ich arnKieis Nortk. Amtiches Krewennt 1 Die„Schwerter Zeitung“ erscheint tägtich, ausser Feiertags. Berugspreis: Ik. 1.es vierteljährlich, bei der Post 42 Pl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Iliustrierter Famllientreund." o o 0 O O 0 C O C C C O C 0 Auzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren naum 10 P., Anzeigen von auswärts 1s PI., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lekalpellzeilichen Vererdnungen Für Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. durch Veröttentlichung in der„Schwerter Setiung verdindliche Kraft. o eO O OOCSS· Druck u. Verlag von Carl Draus, Scwerte. Fern Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aüresse Braus. Nr. 142. Donnerstag den 20. Juni 1907. 39. Jahra Die Krisis in Frankreich Für die Psychologie der Politik bildet im gegenwärtigen Augenblick neben Rußland die französische Republik, ein interessantes Studienobjekt. Im Süden des Landes ist die ganze weinbautneibende Bevölkerung im Aufruhr, und es sehlt nicht mehr viel, so kommt es zu schweren Zusammenstößen zwischen den aufgeregten Massen- und dem bewaffneten Organen der Regierung. Jeder Teül besteht auf seinem Schein: die Winzer wollen Hilfe von der Kummer und der Regierung, die in dem Umfange von heute auf morgen nicht geleistet werden kann, das Ministerium berust sich auf seine Autorität, die vorerst respektiert werden soll. Niemand denktt an die Lage, in der der Staat sich befindet, an das Bild innerpolitischer Zerfahrenheit und Unordnung, das deim Auslande sich darbietet. Bereits ist die Uneinigkeit im Kabinelt selbst einggerissen. Die Demission des Unterstaatssekretärs Sarraut ist bezeichnend für die politische Lage und die Auffassungen der Politiker. Das bisherige Kabinettsmötglied Sarraut ist Deputierter des Wahlkreises Narbonne, in dem das jetzt berühmte Dorf Angeliers lliegt. Von dem dortigen Aktionskomitee aufgefondert, hat SSarrant seine Entlussung gegelben, um als Beamter nicht Maßnahmen gegen die Winzer vertreten zu müssen, die ihn als Deputierten mach Paris entsandt haben. Dieser Konflikt der Pflichten offenbart die ganze Schwäche des französischen Regierungssystems: die Abhängigkeit der Deputireten, der Minister, ssomit der ganzen Regierung von der Masse der Wähler, die ihrerseits wierder in Interessengruppen gespalden ist. Weil die Regierung nicht in der Lage ist, den an sich berechtigten Klagen der Weinbauern über ihre Notlage sofortige Abhülfe zu schaffen, fängt der heißblütige Süden an, zu revoltieren, als ob seine Interessen mit dem ganzen Staat identisch seien. Die Abgeordneten sanderer Wahlkreise, in denen keine WinzerBevölkerung sich befindet, stehem der Frage gleichgiltig und uninteressiert gegenüber; soweit sie zur Opposition gehören, fremen sie sich womöglich noch über die Verlegenheit der Regierung. Die Regierung selbst weiß icht recht, was sie tun oder lassen soll, ob sie bei energischen Maßnahmen, die Clemenceau wohl im liebsten ergreisen möchte, auf die Gefolgschaft der Kammermajorität rechnen kann. In kritischen Momenten pflegt auf die Herren Volksvertreter kein Verlaß zu sein. Siegt die Autorität der Regierung, dann sind sie geneigt, die Vorteile der wiederhergestellten Ruhe zu genietm und sich dem Lande als hilfsreiche Helfer vorzustellen, wird das Ministerium der Lage nicht Herr, so ist die Kammer schnell mit dem Tadelsvotum bereit, das den Sturz der Regienung veranlaßt. Staatsgedanke und Regierungsmacht iin Frankreich erfahren eine eigentümliche Beleuchtung durch das Verhalten der Regierenden und Regierten. Die soziallistische Republik erfährt hier am eigenen Leibe den Zwiespalt zwischen Theorie und Praxis, den die schönsten Doktrinen micht zu beseitigen iimstande sind. Die Entscheidung kann in dieser Krise nicht mehr lange auf sich warten lassen. Sie wird von besonderer Bedeutung sein, weil sie das Maß für ähnliche Fälle abgibt. Schon einmal ging ein nevolutionärer Zug von dem Süden nach Paris! Ganz so schlimm wird es wohl micht werden wie damals, aber wie die Maßnahmen der Regierung auch ausfallen, das böse Beispiel wird Nachahmung finden. Auch andere Interessenverbände werden künftighin der Regierung mit Gewalt abzutrotzen suchen, was sonst micht zu erreichen ist. Die Minister sind dann nicht mehr die ersten Diener des Staates, sondern die Diener der Massen. So will es das demokratische Dogma von der Freiheit und Gleichthe#t.... Andere Staaten mögen die Nutzanwendung daraus ziehen. Der Kampf zwischen Nord und Süd. Die Regierung in Paris macht Ernst. Sie hat einen der Führer, den Bürgermeister Ferroul von Narbonne verhaften lassen und wird desm anderen Hauptführer, Marcellin Albert, das gleiche Schicksal zuteil werden lassen— wenn die Beamten ihn erreichen. Nicht ausgeschlossemn ist, daß die sanatische Bevölkerung ihren Helden gegen die Verhaftung zu schützen sucht, und dann sind ernste Vorfälle zu befürchten. Ueber den Stand der Dinge berichten die folgenden Tebegramme: Narbonne, 19. Juni. Die ersten Militärzüge trafen um 3 Uhr nachts ein. Die Verhaftung Ferrouls war für heute bei Tagesanbruch zu erwarten. Näheres ist augenblicklich nicht zu erfahren, da die Regierung seit mehreren Stunden keine privaten Drahtverbindungen mit Narbonne zuläßt. Die Verhaftung Marcellin Alberts dürfte gleichzeitig heute morgen vorgenommen werden. In den Ortschaften zwischen Beziers und Arzelliers hält sich die Feuerwehr bereit, um die Schläuche der Feuerspritzen gegen das Militär zu richten.— Das gestern auf den Schienen zwischen den Stationen Colombieres und Nissan gefundene Paket enthielt tatsächlich Dynamit. Paris, 19. Juni. Aus Aurillac wird dim„Petit Journal“ gemeldet, daß in der Kaserne des 139. Regiments Feindseligbeiten gegen den Obersten stattgefunden hätten, weil dieser den Sonntags=Ausgang untersagt hätte. Narboune, 19. Juni. Der zurückgetretene Maire von Narbonne, Ferroul, ist heute früh gegen 5,30 Uhr verhaftet und nach dem Bahnhofe gebracht worden, von wo ihn ein Sonderzug nach Montpellier bringen wird. Narbonne ist militärisch besetzt, die Ruhe ist nicht gestört. Paris, 19. Juni.„La Patric“ meldet aus Toulouse, daß der General Rouvray, Kommandeur des 17. Armeekorps, bei der Ankunft in der InfanterieKaserne von der Zivilbevölkerung und dem Soldaten mit Zischen und Pfeisen ompfangen worden ist. Beziers, 19. Juni. Der Polizeikommissar ist in besonderem Auftrag, begleitet von 5 Beamten und einim starken militärischen Kommansdo, nachts nach Argeliers abgereist; er führt den Haftbefehl gegen Marcellin Albert und 5 andeve Mitglieder des Komitees von Argeliers mit sich. Paris, 19. Juni. Wie der„Matin“ meldet, wird Milllerand am Freitag die Regierung über die allgeeine Politik interpellieren.— Wie weit das Ministerium die Kammer hinter sich hat, wird sich am Freitag entscheiden. Clemenceau muß sich auf eine sehr lebhafte Debatte gefaßt machen, bei der es an schweren Angriffen micht fehlen wind. Politische Uebersicht. Vom neuen Mittelmeer=Dreibund. Wien, 19. Juni. Das„Deutsche Volksblatt“ schreibt über den Dreibund:„Der Zweck dieses Dreibrundes ist, Deutschland im Kviegsfalle den Weg in und durch das Mittelländische Meer zu sperren, das Zusammenwirken Deutschlands und Oesterveich=Ungarns zur See unmöglich zu machen, die österreichisch=ungarische Kriegsflotte in der Adria einzusperren und durch Entlastung der Flotten Englands und Frankreichs im Mittelländischen Meer den beiden Westmächben die Möglichkeit zu geben, im Ernstfalle ihr ablantisches bezw. Nordseegeschwader schleunigst zu verstärken, und zwar nicht nur gegenüber Deutschland, sondern, wie es scheint, auch gegenüber den Vereinigten Staaten, was zumächst den Intevessen Japans entspräche. Dieser neue Dreibund bedeutet trotz der offiziellen Kommentare in Wirklichkeit eine Gefahr für den Frieden, und der Hinweis auf eine vom Deutschen Reiche drohende Kriegsgefahr eine Unaufrichtigkeit sondergleichen, die sich in die gesamte Politik König Eduards allerdings harmonisch einfügt.“ Die Truppen=Meutereien in Kiew. Kiew, 19. Juni. Ueber die Soldaten=Unruhen in Kiew werden folgende Einzellheiten gemeldet: 500 Soldaten des Geniebataillons bemächtigten sich nachts des Zeughauses, erbeuteten scharfe Patronen und gaben eine Salve in die Luft ab. Der herbeieilende Bataillonschef und drei andere Offiziere wurden getötet. Von den Solldaten wurden 60 verletzt und 250 verhaftet, 90 entflohem. Hier in Kiew wird der Gemeralstreik vorbereitet; 98 Personen wurden deswegen verhaftet. Die Untaten des Farmers Wiehager. Wir haben schon mitgeteilt, daß der südwestafrikanische Farmer Wiehager vom Obergericht in Windhuk zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, weil er Eingeborene ohne jede Berechtigung getötet hatte. Mit welcher Gewissenlosigkeit er hierbei verfuhr, geht aus seinen eigenen Briefen hervor, die er an den Bezirkshauptmann v. Wangenheim gerichtet hat, und die in der gerichtlichen Verhandlung verlesen wurden. Am 10. November 1905 schrieb er: „Am 8. d. Ai. traf ich auf dem Wege von Otjijtasu nach meiner Farm zwei Buschleute mit Bogen und Ofeilen, wovon wir einen niedergeschossen und den anderen gefangen nach Omatjenne brachten, den ich dann auch beseitigen ließ.