Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Felestags. Bezugspreis: UIk. 1.os eserteizährisch, bei der Post 42 P. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illustrierter Famillentreund.“ o o 0 0 0 0 0 o C O O O C o Auzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts IS Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Uerordnungen für den Nreie Hörde erlangen gemäst Bekanntmachung der Königl Reeieru# durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechteverbindliche Kraft. o o 0 0OOOSOCSSS. Druck u. Verlag von Larl Braus, Schwerte. Fernsprech-Auschln:: Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.=Adresse Braus. Schwerte-Nube, Nr. 105. Deutscher Keichstag. 46. Sitzung vom 4. Mai, 11 Uhr. Der Kolonialetat. Bei dem Titel Tropen=Institut in Hamburg kommt die Errichtung einer Kolonial=Akademie resp.=Universität in Hamburg zur Sprache. Die Abgg. Frhr. v. Hertling und v. Richthofen treten für diese Idee ein unter Hinweis darauf, daß in Hamburg schon Mittel für ein solches Institut gesammelt seien. Kolonialdirektor Dernburg bemerkt, er habe sich bereits mit maßgebenden Persönlichkeiten in Hamburg in Verbindung gesetzt. Die neue militärische Organisation wird angenommen unter Streichung des Generals an der Spitze gemäß dem Antrag der Budgetkommission. Der Abteilungschef soll die Stellung eines Regimentskommandeurs haben. In der Verlage waren je 10000 Mk. gefordert als Beitrag zu den Unterhaltungskosten der Kolonialschulen in Witzenhausen und Hünfeld. In der Kommission ist festgestellte worden, daß es eine solche Schule in Hünfeld gar nicht gibt. Die Kommission hat deshalb den Text umgeändert in„Witzenhausen und Engelport“, wo eine Schule besteht. Außerdem beantragt die Kommission, im nächsten Etat den Zuschuß für Witzenhausen von 10.000 auf 20000 Mk. zu erhöhen. Abg. Dohrn(frs. Vgg.) beantragt Streichung des Zuschusses für Engelport. Engelport sei eine Missionsschule. Es handelt sich da um eine durchaus katholisch=konsessionelle Anstatt. Bisher habe man sich gehütet, konfessionelle Bestrebungen im Etat zu begünstigen. Abg. Arendt(Rp.): Der konfessionelle Gesichtspunkt scheidet für mich aus Es kommt hier nur darauf an, ob eine Schuie bisher Erprießliches geleistet hat, was bei der Missions= schule in Engelport der Fall ist. Redner tritt sodann für die Vorschläge der Kommission, also einschließlich der Resolution, ein. Abg. Lattmann(wirtsch. Vag.) empfiehlt eine Resolution: in den nächsten Etat für die protestantische Rheinische Mission und für die ketholische Mission der Oblaten je 10000 M. einzustellen, w ch Missionare„für die Erziehung der Schwarzeu in den Sc,„gebieten zur praktischen Betätigung vorgebildet werden.“ Rolonialdirektor Dernburg gibt zunächst zu, es bestehe zweifellos ein Unterschied zwischen der Schule in Witzenhausen, die eine eigentliche Kolonialschule sei, und der in Engelport, die nur Missionare für Erziehung von Schwarzen ausbilde. Ciichwohl empfehle es sich, Engelport den Zuschuß, auf den es seit vier Jahren rechne, nicht zu entziehen. Die Resolution Lattmann bitte er dagegen abzulehnen. Montag den 6. Mai 1907. 39. Ihrg Sc E falis aus prinzipiellen Gründen Zuschusse für derionelle Anstalten nicht bewilligen. ie fast geschlossene Linke und einen großen Teil tlichen Vereinigung wird sodann— nach lärmenden Abg. Spahn(Ztr.) tritt für den Zuschuß an Hünfeld resp. ingelport(das nur eine Tochteranstalt von Hünefld ist) ein. Abg. Arning(nl.) will ebenfalls den schon vier Jahre an Hünfeld gezahlten Zuschuß nicht gestrichen, sondern für Engelport weitergewährt wissen. Abg. Dohrn(frs. Vgg.): Tatsache ist doch, daß wir jetzt erst davon Kenntnis erlangt haben, daß es sich in Hünfeld, resp. Engelport gar nicht um eine richtige Kolonialschule handelt, sondern um eine rein konfessionelle Missionsschule. Abg. Storz(südd. Bp.): Wie ist denn seinerzeit der Zuschuß für Hünfeld, wo gar keine Kolonialschule bestand, sondern nur eine Missionsanstalt, überhaupt in den Etat hineingekommen? Offenbar nur auf Drängen des Zentrums, das sonst den Zuschuß für die Kolonialschule in Witzenhausen nicht bewilligt hatte!(Rufe im Zentrum: Pfut!) Das Zentrum war jo damals allmächtig!(Erneute Pfuis! Präsident Stolberg: ras Pfui=Rufen ist nicht zulässig, m. H.! Heiterkeit.) Wir werden jedenfalls aus prinzipielten Gründen Zuschüsse fur derartige konfessiennt Gegen di.— der wirtschaftlichen Vereinigung Szenen, da auf der Linten die Aufforderung des Prasidenten zur„Gegenprobe“ nicht verstanden worden war— der Zuschuß auch für Engelport bewilligt und die Resolution der Kommission angenommen. Damit ist der Etat des Kolonialamts erledigt. Es folgt der Etat der Schutzgebiete, zunächst Ostafrika. Abg. v. Liebert(Rp.): Das Wort von der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Kolonien ist jetzt zum Schlagwort geworden. Aber es soll auch im Reichshaushalt zum Ausdruck kommen, und das vermisse ich. Durch den berüchtigten Sansibar=Vertrag ist die Kolonie auf 50 Jahre belastet worden. Da muß das Reich ihr diese schwere Last abnehmen. Ich möchte an das Finanzgenie des Kolonialdirektors appellieren, wie diese Entanrung bewirkt werden kann. Auch die Militärlasten müßten auf das Reich übernommen werden. Geschieht das, so stellt sich das Kolonialbudget ganz anders und viel günstiger als jetzt. Kolonialdirektor Dernburg: Es ist sehr dankenswert, daß der Vorredner als der frühere höchste Beamte der ostastikanischen Kolonien auf Mißstände in der Kolonie aufmerksam macht. Doch kann ich die Belastung durch die Ablösung des Hoheitsrechtes des Sultans im Sausibar=Vertrag nicht auerkennen. Die Schuld ist in Obligationen der Deutsch=Ostafrika= Gesellschaft verpfändet. Was die Militärlasten anlangt, so hat der Bundesrat sich noch nicht darüber entscheiden können, welche Posten auf die Kolonle und welche auf das Reich übertragen Uebersicht. Berlin, 5. Mai. Zwei koloniale Ergänzungsetats sind dem Reichstage zugegangen. Danach soll die Schutztruppe vom 1. Oktober 1907 ab rund 4000 Mann Getragen, außerdem soll die Polizeitruppe um ca. 1000 werden können. Eine Vereinfachung des Rechnungswesens streben auch wir an, es sind auch schon einleitende Schritte getan. Abg. Schwartze=Lippstadt(Ztr.) fordert mehr Selbstverwaltung für die Kolonie. Abg. Arendt(Rp.): Notwendig sei die Weiterführung der Usamabara=Bahn. Zu beklagen seien Mängel im Bankwesen und im Währungswesen in Ostafrika. Das ärgste sei, daß es dort zuweilen überhaupt an Geld fehle(Heiterkeit), d. h. an Münze für Zahlungszwecke. Wünschenswert sei, daß unsere alten Kolonialbeamten möglichst lange dem Dienst erhalten werden. Damit schließt diese Debatte. Bei dem Titel Regierungsschulen äußert Abg. Sommer(frs. Vp.) sich anerkennend über diese Schulen mit dem Bemerken, es sei tatsächlich nicht angezeigt, die konfessionelle Trennung im Schulwesen auch auf unsere Kolonien zu übertragen. Von kompetentesten Beurteilern der Verhältnisse ist gewarnt worden, die Regierungsschulen konfessionell zu gestalten. Geschähe das, so würden die Mohammedauer ihre Kinder wieder aus den Regierungsschulen herausnehmen, und die Koranschulen würden wieder aufleben. Wir müssen daher in diesem Punkte dem Kolonialdirektor zurufen: Dernburg werde hart!(Große Heiterkeit.) Damit ist der Etat für Ostafrika erledigt. Beim Etat für Kamerun kommt Abg. Bebel auf die gestrige Aeußerung des Kolonialdirek= tors über seine(Bebels) fruheren Beschuldigungen gegen den Hauptmann(damals bOerleutnant) Dominik zurück. Der Bezirtsamtmann Kendell aus Ostafrika habe im Gespräche mit Sozialdemokraten zugegeben, daß tatsächlich 52 EingeborenenKinder erträntt worden seien. Allerdings könne Dominik das unmöglich angeordnet haben, aber er hätte dem vorbeugen müssen! Daß Tominik diese Barbareien direkt verschuldet habe, das habe ich niemals behauptet. Mir so etwas nachzusagen, ist eine Verleumdung. Kolonialdirektor Dernburg: Herr Bebel hat seinerzeit behauptet, Dominik habe den betr. Auftrag gegeben. Und diese Behauptung hat ja Herr Bebel heute zurückgenommen. Wir haben alle Leute, die seinerzeit mit Dominik zusammen waren, verhört. Der Vorfall soll sich 1894 zugetragen haben. Barbareien kommen ja bei der Kriegführung in jenen Gegenden immer einmal vor. Hauptsache aber ist doch, ob Dominik den Befehl zu jener Grausamkeit gegeben hat! Und das ist ein unerwiesenes Gerede. Ihre Flugblätter, sozialdemokratische, die in Millionen verbreitet worden sind, haben direkt auf Ihre Autorität hin, Herr Bebel, behauptet, Dominik habe Kinder ermorden lassen! Andermal also bringen Sie Ihre Beschwerden vor, ohne Namen zu nennen! Zum mindesten also, Herr Bebel, sind Sie außerordentlich unvorsichtig umgegangen mit der Ehre eines anständigen Mannes!(Stürmischer Beifall.) Abg. Bebel: Auf Grund der Rede, die ich seinerzeit hier gehalten habe, konnten jene unzutreffenden Angaben in den Flugblättern jedenfalls nicht gemacht werden! Der Herr Kolonialdirektor hat übrigens doch den ganzen Vorgang selber geleuguet! Daß Herr Tominik zu Unrecht beschuldigt worden ist, den Auftrag gegeben zu haben, das bedaure ich. Abg. Ledebour(Soz.) bespricht die Fälle Meyer und Puttkamer und geht im Zusammenhang hiermit ein auf die Hinaussendung nur unverheirateter Beamten, wobei er von rechts ununterbrochen durch Gelächter unterbrochen wird. Wenn Ihnen, so ruft er der Rechten zu, so ernsthafte Dinge lächerlich erscheinen, so zeigen Sie damit nur, daß Sie aus Ihrer sonstigen„sittlichen Entrüstung“ nicht die Konsequenzen ziehen können, oder daß Sie nur Moral heucheln.(Präsident Kämpf ruft den Redner zur Ordnung.) Bei den weiteren Darlegungen des Redners wird dieser wieder durch Gelächter rechts unterbrochen, worauf er der Rechten zuruft: Lassen Sie doch Ihr albernes Gelächter!