Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. fur Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illustrierter Famslientreund.“ o c 0 0 0 0 0 0 0 O O C 0 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Freie Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechteverbindliche Kraft. o 0 ocOO OOCSCCOP Druck u. Verlag von Zarl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Räresse Braus. Schwerte-Rubr. e Nr. 73 Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 27. März. *r(Stimmungsbild aus der Stadtverordnetensitzung.)„Uff, endlich siegt die Tugend“, stöhnten gestern abend kurz vor 8 Uhr die Pressevertreter, als nach zweistündiger Tagung Herr StadtverordnetenVorsteher Terbrüggen die öffentliche Sitzung schloß. Und doch war er, der Herr Vorsteher, noch schlimmer dran als wir Pressemenschen, wenigstens was das „Sitzen“ anbelangt, denn er hatte schon in einer Kommissionssitzung von 4 bis 6 Uhr„gesessen" und mußte auch noch die folgende geheime Sitzung leiten. Die Sitzung verlief recht friedlich, und hätte Herr Östermann nicht so warm für die Aufhebung des Brandrates als überflüssige Institution gesprochen— obwohl er selbst dazu gehört— sogar ein wenig Humor hätte gefehlt. Die diesjährigen Steuern bildeten den Brennpunkt der Sitzung, sie brauchen nicht erhöht werden, ja, Herr Bürgermeister Rohrmann stellte für die kommenden Jahre sogar ein Herabsetzen der Steuersätze als möglich hin und betonte dann besonders, daß Schwert: keine einzige Sondersteuer erhebe, weder Kopf=, noch Bier=, noch Extra=Gewerbesteuer. Das bekannte Wort: Ein Voranschlag zum Bau wird dazu gemacht, daß er überschritten werden kann, gilt nicht für Schwerte. Schon der Bau der Schule an der Sedanstr. zeigte ein Zurückbleiben hinter dem Voranschlage, ebenso die gestern vorgelegten Abrechnungen über Wegebauten. Weiter kamen noch eine Anzahl kleiner Sachen aufs Tapet, z. B. der Feuerwehr=Steigerturm, der verrückt wird. Zwar ist das nicht so zu verstehen, als ob er nun schleunigst nach Aplerbeck gebracht werden müßte, sondern er soll nach der Schule an der Kuhstraße versetzt werden(aber nicht gegen Pfandschein); dieser„Umzug“ kostet 500 Reichsmärker. Auch die Wassermesser und der neue Wassertarif, der manchen kleinen Hausbesitzer herb drückt, kam zur Sprache; er soll revidiert werden. Außerhalb der Tagesordnung gabs dann eine längere sehr umfassende und ausführliche Beratung des Eisenbahnprojektes DortmundSchwerte mit längeren Erklärungen der Herren Bürgermeister Rohrmann und Stadtbaumeister Bierbach, nachdem die Einreihung Schwertes in eine höhere Servisklasse erörtert worden war. Als man dann die Feuerwehr, oder vielmehr ihren Häuptling alias Kapitano an das Fernsprechnetz angeschlossen hatte und Herr Bürgermeister Rohrmann Mitteilung gemacht hatte von einem Prozesse zwischen Schwerte und Dortmund, der das nicht selten vorkommende Resultat zeigt, daß keiner der Streitenden Recht erhielt, da endlich konnte die Presse abrücken und sich beim Stadtrat Hagemann durch ein Glas vorzüglichen Schwerter Bockbieres von den Sitzungsstrapazen erholen und auf die noch bevorstehende Arbeit der Berichterstattung einen Stärkungsschluck tun. W. Sch. (Die Kieler Beschlüsse.) Die Befürchtungen, die sich vielfach an die Erhöhung der Beiträge der Krieger= und Landwehrvereine für den Deutschen Kriegerbund durch die Kieler Beschfüsse geknüpft hatten, haben sich nicht verwirklicht. Wenn alle Vereine ausscheiden, gegen die noch Verhandlungen schweben, so werden nach der„Parole“ 173 von den 80000 Vereinen aus den Listen des Deutschen Kriegerbundes gestrichen, weil sie ihre Beiträge nicht bezahlen. Den Vereinen wurde der 1. Mai 1907 als der Tag angegeben, bis zu dem sie sich entscheiden müssen. (Zeichen=Ausstellung in der Aula des Progymnasiums.) Am gestrigen Tage waren in der Aula des Progymnasiums die von den Schülern der ZeichenAbteilung der einzelnen Klassen angefertigten Zeichnungen ausgestellt. Die Zeichnungen, saubere gediegene Arbeiten, wurden von zahlreichem Publikum besichtigt. Zur Besichtigung der Zeichnungen hatten si auch Mitglieder des Magistrats und des###uerordnetenkollegiums sowie die Lehrer der Fortbildungsschule eingefunden. Den Zeichenunterricht am Progymnasium erteilt Herr Progymnasiallehrer Banse. *(Gewerbliche Fortbildungsschule.) In der verflossenen Woche teilten wir die Namen der entlassenen Schüller mit, die beim Abgang von der Schule eine Prämie oder lobende Anerkennung erhalten. Am Schlusse des Schuljahres sind nun weiterhin mehrere Schüler der vier Klassen der hiesigen gewerblichen Mttwoch den 27. März Fortbildungsschule wegen ihres Fleißes und guten Betragens ausgezeichnet worden. Es erhiclten Prämien in Gestalt geeigneter Bücher: Fritz Reckermann, Schlosser a. d. Nickelwalzwerk. Albert Kupfer, Schlosser bei Herrn Hengstenberg, Wilhelm Mesekendahl, Schlosser auf der Nietenfabr., Wilhelm Voß, Polizei=Bureau, Heinrich Vieler, Stadt=Bauamt, Heinrich Rehage, Schlosser auf der Eisenindustri:, August Nüse, Kaufmannslehrl. b. Herrn Meyknecht, August Sürig, Klempner auf dem Nickelwalzwerk, Fritz Henter, Nickelwalzwerk, Wilhelm Göckmann, Schlosser a. d. Nickelwalzwerk, Gust. Renzing, Kaufmanslehrl b. Herrn Weinberg, Heinrich Klendgen, Maurer bei Herrn Staat, Wilhelm Lichtenberg, Schmied bei Herrn Weber, Ernst Krämer, Schlosser auf dem Nickelwalzwerk, Rudolf Baus, Schlosser auf dem Nickelwalzwerk, Heinrich Stute, Kaufmannslehrl. b. Gebr. Stein, Fritz Adrian, Kaufmannslehrl. bei Herrn Homel, Fritz Wagner, Schlosser auf dem Nickelwalzwerk, Ernst Rothstein, Gürtler auf dem Nickelwalzwerk. Eine lobende Anerkennung empfingen folgende Schüler: Gustav Wiebecke, Oskar Luck, Gustav Weber, Fritz Sagowski Franz Steden, Karl Karthaus, Gustav Eckey, Julius Adrian, Hugo Dodt, Otto Mailänder, Heinrich Boßhammer, Wilhelm Erdmann, Heinrich Höwing, Karl Gerharts, August Mielke, Hugo Heimbeck, Otto Greiwe, Wilhelm Löwen, Karl Stratmann, Heinrich Böcking, Heinrich Heymann, Josef Behrensmeyer und Johann Kebekus. *s(Vereinigte Deutsche Nickelwerke.) Wie die Eisenhütt. Silesia in ihrem Geschäftsbericht hervorhebt, sind die Aussichten der Vereinigten Deutschen Nickelwerke für das Ende März ablaufende Geschäftsjahr wiederum gute und lassen ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahre(14 pCt. Dividende) erwarten. *(Westfälischer Feuerwehr=Verband.) Auf dem Verbandstage am 23. Juni 1906 in Dortmund war der Beschluß gefaßt, für 1907 in der Provinz drei technisch: Feuerwehrtage abzuhalten. Der Ausschuß des Verbandes teilt nunmehr den Verbandsvereinen mit, daß diese Tage in Witten, Altena und Bielefeld stattfinden. In Witten, für den Südindustriebezirk, tagt die Versammlung am 14. April, 11 Uhr morgens im Restaurant Borgmann mit Vorträgen über„Ausschaltvorrichtungen für elektrisch: Leitungen" von Herrn Diplom=Ingenier Thies und„Das Ueberdrehen freistehender Leitern“ vom Kameraden Stein=Witten. Nach dem gemeinschaftlichen Mittagsmahl findet Uebung der Freiwilligen Feuerwehr Witten statt und darauf eine allgemeine Besprechung. In Altena, für das Sauer= und Siegerland, tagt die Versammlung am 28. April, 11 Uhr morgens im Hotel=Restaurant „Zum Markaner“ mit derselben Tagesordnung wie in Witten. Mit gleicher Tagesordnung findet die Versammlung in Bielefeld für das Münsterland und Westenhellweg am 12. Mai, 10,30 Uhr im Hot:l„Kaiserhof“ statt. Diese technischen Feuerwehrtage, die vorwiegend von Führern und Chargierten besucht werden, tragen außerordentlich viel zur Hebung und Förder=; ung des freiwilligen Feuerlöschwesens bei und hofft der Ausschuß auf recht rege Beteiligung. Erscheinen in kleiner Uniform und Mütze. **(Der Wiederaufbau der Burg Altena.) Eine Reihe hervorragender Gelehrter und anderer einflußreicher Persönlichkeiten der Provinz Westfalen erließen einen offiziellen Aufruf, der einen scharfen Protest gegen das Projekt der Wiederherstellung der Burg Altena enthält. Der Aufruf wendet sich an die Regierung und an die gesamte deutsche Nation mit der Bitte, eine der interessantesten deutschen Ruinen vor einem prunkvollen Wiederaufbau zu bewahren, wie auch vor Zerstörung zu schützen. **(Bahnpersonalien.) Herr Stationsassistent Lemke von der hiesigen Station, welcher kürzlich das Vorsteher=Examen bestand, ist zum 1. Juni als Gütervorsteher nach Kistrin versetzt worden.