Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund.“ o 0 0 0 0 0 0 O O O O O o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren naum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäst Bekanntwachung der Köntel. Regierung durch Ueröttentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o c 0 0 O O O G CSPPS· Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprec-Ruschtne: Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Näresse Braus, Schwerte-Rubr. Tepenr. Montag, den 29. April 1907. 39. Deutscher Reichstag. 40. Sitzung vom 27. April, 11 Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Postetat. Es liegen hierzu eine Reihe von Resolutionen vor und zwar: des Abg. Oertel=Sieg(ntl.) betreffend OstmarkenZulagen für untere und mittlere Reichsbeamte schon pro 1907(auf dem Wege des Nachtragsetats). Dasselbe verlangen zwei Resolutionen v. Gamp(Rp.) und v. Gersdorff(kons.). Eine Resolution Ablaß will 1½fache Anrechnung des Nacht= und Feiertags=Dienstes der Postbeamten. Eine zweite Resolution Ablaß verlangt Aenderung der Personalordnung für die mittlere Postbeamtenlaufbahn. Und zwar sollen die Post- und Telegraphen=Setretärstellen in Ober=Setretärstellen umgewandelt werden. Ebenso zweitens die Assistenten=, Oberassisteuten= und Postverwalterstellen in Sekretärstellen. Und drittens soll eine neue niedere Beamtenklasse geschaffen werden, damit die mittleren Beamtenstellen sich verringern und die Beförderungs=Aussichten für die unteren Beamten sich erhöhen. Eine Resolution Graf Hompesch endlich will früheren Schluß der Bearbeitung von Massendrucksachen und der Paketannahme an den Vorabenden von Sonn= und Feiertagen. Dr. Dröscher(kons.): Ter Postbetrieb bietet ein finanziell überaus erfreuliches Bild, und man kann nicht sagen, daß das durch Unterlassungssünden auf dem Gebiete des Verkehrs herbeigeführt ist. Die Verteuerung des Ortsportos läßt sich nicht mehr rückgängig machen; zu wünschen ist eine Verbilligung des Telephons auf dem Lande. Wünschenswert ist nur eine noch größere Fürsorge für die Beamten in bezug auf Stellenvermehrung, Arbeitszeit, Urlaub, Sonntagsruhe und insbesondere Gehälter. Wir können unsere Mißbilligung nicht zurückhalten, daß in der letzteren Beziehung die wiederholten, einstimmig angenommenen Forderungen des Reichstages nicht berücksichtigt sind. Der Resolutionen Graf Hompesch, sowie Ablaß betr. anderthalbfache Anrechnung des Nacht= und Feiertagsdienstes stimmen wir zu. Die Ablaßsche Resolution wegen der Aenderung der Personalordnung dagegen bedarf doch erst wegen ihrer Tragweite einer sehr sorgsamen Prüfung in der Kommission. Das System der gehobenen Stellen für Unterbeamte hat sich nicht bewährt. Die Verwaltung sollte sie einfach wieder aufheben! Ausdrücklich bemerke ich noch, daß auch die höheren Beamten einer Aufbesserung bedürfen. Einer Neuordnung der Gehälter, die diese höheren Beamten ausläßt, würden meine Freunde die Zustimmung versagen müssen. Der Redner empfiehlt die Resolutionen über die Ostmarken=Julagen. Ab Kampf(frs. Vp.) befürwortet eine Herabsetzung des Weltpostportos und fordert im Namen der freisinnigen Gruppen die Regierung auf zur Einführung des Postscheckverkehrs. Ueber die Gebühren würde sich ja wohl eine Verständigung erzielen lassen. Freilich muß die Regierung auf erschwerende Bedingungen verzichten, wie sie bei Gelegenheit des früheren Entwurfs gestellt waren. Der Reichstag dürfe seinerseits durch zu belastende Bedingungen das Gesetz der Regierung nicht unmöglich machen. Staatssekretär Kraetke: Es freut mich, daß die Partei des Vorredners jetzt zu der Frage des Postscheckverkehrs eine andere Stellung einnimmt, als vor sechs Jahren. Damals lehnten die Herren die Vorlage meines Vorgängers ab. Inauf Beamtenfragen kurz ein. Schatzsekretär v. Stengel: Was die Unwiderruflichkeit der Ostmarkenzulagen anlangt, so kann ich namens der verbündeten Regierungen eine Erklärung darüber nicht abgeben. Ich kann nur sagen, daß, wenn das Haus eine Resolution in diesem Sinne annehmen sollte, ich die Entschließung darüber den verbündeten Regierungen vorbehalten muß. Abg. Hamecher(Ztr.) ist gegen Portoherabsetzungen; der Grundsatz von Leistung und Gegenleistung müsse auch für die Post gelten. Sodann begründet Redner eingehend die ZentrumsResolution Hompesch wegen der vermehrten Ruhe an Vorabenden von Sonn= und Festtagen. Weiter wünscht er Erleichterungen im Fernsprechverkehr für das platte Land, Vermehrung der Fernsprech=Automaten, Revision des Drucksachen=Tarifs. Auf die Beamtenfragen eingehend, erklärt Redner(der bis 1906 Vorsitzender des Assistenten=Verbandes war) sich nämentlich auch mit der Resolution Ablaß betr. Aenderung der Personalordnung einverstanden. In seinen weiteren Ausführungen wendet er sich gegen die unzulässige politische Beeinflussung der Beamten, wie sie u. a. in einer amtlichen Beitragsaufforderung für den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie liege. Notwendig sei auch eine gründliche Reform des Disziplinargesetzes. Abg. Dußner(Ztr.) befürwortet eine Zentrums=Resolution wegen des Fernsprechwesens auf dem Lande und bringt Wünsche von Beamten vor, namentlich auch zugunsten der Postbeamten in den Schutzgebieten, sowie zugunsten der Telephonistinnen. Selbst wenn deren Gehalt auf 1800 Mk. erhöht werde, stünden sie ja doch immer noch um 100 Mk. schlechter, als ihre männlichen Kollegen. Hierauf Vertagung.„„ Sam Montag, 1 Uhr: Beamtengesetze(Pension und Relinen, in erster Lesung; dann Weiterberatung des Forstetats. Schluß nach 4¼ Uhr. Dreutzildfer Lanatag. 54. Sitzung vom 27. April 1907, 10 Uhr. Am Ministertisch: Dr. v. Studt, v. Bethmann=Hollweg. noch die Frage erörtern können, wie die gelischen Landeskirche sich gestalten. Is steht in einer Reihe von Fällen die Konservatiern sind jetzt dabei, neue Vorschläge ausz dem Bundesrate alsdann vorzulegen. Was dann die Ermäßigung des Welt=Portos anlangt, so ist der Verzicht auf Einnahmen doch zu bedenken in einer Zeit, wo uns an allen Ecken und Enden das Geld fehlt! Abg. Gamp(Rp.) freut sich ebenfalls über die veränderte Stellungnahme der Freisinnigen zu der Frage des Postscheckverkehrs. Aber es mußten seiner Ansicht nach auch Maßnahmen getroffen werden, durch Aenderung des Bankgesetzes, um zu verhüten, daß der vermehrte Goldbestand, der infolge wachsenden Scheckverkehrs für die Reichsbank zu gewärtigen sei, nicht etwa bloß zur Deckung von Verpflichtungen gegen das Ausland diene, sondern dem Inlande zugute komme. Denn andererseits sei trotz des Scheckverkehrs doch nicht auf eine Erniedrigung des Diskonts zu rechnen. Den Staatssekretär bitte er ferner, dem Hause den Entwurf eines Postsparkassengesetzes wiedervorzulegen. Ein solcher würde jetzt wohl bessere Aufnahme finden als früher. Bedauerlich sei, daß Berlin die Legung von Paketwagen=Tunnels abgelehnt habe. Berlin sei ohnehin bevorzugt namentlich durch die billigen Telephongebühren. Auf dem Lande komme der Bevölterung der Telephonverkehr viel teurer zu stehen. Daß die Beseitigung der„Begünstigung der Großstädte im Orts= und Nachbarverkehr“ Fiasko gemacht habe, bestreite er. Weiter plädiert Redner für Ostmarken=Zulagen und erklärt, um diese durchzusetzen, sehe er und seine Freunde sich gezwungen, für einen inzwischen eingegangenen Antrag Pachnicke zu stimmen, der diese Zulagen nur unwiderruflich bewilligen wolle, nicht widerruflich. Endlich geht Redner noch Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung. Das Haus ist zunächst sehr schwach besucht. Die dritte Beratung des Etats wird fortgesetzt beim Kultusetat. Kultus und Unterricht gemeinsam. Abg. Prietze(ntl.) wünscht eine Erhöhung der Pfarrergehälter. Abg. Meyer=Diepholz(ntl.) befürwortet die Erhöhung der Dienstaufwandsentschädigung für Superintendenten. Die Besprechung wird geschlossen, das Kapitel bewilligt Evangelischer Oberkirchenrat. Abg. Schmieding(ntl.) kommt auf die Fälle der Prediger César und Römer zu sprechen und hebt hervor, das Vorgehen gegen diese Geistlichen sei unberechtigt, die Liberalen ständen dem wahren Christentum weit näher als die Positiven, Abg. Heckenroth(k.) bedauert, daß diese Fälle hier von neuem angeschnitten werden. Innere Angelegenheiten der evangelischen Kirche sollten nicht vor dem interlonfessionellen Landtage, vor Katholiken und Israeliten behandelt werden. (Beifall rechts.) Kultusminister Dr. v. Studt bedauert gleichfalls, daß diese Angelegenheiten hier erörtert werden. Abg. Brömel(frs. Vgg.): Mau wird doch hier im Hause noch die Frage erörtern können, wie die Verhältnisse der evanEs steht doch fest, daß in einer Weise den Kultusminister zur Wahrung des reinen Glaubens aufgefordert haben, wie es seitens der Liberalen nie geschehen ist. Ein Antrag auf Schluß der Besprechung wird angenommen. Provinzial=Schulkollegien. Abg Cassel(frs. Vpt.) bringt die Fälle zur Sprache, die zu Zerwürfnissen zwischen dem Provinzial=Schulkollegium und der Berliner Schulverwaltung geführt haben. Tatsachlich sei der Religionsunterricht einmal durch eine jüdische Lehrerin erteilt worden, das habe jedoch nur an der Ungeschicklichkeit des Rektors der Schule gelegen. Redner tritt dann dafür ein, daß die Lehrerinnen nicht schlechter gestellt würden, als die Lehrer. Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: Ich habe nur die Tatsache festgestellt, daß in Berlin evangelischer Religionsunterricht von einer jüdischen Lehrerin erteilt worden ist. Auch die Tatsache kann nicht aus der Welt geschafft werden, daß prozentual die jüdischen Lehrer stärker(mit 40 Prozent) vertreten sind, als die evangelischen und die katholischen. In schroffer Weise will der Herr Minister nicht vorgehen, er wird Rücksicht auf die Verhältnisse der einzelnen Lehrpersonen nehmen. Die Abschnitte Universitäten, Höhere Lehranstalten und Kunst und Wissenschaft werden ohne bedeutende Erörterung erledigt. Ministerium des Innern. Auf eine Anfrage des Abg. v. Wentzel(k.) erklärt Geheimrat Freund, daß das Steuerprivilegium für die Ansiedlungskommissionen durch das Gesetz von 1886 begründet sei. Kleine parlamentarischen Nachrichten. Berlin, 28. April. Im Abgeordnetenhause brachten die konservative und freikonservative Partei einen Antrag ein, das Abgeordnetenhaus wolle beschließen, der kgl. Staatsregierung ihr lebhaftes Bedauern auszusprechen, daß es nicht möglich gewesen ist, die in der Thronrede angekündigte Vorlage zum Schutze des Deutschtums in der laufenden Session einzubringen und sie aufzufordern, durch die für die nächste Tagung in bestimmte Aussicht genommene VorAbg. Schmedding(Ztr.) wendet sich gegen den in der Presse veröffentlichten Erlaß des Ministers, nach dem Beamte mit Disziplinarstrafen bedroht werden, die sich mit ihren Wünschen an einzelne Abgeordnete wenden. Er hoffe, der Minister werde die Veröffentlichung dieses Erlasses als Aprilscherz der Blätter bezeichnen.(Heiterkeit.) Die Schweigsamkeit der Beamten, die neuerdings eingetreten sei, lasse allerdings darauf schließen, daß ein solcher Erlaß existiere.(Beifall.) Minister des Innern v. Bethmann=Hollweg: Wenn Herr Abg. Schmedding den Wortlaut der Verfügung gekannt hätte, wäre er nicht zu seinen Ausführungen gekommen. Das Petitionsrecht steht den Beamten zu, unvorschriftsmäßige Wege dürfen nicht betreten werden. Eine Verbindung zwischen Beamten und Abgeordneten ist nicht verboten, wenn der Beamte die Amtsverschwiegenheit nicht verletzt und wenn er die Form wahrt, die sein Amt ihm auferlegt. Den Mund verbieten will der Erlaß den Beamten nicht. Je genauer die Abgeordneten informiert sind, desto besser für unsere gegenseitige Verständigung. Herr Abg. Schmedding hat mißverständliche Schlüsse aus meiner Verfügung gezogen. Ich bitte, unterstützen Sie mich in meinem Bestreben der Lockerung in der Disziplir der Beamten entgegenzutreten. Die Beamten aber bitte ich, zu ihren vorgesetzten Behörden Zutrauen zu haben, (Geisal.)..— Kuux Minister e. Abg. Lusensry(nti.): Wenn der Herr Minister seinem Erlaß nur beschränkte Gültigkeit geben wollte, hätte er es in ihm selbst klar machen müssen. Materiell kommt es hierbei auf Einschränkung des Petitionsrechts heraus. Können die Beamten nicht den einzelnen Abgeordneten näheres mitteilen, so können die Petitonen hier nicht genügend vertreten werden. Der Erlaß selbst aber hat auch etwas direkt Verletzendes gegenüber den Abgeordneten.(Zustimmung links.) Minister v. Bethmann=Hollweg: Ich möchte die folgenden Redner doch bitten, sich bei einer Besprechung des Erlasses doch an die Ausführungen zu halten, die ich heute darüber gemacht habe. Abg. Frh. v. Zedlitz(ft.): Die Mitteilungen in der Presse haben gezeigt, daß der Erlaß zu Mißverständnissen Anlaß gebe. Redner bittet deshalb den Minister, den Wortlaut des Erlasses in Uebereinstimmung zu bringen mit dem, was er heute ausgeführt habe.(Beifall.) Abg. Dr. Mizerski(Pole) beschwert sich über die zwangsweise Verdeutschung polnischer Ortsnamen. Minister v. Bethmann=Hollweg erklärt, daß er auf die vom Vorredner vorgebrachten Beschwerden schon vor einem Jahre geantwortet habe. Abg. Münsterberg(frs. Vgg.): Wenn ein so glänzender Stilist, wie der Herr Minister, einen Erlaß herausgegeben hat, der zu Mißdeutungen Veranlassung gegeben hat, so erweckt das Verdacht. Wenn der Erlaß von so hoher Wichtigkeit ist, warum haben die anderen Herren Ressortminister nicht auch derartige Erlasse herausgegeben? Der Abgeordnete muß als Vertreter des Landes auch Vertrauensmann des Einzelnen sein. Das ist eine überaus wichtige und zum Teil auch dankenswerte Rolle. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Cassel(frs. Vpt.) und v. Heydebrand(k.) wird der Etat angenommen. Etat der Eisenbahnverwaltung. Abg. v. Brandenstein(t.): Ich habe ein Schreiben des Herrn Ministers erhalten, in dem ich aufgefordert werde, die Vorfälle, die ich bei meiner Rede vom 11. März im Auge hatte, mitzuteilen. Meine Rede war nicht gegen den Herrn Minister, sie richtete sich gegen Mißbräuche, die sich allmahlich eingeschlichen haben. Redner erklärt dann, daß er häufig genug auch zweiter und dritter Klasse gefuhren sei und noch fahre, dritter Klasse besonders in schönen Gegenden, in denen ihm die einheimischen Landbewohner interessanter seien, als die große Masse der Reisenden, z. B. der Amerikaner.(Heiterkeit und Beifall.) Am 11. März sprach ich auch nicht von Herren, die zerlegbare Hemden tragen, sondern die von der Zerlegbarkeit ihrer Hemden an unrichtiger Stelle Gebrauch machen.(Heiterkeit.) Ein früheres Reichstagsmitglied, Most, hat in seinen Memoiren eine Reise in der ersten Klasse beschrieben, bei der er und sein Reisegefährte es sich sehr bequem gemacht hatten, als der sächsische Minister v. Nostiz einstieg, der sich in ein Coupé zweiter Klasse zurückzog. Es ist darüber gesprochen worden, daß die Einnahmen mit der ersten Klasse zurückgingen. Es ist eben in der ersten Klasse zu wenig Platz, da zu viel Freikarten ausgegeben werden. Redner geht auf verschiedene Zeitungsartikel ein, in denen über seine Rede in der zweiten Beratung geschrieben wird, trotzdem das Haus ihn unruhig unterbricht. Ein Antrag auf Schluß der Beratung wird mit Unterstützung der Konservativen und einzelner Abgeordneter aus anderen Parteien angenommen. Zur Geschäftsordnung erklären die Abgg. Schmidt=Warburg(Ztr.), Dr. Faßbender(Ztr.) und Werner(Teutsche Rfp.), daß sie es unbegreiflich finden, daß jetzt, nachdem der Abg. v. Brandenstein ¾ Stunden geredet habe, gerade von den Konservativen der Antrag auf Schluß gestellt wird. Abg. Macco(nl.) bezweifelt es, daß die Majorität sich für den Schlußantrag erklärt habe, wird aber vom Präsidenten v. Kröcher darauf aufmerksam gemacht, daß es gegen die Entscheidung des Bureaus keinen Widerspruch gebe. Abg. Kirsch(Ztr.) schlägt vor, die Debatte wieder zu erlage für eine kräftige und wirksame Fortführung der Bodenpolitik zum Schutze des Deutschtums in den Oftmarken zu sorgen. Der Antrag gibt sodann die Gesichtspunkte an, nach denen dabei zu verfahren sei. Offnen, das wäre möglich, wenn kein Widerspruch erhoben würde. Abg. v. Heydebrandt(k.) erklärt sich ebenfalts mit einer Wiederaufnahme der Besprechung einverstanden. Präsident v. Kröcher erhebt aber unter allen Umständen dagegen Widerspruch. Die Beratung geht also weiter Ohne erhebliche Debatte wers. die Etats der Bauverwaltung, der Zeutralgenossen der direkten und indirekten Steuern, des Finanzmin uums und eine Reihe kleinerer Etats erledigt. Um 5 Uhr ist der ganze Etat in dritter Lesung erledigt. Bei der Schlußabstimmung wird der Etat einstimmig angenommen, da keine Polen anwesend waren. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr: Sekundärbahnvorlage. Stadt und Umgebung. Schwerte, den 29. April. (Blankreuz=Verein Schwerte.) Am gestrigen Sonntag feierte der hiesige Blaukrenz=Verein sein Jahresfest, beginnend mit einer gottesdienstlichen Feier in der großen evang. Kirche, in welcher Herr Pastor Fürstenow=Essen unter Zugrundelegung der Bibelstelle Jesaias 45, 22:„Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig“ usw. die Festpredigt hielt. Zunächst schilderte er die Arbeit des Blauen Kreuzes, die darin besteht, armen gebundenen Trinkern nachzugehen und ihnen den Weg zur Rettung zu zeigen. Wie notwendig diese Arbeit ist, zeigte er an einigen traurigen Beispielen aus dem täglichen Leben, bei welcher Gellegenheit er gleichzeitig die schrecklichen Folgen(für Leib und Seele) des übermäßigen Alkoholgenusses mit all ihrem Jammer und Elend hervorhob. Da die Kirche gut besetzt war, wird sich wohl mancher die Worte zu Herzen genommen haben. In einer ernsten Mahnung zur Umkehr von dem alten Wege mit der darauf folgenden Schilderung des Segens des neuen Wandels, der besteht in rechter Freude, in Friede und Glück, fand die Festpredigt ihren Abschluß.— Die Nachfeier begann nachmittags 3,30 Uhr im Saale des Herrn Rath und wurde von dem Präses des festgebenden Vereins, Herrn Stadtm. Oberanhsberg, durch Schriftverlesung(Hosea 12), Gebet und Begrüßung der erschienenen auswärtigen Vereine eröffnet. Anschließend nahm der Eröffner das Wort zum Jahresbericht und ermahnte zu ernster Weiterarbeit. Verschiedene Chorvorträge, die mit zur Verschönerung des Festes dienten, wechselten mit weiteren Ansprachen, gehalten von alten, treuen Zeugen in der Blaukreuzarbeit. Durch alle Darbietungen zog sich wohl wie ein Leitfaden der Spruch Luc. 12, 35—36: Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Mit einem Wort der Ermunterung an alle armen Trinker Luc. 19,11: Des Menschen Sohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, das verloren ist, schloß die Feier. Möge das Fest manchem zum Segen geworden sein und uns anspornen, im neuen Jahr mehr an unseren Mitmenschen zu tun, manchen von den Weg des Verderbens abzuleiten und auf den Weg des Heils zu bringen. Sch—r. *r(Feier im Schützenhofe.) Auf den verflossenen Samstag=Abend hatte die Schützenmajestät des Bürger=Schützenvereins, Wilhelm aus der Dynastie der Östermänner, die Herren seines Hofstaates sowie die Großwürdenträger und das Offizierkorps des Bürgerschützenvereins zu einem einfachen Mahle nach dem Schützenhofe eingeladen. Es ward ein recht gemütlicher Abend, manch ein humorgewürztes Wort wurde gesprochen und im übrigen tat man sich an dem schmackhaften, reichlichen Essen, mit dem die Küche der Frau Geiger alle Ehre einlegte, gütlich.