Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich. ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 M. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illusirierter Famillentreund." o 0 0 0 0 O 0 OC O O O O O Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pl., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 P. und ältestes Tagesorgan Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Nreis Hörde erlangen gemäst Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Uerötfentlichung in der„Schwerter Zeitung“ verdindliche Kraft. o c OCOOOSOSSST. Druck u. Verlag von Zarl Braus. Scwerte. Fernsprech-Ruschluse Dr. 62 Ami Schwerte. Celegr.=Adresse Braus. Schwerte-Nubr. We Nr. 109. Deutscher Reichstag. 50. Sitzung vom 10. Mai, 1 Uhr. Die Farmerentschädigung. Die Kommission beantragt, statt 7½ Millionen nur 5 Millionen zu bewilligen. Die Hilfeleistung soll, und zwac schenkungsweise, erfolgen„unter der Voraussetzung, daß anderwettige Ansprüche auf Entschädigung gegen das Reich oder die Kolonie aus Verlusten infolge des Aufstandes seitens d.: Empfän= gers nicht gestellt werden.“ Kolonialdirektor Dernburg trägt noch einmal die Gründe gegen die Darlehnsform vor. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, darüber herrscht volle Einigkeit. Aber wenn man schon ex gratia gibt, dann soll man auch mit gratie geben. Beim Darlehn würden sich am ersten Rückzahlungstermin so viele Schwierigkeiten ergeben, daß der Gouverneur schließlich sagen würde: Nä schön, behalt's! Abg. Gröber(Ztr.) bemängelt, daß die Unterstützung eventuell auch solle gewährt werden können ohne Nachweis des wirklichen Bedürfnisses. Die Verteilung sei doch tatsächKommission schneide übrigens auch da, wo wirklich ein Rechtsanspruch geltend gemacht werden könne, die Rechtsstreitigkeit ab! Wollte man denn das wirklich?! Die ganze Feststellung des Schadens beruhe übrigens in Südwestafrika auf höchst unsicherer Grundlage. In einzelnen Fällen seien ganz kolossale Ueberforderungen, auch in der Kommission, festgestellt worden. Solche Ueberforderungen seien ja menschlich, aber selbst wenn man da an bona fide erhobene Forderungen denke, an eine Ueberschätzung des eigenen und geschädigten Besitzes, so zeige das doch die Unzuverlässigkeit aller dortigen Schadens=Schätzungen. Wie viele von den geschädigten Farmern seien überdies mitschuldig an dem Auftande! gzzuhrungen des 9. Abg. Paasche(ntl.) hat von den ausführungen des Vorxedners den Eindruck, als ob das Zentrum überhaupt nichts, auch nicht einmal als Darlehn, bewilligen wolle. Wenn, wie der Vorredner selber gesagt habe, von einer Anzahl Forderungen so und so viel abgestrichen worden sei, so beweise das doch, daß bei der Abschätzung der Schädigungen vorsichtig zu Werke gegangen sei, daß unverschämte Forderungen einfach abgelehnt seien. Und das spreche doch erst dafür, anerkannte Forderungen anstandslos zu bewilligen. Daß es unpraktisch sei, hypothekarische Eintragung von Darlehen zu verlangen, davon sei er selbst durch den Kolonial=Direktor überzeugt worden. Redner plädiert dann noch für die Bewilligung der vollen in der Vorlage geforderten 7½ Millionen. Inzwischen ist ein Antrag Arendt eingegangen: für den Fall der Ablehnung der 7½ Millionen den Betrag von 5½ Millionen(also ½ Mill. mehr als die Kommission vorschlägt) zu bewilligen zu dem Zwecke, daß alle Schäden bis zu 10000 Mk. voll und die darüber hinausgehenden Schäden zu zwei Dritteln entschädigt werden können. Nach längerer Erörterung, in der Frhr. v. Richthofen kons.), Dr. Arendt(Rp.), Lattmann(wirtsch. Vgg.) und dr. Wiemer(frs. Vp.) sich für die Entschädigung aussprechen, wird der Kommissionsbeschluß durch die Blockmehrheit bestätigt. Der Ergänzungsetat, der die Folgerungen aus der Beendigung des Kriegszustandes in Südwestafrika zieht(Erhöhung des Reichszuschusses unter Verminderung der Anleihe) wird in zweiter Lesung genehmigt, ebenso die Teuerungszulagen, worüber Dr. Wiemer(frs. Vp.) berichtet. Es folgt der Etat des Reichstags. Vizepräsident Dr. Paasche begründet einen von ihm nach Vereinbarung mit dem Seniorenkonvent gestellten Antrag, wonach die annähernd in Höhe von 200000 Mk. angesammelten Eintrittsgelder für die Besichtigung des Reichstags, die bisher in einem besonderen Fonds durch den Reichstagspräsidenten verwaltet wurden, auf den Etat gebracht werden. Das bisherige Eintcittsgeld von 50 Pfg. bezw. 25 Pfg. für Militärpersonen wird auf 25 bezw. 10 Pfg. ermäßigt. Die aus den Eintrittsgeldern aufkommenden Summen sollen zu Unterstützungen für die Unter= und Hilfsbeamten des Hauses verwendet werden, u. a. werden die Hilfsbeamten auch in die Krankenversicherung einbezogen.„. Jur9 iht Eis Vuranug i. e. 25, Abg. Dr. urenot(Rp.) gibt die Anregung, in den nächsten Etat 100000 Mark einzustellen für parlamentarische Studienzwecke. Es sei würdiger, wenn die Abgeordneten auf Kosten des Reiches und nicht als Gäste von Privaten ihre Studienreisen machen. Daß diese für die Beratungen des Reichstages von großem Nutzen seien, habe sich im letzten Jahre gezeigt. Die Deckung der Kosten könne erfolgen aus den Ersparnissen beim Diätenfonds infolge der Strafabzüge. Abg. Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. Vag.) spricht unter lebhaftem Beifall aller Parteien der Verwaltung des Reichstages die volle Anerkennung für alles aus, was lie in letzter Zeit an nützlichen und praktischen Einrichtungen geschaffen hat. Für die noch immer fehlende Inschrift schlägt Sonnabend den 11. Mai 1907. Der Etat des Reichstags wird mit dem Antrag des Seniorenkonvents genehmigt. Beim Etat der Reichsbank wird eine Resolution angenommen, in der um baldige Vorlage eines Scheckgesetzes ersucht wird..— 6.5 Ter Etat wird mit dem Etatgesetz in zweiter Lesung erledigt und hierauf eine lange Reihe von Petitionen nach den Kommissionsanträgen. Tamit ist die Tagesordnung erledigt. Sonnabend 11 Uhr: Kleine Vorlagen, Grubeninterpellationen, Wahlprüfungen. Schluß 6½ Uhr. WOSSHuc Dreußischer Landtag. Abgeordnetengaus. 64. Sitzung vom 10. Mai 1907, 11 Uhr. Am Ministertische: Delbrück, v. Bethmann=Hollweg. Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung. Zunächst werden verschiedene Gesetzentwürfe wegen Abändecung von Amtsgerichten in dritter Beratung angenommen. Hierauf beginnt die dritte Beratung des Gesetzentwurfs negen Abänderung des Allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865 mit einer allgemeinen Besprechung. Nach kurzer Erklärung des Abg. Dr. Voltz(ntl.) wird das Gesetz gegen die Mehrheit der Nationalliberalen und die Freisinnigen angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Wanderarbeitsstättengesetzes. Abg. v. Bodelschwingh(b. k. P.): Liebe Freunde! Ich bin heute ein fröhlicher Mann; ich freue mich, daß Ihr mich gestern besucht habt. Es fehlten freilich noch sehr viele, aber ich will sie nicht schelten, wenn sie jetzt dem Gesetze zustimmen. Tut mir und Euren armen Brüdern von der Landstraße diese Liebe an.(Lauter Beifall.) Abg. Dr. Schroeder=Kassel(ntl.) und Abg. Brütt(fk.) haben über Einzelheiten im Gesetz noch Bedenken. Das Gesetz wird einstimmig angenommen. Die zweite Beratung des Gesetzentuurfs gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden wird fortgesetzt bei§ 5. § 5 bestimmt, daß durch Landespolizeiverordnung für genau zu bezeichnende Gegenden bestimmt werden kann, daß auch außerhalb der Ortschaften eine Bauerlaubnis versagt werden kann, wenn dadurch eine grobe Verunstaltung der Gegend herbeigeführt wird. Abg. Stengel(fk.) und Abg. Dr. Rewoldt(fk.) beantragen, den§ 5(der durch die Kommission erst in das Gesetz hineingebracht ist) abzulehnen und die Regierung aufzufordern, in nächster Session einen Gesetzentwurf gegen die Verunstaltung landschaftlich schöner Gegenden einzubringen. Abg. Dr. Brandt(ntl.) begründet seinen Antrag, daß an Stelle der Landespolizei der Regierungspräsident treten solle. Abg. Dr. Becker(Ztr.) befürwortet einen von ihm eingebrachten Antrag, nach dem die Bauertaubnis versagt werden barf, wenn durch die Baugestaltung oder das Baumaterial das Landschaftsbild gröblich verunstaltet wird, während in der Fassung der Kommission die Genehmigung versagt werden kann, wenn die gröbliche Verunstaltung durch die Wahl eines anderen Bauplatzes oder einer anderen Baugestaltung vermieden werden kann. Inzwischen ist ein Antrag des Abg. v. Brandenstein (kons.) eingegangen, den§ 5 in der Kommissionsfassung anzunehmen, aber hinter„Baugestaltung“ einzuschalten:„oder die Verwendung anderen Baumaterials". Abg. Seydel(ntl.) bittet unter Ablehnung aller Anträge, mit Ausnahme vielleicht des von Herrn v. Brandenstein, § 5 in der Fassung der Kommission anzunehmen. Abg. Dr. Rewoldt(fk.) begründet den Antrag Stengel auf Ablehnung des§ 5 und Einbringung eines neuen Gesetzentwurfes, der die Materie dieses§ 5 regelt. Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach: Durch den§ 5 scheint mir eine Verbesserung in das Gesetz hineingebracht zu sein. Uebergriffe der Behörden sind wohl nicht zu fürchten, handelt es sich doch nur um hervorragend schöne landschaftliche Gegenden. Der Antrag des Herrn v. Brandenstein scheint mir eine Verbesserung der Kommissionsfassung zu sein. Abg. Dr. Schmidt=Warburg(Ztr.): Die Vorlage der Regierung war sehr mangelhaft, daß auch die Kommissionsfassung nicht unangreifbar, zeigen die zahlreichen Anträge, die heute zu dem§ 5 eingebracht worden sind. Jedenfalls müßte bei der Möglichkeit der Bauversagung wegen Verunstaltung eines Stadtbildes oder eines Landschaftsbildes dem Besitzer des Bauplatzes eine angemessene Entschädigung gewährt werden, wie ich durch Beifügung eines neuen§ 6 beantrage. Das Gesetz darf nicht nach dem sozialdemokratischen Grundsatze„Eigentum ist Diebstahl“ dem Eigentümer Lasten auferlegen.„„„ Abg. Schmitz=Elberfeld(frs. Vpt.) wendet sich ebenfalls namens seiner Freunde gegen das Gesetz. Seine Freunde könnten er mit Rücksicht darauf, daß der Reichstag aus der Kriegs= namens seiner Freunde gegen das Gesetz. Seine Freunde könnten entschädigung gebaut ist, vor: Das Volk in Waffen den deut= sdem§ 5 nicht zustimmen. Solange die Menschen noch um schen Volksvertretern!„ ihr tägliches Brot kämpfen müssen, darf das Angenehme und Eine Reihe von Rednern äußert wie die Vorredner ihr Resthetische nicht dem Nützlichen vorangehen.