— Nach Hagen und zwar zum 1. April versetzt wurde Herr Lokomotiv= führer Worm von hier. *r(Herr Mlichhändler Weising) hierselbst beabsichtigte, wie wir berichteten, die Errichtung eines Wohnhauses am Kirschbaumswege zwischen der Arnsberger und Holzwickeder Strecke. Die Ausschachtungsarbeiten und Herstellung des Durchlasses vor dem Ge39 Ihra bäude durch Zementrohre waren beendet und die Bruchsteine für die Fundamente teilweise schon angefahren, als vor einigen Tagen die Weiterarbeit inhibiert werden mußte. Sicherem Vernehmen nach hat die Eisenbahn ihren ursprünglichen Plan über die Gestaltung des Kirschbaumweges beim Uebergang an der Holzwickeder Strecke verändert und eine teilweise Verlegung des Weges geplant, wie es heißt, mit der Verbindungsbahn parallel laufend. Vor endgültiger Entscheidung in dieser Frage ist an den cvtl. Weiterbau des Hauses nicht zu denken. ** Berghofen, 26. März.(Eine Apotheke) soll Berghofen nun endlich erhalten. Einem Herrn aus Dortmund wurde sie konzessioniert. Aber— sie soll an der Chaussee zwischen der hiesigen katholischen Kirche und der Hörder Grenze errichtet werden. Der Inhaber der Konzession hat sich bereits bemüht, ein Grundstück in der Nähe des Tepots der Hörder Kreisbahnen zu erwerben. 8 ** Aplerbeck, 26. März.(Verhaftet) wurde hier auf Anordnung des Landgerichts Arnsberg die Dienstmagd Agatha Figgen, zurzeit in Holzwickede, weil sie dringend verdächtig ist, am 8. März 1906 in Titmainhausen das ihrer Mutter gehörige Wohnhaus mit Mahlmühle vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben. * Hengsen, 26. März.(Diebstahl.) Einem hiesigen Wirt wurden in der vergangenen Nacht zwei Seiten Speck und mehrere Kisten Zigarren gestohlen. Von den Dieben fehlt jede Spur. Westfalen und Rheinland. * Münster, 26. März.(Am Schnaps gestorben.) Die Frau des Pflasterers V wurde in Horstmar in ihrer Wohnung als Leiche ausgesunden. Eine Schüssel mit noch etwa ein Viertel Liter Branntwein stand neben ihr. Der Kutscher einer Brennerei, der die Leidenschaft der Frau nicht kannte, hatte ein Faß Schnaps in gewohnter Weise für einen Dritten zum abholen an dem Hause abgeladen. Die Frau hatte alsdann das Faß geöffnet und von dem Inhalt so viel zu sich genommen, daß sie ihre Leidenschaft mit dem Tode büßen mußte. # Lüttringhausen, 26. März.(Selbstmord aus Liebesgram) beging die 23jährige Tochter des Landwirts Thiemann von hier, indem sie sich von einem Zuge der Strecke Rittershausen=Ronsdorf überfahren ließ. Die Eltern des Mädchens hatten ihre Einwilligung zu einem Liebesverhältnis ihrer Tochter verweigert, worauf das Mädchen die Tat beging. * Wattenscheid, 26. März.(Verbrüht.) Heute morgen starb unter entsetzlichen Schmerzen infolge Verbrühung das 15 Monate allte Töchterchen des Bergmanns August Kohl aus der Moltkestraße. Die Mutter hatte ein Faß heißen Wassers auf den Stuhl gesetzt. Während sie sich entfernt hatte, riß das Kind das Faß über sich. * Krefeld, 26. März. Von dem hiesigen Gewerbegericht wurden heute 50 Anstreichergehilfen zu einem Schadenersatz von je 18 Mark verurteilt, weil sie in den Ausstand getreten waren, ohne die Kündigungsfrist abzuwarten. Sie begründeten ihr Vorgehen damit, daß in ihrem vom Arbeitgeberverband vorgelegten Tarifentwurf einzelne Bestimmungen enthalten gewesen seien, die gegen die guten Sitken verstoßen. Das Gericht erkannte dies jedoch nicht an. Das fehlte mir noch wird mancher beim Betrachten der heutigen Beilage sagen. Das ist eine Karte über unsere engere Heimat und dieses schöne Geschenk werde ich in meinem Zimmer anbringen, damit ich mir jederzeit de Lage unserer Nachbarstädte und deren Umgebung auf das Genaueste einprägen kann. In jedem Lernzimmer der Kinder muß solch eine Karte mit etwas Gummi oder Heftzwecken befestigt sein, damit der Heimatssinn geweckt wird und die Liebe zur Heimat nicht verloren geht. 70 solcher verschiedenen Karten sind von der Backnulverfabrik Dr. Oetker in Bielefeld hergestellt und werden umsonst an die Interessenten versandt. In jedem einsam liegenden Wirtshause, in jedem Hotelzimmer muß eine solche Karte sein, weil es für den Fremden stets wissenswert ist, die Gegend, in welcher er sich befindet, genau zu kennen. * 4 12 Die Zeitung und ihre L ser Die gehören zusammen, die Zeitung und ihre Leser, wie der Baum und seine Blätter. Die Blätter schmücken den Stamm und geben ihm seine Zier, die stattliche Abonnentenzahl ist, die Freude und Ehre der Zeitung. Eine Zeitung zu lesen, ist so solbstverständllich heute, wie die Einnahme einer Mahlzeit; unsere Zeit ist reich an Ereignissen, die niemand außer Acht lassen darf. Zu gewaltig pulsiert zu dem das poltische und wirtschaftliche Leben, als daß jemand ihm den Rücken wenden und sagen könnte:„Was gehts mich an?“ Unsere Zeit ist ferner reich an gewaltiger bürgerlicher Tätigkeit und Tüchtigkeit, sie fordert aber auch von dem Nährstand die Aufbietung aller Kräfte im Kampfe um die Existenz. Wir haben keine billigen Jahre mehr, die Lebenshaltung hat sich geändert, und die alte patriarchalische Einfachheit ist vorüber. Das alles macht, daß die Ausgaben steigen, ohne daß in allen Stücken die Einnahmen sofort auf dem Fuße folgen. Da erwächst denn für die Zeitung neben der selbstverständlichen Pflicht, Neues und Unterhaltendes zu bringen, die Aufgabe, ein Mittelpunkt für die Erörterung der heimatlichen Presse zu werden, und diese Aufgabe gewinnt von Jahr zu Jahr steigende Wichtigkeit. Wir können uns nicht blos dafür interessieren, was irgendwo in der Welt passiert, auch hier gilt das Wort: Das Hemd ist einem näher als der Rock! In keiner Stadt kann man Kirchturms=Politik treiben, aber in jeder Stadt ist das Wohl der Bewohner, das gute Verhältnis zur Umgebung zu pflegen. Darin das Ihrige zu tun ist für die Zeitung eine Ehrensache, und das Beste dabei müssen die Leser leisten, indem sie die allgemeine Teilnahme fördern. So ist der Zusammenhang zwischen Zeitung und Leser aufzufassen; was in der Welt passiert, muß man wissen, an dem, was daheim geschieht, muß man mit Leib und Seel dabei sein. So soll es denn auch im neuen Quartal gelten und die alte Treue zu einander bleiben! Ari # Don 2 5 4 1 4 50 40 e 45 Rumänische Volkstypen. Politische Uebersicht. Zum Tode v. Bergmanns. Wiesbaden, 26. März. Professor v. Bergmann war Sonnabend früh von Professor Schlange=Hannoper operiert worden, nachdem sich die Anzeichen einer Darmverschlingung bei ihm bemerkbar gemacht hatten. Professor Schlange, ein früherer Schüler Bergmans, Géheimrat Prof. v. Bergmann war auf persönlichen Wunsch des Erkrankten zitiert worden. Die Darmverschlingung war, wie sich bei der Operation herausstellte, die Folge eines Gewächses. Die Operation, die sich zunächst auf Anlegung eines künstlichen Afters beschränkte, wurde mit Rücksicht auf das hohe Alter des Patienten ohne Narkose nur unter Anwendung der Schleichschen Anästhesie ausgeführt und blieb ohne Erfolg, da keine Darmentleerung eintrat. In der Nacht