Amtliches Rreisblall e Nr. 35 Montag den 11. Februar 1907. 39. Eine in Steuersachen blöde Regierung ist von je die französische gewesen. Ob Monarchie oder Republik, in steuerlichen Angelegenheiten sind die Franzosen nie und unter keinen Umständen verwöhnt worden, alle Ministerien haben genommen, was sie bekommen konnten. Bisher hatte Frankreich aber, dem Namen nach, noch eins voraus: es besteht keine Staats=Einkommensteuer. Wir sagen, dem Namen nach hatte es das voraus! Denn die übrigen Steuern sind so hoch, so vielseitig, daß die Franzosen auch ohne diese Staatseinkommensteuer zu den allerbelastetsten Völkern Europas zählen. Da ist vor allem die bis zu 14 pCt. gehende Erbschaftssteuer, die sogenannte Patent=Taxe, eine sehr beträchtliche Mietssteuer für Gewerbebetriebe, Fensteriteuer, Tabaks=Monopol, Zündhölzer=Monopol, Snittungsstempel, Inseratensteuer usw usw., und zu alle dem hohe Zölle und die städtische Accife auf Lebens= und Genußmittel. Und jetzt kommt die von manchem Finanzminister geplante, diesmal aber besonders ernsthaft gemeinte Einkommensteuer, die vielen Deutschen, die über Steuern zu klagen gewohnt waren, nahe ligen dürfte, daß es sich wirklich nicht lohnt, noch Frankreich auszuwandern. Die neue französisch: Staats=Einkommensteuer läßt Einkomen bis zu 1300 Francen— 1040 Mark steuerfrei. Wo bei uns kleine Steuerzahler mehrere Kinder haben, sind sie in den meisten Bundesstaaten bei diesen Einkommen auch schon staatssteuerfrei; über 1300 Fraues hinaus wird vom Einkomen aus Arbeit ein Steuersat von dre Prozent vorgeschlagen. Ein Steuerzähler von 1500 Francs= 1200 Mark Einkonmen würde also 45 Franes— 36 Mark jährlicher Staats=Einkommensteuer in Frankreich fortan zahlen münen. In P eußen hai ein Steuerzahler von 1200 Mark Jahres=Cinkommen 9 Mark Staatssteuer zu entrichten, außerdem kommi noch Kindersegen in Berücksichtigung. Nun gibt es lei uns noch Kommunal= zuschläge, die bei 100 pCt in Summa erst 18 Mark machten, aber das ist immer erst die Hälfte des französischen Staatssatzes, und außerdem hat man jenseits der Vogesen als Kommunalsteuer die hohe Accise. Für soll die Stewerfreiheit bis zu 2000 Mark Einkommen gehen, natürlich müssen die Pariser immer etwas voraus haben, wie Paris die einzige Stadt Frankreichs ist, in der tatsächlich der olbigatorische Schulunterricht umgangen werden kann. Nun kommt aber erst die Hauptsache. Für Einkommen aus Industrie, Handel und Gewerbe ist ein Steuersatz von dreieinhalb Prozent vorgesehen, für Einkommen aus beweglichem und unbeweglichem Besitz, also aus Kapital und Grundbesitz, ein solcher von 4 Prozent. Frei bleiben nur, und das ist für die französischen Auffassungen interessant, die Einkommen aus französischen Staatspaieren, die nur drei Proz. Zinsen geben. Aber es geht noch weiter: fremde, nicht fronzösische Werte unterliegen einer Steuer von 5 Prozent! Man denke sich mal das Gesicht eines deutschen Sparers, der 1000 Mark Zinsen aus einem nichtdeutschen Papier bezieht, wenn er davon 50 Mark auf den Altar des Vaterlandes niederlegen sollte. Aber auch das ist noch nicht der Gipfel französischer Findigkeit: Es sollen, damit die Steuerpflichtigen keine Durchstechereien gegenüber dem Fiskus treiben können, die Bank= und verwandten Geschäfte einer strengen Kontrolle unterzogen werden, damit alle Leute, die sich Papiere kaufen, genau festgestellt werden können. Man sieht, die französische Regierung macht ganze Arbeit; es wird viel Geld gebraucht, und da schreckt sie vor vollster Strenge nicht zurück. Die Tausende von kleinen Rentiers, die die französische Republik zählt, werden ja einiges Hallo machen; aber da die meisten von ihnen heimische Staatspapiere haben, bleiben sie also für das Einkommen daraus steuerfrei. Umso mehr aber werden die größeren Kapitalisten und Grundbesitzer Lärm schlagen, und von dieser Seite aus wird der heitigste Widerstand geleistet werden. Das alles sind indessen französische Sorgen. Was der Deutsche, und gerade der deutsche Arbeiter aus diesen Dingen lernen kann, ist das, daß wir wahrlich noch beine Ueberbürdung in Steuerdingen haben. Haben wir keine billigen Zeiten mehr, so hängen die doch nicht mit Steuerfragen, sondern mit einer allgemeinen Aenderung der Gesamtverhältnisse zusammen, mit der neuen Lebenshaltung und dem gestiegenen Wohlstand. Irrwege. Roman von Hedwia 13. Die Sanitätsrätin und Fritz merkten bald, daß sich ein fremdes Etwas zwischen die Verlobten gedrängt hatte, dessen Natur sie nicht völlig zu begreifen vermochten und deshalb doppelt unheimlich und beängstigend empfanden. Demzufolge nahmen auch sie bald unbewußt eine gezwungene Haltung an, welche Hellwig durchaus nicht ganz entgehen kounte. Die gemütlichen Abendstunden, welche den vier Personen, oft wie im Fluge vergangen wareu, sie krochen jetzt uiiter dem Drucke einer erzwungenen Unterhaltung bleiern langsam dahin, und grollend nannte Hellwig dann wohl im stillen Holms langweilige, philisterhafte Leute und verglich im Geiste die anregenden, lustigen Stunden, welche er in der Villa verlebt hatte, mit diesen steifen, feierlichen Abenden in der Familie seiner Braut.— Wie es überaul ist, so wurde auch in Arnstein geklatscht. Es war nicht unbemerkt geblieben, daß Doktor Hellwig viel allein die Villa Borowski besuchte, und man knüpfte allerlei Vermutungen an diese Beobachtung, die man sich laut und leise, nicht ohne ein bedauerndes Achselzucken für Magdalene erzählte. Man begann schon in ihr die verlassene, betrogene Braut zu erblicken. Die ehrenstrengsten Arnsteiner verurkeilten den Doktor herbe, die gutmütigeren suchten ihn zu entschuldigen. Seine Verlobung mit Magdalene Holm — meinten diese— sei eine Übereilung gewesen; er hätte nichts, und sie hätte auch nichts; so wäre es doch nur ein kläglicher Anfang geworden, solange die Praris nicht groß wäre; mit Papa Borowskis Hilfe würde sich die Sache schon besser gestalten:— Olga von Barowski, welche seit ihrem Konfirmationstage mit geschärften Sinnen die Schwester und Dr. Hellwig beobachtete, war über die wachsende Vertraulichkeit zwischen den beiden ganz unglücklich und zergrübelte sich den Kopf darüber, wie sie Magdalene Holm vor drohendem Unglück bewahren könnte Aber was wollte sie machen? So schroff und unliebenswürdig sie sich auch gegen den jungen Arzt benahm, es diente nicht dazu, ihn zu verscheuchen; er bemerkte ihre Unfreundlichkeit kaum, und wenn er sie bemerkte, so zuckte er lächelnd die Achseln darüber, wie über die Launen eines ungezogenen Kindes. Was nützte es, daß sie neue Szenen mit Toska heraufbeschwor, aus welchen die Schwester mit ihrer überlegenen, kaltblütigen Ruhe doch immer als Siegerin hervorging. Nein, hier konnte nur jemand etwas tun, der genug Einfluß auf Hellwig besaß, um ihn aus dem gefährlichen Verkehr mit Toska heraus zureißen; aber wer, wer konnte dies sein? Der Gedanke an Holm blitzte ihr wohl öfter durch den Kopf, um ihr aber ebenso rasch wieder als unausführbar zu erscheinen. Die Röte der Scham stieg ihr schon in die Wangen bei der bloßen Vorstellung, mit ihm in dieser Angelegenheit als Anklägerin der eigenen Schwester zu sprechen. Ebensowenig erschien es ihr denkbar, Magdalene persönlich zu warnen. Nein, sie vermochte nichts zu tun, mit gebundenen Händen mußte sie zusehen, soviel Pein es ihr auch verursachte. Juni war es geworden. Im Garten der Villa blühten die herrlichsten Rosen zu Herrn v. Borowskis stolzer Freude. Ihr süßer Duft, vermischt mit dem des blühenden Jasmin, erfüllte die weiche, warme Luft eines köstlichen Abends, an dem Olga allein in einem versteckten Winkelchen des Gartens saß und, wie so oft still vor sich hinträumte Stimmen vom Eingange her schreckten sie aus ihren Gedanken empor. Es waren Hellwig und Toska, die den Garten betratet. Toska mochte soeben von einem Spazierritte gekommen sein, von welchem sie den jungen Arzt mit heimgebracht hatte; sie war im Reitanzuge und trug die lange Schleppe graztös über den Arm. Lebhaft plaudernd Politische Uebersicht. Wahlbewegung im Wahlkreise Dortmund=Hörde. In Dortmund fand am gestrigen Sonntag, wie wir der„Dortmunder Zeitung" entnehmen, eine von über 250 Vertrauensmännern aller Bezirke besuchte Versammlung statt. Nach einem Rückblick auf die in der diesjährigen Wahlkampagne gemachten Erfahrungen wurde über die in Zukunft zu entfaltende Tätigkeit verhandelt. Zum Schluß gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Die von über 250 Mitgliedern besuchte Versammlung des nationalliberalen Kreiswahlkomitees des Reichstags wahlkreises Dortmund=Hörde ist einhellig der Ueberzeugung, daß dieser für unsere nationale und wirtschaftliche Entwicklung hochbedeutsame Wahlkreis lediglich durch die Machenschaften des Zentrums in den Händen der Sozialdemokratie verblieben ist. Die Versammlung ersucht den Vorstand, die erforderlichen Konsequenzen aus diesem Verhalten zu ziehen, insbesonder: aber an die nationalliberale Reichstagsfraktion die dringende Bitte zu richten, einem eventuellen Vorschlage, den ersten Präsidenten des Reichstages wieder aus dem Zentrum zu entnehmen, nicht zuzustimmen, da eine Partei, die sich solcher schweren Verfehlungen gegen die nationale Ehre in Dortmund=Hörde und andere Wahlkreise des Westens hat zu Schulden kommen lassen, unmöglich der Ehre teilhaftig werden darf, aus ihrer Mitte den ersten Präsidenten des ersten deutschen Parlaments zu stellen.