Amtliches Rreisclalt Oomererrn Ferhemmmmmmrmern tur den kreis Borde. ueerurereerreuers Die„Schwerter Zeitung“ erscheimt täglich, ausser Feicriags Bezugspreis: Mk. 1.6s vserteljährssch, dei der Post 42 P1 für bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Mustrierter Familsenfreund." o o c O O O O O O O S 0 0 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peistreile oder deren Kaum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. — Erstes und ältestes Tagesorgan Kreises. Haupt=Annoncenblatt Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Ucrordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Konig! Regierung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft, o c c 0 o o o co c o o c o Druck u. Verlag von Garl Braus, Schwerte, Fernsprech-Anschlust Dr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Zäresse Braus. Schwerte-Ruhr. e udereeeumgeberoma#e Mtammse Lmms Nr. 21 Freitag, den 25. Januar 1907 essn.u Semsebeniehinee Deutschland und England. Amtlicherseits wird ein Vertrag zwischen Deutschland und Dänemark veröffentlicht, durch den die sogenannte Optantenfrage in Nordschleswig geregelt wird Jahrzehnten bildete die Behandlung der Optanten Gegenstand vielfacher Klagen, dieselben waren gewissermaßen rechtlos und der Willkür der Behörden preisgegeben. Am meisten hatten sie zurzeit der scharfen dänifchen Agitation zu leiden, die natürlich deutscherseits einen Gegendruck erzeugte und zu Maßnahmren führte, von denen natürlich in erster Linie die der dänischen Agitation sich anschließenden Optanten betroffen werden. Diese Reibungen datierten bereits seit dem Frieden von 1864, wo den Bewohnern der von Dänsmark abgetretenen Ge biete die Möglichkeit belassen wurde, dänische Staatsbürger zu verbleiben. Die Verschiedenheit der Auslegung der Friedensbe= stimmungen zwischen preußischen und dänischen Behörden führte zur Entstehung der Kategorie der„staatenlosen Optantenkinder“, welche von Preußen nicht als preußische und von Dänemark nicht als dänische Staatsangehörige anerkannt wurden. Die dänische Agitaion in Nordschleswig tat das ihrige, um die aus diesem Zustande heworgegangenen unergnicklichen Verhältnisse noch zu verschärfen und so traten hier Verhältnisse ein, welche eine gewisse Aehnlichkeit mit der Lage in den Ostmarken auswiesen. Ein mildes Regiment hätte vielleicht eine Besserung der Situation herbeiführen können, aber man glaubt: der dänischen Agttation mit der allergrößten Energie entgegentreten zu müssen, eine Energie, welche man in den Ostmarken llebhaft vermißt hat, und namentlich unter Herrn von Köller spitzten sich die Verhältnisse immer mehr zu. An eine Beruhigung der Gemüter war nicht zu denken, bevor nicht die dänische Agitation nachließ, die namentlich in Dänemark selbst tatkräftige Unterstützung fand. Allmählich trat aber doch ein Wandel ein, die Beziehungen zwischen Kopenhagen und Berlin besserten sich speziell nach dem Tode der greisen Königin, während König Christian selbst im Grunde seines Herzens niemals ein Deutschenfeind gewesen ist; die mehrfachen Besuche Kaiser Wilhelms in KopenProfessor Landois. Schluß. Der große Tag erschien. Das Publikum war zahlreich zur Stelle, und inmitten davon stand verabredetermaßen Jans Repschläger und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Professor bestieg sein„Podium“ und begann: Hochgeehrtes Publikum! Zur feierlichen Einweihung dieser Stätte begrüße ich Sie alle und freue mich, daß Sie so zahlreich erschienen sind. Wenn Sie um sich blicken, so schauen Sie die Richtwerkzeuge des Mittelalters. Und wenn Sie nun bedenken, wie in damaliger Zeit selbst die kleinsten Vergehen mit harter Leibesstrafe oder gar mit dem Verlust des Lebens ge ahndet wurden, so „Et is jä aus luogen!“ rief da Jans aus dem Publikum heraus:„Kaff iss't män! Olle Leigenbüel!“ Professor stellt sich höchst entrüstet, erhobt drohend die Fanst und schreit ins Publikum sinem: Pass äs up, ick stopp die glieks de freche Muul: Noch en enzig Maol un di immst in't Burgvenließ! Große Heiterket des Publitums.) Nach dieser Untecvrechung fuhr Professor fort: Wenn wir das alles bedenrken, so müs sen wir sagen, es war eine gewalttätige, eine finster Zeit, die ahre schwarzen Schatten auch noch über vielr Jahre warf. Wir freuen uns „Holl de Büre män an!“ erscholl es wieder aus dem Publilum„Kür ldi mich in'n Knüpp.“ Der Prosessor droht abermals mit der Faust und ruft: Dat gifft noch'n Unglück, wenn du de Schuute nich höllst! Pfui, so ein ungebildeter Mensch! Das Publikum wird ungemütlich und will gegen Faus handareiflich werden, aber Professor beruhigt die Leute und sagt: Van so'n Itsküenig nich mähr verhagen wie des damaligen Kronprinzen, heutigen Königs Frederik, in Berlin, deuteten darauf hin, daß das gegenseitige Mißtrauen mehr und mehr geschwunden war und auf beiden Seiten sich der Wunsch zeigte, eine Annäherung beider Länder im gegenseitigen Interesse herbeizuführen. Der Umschlag der Stimmung in Kopenhagen bewirkte naturgemäß ein Nachlassen der dänischen Agitation, welche damit ihren Rückhalt verloven hatte, und vollends bei der Thronbesteigung des jetzigen Königs glaubte man auch in Berlin den Zeitpunkt für gekommen, in Schleswig mildere Seiten aufzuziehen. Oberpräsident von Wilmowski ging nach Magdeburg, an seine Stelle trat ein in der Oeffentlichteit bisher winig hervorgetretener Regierungspräsident. Nach diesem Systemwechsel trat man endlich auch an die Regelung der so viel böses Blut verursachenden Optantenfrage heran und das Resultat der Verhandlungen ist der nunmehr veröffentlichte Vertrag. Dieser bedeutet, wie offiziös hervorgehoben wird, nicht nur eine einfache Anerkennung des bestehenden Rechtszustandes, sondern auch den festen Willen der beiden Regierungen, die in den Grenzgebieten bestehenden Spannungen zu beheben. Auch wird. hinzugefügt, daß durch den Vertrag die deutschfeindlichen agitatorischen Bestrebungen jede Aussicht auf Rückhalt der dänischen Regierung verlieren. Mit dem Vertrag dürfte definitiv das Kriegsbeil zwischen Dänemark und Deutschland begraben sein, und in absehbarer Zeit dürfte es schwerlich wieder hervorgeholt werden. Man weiß auch in Kopenhagen sehr wohl, daß gute Beziehungen zu Deutschland, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete, für Dänemark nur die größten Vorteile in sich bergen können. Der Professoren=Austausch. Breslau, 24. Jan. Der Breslauer Universitätsprofessor Lummer wird am Sonntag nach Newyork reisen, um in der dortigen Columbia=University vor einem Auditorium von Professoren und Oberlehrern einen Vorlesungszyklus über das von ihm mit dem langen. Wir freuen uns, fuhr er dann fort, daß ein aufgeklärtes Zeitalter uns die Grausambeiten vergangener Jahre verabschewen lehrte. Wenn auch unsere heutige Rechtspflege noch vieles zu wünschen übrig läßt und in der Erledigung der Dinge bisweilen an das Seilerhandwerk erinnert, so können wir uns dennoch glücklich preisen———(Jaus aus dem Publikum):„Hä lügg, äss en Siesemännken!“ Da riß dem Professor anscheinend die Geduld; mit dem Finger wies er auf Jans und rief: Ergreift dem Buben! An den Schandpfahl mit ihm! Das ließ sich das verehrliche Pckslikum nicht zwei mai sagen Zwanzig Fäuste ergriffen den Uebeltäter, der schrie wie ein angestochenes Schwein. Mehr getragen als geschleppt wird er alsogleich zum Schandpfahl befördert und gebunden. Und der Professor, auf den Delinquenten deutend, beschkoß seine Rede mit den Worten: Aus diesem Bilde schaut Ihnen ein bemerkenswertes Stück krimineller Justizpflege des finstern Mittelalters entgegen, ein Stück peinlicher Halsordnung, wie es Ihmnen deutlicher kein Geschichtskundiger vor Augen führen kann. Prägen Sie sich dieses Bild gut ein und danken Sir Ihrem Herrgott, daß er Sie nicht in jener Zeit zum Leben erweckte, welche die Narrheit die gute alte Zeit zu mennen pflegt, jene bitterbösc Zeit, wo das kleinste Vergehen den Kopf kosten konnte. Wissen Sie doch alle, wie recht Franz Essink hatte, als er einst als Schüler schon sagte: Un wenn järst de Kopp aff iss, dann iss dat Achterverrdel nich viel mähr wert. Damit will ich meine Rede schließen. Binder nun den Delinquenten sos und befördert ihn durch die Hinterpforte ins Freie, aber sehet zu, daß ihn die wilden Tier: nicht zerreißen. Bald hörte man Jans noch aus der Ferne schreiBreslauer Professor Pringsheim ausgearbeitete Gebiet: schwarze Straylung nebst deren wichtigsten Auwendungen auf Astronomie, Leuchttechnik und Pyrometrie abzuhalten. Zur Posener Erzbischofswahl. Berlin, 24. Jan. Der„Dziennik Berlinski“ schreibt u. a. im Lemberger„Slowo Polskie" und im Warschauer„Goniee“ sei bemerkt worden, daß von der Regierung an den Weihbischof Dr. Likowski herangetreten sei mit dem Versprechen, seine Kandidatur auf den erzbischöflichen Stuhl würde akzeptiert werden, falls er den Schulstreik zu beenden trachten würde und sich der weiteren Einführung des deutschen Religionsunterrichtes in den Volksschulen nicht widersetze. Die letzte Nummer des Warschauer„Goniec“ weise folgendes Telegramm auf:„Posen, 18. Jan. Weihbischof Likowski hat den Dekanen empfohlen, dafür zu sorgen, daß der Schulstreik beendet werde.