Alie Kreis- und Lekalpolizeilichen Verordnungen für den Nrets Hörde erlangen gemäst Bekanntmachung der Königl. Regteruun durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung““ verbindliche Kraft. o c OOOOGCPSSS.. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Die„Schwerter Zeltung“ erscheint täglsch, ausser Felertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlsch, bei der Post 42 Pl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illustrierter Famillentreund." o c 0 0 O 0 C O 0 O O O 0 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 13 Pf., Reklamezeile 40 Pf. Nr. 148 Haupt=Annoncenblatt. Druck u. Verlag von Sarl Braus. SOwerte. Ferusprech. Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus. Scwerte#ene . Aubr. Donnerstag den 27. Juni 1907. 39. Jahrg. Ser Die schöne Marianne in Tränen. Der schöne Marianne, wie die französische Republik scherzhaft in den eigenen Witzblättern genannt wird, schwimmt in Tränen, ihrem Stolz ist eine sehr bittere Wunde geschlagen worden. Man war an der Seine im hinter uns liegenden Frühjahr zu vergnügt, die Monarchen=Besuche jagten einander und ein Allianzvertrag folgte auf den anderen. Auch die Schmerzen des verbündeten Rußland konnten den Pariser Wonnetraum nicht beeinträchtigen, und die WinzerKravalle im französischen Süden gaben wohl Anlaß zu donnernden Zeitungs=Artikeln, doch im übrigen regte man sich nicht zu viel auf. Da kamen wie ein Blitz aus heiterm Himmel die Meldungen von wiederholten Meutereien in einem ganzen Infanterie=Regiment, das nur mit Mühe und Not und durch das feierliche Versprechen der Straflosigkeit beruhigt werden konnte. Das fidele Frankreich war sprachlos ob dieser Tatsache. Und dabei war sie, genau genommen, gar keine Ueberraschung, denn in den letzten Jahren sind aus Anslaß des Kirchenzwistes schon wer weiß wie viele Gehorsams= Verweigerungen vorgekommen, wenn das Militär einschreiten sollte. Aber für die ganze französische Presse war es ein stilles Gelübde, von diesen heiteren Dingen so gut wie garnicht zu reden, sie einfach tot zu schweigen. Es sollte niemand ahnen, wie untergraben die Disziplin in der vielgefeierten Armee der Republik war. Und nun gibt's nichts mehr zu leugnen, mit der Geschlossenheit des französischen Heeres ist es übel bestellt; trauernd sagt ein Pariser Blatt in beklommenem Tone, diese Vorgänge würden vielleicht mehr zur Vertreibung neuer Kriegs=Möglichkeiten beitragen als ein Dutzend Friedenskonserenzen im Haag. An der Seine hat man sehr ernst über die Unbotmäßigkeiten in der russischen Arwee gesprochen sund geschrieben— heute kann man sich an die eigene Nase fassen. Und die schöne Marianne wischt sich die Augen. Die radikale Regierung des Herrn Clemenceau und seiner Vorgänger in Paris haben gewußt, daß es doch vorgekommen, daß in den Kasernen ein Bild des „guten Onkel“ Loubet, des früheren Präsidenten, beschmutzt war, daß Spottlieder auf das Oberhaupt der Republik gesungen wurden. Die betreffenden Schuldigen kamen meist ganz gelinde fort, man wollte eben von diesen Dingen kein Gerede machen. Es ist nun mal eine sehr bemerkenswerte Gewohnheit der Franzosen, der Regierenden sowohl, wie der Regierten, alle Dinge, die dem Renommes des Staates wirklich schaden können, tot zu schweigen. Skandal=Geschichten von einzelnen Personen sind mit Wonne breit getreten, Dinge, bei denen die gallische Ehre ins Spiel kommt, soll niemand wissen. Nur keine schmutzige Wäsche vor dem Auslande waschen! Und wenn sonst dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten Clemenceau nichts aufs Schuldkonto geschrieben wird, dieser Trubel wird ihm nicht vergessen, über diesen Stein des Anstoßes stolpert er noch. Er hat ganz gewiß eine so grobe DisziplinVerletzung nicht herbeigeführt, aber unter seinim Regiment ist sie passiert, ergo— hat er die Sacheauszubaden! Seit 1899 ist die radikal=sozialistische Strömung in Paris am Ruder; die Premierminister Waldeck=Rousseau, Combes, Ronvier, Sarrien und jetzt Clemenceau haben während dieser Zeit die Geschäfte geleitet. Die Tonart ist immer schärfer, der Zwiespalt mit der Armer immer größer geworden, das Heer wollte nicht demokratisiert werden, wenn sich auch demokratische Kriegsminister fanden. Natürlich wird keine französische Armee gegen Frankreich auftreten, aber die ununterbrochene Wühlerei bekommt den Regimentern nicht. Ist die Disziplin locker, dann ist die Unzuverlässigkeit da; sie kann nicht einen Tag auf streng, einen anderen auf leicht gestellt werden, und das empfindet man in Paris sehr gut. Man wagt keine energische Bestrafung mehr, läßt diese Vorkommnisse einfach auf sich beruhen. Soll darin etwa die Garantie für eine Besserung in der Zukunst erblickt werden? Die schöne Marianne hat Anlaß zum Aufschluchzen! Aus dem französischen Senat. Paris, 26. Juni. Der Senat verhandelte über die Entlassung des Jahrganges 1903. Mehrere Redner der Rechten kritisierten den Gesetzentwurf. General Langlois vergleicht die Effektivstärke der deutschen mit der französischen Kavallerie und sagt, zu Frankreichs numerischer Unterlegenheit käme noch der Vorsprung, den Deutschland im Beginne seiner Mobilmachung habe. Langlois weist nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, eine starke Armee und eine unverletzliche Grenze zu haben. Das Parlament dürfte nicht hinter der Verantwortlichkeit der Regierung Schutz suchen. Die Weiterberatung wurde darauf auf heute vertagt. — Paris, 26. Juni. Die öffentliche Meinung in Paris beschäftigt sich jetzt weniger mit der Krisis im Süden als mit den Meutereien in der Armee, die überall höchst unliebsames Aufsehen machen. Die Zeitungen bringen darüber Artikel. Ein Ausfluß dieser Stimmung ist auch der gestrige Beschluß der Kammer, die Reform der Kriegsgerichte bis zum Herbst zu verschieben. Die 600 Mann des 17. Infanterie=Regiments, die nach Tunis versetzt worden sind, haben sich heute in Villefranche=sur=Mer eingeschifft. Politische Uebersicht. Rücktritt des Fürsten Hermann von HohenloheLangenburg. München, 26. Juni. Den kurz bevorstehenden Rücktritt des Statthalters der Reichslande kündigt die „Münchener Allgemeine Zeitung" an. Das Blatt meldet, der Statthalter von Elsaß=Lothringen, Fürst Hermann von Hohenlohe=Langenburg weile wegen seines Rücktrittes in Berlin. Der Fürst, ein Mutterbruder der Kaiserin, vollendet im August d. J. sein 75. Lebensjahr, so daß sein Rücktritt schon des hohen Alters wegen begreiflich erscheint. Veränderungen in höheren Beamtenstellungen. Berlin, 26. Juni. Die„Neue pol. Korrespondenz“ behauptet gleichfalls, daß bei der Teilung des Reichsamts des Innern ein Reichsarbeitsamt eingerichtet werden soll. Als Leiter dieser neuen Zentralbehörde werden bekannte Politiker, wie Freiherr von Gamp und Geheimrat Paasche genannt. Berlin, 26. Juni. Die Königsberger Hartungsche Zeitung bezeichnet den Oberpräsidenten in Kassel, früheren Polizeipräsidenten von Berlin, Herrn v. Windheim, als den aussichtsreichsten Kandidaten für das Oberpräsidium in Ostpreußen. Berlin, 26. Juni. Wie wir hören, wird der Unverstaatssekretär im Ministerium des Innern, Hengstenberg zum Oberpräsidenten von Hessen=Nassau und der Geheime Oberregierungsvat und vortragende Rat im Ministerium Dr. won Günther zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern ernannt. Richtet nicht! Novellette von Reinhold Ortmann. 2. Der Rat hatte ihn ruhig ausreden lassen. Jetzt blickte er noch eine Weile starr vor sich nieder, ehe er erwiderte: „Was Sie mir da sagen, erklärt Ihr Tun, Emminghaus.— Daß es jedoch nicht damit entschuldigt wird, darüber werden Sie sich selbst klar sein. Kein Zweck heiligt schlechte Mittel. Sie haben schwer gefehlt, und Sie müssen die Strafe auf sich nehmen. Ichkann Sie nicht verachten; aber ich kann Ihre Handlung auch nicht verzeihlich finden.— Das ist alles, was ich Ihnen zu sagen habe.— Ich will Sie nicht anzeigen, Emminghaus. Arbeiten Sie heute noch ruhig fort und dann erstatten Sie selbst die Anzeige gegen sich selbst! Daß Sie der Strafe nicht feige aus dem Wege gehen werden und etwa mit einem Selbstmord zu dem alten ein neues Unrecht hinzufügen— darauf kann sich mich doch wohl verlassen?“ „Ja, Herr Rat— darauf können Sie sich verlassen! Ich habe ja doch nicht mehr lange zu leben.“ „Dann gehen Sie an Ihre Arbeit, Emminghaus. Nach Ihrem Sohn will ich mich umsehen, solange Sie Ihrer Freiheit beraubt sind. Ist Ihnen das eine Beruhigung auf dem schwere Weg, den Sie vor sich haben? Keinen Dank— bitte!— Gehen Sie!“ In diesem Augemblick steckte ein Schreiber den Kopf zur Tür herein und mit einem neugierigen Blick auf den Bureauvorsteher sagte er: „Herr Bürkner ist da, Herr Rat! Er sagt, er sei hierher bestellt worden. Soll ich ihn hereinführen?“ „Ja!“ lautete die kurze Antwort Während Emminghaus sich scheu und gedrückt über die Schwelle schob, betrat ein elegant gekleideter, wohlgenährter Mann, dessen Augen mit offenkundiger Unruhe in den Zügen des Stadtrats zu lesen suchten, das Zimmer. Seine höfliche Anrede kühl und zurückhaltend erwidernd, deutete Sartorius auf einen Stuhl. „Bitte, nehmen Sie Platz! Ich habe Sie rufen lassen, um Ihnen mitzuteilen, daß ich Ihnen die Aufträge auf Asphaltierung der neuen Straßen entziehr.“ HHerr Bürkner fuhr in gut gespielter Ueberraschung auf. „Entziehen? Ich verstehe nicht!!— Ich glaubte, daß die bernits ausgeführten Arbeiten zu vollster Zufriedenheit ausgefallen sind.“ „An den Arbeiten selbst habe ich nichts auszusetzen. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß Sie die Preise für das Material um die Hälfte zu hoch angesetzt haben.