— Bei wärmerer Witterung dürfte der Schützenhof mit seinem prachtvollen Ausblick in das Ruhrtal wohl wieder das Ziel manches Spaziergängers werden. (Folgenden Steckbrief) erläßt das hiesig: Amtsgericht: Gegen den Buchbinder Eduard Mell, geb. am 9. Februar 1866 zu Lobenstein, zurzeit unbekannten Aufenthalts, welcher sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen Körperverletzung verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Gerichts=Gefängnis abzuliefern sowie zu den hiesigen Akten D. 119—06 sofort Mitteilung zu machen. Signalement ist nicht bekannt. (Güterrechtsregister.) Das hiesige Amtsgericht gibt bekannt: Die Eheleute Althändler Albert Haß und Berta Karoline geb. Mielke zu Schwerte haben durch Vertrag vom 10. April 1907 Gütertrennung gemäß 1426—1431 des Bürgerlichen Gesetzbuches vereinbart. n(Die verflossene Nacht) war außerordentlich unruhig. Wieder und wieder zogen brüllend— von Singen war tatsächlich keine Rede— und angetrunkene Horden durch die Stadt und ließen die friedlichen Bewohner, die immer noch der vielleicht nicht„modernen Ansicht sind, die Nacht sei zum Schlafen da, nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder mußte die Polizei— und mitunter ganz energisch— Ruhe stiften, sodaß die betrefffenden Beamten in der vergangenen Nacht tatsächlich keinen leichten Stand hatten. **(Ein überaus frecher Diebstahl) ist in vergan gener Nacht am Freischütz ausgeführt worden. Ein draußen im Garten angebrachter und festgeschraubter Automat— ein breit lächelndes Vollmondgesicht darstellend— ist von nichtsnutzigen Buben herausgebrochen, in eine nahe Tannenschonung geschleppt und dort aufgebrochen und beraubt worden. Heute morgen wurde der Automat von zwei nach Schwerte zur Arbeit gehenden jungen Leuten gänzlich demoliert vorgefunden.— Auch sonst ist am Freischütz böse gehaust worden, so ist ein dort stehendes kleines Karoussel böse beschädigt.— Hoffentlich gelingt es, die wüsten Buben, die in vergangener Nacht, wie an anderer Stelle mitgeteilt wird, auch in den Straßen Schwertes durch wüstes Gebrüll ihre Bildung kundtaten, zu fassen und sie einer nachdrücklichen Strafe entgegen zu bres. (Gefaßter Dieb.] Vor turzem bericheten wir, daß am Freischütz einem Knecht des Herrn Nathe ein Beutel mit 27 Mark Kleingeld vom Wagen gestohlen worden ist. Den Nachforschungen des Gendarmen Herrn Matthes ist es gelungen, den Dieb zu ermitteln und zu verhaften. Es ist Her Anstreicherlehrling H., der vor kurzem vom Flur der Fahrradhandlung C. W. Böhmer ein Zweirad entwendet und damit gen Ergste verschwand, aber wieder eingeholt wurde. Der ung ratene Junge hat seinen braven, redlichen Eltern schon wauchen Kummer gentucht..ante.) Bistfachen *;(Westfalenfahrt zur Wasserr 4eser aste Soaderfsdgrf Vortnund Haudurg ai. ughent Helgoland Hamburg Zu verouhulgzu zunes Gesellnach Hauburg eriolgt uit Voen,ormittags von Dortschafts=Sonderzuges am 2. Jul) Dex Provinz schlieund n, Tein Zetracht kommenzen eit se 11 au K ba owuev. Die ote de icktegr nach Hamburg kunft in Hamburg bis zur Rütrg..—, Geträufe) Kosten und in verhältnismäßig kurz. Kosten und in verhältnismäßig kur. von Sehenswürdigkeiten und Einrichtungen der Handels= und Kriegsmarine unter sachverständiger F rung in Augenschein zu nehmen, dürfte sich in a barer Zeit nicht wieder bieten. Nähere Auskunft teilen die einzelnen Ortsgruppen des Leutschen ten=Vereins, an welche Meldungen zu richten## Das vorläufige Programm der Sonderfahrt auch von der Hauptgeschäftsstelle des T. F.*# nd besen e Milichranwärter im Bezirt des *(Stellen für Militäranwar 7. Armeekorps.) Die ausgeschriebenen Stellen sino nur für solche Personen bestimmt, die den Zivilversorgungsschein besitzen. Anrath, Königl. Gefängnis, Lohnschreiber, 75 Mk. monatlich, steigend bis 100 Bochum, Magistrat, 2 Boten, je 1200 Gehalt, steigend bis 1800 Mt. Vorbeck, Bugg Mg. Gottreanassistent, 1650 Mk., steigend bis—.; uu, 6 rop, Amtsgericht, Kanzleigehilfe, monatlich etnn Dortmund, Amtsgericht, 3 Kanzleigehilfen, 16 Pfg. für die Seite.— Dümpten, Landkreis Mülheim an der Ruhr, Bürgermeisteramt, Vexwaltungssekretär, 1200 Mk. Gehalt, steigend bis 1800 Mk. Gladbeck, Polizeiverwaltung, Polizeisergeant, 1200. Gehalt, steigend bis auf 1800 Mk.— Hagen, Gerichtsgefängnis, Gesangenaufseher, 900 Mk. Gehalt, steigend bis 1500 Mk.— Hamm, Amtsgericht, Kanzleigehilfs, 6 bis 16 Pig, für die Seite.— Im Bezirt ggzapitig. Oberpostdirektion Dortmund, Kaiserl. Pon. Postschaffner, 900 Mk. Anfangsgehalt. W., Polizeiverwaltung, Polizeischreiber, 1400 Mk. halt, steigend bis 1900 Mk.— Münster i. W., Magistral, Polizeisergeant für den Nachtdienst, eventl. päter für den Tagesdenst, 130 Mk. Gehofzeu bis 2000 Mk.— Opladen, Stadtgemeinde,# geant, 1200 Mk. Anfangsgehalt.— Senden i. W., Gemeindebehörde, Polizeisergeant, 900 Mk. halt.— Sterkrade, Bürgermeisteramt, Hilfsvollziehungsbeamter und Gemeindediener, 1100 Mk. Gehalt, steigend bis 1500 Mk.— Warstein i. W., Provinzialheilanstalt, Schlosser und Heizer, 1050 Mk. Gehalt. Werl, Stadtverwaltung, Flurschütz, 900 Mk. Gehall. Wülfrath, Polizeiverwaltung, Polizeisergeant, Mk. Anfangsgehalt. len für Bruteier. Jeder Züchter kann direkt bei den Zuchtstationen Bruteier zu sehr mäßigen Preisen erhalten. Sehr große Posten werden am zweckmäßigsten beim Landwirtschaftlichen Kreisverein in Hörde bestellt. Von hier werden die Aufträge zur schnellsten Erleeigung an die Stationen weiter gegeben. Jeder Geflügelhalter strebe mit Hülfe der Stationen dem Ziele zu: Größte Leistungsfähigkeit der Tiere mit größter Schönheit derselben zu verbinden. Zurzeit sind folgende Zuchtstationen vorhanden: a) für weiße Wyandottes 1. Opherdicke, Lehrer Cordes, 2. Holzwickede: Hauptlehrer Broer, 3. Schüren: Lehrer Dechow, 4. Hombruch: Lehrer Bramann, 5. Annen: Lehrer Altstade. b) für rebhuhnnfarbene Italiener: 1. Lichtendorf: Lehrer Siethoff, 2. Holzen: Lehrer Hillefeld, 3. Eichlinghofen: Hauptlehrer Kottmann, 4. Hombruch: Invalide Kraemer, 5. Aplerbeckermark: Wirt Ellernbrock. Rhein.=Westfälischer Verband evang. Arbeitervereine. Schwerte, den 29. April. Im evang. Gemeindehaus zu Witten fand gestern die jährliche Verbands=Vorstandssitzung des rheinwestfälischen Verbandes evang. Arbeitervereine statt, in der auch der hiesige evang. Arbtiter= und Bürgerverein vertreten war. Der Vorsitzende des Verbaudes, Herr Pfarrer Niemeyer Eichlinghofen, begrüßte die anwesenden Ehrengäste, die Herren Oberbürgermeister Dr. Haarmann aus Witten und Herrn Pastor Cremer=Witten, den Vertreter des Vereins für Innere Mission in der Grafschaft Mark. Herr Dr. Haarmann rief der Versammlung ein herzliches Willkommen seitens der Bürgerschaft zu, bekannte sich als warmer Freund der Bestrebungen der Arbeitervereine auf sozialem Gebiet; und bezeichnete die evang. Arbeitervereine als das beste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie. In den nun folgenden Verhandlungen; g### sich zunächst eine sehr lebhafte Debatte über Agg g. tung einer Kindersterbekasse. Der Inoschur des Verbandes teilt nach reiflicher Ueberlegung dazu folgendes mit: Die Errichtung einer Kindersterbekasse resp. die Aufnahme von Kindern in die bestehende Sterbekasse ist möglich, wenn die Beiträge auf monatlich 25 Pfg. pro Mitglied festgesetzt werden. Die Era l s o g a n e g e r i n g s e i n u n d f ü r s g a n z e * Hennen, 27. April.(B;=Hiettef. Lokale des Wirts W. Albrecht; für die Gemeinde Ergste am 14. Mai ds. Is., vorm. von 9—12 und nachm. von 2—4 Uhr, im Lokalle des Wirts Karl Kappenstein für die Gemeinde Berchum am 16. Mai, vorm. von 10 bis 1 Uhr, im Lokale des Wirts Louis Bergmann daselbst. Um Beitreibungskosten zu sparen, empfiehlt es sich, die Steuern in den Terminen zu entrichten. Geflügelzucht im Kreise Hörde. Schwerte, den 29. April. Blicke des Geflügelzüchters begegnen bei eidurch den Kreis Hörde allerwärts zwei rassen ist das Verdienst des landwirtschaftlichen Kreisvereins Hörde. Derselbe hat mit großen Opfern(13) us eine Legesuhget genan angegeben werden, wie Legefähigkeit wird unnachsichtlich entfernt, sodaß ben werden. Es sind Zuchttiere vorhanden, die bis 28 Eier in einem Monat ohne Unterbrechung gelegt haben. Die einzelnen Zuchtstationen blicken auf ei dreijährige, unausgesetzte, zielsichere Tätigkeit zurück. Neuerdings sind die einzelnen Stämme mit bedeutenden Mitteln ergänzt und aufgebessert worden, sodaß behauptet werden kann, die Zuchtstämme sind, was Schönheit und Ertragfähigkeit anbelangt, also in jeder Hinsicht auf der Höhe. Daher sind nicht nur für den Sportzüchter, sondern auch für den Nutzgeflügelhalter nur die Zuchtstationen die besten Quel hohung wultv. aise zung prtug gem 1.nd fürs ganze Jahr nur 40 Pfg. betragen, statt bisher 2,60 später 3,00 Mark. Damit könnte ein Kindersterbegeld von folgenden Sätzen bestritten werden: Für Kinder bis zu zwei Jahren 10 Mark, von 2—6 Jahren 20 Mark, von 6—10 Jahren 30 Mark und von 10—16 Jahren 40 Mk. Nach längerer Erörterung sieht die Versammlung in Ermangelung geeigneten Materials augenblicklich von der Gründung einer Kindersterbekasse ab, steht aber der Sache sehr wohlwollend gegenüber und erwartet eine weitere Vorlage. P Jetzt folgte die Beratung der neuen Sta#uen der Sterbekasse des Verbandes. Die Aufnahme erfolgt bis zum vollendeten 50. Lebensjahre. Jedes in die Kasse eintretende Mitglied zahlt an Eintrittsgeld bis zum vollendeten 25. Jahre 0,50 Mk., bis zum 30. Jahr 1 Mk., bis zum 35. Jahre 2 Mk., bis zum 40. Jahre 4 Mk., bis zum 45. Jahre 10 Mk. und bis zum 50. Jahre 20 Mark. Die Mitglieder neu beitretender Vereine zahlen im ersten Monat der Zugehörigkeit zum Verband die Hälfte der vorstehenden Sätze als Eintrittsgeld, mindestens aber 50 Pfg. Als Beihilfe zu den Beerdigungskosten(Sterbegeld) werden nach einer halbjährigen Mitgliedschaft 30 Mk., nach einer einjährigen 60 Mk. und nach einer zweijährigen 100 M. gezahlt. Für Mitglieder, welche bei Inkrafttreten dieser Satzungen schon drei Monate der Kasse haben, werden 100 Mk. gezahlt. Die aufgestellten Statuten fanden nach längerer Debatte mit kleinen Abänderungen die Genehmigung der Versammlung. Nach einer kurzen Mittagspause wurden die Verhandlungen gegen 3,30 Uhr fortgesetzt. Herr Pastor Niemeyer erstattete den Jahresbericht. Der V kann mit großer Befriedigung auf den äußeren Fortschritt hinblicken, denn er ist um 19 Vereine und 4000 Mitglieder gewachsen. Er ist auch im verflossener Jahre wieder für die Gewinnung und Ausbildung geeigneter Persönlichkeiten tätig gewesen, welche die Mitglieder des Verbandes über soziale Dinge helehren solle: Eben jetzt tagt in Hannover der 4. Ansoildungskursus, zu dem aus unserm Verband wiederum 7 Teilnehmer entsandt sind. Die Besprechung des mit großem Beifall ausgenommenen Jahresberichts währte über zwei Stunden und förderte manchen Gesichtspunkt zutage, um die Arbeitervereine in christlicher, nationaler und sozialer Hinsicht zu fördern.