“ Russische Studenten als Wahlschlepper. Berlin, 9. Febr. Einer Meldung der Magdeburgischen Zeitung zufolge ist in Hessen gegen solche russischen Studenten, die Angehörige der dortigen Landesuniversität sind und bei den Wahlen den Sozialdemokraten Schlepperdienste leisteten, das Ausweisungsverfahren eröffnet worden. Wir zweifeln nicht, daß, wenn die behaupteten Tatsachen sich bestätigen, es sehr rasch zu endgültigen Ausweisungen kommen wird, denn es ist in der Tat durchaus unstatthaft, daß fremde Studierende das Gastrecht in solcher Weise mißbrauchen. Selbst wenn man auf dem Standpunkt steht, daß vom Ausweisungsrechte möglichst wenig Geschritt sie neben Doktor Hellwig in den Gartenwegen hin und her, dann und wann stehen bleibend, um ihn auf dieses oder jenes aufmerksam zu machen. Sie beugten ofter glelchzeitig die Köpfe, um den Duft einer Rose einzuatmen, und schließlich brach Toska ein besonders schönes, halberschlossenes Exemplar, um es mit ihrem berückendsten Lächeln dem jungen Manne hinzureichen. Er nahm die Rose und führte sie— Olga sah es nicht genau— ob an die Nase, um ihren Duft einzuatmen, oder an die Lippen, um sie zu küssen— und befestigte sie sodann in seinem Knopfloch. Der kleine Auftritt brachte Olgas leicht erregtes Blut in Wallung. Nein, es ging wirklich nicht länger so, sie konnte es nicht mit ansehen, wie Toska der armen Magdaene, die doch vielleicht völlig ahnungslos war, herzlos das Glück stahl! Sie mußte sie warnen, und plötzlich kam ihr auch glesch einem leuchtenden Blitzstrahl die Idee, wie sie es machen mußte. Eine anonyme Warnung! Es ollte zwar nicht schön, nicht korrekt gehandelt sein, wenn ein Warner oder Ankläger sich verstecke, aber wenn sie einem guten Zwecke dient, warum denn nicht? Sie brannte ordentlich auf die-Ausführung ihres Planes; ohne sich weiter zu besinnen, erhob sie sich eilig und lief mit flüchtigem Gruß an den beiden jungen Leuten vorüber ins Haus. Sie hörte noch, sie Dr. Hellwig ihr nachrief:„Wohin so eilig, Fräulein Olga?" und ärgerte sich wieder über diese vertrauliche Anrede. War sie fur ihn nicht so gut„gnädiges Fräulein“ wir für andere Leute? Was berechtigte ihn, sie beim Voruamen zu nennen? Entweder sah er in ihr noch ein Kind, er— sie ballte ordentlich die Hand zu diesem Gedanken— er fühlte sich in ihrem Hause schon in einer ganz besonders vertraulichen und bevorzugten Stellung. (Forts. folgt.) brauch gemacht werden soll, so wird man doch solche Ausweisungen billigen müssen, die durch eine offen bare Verhöhnung des Gaststaates begründet sind. In den Zeitungen war gemeldet worden, daß sich auch bei Wahlen in Sachsen russische Studierende der Forstakademie in Freiberg gleichfalls als Schlepper der Sozialdemokratie betätigt haben. Man darf wohl an nehmen, daß Sachsen dem von Hessen gegebenen Beispiel folgen und den jungen Leuten die fernere Möglichkeit zur Verübung solchen Unsugs in Deutschland abschneiden wird. Die Bochumer Wahl ungültig? Bochum, 9. Febr. Das ungünstige Wahlresultat des Wahlkreises Bochum=Witten=Gelsenkirchen muß auf einen„Wahltrick“ der Sozialdemokratic zurückgeführt werden. Sie versälschte nämlich den Namen Haarmann, indem die„Genossen" an Arbeiter Wahlzettel verteilten, oder denselben ins Haus sandten, auf denen der Name Haarmann anstatt mit zwei a, nur mit einem a angegeben war. Durch die Ungültigkeit all dieser für Haarmann abgegebenen Zettel ist die Verschiebung des reellen Wahlresultates, wie es hätt: kommen müssen, herbeigeführt. Auf Grund dieser Fälschung wird sich Hues Wahl anfechten lassen. Preußisches Abgeoronetenhaus. Um den„Bremserlaß“ ging der Streit am Sonnabend. Abg. Schiffer(natlib.) kritisierte den Erlaß des Kulinsministers über die Lehrergehälter in den Städten. Er nannte ihn tatsächlich einen Bremserlaß, weil er die Freizügigkeit und die freien Entschließungen der Städter behindere. Hinter der Landflucht steckt nach seiner Meinung nur der Lehrermangel. Diesen zu beseitigen, sei Besserstellung der Lehrer erforderlich. Minister Dr. Studt legte dar, daß es ihm nur um die Gleichmäßigkeit zu tun war. Die hätten aber die Nationalliberalen selbst gewünscht. Der Minister bekannte sich als Freund der Freizügigkeit und sprach sich von jedem Schuldbewußtsein frei. Abg. Graf Göben(konst) forderte eine Novelle zum Lehrerbesoldungsgesetz noch in dieser Tagung. Abg. Bassel(freis. Volksp.) vertrat das Recht der Lehrer, ihre Stellung zu verbessern. Keine Gemeinde werde für Lehrergehälter mehr ausgeben, als sie habe und im Interesse der ihr anvertranten Kinder für notwendig halte. Die Abg. Dr. Dittrich(Zentr.) und v. Zedlitz(freikons.) waren für schnellste Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes. Abg. Dr. Friedberg(natlib.) wies die Behauptung zurück, seine Partei habe den Erlaß veranlaßt. Er sprach von unerhörter Beleidigung. Finanzminister v. Rheinbaben führte aus, daß nur etwa 1 Proz. Beanstandungen vorgekommen seien. Von Bremsen könne also keine Rede sein. Mit persönlichen Auseinandersetzungen schloß die Besprechung. Montag: Kleine Vorlagen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 11. Februar. **(Nochmals in eigener Sache.) Im„Schwerter Anzeiger" lesen wir ein gegen uns gerichtetes sandt“, auf das einzugehen wir uns für verpflichtet halten. Vorher wollen wir hier feststellen, daß wir seit Jahren schon„Eingesandts“ irgendwelcher Art, die sich gegen das genannte Blatt richten, wir haben davon selbst aus jüngster Zeit, aus der Wahlzeit, noch einige liegen— nicht ausgenommen haben und von dieser Gepflogenheit auch für die Folge nicht abweichen werden. Wir stellen dies hier lediglich fest, ohne selbstverständlich damit von anderen uns gegenüber denselben Anstand zu verlangen. Um nun auf das„Eingefandt“ selbst zu kommen, so ist es von einem Zentrumsmann geschrieben. Vielleicht gehen wir nicht fehl in der Annahme, daß der unterschriebene Zentrumsmann in der Redaktion des genannten Blattes selbst sitzt, denn bekanntlich wird der lokale und provinzielle Teil des liberalen„Schwerter Anzeiger“, der im übrigen fertig von Berlin bezogen wird, von dem Mitgliede der Zentrumspartei Herrn Fritz Kraas redigiort. Aber sei dem, wie ihm wolle, es kann uns ja schließlich gleichgiltig sein, welcher neugierige Zentrumsmann das„Eingesandt“ geschrieben hat. Der „Einsender" fragt, warum wir die Stichwahlparole des Zentrums nicht gebracht haben. Wir haben sie nicht gebracht, denn sie war für den Stichwahlkampf völlig wertlos, mit der Parole„Wahlenthaltung“, wir sie die Zentrumspartei ausgab, war der Wahlkreis, schon ehe die Stichwahl stattgefunden hatte, an die Sozialdemokratie verloren. Also Wert hätte die Mitteilung der Parole garnicht gehabt. Hätte die Parole für Pork gelautet, dann hätten wir sie veröffentlicht, denn dann hätte sie Wert gehabt. Wir wollen hier an dieser Stelle aber den zahlreichen Katholiken, deren nationales Empfinden ein„Gewehr bei Fuß“ stehen gegenüber der roten Internationale nicht zuließ und die mannhaft mit ihrer Stimme für den nationalen Kandidaten eintraten, unsern Dank aussprechen. Zweitens haben wir die Stichwahlparole nicht erwähnt, um nicht auch die scharfen Gegensätze erwähnen zu müssen, die sich in den betr. beiden Vertrauensmänner=Versammlungen des Zentrums kundtaten. Zur zweiten Frage des„Eingesandts“ teilen wir kurz den Sachverhalt mit:„Die„Köln Volksztg.“ brachte einen scharfen Artikel gegen Dernburg, den wir unter Quellenangabe aufnahmen, wie eine Reihe anderer Zeitungen auch. Hinterher brachte die„Köln. Volksztg.“ eine Mitteilung, sie habe die einzelnen Sätze ihres Artikels aus nationalen Blättern zusammengesucht, um diese dann— zu blamieren. Diese Kampfesweise mutete uns derartig unschön an, daß wir fürchteten, mit der Wiedergabe dieser Erklärung die„Köln. Volksztg.“ schwer zu blamieren. Nur deshalb haben wir sie weggelassen. Wenn das Kölner Blatt für derartige gelinde gesagt— Karnevalsscherze sich gut geuug hält, mag es das tun, wir fühlen uns durchaus nicht verpflichtet, derartiges mitzumachen und wir müssen es als ein starkes Stück bezeichnen, wenn uns deswegen politische Unehrlichkeit vorgeworfen wird. Aber wollen Sie wissen, was politische Unehrlichkeit ist, Herr Einsender? Politische Unehrlichkeit und Moral mit doppeltem Boden ist es, wenn der Schreiber oder Veranlasser des„Volksfreund"=Artikels sagt, die„Schwerter Zeitung“ sei stets katholikenfeindlich gewesen und in Tönen höchster sittlicher Entrüstung vor uns warnt, und wenn dann derselbe Mann für ständige Mitarbeit das gute Geld derselben„katholikenfeindlichen“ Schwerter Zeitung" stets ruhig eingesteckt hat.— Wir stehen gern noch weiter zur Verfügung, wenns sein soll. Wir haben der Gehässigkeit und der Unsachlichkeit des„Volksfreund"=Artikelschreibers scharf gegenübertreten müssen. Im Gegensatz zu dessen Verhalten steht die überaus sachliche und vornehme Haltung der Redaktion des„Volksfreund". Der„Volksfreund“ schreibt nämlich in seiner letzten Sonntags=Ausgabe wörtlich: „Die„Schwerter Zeitung" beschäftigt sich in ihrer letzten Nummer mit einem Artikel des„Volksfreund“ und weist den gegen sie erhobenen Vorwurf, daß sie im Wahlkampfe konfessionelle Hetze getrieben habe, zurück. Wir wollen hierüber kein Wort weiter verlieren und konstatieren nur, daß sich die„Schwerter Zeitung“ gegenüber allen anderen nationalliberalen Blättern insofern vorteilhaft abhebt, als sie offen und frei erklärt, daß sie gegenüber den katholischen Mitbürgern durch die Beilage eines Flugblatres ein Unrecht begangen chabe. Sie entschuldigt sich in folgender Weise: „Wir haben ein Flugblatt beigelegt, über das sich jeder Katholik direkt beleidigt fühlen darf. Dieses Flugblatt wurde uns für den betreffenden Tag von auswärts aufgegeben, kam im letzten Moment an und wurde unbesehen beigelegt. Nachher stellte es sich heraus, daß da vom Auftraggeber zwei Sorten Flugblätter zusammengepackt worden waren. Hätten wir das Flugblatt, in welchem oben die Austreibung katholischer Priester durch Regierungskommissare aus den französischen Kirchen bildlich dargestellt war, vorher bemerkt, so hätten wir es auf keinen Fall zur Ausgabe gelangen lassen. Diese Erklärung hatten wir sowieso für eine der nächsten Nummern vorgesehen. Wir fühlen uns unsern katholischen Mitbürgern gegenüber dazu verpflichtet, es sei uns daher gestattet, sie hier abzugeben.