Aimtüches Nreisbichl N dmiach Verut. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglsch, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.os vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. kur Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illusirierter Famllientreund.“ o o 0 0 0 0 0 o C O O 0 C o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peiitzeile oder deren Raum 1o PI., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. 5 Erstes und ältestes Tagesorgan Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpostzeilichen Verordnungen für den Roeie Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung“ sdiverdindliche Kraft. e c O O O O OCCSSS.. Druck u. Verlag von Zarl Braus. SOwerte. Ferasprec-Ruscipe: Dr. 62 Ami Schwerte. Celegr.-Adresse Braus. Schwerte-Rubr. Nr. 141 Mittwoch den 19. Juni 1907. S S 39 Jahrg. Der Mittelmeer=Dreibund. Zu der von uns gestern mitgeteilten Gründung ei nes Mittelmeerbundes zwischen England, Frankreie# Spanien ist zu bemerken, daß diese neue Allianz eine sehr merkwürdige Seite hat. Am 20. April veröffentlichte die„Corr. de la Espana“ ihr„Hinter den Kulissen“ betiteltes Interview mit einem Diplomaten, dessen Inhalt mit der Behauptung von einem in Cartagena zwischen den Königen Alfons und Eduard so gut wie perfekt gemachten englisch=spanisch=französischen Mittelmeer=Dreibund, der vielleicht noch durch den Beitritt Italiens zu einem Vierbund werden könne, gewaltiges Aufsehen erregte. Die„Corr. de la Espana“ hielt damals ihre Meldung sowohl im Voraus als auch nachträglich allen Dementis gegenüber aufrecht. Nun wäre sie ja— wenn man von dem vielen törichten Klatsch absieht, mit dem sie damals ihre Meldung verquickte und verbrämte— glänzend gerechtfertigt. Aber— und damit steht man vor einem großen Rätsel— was will dieser Mittelmeer=Dreibund? Die Verbündeten garantieren sich die Verteidigung ihrer Interessen. Gegen wen? Wer bedroht? Wer kann sie überhaupt bedrohen? Doch wohl nur eine Macht oder Mächtegruppe, die außerhalb ihres Bundes steht und selbst Interessen in dem Geltungsgebiet des Bündnisvertrages hat. Gibt es eine solche Macht oder Mächtegruppe? Es kommen doch nur Italien und Oesterreich=Ungarn in Betracht. Der Ehrgeiz aber und das Interesse des letzteren geht nicht über die Adria hinaus, und hier ist es, obwohl mit ihm verbündet, eher Italiens Rivale, weil Italien nach einer Herrschaft in der Adria strebt. Damit scheidet eine Mächtegruppe als möglicher Gegner des neuen Mittelmeerdreibundes aus. Bleibt Italien allein übrig, die zentvale und durch diese zentrale Lags eigentliche Mittelmeermacht. Soll man sich nun vorstellen, daß der englisch=französtschcnanische Dreibund gegen Ita lien gerichtet sei, das doch seine Intimität mit England und Frankreich so oft und so offen, bis zur Kompromittierung seiner Bündnistreue gegenüber Deuschland, bekundet hat? Dieser Gedanke ist doch schier unbegreiflich. Ein Mittelmeer=Vierbund, mit Italien, erschiene zwar überflüssig, aber doch verständlich; er könnte bedeuten: wir Partner sind eigentlich von Natur Konkurrenten, da aber beiner von uns zur Zeit in der Lage ist, seine Herrschaftswünsche zu erfüllen, so wollen wir uns zunächst einmal vertragen und dadurch gegenseitig vor gefährlichen Abenteuern sichern, Aber ein Mittelmeerbund, bei dem Italien draußen steht, scheint durch diesen Umstand eine Spitze gerade gegen Italien zu haben. Soll man annehmen, daß Italien ihm doch angehört, aber um kein neues Aergernis anderwärts zu geben, nur als verheimlichter Partner? Das sähe doch schon nach Hintertreppenpolitik aus, die auch, da die Völker solche Finessen kaum verstehen, lleicht ihren Zweck verfehlen könnte. Wie man's also auch drehen und wenden mag, dieser jüngste Dreibund bleibt vorläufig ein Rätsel. Wahrscheinlich werden ja sehr bald nervöse Leute kommen und es dahin lösen, daß der Bund„natürlich“ wieder gegen Deutschland gerichtet sei. Wir müssen es uns versagen, diese Deutung ernst zu nehmen. Es gibt nun einmal, vollends seit Algeiras, keine deutschen Mittelmeer=Interessen, und darum ist ein Mittelmeerbund gegen Deutschland in unseren Augen ein Unding. Wollte man sagen, erkönne bezwecken, uns die Verbindung mit unseren Kolonien abzuschneiden, so wäre zu erwidern, daß dazu die englische und die französische Marine allein schon mehr als stark genug sind und auf absehbare Zeit hinaus auch bleiben werden. Unsere Flotte hat noch auf lange hinaus im Kriegsfalle ihr Operationsgebiet nur in der Nord= und der Ostsee. Nach unserer Ansicht ist also eine antideutsche Spitze des neuen Seebundes etwa ebenso gut denkbar wie die antitürkische. Also überlasse man des Rätsols Lösung der Zeit. Vielleicht erkennt eine spätere Epoche mit Verwunderung, daß im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in den Kanzleien der Mächte eine Krankheit, die man Allianzseuche nennen könnte, ausgebrochen war. Bündnis über Bündnis und Entente über Entente wird geschmiedet, bis das System schließlich daran zu Grunde *** geht, daß jeder Staat zu Bündnissen und Ententen gehört, die sich unter einander nicht mehr vertragen. Politische Uebersicht. England und Deutschland. London, 18. Juni. Der„Daily Telegraph“ kommt nochmals auf den Besuch der englischen Journalisten in Deutschland zurück und sagt:„Allenthalben, vom Kaiser ungefangen, wurde den Mitgliedern der englischen Presse eine überaus hochherzige Bewillkommnung zuteil; die Freundschaftskundgebung war ohnegleichen. Alles dieses zeigte, daß die Masse der Bevölkerung der beilden Reiche vom Gefühle gegenseitiger Freundschaft beseelt ist, daß die Unruhestifter auf beiden Seiten nicht die wahre Gesinnung ihrer Nation darstellen, daß vielmehr kein Grund besteht, weshalb nicht England und Deutschland in Zukunft fest befreundet bleiben sollten, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Mögen Fragen auftauchen, wo sich die beiderseitigen Interessen einander entgegenstehen. Diese Angelegenheiten mögen Gegenstand der Erörterung, Kritik und Verhandlung sein, aber keine Fragen können gegenwärtig einen Vergleich aushalten mit den andauernden, unvergleichlich größeren Interessen beider Nationen an Erhaltung des Friedens und Entgegenkommens. Diejenigen englischen Blätter, die mit keinem Anspruch auf sachkundige Information die öffentliche Meinung Englands gegen Deutschland durch systematische Erdichtungen und falsche Darstellungen aufzustacheln suchten, sind Vergifter des Brunnens der Erkenntnis. Für uns sind die Ideen von Kombinationen und macchtavellistischen Anschlägen zur Isolierung Deutschlands, von verbrecherischen Plänen, die deutsche Flotte zu vernichten, lächerlich. Es ist zum Segen der Zivilisation, daß inmitten Europas ein auf fester Grundlage aufgebauter, mächtiger und dem Fortschritt gewidmeter Staat besteht. Die Freundschaftskundgebung, deren Zeugen wir gewesen sind, erhöht das Maß des freundschaftlichen Gefühls in den zwei verwandten mächtigen Reichen und gibt dem ehrenhaften Journalismus eine Würde, wie sie nie zuvor anerkannt worden ist. Es wäre zuviel gehofft, wenn man glaubte, daß die Kundgebung diejenigen sich zu Herzen nehmen würden, gegen deren Umtriebe sie gerichtet war, aber niemals hat eine Verurteilung eine so praktische, unzweidentige Form erhalten. Das Enteignungsrecht fur die Ansiedlungskom= mission. Berlin, 18. Juni. Die in Vorbereitung begriffene neue Ostmarkenvorlage, welche dem Landtage in der nächsten Tagung zugehen soll, wird, wie wir zuverlässig erfahren, auch das Enteignungsrecht für den Staat beantragen. Man erachte stogar das Recht der Enteignung als eine notwendige Vorbedingung für die Fortsetzung der inneren Besicdlung der Ostmarben, da nur hierdurch das für die Ansiedlungsparzellen erforderliche Land noch zu erhalten ist. Ankäufe aus polnischem Besitz sind ausgeschlossen, und der Ankauf von deutschem Grundbesitz muß in Zukunft unterbleiben, um nicht die deutschen Majoritäten auf den Kreistagen und Provinziallandtagen zu gefährden. Das zur Bildung größerer und