“ Opfer und Nutznießer des Wreschener Schulkrawalls. Posen, 24. Jan. Den radikal=polnischen Blättern zufolge sind die seinerzeit für die„Opfer" des Wreschener Schulkrawalls gesammelten ca. 250000 Mk. polnische Unterstützungsgelder ihrem Zwecke nicht zugeführt worden. Eine Reihe Namen wwerden angeführt, deren Träger sich in Krakau und Lemberg in größtem Elend befinden, ohne Unterstützungen erhalten zu haben, darunter die Miturheberin des Schulkrawalls, Frau Piasecke. Die polnischen Blätter fordern Aufklärung von dem seinerzeit gebildeten polnischen Hilfskomitre über die Verwendung der Gelder. Und willst du nicht mein Bruder sein, So schlag ich dir den Schädel ein! Ein bezeichnendes Stückchen, das sich die Partei der rohen Gewalt wieder einmal geliefert hat, wirdd uns von einem Versammlungsteilnehmer aus dem Wahlkreise Hof berichtet: In Schönewald sprach in einer sozialdemokratischen Versammlung auch ein südwestafrikanischer Krieger und bezeichnete die Ausführungen des sozialdemokratischen Redners über Südwestafrika als fanstdicke Unwahrheiten; er könne das aus eigener Anschauung bezeugen. Darauf sprang en:„Professor, mienen Da— mienen— Da—“ Daler wollte er schreien, aber er kam nicht dazu. Aber am andern Morgen stattete er in aller Frühe dem Professor seinen Besuch ab, drehte bescheiden seine alte Kappe in den Händen herum und sagte: Gu'n Mnorn, Här Professor, ick wull mi effkes mienen Daler halen. „Jä, jä, den Spielhonorar. Egentlich häss du mun two: Mark ochtzig te verlangen, aower nu, wao du so gued spielt häss, legg ick di twintig Pennige to un du sass den Daler häbben. Und Jans bekam richtig einen Taler preußisch Courant und bedankte sich. Beim Hinausgehen indessen konnte er nicht unterlaffen zu bemerken: Un wenn Zi mi nu tein Daler duowet, de Kummedie spiel ie nich wier met; alle Knnocken in'n Liewe doht mi no# weih! „Dat mosi du wietten!“ entgegnete ihm d.: Professor gelassen,„aower dat sogg ick di, dat ick di van Aovend nich bummel= oder stüörtendick in die Gauschke(Gosse Rinnstein) finde, dann geiht et di schlecht.“ Vor der Tuckesburg steht das lebensgroße Denkmal, das sich der Professor bei Lebzeiten selbst gesetzt hat, und dessen Abbildung auf Tausenden von Postkarten in alle Welt verschickt und so überall bekannt geworden ist, zumal auch„Die Woche" und viele andere illustrierte Blätter sich damit befaßt haben. Am Fuß des Denkmals steht unser Professor selbst. Es zeigt folgende eigentümliche Inschnift: Ne sange Piep vull Oldenkott Gell mehr es dunsend Jaohre Vull Ruhm. Aoltbeer en Bullenkopp Dat iss un bliw dat Waohre. Doch wenn Je jetzt mien Kleihm und Dohn Met'n Denkmaol willt betahlen. der sozialdemokratische Redner auf den Krieger zu und gab ihm eine Ohrseige. Stürmisches Pfui ertönte darauf in der ganzen Versammlung, sogar von den sozialdemokratischen Arbeitern. Ueber diese Heldentat ihres Führers wird die Sozialdemokratie, die Partei der Gewalt, am 25. Januar die Quittung erhalten! Die„roten“ Lehrer in Frankreich. Paris, 24. Jan. Iun Departement Rome ist zwischen der Lehrerschaft und dem Unterrichtsminister Briand ein Konflikt ausgebrochen. Die Lehver haben sich nämlich zu einem Syndikat zusammengeschlossen und sind der roten Arbeiterbörse beigetreten. Darauf wurden sie von Briand aufgefordert, binnen acht Tagen das Syndikat aufzulösen, widrigenfalls das Disziminarverfahren eingeleitet würde. Briand ist Sozialist. Sozialdemokraten unter sich. Berlin, 24. Jan. Im Briefkasten des von dem Sozialdemokraten Georg Bernhard herausgegebenen „Plutus“ kann man folgendes lesen: „Der ehemalige sozialdemokratische Abg. Richard Calwer kandidiert auch diesmal wieder in seinem alten Wahlkreise Holzminden=Gandersheim für den Reichstag. Sie meinen, wie es denn möglich sei, daß der„Vorwärts“ einen im Wahlkampf stehenden Pamteigenossen so höhnisch und von oben herab behandeln und damit nur den Gegnern diskedritieren kann, wie es der„Vonwärts“ jüngst mit Calwer tat? Wenn Sie diese Leute kennten, würden Sie nicht fragen. Neue Ideen begreifen, ist eine schwere Sache, den, der sie ausspricht, mit Schmutz zu bewersen, viel leichter. Besonders wenn immer so viel Unrat zur Verfügung hat, wie der Verfasser jener Notiz. Daß er sich versteckt auch gegen mich wendete rührt mich nicht. Ich habe dem guten Mann nachgewiesen, daß er gefälscht hat. Das vergißt er mir nie. Seitdem Goethe gesagt hat, daß nur die Lumpen bescheiden sind, bemühen sich manche Leute, nicht durch allzu große Bescheidenheit aufzufallen.“ Bernhard ist llangjähriges Mitglied der sozialdemokratischen Partei und scheint daher seine Leute vortrefflich zu kennen. Gegenüber diesem Urteile eines durchaus Sachverständigen enthalten wir uns selbstverständlich jedes Kommentars. Die ungarische Krisis. Ofenpest, 24. Jan. Obwohl die Ministerkrisis gestern entschieden in Abrede gestellt wurde, scheint doch festzustehen, daß der Minister des Junern, Graf drassy, schon gestern in aller Form seine Entlassung gegeben hat, sie auf Drängen Weterles jedoch nicht offentlich bekannt gab. Wekerle hofft, daß es möglich sein wird, Andrassy zu halten, wenn Polonyi geopfert wird. Ueber den Rücktirtt Polonyis wird der heutige Ministerrat entscheiden, andernfalls ist Andrassy entschlossen, um jeden Preis zurückzutreten. Er sucht seit langem eine Gelegenheit zum Rücktritt. Immerhin ist es mögilch, daß er sich mit der Opferung Polonyis zunächst zufrieden geben und seine Entlassung zurückziehen wird. Ein peinlicher Vorfall auf dem Hofball in Belgrad. Belgrad, 24. Jan. Auf dem letzten Hofball ereignete sich ein peinlicher Vorfall. Bei einer Quadrille tanzte der zweite Sohn des Königs, Prinz Alexander, mit der Prinzessin von Rativor, ältesten Tochter des deutschen Gesandten. Plötzlich ließ die Prinzessin ren Tänzer stehen und eilte zu ihrer Mutter. Der Grund hierzu war, daß die Prinzessin sich durch das Benehmen ihres Tänzers beleidigt fühlte. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 25. Januar. **(Die Influenza.) Alljährlich kommt ein unerwünschter Gast ins Land, den jeder so bald als möglich los zu werden sucht, ohne daß man ihm deshalb den Borwurf der Ungastlichkeit machen darf. Es ist die Influenza oder Grippe. Seit sie 1889 zum ersten Malle in Europa auftrat, ist sie nicht wieder zu vertreiben gewesen. Mit heftigen Gliederschmerzen, rasch auftretendem Fieber beginnend, verläuft sie ganz verschieden, bald als leichte Erkrankung, bald den Tod bringend. Sie verschont weder Alter noch Geschlecht und Dann mott ik sölwst da seihen staohn, Süss mag't de Düwel halen. Drüm häww ick ank vüör mien Quarteer Mien Standbeld setten laoten, Dat Ding mäk unwies wahn Plaseer, Auk Aerger übwer Maoten. Well't seihn will, kumm un kiel't sik an, Et iss nich to verachten, Un well't von vüörn nich lieden kann, Mag't Achterdehl betrachten. Das Denkmal steht sehr„echt" aus, ist aber nur ein auf galvanoplastischem Wege mit Kupferniederschlag überzogenes Gipsmodell, das allerdings lange halten kann. Es ist recht gut gelungen und zeigt den Professor durchaus lebenswahr mit dem Zylinder und der langen Pfeife. Noch viel Herzerfreuendes, namentlich des Westfalen Herz Erfreuendes, könnten wir aus dem zudem mit einer Anzahl interessanter Bilder ausgestatteten köstlichen Büchlein des Getreuen ausplaudern. Doch wer noch mehr wissen will von diesem Typus eines humorvollen Westfälingers, der kaufe sich das Schriftchen, das er überall zum Preise von 1 Mark erstehen kann. überfällt oft plötzlich den nichtsahnenden Menschen mitten im besten Wohlsein. Heimtückisch naht sie und bringt als Gefolge häufig Lungenentzündung mit, die noch schlimmer ist, als sie selbst, ja ihre Nachwirkungen sind mit Recht ebenso, wenn nicht noch mehr gefürchtet, als die eigentliche Krankheit. Entfliehen kann man ihr nicht, sie lauert überall auf ihre Opser. Kein Ballsaal, kein Zimmer ist sicher vor ihr, doch kann man sich in gewisser Weise vor ihr schützen, indem man Erkältungen vorbeugt, die den Körper für sie empfänglicher machen. Hat man aber trotz alledem die Grippe bekommen, dann schuell ins Bett, bis sie wieder fort ist. Man mennt freilich vielles„Jufluenza“, was keine ist, das Wort hat sich bei uns eingebürgert und klingt besser, als wenn man nur von einem gewöhnlichen Husten, Schnupfen oder einem Fieberanfall spricht. Spottend bezeichnet man eine solche Krantheit, die einsach nichts weiter ist als„Infaulenzia“. Wer die wirkliche, echte Insluenza hat, der mag sich mit dem Gedanken trösten, daß er eine Pferdenatur haben muß, denn genau genommen ist sie eine Pferdekrankheit. Bei dem