“ Bereits am folgenden Tage schoß er weitere 3 Eingeborene nieder. Er berichtet darüber an v. Wangenheim: „Als die von der ausgehobenen Werft Gefangenen, die beim Transport wohl ahnten, was ihnen bevorstand, eines Cages einen Fluchtversuch machten, erschoß ich mit Fritz zwei der Ausreißer, dem dritten ließ ich den Gnadenschuß geben, der vierte entkam uns leider. Ich glaube, sehr geehrter herr Hauptmann, in Ihrem Sinne gehandelt zu haben. Ich bitte, dieses Schreiben streng privatim zu behandeln.“ Wie entsetzt über diese Untaten der Bezirkshauptmann war, ergibt dessen Antwortschreiben an Wiehager. Es heißt darin:„Zu meinem Schrecken sehe ich aus Ihrem Schreiben, daß Sie auf Buschleute schießen, die nichts Unrechtes begangen haben. Ihre Schilderungen sind doch kein Grund, die Leute derartig anzugreifen. Sie werden jetzt der Blutrache dieser gefährlichen und hinterlistigen Rienschen durch diese ungerechte Behandlung mit Ihren dortigen weißen Angestellten preisgegeben sein.“ Später ersuchte der Angeklagte den Bezirkshauptmann um Rückgabe oder Vernichtung seiner Briefe. v. Wangenheim lehnte aber beides ab und teilte dem Angeklagten mit, daß er die Briefe zu den Akten genommen habe. Er forderte ihn auch auf, sofort dem Gouverneur Mittieilung von den Vorgängen zu machen. In der Ferichtlichen Verhandlung suchte Wiehager den peinlichen Eindruck seiner Briefe abzuschwächen, indem er erklärGewrader Stein, Schwerte Brück- und Hagenerstrassen- Ecke.= 10000 Meter Stückwaren zu konkurrenzlos billigen Preisen! Unsere Weisse Woche beginnt Dienstag, den 25. Juni. Wir werden in Bezug auf grosse Auswahl and billige Preise in Weisser Wäsche und Weisswaren am Stück ganz Hervorragendes leisten. Wir bringen weit über 5000 Stück Hemden, Beinkleider. Schürsen, Nachtjacken, Nachthemden fabelhaft billig zum Verkauf. Beachten Sie unser Angebot Montag, den 24. d. Mts. te, er habe nur mit seinen Taten in renommistischer Weise sich groß tun wollen, weil er der Aleinung gewesen sei, der Truppe einen Dienst gelistet zu haben, wenn er die von der Truppe gesuchten, des Mordes schwer verdächtigen Busch männer getötet habe. Ferner brachte er als Entschuldigung vor, er habe damals unter dem Einfluß des kriegerischen Geistes un dder durch die Eingeborenen verübten Schandtaten an Weißen gestanden, auch habe er nach dem Sinne des Trothaschen Geheimerlasses nicht geglaubt, sich strafbar zu machen, wenn er gegen das„gemeingefährliche Gesinde!“ kraft seiner ihm verliehenen Oolizeigewalt mit aller Schärfe vorginge. Das Urteil des Oberkriegsgerichts in Windhuk wird wohl jetzt den Angeklagten darüber belehrt haben, daß er sich eines unerhörten Mißbrauchs seiner Dolizeigewalt schuldig gemacht hat, für den die über ihn verhängte Strafe nur eine gerechte Sühne ist. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 20. Jumi. **(Die schönen Sommertage) sind jetzt zu Morgenspaziergängen wie geschaffen. Früh ist bekanntlich die Luft am reinsten, ozonhaltigsten. Der Rauch der Schlote hat noch nicht die Atmosphäre verunreinigt; taufrisch spiegelt das Gelände im Glanze der Morgensonne. Die Wege sind noch nicht von lärmenden Menschen überfüllt, zwischen den Alleebäumen schweben noch keine Staubwolken, die der Spaziergänger schlukken muß; das Lied der Amsel und Lerche klingt noch rein und voll über die Wiesen und Felder. Kühler ist's im Walde. Dort mag es erst gegen Mittag angzenehmer werden, wenngleich auch ein im Morgenlicht liegender Wald seine Reize haben mag. Jedenfalls sollte der schöne Sommer fleißig zu Morgenausflügen benutzt werden, und die Eltern sollten auch die Kinder darauf ausmerksam machen, wie herrlich sich's in der Frühe wanddert. Hinaus aus den warmen Betten, und wenn die ersten Hähne krähn— landeinwärts. **(Das Nahen der Stenographie=Konferenz.) Der Staatssekretär des Innern hat jetzt die Bundesregierungen ersucht, Gutachten der Stenographischen Bureaus der größeren parlamenarischen Körperschaften einzufordern. Er beabsichtigt, mach Prüfung der eingegangenen Aeußerungen eine Konferenz im Reichsamte des Innern nach dem Vorbild: des Vorgehens bei Einführung einer einheitlichen deutschen Ortographie einzuberufen.— Es geschieht dieses infolge des mit großer Mehrheit angenommenen Antrags Schack und Genossen:„Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, den Bestrebungen zur Vereinheitlichung der deutschen Kurzschrift(Stenographie) ihre Mitwirkung, jedenfalls aber tunlichste Förderung zuteil werden zu lassen.“ **(Der westfälische Handwerkskammertag,) welcher in diesem Jahre in Münster abgehhallten wird, ist um einen Tag, und zwar vom 17. auf den 18. Juli, verschoben worden. **(Der Ruf nach Hausbriefkästen.) Zur Beschleunigung der Bestellung gewöhnlicher Briefsendungen durch die Briefträger ist ees dringend erwünscht, daß in den Häusern an den Wohnungseingängen Briefkästen angebracht werden. Dadurch wird den Briefträgern das Warten erspart und die Zustellung der Sendungen für alle Briefempfänge beschleunigt. Hausbriefkästen sind am zweckmäßigsten so einzurichten, daß in der Eingangstür zur Wohnung eine Einwurfsspalte hergestellt und innerhalb der Wohnung der Briefkasten angebracht. Bei dieser Art der Herstellung wird den Einwurfsspalten solche Abmessungen zu geben sein, daß auch stärkere Briefe und Drucksachen eingeworfen werden können. *r(Bunter Theaterabend.) Der vielem Festlichkeiten halber findet der bunte Theaterabend nicht am Samstag, sondern erst am Mittwoch, den 26. ds. Mts. im Hotel Brückner statt. Karten im Vorverkauf sind bereits im Theaterlokal zu haben. **(Ortskrankenkasse.) Die auf gestern Abend im Hotel Ostermann(Brückner) angesetzte Generalversammlung der Ortskrankenkasse, in der über die Frage der Einführung der Familienversicherung Beschluß gefaßt werden sollte, war nicht beschlußfähig. *( E i n L i e b l i n g s g e r i c h t j e d e s e c h t e n W e s t f a l e n,) Großebohnen mit Speck, dürfte in diesem Jahre nicht zu oft auf den Tisch kommen. Infolge der wechselvollen Witterung der jüngsten Wochen, nnmentlich aber des feuchtwarmen Wetters der letzten Tage sind die gegenwärtig in schönster Blütenpracht stehenden Großebohnenstanden wieder von der schlimmen Milbenplage befallen worden, die die schönste Pflanze verkümmern macht und die Frucht verdirbt. In einzelnen Gärten ist jede Pflanze von diesem schwarzen Ungeziefer befallen. Das radikale Mittel dagegen ist natürlich gänzliches Ausrotten und Vernichten der befallenen Pflanzen. Aber auch Bestreuen mit Tabakstaub, Pfeffer, Zacherlin usw. wird als gutes Mittel gegen die Milben empfohlen. Andere verwenden kalte Seifenlauge, Sodawasser dagegen. Petvoleum schädigt die Pflanze. Das Bestreuen geschieht am besten in der Morgenfrüh:, wenn der Tau noch an der Pflanze haftet. Auch über sonstiges, das Gemüse schädigendes Ungeziefer wird in diesem Fahre viel geklagt. An wielen Kappus= und Kohlpflanzungen sehen die Blätter aus wie durchlöcherte Siebe. Und das trotz des llangen und strengen Winters. (-) Westhofen, 20. Juni.(Neuer Dirigent.) Herr Hauptlehrer Achenbath hat seinen Posten als Dirigent des Männergesangvereins„Eintracht“, den er etwa zwei Jahre inne hatte, niedergelegt. Auf erfolgte Ausschreibung der Stelle waren mehrere Meldungen eingegangen, von denen am vorgestrigen Dienstag Herr Musikdirektor Ottenberg aus Hemer gewählt wurde. Ein in nahe Aussicht genommenes Vereinsfest wurde infolge des Dirigentenwechsel auf vorläufig unbestimmte Zeit verlegt. Wir wünschen dem Verein auch unter der neuen Leitung ein ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. (—) Bürenbruch, 19. Juni.(Ansteckende Krankheiten.) An Scharlach und Diphteritis ist das Kind Karl Hinkelmann und an Scharlach ist der Kettenschmied Eberhard Krämer von hier erkrankt. Ersteres ist bereits dem Krankenhause zugeführt worden. Die polizeilichen Anordnungen sind in beiden Fällen getroffen worden. !! Rheinen, 19. Juni.(Einen bedeutenden Schaden) erlitt der Landwirt Kirchhoff am Hasenohl, indem ihm ein gutes Ackerpferd infollge eines Herzschlages einging. !! Hennen, 19. Juni.