geschlossener Siedlungsbezirke erforderliche Land kann daher im wesentlichen nur durch Enteignung erworben werden. Man darf annehmen, daß auch die konservativen Parteien ihren ursprünglichen Widerspruch aufgeben werden. Frankreich und Japan. Paris, 18. Juni. Das französisch=japanische Abkommen hat folgenden Wortlaut: Die beiden Regierungen von Japan und Frankreich vereinbaren, indem sie sich vorbehalten, in Unterhandlungen wegen des Abschlusses eines Handelsvertrages einzutveten, mist auf die Beziehungen zwischen Japan und Französisch=Indochina folgendes: Die Behandlung als meistbegünstigte Nation wird den japanischen Beamten und Untertanen in Französisch=Indochina zugebilligt für alles, was ihre Person und den Schutz ihres Eigentums betrifft. Die nämliche Behandlung wird den Untertanen und den Schutzbefohlenen Französisch=Indochina im japanischen Reiche zugebilligt, und zwar bis zum Verlauf des zwischen Japan und Frankreich abgeschlossenen Schiffahrtsvertrages vom 4. August 1906. Die Regierung der französischen Republik und die Regierung Seiner Majestät des Kaisers von Japan, beseelt von dem Wunsche, die zwischen ihnen bestehenden freundlichen Beziehungen zu stärken und für die Zukunft jeden Anlaß zu einem Mißverständnis auszuscheiden, haben beschlossen, folgende Vereinbarungen zu treffen: Die Regierungen von Frankreich und Japan stimmen überein, die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Chinas, sowie den Grundsatz der Gleichheit der Behandlung in diesem Lande für den Handel und für die Staatsangehörigen aller Nationen zu respektieven, da sie ein besonderes Interesse daran haben, die Ordnung und den friedlichen Gang der Dinge, namentlich in diesem Gebiet des chinesischen Reiches gewährleistet zu sehen, welche den Gebieten benachbart sind, in denen sie das Recht der Souveräne, des Schutzes oder der Besitzung ausüben, verpflichten sie sich gegenseitig zu unterstützen, um den Frieden und die Sicherheit in jenen Gegenden sicher zu stellen im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der respektiven Lage und territorialen Rechte beider vertragschließenden Parteien auf dem asiatischen Festlande. Das Abkommen ist unterzeichnet von dem französischen Minister des Auswärtigen, Pichon, und dem japanischen Botschafter Kurino. Vom neuen Dreibund. Paris, 18. Juni. Das„Journal des Debuts“ sagt, das französisch=spanische und das englisch=spanische Abkommen seien für das westliche Mittelmeer und die benachbarten Gebiete des Atlantischen Ozeans dasselbe, was das französisch=japanische Abkommen für den äußersten Osten sei. Jene beiden Abkommen garantierten den Statusquo, und von irgend jemand könnten sie nur in dem Maße übel ausgenommen werden, wenn er glauben würde, aus einer Störung dieses Statusquo Nutzen ziehen zu können. Verschärfung der Krisis in Frankreich. Paris, 18. Juni. Das 17. Infanterie=Regiment wurde von Beziers nach dem Osten geschickt, und zwar ein Teil nach Remiremon“ und ein Teil nach Grand Villiers. "— In, dem strafweise nach dem Manöverfeld von carzag gesandten 100. Infanterie=Regiment kam es, wie der„Matin“ meldet, Fistern zu offenen Empörungen gegen den neuernannten Oberst, angeblich, weil dieser die verhängten Strafen nicht erlassen wollte. Die Soldaten hhätten sich der allerschlimmsten Materialbeschädigung schuldig gemacht. — Man vernimmt aus Regierungskreisen, daß die Demission des Unterstaatssekretärs Sarraut eine Kabinettskrise hervorrufen werde: Der Handelsminister Doumergue und der Unterstaatssekretär DujardinBeaumetz, beide in südfranzösischen Departements gewählt, hätten erklärt, mit Clemenceau stehen und fallen zu wollen. Paris, 18. Juni. Wie die Blätter melden, sind die Maßnahmen, welche der Ministerrat im Hinblick auf die Krisis in den Weinbaudistrikten beschlossen hat, folgende: Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens gegen allle Mitglieder des Komitees von Argeliers wegen Anfreizung zum Aufruhr und gerichtliche Verfolgung der Weinfälscher; Verfolgung gewisser Bürgermeister, letztere wegen gemeinsamen Vorgehens zu dem Zwekke, sich an die Stelle der Zentralgewalt zu setzen; die Verlegung des 100. Juf.=Regimentes und einiger anderer Regimenter des Südens. „Petite Republique“ meldet, die Regierung sei ernstlich bemüht, die weitere Ausdehnung der Bewegung zu verhindern. Die Berichte vom Präfekten bestätigten, daß Versuche gemacht werden, um die Bevölkerung der Departements Isere und Lot=et=Garonne zum Aufruhr zu bewegen. Die neue Marineverschwörung in Rußland. London, 18. Juni. Einer Meldung des„Standard“ aus Odessa zufolge ist die ganze Schwarze MeerFlotte vorläufig außer Dienst gestellt, die Geschützteile sind ans Land gebracht und die Geschütze dadurch unbrauchbar gemacht worden, 700 Matrosen sind verhaf15 * Gebrüder Stei: Schwerte Brück- und Hagenerstrassen- Ecke. 10000 Meter Stückwaren zu konkurrenzlos billigen Preisen! Unsere Weisse Woche beginnt Dienstag, den 25. Juni. Wir werden in Bezug auf grosse Auswahl und billige Preise in Weisser Wäsche und Weisswaren am Stück ganz Hervorragendes leisten. Wir bringen weit über 5000 Stück Hemden, Beinkleider, Schürzen, Nachtjacken, Nachthemden fabelhaft billig zum Verkauf. „ Schürzen, Nachtjacken, Nachthemden fabelhaft billig Beachten Sie unser Angeoot Montag, den 24. u. Mis. tet. Auch unter der Garnison sind Unruhen im Gange gewesen, zwei Bataillone sind unter Bewachung gestellt worden. Die Lage in Sebastopol erscheint im Hinblick auf die Stimmung unter den Matrosen sowie unter den Truppen recht gefährlich. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 19. Juni. *r(Allerlei von der Berufs= und Betriebszählung.) Mit dem heutigen Mittwoch erreicht die infolge der Vielgestaltigkeit der Fragebogen recht mühsame Arbeit der Zähler durch Ablieferung der Zählpapiere und Kontrollisten ihr Ende. Eine kleine Abwechselung in die Zählarbeit brachten die Proben freiwilligen und unfreiwilligen Humors, von denen wir einige mitteilen wollen. Daß die Zähler immer wieder der Ansicht entgegentreten mußten, es handle sich um künftige Steuern, soll nicht unerwähnt bleiben; ein biedeper Bürger wolle es ganz genau wissen, daß die Zählung, als sich über das ganze Reich erstueckend, lediglich die Grundlage für die in Aussicht genommene Reichseinkommensteuer abgeben sollte. Ein anderer, der die Sache zweifellos etwas humorvoller ansah, antwortete auf die Frage des Zählers nach etwaigem Grundbesitz, er habe noch 20 Morgen Sonnenschein in der Eifel liegen, worauf der Zähler ebenso launig wie schlagfertig erwiderte, er möge diesen Besitz gut pflegen bis zur nächsten Zählung am 1. Dezember 1910, denn im Dezember stehe der Sonnenschein höher im Kurse als um die heurige Jahreszeit. In einem größeren Betriebe endlich wollte es dem Zähler trotz aller Kreuz= und Querfagen nicht gelingen, die Geburtsdaten eines der Arbeiter zu erfahren. Er konnte und konnte sich nicht auf Tag und Jahr seiner Geburt besinnen, bis er endlich mit glücklichem Lächeln dem Zähler die Auskunft gab:„Hab sich vorriges Jarr letztes Mal Geburrtstag gefeiert!“ Daß endlich in einem anderen Haushalt der kleine allerliebst:„Hänsel“, der Kanarienvogel, nicht sunter der Gruppe der zu zählenden Haustiere einzureihen war, wird wahrscheinlich bei der Besitzerin dieses gefiederten Sängers die Meinung von großer Lückenhaftigkeit der Bestimmungen dieser Zählung ausgelöst haben. **(Bahnpersonalie.) Herr Lokomotivführer Humme, seit langen Jahren in Schwerte stationiert, ist aus seinen Antrag zum 1. Juli nach Dortmund und zwar an den Bahnhof Süd der Rheinischen Bahn versetzt. — Als Eisenbahnassistent tritt zu gleichem Termin an unsere Station Herr Weichensteller 1. Klasse Kaiser nach bestandenem Assistentenéxamen ein. Seine Stelle in Westhofen wird mit einem hiesigen Beamten besetzt, welcher Dienstwohnung in dem früher Heufer'schen Hause erhält. Genannte Besitzung ist seit einiger Zeit für 43000 Mark in den Besitz des Bahnfiskus übergegangen und soll durchweg als Dienstwohnungen verwandt werden. **(Die Stadtverordneten in Hörde) bewilligten in vorgestriger Sitzung, wie wir dortigen Zeitungen entnehmen, für jeden Zähler der Berufs= und Betriebszählung 5 Mark, um auf diese Weise die persönlichen Unkosten— Zehrgelder in Wirtschaften 2c.