(Vizepräsident Kämpf: Sie dürfen Mitgliedern des Hauses nicht albernes Gelächter nachsagen, ich rufe Sie zum zweiten Male zur Ordnung.) Redner fortfahrend: Es ist charatteristisch, daß es immer ein liberaler Präsident ist, der so mit der Redefreiheit umspringt! Vizepräsident Kämpf(ihn erregt mit der Glocke unterbrechend): Herr Abgeordneter, ich kann eine solche Aeußerung nicht für vereinbar mit der Würde des Präsidenten ansehen, rufe Sie zum dritten Male zur Ordnung, und frage das Haus, ob es den Redner noch weiter anhören will. Bei der Abstimmung hierüber stimmen Sozialdemokraten und Zentrum gegen die Wortentziehung, und da sie zufällig die Mehrheit bilden, so ist der Präsident genötigt, den Abgeordneten Ledebour weitersprechen zu lassen. Doch endet derselbe schon nach wenigen weiteren Bemerkungen seine Rede. Kolonialdirektor Dernburg: Von meinen gestrigen Vorwürfen gegen den Abg. Ledebour habe ich nichts zurückzunehmen. Das Urteil über Herrn v. Puttkamer ist noch nicht rechtskräftig. ich kann also noch nicht darüber debattieren. Abg. v. Oldenburg(k.) stimmt dieser Auffassung zu und bemerkt noch: Puttkamer wäre nicht so verhaßt bei den Herren, wenn nicht sein Vater der beste Minister gewesen wäre, den Preußen gehabt hat.(Stürmisches Gelächter links.) Vizepräsident Kämpf: Es liegt ein Antrag auf Vertagung vor. Abg. Wiemer: Ich bezweifle die Beschlußfähigkeit des Hauses. Ich tue es mit Rücksicht auf den Vorgang resp. den Beschluß des Hauses über die Anfrage des Präsidenten, ob dem Abg. Ledebour das Wort zu entziehen sei. Ich tne es, weil ein solcher Beschluß nur möglich war angesichts der Leere des Hauses. Damit endet die Sitzung, da das Haus zweifellos beschlußunfähig ist. Montag, 2 Uhr: Fortsetzung: dann Ergänzungs= und Nachtragsetats. Schluß 4¼ Uhr. Dreußischer Landtag. Abgeordneten aus. 60. Sitzung vom 4. Mai 1907, 11 Uhr. 122 Am Ministertische: Kommissare. Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung des Antrages Dr. Friedberg und Gen., wonach die Geschäftsordunggskommission prüfen soll, wann in zweiter oder dritter Berauug ein Antrag auf Verweisung an eine Kommission gestellt werden kann. Nachdem sich die Abgg. Fischbeck(frs. Vpt.), Dr. Porich (Ztr.), Schiffer(ntl.), Frhr. v. Erffa(k.), Broemet (frs. Vgg.) und Frhr. v. Zedlitz(ft.) für eine Prüfung ausgesprochen haben, nimmt das Haus den Antrag an. Das Haus erledigte sodann in dritter Lesung das Lehrerpensionsgesetz und das Fürsorgegesetz, letzteres mit einer unwesentlichen Aenderung, den Gesetzentwurf auf Abänderung des § 23 des Einkommensteuergesetzes und das Gesetz auf Aenderung des Kommunalabgabengesetzes. Der Entwurf auf Erweiterung des Stadtkreises Krefeld geht an die Gemeindekommission. Es folgt die zweite Beratung des Sekundärbahngesetzes. Die Kommission beantragt unveränderte Annahme. Abg. v. Woyna(fk.) weist darauf hin, daß die Entwicklung des Kleinbahnnetzes der inneren Kolonisation dienen müsse. Turch entsprechende Einrichtungen müßte auch der Bergau gefördert werden. Auch die Frage des weiteren Anschlufses an die Wasserstraßen muß bei der Nebenbahnpolitik berücksichtigt werden.(Beifall.) Unterstaatssekretär Fleck erklärt, daß die Regierung von diesen Gesichtspunkten sich immer bei ihrer Kleinbahnpolitik habe leiten lassen. Abg. v. Arnim=Züsedom(k.) verlangt eine Fortsetzung der Hauptbahn Nauen—Oranienburg als eine Umgehungsbahn um Berlin über Eberswalde. Unterstaatssekretär Fleck erklärt, daß die Frage erwogen werde. Die Umgehungsbahn ist in sichere Aussicht genommen, wann die Vorlage aber kommt, kann ich noch nicht angeben. Abg. Broemel(frs. Vgg.) bemängelt die Linienführung der Bahn Nauen—Oranienburg, die über Kremmen gehen müßte. Abg. v. Quast(k.) widerspricht dem. Abg. Eberhard(k.) wünscht Ausbau der Strecke Kulmikau—Raudten. Abg. Frhr. v. Erffa(k.) weist die Vorwürfe des Abg. Dr. Müller=Meiningen im Reichstage zurück, daß Preußen eine engherzige Eisenbahnpolitik gegenüber den thüringischen Staaten führe. Es sei statistisch nachgewiesen, daß Preußen für die thüringischen Bahnen außerordentlich viel getau habe. Daraufhin wird das Gesetz in zweiter Lesung angenommen. Die Tenkschrift wird durch Kenntnisnahme erledigt. Eine Reihe von Petitionen werden als Material überwiesen. Man schreitet zur dritten Beratung der Sekundärbahnvorlage. Abg. Göscher(fk.) wünscht eine schnellere Güterabfertigung und eine größere Geschwindigkeit der Züge auf den Nebenbahnen. Abg. Dr. Hauptmann(Ztr.) beklagt sich das siter, daß in der Vorlage der Westen zu wenig berücksichtigt wäre, ihrend für den Osten außerordentlich viel geschehen sei. Abg. Graf Praschma(Ztr.) bittet Schlesien besser mit Bahnen zu bedenken. Nötig wäre vor allem eine Verbindung von Neustadt über Jägerndorf nach Oesterreich. Die Eisenbahnverwaltung müßte sich mit den österreichischen Behörden deswegen in Verbindung setzen. Abg. Kölle(b. k. P.) tritt für die Provinz Hannover ein. Besonders für die Stadt Altenau bestände ein großer Notstand. Altenau müßte an das Staatseisenbahnnetz angeschlossen werden mittels einer Verbindung durch das Okertal. Der Gesetzentwurf wird in dritter Lesung angenommen, Nächste Sitzung: Montag, 6. Mai, mittags 12 Uhr: Bergnovelle, Schluß Uhr. Herre ehaus. 7. Sitzung. Sonnabend, 4. Am Ministertisch: v. Jethmann Präsident Fürst zu Kyphansen Mai. Hollweg. eröffnet die Sitzunn Mann verstärkt werden, darunter 250 farbige Wagenleute und Polizisten. Trier, 5. Mai. Der Zentrumsabgeordnete Dasbach ist wegen schwerer Erkrankung an Magenverengung seit den Österferien und noch für längere Zeit an jeder parlamentarischen Tätigkeit verhindert. Wünschen Sie eine ausführliche parlamentarische Berichterstattung, wollen Sie über Neue und Wissenswerte prompt und zuverlässig unterrichtet sein, so abonnieren Sie auf die „Schwerter Zeitung“. h 5 um 12¼ Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Bericht der Agrarkommission über den Entwurf einer Wegebauordnung für die Provinz Posen. Die Kommission empfiehlt Annahme des Gesetzentwurfs mit unwesentlichen Aenderungen. Dr. v. Dziembowski bezeichnet als Berichterstatter die Vorlage als einen besonderen Akt der Fürsorge für diese Provinz. Die wichtigste Aenderung der Kommission betreffe den Paragraph 49. Hier soll nach der Regierungsvorlage der Kreisausschuß über den Bau oder die Unterhaltungskosten der Wege bestimmen. Die Kommission will die Möglichkeit gewähren, auf jeden Fall durch Statut den Interessenten aufzuerlegen. Minister v. Bethmann=Hollweg bittet um Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Es sei bedenklich, den Grundsatz zu durchbrechen, daß die Gutsbesitzer die Kosten für die Wegebauten zu tragen haben. * v. K l i t z i n g b e a n t r a g t, d a ß i m F a l l d e r A b l e h n u n g d e s Kommissionsantrages die Kosten im Sinne des Kommunalabhabengesetzes zu regeln seien.. G.s 5 § 49 wird an die Kommission zuruckverwiesen, der Rest des Besetzes in der Kommissionsfassung angenommen. Der Gesetzentwurf betr. Errichtung eines Amtsgerichts in Lünen gelangt unverändert zur Annahme. Es folgen Petitionen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr: Etatsberatung. Schluß 8 Uhr. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 6. Mai. *(Der gestrige erste Maisonntag) hatte sich doch rechtzeitig auf seine Pflicht gegenüber der luft= und sonnenhungrigen Menschheit besonnen und uns das Maiwetter beschert, das der Dichter preist und lobt als das echt: rechte Maienwetter. Und die Menschheit hat den schönen Tag weidlich ausgenutzt, alles flog aus, und überall in Wald und Feld sah man lustwandelnde Menschen, froh darüber, daß man seit den herrlichen Östertagen einmal wieder einen Sonntag hate, der seinen Namen mit Recht trug. Es wird wohl nicht unbescheiden sein, wenn wir hoffen und wünschen, daß auch der Himmelfahrtstag und die Pfingsttage Maientage sein mögen voll lachenden, goldigen Sonnenscheins. (Die Rückfahrkarte) hat am 1. Mai ihr Leben ausgehaucht, und alle Reisenden werden ihr eine Träne nachweinen. Aber es ist auch kein Wunder, daß sie sich einer so beispiellosen Beliebtheit erfreute. Sie war auf der Reise der einzig sichere Besitz, der nicht veräußert werden konnte und selbst im Falle des Geldmangels die Heimfahrt gewährleistete. Insofern kann man das„Retourbillet“, der Göttin Vorsicht vergleichbar, die„Mutter der Weisheit“ nennen. Nur eine unangenehme Seite muß der Chronist noch nachträglich konstatieren: Sie war nie zu finden, wenn man sie brauchte. Hauptsächlich streikte sie auf der Rückreise. Während der ganzen Ferienzeit stellte man täglich mit Behagen fest, daß sie sich noch in der Rücktasche des Portemonnaies befindet. Aber kaum saß man im Eisenbahnwagen und der Schaffner verlangte sie zu sehen, dann war sie weg. Man entschuldigte sich: „Nur einen Augenblick!