(Es ertönen Wohlwollen für die Beamten des Hauses. Rufe.) Abg. Bosse(k.): Es handelt sich bei dem Gesetz nicht darung, die Macht der Polizei unnütz zu stärken, sondern dem einzelnen Beschränkungen aufzuerlegen zugunsten der Gesamtheit. Ein Antrag auf Schluß der Besprechung wird angenommen. § 5 wird mit den Anträgen der Abgg. Dr. Brandt und v. Brandenstein angenommen.,..g Scmt, Hierauf wird der Antrag des Avg. Schmidt=Wa fr.] besprochen, der einen§ 6 zufügen will, der die fü 111 einer Baubeschränkung dem Bauherrn zustehende Ent.. sig regelt. Aus dem Hause nimmt niemand Stellung zu dem Antrags, er wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Ferner werden Resolutionen der Kommission angenommen. die die Regierung ersuchen: 1. bei Durchführung des## enge Fühlung mit Sachverständigen zu nehmen; 2. bei b######rdlichen Eingriffen schonende Rücksicht auf die durch die Abänderungen entstehenden Kosten zu nehmen; 3. möglichst ball das in Aussicht gestellte Denkmalsschutzgesetz vorzulegen. Die Petitionen werden für erledigt erklärt. Damit ist die zweite Beratung des Gesetzentwurfs beendet Es folgen zunächst eine Reihe von Bittschriften persönlichen Inhalts, über die das Haus zunächst nach dem Antrage der Petilionskommission zur Tagesordnung übergeht. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Auf Anfrage des Abg. Dr. v. Heydebrand(k.) erklärt Präsident v. Kröcher, daß er beabsichtige, vor Pfingsten noch alle dem Hause vorliegenden Gesetzentwürfe zu erledigen und dann am 15. Mai die Vertagung über Pfingsten eintreten zu lassen, bis das Herrenhaus alles Material aufgearbeitet habe.„ Schlußz 3½ Uhr. heere naue. 11. Sitzung. Freita 10. Mai 1907. Am Ministertisch: Dr. o Studt. Das Haus ist sehr schiwuch besetzt. Präsident Fürst Knyphausen eröffnet die Sitzung un 12¼ Uhr. Die Etatsberatung wird fortgesetzt bein: Kultusetat, Beim Titel„Gehalt des Ministers“ findet eine Generaldebatte statt. Prof. Dr. Reinke=Kiel wenbei sich in scharfen Worten gegen den Monistenbund und dessen Vorsitzenden Prof. Häckel, dessen Buch„Welträtsel“ so viel Unheil in unreifen Köpfen anrichte. Kultusminister Dr. v. Studt: Die Anregung auf Aufnahme des biologischen Unterrichts in den Lehrplan ist beachtenswert. Den bedenklichen Erscheinungen und der Agitation des Monistenbundes muß entgegengetreten werden. Fürst Dohna=Schlobitten beiRegeln betont die Notwendigkeit einen baldigen Regelung der Lehrergehälter. Graf York v. Wartenburg: Das Resultat der Reichstagswahl legt die Frage nohe, ob die Polenpolitik der Regierung in Oberschlesien die richtige ist. Die Valksschule hat zwar einen deutschen Charakter, der Einfluß der polnischen Geistlichen ist aber trotzdem ein verhäugnisvoller. Fürst Hatzfeld tritt der Ansicht entgegen, daß die Niederlassung der Franziskaner in Oberschlesien eine Gefahr für den Staat sei. Kultusminister Dr. v. Studt erwidert, daß über die Franziskaner in Oberschlesien keine Klagen an die Zentralinstanz gelangt seien. Graf Kospoth bittet, das Schuljahr Ende Juni zu beenden und das neue Schuljahr nach den großen Ferien zu beginnen. Geh. Oberregierungsrat Dr. Matthias erklärt, daß die Frage der Verlegung der Schulferien seit langem erwogen werde, daß aber große Rücksicht auf die verschiedensten Gegenden und Wünsche zu nehmen sei. Oberbürgermeister Wilms=Posen: Die politische Tätigkeit des Klerus ist zu verurteilen, sie entspricht nicht den geistlichen Aufgaben. Der Schulstreik wäre vielleicht vermieden worden, wenn zwei Stunden für den Beichtunterricht freigegeben worden wären. Zuerst sei der Schulstreik religiös gewesen, jetzt sei er politisch. Graf Ballestrem wendet sich energisch gegen die polnischen Agitationen in Oberschlesien und die Tätigkeit der polnischen Reichstagsfraktion. Fürst Radziwill meint, Graf Ballestrem habe seine Ausführungen über den Eintritt polnischer Geistlichen in die polnische Reichstagsfraktion zu tragisch genommen. Oberschlesien habe nie aufgehört, polnisches Land zu sein. Tamit schließt die allgemeine Besprechung. Um 6¼ Uhr wird ein Antrag auf Vertagung abgelehnt. Herr v. Wedel=Piesdorf bezeichnet es aks vornehmste Aufgabe der theologischen Fakultäten, Geistliche für die Landeskirche heranzubilden. Ein neuer Vertagungsantrag wird hierauf abgelehnt. Nachdem noch die Herren Graf Zieten=Schwerin, Oberbürgermeister Bender=Breslau und Generalfeldmarschall Graf Haeseler gesprochen, wird die weitere Beratung auf Sonnabend 10 Uhr vertagt. Außerdem Berggesetz. Schluß ¾7 Uhr. Kleine parlamentarische Nachrichten. Berlin, 11. Mai. Der diesjährige allgemeine tretertag der nationalliberalen Partei findet am 5. u. 6. Oktober in Kassel statt. Der Tagung geht am 4. Okkober eine Sitzung des Zentralverbandes voraus. Am Sonnabend, den 5. Oktober, sollen nach den vorläufiden Dispositionen die Verhandlungen durch einen allgemeinen politischen Vortrag des Abgeordneten Bassermann eingeleitet werden. Um der Diskussion den weitesten Spielraum zu gewähren, beschränkt sich die Tagesordnung auf dieses eine Thema. Am Sonntag ist ein Vortrag über die Privatbeamten=Versicherung durch den Reichstagsabgeordneten Dr. Stresemann vorgesehen. Im Anschluß an diese Versammlung findet sodann eine große öffentliche Tagung statt, in welcher der Reichstagsabgeordnete Ossam die Fragen der Reichspolitik und die Abg. Dr. Friedländer und Schiffer die Fragen der preußischen Landespolitik behandeln werden. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 11. Mai. **(Die Maikäser,) die von jeher ein Handels= und Tauschobjekt unter der Jugend waren, sind um kleine „Preise“ schon lange nicht mehr zu haben, und in diesem Jahre erst recht nicht. Die„Kaiser",„Könige", „Müller" und„Schornsteinseger“, wir sie die Jungen je nach der Farbe des Schildes und der Beine klassifizieren, haben sich, wie viele Menschenkinder, gründlich erkältet und den Schnupfen geholt. Ihr Preis hat ihrer Seltenheit gemäß eine„schwindelnde“. Höhe erreicht. Und selbst bei hohen Preisen ist, wie Kundig: versichern, auf der Maikäserbörse bisher so gut wie nichts zu verdienen, denn das Kaufobjekt mangelt ja Das betrübt die Jugend, von der mancher oder manch: überhaupt noch keinen Maitäfer gesehen haben mag, noch mehr aber— und wir können das nachfühlen—, daß„Maikäferserien“ überflüssig sind. Nur die Landwirte freuen sich. Auch hier zeigt sich wieder: Was dem einen sein' Uhl, ist dem andern sein' Nachtigall. **(Das Fest der silbernen Hochzeit) feiern am 12. Mai die Ehrleute Schreinermeister Karl Schütze, Mährstraße 7 wohnhaft.— Wir bringen dem Jubelpaare unsere herzlichsten Glückwünsche dar. **(Naturfreunde und Spaziergänger) wollen wir hiermit auf einen selten schönen Anblick aufmerksam machen. An der linksseitigen Bergstraße, vor der Villa Spennemann vorbei, blühen in den unmittelbar an den Schwerter Wald anstoßenden Obstgärten einige Pfirsich= und Aprikosenbäume, so reichlich, wie kaum in einem früheren Jahre. Das schon von weitem leuchtende Rot der Blüten, von keinem Blatt unterbrochen, gewährt mit dem schneeigen Weiß der Birn= Kirschund Pflaumenbäume und dem grünenden Wald als Hintergrund ein so reizend=entzückendes Bild, daß man sich unwillkürlich in Oberitaliens Pracht versetzt glaubt. Allerdings währt die Herrlichkeit nur einige Tage, dann flattern die zarten Blütenblätter zur Erde. Die Leserinnen und Leser, welche unserer Anregung folgend, genannten Weg heute oder morgen einschlagen, werden überrascht sein von dem farbenprächtigen Bilde. *(Neue Kreissteuer.) Wir machen hier auf die am 4. Mai von uns veröffentlichte neue Kreissteuerordnung aufmerksam. Nach derselben unterliegen Grundstücks= bezw. Gebäude=Verkäufe einer Steuer und zwar beträgt diese bei Werten von 250000 Mark und mehr 1 Prozent, bei Werten von 10 000 bis 250000 Mk. ¼ Prozent. Bei Werten unter 10000 Mark tritt Steuerfreiheit ein. Anmeldungen sind bei Vermeidung der vorgesehenen Strafen zu richten an das hiesige Steuerbureau in der Kampstraße. un(Gartenanlagen.) Herr Heinrich Schäfer, Besitzer der Wirtschaft„Drei Linden“ beabsichtigt, den zwischen Hörder= und Hellwegstraße gelegenen Teil seiner Besitzung zu einer Gartenwirtschaft umzuwandeln. Mit der Ausführung der Anlagen ist bereits begonnen worden. *(Im Freischütz) konzertiert morgen nachmittag die hier bestens bekannte Kapelle der 158er aus Paderborn. Bei gutem Wetter findet das Konzert im Garten statt.s **(Krankheitsstatistik.) In der Woche vom 28. April bis 4. Mai sind im Kreise Hörde zur Anmeldung gelangt: Todesfälle durch Krämpfe 3(fe 1 Schnee, Sölde und Menglinghausen), durch Lungenentzündung 5(2 Barop, je 1 Sölde, Aplerbeck, Schüren), durch Tuberkulose 4(je 1 Schwerte und Bebbelsdorf, 2 Berghofen). Krankheiten wurden gemeldet: Kindbettfieber 1 Hombruch, Scharlach 9(je 1 Aplerbeck und Schwerte, 2 Hörde und Hombruch, 3 Bittermark), Diphteritis 9(4 Barop, je 1 Schwerte, Geisecke, Bittermark, Annen und Brünninghausen), Genickstarre 3 (je 1 Aplerbeckermark, Benninghofen, 1 Verdachtsfall Sölde), Granulose 1 Annen. Fahrräder und Zabehörteile Schläuche Mänte etc. kaufen Sie billigst bi C. W. Böhmer, Spezialges:bäft: Hagenerste Verkaufs okal: Mark 6. Villigst, 11. Mai.(Verschwunden) ist seit dem 8. Mai aus dem elterlichen Hause die 28jährige verheiratete Frau Julie Harde geb. Paschedag. Sie hat sich abends in Hauskleidung entfernt und ist seitdem verschwunden. Da die Frau etwas schwachsinnig ist, so ist es möglich, daß sie planlos umherirrt. Es wird gebeten, falls sie gefunden wird, sofort den Eltern bezw der nächsten Behörde Nachricht zu geben, da die Angehörigen in großer Sorge um die arme Frau sind. (—) Ergste, 10. Mai.(Junge Diebe.) Gestern waren zwei Mädchen im Alter von 12—14 Jahren in unserm Ort und verkauften Ansichtspostkarten. Im unteren Dorse gingen dieselben von Haus zu Haus und kamen zuletzt in das Haus des Maschinisten J. Nachdem ihnen auch hier Karten abgekauft wurden, genügte das nicht; sie ließen einige wertvolle Sachen wie zwei Siegelringe usw. mit sich gehen und verschwanden damit nach Garenfeld zu. Der Diebstahl wurde kurz darauf gemerkt und man setzte den Händlerinnen nach. Trotz ihres hartnäckigen Leugnens, sie hätten nichts gestohlen, wurden die gestohlenen Sachen doch bei ihnen vorgefundn. Generalversammlung der Gewerbebauk. Schwerte, den 11. Mai. Die Gewerbebank Schwerte hielt gestern Abend im oberen Lokale des Herrn Jungesbluth ihre erste Generalversammlung ab, zu welcher Vorstand und Mitglieder des Aussichtsrates sowie 26 stimmberechtigte Mitglieder erschienen waren. Der Vorsitzende des Aussichtsrats, Herr Rechtsanwalt Thoholte, leitete die Verhandlungen. Die vorgelegte Bilanz wurde ohne Debatte einstimmig genehmigt. Aus dem Geschäftsberichte über das abgelaufene Rechnungsjahr vom 12. bis 31. Dezember 1906 dürften folgende Ausführungen wohl von allgemeinem Interesse sein: Die Genossenschaft wurde gegründet am 3. Nonember 1906. Das Geschäftsjahr endete den Statuten entsprechend am 31. Dezember 1906. Die kurze Dauer des ersten Geschäftsjahres gestattet es nicht, irgendwelche Schlüsse auf dir Zukunft und Entwicklung der Bank zu ziehen, obgleich die Entwicklung der Bank in den wenigen Wochen des ersten Geschäftsjahres bereits eine solche war, daß damit das Bedürfnis zur Gründung der Bank gegeben ist. Die übernommenen Geschäftsanteile wurden von den Mitgliedern zum größten Teil voll eingezahlt. Da auch Einzahlungen auf Spareinlagen=Konto und auf Konto=Korrent=Konto erfolgten, so zeigte sich die erfeuliche Tatsache, daß die Bank zu jeder Zeit über genügende Kapitalien zur Befriedigung des Geldbedürfnisses ihrer Mitglieder verfügte und den ihr von der Genossenschaftsbank in Münster eingeräumten Kredit nicht in Anspruch zu nehmen brauchte. Bemerkenswert ist, daß der eingtführte Scheckverkehr und der Konto=Korrent=Verkehr eine sehr günstige Aufnahme bei unseren Mitgliedern fanden. An Reingewinn erzielte die Bank in der kurzen Zeit ihres Bestehens 50,37 Mk. Er würde größer sein, wenn nicht die Beschaffung der zur ersten Einrichtung erforderlichen Geschäftsutensilien den größten Teil des Gewinnes abforbierten. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, den Reingewinn auf neue Rechnung vorzutragen und im laufenden Geschäftsjahr dem Reservefonds zuzuführen. Die Geschäftsaussichten für das laufende Geschäftsjahr sind günstig, da der immerhin noch hohe Reichsbank=Diskont eine nutzbringende Verwendung der Gelder ermöglicht. Verluste waren nicht zu verzeichnen. Es mag für unsere Mitglieder noch besonders hervorgehoben werden, daß die Grundsätze unserer Geschäftsführung, sowie die Erhebung von Diskont, Provision und Zinsen genau denen einer Großbank entsprechen und daß so durch die Errichtung unserer Bank eine Einrichtung geschaffen ist, die unserm gewerblichen Mittelstande und dem Handwerker wirtschaftliche Vorteile bietet, die zu seiner Kräftigung wesentlich beitragen können. Nicht unterlassen wollen wir, auch an dieser Stelle allen denjenigen, die sich um das Zustandekommen unserer Bank bemüht haben, unsern Dank auszusprechen und sie bitten, auch fernerhin ihr Interesse der Bank zuzuwenden zum Segen und Wohl der Bank und ihrer Mitglieder. Durch Los wurden sodann die drei satzungsge mäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrats bestimmt, es waren die Herren C. W. Böhmer, Heinrich Franke und Josef Niermann. Erstere beide wurden mit 15 bezw. 17 Stimmen im ersten Wahlgange wie dergewählt, 8 Stimmen fielen sodann auf Herrn Werk meister Hüseken, 7 auf Herrn Josef Niermann, die übrigen waren zersplittert. In der Stichwahl wurd: Herr Hüseken mit 18 gegen 8 Stimmen gewählt. Unter Verschiedenes teilte der Herr Vorsitzende mit, daß die Zahl der Mitglieder der Bank auf 69 gestiegen sei. Der Umsatz betrug vom 12. Dezember 1906 bis Ende April ds. Is. rund 900000 Mk. Es ist anzunehmen, daß man mit einem Jahresumsatz von 3 Millionen Mark werde rechnen können. Das Anwachsen der Geschäfte sei von vornherein langsam, sicher und gleichmäßig gewesen, und darin liege die beste Gewähr für die Zukunft. Nach einigen weiteren geschäftlichen Bemerkungen wurde die Versimmlung geschlossen. Wir wünschen der Gewerbebank eine ruhige, stetige Fortentwicklung, und daß der Wunsch sich erfüllt, dafür ist der Umstand eine Gewähr, daß das Institut in den richtigen Händen ist. Ueber den immensen Nutzen der Gewerbebank für diejenigen Kreise, denen sie dienen will, noch ein Wort zu verlieren, halten wir für unnötig. Aber ehrliche Anerkennung verdienen die Männer, deren eigenster Initiative unsere Stadt Letzterer war vor kurzem anläßlich eines Sterbefallen aus der Irrenanstalt als gebessert entlassen und hielt sich in der Gemeinde Silschede auf. Die eingeleitete Untersuchung wird vielleicht demnächst das Dunkel lichten, welches jetzt noch auf dem tragischen Vorgange ruht, welchem ein junges Menschenleben in so gräßlicher Weise zum Opser gefallen ist.— Zu dem schweren Brandunglück wird weiter aus Wengern gemeldet: Unter dem Verdachte, das Feuer vorsätzlich angezündet zu haben, wurde der Kötter Kültmann heute mor gen hier durch den Genbarmen festgenommen. K. soll aus Rache darüber, daß er von seiner Frau nicht wieder aufgenommen wurde, das Fruer angelegt haben. Die eingeleitete Untersuchung muß ergeben, ob dieser Verdacht begründet ist. Meinerzhagen, 10. Mäi.(Die Aufnahme) der diesjährigen Lernanfänger und auch die ersten Schultage und=Wochen sind vorüber. Es ist bekannt, daß die I=Männchen so manche Heiterkeit ins Schulleben hineinbringen. So mögen einige Schulscherze hier Raum finden.— Ein biederes Bürschlein kommt mit Tafel und Buch zur Schule. Lehrer:„Wie heißt du denn, mein Junge?“— Antwort:„Bat wost du?“ „Eck meine, bu du hest?"„Eck heite Wilm, Iu hest du dann?“—„Na, du wost doch jetzt bie mi bliewen „Jo, dat sall eck woll meiten, ower du kürst doch ganz anners as eck.“— Ein bekanntes Nachbarkind kommt zur Schule. Es entspinnt sich zwischen Lehrer und ihm folgendes Gespräch:„Nun, wie heißt du denn?"—„Jo, dat ro enns!“—„Karl?“—„Nee. „Franz?“—„Nee!“ usw. Schließlich sagt der Lehrer: „Na, dann heßt du doch gewiß Christöffelchen?"— Der Kleine schlägt sich vor Vergnügen aufs Knie und sagt zur nebenstehenden Mutter:„Nec, Mooder, nu hör doch enns den dullen Käl an!“— Kurz nach Östern kommt der Schulinspektor in die Schule. Jeder Kleine muß seinen Namen nennen und sagen, wo er wohnt. Die ersten tun es. Einer sieht den Schulinspektor lange an und fragt den Lehrer schließlich:„Bat es dat vörn Oehme?“— Ein anderer Inspektor läßt die Kleinen an der Rechenmaschine die Kugeln abzählen. Die ersten drei haben ihre Aufgabe gellöst, der vierte aber sagt ganz entrüstet zum Inspektor:„Nee, nu dau du vok es wat.“— Ein Revisor will sich überzeugen, ob die Kleinen bei zweistelligen Zahlen Einer und Zehner in richtiger Reihenfolge schreiben. Zu dem Zwecke läßt er sich nennen 68 und 52 und schreibt an die Tafel umgekehrt 86 und 25 mit der Absicht, daß einer sagen soll, es sei falsch. Als er die dritte Zahl fordert, erwidert so ein kleiner Bengel:„Jo, 66, du oll: Döskopp, dat schriew noch mol verkahrt!“— Wohl der unerschrockewen Jugend! *Münster, 10. Mai.(Ein Schnellzug entgleist.)(Amtlich.) Am 9. Mai entgleiste nachmittags gegen 3 Uhr der Schnellzug Emden=MünsterKassel bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Greven infolge des zu schnellen Durchfahrens scharfer Gegenkrümmungen. Personen sind nicht verletzt worden. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Das Gleise war abends 9 Uhr wieder fahrbar. —0— Essen, 10. Mai.(Großer Einbruchsdiebstahl.) In der vergangenen Nacht wurde in dem Kaufhause A. Eick=Söhne ein größerer Einbruchs. diebstahl verübt. Den Spitzbuben sielen 200 goldene Herren=Remontoir=Uhren mit Sprungdeckel in die Hände, ferner 70 Brochen mit Brillanten, Perlen und Farbsteinen, mehrere plattierte Halsketten und=Kolliers mit Mittelstück, außerdem dazu gehörige Anhänger mit Brillanten, Perlen und Farbsteinen, 20 Paar Brillant=Ohrringe, 25 Ketten=Armbänder mit Brillanten und Edelsteinen, 24 Kravattennadeln mit Brillanten, 26 schwere goldene Herren=Uhrketten und 36 mit Steinen besetzte goldene Medaillons. Die goldenen Remontoir=Uhren tragen auf dem Werkdeckel die Bezeichnung„Rheinhilde“, während die Brücke der Werke mit den Buchstaben A. E. S. versehen ist. Ein Teil der Uhren, der die Inschrift Rheinhilde nicht aufweist, führt die Bezeichnung Ankersteinhemmung, Doppelplatten, 15 Rubinen, Breguet=Spirale. Von den Einbrechern hat man bis jetzt nicht die mindeste Spur. Der Schaden ist, wie wir hören, durch Einbruchsversicherung gedeckt. * Dreiborn i. d. Eifel, 10. Mai.(Großfeuer.) Ein Großfener, das gestern nachmittag aus unbekannter Ursache entstand, hat 13 Häuser eingeäschert. 14 Familien sind obdachlos. 20 Stück Großvieh und viel Kleinvieh sind dem Brande zum Opfer gefallen; nur ein geringer Teil des Verbrannten war versichert. die Gründung eines solch nötigen Geldinstituts verdankt. Westfalen und Rheinland * Dortmund, 10. Mai.(Eisenbahnunglück.) Heute nachmittag gegen 3 Uhr entgleiste etwa 200 Meter vor der Emscherbrücke auf der Hauptstrecke WanneDortmund ein Schnellzug. Vier Wagen gingen aus dem Gleise, einer stürzte um. Verunglückt ist niemand. * Esborn, 10. Mai.(Schweres Brandunglück.) In der letzten Nacht stand plötzlich das Wohnhaus der Ehefrau E. Kültmann in Flammen. Die unglücklichen Bewohner des Hauses konnten bis auf einen 11jährigen Knaben nur dadurch ihr nacktes Leben retten, daß sie durch die Fenster sprangen, um so dem Flammentode zu entgehen. Der 11jährige Knabe des Mieters Bollmann ist dieser Feuersbrunst aber zum Opfer gefallen. Man vermochte es nicht mehr, ihn zu retten. Die vollständig verkohlte Leiche konnte erst aus der Asche hervorgezogen werden. Auch die Kuh der Ehefrau K. ist im Stall an der Kette mitverbrannt. Das unheimlich rasch um sich greifende Feuer machte auch hier jeden Rettungsversuch unmöglich Die Ehefrau K. lebte von ihrem Ehemann getrennt. Trahrmetbungen. Blutiger Zusammenstoß. London, 11. Mai. In der Grafschaft Janym kam es gestern zu blutigen Zusammenstößen zwischen Bauern, welche die Flußregulierungsarbeiten verhindern wollten, und Militär. Kavallerie mußte mit blanker Waffe vorgehen; 12 Banern sind schwer, eine ganze Anzahl leicht verletzt. Von den Schwerverletzten sind zwei bereits gestorben Vier Personen ertrunken. Augsburg, 10. Mai. Bei einer Kahnfahrt in dem Ausflugsort Burgwalden ertranken gestern infolge Umkippens des Kahnes vier Mitglieder eines dort weilenden Gesangvereins aus dem Vorort Oberhausen. Ein fünfter Insasse konnte gerettet werden. Massenaussperrung im Baugewerbe. Berlin, 10. Mai. Der Verband der Bangeschäfte hat gestern durch Einschreibebrief der Arbeiterorganisation mitgeteilt, daß der alte Tärifvertrag erloschen ist, ein neuer ist bekanntlich nicht zustande gekommen. Das Verbandsblatt der Bangeschäfte teilt mit, daß die heutige Generalversammlung der Bangeschäfte die sofortige Aussperrung aller baugewerblichen Arbeiter beschließen wird.— Einer weiteren Meldung zufolge ist die Aussperrung tatsächlich erfolgt.— Die Zahl der im Bangewerbe direkt beschäftigten Arbeiter, Manrer, Erstes und ältestes Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglsch. Bezugspreis: Ink. 1.os vierteljährisch, bei für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beils Famllienkreund." o o 0 c 0 0 0 0 Aureigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeil 10 PI., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Rei Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Sonnabend den 10. Moi 190. Amtliches Kreisblatt K werkerbestand zu einem guten Abschlusse geführt werden wird. Vorläufige Beitrittsmeldungen können an die Innungs=Vorstände oder an die Handwerkskammer gerichtet werden. estfalen und Rheinland. * Isertohn, 8. Mai.(Bahnprojekt.) Zwischen dem nahen Westig und Altena eine Bahnverbindung zu schaffen, ist, wie aus sicherer Quelle verlautet, Gegenstand eines neuerdings aufgetauchten Projektes. Sodue vrogg c g bg am. Die Bahu ist als Vorngspurdahn gedacht, wird über ge an sämtliche Handwerter=Korvorationen vo.