Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Besteilgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famisienfreund“. S 0 0OOO O OCOL P% Anzeigenpreis: Die sechegespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 13 Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröttentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o 0 0 o 0oo o F o o o o o Drucku. Verlag von Carl Braus, Schwerte, Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Kuhr Nr. 214. Donnerstag, den 12. September 1907 s Politische Uebersicht. Die Blockpolitik. Die Beratungen in Norderney zwischen Bülow und den linksliberalen Führern, den Abgeordneten Schmidt=Elberfeld, Kämpf und Payer, geben der„Voss. Ztg.“ Veranlassung zu einer anscheinend parteioffiziösen Erwägung über die politische Konstellation im kommenden preußischen Landtage. Von ihm erwartet der Liberalismus die ersten Früchte seines blocktreuen Verhaltens. Da er indessen die Schwierigkeiten von Bülows Lage zwischen Rechts und Links nicht verkennt, stellt er vorsichtigerweise noch keine bestimmten Forderungen. Man sieht aus der ganzen Auslassung, daß die Linke ihre mühsam errunland den mit einem Kostenaufwand von sechs Milliarden besiegten Buren das früher Verweigerte jetzt freiwillig zugestehe. Vielleicht mag einer oder der andere gedacht haben, daß die hohe Auffassung Passys mit dem Vorgehen seiner Landsleute in Casablanca doch schlecht zu vereinbaren sei. In der am Dienstag nachmittag folgenden Vollversammlung stimmten alle Referenten darin überein, daß die zweite Haager Konferenz durchaus nicht resultatlos sei, und daß die Feststellungen der Konferenz über die Kriegführung, die Rechte der Neutralen sowie über die Schiedsgerichte als positive Resultate zu begrüßen seien, daß aber allexdirgs noch nicht das letzte Ziel der Friedensfreunde damit erfüllt sein werde. Berlin, 10. Sept. Im Kultusministerium wurde Deutsch=Südwestafrika. Die Cape Times bringt die Nachricht von Port Nolloth, daß ein größerer Trupp Hottentotten über den Orangefluß in die Kapkolonie eingefallen ist. bekannt. Die Novelle zum Börsengesetz dürfte in nächster Zeit dem Bundesrat zugehen. Es verlautet, daß die Novelle in manchen Punkten den Rahmen der beiden früheren vom Reichstage unerledigten Vorlagen überschreiten wird, ohne daß die Wünsche der Börsenkreise auf Berücksichtigung zu rechnen haben dürften. Lediglich von den einschränkendsten Fesseln wird die deutsche Börse im Hinblick auf ihre volkswirtschaftliche und finanzpolitische Bedeutung befreit werden. Die Festsetzung der Zuschläge zu der Staatseinkommensteuer durch die Gemeindeverwaltungen unterliegt bekanntlich der ministeriellen Genehmigung. daß Grund=, G Jahre ungemein oft von der Behörde beanstandet worden sind und die erforderte Genehmigung nicht erhielten. Den Gemeindeverwaltungen wurde aufgegeben, die Zuschläge zur Einkommensteuer zu erniedririger, als die ge tusministerium in Bezug auf die Bekämpfung Genickstarre getroffen hat, ganz darnach angetan sind, die Besorgnis, es könnte zu einem epidemischen AusIn amtlichen Kreisen ist nichts davon schreiten der unheimlichen Krankheit kommen, wesentlich einzudämmen. Es dürfte im Interesse de#llgemeinheit liegen und am besten zur Beruhigung der Bevölkerung dienen, die wesentlichsten Bestimmungen über die Schutzmaßregeln, die das Kultusministerium gegen die Weiterverbreitung der Genickstarre getroffen hat, näher kennen zu lernen. Von polnischen Ehrengerichten meldet eine Nachricht, die geeignet ist, manchem Auchdeutschen in den Ostmarken das Gewissen zu schärfen. Wie erinnerlich überhäufte die polnische Presse den früheren Besides Rittergutes Modliszewko, des letzten Gutes in polnischer Hand um Gnesen, mit Schmähungen, weil er an die Ansiedlungskommission verkauft habe. Der Vorbesitzer Niesiolowski, der an einen Polen von Su„## slerzyski, einen Vermittler für die Kommission, verist nun die allgemeine Erfayrung gemacht worden, kauft hatte, ist nun so empfindlich in seiner völkischen ß die beschlossenen Zuschläge zur Einkommen=, Ehre, daß er von dem beabsichtigten Verkauf an die ans-, Gebäude=, Gewerbe= uusw.=Steuer in diesem Ansiedlungskommission nichts gewußt hat, sondern daß ee ser im Gegenteil beim Verkauf 60000 Mark verloren habe, damit das Gut nicht in deutsche Hände komme. Türkei. Einen furchtbaren Schreck hat ein Befehl der Märokto Paris, 11. Sept. Den Blättern wird aus Casablanca von gestern gemeldet: Für morgen wird ein neuer Angriff der Marokkaner erwartet. General Drude ist wiederhergestellt. Mit Hülfe der Militärballons hat das Lager der Marokkaner beobachtet und festgestellt werden können, daß der Feind neue Verstärkungen erhalten hat.— Auf Befehl Mulai Hafids sind 7000 Mann, darunter 3000 Berittene, von Marrakesch aufgebrochen, um sich den Schauija anzuschließen. Madrid, 11. Sept. Der als Sonderberichterstatter des Madrider Blattes Abe nach Tanger gesandte Afrikakenner Dr. Ovilo meint, daß die Landung weiterer Truppen in Marokko unter den jetzigen Umständen die schlimmsten Folgen haben und ähnliche Zustände schaffen werde wie in Casablanca, weil die Mauren ihre Unabhängigkeit und Freiheit ebenso zu schätzen wüßten wie andere Völker, und neue Landungen als eine Herausforderung auffassen würden. Sogenannte schneidige, aber ohne Besonnenheit angewandte Mittel würden die Anarchie eher vermehren und allen Europäern das Leben in Marokko unmöglich machen.— Gestern dauerten die Besprechungen der Minister in San Sebastian fort. Auch der französische Botschafter Revoil nahm daran teil. Alle Mitteilungen besiätigen daß Spanien sich nicht zu einem militärischen Eingreifen hat bereden lassen. Die gesamte spanische Pressé mit Einschluß der Blätter der radikalsten Opposition, spenden dem Ministerpräsidenten Maura den lebhaftesten Beifall in der Voraussetzung, daß er den Wünschen Frankreichs widersteht. Spanien wolle unter keinen Umständen sich in einen marokkanischen Krieg hineintreiben lassen. Der Imparcial bezeichnet die Haltung Deutschlands als logisch und natürlich. Die„Frkf. Ztg.“ meldet aus Berlin: Den durch das Bombardement von Casablanca geschädigten Deut schen Reichsangehörigen wird die Reichsregierung, da die Frage der Entschädigungspflicht noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, sofort auf die ihnen zustehende Entschädigung einen Vorschuß von 250 000 Mark auszahlen. punkt, daß die Besitzenden mehr wie früher mit Steuerzuschlägen zu belasten sind, um den Minderbemittelten(Arbeitern, Handwerkern usw.) ihre Steuerlast etwas zu erleichtern. Der internationale Friedenskongreß. Eine höchst eigenartige, aus fast einem Dutzend Nationen zusammengewürfelte Gesellschaft von mehreren hundert Personen hatte sich zur Eröffnungssitzung des 16. innach Samos auch machen kann, die Insel findet und heil wieder zurückkommt. Man erinnere sich nur daran, welche Schwierigkeiten es machte, zur Eröffnung des Kaiser Wilhelm=Kanals ein Schiff zu senden, bis endlich der uralte Raddampfer„Fuad“ erschien, dafür aber auch den Vize=Admiral Arif Pascha an Bord hatte; u. ein großherrlicher Vize=Admiral wird mit zwei Schuß mehr salutiert als die Vize=Admirale aller anternationalen Friedenskongresses im alten Münchener deren Mächte. Jetzt sollte zuerst der umgebaute, 30 90„ hörte man Jahre alte Ranzer Messudije“ der Styl: dor Flott Rathaussaale zusammengefunven. Da horte man außer Deutsch, Englisch und Französisch auch Italienisch, Spanisch und Russisch. Während Berta v. Suttner heute noch nicht öffentlich hervortrat, wurde mit besonderer Ehrerbietung der Senior der Friedensbewegung, der 84jährige ehrwürdige Franzose Passy zur Vorstandstribüne geleitet. Staatsrat Böhm skizzierte im Auftrage der Regierung kurz die Stellung, welche mit der bayerischen Regierung sicherlich die Mehrzahl aller Deutschen den Friedensbestrebungen gegenüber einnimmt, daß man nämlich das Streben nach einem hohen Ideale freudig begrüßt, daß aber auch DeutschFahre alte Panzer„Messadije“, der Stoiz der Fivite, unter Halbmond und Stern ausgerüstet werden, aber das stellte sich als zu schwierig heraus, und es erging der Befehl, den erst kürzlich von Kiel zurückgekommenen, dort im Laufe vieler Jahre umgebauten, kleinen Panzer„Assar i Tefik“, gerade 40 Jahre alt, auszurüsten. Nun heißt es, der Fürst fährt nicht nach Samos, und die Marinebehörden sind sein heraus. Ob der Fürst nicht abreist, weil kein Schiff seeklar gemacht werden kann, oder aus anderen Gründen, ist vorläufig unklar. Mazedonien. In Gradewo bei Dschumaja Balia Niederlage von Vorräten und land seine Rüstung zu keinem anderen Zwecke als dem haben die Behörden eine Anbertag von Vorraten und der Erhaltung des Friedens trägt. Schon in seiner! Uniformen bulgarischer Banden aufgehoben. Bei KirtEröffnungsrede hatte Professor Harburger, Rat amlschewo Belista sind der bulgarische Offizier Todorow, obersten Landgericht, den Ausspruch eines der jetzt lebenden wittelsbachischen Prinzen angeführt, daß für ein kräftiges Volk ein Friede nur als Friede in Ehren denkbar sei. Den Gedanken, daß