Menschen nennt man sie vom medizinischen Standpunkt aus richtiger„Grippe“. Aber einerlei, wie sie heißen, mag, beliebt ist sie nirgends, und sie kommt gerade zur unpassendsten Zeit des Jahres, in der Saison, wo doch jeder etwas Besseres zu tun hat, als sich von ihr quälen und chikanieren zu lassen. Angst braucht aber niemand vor ihr zu haben; zwechmäßige Behandlung und ärztlicher Rat vertreiben die Fein din rasch wieder aus unserer Wohnung. **(Woher kommt der starke Frost?) Aus Anlaß des in ganz Rußland beobachteten starken Frostes hat die Petersburger Telegraphenagentur den Direktor des hauptphysikalischen Observatoriums ersucht, die Ursachen dieser Erscheinung aufzuklären. Die Agentur erhielt die Antwort, daß am 18. Januar auf dem nördlichen Eismeere ein starber Antizyklon ausgetreten ist, welcher in ganz Rußland eine stillklare, hochfrostige Witterung hervorgerufen hat. Aehnliche Bedingungen wurden zuletzt im Jahre 1893 beobachtet. Am 21. Januar überstieg das Barometer in Petersburg 798 Millimeter, was seit 1836 nicht mehr beobachtet wurde. Die üblichen Begleiterscheinungen eines derartigen Antizyklons treten als östliche Stürme auf dem Schwarzen Meere und dem Asowschen Meere und als Schneestürme auf den Südbahnen äußerst heftig auf. §§(Gewerbegerichtssitzung.) Vorsitzender Herr Amtmann Hartung. Beisitzer die Herren Baar=Barop und Heine=Hörde. Der Bäckergeselle Heinr. Wippermann zu Dortmund verlangt von dem Bäckermeister Heinr. Cordes zu Schwerte noch eine Lohnforderung von 37 Mark, weil er ohne Grund und Aufkündigung entlassen worden sei. Beklagter macht geltend, daß er dem Kläger mehrer: Malle gesagt habe, er solle nicht mehr weiter arbeiten, da es schon sehr spät sei. Kläger habe sich jedoch nicht stören lassen und immer weiter gearbeitet. Er habe nunmehr dem Kläger gesagt, daß er die Backstube verlassen solle. Er habe damit gemeint, daß Kläger für diesen Tag die Arbeit abbrechen solle. Kläger habe nunmehr die Arbeit niedergelegt und seine Papiere gefordert. Kläger wurde mit seiner Forderung kostenpflichtig abgewiesen. 00(Teuerungszulagen an Eisenbahnbedienstete.) Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ schreibt: In Würdigung der gegenwärtig in vielen Orten bestehenden Teuerungsverhältnisse wurde vom Minister der öffentlichen Arbeiten den Eisenbahndirektore besondere Mittel zur Bewilligung von Unterstützungen an bedürftige Hilfsbedienstete und Arbeiter zur Verfügung gestellt. Bei der Verteilung der Mittel, die ungesäumt in die Wege zu leiten ist, sollen insbesondere Bedienstete mit kinderreicher Familie und solche berücksichtigt werden, die infolge von Krankheiten usw. einer außerordentlichen Beihilfe bedürfen. Die den einzelnen Eissenbahndirektionen zur Verfügung gestellten Mittel belaufen sich auf 10000—60000 Mark, insgesamt sollen eine halbe Million hierfür sofort und zu Beginn des nächsten Jahres weiter eine halbe Million ausgewendet werden. (Provinziallandtag.) Die Eröffnung des westfälischen Provinzigllandtages in Münster ist auf den 3. März angesetzt. (Schulstatistik.) Im verflossenen Jahre wurden an den öffentlichen Volksschulen des Bezirks Arnsberg 98 evangelische und 71 k atholische Lehrer einstweilig angestellt. Zur endgültigen Anstellung gelangten 277 evangelische und 128 katholische Lehver. Von den einstweilig angestellten Lehrerinnen waren 79 evangelisch und 90 katholisch und eine israelitisch. 68 evangelische, 97 katholische und 4 technische Lehrerinnen wurden fest angestellt. 15 evangelische und 6 katholische Hauptlehrer nud 13 evangelische und 12 katholische Rektoren wurden ernannt. 22 evangelischen und 24 katholischen Geistlichen übertrug man die Ortsschulinspektion. Im Bezirk amtieren 19 hauptamtliche und 23 nebenamtliche Kreisschulinspektoren. 276 Stellen sind neu gegründet worden. 68 Lehrer und 62 Lehrerinnen wurden uas dem Bezirk entlassen. 3 Lehrer schieden unfreiwillig aus dem Amte. In den Ruhestand traten 32 Lehrer und 7 Lehrerinnen. **(Die Straßenbahner,) vor allem die Wagenführer, sind bei der jetzigen Kälte wohl am übelsten dran. Die Direktion der Kreisbahnen hat deshalb angeordnet, daß die Angestellten öfter abgelöst werden und hat gleichzeitig zur weiteren Erleichterung des Dienstes den 24 Minutenbetrieb sowie um eine Stunde verkürzte Fahrzeit angeordnet. Wer zurzeit die Straßenbahn benutzt, möge nun nicht gleich über die „bummelig: Fahrerei“ wettern, sondern mit Rücksicht auf den guten Zweck die etwas längere Abfahrtsdauer geduldig in den Kauf nehmen. Sobald es wieder wärmer, geht es auch bei den Kreisbahnen im alten anerkannten Gleise weiter. (Königl.=Preußische Klassenlotterie.) Wir ma chen schon jetzt darauf aufmerksam, daß die Erneuerung der Lose der 2. Kllasse 216. Lotterie unter Verlosung der Lose 1. Klasse bei Verlust des Anrechts bis zum 4. Februar, abends 8 Uhr, bei dem zuständigen Lotterie=Einnehmer planmäßig geschihen muß. Ergste, 24. Jan.(Vorstandswahl.] Der hiesige Gewerkverein der Eisen= und Metallarbeiter wählte für dieses Jahr folgende Herren in den Vorstand: Ernst Brünger=Ergste, Vors., Otto Rüssel, Schriftführer, Wilh. Filthaut, Kassierer, Diedr. Gerling und Friedr. Rüssel, Reviforen. Die Versammlungen sollen von jetzt ab an jedem letzten Sonntag im Monat, nachm. 5 Uhr, im Lokale des Wirts August Hengstenberg zu Ergste stattfinden. Zur Wahlbewegung Schwerte, den 25. Januar. Die Zusammenstellung des Wahlresultates ist mit viel Arbeit verbunden. Die Hauptsache ist aber, daß die damit beschäftigten Personen nicht unnötigerweise bei der Arbeit gestört werden. Das geschieht aber, wenn vorzeitig telephonische Anfragen wegen des Wahlergebnisses an uns gerichtet werden. Unsere Freunde und Bekannten ersuchen wir deshalb, solche Anfragen vor 10 Uhr abends nicht zu stellen. Die Reichstagswahlen in Dotrmund=Hörde 1903. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 95 835 Mann, davon habem 78 723 ihr Wahlrecht ausgeübt, zu Hause geblieben sind also 17712 Wähler! Das Bild wird hoffentlich heute anders werden. Gültig waren 77 766 Stimmen. In den einzelnen Orten erhielten Stimmen: Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 18 Ihres Blattes vom 22. ds. Mts. veröffentlichten Sie eine Zuschrift des nationalen Wahlausschusses für Schwerte und Umgegend, in der es heißt, ich hätte unter anderen unwahren Behauptungen auch die aufgestellt, die Nationalliberalen wählten im gegebenen Moment lieber rot als schwarz. Des weiteren wird ausgeführt, ich hätte, wohl meiner Eigenart entsprechend, mich einer außerordentlich unvornehmen Kampfesweise bedient. In welcher Absicht diese Behauptungen aufgestellt sind, will ich hier ununtersucht lassen, da mir das Preßgesetz nur die Möglichkeit gibt, etwas Tatsächliches zu berichtigen. Unwahr ist die Behauptung, ich hätte gesagt, die Nationalliberalen wählten im gegebenen Moment lieber rot als schwarz. Ich habe lediglich auf den bedauerlichen Ausfall der Reichstags=Stichwahl im Wahlkreise Altena=Iserlohn hingewiesen, wo tatsächlich zahlreiche liberale Wähler den Sozialdemokraten gewählt haben. Unwahr ist auch die Behauptung, ich hätte, wohl meiner Eigenart entsprechend, mich einer außerordentlich unvornehmen Kampfesweise schuldig gemacht. Daß es umgekehrt meine Eigenart ist, sachlich und vornehm zu kämpfen, wird der Vorsitzende der nationalliberalen Partei für Iserlohn, H. Fabrikbesitzer Adalbert Sudhaus, der mich doch sicher besser kennt, wie der dortige nationale Wahlausschuß. bestätigen können. Auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes ersuche ich um Aufnahme dieser Berichtigung. Hochachtungsvoll Bartscher, Amtsgerichtssekretär. Die Berufung auf den§ 11 des Preßgesetzes hätte sich Herr Bartscher sparen können. Tatsächliche Richtigstellungen nehmen wir stets auf, ganz gleich, von welcher Seite sie kommen. Das wird uns besonders auch die Schwerter Leitung der Zentrumspartei bestätigen können. Red. — Iserlohn=Altena. Der hiesige„Kreisanzeiger“, das Organ der freisinnigen Volkspartei im hiesigen Kreise, druckt in seiner gestrigen Ausgabe im Anzei genteile einen Aufruf für den sozialdemokratischen gedrungen und hätten ihn mit Gewalt aus derselben Kandidaten Haberland ab. Der Aufruf ist eine halbe entfernt; wobei er an der Hand verletzt worden sei. Seite groß.— Und das nennen die Leute dann politi= Das Urteil lautete nur wegen verleumderischer Beleische Ueberzeugung, obwohl sie nicht bis an den digung auf 5 Monate Gefängnis und sofortige VerGeldbeutel heranreicht. Was sagt das freisinnige haftung wegen Kollisionsgefahr. Wahlkomitee zu einer solchen Handlungsweise?]* Neuenahr, 24. Jan. Im benachbarten HeppinKardinal Fischer für einen nationalskatholischen(gen ereignete sich ein krauriger tepgttäctshalu#### Kandidaten. daß ein junger Mann in der Baschmeneinrichtung 9„ E Ahleugnungen der seiner Mühle mit den Kleidern hängen blieb, sodaß er Köln, 24. Jan. Gegenuber den Ableugnungen ver1.