“ „Man hat mich also bei der Stadtverwaltung verleumdet!! Ich kann meine Hand dafür ins Feuer begen, daß die von mir berechneten Preise nicht um eine Mark niedriger zu stellen waren.“ „Sie irren, wenn Sie glauben, es handle sich um die Denunziation eines Konkurrenten. Ich sagte Ihnen ja, daß die Tatsache mit Bestimmtheit erwiesen ist. Mir selbst fiel die enorme Höhe der Kostenberechnung auf, und ich zog einen Fachmann zu Rate. Er gab nach genauer Prüfung sein Gutachten dahin ab, daß die Summen mindestens um ein Drittel zu reduzieren seien.“ „So hat er sich eben geirrt! Was ich berechnet habe, habe ich bezahlt, und ich kann deshalb nicht vom Preise abgehen. Es kann nicht die Absicht der StadtVerwaltung sein, mich mit Schaden arbeiten zu lassen. — Ich lasse es mir nicht gefallen, daß man mir ohne Grund die Aufträge entziehen will. Ich habe mei# Vertrag, den die Stadt ebenso gut einhalten muß, wie ich.“ Er hatte sehr erregt und hochfahrend gesprochen. Hermann Sartorius zuckte die Achseln. „Wie Sie wollen! Ich habe Ihnen dann nichts weiter zu sagen.“ Bürkner betrachtete ihn mit einem bedauernden Blicks. „Werde ich auch die neuen Asphaltierungen auszuführen haben“ „Solange ich im Amte bin, nicht! Wenn Sie den Vertrag nicht gutwillig lösen, müssen wir gerichtliche Schritte gegen Sie einleiten; aber ich denke, Sie werden sich die Sache noch einmal überlegen.“ „Da gibt es für mich nichts zu überlegen! Wenn mir die Stadt ihre Aufträge entzieht, bin ich ruiniert. Ich kann deshalb garnicht daran denken, von meinem Vertrage zurückzutreten. Kann es nicht anders sein, will ich noch billiger arbeiten, selbst wenn ich Geld zulegen muß.“— Der Stadtrat blätterte in den vor ihm liegenden Papieren. „Ich sagte, daß ich Ihnen die Aufträge entziehen muß.— Daran ist nichts zu ändern. Lösen Sie den Vertrag nicht gutwillig, gehen wir gerichtlich gegen Sie vor.“ Bürkner atmete schwer auf und seine Fäuste ballten sich krampfhaft zusammen. „Ich will ja doch billiger arbeiten— so billig, wie Sie es wollen! Meinetwegen geschenkt; aber von meinem Vertrag trete ich nicht zurück! Wissen Sie denn, was es heißt, wenn Sie mir die Aufträge entziehen? Daß ich keine Arbeit mehr bekomme,— daß man meine Firma mit Mißtrauen ansieht, daß ich ruiniert bin! Nur, weil so ein Sachverständiger mich zu teuer findet.“ „Selbst, wenn ich wollte, ich darf Ihnen nicht helfen. Es wäre gegen meine Amtspflicht. Ich frage Sie also zum letzten Male, ob Sie den Vertrag gutwillig lösen wollen.“ (Schluß folgt.) Von unserer Flotte. Berlin, 26. Juni. Unser modernster Panzerkreuzer„Scharnhorst“, der am 22. März 1906 bei Blohm und Voß in Hamburg vom Stapel kief und 11600 Tonnen groß ist(also die Größe der Schiffe unserer Wittelsbach=Klasse hat), ist fertig und soll demnächst in Dienst gestellt werden. Kommandant wird, wie wir erfahren, der Kapitän zur See Trummler. Abteilungs= Vorstand im Marinekabinett des Kaisers. Trummler war unser Marineattachee während des russisch=japanischen Krieges in Tokio und hat sich in dieser Eigenschaft ganz hervorragend verdient gemacht, zumal da er mit dem Admiral Togo sehr bekannt war. Erster Offizier auf„Scharnhorst“ wird der Korvettenkapitän v. Levetzow, Navigationsoffizier auf Wittelsbach. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 27. Juni. **(Rekruteneinstellung.) Aus der soeben erschieneuen Korps=Ersatzverteilung entnehmen wir, daß aus dem Bereiche des 7. Armeekorps im Herbst d. J. die stattliche Anzahl von 27·616 Rekruten zur Einstellung gebracht wird, von denen die Bezirks=Kommandos 1 und 2 Dortmund zusammen 3011 Mann aufzubringen haben. Davon erhält das Gardekorps 200 Mann, während 630 Mann bei den Regimentern im Korpsbezirk verbleiben, und zwar kommt das Infanterie=Regiment Nr. 13 in Münster, das Infanterie=Regiment Nr. 56 in Wesel bezw. Cleve und das Infanterie=Regiment Nr. 16 in Mülheim(Rhein) in Betracht; daneben werden kleinere Quoten dem Kürassier=Regimen: Nr. 4 in Münster, dem Ulanen=Regiment Nr. 5 in Düsseldorf und den technischen Waffen überwiesen. Etwa 520 Rekruten werden zum fernen Osten, zu den Infanterie=Regimentern Nr. 21 in Thorn, Nr. 128 in Danzig, Nr. 43 in Königsberg und Pillau und zum Füsilier=Regiment Nr. 33 in Gumbinnen geschickt, währeid 65 Mann an das Grenadier=Regiment Nr. 6 in Posen abgegeben werden. Auch an das badische(das 14.) Armeekorps werden in diesem Jahre— wohl seit langen Jahren zum ersten Male— Rekruten überwiesen, und zwar an das Infantcrie=Regiment Nr. 25 in Rastatt, Nr. 169 in Lahr, das Dragoner=Regiment Nr. 14 und das Jäger=Regiment zu Pferde Nr. 3, beide in Colmar. Den Hauptanteil der ausgehobenen Rekruten— etwa 1200 Mann— erhält jedoch das 15 und 16. Armeekorps(Elsaß=Lothringen) uid zwar das Infonterie=Regenent Nr. 132 in Straßburg, die Infanterie=Regimenter Nr. 145 und 174 in Metz, die Dragoner=Regimenter Nr. 13 in Metz und Nr. 15 in Hagenau, des Ulanenn=Regimeit Nr. 14 in St. Avold und das Husaren=Regiment Nr. 13 in Diedenhofen, ferner die Feldartilberie=Regimenter Nr. 15 in Saarburg, Ne31 in Hagenau und Nr. 33 und 34 in Metz, die Fußartilleri#=Regimenter Nr. 10 in Straßburg und Nr. 13 i 1m sowie dus Trainbataillon Nr. 16 in Metz. An die Morine werden 89 Mann zur Ueberweisung gelangen; cußerdem werden 24 Mann zum Dienst ohne Waffe(Ke#nnwärter und Ockonomie=Handwerker, eingestellt. **(Ein Todesfall,) der in der gesamten Grafschaft Mark das regste Interesse finden dürfte, wird aus Hannover gemeldet. Dort ist am 25. der Geh. Baurat Professor Hubert Stier von der dortigen technischen Hochschule gestorben. Professor Stier war der Erbauer des Hohensyburg=Denkmals. 00(Die neuen Personenwagen) zur Erhöhung der Sicherheit der Reisen den sind von dem preußischen Eisenbahnminister in der Haupteisenbahnwerkstatt Tempelhof bei Berlin besichtigt worden. Der Minister wünschte, daß die einzelnen Türen mit Milchglasscheiben so bezeichnet werden,(„Kein Durchgang“, „Frauen"), daß ihr unbefugtes Oeffnem durch Reifende möglichst verhindert wird, um die in den Nachbarabteilen Sitzenden vor Störungen zu bewahren. Endgültiges soll das Eisenbahnzentralamt bestimmen. *n(Jahresgeneralversammlung der Freiwilligen Feuerwehr.) Unsere Freiwillige Feuerwehr hielt gestern im Vereinslokal(Kordeck) ihre sehr gut besuchte Jahresgeneralversammlung ab, welche vom Brandmeister Tillmann geleitet. wurde. Kamerad Rickert berichtete über den technischen Feuerwehrtag in Witten, besonders über den Vortrag betr. Behändlung der Magirusleiter und erwähnte in diesem Zusamemnhange, daß die hiesige Magirusleiter in durchaus ungenügender Weise untergebracht sei. Nähere Ausführungen hierzu machte noch der Vorsitzende, der bemerkte, daß die Wehr bei der mangelhaften Einstallung jede Verantwortung für den Zustand dieses wertvollen Gerätes ablehnen müßte. Regen und Staub dringe in den Schuppen und das Wasser bleibt drin stehen; so viel sei garnicht zu putzen, wie es durch den Zustand des Schuppens eigentlich erforderlich sei. Kamerad Tillmann referierte sodann über die Delegiertenversammlung in Hagen, in der bekanntlich die Feuerwehrleute Nöthe und Zängeyling die 25jährige Dienstauszeichnung erhielten. Dann wurden interne Angelegenheiten des Feuerwehrwesens vom Vortragenden mitgeteilt und zum Schluß die Uebernahme des Verbandsfestes fürs nächste Jahr nach Schwerte; bekanntlich feiert dann unsere Wehr ihr 30jähriges Bestehen. Nach der Ablehnung eines Beitrages seitens der städtischen Vertretungen seien ihm noch am Samstag vormittag aus der Bürgerschaft an freiwilligen Gaben mehr als 1500 Mark zugesichert worden, sodaß er trotz des ablehnenden Verhaltens der städtischen Vertretungen im Vertrauen auf die oft bewährte Bürgertreue der Schwerter Einwohner das Fest guten Mutes übernommen habe. Aus dem vom 1. Schriftführer Kamerad Bertram erstatteten Jahresberichte ist folgendes zu entnehmen: Es fanden im Berichtsjahre 12 Vorstandssitzungen, 3 General=Versammlungen und 5 Geräte=Revisionen sowie 20 Uebungen statt. Brände sind zu verzeichnen auf der Ziegelei der Nickelwerke, auf der Eisenindustrie und ein Kaminbrand, bei dem die Wehr indessen nicht in Tätigkeit zu treten brauchte. Die Wehr nahm teil am Gauverbandsfest in Holzwickede, feierte Kaisers Geburtstag und nahm teil am Verbandsfeste in Hagen, wo 8000 Feuerwehrleute anwesend waren. Die Wehr zählt 70 aktive Mitglieder und 12 Ehrenmitglieder. Der Kassenbestand ist um mehr als 100 Mk. auf 423,67 Mk. gestiegen. Zu Ehren des verstorbenen Kameraden Storck erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen. Dann fanden die Vorstandswahlen statt. Es scheiden aus alle 1. Führer, die per Akklamation wiedergewählt wurden. Gewählt wurden zum Brandmeister(Chef) Tillmann, 1. Steigerführer Falke, 1. Spritzenführer Rickert, 1. Schristführer Bertram, 1. Wachmannschaftsführer Zängerling und anstelle des eine Wiedewahl ablehnenden Kameraden Weber zum Dirigenten der Kapelle Kamerad Linnert. Kamerad Beßlig lehnt die Wiederwahl zum Gerätewart ab, da die Arbeit infolge des zu kleinen und undichten Schuppens eine ganz gewaltige und zwecklose sei, denn wenn man einen Tag alles geputzt habe, sei am andern wieder alles, je nach der Witterung, bestaubt oder beschlagen. In einer längeren Debatte wird von allen Wehrleuten die absolute Unzulänglichkeit des Geräteschuppens beklagt, in den die Geräte hineingepsercht werden müßten. Bräche Feuer aus, so müßte erst der ganze Schuppen leer gefahren werden, um sich rühren zu