el. 12 9½ Pfe. 3½ Pfe. 6 Pfg. 25 M s 1 50 pfg. haus. g. 5 derr. Oitel dauernde ecker, Amtliches Rreisblatt h Ammmmmmmren Wiun eiserkeil Kaöttich, el-Boubon lie ichfl. RERRR Kahlköpfigkeit! wieder viel erprobten messel=Ipiritus che mt„Wendelgt den Haarboden, aarausfall, beförche ungemein das na=Milch à M. 1.50. ogerien, Parfämer. Rünchen. lein, Carl Trog, 268 Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famillenkreund." o O O O O O O O O O O O 0 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum “ s o P f., A n z e i g e n v o n a u s w ä r t s I s P f., R e k l a m e z e i l e 4 0 P f. 25 Erstes und ältestes Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o ooooooccoooe9 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Ruhr. e Nr. 17 Montag, den 21. Januar 1907. 39. iten, uu eechhenssemse b Kationale Feerschau in Schwerte und Westhosen. Herr Port, das ist der rechte Mann, Den wollen nach Berlin wir senden!! Zur Wahl tret' jeder Deutsche an, Dann wird die Wahlschlacht siegreich enden. Das Vaterland vor der Partei! Sei unser aller Feldgeschrei. Und glänzend siegt die gute Sache, Und über Dortmund=Hörde wieder Weht stolz die schwarz=weiß=rote Flagg:. Auf! Holt den roten Lappen nieder! W. Sch. Nationale Wählerversammlung in Schwerte im Reiche des Wassers. Schwerte, den 20. Januar. Wer die außerordentliche Teilnahme zu beobachten Gelegenheit hatte, welche die in der verflossenen soche stattgesundenen Vertrauensmänner=Versammlungen der nationalliberalen Partei fanden, der konnte nicht im Zweifel sein, daß sich die große öffentliche Wählerversammlung der Partei zu einer gewaltigen Heerschau gestalten würde, wie sie Schwerte wohl kaum je zuvor gesehen hatte. Daß aber der große Saal„im Reiche des Wassers“, nicht imstande sein sollte, alle Besucher zu fassen, die kommen würden, um die Programmrede des nationalliberalen Kandidaten hören, das haben wohl viele selbst in der Wahlbewegung an der Spitze stehmden Anhänger der nativnalen Kandidatur nicht erwartet, wenigstens nicht in dem Maße, wie es am gestrigen Sonnabend eingetreten ist. War doch der große Saal nicht nur bis auf den letzten Platz besetzt, mußte doch nicht nur die Galerie die immer wieder zuströmenden Besucher aufnohmen und außerdem zahlreiche Leute mit einem bescheidenen Stehplätzchen in drangvoll fürchterlicher Enge vorlieb nehmen, nein, es mußtem auch leider viele wieder umbehren, die keinen Einlaß mehr finden konnten. Wenn dieser beispiellos zahlreiche Besuch zu leiwem Rückschluß auf die am 25. Januar zu erwartende Wahlbeteiligung berechtigt, so kann es um unfere gute nationale Sache nicht schlecht bestellt sein und die nationalliberale Partei kann auch in unserem Wahlkreise mit Zuversicht und guter Hoffnung der Wahlschlacht entgegensehen. Nachdem unser Reichstagskandidat, Herr Rechtsanwalt Porck=Dortmund mit einiger Verzögerung, deren Ursache ein im lokalen Teil näher mitgeteilter Automobil=Unfall war, eingetroffen war, eröffnete der Vorsitzende des hiesigen nationalen Wahlvereins, Herr Justizrat Backhausen, die überaus zahlreiche impofante Versammlung, in der nach Aussag: des Wirtes weit über 1000 Wähler anwesend waren, mit einer skurzen Ansprache, in der er für das so zahlreiche Erscheinen dankte und den Kandidaten, Herm Rechtsanwalt Pork, begrüßte. Er schloß mit einem Kaiserhoch, das, von den vielen Hunderten im Saale aufgenommen, machtvoll dahinbrauste. Dann mahm unser Reichstagskandidat, HHerr Rechtsanwalt Port, das Wort. Es ist uns bei der Fülle der prächtigen, überzeugenden Ausführungen, die der hochinteressante Abend bot, selbstverständlich unmöglich, die einzelnen Reden ausführlich oder har im Wortlaut wieder zu geben, wir müssen uns auf die Angabe des wesentlichen Inhaltes beschränken. Herr Pork führt: etwa folgendes aus: Er stehe auf dem Boden der nationalliberalen Partei. Für seine Person wäre er lieber in seiner Pottgasse in Dortmund sitzen geblieben, aber der Ernst der Situation erfordere Opfer zu bringen. Selbstverständlich sei er jetzt mit Eifer dabei, das zu tun, was von ihm verlangt iverden könne, um die nationalle Kandidatur zum Siege zu verhelfen. Redner geht sann über zur Reichstagsauflösung und deren Ursache. Er verteidigt die Bestrebungen des Reichs auf Beibehaltung der Kolonial= politik, wobei er zugibt, daß in der Verwaltung der Kolonien die gröbsten Fehler vorgekommen. Würd: man aber im Reichstage der nationalen Forderung entsprochen haben, mit der Ausrüstung der Kolonial= truppen nicht das Kolonialamt, sondern die Heeresoder Marine=Verwaltung zu betrauen, so wäre man nicht der Berliner Apotheke von Tippelskirch u. Co. in die Finger gefallen, und viel Erbitterung wäre dem deutschen Volke erspart geblieben. Die angeblich in den Kolonien vorgekommenen Grausamkeiken haben sich nicht beweisen lassen und sind diese Vorwürfe seit dem Eintreten Dernburgs in die Kolonial=Verwaltung auch vollständig verstummt, ein Beweis, daß die Berichte bedeutend daneben geschossen haben. Er bespricht sodann den Aufstand in Südwestafrika, der indirekt zur Auflösung des Reichstages geführt hat. Die Ablehnung des geforderten Nachkredits sei nicht aus sachlichen Gründen erfolgt. Bis 1884 hätten wir, so führt: Herr Pork weiter aus, keine Kolonien gehabt, der Alt=Reichskanzler sei darin sehr zurückhaltend