„„„„„ Imeüssionen mitmach „Köln. Volksztg.“ erfährt die„Rhein. Ztg.“, daß tatsächlich Kardinal Fischer in einem Schreiben an den Landrat von Dalwigk diesem seine Zustimmung zu der national=katholischen Kandidatur Dalwigks in Siegburg ausgedrückt habe. Nach demsellben Blatte rechnet der frühere Zentrumsabgeordnete Trimborn damit, daß der Kölner Wahlkreis an die Sozialdemokratie verloren gehen könne. Prof. Hitze hat sich der Provinzialleitung des Zentrums gegenüber bereit erklärt, sein Mandat niederzulegen, wenn das Zmitrum in Köln nicht durchkommen sollde. Köln, 24. Jan. Das von Kardinalerzbischof Fischer an den Landrat Frhr. von Dalwigk gerichtete Schreiben, worin der Kardinal seine Zustimmung zu der national=katholischen Kandidatur von Dalwigks ausdrückt, wurde von Frhr. v. Dalwigk in Abschrift an die Geistlichkeit des Wahlkreises Siegkreis=Waldbröl übersandt. Bravo, Deutsch=Nationale! Köln, 24. Jan. Eine stark besuchte Handlungsgehilfen=Versammlung beschäftigte sich gestern Abend mit der Stellungnahme zur Reichstagswahl. Vom Zentralverband deutscher Handlungsgehilfen und=Gehilfinnen wurde vorgeschlagen, den sozialdemokratischen Kandidaten zu unterstützen. Hiergegen wandte sich unter lebhaftem Beifall der bei weitem größeren Anzahl der Teilnehmer ein Vertreter des deutschnationalen Handlungs=Gehilfen=Verbandes. Zu einer endgiltigen Entschließung kam es nicht, da die Einberufer es vorzogen, die Versammlung vorzeitig zu schließen. die Umdrehungen der Transmissionen mirmachen mußte. Der Tod ist bereits eingetreten. * Waldorf b. Niederbreisig, 24 Jan. Auf dem Gebiete des Lavastromes am Bausenberge sind jetzt Grundstücke im Werte von etwa 50000 Mk. notariell gesichert zur Untersuchung auf Basaltlava. In der letzten Woche wurde an dem Schachte ein schwerer Holzhebkrahn aufgestellt wie solche auf dem Maifelde im Gebrauch stehen. Es ist dadurch möglich, rascher in die Tiefe vorzudringen und die Mächtigkeit des Lavastromes festzustellen. An dem bewaldeten Abhange des Gebietes hat man die Bäume gefällt und den Tagebau schon begonnen. Vermischtes. St. Johann(Saar), 24. Jan. An einem Neubau hinter der Ulanenkaserne wurde gestern nachmittag eine Baubude abgebrochen. Wärhend der Arbeit stürzte die Bude zusammen und begrub einen 17 Jahre alten Arbeiter aus Oberkirchen bei St. Wendel. Der junge Mann konnte nur alls Leiche unter den Trümmern hervorgezogen werden. Nizza, 24. Jan. Hier ist das kostbare Pelzwerk der Prinzessin Louise von Belgien, das sie dem Riviera=Palacehotel als Pfand für unbeglichene Rechnung überlassen mußte, zur öffentlichen Versteigerung ausgeschrieben, falls die Hotelbesitzerin, die internationale Schlafwagengesellschaft, die Summe von 299883 Francs nicht bis zum 9. Februar erhält. Madrid, 24. Jan. Der junge Herzog von Saragossa hat einen Posten alls Lokomotivführer angetreten. Bisher hatte er diesen Beruf nur als Sport zu seinem Vergnügen betrieben, jetzt aber legte er seine Prüfung ab und wurde als definitiver Lokomotivführer für den zwischen San Sebastian und Madrid verkehrenden Schnellzuge angestellt. *(Des Löwen Edelmut) ist wohl nicht nur eine Srhindung der Vielsiwer und Tchebuchseresfer. Jul Westfalen und Rheinland. * Langendreer, 24. Jan.(Eisenbahn=Unglück.) Heute mittag 1 Uhr stieß der von Bochum kommende Personenzug, der 12,55 Uhr hier einlaufen soll, auf einige in demselben Gleis stehende Güterwa= Exfindung der Vierfabel und Lesebuchverfasser. Im gen, welche total zertrümmert wurden. Die Maschine Liwenhaus zu Schönbrunn bei Wien wurde jüngst, entgleiste. Mehrer: der in dem Personenzuge befind= wie man der„K. Ztg.“ schreibt, folgendes beobachtet: lichen Personen erlitten Verletzungen. Der Berg= Im Löwenkäfig befanden sich der Löwe, ein Prachtschüler Obermeier, der sich im ersten Wagen befand, exemplar, und zwei Löwinnen, von denen die eine wurde schwerverletzt nach Dortmund geschafft. Außer= ganz das Aussehen einer Löwen=Kantippe hatte. Der dem wurden der Zugführer und der Tenderbremser Herr Löwe lag inmitten von Stroh und machte auch verletzt. Das Unglück ist durch falsche Signalgebung nicht die geringe Bewegung den Beschauern gegenüverursacht worden. Dem Personenzuge war Einfahrt her. So wie sich aber einer der beiden Wärter, die erteilt worden, obwohl die von einem Rangierzüge den Eindruck gutmütiger Männer hervorriefen, in der abgekoppelten Güterwagen noch im Gleise standen. Nähe sehen ließ, fuhr der Löwe auf, grollte mit DonFür das Verschulden wird der Leiter des Fahrdienstes nerstimme und schlug mit der Tatze. Der jüngere der verantwortlich gemacht. Infolge des Zusammenstoß:s Wärter sprach ihm begütigend zu und sagte in seinem hatten bis zum Abend sämtliche Züge zumteil recht er- omüitlichem Wionerisch: Tei“4:. F. 90 hebliche Verspätungen, da eine Umsetzung an der Unfallstelle notwendig war. * Witten, 24. Jan.(Schwere Unglücksfälle.) In der Borbeck stürzte gestern eine 86jährige Greisin, Witwe Lose, als sie sich zu Bett begeben wollte, infolge eines Fehltrittes von der Treppe hergemutrich Wienerisch:„Sei stat, du alter Brummbär. Wir haben's ja nur gut gemeint mit dir.“ Der Löwe aber murrte und fauchte weiter, bis sich der Wärter wieder entfernt hatte. Und was war der Grund? Der Löwe pflegte im Käfig hin und her zu trollen. Allemal nun, wenn er der Löwen=Xantippe zu nahe kam, fauchte die ihn an, biß nach ihm und ab. Sie erlitt schwere Kopfverletzungen, denen sie im schlug ihn sogar mit der Tatze, wiewohl er ihr alle Krankenhuase erlegen ist.— Das fünfjährige Töchter= Hochachtung erwies. Auf ihre Bosheit ging er gar chen der Bergmannsfamilie Cramer in Bommern nicht ein, obwohl sie sich ihm recht empfindlich machte. machte sich in Abwesenheit der Mutter am brennenden Als die zanksüchtige Gattin es aber zu toll trieb, da Ofen zu schaffen. Die Kleider fingen Feuer, und bald griffen die beiden Wärter ein und versetzten der Löstand das arme Kind, zum Entsetzen der Hausbewoh= win einige tüchtige Hiebe. Und was geschah nun? ner in hellen Flammen. Als die in das Zimmer ein= Statt daß der Herr Gemahl das mit Damk hätte betretende Mutter das Schreckliche sah, fiel sie in Ohn=grüßen sollen, nahm er seinen weihlichen Quälgeist macht. Die Nachbarn löschten die Flammen. Das in Schutz und zeigte sich sofort den Wärtern gegenüber Kind hatte aber so erhebliche Brandwunden erlitten, stark beleidigt und entrüstet.„Es dauert allemal fast daß es sein junges Leben im Diakonissenhause zu zwei Stunden, bis er uns das vergessen hat, und wir Witten, wohin man es gebracht hatte, schon bald nach meinen es doch gut mit ihm, denn sie plagt ihn so viel,“ der Einlieferung aushauchte. erzählte mir der Wärter, als ich, befremdet von der * Burgsteinfurt, 24. Jan.(Wasserwerk.) Hier Erscheinung, nach der Ursache fragte. Mag man das und da in der Gemeinde Borghorst herrschen sehr nun Gutmütigkeit, Galanterie oder Edelsinn nennen, schlechte Trinkwasserverhältnisse. Nachdem nunmehr ein hübscher Zug war es von dem Löwen. Man sollte ursacht. 5 Mann wurden ins Garnisonlazarett gebracht. Die Entlassung dürft: in drei bis vier Wochen erfolgen. Die übrigen Mannschaften wurden alls Revierkranke behandelt. Der größte Teil von ihnen ist bereits als geheilt entlassen. Die noch nicht Entlassenen sind, weil gleichfalls nur leicht erkrankt, nur vom Außendienst befreit. Schwere Fälle liegen auch bei den Lazarettkranken nicht vor. Kriegsgericht. Berlin, 25. Jan. Eine Schießerei von Soldaten auf einen fliehenden Gefangenen beschäftigte gestern das Kriegsgericht der 17. Division. Angellgat war der Musketier Altenkirch von der 11. Kompagnie des Infanterieregiments Hamburg wegen Fahnenflucht, Vernichtung von Dienstgegenständen, Diebstahls im wiederholten Falle und Selbstbeschädigung. Die Verhandlung hatte ein besonderes Interesse dadurch, daß wegen der bei der Flucht dieses Gefangenen stattgehabten Schießerei seinerzeit lebhafte Auseinandersetzungen zwischen der Republik Hamburg und der Militärbehörde stattgefunden hatten. Der Angeklagte wurde in die zweite Klaess des Soldatenstandes versetzt und zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Verschiedene Meldungen. Köpenick, 24. Jan. In der Wohnung eines Kutschers verbrannten gestern abend in Abwesenheit der Eltern zwei Kinder durch aus dem Osen gefallene Kohlen. Kiel, 24. Jan. 45 indische Matrosen und Heizer, die für Aarhuns angemustert waren, mußten hier abmustern, weil sie die Kälte nicht auszuhalten vermögen. Explosion. Seufteuberg, 24. Jan. Nachdem bereits in der vorigen Woche in der Brikettfabrik der halleschen Pfännerschaft hierselbst eine Kohlengruben=Explosion vorgekommen war, erfolgte heute nachm. 