zum Sonntag machte der erste Assistent des Erkrankten, Professor Dr. Borchard, einen zweiten operativen Eingriff, bei dem sich herausstellte, daß eine eitrige Bauchfellentzündung eingetreten und an eine Rettung des Erkrankten nicht mehr zu denken war. Gegen 11 Ur heute vormittag ist Geheimrat v. Bergmann seinen Leiden erlegen. Professor Bramann aus Halle kam heute freiwillig hierher, traf aber seinen ehemaligen Lehrer nur sterbend an. Vom Kaiser ging heute kurz vor dem Tode v. Bergmanns noch eine Depesche ein, in der der Kaiser sich nach dem Befinden erkundigte. Am Totenbett weilten die beiden verheirateten Töchter v. Bergmanns, Frau Oberst v. Brandt aus Stuttgart und Frau v. Barnekow, sowie der Sohn, Oberarzt Dr. Bergmann. Vom Fürsten Bülow. Genua, 26. März. Gestern abend 8,40 Uhr ist der Reichskanzler Fürst Bülow mit seiner Gemahlin in Rapallo eingetroffen. Sie wurden am Bahnhof von Donna Laura Minghetti, der Schwiegermutter des Fürsten, und dem Senator Blaserno empfangen. Die fürstlichen Gäste nahmen vorläufig im Hotel„Imperial“ Wohnung, ihre Zimmer liegen neben denen des Herzogs von Luxemburg. Die italienische Regierung ließ im Hotel eine Telegraphenstation errichten. Für die nächsten Tage wird ein Besuch des Ministers Tittoni erwartet. Man nimmt an, daß Staatssekretär von Tirpitz der Zusammenkunft beiwohnen wird. Die deutsche Kolonie bereitet eine Smpathiekundgebung vor. Eine Stimme der Vernunft. Brannschweig, 26. März. Eine nichtwelfische von weit über 1000 ePrsonen besuchte Versammlung faßte eine Resolution, in der sie sich auf den Boden des Bundesratsbeschluß vom 28. Februar stellt und jede weitere welfische Agitaion für zwecklos und schädlich hält. Sozialdemokratischer Patriotismus. Im Düsseldorfer sozialdemokratischen Organ findet sich folgende Notiz: „Die Mitgliederversammlung des Hafenarbeiterverbandes, Zahlstelle Düsseldorf, faßte einstimmig Unser heutiges Bild zeigt unsern Lesern eine Marktszene auf einem rumänischen Dorfe und bietet eine Gelegenheit, sich mit allen Bevölkerungsschichten Rumäniens bekannt zu machen. Juden, Zigenner, Vallachen sind die drei Hauptbestandteile der rumänischen Bevölkerung, von denen die Vallachen bast sämtlich den Ackerbau betreiben, während die Juden die Handelsvermittlung pflegen. Die Leute machen auf den Europäer zunächst einen wenig Vertrauen erweckenden Eindruck. Andererseits kann man nicht folgenden Beschluß: Alle Mitglieder, die innerhalb drei Monaten nach Aufforderung des Vorstandes nicht ihre Mitgliedschaft in einem patriotischen Verein, sei es Schützen=, Krieger=, Gesang= oder Militärverein, aufgeben, werden von der Zahlstelle als Mitglied gestrichen. Ebenso können Mitglieder oben genannter Vereine niemals als Mitglieder aufgenommen werden.“ Daß Sozialdemokraten in patriotische Verein: nicht hineingehören, ist stja eine ganz richtige Empfindung der genannten Düsseldorfer Genossen=Organisation. Aber die Sozialdemokratie sollte dann auch nicht immer wieder leugnen, daß sie eine Partei der Vaterlandslosigkeit ist. Zum Vorgehen Frankreichs in Marokko. Paris, 26. März. Um den französischen Gesandten Regnanlt zum Aufgebot äußerster Energie in der Verfolgung des Falles Mauchamp zu ermuntern, erinnert der„Temps“ an das Beispiel des ehemaligen deutschen Gesandten, Grafen Tattenbach, der im Jahre 1895 nach Ermordung eines deutschen Reisenden zwischen Saffi und Casablanca in Saffi eine deutsche Marineabteilung landen ließ. Die öffentliche Hinrich= tung der Schuldigen ließ nicht auf sich warten. 1896 erfolgte in Tanger gleichfalls eine Hinrichtung auf Tattenbachs Betreiben. Der„Temps“ fügt hinzu, wenn Deutschland in gan Marokko heute ein solch hohes Ansehen genösse, so habe Herrn von Tattenbachs zielbewußtes Vorgehen daran einen großen Anteil. Leichen im„Jena"=Rumpf. Toulon, 26. März. Der Seepräfektur ist die Meldung zugegangen, daß im Schiffsrümpf der„Jena“ noch zwei Leichen gefunden wurden; die schrecklich verstümmelt sind. Die Bergungsarbeiten werden an Bord fortgestzt, da man noch mehr Leichen im Schiffsrumpfe vermutet. Kleine Chronik. Berlin, 26. März. Die„Voss. Ztg.“ meldet aus Hirschberg: Die Leiche des Rentners Söllner wurde ausgegraben, weil der Verdacht besteht, daß er von seiner Haushälterin vergiftet worden ist. Vermischtes. Von Stufe zu Stufe. Aus Hamburg wird den„L. N. N.“ geschrieben: In einem erbärmlichen Logis in der Finkenstraße in Altona ist gestern der 48 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Georg H. infolge ganzlicher Entkräftung und Alkoholvergiftung gestorben. Die Leiche muß, da der Verstorbene nicht einen Pfennig hinterlassen hat, auf Gemeindekosten bestattet werden, es sei denn, daß die Verwandten des Verstorbenen noch einmal in die Tasche greifen, obwohl er ihnen bei seinen Lebzeiten schon Unsummen gekostet hat. H. war als Sohn eines süddeutschen Großindustriellen geboren und hatte eine vorzügliche Schulfildung erhalten, deren Abschluß das Studium der Rechtwissenschaften bildeke. Das war vor mehr als 20 Jahren. Er trat dann in das väterliche Geschäft ein. Der bis dahin musterhafte junge Mann ergab sich nun aber einem liederichen Lebenlswandel. Im Kreise gleichgesinnter guter Freunde machte er die Nacht zum Tage und verlor oft große Summen im Spiel, bis der Vater sich weigerte, weiter die Schulden des ungeratenen Sohnes zu bezahlen. In der Nacht darauf überraschte der Vater den Sohn, als dieser im väterlichen Geschäft den Geldschrank sprengen wollte. Es folgte eine kurze, inhaltsschwere Unterredung, und am nächsten Morgen saß der Sohn, begleitet von einem Freunde des Vaters, auf der Bahn, die ihn nach Hamburg führte. Wenige Tage später dampfte er über den großen Teich der allgemeinen Besserungsanstalt zu. In Amirika solchß er sich recht verstehen, wie diese einfachen Bauern es wagen können, mit Knüppeln gegen das Militär vorzugehen und trotzdem hört man, daß sogar die Kavallerie gegen die Bauern nichts hat ausrichten können. Offiziere sind durch Steinwürfe kampfunfähig gemacht worden und das Militär selbst hat sich nicht gerade mit Ruhm bedeckt. Man wird abzuwarten haben, wie sich die Verhältnisse klären werden. Jedenfalls hat die rumä nische Regierung den Ernst der Lage erkannt und such nach Abhülfe. einer Goldgräbertruppe an, glaubte aber auch hier, seinen alten Prinzipten der Arbeitsschen und Unehrlichkeit weiter huldigen zu können. Man überraschte ihn, als er das Gold suchte, das ander: schon gefunden hatten, und nur schleunige Flucht auf einem gestohle nen Pferde rettete ihn vor dem Tode durch das Quuchgericht. In Neuyork wieder angekommen, versuchte er es in allen möglichen Berufen; da ihm aber die Lust zur Arbeit fehlte, brachte er es nicht weiter. Briefe, die er an das Elternhaus richtete, blieben unbeantwortet. Nur einmal erhielt er einige Zeilen, in denen ihm mitgeteilt wurde, daß der Vater aus Gram über den ungeratetenen Sohn, dessen falsche Wechsel er nach dessen Fortgang noch hatte eimlösen müssen, gestorben, und daß die Mutter dem Vater bald nachgefolgt sei. Als Kohlentrimmer arbeitete er sich vor vier Jahren nach Europa zurück. Ende November kam er in Hamburg an und fand sofort Beschäftigung bei einem Schausteller, dem er auf dem„Hamburger Dom“ als Ausrufer diente, bis er eines Abends mit der Einnahme verschwunden war. Zwei Tage später stellte er sich selbst von allen Mitteln entblößt, der Polizeibehörde, und zwei Jahre gab der Staat ihm nun Obdach. Nach seiner Entlassung aus dem Gesängnis ergab er sich dem Trunke. Er war jetzt ständige Figur auf dem Fischmarkt und oft genug beherbergte ihn das Polizeigefängnis, wenn er vollständig betrunken das Trettoir für