—.v—., Imnert, Evingsen und Lahle führen und hat um so esinn der Feldarbeiten merbezirks ergehen zu lastn, um kestzustellen, wie vie= etzer Aussicht auf Verwirtlichung, als durch die in beitrugen. Die Lager te. Bitglieder der Hose vorauesichergzig, haß zuz eine Kauscht genommene Vergrößerung des, Altenger wotern uind voltändig den. Kalls lich beil dieser umftage ergu., uup u—., j6 Statsbahnhofes bessere Gelegenheit zur verstellung den gatzen Mionat, Mindstzahl von 40 Mitgliedern zu rechen, it, I, uines Anschlutgsleis geschafen ist. Von den Koten ch nicht vol ausgenutzt soll der Errichtung der Kasse mit tuntichster Bestzichg zahlt ein Trittel der Stat, ein Drittel die Provinz oue ricen opg, Mongtüger getzchung der Kraukentasse Eönnen und ein Dritel die Zuteressenten und Gemeingen., Industrie und Handel. -:)(Vom Ruhrkohlenmarkt) schreibt das Essener Glückauf: An der Gunst der Lage, die den Ruhrkohlenmarkt schon seit Monaten auszeichnet, hat sich im April nichts geändert. Die Nachfrage war aus allen Verbrancherkreisen überaus lebhaft. Die kalte Witterung in dem Berichtsmonat ließ auch die sonst um diese Jahreszeit erfolgende Abschwächung im Begehr nach Hausbrandkohlen nicht sonderlich hervortreten. Die Förderung vermochte mit der Nachfrage nicht gleichen Schritt zu halten, wozu neben den Feiertagen und dem Arbeitermangel auch der Beginn der Feldarbeiten und die Rekrutenaushebungen beitrugen. Die Lager auf den Zechen und bei den Händlern sind geräumt. Der Wasserstand war hindurch günstig, er konnte jedoch werden, da den Ruhrhäfen nicht ausreichend Kohlen nigung näher getreten zugeführt wurden. Infolgedessen konnten nicht alle monaten nach Ere,#ug Lieferungsvernflichtungen erfüllt werden, sodaß man= alle selbständigen Haurwer Die Kasse soll unter der Verwaltung eines eigenen aus der Mitte der Kassenmitglieder gewählten Vorstandes stehen; doch soll die Handwerkskammer im Vorstande der Kasse mit vertreten sein und das Recht haben, die Kassen= und Rechnungsführung zu überwachen. Als örtliche Hebestellen der Kasse sind die Innungen und Handwerkervereine in Aussicht genommen.. Da nach den angestellten Vorausberechnungen anzunehmen ist, daß die Kasse bei einer Zahl von bis 500 Mitgliedern lebensfähig sein wird, so hat die Vollversammlung beschlossen, zunächst eine RundfraFieferungsverpfrichlungen erinne Werren,leenp 906 6# Teitreten gegen ein Eintrittsgeld von che Verbraucher unter Kohlenknappheit zu leiden hat=[Alters der Kasse ventreren gegen ein Eintrittsgele ten. In Fettkohlen litt die Förderung aller Sorten unter den geschilderten Verhältnissen so sehr, daß die Allangen e“ meitem nicht genügten den alters der Kasse veitreten gegen ein Eintrittsgeld von 3 Mk., wenn sie geistig und körperlich gesund sind. Nach Ablauf von sechs Monaten werden Handwerker, die Vom sozialen Felde. en io echr, daßz die Ablaut von sichs Monaten werder,gu Heuhmestcht, gaih versiaduren Beengen vet wuen, u, B, Dx wir zus Eintrittsgeld erhöht. Die wöchentlichen klei= Beiträge bekragen in der erßen Beitragsklässe 40 ne Steigerung auf, reichte aber zur Erledigung der vorliegenden Aufträg: nicht aus. Eß= und Magerkohlen fanden trotz der geringen Nachfrag: nach groben Hausbrandsorten im allgemeinen guten Absatz. Der Versand in Koks hielt sich auf der Höhe des Vormonats, die Nachfrage war nach wie vor sehr lebhaft. In Briketts ist die Herstellung gegen die Nachfrage wesentlich zurückgeblieben. in der zweiten 60 Pfg., in der dritten 80 Pfg. Die Wahl der Beitragsklassen steht den Mitgliedern frei. Die Kasse gewährt nach Ablauf einer dreimonatlichen Wartezeit: a) bei Krankheit mit Erwerbsunfähigkeit werktäglich ein Krankengeld von 2 Mk. in der ersten, 3 Mk. in der zweiten, 4 Mk. in der Priterng Beikragsklasse vom vierten Tag: der Erkrantung av, für 13 Wochen, b) bei Krankheit ohne Erwerbsunfähigkeit für jede ärztliche Konsultation eine Beihülfe von 1 Mk. und Erstattung der Arzneikosten bis zur Dauer von 13 Wochen. Eine Erhöhung und Erweiterung der Kassenleistungen ist in Aussicht genommen, wenn Sterkrade, 7. Mai.(Tödlichverunglückt) ist in der vergangenen Nacht der Hauer Trmmmers. Aus Zeche Osterfeld geriet er zwischen die Schachtzimmerung und den Förderkorb und wurde so schwer gequetscht, daß der Tod sofort eintrat. Der Unglüccsfau ist umso tragischer, als die Ehefrau des Getöteten erst vor wenigen Wochen nach langer Krankheit gestorben Mai Ein eigenartigar Ei* Dülmen, 8. Mai.(Ein eigenartiger Eisenbahnunfall) ereignete sich kurz vor der Station Dülmen in dem Momente, wo sich um 12,30 Uhr mittags der D=Zug mit dem Schnellzug krenzt. Dem Heizer des Schnellzuges flog bei der Begegnung mit dem D=Zug ein Gegenstand an den Kopf, der ihm unglücklicherweise ein Auge derart bedenklich verletzte, daß der totale Verlust desselben befürchtet wird. Man vermutet, daß im kritischen Augenblick etwas aus einem Koupee des D=Zuges herausgeworfen wurde, was den Unfall zur Folge hatte. Aschendorf, 8. Mai.(Ein tief beklagen werter Unglücksfall) hat sich in der vorletzten der etwa 74jährig: Bö Cerautentase iur, feliothudge Zur herrfsetzten die Kasse sich günitig entwickelt, was mit großer Mohrdir, Gausdarishgangerbager der Hauaduertaiauner Ade: 6e. KeuduerPeais ei. Kergtecdle Sotägus gust als er aus dem Sale in Grunstack die Summe von 10 Mt. zu Ppregu., Merk siozialer Fürforge für den, Lelbständsgen HausGruostot die Somne von 100 At. uu verckictent. wtce ggtg. ste den tetöstschtger „Ich straf'!“ Roman von Wilhelm Fischer. 16. Schäfer führte den Kriminalkommissär in die Wirtschaft„Goldenen Stern“ eine im Münchener Stil eingerichtete, gute Bayerische Wirtschaft am alten Wall. Die Herren, meistens angesehene Hamburger Großkaufleute„spätschoppten“ noch, und unter ihnen erkannte auch Manderscheidt seinen Hamburger Kollegen, den Kriminalinspektor Trabert, der nicht wenig überrascht war, diesen in Begleitung des Schiffsoffiziers zu sehen. Der Baron gab ihm schmell ein Zeichen; der Kriminalinspektor verstand sofört und weder seinen, noch den Mienen Manderscheidts hätte ein Dritter angesehen, daß die beiden Herren einander kannten. 92„ Gast „Baron von Manderscheidt aus Berlin, ein Gast unserer Gesellschaft“ stellte der Seeoffizier der Corona vor. Di: Herren erhoben sich unter Nennung ihres Namens leicht von ihren Plätzen; Manderscheidt war eingeführt. 616— z 9 So exklusiv der ächte Hamburger, der ungehörige eines„Ehrbaren Kaufmannes“ auch sonst Fremden erscheint, so weltmännisch gewandt weiß er sich Eingeführten gegenüber zu benehmen. Manderscheidt fühlte sich bald in dem Kreise ihm wildfremder Menschen, wie zu Hause. Da Rixton's Ermordung sich gerade in einem Waggon des wohl schon von jedem Hamburger Kaufmann benützten Eilzuges der Hamburg—Berliner Behn ereignet hatte, so waren auch die Hamburger durch das Verbrechen in eine ungewöhnliche Aufregung versetzt worden; die spaltenlangen Berichte der großen Hamburger Blätter wenigstens ließen daurauf schließen, kein Wunder, daß auch die Stammtischfreunde ihre Meinung darüber austauschten. Weder Manderscheidt, noch der Kriminalinspektor nahmen Teil an dem Gespräch. Erst als letzterer direkt, und zwar von Herrn Ottens interpelliert wurde, gab er einige aufklärende Bemerkungen zur Sache, aus denen hervorging, daß die Polizei den Verbrecher in Hamburg suche. „Sie wissen mehr, als Sie sagen wollen, Inspektor“, lachte Ottens. 6 80 „Es wäre traurig für die Polizei, wenn sie mehr sagt:, als Sie weiß“, replizierte der Inspektor schlagertiag die Anzopitung.„un Hexen Steus wicher Diese Anzapfung reizre nun Herrn Ottens wieder zu der etwas freimütigen Bemerkung: „Traurig aber ists für unsere Polizei, die Anwesenden natürlich ausgeschlossen, daß sie meistens deshalb nichts sagt, weil sie ebenso„meistens nichts weiß.“ Ueber den Ausdruck„ebenso meistens" lachte alles; selbst der alte Inspektor schmunzelte und flüsterte Manderscheidt leise zu:„Gilt auch den Berlinern; merken Sie sichs“... Muuun Schäfer, den die fortwährenden Meinungsäußerungen über den Mord langweilen, wollte durch einen! Witz der Unterhaltung eine andere Wendung geben. Als die tatsächlich auffallend schöne Kellnerin ein frisches Seidel Pilsener brachte, schlug er den Arm um ihre Taille, wobei er schmachteind meinte: „Wissen Sie, Fräulein Rosa, warum ich gerne der Räuber wäre, von dem die Herren sprechen? Ni bene, wenn ich Rinaldo Rinaldini hieße!".. „Dös wird was schönes werden!“ meinte diese und wiegte sich kokett im Arm des jungen „No, sagen's, was Ihnen auf der Zunge schwebt: Bin „Die Räuberpoesie von heute noch ist hübsch. Früher war das ganz anders, als unser: Rosa noch ihren wacha gerch: „Geh schämen Sie sich, so Zu schwitz, gewechse ritz in meinzm ganzen Leben noch Riemon= Zen, gauten sich das Mädchen los und stürmte unter dem lauten Gelächter und den bezeichnenden„Oh, oh!“ ihrer Gäste Schäfer hatte feinen Zweck erreicht; die Unterhaltung am Stammtische bekam eine andere Wendung. Der Kriminalinspektor ging zuerst auf den Scherz ein. Mit schadenfrohem Lächeln und grimmigem Behagen warf er anscheinend gleichgültigen Tones, eine Bemerkung hin, die in diesem Kreise wirken mußte. „Auch unser guter Bekannter, der Bankier Mayer sagte er jedes Wort betonend und ihre Wirkung prüfend,„hat sich heute morgen von seiner Rosa sehr zeitig wecken lassen.“ Bankier Mayer war eine in der Geschäftswelt wohlbekannt. Persönlichkeit. Sein heutiges Fehlen auf der Börse war den Börsenbesuchern am Tische wohl aufgefallen, indessen legten sie, da nichts flauhe, diesem Umstand wenig Wert bei; diese spitze Bemerkung des Polizeibeamten ließ sie stutzen. „Was ist mit Mayer Trabert?“ drängten alle auf den Beanten ein. Mara: Harschmmer „Nun, Mayer ist stit heute Morgen verschwunden mit so einem Defizitchen von rund einer Million. Wen vielleicht einer ven Ihnen ihm etwas nachzumeigen hat, tät ers am besten hier. Geteiltes Leid in halbes Leid.“ „Rosa!“ rief Ottens mit Stentorstimme„eine Runde mit Cognac. Meine seine Rase will woggreelles, die mich vor drei Wochen veranlaßte, bei Mayer mein Kapital zu erheben.“ „Na, dann kann's gut werden", wandte sich der Inspektor zu Manderscheidt, der in Voraussetzung der Dinge, die da kommen würden, sich an einen Neventisch gesetzt hatte, um seinen Bericht nach Berlin, in er die voraussichtliche Notwendigkeit eines Abstechers nach London andeutete, zu schreiben. „Gott sei Dank! bin fertig und auf alles gesaßt", entgegnete der Baron und konvertierte sein. Schreiben, das er als Eilbrief und eingeschrieben aufgas. Er schritt zum Wirt ans Büffet und bat denselben, den Brief durch einen zuverlässigen dienstbaren Blick auf die Adresse veranlaßte diesen, sich sofort zu bemühen. denn sein: Frau fand ihn bewußtlos am Boden liegen. An der Schläfe zeigte sich eine klein: blutende Wunde. Heute morgen 4 Uhr ist Sp. gestorben. Er hinterläßt seine Frau mit acht Kindern, sowie seine hochbetagte Mutter. * Koblenz, 3. Mai.