“ Man suchte; der Kontrolleur wurde ungeduldig; sie war weg! Lächerlich! Vor zehn Minuten war sie noch da. Gewiß! Vor zehn Minuten. Aber jetzt ist sie weg! Man suchte rasend, wirbelnd, aufgeregt, in allen Rocktaschen, in allen Westentaschen, auf der Bank, unter der Bank, zwischen den Polstern, oben, unten, überall— sie war weg... Man dachte nach, suchte sich zu erinnern, wo man sie zuletzt hingesteckt haben könnte. Man nahm vorsichtshalber noch mal den Hut'runter und untersuchte ihn bis aufs Futter, ob sie sich nicht vielleicht hierher verirrt haben könnte. Aber kein: Ahnung! Keine Antwort! Erst wenn man sich halb tot geärgert, gesucht und geflucht hatte, lag sie plötzlich kalt lächelnd irgendwo auf der Erde, wo man sie eigentlich längst hätte bemerken müssen, oder machte sich zwischen Tasche und Futter der Weste mit einem zarten Druck gegen die Rippen bemerkbar, oder steckte im Handschuh, den man in der Eile ausgezogen hatte, oder auf dem Sitz des neben uns befindlichen Reisenden, der in aller Gemütsruhe und Ahnungslosigkeit auf dem Gegenstande unseres Schreckens saß. Nun ist auch sie dahin geschwunden, und mit ihr das liebliche Freigepäck. Jetzt werden die Reisenden, keuchend unter der Last ihrer Körbe und Koffer— denn man gab sie nur auf, solange es nichts kostete— über den Bahnhof dahinwanken— ein Jammer für Menschen und Götter! **(Die Elektrizitätsfrage.) Nach der Uebernahme der Zentrale Wiendahlsbank durch das Weststfälische Verbands=Elektrizitätswerk soll diese Kraftstation so erweitert und vergrößert werden, daß sie pro Jahr 35 Millionen Kw. erzeugen kann. Der Strom wird nächst für das Versorgungsgebiet des Verbandswerkes im Kreise Hörde, mit Ausnahme der Stadt Schwerte, die mit„Mark“ abgeschlossen hat, und in den Gemeinden Wetter, Grundschöttel und Volmarstein verwendet. Die Versorgungsgebiete der einzelnen Aktionäre sind genau abgegrenzt; gegen„Mark“ ist die Grenze noch nicht genau festgelegt, weil es noch nicht sicher ist, ob dieses Elektrizitätswerk sich dem Verbande anschließt. Sollte es nicht der Fall sein, so steht es den übrigen Aktionären des Verbandswerkes frei, die Gemeinden, Werke usw., im Gebiet von„Mark“ mit Elektrizität zu versorgen. Dem Elektrizitätswerk „Mark“ dürfte evtl das Gebiet südlich von der Ruhr mit Einschluß von Herdecke und Schwerte und Ausnahme von Witten zufallen. Die industriellen Aktionäre dürfen den Strom nur für ihre Werke bezw. Abnehmer verwenden, sodaß ihnen die Zentrale Wiendahlsbank als Reserve dient. Die Eisenbahnverwaltung wird wahrscheinlich ihren Strom von den Aktionären des Verbandswerkes beziehen, und diesen auch das Legen von Kabeln durch die Bahndämme gestatten. **(Personalie.) Der Gerichtsvollzieher Krägeloh ist an das Amtsgericht in Rees versetzt, An seine Stelle tritt aushülfsweise der Gerichtsaktuar Mohnke sind. Noch gestern sah man Radler in größerer Anaus Oeynhausen. **(Die hiesige Ortskrankenkasse) hielt am Samstag abend eine Generalversammlung ab, zu welcher 2 Vertreter der Arbeitgeber und 10 der Arbeitnehmer erschienen waren. Der Rendant der Kasse, Herr Hoppmann, legte die Rechnung für 1906 vor; sie verzeichnet in Einnahme 26 232,65 Mk., in Ausgabe 24 953,57 Mk., sodaß 1279,08 Mk. Bestand bleiben. Der in der hiesigen Sparkasse; zinsbar angelegte Reservefonds betrug Ende 1906 im ganzen 18 259,27 Mk. Dem Rendanten wurde einstimmig Entlastung erteilt, zu erinnern war nichts.— Sodann wurde Herr Doktor Max Goecke zum 6. Kassenarzt gewählt und zwar vom 1. September ds. Is. ab. Die vorgelegten Vertragsentwürfe mit den beiden hiesigen Krankenhäusern fanden die Zustimmung der Versammlung. Der Pflegesatz im hiesigen kathol. Krankenhause ist geändert worden und beträgt 1,75 Mk.— Weiter wurde die Bewertung der Naturalbezüg: der Mitglieder(Lehrlinge uw.) festgesetzt. (Aus den Vereinen.) Der unter Leitung des Herrn Klempt stehende gemischte Chor nahm gestern nachmittag einen kleinen schön verlaufenen Ausflug nach Berghofen.— Der Theaterverein „Humor“ veranstaltete gestern im Saale des Herrn Kordeck einen Theaterwettstreit, an welchem sich zahlreiche auswärtige Vereine beteiligten. Die Festrede hielt der Theater=Schriftsteller Herr Ewald=Dortmund, der auch vom„Humor“ zu seinem Ehrenmitgliede ernannt wurde. Die Verteilung der Preise findet gen, Dienstag, statt.— Die erste große Vorübung zum Schützenfest hielt gestern der Schützenbund ab. Das Bataillon übte unter Leitung des neuen Majors, Herrn Hörmann, auf der Weidefläche hinter der höhern Mädchenschule. r(Stenographisches.) In Hohenlimburg fand gestern im Hotel Bäcker die Kreisversammlung der Stenographenvereine System Stolze=Schrey statt, während welcher auch die Preise über das auf der letzten Kreisversammlung stattgefundene Wettschreiben bekannt gegeben wurden. Von der Schwerter Stenographischen Gesellschaft Stolze=Schrey erhielt Herx Karl Bierwisch einen 2. Preis. Als Tagungsort der nächsten Kreisversammlung wurde Altvoerde ge Der Iserlohner Verein erbot sich noch, einen Vertreter nach dem diesjährigen Stenographentag in Mannheim zu entsenden. zahl, die Beine aufgesetzt, in einem Tempo die Straße beherrschend, welches an Rennbahnen erinnert. Wir möchten unsere Polizei freundlichst gebeten haben, sich dieser meist jugendlichen Elemente anzunehmen. Der Dank von vielen hundert Spaziergängern wird ihr sicher sein. *r(Krankheitsstatistik.) In der Woche vom 21.27. April wurden im Kreise Hörde gemeldet: Todesfälle durch Krämpfe usw. 4(je 1 Aplerbeckermark, Aplerbeck, Schüren, Barop); durch Lungenentzündung 3(je 1 Barop, Annen, Eichlinghofen), durch Tuberkulose 2(je 1 Annen und Sölde); Erkrankungen wurden gemeldet: Typhus 2 Höchsten, Scharlach 5(je 1 Berghofen, Annen, 3 Schwerte), Diphteritis 4(je 1 Schwerte, Hacheney, Lücklemberg, Annen), Granulose 1 Holzwickede. Westhofen, 6. Mai.(Verschiedenes.) Das am gestrigen Tage vom hiesigen Turnverein„Eintracht" veranstaltete Turnerfest verlief in der schönsten Weise. An demselben vereinigten sich 14 auswärtige Vereine.— Arges Pech hatte gestern nachmittag der 12jährige Sohn des Brückenwirtes Herrn Schneider. Demselben wurde durch einen anderen Knaben mit einem sogen. Steinschleuderer derart in das linke Ange geworfen, daß dasselbe sofort auslief. Der Verunglückte wurde in die Augenklinik nach Hagen überführt. (—) Ergste, 5. Mai.(Der Gesangverein „Eintracht“) nimmt am zweiten Pfingsttage an dem Gesangwettstreit in Evingsen teil. Der Verein, der sich unter der bewährten Leitung des Herrn Lehrer Schulte befindet, wird mit ca. 35 Sängern in der ersten Klasse singen. Hoffentlich wird es dem Verein, wie auch das letzte Mal gelingen, siegreich zurückzukehren. (—) Hennen, 5. Mai.(Kirmes.) Am 2. Pfingsttage findet hierselbst die diesjährige Sommerkirmes statt. zum Fackelzug und Festfeier 25jährigen Dienstjubiläum des Herrn Direktor L. Emmerich. (Neuer Ausflugsort.) Wir lesen in der „Dortm. Ztg.“: Bekanntlich hat die Stadt Dortmund an der Kreuzung der Chausseen Hörde=Schwerte bezw. Aplerbeck=Herdecke den in der Gemeinde Berghofen liegenden Wald des Freiherrn von Rheinbaben im vorigen Jahr: erworben. Der Dortm. Verschönerungsverein beabsichtigt nun diesen Wald, der sich durch seine schöne Lage und mannigfache Geländegestaltung auszeichnet, dem Publikum zugängig zu machen. Er hat sich dem Magistrat der Stadt Dortmund gegenüber bereit erklärt, die Kosten für die Anbringung von Ruhebänken, Anbringung von Wegweisern, Herstellung kleiner Talsperren, vielleicht auch die Erbauung einer kleinen Schutzhütte zu übernehmen. Es sol auch ein durch den anschließenden Schwerter Wald führender Weg zum Freischütz angelegt werden, wozu hoffentlich der Magistrat der Stadt Schiggete, die Genehmigung nicht versagen wird,cga# sehr zur Belebung des Etablissements„Fmnschug beitragen wird. Da der Wald von Dortmund aus mit der Straßenbahn sehr schnell zu erreichen ist, tourliebende Publikum diese Aufschließung des Waldes freudig begrüßen. **(Das gestrige Freischütz=Konzert,) ausgeführt vom Trompeterkorps des 2. Westf. Feldartillerie=Reg. Nr. 22 unter persönlicher Leitung des Königl. Stabstrompeters Herrn Otto Krüger fand als erstes diesjähriger Saison infolge des linden Maienwetters im Freien statt. Der Besuch war ein sehr guter; Wald und Veranda des großen Saales waren völlig besetzt. Aus dem reichhaltigen, 16 Nummern umfassenden Programm, welches durchaus tadellos absolviert wurde, seien hervorgehoben und fanden den meisten Beifall die„Fantasie aus Webers Opern“, der„Zigeunerchor aus Troubadour“, das Cornet a Piston=Solo: „Ich kam vom Walde hernieder“, und die Paraphrase über Kromers bekanntes Lied„Teure Heimat, sei gegrüßt". Das Vormittagskonzert war weniger gut besucht; die Einrichtung von Vormittagskonzerten ist eben für Schwerte noch zu neu. Die„Tanzhusaren“ am Himmelfahrtstage dürften sich, falls der Wonnemonat weiter seinem Namen Ehre macht, als besonderes Zugstück erweisen. (:)(Unfall.) Ein betrübender Radlerunfall ereignete sich gestern abend gegen 8 Uhr unter der neuen Unterführung der Holzwickeder Strecke an der Hörderstraße. Der auf dem Nickelwalzwerk beschäftigte, in den 20er Jahren stehende Schreiner Wilhelm Horst, einziger Sohn und Ernährer seiner Mutter, einer Witwe, welcher in der Richtung Freischütz=Schwerte fuhr, geriet mit seinem Rad in die Rinne des Straßenbahngleises. Das dadurch eingeklemmte Rad blieb stecken und der Radler flog im Bogen vornüber, mit dem Kopf auf das harte Pflaster aufschlagend. Aus einer furchtbaren Wunde blutend, brachten Passanten den Verunglückten in das benachbarte Haus des Herrn Walzmeisters Kramer, woselbst ihm der schnell herbeiSchwerte, 6. Mai 1907. Stimmt ein, Ihr Nickelleute In den festlichen Gesang.... Das war die Parole am Samstag abend für die Arbeiter und Beamten der Nickelwerke, die in Scharen zur Abendstunde festlich gekleidet ihrer Arbeitsstätte zuströmten, um sich an einer Ovation zu beteiligen, die ihrem Herrn Direktor Emmerich anläßlich seines 25jährigen Dienstjubiläums galt. Ein imposanter Fackelzug, wie ihn die Stadt Schwerte wohl selten gesehen hat, setzte sich kurz nach 9 Uhr in Bewegung. An der Spitze marschierte eine Abteilung der erst vor kurzen neu gegründeten Feuerwehr der Vereinigten Deutschen Nickelwerke in ihrer kleidsamen Uniform und unter den Klängen der Kapelle des 159. Infanterie=Regiments bewegte sich der aus 1200 Personen bestehende Zug, der mit seinen bunten Lampignons und den Transparenten, die jeder Betriebsabteilung vorangetragen wurden, einen großartigen Eindruck gewährte, über die Fleitmannstraße und den Holzener Weg nach der Wohnung des Jubilars. Nachdem man dort Aufstellung genommen hatte, hielt