die Passanten sperrte. Durch das Austragen von Körben für die Fischfrauen erwarb er sich als„Fischmarktslöwe“ einige Pfennige, die dann sofort in Schnaps umgesetzt wurden, bis der geschwächte Körper vor einigen Tagen auf das Krankenlager geworfen wurde, von dem er sich nicht wieder erheben sollte. Industrie und Handel. (J. F.) Hausse! Uns wird aus Geschäftskreisen geschrieben: Gesteigerte, für manche Artikel kaum zu befriedigende Nachfrage und damit anziehende, ja man kann sagen, für viele Warengattungen übermäßig hohe Preise, ist die Tendenz der Jetztzeit. Während die Kreise der Industrie und des Handels über die hohen Bewerbungen der Waren vollständig orientiert sind, dürfte solches für die große Allgemeinheit nicht so der Fall sein. Wenn auch das konsumierende, das sogen. kaufende Publikum, mit den hohen Preisen der Waren, welche dem täglichen Bedarf dienen, vertraut ist, ferner mit den Preissteigerungen für solche Warengattungen, welche direkte Naturprodukte sind und weniger der Fabrikation und der Veredelung unterliegen, so ist es doch Tatsache, daß man sich in der Allgemeinheit mit höheren Preisen für die Waren der Textilbranche(Manusakturwaren und Konfektion) nicht recht vertraut machen kann. Vielleicht beeinflußt durch übermäßige Anpreisungen kann oder will man es nicht recht begreifen, daß man für einen gewissen Preis in einer bestimmten Preislage, nicht mehr die gleiche, nicht mehr so gute Ware erhält wie vor vielleicht! oder 2 Jahren. Doch ist es Tatsache, daß Baumwolle, Wolle, Seide und Leder eine so gewaltige Preissteigrung erfahren haben, daß diese selbst durch diese höchsten technischen Errungenschaften in der Fabrikation nicht ausgeglichen werden können und somit alle Bebewaxen und alle aus ihr gefertigten Artikel der Munnsaltur= und Konfektionsbranche außergewöhnlich hoch im Preise sind. Das kaufende Publikum wird deshalb nicht umhin können, für vorstehende Warengattungen höhere Preise anzulegen oder an bestimmte Preislagen winiger Ansprüche betreffs Haltbarkeit und Ausführung zu stellen wie früher. Briefkasten. Neugieriger. Eine Schwalbe durchfliegt in Minute den Raum von 900 Meilen. einer * Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund." o 0 O O O O O O O O O O 0 0 Auzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren naum 10 PI., Anzeigen von auswärts Is Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ verbindliche Kraft. o 0 0 0 0 O OC C COO P· Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anstbluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Ruhr Nr. 73 Was der deutschen Feldartillerie nottut! Von hervorragender feldartilleristischer Seite schreibt man: Die Umbewaffnung mit dem Royr lucklaufgeschütz ist durchgeführt, ein neues Exerzierreglement und eine neue Schießvorschrift sollen in wenig Wochen in die Hand der Feldartillerie gelangen. Wie schon das Exerzier=Reglement für die Infanterie in seinen Fingerzeigen für die Verwendung der Artillerie gerechnet werden müssen. Die Erfahrungen in Ostasien, die Wirkung der modernen Waffen, das für den Erfolg im Kampfe unabweisbar notwendige innige Zusammenarbeiten von Infanterie und Artillerte in jedem Moment des Gefechts, die Natur und Eigenschaften des schildgeschützten Rohrrücklaufgeschützes verlangen gebieterisch eine Vertiefung der Schulung für den Krieg. Das Haupthindernis einer gründlichen kriegsgemäßen Ausbildung der Feldartillerie bildet heute mehr denn je der niedrige Pferdebestand der Friedensbatterien, der den hochgestiegenen Anforderungen in keiner Weise entspricht. Weit über ein Drittel der Friedensbatterien des Deutschen Heeres hat den niederen Etat, d. h. verfügt über nur 45 Dienstpferde, 809 fahrende Batterien weisen den mittleren Etat auf und besitzen 61 Pferde. Dagegen hat die französische fahrende Batterie auf niedrigem Etat im Frieden 59 Pferde— vier bespannte Geschütze, zwei bespannte Munitionswagen— die Batterie auf mittlerem Etat, bei 86 Pferden, die Bespannung für vier Geschütze und fünf Munitionswagen, d. h. die französische Batterie auf mittlerem Etat hat dauernd nahezu den in erster Linie fechtenden Teil der mobilen Batterie bespannt, ist also zu kriegsgemäßer Schulung dauernd befähigt. Die drei französischen Batterien einer Abteilung auf niedrigem Etat verfügen zusammen über 18 bespannte Fahrzeuge. Sie sind daher in der Lage, zu je zweien täglich unter denselben Verhältnissen zu üben, wie diejenigen auf mittlerem Etat, jede Batterie kann vier Tage in der Woche mit vier Geschützen, fünf Munitionswagen ausrücken. Bei den deutschen Batterien fahren in der FeuerLinie: 6 Geschütze und 6 Munitionswagen, also 12 Fahrzeuge. Um sie zu bewegen, ist die Bespannung der ganzen Abteilung auf niedrigem Etat nötig. Das Mittwoch, den 27. März 1907 heißt also, daß im günstigsten Falle jede fahrende Batterie auf niedrigem Etat zweimal in der Woche mit dem fechtenden Teil erster Linie üben kann, einhalbmal weniger, als die französischen Feldartilleristen. Bei unseren Abteilungen auf mittlerem Etat kommt man zu gleichem Ergebnis. Die Abteilung hat 18 bespannte Fahrzeuge und würde erst, wenn sie 24, also pro Batterie 8 Bespannugen besäße, in der gleichen Lage sein wie die französische Abteilung auf niedrigem Etat. Wir könnten dann unsere Batterien je vier Tage in der Woche mit dem fechtenden Teile erster Linie üben lassen. Bei diesen Erörterungen ist die Zeit zugrunde gelegt, in welcher der jüngste Mannschaftsjahrgang im Fahren und Bedienungskanoniere in der Batterie fertig geschult sind, nicht also die Winterperiode, wo für die Reitausbildung des jüngsten Fahrerjahrganges bei der Batterie viele Pferde abgesetzt werden müssen. Arbeit an der kriegsgemäßen Schullung muß aber zu jeder Jahreszeit verlangt werden. Man könnte im Felde arge Enttäuschungen erleben, wenn man im Frieden die Truppen nicht auch die Schwierigkeiten des Winters überwinden lehrte. Im Winter bei Schneedecke und gefrorenem Boden bietet sich zudem für die Feldartillerie die einzige Möglichkeit, ohne Ausgaben für Flurbeschädigungen außerhalb des meist ebenen Exerzierplatzes wirklich wechselndes Gelände zu benutzen und kriegsgemäße Schulung zu treiben. Während der Wintermonate muß man aber jetzt schon zwei Abteilungen auf niedrigem Etat zusammenmahmen, um mit dem in erster Linie fechtenden Teil einer mobilen Batterie im Gelände üben zu können. Dieser 6 bis 7 Monate dauernde Zustand ist allein genug Beweis dafür, daß der Feldartillerie ihre kriegsgemäße Schulung auf das Aeußerste erschwert wird. Rohrrücklaufgeschütz und Munitionswagen sind unzertrennbar, Lafette und Munitionshinterwagen ergeben zusammen erst die angestrebte Deckung der Bedienung durch Schutzschilde. Die Erfahrungen des russischhapanischen Krieges beweisen, daß Batterien, die in der Bewegung oder aufgeprotzt in der Stellung gefaßt werden können, niedergebrochen werden. Ausnutzung aller Deckungen des Geländes, gedecktes Erreichen der Stellung sind also dringend geboten, aber nur möglich bei genauester Erkundung, bei vollem Verständnis für die Bodengestaltung des Geländes, bei sehr gewandtem und sicherem Fahren der Geschütze und Munitionswagen. Alles das ist nur erreichbar bei ununterbrochener 39. Jahrg Uebung des in erster Linie fechtenden Teils der Bakterien. Das gleiche ist notwendig beim Munitionsersatz, denn die Verhältnisse des modernen Kampfes stellen an das Personal, dem die Heranbringung der Munition im Gefecht übertragen ist, derartige Anforderungen an Urteils= und Entschlußfähigkeit, Enerzie und Geschick, daß nur häufige Uebungen die Bedienungsmannschaften dafür befähigen können. Rechnet man hinzu, daß die außerordentlich schwere dung durch Artilleriepatrouillen und die in den Reglements geforderte stete Verbindung der Artillerie mit der weiter vorwärts kämpfendne Infanterie zahlreiches, gut reitendes und gut berittenes Personal an Offizieren und Unteroffizieren verlangen, so wird man der Behauptung zustimmen müssen, daß der Feldartillerie in ihrem geringen Friedens=Pferdebestande für ihre kriegsgemäße Schulung die denkbar schwierigsten Verhältnisse geschaffen sind. Eine Beseitigung dieser Mängel erscheint fast wichtiger als die Neubildung einiger Kavallerie=Regimenter. Handelt es sich doch um nichts Geringeres, als um die Leistungen einer ganzen Waffe im Kriege, und zwar einer Waffe, die in engster Verbindung mit der Infanterie den Feuersieg erkämpfen soll. Lan wirtschaftliches Die Beschickung der 21. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft zu Düsseldorf mit Tieren. Auch die diesjährige, 21. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft, welche in der Zeit vom 6.—11. Juni in Düsseldorf stattfindet, wird eine reiche Beschickung aufweisen; denn es werden 550 Pferde, 936 Rinder, 271 Schafe, 668 Schweine und 243 Ziegen in der Tierabteilung zur Stelle sein. Da die Ausstellungen im Durchschnitt eine Beschickung von 389 Pferden, 961 Rindern, 558 Schafen, 447 Schweinen und 93 Ziegen gebracht haben, ergibt sich, daß vor allem die Pferde=, Schweine= und Ziegenabteilung reichlich werden beschickt werden. Die Rinderabteilung entspricht dem Durchschnitt, dagegen steht die Schafabteilung gegen andere Jahre erheblich zurück. Zu sen Beschickungsziffern kommen noch das auszustellende Geflügel und die Fische, für die der Anmeldetermin noch nicht geschlossen ist. Die Pferdeabteilung wird in der Hauptsache, wie Für Herz und Gemüt. Sei noch so arm, was macht Dich reich? „Ein Herz für fremde Leiden weich.“ Sei noch so klein, was macht Dich groß? „Zufriedenheit mit Deinem Los.“ Sei noch so alt, was macht Dich jung? „Barst Du stets gut, Erinnerung! soll dein Herr sein. 23. „Ach, Helmchen, nun laß endlich die Dummheiten sein! Bist doch sonst gar nicht so; das kommt aber von dem faulen Leben hier, ja! S' ist Zeit, daß du deine Beschäftigung wieder aufnimnst, wirst mir noch ganz Übermütig. Komm, kannst mir ein bischen beim Pakken helfen. Frau Agnes geht an die Kommode und schließt einen anderen Kasten auf.„So, nun reich mir mal deine Kragenschachtel, dann den Krawattenkasten. Nein, nicht den Manschetten=, sondern den Krawattenkasten, sagte ich, der paßt nämlich hier so hübsch an die Seite. Sie packt eifrig ein und er reicht geduldig das Gewünschte zu. So geht das eine kleine Weile, da stöhnt er plötzlich auf. „Uff— ist das aber eine Hitze hier!“ „Finde ich gar nicht, mir ist es nicht so warm.“ „Ja, du! Dein kühles Temperament kühlt ja, die Luft um dich herum gleich ab.“ „Helmchen, sei nicht unartig, mahnt sie. „Bin ich auch gar nicht, ich habe nur Durst.“ „Da geh' doch ein bischen unten ins Restaurant und trinbe etwas.“ Ein Seufzer der Erleichterung hebt des Geheimrats Brust. Er schnalzt mit der Zunge, als ob er das kühle Naß schon schmeckt, dann fragt er etwas zögernd: „Willst du denn nicht mitgehen?“ „Nein! Ich kann jetzt nicht hier fort, geh’ du nur allein. Gegen Abend bin ich fertig, da kannst du mich abholen. Wir machen dann noch einen Spaziergang und sagen den Bekannten gleich Adieu.“ „Das ist ein guter Gedanke, mein Neschen!“. Er küßt seine Frau zum Abschied, aber dieses Mal ganz artig, nickt ihr von der Tür her noch einmal freundlich zu und verschwindet. Draußen bleibt er aufatmend stehen. „S'st was hübsches, so'ne gute Frau! Aber manchmal ist man doch froh, wenn man ihr entschlüpfen kann,“ murmelt er in den Bart hinein. Dann steigt er langsam die breite, teppichbelegte Treppe hinunter, an den Kellnern vorüber betritt er das zu dieser Stunde wenig besuchte, aber angenehm kühle Restaurant. Bei einem Glase echtem Münchner taucht der Gedanke in ihm auf, seiner guten Frau eine Freude durch das Geschenk eines Schmuckstückes zu bereiten, dessen wundervolle künstlerische Ausführung neulich in einem Juwelierladen ihr Wohlgefallen erregt hat. Sie kauften damals für Hildegard eine zwar einfach gehaltene, aber kostbare Brosche. Das Juweliergeschäft war ein sehr bedeutendes aus Berlin und hielt während der Saison hier eine Filiale offen. Die Sachen waren durchweg herrlich ausgeführt und geriet sein Frauchen in eine wahre Begeisterung bei ihrem Anblick. Er wollte ihr etwas kaufen, doch sie wehrte ab—, sie war eben zu bescheiden und wollte ihn zu keiner so großen Ausgabe veranlassen. Das alles fährt ihm beim ersten Glas Münchner durch den Sinn, beim zweiten überlegt er, ob er die Brosche, die feine Agnes so hübsch fand, nicht kaufen solle, beim dritten weiß er es ganz genau und beim vierten nimmt er den Hut vom Nagel, trinkt aus, zahlt und begibt sich schnurstracks zum Juwelier. Eine Weile darauf verläßt er, sehr zufrieden mit sich und seiner Großmut, den Laden und schlendert langsam, die Hand zuweilen auf seine Brusttasche drückend, als wolle er sich vergewissern, daß er das darin befindliche Etui auch nicht verloren habe, nach dem Hotel zurück. Dort begibt er sich gleich hinauf zu seiner Frau, denn es ist inzwischen Zeit geworden, daß er sie abholt. Als er die Tür öffnet, steht sie gerade vor dem Spiegel und setzt das kleine heliotropfarbene Kappothütchen auf das hochfrisierte, wellige Haär. Sie dreht sich um und nickt ihm freundlich zu, dann steckt sie vorsichtig die Hutnadel ein. „So, nun bin ich fertig, nur noch die Handschuhe und den Schirm. Sie deutet auf die zwei gepackten Koffer.„Bin ich nicht fleißig gewesen? Ich hab mich auch tüchtig gecilt, damit du nicht zu warten brauchtest.“ „So? Nun, dafür hab' ich dir auch etwas mitgebracht,“ erwidert der Geheimrat lächelnd, zieht das kleine Leder=Etui aus der Tasche und hält es ihr dicht vor die Augen. Freudig erschrocken sieht sie bald ihn, bald das Etui an. „Aber Helmchen, was soll denn das heißen? frags sie erstannt. „Das soll heißen, daß du stets meine engelsgute, liebe Frau bist! Und nun nimm's doch auch und machs mal auf!“ Er gibt ihr das Etui in die Hand und sieht ihr dann zu, wie sie bedächtig auf die Feder drückt und öffnet. Ein leiser Ruf des Entzückens entfährt ihren Lipp.n, als sie die außergewöhnlich schöne Brosche sieht, dann sagt sie halb vorwurfsvoll, halb freudig überrascht: „Nein, aber HHelmchen, wer wird sich denn bloß so in Unkosten stürzen!“ „Ja, siehst du, es ist eine bekannte Tatsache— Alter schützt vor Torheit nicht! Du mußt doch eine klei es dem Charakter Rheinlands und Westfalens entspricht, mit Arbeitspferden beschickt werden, welche etwa 75 Prozent der gesamten Anmeldung ausmachen, so daß auf Reit=, und Wagenpferde etwa 25 Prozent entfallen. Von den Rindern, die zur Ausstellung kommen, gehören 232 den Gebirgs= und Höhenschlägen und 704 den Tieflandschlägen an. An der Ausstellung der Höhenschläge beteiligen sich vorwiegend die Provinz Hannover, aber auch Bayern, Baden und Hessen. Die Dieflandschläge kommen, soweit Ostelbien in Betracht kommt, in erster Linie aus Schleswig=Holstein, aber auch Ostpreußen, Pommern und Brandenburg werden vertreten sein. Von den westelbischen Gebieten nehmen die Rheinprovinz mit 240 Haupt und Westfalen mit 110 Haupt die ersten Stellen ein. Aus Hannover und Oldenburg werden 90 Tiere erscheinen. Die Schafe kommen aus dem mittleren Deutschland, jedoch sind auch Mecklenburg und Schlesien daran beteiligt. In der verhältnismäßig großen Schweineausstellung beanspruchen die veredelten Landschweine mit 383 Stück den größten Raum, weiße Edelschweine werden nur 215 ausgestellt