4 Uhr abermals eine Explosion, wodurch eine Person tödlich und vier Personen schwer verletzt wurden. Das Dach ist zumteil abgedeckt. Die Feuerwehr ist augenblicklich noch bei den Löscharbeiten beschäftigt. Silberdiebstähle. Berlin, 25. Jan. Ein großer Silberdiebsthal wurde in der vergangenen Nacht auf dem Anhalter Bahnhof verübt. In der Nähe des Militärbahnhofes standen eine Reihe von D=Zugwaggons, unter denen sich ein Speisewagen befand. Auf diesen hatten es die Diebe abgesehen, die gewaltsam in den Waggon drangen und ihn fast vollständig ausraubten. 5 Personen erfroren. Brüssel, 24. Jan. Hier sind 5 Personen erfroren aufgefunden worden. Aus der Provinz werden 18—20 Grad Kälte gemeldet. Polnische Toleranz. Lemberg, 24. Jan. Die Ursache der gestrigen Ausschreitungen der ruthenischen Studenten war: Der Rektor hatte sein Wort gegeben, daß der polnische Eid für ruthenische Studenten abgeschafft werde. Als trotzdem den Ruthenen der Eid in polnischer Sprach: abgefordert werden sollte, protestierte der Student Butschynskyj namens der Ruthenen dagegen. Die ungarische Ministerkrise. Ofenpest, 24. Jan. Im gestrigen Ministerrate stand das ganze Kabinett auf des Messers Scheide. Mit dem Sturz Polonyis hätte auch Kossuth fallen müssen, der auf das nachdrücklichste für Polonyi eingetreten war. Damit wäre die Koalition gesprengt und die Krone vor neue Wirven gestellt. Diese Wendung soll man nach der„Voss. Ztg.“ auch in Wien um jeden Preis zu verhindern suchen, weil das Rekrutengesetz für dieses Jahr noch nicht bewilligt ist. In diesem Sinne brachte Graf Zichy vorgestern abend Winke des Kabinetts aus Wien mit. Ministerkrise in Spanien. Madrid, 24. Jan. Heute mittag überreichte der Ministerpräsident im Schloß die Demission des gesamten Kabinetts. Man glaubt, daß er von neuem mit der Bildung eines Kabinetts betraut und die Geschäfte weiter führen werde. in der Nähe von Borghorst gutes und genügendes Wasser erbohrt worden ist, gehen die beiden Gemeinwesen mit dem Plan um, ein gemeinschaftliches Wasserwerk zu errichten. Die Kosten sind für Burgsteinfurt auf 260000 Mk., für Borghorst auf 230000 Mk. veranschlagt. * Mülheim(Ruhr), 24. Jan.(Eine politische Debatte) mit einem tragischen Abschluß fand gestern Abend in einem Wagen vierter Klasse eines Personenzuges auf der Strecke Essen=Mülheim statt. Als das Gespräch auf die bevorstehende Reichstagswahl lam, wurden die Leute so hinig, daß sie lnich wülden, doch denken, solch ein Benehmen müßte selbst eine Löwen=Kantippe rühren. Aber wer das glaubt, kennt die Weiber— pardon, die Löwinnen nicht. Tehle Trählmetbungen. Zwei Monate Gefängnis wegen Mißbrauch von Kirche und Kanzel. Gnesen, 25. Jan. Die hiesige Strfakammer verkam H so hitzig ldaß sie tätlich wurden handelte gestern über einen aus dem polnischen Schuldam, wurden die Leute 16 2tt, bug“, ga n.—., streit hervorgegangenen Prozeß. Probst Piotrowicz und ein junger Mann wurde von seinen Er„de Kagz; wurde auf Grund der Is 110 und 130a wegen Aufforden Essenträgern so baanbeitet, daß er klaffenu., Krg, derung zum Ungehorsam, begangen durch eine Predigt wunden davontrug. Einige Mitreisende zogen bio)„ zigen Michgeliskirche, und durch in der SaNotbremse, weil sie bei der Keilerei in Gefahr kamen, in der hiengen#uchaeliskirche, Oeffentlicher Wetterdienst. Schwache östliche Winde, teils heiter, teils mebelig, trochen, kühler. Wetterbericht der deutschen Geewarte. 25. Jan: Wenig verändert, vielfach heiter. 26. Jan.: Milde, teils heiter, wolkig, strichweise Niederschläge. 27. Jan.: Ziemllich milde, wolkig, strichweise Niederschläge. 28. Jan.: Normale Temperatur, Niederschläge, vielfach bedeckt, windig. Am Eppinghofer Banhhof wurden die Namen der übereifrigen Politiker festgestellt. * Duisburg, 24. Jan.(Die Strafkammer) des hiesigen Landgerichts verhandelte heute gegen den Schneidermeister Adolf Rosendahl aus Sterkrade wegen wissentlich falscher Anschuldigeung. Wie die Verhandlnug ergab, hat der Angeklgate am 2. Mai vr. Is. chteribrerche, und birrch in der Sukristei erfolgte Verteilung auf den Schulstreik bezügliche Zettel zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Drechsler Wierbinski und Pysiekewicz zu je 100 Mk. und zwei Frauen zu je 50 Mk. Geldstrafe. Eine verfrorene Felddienstübung. Königsberg, 25. Jan. Zahlreiche leichtere Frostschäden haben sich am Montag auf einer bei Quedrau bei der Staatsanwaltschaft in Duisburg die falsche abgehaltenen Felddienstübung gemischter Truppenteile Anzeige erstattet, die beiden Polizeisergeanten Schnei= der hiesigen Garnison ereignet. Durch die unerwartet der und Schmelter seien bei einer Mietsstreitigkeit eingetretene scharfe Kälte von etwa 20 Grad wurden mit seinem Hauswirt Jakobs in seine Wohnung ein 157 Fälle von Frostschäden bei den Mannschaften verVerantwortlicher Redakteur Wilhelm Schade, Schwerte. Wr 4 Deutsch französtschen Cognac, Rum, Arrac, eümtliche Liköre a. Fruchtsäfte kaufen Sie am besten und am billigsten direkt aus der Likör- u. Fruchtsaftfabrik von FIFWilly Wilkes, Schwerte, # Brückstrasse, Ecke Hellpethstrasse. B„„„ Ge..7„n Vaterlandftt A Schwarter Thchyergig „Mit Gott, für Konig und Vateriand!“ 70 495 Da mein Sohn Konrad, ohne Grund mein Haus ver assen hat, so warne ich jedermann, auf meinen Nauen etwas zu borgen. da ich für nichts auskomme. 323 Konrad Schulze. Suche per sotort oder per 15. Februar 1907 ein tüchtiges 321 Dranger. mänder und Gabglings Verein — Schwerte. Sonntag, den 27. Januar 1907, abends 7½ Uhr beginnend: Geburtstags-Feier Sr. Majestät des Kaisers und Königs im Dienstmirchen f. Haus= u. Gartenarbeit. FrauAlbert Kaufhold. Ein fleißiges properes 27 Mädchen per sof oder 1 Febr. sucht Frau Direktor Kilb Stadtmissionssaale, hier, Kuhstrasse 7. Die Feier besteht in Ansprachen, Deklamationen, & Chor-Gesängen und Posaunen-Vorträgen. Eintritt frei!— jedermann ist freundlichst eingeladen! F 345 Der Vorstand.# f. Haus=* Gartenatbeit. osssessssssss 0 0 8 5 0 C 5 6 Schwerter Furkverein. Mitglied der deutschen Tarnerschaft. Sonnabend, den 26. d. Mts. er., Kaisersgeburtstagsfeier durch Kommers mit Damen im Vereinslokal 319„Im Reiche des Wassers“. — Beginn 8½ Uhr atends.— Der Vorstand. " iie Dellen es soll man nur in einem reellin Geschät kausen welches seit I P. Schweine##nzl. ohne jed. Knochen f. #.### fr. Nachn, inel. Verpckg. Aeine Fleischnot mohr. 193. Schweinefleisch ist prima #ne, mildges. Ware s# sttisrärsten untersucht. ## vergleichen mit Kleinkeutleisch, woran mehr m als wie Fleisch. Viele uue Kunden loben meine Ware 0 Friedr.Jensen, Hlamburg 70 6 □ □ 8 9 □ 0 0 0 □ 9 5 0 5 63 diesem Artikel ganz b.sondere Corafalt zuwendet. Doppelt gereinigte staubfreie Federn. = Starken federdichten Barchent.= 312 6 6 □ Kavallerie-Verein Schwerteie Mit glied des Preussischen Landes-Kriegerverbandes.## Geburtstagsfeier8 Sr. Majestät des Kaisers. Fest-Eissen s punkt 613 Uhr. 15 Konzert, Theater und Ball 7½ Uhr 4 4 Durch Mitglieder Eingeführte zahlen zum Theater E und Ball 50 Pfg. Entree Kameraden erscheinen in 8 8 9 * S 27 S D und Ball 50 Pig. Bat Mütze und Ehrenzeichen. Kinder unter 16 Jahren ## haben zu der Feier keinen Zutritt. P 315 65 Zu recht zahlreicher Beteiligung ladet ergebenst 1 9 en. Der Vorstand. KKEKRKRKKKKKERRRRKXN Verkaufe unter langjähriger Garantie jeden Bettes: Vollständiges 1 1 schläfiges Ober= und Unterbett mit 7 Pfund gereinigten Federn gefüllt.... 7.00 u 9,00 Mi. 6/6 Vollständiges* schläfiges Ober= oder Unterbett mit 10 Pfund □ gereinigten Feder gefüllt.... 10,00 u 12,50 Mk# Vollständiges 2 schläfiges Obee= oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigign Federn gefüllt........ 15.50 Mk. □ Der Turnverein„Jahn“, Schwerterheide feiert am Sonntag, den 27. Januar 1907, im Lekale des Herrn Heinr. Schäfer seine diesjährige durch Konzert, turnerische Aufführungen und Ball. Karten im Vorverkauf 40 Pfg., an der Kasse 50 Pig: Anfang 4 Uhr. P 320 Der Vorstand. * K * K * * * K X * X * K Samstag Morgen 9 Uhr, K) Vollständiges 2 schläfiges Ober= oder Unterbett mit 10 Pfund en in btesigen SchlachthauseO gereinigten Halbdaunen gefüllt...... A minderwertiges ndfleisch Grobes verkauft werden. Ein kleines Häuschen oder 4—5 Zimmer, wenn möglich mit Stall auf April oder früher zu mieten gesucht. K Gefl. Off. u. A R 352 an die Geschäftsstelle der „Schwerter Zeitung“ □ 0 □ 9 17,50 Ml. 4.00 Mk. E W KI gereinigten Halbbäunen gefullt 2 schläfiges# Pfühl mit 3 ½ Pfd gereinigten„Federn gefüllt...... Großes Kissen mit 2 bis 3 Pfund gereinigten Federn gefüllt 1,75, 2,10 2,50 und 300 Mk. □ Fertige 2 schläfige Strohsäcke 1.70 M. bis 2,20 M. # Bessere 1 und 2 schläsige vollständige Beiten von 50,00—120 Mk. # Auf Wuusch Füllung der Betten im Beisein der Käufer S Betten mit weniger Inhalt entsprechend billiger. " Tounttunt!=Cusso 0 Schwerte, Hüsingstr. 3. 