Amtliches Kreisblatt Mmrmrrmmrnrhemmmmmrmeren für den kreis börde. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 13 Pf., Reklamezeile 40 P Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. 25 Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis r. 43 Bmi Schwerte. Celegr.Räresse: Braus, Schwerte=Ruhr i.. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr 59. Jahrg. Wie immer ist auch diesmal auf dem Katholikentage in Würzburg die soziale Fürsorge in grund der Verhandlungen gerückt worden. Man hat bei dieser Gelegenheit unter dem Ausdruck des Bevuu* erns über die Entlassung des Grafen Posadowsky die Befürchtung geäußert, daß auf biete jetzt ein Stillstand oder gar Rückschritt eintreten werde. Zwar hat Fürst Bülow feierlich erklärt, daß nach dieser Richtung hin keine Aenderung eintrete solle, gleichwohl aber traute man auf dem Katholikentage dieser Versicherung nicht recht. Nach unserer... nung sind aber diese Befürchtungen grundlos, und darf man der Erwartung Ausdruck geben, daß die sozialpolitsche Gesetzgebungsmaschine nicht ins Stocke geraten wird. Eben wird offiziös mitgeteilt, daß dem Bundesrat eine wichtige sozialpolitische Vorlage zugee gangen ist, welche eine Regelung der Frauena### bringt und vor allem üüber die Heimarbeit neue zeitgemäße Bestimmungen bringt. Es handelt sich u Vorschriften über die Nachtruhe der gewerblichen Arbeiterinnen, die in Uebereinstimmung mit den Abmachungen der Berner Konvention gebracht werden sollen und um solche über die Herabsetzung der elfstündigen Maximalarbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen auf zehn Stunden. Beide Bestimmungen bedeuten einen nicht unbeträchtlichen Fortschritt auf sozialem Gebiete, und es verdient hervorgehoben zu werden, daß von allen an der Konvention beteiligten Staaten Deutschland der erste ist, welcher mit der Einführung den Anfang macht, wie man ja auch deutscherseits an dem Zustandekommen der Konvention den größten Anteil hat. Von der größten Wichtigkeit und weittragender Bedeutung aber ist die Absicht, endlich die Heimarbeit zu regeln. Seit Jahren ist dieses Gebiet der Gegenstand der lebhaftesten Klagen im Parlament gewesen; gerade in der Heimarbeit spiegelt sich oft das entsetzlichste soziale Elend wieder, von dem die im Vorjahre stattgehabte Ausstellung von Erzeugnissen der Heimindustrie ein trauriges, aber beredtes Zeugnis ablegte. Die Kaiserin und andere hohe Personen sollen geradezu entsetzt gewesen sein, als sie hörten, unter welchen Arbeitsbedingungen usw. vielfach die ausgestellten Gegenstände hergestellt worden waren. Hier Wandel zu schaffen tut dringend not, obgleich man die Schwierigkeit der Regelung dieser Materie nicht verhehlen konnte, weil dabei andere Verhältnisse mitsprachen, als sie in den Fabrikbetrieben und Werkstätten selbst bestehen. Auch sind die Heimarbeiter teilweise von den Segnungen der übrigen sozialpolitischen Gesetzgebung bisher ausgeschlossen, ein Umstand, der nicht nur die Heimarbeiter selbst schädigte, sondern den sich auch gewisse Unternehmer zunutze machten, indem sie anstelle des Fabrikbetriebs die billigere Heimarbeit bevorzugten, zumal sie dabei auch noch an Abgaben Dem wird nun hoffentlich gründlich Oberbürgermeisters einen Ehrentrunk entgegen und sprach seinen herzlichen Dane für den Empfang. gus. Von Bielefeld ging die Reise nach der Westsanischen Hauptstadt Münster, wo der Kaiser nicht minder enthusiastisch willkommen geheißen wurde und mit seinem Dank für die Begrüßung nicht kargte. Abends war Illumination. Am heutigen Freitig findet die große Parade des westfälischen Armeekorps statt.— In Münster fand am Donnerstag in Gegenwart des Kultusministers Dr. Holle ein Festakt statt, in dem der Minister mitteilte, daß der Kaiser der Universität zu Münster in Anerkennung ihrer bisherigen erfolgreichen Wirksamkeit den Namen Westfälisché WilhelmsUniversität in dem Vertrauen verliehen habe, daß sie sich dieser Anerkennung dauernd würdig erweise. Parlamentstagung. Die erste Plenarsitzung des Reichstags wird, wie man annimmt, nicht vor dem 22. November stattfinden, da der 20. November, der erste Tag nach dem Ablauf der Vertagung, Buß= und Bettag ist. Die Absicht, den preußischen Landtag vor Weihnachten einzuberufen, hat man jetzt völlig fallen lassen, da die Beamtengehältervorlagen und der Etat erst zum Januar fertiggestellt werden können und andere Vorlagen, die eine Einberufung im alten Jahre noch notwendig machen würden, nicht vorliegen. Der Deutsche Katholikentag in Würzburg hat am Donnerstag seine Arbeiten beendet. Der nächste findet, wie schon mitgeteilt, 1908 in Düsseldorf statt. In der letzten Sitzung sprach Dr. Heim über die Dienstbotenfrage. Er sagte über dies bei den Hausfrauen besonders aktuelle Thema: Die Hausfrauen sollen sich einmal fragen, ob sie nicht selbst an den Klagen über die Dienstboten mit Schuld seien. Sie sollten sich fragen, ob die Dienstboten auch immer genug zum Sattessen erhalten. Es ist ja jetzt überall Gewohnheit geworden, daß die Dienstboten bei Gesellschaften das Essen erst dann erhalten, nachdem abserviert ist und die Speisen kalt sind. Oder es sind nur noch Knochen dabei Es heißt doch: Gib uns unser täglich Brot! Deshalb sollte wenigstens den Dienstboten das Brot nicht fortgeschlossen werden, wie es so häufig geschieht. Im Haushalt ist es ja leicht, die Arbeitszeit zu regeln, man sollte bedenken, daß auch ein Dienstbote Bedürfnis nach Schlaf hat. Ich will nicht von einer achtstündigen Arbeitszeit sprechen, wohl aber müßte ein Recht auf achtstündige Schlafzeit verlangt werden!"— Die Kohlenpreise. An den zuständigen preußischen Stellen wird laut„Magd. Ztg.“ im Hinblick auf den wachsenden Kohlenmangel und die Steigerung der Kohlenpreise die vorübergehende oder dauernde Aufhebung der bestehenden Ausnahme=Tarife für die Steinkohlen und Koks nach den verschiedensten Ausland=Gebieten in Betracht gezogen. Holland. Haag, 29. Aug. Verschiedene Delegierte der Haager Friedenskonferenz sind entschlossen, den Zusamfür 1914 zu beantradie Zentralregierung verfaßt, worin er ein Bündnis mit Deutschland und Amerika empfiehlt. Amerika. Präsident Roosevelt hat die Republiken von Mittelamerika zu einem Friedenskongreß nach Washington eingeladen. Marokko. Bei dem Kriegsminister El Gebbas trafen Reiter vom Sultan aus Fes ein, die berichten, daß die Lage in der Hauptstadt sehr ernst sei. Der Sultan befiehlt El Gebbas, ihm schleunig verfügbare Truppen zu senden, und zwar 800 Man, einschließlich bestimmter Teile der Mehalla El Marinas, von dessen Niederlage der Sultan nichts wußte. El Marina ist schwer verwundet und ohne Soldaten in El Ksar eingetroffen. Der einflußreiche Stamm der Rehamna weigert sich, den neuen Sultan anzuerkennen. Sämtliche Deutsche, der amerikanische Missionar Simpson und der englische Arzt Verdon, verließen am 25. August Fes. Die„Agence Havas“ teilt auf Grund vesonderer Informationen mit, General Drude verfüge zurzeit über annähernd 4500 Mann, von denen 500 Spanier seien. Die beschlossene Entsendung von zwei Bataillonen zu je 800 Mann wird den Effektivbestand auf 6000 Mann bringen. Hierzu kommt die Artillerie der französischen Schiffe, welche sich augenblicklich in Marokko befinden. Die marokkanischen Reiter sammelten sich 50 Kilometer von Casablanca entfernt. Nach Meldung einer anderen Zeitung aus Tanger soll in Fez eine Revolution ausgebrochen und der Sultan und seine Minister im Palast gefangen sein. Die Bevölkerung habe einen Sturm auf die Mauern versucht. Das Kanonenboot„Chamois“ ist von Toulon in Tanger eingetroffen. Unbestätigte Nachrichten aus Eingeborenerquelle