werden. Die übrigen verteilen sich auf schwarze Edelschweine und Landschweine. Die Ziegen stammen vornehmlich aus Hessen, aber auch die Rheinprovinz, Hannover und Westfalen werden in dieser Gruppe auf dem Platz sein. Vermischtes. (Aus Karlchen Mießnicks Aussatzheft.) Die Katze. Die Katze is ein Haußtier, Sie hat vier Beine auf die sie imer fällt wenn man sie aus'n Feuster schmeißt, wofür ich dann aber Haue kriege. Sie miant blos ganz leise, manchmal schreit sie auch laud wenn man sie nemlich in Schwantz kneipt un dann krazt sie, was man ein kraziöses Wesen nennt. Der Mann von der Katze heißt Kater un is sehr schwer wechzukriegen wie mein Bruhder der Studennt sagt. Der legt dann imer Hundehaare drauf, aber nich richtige sondern blos saure Heeringe, was auch Katzenjammer heist. Die beliebtesten sind die Geldkatzen, die schnalen sich die Leute um den Leib und da is Gelld drin, Silber un Gold das ist dann Katzengold. Die Katze is sehr fallsch, sie lauft nachts auf den Dechern rum, wenn sie aber im Resterang auf die Speisekarte steht, heißt sie Hasenbraten, was das fallscheste an ihr is und auch nich so gut schmeckt und weßhalb man sie Dachhase nennt Mittags essen wir mannichmal falschen Hasen, das is dann für die Katz, wie der Vater immer sagt und wo dann die Mutter sehr wütend wird. Wenn man die Katze streichelt, schnurrt sie. Es giebt nicht nur Hauskatzen, sondern auch Kammerkatzen, die sind aber anders, wenn man die nemlich streichelt, kratzen sie, manche aber auch nich, wie mein großer Bruder sagt, der ein tügtiger Katzenfreund is. Die Katze lebt von Milch und Mäusen, aber nur, wenn sie welche kriegt, was sehr schwer is, weil sie so schnell sind un es manchmal gar keine gibt. Die Katzen findet man fiel bei alten Jungfern, die dann kleine Halsbänder tragen und sehr ne Entschädigung für diese zwei Wochen haben, die wir sonst noch hier geblieben wären!“ „Ach, du bist doch wirklich zu gut,“ sagt sie gerührt. „Dafür bekomst du auch einen recht schönen Kuß. Aber nimm dich in Acht, daß du mir die Frisur nicht verschiebst.“ Sie hebt sich auf den Zehenspitzen und beut ihrem Mann die Lippen dar. Dieser lacht, macht einen spitzen Mund und küßt sie, ohne sie anzufassen. „So war’s brav! Nun, was meinst du, werde ich gleich Staat mit der Brosche machen. Schau mal her, sie paßt wundervoll zu diesem Kleid!“ Sie befestigt die Nadel, sieht noch einmal prüfend in den Spiegel, nickt befriedigend und nimmt dann den Arm ihres Mannes. „So, nun können wir gehen!“ „Na, ich muß mich doch auch erst ein bischen fein machen! Warte mal, es dauert nicht lange; Kragen und Kravatte ist a gut, aber Hände waschen— frisieven— Bart bürsten— so, bin schon fertig. Fix gegangen, was?“ „Ja, bei dir geht alles fix,“ bestätigt sie. „Na, wenn wir auch so viel Zeit brauchen wollten wie die Weiber,“ bemerkt er ein bischen ironisch. „Aber Helmchen, damit meinst du mich doch nicht?“ Der Geheimrat wird einer Antwort enthoben, denn sie sind inzwischen die Treppe hinunter und vor das Haus gegangen, dort werden sie gleich lebhaft von einigen Bekannten begrüßt. „Wie? Sie wollen reisen? O, wie schade!“ Bedauernde Ausrufe werden laut, denn das geheimrätliche Paar ist recht beliebt. Man sucht sie zu überreden, wenigstens noch einige Tage zu bleiben, aber Helms bleiben fest. Als sie sich nun an diesem Tage abends zur Ruhe legen, meint Frau Agnes:„Gott sei Dank, morgen abend sind wir daheim und ich sehe, wie es meiner Hilde geht.“ Der Geheimrat nickt mit dem Kopf, dann sagt er etwas zögernd, als ob er nicht recht weiß, ob das seiner Frau angenehm ist zu hören: „Ich will dir nur gestehen, ich habe mich schon längst nach Hause gesehnt.“ „Nein, aber! Da seh' einer doch mal den Mann an! Tut hier so lieb und schön, scherwenzelt um einen herum, daß es nur so ein: Art hat, und ist dabei doch mit seinen Gedanken ganz und gar nicht bei der Sache, sondern sehnt sich fort.“ Sie tut böse, ist es im Grunde genommen aber gar nicht. Sorglich legt sie Reisetoilette und alles nötige für morgen bereit, dann schließt sie die Koffer und gibt ihrem Mann die Schlüssel. „Hier, Helmchen! Und nun, gute Nacht!“ „Gute Nacht, mein Neschen! Schlaf recht schön.“ (Forts. folgt.) ferwönt werden. Die Katzen sind sehr musikalisch aber das klingt schäuslich und wird nur von Studennten gemacht. In Rußland giebt es neunschwänzige Katzen, die werden dort aber Knuten genannt und sollen furchtbar wehtun. Sehr offt muß man eine Katze duich'n Bach tragen, woraus dann die Katzbach entsteht, die durch einen Trompeter berümmt is. Sie wußte es genau. Eine Dame reiste auf ein paar Wochen zu ihrer Mutter. Ehe sie ging, schärfte sie ihrem Gatten ein, wenn er irgend etwas brauche, was er nicht gleich finden könne, so möge er ihr schreiben, sie wisse genau Bescheid.„Tu mir den einzigen Gefallen“, sagte sie, und wühl: nicht in den Schubläden und Schränten, wie du das so gern tust. Wenn du mir schreibst, erhältst du umgehend Antwort, und die Sache ist erledigt.“ Er versprach's, und sie reiste ruhig ab. Kurz darauf kam eine Freundin seiner Frau und bat um ein Schnittmuster. Der Mann, der natürlich keine Ahnung hatte, wo es sich befinden könne, schrieb seiner Gattin und bat um Auskunft. Mit wendender Post erhielt erfolgenden Brief: „Du findest das betr. Muster an einem Nagel an der Tür der Bodenkammer. Sollte es da nicht sein, so liegt es in der Schachtel auf der Nähmaschine in Ellas Zimmer, in der grünen oder der roten, das weiß ich nicht bestimmt. Möglicherweise findest du es aber auch auf dem oberen Fach des Kleiderschrankes in unserem Schlafzimmer, wenn ich mich recht erinnere, auf der linken Seite; sieh aber lieber auch auf der rechten nach. Wenn es da nicht liegt, so ist es in der linken unteren Schublade des Schreibtisches im Vorzimmer, dort hebe ich immer meine Schnittmuster auf. Binde aber nicht sämtliche Pakete auf, denn es muß ganz oben liegen. Vielleicht ist es aber auch in der rechten oberen Schublade. Auf jeden Fall findest du es weder im Salon, noch im Eßzimmer; du brauchst allso dort nicht zu kramen. Allerdings könnte es am Ende in der Schublade des Buffets sein. P. S.„Da fällt mir eben ein, daß es sehr leicht möglich ist, daß ich das Muster meiner Schwester Anna geliehen Gobe.“ Kann St. Hubertus wirklich als Schutzpatron der Jäger bezeichnet werden? Die Verehrung des hl. Hubertus als des Schutzpatrons der Jäger stützt sich bekanntlich auf die Legende von seiner Bekehrung durch das Erscheinen eines Hirsches mit dem Kreuz zwischen dem Geweih. Zu dieser Legende macht Professor Dr. A. Schwappach von der Forstakademie Eberswalde interessante Ausführungen in seiner„Entwicklungsgeschichte der Jagd“, die ein Kapitel des so schnell zu einem allgemeinen glänzenden Rufe gelangten neuen populärwissenschaftlichen Prachtwerkes von Hans Kraemer„Der Mensch und die Erde“(Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57, Lieferung 60 Pfg.) bildet. An der Hand de ssorgfältig gesammelten Urkundenmaterials weist Professor S chwappach nach, daß hier eine Verwechselung zwischen dem heil. Hubertus und dem heil. Eustachius vorliegt, der ungefähr vier Jahrhunderte vor dem heil. Huberkus lebte und von dem dieselbe Bekehrungsgeschichte erzählt wird. Professor Schwappachs Darlegungen werden ergänzt durch vorzügliche Reproduktionen von Dürer'schen und Breughel'schen Bildern, die denselben Gegenstand behandeln und weitere Beweisstücke für Schwappachs Auffassung bilden. Stade(Prov. Hannover), 25. März. Der 13jährige Sohn einer angesehenen Familie in Worpswede hatte sich trotz des Verbots der Eltern einen defekten Revolver mit Munition zu verschaffen gewußt. Als der Junge die in der Waffe befindliche Kugel mit einem Messer entfernen wollte, entlud sich der Revolver plötzlich und die Kugel drang dem unglücklichen Knaben in die Lunge. Er war sofort tot. Trient, 25. März. Der Waldbrand bei Isehia dauter fort. Im Novelltal ist ein großer Waldbrand ausgebrochen wodurch die Gemeinde Flavon bedroht ist. Auch bei Kaltern ist ein Waldbrand entstanden, der einen großen Umfang anzunehmen droht. ? Je nachdem.