— für Ausübung des Ehrenamtes den Zählern zu ersetzen. Mit diesem Beschluß steht Hörde nicht allein. So erhielten beispielsweise die Zähler in Wandhofen die gleiche Summe. er(Unsere Schwerter Industrie.) Aus einem kleinen Ackerstädtchen ist unsere Stadt Schwerte mehr und mehr iin das Gewand einer Industriestadt hineingewachsen. Und wie jenseits der Elbe das Wort gilt „Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt“, ein Wort, das auch in unserer Gegend immer noch zu Recht besteht, so kommt hier noch ein anderes, nicht minder berechtigtes in Betracht, das man etwa folgendermaßen formulieren könnte:„Hat Arbeit viel die Industrie, so fehlt im Ort der Wohlstand nie.“ Und da kann es für jeden eine Freude sein, wenn festzustellen ist, daß unsere Schwerter Industrie sich in einer erfreulichen Aufwärtsbewegung befindet. Ver längerer Zeit haben wir schon mitgeteilt, daß die Eisenindustrie Menden=Schwerte in der Lage sein wird, für das mit dem 30. Juni ablaufende Geschäftsjahr 8 pCt. Dividende auszuschütten gegen 6 pCt. im Jahre zuvor. Wer sich dessen erinnert, daß vor mehreren Jahren das Werk unter den widrigen Zeitverhältnissen sogar mit Verlust arbeiten mußte, der wird sich mit Recht der Tatsache freuen, daß MendenSchwerte seit dieser schlechten Zeit sich in langsamer, aber dafür stetiger Aufwärtsentwicklung befindet. Denn je mehr das Werk verdient, umso kräftiger wirkt es als Steuerzahler in günstigem Sinme auf unsere städtischen Finanzen ein und vermehrt es die Zahl der Steuerzahler durch zuziehende Arbeiter, durch steigende Beschäftigung der Arbeiter usw. und trägt so direkt zu einer Belebung des ganzen werktätigen Lebens bei. Was von der Eisenindustrie gilt, gilt selbstverständlich in gleicher Weise von den Vereinigten Deutschen Nickelwerken, die eine immer glänzendere Entwicklung nehmen. So finden unsere Leser in heutiger Nummer an anderer Stelle einen Bericht über die gestern in Berlin stattgehabte Aussichtsratssitzung der Vereinigten Deutschen Nickelwerke. In dieser Sitzung ist beschlossen worden, der Generalversammlung der Aktionäre eine Verteilung von 16 pCt. Dividende gegen 14 pCt. im Vorjahre vorzuschlagen. Die Möglichkeit der Ausschüttung einer solchen Dividende ist gewiß als ein Beweis dafür anzusehen, welch hoher Wertschätzung sich die Erzeugnisse der Nickelwerke im deutschen Vaterlande und weit über dessen Grenzen hinaus in der ganzen Welt erfreuen. Durch sie ist der Name unserer Stadt in fernen Ländern bekannt, wohin er sonst wohl schwerlich jemals gedrungen wäre. Erwähnenswert dürfte es sein, daß auch die weiteren hiesigen industriellen Werke gut beschäftigt sind, nicht nur das Nietenwerk Möhling, das jetzt erst eine neue große Kesselanlage errichtet hat, und das Schwerter Messingwerk, sondern auch die kleineren Werke. Wir freuen uns des Aufschwunges der Schwerter Industrie und hoffen, daß die günstige Konjunktur recht lange noch anhalten möge, denn, wie sagten wir doch weiter oben?„Hat Arbeit viel die Industrie, so fehlt im Ort der Wohlstand nie!“ *r(An Provinzialsteuern) werden in diesem Jahre in Westfalen 3 758089,90 c erhoben, und zwar 799991,95# vom Regzierungsbezirk Münster, 573934, 67 e vom Regierungsebzirk Minden und 2278 107,21 en vom Regierungsbezirk Arnsberg. **(Ein Kampf gegen die Küchenwage) ist jetzt im Gange. Bei der Zentralvereinigung der„Vereine zum Schutze von Handel und Gewerbe“ und bei dem „Zentralverbande deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender“ sind Anträge gestellt worden, welche auf ein Verbot des Freihaltens und des Verkaufes der Küchenwage wegen ihrer Unzuverlässigkeit hinzlelen, *r(Wirtschaftsverkauf.) Herr Tachdeckermeister Gerber verkaufte seine am Markt gelegene Wirtschaft „Zum Deutschen Hause“, augenblicklich von Herrn W. Jäger angepachtet, an Herrn Privatier Rudat aus Hörde. Der Kaufpreis beträgt 53500 Mark; die Uevernahme soll im Laufe der nächsten Woche erfolgen. **(Der„Sängerbund“) veranstaltet, wie wir schon mitteilten, am kommenden Sonnabend, bei gutem Wetter in den Gartenanlagen,„im Reiche des Wassers“ ein Abendkonzert unter Mitwirkung der hier bestens bekannten 20 Mann starken Hagener Kapelle(Branscheidt). Das Programm der Veranstaltung, der wir recht schönes Wetter wünschen, umfaßt 12 Nummern, darunter folgende Männerchöre:„Wenn alle Brünnlein fließen“ von Baldamus,„Ich hör' ein Vöglein pfeifen“ von Schamp,„Heimatliebe“ von Wengert, weiter„Aennchen lieb, Aennchen traut“ von Wohlgemuth und der packende Chor„Morgenroth“ von Rebbert usw. Auch das Programm, das die Kapelle aufgestellt hat, ist recht abwechslungsreich. Allen Freunden guter musikalischer Veranstaltungen stehen also einige genußreiche Stunden bevor. **(Unsere Nachbargemeinde Wandhofen,) in welcher sich bekanntlich ein Bürger=Schützenverein gebildet hat, begeht am 29. und 30. Juni ihr erstes Schützenfest. Die Vorbereitungen sind dazu bis in alle Ernzelheiten getroffen und daß der Verein dabei keine Kosten gescheut hat, zeigt am besten die Anschaffung des Insigniums für den demnächstigen Schützenkönig. Fur denselben ist seitens des Vereins eine schwere, silberne Königskette gestiftet und stammt dieselbe aus dem Uhren= und Goldwarengeschäft des Herrn R. Plümer hierselbst, in dessen Schausenster sie ausgestellt ist. Die Kette besteht aus 18 silbernen Schildchen, abwechselnd mit dem Reichsadler nebst Krone und zwei gekreuzten Gewehren verziert, die durch silberne Kettchen ander verbunden sind. Ein an der Kette hängendes größeres Schildchen in Medaillonform trägt in Gravur die Inschrift„Bürger=Schützen=Verein Wandhosen 1906.“ (Im Freischütz) findet heute nachmittag wiederum ein Konzert der hier bestens bekannten Merkertschen Kapelle aus Dortmund statt. Das Konzert beginnt um 4 Uhr, bei günstiger Witterung findet es im Garten statt. Wir wollen nicht versehlen, das Publikum auch an dieser Stelle auf das Konzert aufmerksam zu machen. **(Dem Jahresberichte 1906/07 des Verbandsausschusses der Freiwilligen Feuerwehren Westfalens,) der soeben verschickt wird, ist folgendes Bemerkenswerte zu entnehmen: Dem Verband sind beigetreten 14 Wehren mit 718 Mitgliedern, ausgetreten 4 Wehren mit 226 Mitgliedern, der augenblickliche Stand des Verbandes zählt 279 Wehren mit 17515 Mitgliedern. Technische Feuerwehrtage wurden abgehalten in Witten, Altena und Bielefeld. Auf allen dreien wurden Vorträge gehalten. Der starke Besuch und die Aufmerksamkeit der Teilnehmer an allen Vorträgen und Vorführungen beweist, daß die technischen Feuerwehr= tage für die Wehren sehr nutzbringend sind. Die Rechnungslage des Verbandes ist folgende: Einnahme 6 315,36 Mk., Ausgabe 2973,14 Mk. Der Barbestand beträgt mithin 3342,22 Mk., von welchen 3050 als Rücklage für die Haftpflichtversicherung zinsbar angelegt sind. Der westsälischen Feuerwehr=Unsall=Hülfsfasse gehören im ganzen 426 Wehren mit 24386 Mitgliedern an. Die Einnahmen der Kasse betrugen 32513,74 Mk., die Ausgaben 38 818,88 Mk.; das Vermögen der Kasse beträgt zurzeit 148984,73 Mk. An Krankengeldern, Renten, einmaligen Absindungen und Kurkosten sind im letzten Rechnungsjahr 12 835,50 Mk. gezählt. Die Aachen=Münchener Feuerwehr=Unter= stützungslasse für Rheinland und Westsalen, eine freiwillige Stiftung der Aachen=Münchener Feuerversicherungs=Gesellschaft, der alle den beiden Verbänden angehörenden Wehren ohne Anmeldung angehören, zahlte in 21 Unglücksfällen 420 Mark. Seit Bestehen dieser Kasse, 1882, sind insgesamt in 694 Fällen 14300/14 Mk. gezahlt. Die für die Mummenhoff=Stiftung vorgesehenen 10000 Mark sind noch immer nicht erreicht, es fehlen noch 1800 Mark. Von der schon lange in Aussicht gestellten Feuerlöschordnung für die Provinz Westsalen verlautet bis zurzeit noch nichts. Der Statistik über die Brandschäden von 1904 ist zu entnehmen, daß der Gesamtschaden in der Provinz 9041000 Mark betrug. Bedauert wird, daß die Wehren des Landesverbandes Minden=Ravensberg=Lippe noch immer nicht dem Provinzial=Verbande angehören. **(Den Postpaketsendungen nach Oesterreich=Ungarn) sind künftig statt 3 nur noch 2 Zollinhaltserklärungen beizufügen. Auch ist für die über Oesterreich=Ungarn zu leitenden Pakete und Wertkästchen nach anderen Ländenn die Zahl der Zollinhaltserklärungen um eine niedrigere festgesetzt worden. Nähere Auskunft enteilen die Paket=Annahmestellen. Westfalen und Rheinland. * Iserlohn, 18. Juni.