besagen, daß Fez von feindlichen stämmen überfallen und geplündert worden sei. Aus Tanger wird noch gemeldet, Muley Hafid habe bekannt gegeben, daß er Vorbereitungen treffe, um für die Mordtaten in Casablanca Genugtuung zu leisten und sich mit den europäischen Mächten zu verständigen. Soweit bekannt, hat die Mehrzahl der südlichen Stämme Marokkos Muley Hafid zum Sultan proklamiert. Es heißt, daß Muley Hafid zurzeit an der Spitze bedeutender Truppen sich auf dem Wege zur heiligen Stadt Rabat befindet. In Tanger herrscht noch große Besorgnis, da man immer noch einen Handstreich seitens der Bergstämme befürchtet. sparten. Dem wird nun hoffentlich gründlich ein Ende gemacht, indem auf diesem Gebiete Einrichtungen getroffen werden, die geeignet sind, die soziale Lage mentritt einer neuen Konferenz der Heimarbeiter wenigstens etwas zu heben, wenn=sgen. gleich man sich nicht verhehlen darf, daß auch die neuen Bestimmungen nicht jenen Zustand herbeiführen werden, den man diesen armen und gedrückten Leuten wünschen muß. Dieses soziale Elend schädigt naturgemäß auch das gesamte nationale Vermögen und die wirtschaftliche Situation in vielen Gegenden in höherem Maße, als man vielleicht annimmt, und hierin Besserung zu schaffen bedeutet die neue Vorlage einen ersten Schritt auf dem schwierigen Wege. Politische Uebersicht. Die Enthüllung des Kaiser Wilhelm=Denkmals in Bielefeld hat am Donnerstag Mittag im Beisein unsers Kaisers, des Kronprinzen, der Prinzen EitelFriedrich und Oskar stattgefunden. Unter stürmischer Begrüßung fuhr der Monarch durch die festlich geschmückten Straßen zum Rathause, vor dem sich das mächtige Denkmal erhebt. Persönlich begrüßte der Kaiser seinen einstigen Erzieher Professor Dr. Hinzpeter, sowie den Pastor von Bodelschwingh, den bekannten Leiter der Bielefelder Anstalten. Nach der Enthüllung nahm der hohe Gast aus der Hand des Ungarn. In der ungarischen Ortschaft Fanad wurde der Oberst eines zu den Manövern durchmarschierenden Regiments von einem rumänischen Lehrer durch Worte beleidigt. Anwesende Offiziere entfernten den Lehrer. Die rumänischen Bewohner begannen hierauf das Gasthaus, in welchem die Offiziere sich aufhielten, zu stürmen. Das alarmierte Militär war gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Von den Rumänen sind zwei tot, 16 schwer, viele leicht verletzt. Rußland. Ernteaussichten in Rußland. Im Ministerium des Innern gesammelte Nachrichten besagen, daß auch im kommenden Jahre in vielen Bezirken eine schlechte Ernte zu erwarten ist. In denjenigen Gonvernements, in denen in diesem Jahre Hungersnot herrschte, sind die Ernteaussichten ziemlich gut, schlecht sind sie dagegen im Süden und im Westen, wo das Wintergetreide durch Frost und alles Sommergetreide und alle übrigen Saaten durch Trockenheit gelitten haben. China. Schanghai, 29. Aug. Das Blatt Nangfangpao meldet aus Peking, Juanschikai habe eine Denkschrift an Morenga und die Kapregierung. Von kolonialer Seite wird uns geschrieben: Ein interessantes Schauspiel vollzieht sich jetzt an der Grenze zwischen Deutsch=Südwestafrika und der Kapkolonie. Der aus der Internierung entlassene Morenga, dessen Einfall in das deutsche Schutzgebiet schon seit 14 Tagen erwartet und angekündigt wurde, ist dort nicht erschienen, er ist auf englischem Boden geblieben und plündert dort nach neueren Mitteilungen. Dieses Verhalten des Aufrührers ist erklärlich, er weiß genau, welche Kraft und Stärke die deutsche Truppe in der Verfolgung und Aufsuchung der Aufständischen entwickelt hat und kennt die Schwächen der Kappolizei genau. Als der Hottentotten=Aufstand in vollem Gange war und man sich in Deutschsand über die Untätigkeit der Kappolizei beklagte, da wurde von kapländischer Seite angegeben, daß die ganze dort verfügbare Polizeitruppe 70 Mann stark sei. Die Grenze erstreckt sich nur nach der Kapkolonie ohne Betschuanaland hin etwa 700—800 Kilometer weit. Was bei einer solchen Ausdehnung der geringe Bestand der Polizei vermochte, das haben wir genugsam erfahren. Dazu kam noch, daß die Polizei mit den Aufwieglern, Händlern, Schmugglern und Hehlern unter einer Decke steckte. Einen komischen Eindruck macht es, wenn der Gouverneur der Kapkolonie jetzt berichtet, alle verfügbare britische Polizei sei dorthin entsandt. Dort hat England gar nicht die Kräfte, um mit dem nötigen Nachdruck aufzutreten. Das weiß Morenga, und darum hat er sein Operationsfeld dahin verlegt und die samosen Kapitäne Simon Kapper, Lani, Bert und sogar Morris haben sich ihm angeschlossen. Um den Sonnabend, den 31. August, ein besonders günstiges Angebot Walvend-Enisorer S Neu eingetroffen sind: Herren-, Burschen- und Knaben-Hosen in Buckskin, Manchester und englisch Leder, jedes Teil Reise-Taschen in schöner Ausführung 98 Pfg. Ein Losten heste 0 unsere Pfg. 2 bis 4 Meter, Jeder dest J0 Sensationell billig sind Kleiderstoffe n 98 rig. Reinwollene Schotten, engl. Kostümstoffe, Reinwollene — Cheviots in allen Farben. Schürzen in grösster Auswahl, allen Façons, per Stück Sämtliche bekannt billige Artiker zu Sc Pfg. Zur gefl. Beachtung! Wir offerieren zum Schulanfang grosse Posten selbstangelertigter Knaben-Anzüge. Ganz bedeutend Unter sind wieder vorrätig! 99 0 Ui wortel 5 Störungen durch die Kappolizei zu entgehen, verändert er hin und wieder seinen Aufenthalt, er zieht öfters in die Berge und kommt aus ihnen wieder zum Vorschein. So erntet die Kapregierung die Folgen ihrer famosen„Neutralität“, sie hat sich damit eine Plage herangezogen, die sie nur mit großer Mühe wieder los werden wird. Wir können in Deutschland mit einer gewissen Genugtuung der Vorgänge in der Kapkolonie zusehen. Die Briten werden die Geister, die sie gerufen, jetzt nicht mehr los und werden starke Anstrengungen und Ausgaben machen müssen, um sich einigermaßen von ihnen zu befreien. Aus Stadt und Umgebung. Schwerke, den 30. August. **(Ueber die Lieferung von Arzneien an Krankenkassen=Mitglieder) haben der Minister für Handel und Gewerbe sowie der geistlichen, Unterrichts= und Medizinalangelegenheiten folgende Entscheidung getroffen: Den auf Grund des Krankenversicherungsgesetzes errichteten Krankenkassen steht nicht das Recht zu, ihren Mitgliedern aufzuerlegen, daß sie solche Heilmittel, Drogen und chemische Präparate, deren Einzelverkauf mach den bestehenden Vorschriften auf Apotheken nicht beschränkt ist, aus bestimmten Drogenhandlungen und anderen Kaufgeschäften oder aus den von der Kasse selbst eingerichteten Drogenniederlagen zu beziehen. Nach dem Krankenversicherungsgesetz darf ein solcher Zwang nur für Apotheken ausgesprochen werden. *( D a s W e t t e r i m S e p t e m b e r.) D i e W i t t e r u n g im September dürfte, wenn man dem hundertjährigen Kalender Glauben schenken will, in den ersten vier Tagen schön warm sein. Dann sollen Gewitter und starbe Regengüsse eintreten, vom 7. bis 20. aber werden wieder warme, sonnige Tage zu erwarten sein. Gegen Schluß des Monats wird die Witterung veränderlich, am 30. aber treten Niederschläge ein. Rudolf Falbs Nachfolger, der Meteorologe Bürgel, stellt für den September im großen und ganzen(d. h. mit Ausnahme einiger Tage zu Beginn des zweiten Monatsdrittels) schönes warmes Wetter in Aussicht. Den 7. September erklärt er für einen kritischen Termin von mitlerer Stärke, im 21. aber erblickt er einen kritischen Tag erster Ordnung, der leicht Vulkanausbrüche, Erdbeben und Grubenkatastrophen im Gefolge haben könne. *( H u f p f l e g e.) D a n k d e r b e l e h r e n d e n T ä t i g k e i t des landwirtschaftlichen Kreisvereins, sowie der Ortsvereine auf dem Gebiete der