die Liebe zum Vaterlande weder mit dem Hassen noch mit dem Schädigen anderer Nationen Hand in Hand zu gehen brauche, entwickelte Passy mit großem Feuer und lebhaften Gesten des Nähern. Besonderen Wert legte der greise Laureat des Nobelpreises auf die Tatsache, daß EngBefehlshaber aller Banden in Mazedonien, der Woiwode Raumow und drei Komidatschis von Militär niedergemacht worden. Aus Uesküb wird gemeldet: In den letzten zwei Monaten hat das Bandenunwesen im Wilajet Uesküb auffallend nachgelassen. Im Juli haben nur zwei Bandenkämpfe stattgefunden, auch die übrigen Schreckmittel der Komitees sind weniger als sonst zur Anwendung gekommen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 12. September. **(Die zunehmende Verschuldung der Kommunen) hat den Minister des Innern veraulaßt, bei Kommunalanleihen eine höhere Tilgungsquote vorzuschreiben. Der niedrigste Satz soll von nun an 1¼ statt 1 Prozent betragen. Anleihen für Straßenbauten und ähnliche Unternehmungen sollen mit wenigstens zweieinhalb und Anleihen für Kanalisationsanlagen mit 2 Prozent getilgt werden. Weiter weist der Minister auf die Zweckmäßigkeit der Grunderwerbsfonds hin, durch welche vermieden wird, daß bei jedem Bodenankauf der Weg der Anleihe beschritten wird. **(Gegen die Vollpfropfung der Personenwagen) mit Handgepäck, die nach der Aufhebung des Freigepäcks noch ärger geworden ist, richtet sich folgende Verfügung der Breslauer Eisenbahndirektion:„Vielfach besorgen die Gepäckträger derartiges Gepäck in die Abteile. Das ist durchaus unzulässig. Das Verbringen solchen Gepäcks in die Abteile haben die Gepäckträger abzulehnen und die Aufgabe des Gepäcks bei der Gepäckabfertigung zu veranlassen. Sollten hiergegen Verstöße wieder wahrgenommen werden, so ist mit strengen Strafen gegen die schuldigen Gepäckträger, im Wiederholungsfalle mit Dienstentlassung vorzugehen.“ (Nachlösen von Fahrkarten.) Fast täglich kann man auf den Bahnhöfen beobachten, daß Reisende, die wegen Verspätung keine Fahrkarten lösen konnten, unterlassen haben, dem Zugführer oder Schaffner des benutzten Zuges dies zu sagen, und so begegnen sie dann Schwierigkeiten während der Fahrt oder auf der Reiseendstation, weil die Beamten in Erfüllung ihrer Pflicht nunmehr nach den Vorschriften des Tarifs die Zahlung des Betrages von 6 Mark fordern. In vielen Fällen werden solche Reisende aus Unwissenheit die Meldung an den Zugbeamten unterlassen haben. Es ist daher wichtig für jeden Reisenden, wenn er weiß, daß er sich sofort beim Besteigen des Zuges beim Zugführer oder Schaffner zu melden hat, wenn er keine Fahrkarte besitzt, damit er neben dem Fahrpreise 5 nur einen Zuschlag von einer Mark oder den doppelten Fahrpreis, falls letztever billiger ist, zu zahlen hat. Wer auf einer Anschlußstation wegen Zugverspätung oder kurzer Uebergangszeit keine Fahrkarte lösen kann, oder wer in demselben Zuge über die Station, nach der seine Karte gilt, hinausfahren will und dies vorher meldet, hat nur den gewöhnlichen(einfachen) Fahrpreis nachzuzahlen. *r(Vorträge.) Wir sind jetzt in der Lage, unserren Lesern genaue Auskunft über die in diesem Winter in Schwerte stattfindenden populär=wissenschaftlichen Vorträge zu geben. Es werden folgende Vorträge gehalten: 1. Oberlehrerin Martin=Berlin: bleme der modernen Frauenbewegung.“ 2. Prof. Dr. Eckert, Direktor der Handelshochschule in Cöln: „Die kolonialpolitischen Aufgaben der Gegenwart.“ Pastor Haun=Essen:„Ibsen“. 4. Dr. Küntzel, Professor an der Handelshochschule Frankfurt a. M.: „Friedrich Wilhelm der Vierte und die politische Bewegung der Jahre 1848—50.“ 5. Dr. Koppen=Berlin: „Böcklin"(Lichtbildervortrag.) Vielleicht wird auch noch ein sechster(naturwissenschaftlicher) Vortrag gehalten werden. Bestimmtes hierüber steht aber noch nicht fest. Der erste Vortrag findet schon Anfang Oktober statt. Listen zum Einzeichnen für diejenigen, welche an den Vorträgen teilnehmen wollen, liegen in den Buchhandlungen von Braus und Saatmann offen. Es werden außerdem auch wie früher Listen zirkulieren. Die Preise sind wie folgt festgesetzt. Familienabonnement für 4 Personen 6 J, für jede weitere Person 1 A mehr; Einzelabonnement 4 A; Karte für einen einzelnen Vortrag 1“: Schülerkarte 50 Pfg. Bei „ iu%,#ar, Scha.. 40 diesen äußerst billigen Preisen wird sich gewiß niem den Genuß der hervorragenden Vorträge entgehen lassen. **(Rege Bautätigkeit) herrscht vor dem Brückentor. Kaum hat man die Wirtschaft Schulze=Selmig hinter sich, grüßt schon von jenseits der Ruhr der Rohbau der Villa Theile herüber. Das Gebäude dürfte nach den Entwürfen des Architekten Herrn Friebel eine Zierde der Gegend werden. Auch die innere Einrichtung wird nach besonderen Zeichnungen hergestellt. Die Villa hat einen gutgewählten Platz und hübsche Umgebung gefunden. Biegt man erst bei Oppermann (oder, um heute besser mit der Generalstabs=Bezeichnung zu sagen„auf den Steinen“) um die Ecke, sieht man zahlreiche Hände bei emsiger Arbeit, welche die beiden bereits öfter erwähnten Brücken herstellen. Diese Arbeiten sind durch de Art ihrer Ausführung in Eisenbetonbau besonders interessant. In dichten Bretterverschalungen werden Eisenstäbe und Zement mit einander vergossen und bilden hernach eine solide starre Masse für schwerste Belastung. Die Firma Fr. Schlüter=Dortmund führt diese Arbeiten aus. Für die Eisengeländer, welche Herr Rahlenbeck auf der Hellpothstraße liefert, sind sofort die nötigen Versenköffnungen in dem Beton vorgesehen. Die Geländer sind zweckentsprechend und entschieden hübscher als das der Ruhrbrücke, doch hätte man unseres Erachtens dieselben der Einheitlichbeit wegen in gleicher Art wie die der übrigen Durchlässe der Straße ausführen dürfen. Jenseits der Ruhr endlich baut zwischen den Besitzungen der Herren von Lünen und Berndt der Maschinist Schmalhaus vom Dortmunder Wasserwerk ein zweieinhalbstöckiges Haus. Kaisermanöver 1907. (Von unserem Der 11 ur(Evang. Arbeiter= und Bürgerverein.) In der am kommenden Sonntag stattfindenden Monatsversammlung des Evang. Arbeiter= und Bürgervereins wird der neue Verbandssekretär für die evang. Arbeitervereine des Kreisverbandes Iserlohn, Herr Schmolke aus Iserlohn, einen Vortrag über das Thema:„Die Verfassung des deutschen Reiches“ halten. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder darf wohl erwartet werden. (Personalie.) Herr Gerichtsvollzieher Grothaus aus Dortmund ist mit dem 1. Okt. anstelle des Herrn Gerichtsvollziehers Mohnke nach Schwerte versetzt. *r(Ein Jagdunfall) hat sich, wie wir jetzt erfahren, imlaufe der vorigen Woche hier ereignet. Ein hiesiger Einwohner, der auf der Hühnerjagd begriffen war, hatte das Mißgeschick, zwei Jungen, die sich in der Feldflur des Jagdreviers aufgehalten hatten und vom Schützen nicht zu bemerken waren, durch einen Schuß zu verletzen. Zum Glück sind aber die Verwundungen nicht erheblich. Ein Verschulden liegt bei dem Unfall nicht vor, aber er mahnt zur jetzigen Jagdzeit wiederum alle, die dem edlen Weidwerk sich widmen, zu ernstlichster Vorsicht. (Verbrannt.) Als vorgestern am hiesigen Güterbahnhof ein mit Essigsäure beladener Wagen beim Rangieren abgestoßen wurde, erreichte der Wagen nicht ganz sein Ziel. Vier weitere Güterwagen stießen deshalb ziemlich fest auf diesen Wagen auf, wodurch eine Flasche Essigsäure defekt wurde. Der Arbeiter Th. Stein wollte die umgestoßene Flasche wieder gerade stellen. Dieselbe barst jedoch auseinander und die Flüssigkeit ergoß sich St. über beide Füße, wodurch derselne zremilich erhebliche Brandwunden eriltt, sodaß er dem katholischen Krankenhause zugeführt werden mußte. **(Ein Pferd) des Herrn F. scheute, ging durch und rannte in rasendem Galopp durch die Mährstraße. Es löste sich ein Rad am Wagen, wodurch der Wagen zum Stehen kam und das Pferd eingehalten werden konnte. Da die Mährstraße, sonst sehr belebt, glücklicherweise fast menschenleer war, ist größeres Unglück verhütet worden. Sonderberichterstatter.) September. Hörter, den 11. Sept. Wie aus den Teilerfolgen des X.(roten) Armeekorps, über die ich gestern berichten konnte, schon erkennbar war, gipfelte das Ergebnis des roten Angriffs in einem Rückzuge des Generals von Bissing mit seinem VII. Armeekorps und in einer großstielig und unablässig einwirkenden Verfolgung durch Blau. Das gestrige Bild des Tages ist durch nachstehende Striche noch zu ergänzen. Blau. Die 25. Inf.=Brig. hatte noch in der Nacht zum 10. September vergeblich versucht, sich in Besitz von Gampenhausen zu setzen. Der am frühen Morgen des 10. Sept. von der 41. und 13. Inf.=Div. ausgeführte Angriff auf den roten linken Flügel bei Rothe wurde abgewiesen; beide Divisionen mußten unter schweren Verlusten auf Bongholz=Natzungen zurückgehen Zu ihrer Unterstützung hatte der kommandierende General die 14. Inf.