gewesen, als er aber einmal erkannt habe, daß unsere Großmachtstellung infrage kam, griff er schnell und entschlossen zu. Jetzt umfaßt unser Kolonialbesitz di: fünfeinhalbfache Größe Deutschlands mit 12—13 Mill. Einwohnern. Redner streift sodann. eine Broschüre Erzbergers, die von Anfang bis zu Ende auf Unwahrheiten benuhe, und kennzeichnet die Verlegenheit des Zentrums im jetzigen Wahlkampf, da es ihr an einer geeigneten Wahlparole fehlt. Wir wollten kein persönliches Regiment, am allerwanigsten aber ein Parteiregiment. Es wäre die höchst: Zeit gewesen, daß die Machtstellung des Zentrums gebrochen worden; jeder Deutsche habe, wie von einem Albdruck befreit, erleichtert ausgeatmet und die Kunde von der Reichstagsauflösung habe einen lebhaften Widerhall weit über Deutschland hinaus gefunden. Zur Sozialdemokratie übergehend, streift er die soziale Gesetzgebung, bei der diese Partei vollständig abseits gestanden hat, indem sie sämtliche sozialen Schutzgesetze, die zur Arbeiterfürsorge bestimmt waren, abgelehnt. Aus dem sozialdemokratischen Organ der Zimmerer, einer gewiß unverdächtigen Quelle, stellt Redner fest, daß selbst im abgelausenen Jahre der Fleischteuerung eine Verbesferung der Lebensstellung der Arbeiter, sowie eine zumehmende Steigerung der Löhne stattgefunden habe, wie auch eine weitere Erhöhung der Sparkassen=Einlagen zu verzeichnen gewesen. Die nationalliberale Partei wäre stets dafür, daß den Arbeitern durch ihre Fachvereine die Möglichkeit geboten werde, ihre Lage zu verbessern; auch er selbst stehe auf diesem Standpunkte; müsse es aber bekämpfen, daß die Fachvereine zu politischen Zwecken ausgebeutet würden, wie das die Sozialdemokraten versuchen. Er kommt dann noch kurz auf die Gesetzvorlage betr. die Rechtsfähigkeit der gewerblichen Berufsvereine zu sprechen, die noch vieler Verbessenungen bedürfe, vorläufig aber bei der Reichstagsauflösung in den Orkus versenkt worden. Zur„Naturgeschichte“, der Sozialdemokratie übergehend, bemerkte Redner, daß Lasalle, der Gründer der Sozialdemokratie, auf dem Boden der nationalen Politil gestanden habe. Aber wie das in der Regel sei, so hätten auch hier die radikalen Elemente die Oberhand gewonnen. Treffend widerlegt Herr Pork dann das stets noch fortgesetzte Geschrei von der Verelendung. Die Gewerkschaften seien in der Lage, Prunkbauten, die Millionen kosten, zu errichten, und die Auswanderung sei trotz der starken Zunahme der Bevölkerung, wie selbst Bebel zugebe, von 221000 Personen im Jahre 1881 aus 30—35 000 im Jahre 1905 zurückgegangen. Das gleiche, mämlich daß die arbeitende Bevölkerung gerade im Deutschen Reiche sich wohl fühlt und daß es ihr besser geht, als irgendwo anders, beweisen die Sparkassen=Statistiken. Nachdem Redner die lächerlichen Behauptungen von Bebels Zukunftsstaat gekennzeichnet, geht er dazu über, was auf sozialem Gebiete noch für die Arbeiter zu tun sei, daß die nationalliberale Partei daran, wie auch bisher, mitarbeiten wolle. Die Bestrebungen der Privatbeamten fanden in Herrn Pork einen warmen Freund, desgleichen sprach er die entschiedene Ansicht aus, daß für den gewerblichen Mittelstand mehr wie bisher getan und insbesondere der unlautere Wettbewerb tatkräftiger und praktischer als bisher bekämpft werden müsse. Auch bekannte er sich als ein unbedingter Gegner des bekannten Studt'schen„Brems=Erlasses“ in Sachen Lehrergehälter. Redner schloß: Nur die nationalliberale Partei sei diejenige, von der man am allerersten Berücksichtigung aller berechtigten Forterungen und Ansprüche erwarten könne, die auf dem einzig richtigen verfassungsmäßigen Standpunkte stehe, daß eine Volksvertretung wie der Reichstag für alle da sei und nicht für Sonderinteressen. Sorgen wir alle dafür, daß die über unserm Wahlkreise flatternde rote Fahne heruntergeholt wird; all: national gesinnten Elemente müssen in diesem Bestreben vereinigt dastehen, sieht doch die ganze zivilisierte Welt mit Spannung auf ganz Deutschland, was uns der 25. Januar bringt. Einig und stark, Deutsch bis ins Mark! Diesem Wahlspruch müssen wir alle folgen; schließen wir dichter und dichter die Reihen und stimmen wir in den Ruf ein: Deutschland über alles in der Welt hoch. hoch, hoch! Nachdem das Hoch verklungen, durchbraust stürmischer Beifall den Saal, wie er ihn wohl noch nicht gehört. Her Justizrat Backhausen dankte dem Redmer für seine Ausführungen. Der groß: Beifall habe bewiesen, daß er den Zuhörern so recht aus dem Herzen gesprochen. Man könne sich beruhigt der Hoffnung hingeben, daß der Kandidat, wenn es ihm vergönnt sei, in den Reichstag einzuziehen, sein Amt so führen werde, wie man es nur von einem Anwalt des Rechtes erwarten dürfe. Er schloß mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf unsern Reichstagskandidaten, Herm Rechtsanwalt Pork. Aus der Versammlung heraus nahm sodann ein einfacher Arbeiter, ein Schlosser Nolte, das Wort, und von dieser Rede hätten wir gewünscht, daß ein jeder denkfähige Wähler, der bisher einen roten Zettel abgab, sie gehört hätte. Dieser einfache, schlichte Mann der Werkstatt fand überzeugende Worte und hielt die ganze große Versammlung mit seinen trefsenden Ausführungen in Bann. Die Sozialdemokratie, die patentierte„Arbeiterpartei“, habe unter den 81 Abgeordneten des verflossenen Reichstages nur fünf wirkliche Arbeiter gehabt und wie es mit der„Arbeit“ dieser Fünf: noch aussehe, wolle er nachweisen. Der „Mäurer" Bömelburg sei seit 13 Jahren Bauunternehmer, der fozdem. Abgeordnete Sachse sei seit 15 Jahren kein Bergarb eiter mehr, Fräsdorf sei seit langen Jahren Gewerkschaftsbeamter. Zu dem Kapitel „Zukunftsstaat“ habe Herr Bebel sich kürzlich in interessanter Weise geäußert. In Eberswalde habe man in einer Versammlung ihn(Bebel) gefragt, wie der Zukunftsstaat denn beschaffen wär:; der Vater des Gedankens des Zukunftsstaates habe aber erklärt, um diese Frage zu beantworten, sei er nicht gekommen. Herr Nolte geißelt sodann die unehrliche Kampfesweise der Sozialdemokratie, besond auch der„Dortm. Arbeiterztg.