(Beim Essen erstickt.) Der 67jährige Arbeiter Karl Hombeck, der sich noch bester Gesundheit erfreute, ist gestern mittag plötzlich gestorben. Beim Essen kam ihm etwas in die Luftröhre, woran er trotz sofortiger Hilfe der anwesenden Personen erstichte. Bevor der Arzt eingreifen konnte, war H. eine Leiche. * Plettenberg=Eiringhausen, 18. Juni.(Tod auf den Schienen.) Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich gestern im hiesigen Personenbahnhof. Der Bahnbeamte Bernhard Engelhertz von hier, welchem während der Nachtzeit das Revidieren der Gleise bezw. der Strecke oblag, wurde bei Ausübung seines Dienstes von dem Personenzug 1278, welcher 11,14 Uhr abends hier einläust, erfaßt sund sofort getötet. Er war verheivatet. 4 4 * Haspe, 18. Juni.(Todessturz.) In Abwesenheit der Mutter, die mit Wäscheaufhängen beschäftigt war, kletterte heute morgen das 5jährige Söhnchen des Arbeiers Rühl hier aus seinem Bett und begab sich an das offenstehende Fenster. Bei seinen Kletterversuchen stürzte das bedauernswerte Kind aus dem Fenster der im 4. Stock belegenen Wohnung auf die Straße. Mit zerschmettertem Schädel wurde das Kind den beklagenswerten Eltern ins Haus gebracht. * Niederschönhagen, 18. Juni.(Einen großen Schaden) erlitt dieser Tage ein hiesiger Landwirt durch eine Zigeunerbande, mit der er sich in einen Pferdehandel einließ. Die Zigeuner vertauschten ihm nämlich ein Pserd, worauf er 500 Mk. zugeben mußte. Der Landwirt glaubte ein gutes Geschäft gemacht zu haben, bis sich herausstellte, daß das Pferd gestohlen wan. Vorgestern morgen kam nämlich ein Herr aus der Provinz Hannover und reklamierte das Pferd als sein Eigentum, es sei ühm von Zigennern gestohlen worden. Der Landwirt war so mit einem Schlage zwei Pferde und 500 Mark los. * Linden(Ruhr), 18. Juni.(Tötlicher Unfall.) Auf Zeche„Prinz=Regent“ in Wiemelhausen waren Leute der hiesigen Firma G. Wolff jum mit Demontagearbeiten beschäftigt, als die Ketten am Flaschenzuge rissen und das daran hängende schwere Eisenstück den Montageschlosser Gellhaus so heftig vor den Leib traf, daß er fast augenblicklich eine Leiche war. Gellhaus stammt aus Bergheim bei Paderborn und Nun 8chte 86. * Cleve, 18. Juni.(Selbstmorv.) Im misdahl wurde die Leiche einer 19jährigen Froigezesperson gefunden, die als die Dienstmagd Kary. bers aus Kellen erkannt wurde. Die Unglückliche, die seit dem vor einigen Monaten erfolgten Tod ihrer Mutter an Schwermut litt, scheint sich ertrankt zu haben. 4 * Koblenz, 18. Juni. Von der Wandervayn am Rhein ist ein achljähriger spielender Junge abgestürzt. 9 Trier, 18. Juni. Als typhusverdächtig sind zahlreiche Mannschaften des 161. Insanterie=Regim. in das hiesige Lazarett eingtliessert worden. Kleine Chronik. Würzburg, 18. Juni. Das Frankenbräu von Schmelz in Heidingsfeld ist durch einen Brand teilweise zerstört worden. Landan, 18. Juni. Der Landwirt Weigel durchschmitt seiner Geliebten, der Dienstmagd Horn, den Hals. Nach seiner Festnahme gestand er die Tat ein. Landau, 18. Juni. Der Weingutsbesitzer Michael Serr sollte sich heute vor der hiesigen Strafkammer wegen Weinsälschung verantworten. Vor dem Prozeß nahm sich der Angeklagte in Rhodt durch einen Schuß ins Herz das Leben. * Osnabrück, 17. Juni. Der katholische Pfarrer Lüten in Vechta wurde, wie nach hier gemeldet wird, beim Lesen der Messe vom Schlage getroffen und war sofort tot. Lübeck, 18. Juni. Der Senat hat dem plattdeutschen Dialektdichter Karl Kindermann aus Anlaß seines 50jährigen Bürgerjubsläums ein jährliches Ehrengehalt verliehen. Christiania, 18. Juni. Wie dem Morgenblad#t aus Lom gemeldet wird, kenterte auf dem Ottafluß eine Fähre, auf der sich sieben Personen und sieben Rinder befanden. Vier Personen ertranken. Bern, 18. Juni. Behn Rigikäjeli stürzte am Sonntag ein junger Londoner Kaufmann namens Green b#n einer 1200 Meter hohen Felswand ab. Die gerichtliche Untersuchung der Leiche hat ergeven, daß wahrscheinlich Selbstmord vorllegt. Spa, 17. Juni. In einem hiesigen Gasthof beging ein Reisender, der laut seiner Eintragung ung alt und aus Godesberg sein wollte, einen Selo#emeroversich. Er wurde mit einer Schußwunde zum Spital gebracht. Der Lebensmüde erklärte, die Tat aus Verzweiflung darüber egangen zu haben, daß seine Frau ihn verlassen und dabei seine kleine Tochter, die er sehr liebe, mitgenommen halbe. Graz, 18. Juni. Am 16. Juni ist der Rentner Kamitz vo Schneefeld des Hochturm in Obersteier= mark abgestürzt. Von der Rettungsexpedition wurde er schwer verletzt nach Leoben gebracht. Von zwei mitz begleitenden Damen stürzte eine gleichfalls ab, doch wurde sie mur leicht verletzt. 4 Mo London, 18. Juni. Der„Daily Expreß“ meldet aus Lissabon, daß eine heftige Dynamitexplosion einen großen Teil der portugsesiscken Stadt Covilhzg, zerstöre ständig vernichtet. Nach einer Version„ sten dieses Verbrechen begangen haben. Rich eine anderen Version sei die Explosion der Rachsucht eines entlassenen Arbekters zuzuschreiben. Ans den Gerichtssälen. s Hamburg, 18. Juni. Das Landgericht Hamburg als zweite Instanz in dem Beleidigungsprozesse Wörmann kontra Simplizissimus beschloß auf Antrag der Verteidigung, den Koloniallstaatsssekretär und seinen Vorgänger den Erbprinzen zu Hohenlohe zur Zeugenvornahme auch zu lalden. Landau, 18. Juni. Die Strafkammer in Landau in der Pfalz verurtei#te drei Roßbacher Winzer wegen Weinfälschung zu je einem Monat Gefängnis sowie zu 500 Mk., bezw. 600 Mk., bezw. 250 Mk. Geldstrafe. Je 800, 3600 und 4000 Liter Wein wurden ausgeschüttet. Das Urteil im Feuerwehr=Brandstiftungsprozeß. Freiberg i. S., 18. Juni. In dem Prozeß, der seit mehreren Tagen gegen Mitglieder der Siebenlehner Feuerwehr wegen Brandstiftung geführt wurde, wurde nachts gegen 2 Uhr das Urteil gefällt. Baumeister Straube, Kaufmann Zetzsche und den wurden zu je drei Jahren sechs Monaten Zucht: haus, Wirtschaftsbesitzer Nendel zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis, Schuhmacher Sohr zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis, Schuhmacher Starke zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis und Schuhmacher Franke zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen fünf Angeklagten wurden freigesprochen. Vermischtes. F Berlin, 17. Juni., Ein drittes Opfer des Liebesdramas in der Köthenerstraße, worüber wir bereits berichtet haben, ist zu verzeichnen. Die Mutter des Fabrikbesitzers J., der gemeinsam mit Frau Paula G. Selbstmord verübt hat, ist heute nacht ebenfalls freiwillig aus dem Leben geschieden. Die etwa 50jährige Dame hat sich in ihrer Wohnung durch Lysol vergiftet; bevor noch ärztliche Hilfe herbeigeholt werden konnte, war die unglückliche Frau bereits tot. Die Verstorbene ching mit großer Liebe an ihrem Sohne; da er trotz ihrer Bitten sich nicht entschließen konnte, zu heiraten, so hatte sie ihm in ihrem eigenen Hause eine elegante Junggesellenwohnung eingerichtet. Um so furchtbarer wurde sie von der Todesnachricht ergriffen; seit dieser Zeit war sie für niemand mehr zu sprechen. Zweimal fuhr sie gestern nach dem Leichenschauhause, um von der Leiche ihres Sohnes Abschied zu nehmen. Auf dem Heimwege verschaffte sie sich eine Flasche Lysol„die sie mit in ihr Schlafzimmer nahm. Hier nahm sie dann die Flüssigkeit zu sich. Tehle Trählmetraugl... Der Kaiser in Brunsbüttelkoog. Brunsbüttelkoog, 19. Juni. Der Kaiser begab sich gestern abend 7 Uhr an Bord des Dampfers„Willkommen" nach der Lustjacht der Hamburg=Amerika=Linie „Ozeana“, wo der Kaiser alsbald die Preisverteilung für die gestrige Regatta vornahm. Darauf fand an Bord der„Ozeana“, ein Festmahl des Norddveutschen Regattavereins statt. Im Verlaufe des Mahles brachte Dr. Mönkeberg ein Hoch auf den Kaiser aus, worauf der Kaiser mit einem Trinkspruch auf den Norddeutschen Regattaverein und die Stadt Hamburg antwortete. Gehaltsaufbesserung und Etat. Berlin, 18. Juni. Die im nächsten Jahre zu erwarhenden erheblichen Mehrausgaben für Aufbesserung der Beamtengehälter üben bereits auf die Vorarbeiten für den preußischen Etal 1908 ihren Einfluß aus. Der Finanzminister hat sämtliche Ressorts zur äußersten Einschränkung ihres Geldbedarfs, besonders in den Extraordinariums der Etats angeregt. Bestrafte polnische Ausschreitungen. Pr. Stargard, 18. Juni. Schwere polnische Ausschreitungen haben heute ihre Sühne gesunden. Elf Polen drangen eines Morgens in das Schulgebäude zu Birkenfließ ein, bedrohten den Lehrer und riefen ihm zu, er solle ihre Kinder im Relgirnsunterricht nicht schlagen. Sie verließen das Gebäude erst nach der zehnten Aufforderung. Heute wurde jeder zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Kriegsgerichtsurteil. Dresden, 19. Juni. Das Kriegsgericht verurteilte den Hauptmann Schmidt vom Infanterie=Regiment 103 zu Bautzen wegen falscher Meldung und ungenügender Beanssichtigung beim Schießen zu zwei Monaten und einer Woche Festung. Vier Knaben ertrunken. Breslau, 19. Juni. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in Valesche im Kreise Groß=Strelitzsch. Zwei Schulknaben badeten im dortigen Teich, sie sanken unter und ertranken. Zwei andere Knaben, welche ihren Kameraden zu Hilfe eilten, ertranken ebenfalls. Drei Personen ertrunken. Berlin, 18. Juni. Auf dem Sacrower S#e bei Potsdam kenterte das Boot des Berliner Bankbeamten Max Wittenburg, der mit seiner 17jährigen Tochter und dem 13jährigen Sohn eine Vergnügungsfahrt untermammen hatte. Alle drei stürzten in die Fluten und ertranken. Hartnäckiger Selbstmörder. Augsburg, 18. Juni. Der Soldat Karl Kastner des 3. Infanterie=Regiments hat sich heute morgen, nachsem ihm der Versuch sich zu ertränken mßlungen war, zwischen Augsburg und München von einem Zuge den Kopf vom Rumpfe trennen lassen. Der Beweggrund zu der Tat sind drückende Schulden. Verschiedene Meldunge.n Mörs, 18. Juni. Auf dem Schacht 5 des Bergwerks Rheinpreußen sprang ein Arbeiter vorschriftswidrig aus dem fahrenden Förderkorb und wurde zerquetscht. Auf dem Schacht 3 wurde ein Arbeiter durch sallenddes Gestein getötet. Kassel, 18. Juni. In der Nähe von Bebra entgleisten zwei Wagen des Schnellzuges Bebra=Göttingen; ein Wagen stürzte um. Ein Fahrgast wurde schwer, mehrere leicht verletzt. Landau, 18. Juni. Das hiesige Kriegsgericht verurteilte den Infanteristen Berlenbach vom 22. Regiment wegen Gehorsamsverweigerung, Bedrohung uund Beschimpfung von Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft zu einem Jahr acht Monaten Gesängnis. Der entlaufene Eisbär. Wien, 18. Juni. Bei der gestrigen Vorstellung im Zirkus Busch ging einer der 70 Eisbären Hagenbecks dem Wärter durch, lief durch die Ausstellungshalle und mischte sich unter das Publikum, das den Eisbären ansangs für einen herrenlosen Hund hielt. Erst als zwei Wärler mit eisernen Stangen herbeikamen, den Bär einzusangen, erkannte man dem Eisbären, und die Menschen suchten entsetzt zu flüchten. Da der Bär sich aber sehr zahm benahm, beruhigte man sich, und das Publikum trüeb selbst den Bär mit Stöcken und Schirmen davon. Meutereien in Rußland. Kiew, 18. Juni. Im Lager von Syretz im Regiment Seelerginsk wurde gestern nach dem Abendapell ein Meutereiversuch gemacht, der jedoch durch geeignete Maßnahmen unverzüglich vereitelt wurde. Gegen 11 Uhr abends meuterte im Sappeurlager Banyewka das Sappeurbataillon 21, wurde aber nach einem Feuergefecht durch die anderen Sappeurbataillone zum Gehorsam gebracht. Ein Offizier wurde bei Erfüllung seiner Pflicht getötet. In der Stadt ist alles ruhig. Zur Lage in Südfrankreich. Narbonne, 19. Juni. Unweit des Fleckens Coursan sind die Eisenbahnschienen aufgerissen und die Telegraphendrähte zerschnitten worden. Ein Arbeiter, sowie der Staatsanwallt und Untersuchungsrichter, welche sich nach den betreffenden Stellen begeben hatten, mußten umkehren. Ferroul hat die Bevölkerung aufgefordert, die Wiederherstellung der Telegraphenleitungen und die Ausbesserung der Schienen nicht zu verhindern. Entsetzliche Katastrophe. Lissabon, 18. Juni. Bei einem Fabrikbrande in Calvilna erfolgte eine furchtbare Explosion. Bisher sind 30 Tote geborgen worden. Börse nur um ein ganz Geringes zurückgegangen sind. Das Angebot betrug bloß etwa 50 000 bis 60000 Mark und, um die Kurse nicht erheblich sinken zu lassen, ließ das beteiligte Bankhaus Mendelssohn Ankäufe vorhnemen. Wie sich die Kurse weiter gestalten werden, wird ganz von den Zuständen im Zarenreiche abhängen. Im Interesse der deutschen Gläubiger ist zu wün schen, daß es ruhig bleibt, und daß bald geordnete Ver hältnisse eintreten, denn die Verluste werden jetzt schon auf ungefähr 600 Millionen Mark geschätzt. Die russische Anleihe von 1894 ist seit Beginn des ostasiatischen Krieges von 90, 75 auf 64,50 gesunken, die Anleihe 1902 von 97,90 auf 74,40 und die Anleihe von 1905, die bei Schließung des Friedens mit Japan 95,80 stand, auf 90,30. — Vereinigte Deutsche Nickelwerke, Aktiengesellschaft, vormals Westfälisches Nickelwert Fleitmann, Witte u. Co., Schwerte. Berlin, 18. Juni. In der heutigen Sitzung des Aussichtsrats legte der Vorstand das Erträgnis für das Geschäftsjahr 1906/07 vor. Dasselbe gestattet die Ausschüttung einer Dividende von 16 pCt.(14 pCt. i. V.), eine Dotierung der Reserven bis zur statuarischen Höhe mit 324 316 Mk.(219 568 M. V.) und einen Vortrag von 65 818 Mk.(47110 Mk.) Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind befriedigend. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 20. Juni: Veränderlich, normal, schwül, Regen, Gewitter. 21. Juni: Schwül, wolkig, Neigung zu Gewitter. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Kaufmännischer Verein Schwerte. Ortsgruppe im D. H. V. 9 * 9 Donnerstag, den 20. Juni abends 9 Uhr im Hotel Östermann —(W. Brückner):— Ausserordentliche geschäftliche Sitzung. Tagesordnung:= □ □ 0 □ 5 0 0 □ 1. Lokalfrage 2. Bericht über den Verbandstag in Dresden. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend notwendig. W2o Der Vorstand. W2579 Der Vorstand. Industrie und Handel. — Die Russinwerte nach der Dumaauflösung. Nach der ersten Auflssaug de: russischen Reichsduma war ein ledeutendes Sinken der russischen Wertpapiere eingeireten. Um so interessarter ist es, die Kursgestaltung nach der zweiten Auslösung zu beobachten. Da zeigt es sich, daß die Kurse an der Berliner MontagsVerbandkästen M. Praktisch Kasten„Treppenforn“ Prospekte über Unfallschutz sendet Techn. Verk.-Genoss., Duisburg a. Ru. „Freischutz Heute Nachmittag 4 Uhr: Merkert. Konzert Eintritt 30 Pfg. Abonnementskarten gültig. halber eine Wohnung von 5 Zimmein mt sämtl. Zubehör sofort oder später zu vermieten. 62591 Kuhstraße 28. Bellsedern u. Jaunen sind stets in frischen Waren in den bekannten guten staubfreien Qualitäten vorrätig. Großes Lager in eisernen, hölzernen u. Kinder=Priisturk. 1555 Achtungsvoll! Ernst Müller Schwerte. Ostenstraße. Die II. Ztage in meinem Hause Hagenerstraße 8, bestehend aus 5 Zimmern, eventl. auch Bodenzimmer, ist per 1. August dss. 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Ballsirenen, Walser aus der Opt. „Lustige Witwe“ Lehar 11. a) Komm o komm Männerchöre Kremser b) Wunschchoe Will 12. Unter siegenden Fahnen, Marsch. Blankenburg Hierauf Ball. Die Musik wird ausgeführt von der Hagener Kapelle(Branscheid) in Stärke v. 20 Mann. Elntrittspreis für Nichtmitglieder für Konzert und Ball 50 Pfg. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein Der Vorstand. Bel ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. S S#é * Kanr amp Cch Schwerte, Telefon Nr. 220. Filiale: Boenen, Telefon Nr. 2. 