Herr Direktor Terbrüggen eine Ansprache, die mit einem dreifachen Hoch auf den Jubilar, Herrn Direktor Emmerich, schloß. Mit bewegten Worten dankte dieser für die Ehrung, die man ihm erwiesen und forderte zu einem Hoch auf die Nickelwerke auf. Ueber die Bahnhof=, Hüsing=, Osten= und Schützenstraße bewegte sich der Fackelzug sodann, dessen Schluß wieder eine Abteilung der Feuerwehr bildete, nach dem Schützenhofe, dessen Räume die große Menge der Festteilnehmer kaum zu fassen vermochte. Bald erschien daselbst auch in Begleitung des Herrn Generaldirektors Kommerzienrat Fleitmann und von Familienangehörigen der Jubilar, der mit einem Tusch der Kapelle bei seinem Eintritt in den Saal begrüßt wurde. Kaum hatte er das Podium des festlich geschmückten Saales betreten, da schmetterte ihm ein 60 Sänger starker Chor, der sich aus Arbeitern und Beamten zu dieser Jubelfeier zusammengesetzt hatte, das alte und doch einzig schöne Lied„Gott grüße dich“ entgegen, und eine großartige Feier, wie sie zur Ehrung eines verdienten Mannes nicht besser geplant sein konnte, und die besonders Zeugnis ablegte für das schön: Verhältnis, das auf dem Nickelwerk zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehwern herrscht, nahm ihren Anfang. Als ein weiteres Zeichen dieses guten Einvernehmens ist der Umstand anzusehen, daß eine stattliche Zahl von Arbeiterjubilaren des Werkes Ehrenplätze einnehmen konnten. Nach einem Konzertstücke der Kapelle nahm der Hauptfestredner des Abends, Herr' Kommerzienrat Richard Fleitmann=Düsseldorf das Wort. Er betonte, daß er die Verdienste des Jubilars um die Nikkelwerke unmöglich hier schildern könne, dafür seien seine Kräfte zu schwach, denn davon könne man ein ganzes großes Buch vollschreiben. Der verzhrte Ju, bilar sei stets arbeitsfreudig im Interesse des## befunden worden und früh und spät unermüdlich tätig gewesen; jahrelang habe er im Interesse der Firma gewirkt. Den Arbeitern sei er stets ein wohlwollender Vorgesetzter gewesen, keinem habe er sein Ohr verschlossen. Mit einem Jub ger, Zomemerzagner Hoch Walzmeisters Kramer, woselbst ihm der schnell herbei= schloz... hzilar schloß der pert kommerzienrat seine gerufene Arzt Dr. med. Goecke die erste ärztliche Hülfe, auf den angebeihen ließ, Wahrscheinisch wiszegtv Her“=Verun, An Bann sag der Sängerchor der unter Leitung des die olg; des Sturde“., das kathol. Herrn Klempt das Fest verschönte, das Lied:„Dies ist glückte wurde auf ärztliche Anordnung in....... Herrn Klempt das Fe Krankenhaus überführt.— Aus Anlaß dieses Faure der Dag Wört nahm sohann Herr Verfmeister 5 ü. möchten wir wiederholt darauf hinweisen, daß die vbe= 16 geu, der einen Rüickblick warf auf die Entwickelüng len Radfahrer, die kast durchweg in wahnsiunig=schwel= deg Rickeswalzwerks von der Zeit des Entstehens bis lem Tewpo an Sonnty, ghrecken für alle Spaziergän= zur jetzigen Größe, dis es dank der trenen Mitarbeit Strecke geworden des Jubilars erreicht habe. Und wenn dieser dann und abgespannt in sein Heim kam, so habe er dort ein Wesen vorgefunden, das ihm mit weichen, leisen Frauenhänden die Sorgen von der Stirne strich. Sein Hoch galt der Frau Direktor Emmerich. Der dritte Redner, Herr Direktor Terbrüggen, begrüßte die Festteilnehmer und lenkte dann die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß es den Zu: bilar vergönnt sei, diesen seinen Ehrentag in Gegenwart seiner greisen Mutter. an das Dichterwort:„Wenn du noch eine Mutter hast, so danke Gott und sei zufrieden“ und schloß mit einem Hoch auf die Mutter des Jubiturs, Vort, Fieihewegt Nun nahm dieser selbst das Woln Tiesrenegt dankte Herr Direktor Emmerich für all die Glückwünsche und Ovationen, die ihm von den und Beamten, seinen Mitarbeitern, zuteil seien. Er gab seiner Frende Ausdruck darüber, daß es hm vergönnt gewesen sei, so lange Jahre mit ihnen allen treu zusammen zu arbeiten. Er wies auf das schöne Verhältnis hin, daß allezeit auf dem Nickelwerke geherrscht habe und hoffte auf weitere Jahre segzen reichen Zusammen=Arbeitens. Sein Hoch galt dem Blühen und Wachsen der Vereinigten Deutschen NikDachdem der Sängerchor will es nimmer sagen, wie ich so lieb dich hab“, sprach als letzter Redner namens der auswärtigen Vertreter des Werkes Herr Feilchenfeld=Köln. Dann wechselten gemeinsam gesungene Lieder und schneidige Musikstücke der fleißigen Kapelle miteinander ab. Allen Teilnehmern wird das schoue Fest un vergeßlich sein; dem Nickelwerk= und den leitenden Herren desselben gereicht es zur Ehre, daß das Fest, das bis zur letzten Minute auf das schönste verlief, in unserer Zeit des künstlich geschürten Klassenhasses in so trauter Gemeinschaft von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gefeiert werden konnte, daß die Arbeite nicht nur vollzählig dabei waren, sondern daß sie mit Freuden und aus ganzem Herzen diesen Ehrenta ihres Vorgesetzten mitfeierten. Mit Musik begleiteten Hunderte Herrn Direktor Emmerich gegen 2 Uhr nachts wieder in sein Heim. Auch Tagung des alten Bergarbeitergegen 2 Uhr nachts wieder wird dieser Ehrentag fürs ganze fernere Leben eine stete freudige Erinnerung sein. Wir schließen unsern Bericht, indem wir uns die Worte des Jubilars zu eigen machen: Die Deutschen Nickelwerke mögen immerdar wachsen und blüben! Westfalen und Rheinland * Gelsenkirchen, 4. Mai.(Eisenbahnunglück.) Auf der Bahnstrecke Gelsenkirchen=Berge Borbeck ereignete sich heute nachmittag ein Unglück. Der Hamburger Schnellzug, der Gelser chen um 4 Uhr verläßt, überfuhr an einer Wegeschran ke das Fuhrwerk des Althändlers Heiß. Das Fuhr * Siegen, 5. Mai. Auf der Kleinbahnstrecke Weidenan=Deutz wurde heute morggzginzchzise rätg tho tation Dreisbach der 22jährige.„Ottt eiß aus Herzhausen vom Zuge erfaßt und gelotet. * Düsseldorf, 4. Mai.(Der unredliche Bruder.) Einem in Höhscheid wohnhaften Monteur wunde bekant, daß seine in einem biesigerggggug. hause beschäftigte Schwester im Besitze von.emeng## teln war. Das reizte seine Habgier und er(nnenben in deren Wohnung auf der Bahnstraße ein Sparkassenbuch. Vor einigen Tagen wurden, wie schon kurz gemeldet, durch einen dritten„Unbekannten“ darauf 850 Mk. von der Solinger Sparkasse abgehoben. Als die Bestohlene sich nachträglich das Sparkassenbuch welches wieder an seinen früheren Platz praktiziert worden war, einmal näher besah, mußte sie die unangenehme Entdeckung machen, daß man sie um ihre Ersparnisse gebracht hatte. An der bei der Sparkasse zu Solingen vorgelegten Quittung erkannte das Mädchen die Handschrift ihres Bruders, der darauf gestern gefänglich eingezogen wurde. 300 Mk., die der Unredliche bei einem hier wohnenden zweiten Bruder der ein Friseurgeschäft betreibt, deponiert hatte, konnen wieder zur Stelle geschafft werden. Wo der größere Rest geblieben ist, ob der„große Unbekannte“ ihn eingestrichen oder ob die beiden Täter ihn gemeinsam verjubelt haben, darüber konnte die Betrogene noch nichts weiter in Erfahrung bringen. * Solingen, 4. Mai.(Der hier herrschende Mangel an kleinen Wohnungen) unnd die Ungunst der Witterung bewirken, daß die vielen Mißstände, die die alte bergische Gepflogenheit, ausschließlich den 1. Mai als Umzugstermin im Mietvertrag festzulegen, alljährlich zeitigt, heute in noch erhöhtem Maß= und in ganz bedenklicher Weise zu Tage treten. Eine Reihe von Familien, die nur Wohnungen von 2—3 Zimmern gebrauchen können, vermochten bis heute solche nicht zu finden und mußten sich infolgedessen bei der Polizei obdachlos melden. Die Polizei brachte die Leute in den städtischen Familien= und Waisenhäusern oder— für die nächsten Tage wenigstens— in größeren Privatwohnungen unter, deren noch viele leer stehen. Hätten sich nicht noch im letzten Augenblick die Besitzer größerer Etagenwohnungen entschlossen, diese geteilt an mehrere Familien zu vermieten, so würde die Zahl der Wohnungslosen noch viel größer sein. Es erscheint notwendig, daß die private Bautätigkeit sich mehr dem Bau kleinerer Wohnungen zuwendet; wenn nicht, so ist es Pflicht der Stadt, selbst Arbeiterwohnhäuser zu errichten. Trier, 4. Mai. Der Großindustrielle Thyssen aus Mülheim(Ruhr) hat zwischen Hagendingen und Maizieres für 2.600000 Mark Gelände angekauft, wie es heißt, um sich das Mutungsrecht zu sichern. Dortmund, 5. Mai. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands(alter Verband) hält seine 17. Generalversammlung in diesen Tagen in Dortmund ab. Die Verhandlungen wurden heute Mittag mit einer Begrüßungsversammlung im Tierpark eingeleitet. Das Kongreßlokal, in der Nähe des Hafens gelegen, ist mit zahlreichen Spruchinschriften geschmückt, die einen Schluß auf die Tendenz der durch den alten Verband vertretenen Gewerkschaftsrichtung zulassen. An der Kopfseite des Saales liest man:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“,„Hoch der Völkerfriede! Hoch der AchtstundenDelegierte und Gäste sind zur Eröffnungssitzung so zahlreich erschienen, daß der Raum kaum zur Aufnahme aller reicht. Als Vertreter der Generalkom ibon der speten Ven giheseng, Die Veraarbeiter Sabbah=Berlin annisenr. Die cerpn Oesterreichs haben den Redakteur Hackel=Teplitz von der österreichischen Bergarbeiter=Union entsandt. Die politische Ueberwachung der Verhandlung liegt in den Händen des königlichen Bezirkskommissars GöhrkeDortmund. M 4 Um 4 Uhr eroffnete der Vorsitzende des Verbandes, Abgrordneter Sachse=Bochum, die Versammung mit einem Begrüßungswort an die Delegierten und Gäste. Abgeordneter Sachse wandte sich dann gegenneine Zeitungsmeldung, in welcher gesagt sei, die Generalversammlung würde darüber zu entscheid haben, ob im Ruhrrevier ständiger Streik sein solle oder nicht.