“ Bis zur direkten, bewußten Lüge gehe das So habe die„Tremonia“ kürzlich der Sozialdemokratie die völlig wahre Tatsache vorgehalten, daß die roten„Genossen“, im Reichstage gegen die Erhöhung des Krankengeld=Bezuges von 13 auf 26 Wochen gestimmt haben. In ihrer tötlichen Verlegenheit über die ihr äußerst unbequeme Tatfache hat die„ArbeiterZeitung“ sie einfach wider besseres Wissen als falsch bezeichnet. Redner führt noch mehr treffende Beispiele sozialdemokratischer Arroganz, Unwahrheit und dreisten Unverfrorenheit an. Gegen den Zentrumskandidaten Effert habe die„Arbeiterzeitung" Gift und Galle gespieen, weil er zu den Wahlversammlungen 1866 im— Automobil fuhr.„Ja“, fuhr Herr Nolte fort, auf die Beihilfe des sozdem. Abg. Südekum bei der Flucht der Prinzessin Luise von Belgien anspielend,„glaubt denn die Sozialdemokratie, ein Automobil dürfe nur von roten Abgeordneten benutzt werden, wenn sie Prinzessinnen entführen?" Brausende Heiterkeit füllte den Saal ob dieses prächtigen Hiebes. Herr Nolte schloß seine fesselnden Ausführungen mit einem prächtigen Vergleiche über die Schlacht bei Leuthen. Wir dürften keine Parte wählen, die auf ihre Vaterlandslosigkeit stolz sei und keine Partei, di immer erst darnach sehe, wie der Wind über die Alpen wehe, sondern wir wählen national, und Pork ist unser Mann. Auch die Ausführungen dieses Redners riefen einen Beifallssturm hervor. Aber den Höhepunkt des Abends bildeten doch wohl die tiefdurchdachten, von riger geistiger Durcharbeit zeugenden Ausführungen des folgenden Redners, des Herrn Redakteur Jung von der Kölnischen Zeitung. Mit steigender Spannung lauschte die riesige Versammlung diesem Herrn, dessen Vortrag an Reichtum der Gedanken, an logischer Schlußfolgerung und an Sachlichkeit wie aus einem Guß erschien. Er beschäftigte sich ausschließlich mit Kolonialpolitik und dem Zentrumsstandpunkte dazu. Das Zentrum verdrehe die Tatsachen. Aus dem ganzen Zentrumswalde schalle es heraus:„Vor dem Kommandosäbel weichen wir nicht zurück,!“— „Wir apportieren nicht wie Hunde!“ oder man höre das niederträchtige, gemeine Wort:„Wenn sie den Kulturkampf wollen, sollen sie ihn haben!“ Scharf wies Redner die Unterstellung zurück, als ob die nationalliberale Partei den Kulturkampf wolle; das Zentrum sei es, welches in Verlegenheit um eine zugkräftige Wahlparole immer wieder versuche, in schmählichster Weise konfessionellen Haß in den Wahlkampf zu bringen. Am 28. November habe im Reichstage die Krisis begonnen, die uns nun zwinge, den Wahlkampf viel früher zu führen, als wir gedacht hatten. Und, seien denn unsere Kolonien wertlos? Mit nichten. Dernburg habe festgestellt, daß von den 370 Millionen Mark Kapital, die in unseren Kolonien festgelegt seien, über 300 Millionen aus privaten Kreisen stammen. Daß dieses Privatkapital dort drüben angelegt sei, sei ein Beweis dafür, daß die Kolonien Wert hätten. Der neue Kolonialdirektor sei der rechte Mann an der rechten Stelle. Selbst Erzberger, der „Enthüller“, habe anerkannt, daß mehr, als Dernburg in der kurzen Zeit seit seinem Amtsantritt geleistet habe, nicht zu leisten möglich sei. Außerordentlich scharf geht Redner mit Roeren ins Gericht, er weist Punkt für Punkt aus den Verhandlungen des Parlaments die Berechtigung der von ihm gegen Roeren erhobenen Anklage nach. Roeren habe nicht nur mit sozialdemokratichem Beifall, sondern auf sozialdemokratische Art gehandelt. Mit dem von ihm im Reichstage niedergelegten Knüppel, mit dem die„armen Schwarzen“, in Afrika verhauen seirn, werde es sich wohl so verhalten wie mit jener Patrone, die der soz.dem. Abgeordnete Bernstein in tiefster sittlicher Entrüstung dem Reichstage vorlegte, sie sei in Breslau von der Polizei in eine Wehnung hineingeschossen worden. Unter schallender Heiterkeit des Reichstages stellte ein Regierungsvertreter dann fest, daß die besagte Patrone— noch garnicht abgeschossen war!(Sozialdemokratische„Sachkenntnis“. Red.) Redner unterzog sodann die Wistuba=Angelegenheit einer kritischen Beleuchtung und geißelte die unverschämten Beleidigungen, die Roeren, dieser Oberlandesgerichtsrat und Sittlichkeitsapostel dem Kolonialdirektor zurief.