können, und käme man dann durch diese Verzögerung etwas später auf der Brandstelle an, dann gäbe es obendrein noch Vorwürfe von den vorgesetzten Behörden. Nach langem Parlamentieren nimmt Kamerad Beßlich auf Widerruf nochmals das Amt eines Gerätewartes an, bittet aber, im Protokoll festzulegen, daß er jede Verantwortung für den Zustand der Geräte, soweit derselbe durch das mangelhafte, unzureichende Depot verursacht sei, ablehne. Zu Rechnungsyevisoren wurden die Kameraden Kirchner und Josefs gewählt. Dann wurden noch eine Anzahl interner Angelegenheiten der Wehr erledigt, bei deren Behandlung leider viel Nörgelsucht und kleinsiche Gesichtspunkte zutage traten, was umso mehr zu bedauern ist, als der Brandmeister Kamerad Tillmann stets für das Wohl und das Gedeihen der Wehr aufs eifrigste bestrebt ist. Wir wünschen unserer freiwilligen Feuerwehr ein kräftiges Erstarken nach innen und außen. Einen imposanten Eindruck wird es machen, wenn sie demnächst, wie es geplant ist, mit drei vollständig besetzten Löschzügen ausrückt, die je unter einem Brandmeister stehen, während das Kommando des Ganzen in den Händen eines Oberbrandmeisters ruht, wie es die neuen Verfügungen vorschreiben. Das Gerätematerial für drei Löschzüge ist vorhanden, nämlich zwei Spritzen und die Magirus=Leiter. (Werks=Feuerwehr.) Die vor nicht langer Zeit gegründete Feuerwehr der Vereinigten Deutschen Nickelwerke ist inzwischen, nachdem sie anfangs 30 Mann zählte, derart angewachsen, daß sie bereits in der Lage ist, zwei Löschzüge zu bilden. **(Neuer Lehrer.) In der letzten Sitzung der Schulvertretung wurde für die neu errrichtete Leherstelle an der hiesigen evangelischen Schule Herr Lehrer Frey aus Ergste gewählt. *r(Schulpersonalie.) Herr Lehrer Will von der hiesigen evangelischen Volksschule verläßt mit dem 1. Oktober unsere Stadt, um die ihm von der Königl. Regierung zu Wiesbaden übertragene Stelle eines Hauptlehrers in Selters zu übernehmen. *s(Ausflug.) Gestern nachmittag machten die Teilnehmer am Kindergottesdienst, eine Schar von mehreren hundert Knaben und Mädchen unter Führung der Helferinen und Begleitung des Herrn Pastor Wischnath ihren Sommerausflug zum Freischütz. Trotz des kühlen Wetters herrschte bei Kaffee, Kuchen und fröhlichem Spiel bei der lieben Jugend die fröhlichste Stimmung. Vergnügt kehrten alle gegen abend ins Elternhaus zurück. *r(Der bunte Theaterabend,) den Künstler vom Deutschen Theater in Hannover gestern im Saale des Hotel Östermann veranstalteten, war verhältnismäßig gut besucht. Zur Aufführung gelangten„Die Furcht vor der Schwiegermutter",„ein bengalischer Tiger“ und„die Hasenpfote“ sowie Vorträge aus der modernen Literatur. Die Darbietungen fanden lebhaften Beifall und verschafften allen Zuhörern einige genußreiche Stunden. (Zwei neue Diebstähle) sind heute zu melden. Ehe wir aber näheres darüber mitveilen, müssen wir nochmals auf den gestern erwähnten Ziegendiebstah zurückkommen; es hieß da, zwei Ziegen seien gestohlen und abgeschlachtet; das ist nicht ganz richtig, es ist nur ein Tier und zwar ein dem Schützenwirt Herrn Geiger gehörender Ziegenbock gestohlen und abgeschlachtet worden. Die Täter scheinen Kenner und Feinschmecker gewesen zu sein, denn aus dem zurückgelassemen Kopfe des Tieres haben sie die Zunge sein säuberlich herausgelöst und mitgehen heißen.— Anscheinend dieselbem Leute haben dann in der verflossenen Nacht einen zweiten und zwar einen Einbruchsdiebstahl begangen. Sie haben sich nämlich zu dem Ziegenbraten die zu einem Festessen gehörenden Getränke und das Kompott geholt, indem sie mittels Einbruchs in das Weinlager des Herrn Geiger eindrangen und eine Anzahl Flaschen Wein und Champagner sowie ein großes Glas mit Pflaumenkompott stahlen. Die Langfinger haben dann nach getaner Arbeit sich auf der Veranda die nötige Ruhe angedeihen lassen und dabei direk zwei Flaschen den Hals gebrochen. Den übrigen Raub haben sie mitgeschleppt. Die Leute dürften dadurch zu ihrem Beutezug in die Kellereien des Herrn Geiger verleitet worden sein, daß dessen Küche und Keller in denkbar bestem Rufe stehen; der intellektuelle Urheber des Diebstahls ist demnach also Herr Geiger selber.— Ueber den zweiten Diebstahl s. unter Geiseche. **(Die Einführung durchsichtiger Briefumschläge,) die sich in Frankreich ganz vortrefflich bbewährt haben, ist wieder einmal aus kaufmännischen Kreisen bei der Reichspost angeregt worden. Derartige Umschläge bedürfen keiner Adresse, da der Brief so hineingesteckt wird, daß die Aufschrift durch den Umschlag hindurch sichtbar ist. Zur Begründung ihres Gesuches führen die Interessenten an, daß für sie die Ersparnis von Tausenden von Adressen eine ganz erhebliche Arbeitserleichterung und Geldersparmis bedeute, wozu noch die Tatsache hinzutritt, daß jede salsche Adressierung vermieden wird. Wie mitgeteilt wird, ist Aussicht vorhanden, daß die Reichspost, wenn die angestellten Ermittelungen in Frankreich über den Wert der Neuerungen günstig ausfallen, der Einführung solcher Kuverts nicht abgeneigt ist. *s Geisecke, 26. Juni.(Einbruchsdiebstahl.) In der Nacht zum Sonntag wurde das Wellenbad Geisecke von dem Besuche mehrerer Einbruchsdiebe heimgesucht. Die Spitzbuben ließen von den Vorräten der Frau Externbrink 2 Pfd. Butter, 3 Pfd. Rauchfleisch, 2 Pfd. Wurst usw. mitgehen. Dann leerten sie den im Strom befindlichen Fischkasten, in dem sich u. a. auch ein mehrpfündiger Hecht befand. Es steht dahin, ob sie die etwa 50 kleinen Fische mitgenommen oder wieder ausgesetzt haben. Die Polizei glaubt den Tätern auf der Spur zu sein. En Berghofen, 26. Juni.(Vorturnerstunde.) Am vergangenen Sonntag hielt der 1. Bezirk des hellweg=märkischen Turngaues im Saale des Wirts Gockel eine Vorturerstunde ab. Von sämtlichen dem Bezirk angehörenden Vereinen waren Vertreter erschienen. Es wurden daselbst die Uebungen für das am 21. Juli er. in Aplerbeck stattfindende Bezirkscurnfest durchgenommen. * Berghofen, 26. Juni.(Genickstarre.) In der Familie Fritz Homberg in der Berghofermark ist ein Kind an Genickstarre erkrankt. Die größten Vorsichtsmaßregeln sind angeordnet. Höchsten, 26. Juni.(Schulneubau.) Die Königliche Regierung hat den Ankauf des Schmuckschen Grundstückes und das entworfene Schulbauprojekt genehmigt. Die Beschwerdeführer vom Loh und Unterhöchsten sind abgewiesen worden. Die Bauar= beiten sind inzwischen ausgeschrieben. Kirche und Schule. **(Haushaltungsunterricht.) Nach einem Ministerialerlaß aus der letzten Zeit sind die zur Erteilung von Haushaltungsunterricht an öffentlichen Schulen angestellten Lehrerinnen, wellche ihre Befähigung zur Erteilung dieses Unterrichtes ordnungsmäßig dargetan haben, als Volksschullehrerinnen im Sinne des§ 1 des Lehrerbesoldungsgesetzes anzusehen, wenn sie an diesen Schulen voll beschäftigt sind und der Haushaltungsunterricht einen Bestandteil des für die betrefsenden Schulen maßgebendem Lehrplanes bildet. — Bochum, 26. Juni. Der 24. westfälische Pilologentag wird am 7. Juli hier abgehalten. Vorträge halten Gymnasialdirektor Dr. Braun=Hagen über„Wanderungen in Ithaka“, Realschuldirektor Dr. Gottschalk=Gronau über die„Reformbestrebungen auf dem Gebiete des mathematischen Unterrichts“. Professor Busmann=Münster über den von ihm erfundenen Kegelschnittzirkel, Provinzialschulrat Professor Dr. Cauer=Münster über„Dichten und Denken“.— Dem Jahresbericht des westfälischen Philologenvereins wird Gymnasialdirektor Dr. Garpe=Coesfelld erstatten. Die„lehrerfreundliche“ Stadt Berlin. Berlin, 26. Juni.(Drahtb.) Zu dem letzten Erlaß des Kultusministers v. Studt, in dem die Lehrer zu Angaben über die Höhe ihrer Einnahmen aus Nebengeschäften aufgefordert waren, erfährt die„Kreuzzeitung“, daß der Anlaß zu dieser Erhebung von der liberalen Berliner Stadtverwaltung ausgegangen ist. Die Feststellung im Etat der Stadt Berlin, daß sich die Nebeneinnahmen der Berliner Lehrer auf etwa 1,5 Mill. Mark belaufen, hat den Minister veramlaßt, Ermittelungen anzustellen, wie hoch die Nebeneinnahmen der Lehrer In Preußen sich stellen. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, daß der Erlaß, der in Lehrerkreisen als chikanös empfunden wurde, von dem Berliner Kommunalfreisinn veranlaßt worden ist. Diese Feststellung wird vielen überraschend kommen. Maßregelung von Lehrern. Breslau, 27. Juni.(Telegr.) Nach Meldungen Schlesischer Blätter hat die Königliche Regierung in Oppeln im Auftrage des Kulkusministers 23 Volksschullehrer des Regierungsbezirks durch Geldstrafen und Einziehung ihrer Deputate gemaßregelt. Die Maßregellung erfolgte, weil die Lehrer Artikel gegen den Bremserlaß in linksstehenden Blättern veröffentlicht hatten. Gleichzeitig verbot ihnen die Regierung jede weitere Bedienung der Presse. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 26. Juni.(Der Kaufpreis der Straßenbahn,) welche die Stadt am 1. Appil vorigen Jahres übernammen hat, ist noch immer nicht festgestellt. Die Sache soll durch Schiedsspruch erledigt werden, was auch in dem Konzessionsvertrage vorgesehen ist. Dieser Tage fand eine Sitzung des SchiedsGerichts statt; Vertreter der Stadt ist Ingenieur Dr. Kollmann aus Frankfurt a. M., Vertreter der Allgemeinen Lokal= und Straßenbahn ist Direktor Rötelmann von der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft. Es handelt sich um die Schlichtung außerordentlich großer Differenzen. Nachdem die Stadt das vorhandene Material, die Wagen usw. geprüft hat, ist sie der Mei nung, daß ein Preis von 3 400000 M ausreichend sei. Die Allgemeine Lokal= und Straßenbahngesellschaft foredtt dagegen 7775000 Al. Die Differenz beläuft sich also auf 4 375000 cl. Man darf auf den Schiedsspruch der Ende Juli fallen wird, gespannt sein. * Bochum, 26. Juni.