= Div. aus der Gegend von Frohnhausen in Richtung Natingen angesetzt. Bevor sie jedoch dort mit größeren Teilen eingreifen konnte, wurde sie selbst von starken roten Kräften über Auenhausen=Gampenhausen angegriffen und in südlicher Richtung zurückgedrängt. Unter dem Eindruck der erlittenen Rückschläge beschloß General von Bissing, mit dem ganzen Armeekorps bis in die Linie Daseburg=DösselHohenwegel zurückzugehen. Die Stellung wurde Nachmittags zur Verteidigung hergerichtet. Die blaue(angenommene) Hauptarmee hatte am 10. 9. die rote Hauptarmee am Teutoburger Walde angegriffen, eine Entscheidung noch nicht herbeiführen können. Am 11. September sollte der Angriff fortgesetzt werden. Das Armee=Oberkommando hatte die Erwartung ausgesprochen, daß es dem VII. Armeekorps auch fernerhin gelingen werde, den ihm gegenüberstehenden Feind am Eingreifen gegen den rechten Flügel der blauen Hauptarmee zu verhindern. In dieser Erwartung lag der Auftrag für den 11. September. Das 7. Armeekorps beschloß darauf, heute in der Stellung Daseburg=Hohenwegel erneut Widerstand zu leisten. Rot. Der bei Tagesanbruch gegen den linken Flügel des 10. Armeekorps gerichtete Angriff wurde durch die 17. und 20. Inf.=Division abgewiesen. Der Gegner ging über Natzungen=Borgholz zurück. Die 19. Inf.= Division verhielt sich in ihrer Stellung zunächst abwartend. Als aber erkannt wurde, daß die ihr gegenüberstehenden Kräfte aus der Gegend von Frohnhausen sich in östlicher Richtung zu entwickeln begannen, gng die Division zum Angriff über Gampenhausen* Höchsten, 11. Sept.(Mißhandlung.) Vor einigen Tagen drangen mehrere junge Bergleute vom Höchsten in den Obsthof des Gutes zu Niederhofen. Mit dem abgefallenen Obste begnügte man sich nicht, sondern man schlug und warf noch anderes Obst ab. Der hinzukommende Schweizer wollte die Personen veranlassen, den Hof zu verlassen; dieser kam aber gut an, er wurde mißhandelt, und zwar derart, daß ärzt= liche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. Anzeige ist erstattet. Hoffentlich bleibt die Strafe nicht aus. Obwohl unsere Sicherheitsorgane sehr auf dem Posten sind, hört man andauernd von Obstdiebstählen und von Ruinieren der Bäume. (2) Ergste, 11. Sept. Gestern machte die hiesige 1. Schulklasse und die 1. Abteilung der 3. Klasse einen Ausflug ins Hönnetal. (?) Ergste, 11. Sept.(Kommers.) Am kommenden Samstag veranstaltet der Stenographenverein„Arends“ im Vereinslokale des Herrn Hengstenberg einen Bierkommers zu Ehren seines zum Militär einberufenen Mitgliedes Otto Schlüter. uenhausen vor und warf den Feind in füdlicher Richtung zurück. Der kommandierende General von Stünzner beschloß, dem Gegner mit allen Kräften zu folgen. Bei der Verfolgung erlitt Kav.=Div. B. während des Heraustretens aus Peckelsheim durch feindliches Infanterie= und Artilleriefeuer sowie durch eine Attacke der Kav.=Div. A sehr starke Verluste. Sie wich nach Willebadessen aus. Der Gegner machte erst in Linie Hohenwegel=Daseburg wieder Front. Angesichts dieser starken Stellung sah Geneval von Stünzner davon ab, den Feind heute nochmals anzugreifen. Das Armeekorps ging in der Linie Eißen=Borgenstreich zur Ruhe über, Vortruppen wurden vorgeschoben bis an die der feindlichen Stellung vorliegende Eder. Als am Nachmittage erkannt wurde, daß der Gegner bei Hohenwegel schanzte, fuhr die Artillerie der 19. Inf.= Div. auf, um die Fortsetzung dieser Arbeiten zu verhindern. 1,30 Uhr nachm. trat Kav.=Div. B auf Befehl des kommandierenden Generals von Willebadessen u. Helmern über Bonenburg=Ikenhausen in Richtung Warburg zur Verfolgung wieder an. Sie gelangte aber nicht über Ikenhausen hinaus, da ihr die feindliche Kav.=Div. A nochmals entgegentrat, und ging nunmehr bei Borlinghausen zur Ruhe über. Zwischen den(angenommenen) Hauptarmeen kam es am 10. Sept. zum Zusammenstoße. Am 11. Sept. will die rote Armee zum Angriff übergehen. Deshalb beabsichtigte auch General von Stünzner, am 11. September das 7. Armeekorps anzugreifen. Die Anordnungen des Generals von Stünzner und das impetuose Motiv unablässiger Verfolgung zur höchsten Ausnützung des Sieges, dem um Mittag aber wohl das Höchstmaß der Truppenleistung ein Ziel setzte, müssen ungeteilte Anerkennung finden. So muß man verfolgen. Seine Truppen waren von früh 2 Uhr in Tätigkeit, nach kurzer Biwaksrast, wobei auch gewissermaßen mit dem Gewehr im Arm geruht wurde. Nur das erneute Vortreiben der Kavallerie=Division B um 1,30 Uhr mittags halte ich doch für eine Ueberschätzung der der Division noch innewohnenden Atemkraft. Nach solchen Verlusten wie am Morgen bei Peckelsheim durch Infanterie= und Artillerie=Feuer, und schließlich durch eine wirkungsvolle Attacke von blau A braucht eine Kavallerie zum mindesten den Rest des Tages, um sich zum Leben zurückzufinden. Nur der moralische Eindruck der siegreichen Vorwärtsbewegung auf der ganzen übrigen roten Linie läßt einen nochmaligen Versuch erklären. Der heutige Kampf spielte sich derart ab, daß Rot seinem früh beginnenden Angriff die Richtung Hohenwegel gab und die den linken Flügel der 19. und rechten (?) Berchum, 11. Sept.(Rekrutenabschiedskränzchen.) Der hiesige Turnverein hat beschlossen, sein diesjähriges Rekrutenabschiedskränzchen am Sonntag, den 6. Oktober, im Vereinslokale durch Konzert und Ball zu feiern. r Aplerbeck10. Mit der Kanalisation unserer Ortschaft, deren Kostenanschlag ausschließlich Kläranlagen cr. auf 120 000 Mark festgesetzt hat, wird in den nächsten Tagen begonnen. Die Arbeiten erstrecken sich zunächst auf die Hauptstraßen, mit Ausschluß der Potsdamerstraße, die bereits kanalisiert ist. *s Aplerbeck, I1. Sept.(Wegen dringenden Verdachts) einen Meineid, Diebstahl, Wechselfälschung und Sachbeschädigung begangen zu haben wurde eine Frau B. aus der Aplerbeckermark verhaftet und dem Amtsgericht Hörde zugeführt. * Sölderholz, 11. Sept. Wegen Beleidigung hatte der Bergmann Gustav Brauckmann zu Lichtendorf sich heute zu verantworten. Der Sohn des Angeklagten hatte von dem Herrn Lehrer Haferland von hier eine gelinde Strafe erhalten, darüber erbost, machte Brauckmann dem Herrn Lehrer im Hausflur allerlei beleidigende Vorhaltungen, die er mit einer Geldstrafe von 10 A büßen muß. Westfalen und Rheinland. * Haspe, 11. Sept.(Von der Schülerwanderung.) Ueber die urwüchsige Art und Weise, mit welcher die Ennepesträßer Realschüler ihre Fußwanderung von Haspe an die Spree ausführten, werden jetzt noch folgende Einzelheiten bekannt. Jeder zweite der Wanderer trug einen Spirituskocher und Kochgeschirr bei sich. Jeden Tag wurde nämlich im Freien abgekocht. Da gab es Griesbrei mit Rosinen, Haferflocken mit Aepfelschnitzeln, Rührei, Konservengemüse aller Art, Pellkartoffeln usw. Für die Mittagsrasten wurden täglich drei Stunden verwendet. Eine Stunde ging mit dem Kochen hin, in den zwei anderen wurde, wenn es möglich war, gebadet, teils im Wasser, teils in der Sonne, dann geschlafen. Außer den Kochgeschirren trug jeder der Wandever eine Zeltbahn mit Zeltstöcken im Rucksack. Unter den Zelten, die gewandt aufgeschlagen wurden, hielt man zur Nacht Rast. Als Lager diente im Walde trockenes Laub, in der Nähe der Felder Stroh. Die Regennächte ließen die Verwendung der Zelt leider nicht oft zu. Dann wurde auf Heuböden oder in Scheunen der Bauern Nachtlager gehalten. War das nicht möglich, so schliefen je zwei in einem Bett. Nur im Harz wurde der Aufenthalt teuer. Sonst kostete die Wanderung im Durchschnitt nicht mehr als eine Mark. Der Weg der Wanderschar, die außer von ihrem Direktor noch von Oberlehrer Grevenhues geführt wurde, ging über Sauerland, Reinhardtswald, Harz, Quedlinburg nach Berlin. Gildehaus, 11. Sept.(Beim Läuten) aus Anlaß einer Beerdigung wurde der Böttcher Poth hier in das Glckenseil verwickelt, einige Male auf= und abgezogen und gegen die Turmwand geschleudert, sodaß er erhebliche äußere und innere Verletzungen davontrug. * Werdohl, 11. Sept. Heute morgen warf sich ein aus Lüdenscheid stammendes Paar vor einen Personenzug, um sich überfahren zu lassen. Beide blieben sofort tot. Es handelt sich um einen gewissen Meisenhofer und eine Johanna Trimborn. Ersterer unterder 20. Division dorthin dirigierte. 19. Div. bog über Löwen, Ikenhausen auf Nörde. Die linke Flügeldiv. 17. marschierte über Lütgeneder auf Daseburg. Von diesem umfassenden Vormarsch erhielt aber der kommandierende General von Blau trotz des Nebels Kenntnis und ordnete die Besetzung Hohenwegels durch die 14. Division an. Der Kommandeur der 14. Division, von Stephan, erkundete persönlich das Vorgelände. Die 19. Div. brach in Massen aus den Wäldern zwischen Engar und Nörde, durchstieß ungestüm die Mitte der 14. Div., trieb sie zurück und besetzte selbst Hohenwegel, sodaß sie nun in der Flanke des Gegners stand. Während die 20. Div. in der Stellung Dössel=Hohenwegel ins Feuer trat, mußte die 19. Div. sich erst ordnen. Es war unvermeidlich, daß sie beim Durchschreiten des dichten Waldes in Unordnung kam; sie hat aber trotz der durcheinander geschobenen Teile den Vorstoß gegen Hohenwegel energisch geleistet. 14. Div. nahm erneut auf Dasenburg Stellung. 13. Div., deren Artillerie bei Dössel stand, war am Wege Daseburg=Dössel. Art.