4 Walty Wulses, Stadttor-Drogerie Schwerte a d. Kuhr. KI Täglich 20 Me. und mahr kann mon verdienen durch###lohn. Fab ikation u. Vertrieb von Neuh. tägl Massenart. Verlar gen Sie sof Katal. gratie u. funko Heinrich Heinen, Mühlheim=Ruhr-Broich. Dtreiter 1msport voree Rneen, Mosek, Saar. Bordeuug-, Süd-Weine u. Seitte kaufen Sie am besten und am hilligsten direkt aus der Wein-Grosshandlung von Willy Wilkes, Schwerte, Brückstrasse, Ecke Hellpothstrasse. Monopol bestes Universalfutter für insektentressende Vögel. ete. und Gicht=Krauke teilt unentgeltlich mit, was ihre lieben Mutte nach jahrelangen gräßlichen Schmerzen sosort vinderung und nach kurzer Zeit voll, ständige Heilung brachte Marie Grünauer München Wlggrthemerter. 11 1 Ein Ausnahme-Angebot! Allen denjenigen verehrten Bewohnern von Schwerteund Umgegend, die ab 1. Februar auf die„Schwerter Zeitung“ abonnieren, wird das Blatt von jetzt bis * einschliesslich 31. Januar kostenfreic zugestellt. Anlässlich der Reichstagswahl wird diese Vergünstigung vielen willkommen sein. Unsere seitherigen geschätzt. Abonnenten bitten wir,„ Freunde und Bekannte auf diese Vergün-V *: stigung aufmerksam zu machen..P*: 424 9 DrCege Tichsalz s's Drogerie Carl Trog. verhütet das Zufrieren von Abfluß. röhren und taut zugefrorene Röhren auf. Billigst zuhaben bei T. Weinolig. 5 b# ( Schwerte, Fernsprecher 32. Wiae Wohgücte von 2 Zimmern an ruhige Leute per 1. April billig zu vermielen Mühlenstraße 22. 226 Lärchen= und Nottannen=Stangen aller Dimensionen, Lärchen= und Nottannen=Rundhölzer für Bau= und audere wirtschaftliche Gerüststangen bis zu 20 Meter lau gibt fortgesetzt billigst ab. Gut Schwarzelühr, Kalthof bei Iserlohn. 241 — Fernsprecher: Iserlohn 313.= Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Ilustrierter Familientreund." o 0 O O O O O O O O O 0 o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Gerordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Konigl. Regierung durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechteverbindliche Kraft. o o 0 O O 0 O C C Ce o e c Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse Braus. Schwerte-Ruhr. e Pm Nr. 21 Freitag, den 25. Januar 1907. 39. Jahrg Am Wahltage, am 25. Januar, wird von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends gewählt. Verschiebt aber das Wählen nicht bis zum letzten Augenblick, sondern geht frühzeitig zur Wahl! Mit dem Schlag sieben wird die Wahlhandlung geschlossen! Nach 7 Uhr wird kein Stimmzetel mehr angenommen, auch wenn der Wähler bereits vor 7 Uhr im Wahllokal anwesend gewesen ist, wegen zu großen Andranges aber vor 7 Uhr nicht mehr an den Wahltisch herankummen konnte Also nochmals: Geht frühzeitig zur Wahl und wählt Techtsanwalt=Artt! K Kathis Revanche. Ein Küchendrama„in einem Aufzuge“ von Allwin Römer. Ein ganz klein bißchen roch es schon brenzlich in der großen Küche bei Majors. und gerade heute wäre eine kulinarische Entgleisung doppelt fatal gewesen, denn zu den Gästen des heutigen Abends zählte nicht nur der Oberst des Regiments, sondern auch dessen Vetter aus dem großen Generalstab, an dessen Gunst dem Hausherrn aus Avancementsgründen besonders gelegen wan. Aber noch ehe die erschrockene Hausfrau ihren Befürchtungen Luft machen konnte, hatte Kathi Bornhäuser schon durch einen gehörigen Bouillonguß die drohende Katastrophe beseitigt, und die kleine, ängstliche Majorsfrau hatte sich mit einem Seufzer der Erleichterung wieder verziehen können. Sie wußte ja, daß Kathi eine„Perle“ war! Freilich, wenn sie den Seelenzustand ihrer braven Bratenwenderin gekannt hätte! Kathi kochte heute nicht nur für die abendliche Festtafel, sie kochte auch vor Wut. Und daran waren zwei Briefe schuld, die ihre Schwester ihr gesandt hatte. In dem einen stand zu lesen:„Liebe Kathi! Dein Mohrchen betrücht dich mit der Fleischermamsell bei uns nebenan. Ließ dich diesen Brief durch und du weißt alles. Gruß. Deine Schwester Bertha.“ Das andere Schreiben aber zeigte wahrhaftig die nicht gerade in Parade=Richtung stehenden Schriftreihen„Mohrchens" und lautete folgender=maßen: „Geliebtes Freilein Anna! Was Sie denken, is warraftig nich. Ich lieb: aus ganze tiefste Seele nur Ihnen. Die Kathi bei Majors ziehe ich nur an der Nase rum, weils mich Spaß macht. Aber Ihnen heirate ich, sowie ich los komme zum Herbst. Ich weiß auch schon ein geschäft, was wir billich kriegen. Monatlich blos 40 Ladenmitte. Und vill Kundschaft. Dinnstag um neun hole ich Ihnen wieder ab und hoffe, sind nu ruig und wieder gutt. Gruß und Kus ihr treier Moritz Fabian“. Jener Dienstag aber, an dem„Mohrchen“ die Anna, die„Wurstliese", um neun abholen wollte, war heut. Sicher würd: er sich aber vorher noch zu ihr in die Küche stehlen, da er genau wußte, wann bei Majors für seinen Appetit etwas abfiel. Kathi hatte Selbstbeherrrschnug. Und so ingrim mig sie auch an den treulosen Heuchler dachte, so gewissenhaft überwachte sie trotzdem den Werdegang leckeren Dinge, die nachher auf die Tafel sollten. Soeben tat sie mit weiser Hand noch eine Prise Pastetengewürz an die Bratensauce, als nach einem kurzen, dumpfen Poltern und Rollen plötzlich eine Stimme in der Küche laut wurde, die aus der Wand heraus, beinahe unterirdisch. „Machen Sie auf, Fräulein Kathi,“ sagte die Stimme. Ktahi bekam zuerst einen unheimlichen Echreck. Aber dann trat sie hurtig an den Aufzug, der zum Transport der Speisen in die oberen Räume diente, und schob die Tür auf, aus der die Ordannanz stieg, die aus dem Offizierskasino zum Servieren herüberbefohlen war. „Wie können Sie blos, Möbes!“ sagte sie kopfschüttelnd zu dem lachenden Passagier.„Das hält doch so'n Ding nicht aus?“ „Keine Angst, Fräulein Kathi! Was glauben Sie denn, wie das Haus hier noch der„Blaue Engel“ war, was wir manchmal da reingepackt haben?" Er war nämlich Kellner und hatte im„Blauen Engel“ gelernt.„Aber, was ich sagen wollte: Es fehlen oben noch Salzlöffelchen!“ „Hergott, die hab' ich doch richtig vergessen!“ rief die Küchenfee und lieferte ihm die kleinen silbernen Schaufelchen aus. Darauf kletterte er in den geräumigen Aufzug zurück, aus dem er die bretterne Zwischenlage herausgenommen hatte und ließ sich von der Köchin durch ein paar kräftige Griffe am Seil wieder in den Speisesaal hinaufexpedieren Kathi hatte ihm lange sinnend nachgeschaut. Eine Stundespäter war die Tafelei im besten Gange. Kathis Kunst fand allgemeine Anerkennung; von einer Kräutersaue verlangte der Stabsoffizier, der ein kleiner Lukullus zu sein schien, sogar das Rezept. Möbes wurde darnach hinuntergeschickt. Er ging diesmal auf regulärem Wege über die Treppe, nicht ohne eine Flasche Burgeff als Huldigung für die Beherrscherin der unteren Räume mitgehen zu heißen. Darin hatte er eine garadezu boskowitische Fertigkeit, die er durch einhalb Fasan belohnt zu sehen hoffte. Leider fand er Kathi nicht allein. Der Bursche des Obersten, Moritz Fabian, saß auf einem der Küchenstühle und knabberte an einem Bratenknochen herum, während Kathi bemüht war, ihm eine Wurst von unheimlichen Dimensionen in eine seiner Hosentaschen zu pfropfen. Reserviert hielt er die Sektflasche hinter sich. Kathi hatte indes seine Liebesgabe schon bemenkt, nahm sie ihm mit einem raschen Griff ab und versprach ihm eine Gegengabe, wenn ex das Rezept holle. Uebellaunig ging Möbes wieder ab. Diese verliebte alte Trottel gab den schönen Sekt jetzt sicher auch noch an den Windhund von Fabian. Und er hatte sich nicht getäuscht. Kathi praktizierte mit vieler Mühe auch die Sektflasche in eine der Taschen Mohrchens, wo sie mit ihrer Goldkapsel neugierig über den Wulst herausragte, wie das Wurstende auf der Gegenseite. Aber„Mohrchen“ tröstete sich damit, daß es draußen stockfinster sei, denn er hatte nicht einmal Urlaub. Im Gegenteil: es war ihm von seinem Herrn auf die Seele gebunden, Kleopatra, die eine Entzündung am rechten Vorderbein hatte, nicht zu verlassen. Aber der Herr Oberst saß ja droben an der Tafel und kam vor Mitternacht nicht heim. Bis dahin konnte Wenzel Kaschwarrek des Kühlens schon allein besorgen! „Schade, daß du den ganzen Abend hier in der Küche schuften mußt, Kathi!“, sagte er jetzt, nach der Küchenuhr schielend, die auf dreiviertel Neun zeigte. Kathi wußte, was der Blick zu bedeuten hatte. „Mußt du schon fort, Mohrchen“, fragte sie gleiß merisch.„Das ist schade! Aber nimm dir wenigstens noch ein paar Apfelsinen mit!“. Und behend packte sie ihm ein hhalbes Dutzend dieser Früchte in den Vorder zipfel seines Uniformrockes, sodaß er mit beiden Hän den zufassen mußte, wenn er sie nicht davonrollen lassen wollde. Nun aber richtete sie sich erschrocken auf: „Herrgott, da kommt wer die Trepp runter! Wenn das blos nicht die Gnädigste ist!“ rief sie halblaut. „Verflucht!“ knirschte Mohrchen und sprang auf, trampfhaft den Rockzipfel haltend.„Ich gehe in die Abbwaschrammer!“ „Nein, hier hinein!“ flüsterte Kathi und schob ihn zum Aufzug hin.„Da vermutet sie dich nicht! Das Brett nehme ich raus so lange! Aber flink!