(Er rief ihm u. a. zu:„Sie, mit Ihrer Vergangenheit!! Red.) Herr Redakteur Jung sprach dann über die Frag„Sollen wir Kolonien haben?" Die Sozialdemokratie sei, wie immer, so auch hier mit gänzlicher Verneinung schnell zur Hand. In längeren Ausführungen behandelte Redner die vielseitigen Wechselbeziehungen zwischen den Kolonien, der Schiffahrt und gerade der reichen, blühenden Industrie Westfalens und des Rheinlandes und hob dann des weiteren die nationalen Gesichtspunkte hewor, die stets an erster Stelle stehen müßten. Die Hottentotten hätten auch keinen Unterschied gemacht, wenn sie unsere tapferen, im Entbehren und siegreichen Kämpfen großen Truppen überfallen, ob ihre Kugeln evangel. oder kathol. Deutsche in den Sand gestreckt hätten. Darum heraus mit den künstlich formierten konfessionellen Gegensätzen aus der Politik. Unser Heer verkörpert das Volk in seiner Gesamtheit und wenn unsere Soldaten vor dem Feinde stehen, zieht auch das Kulturkampfgeschwätz nicht. Redner schloß seine mit nicht enden wollendem Beifall ausgenommenen und oft durch Beifall unterbrochenen Ausführungen mit der Mahnung, am 25. der nationalen Pflicht eingedenk zu sein. Stadtverordneter Herr Suhrmanm=Dortmund forderte sodann im Auftrage des Vorstandes der freisinnigen Volkspartei seine Parteifreunde auf, für Herrn Rechtsanwalt Pork zu stimmen und auch kräftig für ihn zu arbeiten. Nachdem dann noch ein Herr Singerhoff=Barop ein Gedicht vorgetragen, dankte namens des Zentral=Vorstandes der nationalliberalen Partei Herr Architekt Maiweg=Langendreer für die imposante Versammlung und wandte sich in kurzen, kernigen Worten noch besonders an alle diejenigen, die des Kaisers Rock getragen haben. Er erinnerte sie an den 25. und an den 27. Januar. Dann schloß— es war fast 12 Uhr geworden— Herr Justizrat Backhausen die Versammlung, die vorher noch in heller Begeisterung„Deutschland, Deutschland über alles“ gesungen hatte. Nationale Wählerversammlung in Westhofen im Saale des Herrn Schulte. Von den#etwa 500 Wählern, die Westhofen hak, hatten sich zu der öffentlichen Wählerversammlung, die am Samstag Abend 7,30 Uhr im Saale des Herrn Schulte stattfand, trotz des nicht gerade günstigen Zeitpunktes lehrer besonde: Rechtsa nicht habe kommer sprache hall. Herr Rechtsanwalt Pork nahm dann das Wort und entwickalte sein Programm. Da sich die Ausführungen in den meisten Punkten mit den in Schwerte gebrachten decken, so verzichten wir hier auf nochmalige Wiedergabe; erwähnen wollen wir nur, daß die sympathische, gerade und ruhige Persönlichkeit unseres Reichstagskandidaten den denkbar besten Eindruck gemacht hat Packende Worte sprach sodann Herr Sanitätsrat Dr. Klug=Westhofen. Er dankte Herrn Pork für seines Ausführungen und gab seiner Freude Ausdruck über die Anwesenheit vieler Angehöriger der sog. arbeitenden Klassen Er sage„sogenannten“, denn auch er als Arzt, der Kaufmann, der Fabrikant seien Arbeiter, wenn auch nicht Arbeiter mit der schwieligen Faust. Die Lebenshaltung des Arbeiterstandes habe sich gewaltig gehoben in den letzten Jahren, das könne miemand besser beurteilen, als ein Arzt, der täglich mit allen Bevölkerungsschichten in Berührung komme. Damit diese bessere Lebenshaltung den Arbeitern bleibe, brauchen wir neue Absatzgebiete und somit Kolonien. Ja, wenn wir noch keine hätten, müßten wir uns welche schaffen. Der Vorsitzende der freisinnigen Volkspartei unseres Wahlkreises, Herr Justizrat Döppener aus Dortmund, bat seine Fraktionsgenossen, nicht nur für Pork zu stimmen, sondern auch tatkräftig in der Wahlarbeit für ihn mitzuwirken. Nachdem Herr Sanitätsrat Dr. Klug ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kandidaten Port ausgebracht hatte, nahm Herr Redakteur Jung von der Kölnischen Zeitung das Wort, um in einstündiger überaus fesselnder und geschickter Rede über unsere Kolonien zu sprechen. Die Versammlung folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den von edler Begeisterung getragenon Ausführungen des Redners, der mit einem warmen Appell an die Wähler herantrat, am 25. Januar ihre Pflicht zu tun als treue Söhne unseres großen, schönen Vaterlandes. Mit den Worten: „Nichtswürdig die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre!“ schloß Herr Jung seinen pung. Er macht weiter interessante Darlegungen Steuerverhältnssie, sagt zu, daß die nationalliberale Partei im neuen Reichstag mehr noch auf Besteuerung der großen Vermögen dringen wolle und geißelt scharf das aller Brüderlichkeit hohnsprechende Verhalten der sozialdemokratischen Millionäre Singer, morden, habe man 2000 Mk. Arbeitergroschen übrig gehabt. Herr Amtsrichter Dr. Heppe erinnerte an die vor 36 Jahren am 18. Januar erfolgte Reichsgründung, Heute seien zersetzend: Kräfte an der Arbeit, die Einigkeit zu unterwühlen, dem deutschen Manne sein Familienleben, seine Religion zu rauben. Dagegen müsse energisch Front gemacht werden. Aus tiefster eigener Ueberzeugung heraus und daher packend bat Herr Amtsrichter Heppe, als deutsche Männer die nationalen Gesanken hochzuhalten zu Schutze der höchsten und hehrsten Güter unseres Volkes. Herr Buchdruckereibesitzer Braus schildert sodann, wie er am Abend vorher anläßlich des Automobil=Unfalles Herrn Pork als edeldenkenden, mitfühlenden Menschen habe kennen gelernt. Er schließt seine mehrfach mit lauten Bravos unterbrochenen Worte mit dem Hinweise, daß ein Mann, der so im Kleinen treu sei, auch im Großen die Treue halte, und empfiehlt warm die Kandidatur Pork. Mit einem Hoch auf das Vaterland schloß Herr Hüsecken die Versammlung. Beifall ausgenommenen Vortrag, der auf alle Zuhörer sichtlich einen tiefen Eindruck machte. Herr Stadtrat Maiweg aus Dortmund rechnete nochmals gründlich mit