“ Im übrigen wollen wir feststellen, daß die „Schwerter Zeitung“ in der Kampfesweise gegenüber dem Kandidaten der Zentrumspartei, Herrn Effert, erfreulicherweise weit loyaler gehandelt hat, wie die politische Freundin in Dortmund.“ (Jubelfeier des Gustav=Adolf=Frauenvereins.) Die Jubelfeier zum 25jährigen Bestehen des hiesigen Gustav=Adolf=Vereins ist unter guter Beteiligung aufs schönste verlaufen. Beim Festgottesdienst am Morgen in der großen evangelischen Kirche sah das Gotteshaus eine große Festgemeinde. Herr Pastor Schütte aus Oestrich hielt im Anschluß an das Bibelwort Apostelg. 20, 35:„Geben ist seliger denn Nehmen“ eine zu Herzen gehende Festpredigt, in der er die gesegnete Tätigkeit des hiesigen Zweigvereins der Gustav=AgolfStiftung beleuchtete und dazu ermuntert:, auf dem beschrittenen Wege weiter zu gehen zum Segen der armen evangelischen Gemeinden in der Diaspora. Zur Nachversammlung nachmittags 3 Uhr im Saal: des Herrn Ostermann hatten sich so viele Festteilnehmer eingefunden, daß der schöne Raum die Erschienenen kaum fassen konnte. Nach einem einleitenden Liede. welches der Posaunenchor des Evangelischen Arbeiterund Bürgervereins begleitete, nahm Herr Pastor Heinenberg, der eifrige Förderer der Gustav=Adolf=Sache hier in Schwerte, das Wort, um einen Rüblick auf die 25jährige Tätigkeit des in aller Stille wirkenden Vereins zu werfen. Er erinnerte an den Vater des Festpredigers, den verstorbenen Pastor Schütte aus Oestrich, der am 8. Februar 1882 bei Gelegenheit eines Kreisfestes der Synode die Anvegung zur Gründung des Vereins gegeben hat. Zuerst war der Schwerter Zweigverein nur ein zahlender, später wurde in den Versammlungen für die zerstreuten Glaubensgenossen fleißig gearbeitet. Ueber 11000 Mark sind in den 25 Jahren von dem Verein für die Gustav=Adolf=Sache aufgebracht. In anschaulicher und anregender Weise berichtete dann Herr Pastor Patze aus Arnsberg über die Nöte in der Diaspora, besonders in seiner Diaspora=Gemeinde Sundern, wo gegen 200 evangelische Leute in der Zerstreuung leben. Zuerst sei kaum ein Raum zu haben gewesen, um die Leute zu sammeln. Nach dem Bau der Kleinbahn von Neheim nach Sundern habe man dann nach vielen Bitten den Warteraum zu gottesdienstlichen Uebungen erhalten, der aber wegen zu starker Störung bald wieder aufgegeben wurde. Jetzt habe man einen primitiven, aber noch ungeheizten Raum in einem inzwischen gekauften Hause. Auch von der Diasporagemeinde Oeventrop berichtete Herr Pastor Patze. Dieser Ort hat eine evangelische Kapelle und Schule. Zu den Kosten hat der Gustav=Adolf=Verein in 16 Jahren gegen 15000 M. aufgebracht. Auch der hiesige Zweigverein hat manches Scherflein nach Oeventrop gesandt. Herr Pastor Heinenberg dankte dem Redner für die dargebotenen anschaulichen Bilder aus seinen Gemeinden und empfahl dann in warmen Worten die Kollekte, damit auch die Glaubensbrüder in Sundern sich für ihren bis jetzt bei dem Gottesdienst noch ungeheizten Raum einen Ofen kaufen könnten. Die Festkollekte am Morgen hat in der großen evangelischen Kirche 74,00 Mark, in der reformierten Kirche 10,00 Mark ergeben. Am Nachmittag sind 127,15 Mk., also im ganzen 211,15 Mk. eingekommen. Aus der Sammlung wurden der Gemeinde Sundern 127,15 und der Gemeinde Oeventrop 30 Mk. überwiesen. Das Schlußwort hatte Herr Pastor Wischnath. Redner ermunterte im Anschluß an das Bibelwort:„Die Liebe Christi dringet uns also“ zur ernsten und treuen Mitarbeit. Mit Gebet und Segen wurde dann die Feier geschlossen. Dank sei an dieser Stelle besonders noch dem Posannenchor unter Leitung des Herrn Schultz gesagt, der durch seine Darbietungen viel zur Verschönerung des Festes beitrug. *(Passionsgottesdienst.) In der großen evangelischen Kirche beginnen am nächsten Freitag, nachmittags 5 Uhr, wieder die Passionsgottesdienste. (Zu dem Schlittenunglück bei Westhosen) wird uns von dort noch mitgeteilt, daß der verunglückte Herr Sieberg nach Schwerte ins Krankenhaus überführt worden ist. Richtig stellen wollen wir noch, daß nicht Herr Dr. Emmerich aus Schwerte, sondern Herr Sanitätsrat Dr. Klug=Westhofen den Verunglückten mit ärztlicher Hilfe beisprang. *(Der Gesangverein„Lyra"=Sommerberg) ist einer von denjenigen Vereinen, welche zeigen, daß die Pflege des deutschen Gesanges auch auf den Dörfern möglich ist, vorausgesetzt, daß ein Dirigent vorhanden, der das Interesse der Sänger am Gesange immer wieder anzuregen und derart wachzuhalten weiß, daß eine vollendete Schulung der Sängerschar möglich ist. Daß dies auf die„Lyra“ und ihren kunstverständigen, lie benswürdigen Dirigenten, Herrn Hauptlehrer Steltmann zutrifft, hat uns das gestrige glänzend verlaufene und sehr gut besuchte Freischützkonzert wiederum bewiesen. Die„Lyra“ verfügt über ein sehr gutes Stimmenmaterial„aus dem wieder die frischen, hellen Tenöre besonders hervorzuheben sind. Abgesehen von einer hier und da festgestellten, vom großen Publikum gar nicht einmal bemerkten kleinen Unebenheit har „Lyra“ die sämtlichen vorgetragenen Chöre in sein abgeschliffener Form, sicher und exakt zum Vertrag gebracht. Sänger und Dirigent boten ein durchaus vorbildliches Zusamenwirken. Sogar recht schwierige Chöre wi:„Barcarole“ und„Das Heldengrab“ gelangen auf das beste. Interessant war uns das Konzert weiter dadurch, daß auch die Gesangsolisten keine berufsmäßige Sänger waren. Herr Rektor Saarmann Berghofen sang einige Tenorsoli, die sehr ansprechend waren. Mit lebhaftem Interesse wurden auch besonders die schönen Baritonsoli des Herrn Lehrer Küppermann=Eving ausgenommen; der Herr verfügt über ein schönesklares und doch volles Organ. Di: Violinsoli spielte in bekannter formvollendeter Weise Herr Konzertmeister Müller aus Dortmund, ein alter, lieber Bekannter unseres Konzertpublikums, der uns mit seiner Geige schon so manch; schöne Stunde bereitet hat. Ziehen wir nun das Fazit, so kommen wir zu dem Schlusse, daß das gestrige Konzert des M.=G.=V. „Lyra“=Sommerberg sich würdig anschließt an die anderen Gesangvereinskonzerte, die wir in dieser Wintersaison im Freischütz schon gehört haben. Dirigent und Sänger dürfen mit Recht sich des Erfvlges des gestrigen Tages freuen, denn ihre Leistungen und Darbietungen sind ehrlicher, offener Anerkennung durchaus wert. Hennen, 9. Febn(Krammarkt.) Der Provinzialrat zu Münster hat dem Gesuche der Gemeindevertretung von Hennen um Verlegung des in Hennen alljährlich am Sedantage stattfindenden Krammarktes auf den ersten Sonntag im September nicht entsprochen. Unsere städtische gewerbliche Fortbildungsschule. Schwerte, den 10. Februar 1907. Unsere hiesigze gewerbliche Fortbildungsschule veranstaltete gestern und heute eine Ausstellung von Schülerarbeiten, welche so recht zeigten, welch schnelle und günstige Entwicklung die Anstalt inbezug auf die Ausgestaltung ihres Lehrplanes gewmmen hat. Die ausgestellten Zeichnungen zeigten nicht nur eine immense in ihnen steckende Arbeit, sondern sie zeigten vor allem klar und deutlich, daß die Schule auf dem Gebiete des Zeichenunterrichtes bereits völligen Fachunterricht erteilt. Schlosser, Klempner, Tischler, sogar Schneider und Schuhmacher zeichnen durchaus nur, was absolut in ihr Fach fällt. Es ist uns diese Gliederung umso bemerkenswerter, als man bekanntlich aufangs von manchen Seiten der Schule gerade den Vorwurf machte, sie könne nichts nutzen, da sie keine Fachschule sei. Wir stellen hier deshalb nochmals fest, daß in dem so sehr wichtigen Zeichenunterrichte tatsächlich bereits Fachunterricht erteilt wird. Aber nicht nur im Zeichnen, auch in der Buchführung, wie aus den uns vom Leiter der Schule, dem Herrn Rektor Honsaleck, vorgelegten Büchern hervorging, wird soweit als irgend möglich Fachunterricht erteilt. Daß auf die Berufe der Schüler auch bei anderen Unterrichtsgegenständen ständig Rücksicht genommen wird, bewies uns eine vom Herrn Lehrer Jakobs mit seiner Klasse vorgenommene Lehrprobe im Rechnen. Die hier gestellten Aufgaben sind nicht nur für die Handwerks=Lehrlinge nutzbringend, sondern durchaus notwendig sogar. Wir haben uns davon überzeugen können, daß die Fortbildungsschule in der kurzen Zeit ihres Bestehens sich so günstig entwickelt hat, wie man wohl kaum erwarten konnte; sie genügt heute Ansprüchen, an die zu stellen man bei Eröffnung der Schule wohl kaum gedacht hat. Außerordentlich über das Gesehene und Gehörte sprach sich eine maßgebende An torität. der Zeichenrevisor Herr Oberlehrer Schindler= Dortmund aus, auch drei eigens zur Inaugenscheinnahme der ausgestellten Schülerarbeiten gekommenen Fortbildungsschullehrer aus Hagen gaben ihrem Erstaunen Ausdruck darüber, daß das, was sie gesehen, in der verhältnismäßig kurzen Zeit seit Bestehen der Schule zu leisten möglich gewesen war. Wir halten daher den Dank, den Herr Bürgermeister Rohrmann dem Lohrerkollegium der Schule aussprach, für durchaus berechtigt und hätten nur gewünscht, daß die Lehrherren und Väter der Schüler noch mehr, als geschehen, sich die Ausstellung angesehen hutten, denn die segensreiche Tätigkeit der Schule an dem Nachwuchs im Handwerk und Gewerbe läßt sich von einem vorurteilsfrei und gerecht urteilenden Manne nicht leugnen. Wir hörten gestern Abend mehrfach die Frage aufwerfen, ob man die jetzige zwangsweise Teilnahme am Unterricht beibehalren oder den freiwilligen einführen solle. Wir möchten kein Hehl daraus machen, daß wir durchaus gegen den letzteren Vorschlag sind. Wohl würde die weitaus größte Zahl der jetzigen Schüler der Anstalt treu bleiben, des sind wir sicher, aber mit dem Hinzutreten neuer Schüler würde es bald aus mancherkei Unverstand bedenklich hapern. Ein gewisser Zwang ist da unerläßlich; der fakultative Unterricht würde u. E. die so prächtig aufgeblühte Anstalt bis in Mark treffen. Wir wollen unsern Bericht nicht schließen, ohne daß wir der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule, die so segensreich wirkt und doch unsern Etat verhältnismäßig wenig belastet, eine ruhige stete Fortentwicklung wünschen. An ihre Aufhebung kann doch kein objektiv urteilender Mann im Ernste noch denken, dafür hat sie sich zu gut bewährt. Westfalen und Rheiuland. * Iserlohn, 9. Febr. Um für das hiesige Wasserwerk die für die nächste Zeit erforderlichen Reserven zu schaffen, beschlossen die Stadtverordneten, einem Vertrag mit der Nachbargemeinde Oestrich ihre Zustimmung zu erteilen. Danach übereignet Oestrich kostenlos an Iserlohn den wasserreichen Schach: Krug zu Nidda auf Caller Gebiet unter der Bedingung, daß Iserlohn Oestrich aus dem Iserlohner Wasserwerk mit Wasser versorgt. Damit sichert sich Iserlohn eine jährliche Einnahme von etwa 20000 Mark und gelangt außerdem in den Besitz bedeutender Wasserreserven. * Gelsenkirchen, 9. Febr.