— Herr Pastor Winkhaus aus Dortmund lud zu der Delegiertenversammlung des Gesamtverbandes deutscher Arbeitervereine in der Pfingstwoche in Dortmund und zu der 25jährigen Jubelfeier des Dortmunder Arbeitervereins am 3. Sonntag nach Pfingsten ein.„ Kassenbericht erstattete Herr Theiß aus Baxoy. demselben betrug die Einnahme 9 107,35 Mr. und die Ausgabe 8585,90 Mk. Das Referat des Herrn Pfarrer Wever=Dortmund über„Enthaltsamkeit und Arbeiterbewegung“ mußte der vorgerückten Zeit wegen ausfallen. Westfalen und Rheinland * Wattenscheid, 27. April. Heute ist hier der dritte Fall von Genickstarre vorgekommen, und zwar ist die 10jährige Tochter eines Metzgers wegen dringenden Verdachtes der Genickstarre in das Krankenhaus über. führt worden. * Essen, 27. April.(Mord und e elostmord.) Am Freitag abend wurde in der Henriettenstraße hierselbst der im Kruppschen Lazarett beschäftigte Krankenwärter Julius Vogt erschossen. Der Täter, ein Bekannter des V., flüchtete nach der Tat und beging Selbstmord durch Erschießen. Vogt erhielt drei Schüsse in den Kopf und einen in di: Lunge und war sofort tot. Bei dem Getöteten wurden Briefe vorgefunden, die auf unlautere, aus krankhafter Veranlagung herrührende Beziehungen mit dem Täter schließeng Welche Motive Veranlassung zu der Bluttat guren,## bisher nicht ermittelt worden. Ibbenbüren, 27. April.(Ein Nachspiel zur Reichstagswahl) fand vor dem Biesiggrgg#ine sengericht statt. Zwei Sozialdemokraten aus 7 waren am Wahltage nach Jöbenbsuzgung porschriftszu kontrollieren, ob die Wahlhandlung sicherte, daß alles in Ordnung sei, un d sorderte d Genossen auf, das Wahllokal zu verlassen. Da sie dieser Aufforderungnicht nachgekommen waren, wurde gegen sie Anklage wegen Hausfriedensbruchs erhoben, und die Genossen Tewes und Ermer wurden gestern vom Ibbenbürener Schöffengericht zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Vermischtes. * Frankfurt, 24. April.(Bös hereingefallen.) Ein 30 Jahre altes Fräulein erstattete heute vormittag bei der Polizei die Anzeige, daß sie ein Engländer, der sich Charles Noel Barpsda nennt und aus Chikago stammen will, um 63.000 Mark betrogen habe. Auf die Ergreisung des Engländers und die Herbeischaffung des Geldes hat die Dame ein Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Sie lernte den Engländer in München kennen, wo beide in eingzu## sion wohnten. Der fremde Herr gab sich alls Vertrrter der Standart Oyl Company in Amerika aus, deren Auftrage er nach München gereist sei. Die beiden kamen überein, sich in Frankfurt zu vertohen dann gemeinsam die Reise nach Amerika anzulterrn. Vor einigen Tagen machten die beiden eine Tour an den Rhein. Nach Frankfurt zurückgekehrt erhob das Fräulein auf einer hiesigen Bank 63000 Mark und übergab sie ihrem Bräutigam. Dieser ist seitdem mit dem Gelde verschwunden. Die Polizei hat nach allen Hafenplätzen Telegramme mit dem Signalement des Entflohenen geschickt. * St. Gallen, 26. April.(Im Rickentunnel,) der das St. Gallische Toggenburg mit dem Gebiek des obern Zürichersees und dem Kanton Glarus durch einen neuen Schienenstrang in eine direktere Verbindung bringen soll, ist durch die unerwarteteingetretenen und intensiven Ausströmungen von Grubengas eine gefährliche Störung der Durchstichsarbeiten eingetreten. Bereits waren auf der Südseite 3700 un auf der Nordseite 4300 Meter gebohrt, sodaß nur noch 604 Meter zu überwinden gewesen wären, als au beiden Seiten Gasadern angeschnitten wurden, we che unter heftigen Explosionen sich entzündeten. Seit mehr als einer Woche dauert nun der Grubenbrand, sondern auch die weiter rückwärts vorgenommenen eine Mauer von schtobertuweniger leitenz gitge und unter dem penewarten, ob sich die Gasadern nicht selbst bald erschöpfen. London, 26. April. Derv on Rotterdam her eingetroffene deutsche Dampfer Theodor landete heute in Blythe den Kapitän und 18 Mann des in Cardiff beheimateten Dampfers Gratia, der menstoß mit Theodor auf der Höhe bei Whitby sank. *(Die Sicherheitszustände in Paris) haben sich in letzter Zeit trotz aller Bemühungen der Polizei noch mehr verschlimmert, sodaß von allen Seiten gebieterisch Abhilfe, toste es, was es wolle, verlangt wird. In manchen Vierteln kommen Ueberfälle und Morde taglich fast zu jeder Stunde vor und zwar nicht einmal aus Raubgier, sondern aus dem einfachen Vergnügen der vertierten„Apachen“ am Blutvergießen. Nur dieses kann das Motiv der furchtbaren Mordszene gewesen sein, die in der Nacht zum Samstag in der entlegenen dunklen und fast ungepflasterten Rue Eduard=Robert sich abspielte. Zeuge war allerdings niemand; man fand nur, nachdem Anwohner gellende Hilferufe vernommen hatten, ohne sich herauszuwagen, gegen Morgen die Leiche einer vierzigjährigen Frau, die durch einen Dolchstich in den oberen Teil der Gurgel getötet worden war und in ihrem wahren Blutmeer badete. In der Ermordeten wurde eine brave Familienmutter, die Aufwärterin Talove, ermittelt, die bei einem Firmungsdiner in der Familie ihres Arbeitgebers aufgewartet hatte und deshalb erst spät nach Hause gehen konnte. Da ihr Tagesverdienst und die ihr eingehändigten Trinkgelder bei ihr gefunden wurden und da ein Rachemotiv für die Mordtat nicht vorhanden sein kann, weil die arme Frau ruhig mit ihrer Familie lebte, so bleibt nur die Annahme übrig, daß ein Appache aus Blutdurst, wie das in letzter Zeit schon vielfach festgestellt wurde, den scheußlichen Mord begangen hat: Man darf nicht darüber erstaunen, daß unter solchen Sicherheitsverhältnissen das Verlangen immer lebhafter wird, eine kräftige Lynchjustiz in Paris sich einbürgern zu sehen, und daß diese auch in der letzten Zeit bereits vielfach energisch in Aktion getreten ist. *(Von einem erbitterten Feind der Automobilisten) erfuhr man aus einer Berliner Gerichtsverhandlung. Es ist ein früherer Handlungsgehilfe und jetziger Hülfsbahnschaffner Rosenberg, der mit einer Kontrolluhr in der Hand und in versteckter Stellung freiwillig die Schnelligkeit von Automobilen prüft. Wer zu rasch fährt, wird unweigerlich von ihm zur Bestrafung angezeigt. In einem einzigen Jahre soll er etwa 3000 Anzeigen erstattet haben und hundertmal gegen die nichtsahnenden Automobilisten als Zeuge aufgetreten sein. Wegen seines„Privatvergnügens“ wird er natürlich in den Kreisen der Autoführer weidlich 6 558 (Wilhelm Rohr bei Moltte und Menzel! Man schreibt den„M. N. N.“: Zwei charakteristische Anekdoten knüpfen sich an den Verkehr des ausgezeichneten, jüngst verstorbenen Maler=Radierers Wilhelm Rohr bei dem Feldmarschall und der kleinen Exzellenz und an die Entstehung seiner bekannten Moltke= und Menzelporträts.— Der Feldmarschall hatte, als er W. Rohr im Februar 1889 saß, sehr viel Interesse für die Art und Weise der Entstehung einer Radierung und war, was eine klein: Eitelkeit von ihm war, stets darauf bedacht, daß seine Hände von dem Künstler mit ganz besonderer Liebe und Genanigkeit ausgeführt würden. Als Rohr diese Aufgabe zu seiner Zufriedenheit gelöst hatte und ihm sein fertiges Porträt mit der Bitte übergab, es bei Gelegenheit— es hätte ja Zeit— zu unterzeichnen, da gab Moltke die ihn so charakterisierende Antwort:„Ich bin gewohnt, nichts zu verschieben, was ich sofort dun kann!“ Bei seinen häufigen Reisen nach Berlin besuchte W. Rohr meist auch Menzel, dem er dann stets seine neuesten Arbeiten vorlegte. Einst kam Rohr wieder mit seiner Mappe in Menzels Haus; die kleine Exzellenz öffnete selbst, da der Diener eben fort war, in seinem langen verschabten Samthausrocke, in dem ihn Rohr auch porträtierte; da fiel, als die Künstler sich begrüßten, die Tür ins Schloß, beide ausschließend. Es blieb ihnen nun nichts übrig, als sich auf die Treppenstufen zu setzen und sich die Zeit mit Gesprächen zu vertreiben wobei aber die kleine Exzellenz, als der Diener nach einer Stunde noch nicht erschien, immer erregter wurde und nun mit weithin vernehmbarer Stimme über den Saumseligen räsonnierte. Nun war es geradezu göttlich zu sehen, so erzählte Rohr oft im Freundeskreise, wie Menzels Zorn, als das Faktotum endlich erschien, mit dessen immer näher kommenden Schritten mehr und mehr verrauchte, ja einer Miene der Ergebung Platz machte, und wie die kleine und doch so große Exzellenz zu guterletzt noch schweigsam bestätigend den Vorwurf einsteckte:„Ja, sehen S', Exzellenz, ich hab's jetzt oft genug gesagt, Sie sollen halt den Schlüssel nicht vergessen!