(Spurlos verschwunden) ist seit 3 Tagen der Spormseiler W. B. von hier. Praktisch! Billig! Neuheit für Touristen! Touristen-Karten = in Postkarten-Format mit— Touren-Plänen für genussreiche Ausflüge in die nähere und weitere Heimat. Folgende Karten liegen bereits vor: Ruhr- Lenne- und Hönne-Tal. Das Sauerländische Gebirge. Barmen und das untere Ruhr-Tal. Das bergische Land. Die Rheingegend, Bonn bis Remagen und das Siebengebirge. Er ist seit vorigen Samstag von Hause verschwunden und von der Zeit am nicht zurückgekehrt. Es wird vermutet, daß dem B. ein Unglücksfall zugestoßen ist. Mitteilungen über den Verbleib dessellben sind an die Polizeibehörde in Ergste zu richten. Ortschaft Wettringhoff scheute das Pferd des Landwirts Deitenbeck vor der Schmalspurbahn. In dem Bestreben, das Tier zu halten, wurde er von demsellben eine Strecke mit fortgeschleppt und geriet schließlich unter die Räder. Der Mann erlitt außer einer schweren Armverletzung mehrere Rippenbrüche. Sein eigenes Kund wurde von dem Pferde umgerannt und gerick unter den Wagen; glücklicherweise kam das Kind mit dem Schrecken davon. * Steele, 19. Juni. Beim Versuch, infolge einer Welte dreimal die Ruhr zu durchschwimmen, ertrank ein 20jähriger Bergmann vor den Augen zahlreicher Zuschauer. * Düsseldorf, 19. Juni.(7545 Einsprüche.) Als eine Wirkung der schärferen Heranziehung der Einlommen von 900 bis 3000 Mark auf Grumnd des § 23 des neuen Einkommensteuergesetzes ist die hohe Zahl der Resjährigen Einsprüche gegen esie Einkommenst auerveranlagung im hiesigen Staltkreise anzusehen. Die Zahl derselben beträgt nicht weniger als 7545 und sie übertrifft damit diejenige sämtlicher Vorjahre um ein ganz Bedeultendes. * Düsseldorf, 19. Juni.(Todessturz.) Zwei Monteure der Benrather Maschinenfabrik sind in Mannheim bei der Ausführung einer Maschinenmontage abgestürzt und tot geblieben. * Duisburg=Ruhrort, 19. Juni.(Tragischer Todd.) Der Besitzer des Hotel„Kaiserhof“, Heinrich Moers von hier, wurde in der verflossenen Woche am seiinem Hochzeitstage, gerade in dem Augenblicke, als er mit seiner Frau eine Hochtzeltsreise anzutreten im Begriffe stand, vom Herzschlage gerührt, an dessen Folgen er nunmehr gestorben ist. * Mülheim(Ruhr), 19. Juni. Auf den Thyssenschen Werken kam der Monteur Salzmann der ellebtrischen Starkstromleitung zu nahe. Er wurde sofort getötet. In Mülheim=Bresich stürzle die Witwe Ortmann aus dem Fensten. Sie blieb tot liegen. * Köln, 19. Juni. Zur Besetzung des Kölner Oberbürgermeisterpostens erfahren wir, daß bisher noch keile Entscheidung getroffen wurde. Man klopfte in Bonn, Koblenz, Düsselldorf, Posen und Magdeburg mit negativem Erfolge am. Daß, wie in auswärtigen Blättern mitgeteillt wird, der bekannte Zentrumsführer Trimborn in Frage komme, wird von der ultrmontanen Kölnischen Volkszeitung heute energisch bestritten. Oberbürgermeister Becker wird alsballd nach scinem Rücktritt sich dauernd in Berlin niederlassen. Aerzte gegen die freie Arztwahl Ein Arzt schreibt der„Köln. Ztg.“: Dor einigen Wochen brachten Sie die Mlitteilung von einer unter den Aerzten der Orovinz Westfalen veranstalteten Rundfrage nach der gesetzlichen Einführung der freien Arztwahl bei allen Rrankenkassen. Unzweifelhaft war eine solche Einzelabstimmung weitaus mehr geeignet, ein zutreffendes Bild der Anschauungen in den Aerztekreisen über diese brennend gewordene Tagesfrage zu geben, als die Beschlüsse der Aerztetage, deren Delegiertenzusammensetzung es mit sich bringt, daß im wesentlichen nur die eifrigen Vertreter der freien Arztwahl zu Worte kommen. Sie wiesen deshalb bereits darauf hin, daß das Ergebnis der erwähnten Rundfrage hochbedeutsam sein müsse in einem Augenblick, wo die gesetzgebenden Faktoren sich anschicken, die Rassenarztfrage gesetzlich zu ordnen. Die so sehr von gewisser Seite betonten„einmütigen“ Beschlüsse der deutschen Aerztetage über die in Rede stehende Frage erfahren nun durch das Ergebnis der Rundfrage in Westfalen eine überraschende Norrektur. Don den 856 Aerzten, welche die Rundfrage beantwortet haben, stinnnten 412 gegen, 395 für die gesetzliche Einführung der freien Arztwahl bei allen Arankenkassen; 51 Stimmen waren ungültig. Don den 805 gültigen Stimmen lauteten also rund 51 Orozent gegen, 49 Orozent für die gesetzliche Einführung. Zu erwähnen istst, daß 536 Aerzte nicht geantwortet haben, was auf eine gewisse Gleichgültigkeit vieler Aerzte in der ganzen Rrankenarztfrage schließen läßt Das gleiche Ergebnis hat, wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, eine jüngst in Oberschlesien veranstaltete Rundfrage gehabt; auch hier hat sich die Miehrheit der Aerzte gegen die gesetzliche Festlegung der freien Arzt= wahl ausgesprochen. An dieser Catsache, daß bei zwei in verschiedenen Orovinzen erfolgten Rundfragen der größere Teil der abstimmenden Aerzte sich gegen die gesetzliche Einführung der freien Arztwahl wendet, wird der Gesetzgeber nicht vorübergehen können, zumal kein Grund zu der Annahme vorliegt, daß in anderen Orovinzen und andern Reichsgebieten eine Einzelabstimmung ein anderes Ergebnis zeitigen würde. Alles in allem scheint es, daß eine einheitliche und gleichmäßige Regelung der Rassenarztfrage bei allen Krankenkassen weder den Interessen der Aerzte noch denen der Rasse gerecht wird, unddaß darum die freie Ausge staltung je nach den örtlichen Bedürfnissen durch das Gesetz keinesfalls unterbunden werden darf. Westfalen und Rheinland * Gelsenkirchen, 19. Juni.(Zwei Knaben ertrunken.) Der 14jährige Arbeiter Rudolf Biel wollte heute morgen in dem hinter dem Hochofen bei Buhmke gelegenen Schlammteich ein Bald mehmen. Plötzlich versagten ihm die Kräfte und er ging unter. Sein 15jähriger Freund Gustav Jedamski wollte ihm zu Hilfe Ummen. Beide ertranken. Die beiden Leichen wurden in die Totenhalle des evangelischen Krankenhauses gebracht. * Lüdenscheid, 19. Juni.(Zwei schwere Unglücksfälle) sind von hier zu berichten. Auf der Hochstraß: scheute das Pserd des Fuhrmanns Lange vor einem Automobil und ging durch. Lange, der sich auf dem Wagne befand, stürzte herab und fiel vor die Räder, die über ihn hinwegggingen. In schwerverletztem Zustande wurde er ins städtische Krankenhaus transportiert; beide Beine sind gebrochen.— In der Aus den Gerichtssälen. § Dortmund, 19. Juni. Die Strafkammer hat nach dreitägiger Verhandlung den frühern Direktor der verkrachten Soester Spar= und Kreditbank, Goetz, von der Anklage der Untreue, Bilanzverschleierung und soristiger Verstöße gegen die Handelsgesetze freigesprochen. Frankfurt a. M., 18. Juni. Die Strafkammer hat den Goldarbeiter David Lind, der seit Jahren gestohlene Silber= und Goldwaren ankaufte, wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. § Hamburg, 19. Juni. Das Landgericht hat die Berufung der vom Gewerbegericht zum Schadenersatz verurteilten 142 Schauerleute der Hamburg=AmevikaLinie, die im vorigen Jahre wegen der Maiseier die Arbeit verlassen hatten, abgewiesen. Das Urteil besagt, das Verlassen der Arbeit sei kontraktwidrig gewesen, habe die Abfahrt des Dampfers Blücher verzögert und dadurch der Paetfahrt Schaden zugefügt. § Das Londoner Admiralitätsgericht bestimmte, daß die Great=Eastern=Eisenbahn, die Besitzerin des bei Hoek van Holland untergegangenen Dampfers „Berlin“, die Hinterbliebenen der etwa 140 Verunglückten mit rund 511000 Mark zu entschädigen habe. Kleine Chronik. Berlin, 19. Juni. Die„Voss. Ztg“ melldet aus St. igbert: Der Ackerer Weigel aus HHayna(Pfalz) irde unter dem Verdachte der Ermordung seiner agd verhaftet. Er hatte mit ihr ein Verhältnis, das cht ohne Folgen blieb. Seine Ehefrau starb vor Tagen. Speier, 19. Juni. Der seit kurzem aus der hiesigen hrerbildungsanstalt entlassene 19jährige Schulverser Lind besucht: in Harthausen einen guten eund. Auf dem Tische sah er einen Revolver liegen, ne zu wissen, daß die Waffe geladen war. Lind hm den Revolver und richtete ihn mit scherzhaften orten auf seinen Kopf. Plötzlich entlud sich die affe und die Kugel drang dem Leichtsinnigen durch e Nase in den Schädel. Ehe die Operation des Vertzten im Krankenhause erfolgen konnte, war er beits verschieden. Bukarest, 19. Juni. Gestern nachmittag wurde in r rumänischen Stadt Pucgacz von einem unbekannn Täter die eiserne Kassette des Postanntes beraubt. imtliche Wertbriefe mit einem Inhalt von den Räubern in die *(„Prinzeß Alices“ Enttäuschung.) Aus Newyork wird geschrieben: Der ehrenwerte Nicholas Longworth, der Vertreter des ersten Kongreßdistriktes von Ohio, der amerikanische„Prinzgemahl“, fristet im Grunde ein entbehrungsreiches Dasein. Seit dem Tage, da er Prinzeß Alice als Gattin heimführen durfte, seitdem er mit dem Präsidenten in Familienbande trat, hat