hatten erwartet, daß wir im vorigen Jahre gegen die Zulassung der Christlichen stimmen würden. Wir haben damals keinen Widerspruch erhoben, sondern die Erklärung abgegeben, daß, wenn sich die christliche Organisation solidarisch zeigt, wir gegen ihre Zulassung auch fernerhin nichts einzuwenden haben. Wir mußten allerdings zugeben, daß uns namentlich die christliche Organisation die größten Schwierigkeiten bereitet, indem sie in denselben Revieren, in denen wir zuerst organisiert waren, uns starke Konkurrenz machen, indem sie uns bekämpfen und die Kräfte der Arbeiter zersplittern. Das ist die Wahrheit, und das müssen auch die Christlichen als richtig anerkennen. Ferner mußten wir zugeben, daß zwischen uns immerwährend ein scharfer Kampf besteht. Es handelt sich dabei nicht nur um die gegenseitigen Vorwürfe in den Blättern, nein, wir müssen sagen, daß wir oft in recht unschöner und unwahrer Weise bekämpft werden. Wir werden immerwährend verleumdet in der Art, daß man uns nachsagt, wir nähmen es nicht ernst mit den Arbeiterinteressen. Anderseits hat die Organisation, und zwar noch in allerletzter Zeit, unsere Mitgliederzahl in unwahrer Weise herabzusetzen versucht. So wird den Arbeitgebern stets unsere Organisation schwächer hingestellt, als sie in Wirklichkeit ist. Diese Kampfesweise muß hier gebrandmarkt werden. Trotzdem hätten wir den Antrag nicht gestellt, der von den Oesterreichern ausgegangen ist. Wir haben zusammen gekämpft und trotz aller Konkurrenz uns mit diesen traurigen Tatsachen abgefunden. Aber nach Ueberlegung aller Gründe, wie sie in der Geschäftskommission erörkert worden sind, müssen auch wir sagen, daß auf die Dauer derartige Konkurrenzorganisationen die Grundlage der internationalen Kongresse nicht erschüttern dürfen. Hammacher=Oberhausen(Gewerkschaft deutscher Bergarbeiter, Hirsch=Dunker): Ich will nur eine kurze Erklärung abgeben. Ich kann mich nur den Ausführungen Efferts anschließen, daß wir durch die Resolution die Dinge in Deutschland, wie sie nun einmal liegen, nicht bessern. Wir kommen uns dadurch nicht näher. Es muß das auf ganz andere Art und Weise geschehen, die sich zu Hause abspielen muß, nicht auf dem Kongreß. Ich wundere mich dann aber, daß wir daß ihr der Aufenthalt in dem einsamen Lindenhofe unerträglich werde, und der Gedanke, sie verlieren zu müssen, bereitete ihm unaussprechlichen Schmerz. Jetzt erst fühlte er, der einsame Mann, der längst alle Ansprüche auf Glück aufgegeben hatte, wie teuer seinem Herzen das junge Mädchen geworden war; aber gleichzeitig trat auch das ganze Entsetzen seiner Lage ihm mit furchtbarer Klarheit vor Augen. Wie leicht war es möglich, daß Julie von anderen erfuhr, welch abscheulichen Verbrechens man ihn beschuldigte! Dieser Gedanke raubte ihm alle Fassung. Er hatte auf Gott vertraut; er hatte lange Jahre geduldig gelitten; aber Glaube und Vertrauen schienen ihn plötzlich verlassen zu wollen. Er sah kein anderes Hindernis, in seinen reiferen Jahren die unschätzbare Liebe Juliens zu gewinnen, — nur jenes schreckliche Verhängnis drohte alle seine Wünsche und Hoffnungen zu vernichten. Und ohne deren Erfüllung schien ihm das Leben keinen Wert mehr zu haben! Von seinen Lippen rang sich ein feuriges Gebet, die allgütige Vorsehung möge doch endlich den Schleier von der Vergangenheit lüften und seinen Naanen von der Schande befreien. Neuntes Kapitel. Es war abends 7 Uhr geworden, als Fräulein Butler Julie ersuchte, sie nach dem Dorfe zu begleiten. Diese war sofort bereit dazu, in der Meinung, die junge Dame wünsche auf dem Postamte etwas zu besorgen. Aber Edith Butler hatte einen ganz anderen Zweck vor Augen. Vor etwa vierzehn Tagen hatte sie auf einem Spaztergange durch das Feld zufällig einen kleinen Jungen getroffen, der stehen blieb und sie neugierig anstarrte. Auf ihre Frage, was dies bedeuten solle, war er in die Worte ausgebrochen:„Wohnet Ihr nicht auf dem Lindenhofe?“ überhaupt Einladungen erhalten haben, wenn man beabsichtigte, uns heute auszuschließen. Wir waren in der glücklichen Lage, zu Hause schon zu wissen, daß diese Frage hier auf dem Kongreß ihre Erledigung finden solle. Von meinem Vorstande, der sich schon mit der Sache befaßt hat, habe ich den Auftrag, den Kongreß noch heute zu verlassen, wenn ein solcher Beschluß angenommen wird. Ein belgischer Redner hält eine längere Ansprache, in der er den Grundsatz aufstellt, daß ein Christ kein Arbeiterfreund und kein Klassenkämpfer sein könne (Rufe bei den Altverbändlern: Unsinn! Die Franzosen rusen den Redner zur Sache). Reichstagsabg. Hue=Essen(alter Verband): Ich möchte, ohne mich vorher mit den deutschen Delegierten besprochen zu haben, für meine Person die Erklärung abgeben, daß ich nicht auf dem Standpunkte stehe, daß die christliche Ueberzeugung dem Sozialismus zuwider ist. Auf Vorschlag Sachses wird beschlossen, von einer Beschlußfassung über die Resolution abzusehen. Zu den Angriffen des Belgiers gaben die christlichen Delegierten folgende Erklärung ab: In der gestrigen Nachmittagssitzung hat der belgische Delegierte Leblanche das Christentum als die Religion der Arbeiterfeinde und jeden Christen als zu den Arbeiterfeinden gehörig hingestellt, ohne vom Präsidium auf das Ungehörige dieser Aeußerung aufmerksam gemacht worden zu sein. Im Namen der 77000 Mitglieder, welche durch die Unterzeichneten vertreten werden und sich zum Christentum bekennen, bisher stets sogar unter schweren Opfern für die Interessen der Bergarbeiterschaft gekämpft haben, protestieren wir energisch gegen die ungerechtfertigte Beschimpfung des Christentums und der sich zum Christentum bekennenden Arbeiter. Wir sprechen unser Bedauern darüber aus, daß durch das Hineinziehen von religiösen und politischen Streitfragen das Zusammenarbeiten auf wirtschaftlichem Gebiet erschwert oder schließlich gar unmöglich gemacht wird. Die Unterzeichneten sind der Meinung, daß die Erörterung religiöser Streitfragen nicht zu den Aufgaben des internationalen Bergarbeiterkongresses gehöt. Sollte der Kongreß in Zukunft noch derartige Angriffe auf die religiöse Ueberzeugung der von uns Vertretenen dulden wollen sso können wir an derartigen Verhandlungen nicht mehr teilnehmen und wären in diesem Falle weitere Einladungen zu den internationalen Bergarbeiterkongressen überflüssig. Salzburg, 18. September 1907. Johann Effert, Heinr. Imbusch, Christian Steger. (Mittwoch.) Der Kongreß=Präsident Burk=Amerika eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. Erster Gegenstand der heutigen Tagesordnung ist die Beratung über die Versicherungsgesetze. Dazu liegen die schon mitgeteilten Beschlußanträge von deutsch=österreichischer und belgisch=französischer Seite vor.