dem Zentrum und der Sozialdemokratie ab und ermahnte mit eindringlichen, herzlichen Worten, am kommenden Freitag für den Kandidaten Pork einzutreten. Redner schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Nach dem Liede: „Deutschland, Deutschland über alles“ ging die Versammlung auseinander. Wir haben den erfreulichen Eindruck gewonnen, daß die nationale Sache in Westhofen wohl bestellt ist. Hoffen wir daß am 25. Januar alle, Mann für Mann, an die Wahlurne treten und durch ihre Abstimmung zeigen, daß ihnen das Vaterland über der Partei steht. Nationale Wählerversammlung in Schwerterheide im Saale des Herrn Schäfer. Gestern abend fand im Saale des Herrn Schäfer auf der Schwerterheide eine Versammlung nationaler. Wähler aus der näheren Umgebung des Lokales statt. Etwa 70 Herren waren der Einladung des nationalen Wahlvereins gefolgt. Nach einleitenden Worten des Herrn Justizrat Backhausen, welcher die Bedeutung und Wichtigkeit gerade dieser Reichstagswahl hervorhob und bat, am Wahltage Mann für Mann Herrn Rechtsanwalt Porf die Stimme zu geben, sprach Herr Amtsrichter Dr. Heppe über den Wert und die Zukunft unserer Kolonien, welche bei der jetzigen Verwaltung sicherlich in absehbarer Zeit zu einem Quell reichsten Segens für unser Vaterland zu werden verspreche. Alsdann wies Herr Oberlehrer Rommel an mit brausendem der Hand von überzeugenden Beispielen der Sozialdemokratie nach, wie sie den Arbeitern alles verspreche und nichts halte, wie sie in Hamburg ein pompöses Gewerkschaftshaus für weit über 1 Million baue, aber für die Verunglückten bei der Annener Roburitkatastrophe keinen Pfennig über gehabt habe trotz des Millionenreichtums ihrer Führer Singer und Arons und trotzdem die meisten Geschädigten Arbeiter waren. Redner baleuchtete den Terrorismus, den die Sozialdemokratie in ihren eigenen Arbeitsstätten entwickelt und bat ebenfalls, Herrn Pork als warmem Freunde der Arbeiter die Stimme zu geben. Nach einem kurzen Schlußwort des Herrn Justizrats Backhausen wurde die Versamlung mit einem Hoch auf Kaiser und Reich und Absingung der Strophe„Deutschland, Deutschland über alles“ geschlossen. Aus Stadt und Umgebung. Empfangs=Bescheinigung. Für die durch die Folgen der Explosion der Roburitfabrik Witten hilfsbedürftig gewordenen EinwohNationale Wählerversammlung in den Rosen im Saale des Herrn Neuhaus. Schwerte, den 21. Januar. Am gestrigen Vormittag fand im Saale des Herrn ner der Gemeinden Witten und Annen gingen uns Neuhaus in den Rosen eine sehr gut besuchte Wähler=heute von der Geschäftsstelle der versammlung statt, die, das ist zu hoffen, noch manchen in Schwerte Wähler zum Nachdenken und Ueberlegen gebracht hat.). Mr. 46,02 Herr Werkmeister Hüsecken eröffnete die Ver=geschrieben„Sechsundvierzig Mark und zwei Pfg.“ zu, sammlung mit dem Kaiserhoch. worüber wir im Auftrage des Hilfskomitees hierdurch Sodann nahm der Redner des Tages, Herr Rechts= mit herzlichem Dank quettitren. anwalt Dr. Cremer aus Hagen, das Wort. Aus! Witten, den 16. Januar 1907. seinen Ausführungen wollen wir hier einige Punkte! Die Stadthauptkasse: hervorheben. Von den 8000 Truppen in Afrika stehen! Rensinghoff, Stadtrentmeister. nur 1500 in der Front. Die übrigen müssen, da das! Lohten, Kassierer i. V. Zentrum bisher alle Bahnbauten verweigerte, die Auch diese Quittung liegt, wie die beiden vorigen, Etappenlinien decken, und zwar muß den Truppen in der Geschäftsstelle unserer Zeitung zur Einsichtauf einer Strecke wie von Köln bis Königsberg Pro= nahme offen. Die„Schwerter Zeitung" sandte als viant, Munition, Medizin usw. auf Ochsengespannen 1. Rate 178,10 Mk., als 2. 62,50 Mk., als 3. obige 46,02 nachgeführt werden. Redner wies sodann nach, daß Mk., insgesamt also 286,62 Mk. an die Stadthauptkasse unsere Kolonien nicht bleiben könnten, solange sie nicht Witten ein. Indem wir nochmals allen Gebern dandurch Eisenbahnen aufgeschlossen würden. Und das'ken, teilen wir mit, daß wir nunmehr die Sammlung müsse bald geschehen, sonst zöge sich der ganze Verkehr geschlossen haben. aus unseren Kolonien nach den benachbarten englischen Bahnen hin. Das Zentrum habe durch die unvernünftige Ablehnung der Bahnbauten die Transportkosten für alle Nachschübe der Truppen enorm verteuert. Es habe die Kolonialsuppe eingebrockt und weigere sich nun, sie auszuessen. Hiner der großen Rauchentwicklung wolle es nur verbergen, daß es selber schuld sei an den jetzigen Verhältnissen. Scharf wendet sich Redner dann gegen einige sozdem. Wahllügen, spricht weiter des längeren zur Fleischteuerung und entwickelt auch über dieses Thema sehr verständigAnsichten. Unsere heimische Landwirtschaft werde von Jahr zu Jahr leistungsfähiger, so seien im Landkreise Dortmund im Jahre 1905 rund gegen 33000 Schweine Schwerte, den 21. Januar. (Im Zeichen der Kaisersgeburtstagsfeiern) stand in unserer Stadt der gestrige Sonntag, wie es der folgende in noch höherem Maße tun wird. Im Reiche des Wassers war es der hiesige große StaatsEisenbahnverein, der die Feier in dem gewohnten glänzenden Rahmen beging. Ein überaus reichhaltiges Programm lag der Feier zu Grunde, welches besonders reich war an schön gelungenen, heiteren theatralischen Darbietungen. Die Festrede hielt der 1 Vorsteher der hiesigen Station, Herr Rehag:, er legte seiner kurzen, markigen Ansprache, die mit dem gezüchtet gegen 25000 im Jahre 1901. Aber die Land= jubelnd ausgenommenen Kaiserhoch schloß, das Wort wirtschaft müsse geschützt werden vor Seucheneinschlep= zugrunde, welches im Vereinslokal des Barmer Eisen hahnvereins unter der Kaiserbüste prangt:„An Treue gegen Kaiser und Reich tuts nieman dem Eisenbahner gleich!