Hufpflege ist den Landwirten mancher Schaden erspart geblieben. Bei der Wichtigkeit eines guten Hufbeschlages und dem Nutzen sorgfältiger Hufpflege sei auch an dieser Stelle unsern Pferdebesitzern in ihrem eigenen Interesse dringend empfohlen, ihr Augenmerk auch in Zukunft besonders hierauf zu richten. Insbesondere ist darauf bit ie ichaicht s ust chrere Hufe eingefettet werden. (Bei der Eisenbahnverwaltung) ist der Antrag gestellt worden, Nickel in den Spezialtarif für bestimmte Stückgüter aufzunehmen. Zur Begründung wird angeführt, daß das teuere Zinn nach der ermäßigten Stückgutklasse abgefertigt würde, während für Rohnickel die Fracht nach der allgemeinen Stückgutklasse berechnet würde. Auch die Wettbewerbsverhältnisse der deutschen Nickelhütten gegen die ausländischen, besonders die englischen, französischen und amerikanischen, die in der Möglichkeit der Benutzung des Wasserweges den deutschen Werken gegenüber auf dem Inlands= und Auslandsmarkte einen bedeutenden Vorsprung haben, werden als Gründe für die Angemessenheit der begehrten Tarifermäßigung angeführt. *r(Vom Postneubau.) Am Mittwoch hat bereits mit schlichter Feierlichkeit die Grundsteinlegung zu unserem neuen Postgebäude in Anwesenheit, einiger Herren vom Kaiserlichen Postbauamt in Dortmund stattgefunden. Die Bauarbeiten schreiten rüstig vorwärts, und wenn ein schöner Herbst sie noch begünstigt, so wird man bald den stattlichen Neubau emporwachsen sehen, der in günstigster Lage der Stadt ihr einst zur Zierde gereichen wird. Wenn dann auch der Bauplatz der alten katholischen Kirche seine Bestimmung gefunden hat, so wird durch neuzeitliche Aenderungen— der Ausbau des Börsinghaus'schen Gebäudes wurde bereits erwähnt— das Straßenbild an dieser Stelle ein wesentlich besseres Gepräge bekommen. *(Evangelischer Arbeiter= und Bürgerverein.) Zu der 25jährigen Jubelfeier des evangelischen Arbeitervereins in Essen am 22. September wird der hiesige evangelische Arbeiter= und Bürgerverein eine Deputation von fünf Personen mit Fahne entsenden. (Schulentlassung zum Herbsttermin.) Die Königliche Regierung hat folgende wichtige Verfügung an die Herren Kreisschulinsektoren ihres Bezirks gerichtet:„Auf Grund des§ 9 der Oberpräsidialverordnung vom 9. Januar d. Is. ordnen wir hiermit an, daß eine Entlassung aus der Schule zum Herbsttermin im laufenden Schuljahr zum letzten Male stattfindet. Nach diesem Zeitpunkte ist bei der Schulentlassung nach den Bestimmungen der Oberpräsidialverordnung und unserer Ausführungsanweisung vom 15. Februar d. Is. zu verfahren. Um verschiedene uns vorgetragene Zweifel zu beseitigen, bemerken wir noch ausdrücklich, daß zum Schlusse des nächsten Winterhalbjahres alle Kinder, welche sich ausreichende Kenntnisse und Fertigkeiten erworben und das 14. Lebensjahr vollendet haben, oder es bis zum 30. September des Jahres vollenden werden, aus der Schule zu entlassen sind, auch wenn sie nur sieben Jahre die Schule besucht haben.“ ** Hohensyburg, 30. August.(Lehrerstelle.) Herr Lehrer Kaiser, der ein Jahr lang das orientalische Seminar in Berlin besucht hat, ist nun auf weitere 4 Jahre nach China beurlaubt. Infolgedessen wird die Schulstelle, die bisher vertretungsweise von Fräulein Gue aus Westhofen verwaltet wurde, wieder ordnungsmäßig besetzt werden. ** Hohensyburg, 29. Aug.(Die Reparaturarbeiten) am Hohensyburgdenkmal werden mit aller Beschleunigung ausgeführt, doch ist es trotzdem nicht möglich, den für die Fertigstellung in Aussicht genommenen Tag— 1. Oktober— einzuhalten. Die Kosten für die Ausbesserung werden mindestens 20000 Mark betragen. Geisecke, 29. Aug.(Gemeindevertretung.) In der Sitzung der Gemeindeverordneten wurde ein Gesamtschulverband Geisecke=Lichtendorf gebildet und als Vertreter die Herren Heinr. Spaemann, Druffel und Louis Fund und zu Stellvertretern die Herren Julius Stricker, Fritz Cordes und Heinrich Externbrink gewählt. Herr Landwirt August Gockel, der anstelle des verstorbenen Herrn Landwirts Spaemann zum Gemeindevorsteher gewählt und bestätigt worden ist, wurde in sein Amt eingeführt.— Die vorgelegte Umsatzsteuerordnung wurde angenommen.— In der Sitzung der Vertretung der Gemeinde Lichtendorf wurden die Herren Fritz Hohenschwert, Fritz Wortmann, Brauckmann, Brunnert und Frohne und zu deren Stellvertretern die Herren Schäfer, Bader, Poth, Ewald Dieckerhoff und Steinweg in den gemeinschaftlichen Schulverband gewählt. Die alte Feuerspritze soll verkauft und durch eine neue ersetzt werden. eer Berghofen, 29. Aug. Bekanntlich geht man hier schon seit Jahren mit dem Plane um, für das hiesige Kriegerdenkmal, dessen Ansehen durch einen angrenzenden Neubau arg in Mitleidenschaft gezogen ist, einen anderen Platz zu schaffen. Verschiedene in Vorschlag gebrachte Pläne haben sich als nicht geeignet erwiesen. Nunmehr hat sich Herr Frhr. von Rheinbaben, Haus Ruhr, dessen Grundbesitz in unserer Gemeinde ein sehr bedeutender ist, auf Ansuchen bereit erklärt, für das Denkmal einen wirklich schönen und geeigneten Platz kostenlos zur Verfügung zu stellen. Derselbe liegt dem jetzigen Stand des Denkmals schräg gegenüber, also an der rechten Seite der Chaussee und zwar von dem Frhrn. von Rheinbabenschen Gute, welches zurzeit von dem Pächter Klempt bewohnt wird. Hoffentlich läßt die Gemeindevertretung nicht mehr allzu lange auf sich warten, die Kosten für die Versetzung und Instandsetzung des Platzes zu bewilligen. Sölde, 27. August.(Das dritte Verbandsfest) des Ruhr=Lenne=Emscher=Feuerwehr= Gauverbandes wurde Sonntag und Montag in unserer Gemeinde gefeiert. Am Vorabend wurde ein Fakkelzug veranstaltet. Nach Auflösung des Zuges begann ein Kommers. Am heutigen Morgen fand um 5 Uhr Weckruf statt. Gegen 11 Uhr formierten sich die erschienenen Feuerwehren vor dem Gasthof„Zur Mühle" zum Festzug. Herr Lehrer Lindemann be * Langerfeld, 29. Aug. Hier Letzte Drathm.ldungen. Gelder nicht in die richtigen Hände gekommen seien, z. B. habe ein Geschäftsmann am Markt statt 10 Mark aus Versehen 20 Mark gegeben, als er aber nachhe auf das Streikbureau kam, waren in der Liste## 50 Pfg. eingetragen, die Sammler hätten also 19,50 unterschlagen. Durch diese Aeußerung fühlten sich die beiden Sammler, welche den Bezirk am Markt gehabt hatten, die Bergleute Sonnenschein und Blatt, be digt und stellten Strafantrag. Dallmer, welcher seine Aeußerung heute nicht beweisen konnte, wurde in eine Geldstrafe von 15 Mark genommen. ** Holzwickede, 30. August.(Ernannt.) Herr Pfarrer Mießner hierselbst ist zum Ortsschulinspektor für die evangelischen Schulen zu Holzwickede und das Hellweger Erziehungshaus ernannt. #*# Hörde, 29. Aug.(Ein beispiellos frecher Straßenraub) ereignete sich gestern abend hierselbst. Der Beamte Zöllner wurde von zwei Strolchen auf dem Heimwege zu seiner Wohnung an der Kipsburg überfallen und seiner goldenen Uhr und seines T##nringe beraubt. Die Täter, welche ihm einen Dolch auf Brust setzten und ihn mit Totschlag bedrohten, sind leider unerkannt entkommen. Westialen und Rheinland. * H a g e n, 2 9. A u g.( E i s e n b a h n z u s a m m e n stoß.) Heute vormittag 10,10 Uhr fuhr zwischen den Stationen Marienheide und Kotthausen auf der Volmetalbahn der Strecke Hagen=Gummersbach der Personenzug 9 auf den Anschluß 8550. Eine Dame erlitt eine Armverstauchung, der Lokomotivsührer des Anschlußzuges wurde leicht verletzt. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. * Hagen, 29. Aug.(Landwirtschaftliches Kreisvereinsfest.) Das diejährige Kreisvereinsfest findet nach zweijährigem Zwischenraum am 28. und 29. September wieder im Kaisergarten statt. Das Festkomitee entfaltet für dieses schöne Fest schon jetzt eine emsige Tätigkeit. 