(Erregte Rufe: Hört, Hört!). Sachse fortfahrend: Ueber solche Zeitungsenten brauchen wir uns nicht aufzuregen; wir sind daran gewöhnt. Aber wenn man von ständigem Streik im spricht, so trifft das keineswegs zu.(Sehr richtig!) Au der Zeche Maximilian waren Differenzen entstanden und die ganze Belegschaft hatte die Arbeit eingestellt. Bei dieser Gelegenheit haben wir bewiesen und ist durch die ganze Behandlung der Sache bewiesen worden, daß, wenn vor zwei Jahren bei der großen Bewegung die Arbeitgeber, denselben vernünftigen Standpunkt eingenommen hätten, der jetzt ausnahmsweise von der Zeche Maximilian eingenommen worden ist, die Sache wesentlich anders sich entwickelt hätte. Im Fall der Zeche Maximilian ist das von den Arbeitern angerufene Einigungsamt von den Arbeitgebern besetzt worden. Es ist eine Einigung erzielt; die Zeche hat 50 Pfennig zum Lohn zugesetzt; die Belegschaft hat den Spruch des Einigungsamtes sofort anerkannt und ist noch am selben Abend einmütig eingefahren. Hätte man vor zwei Jahren seitens des Bergbauvereins oder schon vonseiten der Zeche Bruchstraße so vernünftig gehandelt, hätte man das Verlangewiesen, so wäre der große Streik, der Allen Schade gebracht hat, vielleicht vermieden worden.(Zustimmung.) Hoffentlich wird das Beispiel von Maximilian keine Ausnahme bleiben. Heute sind wir zu unserer 17. Generalversammlung hierher berufen, die wichtige Fragen zu erledigen haben wird. Unter anderm wird uns die Berggesetzgebung beschäftigen, wir werden uns über die Frag: der Grubeninspektion und der Arbeiterkontrolleure zu unterhalten haben. Daneben stehen bedeutsame Angelegenheiten des Verbandes auf der Tagesordnung. Wir wollen ernsthafte Arbeit leisten, durch die, wie wir hoffen, die Arbeiterbewegung wieder um einen Schritt vorwärts gebracht, uu wird. Das Streikreglement ist auf die Tagesoronung gesetzt worden, weil die in den beiden letzten Jahren gewonnenen Erfahrungen eine Umgestaltung des bestehenden Vereins erscheinen ließen. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Generalversammlung das Bild der Einmütigkeit bieten und dem weiteren Ausbau der Organisation zum Vorteil gereichen möge.(Bravo). Nach einem Begrußungsliede, gesungen von einem Arbeiter=Gesangverein, entbot Bezirksleiter Bartels=Dortmund den Verbandsgenossen von nah und fern das Willkommen der Bezirksorganisation. Ursprünglich sei beabsichtigt gewesen, die Tagung in der Verbandsresidenz Bochum abzuhalten. Machthaber und Unternehmersöldlinge dieser S## der Schienenflicker und der Steuerdefraudanten“ haben es nicht gewollt. Dann wurde die Sitzung auf Montag Vormitag vertagt. Lihle Trährmetraugrn. Ausflug der Budgetkommission. Berlin, 5. Mai. Ein Besuch der Budgetkommission des Reichstages auf dem Schießplatz bei Jüterbog findet am nächsten Freitag statt. Es handelt sich um das Feldartilleriematerial, die Erläuterung des Rohrrücklaufgeschützes und ihre Vorführung im Feuer. Die Kommission begibt sich unter Führung von Offizieren des Kriegsministeriums mit der Militärbahn nach dem Schießplatz. Es scheint, daß über die Mitglieder der Budgetkommission hinaus eine ziemlich starke Beteiligung von Abgeordneten an dem Ausflug zu erwarten ist. Hungersnot und Anarchie in China. Köln, 5. Mai. Zur Lage in Mittel= und Nordchina wird der„Köln. Volksztg.“ von einem langjährigen und genauen Kenner der Verhältnisse unterm 19. März mitgeteilt, daß in Mittelchina die Hungersnot fortgesetzt ihr Schreckensregiment führt. In Tsautaufu sind etwa 20 000 Soldaten seit Monaten in dem der Präfektur unterstellten Kreise stationiert. 700 Personen wurden enthauptet. Der Gewährsmann der„Köln. Volksztg.“ sagt, die Bäume in der Nähe der Richtstätte hingen voll von Köpfen wie die Apfelbäume im Spätsommer. Gegenwärtig haben die Räuber den Schauplatz ihrer Tätigkeit verlegt. Die Zuschrift an die„Köln. Volksztg.“ hebt hervor, daß auch viele Anzeichen von einer antidynastischen Bewegung vorlägen. Die Regierung und die Beamten sind nervös geworden. In der Zentralregierung fehlt es an einem festen und klaren Kurs. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Es gibt immer noch Mütter, welche ihren Säuglingen zu viel Kuhmilch geben und dadurch deren Ernährung stören. Nur durch richtige Verdünnung macht min die Kuhmilch zu einer zweckmäßigen Säuglingsnahrung, und eist der Zusetz „Kufeke“. Kindermehl macht sie so leicht verdaulich, wie de Potzrmr tch. Für das Rechnungsjahr 1907 ist der Preis für das am städtischen Kühlhause zum Verkauf kommende Eis auf 1 Mk. pro Zentner festgesetzt. Für Metzger, welche im Stadtbezirk Schwerte wohnen, bleibt der frühere Preis bestehen. Schwerte, den 30. April 1907. Der Magistrat: Rohrmann. Kleine Chronik. Berlin, 4. Mai. In der Ruthardstraße 33 zu Hohendorf bei Birkenwerder wurde heute früh das Ehepaar Hammer tot aufgefunden. Das Schlafzimmer der beiden im 57. Lebensjahre stehenden Leute war mit Leuchtgas dicht gefüllt, sodaß als wahrscheinlich angenommen werden kann, daß ein beabsichtigter Selbstmord des Ehepaares vorliegt. Frankenhausen(Kyffhäuser), 4. Mai. Die fünf gestern in der Kaligrube Heldrungen durch eine Pulvererplosion verunglückten Bergleute sind nicht, wie gemeldet, alle tot, sondern vier konnten ins Leben zurückgernsen werden. Dresden, 4. Mai. Die dritte Strafkammer in Dresden verurteilte den Studenten der Hochschule Wilhelm Lücke wegen Pistolenduells mit dem Leutnant von Boxdorff zu drei Monaten Festung. Der Kaufmann Kühne aus Leipzig wurde als Kartellträger zu drei Tagen Festung verurteilt. Breslau, 4. Mai. Die hier verstorben: Rentnerin Fräulein Anna Moritz vermachte der Stadt Breslau 420000 Mark, um unbescholtenen, alleinstehenden, unverheirateten, christlichen, vorzugsweise evangelischen, schlesischen, zumal Breslauer Damen des gebildeten Mittelstandes, die über 50 Jahre alt sind, ein angenehmes Heim zu errichten. Zur Kirmes— empfehle ff. Honigkuchen, BerlinerBrot, Kaffee-, Wein- und Tee-Gebäck in grosser Auswahl! sowie verschiedene Obst- und Sahnetorten im Anschnitt. Mein Café halte zur gefl. Benutzung bestens empfohlen. K. Brauckhenl. lialte meine. 98 Sohattererd Sufo! = zum Kirmestage e b e s t e n s e m p f o h l e n. & W. Heermann, Conditor, 2 & Hüsingstr. 9. Hüsingstr. 9. S * Nicht mehr Moltkestrasse u. Westwall-Ecke. erunsnunnnananannn * Die Crefelder Husaren kommen 9 Freischütz. Himmelfahrt, den 9. Mai, morgens 7 Uhr und n K" Militär-Früh-Konzerte 8 Nachmittags von 4 Uhr ab: = Militär-Konzert Die Musik wird vom Trompeterkorps des 2. Westf Husaren-Regts. aus Crefeld ausgeführt. Alle Konzerte unter persönl. Leitung des Kgl. Stabstrompeters Herrn Süper. Aus dem Nachmittag-Programm: Erinnerung an Prag, Fantasie-Solo für Cornet à piston v. Hoch, vorgetr. v. Kgl. Stabstromp. Herrn Süper. 10 S) Frühkonzerte 30 Pfg., nachmittags 50 Pfg. 10 Abonnementskarten 3 Mark. 65 4 Solange der Vorrat reicht: Gute im Tragen bewährte halbwollene und reinwollene zu 85 und 95 Pfg. das Meter. flübeer Preis bedeutend böher. Wilh. Sasse, Schwer Trhrnaochen Statt besonderer Anzeige. Die Verlobung ihrer ältesten Tochter Grete mit dem Landwirt und Leutnant der Reserve des 1. Loth. Feld.-Art.-Regts. No. 33 Herrn Fritz Hidding zeigen hierdurch ergebenst an Fritz Theile und Frau, Anna geb. v. d. Heyde. Meine Verlobung mit Fräulein Grete Theile, ältesten Tochter des Fabrikbesitzers Herrn Fritz Theile und seiner Gemahlin Frau Anna geb. v. d. Heyde, bechre ich mich ergebenst anzuzeigen Fritz Hidding. sebrücke b Schwerte, im Mai 1907. Ergste i. W., im Mai 1907. 1953 Bürgre Tchützen2ker = Wandhofen.= Verding. Am Freitag, den 10. Mai, nachmittags 4½ Uhr findet die Vergebung der Restauration des der Schau=, Karnssels und Schießbuden statt Zusammenkunft bei Wirt Falkenberg, Wandhofen. Kaution erforderlich. Das Schützenfest findet am 29. und 30. Juni d. Is. statt und liegt der Festplatz an dem Hauptwege Haltestelle der elektrischen Straßenbahn. Bekanntmachung. Die Firma Glässing& Schollwer zu Schüren beabsichtigt auf ihrem Grundstücke in Schüren Flur 2 Parzelle Nr. 413 der Steuergemeinde Schüren eine Kranaulage mit seitlich anschließenden Hallen zu errichten. Auf Grund der§§ 17 und 18 der ReichsgewerbeOrdnung in der Fassung vom 30. Juni 1900 und der Nr. 19 und 20 der ministeriellen Ausführungs=Anweisung vom 1. Mai 1904 wird dieses Vorhaben mit der Aufforderung bekannt gemacht, Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen bei dem Amte zu Aplerbeck schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen... bungen und Zeichnungen liegen auf dem genannten Amte de Seption Eiuspruchsfrist nimmt ihren Ansang mit dem Ablauf des Tages, an welchem das diese enthaltende Kreisblatt ausgegeben worden und ist für alle Einwendungen präklusivisch. Nach Ablauf der Frist könner Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr altgebracht Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird gemäß Ziffer 19e der vorbezeichneten Anweisung Termin auf Mittwoch, den 22. Mai d. Is. vorm. 10 Uhr auf dem Amtbureau zu Aplerbeck anberaumt und wird besonders darauf hingewiesen, daß im Falle des des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen wird vorgegangen werden. Als Komissar des Kreis=Auschusses ist der Herr Amtmann Leonhard tätig. Hörde, den 1. Mai 1907. des Kreises Hörde. I. V. gez. Freiherr von Steinaecker. Raoienngsuseher. = Am Kirmestage findet bei mir — Ball statt. Fr. Kopp,(früher Hufnagel) Entree 30 Pfg. Anastängige nationalt Perliner Tageozeitung für soziale Rezugspreis bei allen Pesianstalten vierteljährlich 8,85., monatlich 95 Pf., er Zusellung ine Haus vierteisädrlich 42 Pf., monatlich 14 Pf. medr. Das Reich sei täglich 12 Seiten stark und bringt sonntags eine reich illustrierte, Unterhaltungs=Beilage. Probenummern versendet unberechnet die Geschältssielle: Perlin SW 11, Königgräter Straße 40.