(Strafverfahren gegen die Roburitfabrik.) Nach Einsichtnahme des Justizministers in die Akten über die RoburitKatastrophe in Annen=Witten ist das gerichtliche Verfahren seitens der hiesigen Staatsanwaltschaft eröffnet worden. Durch die eingeforderten Gutachten ist dargetan, daß tatsächlich nichtkonzessionierte Sprengstoffe von der Roburitgesellschaft hergestellt worden sind. * Herne, 26. Juni.(Ein Erpressungsversuch) wurde gegen eine hiesige höhere Persönlichkeit unternommen. Der Herr empfing einen in Wanne aufgegebenen Brief, in dem mitgeteilt wurde, daß man Belastendes für ihn in Händen habe. Die Zahlung einer Entschädigungssumme von 250 Mark könnte die Anzeige verhindern und würden in diesem Falle auch die Beweisstücke ausgefolgt werden. Die Zahlung sollte postlagernd erfolgen. Die in Kenntnis gesetzte Polizei sorgtte für weitere Maßnahmen. Zu der im Schreiben bestimmten Zeit stellte sich der Gauner pünktlich bei dem Postamt ein, um das Geld in Empfang zu mehmen. Der Täter wurde alsbald festgenommen. Es handelt sich um den früher hier ansässigen Kaufmann, jetzigen stellungslosen Handlungsgehilfen R. * Eppendorf b. Bochum, 26. Juni.(Tötlicher Unfall.) Auf Zeche Hasenwinkel in Dahlhausen wurde dem verheirateten Bergmann Arnold von hier von dem hochgehenden Förderkorb in dem Augenblick, als er von der 5. Sohle Ausschau nach ihm hielt, der Schädel zertrümmert und die linke Brustseite gequetscht. Der Tod trat auf der Stelle ein. * Lüdenscheid, 26. Juni.(Selbstmordversuch.) Gestern abend gegen 11 Uhr stürzte sich die Frau eines Installateurs von dem Balkon des vierten Stockes. Dieser lliegt nach dem Hof hinaus. Die Frau fiel etwa 7 Meter tief und blieb auf einem Anbau liegen. Sie wurde nach dem Krankenhaus geschafft, hat aber keine schwern Verletzungen erlitten. Die Ursache der unseligen Tat dürfte in einem Zwist mit dem Ehemanne zu suchen sein. * Herford, 26. Juni.(Tödlich verunglückte) in Kirchlengern der Colon Künkerneld nebst Ehefrau, die von einem mit Stroh beladenen Wagen infolge Durchgehens des Gespannes zu Boden geschleudert wurden. K. gab nach 10 Minuten seinen Geist auf und die Ehefrau K. liegt an den schweren Verletzungen hoffnungslos darnieder. Der Sohn, welcher als dritter auf dem Wagen saß, kam bei dem Unfall mit leichteren Verletzungen davon. * Ueberruhr, 26. Juni.(Folgenschwerer Leichtsinn.) Eine Einwohnerin des F.schen Hauses, 3. Etage, warf ihrem Sohn von oben herab einen Eimer herunter, damit derselbe Kohlen heraufbringen sollte. Leider wurde dadurch das 7jährige Töchterchen des Fabrikarbeiters N. so unglücklich auf den Kopf getrossen, daß es eine Gehirnerschütterung davontrug und eine sofortige Ueberführung ins Steeler Laurentius=Hospital angeordnet werden mußte. * Cleve, 26. Juni.(Todessturz.) Ein Mitglied des hiesigen Turnvereins war vor 8 Tagen bei einer Turnübung gestürzt und hatte sich dadurch eine schwere Verletzung am Kopfe zugezogen. Nachdem gestern eine Schädeloperation an ihm vorgenommen worden war, ist er heute mittag seiner Verletzung erlegen. * Trier, 26. Juni. Bei der Einfahrt eines Güterzuges in die Station Speicher der Eifelbahn wurde der Stationsverwalter Böwen überfahren und sofort getötel. Kleine Chronik. Kiel, 26. Juni. Die im Ostseegebiet herrschenden Weststürme haben vier Menschenleben gefordert. Unter Langeland und an der Westseite des großen Belts kenterten durch plötzlich einsetzende Böen zwei Fahrzeuge, die mit je zwei Mann besetzt waren. Mit dem einen Fahrzeug ertranken Vater und Sohn, mit dem anderen zwei Ausflügler. Dresden, 26. Juni. Mit 200000 Mark hat eine Dame, die nicht genannt sein will, hier eine Stiftung begründet, die sich solcher Personen annehmen soll, die das Augenlicht verloren haben oder wegen einer Erkrankung an den Augen zeitweilig erwerblos sind oder ärztlicher Hülfe bedürfen. Die Stiftung untersteht der Verwaltung des Ministeriums des Innern. Rom, 26. Juni. Heute abend entgleiste in dem Tunnel zwischen Bardonecchia und Modena ein Personenzug. Der Zugführer und ein Schaffner wurden getötet, zwei andere Personen verletzt. Newyork, 26. Juni. Durch den in der vergangenen Nacht erfolgten Einsturz eines Miethauses sind neun Personen getötet und mehrere verletzt worden. Alle Betroffenen waren Italiener. Automobilisten und mongolische Hirten. Im„Corriere della Sera“ setzt Luigi Barziari seine fesselnden Schilderungen der Automobilwettfahrt Peking=Paris fort. In einem aus Pangkiang datierten Briefe vom 18. Juni schreibt er:„Ich bin noch wie im Traum und wie betäubt von der llangen Fahrt über die endlose mongolische Ebene, die üns in wenigen Stunden nach Pangkiang(470 Kilomeetr von Peking) gebracht hat. Gestern abend lagerten wir 80 Kilometer von Kalgau entfernt, auf Wiesengrund, noch im Angesichte der alten, halb zerfallenen Türme, die längs der ganzen Grenze Chnias verstreut sind, weit vorgeschobene Schildwachen, die das Himmlische Rlich vor die große Mauer gestellt hat. Wir fuhren spät am Nachmittag ab. Das heitere Wetter, die sternhelle Nacht, das unendliche Schweigen ringsum versetzten uns in eine unbeschreibliche Stimmung. Als wir heute früh weiterfuhren, erreichten wir auf einigen Strecken eine Geschwindigkeit von 50 Kilometer in der Stunde. Um Mittag trafen wir in Pangkiang ein. Es war eine berauschend schöne Fahrt durch das dichte Gras der Prärie, auf den breiten, im Zickzack laufenden Fußwegen der Kamele, über das bald steppenartige, bald sandige Terrain, immer nahe vorbei an den endlosen Reihen der Telegraphenstangen, die uns den Weg zur Zivilisation zeigten. In diesen einsamen Steppen Asiens, die noch niemals mit solcher Schnelligkeit durchquert wurden, selbst nicht von den in rasendem Galopp dahinjagenden mongolischen Reitern, verlor sich das Sausen und Lärmen des Motors fern am krystallklaren Himmel! Wir sahen aus den hier und da auftauchenden mongolischen Jurten(Hütten nomadischer Völker), die rund sind wie kleine Vogelkäfige, die Bewohner heraustreten, beklleidet mit langen Jacken, die schon etwas von der turkmanischen Tracht haben; sie stürzten, durch den ungewohnten Lärm aufmerksam geworden, eiligst heraus, liefen voll Verwunedrung neben uns her und schwenkten die Arme zum Zeichen des Staunens. Viele sprangen in den Sattel und suchten uns einzuholen; aber wir ließen sie weit hinter uns in einer Staubwolke. Als wir das kleine Nomadenlager bei Jute erreichten, balen uns die Hirten durch Zeichen, stehen zu bleiben, und sie taten das in so herzlicher und gastlicher Weise, daß wir wirklich abstiegen. Sie gaben uns Milch, Sahne, Käse und Tee; alls Gegengeschenk gaben wir ihnen Konservenfleisch. Als wir wieder abfuhren, besanden wir uns inmitten einer zahlreichen Reiterschar. Einige Minuten lang fuhr das Auto unter einer wahren Kavallerie=Begleitung, und die wilden Freudenrufe der Reiter klangen wie Kriegsrufe; ein Flattern von seidenen Schleppkleidern, ein Wogen von langen Mähnen. Bald aber ließen wir den wüsten Lärm weit hinter uns und sahen uns allein in der grasigen Einöde. Die Herden von Tausenden von wilden Pferden liefen nicht etwa voll Entsetzen dovn, sondern kamen herbei, um das selltsame Ungeheuer zu betrachten, worauf sie alle, wie auf Besehl, die tollsten Sprünge machten. Nur die Kamele, die in langen Karawanen vorüberzogen, betrachteten uns mit philosophischer Gleichgiltigkeit und wandten uns ihre komischen Mäuler zu. Wir fanden oft Brunnen, so daß wir das Wasser im Behälter sparen konnten; es wird uns auf unserer morgen anzutretenden Fahrt durch die Wüste Gobi sehr wertvoll sein. Unmöglich zu schildern ist der Kontrast zwischen dieser prümitiven Welt und dem dahinsausenden Automobil. Unser Staunen wollte kein Ende nehmen; aber noch empfinden möchten wir auch jenes andere Staunen, das der einsame mongolische Hirt empfindet, wenn er die Fremden sicht, die auf diesem„Geheimnis auf Rädern“ in sein Land gekommen sind. Tehle Brühlmetenagen Das Kaiserpaar in Kiel. Kiel, 26. Juni. Heute nachmittag gegen 1 Uhr lief die Hohenzollern mit dem Kaiser an Bord hier wieder ein. Der Kaiser follgte einer Einladung zur Frühstückstasel an Bord d. Alice des Fürsten von Monaco. Später nahm der Kaiser auf der Werft Besichtigungen vor. Die Kaiserin trifft heute abend aus Grünholz hier wieder ein. Neue Felddienstordnung. Berlin, 26. Juni. Dem Vernehmen nach wird im Herbst d. J. ein Entwurf für neue Felddienstordnung erscheinen. Die Umarbeitung der bisherigen Felddienstordnung ist namentlich im Hinblick auf die Gebiete des Verkehrswesens und nach Herausgabe des neuen Exerzierveglements für Infanterie und Feldartillevie notwendig geworden. Posadowskys Abschied. Berlin, 26. Juni. Der„Reichsanzeiger“ meldet: Der bisherige Staatssekretär des Innern Staatsminister Graf Posadowsky verabschiedete sich heute früh mit einer Ansprache von den Beamten seines Ressorts. Namens der Beamten widmete ihm der Unterstaatssekretär herzliche Abschiedsworte. Kurz nachher übernahm der zum Staatssekretär des Innern ernannte Staatsminister von Bethmann=Hollweg die Amtsgeschäfte des Reichsamts des Innern und ließ sich den Beamten des Ressorts vorstellen. Der Nachfolger Dr. Holles. Berlin, 26. Juni. Zum Nachfolger des jetzigen Kultusministers Dr. Holle im Ministerium der öffentlichen Arbeiten und Leiter der Wasserbauabteilung ist nunmehr, wie das„B. T.