(Ueberfahren.) Beim virzeiigen Aussteigen aus einem ankommenden Personenzuge eist auf dem hiesigen Hauptbahnhofe ein Frau aus Boppard überfahren und so schwer am rechten Bein verletzt worden, daß ihr dieses im Krankenhause oberhalb des Knies abgenommen werden mußte Leipzig, 8. Mai. Die Strafkammer hit den L###ziger Rechtsanwalt Hammer wegen Untreue und Un leischlagung ihm anvertrauter Klientengelder zu acht Monaten Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Wiesbaden, 8. Mai. Die hiesige Strafkammer hat den Studenten Albert Plöcker von hier wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der junge Mann war am 6. Juni v. Is. mit seinem Kraftwagen, den er selbst lenkte, mit solcher Geschwindigkeit um eine scharfe Straßenbiegung gefahren, daß der Wagen umfiel. Einer der Insassen war dabei ums Leben gekommen. Schwäbisch=Gemünd, 8. Mai. Gestern wurden der Inspektor und ein Wächter der hiesigen Wach= und Schließgesellschaft mit ihren Frauen verhaftet. Sie werden beschuldigt, fortgesetzt Diebstähle in den von ihnen zu überwachenden Gebäuden ausgeführt zu haben. Zahlreiche Gegenstände, die aus früheren in Kannstadt und Stuttgart begangenen Diebstählen herrühren, sind außerdem bei ihnen vorgefunden worden. *(Unterseeboote in den Tropen.) Mit ihren Unterseebooten haben die Franzosen kein rechtes Glück. Die nach Cochinchina detachierten vier Boote haben sich sehr schlecht bewährt, weil man bei ihrer Entsendung im Jahre 1904 auf die Verhältnisse in den Tropen keine Rücksicht genommen hatte. Die Boots wurden in Saigon sofort armiert und trotz der Warnungen Kundiger zu Probefahrten ausgesandt. Schon beim ersten Untertauchen mußte man erfahren, was jeder Einsichtige vorausgesehen hatte; in den schlammigen, heißen Gewässern war es unmöglich, mit den Booten zu operieren. Sofort unter der Wasserfläche umgab das Boot dunkle Nacht; es war unmöglich, nach dem Gesichtsfeld zu steuern und man blieb völlig auf den Kompaß angewiesen. Die Besatzung litt furchtbar unter der Hitze, die jeder Beschreibung spottet; die feuchte, stickige Temperatur beharrte fast stets auf 45 Grad Celsius. Diese Luft befördert natürlich die Krankheitsgefahr, die Dysentevie wütet unter den Leuten und in fünfzehn Monaten mußte die Besatzung dreimal erneuert werden! Die Boote befinden sich wie ein Augenzeuge berichtet, in kläglichstem Zustande. Die Dynamomaschinen und die Akkumulatoren konnten nicht in dem trockenen Zustande erhalten bleiben, der ihnen nottut, und man muß darauf rechnen, daß sie bei irgend einem Manöver überhaupt einfach soger.„„ *(Die richtige Antwort.] Der Bürgermeister ei„Hollah“, sagte er sich,„der Fremde ist ein Berliner Polizeiofffizier“.. 8i Neugierig, wie er war, wollte er sich von der Rihtigkeit seiner Mutmaßung überzeugen und paßte die Gelegenheit ab, den Seeoffizier zu fragen, wer der Herr sei, mit dem er gekommen sei. Die Gelegenheit fand sich. Schäfer schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirne, als ihm der Wirt seine Beöbachtung vorsichtig beigebracht hatte. Offen, wie er war, beschloß er, sich Gewißheit zu verschaffen. „Kamerad, Sie verzeihen“, meinte er zögernd, als er wieder an Manderscheidts Seite Platz genommen hatte,„was sind Sie eigentlich von Beruf? Sie wissen, wir sind ja Freunde geworden; und wenn mich der Weg einmal nach Berlin führen sollte, möchte sich doch wissen.... hm!“ Herr von Manderscheidt lächelte malitiös, denn er reimte sich die Ursachen der etwas zögernden Frage des jungen Seemanns leicht zusammen. „Der Wirt hat Recht, lieber Schäfer, ich bin ein wenn auch nicht großes Tier von der Berliner politischen Polizei, Abteilung schwere Verbrechen. Trotzdem können wir gute Freunde sein; wollen Sie! Aber lassen Sie um Gottes Willen nichts verlauten, sonst unterbrechen wir die sehr inveressante Diskussion über Mayern und seine Rosa usw.“ Er reichte dem Seemann die Hand, in die dieser mit einem„Topp, es gilt“, etwas derb einschlug,„wenn Sie mir versprechen, mir nachher, wenn wir allein sind, zu sagen, weshalb Sie sich so auffallend für Gräfin Elvira interessierten.“ Manderscheidt warf dem Fragenden einen langen Seitenblick zu, dann meinte er lakonisch: „Weßhalb soll sich nicht auch einmal ein Berliner Polizeibeamter für eine wunderbar schöne Frau interessieren?“ „Die Antwort lasse ich Ihnen diesmal nicht gelten, Kamerad“ beharrte Schäfer ziemlich dringend auf seiner Bitte.„Es wäre wenig kameradschaftlich, wenn Sie mir da abweichen wollten.“ „Sie sollen alles wissen, Kamerad“, beruhigte Manderscheidt seinen Nachbarn,„vielleicht nachher, wenn sich die Runde gelichtet hat. Was ich Ihnen zu sagen habe, paßt nicht für alle, weder in meinem, noch in Ihrem Interesse.“ Schäfer gab sich zufrieden und, übermütig, wie er gestimmt war, neckte er sich in der drolligsten Weise mit Fräulein Rosa herum, die ihn völlig über den etwas eiligen Abschied, den seine neueste Flamme genommen hatte, zu trösten schien. (Forts. folgt.) nes kleinen Ortes kam in eine große Stadt und war genötigt, im Restaurant zwischen zwei jungen Leuten zu sitzen, die sich bald über ihn lustig machten.„Meine Herren“, sagte der Bürgermeister,„ich merke, daß Sie mich zum besten halten, aber ich bin weder ein Dummkopf noch ein Esel.“„Vielleicht in der Mitte zwischen beiden?“ fragte einer der jungen Leute.„Das stimmt vollkommen!“ ): Würzkräuter für den Kopfsalat. Im praktischen Ratgeber für Obst= und Gartenbau macht Johannis Böttner darauf aufmerksam, wie man durch Zutat feingewiegter Gewürzkräuter dem Salat einen wesentlich edleren und gewürzigen Geschmack verleihen kann. Dill, Gurkenkraut, und Schalotte sind die wichtigsten. Von den beiden ersten sind nur die jungen zarten Triebe zu gebrauchen; man säet daher verschiedene Folgen aus. Von den Schalotten können sowohl Kraut wie Zwiebeln verwendet werden. Wer sich näher für die Salat=Gewürzkräufer interessiert, lasse sich die betreffende Nummer schicken. Unsere Leser erhalten sie auf Wunsch kostenlos vom Geschäftsamt des praktischen Ratgebers in Frankfurt a. O. Zufriedenheit. 7) Vor ein paar Jahren ist es mir begegnet, daß mir zwei Leute, die ich auf der Straße traf, hintereinander die ganz gleiche Antwort gaben, als ich sie fragte, wie es ihnen gehe. Sie sagten mir beide: Ich bin zufrieden. Es ist schon verwunderlich, wenn man heutzutage von zwei Leuten innerhalb einer Viertelstunde hört, daß sie zufrieden seien; heutzutage, wo die meisten Menschen unzufrieden sind. Aber noch wunderlicher ist es, daß von zwei Leuten, die dasselbe jagen, Loch jeder etwas ganz anderes meinen kann. Der erste, der mir damals sagte, er sei zufrieden, war ein junger, kräftiger Mann von blühmndem Aenßeren. Er hatte zwei Jahre lang studiert, oder vielmehr so getan, als ob er studierte; dann war ihm, ein Vierteljahr vor jener letzten Begegnung, ganz unerwartet eine Erbschaft von 80000 Mark zugefallen. Hierauf hatte er das Studium, dem er schon früher nicht von Herzen zugetan war, an den Nagel gehängt und war Bummler geworden. Da er vordem in recht beschränkten Verhältnissen gelebt hatte, war's ihm nun recht behaglich zu Mut, und ich begriff daß er sagte, er sei zufrieden. Ich begriff es; aber es gefiel mir nicht. Mir gefiel der ganze Mensch nicht. Er sagte das so ungemein selbstgefällig, als wenn er ausdrücken wollte:„Ich bin zufrieden, nachdem der Zufall mich zum Rentier gemacht hat; mich, der ich das schon längst verdient hätte! Ein Esel, wer in einem solchen Falle noch weiter aritet!“ Ich verabschiedete mich von dem Mann und hab: m seitdem nie wieder gesehen. Aber ich hörte, daß er it seinen 80000 Mark fertig geworden und dann nach nigen Schwindeleien genötigt gewesen sei, Europa verlassen. Nun ist er wohl nicht mohr so zufrieden ie damals.„ Der andere, der mir an jenem Tage die ganz gleie Antwort gab, war ein Droschkenkutscher, mit welm ich nach dem Bahnhofe fuhr.„rosche# den ann— nicht etwa wegen häufigen Troschlenschrens. ndern weil er mein Nachbar war. Als ich ihn fragte, ie es ihm ginge, sagte er:„O, ich bin zufrieden, so nge mein Buzi gesund ist!“ Buzi war sein Roß, elches, so lange es noch bei der Feldartillerie gestann, Bucephalaus geheißen, aber von den Soldaten ir immer Buzi genannt worden war. Ich hatte stets eine Freude an dem Manne, weil ich schon öfter über n Zaun meines Gartens hinweg gesehen hatte, wie therzig und liebevoll er sein Pferd behandelte. Jesmal grüßt mich der Mann; und jedesmal wenn ich m begegne, freue ich mich über den immer noch frien Trab des Buzi, der kein: Peitsche braucht. So können Leute in ziemlich verschiedenen Situndnen gleich zufrieden sein. Man kann zufrieden sein einer recht bescheidenen Lebenslage; ebenso wie man einer glänzenden Lage unzufrieden sein kann. Das mmt auf die Art des Menschen und seine GewöhnDie Zufriedenheit kann auch sehr verschiedenen ert haben je nach ihrer Wirkung auf das Tun und reiben des Menschen. Zufriedenheit kann ihren rund in Stumpssinn, aber auch in Seelengröße Es kommt eben darauf an, warum und womit an zufrieden ist. Wer mit einem Zustande zufrieden ist, den er verssern könnte, aber nicht zu verbessern unternimmt, eil er träge und gedankenlos ist, dessen Zufriedenheit Stumpfsinn oder Gleichgültigkeit. Er verdient chts Besseres. Wer aber mit einem Zustande zufrieden ist, der ich der Anschauung vernünftig denkender Menschen rzeit nicht abzuändern und zu verbessern ist, der hat e rechte Zufriedenheit. So kann Zufriedenheit ein rgebnis schlechter, aber auch guter Eigenschaften des kenschen sein. Wenn man gesund ist, wenn man sei*) Es gereicht uns zum Vergnügen, obigen hübschen Artikel als Probe aus einem sehr empfehlenswerten Buch hier zum Abdruck zu bringen; es ist dies„Lebenskunst“ von Prof. Dr. Max Haushofer, dessen frische geschickte Art, ein für jedermann wichtiges Thema recht interessant und ansprechend zu gestalten, schon aus dieser kleinen Probe hervorgeht. Ein solches für jung und alt, für hoch und niedrig gleich nützliches Buch darf jeder Haus= und Familienbibliothek zur Anschaffung wohl empfohlen werden. Das Buch ist soeben in eleganter Geschenkausstattung als Volksausgabe im Verlage von Otto Maier in Ravensburg erschienen.