(Ein jähes Ende fand in Recke eine Fachnachtsseier. Während derselben hatte sich der Ackerer Mayjohann auf eine Kiste gesetzt und war anscheinend eingeschlafen. Als es aber auffiel, daß der Genannte trotz der Feier um ihn herum so fest schlafen konnte, ging man zu ihm hin und fand ihn als Leiche. Ein Herzschlag hatte den vorher noch ganz rüstigen Mann getroffen. * Wattenscheid, 9. Febr.(Raubmordversuch.) Heute Nacht wurde ein Raubmordversuch auf den Juwelier und Uhrmacher Heinrich Nottelbaum ausgeführt. Nottelbaum erwachte zwischen 2 und 3 Uhr durch ein Geräusch, das aus dem Nebenzimmer kam, wo er seine Wertsachen aufbe wahrte Er betrat das Zimmer und fand einen jungen Mann vor, der ihn mit einem Revolver niederschlug und ihm, als er fliehen wollte, zwei Schüsse nachsandte, die ihn am Kopfe schwer verletzten. Der Täter flüchtete, wurde aber dann in der Person des bei Nottelbaum wohnenden städtischen Sparkassengehülfen Brand verhaftet. Er hatte sich dadurch verdächtig gemacht, daß er, wie die Schüffe fielen, nicht wie die anderen Bewohner des Hauses herzueilte. Er ist geständig. Nottelbaum wurde ins Krankenhaus gebracht. * Hamm, 9. Febr.(Beim Abspringen) von einem Straßenbahnwagen kam heute nachmittag ein 60jähriger Arbeiter zu Fall. Er erlitt einen Schädelbruch, der seinen Tod zur Folge hatte.— Auf der westfälischen Union(Phönix) kam heute ein Walzer unter eine glühende Schiene, die auf ihn fiel. Er erlitt gräßliche Brandwunden und dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. * Trier, 9. Febr.(Die Kriminalpolizei) verhaftete in der verflossenen Nacht einen fremden Mann, der sich in verdächtiger Weise in der Ostallee herumtrieb. In seinem Besitze wurde ein scharf geladener sechsläufiger Revolver und ein Rasiermesser gefunden. Man war während des Transportes erst auf die gefährliche Waffe aufmerksam geworden, als der Mann einen Fluchtversuch machte und bei dieser Gelegenheit den Revolver aus der Tasche zog. Legitimationspapiere besaß er nicht, doch gab er bei seiner Vernahmung Name und Wohnort richtig an. Die Heimatsbehörde teilte auf telegraphische Anfrage mit, der betreffende Mann sei geisteskrank. Er habe die Wahnidee, seine Familié sei ihm feindlich gesinnt und wolle ihn verderben. Am Samstag habe er sich vom Hause entfernt und sei seither nicht mehr gesehen worden. Er gibt an, daß er gestern in einer hiesigen Waffenhandlung den Revolver gekauft hat, um sich zu erschießen. Auffallend ist der Umstand, daß er während der drei letzten Nächte kein Logis aufgesucht hat, obwohl im Besitze reichlicher Geldmittel befunden hat. Der Geisteskranke ist aus einem Orte bei Cochem zu Hause. Jahren waren beim Spielen auf dem Eise des Flusses Arz eingebrochen. Das jüngste verschwand unter den Schollen, während die beiden älteren sich an den Rändern des Eises festzuklammern vermochten. Fräulein Le Commadeur, die sich in der Nähe besand, stürzt: mutig ins Wasser und bahnte sich einen Weg durch die Schollen. Die eisige Flut ging ihr schon über die Schultern, als sie endlich die beiden älteren fassen und ans Ufer bringen konnte. Sie kehrte dann an die Unglücksstelle zurück, tauchte und hatte das Glück, das dreijährige Kind zu packen und gleichfalls zu retten. Es war zwar ohnmächtig, wurde aber bald ins Leben zurückgerufen. Die jugendliche Heldin ist infolge des Frostes ziemlich ernstlich erkrankt. *(Eine der reichsten Frauen der Welt) ist die ameritanische Gutsbesitzerin Mrs. H. M. King. Ihr Landbesitz umfaßt mehr als eine Million Aores, ist also so groß, wie der ganze Staat Delaware. In Santa Gertrudes, Texas, liegt Mrs. Kinge Farm; durch den Ankauf der benachbarten Los Laureles=Farm, die einen Flächeninhalt von 10000 Acres hat, ist die geschäftskundige Dame zur Besitzerin des großen Landgutes geworden. Ein Viehbestand von über 100000 Köpfen weidet auf ihrem Boden und die St. Louis=Browns= vill: und Mexiko=Eisenbahn, die ihr Gebiet durchquert, muß mehr als 100 englische Meilen zurücklegen, um den Besitz zu durchschneiden. Die Riesenfarm wirft einen kolossalen Gewinn ab. Zwar dient der weitaus größte Teil des Landes der Viehzucht; aber der Boden ist so fruchtbar, daß er unschwer kultiviert werden kann. In den letzten Jahren hat sich der Wert des Besitzes durch das Steigen der Landpreise verhundertfacht; der acr:, der vor kurzem nur noch 1520 Cents kostete, repräsentiert heute einen Durchschnittswert von 15—20 Tollar. Da in allen Teilen des Gebietes Wasser gefunden wird, würde es nicht schwer sein, das Land mit Rieselanlagen zu versehen. Ein solcher Boden wird, wenn er kultiviert wird, in Texas 150 Dollar pro acres bezahlt. Mrs. King plant bereits ihren ganzen Besitz durch artesische Brunnenanlagen zu bewässern und es alsdann an tüchtige und arbeitsame Farmer zu verpachten. Gefährdung der Karlsbader Heilsquellen. Wien, 8 Febr. Die vom Ackerbauminister im Einvernehmen mit dem Minister des Innern und des Handels eingesetzte Kommission zur Prüfung der behördlichen Vorschriften, die zum Schutze der Karlsbader Heilquellen gegen Gefährdung durch den Bergbau erlassen wurden, hat am 31. Januar in einem vorläufigen Gutachten einstimmig erklärt, daß die Fortsetzung der Wasserhebung aus der Marien Zwei=Grube für den Bestand der Karlsbader Heilsquellen als gefährlich zu bezeichnen ist. Die Bergbehörde hat daher im Sinne der Anträge der Kommission die wasserdichte Verdämmung der beiden Schächte der Marien ZweiGrube verfügt, womit die Einstellung des weiteren Bergbaues in dieser Grube verbunden ist. Der Ackerbauminister erklärte einer Abordnung der Bergwerksbesitzer, daß die Regierung jederzeit bereit sein werde, berechtigter Interessen des Kohlenbergbaues zu schützen und daß sich die der Tragweite der gefällten Entscheidung voll bewußt sei; es sei aber nicht außer acht zu lassen, daß es sich im vorliegenden Falle zugleich alles zusammen, was fliegt und schwimmt: Möven, Taucher, Kormorane, Delphine und Wale. Ja, auch Wale und Delphine. Die schnellsten Delphin:„boten ein interessantes Zielobjett, und Wale von schon ganz onsehnlichen Dimensionen hatten verschiedentlich die Tieffsicherheit unserer Schützen zu erfahren“. Von einer Aufnahme der so erlegten Beute ist, so schreibt die„F. 3.“ mit Recht, keine Rede. Sie„verluderte“ alio einsach. Ein Teilnehmer an der„Jagdexpedition“ erzählt mit Stolz, wie er hintereinander drei kapitale Renntiere schoß, obwohl er sich sagen mußte, daß er eins davon liegen lassen mußte, und von den beiden anderen nur Stücke bergen konnte. So nebenher ein„leider“ ist alles, was dieser Numrod zur Beschönigung seiner Aasjägerei anzuführen für nötig erachtet.— Der norwegischen Regierung wäre dringend anzuraten, ihre Tierwelt durch Jagdverbote zu schützen. müßten. Vermischtes. * München, 9. Febr. Das oberpfälzische Schwurgericht zu Amberg hat den 33 Jahre alten Tagelöhner Johann Schönberger für schuldig befunden, am Aben de des 30. September v. J. seinen zwölf Jahre alten Stiefsohn Alois Stoiber in den Gambfluß geworfen zu haben, sodaß der Knabe ertrank. Bei der Tat, die geschehen sein soll, damit des Knaben vom Vater ererbtes Vermögen seiner Mutter, der Frau des Täters zufalle, soll dessen Bruder, der 14 Jahre alte Söldnerssohn Alois Schönberger, Beihilfe geleistet haben. Beide Angeklagte wurden auf Grund eines Indizien beweises für schuldig befunden und der ältere zum Tode wegen Mordes, der jüngere wegen Beihülfe zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt. * Paris, 7. Febr.