“ Büchertisch. Konzert des„Sängerbund Schwerte, den 29. April 1907. Trotz des„lieblichen“ Aprilwetters, das, gestzern nachmittag einsetzte, war das Konzert des.. bund“ im Freischütz sehr gut besucht, sodaß der grope Saal und die Veranda völlig besetzt waren. Der„Sängerbund“ hat mit dem gestrigen Konzerte gezeigt, daß er wieder über das alte bewährte Können verfügt und in alter Kraft und Stärke dasteht. Das freut uns ebensosehr, wie wir jede andere Entwicklung dieser alten Pflegestätte des deutschen Liedes auf das lebhafteste beklagt haben würden. Wenn wir uns jetzt den gestrigen Darbietungen des Sängerbund=Chores zu wenden, so müssen wir zunächst feststellen, daß in ihm ein durchaus anerkennenswertes, über den schnitt hinausgehendes Stimmenmaterial steckt, und weiter, daß Herrn Musikdirektor Steinkühler in verhältnismäßig kurzer Zeit eine brillante Schulung der Sängerschar, in der mancher Neuling steckt, gelungen ist. So klappten gleich die beiden ersten Chore„Sängergruß“ von Steinkühler und„Heimatliebe“ von Wengert ausgezeichnet. Formvollendet und mit großem Ausdruck vorgetragen wurde auch das alte ewig schöne Lied:„Innsbruck, ich muß dich lassen", nach welchem Pau l Gerhardt bekanntlich sein„Nun ruhen alle Wälder“ gedichtet hat. Eine vollendete Leistung war auch der Vortrag von Rebberts„Morgenrot", wenngleich uns die etwas gekünstelte und geschraubte Melodie Rebberts nicht so gut gefällt, wie die schlichte Volksweise selbst. Einen tiefen Eindruck machte dann im zweiten Teile der machtvolle, mit chesterbegleitung vorgetragene Sang Beethovens„Die Himmel rühmen“. Wie eine weihevolle, relig Stimmung legte sich's über die Zuhörer und immer wieder setzte nach Schluß der Begfallssturm ein und fließend, weich und schmiegsam, stimmungsvoll und schmeichelnd, je nach ihrer Eigenart, wurden auch die kleinen Volkslieder vom Sängerbund gesungen, dessen Vorträge allesamt ein intensives, anerkennenswertes Zusammenarbeiten von Sängern und Dirigent zeigten, und mit denen beide, das ist keine Schmeichelei, sondern Tatsach:, Ehre einlegten. Der ästhetische Genuß dieser prächtigen Sangesleistungen wird leider ein wenig beeinträchtigt— es mag uns gestattet sein, das hier zu sagen— durch die allzu lebhafte Art und Weise des Dirigirens beim Herrn Steinkühler. Die beiden Solisten, Herren Kücke=Aplerbeck(Tenor) und Frese=Gwvelsberg(Bariton) kamen beide zweimal zu Wort oder zu Ton, was wohl richtiger wäre. Ihre Darbietungen haben unseren Erwartungen nicht ganz entsprochen, im Gegensatz zu denen des Sängerbund selbst, durch die sie weit übertroffen wurden. Die Stimme des Herrn Kücke ist zu hart und hohen Lagen nicht recht gewachsen, während sie in mittleren Lagen in klangvollem Wohllaute dahinfließt, auch die Schulung scheint uns nicht abgeschlossen zu sein. Wir halten Herrn Kücke sehr wohl für einen ausgezeichneten Sänger im Chor und hoffen es und wün schen ihm, daß er auch als Solist weitere Fortschritte machen mög:; aber vorläufig ist er nur, wenn auch kein ungeschliffener, so doch noch kein vollendet geschliffener Diamant. Es mag sein, daß wir in Schwerte inbetreff der Solisten größere Anforderungen stellen, als anderorten, und so mag es wohl kommen, daß wir auch von den Darbietungen des Herrn Frese nicht recht befriedigt waren; er tat sein Bestes, das soll anerkannt werden, verfügt auch über gute Schulung, aber nur über eine kleine, wenn auch wohllautende ansprechende Stimme. Voll auf dem Posten war die Münsterische Kürassier=Kapelle, die die klassischen sowohl als auch die übrigen Konzertpiecen in gewohnter exakter Weise zu Gehör brachte. Meyerbeer, Thomas, Mendetssohn, Wagner, kamen zu Gehör und beifällig wurden die einzelnen Darbietungen ausgenommen Alles griff harmonisch ineinander und wenn man kurz über das gesamte Konzert sich äußern sollt:, so könnte man mit gutem Gewissen sagen, daß es eine durchaus wohlgelungene, hohen musikalischen Genuß bietende Veranstaltung war, für die alle Zuhörer dem „Sängerbund“ Dank wissen werden, und auf die er mit berechtigter Befriedigung zurückblicken darf. Wir wünschen dem„Sängerbund“ eine stetige, ruhige Weiterentwicklung nach innen und außen und hoffen, daß er nicht allzu lange wartet mit einem zweiten Konzert. W. Sch. Auf Ibenhof. Roman von Albert JohannsenHermann Hillger Verlag, Berlin W. 9.) Pr. 2 Mt.— Was den Roman Johannsens vor vielen anderen Werken moderner Erzähler auszeichnet, ist die Kraft, die strotzende Gesundheit und die klare, sichere Gestaltung. Vor allem sind die Naturschilderungen in dem Romane von Unmittelbarkeit und Pracht. Aber auch die Natur sieht Johannsen nicht weltschmerzlerisch und sentimental, sondern so wir sie ist, mit gesundem Auge und kluger Beobachtung. Die Schicksale, die sich auf „Ibenhof“, einem vornehmen Bauernhof in der Nähe der nördlichen Meerküste, abspielen, sind allgemein menschlicher Natur, großzügig geschildert und fesselnd ausgestaltet, bis zur letzten Seite des Buches. 1 Trahrmetdungrn. Verunglückter Offizier. Berlin, 28. April. Der Leutnant von Stern vom 2. Garde Dragoner=Regiment stürzte bei der Rückkehr vom Exerzierplatze mit dem Pferde. In hohem Bogen wurde der Reiter zu Boden geschleudert und schlug mit dem Kopfe auf das Steinpflaster auf. Allem Anschein nach hat er einen schweren Schädelbruch erlitten. England überall. Wien, 28. April. In hiesigen politischen Kreisen wird die Tatsache lebhaft kommentiert, daß der österreichisch=ungarische Botschafter in London, Graf Mensdorff, am Freitag in Prag vom Kaiser Franz Josef in besonderer Audienz empfangen wurde. Man spricht von englischen Vorschlägen, die Oesterreich=Ungarn gemacht worden seien. Das Wort entzogen. Leipzig, 28. April. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebkwecht hielt in einer Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den 12. säsischen Reichstagswahlkreis Leipzig=Stadt einen Vortrag über„Militarismus und Antimilitarismus“. Vom überwachenden Polizeibeamten wurde ihm das Wort entzogen. Winters Rückehr. Trier, 28. April. Während hier in der Smot Trier selbst die letzte Nacht nur leichter Schneefall herrschte, sind aus der Umgegend Meldungen über schwere, durch den Schneefall hervorgerufene Schäden eingelaufen. In der Eifel liegt der Schnee mehrere Fuß hoch, die aufkeimende Saat ist auf weite Strecken vernichtet. benachbarten Luxemburg sind viele Telegraphenleitungen zerstört und für mehrere Tage unbrauchbar gemacht. Vielfach stehen Obstbäume, die bereits voll erblühten, in tiefem Schnee. Kriegsgericht. Kiel, 28. April. Das Kriegsgericht verurteilte den Torpedomatrosen Wagener wegen schwerer Mißhandlung Vorgesetzter, des Oberbootsmannsmaats Braasch und des Patrouillenführers Fehling zu sechs Jahren Gefängnis. Durchgebrannt. Kassel, 28. April. Der 17jährige Banblehrling Eysell brannte nach Unterschlagung von 17000 Mk. Bankgeldern durch. Geraubte Kirchenschätze. München, 28. April. Die nachfolgenden Gegenstände aus dem Raube des zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilten Kirchenräubers Kümmele wurden hier in einem Kieshaufen versteckt aufgefunden. In einer Tiefe von 15 Zentimetern fand man vergoldete Kelche, ein wertvolles Meßband, eine zertrümmerte Monstranz und andeves. Zum Tode verurteilt. Bourg, 28. April. Das Schwurgericht verurteilte gestern nach dreitägier Verhandlung Marzo und Georges, die am 12. Januar 1906 auf der Eisenbahnfahrt zwischen Ossilon und Virieux=le=Grand den Archttekten Durel, Direktor des Genfer Kursaales, getötet und beraubt hatten, zum Tode Redaktions=Briefkasten. Geldgewicht. Ja, Sie haben die Wette allerdings ist es möglich, mit Hilfe von Geldstücken ganz bestimmte Gewichte auszudrücken. Wir geben Ihnen nachstehend ein genaue Tabelle. Ein Einpfennigstück wiegt genau 2 Gramm, ein Zehnpfennigstück 4 Gramm, zwei Fünfpfennnigstücke 5 Gramm, ein Zwanzigmarkstück 8 Gramm, 3 Zehnpfennigstücke 10 Gramm, neun Fünfzigpfennigstücke 25 Markstücke 50 Gramm, neun Zweimarkstücke 100 Gr., neun Fünfmarkstücke 250 Gramm. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei &a leiden n an Verdauungs störung. Nerverragend bewahrt bei Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhoe etc. Solange der Vorrat reicht: Gute im Tragen bewährte halbwollene und reinwollene zu 85 und 95 Pfg. das Meter. früherer Preis bedeutend höher. 40IIH. Verdingung. Die Maurer=, Zimmer= und Schreinerarbeiten zum Neubau eines Wohnhauses für Herrn Fr. Theile, Fabrikant in Billigst, sollen ergeben werden. Offertenunkerlagen und Ausführungsbedingungen sind auf meinem Bureau erhältlich, auch liegen dort Zeichnungen zur Einsicht auf. Termin der Offertenabgabe: Sonnabend, den 4. Mai er., vormittags 10 Uhr. Der Bauleiter: Friebel, Architekt. 1 Schwerte Hüsingstr. 3. Pemhnies. Gestern Abend 8 Uhrentschlief sanft nach schwerem Leiden unser liebes Söhnchen und Brüderchen Walter im zarten Alter von 9 Wochen Im stille Teilnahmo bitten Die trauernden Hinterbliebenen H. Kockelke u. Famil Ergste, den 28. April 1907. Die Feerdigung findet Mittwoch, nachmittags ½4 Uhr vom Trauerhause aus statt. hüte, Mützen, Wäsche, Cravatten, Glace=Handschuhe Größte Auswahl Bernh. Feit, Hüsingstraße 23. 