4 ∆ Nach wie vor verkaufen wir Sämtliche Waren * zu und unter Einkaufs-Preis! Unsere deschäftsräume befinden sich bis zur Vollendung unseres Umbaues beim Herrn Metzgermeister 1 Ottoop den Hagenerstrasse 10. Runr app; ** Schwerte, Telefon Nr. 220. Filiale: Bönen, Telefon Nr. 2. Ahhreie P ee □ bestes alkoholfreies Erfrischungs-Getränk von den Handels- und Gerichts-Chemikern Dr. Jeserich Berlin Dr. Kaysser-Dortmund Dr. E. 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Nr. 4, Nebengebäude und Loicang zu verkaufen. 232883 Anzahl. 1000—2000 Mk. Reflektanten erhalten nähere Auskunft durch Schulte Anktionater. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Ik. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familienfreund." o o 0 O O O O O O O O O o o Auzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren naum 10 PI., Anzeigen von auswärts 19 Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Mittwoch den 19. Juni 1907. Alie Kreis- und Lekalpollzeillchen Vererdnungen für den Reeie Hörde erlangen gemäst Bekanntmachung der durch Veröttentlichung in der„Schwerter verbindliche Kraft. o POOOOOS· Druck u. Verlag von Carl Draus, Schwerte. Fernsprec-Nusthun: Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Nüresse Braus, Scweree-Rubr. 3. westfäl. Kreis=Turnfest. Bielefeld, den 17. Juni. Unsere vom Teutoburger Walde umsäumte Stadt steht gegenwärtig unter dem Zeichen der vier F. Der Kreis 8a der Deutschen Turnerschaft, der 9 Gaue mit rund 42000 Mitgliedern umfaßt, feierte sein Kreisfest. Mehrere Sonderzüge aus allen Richtungen brachten bereits am Samstag Tausende Turngenossen aus dem Siegerlande, der westfälischen Mark, dem Münsterlande und aus den lippischen Landen nach hier; auch in den Vormittagsstunden des Sonntags kanren noch manche Vereine mit dem Dampfroß an. Mit klingendem Spiel wurden die ankommenden Turner zum Rathause geleitet, wo die Fahnen aufbewahrt wurden. Dann gings in die Quartiere, die zum großen Teile den fremden Turnern zur Verfügung gestellt waren. Bielefeld hat für das Kreisfest einen großartigen Schmuck angelegt, die vom Bahnhof in die Stadt führende Hauptstraße gleicht einer großen Triumphalis, Tausende bunte Fähnchen reihen sich von Baum zu Baum, Hunderte von Flaggenmasten mit Fahnen der verschiedensten Farben zieren die Straßen. Auch der Rathausplatz ist in sinniger farbenprächtiger Weise dekoriert. Bielefeld dürfte, was Ausschmückung anbelangt, selbst noch das romantische Lüdenscheid, wo vor drei Jahren das Kreisfest stattfand, übertrofsen haben. Am Samstag Abend fand zu Ehren der fremden Gäste in den Festräumen des Johannesberges ein großer Kommers statt, zu dem die Turnvereine Bieleselds den turnerischen Teil übernommen hatten. Sonntags in der Frühe nahm bereits die Abwickelung des turnerischen Programms ihren Ansang, und zwar traten mehrere hundert Turner zum Dreikampf(Schleuderballwerfen, Weitspringen und Schnelllausen(150 Meter) an. Von nachmittags 1,30 Uhr sollte der Festzug Aufstellung nehmen, es wurde aber später, weil ein plötzlich hereinbrechender wolkmbruchartiger Regen die Vereine auf dem Aufstellungsplatze mehrere Male auseinandertrieb. Viele Verein:, die in der Stadt von dem starken Regen überrascht wurden, blieben zurück und reihten sich erst später dem Festzuge an; die Vorschrift, die Fahnen der einzelnen Vereine ganweise zusammenzutragen, konnte mit Rücksicht auf die sich Der Teufelskopf. Roman von Fitzgerald Molloy, dentsch von E. Ebeling. (Nachdruck verboten.) 10. „Du hast mir also etwas besonderes zu sagen, eröffnete Rigel das Gespräch, als er die Erwartung nicht länger ertragen konnte. „Ich kam, um Ihnen eine Mitteilug zu machen, eine Mitteilung...“ hier brach er ab. „Worüber?“. g. 6. 1„ „Ueber jene Nacht— die Nacht, in per Sir Philipp getötet wurde.“ Rigels scharfem Ohr war es so, uls wurde auf oas letzte Wort ein scharfer Nachdruck gelegt; krampfhaft saßten seine Finger die Stuhllehne. Er bezwang jedoch seine Un ruhe und sagte ruhig:.., Ean Jkuggohen. „Du hast dein Zeugnts ja schon abgegeren. „Aber es ist noch etwas anderes, Sir Rigel; etwas, was ich dem Richter nicht gesagt habe, antwortete Foulsham hastig. Was ist es denn?“ fragte Rigel mühsam atmend. „Bald, nachdem ich den Aufschrei in jener Nacht gehört hatte sah ich von der Richtung des Teufelskopses her jemanden durch den Park eilen. „Erkanntest du die Gestalt?“ fragte Rigel langsam und vorsichtig. . „War es eine Frauengestalt?“ „Eine Frau, antwortete Foulsham. „Mein Gott!“ rief Rigel in höchster Erregung. Er fragte weder, wer die Frau war, noch stellte er andere Fragen, so hingenommen war er von dem Gedanken, die auf ihn einstürmten, die jeden Nerv in seinem Körper erbeben machten. „Zuerst,“ fuhr der Wildhüter fort,„wollte ich kaum durch das Regenweter ergebenden Schwierigkeiten nicht durchgeführt werden. Es schien, als wenn man dieser meuen Einrichtung überhaupt wenig Sympathle entgegenbrachte. Durch das gauweise Zusammentragen der Fahnen wird das mallerische Bild eines Festzuges ohne Frage erheblich beeinträchtigt, sodaß man von der Neuerung wohl alsbald wieder abzusehen gezwungen wird. Nach etwa ¾ stündigem Marsche durch die Straßen der Stadt kam der Festzug auf dem an der Teutoburgstraße liegenden Turnplatz= an, wo sofort mit den Vorführungen der einzelnen Gaue begennen wurde, denen dann eine Gesamtvorführung des Kreises folgte. Es beteiligten sich hieran 2500 einheitlich gekleidete Turner. Leider erwies sich der Platz als zu klein, sodaß eime Anzahl Turner die Uebungen nicht mitmachen konnten. Es war ein interessantes Bild, das sich vor den Augen mehrerer Tausend Festbesucher auftat. Die Uebungen, die zuerst einzeln und dann mit Musikbegleitung hintereinander vorgeführt wurden, fielen exakt aus. Die Kreisleitung sowohl wie die teilnehmenden Turner können mit dieser Leistung recht zufrieden sein, zumal es nicht möglich war, die Uebungen vorher gemeinschaftlich durchzunehmen. Dann folgten nach einander verschiedene turnerische Vorführungen der Altersriegen, dem sich das Vereinsund Musterriegenturnen der Vereine anschloß. Erst nach 8 Uhr war das für den Sonntag festgelegte turnerische Programm abgewickelt. Während des Abends war die Sparrenburg festlich beleuchtet. Montag traten die Wetturner zum Sechskampf zusammen, und zwar waren als volkstümliche Uebungen Steinstoßen, Weithochspringen und Schnellaufen (100 Meter) gewählt, außerdem müssen am Reck, Barren und Pferd eine Reihe vorgeschriebener Uebungen gemacht werden. Die Preisverteilung fand Montag Abend auf dem Johannisberge statt. Heute vormittag fand im Hotel zu den drei Kronen eine wichtige Besprechung zwischen den Kreisvertretern und Vertretern der königlichen Regierung statt. Von der Mindener Regierung war der Präsident selbst zugegen. Es handelte sich um Erörterung der Frage: Auf welche Weise ist es möglich, die schulentlassene Jugend mehr als bisher für die Leibesmeinen Augen trauen. Vielleicht hegte ich selbst jetzt noch Zweifel, wenn ich nicht heute, gerade da, wo ich sie habe über die Lichtung eilen sehen, etwas gefunden hätte. „Roc dean?“ „Ein Taschentuch, und der Name ist rot hineingezeichnet,“ sagte Foulsbam. Mit diesen Worten zog er ein reines, viereaiges Stück Battist, das er hübsch zusammengefaltet hatte, aus der Tasche und reichte es Rigel, der sofort das eigentümliche Parfüm desselben als das erkannte, das Fräulein Claypole immer brauchte. In eine Ecke war der Name Oriana in roten Buchstaben gestickt. Als ob die bloße Berührung ihm Entsetzen einflößte, legte Rigel es schnell auf den Tisch. „Hast du irgend jemanden davon erzählt?“ fragte er ängstlich. „Nein, Sir Rigel.“ „Das war gescheidt, das war gescheidt von dir“, erwiderte Rigel erleichtert. In dem Augenblick, in dem ich die junge Dame sah, wußte ich noch nicht, was sich ereignet hatte, und am andern Morgen, als ich von Sir Philipps Tod hörte, hielt ich erst recht meinen Mund, denn ich dachte, es wäre besser, kein Unheil anzurichten. Es konnte nichts Gutes bringen, es konnte den Toten doch nicht w'eder lebendig machen. Deshalb schwieg ich auch bei der Untersuchung.