“ Im weiteren Verlaufe des Festes wurden wieder mehreren Mitgliedern die Diplome für 30jährige Mitgliedschaft in ftierlichster Weise überreicht. waren dies die Herren Karl Kramer gen. Rickert, Heinr. Schrage und Heinr. Bothe, alle drei aus Langschede, meiter aus Schwerte die Herren Lokomotivführer Balks, Zugführer Brandt und Rangiermeister Poß. Eine besondere Ehr: wurde dem bisherigen 1. Vorsitzenden, Herrn Stationsassistent a. D. Bergmunn zuteil, die zeigte, in wie hohem Maße dieser die Wertschätzung der Eisenbahner besitzt. Er wurde zum Ehrenmitgliede ernannt, ausßerdem wurde ihm ein künstlerisch ausgefertigtes Diplom und ein Eyronbecher überreicht. Der Gefeierte und— völlig Ueberpaschte dankte in bewegten Worten.— Eine prunklose, aber anheimälnde kleine Feier war die der ehemaligen Kameraden des 16. Armeekorps, die im Saale des Herrn Rath stattfand. Die noch junge Vereinigung wächst beständig und ist eine Pflegestätte der Kameradschaft. Hier hielt Kamerad Kämper die schwungvolle Festrede, in der er auch betonte, daß der noch junge Verein trotzdem schon viel inneren Zusammenhang zeige. Theatralische Darbietungen, die ganz vorzüglich waren, wechselten mit musikalischen Vorträgen ab. Da der Verein gleichzeitig gestern den Geburtstag seines Protektors, des Grafen Häseler, feierte, so wurde die Absendung des folgenden Telegramms an den letzteren beschlossen:„Exzellenz Graf Häseler, Harnekop. Die zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers versammelten ehem. Kameraden des 16. Armeckorps von Schwerte ung Lumgebung senden Euer Erzellenz zum heutigen Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche und ehrerbiengte. Gruß.— Klein, aber gemütlich war auch die Feier der „Liedertafel“ im Lokale des Herrn Leinweber an der Kampstraße. Unter seinem neuen, rührigen DiriHerrn Herlinghaus, scheint der Verein neuer Blite entgegenzugehen. In Punkto Vorträgen, schienen die Mitglieder über ein schier unerschopfliches Repertoire zu verfügen. All: in dem kleinen Krei fanden viel Vergnügen.— Der Verein der Fuhrleute feierte Kaiser sgeburtstag im Saale#es Herrn Kordeck durch Konzert, Vorträge, Ball und Verlosung. Das Kaiserhoch brachte der 1. Vorsitzende, Herr Baumöller, aus. Der moch junge Verein in in stetem Wachsen begriffen. **( D i e K ö n i g l. R e g i e r u n g z u A r n s b e r g) w e i s t i n einer Verfügung darauf hin, daß Erfahrungen die Uebertragung der Sorge für die Reinhalltung und Heizung der Schulräume auf die Lehrpersonen zu Unzuträglichkeiten und Mißständen führe. Insbesondere sei ein solches Verjahren be mehrklassigen Schulen nicht am Platze. Die inspektoren werden daher angewiesen, bei ihren visionen darauf zu achten, und in folchen Fällen, fern Mißstände bei den Revisionen zutage gerrenn sind, bei den Schulvorständen dahin zu wirken, daß die Reinigung und Heizung besonders dafür angenommenen Personen übertragen wird. (Ein Automobil=Unfall,) der verhältnismäßig gut ablief, ereignete sich am Samstag Abend zwischen Westhofen und Schwerte gleich diesseits der ebahnschranke. Das Auto, in welchem Herr Rechtsanwalt Pork, der nationale Reichstagskandidat, nachden er in Westhofen gesprochen, nach Schwerte fuhr, stieß mit einem Reiter zusammen. Die Schuld an dem Unfall hat diesmas nicht der Autolenker, sondern der Reitersmann, der seinen Gaul nicht in der Gewalt hatte. Ein Schwerter Herr, der zu Fuß von Westhofen unterwegs war und der sach, daß das sichtkommen des Autos unvuhig wurde, hat den Reiter, einen Knecht der Hauderei Turk in Hagen, mehrmals gebeten, doch lieber abzusteigen und das Pferd am Zügel zu nehmen. Der Mann llehnte das ab und als das Auto heran war, kreiste das Pferd mitten auf der Straße. Die Insassen des Kraftwagens sahen im letzten Moment ein Pferd quer vor dem Auto, als auch schon der Zusammenprall erfolgte. Das Auto hielt sofort und der Lenker sah nach dem Verunglückten. Auch Herr Rechtsanwalt Pork und die übrigen Insassen stiegen aus dem Innern des Wagens und griffen sofort tatkräftig an, als es galt, den Verletzten dem Pferde wegzuziehen. Einer lief schnell nach Westhofen zurück, um Herrn Sanitätsrat Dr. Klug, der in der Wählerversammlung anwesend war, zur Unfallstelle zu holen. Inzwischen hatte man den Gestürzten auf den Rasen gebettet. Als nun einer der Herren Herrn Rechtsanwalt Pork den Vorschlag machte, er möge allein nach Schwerte vorweg fahren, da dort über 1000 national: Wähler seit einer Stunde auf ihn warteten, gab er zur Antwort:„Nein, ich bleibe hier, und wenn die ganze Versammlung in die Brüche geht; erst will ich wissen, was dem Manne geschehen ist!