er aufgehört, eine Persönlichkeit zu sein. Er ist nur noch „Alice Roosevelts Mann“, und nur als solchen kennt ihn die Oeffentlichkeit. Schon auf der Hochzeitsreise mußte Nicholas Longworth die Schattenseiten einer Verbindung kennen lernen, bei der die amerikanische Prinzessin dem einfachen Bürger und Kongreßmitgliede die Hand reichte. König Eduard und die Königin von England plauderten lange und ernsthaft mit Prinzeß Alice; der Prinzgemahl Longworth aber stand abseits, und keiner dachte daran, daß er doch eigentlich auch da sei. Die Photographen knipsten die Gattin, aber keiner kümmerte sich uum den Gatten. Die Interviewer interviewten Alice; aber keiner dachte an Mr. Longworth. Er war und blieb mun einmal Alice Roosevelts Mann, und als solcher erreichte auch er gelegemtlich die Unsterblichkeit der Erwähnung in der Presse. Nicholas Longworth war ein ruhiger, kundiger Mann, der sich mit seiner zweiten Rolle lächelnd und halbamüsiert absand; nur seine berühmte Frau war nicht damit einverstanden. Denn Prinzeß Alice ist eine junge Dame von Ehrgeiz, und ihre Hoffnungen waren nicht allzu bescheiden. Was sie im Grunde ihres Herzens erstrebte, welche Ehren sie über ihren Mann gern ausgeschütttet gesehen hättte, das weiß wohl niemand als sie selbst. Aber da sie nun gewartet hat, Jahr sund Tag, und das umsonst, ist sie schmerzlich enttäuscht. Denn nicht nur das Wunderbare blieb aus, nein, selbst die reguläre politische Karriere ihr:s Gemahls stockt, seitdem sie seinen Namen angenommen. Und als lediger Mann hat das ehrenwertegag,„un mitglied von Lhio sehr günstige Chancen gey#### un ist das alles dahin. Um mit seinem Schwiegervater in Harmonie zu blleiben, mußte Nicholas einen allten Freund politisch opfern, uund winn er auch bei der Wahl mit Hilse Roosevelts sseinen Sitz wieder errang, das Sinken der Stimmenzahl mußte ihn belehren, wie sehr seine Popolarität seit seiner Heirat gesunken ist. Seine Gattin setzte sich mit aller Wucht für seine Wahl ein; sie gab Diners ohne Ende, Toes ohne Zahl, lächelte mit den Wählern, plauderte mit deren Frauen, aber, o Wunder, je mehr Prinzeß Alice sich für ihren Gemahl einsetzte, je schlechter wurden dessen ursprünglich glänzende Chancen, und nur mit knapper Not entging man einer völligem Niedrelage. Einst galt Nicholas Longworth als der aussichtsreichste Kandidat der Republikaner für den Botschafterposten in Japan. Von jeher war das Studium des amerikanischen Konsulardienstes sein Lieblingsfeld gewesen, schon früh hatte er den fernen Osten bereist und emsig Studle gesammelt; er galt als Kenner in allen einschlägigen Fragen, fast als Autorität, und war ständiges glied der Kommissionen, die über die Beziehungen zum Osten konserierten. Nun ist ihm auch die Chance geraubt. Denn wieviell sachliche Gründe auch für seine Ernennung sprächen, der Präsident könnte es micht wagen, sseinen Schwiegersohn auf diesen Posten zu berufen, ohne des Nepotismus beschuldigt zu werden. Alice zwar will das nicht einsehen, sie hatte sich schon so sehr auf Japan gefreut und auf ein Haus mit Aussicht auf den Fudschi. Aber die Politik ist unerbibtlich, und Madame wird sich bescheiden mussen, die Gattin eines ebenso ehrenwerten wie schlichten Konareßmitgliedes von Ohio zu bleiben. * Napoleonauekdoten. G. Kuntze hat in einem soeben bei Robert Lutz, Stuttgart, erschienenen Buche charakteristische Napoleonanekdoten zusammengestellt. Hier mögen ein paar (Was kann man seini) Vonaparte kommt nach seinem zweiten italienischen Feldzug bei einem Diner mit einer jungen Dame zusammen, die gern die geistreiche spielen wollte. Sie schwatzte viel von Literatur und Kunst und überschüttete den Helden mit Lobhudeleien aller Art. Endlich rief sie begeistert aus: „Was kann man wohl noch in der Welt sein, wenn man nicht der General Bonaparte ist?“—„Eine gute Hausmutter“, entgegnete dieser. (Geistesgegenwart.) Bei einer Parade auf dem Karusselplatz in Paris bäumte sich plötzlich der Schimmel des Kaisers, der durch den unerwarteten Ruck seinen Hut verlor. Ein junger Leutnant sprang beflissen herbei sund hob ihn auf.„Danke, Herr Hauptmann“, sagte Napoleon, immer noch damit beschäftigt, sein Pserd zu beruhigen.—„In welchem Regiment, Sire?“ fragte der Offizier.— Nun sah sich Napoleon den Offizier näher an und, seinen Irrtum bemerkend, sagte er lachend:„Ahl sehr gut, mein Herr— in der Garde.“— Einige Tage darauf erhielt der neugebakkene Hauptmann sein Patent, das er seiner Geistesgegenwart verdankte, übrigens hatte er es auch verdient, denn er gehörte zu den tapfersten Offizieren der Armee. (Eine unerwarete Antwort.) Am Tage nach einem Gefechte, das nicht soansgefallen war, wir es Napoleon wünschte, ließ er eins von den Regimentern, die daran teilgenommen, Revue passieren.„Wer kommandiert diese Kompagnie?“ fragte er, als er bei der Front der Voltigeurs vorbeikommt.„Ich, Sire“, antwortet ein Offizier, der augenblicklich aus Reih und Glied tritt.„Sind Sie Kapitän?“—„Nein, Sire, aber ich bin aus dem Holze, aus dem man sie macht.“ —„Es ist gut, mein Herr; wenn ich Kapitäne von Holz brauche, werde ich an Sie denken.“ Briefkasten. E. C. Verehrteste gnädige Frau! Ihr Inserat betr. Mädchengesuch aufzunehmen bezw. Ihnen die eingehenden Offerten zuzusenden, ist unserer Geschäftsstelle beider nicht möglich, da sie auf Ihrer Postkarte leider eine„Kleinigkeit" vergessen haben anzugeben, nämlich Namen und Adresse. Dürfen wir um entsprechende Mitteilung höfl. bitten? Der Strohmann der Hypothekenglauviger In einem Prozesse zwischen dem Eigentümer eines Grundstückes, das zur Zwangsversteigerung kam, und eine Hypothekengläubigerin machte jener als Beklagter geltend, die Hypothekengläubigerin sei ihm schadensersatzpflichtig. Er stützte seinen Anspruch auf § 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der lautet:„Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem andern vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersatze des Schadens verpflichtet.“ Nach der Behauptung des Eigentümers hatte die Klägerin mit einem anderen Hypothekengläubiger K. vereinbart, sie wollten beide nicht mitbieten. Statt dessen schoben sie beide einen Srohmann vor, der in ihrem Auftrage im Versteigerungsteumin ein Gebot, unter dem Werte des Grundstücks machte und auch den Zuschläg erhielt. Der Strohmann verkaufte dann das Grundstück für die beiden zu einem höheren Preise weiter. Den auf diese Weise erzielten Vorteil teilten die beiden Gläubiger unter sich. Das Oberlandesgericht Breslau entschied, daß § 826 B. G.=B. hier keine Anwendung find:. Anders das Reichsgericht. Es erkannte an, daß ein solches Verhalten der Hypothekengläubiger, wie es von dem Grundstückseigentümer behauptet worden sei, den Tatbestand des§ 826 erfülle. Daß in einem solchen Verhalten eine vorsätzliche Schädigung durch den Hypothekengläubiger liege, begründet das Reichsgericht folgendermaßen: „Die Vereinbarung, durch Unterlassen des Bietens zu bewirken, daß ein beauftragter Dritter das Pfandgrundstück unter dessen Wert zu einem geringen Preise erwerbe, um es dann zu einem höheren Preise zugunsten der Vertragschließenden zu verwerten, kann nur in dem Bewußtsein getroffen sein, denjenigen zu schädigen, der bei Erzielung eines höheren Steigpreises Anspruch auf den Ueberschuß gehabt hätte. Wer mit diesem Bewußtsein handelt, hat auch die Schadenszufügung gewollt, und mehr ist zur Annahme einer vorsätzlichen Schädigung nicht erforderlich.“ Nun genügt aber zur Anwendbarkeit des§ 826 nicht eine vorsätzliche Schädigung, sondern zu dieser muß noch ein Verstoß gegen die guten Sitten treten. Hierzu führt das Reichsgericht folgendes aus: „Der§ 826 B. G.