„Die erstgenannte Resolution, die für kranke und invalide Bergarbeiter sowie für die Hinterbliebenen verstorbener Bergarbeiter die gesetzliche Festlegung einer ausreichenden Rente verlangt, wird von dem Oesterreicher Boda begründet. Zu dem belgisch=französischen Antrage gab FalonyBelgien eine längere Erläuterung. Er erwähnte, daß in Belgien die Krankenversicherung fakultativ sei; ein gesetzlicher Zwang zur Versicherung bestehe nicht. Die Arbeitgeber schließen Verträge mit Versicherungsgesellschaften ab und diese im Verein mit den Arbeitgebern setzen alles daran, um die Höhe der Entschädigungen zu beschränken. Auf die Abstellung dieses Uebelstandes müsse in erster Linie gedrungen werden. Der Redner empfiehlt zum Schluß die Annahme der Resolution. Die beiden Resolutionen wurden hiernach einstimmig angenommen. Es folgte alsdann die Besprechung der den internationalen Streik betreffenden französischen Resolution: Die Bergarbeiter der verschiedenen Länder sollen sich bemühen, ein gemeinsames Abkommen zu tref„Ja,“ versetzte Edith. „Und fürchtet Ihr Euch nicht vor den Geistern?" „Vor welchen Geistern?“ „Vor denen, die Euer Onkel ermordete?“ „Ermordete Geister? Welche Torheik!“ „Er mordete Euren Vater und Euve Mutter und die sind die Geister.“ „Wer sagt dir dies?“ „Alle Leute sagens; Betty Allason weiß es genau.“ „Und wer ist Betty Allason?“ „Die alte Frau, die im Dorf wohnt.“ Fräulein Butler gab dem Knaben ein Geldstück und setzte ihren Weg fort. So bot sich ihr denn endlich Gelegenheit, etwas über die Vergangenheit zu erfahren; und daß sie diese Gelegenheit benützen wolle, stand sofort bei ihr fest. Schon einige Tage später besuchte sie Betty Allason und hatte eine längere Unterredung mit ihr. Welchen Eindruck auch die erhaltene Mitteilung auf sie machen mochte, ihr erster Gedanke war, sie zur Erreichung ihres Zweckes auszubeuten. Mit weiblichem Scharfblick hatte sie längst die stets zunehmende Neigung ihres Onkels für Julie entdeckt und sie hielt es für ganz außer Frage, daß diese, in ihrer abhängigen Stellung, ihm jede Ermutigung zuteil werden lasse. Ein förmlicher Haß gegen beide stieg in ihrem Herzen auf, und sie beschloß, um jeden Preis ein Ereignis zu verhindern, das sie noch einmal eines Erbes zu berauben drohte, dessen sie sich schon sicher geglaubt hatte. In der festen Ueberzeugung, Julie nicht besser gegen ihren Onkel aufbringen zu können, als wenn sie ihr Betty Allasons Geschichte zu Ohren bringen ließe, machte sie ihre Pläne. Vor allem stattete sie der alten Frau einen zweiten Besuch ab und klagte bitterlich über ihre traurige Stellung im Hause des Onkels, wo alle sie wegen ihres Mangels an Gefühl verdammten, sen, um, wenn notwendig, einen internationalen Streik zu erklären. Die Resolution wird ron Bexant(Frankreich) begründet. Der Sprecher der englischen Delegation erklärte das Einverständnis der Briten mit der Resolution. Abg. Sachse=Bochum(alter Verband, Deutschland): Ich wollte mich auch auf die Erklärung beschränken, daß wir den Antrag unterstützen. Die Beschlußfassung über die Resolution wurde auf morgen vertagt wegen eines für den heutigen Nachmittag geplanten Ausfluges nach Halleni, wo mit Genehmigung des zuständigen Ministeriums das dortige staatliche Salzbergwerk besichtigt werden soll. Kleine Chronik. — Posen, 20. Sept. Sämtliche hiesige Droschkenkutscher sind in den Ausstand getreten, die Kutscher hatten sich geweigert, die Gäste des Hotels Du Rome zu fahren, weil dieses sich eigenes Fuhrwerk angeschafft hatte. Auf polizeiliche Zwangsmaßregel antworteten die Kutscher mit dem Ausstande. — Petersburg, 20. Sept. In das Eisenbahnhospital der Station Mandschuriga der sibirischen Eisenbahn ist ein 13jähriges Mädchen mit sicheren Anzeichen der Bubonenpest eingeliefert worden. — Brüssel, 20. Sept. Vor etwa 4 Wochen wurde ein hiesiger städtischer Beamter zusammen mit drei anderen Personen von einem tollen Hunde gebissen. Obgleich er sofort nach d. Pasteurschen Verfahren behandelt wurde, ist er gestern unter furchtbaren Schmerzen an der Tollwut gestorben. Der Vorfall erregt hier großes Aufsehen. — Berlin, 20. Sept. Zu dem Brandunglück in der Lehrter Straße wird noch gemeldet: Die Feuerwehr rettete 15 Personen durch Sprungtücher. 7 von ihnen erlitten teils leichte und teils schwere Verletzungen. Im ganzen sind bisher 38 Personen in Krankenhäusern untergebracht. An einem Fenster des dritten Stockwerks des zweiten Hintergebäudes hing eine Frau, man rief ihr mehrfach zu, noch eine Sekunde Ruhe zu bewahren. Plötzlich ließ sie sich los, doch gelang es der Feuerwehr noch in der letzten Sekunde das Sprungtuch zumteil auszubreiten, sodaß die Frau unverletzt zur Erde kam. Kurz vor der Frau wurde ein Kind herabgeworfen und gleich darauf sprang die Mutter herab. Auf dieser Seite des Hauses wurden nach und nach zwei weitere Frauen, zwei Männer und zwei Kinder mit dem Sprungtuch aufgefangen. Mittlerweile waren Mannschaften der Feuerwehr nach den Fenstern der einzelnen Stockwerke vorgedrungen. In der Küche der Wilkeschen Wohnung wurde das jüngste Kind im Kinderwagen tot aufgefunden, die anderen Kinder brachte man mit schwerer Mühe in Sicherheit, sie hatten ebenso, wie mehrere Feuerwehrleute, schon stark unter Rauchvergiftung gelitten.