(Preis gbd. 2,50 Mk.) Verwendung für dieselbe, wenn man keine Verluste teurer Angehöriger, kein unverdient erlittenes Unrecht zu beklagen hat, dann hat man alle Ursache, mit den äußeren Lebenszuständen zufrieden zu sein. Unzufrieden kann auch der Edelste(in solcher Lage) sein aber nur mit sich selbst, mit seinen Leistungen. Es ist bezeichnend für unsere Zeit, daß sehr viel Unzufriedenheit absichtlich in breiten Schichten des Volks genährt wird: von Zeitschriften, von Büchern, von Rednern in Versammlungen und Vereinen. Diese Pflege der Unzufriedenheit ist ein Werkzeug der Parteipolitik; und wenn sie dazu führt, daß ungenügnde Zustände wirklich verbessert werden, kann sie such nicht gescholten werden. Wem aber von gewissenlosen Volksverhetzern eine Unzufriedenheit mit Zuständen, welche garnicht oder nur sehr langsam zu verbessern sind, künstlich geschürt wird, so ist das ein Verbrechen an denjenigen, denen man die Freude am Leben nimmt, ohne ihnen in absehbarer Zeit Besseres bieten zu können Diese Saat der Unzufriedenheit findet in der Gegenwart einen ihr zuträglichen Boden. Denn es ist manches aus dem Wesen der breiten Volksschichten verschwunden, was früher die Menschen auch mit einer bescheidenen Lebenslage recht zufrieden sein ließ. Die Menschen sitzen jetzt in den Städten eng aneinander. Sie haben, soweit sie in gewerblichen Bernfen beschäftigt sind, nicht mehr jene natürliche Ungezwungenheit, die sie bei einfacheren Volkszuständen hatten. Arbeit und Erwerb einersits, das Genußleben andererseits sind hastiger und ärmer an innerer Befriedigung geworden. Das Leben ist weniger einfach, weniger natürlich. Der Mensch der Gegenwart ist aufgeklärter, wissender, als der Mensch der Vergangenheit war. Und soviel Gutes aus der zunehmenden Volksaufklärung erwachsen ist, so sehr man auch wünschen muß, daß sie immer zunehme: gewisse kleine Schattenseiten hat sie doch. Sie hat jene fromme Ergebung vermindert; jene Ergebung in die Fügung einer Vorsehung, welche einst Menschen in den armseligsten Lebenslagen viel häufiger zufrieden sein ließ, als man es jetzt findet. Die harmlose Fröhlichkeit, die den Menschen früher begleitete, ist seltener geworden, weil unser Arbeitsleben zu hastig geworden ist. Kurz der Boden, auf dem Zufriedenheit wachsen soll, ist nicht mehr derselbe wie ehedem. Man hat sich angewöhnt, mehr zu klagen, weil man den Mund weiter aufmachen darf. Und man denkt dabei nicht darüber nach, ob wirklich mehr Grund zur Klage vorhanden ist. Gesundheitspflege. !:] Verdirbt Eisen die Zähne? Wenn der Arzt Bleichsüchtigen und Blutarmen Eisen in irgend einer Form verordnet, so stößt er häufig auf Widerstand, weil die Patienten meinen, daß dadurch die Zähne verdorben würden. Wie aus den Untersuchungen von Zahnart M. Morgenstern in Straßburg i. E. hervorgeht(Therapeutische Monatshefte), ist diese Ansicht, wie sie das Volk hat, nicht ganz von der Hand zu weisen, denn er hat gefunden, daß sowohl die künstlichen isenhaltigen Medikamente als auch die natürlichen Stahlwässer eine mehr oder minder schädliche Wirkung uuf die harten Zahnsubstanzen ausüben, indem die neisten bei direkter Berührung die Zähne verfärben ind anätzen. Die Färbung beruht fast immer auf einer hemischen Eisenverbindung, hervorgerufen durch Aufösung von Zahnsubstanz infolge der Säureeinwirkung es Salzes, welches entweder als Vehikel mit dem Eisen verbunden, oder, wie bei natürlichen Stahlwäsern, der Lösung beigemischt ist. Die bekannte Vorchrift, flüssige Eisenmedikamente nur mittels eines Glasrohres einzunehmen, ist daher vollkommen geechtfertigt, und auch Eisenpräparate in Pillen= und Pulverform sollten nur gut eingehüllt in Gelatinekapseln verordnet werden. Das etwa nach dem Einrehmen des Eisens nachträglich in den Speichel ausseschiedene Eisen ist für die Zähne unschädlich, da es ie Zusammensetzung des Speichels nicht zu ändern vermag und an Eiweißverbindungen gebunden ist, die eine Aetzwirkungen hervorbringen können.— Von roßem praktischen Werte dürfte es daher sein, jedes n dem Handel vorkommende und offizielle Eisenpräarat und ebenso jedes natürliche Stahlwasser in betr. einer Wirkung auf die harten Zahnsubstanzen zu rüfen, um genau vor seiner Anwendung zu wissen, b eine schädliche Einwirkung auf die Zähne zu befürchen oder ob eine solche ausgeschlossen ist. Die experinentell aufgestellten Resultate müssen auf einer Liste ereinigt und dem Publikum vonseiten der Aerzte und er Apotheker zur Verfügung gestellt werden, damit Briefkasten. Bronze. Zur Reinigung von Bronzegegenständen tzt man am besten Zichorie. Man vermischt diemit etwas Wasser, trägt die Masse mit einer kleiBürste auf die zu putzenden Gegenstände, bürstet reinigt, spült die Zichorie mit Wasser net den Gegenstand an der Sonne oder am Ofen. Abonnent A. in W. Ameisen auf Obstbäumen man in Flaschen mit wenig Syrup oder man stet sie in denselben Flaischen, mit Arsenikz. hn hängt man in den Saumen auf. Das Au, n der Ameisen und anderer Insekten wird verert durch wiederholtes Anstreichen des Stammes der Hauptäste durch die wiederholt hier empfohleKischung von 1 Kilo Alaun und 2 Kilo Soda iter Wasser, wenn möglich mit wenig Leimwasser, esserer Haltbarkeit. Leider ist das Mittel so einleicht und billig, daß es noch wenig Glauben und endung findet, nicht einmal gegen Uer Insekten: die Blutlaus mit ihrem weißen martigen Ueberzug. behelfen Sie sich nicht mit Ihrer Deine Haare machen unansehnlich Durch enorme Frisur! und alt. Was Sie brauchen, halte ich vorrätig. Flechten und Zöpfe von 2 Mark. 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In der Versammlung wurde betont, daß es sich nicht um einen Lohnkampf handele, sondern um die Frage, ob die sozialdemokratische Forderung des Achtstundentages bewilligt werden solle oder nicht. Eisenbahn=Unglück. ug Gez Königsberg i. Pr., 10. Mai.(Anrtlich.) abend entgleiste auf dem Bahnhof nend infolge vorzeitiger Umstellung um 7.58 Uhr nach Königsberg ausfahrende Vorortsmit zwei Wagen, von denen einer umstürzte. Von den in diesem Wagen sitzenden 8 Personen wurde die Tochter des Feuersozietätsdirektors Roß getötet. Frau Roß und ihr Sohn, ferner Frau Steuererheber cher und Frau Zolland und Tochter sind verletzt worden. Die Untersuchung ist eingeleitet. Ausschreitungen streikender Arbeiter. Ludwigshafen, 10. Mai. Gestern abend kam es anläßlich des Streiks in der Dünger=Fabrik von Zimmermann zu schweren Ausschreitungen. Nach und nach hatte sich eine tausendköpfige Menschenmenge angesammelt, die sämtliche Fenster des Gebäudes zertrümmerte. Die Schutzleute, etwa 60, konnten der Menge nicht Herr werden. Sechs Schutzleute erlitten Verletzungen, davon erhielten zwei Stiche in den Obesschenkel. Der Bezirksamtmann, der in Uniform erschienen war, wurde von einem Stein so schwer getrofsen, daß er bewußtlos vom Platze getragen werden Die Arbeitswilligen, die unter starker Eskorte aus der Fabrik herausgeführt wurden, wurden von der wütenden Menge ergriffen, zu Boden geworfen und mißhandelt. Biele trugen schwere Verletzungen davon. Die Tumulte dauerten die ganze Nacht hindurch und noch heute morgen belagerte eine große Menschen= menge die Fabrik. Eine weitere Meldung lantet: Die Ansammlungen vor der Zimmermannschen Fabrik dauerten auch heute vormittag noch an. Der sogen.„kleine Belagerungszustand“ ist amtlich digt worden. Der Regierungspräsident der Pfalz, von Neusser, ist bereits hier eingetroffen, auch der Erste Staatsanwalt am Landgericht Frankenthal. Unter Heranziehung auswärtiger Gendarmerie hoftt man, die Ordnung aufrecht erhalten zu können. Der Stadtverordnete Winter mischte sich unter die Menge und ermahnte sie zur Ruhe; es war aber vergeblich. Ein Thronfolger geboren. Madrid, 10. Mai. Die Königin von Spanien wurde von einem Knaben entbunden. Madrid, 11. Mai. Der Ministerrat beschloß, daß der heutige Sonnabend, Sonntag und Montag in ganz Spanien Feiertage sein sollen. In den Hauptstadt herrscht überaus reges Leben. Alle öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privatgebäude sind mit spanischen und englischen Fahnen geflaggt. Der Ministerpräsident unterbreitete gestern dem König ein Dekret zur Unterzeichnung, kraft dessen der Thronfolgertitel vom Infanten Don Carlos auf den neugebornen Prinzen übergeht. Freischütz“. Sonntag, den 12. Mai er, nachmittags 4 Uhr Anttktur-Konzert der Kapelle des 158. Infanterie-Regiments aus Paderborn. Königlicher Kapellmeister Herr Richter. 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Mai, nachmittags 3½ Uhr vom Evangelischen Krankenhaus aus statt. Es hat Gott gefallen, heute Morgen 6 Uhr unsere gute Mutter. Schwiegermutter, Grossmutter. Urgrossmutter, Schwester und Tante Wwe. Sophie Uhlenbrauck geh Hallwenn Hellmann Lebensjahre zu sich in die geb. im vollendeten 84. Ewigkeit zu nehmen Um stille Teilnahme Hinterbliebenen Familie Fr. Ergste, Asseln, Wanne, Wermelskirchen, Horstmar, Wetter, Iserlohn, den 10. Mai 1907 bitten die trauernden Uhlenbrauck Vereinigung ehemal. Artineriste u. Sonntag, den 12. d. Mts., abends 8½ Uhr Versammlung im Vereinslokal. Tagesordnung 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Zum zahlreichen Besuch ladet ein Der Vorstand. Die Beerdigung findet Montag, den 10. nachmittags ½24 Uhr vom Trauerhause aus Mai cr. statt Praktische Leute. Eine biedere Frau vom Lande kommt öfters zu ihrem verheirateten Sohn, fleißigen Arbeiter, in die Stadt.„Ich fürchte“, sprie sie eines Tages,„Ihr verbraucht zuviel. 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Bei Eröffnung der Versamlung waren etwa 60 Delegierte anwesend, deren Zahl sich jedoch während der Verhandlungen auf 70—80 erhöhte. 1. Kamerad Becker=Dortmund eröffnete pünktlich die Sitzung. Er gab zunächst seiner Freude Ausdruck über den zahlreichen Besuch der Versammlung, betonte, daß auch die nicht den Kieler Beschlüssen beigetretmen militärischen Vereine, die sich hier zusammen gefunden hätten, treu zu Kaiser und Reich stünden, und schloß seine eindrucksvolle Ansprache mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf Se. Majestät, den Kaiser. Damit war der erste Punkt der Tagesordnung erledigt. Diese umfaßte folgende Punkte: 1. Begrüßung und Eröffnung der Versammlung durch den Kameraden Becker, 2. Feststellung der Anwesenheitsliste durch den Kameraden Möller, 3. Wahl eines Vorsitzenden und Schriftführers, 4. Bericht der einzelnen Vertreter über ihre bisherigen Erfahrungen und Stellung zu den Kieler Beschlüssen, 5. Beratung über weitere Stetlungnahme zu denselben, 6. Wahl des Ortse für die nächsten Verhandlungen, 7. Verschiedenes. Nach Schluß der Verhandlung bei günstiger Witterung Ausflug zur Kronenburg und Kaiser WilhelmHain, evtl. Besuch der Kochkunst=Ausstellung am Fredenbaum. 2. Die Feststellung der Anwesenheitsliste ergab, daß folgende 22 Vereine vertreten waren, deren Mitgliederzahl in Klammern beigefügt ist: Altenvörde(210), Appelhülsen(120), Börnig(84), Bovensen(95), Delwig b. Langschede(113), Dortmunder Landwehr=Verein(2 400!), Greven(198), Habing= horst(200), Hennen b. Schwerte(140), Hiltrup(105), Kamen(500), Körne(76), Lanstrop(98), Nortul(185), Rinkerode(100), Sassendorf b. Soest(150), Scheidin= gen(83), Schwerte: Kriegerverein(531), Garde= und Landwehr=Verein(180), Kavallerie=Verein(72), Telgte(190), Börde(270). Diese 22 Vereine zählen zusammen 6100 Mitglieder. Außerdem waren eingeladen, aber der Einladung nicht gefolgt: Bausenhagen, Hasp: Holzwickede, Oelde, Sölde, Steinheim, Wattenscheid, Aus letzterem Ort war jedoch ein Herr zu persönlicher Information anwesend. Den Kieler Beschlüssen inzwischen beigetreten und daher der Einladung nicht gefolgt sind: Aplerbeck, Hohensyburg, Sprockhövel. 3. Wahl eines Vorsitzenden und Schriftführers. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Kamerad BeckerDortmund. Er lehnt: aufangs ab wegen schlechten Gehörs; als aber der an seiner Stelle vorgeschlagene Kamerad Sieberg=Schwerte zu Beckers Gunsten zu rücktrat, nahm er die Wahl dankend an. Zum Schriftführer wurde Kamerad Möller=Dort mund, ebenfalls durch Zuruf, gewählt. Das Wort ergriff zuerst Herr X.