=Regt. 22 arbeitete hier fleißig mit dem Blitzlichtspender. Die schwere Artillerie des Feldheeres stand zu beiden Seiten der Chaussee DösselLütgeneder und feuerte auf Nörde. Die Inf. der 13. Div. befand sich in ausgeworfenen Schützengräben, die sie zumteil des Nachts gegraben hatte. 41. Div. erhielt um 3 Uhr Befehl, sofort gegen 17. Div. vorzugehen und zwang sie durch ein besonderes Gefecht zum Einschwenken. Kav.=Div. B griff hier mit Maschinengewehr und Karabinern ein. Die 41. Div. verlor diese Stellung. Nach den Mißerfolgen bei der 14. und 41. Division trat Rot(7) den Rückzug an. In diesem Augenblick gab der Kaiser das Signal Halt und beendete den dreitägigen Kampf, der für das 7. Armeekorps an jedem Tage mit einem Zurückweichen schloß. Nach zweistündiger Besprechung endete sodann das ganze Manöver. Für beide Armeekorps beginnen nun die Abtransporte in planmäßiger Weise, nur der Abtransport des 10. Korps wurde um 24 Stunden verschoben, woraus sich sofort das Gerücht bildete, daß das eigentliche Manöver verlängert werde. Mit Ausnahme der Garnisonen Paderborn, Höxter werden die Fußtruppen mit Militärsonderzügen befördert, Artillerie und Kavallerie marschieren. Ueber das Nähere der Abtransporte, die Verpflegung und diejenigen Beobachtungen über mancherlei zutage getretene Verhältnisse, welche in den den Tagesereignissen folgenden Berichten nicht Aufnahme finden konnten, wird ein letzter Artikel das Weitere bringen. ren, spannten sofort Sprungtüchen auf. hielt mit dem Mädchen ein Verhältnis, das seine Els Recklinghausen, 11. Sept. Die Stadtverordneten haben, um der stark gewachsenen Abhebung von Sparbeträgen gerecht werden zu können, die Aufnahme einer Anleihe bis zu 400000 Mark einschließlich einer früheren Anleihe von 195000 Mark bei der Landesbank beschlossen. * hemmerde b. Unna, 10. Sept.(Leichen iazg) Sonntag Vormittag wurde in der Nähe des P#### Bahnhofes an den Eisenbahngleisen die Leiche, desu. 20 Jahre alten Eisenbahnarbeiters L. von hier aufseDas Ergebnis der Untersuchung der Leiche war, daß der Tod durch einen Stich herheigeführt wor= erste Hilfe. Am Nachmittage wurden die den sein müßte; man nimmt— wie verlautet— weiter sammelt, und dabei wurde festgestellt, daß uuch etwa an, daß der Stich mittels eines Setengengy Hugeisg, 50 Arbeiter sehlen; man befürchtet, baß von hnen 6.e bracht tst und vermutet, daß L. mit hier in A4uutr1r: großer Teil den Tod in den Flammen gefunren hat. gelegenen Soldaten in Streit geraten und wohl im Vor der Branstelle spielen sich schmerzliche Szenen ab, Verlaufe dieses Streites die tötliche Verletzung erhal= weinende Frauen suchen ihre Männer, schluchzende nat.„„„[Kinder ihre Väter. Wie dem„Berl. L.=A.“ telegra vorn 11. Sept. Für die Gewerrschaft Deut= phiert wird, laufen dort Gerichte um, daß das Feuer Aber zehn Menschen sprangen fehl und sechs von ihnen starben sofort, während die übrigen schwer verletzt wurden. Aber auch von den in die Tücher Gefallenen trugen viele Verletzungen davon. Ein halbverbrannter Arbeiter fiel auf einen Polizisten, der sofort getötet wurde. In der Stadt herrscht große Panik; die Familien der Arbeiter versammelten sich vor dem Spital, um sich nach vermißten Angehörigen zu erkundigen. Da sie aber keinen Einlaß erhielten, wollten sie das Tor stürmen, und die Polizei hatte die größte Mühe, die Leute an der Ausführung ihres Vorhabens zu hindern. Sämtliche Aerzte der Stadt sind zur Brandstätte und ins Spital geeilt und leisten den Verwundeten die riite Hilfe. Am Nachmittage wurden die Arbeiter verein worden sei. Vor drei Wochen traArbeiter der Mühle in den Ausstand, ifnahmen, daß die Zahl der Zahl der Seminaranstalt) Schwerverletzten beträgt etwa 60, die meistens Krüppel bleiben dürften. Arbeiter werden noch immer vermißt. Die Hauptursache dafür, daß die Katastrophe sium eingerichtet werden. Mit der Leitung dieser An= solche Dimensionen annehmen konnte, ist wohl hauptstalt hat das Provinziasscutcollegium den Direktor sächlich die schlechte Ausrüstung der Feuerwehr. des Gymnasiums, Prof. Dr. Scheive, beauftragt. Schaden an Getreide und Vorräten beläuft sich auf etElberfelb, 10. Sept. Die Stadtverondneten ha= wa 2 Millionen. 1 gen, Bag#. wodurch eine Mehrbelastung von 1.1, Beschlug SLpPeger * Elberfeld, 11. Sept.(Eine Seminaranstalt) zur praktischen Ausbildung von Kandidaten für das Lehramt an höheren Schulen soll am hiesigen Gymnaun, ee(schulkolleg nahme im Wege der Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen erfolgt ist. Die Pfändung darf nicht früher als einen Monat vor der gewöhnlichen Zeit der Reise erfolgen.— Nach einer Reichsgerichtsentscheidung ist hiermit nicht die wirkliche Reifezeit des einzelnen Jahres für die betreffende Fruchk auf dem einzelnen Grundstücke zu verstehen, sondern diejenige Reifezeit, welche sich aus dem Durchschnit einer Reihe von Jahren nach der Beschaffenheit der fraglichen Fruchtgattung und der örtlichen Verhältnisse für eine größere Gruppe von Grundstücken der Feldmart ergibt und den Ortsbewohnern allgemein bekannt ist. Letzte Drathmeldungen. Duell. Berlin, 11. Sept. Ein Pistolenduell fand heute morgen gegen 6 Uhr im Grunewald bei Schildhorn zwischen dem Studenten Max S. und dem Bankbeamten Walter L. statt. Beide Gegner wurden bei dem ersten, gleichzeitigen Kugelwechsel verwundet; während L. nur einen leichten Streifschuß erhielt, wurde der Student lebensgefährlich verwundet. Ein Streit um eine Frau soll die Ursache des Zweikampfes sein. Liebesdrama. — Berlin, 11. Sept. Ein Liebesdrama auf der Eisenbahn hat sich heute nachr bei Eintreffen des letzten Vorortzuges in Oranienburg ereignet. Bahnbeamte fanden hier in einem Coupee zweiter Klasse den 26 Jahre alten Buchhalter Siegsried Rossow aus Verlin mit durchschossener Brust leblos auf. In der anderen Ecke des Coupees saß schluchzend mit dem geladenen Revolver in der Hand ein Mädchen, das spater als die 24jährige Martha K., ebenfalls aus Berlin, festgestellt wurde. Bei der Vernehmung gab die K. an, datz beide die Absicht gehabt hätten, sich gemeinsam das eintritt. Barmen faßte den gleichen Beschluß. * Köln, 11. Sept.(Ein fideles Gefängnis.) dem Schöffengericht abspielte, und in dem ein Dutzer Personen unter Anklage standen, in die gelangten. Sobald ein besser gekleideter Arrestant eingeliefert wurde, wetteiferten die Aufseher, sich seine Gunst zu erwerben und boten sich an, Geld, Waren und Briefe zu übermitteln. In großem Umsange wurde hiervon Gebrauch gemacht. Die von den Angehörigen für den Gefangenen übergebenen Genußmittel, Geld usw. wurden meistens von den Aufsehern für sich verwendet. Ein Zeuge, der 10 Monate im Gefängnis war, bekundete, er habe für die Aufseher in Wachtdienst versehen müssen, während die Aufseher in seiner Zelle lagen und schliefen. Als er einmal mit Litewka, Uhr und Laterne den Dienst ausübte, sei er vom Oberaufseher erwischt worden. Die Gefangenen standen mit den Aufsehern auf„du“ und unterhielten freundschaftliche Beziehungen. Alle Angeklagten wurden freigesprochen, weil sich ergab, daß sich die Aufseher an die Gefangenen herangemacht, um Waren usw. zu erhalten.„„ Au Rosesstat Wal. Köln, 10. Sept. Die„Koln. Volrszrg.“ meldet: In der Steinbachschen Papierfabrik stürzte## neubau ein: 8 Arbeiter wurden lehons verletzt. — Wien, 12. Sept. Die Gräsin Tarnowska hatte gestern das erste Verhör vor dem Untersuchungsrichter. Sie stellte dabei entschieden in Abrede, mit der Ermordung des Grafen Kamaroowski irgend etwas zu tun zu haben, sie sei bei ihrem Vernehmen von der Polizei nicht richtig verstanden worden. Für die Eifersucht Naumows, dem sie als Braut des Grafen Kamarowski keine Avancen machen konnte und für dessen rasende Wut könne sie nicht verantwortlich gemacht werden. Sie hätte das größte Interesse daran gehabt, daß der Graf sie heirate, weil sie dadurch zur Millionärin geworden wäre. ein, 8 Urbeiter wurden Kleine Nachrichten zum Kaisermanover. Wilhelmshöhe, 11. Sept. Der Kaiser ist aus dem Manöver hier eingetroffen. Heute abend fand Tafel für die Fürstlichkeiten statt. — Berlin, 12. Sept. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht eine große Anzahl von Auszeichnungen aus Anlaß der diesjährigen Kaisermanöver. Es erhielten unter anderem die kommandierenden Generäle des 10. und 7. Armeekorps v. Stünzner und Frhr. v. Bissing den Schwarzen Adleror= den. Dem Chef des Generalstabs v. Moltke wurde das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und der Königlichen Krone verliehen. Höxter, 11. Sept. Der Abtransport der beiden Armeekorps erfolgt innerhalb zweier Tage, doch ist derjenige der Truppen des 10. Armeekorps um 24 Stunden verschoben worden. Der Personenverkehr wird fahrplanmäßig aufrecht erhalten, der Güterverkehr am ersten Tage eingeschränkt werden.