6 * Berchum, 28. August.(Wegebau.) Die Arbeiten zu dem Wege Berchum=Lennetal sind bereits soweit gediehen, daß man gegenwärtig mit dem Walzen der Steine beschäftigt ist. Der Weg wird somit in aller Kürze fertiggestellt sein. Hohenlimburg, 28. August.(Die Listerralsperre.) An der Lister, einem Nebenflüßchen der Lenne, ist die Listertalsperre geplant mit 22 Millionen Kubikmeter Stauinhalt. Die Baukosten sind auf 3 einhalb Millionen Mark veranschlagt. Von den für Verzinsung und Tilgung jährlich aufzubringenden 160 000 A sind dem Ruhrtalsperrenverein 75000 A zugedacht, während der Rest von der sich bildenden Talsperrengenossenschaft zu tragen ist. 3000 Mark sollen die an Lister und Lenne gelegenen Gemeinden aufbringen. Hier verspricht man sich von der Sperre einen günstigen Einfluß auf die Wasserverhältnisse der Lenne, Schutz gegen Hochwassergefahr und Vorteile für industrielle Anlagen. Letmathe, Plettenberg und Altena verhalten sich gegenüber der Beitragsforderung noch abwartend, während Nachrodt und Werdohl bereits einen Beitrag zugesagt haben. Die Stadtverordneten bewilligten heute gleichfalls einen jährlichen Beitrag von mindestens 300 A für die Dauer von 30 Jahren. Sie wollen den Betrag auf 500 A erhöhen, wenn die Nachbargemeinde Altena gleichfalls einen entsprechenden Betrag aufbringt.(Nach dem Verteilungsmodus entfallen auf Hohenlimburg 500 und auf Altena 600 A, auch wird die jährliche Beitragszahlung auf die Dauer von 50 Jahren gefordert. * Unna, 29. Aug.(Beim Stelzenlaufen tödlich verunglückt) ist in Wickede der 13 Jahre alte Schüler Franke. Er kam vor einigen Wochen bei diesem Spiel zu Fall und zog sich hierbei eine schwere Verletzung zu, infolgedessen eine Knochenentzündung entstand, die seine Aufnahme in das Krankenhaus zu Unna erforderte. Hier ist der Knabe am 23. d. Mts. von seinen Leiden durch den Tod erlöst worden. * Dortmund, 29. Aug. Hier ist ein Führer der christlichen Gewerkschaften, der seit 14 Jahren in Preußen ansässige Bergmann Johann Ankoni, ein heimatberechtigter Holländer, aus dem preußischen Staatsgebiet ausgewiesen worden. * D o r t m u n d, 2 9. A u g u s t.(( E i g e n a r t i g e Wette.) Am Hafengelände herrschte am gestrigen Nachmittag gegen 3 Uhr ein lebhaftes Tun und Treiben. Hunderte und überhunderte Personen harrten des Augenblicks, da der gegenwärtig in der Walhalla auftretende Fesselkünstler Marton, einer Wette zufolge, gefesselt an Händen und Füßen, von der Brücke aus in den Hafen springen wollte und um sich alsdann i ndem nassen Element von seinen Fesseln zu befreien. Herr Morton hatte jedoch die Rechnung ohne die Hafenverwaltung gemacht, denn diese verbot ihm, da der Fesselkünstler um Erlaubnis nicht angefragt hatte, kurzerhand sein Vorhaben. sauste der Wagen das steile Ufer hinab und begrub den Arbeiter unter dem Trümmerhausen. Schrecklich war der Leichnam zugerichtet. Einem andern Arbeiter sind bei dem Unfall beide Kniescheiben schwer erletzt und er mußte ins Lüdenscheider Krankenhaus ge2 Arnsberg, 20. Aug.(Unser neuer Regierungspräsident,) Herr von Schwerin, sollte bekanntlich anfangs September seine hiesigen Amtsgeschäfte antreten. Demgegenüber wird mitgeteilt, dap Herr von Schwerin zwar im Anfange des nächsten Monats nach hier kommen wird, um einleitend. die Beamtenschaft zu begrüßen, sodann aber nach 1urgem Aufenthalt einen längeren Sommer=Urlaub antreten * Attendorn, 29. Aug.(Der Herr Regierungspräsident) hat munmehr das Protektorat über die Gewerbeausstellung übernommen und das Ausstellungskomitee dahin beschieden, daß er persönlich die Ausstellung am 7. September eröffnen will. Lüdenscheid, 29. Aug.(Verurteilt.) Der wiederholt wegen Gewerbevergehens vorbestrafte Wirt Fritz J. von hier war vom hiesigen Schöffengericht wiederum wegen gleichen Vergehens zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt worden, weil er in der alkoholfreien Wirtschaft seiner Mutter alkoholische Getränke verzapft hatte. Die Berufung wurde verworfen. * Jüchen, 28. August.(Ungültiges Mandat.) Daß ein Stadtverordneter sechs Jahre sein Mandat ausübt und dann bei seiner erfolgten Wiederwahl die Entdeckung macht, daß er gar nicht wählbar ist, weil Nichtpreuße, dürfte wohl noch nirgends vorgekommen sein. Dieser Fall hat sich aber bei der kürzlich erfolgten Ergänzungswahl zum Gemeinderat hier ereignet und dabei sogar noch in der ersten Abteilung, wo der ausscheidende Ziegeleibesitzer, ein Lippe=Detmolder, wiedergewählt wurde. Nach vollzogener Wahl wurde die Nichtwählbarkeit entdeckt; infolgedessen muß nun nochmals gewählt werden. Elberfeld, 29. Aug. Der Agent Gustav Weringk, der sich in Inseraten anheischig machte, Geldbedürftigen Kapitalien zu verschaffen, wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, da es sich herausgestellt hatte, daß es ihm nur um die Vorschüsse der Geldsucher zu tun war und er sich gar nicht um die Beschaffung der verlangten Gelder kümmerte. * Essen, 29. August. Der Verein der Bahn= und Kassenärzte im Bezirk der Eisenbahndirektion Essen hat durch Rundschreiben vom 30. Juli 1907 seine Mitglieder ersucht die Frage zu beantworten:„Sind Sie für die gesetzliche Einführung der freien Arztwahl?“ Von den 170 befragten Bahnärzten haben 147 geantwortet und 23 nicht. Von den 147 haben sich 6 der Abstimmung enthalten, 33 Bahnärzte haben mit ja gestimmt. Dabei sind aber die verschiedensten Vorbehaltungen gemacht worden. Mit nein haben 104 gestimmt. * Düsseldorf, 29. Aug. Auf einer Automobilfahrt verunglückte in Baden=Baden die Gattin des Düsseldorfer Lotteriekollekteurs Schäfer. Die Frau ist tot, ein Sohn und eine Tochter sind schwer verletzt. * Köln, 29. Aug. Entgegen anderweitigen Nachrichten, wonach ein großes Kaiserwettsingen im Jahre 1908 in Frankfurt a. M. stattfinden sollte, ging dem Kölner Männergesangverein aus dem Ministerium die Mitteilung zu, daß noch keine definitive Entschließung erfolgt sei, der Wettstreit aber keineswegs im nächsten Jahre stattfinden werde. ist ein 14jähriges enden, porgen. Berlin, 29. Aug. Wie von orientierter Seite gend meldet wird, ist zwischen Deutschland und Rußland für den Fall, daß sich die Choleraepidemie weiter ausbreiten sollte, eine Sonderkonvention hinsichtlich der Ueberwachung der sanitätspolizeilichen Vorschriften in den Grenzorten geschlossen worden. Auf Grund dieser Uebereinkunft haben beide Regierungen das Recht, bei Choleraerkrankungen in den Grenzorten Spezialkommissare zu delegseren, die unter der Leitung des Ortsvorstandes sich über den Verlauf der Krankheit und über die zur Bekämpfung der Epidemie ergriffenen Mittel orientieren dürfen. Kleine Chronik. Landesverrat=Affäre? Koblenz, 29. Aug. Hier wurde ein Vizewachtmeister des Feldartillerieregiments Nr. 23 unter dem Verdacht des Landesverrats verhaftet. Es soll sich um die neuesten Druckvorschristen für die Artillerie handeln. Die Ermittelung erfolgte durch einen Kriminalkommissar in Herbesthal, der einen nach Paris reisenden Mann an der Grenze festnahm. Bei der Leibesuntersuchung wurden bei dem Festgenommenen die bei dem Koblenzer Artillerieregiment gestohlenen geheimen Druckschriften, welche von Offizieren unter strengstem Verschluß zu halten sind, vorgefunden. Bei dem verhafteten Zivilisten wurde noch eine ganze Anzahl von Adressen deutscher Unteroffiziere und Sergeanten verschiedener Artillerieregimenter gefunden Das Feldartillerieregiment ist gegenwärtig im Manöver. Der verhaftete Vizewachtmeister hatte das Wachtkommado zu befehligen und sein Bureau in dem Regimentsbureau eingerichtet. Man nimmt an, daß