=Dortmund: Vor etwa vier Jahren ist in Witten der erste Anstoß gegeben zu den Reformvorschlägen. Professor Westphal war selbst anwesend, und ein großer Teil der heute erschienenen Kameraden wird dort gewesen sein. Da mals war der ganze westfälische Verband einstimmig dagegen. Ich sprach für den ablehnenden Standpunkt des Dortmunder Vereins und fand Unterstützung sogar von solchen Vereinen, die schon damals der Unterstützungskasse angehörten. Wir sagten: die Kosten die uns aufgebürdet werden, sind zu hoch. Wenn aber die Mitglieder einverstanden sind, nehmen wir an Trotz der Befürwortung durch Hauptmann Mertens wurde die Vorlage abgelehnt. Auf dem Delegierten tag in Recklinghausen wurd: die Sache kurz per Stimmzettel erledigt. In Herne war die überwiegende Majorität dagegen(1400 dagegen, 300 dafür). Dies war ein Ablehnen! Trotzdem gingen später die Vertreter der Minorität hin und stimmten dafür. Nun setzte die Kleinarbeit ein. Man versuchte, die Vereine herumzukriegen. Trotzdem scheute unser Verein vor den Kosten zurück. Wir sollten beitreten; aber der Westfale ist hartnäckig, besonders wenn über sein Geld verfügt wird. Wir wollen nicht, wo unser Verein zum größten Teil aus Arbeitern besteht, unser Geld erst nach Berlin schicken. Es ist ja viel einfacher, wenn wir die Sache selbst in die Hand nehmen. Wir haben es auch gemacht. In drei Tagen ist das Unterstützungsgesuch erledigt; der Kamerad hat sein Geld in den Fingern, und es ist ihm geholfen. Wir haben dies auch dem Provinzialverband mitgeteilt. Bald darauf kriegten wir die Antwort zurück, daß wir ausgeschlossen sei en auf Antrag des westf. Provinzialverbandes. So steht es in der„Parole“. Wir hatten keine Veranlassung, auf die Sache weiter zurückzukommen, da man uns im übrigen unbelästigt gelassen hat, obwohl allerdings im Oktober die Offiziere angehalten wurden, aus dem Verein auszuscheiden. Bis Ende Oktober hatten sie die Erklärung abzugeben. Wir waren dadurch gebrandmarkt, als ob wir nicht mehr Soldaten wären, trotzdem wir genau so viel Königstreue haben wie die anderen. Die Behörde steht uns wohlwollend gegenüber. Herr Kommissar N. beehrt uns mit seiner Anwesenheit. Die Behörde weiß also ganz gut, daß wir keine Schritte unternehmen, die als solche bezeichnet werden dürfen, die ein militärischer Verein nicht unternehmen darf. Was wir verhandeln, braucht die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen.— Mehrere Vereine haben an uns die Anfrage gerichtet: Was machen wir? Wir wollten jedoch nicht die Führer der Wankelmütigen sein; jetzt aber, wo die Sache geklärt ist, wollten wir den Vereinen Gelegenheit zur Aussprache geben. Anfangs sollte diese ganz privater Natur sein. Infol ge der vielen Zuschriften haben wir uns aber doch zu der öffentlichen Versammlung entschlossen, um die Stellungnahme der einzelnen Vereine zu den Kieler Beschlüssen zu hören. Unser Verein steht und bleibt auf dem ablehnenden Standpunkt. Wir haben auch gar keinen Anlaß zur Aenderung, weil man nicht an uns mit der Aufforderung, wieder beizutreten, herangetreten ist. Es ist zu bedauern, daß durch die Kieler Beschlüsse eine derartige Spaltung in die Kriegervereine hineingekommen ist. In Dortmund stehen mehr Vereine außerhalb der Landesorganisation als darin. Das zeigte sich bei der Parade zu Kaisers Geburtstag. Ein Treffen stellten die dem Dortmunder Kreisverbande noch angehörenden und somit den Kieler Beschlüssen beigetretenen Vereine, während die übrigen Vereine nicht weniger als drei Treffen bildeten.(Lebhafter Beifall.) Quisberg=Schwerte: Kameraden! Aehnlich, wie der Herr Vorredner erwähnt, im großen, so war es auch im kleinen. Ich war Delegierter des KreisKriegerverbandes Hörde. Anfangs war man fast ein stimmig dagegen, dann aber wurde der 1. Vorsitzende versetzt und legte seinen Posten nieder. Einige Vereine schlossen sich an, weil sie z. B. Fahnenbänder haben wollten zu ihrem 25jährigen Jubiläumsfest, andere weil sie keine Statuten hatten. Der 2. Vorsitzende übernahm es, auch diese Vereine für Ablehnung der Kieler Beschlüsse zu gewinnen. Der neu gewählte 1. Vorsitzende ließ die Vorsitz enden der einzelnen Vereine zu sich kommen un strebte dafür, die Kieler Beschlüsse anzunehmen. Die Mitglieder der Kriegervereine müßten viel zu stol; sein, als daß sie lediglich notorisch Arme unterstützten. Wir haben in unserem Vereine viele unterstützt, ohne daß sie notorisch arm waren. Die linke Hand soll nich wissen, was die rechte tut. Wir haben viele Tränen gctrocknet. Redner schildert seinen Besuch beim 1. Vorsitzenden er habe ihm das alles vorgestellt, auch auf die Kosten hingewiesen, die besonders durch den zu erwartenden Bau eines neuen Geschäftshauses des Lan deskriegerverbands erstehen würden. Der Behauptung man denke nicht an den Bau eines eigenen Geschäftshauses, steht der heutige, bereits in der Parole veröffentlicht: Antrag gegenüber auf Bewilligung der Mit tel für den Kauf bezw. Neubau eines eigenen Verwaltungsgebändes für den deutschen Kriegerbund und den Landeskriegerverband: In der„Parole Nr. 35 vom 1. Mai 1907 lautet der Antrag 11 des Vorstandes des Deutschen Kriegerbundes„Der Abgeordnetentag wolle in Anbetracht der sehr ungünstigen Bureauverhältnisse in der Kurfürstenstraß: 97 den geschäftsführenden Vorstand ermächtigen, bei sich bietender Gelegenheit ein preiswertes Haus zu kaufen oder den Bau eines solchen nach sorgsamer Finanzaierung zu unternehmen Redner fuhr dann fort: Die Kriegervereine sind nicht der Unterstützung wegen ins Leben gerufen. Trotzdem gebon wir hier in Schwerte(Krieger=Verein) bei einem Bestande von fast 550 Mitgliedern jährlich ungefähr 300 Mk. für Unterstützungen und 750 Mark für Sterbefälle aus. Das ist gewiß reichliche Unterstützung. Wenn der Landesverband einen Verein über die von diesem eingezahlten Beträge hinaus unterstützt, so kann das nur auf Kosten der übrigen Vereine geschehen oder, wenn man mehr geben will, müssen die Unterstützungsbeiträge imlaufe der Zeit erhöht werden. Wenn ein großer Notstand eintritt, so stehen heutzutage eine ganze Reihe von staatlichen und kommunalen Wohlfahrtseinrichtungen zur Verfügung, die man zurzezit der Gründung der Kriegervereine noch nicht kannte. Da zu helfen, ist nicht Sache der Kriegervereine diese haben eine viel höhere Bedeutung. Wenn man aber Tränen trocknen kann, so sind wir die ersten, wenn es unsere Verhältnisse erlauben. Der Herr Vorredner hat gesagt, man habe nicht gewußt, was man machen solle. Man soll einen festen Verband gründen. Ich bin der Ueberzeugung, daß noch viele Vereine austreten. Man muß immer die Schiller'schen Worte beherzigen:„Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an!“ Ich meine, es werden noch viele zu uns übertreten, die jetzt probeweise beigetreten sind. Lassen Sie uns vor nichts erschrecken! Ich sehe hier so manche ergrante Köpfe, denen die Vaterlandsliebe aufgeprägt ist. Sie haben alle Königstreue und Vaterlandsliebe! Wir müssen fest und treu zusammenhalten und dem Wahlspruch des Fürsten Bismarck folgen:„Wir Deutschen fürchten Gott, und sonst nichts in der Welt!"(Lebhaftes Bravo, Händeklatschen.) Ein Vertreter aus Telgte spricht dem Dortmunder Landwehr=Verein seinen Dank für die Einladung aus; er will die weitere Behandlung der Angelegenheit genanntem Verein als dem größten Verein vertrauensvoll überlassen. Er bittet das bekannte, teilweise auch in den Zeitungen bereits veröffentlichte Protestschreiben des Dortm. Landw.=Vereins an den Kreisverband Dortmund zu verlesen. Dies geschieht unter lautloser Stille. Ein Vertreter aus Kamen ist Zeuge gewesen, wie in Witten die Kieler Beschlüsse mit großer Mehrheit abgelehnt wurden; er ist daher umso mehr verwundert, daß trotzdem später noch so viel Vereine beigetreten sind. Auch in seinem Verein sei alles mögliche versucht, um die Annahme der Kieler Beschlüsse herbeizuführen. Schließlich wären sie probeweise auf ein Jahr beigetreten, und da hätten sie mehr herausbekommen, als sie eingezahlt hätten, sie hätten dies aber nur als Lockköder angesehen.— Das Unterstützungswesen hätten sie in ihrem Verein so geregelt gehabt, daß, wenn vormittags das Gesuch kam, abends der Betreffende bereits das Geld in Händen hatte, denn:„Wer schnell gibt, gibt doppelt". Jetzt hätten sie nun die Erfahrung gemacht, daß das Gesuch, das am schnellsten erledigt sei, mindestens 10 Tage beansprucht habe. Inzwischen sei unter Umständen der betreffende Kamerad schon zur großen Armee abberufen.(Heiterkeit.) Im Januar hätten siie die Kieler Beschlüsse abgelehnt, daraufhin wären sämtliche Offiziere ausgetreten. Trotzdem blieben sie auf ihrem ablehnenden Standpunkt. Er meint, wenn die Versammlung bereits vor Jahresfrist einberufen wäre, so hätten wir vielleicht jetzt die dreifache Zahl hinter uns. Umso mehr sei anzuerkennen, daß der größte Verein jetzt die Sache in die Hand genommen habe, um Block gegen Block zu bilden. Auch er glaubt, daß noch viele zu uns übertreten werden, weil * 11 4 —4 oder lang die Beiträge erhöht werden doch über kurz müssen. Ein Vertreter aus Korne verrlwig, das spate Vorgehen des Dortmunder Landwehrvereins. Er selbst sei mit Kamerad B. der Ansicht gewesen, man solle nicht agitatorisch vorgehen. Jeder Verein habe seine Selbständigkeit und solle zeigen, was er wolle. Es solle nicht in Berlin gesagt werden können, daß die Dortmunder Zwiespalt unter die Kameraden bringen wollten. Jetzt habe jeder Verein selbständig prüfen und beschließen können, wie er es für recht hält. Nun, nachdem sich die Sache geklärt habe, sei es an der Zeit, sich an uns anzuschließen. Duisberg=Schwerte verteidigt ebenfalls den Standpunkt der Dortmunder und weist besonders darauf hin, daß die Reichstagswahlen vor der Tür standen und daß es darauf ankam, nicht etwa neue Mißstimmung hervorgernfen. X.