„Wie Ihre Aelteste beim Zeitungslesen die Farbe wechselt!"—„Ja, beim politischen Teil bleibt sie gleichgültig, bei den Tagesnachrichten wird sie blau, beim Roman rot und bei den Verlobungsnachrichten grün und gelb.“ ? Neuestes. Die neuen Lokomotivbestellungen für Serbien werden damit motiviert, daß der König bald abdampfen dürfte. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 27. März: Heiter bei Wolkenzug, wärmer, angenehm. 28. März: Wolkig mit Sonnenschein, normale Temperatur. 29. März: Teils heiter, teils bewölkt mit Strichregen, milde. Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Die Verteuerung der Lebensmittel ist nachgerade zur Kalamität geworden. Da gilt es, doppelt weise hauszuhalten An den Ausgaben für Fleisch läßt sich z. B. sparen, wenn man zur Herstellung von Suppen oder Fleischbrühe bewährte Küchenhilfsmittel verwendet, wie Maggi's Suppenwürfel oder Bouillonkapseln, deren Preise die gleich wohlfeilen geblieben sind, wie von seter Für das Jahr 1917 ist die Abhaltung folgender Obstbaukurse in der Provinz Westfalen in Aussicht genommen: I. für Volksschullehrer 1. an der Landwirtschule in Lüdinghausen: a.— b. Herbst= und Obstverwertungskursus in der Zeit vom 30. September bis einschließlich 10. Oktober 2. bei dem Hofgärtner a D. Kohlstädt in Laasphe A.— b. Sommerkursus in der Zeit vom 29. Juli bis einschließlich 3. August, c. Obstverwertungskursus in der Zeit vom 24. bis einschließlich 27. September; II. für Provinzialstraßenmeister, Provinzial= straßenwärter, Baumwärter usw. 3.— 4.— 5.— 6. an der landwirtschaftlichen Lehran Lalt in Hagen i. 2n a. Frühjahrs=Kursus in der Zei vom 18. einsch! 27. März, b. Herbstkursus in der Zeit vom 26. bis einschlißl. 28. September; 7.— 8. an der landwirtschaftlichen Winterschule in Soeft; a. Obst u. Gemüseverwertungskursus, I. Teil(3., 4. und 5. Juli) II.„(4, 5. und 6. September); b. Ferienkur sus im Obstbau für Lehrer in der Zeit vom 3. bis einschließlich 6. April und vom 12. bis einschließlich 17. August; c. Obstbaukurse für Jedermann am 2. April, 2. Mai, 3. Juni, 1. Juli, 5. August, 2 September und 7. Oktober; d. Baumwärterkursus am 8, 9. und 10. April An den für Volksschullehrer oder für Provinzialstraßenbeamte und Baumwärter bestimmten Kursen können auch Landwirte, Wegewärter, und andere Personen teilnehmen, soweit es der Raum gestattet. Die Kosten der Kurse werden aus Mitteln des Staates und des Provinzialverbandes getragen. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenfrei. Anmeldungen zur Teilnahme sind baldmöglichst an die genannten Unterrichtsanstalten bezw. an die Leiter der Kurse zu richten. Unbemittelten Teilnehmern, deren Ausbildung als Baumwärter besonders wünschenswert erscheint, können mäßige Beihülfen zu den Kosten des Unterhalts während der Kursusdauer bewilligt werden. Anträge darauf sind durch Vermittelung der Ortsbehörden einzureichen. Münster, den 11. Februar 1907. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen gez. Frhr. von der Recke. Bekanntmachung. Zur Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Iserlohn am Montag, dem 8. April d. I., nachm. 4½ Uhr, im im Saale des Wirtes Bintz zu Iserlohn Ohlstraße ladet die Mitglieder ein: Iserlohn, den 21. März 1907. Der Vorsitzende: auck, Geheimer Regierungs= und Landrat. Bekanntmachung. Die Gesellenprüfungsordnung für die Gesellenprüfungsausschüsse im Bezirk der Handwerkskammer Dortmund, liegt nebst den ergangenen Nachträgen für das Lithographen= und Steindruckerhandwerk im Kreishause zu Hörde, Zimmer Nr. 18, während der Dienststunden zu edermanns Einsicht offen. Hörde, den 22. März 1907. Der Landrat. Bekanntmachung. Nachdem die im November v. Is. in der Gemeinde Lichtendorf getätigte Gemeindeverordneten=Ergänzungswahl durch Beschluß der Gemeindevertretung für ungültig erklärt worden ist und diese Ungültigkeitserklärung die Rechtskraft erlangt hat, wird Termin zur Neuwahl auf Dienstag, den 30. April d. Is. vormittags von 10 bis 11 Uhr in der Wirtschaft auske und Nachmittags von 5 bis 6 Uhr, in der Wirtschaft Bährensmann daselbst anberaumt. Die Neuwahl ist vorzunehmen von der 3. Abteilung an Stelle der ausgeschiedenen Gemeindeverordneten Kleff und Schäfer und zwar auf 4 Jahre. Die Wahlliste liegt in der Wohnung des Herrn Gemeindevorstehers Dieckerhoff vom 27. d. Mts. ab 4 Wochen lang zur Einsicht der Beteiligten offen, woselbst etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liste angebracht werden können. Westhofen, den 23. März 1907. Der Amtmann. von Daniels. Dortmunder Stadttheater. Donerstag, den 28. März: Serie A, Nr. 46. Rote Karten. Anfang 7,30 Uhr.„Das Stiftungsfest". Lustspiel in drei Aufzügen von Gustav von Moser. Sonnabend, den 30. März: Serie B, Nr. 44. Blaue Karten. Anfang 7 Uhr.„Die Meistersinger von Nürnberg“. In drei Aufzügen von Rich. Wagner. Sonntag, den 31. März: Ostersontag. Bei gänzlich aufgehobenem Abonnement zu ermäßigten Preisen. Anfang 3 Uhr.„Zar und Zimmermann“. Komische Oper in drei Aufzügen von Albert Lortzing. Abends 7,30 Uhr: Bei aufgehobenem Abonnement(Jahreskarten gültig). Alma Saccur.„Die Geisha“. Eine japanische Teehausgeschichte in drei Aufzügen. Musik von Sidney Jones. Montag, den 1. April: Ostermontag. Bei gänzlich aufeohobenem Abonnement zu ermäßigten Preisen. Anfang 3 Uhr.„Martha“ oder„Der Markt zu Richmond". Romantische Oper in drei Aufzugen von Friedrich von Flotow. Abends 7,30 Uhr: Bei aufgehobenem Abonnement(Jahreskarten gültig). Alma Saccur.„Mignon“. Oper in drei Aufzügen von Ambroise Thomas. Billig! Billig! Achtung! 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Verdorbene Lebern, die der Fleischbeschauer verworfen hatte und von denen sich selbst die Hunde voller Ekel wandten, wurden von Stratmann vom Mist und verwurstet. Bei der ersten Haussuchung, die durch eine Anzeige des Gesellen Schulz veranlaßt war, wurde mit Würmern durchsetzter Schwartemagen und andere verdorbene Wurst beschlagnahmt. Die zweite Haussuchung förderte ebenfalls Belastungsmaterial zutage. Dem städtischen Nahrungsmittel=Untersuchungsamt in Bochum wurden von der Behörde 28 Fleisch= und Wurstproben übergeben, von denen sich bei der Untersuchung 17 als verdorben und gesundheitsschädlich erwiesen. Bei einem Teil der Waren war der Fäulnisprozeß schon soweit vorgeschritten, daß sie einen Uebelkeit erregenden Geruch verbreiteten. Stadtchemiker Schulte bekundete, daß Fleisch= stücke und Wurstproben der verschiedensten Art stinkig, verdorben und für den menschlichen Genuß ungeeignet gewesen seien. Teilweise habe sich in der Wurst auch ein Mehlzusatz feststellen llassen. Chemiker Dr. Sendhoff bestätigte diese Angaben. In den von ihm untersuchten Proben fanden sich Kolonien von Maden. Die Wurst war überstark gewürzt, um den fauligen Weise) rächten sich der Ackerer Hilsendegen und dessen Sohn in Ottersweiler an dem Wiesenwärter Stadtler, weil dieser ihren Hund geschlagen hatte. Als Stadtler betrunken war, erdrosselten H. und Sohn den Wehrlosen. Die Täter wurden verhaftet. Ein neuer Minister? Frankfurt a. M., 26. März. Oberbürgermeistar Adickes ist„Fraankfurter Nachrichten“ zufolge nach Berlin berufen worden. Die Reise wird mit der demnächstigen Erledigung eines Ministerpostens in Zusammenhang gebracht.