(Hoch klingt das Lied vom braven Weib.) Ein 18jähriges junges Mädchen, Le Commadeur aus Saint Vincent in der Bretagne, hat dieser Tage eine Rettung unter schwierigen Umständen vollbracht. Drei Kinder im Alter von 3, bezw. 7 und 10 *(Zum erstenmal gner über den Tschadsee.) Der erste Europäer, der sich rühmen kann, den größten Binnen=See Afrikas, den Tschadse:, von der englischen bis zur französischen Seite vöig durchquert zu haben, ist der englische Leutnant Boyd Alexander, der eine mit den größten Gefahren verbundine, dreijährige Forschungsreise durch Afrika gemacht hat und nun allein nach London zurückgekehrt ist, während seine beiden Begleiter, Claud Alexander und Kapitän Gosling, das Ened der Fahrt nicht erlebt haben. Mit Kapitän Gosling hat Boyd Alexander die Fahrt über den See gewagt, ihn in seiner ganzen Ausdehnung durchquerend, während Major Lenfant nur die schmalste Ecke des Sees überschritten hatte. Der See ist seicht und in den Kanälen stieß man überall auf hindernde Schlammbänke. Die Wasserfläche ist von Rohr und Schilfpflanzzu überwuchert, die teilweise eine Länge von über 4 Meter erreichen. Durch diesen Sumpf arbeiteten sich die Forscher unter furchtbaren Schwierigkeiten vorwärts; an einem Tage zwei englische Meilen zurückgelegt zu haben, galt schon als ein guter Fortschritt. Ueberall quälten und bedrohten Moskitoschwärme die Reisenden; ja, mehr als einmal mußten die ermatteten Forscher die Nacht bis zum Hals im Wasser stehend durchwachen, die Gesichter schützend, so gut es eben gehen wollte, nur um sich vor den verderblichen Insekten zu retten. Dabei hatte man mit der Feindseligkeit der Eingebornen zu rechnen. Aber als die Weißen alle Schwierigkeiten überwanden und allen Gefahren trotzten, schlug das Mißtrauen in Bewunderung um. Als Leutnant Alerander die Ueberfahrt zu dem kleinen Inselkönigtum des Budamastammes endlich bewerkstelligt hatte, wurde er von den versammelten Kriegern mit großen Ehren bewillkommnet, der Häuptling hob ihn auf ein weißes Roß, führte ihn im Triumph umher und drei Tage wurde getanzt und gefeiert. An der andern Seite des Sees wurden dann mehrere Flußläufe erkundet und ausgenommen; auf dem Wasserwege drang man vor in Gebiete und zu Stämmen, die bisher noch unbekannt gewesen waren. Aasjäger. Man schreibt uns in der deutschen gerzeitung“ schildert ein Herr aus Hamburg„eine sagderpedition ins Eismeer“. Eine Anzahl deutsche: Herren fährt auf einem Hamburger Schiff in artische Regionen, um zu„weidwecken“. Unterwegs üben sie ihre Treffsicherheit aber nicht blos an Tontauben, sondern auch an lebenden Zielen. Ohne mit der Wimper zu zuchen, knallen sie vom fahrenden Dampfer aus Lehle Trühlmetbungen. Der Essener Lustmörder verhaftet. Berlin, 11. Febr. Dem„Lok.=Anz.“ wird aus Bochum gemeldet: Um 1 Uhr nachts erschien auf der Polizeiwache ein gutgekleideter junger Mann und legte das Geständnis ab, am 2. Oktober vor. Is. die als Leiche aufgefundene Engländerin Miß Lake ermordet zu haben. Es handelt sich um einen Beamten des Rhein.=Westf. Kohlensyndikats namens Alfred Land. Nach Begehung der Tat ist Land, wie er angibt, nach Lüttich geflüchtet, wo er eine zeitlang als Kellner diente. Gewissensbisse und Mangel an Geld haben ihn in die Heimat zurückgetrieben, wo er nun seiner Verurteilung entgegensieht. Aus Odessa Köln, 10. Febr. Die„Köln. Volksztg.“ meldet zu den erneuten Unruhen aus Odessa: Die Schiffsmannschaften befinden sich angesichts des negativen Verlaufs des Streiks in derartiger Wut, daß sie beschlossen, sämtliche Kapitäne umzubringen. Sie schafften Höllenmaschinen auf verschiedene Dampfer, von denen einige entdeckt und unschädlich gemacht wurden, andere explodierten, bevor die Dampfer auf offener See waren. Ein Kapitän wurde von drei Matrosen erschossen. Bei der Verfolgung der Mörder wurden drei Schutzleute tödlich verletzt. Da der Verband wahrhaft russischer Leute die Juden als Ursache der Verschwörung betrachtet, schlugen sie die in den Straßen sich zeigenden Juden nieder; mehrere jüdische Läden wurden zerstört. Die jüdische Bevölkerung befindet sich in panischem Schrekken. Die Anarchisten überfallen Bankkontore und schäfte. In mehreren Fällen blieben viele Tote auf dem Platze. Einladung zur Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag, den 14. Februar 1907, nachmittags 5 Uhr im Rathaussaale hier. Tagesordnung: l. Oeffentliche Sitzung. 1. Genehmigung des Haushaltplanes der evang. Schulgemeinde für das Rechnungsjahr 1907. 2. desgl. des Haushaltplans der kath. Schulgemeinde. 3. Erhöhung des Schulgeldes für auswärtige Schüler des Progymnasium. 4. Genehmigung des Haushaltplanes für das Progymnasium. 5. Erhöhung des Schulgeldes für auswärtige Schülerinnen der höheren M dchenschule. 6. Anstellung einer weiteren Lehrerin in der höheren Mädchenschule. 7. Genehmigung des Haushaltplanes für die städtische höhere Mädchenschule. 8. desgl. des Haushaltsplanes für die städtischen Wirtschaftsgebäude„am Freischütz. 9. desgl. des Haushaltplanes der Forst=Verwaltung. 10. Beschlußfassung über einen Nachtrag zu dem Ortsstatut betr. die gewerbliche Fortbildungsschule. 11. Genehmigung des Haushaltplanes für die gewerbliche Fortbildungsschule. 12. desgl. des Haushaltplanes für das städtische Schlachthaus und Kühlhaus. 13. desgl. des ordentlichen Haushaltpl. d. Bau=Verwaltung. 14. desgl. des außerordentlichen Haushaltplanes der BauVerwaltung. 15. Zulassung der Versicherungs=Act.=Gesellschaft„Allianz“ als Feuer=Versicherungs=Gesellschaft bei der hiesigen Sparkasse. 16. Abschluß einer Haftpflicht=Versicherung der Stadtgemeinde bezgl. der Einrichtung und der Tätigkeit der Feuerwehr. 17. Erneuerung der Kondensatoren in der EismaschinenAnlage des Kühlhauses. 18. Niederschlagung rückständiger Communalsteuer. 19. Entlassung eines dem Spar= und Bau=Vereins geh. Grundstücks aus der Mithaft. 20. Einziehung von Wegeflächen. 21. Beschlußfassung über Ausführung von Heizanlagen ; a m F r e i s c h ü t z. II. Geheime Sitzung. * Schwerte, den 9.]Februar 1907. Der Stadtverordneten=Vorsteher: Terbrüggen. Bekanntmachung. Der Plan nebst Beilagen zur Herstellung einer Wegeüberführung in Km 151,6 u. 80 am Bahnhof Westhofen wird nach Vorschrift des§ 19 des Gesetzes über die Enteignung von Grundeigentum vom 12. Juni 1874(G. S. S. 221) während der Zeit vom 12. dis 26. Februar d. Is. bei dem Stadtvorsteher in Westhofen zu Jedermanns Einsicht offen gelegt. Einwendungen gegen den Plan sind während der Dauer der Offenlegung bei mir schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu geben. Diese dürfen aber nur die Gestaltung des Planes, nicht aber die Entschädigungsfrage zum Gegenstande haben. Hörde, den 5. Februar 1907. Der Königl. Landrat: gez. Busch. Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit in ortsüblicher Weise veröffentlicht. Westhofen, den 8. Februar 1907. Der Amtmann: von Daniels. Anzeige. In diesem Jahre finden topographische Erkundungen der Landesaufnahme auch im hiesigen Kreise statt. Es werden die seit der im Jahre 1892 stattgehabten Neuaufnahme eingetretenen Veränderungen in die Generalstabskarten(Meßtischblätter 1:25000 und Karten des Deutschen Reiches 1: 100000) nachgetragen. Die mit der Erkundung und Berichtigung der Karten betrauten Beamten sind mit„Ausweisen“ versehen. Alle Grundeigentümer und Insassen des Kreises, sowie die Ortsbehörden werden hiermit aufgefordert, zur Ausführung dieses gemeinnützigen und wissentschaftlichen Unternehmens auch ihrerseits mitzuwirken. Um die Erkundung an Ort und Stelle möglichst nutzbringend zu gestalten, werden diejenigen Behörden, Gesellschaften, Zechenverwaltungen und Privaten, die von Neuanlagen Karten und Pläne besitzen, gebeten, diese oder, wo die Originalpläne nicht zu entbehren sind, Lichtpausen baldmöglichst an die Topographische Abteilung der Landesaufnahme in Berlin N.=W. 40, Heerwartstraße 213, zu senden. Die Karten erfolgen nach kurzer Zeit zurück. Im Weiteren wird um Bereitwilligkeit ersucht, die Beamten in Ausführung ihrer Erkundung Gehöfte, Fabrikanlagen usw. betreten zu lassen, sowie ihnen nötigenfalls Einsicht in vorhandene Karten und Pläne zu gewahren. Hörde, den 7. Februar 1907. Der Königliche Landrat. Bekanntmachung. Reichstagswahl 1907. Bei jder am 5. Februar d. Is. stattgehabten engeren Wahl eines Abgeordneten zum Deutschen Reichstage für den 6. Arnsberger Wahlkreis, umfassend den Stadt= und Landkreis Dortmund und den Kreis Hörde, hat sich folgendes Ergebnis herausgestellt: Zahl der Wahlberechtigten.. 105 493 Zahl der abgegebenen Stimmen 85 759 Davon waren ungültig... 5 686 Dagegen gültig. 80073 Die Stimmenmehrheit beträgt. 40 037 Es haben Stimmen erhalten: 1. Maurer Theodor Bömelburg in Hamburg. 47550 2. Rechtsanwalt Hugo Pork in Dortmund 32523 Herr Theodor Bömelburg ist demnach mit Stimmenmehrheit zum Reichstags=Abgeordneten gewählt worden. Dortmund, den 9. Februar 1907. Der Wahlkommissar: Schmieding, Geh.=Regierungstat. Christt. so). Partkl Ortsgruppe Schwerte. —— Dienstag, den 12. ds. Mts. abends 8½ Uhr im Lokale des Herrn Nath: Vortrag Parteisekretärs Herrn Rüffer über das Thema; „Die Reichstagswahlen 1907 und ihre Bedeutung für unser Vaterland!" Alle national gesinnte Männer sind herzlich eingeladen. 0 Fur Konfirmanden und Kommunikanten empfehlen wir unser großes Lager in schwarzen Kleiderstoffen von Mk. 0.90 an bis 5 50 per Meter, farbigen Kleiderstoffen von Mk. 0.60 an bis 3 50 per Meter. = Prachtvolle Neuheiten W 56 in schwarzen, farbigen und weißen Unterröchen. Auswahl in Korsetts, Hemden, Beinkleidern, Handschuhen, Taschentüchern, Kravatten, Kragen, Manschetteen und Vorhemden, Die Restbestände in Damen= und Kindermäntel werden zu jedem annehmbaren Preise ausverkauft. 0) Geschwister Becker Schwer 5)) Größte Auswahl am Platze in sämtlichen Manufakturwaren und Damenkonfektion! Billigste Preise. Streng reelle Bedienung. oden- und Fanilfandiat I. 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Abtall von Nickelkupfer plattiertem Stahlblech ist in grösseren Mengen abzugeben:-Von wem sagt die Exped. d. Blattes. über die Ein süddeutscher bekannter Arzt äussert sich Otlenbacher Kaisel-Prieurich Guche „Das Wasser bekommt dem Magen vorzüglich und schmeckt wie jetzt bei mir seit 6 Jahren immer gleich gut. Nach der Zusammenstellung von Pfeifer hat es ja bekanntlich unter allen gegen Gicht gebrauchten Wassern den geringsten Kalkgehalt.