“ Und ov es iym unheimlich deuchte, er wurde in ven engen Holztasten hineingeorangt und durch die Schieberur für eine Weile in schwarzeste Finsternis versetzt. Angestrengt horchte er. Aber er konnte keinen Laut vernehmen, bis Kathis Stimme plötzlich aufschnallte, kreischend, wie von einem wilden Triumph gesättigt: „Achtung! Der Pudding kommt!“ rief sie durch das Sprachrohr, und plötzlich setzte sich der Kasten, in dem er stand, in gleitende Bewegung. Höher und höher fühlte er sich gehoben. Dann gab es einen Ruck und wie durch Zauber umflutete ihn eine magische Lichtfülle. Die Herrschaften an der Tafel waren verstummt. Zwanzig Augenpaare sah er auf sich gerichtet, und das war ihm, als ob es tausend seien. „Fabian, Himmelhund infamer!“ klang jetzt eine Stimme auf. Das war die Stimme seines gestrengen Obersten. Zitternd ließ er den Uniformzipfel fahren, sodaß die Apfelsinen wie Billardtugeln über das Parkett rollten, und sah tiefsinnig auf den goldenen Hals der Sektflasche und die, ach, viel zu lang geratene Schlackwurst. Von dem Donnerwetter, das sich über ihn entlud, verstand er nur, daß er„acht Tage in den Kasten“ spediert werden sollte und dann in die Schwadron zurück mußte. Als er endlich, von einem Gelächter geleitet, aus dem festlichen Saale wanken durfte, erschien wie ein Geist der Rache Kathi in der Flurtür. Ihre Augen funkelten ihn an und kopfnickend und voller Hohn bemerkte sie: „Grüß nur Fräulein Anna hübsch, Mohrchen, wenn du sie abholst! Aber bestelle ihr auch: Diesmal habe ich dich an der Nase rumgeführt!“ Geknickt schob er sich aus der Haustür. Und damit ging auch Kathis Revanche, ein Küchendrama„in einem Aufzuge“ zu Ende. Westfalen und Rheiuland. * Hagen, 24. Jan.(„Mark“) Im Hinblick auf die durch einen Teil der Presse gehenden Mitteilungen, die unter Angaben von Einzelheiten melden, daß in der Aufsichtsratssitzung des Kommunalen Elektrizitätswerkes„Mark“ am Samstag die endgültige Entscheidung über das Verbandselektrizitätswerk gefallen sei, teilt der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Erster Bürgermeister Cuno mit, daß von endgültigen Zahlen noch keine Rede sei, die ganze Frage sich vielmehr noch in dem Stadium der Vorbesprechung befinde. Wären in dieser Sitzung so schwerwiegende Beschlüsse gefaßt worden, wie die Zeitungsberichte sie darstellen, so hätte vorerst auch die hiesige Stadtverordnetenversammlung dazu Stellung nehmen müssen. Für das Kommunale Elektrizitätswerk Mark handelt es sich augenblicklich im wesentlichen daraum, ob das Werk sofort mit dem Bau der eigenen Zentrale beginnen oder man warten soll, bis die Verhandlungen mit dem Rhein.=Westf. Elektrizitätswerk abgeschlossen sind. Der Aufsichtsrat des Kommnualen Elektrizitätswerks Mark war der Ansicht, daß man letzteres erst abwarten solle. Die Schwierigkeiten liegen darin, daß man am 1. Oktober nicht mit der Stromlieferung beginnen kann, wenn der Bau verzögert wird. Ein Hinausschieben des Baubeginns ohne Verzögernug in der Stromlieferung war nur dadurch zu erreichen, daß Mark mit Dortmund und dem Elektrizitätswerk Westfalen=Bochum einen Vertrag einging, wonach diese beiden sich verpflichten, dem Kommunalen Elektrizitätswerk Mark vum 1. Oktober 1907 ab zu einem bestimmten, von Mark festzusepzenden Preise Strom zu liefern und diese Lieferung auch beizubehalten für den Fall, daß die Verhandlungen mir dem Rhein.=Westf. Elektrizitätswerk scheitern. Der Verpflichtung von Dormund und Westfalen=Bochum gegenüber müsse Mark die Verpflichtung übernehmen, nicht erwa Sondetwerhandlungen mit dem Rhein.=Westf. Elektrizitätswerk zu führen. Die Grundstücke in Herdecke sind angekauft worden, um sich für alle Fälle zu sichern, damit ein Grundstück vorhanden ist, wenn etwa in 10 oder 15 Jahren doch noch eine eigene Zentrale gebaut werden muß. * Annen, 23. Jan.(Einen schlechten Streich) spielte man dem Bergmann A. aus Ende bei Annen. Vor einigen Tagen erhielt er einen Totenbrief, wonach sein Bruder in Elbeufeld gestorben sei und die Beerdigung am gestrigen Tage stattfinde. A. begab sich nun gestern mit einem Kranz nach Elberfeld, doch wie erstannt war er, als er dort seinen vermeintlichen „toten“ Bruder noch gesund und wohlbehalten antraf. Hoffentlich wird der Urheber dieses schlechten Streiches bald ermittelt, damit der wohlverdiente Lohn nicht ausbleibt.— * Wattenscheid, 24. Jan.(Teuerungszulage.) Die Stadtverondneten haben beschlossen, sämtlichen städtischen Beamten und Lehrträften des Gumnasiums und der höheren Mädchenschulen eine zehnprozentige Teuerungszulage mit Wirkung vom 1. April des vor. Irs. an zu gewähren. * Unna, 2 Jan.(Eine ernste Mahnung für Radfahrer) bildet ein Prozeß, welcher dieser Tage vor der Zivilkammer des Dortmunder Landgelichts zur Entscheidung leangte. Sehr oft kann man in der Dunkelheit Radfharer beobachnen, welche ohne brennende Laierne durch die Straßen fausen. Vor etwar zwei Jahren wurde ein hiesiger Schreinermeister in der Kaiserstraße von einem ohne Laterne fahrenden Radfahrer umgerissen und erheblich verletzt, sodaß der Mann monatelang arbeitsunfähig war und auch jetzt noch nicht richtig wieder zugreifen kann. Trotzdem der Radfahrer weiterfuhr, ohne sich um den Verletzten zu kümmern, gelang es letzterem doch, den Radfahrer in einem Bewohner von Bergkamen=Oberberge zu ermitteln. Da dieser jeden billigen Vergleich, zu dem der Verletzte bereit war, ablehnte, so kam es zum Prozeß. Das Landgericht Tortmund erkannte den Schadeuersatzanspruch für begründet an, da der Radfahrer ohne Laterne gefahren war, und verurteilte den Radfahrer zur Zahlung von rund 800 Mk. für bis jetzt entstandene Kurkosten usw., vorbehaltlich etwalger weiterer Ansprüche des Verletzten für sich bemerkva: machende dauernde Nachteile. * Hamm, 23. Jan.(Ankauf der Straßenbahn.) Seit langem verhandelte bekanntlich eine gemischte Kommission mit Vertretern der SiemensSchuckertwerke über den Ankauf des hiesigen Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn durch die Stadt. Am Freitag waren die Verhandlungen zum Abschluß gekommen. Am Samstag hat der Aufsichtsrat des Werkes dem Angebor der Stadt zugestimmt, ebenso hat der Magistrat beschlossen, für den festgesetzten Preis von 1600000 Mark den Ankauf zu tätigen. Daß die Stadtverondneten in ihrer Sitzung am kommenden Mittwoch dem Beschlusse zustimmen, ist zweifellos. Dann geht die Straßenbahn und das Werk am 1. April 1907 in städtischen Besitz über. * Plettenberg, 23. Jan. In der Fabrik von Vieregge geriet der Arbeiter Martig in die Welle und wurde mehrmals herumgeschleudert; er war sofort 1oi. * Münster, 23. Jan.(Vor dem Schwurgericht) hatte sich der Bahnarbeiter Hermann Reher aus Herbern zu verantworten, der mit einem Rade durch das ganze Münsterland zu fahren pflegte, um Frauen und Mädchen in unsittlicher Weise zu belästigen. Den Geschworenen wurden 24 Hauptschuldfragen (nebst einer fast ebenso großen Zahl von Unterfragen) vorgelegt, die sich auf vollendete und versucht: Verbrechen wider die Sittlichkeit bezogen, ferner auf vollendeten und versuchten Straßenraub, vollendete und versuchte räuberische Erpressung, sowie Erregung öffentlichen Aergernisses. Das Urteil wurde erst in später Nachtstund: gesprochen; es lautete auf 15 Jahre Zuchthaus. * Odenkirchen, 23. Jan.(Wundarbare Rettung.) er Unglücksfall, bei dem, wie berichtet, durch eine leichtsinnige Spielerei mit einem Revol## seitems einer Frau ein zweijähriges Kind in den Kopf geschossen wurde, hat auf ganz überraschende Art und Weise ein gutes Ende gefunden. Die Kugel, die dem Kinde an der Nasenwurzel in den Kopf eingedrungen war, hat sich rasch gesenkt, ist in den Mund des Kindes geraten und wurde heruntergeschluckt. Jetzt ist sie bereits auf narürlichem Wege aus dem Körper des Kindes entfernt worden, sodaß keinerlei Lebensgefahr mehr besteht. * Trier, 23. Jan.[Die Strafkammer) verurteilte einen hiesigen Kaufmann wegen Erpressungsversuchs zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Der Angeklagte war im Besitze von verschiedenen Briefen, die eine Dame aus besserer Famlie vor 10 bis 12 Jharen an einen ihr nahrstehenden jungen Mann geschrieben hatte. Wie er in den Besitz der Briefe gelangte, ist nicht völlig ausgeklärt. Wiederholt wandte er sich an die Dame mit dem Verlangen, die Briefe gegen ein Endgelt einzulösen. Schließlich wurde Anzeige bei der Staatsanwlatschaft erstattet, die dann eine Haussuchung bei dem Angeklagten vornehmen und die erwähnten Briefe beichlagnuhmen ließ. Wie es in einen Hotel für Frauen zugegangen— sein soll. Man schreibt der„Frbf. Ztg.