“ erfährt, der jetzige Regierungspräsident von Arnsberg Dr. Freiherr von Coels von der Bruegghen ernannt worden. Ein neues Riesenschiff. Hamburg, 26. Juni. Die Hamburg=Amerika=Pabetfahrt=Aktiengesellschaft beauftragte die Werft Harland und Wolff in Belfast mit dem Bau eines großen Dampfers, der die Abmessungen des neuen Turbinenschnelldampfers der Cunardlinie übertrifft. Das Schiff wird eine Länge von ca. 785 Fuß bei 88 Fuß Breite und einen Tiefgang von 36 Fuß erhalten. Das Schiff soll 1910 in Dienst gestellt werden. Verschiedenes. Saarbrücken, 26. Juni. Auf dem Bahnhof Türkismühle geriet der Rangierer Stahn unter die Räder eines Zuges und blieb tot. St. Johann, 26. Juni. In einem Wagen, der Jahrmarktssleuten zur Wohnung dient, ist hier die Leiche einer Prostituierten gesunden worden, die anscheinend durch einen Schlag auf den Kopf getötet worden war. Der Täter ist unbekannt. London, 26. Juni. Heute früh wurde in Holyhead eine Erderschütterung verspürt, die von donnerähnlichem Geräusch begleitet war, 10 Minuten dauerte und beträchtliche Aufregung hervorrief. Riga, 26. Juni. Der Torpedobootszerstörer Bidtelny ist während einer Uebung durch die Explosion einer Mine, auf die er geraten war, leicht beschädigt worden. Vermißt. Hamburg, 27. Juni. Zwei junge Aerzte des Eppendorser Krankenhauses, die am Sonntag im Segelboot nach Brunsbüttel gemacht haben, werden vermißt. Man glaubt, daß sie verunglückt sind. Innsburck, 27. Juni. Die hiesigen Obergymnasiasten Bucher und Fritz werden vermißt. Sie wollten über Frauhittsattel nach Scharnitz wandern. Der Alpenverein hat eine Expedition ausgesandt, um sie zu suchen. Schwindler=Familie verhaftet. Antwerpen, 27. Juni. Die Polizei verhaftete gestern eine mit dem Dampfer Finland ausAmerika eingetroffene, aus drei Männern und einer Frau bestehende Familie Wattenberg, die beschuldigt wird, im vorigen Jahre in Wien einen Diebstahl von 500000 Kronen begangen zu haben. Verunglückte Knappen. Mins, 26. Juni. Auf Schacht 3 der Kohlenwerke von Anderlues wurden während der vergangenen Nacht drei Bergleute verschüttet. Den Rettungsmannschaften gelang es, einen der Verunglückten noch lebend zu bergen. Die beiden anderen wurden als Leichen aufgesunden. Einsturz eines Kellergewölbes. Wien, 27. Juni. In Styre(Galizien) brach währendn einer Hochzeitsfeier die Wölbung eines Kellers ein. Etwa 30 Personen, die über dem Gewölbe tanzten, stürzten in die Tiefe. 16 von ihnen wurden mit schweren Verletzungen aus den Trümemrn gezogen, die übrigen trugen leichtere Verletzungen und Nervenchocks davon. Das neueste Stücklein aus Rußland. Tiflis, 26. Juni. Auf dem Eriwanplatze im Zeutrum der Stadt, wo sich eine große Menschenmenge befand, wurden nacheinander etwa 10 Bomben geworfen, welche mit furchtbarer Gewalt erplodierten und in gros ßem Umkreise die Scheiben und Türenzertrümmerten. Viele Personen wurden getötet und eine große Anzahl verletzt. Zwischen den Detonationen vernahm man Gewehr= und Revolverfeuer. Der Ort der Katastrophe ist abgesperrt. Tiflis, 27. Juni. Wie die Untersuchung ergeben, hat, stehen die Bombenattentate mit einem räuberischen Ueberfall in Zusammenhang, der heute früh auf einen von 5 Kosaken und 2 Soldaten eskortierten Wagen verübt wurde, in welchem 250 000 Rubel von der Post nach der Reichsbankfiliale gebracht werden sollten. Als der Wagen den Eriwanplatz erreicht hatte, wurde eine mit furchtbarer Gewalt explodierende Bombe geschleudert. Das auf dem Platz zahlreich anwesende Publikum stob in wildem Schrecken auseinander. Um die Verwirrung noch zu erhöhen, schleuderten die Räuber im ganzen 8 Bomben, die alle erplodierten. Die Zahl der Opfer ist noch nicht festgestellt. Bisher ist nur bekannt, daß zwei Soldaten getötet und zwei Reichsbankbeamte aus dem Wagen geschleudert wurden. Der Wagen sowohl wie die Geldsäcke sind spurlos verschwunden. Schwerte, 26. Juni. Wochenmarkt. Kartoffeln 50. Kg. 5 M, Butter pro Pfd. 1—1,10 M. Eier 14 Stück 1 M. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 27. Juni: Wolkig mit Sonnenschein, wärmer, meist trocken. 28. Juni: Vielfach heiter, warm, kühler Wind. 29. Juni: Meist heiter und trocken, warm, windig. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Die Sommerhitze bringt große G fahr für alle mit Milch ernährten Säuglinge, und treten Darmkrankheiten urd Brechdurchfälle in erschreckender Weise auf. Wer seinen Liebling dieser großen Gefahr nicht aussetzen will, beuge vor und verabfolge dem Kinde eine gleichbleibende, die Verdauung nicht störende Nahrung. Die beste Gewähr b’etet hierin das seit Jahren altbewähr'e Nestle'sche Kindern ehl, weil dasselbe nur mit Wasser zubereitet werden braucht Bekanntmachung. Am 19. Juni ds. Is. ist bei der Posthilfstelle Buchholz bei Westhosen(Westf.) eine Telegraphenbetriebsstelle in Wirksamkeit getreten. Dortmund, den 21. Juni 1907. Kaiserliche Oberpostdirektion. T IEITZII Todes- Anzeige! In der Frühe des heutigen Tages entcblief sanft und ruhig, an den Folgen der Altersschwäche die Pensionärin unseres Hauses Fräulein Charlotte Heierhoff im 83. Jahre ihres Lebens. Den Verwandten und Bekannten der Verstorbenen diese Trauerkunde zur Kenntnis mit der Bitte um Teilnahme Beerdigung am 29 d. Mts. 2½ Uhr nachmittags, Schwerte, den 26. Juni 1907. Die Verwallung des Erangelischen Krankenhauses. Beranntmachung. Die Firma Glässing u. Schollwer in beabsichtigt auf ihrem Grundstücke in Schüren Flur 2 der Steuergemeinde Schüren einen Friktions=Schmiedehammer aufzustellen. Auf Grund der§§ 17 und 18 der ReichsgewerbeOrdnung in der Fassung vom 30. Juni 1900 und der Nr. 19 und 20 der ministeriellen Ausführungs=Anweisung vom 1. Mai 1904 wird dieses Vorhaben mit der Aufforderung bekannt gemacht, Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen bei dem Amte zu Aplerbeck lich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen. Beschreibungen und Zeichnungen liegen auf dem genannten Amte zur Einsicht aus. Die Einspruchsfrist nimmt ihren Anfang mit dem Ablauf des Tages, an welchem das diese Bekanntmachung enthaltende Kreisblatt ausgegeben worden und ist für alle Einwendungen präklusivisch. Nach Ablauf der Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird gemäß Ziffer 19.6 der vorbezeichneten Anweisung Termin auf den 10. Juli cr., vorm. 10 Uhr auf dem Amtsbureau zu Aplerbeck anberaumt und wird besonders darauf hingewiesen, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen wird vorgegangen werden. Als Kommissar des Kreis=Ausschusses ist der Herr Amtmann in Aplerbeck tätig. Hörde, den 22. Juni 1907. Namens des Kreis=Ausschusses des Kreises Hörde. Vorsitzende. I. V.: gez. v. Lucke. Regierungs=Assessor. Ver ### s, Vereinigung ehemaliger * F., Kameraden des XVI. Armee=Korps Schwerte u. Umgegend. Samstag, den 29 Juni, aberde 8½ Uhr, im Gashof„Zum alten Rathaus“(Otto Raih). Versammlung. 1. Zahlung dr Beiträze 2 Aufnahme neuer Kameraden. 3. Bericht über den Vertretertag. 4 Mitteilungen über den KorpsAppe1. 5. Ber'cht über die Entwilelung der Sterbekasse 6. Vuschied nes. Der Vorstand. 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W Polizei=Verwaltung Unter dem Viehbestande der Witwe Karl Plätz zu lemburg Nr. 58 ist die Rotlausseuche ausgebrochen W Wellinghofen, den 25. Juni 1907 Die Polizei=Verwaltung Hartung. Unter dem Viehbestande des Bergmanns Ewald Hüppe zu Wichlinghofen Nr. 11½ ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. Wichlinghofen, den 25. Juni 1907. Hartung. Das Recht der Frau ist es zu prüfen: Reeses bis jetzt unübertroffenes 5 Pfg.-Backpulver Reeses hochfein schmeckend. Sparpuddingpulver Reeses allgemein beliebter Vanillinzucker Reeses früchteerhaltendes Salicyl. Hinweis! Der heutigen Auflage liegt ein spekt der Buchhandlung Cart Praus, Tchurrtt bei, worauf wir unsere werten Leser besonders hinweisen. Die Geschäftsstelle. werden für dauernde Beschäftigung gesucht. Eisenwerk Weere Westhesen. Nähmaschinen-Ersatzteile. Reparaturen werden prompt und fachgemäß ausgeführt. Ferner halte ich mein Lager in Schuhwaren bestens empfohlen. 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Auf Grund amtlicher Marktberichte zusammengestellt und nach eigenen telegraphischen bearbeitet von der Centralstelle für Viehverwertung der Preußischen Landwirtschaftskammeen Berlin V., Köthenerstraße 28/29. Auftrieb: Tendenz: Rinder Kälber Schafe Schweine Rinder Kälber Schafe Schweine Ochsen. a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes b) junge fleischige, nicht ausgemäst. u. ält. ausgemäst. o) mäßig genährte junge und gut genährte ältere d) gering genährte jeden Alters. Bullen. a) vollfleischige, ausgemästete bis zu 5 Jahren b) vollfleischige jüngere c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere: d) gering genährte Färsen und Kühe. a) vollfleisch., ausemäst. Färsen höchst. Schlachtw. b) vollfleisch., ausgemäst. Kühe, höchst. Schlachtw. c) ältere ausgemgästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen d) mäßig genährte Kühe und Färsen... e) gering genährte Kühe und Färsen...... Kälber. a) Doppellender b) feinste Mast=(Vollinilchmast) u. beste Saugkälber o) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber d) geringere Saugkälber e) älteresligering genährtes Jungvieh(Fresser) Schafe. a) Mastlämmer und jüngere Masthammel. b) ältere Masthammel c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Märzschafe). d) Holsteiner Niederungsschafe und Lämmer Schweine. a) vollfleischige der Rassen u. Kreuzungen bis zu 1. J. d) Käser fleischige c) gering entwickelte d) Sauen schiacht prozente 61 54 50 46 60 53 48 48 56 52 50 44 42 65 60 54 44 50 48 42 Mk. Mr. 46—48 49 36-4) 41—43 31—33 85—87 28—29 29—32 39—44 33—35 38—44 31—32 00 9c 31—9 26—2825—29□— Mr. 48 42—43 36—37 29—31 44 38 31—32 35—36 32—33 26—28 21—24 54—57 45—48 43—44 33—40 38.39 34—86 34—35 26—29 28—29 Mik. 48 41—48 35—37 43—44 36—38 30—31 45 89—41 83—36 26—28 52—53 48—51 29—85 41—47 40—41 142-44 36—38 27—29 54 50—51 47—49 48 34—38 58 56—57 50—55 74 72-73 55 50—53 40—48 58 45 40—41 32—84 58 59 55—56 50—51 48 37—39 57 54—55 54—55 48—52 SASESESG Ein regelmässiger Spaziefgang nach dem Freischütz ersetzt eine kleine g Badereise und ist s bedeutend billiger# Aasssasas 3sagasasn Herren die sich durch Ausnütz ung ihrer Beziehungen mühelos einen lohnenden B2569 Nebenverdienst verschaffen wollen si iden hierzu Gelegenheit durch Vermittlung von Feuer= 2c.