“ General-Vortreter: Franz Seligmann, Restaurant„Zur guten Quelle“, Schwerte a d. R., Sednstrasse 26. Waschemil Monopol bestes Universalfutter Zwei neue mit Seegrasmatratze zu verkaufen. Näheres in der Geschäfte stelle der Schwerter Zeitung. W514 Rinder und Kühe werden auf guter Sommerhude angenommen. B540 Hohenschwert, Lichtendorf. In meinem Wohnhause Bohlgarten Schwerte, habe zum 1. Mai oder später eine B536 Wohnung von 3 Räumen, event. mit Gärtchen, an kleine, ruhige Familiezu vermieten. Fr. Börstinghaus. 3 Rheinen(Cordes=Hof). 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Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illustrierter Familienfreund." o O O O O O 0 0 0 O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröttentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o 0 O O O O O C eC o o 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Ruhr, o Nr. 35 Montag den 11. Februar 1907. 39. Jahrg. Sozialdemokratisches. Der„Wahre Jakob“ und der Wahlausfall. Berlin, 7. Feoruar. Eine ganz besonders geartete Freude hat sich der„Wahre Jarob; geleistet, jenes Organ, das den parteimäßig tanonisierten Humor an die Genossen verzapft. Man traut seinen Mugen kaum, wenn man das Blatt, das gegenwärtig eifrig in den Straßen von Berlin ausgeboten wind, betrachtet. Von der ersten bis zur letzten Seite herrscht eitel Jubel über den sozialdemokratischen Wahlsieg. Das Titelbild nennt sich „Die Abrechnung“(!) und stellt die gewaltig emporgewachsene Göttin des Proletariats dar, die mit entschlossenem Schritt die Grenzschranken zertritt und vor der sich die übrigen Parteien, Konservative, Zentrum, Nationalliberale und der weibliche sowohl als auch der männliche Freisinn in die nächsten Mause kerei der Freisinnigen hat die Regierung eine Hurrahmehrheit zustande bekomen, die zu jedem Schurkenstreich gegen das entrechtete Volk fähig ist. Und dieses liberale Kastratentum jubelt noch über seinen Sieg— es jubelt über seine eigene Schande. Pfui Teufel über diese Verlumpung des„nationalen Heldentums." Mögen politische Fatzken in den Reichstag einziehen, Kreaturen, wie sie die Regierung braucht, und wie sie einem(So! D. Red.) politisch auf den Hund gekommenen deutschen Philistertum würdig sind. Der Genosse, der diese Kraftworte geprägt hat, ist wohl am besten gegeignet, gegebenenfalls Nachfolger des Herrn Mehring zu werden. Wenn er aber seineu jetzigen Groll einigermaßen bemeistert hat, würven wir in seinem eigenen Interesse anraten, eine sur löcher verkriechen!„Jedem das Seine!“ schreibt darunter der von der Parteiobrigkeit zum Witzemachen detachierte„Genosse". Ob er für seine Verbannung in die Geisteswüsten der„Wahren Jakob"=Redaktion höhnische Rache an der Parteileitung üben wollte? Die Duplizität der Erscheinungen, die eine übliche Eigenschaft der sozialdemokratischen Witze ist, hat dazu geführt, denselben Gedanken an anderer Stelle derselben nicht weniger trefsend zu variieren.„Die große Attacke“ nennt sich ein Doppelbild, auf dem der Reichskanzler die Attacke der vereinigten bürgerlichen Parteien gegen die geschlossen Phalanx der Sozialdemokraten führt. Die zweite Ansicht zeigt dann, wie am 5. Febr. ganz genau so, wie es ja eingetroffen ist— die sämtlichen bürgerlichen Mandatinhaber zerschmettert und tot am Boden liegen, während dis siegreiche Sozialdemotratie auf der ganzen Linie ihre wehenden Banner aufpflanzt. Ob auch das der grimmige Spott eines „Akademikers“ ist? Wir glauben kaum. Die Clichés der„Siegesnummer“ mit ihren Vorschußlorbeeren werden wohl schon bestellt gewesen sein und die Verfertiger des Parteihumors haben vielleicht mit der genauen Kenntnis des Geisteszustandes der sozialdemokratischen Witzabonnenten, die nur ihnen eignet, darauf gerechnet, daß ihre Leser nichts merken werden. genen Interesse anraten, eine für die Unterklassen bestimmte deutsche Grammatik einem eingehendem Studium zu unterziehen. Oder sollte der kraftwortprotzige Genosse etwa meinen, daß er als Bannerträger der Freiheit nicht an die Regeln der Grammatik gebunden sei. im Vorjjahre. Aus Schweden gingen 23 000, aus Norwegen 22 000, aus Griechenland nahezu die dop pelte Anzahl wie im Vorjahr:, nämlich 19 000, aus der enropäischen Türk:i 10 000, aus Frankreich und Portugal je 9000, aus Dänemark 7000 und aus Belgien und den Niederlanden 5000 Personen nach den Vereinigten Staaten. Außerordentlich gering war die Auswanderung aus Spanien nach Nordamerika, sie betrug nur 2000 Personen. Die Haupteingangspforte für diese neropäische Einwanderung bildet nach wie vor Newyork, das im letzten Fiskaljahre 880000 Emigranten annahm. Außer Newyork kommen nur noch Boston, Baltimore und Philadelphia als amerikanisch: Einwanderungshäfen in Betracht. In Boston landeten 62000, in Baltimore 54000 und in Philadelphia 23 000 Einwanderer. Sauherdentone. Die sozialdemokratische Elberfelder„Freie Presse“ macht ihrem begreiflichen Grolle über die sozialdemoratische Niederlage in folgender, weniger verständichen Weise Luft: Achen Weise enst. „Dank der Gesinnungslumperei und Hallun Begegnung mit Moltke. „„Century Magazine“ bringt in seiner neuesten Nummer eine Reihe von Aufsätzen, die das An denten an den großen Nationalhelden Amerikas, evige Washington, wieder wachrufen, dessen 175 Geburtstag am 22. Februar gefeiert wird. Für uns ist es besonders interessant, daß unter den Kronzeugen, die für di. Bedeutung des großen Mannes aufgerufen werden, Moltke an erster Stelle steht. Der bekannte vistoriker William Milligan Sloane erzählt von einer Begegnung mit dem Feldmarschall, in der sich der Meister der modernen Strategie begeistert über das Feldherrntalent Washingtons äußerte.„Es ist viele Jähre her,“ so berichtet Sloane,„es war am 22. Februar 1874, als ich, damals Sekretär bei dem amerikanischen Gesandten in Berlin, George Bancroft, bei einem großen Empfange zugegen war, den der Gesandte zu Ehren dieses Tages veranstaltete. Ein glanzendes Bild bot sich dar, denn unter den Gästen waren fast alle die Männer, die in dem französischpreußischen Kriege sich Lorbeeren erworben hatten. Für einen jungen Menschen, den schon die Folgen disses gewaltigen, vor so kurzer Zeit erst vollendeten Kampfes tief ergriffen hatten, war diese ganze Szen: überwältigend. Uniformen, Auszeichnungen, Orden, Schwerter, Sporen, all diese äußeren Zeichen mußten schon imponieren; aber außerdem schwebte noch eine Stimmung des Triumphes in den Straßen von Berlin, und die ganze Luft war erfüllt mit einem hohen Selbstbewußtsein und hoher Genugtnung. Die große Politische Uebersicht. Die Auswanderung aus den verschiedenen enropäischen Staaten nach Nordamerika. Die Menschenwelle, die alljährlich von Europa über den Ozean nach Amerika flutet und von dem großen Völkerreservoir der Vereinigten Staaten aufgenommen wird, wächst von Jahr zu Jahr. Im letzten, mit dem 30. Juni 1906 abgeschlossenen Fiskaljahr haben zum ersten Male mehr als eine Million europäischer Auswanderer ihren Weg nach den Vereinigten Staaten genommen. Unter ihnen waren nahezu sämtliche Nationalitäten Europas vertreten. Die größten Kontingente haben Italien, Oesterreich=Un garn und Rußland gestellt. Italien hat mit 273 000 Auswanderern die große Zahl seiner im Vorjahre ausgewanderten Landestinder- noch um ungefähr 50 000 Personen übertroffen. Aus Oesterreich=Ungarn sind 265 000 Personen, ungefähr die gleiche An zahl wie im Vorjahre, nach Amerika gegangen, Rußland sandte 216 000 Personen, ra. 30 000 mehr als im Vorjahre, nach der Neuen Welt. Die englische Auswanderung dagegen hat ganz beträchtlich abgenommen. Sie stellt sich auf 102 000 Personen, was den vorjährigen Ziffern gegenüber eine Verminderung um 35 000 bedeutet. An die fünfte Stelle tritt Deutschland mit 38 000 Personen oder als 3000 weniger als Der polnische Schulstreik. Posen, 8. Febr. Die Strafkammer verurteilte den Redakteur des„Kurjer Poznanski“, Ziolkowski, wegen Verletzung des§ 110(Schulstreik) und des§ 186(verleumderische Beleidigung) insgesamt zu 720 Mark Geldstrafe. Wegen des Vergehens gegen den§ 186 beantragte der Staatsanwalt 6 Wochen Gefängnis. Posen, 8. Febr. Vom Gymnasium in Nakel wurdeu drei polnische Schüler relegiert, weil ihre Väter sich in eifrigster Weise am Schulstreik beteiligten. Die Väter hatten ihren anderen Kindern, welche die Volksschule besuchen, die Teilnahme am deutschen Religionsunterricht verboten und auch andere Eltern zur Teilnahme am Schulstreik aufgestachelt.— Vom Schöffengericht in Hohensalza wurde der Arbeiter Jakob Grembowicz, der den Lehrer Tschiersch schwer beleidigt und mit dem Stocke bedroht hatte, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet. Verstärkung der italienischen Flotte. Febr. Wie der„N. Fr. Pr.