— Dem Kaiser war sofort Meldung von dem Brande gemacht worden, er entsandte den diensttuenden Kommandanten der Schloßwache und ließ Erkundigungen einziehen. Infolge des ausgestandenen Schreckens sind eine ganze Reihe von Personen erkrankt. — Frankfurt a. M., 19. Sept. Der unter dem Verdacht der Teilnahme an der Schiwaraschen Landesverratsaffäre verhaftete Soldat vom 3. Fußartillerieregiment ist wegen Mangels an Beweisen, die eine Verhaftung gerechtfertigt erscheinen ließen, wieder freigelassen worden. — Darmstadt, 19. Sept. Die Strafkammer verurteilte den 50jährigen früheren Kreisdiener Heinrich Forst wegen fortgesetzter Blutschande, begangen an seinen 4 Töchtern im Alter von 12 bis 20 Jahren zu 5 Jahren Zuchthaus. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper, SchwerteFür den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. besonders aber ihre junge Gesellschafterin, die kein Wort zum Nachteile Herrn Templetons hören wollte. „Bringt Sie zu mir,“ sagte Betty;„ich will sie wissen lassen, was er ist.“ Fräulein Butler war nur zu gerne bereit, dieses Anerbieten anzunehmen. Julie war sehr überrascht, als Fräulein Butler sie in die kleine Hütte führte und nach ihrem Eintritt sofort die Tür verriegelte. Das alte Weib, das, trotz des warmen Somerwetters, dicht beim Feuer kauerte, erhob bei der Annäherung der jungen Damen langsam den Kopf. Betty war besser gekleidet als zu der Zeit, da Weston sie besuchte; auch ihre kleine Stube war behaglicher ausgestattet. „Und das ist sie, die man für Ediths Templetons Kind hielt?“ sagte die Alte, die Augen mit der Hand beschattend und auf Julie zugehend. „Finden Sie, daß sie ihr ähnlich ist?“ fragte Fräulein Butler. „Ihr Gesicht nicht,“ sagte Betty;„obschon etwas von ihrem hellen, frohen Ausdrucke darin ist. Sie hat auch ihre Gestalt. Setzt Euch beide nieder. Und Euch, die Ihr von Hermann Templeton nichts Schlimmes wissen wollt, möge der Tag nicht reuen, an dem Ihr sein Haus betreten habt.“ „Zu welchem Zwecke sind wir hier?“ fragte Julie befremdet. „Ich brachte Sie hierher, damit Sie erfahren, was ich selbst Ihnen nicht sagen kann,“ versetzte Edith; „hauptsächlich um Ihretwillen, obschon ich es auch mir schuldig bin, um nicht ungerecht beurteilt zu werden. Aus vielen Gründen ist es die höchste Zeit, daß Sie Herrn Templetons wahren Charakter kennen lernen.“ Es lag etwas außerordentlich Beleidigendes in Fräulein Butlers Worten und Benehmen, aber Julie beherrschte sich gewaltsam. (Fortsetzung folgt.) Evangelisch=reformierte Gemeinde. sontag 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evangelisch=lutherische Gemeinde. sonntag 8 Uhr: Pastor Heinenberg. 9½„ Pastor Graeve * 11„ Kndergottesdienst. Vereine und Versammlungen. Donneist 2 Uhr: Frauenverein. 8 Uhr: Jungfrauenverein. Evangelische Stadtmission Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr: Blaukreuzgebetsstunde u. Verpflichtungsgelegh sn. 1½ Uebung des Gemischten Chores. 4„ Bibelstunde 8" Jünglingsverein fällt aus. Montag 8½„ Gemeinschaftsbibelstunde. 8„ Frauen und Jungfr.=Missionsstunde. Evangelischer Mäuner und Jünglingsverein Schwerte. Diegstag 8½ Uhr: Posanneachor. Mittwoch 8½„ Gebetestunde. Donast. 8½„ Männerchor Freit A. 8½„ Bibelbesprechstunde. Samst A. 8„ Turnen in der städtischen Turnhalle. Flägel,Harmenlurgs, misgeld, Medaillen U) prämiiert, von unuvertronener Qualität Plands v. seltener Preiswürdigkelt, liefern sandS„mmem ee he. 20 Mark an überall bia franko zur Probe. vosrkanf über 100 dunrumenen. Kühlose gretile u0 Hoth& Junius Panstabrk Hagen I. W. Bekanntmachung. Auf dem am 26. und 27. September d. Is. in Hamm bullen behufs Versteigerung an Züchter angekauft Für Züchter die auf dem Zuchtviehmarzir, Hizag ein eingeführtes tragenbezichtigt,##### Rind kaufen wollen, beabsichligt der RindviehzuchtVerein eine Vergütung zu gewähren. Interessenten werden ersucht, sich wegen nähe Hörde, den 19. September 1907. Vereins=Direktor des landwirtschaftlichen KreisVereins Hörde. Busch, Königlicher Landrat. Schlachtviehpreise nach Lebendgewicht. Auf Grund amtlicher Marktberichte zusammengestellt und nach eigenen telegraphischen bearbeitet von der Centralstelle für Viehverwertung der Preußischen Landwirtschaftskammern Berlin V., Köthenerstraße 28 29. Bekanntmachung. Die seitens der Gemeindevertretung zu Lücklemberg unterm 7. d. Mts. getätigte Wiederwahl des Berginvaliden Friedrich uaxizte g an Lictlemberg als stellvertretender Gemein#evorsteher auf eine gesetzmäßige Amtsdauer von 6 Jahren ist von mir in Gemäßheit des§ 38 der Landgemeinde=Ordnung vom 19 März 1856 und des§ 25 der Kreis=Ordnung vom 31. Juli 1886 am heutigen Tage bestätigt worven Hörde, den 16. September 1907. Der Königl. Landrat: Busch. Auftrieb: Kun Schafe Schweine Tendenz: Külber Schafe Schweine Berlin am 14. 9. 4220 1293 12013 11500 langsam Dortmund am 16. 9. Köln a. Rh. am*) 16 9. 888 852 92 2469 flau flott 1900 599 287 4710 langsam lebhaft Essen am 16. 9. 1140 591 109 3909 langsam mittel Ochsen. a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes b) junge fleischige, nicht ausgemäst. u. ält. ausgemäst. c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere d) gering genährte jeden Alters Bullen. a) vollfleischige, ausgemästete bis zu 5 Jahren b) vollfleischige jüngere........ c) mäßig genährte jüngere und gur genahrte ältere d) gering genährte Färsen und Kühe. a) vollfleisch., ausemäst. Färsen höchst. Schlachtw. b) vollfleisch., ausgemäst. Kühe, höchst. Schlachtw. c) ältere ausgemgästete Kühe und wenig gut ent, wickelte jüngere Kühe und Färsen d) mäßig genährte Kühe und Färsen...... e) gering genährte Kühe und Färsen...... Kälber. 4) Doppellender„ b) feinste Mast=(Voumischmust) u. deste Saugkälber c) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber d) geringere Saugkälber e) älteres gering genährtes Jungvieh(Fresser) Schafe. a) Mastlämmer und jüngere Masthammel.... b) ältere Masthammel c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Märzschafe). d) Holsteiner Niederungsschafe und Lämmer Schweine. a) vollfleischige der Rassen u. Kreuzungen bis zu 1. J b) Käser fleischige c) gering entwickelte d) Sauen Sclacht prozente 61 54 50 46 60 53 48 48 56 52 50 44 42 65 60 54 44 50 48 42 Mr. 47—48 42—43 37—38 41 84—86 27—29 23—25 44—45 88—40 33—34 26—28 72—74 55—56 50—53 Einladung zur General=Versammlung des Rindviehzucht=Vereins im Kreise Hörde. Sonntag, den 22. d. nachmittags 5 Uhr in der Wirtschaft Becker in Hengsen. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Wahl der Mitglieder zum Ankauf der jungen Zuchttiere auf dem Zuchtviehmarkt in Hamm. 4. Verschiedenes. Die Züchter im Kreise Hörde werden zur regen Teilnahme eingeladen. Der Vorsitzende des R.=Z.=B. Dieckerhoff. 64 60—62 54—58 D SuSua Zuchtpferdemarkt der Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen. 1. Ort. Der Markt findet zu Hamm auf dem großen Exerzierplatz statt. 2. Zeit und Dauer. a) 26 September 1907. b) Der Auftrieb der Pferde muß 11 Uhr beendet sein. c) Prämiierung der Pferde von 11 Uhr Vormittags an. d) Beginn der Auktion 3 Uhr nachmittags. 3. Anmeldung. a) Händler dürfen Tiere zum Verkauf nicht anmelden. b) Nur Tieré, die der Zuchtrichtung des Westfälischen Pferdestammbuchs entsprechen, dürfen hierfür angemeldet werden. Stuten über 5 Jahre müssen nachweisbar tragend sein oder in diesem Jahre gefohlt haben. c) Die Anmeldung darf nur auf den von der Geschäftsstelle der schaftskammer zu Münster i. W., Schorlemerstraße 6, zu bezeichnenden Anmeldebogen geschehen und muß d) 1. Geschlecht, 2. Alter, 3. Farbe, 4. Schlag, 5. Abstammung, soweit bekannt, 6. Züchter, 7. Verladestation d) Die Anmeldungen sind bis zum 10. September dieses Jahres zu bewerkstelligen, alle nicht angemeldeten Tiere sind vom Auftrieb ausgeschlossen. Katalog. Alle angemeldeten Tiere werden in einen Katalog eingetragen. Der Katalog ist vom 20. September an gegen Einsendung von 10 Pfg. von der Geschäftsstelle zu beziehen. 5. Beaussichtigung. 1. Die Beaussichtigung und die Prämiierung unterliegt der Stammbuchkommission des Westfälischen Pferdestammbuches. 2. Die tierärztliche Beaussichtigung übernimmt der damit beauftragte Tierarzt. Erkrankte Tiere werden auf Anordnung des Tierarztes sofort vom Markte entfernt. 3. Den Anordnungen der Kommission und des Tierarztes ist ungesäumt Folge zu leisten. Personen(auch Besitzer der Tiere und Wärter), welche die Anordnung nicht beachten, können mit den Tieren vom Markte entfernt werden. Ueber Streitfälle entscheidet die Kommission endgültig. 6. Unfälle. a) Für Unfälle von Personen kommt die Kommission oder deren Auftraggeber nicht auf. b) Beschädigungen an Tieren oder Erkrankungen derselben oder Unfälle, welche die Tiere verursachen, fallen den Besitzern zur Last, in keinem Falle kommt die Stammbuchkommission oder deren Auftraggeber für Beschädigungen auf. 7. Verkauf. Der Verkauf findet zunächst in öffentlicher Auktion statt. An Standgeld wird 1 Mark für das Tier erhoben; Fohlen bei der Mutter sind frei. 2. Prämiierungs=Bedingungen: 1. Prämien unter 60 Mark und über 10 Mark dürfen nicht vergeben werden. 2. Die Prämien fallen dem Käufer zu, sofern er Mitglied des Westfälischen Pferdestammbuches ist und schriftlich verpflichtet, die Stute drei Jahre zur innerhalb der Provinz Westfalen zu benutzen. Dem Käufer wird ein Diplom ausgestellt. Landwirtschaftskammer für die Prov. Westfalen. Ohne Gefahr für Wäsche und Person, wenn Lösung 15 Hl. gerührt und genau nach Gebrauchsanweisung verwendet. 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Die Aushebung des acht Hektar großen Teiches im Fredenbaumwald ist nunmehr beendet, sodaß mit der Bepflanzung der Ufer und der Füllung des Teiches begonnen werden kann. Man hatte ursprünglich geglaubt, der Teich würde sich durch das eigene Grundwasser ausreichend speisen. Diese Ansicht hat sich indessen als irrig herausgestellt. Die Speisung muß mit Wasserleitungswasser erfolgen. * Dortmund, 20. Sept. Der 10jährige Schüler Tino Keleddu, Schützenstraße 3, welcher auf einem eisernen Gartenzaun umherkletterte, rutschte hierbei aus und fiel mit dem Leibe in die Spitzen des Gitters und verletzte sich ganz erheblich. Nach Anlegung eines Notverbandes ordnete der Arzt die Ueberführung ins Krankenhaus an * Hohenlimburg, 20. Sept.(Vermißt.) Die geisteskranke Witwe Isenberg hat sich aus dem hiesigen Krankenhause vor einigen Tagen entfernt und ist nicht zurückgekehrt. Die Frau ist mittelgroß und 40 Jahre alt. Angaben über ihren Verbleib wolle man der nächsten Polizeibehörde mitteilen. Brambauer, 20. Sept.(Vom elektrischen Strom getötet.) Auf Zeche„Minister Achenbach“ ist in vergangener Nacht der Schlosser Gustav G. tötlich verunglückt. Er wollte ein elektrisches Kabel ausschalten, kam aber dabei der Leitung zu nahe und wurde sofort getötet. * Castrop, 20. Sept. Auf der hier belegenen Zeche Graf Schwerin ereigneten sich zwei tötliche Unfälle. Einem 18jährigen Burschen wurde durch Steinmassen der Schädel zerquetscht, einem anderen durch einen Steinwagen solche Verletzungen zugefügt, daß er bald darauf starb. * Laugendreer, 20. Sept.(Genickstarre.) Gestern wurde ein drei Monate altes Kind der Familie Albrecht wegen Genickstarre=Erkrankung nach dem Wittener Diakonissenhause gebracht. Der Kreisarzt Herr Dr. Bließner ordnete sofort alle Vorsichtsmaßregeln an, um eine Weiterverbreitung dieser gefährlichen Krankheit zu verhüten. * Hattingen, 20. Sept.(Todessturz.) Der im Betriebe der Allgemeinen Hochbaugesellschaft tätige 20 Jahre alte Arbeiter Georg Pedeli stürzte hier von einem Gerüst herunter und erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nachher verschied. * Wanne, 20. Sept. Einem in der Knappenstraße wohnenden Schmied wurden vor einigen Tagen seine vinnähernd 300 Mark betragenden Ersparnisse gestohlen. Der Verdacht, den Diebstahl begangen zu haben, lenkte sich auf ein etwa 10 Jahre altes Schulmädchen, das jetzt nach längerem Leugnen eingestanden hat, 80 Mark aus dem Ueberzieher des Schmieds gestohlen zu haben. * Plettenberg, 20. Sept. Schwerverletzt wurde in der Schulteschen Fabrik der Arbeiter Jos. Berg, der beim Auflegen eines Riemens von diesem erfaßt und in die Höhe gezogen wurde. Er fiel jedoch herab und erlitt Verletzungen am Kopfe und im Rücken, sodaß er in das Krankenhaus transportiert werden mußte. * F i n n e n t r o p, 2 0. S e p t.