“ Als das zweite Auto mit dem Arzt aus Westhofen anlangte, hatte sich der Gestürzte bereits erhoben. Herr Sanitätsrat Dr. Klug stellte fest, daß der Mann nur äußene Verletzungen, keine innere und keine brüche erlitten habe. Erst nachdem Herr Pork sich zu wiederholten Malen von Herrn Santätsrat Dr. Klug die Richtigkeit dieses ärztlichen Befundes hatte bestätgen lassen und wußte, daß weiter für den Mann gesorgt wurde, hat er die Fahrt nach Schwerte fortgesetzt. In Schwerte ließ Herr Schlachthausinspektor Neuhaus die anregende Wählerversammlung sofort in Stich und begab sich in liebenswürdigster Weise nach der Unfallstelle, um nach dem Pferde zu sehen. Dieses hatte ein Bein gebrochen und mußte abgeschlachtet werden. **(Krankheitsstatistik.) Im Kreise Hörde wurden in der Woche vom 6. bis 12. Jan. gemeldet: Todesfälle an Lungenentzündung 5(2 Schüren, je 1 in Schwerte, Hombruch, Barop), Tuberkulose 1 Annen. ktons Neuenburg nputgra her=ziriche vom Staat, wurErkmnkungen wurden gemeldet an: Kindbett= die beantragte Krenn.y—. 8411 Stimmem nemfiebern 1 Barop, Scharlach 8(4 Sölde, je 1 in Schwer= de die Trennung mit 15090 gegen te, Rosen, Holzen, Ardey), Diphteritis 16(6 Annen,) worfen. 3 Schwerte, je 1 in Berghofen, Hörde, Niederhofen; Granulose 1 Hörde. Stuchtey und Westfalen und Rheinland. * Annen, 19. Jan.(Vier Mark für eine Heldentat.) Eine triste Erinnerung an die Roburitkatastrophe wird von Witten gemeldet:„Herr Fritz Marpe in Hombruch hat ein Anerkennungsschreiben erhalten, da er aus dem Packraum der Roburitfabrik als erster etwa 80 vollgepackte Roburitkisten herausgeholt hat. Er hat dafür außerdem eine Belohnung von 4 Mark erhalten.“ Kommentar ist wohl überflüssig. * Plettenberg, 19. Jan.(Ein gräßlicher Unglücksfall) ereignete sich in der vorvergangenen Nacht auf der Straßenbahn. Nach beemdetem Dienst sollten die Personenwagen auf ein totes Gleis geschoben werden. Auf dem Trittbrett des ersten Wagens stand der Nachtheizer Georg L. mit der Schelle. Plötzlich glitt er vom Trittbrette unter den Wagen. Nachdem der Zug zum Stehen gebracht worden war, fand man den Unglücklichen fest eingeklemmt zwischen den Speichen eines Rades, und es bedurfte einer viertelstündigen Arbeit, um ihn aus der schrecklichen Lage freizumachen. Bei der ärztlichen Untersuchung fand sich, daß ein Bein vollständig vom Rumpfe getrennt und das andere vollständig zersplittert war. Ins Krankenhaus getragen, starb er nach zwei Stunden unter furchtbaren Schmerzen. * Düsseldorf,e 17. Jan. Das Schwurgericht hat den Arbeiter Hermann Esch, der im November seinen hiesigen Kostwirt, den Maurerpolier Jakob Nickenich, nach einem Schnapsgelage durch Messerstiche tötete, zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Er war schon früher wegen Totschlages zu vier Jahren Gefängnis bestraft. Köln, 18. Jan. Der Kaufmann Türk sprang aus Gram über den Tod seiner jungen Frau aus dem Fenster der 2. Etage seines Hauses herab und blieb auf der Stelle tot. Kleine Chronik Berlin, 19. Jan. Eine folgenschwere Katastrophe bei der zwei Arbeiter den Tod fanden, während ein Feuerwehrmann tödlich verunglückte, hat sich heute in der Höchststraße abgespielt. Dort stürzte auf dem Hofe eines Grundstückes der Arbeiter Frobel bei der Deckung eines eingefallenen Brunnenschachtes in die Tiefe und erstickte unter der Wucht der nachstürzenden Erdmassen. Bei dem Rettungswerk wurde der Arbeiter Jentsch verschüttet und gleichfalls getötet, während der Feuerwehrmann Plaschowsky sehr schwere Verletzungen davontrug, an deren Folgen er später verstarb. Berlin, 17. Jan. Die Berliner Verkehrsdeputation stimmte einem Projekt der Postverwaltung zu, elektrisch betriebene Tunnelbahnen zur Briefbeförderung vom Hauptbriefpostamt in der Heiligengeiststraße nach den verschiedenen Bahnhöfen anzulegen. Wien, 17. Jan. Heute Nacht sind auf der Simmeringer Hauptstraße die Stallgebäude des PferdehändWetterbericht der deutschen Seewarte. 21. Jan.: Ziemlich kalt, Niederschläge, windig 22. Jan.: Kälter wenig verändert, meist bedeckt. 23. Jan.: Milde, wolkig, teils heiter, vielfach Peberschitber wtrhg Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Für den Inseratenteil verantwortlich: Jac. Schwerte. Danksagung. Für die innige Teilnahme an dem herben Verluste meines herzensguten Mannes, für die trostreichen Worte des Herrn Pfr. SchulzeNoelle, für die zahlreiche Beteiligung des Handwerker- und Turn-Vereins der Firma Blech& Andernach sowie der Verwandten und Bekannten sprechen wir hiermit unseren allerherzlichsten Dank aus. Ergste, den 19. Januar 1907. Fran Vonhoff u. 4 Kinder. ZwangsVerkauf. Am Dienstag, den 22 Jaunar er., vormittags 10 Uhr, werde ich zu Garenfeld an der Müller schen Wirtschgft daselbst: 1 Plüschsofa u. 1 Sofatisch gegen bar versteigern. Schwerte, 21.Jan.1907 Morgenroth Gerichtsvollzieher. Feinste 292 Hafermast=Gäuse Pfd. 60 Pfg. ferner: Kieler Buckinge Stück 5 Pfg., Kiste Mk. 1,20. Sprotten 4 Pfund Kiste 95 Pfg Velikateßh. Wahle. ringer Hauptstraße die Stalgebäude des Pferdehsänd= Genergl versammlung lers Neufeld niedergebrannt, wobei 27 Pferde imGeueratversummtung Rauch erstickten; 53 Pferde konnten gevettet werden.] der 285 Der Schaden beläuft sich auf 50000 Kronen.