=Bersicherungen. Ausreicende Unterntutz inz wud gewährt. Augerote unter A 2904 an Haasennem& Vogler, u.=G., Dortmund. 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Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familienfreund." o 0 0 O O O O 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren naum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pl., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises Haupt=Annoncenblatt. Nr. 148. Donnerstag den 27. Juni 1907. 39. Jahrg Westfalen und Rheinland Die Kaisertage in Münster. Münster, 26. Juni. Von zuständiger Stelle erhält die„Münst. Ztg. folgenden offiziellen Bericht: Seine Majestät der Kaiser haben für Allerhöchstihre Anwesenheit in Münster anläßlich des diesjährigen Kaisermanövers des 7. Armeekorps nachstehendes befohlen: 1. Seine Majestät treffen— von Bielefeld kommend — am 29. August nachmittags in Münster Zentral= Bahnhof ein. Die genaue Zeit des Eintreffens wird später bekannt gegeben. 2. Bei der Ankunft findet auf dem Bahnhof großer militärischer Empfang statt. Auf dem Bahnhof nehmen die Generäle und RegimentsKommandeure des Standorts Münster und der dort untergebrachten Truppen Ausstellung. Daselbst steht eine Ehrenkompagnie vom Infanterie=Regiment Nr. 13; vor dem Bahnhof eine Geleiteskadron vom Kürassierregiment Nr. 4. Bei dem Einzug in Münster, bei dem Seine Majestät zu Pferde sein wollen und Ihre Majestät im Wagen fahren, werden auf dem Wege vom Bahnhof bis zum Schloß die in Münster untergebrachten Truppen Spalier bilden. Vor dem Schloß steht eine Kompagnie vom Füsilier=Regiment Nr. 39 als Ehrenwache. Großer Zivilempfang im königlichen Schlosse. 3. Zur Parade des Armeekorps am 30. August, die um 10 Uhr vormittags beginnt, begeben sich Seine Majestät im Auto zum Paradeplatze. 4. Hierauf führen Seine Majestät die vom InfanterieRegiment Nr. 55 zu stellende Fahnenkompagnie mit den 24 neuen Fahnen der Fußtruppen, welche am Eingange zum Paradefeld steht, Allerhöchst selbst auf den Paradeplatz. Seine Majestät üdergeben hierauf den Kommandeuren die Fahnen. 5. Nach dem Einrücken der Fahmen werden Seine Majestät die Deputationen der Kriegervereine mit ihren Fahnen und die Reserveund Landwehr=Offiziere, die wor der Zuschauertribüne aufgestellt sind, begrüßen und dortselbst den Rapport der Kriegervereine entgegennehmen. 6. Nach Uebergabe des Rapports der Kriegervereine erfolgt das Abreiten der Paradeaufstellung. 7. Nach dem Abreiten des 2. Treffens des Armeekorps wollen Seine Majestät diejenigen Kriegervereine begrüßen, welche seitlich des rechten Flügels der Paradeausstellung stehen. 8. Der erste Vorbeimarsch erfolgt in Kompagnie=, Eskadron= und Batterie=Fronten mit halben Abständen, berittene Waffen evtl. im Trabe. Der zweite Vorbeimarsch: Fußtruppen in Regimentskolonne; ber#tbene Waffen in Eskadron= bezw. Batterie=Fronten im Trabe oder Galopp. 9. Nach Schluß der Parade werden Seine Majestät nach Münster zu Pferde an der Spitze der Fahnenkompagnie und der StandarlenEskadron auf der von der Stadt in Aussicht genommenen Feststraße zurückkehren. Die Fahnenkompagnie stellt das Infanterie=Regiment 13; die StendartenEskadron das Kürassier=Regiment Nr. 4. Auf dem Rückwege findet Spalierbildung durch Kriegervereine, Gewerkschaften und Schulen der Stadt Münster statt. 10. Für Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, welche im Wagen zur Parade und von dort zurückfährt, wird vom Husaren=Regiment Nr. 8 eine Geleiteskadron gestellt. Ihre Majestät werden dieselben Wege benutzen, wie Seine Majestät bei der Hinfahrt bezw. Rückkehr vom Paradefelde. 11. Am 30 August, abends 7 Uhr, findet die Paradetafel bei Ihren Kaiserlichen und Königlichen Majestäten in den Räumen des Landesmuseums statt. Der große Zapfenstreich beginnt 9,30 Uhr abends vor dem Schloß. Ihre Majestäten werden denselben von den Fenstern des Königlichen Schlosses aus abnehmen. 12. Am Sonntag, den 1. September wollen Seine Majestät in Münster einen Feldgottesdienst abhalten.(Wann die Serenade der zu einem Massenchor vereinigten Gesangvereine der Stadt stattfindet, geht aus dem obigen Festprogramm nicht hervor. Wahrscheinlich wird hierfür der Abend des 31. August(Samstag) bestimmt werden, an welchem Tage auch die Fahrt des Kaisers nach Tecklenburg vorgesehen ist, da die Abfahrt des Kaiserpaares noch im Laufe des Sonntags erfolgen dürfte, weil am 2. September eine große militärische Feier in Berlin stattfindet, an der der Kaiser nach den bisher getroffenen Dispositionen teilzunehmen gedenkkt. Mittlerweile haben sich dann die Truppen in das Gelände des Ke#isermanövers begeben, wohin der Kaiser dann direkt von Berlin aus reisen dürfte. Das Hofleger befindet sich während der Zeit bekanntlich auf Schloß Corvey.) Zu den Kaisermanövern. Wie wir erfahren, wird der letzte Tag der Kaisermanöver eine große Verfolgung zur Darstellung bringen, wobei der Kaiser mit dem Kavalleriekorps dem Gegner in den Rücken fallen wird. Zwar läßt sich in Friedenszeiten eine Verfolgung ja schwer darstellen; allein in gewisser Beziehung ist die Sache doch machbar und so erscheint es denn auch kriegsmäßiger, wenn auch größere Verfolgungen zum Gegenstand der Uebung gemacht werden, wobei Führer und Truppen recht gut lernen können. Unsere Heeresleitung will eben bei den diesjährigen Kaisermanövern zeigen, daß, ist der Sieg errungen, er auch aufs höchste ausgenutzt werden muß. Dazu ist besonders die Kavallerie durch eine rastlose Verfolgung, die im Kriege die Zerstörung des Feindes vollenden soll, befähigt. Alle Feldherren, die den Krieg energisch führten, haben eine solche angestrebt. Napoleon zeigte es bei Jena, bei Regensburg, Gneisenau bei Belle Alliance, wo„der letzte Hauch von Mann und Roß“ gefordert wurde. So erst wird die Entscheidug der Schlancht zu einer echten und rechten Entscheidung, weil erst die Verfolgung die Früchte des Sieges einheimst. Die Wirksamkeit der Kavallerie zur Verfolgung aber hat ganz gewiß nichts eingebüßt, wohl aber erscheinen ihre Aufgaben auch auf diesem Gebiete erhöht, was auch, wie wir bestimmt wissen, die Ansicht des Kaisers ist. Freilich, der Feldherr muß sie zu gebrauchen verstehen und ihr Führer soll aus der Zahl der ausgewählten Geister sein, soll sie Großes leisten. Die Kavallerie ist die eigentliche Verfolgungswaffe, was so recht bei den diesjährigen Kaisermanövern zur Anschauung gebracht werden soll. Ihr fällt in Verbindung mit der reitenden Artillerie und mit Maschinengewehren die Hauptrolle bei der Verfolgung zu. Und so hat sich denn einst der Kaiser bei einer Kritik folgendermaßen geäußert: „Schon das bloße Erscheinen einer Kavalleriemasse auf der Rückzugslinie des Feindes kann genügen, um in die Reihen des zurückslutenden Gegners Schrecken und Verwirrung zu tragen; denn der moralische Eindruck, den jede Bedrohung unter solchen Verhältnissen hervorrnft, macht sich gewöhnlich ganz außerordentlich geltend. Ich halte den Fall für nicht undenkbar, daß das Erscheinen einer starken Kavalleriemasse im Rükken des Feindes zur Waffenstreckung desselben führen könnte. * Riemke, 26. Juni.(Tötlicher Unfall.) Hier wurde die Ehefrau Epplinghaus beim Haaremachen von einem Krampsanfall betrofsen. Sie fiel hierbei auf eine brennende Petroleumlampe und erlitt so Ss Der Teufelskopf. Roman von deutsch von E. Ebeling. (Nachdruck verboten.) 17. „Improvisieren ist kein ungewöhnliches Talent in Ihrem Vaterlande“, bemerkte Rigel. „Nein, viele arme Leute verdienen ihren Lebensunterhalt damit gerade wie ich“, antwortete Christina. „Sie haben sich vermutlich zum öffmtlichen Spielen entschlossen, als Sie aus der Schule kamen?“ meinte er. „Nicht gleich“, entgegnete sie zögernd; dann sagte sie plötzlich:„Ich will Ihnen alles erzählen.“ „Nicht, wenn es Ihnen unangenehm ist, darüber zu sprechen.“ „Sie werden mich besser verstehen, wenn Sie alles hören“, sagte sie und ein zartes Rot#ergoß sich über ihre Wangen. „Ich war gerade 16 Jahre alt, als ich aus dem Kloster kam und mein Vater hatte bereits Pläne gemacht, mich zu verheiraten. Sie wissen wohl“ fuhr sie mit unsicherer Stimme fort,„daß dies in unserm Lande etwas ganz Gewöhnliches ist. Den Mädchen wird keine eigene Wahl gelassen und sie ergeben sich willig in ihr Schicksal.“ „Aber Sie?“ fragte Rigel und versuchte, ihr in die Augen zu sehen. „Ich stand dem mmir zum Manne Erkorenen ziemlich gleichgültig gegenüber, aber ich wollte nicht so balld heiraten. Ich war jung und wollte erst die Welt kennen lernen. Deshalb bat ich meinen Vater, mir etwas Zeit zu geben. Mein Vater erklärte jedoch, es könne kein Aufschub stattfinden. Er war sehr arm und so tief verschuldet, daß unser alter Familiensitz in den Händen seiner Gläubiger war. Der Mann, den sich heiralen sollte, war sehr reich und hatte nicht nur versprochen, meines Vaters Schulden zu bezahlen, sondern auch ihm eine Stelle bei Hofe zu verschaffen. Da kam mir der Gedanke, eine Frist dadurch zu erkaufen, daß ich öffentliche Konzertspielerin würde.