=B. bezweckt, illoyalen Schädigungen im Verkehr vorzubengen. Gerade eine solche illoyale Schädigung wird hier der Klägerin zum Vorwurf gemacht. Zwar besteht für Hypothekengläubiger weder eine rechtliche, noch eine sittliche oder Anstandspflicht, bei der Versteigerung des Pfandgrundstücks mitzubieten oder gar ihre Hypothek herauszubieten, und es kann deshalb zugegeben werden, daß die Vereinbarung zweier Hypothekengläubiger, sich des Bietens zu enthalten, für sich allein noch nicht gegen die guten Sitten verstößt. Hier aber sollen die Vertragschließenden weiter gegangen sein und planmäßig dahin gewirkt haben, daß dem gewöhnlichen Laufe der Dinge zuwider ihnen ein Teil des Wertes des Pfandgrundstücks auf Kosten des Beklagten zufiel. Sie sollen einen Dritten als Strohmann beauftragt haben, das Grundstück für sie billig und zu einem Preise zu erstehen, durch den die Klägerin mit ihrer Hypothek nicht gedeckt wurde, sodaß sie ihre persönliche Forderung behielt, während sie daneben noch durch Weiterveräußerung des billig erstandenen Grundstückes für ihre Rechnung einen Teil des wahren Grundstückswerts für sich gewann, der zunächst zur Befriedigung der Hypothekengläubiger hätte dienen sollen. Ging hiernach die Klägerin bei der Vereinbarung mit K. davon aus, diesen von der Abgabe eines Gebots abzuhalten, durch das die Hypothek der Klägerin ganz oder doch zumteil Deckung fand, so hat sie in illoyaler Weise zu ihrem Vorteil und zum Schaden des Beklagten den Zweck der gesetzlichen Zwangsversteigerung vereiteln wollen, der dahin geht, durch Erzielung eines möglichst hohen, dem Grundstückswert entsprechenden Gebots bei freier Konkurrenz der Bieter die möglichst vollständige Deckung der auf dem Grundstücke hastenden Lasten zu erreichen. Lehle Brahlmetbungen. v. Lindequists Rückkehr nach Deutsch=Südwestafrika. Berlin, 19. Juni. Der Unterstaatssekretär des Reichskolonialamts von Lindequist wird die Ausreise nach Deutsch=Südwestafrika mit dem heute von Hamburg ausfahrenden Dampfer antreten. Herr v. Lindequist übernimmt bis zum Eintreffen des Gouverneurs v. Schuckmann nochmals in vollem Umfange die Geschäfte des Gouverneurs. Der Unterstaatssekretär wird voraussichtlich in der ersten Oktoberhälfte nach Deutschland zurückkehren. Das Urteil im großen Wucherprozeß. München, 20. Juni. In dem großen Wucherprozeß ist gestern abend nach sechswöchiger Verhandlung das Urteil gefällt. Der Angeklagte Hartmann erhielt 2 Jahre 6 Monate Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe, Oiser 2 Jahre 3 Monate Gefängnis und 3000 Mk. Geldstrafe, Maffei 1 Jahr 3 Monate Gefängmis und 600 Mark Geldstrafe, Maffei jum. 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 4500 Mark Geldstrafe. Sechs Angeklagte erhielten 3—6 Monate Gefängnis nebst entsprechender Geldstrafe. Härtling, Biber, Schmidt und Ebner wurden freigesprochen. Freigesprochen. Bromberg, 19. Juni. Der Redakteur Ginschel war vor dem hiesigen Schöffengericht von dem Vikar Bykowski in Wolfstein wegen Beleidigung verklagt worden, weil er in seinem Blatte berichtet hatte, Bykowski habe von der Kanzel im Anschluß an die Verlesung des bekannten erzbischöflichen Hirtenbriefes zum Schulstreik aufgefordert, der am nächsten Tage in Wolfstein ausbrach. Ginschel hatte dabei den Vikar als Hetzer inn Priesterkleide, der die Kanzel herabwürdige, bezeichnet. Der Gerichtshof erachtete den Wahrheitsbeweis für erbracht und sprach Ginschel rei. Mord und Selbstmord. Bernburg, 20. Juni. Der Gastwirt Jahn tötelle seine Geliebte, die Wirtschafterin Vogt, durch zwei Revolverschüsse. Als ihm die Flucht verstellt wurde, tötete er sich durch einen Schuß in den Kopf. Aus Rache. Bad Gastein, 20. Juni. Ein aus Preußen gebürtiger Bahnarbeiter töttte aus Rache zwei Kameraden und verletzte vier lebensgefährlich. Panik bei der Prozession. Triest, 20. Juni. In Rapo=Disteri raste ein wild gewordenes Pferd in eine dichtgedrängte Prozession. Es entstand eine große Panik. Mehrere Personen wurden schwer verletzt. Verurteilter Kassenbeamter. Flensburg, 20. Juni. Das Schwurgricht verurteilte den Stadtkassierer Neißen zu Apenrade wegen Unterschlagung von 12 500 4 und Urkundenfälschung zu 18 Monaten Gesängnis. Blutschande. Gießen, 20. Juni. Die Strafkammer verurteilte den Tagelöhner Seipel wegen Blutschande mit seiner 72jährigen Mutter zu 2 Jahren 4 Monaten Gefängmis. Aus Rußland. Petersburg, 19. Juni. Den Blättern zufolge fanden im Verlaufe der vergangenen Nacht etwa 500 Verhaftungen statt. Der ehemalige Vizepräsident der Duma, Beresin, war gleichfalls verhaftek, wurde jedoch nach kurzer Zeit wiedr freigelassen. Ueber die Zahl der Verhaftungen im übrigen Reiche liegen keine Nachrichten vor. Die Krisis in Frankreich. Narbonne, 19. Juni. Drei Regimenter Insand#rie und ein Kavallerieregiment haben seit vergangener Nacht die Stadt besetzt. Eine johlende und pfeifende Menge umgab den Wagen, in welchem Bürgermeister Ferroul weggebracht wurde. Die Infanterie, die mit gefälltem Bajonett vorging, zerstreute, unterstützt von der Kavallerie, die veranstaltete Kundgebung. Ein Oberst vom Kürassierregiment wurde durch einen Steinwurf getroffen. Die Einwohner mehrerer benachbarter Dörfer sind heute in Narbonne eingetroffem. * Paris, 20. Juni. Der Minister des Innern httte bis gestern abend noch keine Bestätigung von der angeblichen Verhaftung Marcellin Alberts. Narbonne, 20. Juni. Seit der Verhaftung Ferrouls hat die Erregung hir zugenommen. Die Stadt ist von 10000 Mann besetzt. Die Offiziere werden von der Menge ausgepfiffen und verhöhnt. Alle Läden und Werkstätten und sellbst die Banken sind zum Zeichen der Traner geschlossen. Agde, 20. Juni. Ein Zug von 500 Mann Eigenkümern und Arbeitern aus dem benachbarten Cagouls mit dem Präsidenten des Lokalkomitees an der Spitze ist unter lauten Rufen von Verwünschen gegen Clemenceau nach Argelliers abmarschiert, um gegen die Festnahme von Kommissionsmitgliedern zu protestieren. Paris, 20. Juni. Trotzdem ein Teil des Aktions= Komitees verhaftet ist, will die Bewegung der Winzer nicht abflauen, vielmehr ist die Aufregung auf das höch' ste Jestiegen. Ein englisches Torpedoboot gesunken. London, 19. Juni. Das Torpedoboot Nr. 99 ist in Torbay gesunken. Die Mannschaft ist gerettet. ? H u m o r d e s A u s l a n d e s. P a t r i c k L a n e, e i n I r länder, stand vor Gericht, denn er hatte Josef Karanagh verblagt, weil er auf der Straße nach ihm geschossen hatte.„Sie duckten Ihren Kopf?“ fragte der Richter den Kläger.—„Allerdings tat ich das, Euer Ehren“ antwortete Pat,„denn es ist besser, 5 Minuten lang ein Feigling zu sein, als sein Lebenlang tot.“ ? D e r g u t e F a m i l i e n v a t e r. A.:„ W a s S i e i m m e r über die Fleischrechnungen stöhnen, begreife ich nicht. Wir kommen durchschnittlich mit einem Pfund täglich aus.“— B.:„Wie ist das möglich? Bei fünf Personen!“ A.:„Sehr einfach: Meine Frau mag kein Fleisch, die Magd bekommt keins, die Kinder brauchen keins, und ich begnüge mich eben mit einem Pfund.“ Wetterbericht der deutschen Seewarte. 21. Juni: Schwül, wolkig, Neigung zu Gewitter. 22. Juni: Warm, heiter, teils bewölkt, Regen, Ge9158. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Speiserart öffeln Der Magnum bonum L. Veinberg. Todes-Anzeige. Gesten Nachmittag 3½ Uhr verschied in Neuenahr nach langem, schwerem und mit grosser Geduld ertragenem Leiden unser innigstgeliebter, teurer Vater, Schwiegervater. Bruder, Schwager und Onkel Gerichtssekretär a. D. Carl zur Nieden Im 65. Lebensjahre. Er starb im festen Glauben an seinen Erlöser. Essen, den 19. Juni 1907. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet von Schwerte. Westenstr. 10 aus zum neuen evangelischen Friedhof Samstag, nachmittags 3 Uhr daselbst statt. Grans-Kanss-Vertonung! 80 3 Kaufmännischer Verein Schwerte. Ortsgruppe im D. H. V. # * Donnerstag, den 20. Juni abends 9 Uhr im Hotel Östermann —(V. Brückner):— Ausserordentliche geschäftliche Sitzung. — Tagesordnung:= 2## # 1. Lokalfrage. 2. Bericht über den Verbandstag in Dresden. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder dringend notwendig. Der Vorstand. □ □ □ ist W2579 Makulatur-Papier Buchdruckerei Carl Praus. 66 5 □ 2 0 □ 5 9 60 0 00 2 9 II Um Jedem Gelegenheit zu geben, eich von der Vorzüglichkelt meiner P„ zu überzeugen, erhält jeder Käufer gegen Ausbändigung untenstehender am Samstag, den 22. J ni 1 Gratts-Enpfang-Marke gratis!!! 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Freilich wird kein„männermordender“ Krieg austauchen, aber der friedenspendende Zar sieht sich gezwungen, seinem eigenem Lande die Ruhe vorzuenthalten, die erzallen Kulturvölkern gönnen möchte, und im übrigzn hören wir so viel von schönen Verträgen zum Schutz und Schirm des Friedens, daß diesem Idcal beinahe selbst unbehaglich zu Mirte werden muß. Der Weltfrieden, dieser Kulturträger allerersten Ranges, der mur damn imponieren kann, wenn er frisch und ungezwungen sich darstellt, gleicht heute einem armen, gefangenen Waldvöglein, das in einen absolut sicheren Käfig gesperrt ist, damit ihm keine Katze den Hals ummdrehen kann. Der Friede steckt heute dermaßen fest hinter einem Gitter von Friedensverträgen, daß man bald befürchten muß, er könne in all der Enge dahinsiechen, trotz aller guten Pflege, das heißt trotz der so außerordentlich hoch entwickelten bündnismäßig unterschriebenen und untersiegelten Friedensliebe. Der„zuropäische Westbund“, über den als schirmender Engel der„kleine Japaner“ schwebt, möchte die ganze Welt in seine AArme schließen. Auch den Russen, und wer sonst noch kommen will. Daß die Monarchen von Norwegen und Dänemark in Paris ais a vis dem Präsidenten Fallieres ihre Gläser bei stimmungsvollen Trinksprüchen erhoben, kann ein Zufall sein, ist aber keiner. Der große gekrönte Diplomat an der Themse versteht es ausgezeichnet, die in inkimen Beziehungen zu ihm stehenden Franzosen zu unterhallten zim Mittelalter gelang es den britischen Königen nie, Frankreich zu erobernt. Eduard VII. hat Und ob ich in des Tages Ringen Den Frieden nimmer finden kann, Wenn sanft die Abendglocken klingen, Löst sich der Seele Druck und Bann. Und wenn die Sterne droben stehen In still erhab'ner Majestät, Vergißt mein Herz des Sturmes Wehen Und findet Ruhe— im Gebet. Der Teufelskopf. Roman von Fitzgerald Molloy deutsch von E. Ebeling. (Nachdruck verboten.) 