“ „Du bist ein sehr vernünftiger Mensch, Foulsham, und bist du auch ganz sicher, daß du den Namen der Dame gegen keinen, nicht einmal gegen deine Eltern erwähnt Ganz sicher, Sir Rigel, antwortete der Wildhüter stolz.„Ich kann alles bei mir behalten, was ich nicht sagen will; aber dies beunruhigte mich doch. Ich fürchtete, ich täte Unrecht, wenn ich Schweigen bewahrte. Schließlich entschloß ich mich, Ihnen alles zu erzählen, es geht Sie doch am meisten an.“ „Ich danke dir für das Vertrauen, Foulsham, und für die besonnene Weise, in der du gehandelt hast, sagte Rigel ruhig.„Hättest du dem Untersuchungsrichter gesagt, was du mir eben erzählt hast, hättest du böses Gerede übungen zu interessieren? Der schulentlassenen Jugend soll fortan ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es soll geprüft werden, ob es nicht möglich ist, den Turnunterricht auch in den Fortbildungsschulen einzuführen und zwar unter einem gewissen Zwange; vor allen Dingen soll aber darauf gesehen werden, daß die entlassenen Schüler sich einem Turnverein anschließen, damit in der Pflege der so nützlichen Leibesübungen keine Unterbrechung eintritt. Wie wir hören, steht die Regierung den Anregungen recht sympathisch gegenüber, sodaß man wohl darauf rechnen kann, daß dem Plane nach der einen oder der anderen Seite schon recht bald näher getreten wird. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 17. Juni.(Flottenverein.) Die unter dem Vorsitz des Fürsten Salm=Horstmar hier abgehaltene ordentliche Hauptversammlung des westfälischen Provinzialvereins des deutschen FlottenVereins hat, nachdem der Vorsitzende über die Kölner Tagung berichtet hatte, folgende Entschließung angenommen:„Hocherfreut über das für das Präsidium wie für den ganzen deutschen Flott#nverein gleich erfreuliche Ergebnis der Kölner Tagung, die sich zu einer imposanten politischen Kundgebung auuswuchs, und gestärkt hierdurch im Vertrauen auf die Einigkeit nicht nur des deutschen Flottenvereins sondern des ganzen ratriotisch dentenden Volks bezüglich der heiß ersehnten Wehrkraft zur See, spricht sich der westfälische Provinzialverein des deutschen Flottenvereins erneut und energisch für die erneute Vorlage einer unsern Interessen zurz See und Kräften entsprechenden FlottenNovelle aus. * Gelsenkirchen, 16. Juni. Zu einer großen Jubelfeier des gesamten evangelischen Arbeitervereinswesens gestaltete sich heute das 25jährige Stiftungsfest der ersten evangelischen Arbeitervereine zu Gelsenkirchen und Schalke. Die ganze Stadt, ohne Unterschied der Konfessionen, beteiligte sich durch reiche Ausschmückung. An dem Festzug beteiligten sich 70 Vereine. Bei den Festversammlungen in Schalke und in Gelsenkirchen sprachen u. a. die Abg. Wamhoff, Franüber die Dame gebracht, die du gesehen zu haben glaubst.“ „Aber ich sah sie wirklich,“ erwiderte Foulsham nachdrücklich. „Das glaubst du, aber ich bin fest überzeugt, es war eine Dienerin oder eine Arbeitsfrau, die nach Hause eilte und fürchtete, gesehen zu werden. Hättest du sie angesprochen, würde dein Argwohn über alle Zweifel erhaben sein und würdest anders denken.“ Rigel sprach mit dem eifrigsten Ernste eines Menschen, der eine folgenschwere Sache vertritt. Seine Worte machten Eindruck auf seinen Zuhörer, er ihnen mit verständnisvollem Interesse folgte. Einige Augenblicke hielt Foulsham den Blick auf den Teppich gesenkt und schlug mit der Pelzkappe sinnend gegen seine Knie, als wäre er mit sich selbst noch nicht ganz im Klaren. Dann plötzlich, als hätte er einen Entschluß gefaßt, sagte er: „Aber das Taschentuch——— „Du hast nicht gesehen, daß die Gestalt das Tuch fallen ließ.“ „Nein.“ „Nun gut; der Eigentümer hat es vielleicht vorher verloren, ehe es gefunden wurde. „Foulsham fortwährend unruhig von einem Fuß auf den andern, während Rigel den Burschen mit größter Spannung beobachtete. „Entschuldigen Sie, Sir Rigel, aber mir liegt doch noch etwas im Sinne,“ sagte der Wildhüter nach einer Pause etwas zögernd. „Dann heraus damit.“ „Sie glauben also nicht, daß die junge Dame irgend etwas mit dem zu tun hatte, was sich in jener Nacht ereignete.“ Rigel fuhr auf, seine Stirnadern schwollen von unterdrückter Gemütsbewegung. „Gott im Himmel, Mann, nein!“ rief er heiser. „Ich bitte um Verzeihung, Sir Rigel,“ sagte Foulsham, als er die Bestürzung des Barons sah. Versammlung zu Schalke geäußerte Gedanke, daß die beiden Richtungen der evangelischen Arbeitervereine, Bund und Verband, sich wieder einigen möchten. Die Verdienste des Gründers des ersten evangelischen Arbeitervereins, Ludwig Fischer, der erst vor acht Tagen zu Grabe getragen wurde, fanden gebührende Würdigung. * Hagen, 18. Juni.(Eine Schenkung von 40 000 Mark) machte der Kaiser dem Eisenbahntöchterhort als Grundstock für den Bau eines EisenbahnTöchterheims. Der Rest des Baukapitals soll durch Stiftung milder Beiträge von den Eisenbahnbediensteten aufgebracht werden. * Hagen, 19. Juni.(Stadthalle.) Für die Errichtung der Stadthalle sind aus Kreisen der Bürgerschaft bereits über 300000 d gezeichnet worden. n diesen Zeichnungen sind 112 Bürger beteiligt. Sobald die Zeichnung von 200 Hagener Bürgern vorliegt, haben die Geschwister Funke eine Beisteuer von 100000 M zugesagt. Der Bau der Stadthalle ist gesichert, wenn durch die Beiträge aus den Kreisen der Bürgerschaft 600000 an aufgebracht sind, da den Rest der Bausumme die Stadt hergibt. * Ahlen, 18. Juni.(Ein schweres Unglück.) ereignete sich heute vormittag auf der Dolbergerstraße. Der etwa 5jährige Sohn des Fabrikarbeiters V. geriet unter ein schwer beladenes Fuhrwerk der Jackenkroll. Der Wagen ging dem Kleinen über ebide Füße, sowie über einen Arm. Das Kind wurde ins hiesige Krankenhaus gebracht, wo es alsbald seinen schrecklichen Qualen erlag. * Wattenscheid, 18. Juni.(Die Genickstarre) greift in unserer Stadt in bedrohlichem Maße um sich. In kurzer Zeit sind hier zehn Fälle vorgekommen, von denen sechs tödlich verlaufen sind. Auch heute morgen wurde wieder ein Kind, und zwar das vier Jahre alte Töchterchen des Bergmanns Burdinski der Seuchenbaracke des Marienhospitals zugeführt. Das Künd ist unterdessen im Genickstarre verstorben. Standesamt Schwerte vom 1. bis 15. Juni. Geburten, 1 Sohn: Fabrikarbeiter Jakob Rothen stein, Maschinensteller Ludwig Baretti, Fabrikarbeiter Andreas Wannemacher, Eisenbahnschaffner August Strickrot, Lokomotivführer Karl Bredenbruch, Kutscher Otto Frahne, Fabrikarbeiter Adolf Böhnki. 1 Tochter: Arbeiter Egbert Rink, Bergmann helm Lahme, Lihrer Franz Grosche, Fabrikarbeiter Hermann Müller, Anstreicher Wilhelm Haßenpflug Hülfsweichensteller Wilhelm Greve, Schuhmacher Gu stav Kllockenhoff, Fabrikarbeiter Wilhelm Schubbe, Zimmermann Friedrich Preuß, Maurenmeister Wilbeim Becker. T4um tun m Aufgebote: Fabrikarbeiter Franz Schumicher und Karoline Neugarten zu Schwerte, Handlanger Arnold Massing und Emma Grzywna zu Schwerte, Fabrikar beiter Gustav Gorski und Auguste Jeschorski zu Schwerte, Polierer OOskar Thiem und Klara Zängerling zu Schwerte, Karousselbesitzer August Isken und Wilhelmine Martius zu Hagen und Schwerte, Bergmann Heinrich Hermann Tubbesing und Karoline Roeser zu Wickede, Heilgehülfe Friedrich Unruh un Lisette Häckel zu Hochemmerich und Schwerte, Oberlehrer Dr. phil. Panl Gehring und Therese Hartmann zu Brandenburg und Hagen.. gner Haumf Sits Eheschließungen: Straßenbahnführer Kurt Steoler und Ida Pütter zu Schwerte, Anstreichermeister Friedrich Störing und Ricka Gräfe zu Schwerte Metalldrucker Albert Gräfe und Julie Acker zu Schwerte. Sterbefälle: Ehefrau Eisenfahrer Hermann Hohensee geb. Brehm, 29 Jahre, Herta Neugarten, 1 Mon., Invalide Wilhelm Börstinghaus, 70 Jahre, Konrad Reber, 8 Monate. „Aie Lonnte dinr uun iin zeich schelicher Bedante kommen?