( D e r E i n s t u r z d e s Tunnels bei Kotthausen) macht sich auf der Ruhr=Siegstrecke sehr unangenehm bemerkbar. Bekanntlich wird der ganze Güterverkehr der Strecke Siegburg=Gummersbach für die Dauer der Sperre über Olpe zu Finnentrop auf die ohnehin schon stark Lelastete Ruhr=Siegstrecke geleitet. * B i e l e f e l d, 1 9. S e p t.( U e b e r e i n e V e r s t i m mung des Kaisers in Bielefeld) wird der Erstes und älteftes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Sonnabend, den 21. September 1907. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o 0 0 O O O O O O O C o o o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus. Schwerte-Ruhr Kaisers in Münster fiel zunächst allgemein seine sehr ernste Miene auf, die sich erst in den folgenden Tagen etwas aufhellte. Wie nun in Münster erzählt wird, sei dieser Umstand auf die Tatsache zurückzuführen, daß kurz vor der Abfahrt des Kaisers von Bielefeld noch im letzten Augenblick rote Fahnen ausgehängt worden seien, die der Kaiser vom Zuge aus bemerkt habe. Daß in Bielefeld etwas nicht gestimmt habe, wurde gleich vermutet, als in dem bekannten Telegramm an die Kaiserin Bielefeld neben Hannover und Münster gar nicht erwähnt wurde. Ich gebe die Nachricht so wieder, wie sie augenblicklich kolportiert wird, ohne sie auf ihre Richtigkeit prüfen zu können. * Duisburg, 20. Sept. Die Prokuristen Knepper und Levy von der Bergisch=Märkischen Bank wurden wegen Betruges, Urkundenfälschung und Untreue zu 10 bezw. 5 Monaten Gefängnis verurteilt. * Mülheim Ruhr, 20. Sept. Die hiesige Polizei stellte fest, daß ein Müller im benachbarten Dümpten dem von ihm zu Futterzwecken geschroteten Korn gemahlene Reste der bei der Knopffabrikation Verwendung findenden Steinnuß zugesetzt und dafür reines Kora zurückbehalten hat. * Köln, 20. Sept. Ein 35jähriger italienischer Erdarbeiter erkrankte gestern plötzlich unter pockenverdächtigen Erscheinungen, sodaß die sofortige Einlieferung in die Isolierbaracke des Augustahospitals angeordnet wurde. Die Gesundheitspolizei traf die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln. Heute wurden die mit dem Kranken in Berührung gekommenen Personen der Schutzimpfung unterzogen. !) Schladern, 20. Sept.(Vom Zuge überfahren.) In der Nähe der hiesigen Station wurde heute morgen ein Arbeiter, der über die Eisenbahnbrücke schritt, vom Kölner Schnellzuge erfaßt und getötet. Johannes Miquel über Bürger= und Bauernst ind. Ein ungemein charakteristisches, bisher noch nicht veröffentlichtes Schreiben Miquels, der damals noch Bürgermeister von Osnabrück war, gerichtet an einen Landwirt im Osnabrückschen, veröffentlicht soeben die „Osnabrücker Ztg.“ Es hat folgenden Wortlaut: Sie haben mir eine höchst angenehme Ueberraschung bereitet, nicht bloß durch die vortrefflichen Feldhühner, für welche ich meinen besten Dank sage, sondern vor allem durch die freundliche Begrüßung vom Lande. Während heutzutage die Reaktion auf die Trennung von Stadt und Land spekuliert und die in unserer Provinz übrigens viel zu klugen und erfahrenen Landleute gern wieder in das Schlepptau der Junker brächte, müßten die Liberalen in Stadt und Land zusammenhalten und würden dadurch, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft jede junkerliche Reaktion auf Kosten von Bürgern und Bauern unmöglich machen. Wie früher die vereinigten Bürger und Bauern die Befreiung des Bauernstandes, die freiere Gemeindeverfassung in Stadt und Land, die Beseitigung der Steuerfreiheit des Adels und der Privilegien derselben, erkämpften, so erstritten wir vereint heute die besseren preußischen Ablösungsgesetze, den Provinzialfonds, die Einführung der Selbstverwaltung, und wären Träger unserer großen nationalen Entwicklung, welche allein durch die Mittelklassen möglich geworden ist. Auf mich können Sie zählen, wenn Sie dieses Bündnis festhalten, Bürger und Bauern haben wohlverstanden dieselben materiellen und moralischen Interessen und Ziele, mögen beide von den Vätern lernen, daß sie nur vereinigt stark sind. Osnabrück, 16. September 1876. Mit aller Ergebenheit I. Miquel. Vermischtes. * Die Rache der Wahnsinnigen. Peter Michailowitsch betrieb in Kasan einen schwunghaften Getreidehandel und besaß ein eigenes Anwesen, außerdem war er verheiratet und hatte eine 20jährige Tochter. Da sah er eines Tages seine Jugendgeliebte und seine alte Liebe erwachte wieder. In einen massiven Weinkel„Glocke“ geschrieben: Bei der letzten Anwesenheit des ler sperrte er darauf kurz entschlossen Frau und Tochter gefangen. und Kind auf einer Bootspartie ertrunken seien, wodurch er nach Ablauf der Respektfrist Anita heiraten durfte. Vier Jahre waren darüber verflossen, bis kürzlich Michailowitsch wie immer Abends das Essen in den Kerker bringen wollte, seine Angehörigen jedoch nicht vorfand, resp. entdecken konnte. Als er mit seiner zweiten Frau alle Winkel des Kellers durchsuchte, sprangen ihm plötzlich beide Frauen mit lautem Geschrei entgegen und bearbeiteten ihn derart mit den Nägeln, daß er blutüberströmt unter Verlust beider Augen zusammenbrach. Die wahnsinnig Gewordenen fielen dann über Anita her und rissen ihr buchstäblich das Fleisch vom Körper. Auf das Geschrei eilten Passanten herbei, die nur unter den größten Anstrengungen der Wahnsinnigen Herr werden konnten. * Ein unbekannter Brief Bismarcks an seinen Sohn Herbert wird am Todestage des letzteren in den Hamburger Nachrichten“ veröffentlicht. Der Brief gibt Zeugnis von der rührenden väterlichen Fürsorge Bismarcks für den Sohn, dessen Gesundheit durch dienstliche Ueberanstrengung Anlaß zu Besorgnissen bot. Eine wohltuende Herzenswärme spricht aus dem Brief, der folgenden Wortlaut hat: Varzin, den 29. Oktober 1886. Mein lieber Herbert! ..... Uebertreibe die Arbeit nicht:. Deshalb hauptsächlich diese Zeilen, um Dir Deine Krankheit in Erinnerung zu bringen Schone Dich um meinetwillen, wenn Du es nicht im eigenen Interesse tust; sich kann Deinen Beistand nicht missen. Es ist niemand in die Sachlage und in meine Ansichten so eingeweiht, daß ein Ersatz möglich wäre. Ich will gern den kleinen Rest meiner Jahre und