“ aus Rom Aomiral Mirabelg der itatienische Marineminister der Kammer einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem ein Extrakredit von 160 Millionen Jol, Mipohesl sen. lotte votiert werden u. Millubeno erantragt zu diesem Zweche die Bau egung von vier Schlachtschiffen von je 16000 Wassererdrängung, die er mit Turbinen stärksten Typs auf eine Fahrleistung von 21 Seemeilen in der Stunde vos scht 303 Zentimeter=s, ulätigen Armierung von ach. u#,e Jennmelrr=Hauptturmgeschützen, zehn Zeutimeter Nebenturmgeschützen und 20 Torpedohrlanonen zu armieren gedenkt. Der Umstand, Kriegsentschädigung, die sich wie ein Schatz im Lande ansamelte, hatte weiter herrliche Ausblicke einer nationalen Entwicklung eröffnet, und das Fieber einer gesteigerten Tätigkeit konnte in jedem Pulsschlag des sozialen Lebens beobachtet werden. Schon waren die Schranken deutscher Einfachheit und Sparsamkeit niedergerissen worden und außerordentlich günstige Bedingungen der Lebensführung waren geschaffen. Damals war— und ist wahrscheinlich heute noch— der große Kachelofen ein wichtiger Bestandteil jedes Staatszimers der preußischen Hauptstadt, und der Zufluchtsort des schüchternen Zuschauers in jeder Gesellschaft war die Nische zwischen diesem großen mächtigen Bau und der Wand, ein Zwischenraum, groß genug für eine Person und nur von der Vorderseite aus zugänglich. Bei jener Festlichkeit hatte ich diesen Schlupfwinkel besetzt und drückte mich geborgen in die Ecke hinein, während ich an der offenen Vorderseite den Strom der Gäste an mir vorbeipassieren ließ, der von einem Empfangssaal in den anderen vorüberflutete. Ich hatte noch nicht lange von diesem gesicherten Posten aus auf den Strom der Geladenen geblickt, als von der anderen Seite des Ofens her um die Eche herum eine leise, klare Stimme ertönte, die im besten Englisch ohne jeden Akzent und in einer mehr amerikanischen als britischen Aussprache sagte:„Zweifellos sind Sie Amerikaner." Ich trat ein klein wenig vor und sah eine schlanke aufrechte Gestalt von mittlerer Größe in preußischer Uniform. Der Herr hatte ein scharfgeschnittenes Gesicht, starke Augenbrauen, klare graue Augen, eine kühn geformte Nase, einen ausdrucksvollen Mund und ein energisches strenges Kinn, Zügs, wie man sie wirklich öfters bei der Rordstaaten sieht. Ihr Ausdruck war ruhig, leiund Schläten und reundlich; das dünne, aber Haupt h reichlich bedeckende Haar war grau, aumo p sh Seine Gegenwart flößte Ehrfurcht ein uurriet wigicht eine solch heilige zitternde Scheu herdie Riesengestalt Bismarcks, die überall über ihle umgebung herausragte. Nach einiger Verwirrung fand ich meine Sprache wieder und bejahte e Frage des Offiziers. Wir kamen in eine Unterhaltung, die etwa 20 Minuten dauerte. Sie drehte sich um militärische Dinge und ich äußerte natürlich mein Begeisterung für unseren Bürgerkrieg, der mir als einer der erstannlichsten Kämpfe in der ganzen Geain ierschien. Sicherlich ein großer Kampf, sagte der ###igrei,ein sehr großer Kampf, aber kein großer Krieg, kein Krieg überhaupt vielleicht im wissenschaftlichen Sinne. Da wir von den anderen Gästen des ich Muk und verteidigse Ruf unfrer Gineralez er hörte uriotichen Feauer den angewurzelt dagesteu eerfürchtigem Schweigen wie merden Pozuenden hätte, müße noch geboren # von nun ab war die Unterhaltung ein Modes Feldmarschalls. Er erörterte im A 1 daß das vorgesehene nismäßig beschränkt diesen dader Kohlenfassungsvermögen verhältschließen, daß in K geist. bie(erst ——— Hinört Kirche in kauft! kommteine Nachricht, die geeignet ist, #vorzurufen, und di: der näheren ## n B e h ö r d e n d r i n g e n d b e d a r f. D i e Kairo unter schweren Opfern und btützung Kaisers Wilhelms 1. und anderer Fürsten und Bürger von der dortigen deutGemeinde erbaute deutsche Kirche und die dazu orige deutsche Schule sind soeben an den Khedive von Aegypten verkauft worden. Ueber diese Angelegenheit wird der„Information“ von dort wie folgt geschrieben: Etwa im Jahre 1860 wurde die deutsche Gemeinde in Kairo von Brüdern aus Basel unter den schwierigLichte erscheinen lassen sollen. So heißt 1869 erbaute!) Kirch: sei baufällig, und das Schulge bäude, das man erst 1905 um ein Stockwert vergrößert hat, genüge den Anforderungen nicht mehr. Nun, dann brauchte man doch zum mindesten nicht gleich den ganzen Grund und Boden aufzugeben, sondern konnte an derselben Stelle größere, schönere und gegen den Zahn der Zeit widerstandsfähigere Gebäude aufführen. Aber die Bereiligren denken gar nicht daran. Der Hase liegt eben ganz wo anders im Pfeffer. Es wäre sehr zu wünschen, daß man höheren Orts die ganze Angelegenheit einmal gründlich unter die Lupe nähme. Ein kleiner Denkzettel könnte jenen eifrigen Vorkämpfern deutscher Art und geschäftigen Pionieren des Christentums kaum schaden, wohl aber könnte er vielleicht einen Teil jener, gelinde gesagt— Ungeschicklichkeit wieder gut machen daß derjenige, der die Zivillappen höher stelle Westfalen und Rheinland. sten Verhältnissen ins Leben gerufen. Der armen und kleinen Gemeinde wurde es schwer, sich zu behaupten, aber ihre stille Tatkraft und ihr zäher Widerstand gegen alle Anfechtungen machte es ihr möglich, sich im Laufe des nächsten Jahres einen Saal zur Abhaltung des Gottesdienstes zu mieten. Die religiösen Zusammenkünfte der Gemeinde fanden damals in dem in einer schmalen Gasse gelegenen Hotel du Nil statt. Noch 1863 waren die Mittel der Gemeinde so gering, daß den Brüdern für die Ausübung ihres kirchlichen Amtes monatlich nur 20 Fres. zur Verfügung gestellt werden konten. Unter diesen Unnständen wird es begreiflich, welch schwerer Opfer es bedurfte, um den Bau einer eigenen Kirche und Schule zu ermöglichen. Aber das anscheinend Unerreichbare nahm feste Formen an, als der damalige Vizekönig von Aegypten Ismael Pascha, der deutschen Gemeinde in großmütigster Weise eine Fläche von ungefähr 5000 Quadratmeter überließ, ohne ein Entgelt dafür zu beanspruchen. Zum Bau von Kirch. und Schule spendete dann Kaiser Wilhelm I. 12000 Mk., und als auch der Großherzog von Mecklenburg, der Fürst von Schaumburg=Lippe, der Fürst zu Wied und noch eine ganze Reihe ungenannter deutscher Bürger freigebig ihre Hand öffneten, waren die sehnlichsten Wünsche der Kairoer deutschen Gemeinde realisierbar geworden. Bald darauf legte der nachmalige Kaiser Friedrich den Grundstein zu dem Gotteshause, und im Jahre 1869 waren Kirche und Schule vollendet. Mit treuen Händen wurden Kirche und Schule seitdem gepflegt, und heute ist jenes Bollwerk nicht nur des Deutschtums, sondern schlechthin des Christentums gegen den Willen einer pietätvolleren Mehrheit dem Khediven von Aegypten käuflich überlassen worden! Die Handlungsweise der deutschen Gemeinde, die natürlich in corpore verantwortlich gemacht wird, wird denn auch von der hiesigen europäischen Presse einmütig verdammt. Man ist sich vollständig darü ber klar, daß der Verkauf dieses historischen und so schwer beschafften Gotteshauses das Ansehen der gesamten ropäer als der Vertreter des Christentums schwer geschädigt hat. Den Mohammedanern, denen nichts so heilig ist wie ihre Moscheen und ihre geweihten Orte, ist eine derartige Pietätlosigkeit unfaßbar, obwohl doch gerade sie den Wert des Geldes sehr wohl zu schätzer wissen. Es kann daher nicht ausbleiben, daß der Verkauf der deutschen Kirche bei ihnen den denkbar schlechtesten Eindruck hervorruft. Sowohl auf christlichem als auf politischem Gebiete ist den Europäern in wirklichem und übertragenem Sinne Boden entzogen worden, und ihr Ansehen wird in nächster Zeit ganz erheblich an Kraft verlieren, daran ist aber schon heute nichts mehr zu ändern. In religiösen Dingen versteht der Moslem eben keinen Spaß. Von seiten der„Verkäufer“ werden allerlei Gründe ins Feld geführt, die ihr Vorgehen in milderem * Dortmund, 8. Febr.(Der Streich des Räuberhauptmanns von Köpenick) scheint auch dem Ziegelarbeiter Gustav Trottlar vorgeschwebt zu haben, als er in Eving auf einer Ziegelei ein ähnliches Stückchen beging. In der Nacht zum 4. Dezember vor. Is. setzte er sich eine Reservemütze auf, zog einen langen Mantel an, schnallt: ein Seitengewehr um und machte einen Augriff auf den 70 Jahre alten Hausierer Vogel, der längere Zeit in den Oefen der Ziegelei nächtigte und stets seine Ersparnisse in Höhe von mehreren hundert Mark bei sich trug. Vogel, der annahm, er habe es mit einem Polizeibeamten zu tun, ließ sich willig die Taschen untersuchen und erhob auch keinen Widerspruch, als ihm der vermeintliche Beamte 630 Mk. aus einer Westentasche nahm und erklärte, das könneer sich morgen bei der Polizei wiederholen. Darauf verschwand Trottlar. Mit Rücksicht auf die Art der Ausführung des Angeklagten ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft, die 6 Monate Gefängnis beantragt hatte, hinaus und erkannte auf 1 Jahr Gefängnis. Es wurd; auch sofort ein Haftbefehl erlassen. Gelsenkirchen, 9. Febr.(Das Stadtverordnrtenkollegium) bewilligte in der heutigen Sitzung dem hiesigen Musikverein bis auf Widerruf einen jährlichen Zuschuß von 2000 Mk. und gestattete ihm, in Zukunft den Namen„Städtischer Musikverein“ zu führen. Der Musikvevein übernimmt dagegen die Verpflichtung, in jedem Jahre zwei Volkskonzerte zu veranstalten und einem Mitgliede der Verwaltung eine Stelle im Vorstand einzuräumen. In der geheimen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde die Anstellung des Regierungsbaumeisters Sommerfeld als Stadtbauinspektor, und des Stadtbaumeisters Arendt aus M.=Gladbach als Stadtbaurat für Hochbau beschlossen. Den verheirateten Beamten und Angestellten der Stadt, welche an Gehalt weniger als 1800 Mk. beziehen, wurde entsprechend der Kinderzahl eine Teuerungszulage von 50—100 Mk. bewilligt. Arnsberg, 9. Febr.(Hohes Alter.) In dem benachbarten Neheim starb gestern im Alter von etwa 90 Jahren ein Teilhaber der Firma Gebrüder Wolf Herr Herrmann Wolf. Dagegen erfreut sich ein noch älterer Bruder, Herr Noah Wolf, der Ehrenbürger der Stadt ist, und der bald seinen 100. Geburtstag feiern wird, wie wir vernehmen, der besten Gesundheit. Die Gebrüder Wolf sind die Begründer der jetzt so bedeutenden und blühenden Neheimer Industrie. Süchteln, 9. Febr.