“ „Es passieren manchmal seltsame Dinge, antwortete der Wildhüter ausweichend. „Aber wir müssen unsern? Verstand dabei brauchen. Selbst wenn die Dame, die du nennst, fähig wäre, solch ein entsetzliches Verbrechen zu begeheu, und selbst wenn sie die körperliche Kraft hätte, seinen starken Mann über den Abhang zu stoßen, was sollte wohl ihr Grund sein, den Mann zu töten, den sie liebte?“ „Das weiß ich nicht, Sir„Rigel,“ gestand Foulsham beschämt. Die Frostigkeit des schattenhaft erleuchteten Zimmers, aber mehr noch die magnetische Kraft des Mannes vor ihm gaben ihm ein unbehagliches Gefühl. Er fühlte sein Denken und Wollen beinflußt. „Aber du begreifst doch,“ fuhr Rigel fort,„daß ein Verbrechen niemals ohne Grund begangen wird. Hier kann aber keiner sein. Sie verlor alles durch Sir Philipps Tod: einen Gatten, der sie verehrte, einen Titel, ein greßes Ein kommen, ein schönes Heim. Ich sehe, Foulsham, du glaubst immer noch, daß es die Dame war, die du im Park gesehen hast. Bedenke doch— Sir Philipp muß in dem Augenblick gefallen sein, in dem du den Vogelschrei gehört hast, und fast unmittelbar danach hast du die Gestalt in einiger Entfernung von der Unglücksstätte gesehen, was klar beweist, daß sie nicht zu der Zeit auf dem Teufelskopf hat sein können, wo Sir Philipp verunglückt ist. Wäre sie zu irgend einer Stunde der Nacht dort gewesen und hätte gewünscht, diese Tatsache geheim zu halten, so würde sie auch auf dem kurzen Wege nach Hause geeilt sein, anstatt auf dem Wege die Gefahr einer Entdeckung zu laufen, auf dem du sie gesehen hast. Sieh die Sache an, von welcher Seite du willst, du kannst die Dame nicht in Verbindung bringen nit der traurigen Begebenheit, die uns alle so tie bekümmerte und ganz besonders aber ihre schrecklichen Folgen auf diese Dame ausübte; sie ist kaum vor einer Gehirnentzündung bewahrt geblieben. Etwas von den Rosen. Rosenmond hat einst Karl der Große den Juni geminnt. Er kannte die Edelrosen noch nicht, die schon Anfing Juni blühen und die noch im Juli, ja teilweise den ganzen Sommer hindurch bis in den Herbst hinein blühen. Die Stammvettern der Gartenrosen sind erst zur Zeit der Krenzzüge aus Kleinasien nach Europa gekommen, allmählich sind diese Rosen, nachdem Tulpen und Nelken zeitweise am höchsten im Werte standen, zu den beliebtesten Blumen, zu den ersten Pflanzen in unseren Gärten geworden. In tausenden von Sorten sind sie bei uns verbreitet, in allen Farben, in allen Formen sind sie vertreten. Mit der erhabenen Schönheit und dem wonnigen Duft ihrer Blüten können sich unsere einheimischen Rosenarten nicht vergleichen. Und doch wird mancher mit Entzücken vor einem großen, 2—3 Meter hohen Heckenrosenbusch gestanden haben, dessen graziös überhängende Rankenzweige mit einer zahllosen Menge schöner, großer, roter Blüten überschüttet sind. Wer solch einen Busch einmal in seiner vollen Blütenpracht gesehen hat, der wird versucht sein, ihn den Gartenrosen gleich, wenn nicht über sie zu stellen. Gewiß, die Blüten sind micht gefüllt, aber sie sind sehr groß und dabei so lieblich, sie liegen so zart in der Umhüllung des anmutigen Kelches, und das Laub in seiner feinen Fiederung ist weit schöner als die etwas plumpen Blätter der GartenroZid dosse, Sie verzehen vin! awdeie, Foaulshon der wohl verstand, daß sich hinter Rigels Zurückhaltung eine furchtbare Aufregung verbarg.„Aber dieser lag mir schwer auf dem Herzen, fügte er hinzu. Es ist gnt, daß du ihn ausgesprochen hast, denn ich hoffe, meine Gründe haben diesem Zweifel Ruhe gebracht. „Ja, Sir Rigel, ich fühle mich sehr erlelchtert.“ Der andere merkte, daß diese Antwort zweideutig war, aber er hatte seine Ueberredungskunst erschöpft und wußte nicht, was für Worte er wählen sollte, um Foulsham zu überzeugen. Dem jedoch schien dessen Zweifel von geringerer Wichtigkeit, so lange er nicht anderen mitgeteilt wurde, und dies zu verhindern, war Rigels dringender Wunsch. „Du wirst einsehen,“ fuhr er deshalb eindringlich fort, „welch ein furchtbares Unrecht du dieser jungen Dame tun kannst, wenn du anderen gegenüber erwähnst, was du mir erzählt haft. Ein geflügeltes Wort verbreitet sich bald, und böser Leumund kann den Unschuldigsten verderben. Als ein ehrlicher Maun wirst du eine leidende Frau nicht verderben wollen, deshalb versprich mir, über das, was du mir soeben erzählt hast, zu schweigen. „Das verspreche ich,“ erwiderte Foulsham, jetzt ganz besiegt. „Willst du das beschwören,“ fragte Rigel, dem viel daran lag, dieses Versprechen in möglichst weihevoller Weise besiegeln zu lassen, so lange der Mann noch unter seinem Einflusse stand. „Ich will es beschwören.“ Rigel erhob sich hastig und znahm eine Bibel vom Bücherbrett, brachte sie Foulsham und sagte in fieberhafter Aufregung: „Ich schwöre, niemals vor einen Menschen, oder an irgend einem Orte meine Vermutung laut werden zu lassen, in der Nacht von Sir Philipps Tode eine Dame im Park gesehen zu haben, um in keiner Weise den Gedanken anzudeuten, daß sie mit dem Unglücksfall in Verbindung stehe. Dazu helfe mir Gott!“ Foulsham wiederholte die Worte langsam, sein Blick sen. Es scheint, als ob die Wildrosen jetzt wieder etwas mehr in den Vordergrund treten sollten. Sie verdienen es jedenfalls in vollstem Maße, angepflanzt zu werden, umsomehr, als sie an ihren natürlichen Standorten, den Rainen und Felirändern und Feldgebüschen immer mehr de. intensiveren Bodenbewirtschaftung weichen müssen. Unsere einheimische Flora ist reich an Wildrosenarten. Aber alle sind doch der bekannten Heckenrose sehr ähnlich. Manche von ihnen heben sich durch grangrünes Laub ab, wie z. B. die Filzrose, andere blühen weiß wie die Bibernellrose. Sehr schön sind auch die roten Früchte der Wildrosen, die lekannten Hagebuner, die auch als Kompott Verwendung finden. Besonders große Früchte besitzt die Apfelrose, die um dieser Eigenschaft willen hier und da angepflanzt wird. Eine andere, die bei uns einheem.sche Wildrose, die Weinrose, besitzt Blätter von den### beim Zerreiben ein kostlicker Obstduft ausströmt. Nun an der Südgrenze Dutschlunds ist die rotblättrige Rose verb litet, deren eigentliche Heimat die Alpen sind. Sie ist ein Strauch von sehr apartem Aussehen. Sie besitzt ein Laub, das zwischen rot und blau sch.bankt. Sehr eigenartig nimm: sich diese zierliche Rose aus, die zerar klein, aber sehr intensiv rote Blüten besitzt. Die Karbe ihres Laub s ist so auffällig, daß sie sich sofort gegen jede andere Roseuart ubhebt. Auch anders Länder und Erdteile besitzen zum Teil recht eigenartige Wildrosen. verlor sich dabei suchend ins Weite; dann küßte er schnell das Buch. Rigels Brust entrang sich ein Seufzer der Erleichterung; er wandte sich einem Tische zu, auf den der Diener Sodawasser und Whisky gestellt, nahm sich selbst davon und gab auch dem Wildhüter. Als sie die Gläser erhoben, trafen sich ihre Augen zufällig, ein fragender Blick flog von hüben nach drüben, nur eine Sekunde lang, doch schien er jedem von ihnen eine Stunde zu währen. Foulshams Hand zitterte, als er sein Glas hinsetzte. Einen Augenblick später führte Rigel seinen Gast nach der Tür, zu der er hereingekommen war. „Gute Nacht, Foulsham, gute Nacht,“ antwortete der junge Baron und mit leiser Stimme fügte er hinzu: „Ich werde das Vertrauen nicht vergessen, das du mir erzeigt hast, vergiß du nur deinen Eid nicht. Dann kehrte er in die Bibliothek zurück, schloß die Tür und warf sich in einen Stuhl wie ein Mensch, der von einer schrecklichen Rolle erlöst ist, die er in einem Trauerspiel hatte spielen müssen. Als er so bewegungslos dasaß, nahmen seine graublauen Augen einen starren Ausdruck an. Die nächtliche Stille wurde nur durch seine schweren Atemzüge unterbrochen. Plötzlich sprang er auf, ein eisiger Strom durchrieselte ihn, er murmelte eenen Namen— den Namen, der in der Ecke des Taschentuches gezeichnet stand, das vor ihm lag. 10. Kapitel. Seltsame Worte. Während der ersten Wochan, die dem Unglücksfalle folgten, war Rigel infolge seiner neuen Stellung in Geschäft tief vergraben. Von London war ein Vertreter und des Verstorbenen Rochtsanwalt gekommen und hatte ihn die Verhältnisse seines großen Eigentums eingeführt. (Forts. folgt.)