es ihm auf diese Weise möglich war, zu den geheimen Schriften zu gelangen. Eine sohr umfassende Untersuchung wurde sofort eingeleitet. Man spricht von weiteren Verhaftungen. Bozen, 29. Aug. Regierungsassessor Dr. Bauer aus Bozen, dr ohne Führer eine Tour auf den Wiesler Turm unternommen hatte, ist abgestürzt und tot liegen geblieben. Die Leiche ist geborgen. Wien, 29. Aug. Das 21. Landwehr=InfanterieRegiment hatte in vergangener Woche einen Marsch unternommen, der von 4 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags dauerte. Das Ergebnis war, daß 300 Mann erkrankten, davon 50 schwer; ein Mann ist gestorben. Deutsch=österreichisches Kriegerdenkmal. Breslau, 29. Aug. Ein Denkmal für preußische und österreichische Krieger des Feldzuges von 1866 ist heute vormittag auf dem Garnisons=Friedhof in Breslau enthüllt worden. Zu der stimmungsvollen Feier hatten sich die Spitzen der Breslauer Zivil= und Militär=Behörden sowie eine Abordnung österreichischer Offiziere eingefunden. Der Kaiser hatte sich durch den Flügeladjutanten Grafen von Schwerin vertreten lassen. Prinz Adalbert von Preußen. Kiel, 29. Aug. Prinz Adalbert wird, nachdem er den Dienst eines modernen Schlachtschiffes als Oberleutnant auf dem Linienschiff„Preußen" rennen gelernt hat, vom Herbst ab auf den kleinen Kreuzer „Danzig“ kommandiert. Schiffskatastrophe. Hamburg, 29. Aug. Das Segelschiff Prussia ist auf der Fahrt nach Port Townsend in der Flindersbay (Südwestaustralien) gesunken. Der Kapitän hat sich erschossen, 14 Passagiere und vier Mann ertranken. Streik. Hamburg, 29. Aug. Die Elektrizitätsmonteure beschlossen die sofortige Arbeitsniederlegung, weil die Arbeitgeber es abgelehnt haben, wegen ihrer Lohnforderungen mit dem Metallarbeiterverbande zu unterhandeln. Der Streik in Antwerpen. Antwerpen, 29. Aug. Wie vorauszusehen, ist die Aussperrung der Hafenarbeiter, welche die Bedingungen der Arbeitgeber unterzeichnet hatten, seit heute früh Tatsache geworden. Die Führer der Hafenarbeiter erklären, daß sie angesichts der Herausforderung der Arbeitgeber einen Aufruf an alle sozialistischen Verbände des Landes richten werden zwecks Unterstützung und Geldsammlungen. Auf Seiten der Reeder erklärt man dagegen, den Widerstand fortsetzen zu wollen, selbst wenn die jetzige Lage noch länger als einen Monat dauern würde. Bootsunglück. Paris, 29. Aug. Ein verhängnisvoller Bootsunfall, bei dem drei Mitglieder der Pariser Gesellschaft ertranken, hat sich in Cannes ereignet. Von dort unternahmen der Deputierte Antide Boyer, der Pariser Advokat Albert Cremieux, der Schriftsteller Normandy und die Schauspielerin Merot in einer Barke eine Spazierfahrt nach den Iles Lerius. Infolge der Unvorsichtigkeit der frohgeläunten Passagiere kippte das Boot um und alle Insassen ertranken, bis auf Boyer, der rechtzeitig gerettet werden konnte. Exekution. Petersburg, 29. Aug. Der Mörder des Chefs des Wiborger Zellengefängnisses Obersten Iwanow wurde heute Nacht in der Peter=Pauls=Festung durch den Strang hingerichtet. Er hat seinen Namen nicht genannt, sondern nur angegeben, zur fliegenden Kolonne der revolutionären Kampforganisation zu gehören. Antiklerikale Unruhen. Florenz, 30. Aug. Neue antiklerikale Unruhen haben hier stattgefunden. Die Volksmenge versuchte, die St. Elisabethkirche in Brand zu stecken. Marokko. Casablanca, 30. Aug. Eine spanische Abteilung, die gestern die Stadt verließ, um ein Lager außerhalb der Mauern zu beziehen, wurde von Marokkanern angegriffen. Die französischen Kreuzer gaben mehrere Granatschüsse gegen die Angreifer ab, worauf diese sich zerstreuten. London, 29. Aug.„Daily Mail“ berichtet aus Tanger, daß Raisuli verschmäht hat, auf das französische Angebot, ihn unter der Bedingung der Freigabe Macleans zu schützen, zu antworten. Wahrscheinlich wird er ablehnen. Unwahr ist, daß Raisuli bei dem letzten Kampf verwundet wurde. Nach der„Tribune“ hat er, da die scherifischen Truppen wegen des Ausbleibens von Sold zu desertieren drohen, Gelegenheit, in Tanger einzufallen. Sämtliche Stämme aus der Umgegend von Alkasar sind im Bunde mit ihm. Er hat auch die zweite Malhalla besiegt. London, 29. Aug. Wie in Masagan, so hat Muley Hafid auch in Tanger die aktiven Behörden durch Briefe in ihren Aemtern wenigstens bestätigt. Gleichzeitig hat er den Stämmen Angriffe auf die Franzosen bis auf weiteres untersagt und dem Chaujastamm befohlen, von Casablanca auf Marrakesch abzumarschieren. Den Ausländern müsse für erlittene Unbill wie die Ermordung Dr. Manchamps, Genugtuung gewährt werden, aber sie dürften sich auch ihrerseits keine Uebergiffe erlauben. Er hoffe auf baldige Herstellung geordneter Beziehungen zu allen Mächten. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. Sept.: Heiter bei Wolkenzug, normal, lebhafter 881655. Verantwortl. Redakteur: Hans Albrecht. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Hinweis! Der heutigen Auflage liegt eine Beilage der Firma Gebr. Stein, Schwerte bei, worauf wir unsere werten Leser besonders aufmerksam machen. Die Geschäftsstelle. * Carl Braus, Sehweite-Kuhf Grosse Marktstrasse 3—5. Gegründet 1868. Fernsprecher No. 62. Schnelle und saubere Anfertigung von Drucksachen jeder Art für Handel und Gewerbe, Behörde, Private, Vereine. Schnelle Lieferung. S# Elegante, moderne Ausführung. Visitenkarten, Verlobungs-Anzeigen,„Hochzeits-Einladungen, Geburts-Anzeigen, Trauerbriefe, Trauerkarten, Danksagungen, Hochzeits-Lieder, Hochzeits-Zeitungen, Glückwunsch-Karten, Briefbogen mit Monogramm. Billige Preise. Rechnungen, Postkarten, Briefbogen, Mitteilungen, Prospekte, Zirkulare, Empfehlungen, Reklamekarten, Avise, Kouverts, Quittungen, Adresskarten, Formulare e c c o n s e s e e j e d e r A r t e t c. e t c. s c c s e e e s e. , Briefbogen mit Monogr Mitgliedskarten, Statuten, Festkarten, Fest-Programme, Plakate, Diplome. Bekanntmachung. Unter Hinweis auf die Bestimmungen der§§ 53, sw 54 und 55 der Hinterlegungsordnung vom 14. März]# 1879(Gesetzsammlung Seite 249) machen wir die Bebeiligten darauf aufmerksam, daß in dem öffentlichen Anzeiger zum 35. Stücke des Regierungs=Amtsblattes das durch§ 57 a. a. O. vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen bei uns hinterlegten Massen veroffenrlicht worden ist, bei welchen imlaufe des Vierteljahres vom 1. Oktober 1907 bis Ende Dezember 1907 die Einstellung der Verzinsung bevorsteht. Arnsberg, den 9. August 1907. Königl. Regierung. Mahnke. Unter dem Schweinebestande des Metzgermeisters Schwerter Eichlinghofen ist die Rotlaufseuche festgestellt. W Barop, den 28. August 1907. Die Polizei=Verwaltung: Freitag. KATTT *„„* Geburtsanzeige. Die Geburt eines prächtigen Mädchens zeigen hochertreut an Eugen Krämer und Frau A Kenne geb. Klomel. Dortmund, den 29. Aug. 1907. 26 8 Delikatess-Sauerkraut empfiehlt D. Hesse, — Hagenerstrasse 13— Dr. Oetker’s VanillePudding Palber Empfehle zu Sonntag prima Rindfleisch — à Pfund 65 Pfg.— L. Seippel. Wer übernimmt eine Bügelmaschine gea raten? 20 Anfragen unter K. 3538 an die Expedition d. Schverter Ztg. In der Pastoratwiese und Munkenbeckswiese an der Schützenstraße am Sonnabend, den 31. August d. 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S SOHOOOOCOC%% Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts is Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und älteltes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o C COOOOO O O H O O 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.