mich selbst pro patria einsetzen aber ich habe keine Anlage zum Brutus, der seine Söhne und deren Jugend auf dem Altare des Staatsinteresses ausschlachtete. Vor allem schone und erhalte Dich. Lebend und gesund kannst Du dem Vaterlande große Dienste leisten und mir meine Aufgabe sehr erleichtern Verdirbst Du Dich, so triffst Du nicht Dich allein. ier geht es gut, kalter Wind, blendende Sonne. Gott sei mit Dir, mein geliebter Sohn. Dein v. B. * Wie sich die„höhere Intelligenz“ äußert. Die Neueröffnung eines Warenhauses im Norden Berlins wird durch eine Bekanntmachung eingeleitet, in der den Käufern die überraschendsten Versprechungen gemacht werden. Am Eröffnungstage erhält der erste Käufer beim Einkauf von 10 Mark als Prämie eine Nähmaschine im Werte von 100 Mark, der 50. Käufer soll zwei kostbare Wandgemälde gratis bekommen und der 100. Käufer erhält als Zugabe bei einem Einkauf von beliebigem Wert einen Regulator. Außerdem soll jeder Käufer bei einem Einkauf von 3 Mark einen Wandschrank in Holzschnitzerei und beim Einkauf von 10 Mark einen Karton mit Taschentüchern erhalten. Damit aber noch nicht genug: Neben diesen Vergünstigungen werden auch noch Rabattmarken ausgegeben, und am Eröffnungstage sollen die Käufer gratis Konzert genießen. F Zwei Wahrheitsliebende. Der Freis. Ztg. wird von einem Freunde folgende wahre Geschichte mitgeteilt: Der sechsjährige Fritz, der jüngste Sproß unter sechs Geschwistern, wird von der Tante gefragt:„Nun sag mir mal, mein lieber Fritz, wer gehorcht denn von Euch allen am besten der Mama?“ Ohne Zögern erfolgt die Antwort des kleinen Fritz:„Der Papa!"— Der glückliche Papa erzählt diesen Streich voll Stolz im Freundeskreise und versichert, als alles in Lachen ausbricht, voll Entrüstung: Das ist aber wirklich wahr! —„Daran habe ich nie gezweifelt," bestätigt ein Freund des Hauses. * Eine wahre Geschichte. Max, Seiner Majestät begabtester Grenadier, war— so erzählt man der Tgl. R.— bei Hauptmanns Bursche geworden. Der Herr Oberst war zum Abendessen geladen und Herr Max der Silberdiener, erhält von der Fräu Hauptmann seine letzten Instruktionen:„Also, Max, wenn Sie den Fisch und den Braten herumreichen, immer bei der Frau Oberst anfragen, von links herantreten, die Schlüssel in die linke Hand, die rechte Hand auf den Rücken gelegt!“„Zu Befehl, gnädige Frau, ich weeß schon!“ antwortete Max.— Der Abend naht, man setzt sich zu Tisch, die Suppe ist glücklich vorbei. Herr Max erscheint mit der Forellenschüssel, die Hausfrau ver folgt den kriegerischen Ganymed mit besorgten Blicken. Gott sei Dank, er tritt von links zur Frau Oberst, präsentiert seine Schüssel— und— legt mit verbindlichem Grinsen der Frau Oberst die weißbehandschuhte Grenadierpranke auf den atlasbezogenen, rundlichen Rük ken! Dieser wörtlichen Befolgung eines erhaltenen Befehles hatte es Max zu danken, daß er fortan an Stelle der Bratenschüsseln wieder das königliche Dienstgewehr präsentieren durfte. Kaukasische Sprichwörter. Der Tifliser Wandkalender für 1907, übersetzt von N. von Seidlitz, bringt nach einer Auswahl des„Globus“, folgende kaukasische Sprichwörter: Nichts ist teurer als das Wohlfeile. — Wer soll arbeiten? Du und ich. Wer essen ich und du.— Einen Schwätzer bringt blos ein Stummer zum Schweigen.— Einen unglücklichen Menschen erreicht ein Stein selbst auf der Spitze eines Berges.— Ist denn die Sonne daran schuld, daß die Fledermaus zur Mittagszeit nichts sieht?— Wer die Hölle nicht sah, dem wird auch das Paradies nicht gefallen. * Eine merkwürdige Hochzeitspredigt hat, wie die Blätter berichten, der Rev. James Täylor einem jungen Brautpaare in der Pfarrkirche der Insel Abbots in der Nähe von Ilminster in Somerset gehalten. Anstatt die für diesen weihevollen Akt passenden Worte zu sprechen, erfreute er das andächtig aufhorchende Paar zunächst mit einem Teil des bei Begräbnissen üblichen Gebets und sprach dann in Verwirrung die Taufformel. Diese Zerstreutheit hat für den Prediger ein trauriges Nachspiel gehabt. Er wurde sogleich von dem Bischof von Bach seines Amtes enthoben und eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Taylor verteidigt sich damit, daß ihn plötzlich eine krankhafte Geistesverwirrung überfallen habe. Er war eben von einer schweren Krankheit genesen und durch den Tod seiner Tochter in große Betrübnis versetzt; so fühlte er sich noch immer schwach, und sein Geist war noch nicht völlig klar geworden, als er sein Amt wieder antrat. Als er die Kanzel betrat, verließ ihn plötzlich sein Gedächtnis. Er weiß heute nicht mehr anzugeben, was er eigentlich gesprochen hat, und wie er zudieser seltsamen Verwechselung der Gebete gekommen ist. * Ein seltsames Erlebnis hatte in England ein Herr dieser Tage auf der Hühnerjagd. Er ging mit mehreren Jagdgenossen von einem Treiben zu dem anderen, als plötzlich ein ganzer Schwarm von Wespen über ihn herfiel. Gesicht und Hände waren vollkommen bedeckt, aber der Ueberfallene hatte die Geistesgegenwart, vollständig ruhig zu halten und den Tieren nichts zu tun. Merkwürdigerweise hatten sich alle ausnahmslos auf den einen Herrn gesetzt und die anderen ganz in Frieden gelassen. Nach ungefähr 10 Minuten flog der ganze Schwarm wieder davon, ohne daß nur eine einzige gestochen hätte. Wenn man„Laus“ heißt. Ein Nürnberger Herr namens Laus hatte statt seines Namens den Namen seiner Mutter,„Engelhardt“ annehmen wollen; der Magistrat hatte dieses Gesuch befürwortet, die Regierung aber hat die Namensänderung nicht genehmigt. Der Mann bat nun wiederholt um Erlaubnis zur Namensänderung und begründete dies damit, daß er wegen seines jetzigen Namens von seinen Bekannten gehänselt werde und daß er jetzt heiraten wolle, daß ihm aber das Heiraten sehr erschwert würde, weil die Braut an seinem Namen Anstoß nehme. Das Gesuch wurde wiederum befürwortet und eine Gebühr von 20 Mark festgesetzt. Ein Rechtsrat meinte humoristisch: „Der Mann soll halt seinen Namen lateinisch aussprechen, was große Heiterkeit hervorrief. * Ein verschuldetes Königshaus ist das portugiesische. Die Höhe der Schulden beträgt 4 dreiviertel