— Uebernehme für die freien Stund n Guaführung Korrespondenz oder sonstige schiiftliche Ar####e#te. Gefl. Offerten uuser G W. 1956 an die Gschäfts3 stelle der Schwerter Zeitung ross=Schmetterlinge u. Kaupen Mitteleuropas mit besonderer Berücksichtigung der biologischen Verhältnisse. Ein Bestimmungswerk und Handbuch für Sammler, Schulen, Museen und alle Naturfreunde. 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Alle Kreis- und Lekalpolizeilichen Vererdnungen für den Roets hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Köntgl. Reoterase durch Veröffentlichung in der„Schwerter Teitung“ verbindliche Kraft. o eOOOO OSSOST:. Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernapfete-Fusdtuns Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Nüresse Braus. Schwerte-Nuhr. Nr. 105 Sssss Montag, den 6. Mai 1907. 39. AED. T Die innere Reichspolitik. wirtschaft sein zu wollen, die Warnung vor einer in deutschen Landen recht weit verbreiteten SchenklappenDie Reichstagsverhandlungen schreiten bei gewal= seligkeit verband,„e#g#g, hindert, daß das lopptempo vorwärts. Das untrügliche Zeichen, daß die Ferien vor der Tür stehen. Noch ein halbes Dutzend Sitzungen und die Vertagung erfolgt tatsächlich. Weil aber nur vertagt, nicht aber die Session geschlosLohn sen wird, so gelangten kurz vor der Beendigung des ersten Tagungsabschnits noch verschiedene Vorlagen an den Reichstag, von denen nur ganz wenige noch endgültig verabschiedet, einige vielleicht noch in erster Lesung erledigt, die meisten vor Pfingsten überhaupt nicht mehr berührt werden können. Unter diesen Vorlagen befindet sich, abgesehen von dem der Initiative unseres Kaisers entsprungenen Gesetzentwurf über Beschränkung der Majestätsbeleidigungsprozesse, keine von denen, die der Reichskanzler Fürst Bülow ange* k ü n d i g t h a t t e a l s e i n e E r f ü l l u n g b e r e c h t i g t e r l i b e r a l e r * Wünsche. Aus diesem Mangel haben Zentrum, namentlich aber die Sozialdemokratie, den Schkuß gezogen, daß es dem Reichskanzler mit seinem Einigungsversuch von Konservativen und Liberalen überhaupt nicht Ernst sei, und daß die liberalen Kreise des deutschen Bürgertums um den sicheren für ihre brave Pflichterfüllung im Wahlkampfe verheißenen kommen würden.— Abwarten. Rund drei Monate ist der Reichstag vei seiner Vertagung zu Pfingsten versammelt gewesen, und es ist tatsächlich kein: einzige der vom Reichskanzler gemachten Versprechungen ihrer Erfüllung entgegengeführt worden. Schon in seinem Sylvesterbriefe an den Generalleutnant von Liebert, den jetzigen freikonservativen Reichstagsabgeordneten, hatte low darauf hingewiesen, daß die Gegensätze zwischen Liberalen und Konservativen nicht so groß seien, daß sie sich nicht überbrücken ließen und ein geschlossenes Vorgehen im Wahlkampfe ermöglichten. Und als dieser Erwartung des Reichskanzlers an den Wahltagen des 25. Januar und 5. Februar entsprochen worden, als die aus Zentrum und Sozialdemokraten zusammengesetzte bisherige Reichstagsmehrheit zu Fall gebracht war, da hielt Fürst Bülow mit seiner Anerkennung nicht zurück. Es war um die Mitte Marz u dem Festmahl des in Berlin vereinigten deutschen Landwirtschaftsrats, wo Fürst Bölom mit der Versicherung, stets ein treuer Schützer der deutschen Landz=nigung ein höheres Interesse des Ganzen sich stärker entwickele. Der Kanzler wiederholte dann, was er schon im Reichstage angekündigt hatte, daß er den Wünschen der bürgerlichen Linken nachkommen und eine Reform des Vereins= und Versammlungsrechts, eine Reform des Strafprozeßrechts und eine Reform des Börsengesetzes bewirken und dem Reichstage entsprechende Vorlagen zugehen lassen werde. Von den genannten Reformentwürfen hatte die Thronrede zur Eröffnung. d neuen Reichstages keinen erwähnt. Schon daraus war zu entnehmen, daß diese Reformgesetzgebung nicht in dem kurzen, mit gesetzgeberischen Aufgaben ohnehin schon überlasteten ersten Sessionsabschnitt des neuen Reichstages in Angriff genommen werden sollt. den schwerwiegenden 65 „Ich straf'! Roman von Wilhelm Fischer. 13. Frau Raben machte eine Pause und nahm einen Schluck Thee aus der Tasse, die ihr Marianne reichte; dann fuhr sie in ihrer Erzählung fort: „Es war zu Riga, wo der Verstorbene eine hohe Staatsstellung bekleidete. Auf den Rat eines Freundes meiner Familie, beschloß ich meinen Haushalt nicht aufzulösen. In dieser schweren Zeit lernte ich deinen Vater, Marianne, der für mich sorgte, wie ein Bruder, achten und lieben. Deine Geburt krönte das Glück unseres Herzensbundes. Mein Sohn war elf Jahre alt ein geweckter, fleißiger, herzensguter Junge, als ihm der liebe Gott das Stiefschwesterchen „Ales wollte er mit Dir teilen. Seine Spielsachen brachte er Dir in die W ge, und als Du etwas größer warst, leilte er mit Dir die besten Bissen und neidlos sah er zu, wie wir Dich verhätschelten. Durch diese, seine Art wurde er mir um so teurer, und auch sein Stiefvater liebte ihn, wie sein eigen Fleisch und Blut. Er war ein scher Knabe, der gern über die Dinge grübes; un nachdachte, die sein Interesse erweckten; nichts stolzes, nichts falsches war an ihm. Ich gab ihm einst bei einem Spaziergang einige Kopeken, mit dem Auftrag, sie einem Bettler zu bringen. Er ging hin, schüttelte dem Mann erst die Hand und dann gab er ihm das Geld. Mit 17 Jahren schon warer so weit, daß er die Universität in Sanct Petersburg besuchen konnte. Mit heißen Segenswünschen entließ ich ihn, während der ernstere Vater ihn ermahnte, sich nicht von der gewaltigen Bewegung, die damals unter der studierenden Jugend Rußlands gährte, hinreißen zu lassen und nur seinen Studien zu leben; er warnte ihn mit Meinungsverschiedenheiten, die in diesen Fragen obwalten, stand es auch von vornherein außer Zweifel, daß die Vorarbeiten für die fraglichen Entwürfe viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Aber diese Vorarbeiten sind im Gange und werden nicht eher ruhen, als bis die angekündigten Gesetzentwürfe fertig gestellt sein werden. Im Herbst wird der Kanzler dann hoffentlich seine Versprechungen wahr machen und dem Reichstage die in Aussicht gestellten Vorlagen unterbreiten können. 4Mtt un 8. Wer geflissentlich das Gegenteil behanpter und damit versucht, die bürgerlichen Parteien untereinander und die Liberalen mit der Regierung zu entzweien, der tut dem Fürsten Bülow Unrecht. Als der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. David, jüngst im Reichstage einen solchen Versuch unternahm, da trat ihm der Reichskanzler unter der Zustimmung der nationalen Parteien des Hauses sehr entschieden entgegen, indem er betonte, daß er nicht beabsichtige, einem Wunsche Rechnung zu tragen, der dahin gehe, daß sich die bürgerlichen Parteien untereinander, und die Regierung mit den bürgerlichen Parteien recht bald und recht allgemein in die Haare geraten möchten. Es liegt also kein Grund zu der Annahme vor, daß sich die Entwicklung unserer innerpolitschen Verhältnisse anders gestalten werde, wie sie vom Reichskanzler unter dem unmittelbaren Eindruck des bürgerlichen Reichstagseindringlichen Worten vor den Nihilisten, die der Autorität des Zaren und der Religion Gottes den Krieg erklärt hätten.„Mein Sohn“, sagte er fast wörtlich, so treu ist es mir im Gedächtnis,„hüte Dich vor den Freunden, den oft unreifen Leuten, die sich vor keiner anderen Autorität als ihrer eigenen Vernunft beugen wollen, die mit dem Losungswort„Wuarod"(zum Volke, seid Volk!) den Glauben ihver Väter leugnen und das Volk von der Lehre der Kirche abtrünnig machen wollen; halte Dich zu den Traditionen der„Väter“ und wende Dich ab von den„Söhnen“, den Revolutionisten einer materialistischen Weltanschauung, die Dich verderben werden. Ich warne Dich eindringlich vor ihnen und ihrem Gleichheits= und Brüderlichkeitstaumel. Ich warne Dich vor denen, die da glauben, daß durch die Ausmerzung aller Standesunterschiede, aller Unterschiede in Erwerb und Ordnung, durch absolute Gleichheit und Brüderlichkeit auch alle Uebel verschwinden werden, den Beweis aber schuldig bleiben, daß dann alle Mißstände schwinden müssen. Ich warne Dich ausdrücklich, mein Sohn, vor jenen Schwärmern, die wohl das Zeug dazu haben, mit scharfen Blicken die sozialen Mißstände zu erkennen, nicht aber die Kraft, ihre eigenen Theorien lebensfähig und beweiskräftigend zu formen.“ Es wär; besser gewesen„wir hätten ihn nicht ziehen gelassen, wir hätten ihn auf eine deutsche Hochschule geschickt. Wir hatten aber Verwandte in Petersburg, die uns versprachen, sich seiner anzunehmen. In den Ferien kam er regelmäßig nach Hause. Er war ernster und gesetzter geworden. In der ersten Zeit sprach er oft von seinen Freunden und ihren amüsanten Erlebnissen, später erzählte er uns, daß er einem Kreise angehöre, dem auch sein Freund Fürst Minsky, beigetreten sei, der nur zum Zwecke eifrigen Studiums gegründet worden sei. Ich frug ihn noch, ob zu demselben auch wahlsieges vorgezeichnet wurde. Wir können auch der innerpolitischen Gestaltung der Dinge im deutschen Vaterlande mit Ruhe und Zuversicht entgegen blicken. Der abgeblitzte„Matin“. Berlin, 4. Mai. Der Pariser„Matin“ hatte gegen einige deutsche Blätter Beleidigungsklagen angestrengt, weil sie seine Angriffe auf Deutschland energisch zurückgewiesen hatten. Mit den Klagen gegen die„Münchener Neuesten Nachrichten“ und die„Hamburger Nachrichten“ ist er schon vor einiger Zeit abgefallen. Es schwebt aber noch ein Prozeß gegen die „Kölnische Ztg.“ In diesem Falle hatte der„Matin“ nicht nur den Chefredakteur und den Verleger verklagt, und außerdem eine Schadenersatzklage in Höhe von 40 000 Mk. gegen das Blatt angestrengt. Das Gericht hat jetzt sämtliche Klagen, außer der gegen den verantwortlichen Redakteur, abgewiesen. Diese Klage hat nun der„Matin“ selbst zurückgezogen. Damit ist die ganze„große Aktion“ verpufft. „Treu und frei!