221 Fernruf 221. Einige Zeutner ausgelesene Pflanzkartoffeln zu verkaufen. W1829 Müller, Posstraße 8. Totenbriefe liefert schnell und billig Carl Braus, Schwerte II. zür Bergbann Hohensyburg von Sonntag, den 28. cr. ab täglich in Betrieb. Gleichzeitig wird auf die vorläufig probeweise auf ein Jahr(bis September cr.) eingeführten ausserordentlich billigen Fahrpreise unserer gesamten Linien hingewiesen. Hörder Kreisbahnen. Nach Gottes unerforschlichem Ratschlusse entschlief sanft am Samstag Nachmittag 1½ Uhr, nach langem, schwerem Krankenlager, unsere liebe Ctara im Alter von 10½ Jahren. Dies zeigt tiefbetrübt an Familie Seegref. Schwerte, den 29. April 1907. Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 3½ Uhr vom Sterbehause Bruchstr. 13 aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, bitten wir diese als solche anzusehen. Augenlinks! Mit wenigen Bürstenstrichen gibt GeilhelsMlesss inroten Dosen, mit dem Kam in feger prächtigen Glanz: un den meisten Geschäftenzu haben ehstsantduildentner tfoppngen-1 2 bis 3 tüchtige Maurer= auf sofort gesucht. Hengsen W1810 Einige Zentner Maxuideur billig abzugeben „Schwerter Zeitung. 7 Matjesheringe empfiehlt Carl Trog Fernsprecher 234.= # Stadles Wer Wer Der vormittags stroße Nr. gebunden ist durch Trunksucht und sich und an dere in größerem oder geringerem Maße schädigt an Leib und Seele, sich zu schützen sucht vor den Gefahren des Alkohols, durch Gebet und Arbeit mithelfen möchte, daß arme in Trinksitten und Trunksucht Gebundene gerettet werden, möge sich einfinden in der Blau=Kreuzstunde des Schwerter Blau-Kreuzvereins jeden Sonntag, 8 Uhr im Lokal der Stadtmission 7. 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Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreie Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Reeterung durch Uerötfentlichung in der„Scdwerter Zeitung“ veiteverbindliche Kraft. o 0 0 O OO OCOSSOG 9 Druck u. Verlag von Carl Braus. Schwerte. Fernsprech-Aus cies: Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus. Schwerte=Kubr.# Das Auto. Der Weisheit des Fuchses der die Trauben, die er nicht erreichen konnte, als sauer bezeichnete, begegnet man im alltäglichen Leben häufig genug. Dinge, die man sich nicht beschaffen kann, hält man gern für überflüssigen Luxus und Tand, für eine unnütze Last. Man kann diese Argumentation gern gelten lassen; wir möchten sie auch auf die Wertschätzung ausdehnen, deren sich das moderne Verkehrsinstrument, das Automobil erfreut in den Kreisen derer, die sich ein so kostspieliges Fahrzeug nicht leisten. Aber die Abneigung, die sich gegen dieses Fuhrwerk in der großen Masse der glücklichen Nicht=Autobesitzer geltend macht, beruht doch nicht nur auf jener Fuchsweisheit, sondern auf realeren Grundlagen. Sachliche Anregungen und Vorschläge entfesseln in dem mit solchen Dingen übersättigten deutschen Reichstage selten einmal stärkeren Beifall. Als aber dieser Tage der nationalliberale Abgeordnete Prinz Schönaich=Carolath Schutzmaßnahmen des Publikums gegen die Automobile forderte, da erscholl ein hundertstimmiges lautes Bravo im Sitzungssaal. Und in der Tat, heute möchte man den Schillerschen Vers:„Die Welt ist vollkommen überall— Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.“ dahin ändern, daß man für„der Mensch“„das Auto“ setzt. Es vergeht kein Tag mehr, an dem nicht die Kund: von irgend einem Automobil Unfall an unser Ohr dringt. Bald sind es die In sassen des Kraftwagens, die irgend einem Zufall oder einer Unachtsamkeit Leben oder Gesundheit opfern, bald geraten harmlose Passanten unter die Räder des rasenden Ungetüms. In den größeren Städten ist die Automobilfahrerei zu einer öffentlichen Plage geworden, die mit der Schnelle des Gedankens dahinsausenden Gefährte rauben dem Bürger noch den spär lichen Rest seiner Nerven, den ihm die elektrischen Straßenbahnen, die Fahrräder und das ganze hastende Treiben der Großstadt noch gelassen haben. Der Gestank— Geruch wäre doch zu wenig gesagt— und der knatternde und ratternde Lärm, den die ontsetzlichen Dinger erregen, die Staubwolken, welche sie aufwirbeln, können auch den ruhigsten Menschen in eine gelinde Raserei versetzen. Und wenn sich das Leiden auf die Großstädte beschränkte, ginge es nocht es ist ja niemand gezwungen, darin zu wohnen. Aber überall auf dem Lande ist es nicht besser. Gerade wo landschaftliche Schönheit lockt, da wird der Frieden der glücklichen Bewohner durch das Schnaufen des Autos erschreckt. Da gibt es kein sorgloses Lustwandeln mehr auf den Wälder und Felder durchschneidenden Landstraßen, da gibt es kein ruhiges Genießen der Naturchönheiten mehr, kein freies Atmen in der ozonreichen Luft. Eine Sorge beherrscht alle Gemüter, das plötziche Auftauchen des entsetzlichen Autos und die rechtzeitige Sicherung von Leben und Gesundheit vor dieser jähen Gefahr. So liegen die Dinge in Wirklichkeit, wie die täglichen und überall lautwerdenden Notschreie bezeugen, Wer es gut mit unserem deutschen Volk meint, hat daher die Pflicht, an seinem Teile dahin mitzuwirken, daß die Auswüchse des Automobil= wesens wirksam beschnitten werden. Politische Uebersicht. Die Rekrutierung in Rußland. Petersburg, 26. April. Eine Regierungsvorlage fordert in diesem Jahre zur Aushebung 463000 Rekruten, fast ebenso viel wie im Kriegsjahre. Diese Vergrößerung der Präsenzstärke wird vom Kriegsminister einerseits mit den innerpolitischen Zuständen, anderseits mit der notwendigen Verstärkung der ostasiatischen Truppen begründet.— Rußland zeigt also nicht die geringste Neigung zur Abrüftung. Deutschland in Persien. London, 26. April. Der Finanzberichterstatter des„Daily Telegraph“ findet es nur natürlich, daß die deutsche Orientbank versucht, sich der englischen Imperial=Bank of Persia gegenüber mit der neugegründeten persischen Nationalbank zu verbinden, die unter deutschen Anspizien gegründet sei. Was verlangt werden müsse, sei nur, daß die britische Regierung die Rechte und Privilegien der Imperial=Bank schütze. Hierzu gehöre das ausschließliche Recht der Banknotenmission, daß ihr im Jahre 1889 auf 60 Jahre bewilligt wurde. König Eduards Alpdrücken. London, 26. April. König Eduard scheint das „Alpdrücken der Koalitionen“ empfunden zu haben, als er den Aufruhr sah, den das Gerücht eines Vierbundes vorbereitete. Jetzt beeilt sich die englische Regierung, die neueste Leistung ihres königlichen Diplomaten, den Mittelmeer=Vierbund, zu verleugnen. Amtlich erläßt die Regierung die ungewöhnliche Erklärung, daß keinerlei Begründung für die Nachricht über den Abschluß eines Marinebündnisses zwischen Großbritannien und Spanien, und die Bildung einer Quadrupelentente Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien bestehe. Und die„Daily Graphic“ bemerkt als Beschwichtigungsrat, das Bündnisgerücht habe einen unendlichen Unfug angerichtet, der in Wien und Berlin Gereiztheit, und in Spanien die ersten englandfeindlichen Kundgebungen seit der Heirat des Königs verursacht habe. Die Ableugnung wird England wenig helfen. Englunds Abrüstung. Der kluge„Daily Expreß“ hat, wie wir schon mitteilten, glücklich erfahren, wie, sagt er nicht, daß Deutschland seit dem Vorjahre zwei Linienschiffe baut ganz heimlich— die noch 1000 Tonnen größer sind als„Dreadnonght“, der berühmte, und noch vier schwe re Geschütze mehr führen sollen als jener, allerdings um 1 Ctm. im Kaliber geringer. Das kommt davon, daß die Engländer so wenig fremde Sprachen treiben und die verdammten deutschen Zeitungen nicht lesen. Denn sonst müßte doch das Blatt wissen, was seit Monaten alle Welt in Deutschland weiß, daß nämlich die beiden ca. 19000 Tonnen großen Linienschiffe,„Ersatz Bayern“ und„Ersatz Sachsen“ sich auf der Kaiserlichen Werft von Wilhelmshaven und auf der Werft der Aktien=Gesellschaft Weser seit vielen Monaten ganz öffentlich im Bau befinden, und daß noch in diesem Jahre zwei weitere,„Ersatz Baden“ und„Ersatz Württemberg“, dazu kommen. Diese Schiffe aber erhalten 14 28 Ztm.=Geschütze als Hauptartillerie. Allerdings ist der Kaliberunterschied 2,5 Ztm., nicht 1 Ztm., wie das Blatt meint, das schlecht informiert ist. Wir hoffen stark, dem„Dreadnought“ mindestens gleichwertig: Schiffe herzustellen. Allerdings geschieht das nur in bescheidener Zahl, in zwei Exemplaren bis jetzt, während England ein: solche Maschine bereits fertig hat und drei baut, die alle schon 1908 senkbar sein sollen; eins„Femeraire“ zu Devonport, soll schon August ds. Is. ablaufen. Außerdem sind ja auch noch drei weitere Linienschiffe, wenig kleiner und wenig schwächer armiert, im Bau, von denen das erste,„Indominable“, am 16. März zu Wasser kam. Zwar nennt man diese drei Schiffe Panzerkrenzer, aber nur in England; in Wirklichkeit sind sie Linienschiffe, so stark, wie sie ferK „Ich straf: Roman von Wilhelm Fischer. 6. „Konnte auch ein Dritter im Wartesaal bemerken, daß der Mann Geld hatt:?“ „Wohl möglich, wenn wir auch ziemlich abseits saßen.“ „War der Saal gefüllt und fiel Ihnen vielleicht jemand auf, der sich in verdächtiger Weise um Sie und um den Fremden herumdrückte?“ „Der Restaurationssaal war nicht so gefüllt, daß wir das nicht bemerkt hätten. „Erinnern Sie sich der Personen, die an den Nebentischen saßen?". 6 „An dem großen Tisch quer saßen einige Bahnbeamte und eine Familie, an einem kleinen Tische nicht weit von uns ein junger Mann; seiner Kleidung nach ein Engländer; ich hielt ihn für einen Jockey oder Trainer.“ „Wie kommen Sie auf den Gedanken!“ „Nun, zwischen Hamburg und Berlin, den beiden großen Rennplätzen, verkehren Jockeys und Trainers so regelmäßig, wie die Militärkuriere zwischen Potsdam und Berlin. Er fuhr mit uns, ich sah ihn hier wieder auf dem Perron.“ „Hatte er es hier eilig?“ „Das fiel mir nicht auf.“ „Trug er Gepäck?“ „Ich achtete nicht darauf, denn ich bin immer sehr stark beschäftigt und in Anspruch genommen, wenn der Zug eingelaufen ist.