“ „Und Ihr Vater?“ fragte Rigel ungeduldig. „Zuerst wollte er von diesem Vorschlage nichts wissen, er verletzt# seinen Stolz. Erst nach wechenlangem Kampfe, nachdem ich krank geworden war und die Aerzte ihn gewarnt hatten, daß er mich werlieren könne, wenn er auf seinem Willen bestehe, da gab er nach und versprach mir drei Jahre Frist, wenn ich nach Ablauf derselben meinen Verwandten heiraten wolle.“ „Diese Bedingung mußten Sie annehmen?“ fragte Rigel atemlos. „Ich sagte, daß ich ihn nur dann heiraten wolbe, wenn ich ihn bis dahin lieben gelernt hätte.“ Rigel fühlte sein Herz plötzlich erleichtert und atmete tief auf. Sie stand neben ihm und blickte hinab in die kräuselnden Wellen, aus denon Gesänge an ihr Ohr tönten, süßer als die Sirenen für ihre Opfer sangen. „Wie lange ist es her, seit diese Bedingung gestellt wurde?“ fragte er. „Mir bleiben noch etwas über zehn Monate, ehe ich mich entscheiden muß.“ „Zehn Monate! Gott sei Dank!“ rief er aus. „Rigel, Rigel!!“ rief in diesem Augenblick Lady Trentham.„Was meinist du, wenn wir in Bischam landeten und unser Frühstück in dem Garten der Abtei einnähmen? Ich bin sicher, daß viele unserer Gäste schon recht hungrig sind.“ Rigel erwachte wie aus einem Traum. Das Frühstück wurde auf historischem Boden dingenommen und die heiterste Unterhaltung würzte das Mahl. Als darauf die Wasserfahrt fortgesetzt wurde, fand Rigel keine Gelegenheit mehr, Christina allein zu sprechen. Sie schien einer solchen auszuweichen, und als er das merkte, achtete er ihren Wunsch und gab sich zufrieden mit der Hoffnung auf ein Glück, das ihre Worte ihm ins Herz gesenkt hatte. 5 15. Kapitel. Eine Ueberraschung. Am folgenden Abend saßen der Prinz und Graf Belloni am Eßtisch bei Früchten und Wein und rauchten schweigend eine Zigarre. Christina hatte sich gerade zurückgezogen, um ihren Mantel umzulegen, denn sie wollten nachher zusammen in die Oper gehen. Der italienische Gesandte hatte den Prinzen und dessen Freunde in seine Loge eingeladen. Neroni war ein besonders schöner Mann. Seine Züge waren fein geschnitten, seine großen, halbgeschlossenen Augen mit den schweren, langen Wimpern zeigten einen trotzigen Ausdruck. In dem tiesschwarzen Haar war noch kein Silberfaden zu entdecken. Seine Bewegungen wurden alle mit einer gewissen würdevollen Grazie ausgeführt, die seiner Familie charakteristisch war. In diesem Augenblick zeigte sein Gesicht den deutlichen Ausdruck des Mißvergnügens, als er nach der Tür sah, durch die Christina verschwunden war, und das Stillschweigen brechend, das aufing drückend zu werden, sagte er: „Ich sehe, daß ihr Wesen gegen mich sich verändert hat. Sie war ja niemals zärtlich, aber jetzt ist sie hühl.“ „Sie krran ganz gewiß" erwiderte der Graf.„Sie ist jung, und Mädchen haben ihre Launen.“ schwere Brandwunden, daß sie an denselben starb. Der Ehemann, der ihr zu Hülfe kommen wollte, verbrannte sich ebenfalls erheblich. * Altenessen, 26. Juni.(Interessante Funde) machte man bei den Arbeiten für das neue Emscherbett im nördlichen Teüle unserer Bürgermeisterei, die guten Fortgang nehmen. Neben verschiedenen Resten mächtiger Hirschgeweihe fand man auch einen Schädel oder Backenknochen eines Mammutes, sowie einen ziemlich gut erhalrenen Stoßzahn eines solchen. Letzterer, der an beiden Enden abgebrochen ist, hat noch eine Länge von ca. 50 Zi. und einen Durchmesser von 10 Zm. Die Sachen wurden vorläufig in der Wirtschaft P. untergebracht und werden später hoffentlich dem Essener Museum überwiesen. * Düsseldorf, 26. Juni.(Der§ 23.) Die hiesige Ortsgruppe der christlichsozialen Partei richtete angesichts der Härten des§ 23 des Einkommensteuergesetzes an den Oberbürgenmeister eine Resolution, geeignete Schritte zur Erleichterung leistungsschwacher Steuerzahler einzuleiten, vielleicht durch Freilassung der Einkommen unter 1500 Mark von der Kommunalsteuer. * Krefeld, 26. Juni.(Salbstmord.) Gestern abend erschoß sich im Bockum=Verberger Gehölz(genannt Freeth) ein in Bockum auf der Mittelstraße wohnender Mann von etwa 30 Jahren. Man fand bei ihm einen an seine Frau gerichteten Brief und einen sechsläufigen Revolver, der neben ihm lag und noch 4 Geschosse enthielt. Er wurde nach der Untersuchng zum Bockumer Leichenhause geschafst. Der Grund zur Tat ist noch nicht bekannt. Der Mann hinterläßt eine Frau und drei unmündige Kinder. * Trier, 26. Juni.(Fischkrankheit.) Die hiesige Regierung richtet ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Beulenkrankheit, von der die Barben der Mosel und ihrer Nebeuflüsse hauptsächlich in der heißen Jahreszeit heimgesucht werden. Da sich herausgestellt hat, daß die Verbreitung der Krankhgit. gamentlich durch die lebenden mit ihr behafteten Barbe verursacht wird, so hat der Regierungspräsident jetz wieder neue Anordnungen getrofsen. Um den Fischern die Ablieferung lebender beulenkranker Barben zu erleichtern, sind an verschiedenen Uferstellen der Mosel zwischen der Sauermündung und mit Nummern versehene verschlossene Fischkästen aufgestellt. Die Fischereiberechtigten werden aufgefordert, die gefangenen beulenkranken Barben nicht in den Fluß zurückzuwerfen, sondern in die Dechelöffnung jener Kästen zu schieben und dadurch aus dem Wasser zu entfernen. Die Vernichtung jener Fische wird durch den Strommeister wöchentlich mehrmals besorgt. Für jede in dieser Weise abgelieferte beulenkranke Barbe wird aus der Staatskasse eine Vergütung von 30 pst. bezahlt. Tote Barben sind dem Strommeister zu überbringen. Vom sozialen Felde. Zur Frage der Pensionsversicherung der Privat= angestellten hat der Deutschnationale fen=Verband auf seiner Dresdener Tagung nach eingehender Beratung der amtlichen Denkschrift und ausgiebiger Beleuchtung aller in Bitracht kommenden Gesichtspunkt neue Wege für die sernere Beyanorun der Frage gezeigt und praktische Vorschläge für Ausgestaltung der Pensionsversicherung gemacht. Die bisherigen allgemeinen Besprechungen der Denkschrift haben noch kaum nennenswerte praktische Ergebnisse gezeitigt. Umso mehr sind die Vorschläge des Deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes von Wert. gipfeln in der Forderung einer besonderen Kasseneinrichtung für die Privatbeamten eines 10=(statt 14=) prozentigen Beitrages, der Berufsinvalidität, einer Altersrente spätestens bei Vollendung des 65. Lebensjahres usw. Der Reichszuschuß soll den Privat= angestellten erhalten bleiben. Der Verband hat seine Vorschläg: in einer Schrift niedergelegt, die er gegen Einsendung von 50 Pfg. an Interessenten abgibt. (:) Elberfeld, 20. Juni. Eine Schenkung von 35000 Mark machte die Witwe des vor kurzem verstorbenen Provinziallandtagsabgeordneten und Stadtverordneten Willy Blank. Sie überwies der Stadt Elberfeld 15000 Mark als Grundstock zu einer Stiftung, deren Zinsen jährlich an Unterbeamte der Stadt Elberfeld zu einer Erholungs= bezw. Badereise verteilt werden sollen und ferner je 10000 Mark dem Elberfelder Frauenverein und der reform. Gemeinde. (:) Saarbrücken, 26. Juni. Ein großes hygienisches Institut wird hier in Saarbrücken errichtet werden. Der Kaiser hat zu diesem Zwecke auf Anregung des Geheimrats R. Koch 30000 Mark aus seiner Privatschatulle zur Verfügung gestellt. Für die Unterhaltung sind im Etat des Kultusministeriums jährlich 22000 Mark vorgesehen. Es handelt sich noch um die Stellung eines besonderen Gebäudes für das Institut. Die Kosten hierfür werden die Städte, der Kreis, die Groß=Industrie und die hiesigen staatlichen Behörden der Eisenbahnverwaltung und der Bergfiskus gemeinschaftlich aufbringen. Die Aufgaben des Instituts sind neben der Seuchenbekämpfung, Untersuchung gesundheitlicher Fragen auf dem Gebiete des Wohnungswesens, der gewerblichen Gesundheitspflege usw. Auch sollen für Aerzte, Nahrungsmittelchemiker, Desinfektoren Lehr= und Fortbildungskurse abgehalten und für breite Kreise der Bevölkerung aufklärende und belehrende Vorträge auf dem Gebiete der Gesundheitspflege gehalten werden. (:) Essen, 26. Juni. Die hiesige Wohnungsinspektion hat den Bericht über ihre Tätigkeit im Jahre 1906 veröffentlicht. Danach beschäftigte sie in dem genannten Jahre drei Wohnungsinspektoren. Im ganzen wurden 2164 Wohnungen in 372 Häusern untersucht. Nachgeprüft aus den Vorjahren wurden 4197 Wohnungen. Die in den neu untersuchten 2164 Wohnungen vorhandenen 6110 Räume(darunter 3565 Schlafräume, die größtenteils als Küche benutzt wurden) dienten 2469 erwachsenen männlichen Personen, 2714 erwachsenen weiblichen Personen und 3631 Kindern unter 14 Jahven, sowie 985 männlichen und 30 weiblichen Kostgängern zum Aufenthallt. Die Kostgänger waren in 574 Räumen untergebracht. Von den übrigen Bewohnern außer den Kostgängern entfallen durchschnittlich 2,9 Personen auf einen Schlafraum; es geht daraus hervor, daß sich die Familien aufs äußerste zusammen drängen, um nur möglichst viel Räume untervermie ten zu können. Die Wohndichtigkeit iist am ungünstigsten in den zweiräumigen Wohnungen, wo 3,2 Personen auf eine Schlafraum entfallen; wurden doch insgesamt 23 zweiräumige Wohnungen aufgefunden, in denen 8 oder mehr Personen zusammenwohnten. In den 32 Häusern wurden insgesamt 1234 Verstöße gegen die Regierungspolizeiverordnung beanstandet. Von diesen Beanstandungen wurden 795 durch gütliche Vereinbarung beseitigt. Auf Ueberfüllung entfielen 21 Prozent aller Beanstandungen. Infolge des Mangels an Wohnungen wurden vielfach unfertige Bauten bezogen, was 75 Fälle von Beanstandung wegen Feuchtigkeit nach sich zog. „Ja, sie ist jung, das ist ihr größter Reiz“, bemerkte der Prinz mit einem zynischen Lächeln.