=Aäresse: Braus, Schwerte-Ruhr uund Foste. Der gemeinsame Aufstieg des lenkbaren MilitärLuftschiffes und des lenkbaren Motor=Luftschiffes des Freiherrn von Parseval. Der Mittwochnachmiktag bot Berlin ein seltnes Schauspiel, das, wenn es weiteren Kreisen bekannt geworden wäre, sicherlich eine Völkerwanderung im Gefolge gehabt hätte; denn es handelte sich um die gleichzeitige Auffahrt der beiden nach dem unstarren Prinzipe erbauten deutschen lenkbaren Motorluftschiffe, während das Luftschiff des entgegengesetzten Systems, des starren, in nächster Zeit seine Versuchsfahrten wieder beginnen wird. In dem Kreise der geladenen Gäste befand sich auch der Konstrukteur des letztgenannten Luftschiffes, Exzellenz Graf von Zeppelin, der die Manöver der beiden Luftschiffe mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgte. Weiter sahen wir außer den Offizieren des Luftschifferbataillons, an ihrer Spitze der Kommandeur Major Groß, den Nachfolger des früheren Inspekteurs der Verkehrstruppen Generals der Infanterie von Werneburg, Generalmajor v. Lincker, Generaldirektor Rathenau mit Gemahlin, den Schatzmeister des Berliner Vereins für Luftschiffahrt, Herrn Gradenitz u. a. m. Wie einträchtig die Herren arbeiten, mag daraus hervorgehen, daß Hr. Leutnant Gerotz mit 60 Mann vom Luftschifser-Bataillon zu den von Parsevalschen Versuchsfahrten kommandiert worden ist. Der Militärballon war unter Führung des Freitag, den 30. August 1907. Ae Gag der Golehlane. 5 Sultan Mulay Hafid befindet sich auf dem Abmarsche gegen Casablanca, und die Lage der Franzosen unter ihrem General Drude ist keineswegs beneidenswert, da zu den 10000 Marokkanern, die jetzt bereits in dem Lager von Taddert im Südwesten der Stadt liegen, jetzt noch weitere 10000 des Sultans hinzukommen werden. Freilich hat der Sultan angeblich erklärt, daß die Franzosen mit der Bestrafung der Cegehen ree. es 8 e c e *Darb G Mediuns Dar el-hadiben Sase Tot, i. Zenste Mo-ge P Sg # 886: Brahihr d e# gsdmirt# eDaß el Adi 896-740.8 ! *8enlusc a g.) ber uichasg aPC hiss ** S: Oace „S: Sald bu Athmen 8 10 S 6 S e e-äun : Darl 23 Chentufi d Hamo S: AOMar 1 &a S! Salhs Raeg C ar bichss gn Ber Rechid Schuldigen von Casablanca im Rechte seien. Er hat aber auch hinzugefügt, daß jedestweiteres Vorgehen der Franzosen sofort den heiligen Krieg nach sich ziehen werde. Wo nun hier die Grenze, das den Franzosen angeblich Erlaubte und Unerlaubte, zu ziehen ist, darüber werden sich die beiden Gegner kaum einigen können, und werden wir wohl schon in Herrn Hauptm. Sperling bereits um 2 Uhr mittags den nächsten Tagen aus der unmitelbaren Ungegend von Casablauca von ernsten Zusammenstößen hören. aufgestiegen und nahm seine Richtung nach Spandau, wo er in einer Höhe von 500 Metern nahezu eine Stunde über der Stadt stehen blieb und dann seine Rückfahrt antrat, aber dann bis 5,30 Uhr über dem Uebungsplatze manövrierte. Sodann ging er zur Erde und nahm den Inspekteur der Verkehrstruppen in den Korb, um sich nochmals auf etwa 20 Minuten zu erheben. Um 5,45 Uhr wurde der„Parseval“ aus der Halle gebracht, der sich dann bald mit dem Herrn Hptm. v. Kehler und Hptm. v. Knopf in die Lüfte erhob und dieselbe Richtung nach Tegel zu nahm. In einer Höhe von 800 Meter war der Wind derart stark, daß der Ballon nur mit Mühe manövrierbar war. Es wurde daher in tiefere Luftschichten heruntergefahren, und 8 Mein Glück bist du. Ob sie mich liebt? so frag' ich Wohl tausendmal; Und immer wieder zag' sich— O welche Qual! Es gibt mur eine Kunde, Die bringt mir Ruh'— Hör' ich aus deinem Munde: Mein Glück bist du! in einer Höhe von 300 resp. 200 Meter wurde dann die Rückfahrt mit recht guter Geschwindigkeit zurückgelegt. Nach einstündiger Fahrt gingen die Herren zur Erde, desgleichen der Militärballon, der zum vierten Male aufgestiegen war und mit dem„Parseval“ zu gleicher Zeit manövrierte. Wollte man einen Vergleich zwischen den beiden Ballons ziehen, so fiele dies einigermaßen schwer, wenn man nicht vielleicht die schlankere Form des„Parseval“, wie die geräuschlose Arbeit seines Motors als Vorzüge gelten lassen will. Die Motore beider Luftschiffe arbeiten tadellos und sicher, und die Schiffe gehorchten ihrem Steuer prombt und willig. Die Wendungen vollzogen sich glatt, und die Lenkung resp. Führung geht spielend vor sich. Ohne Mühe werden die Undinge aus und in ihre Hallen geführt. Alles vollzieht sich in der größten Ruhe. Vom sozialen Felde. Berechtigter Arbeiterwunsch. Kürzlich hatte ich, so lasen wir jüngst, Gelegenheit, mit Feldarbeitern heimwärts zu wandern und ihre Wünsche zu hören. Einer von den ältesten sprach sich über seine Lage ganz befriedigt aus.„Ich bin“, sagte er,„mit meiner Frau soweit gekommen, daß wir unser Häuschen nun schuldenfrei haben. Meine Frau und ich, wir hatten uns Der verlorene Sohn. Roman von Elsbeth Borchart. 32. Eng an ihn geschmiegt stand Frau Helmbrecht, und ein Freudenschrei verklärte die blassen, abgemagerten Wangen. Ein Licht in der Trübsal, ein Freudentropfen in dem Becher voll Wermut. „Wo ist Inge, warum begleitet sie dich nicht, EliI. 11414 — sie darf noch steht sabeth?“ „Inge war krank, Lieber nicht ausgehen.“ „Krank? Und das verschwiegst du mir?“ „Wozu sollte ich dich unnütz ängstigen? Es Gottlob besser mit ihr.“ „Und wo sist Grunow?“ Ein eiskalter Strahl überlief ihren Rücken. „Er ist verreist.“ „Jetzt gerade, wo Inge krank ist?“ „Zur Sorge liegt kein Anlaß mehr vor und—— seine Reise war auch wichtig und unaufschiebbar.“ Frau Helmbrecht wunderte sich selbst, mit welchem Mut und welcher Gelassenheit sie die Lüge aussprechen konnte. An Inges Lager hatte sie sich darin geübt. Helmbrecht merkte darum auch nicht das Geringste. Er war noch zu erfüllt von dem Gnadengeschenk, das der Himmel ihm mit der Wiedergabe seines Augenlichtes bescheert hatte. 4 Der Professor wünschte, daß er noch einige Zeit in der Klinik bliebe, und Frau Helmbrecht war sehr einverstanden damit. Der Gatte bedurfte noch in jeder Hinsicht der Schonung, und die Aufregung, der Schreck, der ihm daheim nicht erspart bleiben konnte, mußte nachteilig wirken. Inge erholte sich langsam, aber stetig. Mit der Zunahme ihrer Kräfte kehrte aber auch die Erinnerung, zuerst aus nebelhafter Ferne, verschwommen und ungewiß zurück, aber sie fing doch an, sie zu ängstigen und aufzuregen. Eines Tages fragte sie die Mutter, wo Hans eigentlich sei, und warum er gar nicht einmal schriebe. Frau Helmbrecht erschrak, obgleich sie diese Frage schon längst mit bangem Herzklopfen erwartet hatte. „Er schrieb ja, Kind.“ „Mutter, Mutter, du verbirgst mir etwas— es ist nicht so, wie du sagst.“ „Aber Inge, mein Kind.“ „Nein, täusche mich nicht länger, Mutter. Ich habe die Erinnerung an etwas Schreckenvolles, das meiner Krankheit voraufgegangen sein muß, oder sie gar hervorgerufen hat. Ich bitte dich, sage mir alles. Fürchte nichts, ich bin stark genug, das Schwerste zu ertragen. Wo ist Hanss— Mir träumte——doch—.—. Mutti du zitterst—— du bist so bleich—.—“ Inge hatte sich in ihrem Bett aufgerichtet, sie nahm der Mutter Hand und sah ihr flehend in die Augen. Ein Schwindel erfaßte Frau Helmbrecht. Sie wußte, daß jetzt die Entscheidung kam. Das Leben der Tochter hing davon ab, was sie antworten würde. Sie legte den Arm um sie, und zog sie an sich: „Mein liebes Künd,—— versprich mir— ruhig zu sein—— dich nicht aufzuregen.“ „Ich will ruhig sein, Mutti—— nur sage mir endlich: Was ist mit Hans?—— Ist es wahr, was ich zu träumen glaubte—— er wollte mich verlassen—— er hat— er— ist—“ mal versuchte sie, die Wahrheit, wenn auch nicht zu umgehen, sondern zu bemänteln. „Es wird sich alles als unrichtig erweisen— ein Verdacht ist so leicht erweckt.