“ aus New=Yorf: Das „Martha=Washington=Hotel für Frauen“ muß nach zweijährigem Bestande die Türen schließen. Schon bei der Gründung prophezeiten Leute, die sich als Kenner der weiblichen Natur gerierten, allerlei Unheil. Frauen wollten under keinen Unständen dauernd unter sich sein, meinten die Zweifler, und wenn wirklich eine Frau einmal sich den Anschein gäbe, den Mann zu #ltehen, geschähe dies nur, um der Aufregung teilhaftig zu werden, die darin bestehe, sich von im verfolgt zu sehen. Trotz dieser Unkenrufe trat das„MarthaWafhington“ ins Dasein. Die einzigen mänlichen Personen in dem großen Gebäude waren ein Hausknecht und der Dampfmaschinist im Souterrain, andere Personal war weiblichen Geschlechts, selbst der glift boy“ war ein„lift girl“. Anfangs schien es, als ob die Zweifler Lügen gestraft werden sollten. Von allen Seiten strömten die Damen herbei. Nur sehr wenige waren darunter, die in einem Berufe tätig waven, die hohen Preise erlaubten es nur fianziell unabhängigen Frauen, die Anwehmlichkeiten des Hotels zu genießen. Diese Damen schienen aber darauf gewartet zu haben, daß dieser Zufluchtshafen sich ihnen eröffne. Sie eilten zu Dutzenden herbei, alle in der fröhlichsten, selligsten Srimmung, denn nun war jede„Gastin“ sicher, das was si: über irgend eine andere Gefährtin unter diesem gastlichen Dache wisse, ohne Schwierigkeit an den Mann oder vielmehr an die Frau bringen zu können. Vollgepfropft mit Kenntnissen über die Vorgeschichte anderer Insassinnen dieses trauten Frauenheims, fast zusammenbrechend unter der Bürde ihrer Information, brannten die Damen darauf, ihre Wissenschaft kundzutun. So einen Kaffeeklatsch, wie er sich dort entwikkelte, hat ihn die Welt noch nie gesehen: „Aber meine Liebe, gestern bemerkte ich, daß Sie mit Frl. L. vom dritten Stockwert frühstückten. Wissen Sie nicht, daß ihr Großvater im Irrenhause starb, ihr Vater das Delirium hatte nud ihre Cousine ein unehrliches Kind hat?“ „Wie können Sie nur mit der Frau W. so intim verkehren? Ihr Mann hat sich wegen ihrer Vorliebe für andere Männer erschossen, und jetzt hat sie einen reichen Automobilfabrikanten am Bändel, nun, Sie wissen ja.“.. „Schauen Sie doch, dort geht die Frl. B., die sicher schon 35 ist, nud sie hat knallrote Blumen auf dem Hut! Ist es nicht ein Skandal? Ihre Mutter soll übrigens nichts wert gewesen sein, aber was ich Ihnen jetzt erzähle, ist privat unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit.... Und so ging es den lieben langen Tag. Die Reihe der dauernden Gäste wurde immer dünner; denn es gab bittere Fehden, die mit dem plötzlichen Abzug einer, häufig auch beider Parteien endeten. Dafür pflegten die Zurückgebliebenen aber alsbald zahlreiche Besuche zu haben. Selten haben Frauen so viele Cousins aufweisen können, wie die Damen in diesem Hotel. Wenn der Cousin etwas älter war und in einem Automobil kam, war es ein Onkel. Gelegentlich sah die Hotel=Office aus wie ein politisches Hauptquartier, so viele Leute im Zylinder harrten dort. Die allerältesten Jahrgänge der Insassinnen flohen nun. Inzwischen mußten die Leiterinnen des„Martha=Washington“ so ziemlich alle Monate gewechselt werden. Bei einigen sollen sich bedenkliche Nervenstörungen eingestellt haben, eine ist sogar, wie es heißt, in einer Gummizelle, wo sie angeblich unablässig ausruft: „Ich weiß nicht, warum heute kein heißes Wasser in meinem Zimmer läuft— die Handtücher in diesem Hotel werden immer kleiner— das Zimmermädchen im dritten Stock ist das unverschämteste Ding auf der Welt— Ich verlange sofort das Beschwerdebuch usw. Jetzt wollen di: Direktoren das Hotel in ein Hotel gewöhnlichen Stils umwandeln mit„Bar" Wein, Schnaps, Bier, Tabak und Männerkundschaft, und dann dürften sich die Damen in dem gewesenen Hotel für Frauen wieder wohler fühlen. Gegen diese Schilderung, besonders gegen die Zumurtung, daß„Cousins“ und„Onkels“ ins Hotel gekonnnen wären, erheben allerdings einige amerikanische Damen erbitterten Einspruch. Buchertisch. Am 12. März d. J. werden es 300 Jahre, daß Paul Gerhardt geboren und in ihm der dautschen evgl. Kirche ihr größter Liederdichter nach Luther geschenkt worden ist. Aus diesem Anlaß erschien in dem unterzeichneten Verlag: Paul Gerhardt und seine Lieder. Ein Gedenkblatt zum 300jährigen Geburtstage Paul Gerhardts von Gottfried Ehrecke, Hauptlehrer. Mit zahlreichen Illustrationen. Preis: 30 Pfg., 10 Ex. a 25 Pfg., 30 Ex. a 20 Pfg., 100 Ex. a 15 Pfg. Der Verfasser bietet hier Alt und Jung ein echt volkstümlich gehaltenes treues Charakterbild des Dichters, wie es sich in seinem vielbewegten Leben und seiner segensreichen Wirksamkeit zeigt. Besonders hat er#es sich angelegen sein lassen, nachzuweisen, wie die Lieder des gottbegnadeten Sängers mit seinen ebensschicksalen verflochten und aus seiner Glaubensstärke und Gemütstiese geflossen sind. Verleiht schon das dem Büchlein seinen eigenartigen Wert, so ist der Preis— trotz der zahlreichen Illustrationen und der hübschen Ausstattung— zugleich so billig gefetzt, daß sich eine Vertetlung an Gemeindeglieder, insbesondere an die Koufirmanden sund in dem Schulen am 12. März ermöglichen läßt. Der Partienpreis kann übrigens nur beim direkten Bezuge vom Verlag bewilligt werden. Wir zweifeln nicht, daß das Schriftchen allenthalben die günstigste Aufnahme finden wird. Buchhandlung Fr. Zillessen, Berlin C. 19, Wallstr. 17 18. Vermischt.s. Itzehoe, 23. Jan. Eine heftige Typhus=Epidemie wütet in dem Orte Reher, wo gegenwärtig 70 Personen an Typhus darniederliegen. Ein besonders trugischer Fall ereignete sich dieser Tage. Ein von der Krankheit ergriffener Ehemann lag mehrere Tage lang bewußtlos und als er endlich aus diesem Zustand enwachte, mußte er erfahren, daß inzwischen gleichfalls seine Ehefrau erkrankte, gestorben und bereits begraben sei. Bald darauf verschied er auch Zwickau, 24. Jan. Eine merkwürdige Theater geschichte hat sich an unserem Stadttheater abgespielt. Am letzten Samstug sollte in der Braut von Messina die Schauspielerm Hilde Ruhland vom Ulmer Stadttheater eine Gastrolle auf Anstellung geben. Sie kam und spielte— unter uller Kritik, obwohl ihr ein geradezu glänzender Ruf vorausgeht. Als die ganz verhlüffte Direktion sich nun etwas eingehender mit den Personalien der„Künstlerin" beschäftigte, machte sie die selisame Entdeckung, daß man ihr einen falschen Gast untergeschoben hatte. Hilde Ruhland hatte ihrer Schwester Margarethe, einer jungen Anfängerin, das Vertreten der Künstlerlaufbahhn etwas erleichtern wollen. Die hiervon wenig erbaure Theaterdirektion will nun klagen. Marktpreise. Schwerte, 24. Jan.(Wochenmarktsbericht.) Kamtoffeln per Ztr. 0,00—3,50 Mk., Butter per Pfd. 1,30 bis 1,40 Mk., Eier 10 Stück 1 Mk., Rindfleisch per Pfd. 00—80 Pfg., Schweinefleisch per Psd. 90 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 90 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 85 Pfg., geräuch. Speck 90—100 Pfg. Neuß, 23. Jan. Fruchtmarkt. Weizen, prima 18,00, zweite Sorte 17,00 Mk. Roggen, prima 16,00, zweite Sorte 15,00 Mk. Haser, prima 16,80, zweite Sorte 16,50 Mk. für 100 Kg. Kleien 5,70 Mk. für 50 Kg. Köln, 23. Jan. Rüböl(in Posten von 5000 Kg.) 70,00 B., Mai 65,00 B., 64,50 G.— Fruchtmarkt. Heu 5,30- 7,0: Mt. Maschinenstroh(Roggen) 4,20 Mk. Richtstroh(Flegeldrusch) 4,990 Mk. Krummstroh 3350 Mark Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Steckbriefs=Erledigung. Der gegen den Rekruten Robert Owsiang, geboren am 13. 4. 1884 zu Dammbisch, Kreis Lissa, wegen Fahnenflucht unterm 1. Dezember vor. Irs. erlassene Steckbrief wird aufgehoben. Dortmund, den 12. 1. 07. Bezirks=Kommando II Dommund. J. A. d. B.=K.: gez. Sieg. Hauptm. z. D. und Bezirksoffizier. Für die Richtigkeit: Naumann. Oberleutnant und Adjutant. Stadttheater Dortmund. Freitag, den 25. Jan.: Serie C, Nr. 30 Gelbe Karten. Anfang 7,30 Uhr 2. Vorstellung im Lustspiel Cykus. Zum 1. Male:„Die deutschen Kleinstädter". Lustspiel in 4 Aufzügen von August v. Kotzebue. Sonnabend, din 26. Jan.. Bei aufgehobenem Abonnement(Fuhreskarten gültig) Zur Vorfeier des Geburtstages Sr Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Galavorstellung bei festlich erleuchtetem Hause.„Die Königin von Saba“. Große Oper mit Ballet in vier Aufzügen von Karl Goldmark. Königin Frau Rüsche=Endorf vom Kgl. Hoftheater als Gast Sonntag, den 27. Jan: Vormittags 11 Uhr. Vierte literarische Matinze. Zum 1. Male„Derverlorene Varer“,(Vou never cau tall). Komödie in vier Aufzügen von Bernhard Shaw. Nachmittags 3.30 Uhr Volksvorstellung zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II volkstümliche Preise. Zum 1. Male„Zopf und Schwert“ Historisches Lustspiel in fünf Aufzügen von Karl Gutzkow. Abends 7,30 Uhr Bei aufgehobenem Abonnement(Jahreskarten gültig). Bei festlich erleuchtetem Hause„Die Geisha.“ Eine japanifech Teehausgeschichte in drei Aufzügen von Sidney Jones. Stadttheater Barmen. Freitag, den 25. Jan.: Anfang 7,30 Uhr. Operupreise. „Maibeth". Trauerspiel in fünf Aufzügen von William Shakespeare. Samstag, den 26. Jan.: Nachm. 3 Uhr. Ganz kleine Preise. Zum letzten Male„Prinz Dummrian“ Abends 8 Uhr: Unbestimmt. Sonntag, den 27. Jan.: Nachm. 3 Uhr. Kleine Opernpreife.„Frühlingsluft". Operette von Josef Strauß. Abends 7 Uhr:„Fra Diavolo“, Komische Oper in drei Akten von Auber.