— Leider ist ein tötlicher Unfa zu beklagen: Bei Ottenheim verlor ein Musketier des 92. Regiments, der zu einer Radfahrerpatrouille gehörte, an abschüssiger Stelle die Gewalt über sein Rad, wurde gegen einen Baum geschleudert und sofort getötet. Warburg, 11. Sept. Heute nachmittag wurde ein Soldat und ein Zivilist im hiesigen Krankenhause eingeliefert. Ersterer ist beim Manöver vom Pferde gestürzt, wobei er sich schwere Verletzungen zuzog. Letzterer wurde von einem Militär=Automobil überfahren und tödlich verletzt. Gambach(Oberhessen), 11. Sept. Der Landwirt Schlunk fand eine sogen. Platzpatrone, steckte sie in seinem Hofe in den Boden und brachte sie durch Aufschlagen mit einem Hammer zur Explosion. Der Holzpfropfen drang Schlunk in den Unterleib. Der Verunglückte wurde nach Gießen in eine Klinik gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Das in der Nähe stehende 6jährige Töchterchen wurde leicht verletzt. Zum Ausstand in Antwerpen. Antwerpen, 10. Sept. In der Föderation der Reeder sind Meinungsverschiedenheiten eingetreten. Zwischen Bürgermeister Hartogs und dem Präsidenten der Föderation Steinmann herrscht eine scharfe Spannung. Die Rücksicht auf die allgemeinen Interessen des Handels erfordere gebieterisch das Eingehen auf die vom Handelsminister angeregten, durch den Bürgermeister unterbreiteten Vermittelungsvorschläge. Die Streikenden werden durch große Zuschüsse unterstützt. ein Beton=] Antwerpen, 11. Sept. Die Antwerpener Bürgerlebensgefahrlich wehr, deren Mitglieder seit zehn Tagen zur Verstärkung der Polizei aufgeboten sind und ihren Geschäften deshalb nicht nachgehen konnten, sind allmählich durch Truppen und Gendarmerie ersetzt worden. Vier Infanterieregimenter und tausend Gendarmen versehen nunmehr abwechselnd Tag und Nacht den Dienst, so daß im Hafen tatsächlich der kleine Belagerungszustand herrscht. Die bisher von der Hafenkrise verursachten Verluste werden auf 20 Millionen Franken geschätzt. Eine beträchtliche Anzahl deutscher und englischer Einsteher sind in den letzten Tagen in ihre Heimat zurückgekehrt, sodaß anstelle der 18—20000 arbeitstüchtigen belgischen Docker nunmehr etwa 2500 Fremde am Werke sind. Da nunmehr die Ruhe vollkommen wiedie Ausgleichsunterhandlungen Leben zu nehmen. Zum Landesverrat. Solingen, 12. Sept In der Spionageaffaire sind insgesamt 14 Verhaftungen erfolgt. Zwei verhaftete Zivilpersonen sind inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Das gegen Schiwara eingeleitete Hochverratsverfahren ist auf vier Mitschuldige, welche nicht dem Solgatenstande angehören, ausgedehnt worden. Jugendliche Selbsturder. Stettin, 12. Sept. Die seit einer Woche vermißte 18jährige, bildhübsche Tochter des Professor Fischer in Stettin wurde gestern Abend in der Nähe einer hiesigel Badeanstalt als Leiche angeschwemmt. Unglückliche Liebe zu einem Gymnasiasten soll das Mädchen in den Tod getrieben haben. Typhus. Augsburg, 12. Sept. In Senden ist Typhus in besorgniserregendem Umfange ausgebrochen. Russisches. Tomsk, 12. Sept. Räuberbanden überfielen vor der Stadt den Postwagen, verwundeten den Postschaffner und raubten 100 000 Rubel. Schiffsbrände. Washington, 12. Sept. Auf dem Marine=Departementsschiff„Indiana“ brach eine Feuersbrunst aus. Die Hitze des leeren Kohlenraumes war so groß, daß das Schiff Gefahr lief in die Luft zu fliegen, und die in dem Munitionsraum arbeitenden 11 Personen, welche die Granaten bergen sollten, sich an diesen die Hände verbrannten. Stockholm, 12. Sept. Das Schiff Carnegi mit 5000 Fässern Petroleum an Bord steht in Flammen. Havarie der russischen Kaiserjacht. Hang(Finnland), 11. Sept. Die kaiserliche Jacht „Standard“ stieß heute nachmittag westlich von Hangö auf einen unter der Wasseroberfläche befindlichen Fels e n a u f. E i n R e t t u n g s d a m p f e r a u s R e v a l i s t a n d e r stelle eingetroffen. Ferner befinden sich dort sieben Parteien haben gestern ihrer Zuversicht Ausdruck ge=ben. Der Kaiser, die Kaiserin und die kaiserlche Famigeben, daß der Friede noch imlaufe dieser Woche unter lie sind an Bord des„Standart“ gebleben. Wahrung der beiderseitigen Interessen geschlossen werden könne. Zur Beilegung des Ausstandes ist von dem Vermittelungsamt ein Vergleichsvorschlag gemacht worden, der auf folgenden Grundlagen beruht: 1) Der Lohn wird um 50 Centimes erhöht, 2) die Arbeiter verpflichten sich, vor Ablauf eines Jahres nicht mehr von einer Lohnerhöhung zu sprechen und 3) für Ueberstunden keinen Lohnzuschlag von 50 Prozent zu verlangen. Die Arbeiter scheinen geneigt zu sein, auf den Vorschlag einzugehen. Kleine Chronik. * Von dem großen Mühlenbrand in Raab.(S. Dienstags=Nr.) wird noch gemeldet: Das Feuer wütete bereits etwa eine Viertelstunde, als im vierten Stockwerke zwei Fenster geöffnet wurden und nacheinander 30 Menschen herabsprangen. Die Feuerwehr und die freiwilligen Retter, die schon erschienen waArbeiterbewegung. Bochum, 10. Sept. Die heutige Sitzung der Siebenerkommission der Bergarbeiterverbände erklärte sich im Prinzip für den Beitritt zum Rückversicherungsverband über ganz Deutschland. Sie glaubt aber, sich die Beschlüsse der Konferenz der Bergarbeiterverbände zu eigen machen zu müssen, nach denen die Aeltesten nur dann für den Rückversicherungsverband stimmen sollen, wenn ein befriedigendes Knappschaftsstatut zu stande kommt und im Statut des Rückversicherungsverbandes das Mitverwaltungsrecht der Arbeitervertreter zur Hälfte gesichert ist. Bezüglich des Knappschaftsreformstatuts erklärte sich die Siebenerkommission mit den Beschlüssen der Konferenz der Aeltesten einverstanden, die bekanntlich dahin gehen, das Knappschaftsstatut in der vorliegenden Form abzulehnen. Briefkasten R. K., Westhofen. Sind Feldfrüchte pfändbar? Zu Ihrer Anfrage lesen wir: Nach§ 810 der Zivil=Prozeßordnung sind Früchte, die von dem Boden noch nicht getrennt sind, pfändbar, solange nicht ihre BeschlagPetersburg, 12. Sept. Der„Standard“ ist wieder flott gemacht. Da das Schiff jedoch beschädigt ist, unter bricht die Zarenfamilie die Erholungsreise und begibt sich nach Peterhof. Marokko. Paris, 12. Sept. Clemenceau dementiert, daß auf die deutsche Antwort hier dem General Drude von ihm der Befehl erteilt sei, sich in der Defensive zu verhalten. Vielmehr sei ihm energische Offensive anempfohlen. Casablanca, 11. Sept. General Drude ist noch immer leidend. Die Lage in der Umgebung ist unverändert. Der Fesselballon machte heute wieder Aufstiege, um die Stellung der Marokkaner auszukundschaften. Es ist festgestellt, daß die Marokkaner Verstärkungen erhalten haben. Verflossene Nacht fanden in der Nähe des spanischen Lagers Angriffe statt. Das ganze spanische Lager wurde alarmiert und Mitrailleusenschüsse gegen die Marokaner angewandt. Wie aus dem marokkanischen Lager berichtet wird, sind diejenigen Stämme, welche an den mörderischen Kämpfen bereits teilgenommen haben, sehr entmutigt und wollen von neuen Angriffen nichts wissen. Die Stämme, welche in letzter Zeit eingetroffen sind, sind sehr von Eifer erfüllt und erwarten neue Ueberfälle der Franzosen. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 13. Sept.: Veränderlich, kühler, windig. 14. Sept.: Abwechselnd, normale Temperatur, lebhafter Wind. Verantwortl. Redakteur: Johannes Braus. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Sart Braus, Gemwerte Rafff Grosse Marktstrasse 3—5. Gegründet 1868. Fernsprecher No. 62. Schnelle und saubere Anfertigung von Drucksachen jeder Art für Handel und Gewerbe, Behörde, Private, Vereine. Schnelle Lieferung. Elegante, moderne Ausführung. Billige Preise. Visitenkarten, Verlobungs-Anzeigen, Hochzeits-Einladungen, Geburts-Anzeigen, Trauerbriefe, Trauerkarten, Danksagungen, Hochzeits-Lieder, Hochzeits-Zeitungen, Glückwunsch-Karten, Briefbogen mit Monogramm. Liegarts, Hiederne Karfaung. Rechnungen, Postkarten, Briefbogen, Mitteilungen, Prospekte, Zirkulare, Empfehlungen, Reklamekarten, Avise, Kouverts, Quittungen, Adresskarten, Formulare jeder Art etc. etc. aaaennnnn g 0 a GGGS E Mitgliedskarten, Statuten, Festkarten, Fest-Programme, Plakate, Diplome. Zeitungsverlag. Bekanntmachung. Das Abladen von Schuttt Asche pp. in der Königsob Der Schatabladeplatz befndet sch an der Hermannstraße. Schwerte, den 9. September 1907. Die Polizei=Verwaitung. Sr Aaike Zastung der Kirckensnen für das I. Halbjahr 1907 wird mit dem Bemerken erinnert, daß am 20. September cr. das Mahn= und beginnt. Schwerte, den 12. September 1907. kassen: Nehring. Zauber verleiht jedem Gesicht ein rosiges jugendfrisches Aussehen, zarte, weiße, sammetweiche Haut und bleudend schöner Teint. Alles dies erzeugt die echte Steckenpferd= Lilienmisch— Seise— v. Bergmann u. Co., Radebenl mit Schutzmarke: Steckenpferd. Stück 50 Pfa. 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Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter 0 Pl., Anzeigen von auswins s: Fl., Fellamezels 40 Pl. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o 0 0 O O O O O O O O O o o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 214. Donnerstag, den 12. September 1907. 