“ „Vielleicht können Sie mir sagen, ob er blond oder brünett war?“ „Natürlich blond, wie fast jeder Engländer.“ „Sie würden den Mann wieder erkennen, sobald er Ihnen, sagen wir, auf der Straße begegnen würde?“ „Unter allen Umständen.“ „Sie haben den Mann wohl auch bemerkt, Schulze?“ „Noch nicht, Herr Kommissär! Ich muß ihm in Hamburg wohl den Rücken zugekehrt haben und auf der Reise selbst ist er mir nicht aufgefallen. „Nun erzählen Sie weiter, Herr Müller.“ „Kurz vor der Abfahrt brachen wir auf; Schulze trug dem Herrn das Gepäck nach, während ich ein Konpee für ihn reservierte, das er auf meinen Wink etwa eine halbe Minute vor Abgang des Zuges, als sämtliche Passagiere eingestiegen waren, aussuchte.“ „Ich hatte, um ihn nicht zu stören, sein Billet revidiert. Die Bahnhofsperre überhebt uns dessen ja so ziemlich“, setzte der Schaffner hinzu, der wohl eine Ahnung davon haben mochte, wie sehr er durch seine Gefälligkeit unbewußt dem Verbrechen Vorschub geleistet hatte. „Sie revidierten also das Koupee auf der ganzen Jahrt nicht?“ „Nein, Herr Kommissär!“ „Haben Si: den Abteil vielleicht abgeschlossen?“ „Doch nicht, Herr Kommissär, das wäre gegen die Instruktion.“ „Ist es nicht unmöglich, daß, von Ihnen unbemerkt, doch noch bei der Abfahrt in Hamburg selst oder auf einer der übrigen Stationen ein zweiter Passagier das Konpee des Fremden benützt haben kann? Daß es möglich ist, beweist uns ja die Tat. Ich will nur die Möglichkeit von Ihnen zugegeben wissen.“ „Die Möglichkeit können wir nicht bestreiten; daß sich aber so was ereignen konnte, ist uns ein Rätsel!“ „Während der ganzen langen Fahrt ist Ihnen also nichts aufgefallen?“ „Nicht das Geringste, Herr Kommissär.“ „Sie geben auch die Möglichkeit zu, daß der Mörder nicht erst hier in Berlin, sondern kurze Zeit nach der Tat auf einer der Zwischenstationen z. B. in Wittenberge, von Ihnen unbemerkt das Koupes verlassen konnte?“ Die beiden Beamten blickten sich fragend an, dann schwiegen sie achselzuckend. „Sie geben also diese Möglichkeit zu“, wiederholte Manderscheidt seine Frage. „Auch diese Möglichkeit müssen wir zugeben; wir sind auf den Zwischenstationen meist so beschäftigt, daß wir in den seltensten Fällen auf die Passagiere achten können. Der Aufenthalt ist dort meist so kurz, daß alles Hals über Kopf geht.“ Manderscheidt beharrte umso weniger auf diesem Gegenstande, als er wußte, daß die Polizeiorgane an der ganzen Linie bereits von dem Mord in Kenntnis gesetzt und auch von der Möglichkeit informiert waren, daß der Mörder seine Fahrt unterbrochen habe und auf irgend einer der Stationen geflüchtet sei. Er sah übrigens ein, daß aus den beiden Zeugen vorerst nichts eigentliches mehr herauszulocken sei, und so b rach er denn in Anbetracht der vorgerückten Zeit das Verhör mit den Worten ab: „In der Hauptsache wären wir für heute fertig; hallten Sie sich doch morgen zu meiner Verfügung, oder noch besser, suchen Sie mich beide morgen früh um 10 Uhr in meinem Amtsbureau im Polizeipräsidium auf, Krimnalkommissär von Manderscheidt. Das mit dem Taler behalte ich für mich, da ich gesetzlich nicht verpflichtet bin, Aussagen von einwandfreien Zeugen entgegenzunehmen, die ihnen möglicherweise zur Unehre gereichen könne. Sie sind entlassen und auf Wiedersehen morgen!!“ Damit entließ Herr von Manderscheidt die sich tig heute keine Nation besitzt.— Weshalb sollen wir eigentlich nicht solche Linienschiffe bauen? Fühlt man sich in England dadurch beängstigt, daß wir vielleicht deren zwei gegen mindestens sieben Englands besitzen könnten? Der Artikel des„Daily Expreß" macht den Eindruck höchster Angst, die durch großartige Dreistigkeit verdeckt werden soll. Vielleicht läßt Spanien einige solche Linienschiffe in England bauen, vielleicht auch Italien. Die könnte man gegebenenfalls dann kaufen. Die Geschäfte im Mittelmeer sind ja, dank der Gewandtheit des reisenden Königs, anscheinend gut gediehen.— Aber Spaß beiseite: Der Spleen scheint gegenwärtig stark in seiner Heimat zu grassieren. Der erste Lord sagt: Man besitze die Seeherrrschaft und wolle sie auch behalten, und nun kommt ein Blatt und erregt sich darüber, daß andere sich unterstehen, auch auf die See zu gehen und eigene Kriegsschiffe zu bauen, um sich von der„Herrschaft“ nicht allzusehr ausnutzen zu lassen. Geht es so weiter, so wird man wohl noch verlangen, daß wir unsere Kanonen nur noch mit Schokolade laden dürfen und uns überhaupt zu erkundigen haben, ob, wo, wann, wie groß und für wieviel Geld Deutschland Schiffe bauen darf. Durch die Erklärungen der Regierungsvertreter im Parlament, die Reisen König Eduards und durch die Hetze dr Presse gegen Deutschland hat man wahrlich das Feld für Abrüstungsvorschläge zur Haager Konferenz vorbereitet. Außer den sozialdemokratischen Blättern ist denn auch die gesamte Presse Deutschlands der Ansicht, daß das Vorbringen von Abrüstungsgedanken seitens eines britisch=japanisch=amerikanischen oder ähnlichen Konsortiums— Heuchelei oder ein schlechter Witz ist. Westfalen und Rheinland. * Gelsenkirchen, 26. April. Zum weiteren Ausbau der bakteriologischen Krankheitsuntersuchungen hat der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund dem Verein für die Bekämpfung von Volkskrankheiten im Ruhrkohlenrevier, welcher das Gelsenkirchener bakteriologische Institut unterhält bis auf weiteres einen jährlichen Zuschuß von 60000 Mk. bewilligt. Der Verein für die bergbaulichen Interessen setzt dabei voraus, daß eine Vereinbarung zwischen den Kammern, der Gas= und Wasserwerke und der Eisenwerke zustande kommt und daß der Verein zur Bekämpfung der Volkskrankheiten die einheitliche Organisation der bakteriologischen Untersuchungen behält. Der Minister und die zuständigen Landespolizeibehörden haben das Gelsenkirchener Institut mit Untersuchungen über einige wichtige Fragen der Seuchenbekämpfung beauftragt. * Kronenberg, 26. April.(Auf ein ehrwürdiges Alter) blickt der Engal zurück, der dieser Tage von dem Dache des alten reformierten Pfarrhauses heruntergenommen wurde, weil das Haus zu seinem bisherigen Zweck nicht mehr benutzt wird. Der aus Rotkupfer getriebene Engel trägt die Inschrift: „1730 ist dieser Engel von den Junggesellen allhier der reformierten Kirchengemeinde gestiftet worden.“ wiederholt verbeugenden Zeugen und begab sich dann zu seinen Vorgesetzten, die im Arbeitszimmer des Stationsvorstehers noch in voller Arbeit waren. „Fertig, Manderscheidt?“ frug der Direktor, ohne aufzublicken. „Für heute ja, Herr Direktor.“ „Anhaltspunkte?“ „In Betracht der Person des Ermordeten ja, bezüglich des Mörders nein!“ „Der Kerl wird uns viel Arbeit machen, bis wir ihn haben!“ knurrte der Direktor grimmig. „Oder nicht, haben“, meinte der Midizinalrat trokkenen Tones. Der Direktor fuhr ärgerlich auf, aber er entgegnite nichts, hielt er es doch für das Beste, die kleine Bosheit zu überhören. „Sind vielleicht wichtige Meldungen von auswärts eingelaufen, Herr Kriminalinspektor?“ frug Manderscheidt diesen leise. „Sie werden wohl nach Hamburg müssen; ich kann unmöglich fort. Lesen Sie dieses Telegramm aus Wittenberge“, antwortete der Inspektor, dem jüngeren Kollegen die eingegangenen Depeschen zuschiebend, die jener aufmerksam durchlas. Die Wittenberger meldeten wörtlich:„Soeben ermittelt, daß ein Passagier, der mit Eilzug aus Hamburg hier eintraf, ausstieg und mit dem nächsten Zug nach Hamburg zurückreiste. Polizei dort ist benachrichtigt.“ Die anderen Depeschen waren negativen Inhalts. Gegen 2 Uhr des Morgens hatten die Beamten ihre Arbeit erledigt. Müde und wie zerschlagen brachen sie auf. Der Medizinalrat und der Polizeidirektor wohnten im vornehmsten Westen Berlins, Manderscheidt und der Kriminalinspektor in der unmittelbaren Näh: des Polizeipalastes. Vor dem Bahnhof verabschiedeten sich die Herren und fuhren nach Hause, Manderscheidt und Inspektor Winter zusammen. Letzterer legte sich in eine Ecke des Wagens und duselte ein. Manderscheidt hing seinen Gedanken nach; die lange Fahrt quer durch Beulin kam ihm wie eine kleine Ewigkeit vor. Er war froh, als die Droschke in der Großen Frankfurter Straß: vor der Wohnung des älteren Kollegen hielt. Er weckte ihn und verabschiedete sich von ihm durch einen Handschlag. Es schlug 3 Uhr vom nahen Rathausturm, als er daheim das Licht löschte. Aber so müde er auch war, er fand keinen gesunden Schlaf; im Halbschlummer wälzte er sich hin und her; er sah den Mörder im Traume wie von Furien gepeitscht auf schwarzem, schnaubenden Roß über Leichen galoppieren und am Nachthimmel in flammender Schrift die Worte: „Ich straf!“... (Forts. folgt.) Die Junggesellen damaliger Zeit müssen recht fpiedlich gesinnte Leite gewesen sein, daß sie einen Engel stifteten. * Essen, 26. April.(Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter) hält seine diesjährige Generalversammlung in den Tagen vom 29. Juni bis 1. Juli in Gelsenkirchen ab. Auf der Tagesordnung stehen der Bericht über die Geschäftslage in den Jahren 1905 und 1906; der weitere Ausbau des Gewerksvereins; die Aenderung des Berggesetzes in den beiden letzten Jahren; Aenderung der Statuten; Beratung der eingelaufenen Anträge: Neuwahl des Vorstandes und des Beratungsausschusses. * Essen, 26. April. Wegen schweren Aufruhrs verurteilte das Schwurgericht die Bergleute Franz Zink und Alois Zink zu einem Jahr sieben Monaten und einem Jahr acht Monaten Zuchthaus, in letzterer Strafe ist eine früher anderweitig erkannte Straf eingerechnet. Der Anklage lag ein schwerer Krawall in Gelsenkirchen in der Nacht zum 22. Juli vor. Irs. zugrunde, wobei drei Polizeibeamte angegriffen wurden. * Schonnebeck b. Essen, 26. April.