“ Inge schüttelte langsam den Kopf. Ihre Augen sahen mit todestraurigem Ausdruck zur Mutter auf, und ihre Stimme klang unheimlich ruhig. „Was hat er—— getan, Mutti?“ „Inge,—— Ich bitte dich—— frage nicht weiter.“ „Doch—— ich muß alles wissen, verschweige mir nichts—— die Qual tötet mich.“ Da ermannte sich die Mutter, und stockend, auf Umwegen, erfuhr Inge die ganze Schmach und Schande. Aber sie brach diesmal nicht zusammen. In den bangen Stunden, wo sie regungslos im Bett liegen mußte, hatte sie gegrübelt und gegrübelt, und ihre Phantasie, auf den Erinnerung aufgebaut, hatte sie der Wahrheit ziemlich nahe gebracht. Darum hatte sie jetzt aus dem Munde der Mutter nicht die niederschmetternde Wirkung wie damals, als Amtsrichter Volkmann ihr von ihres Gatten Flucht und von der beabsichtigten Verhaftung desselben gesprochen hatte. Frau Helmbrecht bewunderte ihrer Tochter Fassung. „Du warst so traurig, mein Kind, als du erfuhrst, daß du nun jede Hoffnung auf ein Mutterglück aufgeben mußtest; danke Gott, daß er sie dir nahm.“ Inge nickte trübe. „Ich verstehe dich, Mutter. Und— wann ist die Gerichtsverhandlung?“ „Volkmann sagte mir, in allernächsten Zeit, die Untersuchung ist beendet.“ „Und—— wenn er nun—— schuldig befunden —— wie lange wird seine Strafe währen?" „Ich weiß es nicht—— einige Jahre gewiß; doch bis dahin bist du frei, nichts soll dich mehr an ihn ketten, kein inneres, kein äußeres Band.“ Inge wandte sich ihr mit erstauntem Blick zu. Frau Helmbrecht seufzte schwer auf und noch ein=„Was meinst du damit, Mutti?“ vor unserer Verheiratung einige hundert Taler gespart, und mit diesem Gelde konnten wir eine Anzahlung auf unser Grundstück machen. Durch Fleiß und Sparsamkeit haben wir ein schuldenfreies Heim. Nur eines vermisse ich schmerzlich sin meiner Stellung als Arbeiter. Der Mensch lebt nämlich nicht allein vom Brot— das habe ich ja—, er braucht auch Liebe, Achtung und Entgegenkommen. Das alles fanden wir bei unserm alten verstorbenen Arbeitgeber. Aber der junge Herr läßt sich derartiges nicht merken. Er schindet uns zwar nicht, gibt uns Arbeit und Lohn; aber ein freundliches Wort, eine Anerkennung hört man nicht aus seinem Munde. Wie leicht könnte er uns glücklich machen!"— Wer keinen Weizen säet, kann auch keinen Weizen ernten, und wer nicht Liebe säet, wird auch nicht Liebe ernten. Ohne diese wird auch der Arbeitgeber nicht glücklich sein. Das Glück und der Segen des Arbeitgebers wie des Arbeitnehmers beruht auf gegenseitiger Achtung und Liebe. Hiermit sollte der Reiche dem Armen vorangehen; so wird er ihn auch für sich gewinnen. — Die Reichsregierung hat angekündigt, daß der schon früher erwähnte Gesetzentwurf über die Herabsetzung der weiblichen Fabrikarbeit von höchstens elf auf höchstens zehn Stunden ausgearbeitet ist. Die Vorlage wird dem Reichstag in seiner nächsten Session zugehen und dort zweifellos angenommen werden. Natürlich kann man den Wünschen beipflichten, die Fabrikarbeit des weiblichen Geschlechts nicht länger, als unbedingt erforderlich ist, auszudehnen, aber man wir damit doch die Hoffnung verbinden dürfen, daß in der gewonnenen Zeit sich namentlich die jungen Mädchen der häuslichen Arbeit widmen und in dieser zu lernen suchen. Daß es in diesen Kenntnissen bei den Fabrikarbeiterinnen stark fehlt, ist allbekannt. Budapest, 29. Aug. Der Generalstreik in Kuhlweißenburg dauert an. Fast alle Gewerbezweige häben sich demselben angeschlossen, die meisten Geschäfte sind gesperrt. Die ganze Stadt wird militärisch bewacht. Amerikanisches Getreide— die Ursache der Blinddarmentzündungen. Die zeitweise bestrittene Tatsache der Vermehrung der Blinddarmentzündungen ist soeben wieder durch das Reichsgesundheitsamt anerkannt worden. Umso mehr interessiert es, in der jüngsten Nummer der angesehensten englischen medizinischen Zeitschrift, des „Lancet“, eine sehr überraschende neue Vermutung über die Ursachen der schnellen Vermehrung dieser gefährlichen Krankheit zu finden. W. H. Battle, der gleichfalls die Vermehrung der Häufigkeit der Krankheit als Tatsache ansieht, ist nämlich der Ansicht, daß sie herbeigeführt werde durch außerordentlich kleine Eisenteilchen, eine Theorie, für die er eine ganze Reihe von Gründen und Belegen anführt. Woher stammen nun diese Eisenteilchen?Da ist nun Mr. Battle der Meinung,#daß das Anschwellen der Häufigkeit der Blinddarmentzündung sich zuerst in Amerika und zwar seit der Zeit bemerkbar gemacht habe, da Stahl= oder Eisenwalzen beim Mahlen des Getreides zur Verwendung gekommen sein. Nach Battle ist die Blinddarment zündung zuerst in den Städten häufiger geworden, wo zuerst diese Walzen zur Verwendung gelangten, verbreitete sich dann in die Dörfer und schließlich bei den Negern, die eine Zeitlang verschont geblieben waren; und diese Entwicklung entspreche genau der Verbreitung des Gebrauches gewalzten Kornes. Nach England sei dann die Blinddarmentzündung in demselben Maße vorgedrungen, als die Billigkeit des amerikanischen Getreides den britischen Wettbewerb unmöglich gemacht hätte; und so soll nach Mr. Battle der Siegeszug des amerikanischen Getreides zugleich die Vermehrung der Blinddarmentzündung begleiten. Diese überraschende Ansicht verdient jedenfalls die genaueste Prüfung, da, falls sie sich bestätigt, die amerikanische Zur Nevolution in Marokto. Nach den neuesten Berichten aus Maroksteht es wohl fest, daß die vornehmsten Kreise Marokkos in einer Versammlung zu Macrakesch beschlossen haben, den bisherigen Zultan Abdul Asis abzusetzen und an seiner Stelle den etwas jün geren Bruder des Sultans den bisherigen Gouverneur von Marrakesch Muley Hafid zum Sultan ausgerufen haben. Muley Hafid ist nur ein Jahr jünger wie sein Bruder und gilt als sehr energisch. Nach einer Meldung des„Temps“ aus Masagan hat der dortige Gouverneur dem französischen, Konsul Mitteilung von der Ausrufung Mulai Hafids zum Sultan gemacht und dabei geäußert, daß dieser den Thron annehmen müsse, auch wenn er nicht wolle, da er durch die Stimmung aller Stämme des Südens dazu gezwungen werde. Mulai Hafid hätte Marrakesch verlassen und den Marsch nach Setti angetreten, wo seine Ausrufung zum Sultan mit Begeisterung aufgenommen worden sei. „.IDOUTASIS SLiran von Marokka Aulei Hartz. Bruder des Sullans Getreideeinfuhr geradezu als eine Gefährdung der solksgesundheit bezeichnet werden müßte. Dann müßte auch die Arbeit der Walzenmühlen nach dieser Richtung unter das Mikroskop genommen werden. Kleine Chronik. Frankfurt a. M., 29. Aug. Der aus dem Schwarzwald stammende Fleischkonservenfabrikant Nelson Morris ist in Neuyork gestorben. Morris hinterläßt ein Vermögen von 40 Millionen Dollars. Aus Tokio einlaufende Nachrichten besagen, daß Ueberschwemmungen in der nächsten Nähe der Hauptstadt Tausende von Menschen obdachlos gemacht haben. Im Nordwesten der Hauptstadt sind über 1800 Häuser weggeschwemmt. 49 Leichen sind bis jetzt geborgen. 250 Personen werden noch vermißt. Alle Eisenbahnen, die nach Tokio hereinfahren, sind unbenutzbar. Bremen, 29. Aug. Die Bürgerschaft bewilligte 7964000 Mark zur Erweiterung der Hafenverkehrsanlagen zu Bremerhaven. Vermischtes. Zum Hau=Prozeß. Die„Köln. Ztg.