=Dortmund erkennt dies als berechtigt an, warnt aber vor jedem agitatorischen Vorgehen gegen den Preußischen Landes=Krieger=Verband. Er weist diesen Gedanken mit aller Entschiedenheit zurück: Wir wollen uns nicht bemühen, solche Vereine, welche die Kieler Beschlüsse angenommen haben, zu uns herüberzuziehen. Wer sich uns aber freiwillig anschließt, um unsere Rechte in dieser Beziehung zu wahren, der soll uns herzlich willkommen sein. Ein Vertreter von Altenvörde ist ebenfalls der Ansicht, daß es praktischer gewesen wäre, wenn Dortmund die Sache früher in die Hand genommen hätte, die Hauptsache sei nun aber, heute einen Verband zu gründen und sich zusammenzuschließen. Auch Vörde habe von Anfang an strikte dagegen gestimmt und seinen Austritt aus sämtlichen Verbänden kundgegeben. Es wird aber jetzt im Orte ein 300jähriges Stiftungsfest des Schützenvereins gefeiert. Der Landrat ist gebeten, das Protektorat des Festes zu übernehmen. Angeblich soll der Herr Landrat seine Zustimmung von der Annahme der Kieler Beschlüsse abhängig gemacht haben. Ob es Tatsache ist, läßt Redner dahingestellt. Milspe hat die Kieler Beschlüsse mit nur 1 Stimme Majorität angenommen, und dabei waren diese ganz willkürlich uuf die Tagesordnung gesetzt. Er schlägt vor, eine Erklärung abzugeben, daß wir deutsche Männer sind und nicht wanken noch weichen werden. Müller=Schwerte weist darauf hin, daß bereits Anweisung eingetroffen sei, die den Kieler Beschlüssen nicht beigetretenen Vereine bei der Spalierbildung in Münster nicht zuzulassen. Der Vertreter von Telgte macht darauf aufmerksam, daß auch Hiltrup, in dessen Gemeindebezirk die Parade stattfinden soll, nicht zugelassen ist. Er gibt auch die Quelle für seine Nachricht an. Ein Vertreter von Sassendorf bei Spest berichtet über die Fahnenangelegenheit seines Vereins. Die Fahne ist gestiftet von Herrn von Bockum=Dolffs. Sie entspricht nicht ganz den Vorschriften des Deutschen Kriegerbundes. Trotzdem hat der Minister des Innern die Führung der Fahne gestattet. Da die Fahne mit der Zeit ramponiert geworden ist, hes sich der Venein eine neue Fahne ausgesucht, die schon für einen anderen Krieger=Verein, der die Kieler Beschlüsse angenommen hatte, genehmigt wär. Das Gesuch ist vom Landrat jedoch zurückgewiesen. Einige unliebsame, recht charakteristische Erfahrungen werden dabei erwähnt. Im Anschluß daran wurde kurz die Frage erörtert, was wir zu tun haben, wenn unsere jetzigen Fahnen ausgetragen sind. 5. Der Vertreter von Körne stellt den Antrag, einen neuen Provinzialverband zu gründen mit dem Sitze in Dortmund. X.=Dortmund bittet die Herren, sich darüber zu äußern, ob die Sache bereits heute entschieden oder vertagt werden soll. Ein Herr aus Kamen spricht für die Vertagung, damit die Vertreter erst Rücksprache mit ihren Vereinen nehmen können. Der Vertreter von Körne zieht darauf seinen Untrag zurück und schlägt vor, den Dortm. LandwehrVerein zu ermächtigen, eine neue Versammlung zu diesem Zweck einzuberufen. X.=Dortmund stellt den Antrag, eine Kommission zu wählen, welche die Sache vorbereiten soll. Die Kommission solle aus Vertretern der verschiedenen größeren Vereine bestehen, die heute erschienen sind. Die Versammlung sei schon heute(wo 70—80 Herren erschienen waren) zu groß, um Einzelheiten zu beraten. Er beantragt, sechs Kommissionsmitglieder zu wählen mit einem Vorsitzenden an der Spitze. Nach der erforderlichen Vorberatung soll dann eine zweite Vertreterversammlung einberufen werden, hier oder wo anders. Althoff=Schwerte schlägt vor, nicht heute schon bestimmte Herren zu wählen, sondern nur die Vereine zu bezeichnen, die einen Vertreter zu der vorberatenden Versammlung zu entsenden haben; die Wahl dieser Heren selbst aber den betr. Vereinen zu überlassen. Etns Ein Vertreter von Vorde will bie Einladung dem Dortm. Verein überlassen, da doch wohl meist Vereine aus der Nachbarschaft von Dortmund in Frage kämen. Der Vertreter von Körne tritt diesem Vorschlage entgegen mit dem Bemerken, die Dortmunder wollten die Sache nicht allein machen, seien aber gerne bereit, 1—3 Vertreter zu dieser vorberatenden Versammlung zu entsenden. Von Herrn X.=Dortmund S wird Gottesdienste. Evangelisch=reformierte Gemeinde. Sonntag 9½ Uhr Pastor Terberger. Evangelisch=lutherische Gemeinde. Sonntag 8„ Pastor Heinenberg. „ 9„ Beichte. „ 9½„ Pastor Wischnath Hl. Abendmahl. „ 2„ Kindergottesd'enst. Vereine und Versammlungen. Mittwoch 4 Uhr: Jungfraueeverein. Frittag 8¼„ Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Stadtmission Kuhstraße 7. Connt. B. 8 Uhr: Blaukreuzgebetsstunde u. Verpflichtungsgelegh. N. 1“ Nachm. Abend? 4 6 „ 8 Montag A. 8½ Dienst A 8½ Weißkreuzstunde. Abfahrt des Jungsrauenvereinsn Dortmund Bibe stunde. Jungsrauenverein fällt aus wegen des Ausflugs nach Dortmurd Manne= u. Jünglingsvere n. Uel ung des Gemichten Chores Mitglieder=Versammlung d Stadtmissionsv Aufnahme neuer Mitglieder Frauen=Missionsstunde fällt aus. Evangelischer Männer= und Jünglingévere Schwerte Sonntag 1½„ Weißkreuzstunde. So.ntag 8„ Vereinsstunde. Mi twoch 8½„ Gebetestunde Donaerst. 8½„ Männerchor. Freit. A 8½„ Bibelbesprechsturde W Samst A. 8„ Turnen in der städtischen Turnhalle. Gottesdienstordnung der kath. Pfarrkirche Sonntag ½7 Uhr: Stille Messe Capl. Ricke. „ 7%" Stille heilige Messe Dr. Reusing „ 9„ Schulmesse Pfarrer Schnurbus. 10¼„ Hochamt mit Predigt, Segen und Plozession Pf. Schnurbus. „ 3„ Andacht. 7" Josefs=Verein 8 Uhr: Frühmesse mit Pr-digt 10" Hochaat mit Predigt 2„ Andacht. der Antrag gestellt, 9 Mitglieder in die Kommission zu entsenden, davon je 1 aus 6 größeren Vereinen, 3 aus dem Dortmunder Verein. Ein Herr aus Alten vörde schlägt beschleunigtes Tempo vor, damit nicht nuch mehr Vereine abtrünnig werden. Der Vorsitzende fordert die Vereine, welche geneigt sind, einem zu bildenden engeren Verbande beizutreten auf, sich zu melden, vorbehaltlich der Genehmigung ihrer Generalversammlung. Ein Herr aus Delwig erklärt hierzu, sein kleiner Verein(113 Mitgl.) habe dreimal abgelehnt, sei aber trotzdem noch nicht„hinausgewimmelt“, habe auch keine Ursache, freiwillig auszutreten, deshalb könnten sie zurzeit dem neuen Verbande noch nicht beitreten. Duisberg=Schwerte meinte, das„Hinauswim= meln könnte über Nacht kommen!(Heiterkeit.) Wer einmal die Kieler Beschlüsse abgelehnt hätte, hätte da mit zu rechnen. Er beantragt, zunächst die größeren Vereine zu bezeichnen, die je einen Delegierten stellen sollen, dann evtl. noch andere Vereine. Diese Delegierten sollten dann in einer besonderen Versammlung beraten, und dann hätten wir etwas Fix= und fertiges für die nächst: allgemeine Versammlung. Auf Antrag des Herrn X.= Dortmund wird abgestimmt darüber: 1. ob wir im Prinzip für engeren Zusammenschluß sind, 2. ob wir eine Kommission wählen sollen. Beide Fragen wurden einstimmig bejaht(durch Handaufheben). Vertreter sollen in diese Kommission entsenden: Dortmund(3), Schwerte, Kamen, Vörde, Altenvörde, Habinghorst und Telgte.(Dieses für den Kreisverband Münster). 6. Wahl des Ortes für die nächsten Verhandlungen. Auf den einstimmig angenommenen Antrag Duisberg=Schwerte findet a) die Kommissionssitzung in Dortmund, b) die allgemeine Versammlung in Schwerte statt. An letztere soll sich evtl. ein gemeinsamer Ausflug nach Hohensyburg anschließen.(Lebhaftes Bravo!) Der Herr Vorsitzender schlägt vor, die Delegierten à 9. Mai Himmelfahrts. tag 3 Uhr. Lichtendorf Nestle“fser für Säuglinge, Reconvalescenten, Magenkranke.## ef Witennen du Vertmund. Mai-Meeting 4 Tage. 50000 Mark Preise. 44 □ ∆ □ " 20. Mai ## Pfingstmontag 3¼ Uhr. 0 0e 6 6 Hent u. Dieustag trifft einebesonders große Sendung Fusrischweine bei mir ein. M. Neublum Ordentliches, erfahrenes Cienstmarchen nach auswärts auf sofort gesucht. Lohn 210 Mark. Näheres bei Frau Schröder 62016 Brückstraße 4, Themätiger der Haullaurt bis Pfingsten anzumelden und die größere Versammlung bis Ende Juli in Schwerte abzuhalten. Von anderer Seite wurde dieser Termin als zu spät bezeichnet und Ende Juni vorgeschlagen. Zur endgiltigen Festsetzung des Datums der Schwerter Versammlung kam es nicht. Schriftstücke sind zu richten: An den Schriftführer des Dortmunder Landwehr=Vereins, Herrn MöllerTortmund. Zugleich wurde für den Kreisverband Münster Schröder=Telgte als Dalegierter, Heckelmann=Greven als Stellvertreter gewählt. Auf Antrag eines Dortmunder Herrn sollen die Vereine, die heute nicht vertreten sind, keine offizielle Venachrichtigung oder Einladung erhalten, weil uns jedes agitatorische Vorgehen völlig fern liegt und wir auch den Anschein eines solchen völlig vermeiden wollen. Freiwillige Anmeldungen sind uns selbstverständlich herzlich willkommen. Zum Schluß ergreift Kam. Duisberg=Schwerte noch einmal das Wort, um unter lebhaftem Beifall dem Dortmunder Verein noch einmal den herzlichsten Dank der Anwesenden für die freundliche Einladung auszusprechen, sowie insbesondere Herrn Becker für die vorzügliche Leitung der Verhandlungen. Er bittet ihn, die Sache unentwegt weiter zu führen im Interesse des Kriegervereinswesens. Die durch keinen Mißton gestörte Versammlung fand um 5,15 Uhr ihr Ende. Unter der sachkundigen Führung der Dortmunder Herren begaben sich die meisten Delegierten nach der Kronenburg oder Kochkunst=Ausstellung zum Fredenbaum. Man mag über die Kieler Beschlüsse denken wie man will, man mag die Spaltung, die durch sie in die Reihen der Kriegervereine getragen ist, von ganzem Herzen bedauern, man hat aber kein Recht, an der patriotischen, königstreuen Gesinnung der nicht beigetrestenen Vereine zu zweifeln. Auch wir zählen in unseren Reihen sehr viele in Ehren ergraute Männer, die mit Begeisterung ihr Leben für König und Vaterland in die Schanze geschlagen haben, deren Brust mit Kriegsdenkmünzen und anderen Ehrenzeichen geschmückt ist. Dies wurde imlaufe der Verhandlungen nachdrücklich betont. Diese alten Veteranen sind eine Genähr dafür, daß auch trotz des Ausschlusses aus dem Landeskriegerverband die Treue gegen Kaiser und Reich in den Vereinen hochgehalten wird, unbelümmert um alle Anfeindungen und Verdächtigungen, von welcher Seite ste auch kommen mögen. Für uns Schwerter ist der Ausfall der letzten Reichstagswahl ein glänzendes Zeugnis, daß trotz der durch die Kieler Beschlüsse und ihre Folgeerscheinungen hervorgernfenen tiefgehenden Verstimmung die Mitglieder der Kriegervereine sich ihrer patriotischen Pflichten voll und ganz bewußt gewesen sind. Wir sind nach allem, was wir so nach und nach über die Geschichte der Kieler Beschlüsse erfahren haben, der Meinung, daß die Sache von vornherein nicht richtig angefaßt ist. Jetzt ist die ablehnende Haltung zumteil Kopfsache geworden. Der zähe, ehrliche Charakter des Westfalen insbesondere läßt es nicht zu, seine Ansicht von heute auf morgen zu wechseln, und so ist es denn nicht zu verwundern, daß unter den ausgetretenen oder noch schwankenden Vereinen reichlich die Hälfte Wostfalen sind. In der Parole Nr. 32(v. 21. April 1907) findet sich eine sehr interessante Zusammenstellung, danach sind: ausgeschieden i. ganz. Bunde 76 Vereine m. 8683 Mitg. davon in Preußen 63 Vereine m. 7777 Mitg. davon in Westfalen 27 Vereine m. 4423 Mitg. schwankend i. ganz. Bunde 97 Vereine m. 11 324 Mitg. davon in Preußen 97 Vereine m. 11 324 Mitg. davon in Westfalen 91 Vereine m. 10 837 Mitg. Sa. im ganzen Bunde: 173 Vereine m. 20007 Mitg. davon in Westfalen 118 Vereine m. 15260 Mitg. Westf. Porzellan- und GlasNiederlage Inh.: N. Hoffmann. Westenhellweg 1—8 Dorlmand Westenhellweg 1—3. Neue unübertroffene grossartige Geschäftslokale. Grösste und billigste Auswahl in sämtlichen Porzellan-, Glas- und Crystallwaren nur prima tadellose Ware. — Eigene Fabrik. Porzellan- und Glas-Malerei nebst Brennerei Dampfschleiferei, Zinngiesserei und Gravier- Anstalt. Niederlage der Königl Porzellan-Manufaktur Berlin Lager ven Waren der Königl. Fabriken von Nymphenburg. Kopenbagen, Meissen und Waren von Limoges. Echt Delfter Waren. Grosses Lager von Crystall der Fabriken Baccarat, Val St. Lambert, St. Louis und Amerika. 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