39. Jahrg. zuDie Zustände in Persten. Der kürzlich ermordete ehemalige Großvesir, letzt Ministerpräsident Ali Asgar Chan, Emine tan, war unstreitig die interessanteste Persönlichkeit der neuesten persischen Geschichte. Er hat nur ein Alter von etwa 50 Jahren erreicht. Nach dem Tode seines Vaters, 1884, der sich von einer sehr bescheidenen Stellung am Hofe Naßr ed Dins zum Finanzminister aufgeschwungen hatte, ging dessen Amt auf ihn über. Der Schah hatte sofort die ungewöhnliche Intelligenz Emin es Sultans erkannt, und so stieg er rasch empor. Noch jung an Jahren wurde ihm das Ministerium des Innern, der Finanzen und des Königlichen Hauses übertragen, und bald war er der mächtigste Mann im Staate, neben dem die übrigen Minister zu unbedeutenden Ressortchefs herabsanken. Als Großvesir leitete er die Politik Persiens ganz selbständig, die anfangs sich ganz in englischem Fahrwasser zu bewegen schien. Bald aber, durch Rußlands Drohungen eingeschüchtert, änderte Persien diese Richtung, und als England gar den Fehler beging, ihm seine finanzielle Hülfe zu verweigern, und Rußland die Gelegenheit mit Freuden ergriff, Persiens einziger Staatsgläubiger zu werden, geriet die persische Politik in unrettbare Abhängigkeit von Petersburg, die erst durch den japanischen Krieg und die neuesten Ereignisse in Persien einigermaßen gelockert werden konnte. Bei dem durch die Ermordung Naßr ed Dins so plötzlich eingetretenen Thronwechsel war es lediglich den umsichtigen und kräftigen Maßregeln des Großvesirs zu verdanken, des überall im Lande Ruhe und Ordnung erhalten blieben. Der neue Schah beließ ihn daher auch in allen seinen Aemtern und vertraute sich ganz seiner Führung an. Sehr bald jedoch verstanden es die mächtigen Gegner Emin es Sultans, entscheidenden Einfluß auf den Herrscher zu gewinnen, und schon im November desselben Jahres wurde der Großvesir entlassen und nach Kum verbannt. Das Volk glaubte, daß dieser Wechsel eine Abkehr von dem despotischen Regiment Naßr ed Dins und den Beginn einer neuen Zeit bedeute, mußte aber bald gewahr werden, daß es sich nur um Palastränke handelte, die durch den oft genannten Prinzen Ferman Fermah geleitet, den einzigen Zweck verfolgten, die Umgebung des neuen Schahs auf Sprüche. Noch Jeder, der als Christ durch diese Welt gegangen, Er war von und durch Gott auch in sich selbst gefangen. O herrlichste Tröstung im Tränental: Man siegt auf ewig— und kämpft nur einmal! Noch jeden, den Gott heimgebracht, Hat— einsam er zuvor gemacht. Geheimnis des Lindenhofes. Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau. 4. „Allmächtiger Himmel! und mit all diesem Reichtum vergräbst du dich hier in dieser Einsamkeit? Warum heiratest du nicht? Warum gehst du nicht nach London oder bereisest den Kontinent— oder gehst irgend wohin, wo es dir gefällt?“ „Frage mich lieber, warum ich mit all diesem Reichtum nicht der alten Betty zu Hilfe komme?“ versetzte Templeton. „Nun, und warum tust du es nicht?“ Hermann Templeton antwortete nicht sogleich. Erst nach einigen Minuten sagte er:„Du sprachest neulich die Absicht aus, Betty zu besuchen. Wie wäre es, wenn du diesen Plan jetzt ausführtest; keine Zeit wäre geeigneter. Wenn du sie fragst— vielleicht auch ohne dein Fragen,— wird sie dir mitteilen, warum sie keine Unterstützung-von mir empfängt.“ „Also du willst mich nicht begleiten?“ „Nein; du kannst allein den Weg zum Lindenhofe finden— d. h. wenn das, was du hören wirst, dich nicht so abschreckt wie viele andere.“ Nach diesen Worten sprang Templeton über einen niederen Zaun und schlug einen Feldweg ein, der nach dem Lindenhofe führte. Ganz verdutzt blickte Weston ihm nach, unschlüssig, ob er dem Freunde folgen oder die alte Betty aufsuchen solle. „Ich glaube, diese verwünschte Geheimnistuerei schamlose Weise zu bereichern. Lange jedoch dauerte deren Herrlichkeit nicht, denn schon nach zwei Jahren sehen wir Emin es Sultan wieder am Ruder. Vom Schah bei seinem Kampfe gegen seine Widersacher vollständig im Stich gelassen und außerstande, den übertriebenen Geldforderungen der Günstlinge des Schahs gerecht zu werden und den finanziellen Ruin des Landes aufzuhalten, nahm der Großvesir im September 1903 seine Entlassung, trat eine Reise um die Wel an und lebte seitdem in freiwilliger Verbannung in Europa, ruhelos von einem Ort zum andern reisend. Die Mißwirtschaft seines Nachfolgers, die Ereignisse des vorigen Sommers und die Einführung einer parlamentarischen Regierung sind noch in frischer Erinnerung. Als bei dem in diesem Winter erfolgten Tode des Schahs Moßaffer ed Din die Lage aufs äußerste verworren war, hielt sowohl die Regierung als auch das Volk Emin es Sultan für den rettenden Mann. Er wurde zurückberufen, trotzdem er die Rückkehr schon mehrfach ausgeschlagen hatte, und ihm der Vorsitz im Kabinett übertragen. Das Amt des Großvesirs ist seit diesem Frühjahr abgeschafft. Er hatte sich aufrichtig auf die Seite des Parlaments gestellt und wußte, eine wie undankbare Aufgabe ihn erwartete. Jetzt hat er seinen Patriotismus mit dem Tode bezahlt. Er schwankte unentschlossen hin und her und büßte so das Vertrauen. er Regierung und des laments ein. Die augenblicklichen Zustände in Persien sind allerdings auch derart, daß selbst ein größerer Geist, als Emin es Sultan es war, an ihrer Gesundung verzweifeln könnte. Das finanzielle Elend ist so groß, daß es zu verwundern ist, wie die Staatsmaschine überhaupt noch arbeiten kann. Beamte und Heer sind seit langer Zeit nicht bezahlt und das Elend ist allgemein. Die Regierung schiebt die Schuld dem Parlament zu, das die Zustimmung einer äußeren Anlgihe verweigert hat, und dieses fürchtet, daß wie früher das Geld in den Taschen der Machthaber verschwindet. Die Nationalbank, auf die man so große Hoffnungen gesetzt hat, kommt auch nicht vom Fleck, denn man zeichnet wohl, aber zahlt nicht, weil niemand Zutrauen zum Bestand der Dinge hat. Dazu hat sich die Mollahpartei, die anfangs durchweg radikal war, gespalten, und Faslollah, das Haupt der Rückschrittler, sitzt mit übt schon ihren Einfluß auf mich aus,“ murmelte er, als er endlich zu dem Beschlusse gekommen, das letztere auszuführen.„Warum erfaßte mich nun soeben eine wahre Panik bei dem Gedanken, die Ansichten eines alten Weibes über irgend eine Greueltat anzuhören, die kein vernünftiger Mann für möglich halten würde? Ich werde wahrhaftig nervös— das muß anders werden.“ Betty Allansons Hütte war noch älter als sie selbst, denn schon der Gatte der Greisin hatte in der kleinen Wohnstätte das Licht der Welt erblickt. Zwei ausgetretene Stufen führten zu der Türe, an welche Weston so lange klopfte, bis ein barfüßiger Junge ihn aufklärte, daß Betty fast ganz taub sei und ihn nicht hören könne. Kurz entschlossen öffnete nun Weston die Türe und trat ein. Die Alte kauerte neben dem Feuer, die Ellenbogen auf die Knie gestützt und eine kurze Pfeife rauchend. Ihr blaues Kleid von Baumwollenstoff, nach einfachstem Schnitte gefertigt, die weiße Haube mit dem schwarzen Bande, sowie alles was sie umgab, waren von peinlichster Sauberkeit. Die meisten Möbel, welche das Stübchen aufzuweisen hatte, schienen wie ihre Eigentümerin sich im letzten Stadium des Verfalls zu befinden, während das mit Zuckerwaren garnierte Fenster für Kinderaugen einen verführerischen Anblick darbot. Robert Weston hatte h'nreichend Zeit, diese Beobachtungen anzustellen, denn die Alte nahm gar keine Notiz von seiner Anwesenheit Erst als er sich ihr näherte und leicht ihre Schutter berührte, erhob sie ihr runzeliges Gesicht und beschattete die blöden Augen mit der Hand „Was wollt Ihr?“ fragte sie. „Ich komme, um ein wenig mit Ihnen zu plandern, Betty,“ schrie Weston ihr ins Ohr.„Kennen Sie mich nicht m 11?“ „Nein, Euch henne ich nicht,“ versetzte die Alte. großem Anhang im benachbarten Schah Abdul Asim, um bei der ersten Gelegenheit einzugreifen und woglich dem ganzen Parlamentarismus den Garaus zu machen. Daß in den entfernten Provinzen Raub und Mord an der Tagesordung sind, ist leicht erklärlich, denn die Statthalter, die nicht wissen, wer der Mächtigere ist, der Schah oder das Parlament, können keine energischen Maßregeln treffen. Ernste Ereignisse stehen in Persien bevor, denn das Interesse eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung an der Erhaltung des autokratischen Regiments und die Indolenz der breiten Volksmassen sind zu groß, als daß der lebergang der Gewalt vom selbstherrlichen Schah auf das Parlament ohne große Erschütterungen vor sich gehen könnte. Was nicht jeder weiß. IX](Alkohol in den Tropen.) Dr. Ph. Kuhn, Stabsarzt beim Oberkommando der Schutztruppen, veröffentlicht in Nr. 30 der„Medizinischen Klinik“ einen sehr beachtenswerten Aufsatz über„Alkohol in den Tropen“. Er gelangt zu folgenden Schlußsätzen: Der Alkoholgenuß ruft in den Tropen gleichartige Schädigungen hervor, wie in einem gemäßigten Klima; er schädigt jedoch in viel höherem Maße. Es ist Pflicht der weißen Völker, die Eingeborenen durch gesetzliche Maßregeln gegen die Einfuhr alkoholischer Getränke zu schützen. Jedem Weißen ist in den Tropen die vollkommene Enthaltung von berauschenden Getränken anzuraten. Alle Bestrebungen gegen den Alkoholismus in den Tropen fallen solange auf unfruchtbaren Boden, als die Macht der Trinksitten bei dem einförmigen Leben in den Kolonien alle guten Vorsätze der einzelnen über den Haufen wirft. Kein Volk der Erde ist der Macht der Trinksitten so untertan, wie das unsere; der Deutsche bewahrt seine alkoholischen Bräuche treu bis in die heißesten Länder, oft getreuer als die Zugehökigkeit zu unserm Volke. Darum muß der Hauptkampf gegen den Alkoholismus der deutschen Kolonien in der Heimat gekämpft werden. Die Beseitigung der verderblichen Trinksitten, welche das Ziel der Antialkoholbestrebungen in Deutschland ist, wird den deutschen Kolonien einen gewaltigen Ausschwung bringen. Weid), dad Se uuich icherall eld euten Beston ertennen würden. Jetzt erhob sich die Alte langsam von ihrem Stuhl, legte die welke Hand auf seinen Arm, während sie mit dem Zeigefinger der anderen seine Gesichtszüge nachzuzeichnen schien. Robert Weston war ein großer, schlanker Mann mit dunklem Haar und Taint, schwarzen Augen und fast weiblich zarten Zügen. Nach einer kurzen Musterung setzte Betty sich wieder nieder„Ihr seid ein Weston,“ sagte sie,„und viele sind nicht mehr übrig. Seid Ihr der Robert von über der See?