„Aber leider wird sie jeden Tag älter. Wenn Sie nur vor zwei Jahren fest geblieben wären und sie gezwungen hätten, zu gehorchen„ I7. W, unde Wie mit eine „Dann würde sie getzt für Sie und fül mich ver#oren sein. Sie wissen ja, ihre Mutter war kränklich und Christina droht dasselbe——“ „Bah!“ unterbrach ihn Neroni ungeduldig.„Dann würde sie jetzt eine gehorsame Gattin sein, der aller Unsinn ausgetrieben wäre. Warum sollte sie anders sein wie andere Mädchen, die ihren zukünftigen Gemahl zum ersten Male sehen, wenn der Heiratskontrakt unterzeichnet wird?“ „Christina hat eine sehr empfindsame Natur.“ „Ach Unsinn!! Nichts als Ziererei! Alle Mädchen sind gleich. Was ihnen not tut, ist eine feste Hand und die müssen Sie jetzt brauchen", entgegnete der Prinz mit Bestimmtheit. „Jetzt?“ fragte der Graf und zog die Augenbrauen in die Höhe. „Ja; ich kann nicht länger warten. Sie müssen Ihre Autorität gebrauchen und sie zwingen, Ihnen zu gehorchen. „Die Zeit, die sie festgesetzt hat, ist noch nicht um; ich habe ihr mein Versprechen gegeben. „Dann müssen Sie es brechen, denn ich habe Gründe, Sie zu drängen. Erstens beleidigt es mich, daß meine zukünftige Frau wie eine Schauspielerin von Stadt zu Stadt zieht. Jeder, der sein Geld bezahlt, kann sie anstarren und seine Bemerkungen über sie machen. Das trifft meinen Stolz, und wenn ich sie nicht so gern hätte, würde mich dies verhindern, sie zu heiraten“, sagte der Prinz, dem die Röte des Unwillens ins Gesicht gestiegen war. „Wenn es Ihren Stolz verwundet", antwortete der Graf eisig,„brauchen Sie sie ja nicht zu heiraten; ich glaube nicht, daß sie es bedauern wird, wenn Sie eine andere Wahl treffen. Neroni unterdrückte mit Mühe einen Fluch, der hm auf den Lippen schwebte, 6 „Meine Familie ist die ältere, fuhr der Graf sort,„und ich halte meine Ehre nicht bedroht, wenn ich meiner Tochter gestattet habe, durch ihr Talent Geld zu verdienen.“ „Um Ihre Schulden zu bezahlen und Ihr Schloß nicht unter den Hammer kommen zu lassen“, brach der Prinz los, doch sofort fügte er hinzu:„Ach, was habe ich da gesagt? Verzeihen Sie, Vetter; Sie wissen ja, ich habe ein heftiges Temperament, meine Zunge geht mit mir durch.“ Der Graf verneigte sich kalt. Der Beleidiger war sein Gast, seine Entschuldigung mußte daher angenommen werden. „Ueberdies“, sagte Neroni,„habe ich noch einen anderen Grund, der mich wünschen läßt, Christing ohne Verzug zu heiraten. Die Marchcsa...“ „Hat sich verabschiedet?“ unterbrach ihn der Graf. „Das würde nichts neues sein; im Durchschnitt haben wir seit zwei Jahren jeden Monat einmal Abschicd gefeiert. Nein, ihr Mann, der ihr Großvater hätte sein können, ist gestorben. Sie ist sehr gutmütig und söhnte sich noch mit ihm aus, als er endlich im Begriff war, ihren Wunsch zu erfüllen und sich in eine andere Welt zu begeben. So empfing sie seinen Segen und sein Vermögen.“ „Sie bereut also?“ Der Prinz brach in ein Gelächter aus. „Sie schrieb mir sofort, daß sie jetzt frei sei und mich heiraten wolbe.“ „Und Sie?“ „Ich sagte uihr, sie müsse werrückt sein, wenn sie erwarte, daß ich sie zu meiner Frau machte, worauf sie mir schrieb, sie würde mich zwingen. Neroni lachte von neuem, aber sein Lachen klang schneidend. „Sie könnte Ihre Feindin werden“, meinte der Graf. „Nicht, so lange noch Aussicht für sie bleibt, meine Frau zu werden. Sie hat das Temperament von sieben Teufeln in sich vereinigt und ihre Eifersucht treibt sie zur Raserei. Sie wind mir das Leben unerträglich machen, solange ich unverheiratet bin. Deshalb möchte ich mich gern sichern.“ „Ich verstehe Ihne Lage“, bemerkte der Graf. (Forts. folgt.) — Dortmund, 26. Juni. Zur Feier des 80. Geburtstages des Gründers der landwirtschaftlichen Winters ul zu Dortmund Herrn Geh. Regierungsrat Freiherrn von der Heyden Rynsch veranstaltet der Verband ehemaliger Schüler der landw. Winterschule am 29. Juni abends 7einhalb Uhr im„Schwarzen Raben“ zu Dortmund einen Kommers, bei dem Herr LandtagsAbgeordneter Ehrenamtmann Westermann freundlichst die Festrede halten wird. Zur Teilnahme berechtigen Festschleifen, die am Eingange für 1 M zu haben sind. Die Mitglieder des Verbandes ehemaliger Schüler versammeln sich um 5 Uhr im Versuchsgarten der landw. Schule, um neuere Erfahrungen der Düngerbehre, neuere Sorten von Getreide und Kartoffeln in Augenschein zu nehmen. Zu beiden Veranstaltungen (Komers und Besichtigung des Versuchsgartens) sind auch die Mitglieder landw. Vereine freundlichst eingeladen. Wir wünschen der ganzen Feier einen fröhlichen Verlauf. **(Der Provinzial=Obstbauverband für Westfalen) zählte im Vereinsjahre 1906/07 1618 persönliche und 238 korporative Mitglieder. Von den Beamten des Verbandes wurden an 45 Orten Besichtigungen von Provinzial=, Kreischausseen und Gemeinde=, sowie privaten Pflanzungen vorgenommen und 29 Vorträge über Obst= und Gemüsebau gehallten. Die veranstalteven Obstbaukurse waren gut besucht und sieben Obstausstellungen gut beschickt. Die Obstnachweisstelle wurde rege in Anspruch genommen. Warnung vor dem Bezug mehltaukranker Stachelbeersträucher und mit Bakterienbrand behafteter Kirschbäume. Alle Obstbaum= und Gartenbesitzer werden hierdurch auf den amerikanischen Stachelbeermehltau und den Bakterienbrand der Kirschbäume aufmerksam gemacht. Der amerikanische Stachelbeermehltau erzeugt auf den Früchten und jungen Triebspitzen der Stachelbeeren und gelegentlich auch der Johannisbeeven anfangs mehlweiße, sehr balld aber kastanienbraun werdende, filzige Flecke, unter denen die Früchte nicht ausveifen, platzen und nugenießbar werden; die Triebspitzen verkümmern. Er ist imstande, die ganze Beerenernte zu vernichten und die Sträucher selbst schwer zu schädigen.— Der Bakterienbrand der Kirschbäume gibt zum Absterben der Aeste der Kirsch= und wahrscheinlich auch anderer Steinobstbäume oden ganzer tämme zu jeder Jahreszeit Veranlassung. Er befällt namentlich die Bäumchen der Baumschulen, richtet aber auch in den Obstpflanzungen großei Schaden an. Er ist durch Bakterien hervorgerufen, die dort, wo sie Eingang finden, die Rinde und das jüngste Holz des Baumes abtöten. Geschieht das in größerem Umfange, so welkt der über einer solchen Brandstelle stehende Baumteil ab. Aus der Umgebung der Brandstellen brechen meistens große Gummimassen hervor (Gummi= oder sog. Harzfluß), die aber auch bei anderen Erkrankungen vorkommen.— Beide Krankheiten sind ausführlicher in den von der Kaiserlichen Biologischen Anstalt in Dahlem b. Steglitz herausgegebenen und von ihr kostenlos erhältlichen Flugblättern Nr. 35 und 39 beschrieben. Sie sind in Deutschland erst in der Ausbreituig begriffen und werden namentlich durch das Pflanzenmaterial verschleppt. Daher wird allen Gartenbesitzern und Obstzüchtern bei dem Bezuge von Stachelbeer= und Johannisbeerbüschen umd SteinobstBäumen in ihrem eigenen und im öffentlichen Interesse Vorsicht empfohlen. Niemand kaufe, ohne daß ihm vom Lieferanten Gewähr dafür geboten wird, daß seine Gärten bezw. Schulen frei von den in Rede stehenden Krankheiten sind. Die Verkäufer aber werden hierdurch nachdrücklich auf das Unrecht hingewiesen, das sie begehen, und die Gefahr, die sie laufen, wenn sie ungeachtet der Gewährleistung kranke Bäume oder Sträucher verkaufen.— Verdächtige Pflanzen übersende man der Landw. Versuchsskation in Münster, die kostenfreie Auskunft erteilt. Auch die oben genannten Flugblätter werden von ihr kostenfrei abgegeben. Büchertisch. Peter Rosegger: Die Abelsberger Chronik. Den Schriften entnommene Sondergabe, ca. 200 Seiten in eleg. Pappband Mk. 3.—. Verlag von L. Staackmann, Seipste. 869/54 Oeter Kosetzger verdankt seine große Gelebiheit im deutschen Volke nicht in letzter Linie seinem köstlichen Humor, seiner unvergleichlichen Gabe, Alenschen und Dinge in schalkhafter Weise darzustellen. Zu den besten Schöpfungen dieser Art gehören unstreitig die bisher in vielen Bänden zerstreuten Erzählungen von der Schildbürgerstadt Abelsberg und ihren Bewohnern, die hier zum ersten Male als„Abelsberger Chronik“ in einem Bande vereinigt und mit zahlreichen, der Eigenart des Buches Rechnung tragenden Bildern von Anton C. Baworowski versehen, dargeboten werden. Der Dichter selbst leitet den Band in folgender launiger Weise ein: Akein Verleger schreibt mir, daß immer eine so große Nachfrage nach einem lustigen Tachen wäre. Er sei deshalb auf den Gedanken gekommen, aus meinen mancherlei Büchern die heiteren Abelsberger=Geschichten herauszuziehen und sie zu allgemeinem Nutz und Frommen in einem besonderen Bändchen zu vereinigen. Ob ich damit einverstanden wäre? Nun, wenn der Alann glaubt, daß sotanes Buchlein bei unseren Zeitgenossen fröhliches Tachen z bringen kann, so bin ich ja freilich wohl damit einverstanden. Was tut uns, im zwanzigsten Jahrhundert, denn mehr not, als herzliches Tachen! Deshalb gehe ich schon lange mit dem Gedanken um, in Abelsberg eine Hochschule zu gründen, wo man das Tachen lernt. Und erhoffe mir von dieser zeitgemäßen Lehranstalt für Leibesund Seelengesundheit guten Erfolg. Versuchen wir's halt einmal mit einem Orobekurs und studieren nach verlässigen Urkunden die Chronik von Abelsberg.