11 Sein Verwalter und sein Geschäftsführer verbrachten ganze Morgen damit, ihn mit Sachen bekannt zu machen, die manchmal unbedeutend, immer aber langweilig zu sein schienen. Vergleiche und Pachtverträge wurden seinem Gutachten anheimgestellt und sein Bankier überraschte ihn durch die Mitteilung, daß ihm eine große Summe Geldes zur Verfügung stehe— eine Summe, die in sich schon ein Vermögen war. Es währte eine zeitlang, bis er sich in die großartige Veränderung seiner Verhältnisse finden konnte und in den Uebergang von Abhängigkeit zu ererbtem Reichtum aus dim Nichts zu einem der vornehmsten Erbherren des Landes. Mit der Zeit jedoch gelingt es jedem Menschen, sich an sein Glück zu gewöhnen und Rigel war bald mit den Ehren seiner Stellung vertraut. Vom ersten Augenblicke an zeichnete er sich durch seine Freigebigkeit aus, als wünsche er, daß auch seine ganze Umgebung aus diesem Umschwunge seiner Verhältnisse Nutzen ziehen solle. Den älteren Dienstboten wurde eine gute Pension ausgesetzt und es blieb ihrer freien Wahl überlassen, ob sie ihren Dienst weiter versehen wollten oder das inzwischen sein fertig gebracht, und wer weiß, was noch werden will; die Intimität will nicht enden. Jedes Ding hat einmal ein Ende, die Wurst zwei, aber dieser Ring der Friedensbündnisse ist endlos. Allen wird alles garantiert, nur eins micht: der stetige Mangel an Eigennützigkeit. Und diese wird sich sicher wieder regen, das ist die Achillesfeste dieses Paktierens. Daß einmal Deutschland die Zeche bezahlen soll, ist unmöglich, so leicht läßt sich der Michel nicht ducken, so reicht sind wir auch nicht im Weltenraum, um alle schadlos halten zu können. Des Gewebes Kern ist die grundgescheidte britische Idee, sich nach allen Seiten hin sicher zu stellen. Es darf blos kein Mäuslein kommen, dies Gewebe zu zernagen, eine Rolle, die leicht der kleine Japaner einstmals spielen könnte— aber das liegt ja in weiter Ferne! Tatsache bleibt, daß der Friede heute so„gesichert“ ist, daß nun die Chauvinisten sich wacker rühren können. Wieder mal kein ruhiger Sommer vor allzu vieler Friedensfreude; das ist die Folge! Der geniale Arrangeur dieses meuesten FriedensKonzerts übersieht eins: er hat mit vieler praktischer Völkerkenntnis die augenblicklichen Forderungen des Tages bei den verschiedenen ihm bündnisfähig erscheinenden Völkern entdeckt, sellbst bei den dekadenten Spanierm, und kettet sie nun alle aneinander. Das ist— drastisch gesagt— beinahe so, als wenn man eine Zahl von Schlüsseln auf einen Schlüsselring zieht. Aber, man gebraucht in seinem ganzen Leben nicht immer beselben Schlüssel; neue Zeiten, neue Anforderungen, und so wechseln auch die Interessen der Nationen. Das reiche England ist nicht reich geung, alle zu befriedigen. Deutschland ist ein unverdaulicher Bissen, und es fehlt nicht an Mächten, die es an weitschauender Politik mit England reichlich aufnehmen. Die Vereinigten Staaten von Nord=Amerika, nicht Deutschland, wachsen sich immer mehr zum britischen Konkurrenten heraus, und die Japaner geben zweifellos einmal allen Europäern in Asien einen Fußtritt, sobald sie enropäisches Geld genug haben, vorausgesetzt, daß sie es können. Die englische Politik ist eine ganz hervorragend praktische; aber den dummsten Streich, dessen ganze Folgenschwere sich erst in Zukunft zeigen wird, hat sie gemacht, als sie die Japaner lehrte, nicht. Der Not einiger Pachter, die schon lange mit Sir David in Mißhelligkeiten gewesen waren, wurde abgeholsen; alte Pachtverträge wurden erneuert, ohne die Pacht zu erhöhen, wie der Geschäftsführer vorschlug. Ein Plan zur Erbaung von Arbeiterwohnungen wurde in Erwägung gezogen; sogar die Schulden des Krankenhauses in Dolgelley wurden bezahlt und noch eine ansehnliche Schenkung hinzugefügt: Es wurde kein Anspruch an seinen Wohltätigkeitssinn gestellt, der nicht befriedigt worden wäre. Mehr noch als seine Großmt gewann ihm aber seine gütige Freundlichkeit die Herzen seiner Leute. Aber trotz der Zerstreung, die alle diese Angelegenheiten mit sich brachten, war sein Leben sehr gedrückt und einsam. Die großen Räume des Schlosses waren nicht nur düster und verlassen, es lag in ihren hohen Mauern etwas, das sich erkältend auf sein Gemüt legte, das ihn beunruhig te und entmutigte. Philipps plötzlicher Tod hatte sein ohne hin reizbares Nervensystem ganz zerrüttet. Er gab sich der Einbildung h'n, daß ihm eines Tages oder eines Nachts das Schattenbild seines Vetters begegnen müsse. So oft er auch seinen Verstand zu Hilfe rief, er konnte den Ge danken nicht verbannen. Den Zimmern, die Philipp inne gehabt, den Sachen, die er gebraucht, schien etwas von ihm selbst anzuhasten. Mehr als einmal war es Rigel, als ob Philipp in den langen Gängen unsichtbar an ihm vorbeieilte oder sich, während er las oder schlief, über ihn beugte. Um diese düsteren Eindrücke los zu werden, wollte er das Schloß eine zeitlang verlassen. Abwechslung würde se nen Geist zu seinem normalen Zustande zurückzuführen. Er begann sich nach der Gesellschaft seiner früheren Kollegen nach dem Leben und Treiben großer Städte zu sehen. Paris mit seinem ganzen verlockenden Zauber stieg vor seiner Scele auf. Er gedachte an seine vielscitigen Kameraden, Studenten, Künstler, Journalisten, von denen er so plötzlich geschieden war und die er um so lieber wiedersehen würde, als ihm sein Reichtum jetzt erlaubte, ihnen eine ausgedehnte Gastsreundschaft zu erzeigen. Und jenseits Paris winkte der Süden, Italien mit Großmacht zu spielen. An Rücksichtslosigkeit sind sie allen Europäern weit über. Asiaten sind nun mal Asiaten. Westfalen und Rheinland. * Hemer, 19. Juni.(Verhaftung.) Durch hiesige Polizeibeamte wurden gestern zwei Verhaftungen vorgenommen. Es handelte sich um einen Straßenraub, den mehrere Personen in Niederhemer vollführten. Ein Beteiligter konnte alsbald verhaftet werden, der Polizeihund leist#te dabei gute Dienste, indem er die Spur der Straßenräuber verfolgte und einen derselben stellte. * Menden, 19. Juni.(Soltenes ArbeitsJubiläum.) Am Samstag konnte der Feiler Heinrich Pantel auf eine 50jährige Tätigkeit bei der Firma R. und G. Schmöle zurückblicken. Seine Arbeitgeber beglückwünschten ihn an seiner Arbeitsstelle und überreichten ein Geldgeschenk von 100 Kl. Von seiinen Mitarbeitern war die Arbeitsstelle bekränzt; sie machten ihm einen Sessel und eine lange Pfeife zum Geschenk. * Altena, 19. Juni.(Vorsicht üst zu allen Dingen nütze.) Am Sonntag nachmittag erhielt ein hiesiger Bürger, dessen Sohn in England in Stellung ist, ein Telegramm aus der Hafenstadt Leedes (England), in welchem der Sohn wegen eines Unglücksfalles um telegraphische Uebermittelung von 300 Mark postlagermd Leeds bat. Dem Vater, ein vorsich tiger Mann, kam trotz genauer Angabe der Adresse die Sache verdächtig vor und eer schickte drei Delegramme an seinen Sohn, den Geschäftsinhaber und den Hauswirt des Sohnes und bat um Aufklärung. Nach einigen Stunden kam ein Telegramm des Sohnes an, in welchem dieser die Mitteilung machte, daß die ganze Sache Schwindell sei und das Geld zurückgehälten werden solle. Man setzte sich mit der hiesigen Polizei in Verbindung, der es hoffentlich gelingen wird, den Schwindler zu entlarven. * Hilchenbach, 19. Juni.