(Bei der heutigen Gemeinderatswahl) murden nach äußerst heftigem Kampfe die sozialdemokratischen Kandidaten mit 305 bezw. 290 und 292 Stimmen gewählt. Die bürgerlichen Kandidaten erhielten 221, 265 und 266 Stimmen. Die vorige Wahl war infolge Einspruchs von sozialdemokratischer Seite wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten für ungiltig erklärt worden. * Duisburg, 25. April. Im Verlause der vorigen Woche sind in der Altstadt fünf Personen der Genickstarre zum Opfer gefallen. In vier Todesfällen handelt es sich um Kinder im Alter von 6, 5, eineinhalb und ein Jahr und in einem weiteren Falle um einen Mann von 28 Jahren. Außerdem wurden noch zwei Erkrankungsfälle von Kindern im Alter von 6 bezw. 5 Jahren zur Anzeige gebracht. * Düsseldorf, 25. April.(Wegen Fahnenflucht im Komplott) wurden die Musketiere Hermann Horn und Vinzenz Czech vom InfanteriaRegiment Nr. 53 in Kalk heute vom hiesigen Kriegsgericht zu 15 Monaten 1 Woche bezw. 18 Monaten 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Beide waren am 12. Februar von ihrem Truppenteil flüchtig geworden; Cz. hatte sich am 7. März wieder freiwillig gestellt, Horn wurde in Dinslaken festgenomen, als er sich nach England begeben wollte.— Den Unteroffizier Johann Heinrich Kox, der mit einem seiner Obhut anvertrauten Militärgefangenen mehrere Wirtschaften besucht und dadurch die Flucht des Arrestanten ermöglicht hatte, traf wegen seiner Fahrlässigkeit eine Gesängnisstvase von 2 Monaten einer Woche, der flüchtig gewordene Arrestant wurde mit sieben Wochen Gefängnis bestraft. * Düsseldorf, 25. April. Die Hauptverhandlung gegen den Einbrecher Mostert findet am 6. Mai vor em Oberkriegsgericht in Düsseldorf statt. Von Koblenz sind zu dieser Verhandlung eine Anzahl Zeugen geladen, die bei der Verhaftung des gefährlichen Menschen mitgewirkt haben. * Düsseldorf, 25. April. Eine Verbesserung und Vermehrung des Schnellzugsverkehrs Aachen—M.= Gladbach—Düsseldorf—Hagen streben die Beteiligten Handelskammerbezirke an. In einer Besprechung, die hier stattfand, wurde beschlossen, sich mit einer gemeinsamen Eingabe an den Eisenbahnminister zu wenden. * Düsseldorf, 26. April.(Einen schweren Zusammenstoß mit Einbrechern) hatten heute morgen Bewohner der Fürstenwallstraße zu bestehen. Um 8 Uhr drangen zwei„Gelegenheitsarbeiter“ aus Flingern in die auf der ersten Etage eines Anbaues befindliche Wohnung eines Milchhändlers ein, der um diese Zeit seine Kundschaft abfuhr. Sie erbeuteten eine Geldkassette mit 50 Mark Inhalt und räumten einen Kleiderschrank aus. Die gestohlenen Sachen warfen sie vom Fenster aus auf den Hof hinaus. Während nun der eine Spitzbube diese Beute in Sicherhei bringen wollte, stattete der andere auf Geheiß seines Komplizen der benachbarten Wohnung eines Pflasterers einen Besuch ab, um aus dem aufgebrochenen Vertikow Uhr und sonstige Wertsachen zu stibitzen. Dabei wurde er von dem Bestohlenen überrascht, der dem Dieb mit einem Stemmeisen über den Kopf schlug. Der Angegriffene setzte sich energisch zur Wehr, trat den Pflasterer gegen den Unterleib und griff ihn dermaßen an, daß beide im Handgemenge die Treppe hinunterstürzten. Unten kamen dem Hartbedrängten Nachbarn zu Hilfe, und es gelang, den dreisten Spitzbuben solange festzuhalten, bis sich die inzwischen verständigte Polizei seiner annahm. Der Diebesgenosse hatte sich rechtzeitig aus dem Staube gemacht. Wie sich herausstellte, hat man es mit zwei ganz gefährlichen Jungen zu tun, die beveits langjährige Zuchthausstrafen hinter sich haben. Heute nachmittag holte die Polizei auch den eigentlichen Anstifter zu dem Einbruch, als er in der Nähe von Neuß auf dem Felde beschäftigt war. Hoffentlich kann nachträglich auch der dritte im Bunde gefänglich eingezogen werden, damit das saubere Kleeblatt vollständig unschädlich gemacht ist. * Oberhausen, 26. April.(Nach dem Östen.) Eine Anzahl jjüngerer Lehrer aus Oberhausen und der Umgegend sind in den letzten Tagen nach den östlichen Provinzen versetzt worden, wo ein empfindlicher Mangel an deutschen Lehrkräften herrscht. * Oberhausen, 26. April.(Unfall oder Verbrechen? An der Österfelder Straße, unweit des Walzwerks der Gutehoffnungshütte, wurde der lledige Bauführer Nielessen nachts mit schweren Kopfwunden und einer Verletzung am Bein bewußtlos aufgefunden. Es hat noch nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden können, ob Nielessen das Opfer eines Unfalles oder eines Verbrechens geworden ist. —0— Oberhausen, 24. April.(Der hiesigen Kriminalpolizei) und dem in Styrum stationierten Kriminalbeamten der Mülheimer Polizei ist es gelungen, eine Räuber= und Einbrecherbande dingfest zu machen, die Verschiedenes auf dem Kerbholz hat. Unter anderem wurden der Bande zahlreiche Einbrüche in Trinkhallen und ein kürzlich an der Grenzstraße verübter Straßenraub zur Last gelegt. Niederpleis, 26. April.(Mordversuch und Selbstmord.) Gestern nachmittag lauerte der Dachdecker Mathias Klein aus Siegburg dem Ziegeleibesitzer und Kaufmann Fritz Becker aus Siegburg=Zange auf. Im Vorbeigehen zog Klein einen Revolver aus der Tasche und gab drei Schüsse auf Becker ab, welche alle drei trafen. Becker, der ein großer starker Mann ist, wehrte sich so viel er konnte. Klein lief etwa 20 Schritte fort, richtete die Waffe gegen seinen Kopf und erschoß sich selbst. Die Verletzungen des Becker sollen nicht tödlich sein, obgleich ein Schuß den Kopf getroffen hat. Klein hat die Tat mit Ueberlegung ausgeführt, denn er hatte das Vorhaben auf einen Zettel, welcher in der Tasche gefunden wurde, aufgeschrieben. * Papenburg, 25. April.(Zur Hebung der Schafzucht,) die ehemals hier und in der Umgebung in großer Blüte stand und heute zur völligen Bedeutungslosigkeit herabgesunken ist, haben die städtischen Kollegien gestattet, daß fortan Schafe bis zur Höchstzahl von 2600 Stück zur Weide auf den städtischen Hochmooren zugelassen werden. Die daraus erzielten Einnahmen sollen wiederum zum Besten der Hochmoore Verwendung finden. *(Eine beachtenswerte Hausinschrift) aus den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts befindet sich an dem Giebel eines Bauernhauses im Osnabrückschen. Sie lautet: „Erbaut“ ohn' Bier und Branntewein, Soll dieses Haus ein Zeugnis sein, Daß Mauermann und Zimmermann Auch ohne Branntwein bauen kann.“ Kleine Chronik. Berlin, 25. April. Unter der Anklage, seine Frau mit einem Karabiner fahrlässig erschossen zu haben, stand der Gendarm Heine vor dem Oberkriegsgericht. Eines Tages versuchte er in seiner Wohnung, den Karabiner zu laden. Durch eine heftige Bewegung wurde die Mündung des Geweyrs, die bis dahin ordnungsmäßig hoch gerichtet war, geradeaus gerichtet. Dabei entlud sich die Wasse und das Geschoß drang der Frau des Gendarmen, die auf dem Sofa saß, in den Hals und führte den Tod fast auf der Stelle herbei. Das Kriegsgericht hat den Gendarmen von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen, auch das Oberkriegsgericht fällte heute dasselbe Urteil. Posen, 26. April. Im Kloster Gora bei Lobsens, einem bekannten polnischen Wallfahrtsort, sind durch einen nächtlichen Brand ein kostbarer Altar und ein Heiligenbild im Werte von 50—60000 Mark und andere wertvolle Reliquien vernichtet worden. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt. Kiel, 26. April. Der große schwedische Segler Betty ist an der Ostküste Anholts(im Kattegatt) untergegangen. Ein Matrose wurde geborgen, die übrige Besatzung wird vermißt. Kiel, 26. April. Die gegen den Seefähnrich von Schütz verhängte Strafe von einem Monat Gefängnis wegen indirekter fahrlässiger Tötung ist vom Kaiser in eine zweiwöchige Festungshaft umgewandelt worden, sodaß der Verurteilte seine Dienstlaufbahn fortsetzen kann. Speyer a. Rh., 26. April. Die hiesige Storchenbrauerei, über deren Bier von den Sozialdemokraten wegen Streitigkeiten der Firma mit ihren Arbeitern der Verruf verhängt wurde, hat gegen die sozialistische Pfälzische Post, gegen das hiesige und das Ludwigshafener Gewerkschaftskartell sowie gegen die sogen. Boykottkommission beim dandgericht Frankenthal eine Entschädigungsklage auf Zahlung von 10000 Mk. erhoben. Zell, 24. April. Der in Weinhändlerkreisen bekannte Weinhändler Jean Hettesheimer aus Zell ist am Sonntage im Wald bei Breunigweiler, wo er nach Füchsen jagte, erschossen aufgefunden worden. Sein abgeschossenes Gewehr lag neben ihm. Die voll: Schrotladung eines Laufes war ihm in den Kopf gegangen. Hettesheimer lag acht Tage im Wald, bis er bei einer Streife gefunden wurde. Ein Verbrechen ist ausgeschlossen. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Bekanntmachung. Laut Mitteilung des Oberkommandos der Schutztruppen soll die Schutztruppe in Südwestafrika möglichst bis 1. 10. 07 auf 4000 Köpfe verringert werden, unter gleichzeitiger Ablösung eines Teils der Mannschaften. Es können sich nur digjenigen junggedienten Mannschaften(Leute der jüngsten Jahrgänge der Reserve) melden, die der Schutztruppe für Südwestafrika bereits angehört haben und zu ihr wieder zurücktreten wollen und gleichzeitig eine tadellose Führung nachzuweisen vermögen. Handwerker aller Art, vornehmlich Beschlagschmiede, Schuhmacher und Zimmerleute sind besonders erwünscht. Unteroffiziere werden wegen vorläufig ungünstiger Beförderungsaussichten nicht erwünscht. Sämtliche Mannschaften würden sich für die normale Zeitdauer von dreieinhalb Jahren zum Dienst in der Schutztruppe zu verpflichten haben. Meldungen werden beim Bezirkskommando 2 Dortmund, Zimmer Nr. 26, Vormittags zwischen 8—12 Uhr, bis spätestens 30. April d. Is. entgegengenommen. Bezirkskommando 2 Dortmund.