(Prozeß.) Zwischen Eisenbahndirektion und der Stadt Süchteln ist Prozeß anhängig gemacht worden, der in der sigen Gemeinde viel besprochen wird. Anlaß zu sem gerade nicht schönen Streitobjekt gibt der Königs Rock, ein ehrloser Kerl und erbarmlicher Feigling sei. Weiterhin schrieb der betreffende Kaufmann an das Kriegsministerium, daß gegen den Einjährigen ein Ermittlungsverfahren wegen Meineides schweve, sowie, daß derselbe in Japan mit preußischen Offizieren in Zwistigkeiten geraten sei. Den Zweck der letzten Denunziation war darauf gerchtet, daß dem Einjahrigen die Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienst entzogen werden sollte. Der Denunziant hatte jedoch mit seinen Anzeigen keinen Erfolg, dagegen wurde gegen ihn von dem ehemaligen Einjährigen Privattlage wegen Beleidigung erhoben. Das Schöffengericht zu Köln, welches in erster Instanz über diesen Fall zu urteilen hatte, zeigte wenig Verständnis dafür, daß der Angeklagte, der einen Wahrheitsbeweis für seine in den Anzeichen aufgestellten Behauptungen nicht erbringen konnte, so energisch für die Interessen des Königs Rock eingetreten ist, und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Die Strafe fiel so hoch aus, weil das Gericht die Handlungsweise des Angeklagten als eine ehrlose angesehen hat. In den Berufungsinstanz wurde die Strafe auf einen Monat Gefängnis ermä ßigt. Dagegen wurde die Revision des Angeklagten gegen das Urteil der in der Berufungsinstanz erkennenden Kölner Strafkammer durch Entscheidung des Strafsenats des Kölner Oberlandsgerichts vom 3. Februar ds. Is. verworfen, so gaß es bei der Strafe von einem Monat Gefängnis bleiben wird. * Erkelenz, 9. Febr.(Die Stadtverord neten) nahmen gestern eine Vorlage über die Errichtung eines Progymnasiums einstimmig an. Der Vorsitzende regte an den Reservefonds, der jetzt 200 000 Mk. beträgt, aus den Steuerüberschüssen auf 500 000 Mk. zu erhöhen, um die Mittel für ein späteres Vollgymnasium anzusammeln. Bei der hauptsächlich infolge des stetigen Aufblühens der internationalen Bohrgesellschaft überaus günstigen Finanzlage der tadt wird das nicht schwer fallen. Das Kollegium stimmt ferner einstimmig der Errichtung eines Schlachthofes zu, wofür zunächst ein Betrag von hunderttausend Mark ebenfalls aus den Steuerüberschüssen bewilligt wurden. Die Schuldfrage für Zeche Reden. Saarbrücken, 9. Febr. Das nunmehr abgeschlossene staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren in Sachen der Redener Grubenkatastrophe hat nach Vernehmung von etwa acht Zeugen und mehreren ersten Sachverständigen als unzweifelhaft ergeben, daß in keiner Weise ein absichtliches oder fahrlässiges Verschulden der Königlichen Grubenverwaltung und ihrer Beamten die Ursache der folgenschweren Katastrophe gewesen ist. Die wahrscheinliche Ursache der Katastrophe ist vielmehr nach der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung und den Aussagen aller Sachverständigen ein rein zufälliges Explodieren einer Bergarbeiterlampe und die dadurch hervorgerufene Explosion der im Eindringen begriffenen Schlagwettergase. Da alle eingefahrenen Bergleute den Tod gefunden haben, sind alle weiteren behördlichen Feststellungen unmöglich. Infolge dieses Resultates des Ermittlungsverfahrens steht die Einstellung der gerichtlichen Untersuchung bevor. der ein hiedieneu: Eisenbahnbau am Süchtelnforst. Hier hat sich infolge der Errichtung der Rhein. Provinzial Heil= und Pfledie strategischen Bedingungen des Krieges und erwähnte auch gelegentlich, daß er unter den lebenden amerikanischen Generalen Me. Clellan für den einzigen großen Strategen halte.„Aber,“ fuhr er dann fort,„Sie haben in Amerika einen der größten Strategen der ganzen Welt hervorgebracht, George Washington. Keine glänzendere militärische Bewegung ward jemals ausgeführt, als der Rückzug durch Jersey, der Rückmarsch über den Delaware zum ersten Male, und dann ein zweites Mal, um dadurch den Feind in eine lange dünne Linis auseinander zu ziehen; dann das Scharmützel an dem Assanpink, wodurch er ein Gefühl der Sicherheit hervorrief, der Flankenangriff gegen das britische Heer mit letzter Kraft, und endlich die Vollendung der Niederlage der Engländer bei Princeton, durch die er den Feind mit solch ungleicher Streitmacht auf die Hauptmacht zurückwarf.“ Nach Moltkes Ansicht wan Washingtons militärische Laufbahn in ihrem ganzen Verlauf durch hervorragende soldatische Eigenschaften charakterisiert; aber der Höhepunkt seiner Kraft wurde erreicht, als er mit so geringen Hilfsmitteln, wie sie zu seiner Verfügung standen, seinen ersten Feldzug so gut abschloß. Groß waren Washingtons spätere Erfolge, und hervorragend waren seine Leistungen während des ganzen Krieges, aber diese ersten Heldentaten der Strategie hat er niemals übertroffen. Unter ihnen war seine Führung bei Princeton der Höhepunkt. Mit diesen Acußerungen Moltkes endete das Interview. Die Unterhaltung wurde niemals erneuert, obwohl ich bei verschiedenen Gelegenheiten das Glück hatte, ihn sich über andere, weniger wichtige Ding= unterhalten zu hören. Der tiefe Eindruck, den Moltkes voll ernster Ueberzeugung ausgesprochene Meinung in mir zurückließ, bedarf keiner Erläuterung; meine Anschauungen sind dadurch tief beeinflußt worden.“ geanstalt„Johannistal“ der Bahnhof als viel zu klein erwiesen, und die Direktion beschloß einen Neubau zu errichten. Sie versuchte hierzu Gelände zu erwerben, es wurden aber 11 500 Mk. pro Morgen gefordert, und so scheiterte der Ankauf. Fünf Schritte hinter dem Bahnhof und an der Straße Süchtelnforst=Oedt an stoßend, besitzt die Direktion ein käuflich erworbenes Stück des zu Napoleons Zeiten erbauten Nordkanals. Hierin leitet schon seit Menschengedenken die Stadt die Abwässer von Süchtelnvorst, ohne daß die Direktion dem widersprochen hätte. Jetzt ist die Direktion gezwungen, das Wasserloch zuzuschütten und zu Bauzwecken zu benutzen. Einer Aufforderung der Direktion, die Stadt möge die Abwässer weiter leiten, kam diese nicht mach, worauf die Direktion klagte. Der Ausgang des Prozesses ist heute noch nicht abzusehen. * Ronsdorf, 7. Feb.(Die Veruntreuungen) des hiesigen Sparkassenrendanten Müller werden in kurzem das Gericht in Elberfeld beschäftigen. Die Voruntersuchung ist bereits geschlossen. Müller hat sich lange Zeit geweigert, über den Umfang seiner Defraudationen Angabe zu machen und erst in letzten Zeit sich zu einem Geständnis bequemt. Wie man hört, beträgt die Summe der unterschlagenen Gelder ca. 105000 Mk., die Sparer, zum größten Teil„kleine Leute“, werden jedenfalls nicht geschädigt werden, weil die Stadt Ronsdorf zu vollem Schadenersatz verpflichtet ist. Müller hat das Geld in flottem Lebenswandel verjubelt. Auch in Barmen und Elberfeld war er in Restaurants ein oft gesehener Gast, und mancher„braune Lappen“ dürfte im Wuppertal geblieben sein. * Köln, 9. Febr.(Ein kurioser Tropf.) Ein Kaufmann aus Köln, ein zwar königstxeuer, aber vielfach vorbestrafter Herr, nahm Aergernis, darau, daß ein Fabrikant zu Köln, der als EinjährigFreiwilliger von Oktober 1905 bis 1906 bei einem Feldartillerieregiment zu Köln diente nach dem Dienst im Zivilanzug ausging. Er richtete an das General= Kommando des 8. Armeekorps einen Brief, worin er die Anzeige machte, daß er den Einjährigen im Zivilanzuge gesehen habe. Weiter heißt es in dem Briefe, Dortmunder Stadttheater. Montag, den 11. Februar: Serie A, Nr. 36. Rote Karten. Anfang 7,30 Uhr. Zum ersten Male. Mit ganz neuer Ausstattung.„Die Afrikanerin“. Oper in vier Aufzügen von G. Meyerbeer. Dienstag, den 12. Februar: Bei aufgehobenem Abonnement.(Jahreskarten gültig.) Volksvorstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang 7,30 Uhr.„Romeo und Julia". Trauerspiel in fünf Aufzügen von W. Shakespeare. Mittwoch, den 13. Februar: Serie C, Nr. 34. Gelbe Karten. Anfang 7 Uhr.„Die Meistersinger von Nürnberg". In drei Aufzügen von Richard Wagner. Donnerstag, den 14. Februar: Bei aufgehobenem Abonnement(Jahreskarten gültig.) Volksvorstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang 8 Uhr. „Der Troubadour“. Oper in vier Aufzügen von G. Verdi. Freitag, den 15. Februar. Serie C, Nr. 35. Gelbe Karten. Anfang 7,30 Uhr. 4. Volksvorstellung im Zykklus deutscher Lustspiele.„Bürgerlich und romantisch". Lustspiel in vier Aufzügen von Eduard von Bauernfeld. Sonnabend, den 16. Februar: Serie B, Nr. 32. Blaue Karten. Anfang 7 Uhr.„Die Walküre“, Erster Tag aus dem Bühnenfestspiel„Der Ring der Nibelungen“. Handlung in drei Aufzügen won Richard Wagner. Stadttheater Barmen. Montag, den 11. Februar: Anfang 8 Uhr. Carneval. humorist. Ueberbrettl. Abend. Vorträge, Ballet, Othello's Erfolg(Schwank). Zum Schluß 2. Akt „Fledermaus“. Dienstag, den 12. Februar: Anfang 8 Uhr.„Fra Diavolo“ Komische Oper von Auber. Mittwoch, den 13. Februar: Anfang 7 Uhr„Die Meistersinger von Nürnberg". Große Oper von Richard Wagner. Donnerstag, den 14. Februar: Anfang 8 Uhr.„Wiener Blut“, Operette von Johann Strauß. Freitag, den 15. Februar: Anfang 8 Uhr.„Alt Heidel berg“. Schauspiel von Wilhelm Meyer=Förster. Samstag, den 16. Februar: Anfang 8 Uhr. Novietät. 10 gerichtes, w als Beauftr Programms len. Ob al zustande kon Punkte zur vornherein vorgebracht stellen. Ma war, auch der Erörte Themse sofo Schadenfreu zwungen am lichen Absich damit verrie ganze Man darf, daß ge der ersten heilsame W die Aufhebu fer Konvent Plan ist abe nicht allein schieden geg #hraus erkl ##keine Macht nigsten Eng ##und so müß Zum ersten Male„Afrikaner", Lustspiel in drei Aufzügen mit einem Zwischenspiel„Sommerabend am Rhein“ von Rudolf Hermanns. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. pwarten, u Diese ist re Insprache Deutschland d a s e r s t e 9# verstanden die den mi gegenüberst Passus, da was sich ihr Freundon i stehe da, ein ner Blätter helm numm im Reichste betreiben m Blätter am u, daß eichstage Närchen m. rincamtes, er sich sehre eine aggress gendwie sei fartge Absich vorlage beg zu fordern. die Unmögli betont dabe enorme Rüf daher sehr! underen Sta Flotte begri wertvoller i nen Einbru lichkeiten#### und anderen leicht zu M Fluttenverei sehr viel Gu Sache abern Im Ausland e. scht, eliglerung st ist Es liegt aus den T Gs1 schland Are sett Her r##Flucht nleilich die St rerden, darf cheit wird der slosgehen;