(Eine interessante Beobachtung) machten dieser Tage einige Spaziergänger im Felde. Eine Katze hatte ein junges Häschen überfallen und drohte ihm den Garaus zu seinen sonnigen Städten, seiner erhabenen Kunst, Spanien mit seinen romantischen märchenhaften Nächten, dann der Osten— das alles tauchte vor ihm auf wie eine glänzende Traumlandschaft, zugleich die Sehnsucht nach den Taten, neuen Abenteuern. Und mit welchem Luxus, welcher Bequemlichkeit würde er jetzt reisen können, so das Vergnügen der Anregung und Abwechslung verdoppeln. Doch Tag für Tag verrann und fand ihn immer noch auf dem ererbten Besitz, dessen Stille ihm immer unerträglich wurde. Eine geheime Angst schien ihn an den Ort zu ketten, als ob er fürchtete, seine Abwesenheit möchte zu seltsamen Entdeckungen benutzt werden, als ob er glaubte, seine Gegenwart hielte ein drohendes Uebel in gemessener Entsernung. Einige Vorkommnisse, an sich Kleinigkeiten, hatten ihn in diesem Gefühl bestärkt. Eines Tages nämlich, als er zum erstenmale nach dem Unglücksfalle auf den Teufelskepf stieg, um zu sehen, ob Vorkehrungen getroffen waren, den Verkehr über die gefährliche Stelle zu sperren, war er überrascht, die Gestalt eines Mannes dort zu gewahren. Derselbe beugte sich wie zur genauen Prüfung gerade an der Stelle zur Erde, wo sich der Unfall ereignet hatte Als er näher kam, erkannte er Sergeant Howls, den verschmitzt aussehenden Polizisten, der den Abhang gleich nach Auffindung von Philipps Leiche genau untersucht und beim Zeugenverhör seine Aussagen gemacht hatte. Sowie er Rigel erblickte, richtete er sich auf und erklärte, er betrachte die Stelle nur mal aus reiner Neugier, die sei wirklich gefährlich und sicherlich sei es ratsam, sie für den Verkehr zu sperren. Rigel unterließ es, ihn weiter zu befragen und nach einigen allgemeinen Redensarten verabschiedete sich der Mann. Ein andermal sah der junge Baron bei einem Ritt durch den Park Georg Foulsham und ritt auf ihn zu. Er hatte den Wildhüter seit dessen mitternächtlichem Besuche nicht wieder gesehen und war froh, eine Gelegenheit zu fluden sich gegen den Mann freundlich zu zeigen. Ehe Rigel ihn die jedoch erreicht hatte, verschwand Foulsham mit einer plötzlichen Wendung in einen Gebüsch. Ob der Wildhüter ihn nun gesehen und gemieden hat, oder ob er das machen. Plötzlich kam eine alte Häsin in vollem Laufe auf die Katze los und verteidigte mit seltsamem Mule das bedrängte Häschen, mdem sie vor ihm hin und her sprang und der Katze mit ihren Hinterläufern ganz gehörig zu Leibe rückt:. Kaum war das Häschen in Sicherheit, als ein Hund auf dem Kampfplatze erschien. Dieser hatte anscheinend die alte Häsin verfolgt. Er stutzte einen Augenblick, fuhr dann aber mit einem Satze auf die Katze llos, die diesem Anfalle aber noch rechtzeitig auswich. Nun gingen Hund und Häsin geuneinsam gegen die Katze los, die schließlich ihr Heil in der Flucht suchte, hinterher der Hund, der di. Häsin anscheinend als weniger gehaßten Feind in Frieden ließ. Hoffentlich hat die Katze für ihren Jagdfrevel einen gehörigen Denkzettel bekommen. Vom sozialen Felde. Deutscher Post= und Telegraphen=Assistenten=Verband. Mannheim, 19. Juni. Dem Verbandstage wohnben etwa 600 Delegierte bei. Auch Reichstagsabgg. Beck(Heidelberg) und die Vertreter der Behörden waren erschienen. Zollitzsch(Berlin) sprach über das wichtige Thema: Parlament und Verband. Der Redner wies darauf hin, daß der Verband durch die Unverstützung des Parlaments schöne Erfolge erzielt habe. Die Beamtan hätten sich aber auch jederzeit, so auch bei den letzten Reichstagswahlen, als loyale Staatsbürger erwiesen, und sie hätten viel dazu beigetragen, daß den staatserhaltenden Parteien der Sieg blieb. Für die Teuerungszulage müsse der Regiersung und dem Parlamente Dank ausgesprochen werden.(Beifall.) Entschieden müsse aber der Vorwurf des Staatssekretärs Krätke zurückgewiesen werden, der dem Verbande Nebenvegierung und Disziplinlosigkeit vorhielt. Der Verband sei der wichtigste Faktor der allgemeinen Interessen. Ihm und der Beaurtenschaft überhaupt stehe das Recht zu, auf dem Wege der Petition ihre Wünsche der Volksvertretung zu übermitteln.(Lebh. Beifall.)— Reichstagsabg. Beck erklärte, daß es die größte Pflicht des Abgeordneten sei, hinauszugehen und die Wünsche und Beschwerden des Volkes zu hören.(Lebh. Beifall.) Nach Erledigung einer großen Reihe von Organisationsfragen wurden die Verhandlungen geschlossen. Die Feuerwehr als Brandstifter. Ueber den in Freiberg in Sachsen gegen die Siebenlehner Feuenwehrleute verhandelten Prozeß haben wir unsere Leser auf dem Laufenden gehalten und dus Urleil#n dem vorgestern becndeten Prozeß in gestriger Nummer mitgeteilt. Um zu zeigen, wie voll sund wie ofsen in Siebenlehn„gebrandstiftet“ wurde, wollen wir hier noch einige Zeugen=Aussagen vom letzten Tage der Beweis=Aufnahme wiedergeben: Ein Zeuge Koch, der wegen Brandstiftung bereits zu 10 Jahren Zuchthaus verurten#t worden ist, erklärte, die Feuerwehr habe beschlossen gehabt, auch die Paulsche Brauerei sabzubrennen. Man müsse aber den Besitzer moch etwas warten lassen, weil er zu geizig son. Die Brauerei sollte deshalb fort, weil die Bewohner einiger Nachbargrundstücke under der Rauchbelästigung litten. Koch erklärte weiter:„Wenn man schön leben wollle, brauchte man bloß zur Feuerwehr zu gehen. Einmal hatten deren Mitglieder Vergnügen durch die Prämien, und wenn es brannte, gabs immer was. Die Stadt gab auch etwas, sodaß man aus dem Vergnügen mie herauskam.“ Ein Produktenhändler Paeßler, der wegen Brandstistung 4 Jahre Zuchthaus erhalten hatte, erzählt, in Säebenlehhn habe man allgemein das Sprichwort gekannt: Wo der Rauch hinzieht, da brennt es zuerst wieder. Bei einem Brand hat dieser Zeuge eine Spilwanne genommen, mit Lagerbier gesüllt und zum Spritzenzug getragen, dort wurde ihm gesagt, Kognak sei vorhanden, aber Zigarrei fehltem. Im übrigen„bedienten“ sich die Leute selbst. Bezahlt wurde alles von dem Hausbesitzer, der abgebrannt“ wurde. Der Zeug: Leudert bekundet, daß ihm der Angeklagt: Sohr mit der Aeußerung: „Jetzt kommen Sie bald drau“ große Angst eingejagt habe. Als er einst zu Köhler gesagt hat, es sei noch eine Schande, wie es in Siebenlehn zugehe, wurde ihm von dem mit unwohnenden Anders entgegnet:„Das verspehen Sie nicht, was hier geplant ist!“ Die Feuerwehr habe den Spitznamen„Verschönerungsverein“ in Siebenlehn gehabt.— Die Zigarrenmacherin Sparmann, die erst am 31. Mai ds. Is. zu 1 Jahr sechs Monaten Zuchthaus verurteilt worden ist, hat jetzt ein volles Geständnis abgelegt. Sie hat in dem von ihr bewohnten Rost'schen Hause Feuer angelegt,„um sich zu helfen,.„Es war einmal so Mode“ versichert sie. Ferner bekundet die Zeugin, daß der Bürgermeister Barthel bei Strubel selbst eine brennende Petroleumsampe hinter den Ladentisch geworfen habe. Zwei Zeugen, der Buchdruckereibesitzer Gustav Müller und der Lehrer Wilhelm aus Siebenlehn, versuchten die Verhältnisse in Siebenlehn als harmlos hinzustellen. Sie gingen soweit, von ihrer Seite Leumundszeugen vorzuschlagen, was ihnen vom Vorsitzenden folgend: Rüge einbrachte:„Das geht zu weit, Sie müssen hier objektiv und ruhig sein! Sie sind doch nicht hierher gekommen, uum eine Lanze für Siebenlehn zu brechen und Leumundszeugen in Ihrer Eigenschaft als Zeugen vorzuschlagen!“ Zum Brande der 7 Häuser am Schachteinsturz liegt ein Brief eines Fabrikarbeiters Köhler vor, den er an seinen Bruder noch in der Brandnacht nach Dresden geschrieben hat. Es heißt darin u. a.:„Nun munkeln sie noch vom Anzünden. Wenn du dein Geburtshaus noch einmal sehen willst, dann bezahle ein paar Mark und komme hierher.“ Der Zeuge hat mit seinen Eltern in steter Feuersgefahr geschwebt und sich sehhr unsicher gefühlt. „Wenn er auf dem Boden des väterlichen Hauses einen Feuerwehrmann erwischt hätte, so glaube er daß er ihn erschlagen hätte.“ Bäckermeister Köhler sagt aus: Als er bei Ottos„Forsthaus“ Feuer gesehhen habe, da habe er Bescheid gewußt, daß es nun auch bei ihm brennen müsse. Er habe sein Haus mit Tränen in den Augen verlassen. Vermischtes. * Berlin, 19. Juni.(Eine unterirdische Doppelbrücke) von gewaltigen Dimensionen wird gegenwärtig unter der Leipziger Straße montiert. Sie besteht aus vier kompakten Eisenträgern von je 35 Metern Länge und 4 Metru Höhe, die mit ihren massiven Vertikal= und Diagonalstreben zusammen nahezu 8000 Zentner wiegen. Die Untengurte ruhen auf Granitblöcken von ,5 Metern Seitemfläche und 0,8— Metern Höhe, was elnem Gewicht von 70 Zentnern pro Auflagestein entspricht. Zwischen je zwei Trägern lietzt ein eingleisiger Tunnel der Unterpflasterbahn, die, wie beksannt, beim Unterfahren des Wertheimschen Warenhauses zwei getremnte Durchfahrten erhalten uf der Zwischenraun zwischen beiden Brüeckn nimmt einen Gang auf, durch welchen die Fahrgäste der Hochbahn an dem nördlichen Eingange zur Haltestell: „Leipziger Platz“, unter der Leipziger Straße hindurch nach dem Bahnsteig gelangen. Der Zweck dieser„freischwebenden“ Doppellbrücke ist folgender: Sie stellt eine stabile Ueberführung des Unterpinsterbahntunnels über den später eventuell darunter anzulegenden viergleisigen Straßenbahhntunnel dar. So entsteht hier unter der Erde ein Ingenieurbauwerk, wie es auf dom Kontiment ein gleiches sucht. Zwei der mächtigen Träger sind bereits fentig montiert; das Zusammennieten der dicken Eisenplatten geschieht mittels LuftdruckWerkzeuges. *(Treue