Mil lionen Fr. Vom Staat hat das Haus Vorschüsse von 4 Millionen Fr. Die Angelegenheit soll jetzt derart geregelt werden, daß der König seine Lustjacht für 1 dreiviertel Millionen an das Marineministerium abtritt. Der Rest soll nach der Voss. Ztg. durch dauernden Verzicht des Königshauses auf den Pachtzins gewisser Besitzungen zugunsten des Staatsschatzes getilgt werden. Laut Erklärung des Ministerpräsidenten ist die Zivilliste der portugiesischen Könige seit einem Jahrhundert gleich und entspricht nicht mehr den jetzigen Anforderungen. Auch trägt das Königshaus manche Lasten, die anderswo der Staat bezahlt. * Was Nerven sind, darüber stritten sich wie das Bayerische Vaterland berichtet, unlängst mehrere Dorfgrößen an ihrem Stammtisch. Die„beste" Lösung gab der„Bader“:„D' Nervn, dös san Bazill'n, dö wo in da stinkat'n Luft in dö Städt'n umananda flieg'n, und wenna z'völ schluckt nacha davo' werd ma' nerviös.“ und Landwirtschaft. Schlacht= und Mastviehausstellung in Köln. Für die am 10., 11. und 12. April 1908 auf dem städtischen Viehhofe in Köln zu veranstaltende Sch'acht= und Mastviehausstellung hat Se. Majestät der Kaiser und König einen Züchterehrenpreis in Gestalt einer goldenen Medaille für die vorzüglichste Leistung in einer vorher zu bestimmenden Hauptabteilung bewilligt. Voraussichtlich wird der Kaiserpreis für die Rinderabteilung bestimmt werden. Ferner stehen bis jetzt 20 300 Mark an Geldpreisen zur Verfügung und sind noch weitere Zuwendungen an Geldpreisen, Medaillen und Statuetten zu erwarten. Es ist in Aussicht genommen, für jede Klasse der auszustellenden Tiere drei Geldpreise von je 100, 75 und 50 Mark und mehrere erste Preise mit höheren Beträgen zur Verfügung zu stellen. Besondere Preise werden ferner für die Versuchsmästungen bereit gestellt. Eine besondere Vergünstigung wird den Ausstellern, welche die am 10., 11. und 12. April 1908 in Köln stattfindende Ausstellung beschicken werden, dadurch gewährt, daß die preußisch=hessischen Staatseisenbahnen, die Reichs=Eisenbahnen in Elsaß=Lothringen, die großherzogliche Eisenbahnen=Direktion in Schwerin, die Braunschweigische Landes=Eisenbahn=Gesellschaft in Braunschweig, die Direktion der Mecklenburgischen Friedrich Wilhelm Eisenbahn=Gesellschaft in Neustrelitz, die Königl. Eisenbahn=Direktion in Nürnberg, die Königl. Generaldirektion der württembergischen Staatseisenbahnen in Stuttgart und die Großherzogliche Eisenbahn=Direktion in Oldenburg genehmigt ben, daß die bei der Ausstellung nicht verkauften Ausstellungsobjekte frachtfrei zurückbefördert werden. Die für diese Zwecke erlassenen Sonderbestimmungen werden jedem Aussteller noch besonders zugesandt werden. Zur Auskunftserteilung über die Einzelheiten der Beschickung der Ausstellung ist das geschäftsführende Komitee= Köln=Schlachthof, gern bereit. Kunst und Wissenschaft Hilligenlei. Der Generalsuperintendent von Schleswig=Holstein D. Kaftan hat im„Kirchen= und Schulblatt“ zu Frenssens„Hilligenlei“ Stellung genommen und schreibt dort:„Als„Hilligenlei“, erschienen war, ließ ich mir das Buch kommen. Nicht um des Romans, sondern um der Handschrift willen. Die kurze Besprechung, die ich gelesen, hatte mir gezeigt, daß der Roman das war, was man erwarten mußte: Kultus der Sinnlichkeit, ein Kultus, zu dessen Priester der ehemalige Pastor Frenssen sich steigend entwickelt hat. Aber die Handschrift! Nicht, daß ich etwas Wertvolles erwartete. Vielleicht war aber doch solches dargeboten, das zu bekämpfen Pflicht war. Als ich die Handschrift gelesen, legte ich das Buch beiseite. Die Arbeit ist intellektuell, moralisch und religiös gleich flach. Sollte es einen Theologen in irgend einem Lager geben, der dieses Werk des beidelberger Doktors der Theologie ernst nimmt? Vielleicht, daß der Parteigeist auch das fertig bringt. Mich irgendwie mit dieser Arbeit auseinanderzusetzen, fand ich kein Bedürfnis.“ Die Milch vor der Wissenschaft. Auf dem 79. Naturforscher= und Aerztetag in Dresden hat Hofrat Prof. Hempel=Dresden einen allgemein interessanten Vortrag über die Milch gehalten. Auf die Erfahrungen der Wissenschaft eingehend, führte Prof. Dr. Hempel u. u. aus, daß die Mutterbrust unersetzlich ist. An Kuhmilch werden in Deutschland jährlich 19 Milliarden Liter Milch im Werte von 1700 Millionen Mark bei 9 Pfg. für das Liter erzeugt. Soll die Milch in tadelloser Beschaffenheit geliefert werden, so ist dieser Preis aber nach dem Vortragenden zu niedrig und den Landwirten muß etwas mehr bewilligt werden. Die verdaulichste Milch liefert die holsteinisch=friesische Rasse. Die Milch der ostfriesischen Kühe hat die stärksten bakterientötenden Eigenschaften. Kochen oder ein Erhitzen auf 60 Grad zerstörte alle Bakterien. Im allgemeinen blieben bei Versuchen des Prof. von Behring bei roher Milch nur 11 Prozent unverdaut, bei zweimal kurz aufgekochter Milch jedoch 30 vom Hundert. Bei der Entscheidung der Frage, wo die Kühe am besten gehalten werden, können und müssen die Eisenbahnverwaltungen mitwirken. Es sind Kühlwagen anzuschaffen, ja, Gefrierwagen. Gefrorene Milch hielt sich bis zu fünf Wochen vorzüglich, ohne an Geschmack zu verlieren. Schwerte, den 21. September 1907. Was der Herbst mit sich bringt!— Lampen, die nicht brennen wollen,— Autos, die nicht rennen sollen,— Nebel, stückweis' wegzuschieben,— Wein und Aepfel, Kraut und Rüben, neue Eisenbahntarife— und noch manches andre schiefe!— Weiter gibt es letzte Rosen,— pensionierte Badehosen,— neue Zukunftsmusikanten,— redereiche Kaffeetanten,— manche fette Kohlennota,— was von Kadelburg und Trotha, massig fehlgeschoss’ne Hasen,— blau und rot gefrorne Nasen,— ersten Tanz und erste Liebe,— Herzenund Kartoffeldiebe,— neue Lieder ohne Worte,— stöhnende Pianoforte— stets belegte Sangbegabte,— schnöd' verlass'ne Liebgehabte,— teure Schweine,— teure Rinder,— ungezog'ne Gassenkinder,— welke Blätter und Gespenster,— eingezog'ne Doppelfenster, abgewelkte, kahle Bäume,— ebensolche Seebadträume,— einen neuen Klatsch fürs Städtel,— Steuer= und Theaterzettel,— Husten, Pusten, Niesen, Schnupfen,— Martinsgänse, frisch zum Rupfen,— Väter zu dem gleichen Zwecke,— woll'ne Winterunterröcke,— vollbesetzte Ofenbänke,— angefang'ne Christgeschenke,— Kürbis= und Tomatensoßen,— ziemlich gift'ge Herbstzeitlosen,— eingemachte Preißelbeeren,— ausgedrosch'ne Weizenähren,— Jägergrün am Waldessaume,— an dem Baume hängt’ne Pflaume.