— Zunächst ist man versucht, wenn man der eingehenden Betrachtungen z### die Herr Adickes zur Reform unserer Justiz ansteute, in ihm einen neuen preußischen Justizminister zu sehen. Damit wäre das Gerücht der letzten Tage zu kombinieren das Herrn Beseler als Nachfolger im Kultusministerium nannte. Vom Zuge getötet. Oldenburg, 26. März. Auf dem Bahnhof Hude wurde heute morgen ein Fahrgast, der dem Schnellzuge nach Bremen entstiegen war, von dem ungefähr gleichzeitig einlaufenden Personenzuge aus Bremen überfahren und sofort getötet. Es soll sich um einen Reisenden namens Jürgens aus Nordenham handeln. 6000 Zentner Ware verbrannt. Rathenow, 26. März. Auf der Havel bei Grütz verbrannte heute nacht ein großer Frachtkahn, der mit 6000 Zentnern Graupen, Kaffee und Salpeter nach Breslau unterwegs war. Die Ladung ist vernichtet. Der Kahn liegt quer über die Havel und sperrt die Schifohrg.#.###u Gamturger Haien Der Ausstand im Hamburger Hafen. Hamburg, 26. März. Der Hafenbetriebsverein erlärte eine Meldung der sozialdemokratischen Presse, aß gestern die auf den Schiffen im Kuhwärder Hafen Bekanntmachung. Am Samstag, d 30. März er., vorm. 11 Uhr werde ich an Ort uud Stelle Versammlung der Kauflustigen im Pfandlekale beim Wirt Rath hier: W1274 1 großes Ladenregal, 1 Ladenteke mit Glaskasten, 1 Ofen mit Rohr, 2 Schaufenstervorsätze, 2 Regulatore, 1 Spiegel, 1 Sofa m. Ripsbezug, 1 großer Tisch, 1 Ziehhund, 1 Handwagen, 1 Kleiderschrank, 1 Vertikow, 1 Eisschrank öffentlich meistbietend gegen bar versteigern. Schwerte, 26. März 1907. Bächstein, Gerichtsvollzieher, Hagenerstraße 38. Vertreter gesucht. Berd. enorm Nötiges Geld 30—45 Mr. Böhm, Dertmund, Lübeckerstr. 42. Bekamntnagung. Am Samstag, den 30. März ler., Vormittags 1030 werde ich im Pfandlokale beim Wirt Rath hier 19 Bände Baugewerksmeister öffentlich meistbietend zwangsweise gegen Bar versteigern. Der Verkauf findet bestimmt statt. Schwerte, den 26. März 1907. Bachstein Gerichtsvollzieher. Hagenerstr. 38. 20 Mik. Gelochung sichere demjenigen zu, der mir den Täter, der in der zum Corde'schen Hofe in Rheinen gehörenden Waldung Holz entwendet hat, so angiebt, daß ich selbigen gerichtlich belangen kann Gleichzeitig verbiete jedem ohne meine Erlaubnis obige Waldung zu betreten. Fr. Börstinghaus. z. Z. Rheinen. Prima ven aus der Staost vungemerst, uihrend aus den Inrden können. g# 5 lande Hunderte von Anfragen eintreffen. * Lennep, 26. März.(Aus Verzweiflung) Hamburg, 26. März. Der Streikkommission der über ein schweres Leiden ertränkte sich die 40jährige Schauerleute sind aus den Kreisen der Ausgesperrten Frau eines hiesigen Zimmermanns. Sie war erst vor zahlreiche Anträge auf Aufgabe des aussichtslosen einigen Tagen ungeheilt aus dem hiesigen Kranken= Kampfes gegen die Reeder zugegangen. Die Streikhause entlassen worden und sollte sich heute in Rem= kommission verharrt jedoch nach wie vor auf dem scheid einer Operation unterziehen. Gestern abend Kampfbeschluß der Arbeiterversammlungen. Da die Verbandsmitdie Zahl der zogen. Um die Unglückliche trauern der Mann und aus dem Verband austretenden Schauerleute stetig zu. sechs unmündige, meistens noch nicht schulpflichtig Gegen mehrere Führer des Streiks ist wegen BedroKinder. Bei dem jüngsten, kaum zwei Jahre alten hung und Erpressung gegenüber Arbeitswilligen AnKnaben ist der Kaiser Pate. zeige erstattet worden. * Solingen, 26. März.(Das Perrotrum.) Hamburg, 26. März. Ausschreitungen ließen sich Die Ehefrau des Schleifers Moll, die Petroleum zum heute die ausständischen Schauerleute zuschulden komAnfachen des Herdfeuers benutzte, wurde von den men. Sie bewarfen die Arbeitswilligen mit Steinen emporschlagenden Flammen erfaßt. Die Frau trug und wollten sie unter Bedrohungen mit Dolchmesse Saathater sowie Pserbedunger haben abzugeben Meyknecbt& Niermanon Schwerte 1. W. 2 schoue Zimmer davon 1 unmöbliettes per sofort gesucht. Näheres in der Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. 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Im Gedränge ind Ginle größe Sendu 8 das Gleichgewict und fürzte ins Wasser. pele Personen ins Wasser gefallen, davon sind sieben 4, 10 42 * Köln, 25. März.(Auch ein Märtyrerdes ertrunken. Die übrigen konnten von Fischern gerettet Zeugniszwanges.) Ein Bäuerlein aus der Um= werden. gebung von Köln war kürzlich vor das dortige Amts= Der Prozeß gegen Tatiana Leontiew. gericht in einer Prozeßsache als Zeuge geladen, morüie Thun, 26. März. In der heutigen Seschse ase an. Ketchelsckanstchenete sahn te Khstante sich elchalatisit dos chl Prozeßparteien verwandt sei, denn nur unter dieser sitzende teilt mit, es sei wegen des Vorfalles DiszipliVoraussetzung besitze er das Recht zur Verweigerung naruntersuchung eröffnet worden. Alsdan wird der des Zeugnisses.„Dat gerade net“, meinte das Bäuer= Ingenieur Wladimirow verhört, der über Pogrome lein,„aber der Michel(das ist die klägerische Partei) und Metzeleien unter dem Minister Durnowo Aushat en Kalb von minger Kuh, gilt dat bei Gerech ooch kunft gibt.— Die Nachmittagsverhandlung verlief vielleicht als een Verwandschaft“. Der Rechtsverstän= ohne Zwischenfall. Der Vertreter der Zivilpartei bedige, nebenbei ein Witzbold, belehrte das Bäuerlein, antragte, die Angeklagte des Mordes schuldig zu erdaß nach einer neuen Reichsgerichtsentscheidung eine kennen. Die Tat dürfe trotz der Personenverwechselderartige Tierverwandtschaft allerdings zur Verwei= ung nicht als bloße fahrlässige Tötung b gerung des Zeugnisses berechtige, im Gerichtstermin brauche er sich nur auf diese neue Reichsgerichtsentscheidung zu berufen, die Richter wüßten dann schon Bescheid. Das Bäuerlein befolgte diesen klugen Rat und erklärte vor Gericht, als zu seiner Vernehmung geschritten wurde: Iek hrus kein Dougnis ung nicht als bloße fahrlässige Thtung beurteilt werden. Das Urteil wird voraussichtlich morgen gesprochen werden Aus Rumänien. erklärte vor Gericht, als zu seiner Ve. gexh. wurde:„Ick brut kein Zeugnis aozutegen, Gefegzt. Amtlich wird die Zahl der Toten auf oo, der dat Reichsgericht hät dat gesagt, weil de Wigfhen Verwundeten auf 300 angegeben; in Wirklichkeit sollen Kalb von minger Kuh hät“. Es kostete dem Richter##g n* e# große Mühe, aufzuklären, was das Bäuerlein mit.S 300 bezw. 800 serc. dieser Redensart eigentlich sagen wollte und ihn zu be= Hinweis. lehren, daß diese Tierverwandschaft keineswegs dazu! Der heutigen Auflage liegt eine Beilage der Firma berechtige, das Zeugnis zu verweigern. Hartnäckig Arth. Rosenbaum, Hagen, Elberfelderstraße, bei, worauf wir unsere werten deser besonders aufmerksam #can Die Geschäftsstelle. Stachetbraht, der verschiedensten Drahtstärken und Maschenweiten Klammern ere. ete. ist angekommen und wird zu billigsten Preisen 851 abgegeben. K. Tandmann, Schwerte. das Zeugnis zu verweigern. Hartnä blieb das Bäuerlein dabei:„Ick bruk kein Zeugnis ab=rauf wir zulegen“. Da ging dem sonst ruhigen Richter die Ge= machen. duld aus Ind er drohte dem Bäuerlein, daß gegen ihn die Zwangshaft angeordnet werde, wenn er auf seiner„ Hinweis. Weigerung beharre. Jetzt endlich bequemte sich: 1 Der heutigen Auflage liegt eine Beilage der Firma Bäuerlein, seine Aussage abzugeben, bemerkte jedoch Max Samaskewitz u. Co., Schwerte, Ecke Bismarck= u. dabei:„Ick weich nur de Gewalt, dat Reichsgerech hät Moltkestraße, bei, worauf wir unsere werten Leser beewwer in der Sach ooch noch en Wörtche mitzuredde.“ sonders aufmerksam machen. Die Geschäftsstelle. * Germersheim, 26. März.(Auf schreckliche Schellfisch u. Cabliau frisch eingetrosfen! 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