“ „Ja, der Robert, der vor langen Jahren für Sie und viele andere eine rechte Plage war, Betty. Ja, leider ist's, wie Sie sagen; unsere Familie ist fast ganz ausgestorben und unser alter Wohnsitz in fremden Händen. Ich dachte häufig an Sie, Betty, selbst in Indien“„ Die Gefühle der Greisin schienen ganzlich abgestumpft; sie zeigte keine Spur von der Rührung, die der etwas gefühlvolle Robert Weston gerne bei ihr wahrgenommen hätte. Seine Worte dienten nur dazu, die Gedanken der Alten an die Gegenwart zu fesseln. „Die vornehmen Leute sind alle aus der Gegend fort,“ sagte sie.„Reiche Leute gibt's genug, aber keine vornehmen. Was kann mir alten Frau viel daran liegen? Ich weiß nur, daß die Vornehmen mich nicht zu den Gemeinde=Armen hätten kommen lassen. Es ist hart— ach, wie hart!“ „Die reichen Leute scheinen nicht sehr in Gunst zu stehen, Betty; aber einer von ihnen, Ward, war doch gewiß gut gegen Sie, um der Zeiten willen?“...„Hnislan Thuen Goht „Der?“ rief die Alte in schriuen Tonen.„Sehr hierher," sie leerte die Asche aus ihrer Pseise in die hohle Hand,„noch nicht so viel an Wert gab er mir! Glaubt Ihr, ich werde von diesem Volk etwas verlangen, das zu stolz ist, um unsereins nur anzusehen? „Nein, Euch benne ich nicht,“ versetzte die alte. Weiß ich nicht, daß er ein zerlumpter, barfüßiger Jun„Und doch rflegten Sie mir stets zu versichern, ge war, als sein Vater ihn hierherbrachte? Ich will Ihrer Herr alten Reichtum und Glück. Die Tochter des amerikanischen Millionärs Rockeseller, das reichste Mädchen der Welt, hielt sich auf ihrer Reise durch Europa in Wien auf. Diese Gelegenheit benutzte ein Herr, um an die Dame eine der schwierigsten Fragen zu richten. Es war die Frage:„Sind Sie glücklich?“ Fräulein Rockefeller zog die Augenbrauen ernst in die Höhe, griff sich nervös an die Stirn und sagte mit veränderter Stimme:„Glücklich? Kann man denn das Glück mit Geld erkaufen? Gibt es denn nicht ein Menge Dinge, die uns tief unglücklich machen können, ohne daß man sie durch Geld abwenden könnte? Und dann, sind denn nicht gerade die Verwöhnten empfindlicher gegen die Nadelstiche des Lebens, als die anderen Menschen? Nein, ich bin nicht glücklich! Sagen Sie es allen, die mich vielleicht beneiden!“ Der Berliner Briefträger ist wohl einer der größten Fußgänger der Welt. Die Rundgänge, die er auf seinen Touren inkl. Treppen und Heimweg zurücklegt, bilden pro Tag eine Strecke von über 30 Kilometer. In 335 Diensttagen macht diese Strecke im Jahre mehr als 11 000 Kilometer. Da der Umfang der Erde am Aequator ca. 40 000 Kilometer beträgt, würde demnach der Berliner Briefträger diesen Weg in ungefähr 4 Jahren zurücklegen. Die Briefe und Zeitungen, die er täglich austrägt, wiegen im Durchschnitt 20—25 Kilogramm, dies ergibt pro Jahr ein Gewicht von etwa 7500 Kilogramm. Der Briefträger steigt täglich ca. 100 Treppen a 10 Stufen gerechnet, was einer Jahresleiung von ca. 350 000 Stufen entspricht, ungerechnet sind dies etwa 100 000 Meter, was einer Besteigung des Montblanc und des Kilomandscharo zusammen gleichkommt. Kleine Chronik. Berlin, 9. Sept. Das Schöffengericht Berlin=Mitte sprach nach mehr als siebenstündiger Verhandlung den Obersten a. D. Gädke von der Anklage der unbefugten Führung eines Oberstentitels frei. Sämtliche Kosten des Verfahrens fallen der Staatskasse zur Last. Der Verhandlung wohnten der Generalstaatsanwalt Dr. Wähler, der Oberstaatsanwalt Dr. Isenbiel und im Auftrage des Kriegsministeriums der Geh. Kriegsrat Dr. Romen bei. Bravo! Ein Kesselsdorfer Bauerngutsbesitzer wollte vor einigr Zeit sein Anwesen an einen polnischen Güteragenten verkaufen. Der Handel kam jedoch dadurch nicht zustande, daß der Majoratsbesitzer von Wietersheim=Neuland das Gut zu einem Preise erwarb, der seinen tatsächlichen Wert bei weitem überstieg. Bern, 10. Sept. Am Hasliberg, oberhalb Meiringen, sind am Sonntag vermutlich beim Edelweißpflücken, zwei Knaben einer Familie Oehlmann aus Düsseldorf totgestürzt. Dieselben sind die einzigen Söhne einer Witwe. Sie standen im Alter von 12 bis 16 Jahren. Die Leichen sind fürchterlich zerschmettert. Warschau, 10. Sept. Wie aus Lodz gemeldet wird, erhielten viele Industrielle und Kaufleute Drohbriefe mit der Ueberschrift: Revolutionäre Partei, in denen Tausende von Bargeld gefordert werden und im Falle der Ablehnung mit dem Tode gedroht wird. Einige der Bedrohten reisen ins Ausland. Petersburg, 10. Sept. Aus dem Gouvernement Kiew und Siedletz werden furchtbare Brandstiftungen gemeldet, 130 Gebäude sind in den letzten Tagen durch Feuer zerstört worden. Industrie, Handel und Verkehr. Von Bedeutung sind für Beurteilung der allgemeinen Rentabilität die Abschlüsse unserer großgewerblichen Aktienunternehmungen im ersten Jahre der neuen Handelsvertragsperiode. Alle diese Abschlüsse sind freilich noch nicht veröffentlicht, immerhin aber war die„National=Ztg.“ doch schon vor kurzem in der Lage, folgende Zahlenangaben darüber zu machen. Sie zog dabei 2097 Aktiengesellschaften mit einem Nominalaktienkapital im Betrage von 8046 Millionen Mark in Betracht. Für dieses Kapital war im Jahre 1905 durch eine Dividendensumme von rund 686 Millionen eine durchschnittliche Verzinsung von 8,54 Prozent erzielt worden. Im Jahre 1906 stellte sich trotz Inkrafttretens der Handelsverträge die von denselben Aktiengesellschaften erzielte Gesamtdividende aber auf 744 Millionen Mark, die Durchschniktsverzinsung auf 9,24 Prozent. An dieser Verbesserung des Dividendenerträgnisses um zirka 58 Millionen und einer durchschnittlichen Zinssteigerung um zirka dreiviertel Prozent partizipierten sämtliche Branchen unseres Großgewerbes. Am geringsten war sie bei den Großbanken, 8,32 gegen 8,08 Prozent, wesentlich höher im eigentlichen Großgewerbe, so z. B. in der Hüttenindustrie 12,01 gegen 10,92 Prozent, im Bergbau 11,05 gegen 8,68 Prozent, bei der Maschinenindustrie 9,56 gegen 8 Prozent, in der Textilindustrie 9,08 gegen 8,40 Prozent. Die chemische Industrie mit ihren bekanntlich besonders hohen Reinerträgen ist hier noch gar nicht mit in Rechnung gestellt, trotzdem konstatiert die „National=Ztg.“ mit Recht, daß die absolute Höhe der im Jahre 1906 verteilten Dividenden durchaus dem Charakter eines hervorragenden Aufschwungjahres entspricht. Auch unser Großhandel scheint sich im Zeichen der neuen Handelsverträge besten Wohlbefindens und günstiger Entwickelung zu erfreuen. Konnte doch kürzlich das freisinnige„Hamburger Fremdenblatt“ konstatieren, daß unser Außenhandel— es konnte nur der Ueberseehandel in Betracht gezogen werden— in den ersten sechs Monaten dieses Jahres schon einen Einfuhrwert von 4350 Millionen Mk., einen Ausfuhrwert von 3350 Millionen Mk. repräsentiert habe. Die Steigerung betrug damit gegenüber der gleichen Zeit des Jahres 1906 bei der Einfuhr 1,6, bei der Ausfuhr sogar 14,9 Prozent. Im Vergleich mit dem ersten Semester 1905 aber ergibt sich sogar eine Steigerung von 29 resp. 26,7 Prozent. Vermischtes. *(Ein„Genosse“ vom„Teilen".) Ein charakteristisches Vorkommnis ereignete sich am letzten Sonnabend gegen Abend in einem Restaurant des unweit Leipzigs belegenen Städtchen Grimma. Ein als trunksüchtig bekannter Arbeiter war mit noch mehreren Genossen nach dem Gesange:„Hoch soll er leben usw.“ eben im Begriff, sein volles Glas zu leeren, als sich leise die Tür öffnete und bescheiden seine Frau hereintrat. Sie zählte 50 Pfg. auf den Tisch, welche der Mann vor seinem Weggange vom Hause seiner Familie als Wirtschaftsgeld für die kommende Woche zurückgelassen hatte, und forderte mit freundlicher Miene den fürsorglichen Gatten auf, den genannten Betrag doch lieber auch noch zu vertrinken. Sprach's und verschwand dem Gesichtskreis der verdutzt dreinschauenden Anwesenden. *(Spielverderber.) Eine kleine Gesellschaft fideler Herren wird im Hochgebirge vom Unwetter überrascht und muß zwei Tage unfreiwilligen Aufenthalt in einer Hütte nehmen. Nachdem alle möglichen Mittel zur Vertreibung der Langeweile erschöpft sind, kommt einer auf den geistreichen Einfall: Wer das dümmste Gesicht machen kann, soll eine Prämie erhalten. Der mit Beifall ausgenommene Vorschlag wird sofort in die Wirklichkeit umgesetzt und plötzlich erschallt es unisono: ren, das verbitte ich mir, ich hab ja gar nicht mitgespielt" Peege. Sechs und dreißig Jahre lang niederträchtig Zählte Peege sich zu Bebels Stab. Aber längst war er dadurch verdächtig, Daß er den Genossen Arbeit gab. Immer an des eig'nen Bauches Pflege Tätig, während der Geselle stöhnt, Hat als Tischlermeister dieser Peege Den Marxismus jahrelang verhöhnt. Doch der Wahlverein packt' diesen Kunden! Keine seiner faulen Phrasen zog. Weil der lenkbare Ballon erfunden, Wollte man's probieren— und er flog. Weinend bracht’ und mit gesträubten Haaren Peege Singern gleich die grause Mär. „Helfen Sie mir, Paul! Sie selber waren Auch doch'mal Engros=Konfektionär!