— Term= und Barometerfälle,— Podagra und Katzenfelle,— ausgeflickte Wintersachen,— in den Lüften bunte Drachen,— abgeblühte Stubenpflanzen,— schen verkroch'ne Stubenw.....,— Gummischuhe, Stoppelfelder,— Schulden, aber wenig Gelder,— Gläub'ger, aber menig Zahler,— eingezog'ne Mieter, Taler,— teure und auch faule Eier,— und des Schusters Jubelfcier,— der vor etwa einem Jahr— noch „aktiver Hauptmann“ war! Den Reisenden 4. Klasse ist bekanntlich die Mitführung von Traglasten in Körben, Säcken und Kiepen usw. gestattet. Neuerdings sind nun die Eisenbahndienststellen darauf aufmerksam gemacht worden, daß zu den nicht zuzulassenden Traglasten auch große Kiepen und Körbe mit Geflügel gehören, weil dodurch eine unliebsame Belästigung der Reisenden verursacht wird. * Das Hagener Schauspielhaus) öffnet heute Abend in festlicher Weise seine Pforten, und zwar mit Goethes„Vorspiel auf dem Theater“ und Heyses„Kolberg 1807“ Für unsere Theaterliebhaber ist diese Tatsache erfreulich, zumal ein Besuch Dortmunds und Barmens immerhin umständlicher war. Haben Hagens Theaterverhältnisse bislang immer etwas im Argen gelegen, so steht zu erwartei, daß es der bekannten Kraft des Herrn Dr. Kaiser gelingen wird, unter seinem Direktionszepter der Stadt Hagen und ihrer Umgebung ein würdiges Theater zu schaffen. *r(Handwerkertag.) Der diesjährige Westfälische Handwerkertag(Westfälischer Handwerkerbund) wird am 29. und 30. September in Dorstfeld bei Dortmund abgehalten. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Stelluns zu der neuen Gesetzesvorlage. 2. der sogenannte Deutsche Handwerker= und Innungstag in Eisenach usw. **(Eine Felddienstübung) zwischen Geisecke und Lichtendorf wird unser Garde= und Landwehrverein am nächsten Sonntag abhalten. Der Abmarsch erfolgt mittags um teinviertel Uhr. Nach der Rückkehr wird ein Pfefferpotthastessen und ein Tanzkränzchen die Krieger stärken und ihrer Jugend einige vergnügte Stunden bereiten.(Siehe Inserat.) **(Postalisches.) Vom 1. Oktober ab kommt bei Postanweisungen nach Canada, den Vereinigten Staaten von Amerika, Cuba und den Philippinen das Umrechnungsverhältnis von 100 Dollars gleich 422, 50 A in Anwendung. (Fortsetzung siehe Hauptblatt.) Büchertisch Der Gott alles Trostes von H W. S., Verf. von „Glauben und Leben“ Uebersetzung des englischen The God of all comfort von M. K.=G. 376 S. 8. Geheftet 2 Mark, Leinwand 2,80 Mark. Wie es schon der Titel des Buches andeutet, wendet es sich an Trostbedürftige, Verzagte, Kleinmütige — kurz an solche, die ein allezeit freudiges Cristentum noch nicht aus Erfahrung kennen.— Zu einem völligen, rückhaltlosen Vertrauen auf den„Gott alles Trostes“— wie dieses sich in einem langen Leben erprobt hat— wird der Leser ausgemuntert. Darin liegt das Geheimnis der so seltenen, ungetrübten Christenfreude, wodurch auch Fernstehende sich angezogen fühlen müßten. Etwaige Wiederholungen halte man dem hohen Alter d. Verf. zu gute, eingedenk der Worte des Apostels:„Daß ich euch immer einerlei schreibe, verdrießt mich nicht, und macht euch desto gewisser.“ Sonntag, 22. Sept. Anfang 7,30 Uhr:„Die Zauberflöte“. Oper in drei Aufzügen von W. A. Mozart. Montag, 23. Sept. Anfang 7,30 Uhr:„Der Weg zur Hölle". Schwank in drei Aufzügen von Gustav Kadelburg. Dienstag, 24. Sept. Anfang 7,30 Uhr:„Zar und Zimmermann“, Komische Oper in drei Aufzügen von Albert Lortzing. Mittwoch, 25. Sept. Anfang 7,30 Uhr. Volkstümliche Vorstellung zu ermäßigten Preisen:„Die Nibelungen“.(1. Teil) Ein deutsches Trauerspiel in zwei Abteilungen von Friedrich Hebbel. Donnerstag, 26. Sept. Anfang 7 Uhr:„Lohengrin“. Romantische Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner. Freitag, 27. Sept. Anfang 7,30 Uhr. Zum zweiten Male:„Der Weg zur Hölle". Schwank in drei Aufzügen von Gustav Kadelburg. Samstag, 21. Sept. Außer Abonnement! Anfang 7 Uhr: Vorspiel auf dem Theater von Goethe.„Kolberg". Schauspiel von P. Heyse. Sonntag, 22. Sept. Außer Abonnement! Kleine Preise. Anfang 4 Uhr: Vorspiel auf dem Theater von Goethe.„Kolberg". Schauspiel von P. Heyse. Montag, 23. Sept. Außer Abonnement! Ermäßigte Preise. Anfang 7 Uhr: Vorspiel aus dem Theater von Goethe.„Kolberg". Schauspiel von P. Heyse. Dienstag, 24. Sept. Im Abonnement(Serie rot) Mittelpreise. Anfang 7 einhalb Uhr:„Carmen“. Oper von Bizet.(Barmer Oper.) Mittwoch, 25. Sept.: Geschlossen. Donnerstag, 26. Sept. Im Abonnement(Serie gelb) Mittelpreise. Anfang 8 Uhr:„Cyprienne". Lustspiel von Sardou. Freitag, 27. Sept. Im Abonnement(Serie blau). Mittelpreise. Anfang 8 Uhr: Zum ersten Male: „Unsere Käte". Lustspiel von Davies. Samstag, 28. Sept.: Geschlossen. Sonntag, 29. Sept. Außer Abonnement! Mittelpreise. Anfang 7 Uhr. Zum ersten Male!„Der Zechpreller". Gesangsposse von Dreher. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 22. Sept.: Wolkig mit Sonnenschein, normal, strichweise Regen. 23. Sept.: Heiter bei Wolkenzug, teils feucht, normale Wärme. Verantwortl. Redakteur: Friedhelm Kemper. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, sämtlich zu Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Schon seit beinahe 40 Jahren wird mit so großen Erfolgen von ersten Autoritäten und tausenden Aerzten das Retle'sch: Kindeimehl angewandt, weil es sih bei Verdauungsstörungen aller Art am besten bewährt hit. Die von einen Kinderarzt versaßte Broschüre: De Pfl ge d's Kndes, seine Eenährung un Aufsiehun, ein Ratgeber für junge Mütter, versendet gratis und ranko Nest'e's Kindermehl G m. b. H., Berlin S. 43. Von Moptag ab. Nor für einige Tage! * 4 Wünschen Sie auf Grund Ihrer Handschrift ein Urteil über Ihr eigenes Ich, Wesen, Fähigkeit und Charakter, dann besuchen Sie den Graphologen in Schwerte, Hagenerstraße 13 part. Täglich zu sprechen von 2 bis 9 Uhr abends. B3784