Pflichterfüllung.) Ein Fall von seltener Pflichterfüllung und Geistesgegenwart angesichts des Todes wird aus London berichtet. Der Vorfall wurde vor Gericht erzählt gelegentlich der Untersuchung über den plötzlichen Tod des Ingenieurs Francis Butt an Bord des Dampfers„Queen of England". Der Kapitän James Plant sagte aus:„Wir befanden uns in der Nähe der Windsorbrück:, als plötzlich ohne meinen Befehl die Maschinen stoppten. Ich begab mich sofort in den Maschinenraum und fand hier Butt, aufrecht an das Geländer geklammert, stehen. Ich redete ihn an und frug ihn, was los sei. Butt gab sich ersichtlich Mühe zu sprechen, konnte aber kein Wort hervorbringen, sondern stürzte zu Boden. Trotzdem sofort Hilfe zu Stelle war, starb Butt nach wenigen Minuten. Die ärztliche Untersuchung konstatierte, daß Butt an einem Hitzschlag gestorben sei. Wahrscheinlich hatte er sein Unwohlsein gefühlt und hatte, da er keine Zeit mehr hatte, um Hilfe zu rufen, die Maschine abgestellt. Durch diese Geistesgegenwart hat Butt nach Aussage des Kapitäns ein unabsehbares Unglück verhindert, da das Dampfboot dicht besetzt und kein zweiter Maschinist an Bord war. — Preisgekrönte Rezepte für Bereitung von Himbeersaft, Kirschsaft und Johannisbeersaft, bringt der praktische Ratgeber im Obst= und Gartenbau in Frankfurt a. Oder in seiiner meuesten Nummer. Er hatte 450 Mark Geldpreise ausgesetzt für die bestbereiteten Säfte und 92 Bewerbungen erhalten, die an drei aufeinander folgenden Tagen von Fachleuten geprüft wurden. Das Ergebnis diesr Prüfung sind die preisgekrönzen Rezepte. Für Bereitung von Himbeersaft wurde folgendes Rezept als das beste befundem: Himbeersaft roh. Auf 3 Liter Himbeeren gießt man 2 Liter kochendes Wasser, setzt 10 Gramm Weinsteinsäure hinzu, läßt es 24 Stunden stehen, dann schüttet man alles in ein Tuch, ohne die Früchte zu drücken, läßt die Flüssigkeit durchtropfen, setzt dann auf je 1 Lider Saft 2 Pfund seinen Zuerck zu, rührt den Saft öfter um, bis daß er klar wird, füllt dann den Saft auf vorher geschwefelte Flaschen, bindet die Flaschen mit Pergamentpapier zu(nicht zupfropfen). Auf diese Art zubereiteter Himbeersaft hat ein vorzügliches Aroma und hält sich jahrelang. Das Liter stellt sich, wenn man das Liter Himbeereu mit 0,25 Mk. sund das Pfund Zucker mit 0,22 M. berechnet, auf 0,55 Mk. Fremde Früchte sind micht zu8886 Standesamt Westhofen. vom 1. bis 15. Juni 1907. Geburten. 1 Sohn: Fußgendarmerie=Wachtmeister Heinrich Lacour, Westhosen, Maschinist Adolf Höfinghoff. Geisecke, Fabrikarbeiter Karl Weber, Holzen, Bahnarbeiter Wilhelm Kampmann, Wandhofen, Landwirt Gustav Eckardt, Uolzen, Bergmann August Fiene, Holzen,- Bergmann Gustav Schürmann, Holzen, 1 Tochter: Fabrikarbeiter Ludwig Gendt, Garenfeld, Fuhrmann Heinrich Bäcker, Holzen, Fabrikarbeiter Hermann Nassowitsch, Holzen. Sterbefälle: Ehefrau Friederike Knolle gen. Cordes geb. Spaemann, 59 Jahre. Westhofen, Bergmann Wilhelm Siedhoff, 55 Jahre, Lichtendorf, Berginvalide Hermann Heinrich Neveling, 81 Jahre, Syburg, Amanda Buse 7 Mon., Westhofen, Josef Gottfried Post, 3 Mon., Wandhofen, Knabe Fiene, 1 Tag, Holzen. Eheschließungen: Landwirt Friedrich Kersebohm und Adelheid Pauline Knoche zu Westhofen und Fley, Bergarbeiter Ewald August Cramer und Emma Spratte zu Buchholz, Gemeinde Westhofen, Landwirt Karl Klempt und Alma Emma Detmer zu Wandhofen und Lichtendorf, Bergmann Friedrich Wilhelm Ernst gen. Schlüter und Karoline Wilhelmine Korte zu Lichtendorf. Heronson ucd schck Hemd uchl doweilt holle, don dne tage, die Rtgel zu denken gab. Was aber mehr als alles die Verzögerung seiner Abreise begründete, war der Wunsch, vorher Oriana noch ein mal zu sehen. Sie war seit Philipps Tod noch nicht imstande gewesen, Besuche zu empfangen oder ihr Zimmer zu verlassen. Endlich, als der Frühlirg seine ersten Boten aussandte und überall neues Leben keimte, über wog Rigels Reiseseknsucht seine krankhafte Argst und beschloß, die Saion in London mitzumachen. Dort war er immer leicht erreichbar vom Schloß und ein Aufenthalt in London sollte sich nur auf ein par Wochen eschränken. Kaum hatte Oriaua von seiner beabsichtigten Abreise gehört, als sie erklärte, wohl genug zu sein, um ihn zu sehen. Sie bat ihn schriftlich, vorher zu ihr zu kommen und ihr Adieu zu sagen. In seiner Antwort setzte er einen Nachmittag zum Besuch fest Es war in den letzten Apriltagen, warme Sonnenstrahlen küßten die Erde. Rigels empfängliches Gemüt sreute sich des Wechsels in der Natur. Der trübe Nebel war von den Bergspitzen verschwunden; in gleicher Weise schien auch der Trübsinn, der ihn niedergedrückt, zu weichen und der Aussicht auf eine glücklichere Zukunft Platz machen su wollen. Rigels Herz schwoll und sein Blut rann ihm rascher durch die Adern bei dem Gedanken, daß, so weit er sehen onnte, das fruchtbare Land sein war, daß das Leben doch üß sei, wenn man jung und der Weg durch großen Reichum geebnet ist. Als er sich der Billa näherte, sah er den Major im Barten arbeiten. Der kleine Mann hatte sich von seinem kummer erholt und seine Zuneigung zu Philipp auf den nenen Baron übertragen. Er pflegte möglichst den Verehr mit demselben, indem er an seinem Tische aß und eine Pferde ritt, in seinem Jagdrevier jagte und in durchus freundschaftlicher und leichtherziger Weise sein Geld indern borgte. Sobald er Rigels ansichtig wurde, ging er ihm freudig entgegen und führte ihn ins Haus. Orianz erwartete sie bereits im Wohnzimmer, wo sie in Kissen eingehüllt halb sitzend auf einem Divan ruhte, ein indischer Shawl war um ihre Schultern geworsen. In der heiteren Stimmung, in die ihn der Frühlingstag versetzte, hatte Rigel das schaudernde Unbehagen, womit er diesem Besuch entgegen gesehen hatte, ganz vergessen. Aber jetzt empfand er es wieder und gleichzeitig auch die alte Furcht, die ihm ihre Gegenwart sonst eingeflößt hatte. „Oriana hat Wort gehalten,“ sagte der Major in seinem munteren Tone:„Sie wollte sie noch sehen, ehe Sie uns verließen. „Ich bin Ihrem Fräulein Tochter sehr dankbar dafür!“ „Ich wollte Ihnen doch gern selber danken,“ sagte Oriana, leise, für Erkundigungen nach meinem Befinden und für Ihre Freundlichkeit. Die Blumen waren wundervoll, ich fürchte. Ihre Gewächshäuser sind jetzt ganz lerr.“ Und die Trauben waren herrlich, nicht wahr?“ fügte der Major hinzu. Obgleich es ein warmer Tag war, brannte ein helles Fener im Kamin. In diesem flackernden Lichte sah Rigel Orianas Gesitzt, denn sie hatte dem Fenster dessen Vorhän ge zugezogen waren, den Rücken gewendet. Ihr Gesicht zeigte einen zarten, müden Ausdruck, ihr Teint war, wenn möglich, zart, ihr reiches rotes Haarleuchtetesförmlich Aber vor allem waren es ihre Augen, die ihm zeigten, daß eine Veränderung in ihrem Innern vorgegangen war, seit er sie zuletzt gesehen. Groß und traurig leuchteten ihm die Augen. Und sie sah ihn mit so wunderbar erwartungsvollem Blicke an. „Sie sind sehr krank gewesen,“ sagte er mit einem Blick auf ihre durchsichtigen Hände. „Ja, ja, das bin ich, kein Mensch weiß, wie krank ich war. „Wir werden Sie sehr vermissen," warf hier der Major ein, bei dem Gedanken an alles, was er verlieren würde, unwillkürlich seufzend. Hach it schr Uecbensbolardig von Ihnen“ „Wollen Sie diesen Sommer weiter reisen oder in England bleiben?“ fragte Oriana. „Nein, ich will nur ein paar Monate in London zubringen. Ich freue mich sehr darauf, meine einzige Verwandte zu sehen, mit der ich schon korrespondiert habe, ich glaube, Sie kennen sie Herr Major.“ „Lady Trentham? Ja, ich habe Sie gekannt, ehe sie verheiratet war, habe sie aber seit vielen Jahren nicht wiedergesehen.“ „Sie müssen wahrscheinlich Luftveränderung haben, wenn Sie wohl genug zum Reisen sind?" bemerkte Rigel zu Oriana. „Der Doktor hat Seeluft verordnet,“ antwortete der Major lebhaft. „Ich möchte sehr gern nach einem französischen Badeort,“ sagte Oriana. „Die Reise würde dich zu sehr anstrengen, liebes Kind“ erwiderte der Major. „Dieppe ist nahe,“ schlug Rigel gor. „So nahe wir Frankreich sind, bin ich noch nie dagewesen, sagte Oriana.„Und Sie werden das gewiß noch merkwürdiger finden, wenn ich Ihnen erzähle, daß dort meine Mutter gestorben ist, in Chantilly. Den Ort möchte ich mal gerne auf einer Reise vor allen andern kennen lernen.“ „Der Major nahm hastig eine Zeitung zur ihn plötzlich zu interessieren schien. „Erinnern Sie sich ihrer, fragte Rigel. „Nein, gar nicht, war die Antwort „Kind, Kind,“ rief der Major erregt. „Ich denke oft an sie.„Ich möchte wohl wissen, ob mein Leben anders geworden wäre, wenn meine Mutter noch lebte.“ „Du mußt nicht solchen trüben Gedanken nachhängen,“ sagte ihr Vater. Forts. folgt.