“ Rostock, 4. Mai. In Nr. 101 des„Rostocker Anzeigers“ veröffentlicht Robert Pries einen offenen Brief an den deutschen Reichstag, in dem er den Reichstag ersucht, zu befürworten, daß dem Reichstags gebäude die Juschrift„Treu und frei!“ gegeben werde. Maifeier=Aussperrungen. Berlin, 4. Mai. Entsprechend der Teilnahme an der Maifeier, die in diesem Jahre weit geringer war, als in den Vorjahren, sind auch die Aussperrungen diesmal weit geringer. So sind in Berlin nur etwa 12 000 Bauarbeiter, 700 Zimmerer, 500 Maurer, 800 Holzarbeiter, 500 Metallarbeiter und etwa ebensoviel Glaser ausgesperrt. Aber auch diese ausgesperrten Genossen sollen bereits am nächsten Montag wieder eingestellt werden. In Hamburg sind im ganzen nur etwa 12 000 Arbeiter auf kürzere oder längere Zeit ausgesperrt, in Nordhausen nur etwa 500 und in Frankfurt a. M. sogar nur 150. Das hat mit dem Bremserlasse der Parteivorstand getan. Marokkanisches. Tanger, 4. Mai. Hier eingegangenen Nachrichten zufolge herrscht in Mazagan eine gewisse Erregung. Studentinnen gehörten:„Gewiß,“ antwortete er mir, „wir verkehren miteinander wie Kameraden, sind Bruder und Schwester". Ich beruhigte mich. Nach Ablauf der Ferien, es sind jetzt 12 Jahre her, reiste er ab; ich sollte ihn nicht wiedersehen. Drei Wochen später entdeckte die Petersburger Polizei einen nihilistischen Anschlag gegen das Leben des Zaren. Die Verschwörer wurden nachts in ihren Betten verhaftet, unter ihnen befand sich Fürst Minsky und mein Sohn. Lassen Sie mich über den Prozeß und die Unannehmlichbeiten, die er für uns im Gefolge hatte, schweigen. Das Urteil war hart: lebenslängliche Zwangsarbeit in den Bergwerken Sibiriens, so lautete es für die meisten, auch für meinen Sohn. Sie können sich meinen Jammer denken! Ich unterließ keinen Schritt, um sein entsetzliches Loos zu mildern; oft hinter dem Rücken meines Mannes; allein vergeblich. Als man meinen Mann behördlich vor weiteren Versuchen warnte, die ich im Interesse meines Sohnes unternehmen sollte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu fügen. So vergingen die Jahre; eines Tages drangen zisten in unser Haus ein und durchstöberten jeden Winkel. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, daß es meinem Sohn gelungen ist, mit einigen seiner Mitverschworenen zu entweichen aus Sibirien. Wir selbst blieben ohne jedes Lebenszeichen von ihm.“ Frau Raben schwieg erschöpft. Mit großem Interesse und ersichtlicher Teilnahme war Frau Skein der Erzählung der so schwer geprüften alten Dame ge„Sie wissen also nicht, ob er noch lebt?“ frug sie teilnahmnsvoll. „Wir mutmaßen es! Die Haussuchungen, denen wir in regelmäßigen Intervallen ausgesetzt waren und die uns auch nach dem Tode meines Vaters den Aufenthalt in Riga verleideten, ließen uns mit eini0 Eine einem Deutschen, namens Hedrich, gehörige, von eingeborenen Schutzgenossen eskortierte Karawane ist ungefähr 6 Kilometer von der Stadt angegriffen und geplündert worden. Hedrich und seine Freunde bewachen bewaffnet ihr Haus. Tanger„4. Mai. Raisuli hat mit 300 Mann seine Mutter, seine erste Frau und sein Gepäck aus Tazernt abgeholt und ist dann in die Berge zurückgekehrt. Elimas drohte den Beniaros mit Vergeltungsmaßregeln.— Dem Madrider„Imperial“ zufolge ist Raisuli zu el Roghi gestoßen, der im Lager von Seluen über 20 000 Mann, zehn Kanonen und sechs Mitrail= leusen verfügt. Raisuli soll die Absicht haben, nächstens der scherifischen Mahalla entgegenzutreten. Sensationelles aus Serbien. Belgrad, 4. Mai. In den nächsten Tagen wird ein königlicher Ukas erwartet, durch welchen 58 Offiziere, darunter 18 höhere, die nur noch kurze Dienstzeit hatten, pensioniert werden. Der Grund für diese Maßregel ist nicht bekannt gegeben. Unruhen in Sicht in China? London, 4. Mai. Aus Tientsin wird dem„Standard“ vom 2. d. M. gemeldet: In dem Eingeborenenteile der Stadt sind die Türen mit Blut bestrichen, wie bei dem letzten Boxeraufstande. Die Bevölkerung legt große Unruhen an den Tag. Die Eingeborenenpresse warnt die Behörden vor der großen Gefahr des Wiederauflebens der Boxernnrnhen, werzn die Fortdauer dieses Gebrauches geduldet wird. Westfalen und Letmathe, 4. Mai.(Einen bedauerlichen Unfall) erlitt heute Morgen gegen 8 Uhr der bei den hiesigen Rhein.=Westf. Kaltwerken beschäftigte ca. 65 Jahre alte Arbeiter Hellweg. Er geriet zwischen einen Zaun und einen mit Balken beladenen Wagen, sodaß ihm die Brust vollständig eingedrückt wurde. H. trug so schwere Verletzungen davon, daß seine Ueberführung in das St. Marienhospital notwendig wurde. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der Unfall ist um so bedauerlicher, als erst vor kurzer Zeit der 27 Jahre alte Sohn des H. überfallen und niedergestochen wurde. * Bielefeld, 4. Mai.(Abdeckerwaren usw. als Geenutzmittel für Menschen.) Vor der Strafkammer 1 des Landgerichts Bielefeld hatte sich der Schlachter Leopold Klau von Sundern bei Gütersloh wegen Gebrauchs falscher Fleischbeschauerstempels und wegen Vergehens gegen§ 14 des Nahrungsmittel gesetzes zu verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt daß er verschiedene falsche Fleischbeschauerstempel besessen und damit das verdorbene und gesundheitsschädliche Fleisch abgestempelt habe, um es dann ungestört auf den Essener Wochenmärkten an den Mann bringen zu können. Der Essener Kriminalpolizei ist es aufgefallen, daß der Angeklagte besonders viel Fleisch nach Essen hin eingeführt hat, welches den Fleischbeschaustempel„Harsewinkel" trug. Dies gemeingefährliche Treiben ist durch den Schlachtergesellen Eggert, der früher bei dem Angeklagten bedienstet war, zur Anzeige gebracht. Klau ist bereits vom Landgericht Essen wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz einigemale, das letzte Mal mit 1 Monat Gefängnis vorbestraft. Die strafbaren Handlungen liegen zumteil mehrere Jahr. zurück. Nach der Beweisaufnahme ist dem Angeklagten viel Vieh ins Haus gebracht worden. Das meiste Fleisch mußte das Tageslicht scheuen, denn es stammte von notgeschlachteten Tieren, von tuberkulosen Kühen und von an Rotlauf erkrankten Schweinen. Der Angeklagte gab heute an, daß er dies Fleisch an sein: Hunde versuttert habe. Der Gerichtshof schenkte dem Angeklagten keinen Glauben, sondern stellte fest, daß dieses Fleisch verwurstet oder als Pökelfleisch im Bergischen Lande zum Genuß an Menschen verkauft worden ist. Der Staats anwalt brantragte gegen den Angeklagten 9 Monate Gefängnis und 2 Jahr: Ehrverlust. Der Gerichtshof ertannte gegen den Angeklagten wegen Anbringung gefälschter Fleischbeschanstempels und wegen Vergeheus gegen das Nahrungsmittelgesetz auf 5 Monate Gefängnis und auf eine Geldstrafe von 400 Mark eotl. 40 Tage Gefängnis. Dem Angetlagten wurden die bürgerlichen Ehr:nrechte auf drei Jahre aberkannt. Zu gleicher Zeit wurde auf Publika tion des rechtskräftigen Urteils erkannt. Der richtshof hielt es im gesundheitlichen und auch im ge schäftlichen Interesse für angebracht, auf eine strenge Strafe zu erkennen, nicht allein aus Gründen der Gesundheit der Menschen, soudern auch das reelle Geschäftsleben zu schützen.(Dieser Richterspruch ist zu begrüßen. Derartig gewissenlose Monschen. die mit der Gesundheit ihrer Mitmenschen so leichtfertig um springen, müssen durch eine drakonische Bestrafung auf das Verwerfliche ihrer Handlung hingewiesen werden * Saarbrücken, 4. Mai.(Beachtenswerr Versuche mit Grubenlampen) hat man in der Versuchsstrecke der Grube„König“ bei Neunkirchen vorgenommen, um festzustellen, wie sich Eisen draht= und Messingdrahtkörbe, die die Flammen um geben, in schlagenden Wettern verhalten. Während bei einer Geschwindigkeit der Gase von 2 Meter die Körbe einerlei Veränderungen zeigten, bildeten sich bei der auf drei Meter gesteigerten Geschwindigkeit an dem Maschennetz aus Messingdraht kleine Kügel chen, und es entstanden kleine Löcher. Der Lampen korb, aus Eisendrahtgeflecht zeigte dagegen, keinerlei Veränderungen. Als man die Geschwindigkeit der Has: auf 4 Meter erhöhte, zerfiel der Messingdraht korb ganz, während der Eisendrahtkorb auch bei dieser Probe unbeschädigt blieb. Die Folge dieser Untersu chung ist die Bestimmung, daß auf sämtlichen Lampen die Messingdrahtkörbe in Wegfall und in Zukunft nur noch Eisendrahtkörb: zur Verwendung kommen sollen Im Verlage Robert Lutz=Stulkgart erscheint in den nächsten Tagen in der Kollektion der AnekdotenBibliothek eine Sammlung von Hohenzollern=Anekdoten, die von Hermann Jahnke herausgegeben wird. Sie erstrecken sich von dem Kurfürsten bis auf Kaiser Friedrich 3., und bieten mancherlei Interessantes und Wissenswertes. Wir geben aus den Aushängebogen die uns der Verlag in liebenswürdiger Weise zur Verügung gestellt hat, einige markante Erzählungen bekonnt: Der Kronprinz und der Hoffuchsschwwänzer. Zwischen dem Prinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren Soldatenkönig, und des Vaters heüchlerischen und schmeichlerischen Hofschranzen bestand, als er kaum das Jünglings=Alter erreicht hatte, eine unübersteigbare Kluft, und es mochte die betreßten Herren manchmal eine Ahnung davon überkommen, daß die Tage ihres müßiggängerischen Lebens gezählt seien. Er behandelte sie, soweit es die Ehrfurcht gegen seinen königlichen Vater ihm nicht wehrte, mit völlige Nichtachtung, oder er trieb sogar seinen Spott mit ih nen. Einst trat er in das Vorzimmer des Könige und fand dort, um den Kamin sitzend, in dem ein Feuer Ioderte, eine Zahl von Geheimen Räten und Kammerherren. Es erfolgt allgemeine Erhebung und darauf eine so tiefe Verbeugung, daß die Locken der großen Pariser Allongeperücken, mit denen die Häupter der Räte und Kammerherren