“ schreibt über die Gedanken des Verteidigers Hau's, des Rechtsanwalts Dietz:„Die Verteidigung rechnet mit einer neuen SchwurgerichtsVerhandlung vor eingetretener Rechtskraft des Urteils oder, wenn diese Hoffnung fehlschlägt, mit einer neuen Schwurgerichts=Verhandlung nach eingetretener Rechtskraft. Das erstere müßte ihr deshalb weit erwünschter sein, weil es in diesem Falle micht des Vorbringens neuer Tatsachen bedarf, wie bei der Wiederaufnahme des zweiten Verfahrens. Schließlich winkt noch die Hoffnung der Begnadigung durch den Landesherrn, in dessen Gebiet das erste Urteil gefällt ist, im Falle Hau also durch den Großherzog von Baden. Eine Begnadigung Hau's kann heute aber noch nicht in Frage kommen, denn sie ist erst nach eingetretener Rechtskraft möglich. Die Gnade des Großherzogs von Baden könnte daher gegebenenfalls die Wiederaufnahme des Verfahrens überflüssig machen, nicht dagegen die erneute Schwurgerichts=Verhandlung als über die Verwirklichung sind nutzlos. Folge der Revision vor dem Reichsgericht. Auch dem Landesherrn soll eben nicht die Befugnis zustehen. in schwebende Gerichtsverfahren beliebig einzugreifen. So liegen die Möglichkeiten; Prophezeiungen *(Beraubung eines Eisenbahnzuges.) Die am Freitag, den 23. d. Mts. ausgeführte Beraubung eines Eisenbahnzuges bei Petersburg gehört zu den Bravourstücken der russischen Expropriatoren. Durch Spione erfuhren die Räuver, daß mit dem gegen halb zwei Uhr nachmittags won Petersburg nach Sestrorjezt avgehenden Zuge der Kassierer der Sestrorjezker Waffenfabrik Jermolajew etwa 30000 Mark Lohngeld mitfahren werde. Drei von der Räuberbande bestiegen schon in Petersburg denselben Wagen, in dem sich Jermolajew mit einem Schutzbeamten und zwei Dworniks befand. Als nun der Schaffner gleich hinter Petersburg die Billettkontrolle vornahm, sprang einer der Banditen auf, zog seinen Browningrevolver und mit den Worten:„Keinen Schritt vom Platze! Hände hoch!“, gab er das Signal zur„Expropriation“. Seine Komplicen richteten ihre Revolver auf Jermolajew und seine Begleiter und nahmen dann auf Befehl des Hauptmanns eine Taschenvisitation vor. Während dieser„Arbeit“ stand der Hauptmann Wache, beruhigte eine Dame, die Weinkrämpfe bekam, mit den Worten:„Beruhigen Sie sich, meine Dame, es wird Ihnen kein Haar gekrümmt!", und sagte dann kaltlächelnd zu einem Journalisten, der seine Börse in demn zitternden Händen krampshaft hielt:„Und Sie, mein Herr, können Ihre Börse einstecken; Ihr Geld brauchen wir nicht.“ Als aber einer der mitreisenden Dworniks die Gelegenehit benützte und seinen Revolver hervorzog, um einen Schuß abzugeben, da streckte ihn der Hauptmann blitzschnell nieder. Auch der auf den Schuß herbeieilende Oberst Antonow, der der Aufforderung„Hände hoch!“ nicht Folge leisten wollte, wurde durch einen Schuß in den Unterleib unschädlich gemacht. Nachdem die beiden Räuber das Geld an sich genommen hatten, zog der Hauptmann die Bremse, der Zugb lieb stehen, und das Trio konnte sich unbehelligt davonmachen. fest: „Eure Ehe wird geschieden werden.“ „Ah,“ sie wurde leichenblaß, aber sie erwiderte „Nein—— sie wird nicht geschieden werden.“ „Inge, wie soll ich das verstehen?“ „Meine Pflicht ist es, dann wieder zu ihm zurückzukehren. Ich habe vor dem Altar gelobt, Freud und Leid mit ihm zu teilen, bis—— daß der Tod uns scheidet. Denke nur, wenn ich ihn nun noch verließe, müßte er nicht ganz zu Grunde gehen? Ich will ihn aufzurichten versuchen, ihm helfen, ein besserer Mensch zu werden. Im Grunde ist er nicht schlecht, nur leichtsinnig—— glaube es mir, Mutter.“ „Ja, Inge, ja—— aber dein Leben, deine Stellung,— denkst du denn gar nicht an dich?“ „Wir könnten ins Ausland, vielleicht nach Amerika oder Deutsch=Afrika gehen, wo man uns nicht kennt. „O Gott,“ stöhnte Frau Helmbrecht auf und:„Laß es nicht zu, daß dieses großmütige Herz ein solches Opfer bringt,“ fügte sie innerlich hinzu. Aber all ihr Bitten und Flehen, alle vorgebrachten Vernunftgründe hatten keinen Erfolg; sie blieb fest. Sie wollte nicht einmal davon wissen, mit den Eltern nach Buchenau zurückzukehren; sie müsse in seiner Nähe bleiben, könne ihn vielleicht im Gefängnis besuchen und ihm Mut zusprechen, meinte sie. Doch Frau Helmbrecht drang solange in sie, bis sie endlich einwilligte, vorläufig mit nach Buchenau zu kommen. Die Befürchtungen, die Frau Helmbrecht infolge der erblärenden Aussprache mit Inge gehegt halte, trafen nicht ein. Im Gegenteil nahmen Inges Kräfte setzt rapide zu...,. Schnalf Honaent 8. Auch mit Helmbrecht ging es schneu vergauf. Das Glück sein Augenlicht wieder zu haben, gab ihm seine alte Kraft und Energie zurück, und er konnte es kaum erwarten, bis der Professor ihm endlich die erste Ausfahrt gestattete. Sein erster Weg war natürlich zu Frau und Tochter. Er hatte ihnen vorher nichts gesagt und wollte sie überraschen. In bester, frohester Laune langte er in der Rathenowerstraße an. Die beiden Frauen begrüßten ihn denn auch mit der erwarteten, freudigen Ueberraschung, und es entging ihm, wieviel Schmerz und Furcht dieser Freude beigemischt war. Helmbrecht nahm nun Inge in seine Arme und sah ihr prüfend ins Gesicht. „Du bist kränker gewesen, als man mir mitteille, Inge,—— dein Gesicht ist schmal und blaß.“ Inge lächelte.(6i, Mstauc. „Ich soll ziemlich krank gewesen sein, Väterchen —— doch jetzt bin ich gesund und bald wieder deine alte Inge.“ Sie lehnte sich schmeichelnd an seine Bruf... 7. Guumam9 Ast er noc „Wo steckt eigentlich Grunow: Isr er noch immer verreist?“ fragte er setzt. Iinge schwankte plötzlich in seinem Arm, so daß er sie festhalten mußte. „Was hast du, Kindchen, ist dir nicht gut?“. Er geleitete sie sorgsam zum Sessel, und sie sank erschöpft darauf zurück.„„ Wu., Kamchracht tapzt.# „Komm, Kavl!“ mahm Frau Helmorecht sehl das Wort,„lassen wir Inge eine Weile allein; sie bedarf noch immer der Ruhe." Helmbrecht folgte seiner Gattin willig in ein anderes Zimmer, das außer Hörweite des ersteren lag. „Was ist mit Inge, mit Grunow, Elisabeth? Ihr verschweigt mir etwas“, fragte er, als sie allein waren „Ja, Karl—— allerdings“, gab sie zur Antwort und ssuchte mit Mühe iihre Ruhe aufrecht zu erhalten. Die Aufgabe, die ihr sjetzt bevorstand, dem ahnungslosen Gatten das Furchtbare zu enthüllen, war wohl eine der schwersten, die sie zu erfüllen hatte. Und sie tat es schonend und gefaßt. Helmbrecht war kräftig genug, das Gehörte zu ertragen, aber sein Gesicht wurde fahl vor Schreck und Entsetzen, und anfangs fand er kein Wort darauf. Aber dann brach es aus ihm los, ein Sturm der Empörung. Kad anne Kuad doslt iuch werdant schaldt er olhlich,„nichts soll es mehr an den Verbrecher ketten.“ Es wurde Frau Helmbrecht sehr schwer, ihm daraufhin Inges Entschluß, zu ihrem Gatten mnach Verbüßung seiner Strafe wieder zurückkehren zu wollen, mitzuteilen. Helmbrecht fuhr denn auch, wie sie erwartet hatte, zornig auf. „Niemals—— ich dulde es nicht. Inge muß vor allen Dingen aus dieser Umgebung, die sie an ihr herbes Geschick erinnert, fort!“ Er fragte deshalb den Arzt, ob eine Uebersiedelung nach Buchenau schon jetzt stattfinden könne: „Mit Vorsicht kann es in einigen Tagen geschehen,“ antwortete dieser. Und nun machte Helmbrecht seine Familie mit seinem Entschluß bekannt. Inge war bleich vor Schreck geworden und wollte davon nichts wissen. Sie begegnete diesmal aber einem so entschiedenen Machtspruch des Vaters, wie sie sihn ihr gegenüber kaum je gehört hatte. Sie bat darum nur unter Tränen, wenigstens noch so lange bleiben zu dürfen, bis das Gericht entschieden habe. Der Arzt riet Helmbrecht, ihr zu Willen zu sein, und da die Verhandlung bereits in drei Tagen stattsand, so legte er diese Zeit höchst widerwillig zu. Es war am Morgen des Tages, der das Verdammungsurteil über ihren Gatten sprechen sollte. Inge slag nach Vorschrift des Arztes noch im Bett und trank den Kaffee, den die Mutter ihr gebracht hatte. Da wurde draußen an der Entreetür geläutet. Amtsrichter Volkmann fragte nach Herrn Helmbrecht. Helmbrecht empfing den ihm bereits bekannten Amtsrichter freundlich und fragte, was ihn so früh zu ihm trieb. (Forts. folgt.)