“ „Dafür können Sie sich nichts mehr kaufen,“ Antwortete Singer mit Geschnauf. „Große Arbeitgeber läßt man laufen, Aber kleine hängt man dafür auf.“ Marktpreise und Ernte. Neuß, 9. Sept. Fruchtmarkt. Weizen, neuer, erste Sorte 21,40, zweite Sorte 20, 40 Mk., Roggen, neuer, erste Sorte 19,40, zweite Sorte 18,40 Mk., Hafer, erste Sorte 19,80, zweite Sorte 19,30 Mk. für 100 Kg. Maschinenstroh 19,00, Flegeldrusch 21,00 Mk. für 500 Kg. Kleien 6,50 Mk. für 50 Kg. Der Ausfall der diesjährigen Getreide= und Kartoffelernte wird infolge der abnormen Witterungsverhältnisse in den einzelnen Teilen unserer Provinz ein ganz verschiedener sein. Doch hat wohl überall das Einernten des Getreides dieselbe Schwierigkeit verursacht. In den Tälern ist man teilweise noch mit der Hafer=, Weizen= und Roggenernte beschäftigt, die sonst gewöhnlich bis Mitte August beendigt ist. Am besten von diesen drei Ernten ist die Haferernte in diesem Jahre ausgefallen; die Roggenernte ist eine gute Mittelernte, aber am spätesten und wenigsten befriedigend ist durchweg die Weizenernte ausgefallen. Auf den Höhen des Sauerlandes ist man zumteil mit der Roggen=(Wintersaat) und Haferernte beschäftigt. Der Sommerroggen ist noch etwas zurück. Mit dem Ertrage des Hafers ist man durchweg sehr zufrieden, dagegen läßt Roggen vielfach zu wünschen übrig. Auf den sehr hoch gelegenen Aeckern ist der Hafer noch vollständig grün, sodaß man befürchtet, bei weiterem Anhalten der nassen Witterung, ihn nicht reif zu bekommen; auch hier steht der Hafer gut. Nur hat er sich vielfach infolge der oft stürmischen Witterung gelagert und ist schwer zu schneiden. Auf dem steinigen Boden des Sauerlandes und dem Sandboden hat die anhaltend nasse Witterung nicht so viel geschadet, ja an manchen Steen überhaupt nicht, als auf dem schweren Boden des Hellwegs und der Börde. Da die Ernte in diesem Jahre sehr spät ist, so wird die Aussaat auch sehr spät werden. Auf den Höhen und im Sandboden sind die Kartoffeln gut; in den Niederungen hört man vielfach Klagen. Die Gartenfrüchte lassen mit Ausnahme der Kohlarten sehr zu wünschen übrig. Barmer Stadttheater. Samstag, 14. Sept. Außer Abonnement. Ermäßigte Preise. Anfang 8 Uhr. Erste Klassiker=Vorstellung zu ermäßigten Preisen: Don Carlos. Ein dramatisches Gedicht von Friedrich von Schiller. Sonntag, 15. Sept., nachm. 3 Uhr. Ermäßigte Preise. Husarenfieber. Lustspiel in vier Akten von Gust. Kadelburg und Rich. Skowronnek.— Abends 7 Uhr. 1. Vorstellung Abonn. A: Lohengrin. Romantische Oper von Rich. Wagner. „Herr Assessor Moeller hat gewonnen.“] Verantwortl. Redakteur: Johannes Braus. Dieser aber platzt empört heraus:„Meine Her=] Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Eruch fogen, wüch er bak. er dtchse, nich in die Aruenunterstützung zu bringen, weil ich mir eine Katze hielt.“ „Aber alle Vornehmen sind doch nicht weg, Betty. Da ist z. B. Ihr alter Freund Templeton im Lindenhofe,“ sagte Weston, mit dem verzweifelten Versuche, das kritische Thema endlich zur Sprache zu bringen. „Was! soll ich Hülfe annehmen, die mir einen Fluch zuziehen kann? Hermann Templetons Hände sind mit Blut befleckt; ich sagte es ihm ins Gesicht, als er mir vor Jahren Geld anbot. Ich bin arm, aber ehrlich; er soll mich nicht bestechen, meinen Mund zu halten, der schlechte Mensch, der Schande über ein altes, edles Geschlecht brachte. Sprecht mir nicht mehr von ihm; ich schließe ihm die Türe vor der Nase zu, wie es alle anderen auch tun müssen.“ „Aber ich glaube kein Wort von jener Geschichte, Betty.“ „Nicht glauben! Ihr werdet doch nicht auf dem Hofe eingekehrt sein?“ fragte die Alte mit einem Blick des Entsetzens. „Gewiß logiere ich dort,“ versetzte ihr Besucher. „Macht Euch fort!“ rief Betty, Hände und Augen erhebend;„macht, daß Ihr hinauskommt, sobald als möglich. Ein Mord ist darin geschehen, und die Leute sagen, daß die Toten nachts dort umgehen— viele haben sie mit eigenen Augen gesehen.“ „Unsinn, Betty!“ rief Weston empört;„das ist altes Altweibergeschwätz, weiter nichts.“ „Wollt Ihr mich vielleicht glauben machen, daß ich nicht an einem dunklen Abend mit meinen eigenen Augen Edith Templeton in ihrem Leichentuche gesehen habe, wie sie, blutüberströmt, an einem„Feiister des Hauses die Hände rang?“ fragte Betty, ettwas geärgert durch Westons Ungläubigkeit.„Aber außer mir haben noch viele sie gesehen,“ fügte sie ganz entschiehen bei. „Das ist abgeschmackt,“ murmelte Weston vor sich hin.„Edith, sein Liebling! Lächerlich!. Nun, Betty,“ fuhr er mit lauter Stimme fort,„wir wollen über diese Sache nicht weiter sprechen; denn ich weiß doch nicht, wie ich Ihr Vorurteil beseitigen könnte. Aber Sie werden sich doch nicht weigern, von mir eine kleine Hülfe anzunehmen.“ „Ich brauche nur wenig,“ versetzte die Alte. Aber eine Gunst könntet Ihr mir tun, Robert Weston— ich möchte kein Armenbegräbnis haben. Wollt Ihr mir versprechen, daß ich anständig neben meinem Manne und meinen sieben Kindern beerdigt werde, so kann ich ruhig sterben.“ „Dann sollen Sie ruhig sterben, Betty; denn ich will es gerne versprechen. Auch sollen Sie keine Unterstützung von der Gemeinde mehr annehmen. Ich werde zwar bald nach London zurückkehren, will aber in den Händen des Pfarrers eine Summe zurücklassen, die für alle Ihre Bedürfnisse ausreichen wird. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Betty?“ „Gott segne Euch! mein Herr,“ sagte die Alte, und die fast versiegten Tränenquellen begannen noch einmal zu fließen.„Das ist ja wie in alten Zeiten. Die Vornehmen waren nicht stolz, um mit uns armen Leuten zu sprechen. Eure Tante, Herr Robert— und sie war eine sechte Lady— pflegte oft bei mir zu sitzen und mit mir zu plaudern, gerade wie Ihr es jetzt tut. Ach, ich dachte nicht, daß die alten Zeiten noch einmal wiederkämen.“ „Es ist nur recht und billig, daß ich Ihnen helfe, Betty,“ sagte Weston.„Sie leisteten meiner Tante viele treue Dienste— auch den letzten Liebesdienst nach ihrem Tode. Dies wird wohl für den Augenblick genügen, fügte er bei, ein paar Goldstücke in ihre Hand gleiten lassend.„Ehe ich den Lindenhof verlasse, werde ich Sie noch einmal besuchen.“ „Laßt Euch warnen, Robert Weston,“ ries Betty, ihre welken Hände wie zur Beschwörung erhebend, als ihr Besucher sich zum Weggehen anschickte,„verlaßt jenes Haus auf der Stelle. Bleibt keine Minute darin — glaubt kein Wort, was er spricht. Mörder waren Lügner von Anfang an: und wer weiß, Euch könnte Euus Schnecktliched widerschsen. Wolk Ihr dus gueine Warnung hören und weggehen?“ „Haben Sie keine Angst um mich, Betty. Mir widerfährt nichts, und ich werde auch bald weggehen. Hoffentlich sehe ich Sie eines Tages noch über all diese Torheiten lachen. Sie glauben nicht? Nun wir werden sehen. Beruhigen Sie sich jetzt, gute Alte und leben Sie wohl! und ihr Kind, mögen Sie recht glücklich werden!" Hastig verließ Robert Weston nach diesen Worten das Zimmer, um weiteren Widerreden auszuweichen. Die Beschuldigung, de man gegen seinen Freund vorbrachte, war schrecklicher, als er erwartet hatte, diente ihm aber gerade deswegen zur positiven Erleichterung. Offenbar war der Lindenhof der Schauplatz einer entsetzlichen Tragödie gewesen, in welcher Edith eine Hauptrolle gespielt haben mußte. Denn Hermann, der seine Schwester fast abgöttisch geliebt hatte, vermied jede Erwähnung ihres Namens. Welches Verhängnis konnte das blühende junge Mädchen befallen, den Bruder einem Leben der Vereinsamung preisgegeben zu haben? Robert fühlte inniges Mitleid mit seinem Freund, den er als Opfer irgend eines fatalen, bis jetzt noch unaufgeklärten Zufalles betrachtete. Hermanns Heiterkeit und Seelenruhe sowie die zärtliche Anhänglichkeit seiner alten Diener trugen noch dazu bei, ihn in seiner Meinung zu befestigen. Die erste Person, die ihm bei seiner Rückkehr im Lindenhofe entgegentrat, war Hanna. Die Züge der treuen Alten zeigten stets einen eifersüchtigen, trotzigen Ausdruck, gerade, als ob sie beständig erwarte, irgend eine Beschuldigung gegen ihren Herrn zu vernehmen, und bereit sei, dieselbe voll Entrüstung zurückzuweisen. Diese Gemütsstimmung hatte jenes barsche, abstoßende Benehmen zur Folge, das Weston bei seiner ersten Unterredung so sehr aufgefallen war. (Fortsetzung folgt.)