geschmückt waren, fast den Boden berühren. Der Prinz setzt sich zu ihnen und enkt das Gespräch auf die Modetorheiten, für die so er Sicherheit darauf schließen, daß mein Stiefbruder noch lebt und daß die russische Polizei begründete Urache hat, seine Rache zu fürchten", antwortete Maianne. „Wie ein junger Mann von Geburt und Erziehung, dem die höchsten Stellen im Staate offen stehen, nur ein Revolutionär werden kann, das ist mir in Rätsel. Bei uns werden das nur diejenigen, die nichts zu verlieren und durch eine Revolution alles zu gewinnen haben. Nur krankhafte Träumer und Phantastestn können ihr ganzes Lebensglück für ein Ziel in die Wagschale werfen, das nur durch einen Bürgerkrieg zu erreichen ist“, meinte Frau Stein, mißbilligend mit dem Kopfe schüttelnd. „Das liegt bei uns mehr im Blute. Der Russe st von Natur schwer von Gemüt und Charakter und erwärmt sich leichter, als der kühldenkende Deutsche ür utopische Ziele. Mit der Verachtung der äußeren Form ging bei uns Hand in Hand die Bewegung zum Volke, das man durch die schmähliche Korruption un erer Verwaltung und die Bestechlichkeit unserer Beamten ausgesangt wähnte; mit Recht oder Unrecht lasse ich dahingestellt. Dazu kam die Wut über den Wortbruch, mit dem das herrschend: System die ange kündigte Konstitution, mittels welcher man die Kon trolle über den Staatshaushalt führen wollte, verhinderte. Nun richtete sich der Haß der Reformpartei gegen das System selbst und erklärte ihm den Krieg. Die Greuel mit welcher die Regierung die Liberalen verfolgte, erzeugten die Gegengreuel der Terroristen. Der Kleinkrieg wurde je schärfer geführt, je mehr die Aussichten auf Reformen schwanden. Die Intelligenz kämpfte von Anbeginn an gegen die Regierung. Mein Sohn ist nicht der einzige Aristokrat, der sich dem Phantom seiner volksbeglückenden Ueberzeugung wie ein Märtyrer opferte. Er folgte dabei nur dem Beispiele, das ihm die Söhne und Töchter des höchsten russischen Adels gegeben hatten. Ich nenne nur Sophie Perowskaja, die adelige Tochter eines früheren Militärgonverneurs von Petersburg, die als Verschwörerin auf dem Schaffot endete, ich nenne die beiden Fürsten Krapotkin. Fürst Peter Krapotkin hat seinem Wahn alles geopfert, Familie, Vaterland und, bei seinen großen Fähigkeiten, die glänzendste Kar riere, die sich ein russischer Staatsmann uu guanghig, kann, um das zu sein, was er heute ist, ein 4 erwiderte die alte Dame mit einem tiefen Seufzer, der ihrem unglücklichen Sohne galt. Frau Stein war mit Recht stolz auf das Vertrau en, das Frau Raben ihr soeben in so überraschendem Maße entgegengebracht hatte; nicht minder stolz aber war sie daraus, daß sie eine Dame, die durch Ge und Rang soweit über ihr stand, Freundin nennen durfte. Sie zermarterte sich ihren Kopf darüber, auf welche Weise am Besten der Aufenthalt des Flüchtigen wohl zu ermitteln wäre, denn sie mutmaßte Recht, daß die Ungewißheit, in welcher Frau,Faßen über das Schicksal ihres Sohnes schwebte, qualvolle. für diese als selbst die Nachricht von seinem Tode sein müsse. „Haben Sie es schon mit einem Aufruf an den Verschollenen versucht, Frau Raben?“ Diese bejahte die Frage durch ein Kopfnicken, wäh. rend Marianne in ihrer lebhaften Weise sagte:„Mehr wie tausend Mark haben wir schon auf diese Weise verausgabt, ohne Erfolg, nicht, Mama!“ „Ich glaub:, mein Sohn lebt nur seiner Rache, und wir ich ihn kenne, dem Ziel, das der Befreiung seine Genossen gilt Wie er uns aufgegeben hat,“ schloß jetzt Frau Raben mit energischer Stimme„so gebe ich hn auf. Ich kenne von heute ab nur eine Pflicht, die Pflicht meiner Tochter, zu leben, und ich fühle mich stark genug, diese Pflicht in vollem Maße zu erfüllen.“ sie erhob sich und ging auf ihren Schreibtisch zu. dem sie ein Kortenspiel entnahm, während sie die Karlen mischte, sagte sie:„Die letzte Partie Piquet ha den Sie verloren, Frau Stein; ich bin bereit, Ihnen leute die Revauche zu geben, die ich Ihnen schuld:!“ Die beiden Tamen waren bald in ihre Partie 3# tieft; Marianne setzte ihre Romanlektüre fort; sie las gerade, es war nur Zufall, Turgenjews epochemachenden Roman„Väter und Söhne"...(Forts. folgt.) große Summen ins Ausland, namentlich nach Paris wanderten. Natürlich finden sein: Worte die„alleruntertänigste Beistimmung".„Ich bin sehr erfreut", sagte der Kronprinz, aus dessen hellen Angen der Spott blitzt,„daß Sie, meine Herren, mit mir so überein stimmen, und ich darf ohn: Zweifel hoffen, daß Sie mir Ihre Uebereinstimmung gern durch die Tat beweisen werden.“ Neue, allgemeine Erhebung und liefste Verbeugung.„Run denn“, ruft der Kronprinz= in dem er seine kleine Stutzerperücke vom Haupt nimmt und sie ins Feuer wirft,„ich nehme die Heren beim Wort; ein Hundsfott, der mirs nicht nachtut!“ Wie da die Herren verblüfft einander auschauten— es war ein Gaudium ohnegleichen für den Kronprinzen! Aber was hals es? Einer nach dem andern nahm den teuren Schmuck vom ehrwürdigen Haupte und überantwortete ihn den Flammen. Keine Krüppel. Ein Charakterzug, der von dem edlen Herzen Königs Wilhelm 1. zeugt, wurde bei der Grundsteinlegung zum Dentmal seines Vaters offenbar. Der König entbot alle Ritter des Eisernen Kreuzes und viele andere Veteranen aus den Freiheitskriegen zur Feier nach seiner Hauptstadt. In dem Entwurfe zur Fest ordnung jenes Tages stand der Satz:„Alle Krüppel werden dem Zuge in Wagen aus den königlichen Marställen folgen“. Dieser Satz wurde vom Könige durchstrichen und durch folgenden ersetzt:„Diejenigen, welche infolge ihrer bei der Landesverteidigung erhaltenen ehrenvollen Wunden gelähmt sind, werden im Festzuge in königlichen Equipagen fahren.“ „Wenn ich ein gewöhnlicher General wäre“. Ein nach Berlin kommandierter höherer Offizier hatte bei Kaiser Withelm I. Andienz. Der Monarch ehrte den Offizier, den er von früher her sehr gut kannte, durch eine längere Unterhaltung, wobei er auch auf einen verdienten alten General im Garnisonsorte des Offiziers zu sprechen kam. „Ja, ein tüchtiger General,“ sagte der Kaiser,„das ist wahr, nur schade, daß er nicht mehr reiten kann.“ Nach einer kleinen Pause sprach der Kaiser weiter. „Ich kann ja auch nicht mehr reiten, und ich sage Ihnen“— hier neigte er sich dicht an das Ohr des Ofsiziers„wenn ich ein gewöhnlicher General wäre, so hätte ich schon längst den Abschied bekommen.“ Schreit tüchtig. s Kaiser Wilhelm 1. der Gärtnerstadt Erfurt einen Besuch abstattete, bewilltommnete die Jugend besonders stürmisch den Kronprinzen, den sie in ihr Herz geschlossen hatte. Dieser aber bog sich aus dem Wagen und rief:„Jungens, hinter mir kommt Moltke schreit tüchtig!“ Und die Jungen taten es aus Leibeskräften. Der Bandit im Papierkorb. Einen wahrhaft rührenden Zug von Herzensgüte und Liebenswürdigkeit Kaiser Friedrichs III. erzählt ein im Dienste des Kaisers ergrauter Beamter, der seit seinen Jugendjahren das Glück hatte, in dessen Umgebung zu weilen.„Es war zur Zeit, da er Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen hieß, da ließ der hohe Herr jemand von uns, den ich so gut kenne wir mich selbst, eines Tages in sein Arbeitszimmer rufen. Der Prinz stand gebückt über seinen Papierkorb und warf die darin befindlichen Papierstücke und Kuverts etwas ungeduldig durcheinander. „Sagen Sie mal, M.“, begann er mit seinem herzgewinnenden, jovialen Wesen,„ich suche da vergeblich nach einem alten Briefumschlag, den ich heute am Morgen in den Korb geworfen habe. Hat vielleicht jemand von euch in dem Korb herumgekramt?“ Ich machte verlegen eine verneinende Bewegung. „Na, na“, fuhr der Prinz fort,„mir scheint es aber doch so, daß da einer oder der andere in dem Papierkorbe nach alten Siegeln und Kuverts„naturgeforscht", um nicht zu sagen„herumgeräubert“ hat. Ich will nicht fragen, wer das Kuvert hat. Ich will dem Sünder nicht zu Leibe. Ich will nur etwas nachsehen. Es ist ein kleines, blaues Leinwandkuvert eines Briefes von der Königin von England an mich und ist mit persönlichem Siegel versehen. Sie werdens mir sofort verschaffen. Ich will es nicht behalten. Später können Sie es meinetwegen dem Banditen wieder zurückgeben. Das war alles, wie gesagt, in herzgewinnendem Tone gesprochen. Selbstverständlich war nach wenigen Minuten das blaue Kuvert zur Stelle. Der Prinz besah es und gab es mir mit den Worten zu rück:„So, danke, brauche es nicht mehr, geben Sie es dem Banditen wieder und sagen Sie ihm, daß es mit seiner Courage nicht weit her sei. Soviel Vertrauen hätte er zu mir schon haben können, um zu sagen:„Königliche Hoheit, das ist mein Metier, ich bin passionierter Heraldiker und Manuskriptensammler. Sagen Sie dem bangherzigen Naturforscher— Sie kennen ihn ja sehr genau—, daß er meinetwegen in dem Pavierkorb heraldische und Manuskriptenstudien machen darf,— aber immer erst am nächsten Morgen. Verstanden? Na, denn is jut!“— Ich atmete erleichtert auf, denn wenn der hohe Herr so ein wenig berlinerte, war dies ein Zeichen, daß er in bester und gnädigster Stimmung war. Als der„Bandit“ am nächsten Mor gen von der hohen Erlaubnis Gebrauch machte und den Papierkorb plündert:, sollte er noch die Herzensgüte seines Gebieters kennen lernen. Auf jedem einzelnen Kuvert war auf der Rückseite von der Hand des Prinzen mit Bleistift kurz verzeichnet, wessen Handschrift und Wappen dasselbe trage:„Prinze of Wales“, „Graf von Flandern“,„Großherzogin von Hessen usw. Der edle Prinz hatte dem„Banditen“ die heraldischen Studien erleichtern wollen. Welche liebenswürdige Güte kennzeichnet diese kleine Episode. Das kleine blaue Kuvert der Königin von England:„A Son Altesse Royale Monseigneur le Prinze Frederic Guillaume de Prusse, a Berlin“ liegt vor mir, und dem nun alten„Banditen" rollen schwere, heiße Tränen auf das alte Kuvert herab.“