[Mindviehkasse Der Vorstand. Konstantinopel, 16. Jan. In Dscheddah sind am Bezsege. Lichtendorf 12. bezw. 13. Januar drei neue Todesfälle an der Peft gsge gichmann, am Sonn. vorgekommen; im ganzen bisher 5. Bei den drei zu= beim Wir en,“„ letzt Verstorbenen handelte es sich um Einheimische. tag, den 27. d8. Mts., nachIn Emyrna ist kein neuer Pestfall vorgekommen. ug#g Newyork, 17. Jan. Nachdem am Montag die Stadt Kingston schon fast zerstört war, erfolgten am Dienstag zwei weitere Erdstöße, und am Mittwoch noch einer. Alle Wasserrrohre brachen, sodaß die Bevölkerung gegen die Brände, welech auch den von dem Erdbeben nicht zerstörten Teil ergriffen, hilflos war. Noch immer werden Verletzte gefunden, welche zumteil auf den Docks der Hamburg=Amerika=Linie untergebracht werden, wo ein Nothospital errichtet wurde. Dem Erdbeben ging ein gewaltiger Orkan vorauf, der die Weißen veranlaßte, auf ihrer Hut zu sein, sodaß sie beim ersten Anzeichen der Erdstöße ins Freie liefen, während die Neger zum größten Teil in den Häusern blieben. Krieger-Verein Schwerte. Geburtstagsfeier Se. Majest. des Kaisers am 27. Januar d. Is. Morgens 9 Uhr: Antreten im Vereinslokal zum gemeinschaftl. Kirchgang. Nachmittags 4 Uhr: Beginn der Feier im Vereinslokale durch Konzert, Theater u. Ball. Die Mitglieder erscheinen in Mätze; Orden und (ehrengeschen stod ange— legen.— Von dieser Feier werden Kinder unter 14 Jahren streug zurückgewiesen. Für Kinder findet am 10. Februar eine Aufführung des Theaterstückes „Max u. Moritz“ durch die„Fagener Stadttheater= Gesellschaft“ statt. Personen unter 16 Jahren haben nach den polizeilichen Verordnungen zum Vall keinen Zutritt. Richtmitgliedern ist der Zutritt verboten. Zu zahlreicher Beteiligung ladet freundlichst ein Der Vorstand. Waescht Unabbängige nallenale Berfiner Cageszeitung für feziale an Haustenetihlicg ra Pg, nenalle a vic nath.„dus saich= M. täglieb zweimal erscheinende, nationale Cageszeitung der Reichshaupistadt. Eigener Ferndrucker, eigene Spezlalberichteritatter. nummern versendet unberechnet die Geschältssielle: Berlin 800.91. Johanniterktr. e. Letzte Drahtmeldungen. Er klagt doch. Köln, 20. Jan. Der Abg. Roeren veröffentlicht in der„Köln. Volksztg.“ eine Erklärung, nach der die Klage gegen den Bezirksamtmann a. D. Leo A. Schmidt bereits am 28. Dezember beim Gericht eingereicht sein soll Roeren erklärte, er werde in der Verhandlung den Beweis liefen, daß alles, was er gegen Schmidt vorgebracht habe, auf voller Wahrheit beruhe. Grund zur Klage ist zweifellos der„offene Brief“, den Schmidt am 17. Dezember 1906 in der„Nationalzeitung“ an Roeren richtete, und der in scharfer Weise das Verhalten Roerens kritisiert. Abstimmung in der Schweiz. Neuenburg, 21. Jan. Bei der gestern von den Cofte,.“ couveränes Mittel Rheumatismus, Gicht und Nierenleiden nennt ein bekannter Badearzt die Offenbache Kalseri Selbst bei jahrelangem Gebrauch ohne schädliche Nebenwirkungen. Natron-Lithion-Quelle I. Range General- Vertreter: Frans Seligmann — Restaurant„Zur guten Schwerte a. d. Ruhr, Sedanstrasse: 2#. = Reichstagswahl. Die nationalen Vertrauensmänner im Saale des Herrn Hauske. am Dienstag, den 22. Januar, nachmittags 4 Uhr. Redner: Herr Dr. Ilugo aus Hagen. Jedermann ist willkommen. Der nationale Wahlausschuss für Schwerte und Umgegend werden zu folgenden Versammlungen freundlichst und dringend eingeladen. 1. Wahlbezirk: Dienstag, abends 8¼ Uhr bei Herrn G. Winkelmann, Hagenerstrasse. 2. Wahlbezirk: Mittwoch, abends 8½ Uhr bei Herrn Balster, Beckestrasse. 3. Wahlbezirk: Dienstag, abends 8½ Uhr bei Herrn Quadbeck(Post), Bahnhofstrasse. 4. Wahlbezirk: Montag, abends 8½ Uhr bei Herrn Duisberg, Markt. Die Vertrauensmänner werden gebeten, die ihnen ausgehändigten Listen mitzubringen. Freunde der nationalen Sache, die zur Mitarbeit bereit sind, sind herzlich willkommen. Der nationale Wahlkusschuss. Suche ver sof. oder 1. Februar 1907 ein tücht. Dienstwädchen bei gutem Lohn. 259. Torfler, Progymnasium. Ein fleißiges properes 287 Mädchen per sof oder 1. Febr. sucht Frau Direktor Kild. Wohnungen zu vermitten. Näheres in der Geschäftsstelle der„Schwerter Zeitung“. 238 1 * U#, Arste. gelung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Villigst belegenen, im Grundbuche von Villigst, Band I Artikel 7 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Eheleute Landwirt Louis Schulte=Leunings und Julie geb. Lohoff gent. Westerhoff zu Billigst eingetragenen Grundstücke Flur 3 Parzelle 18, 20, 32, 36, 37, 67, 72, 75, 291/33, 292/34, zu 293/34, 294/34, 295/35, 296/35, 66, 70, 365/30 am 12. März 1907 Vormittags 10 Uhr durch das unterzeichnete Gericht—an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 11— versteigert werden. Die Grundstücke haben eine Gesamtgröße von 13 ha., 17 a., 80 gm. Sie bestehen aus Acker= und Gartenland und sind mit einem Wohnhaus nebst Backhaus, Scheune, Stall, Remise, Schuppen und Hühnerhaus bestanden. Die Ackergrundstücke sind in der Grundsteuermutterrolle unter Nr. 24 zu einem jährlichen Reinertrage von 133,95 Talern angegeben, die Gebäude unter Nr. 15 der Gebäudesteuerrolle zu einem jährlichen Nutzungswerte von 360 Mark. Der Versteigerungsvermerk ist am 12. Mai 1906 in das Grundbuch eingetragen. Schwerte, den 7. Januar 1907. Königliches Amtsgericht. Zum 27. Jonuar, Geburtstag Sr. Mejestät des Kaisers Fahnen, Flaggen, Banner, von Schiffbflaggentuch, z. B. Nationalfahnen, Adlerfahnen etc. Wappenschilder, Lampions, Esckein, Eenerwerk. Der- Festkataleg gratis u. franke! Benner Fahnenfabrik(4. Kalsers u. Körigs) in Benn a. Bhein. Ein 299 Gärtnerlehrling gesucht, von ordentlichen Eitern für jetzt oder zu Ostern. Greve, Kuns= u. Handelsgärtner. Für sofort hübsche von 3 Zimmern an ruhige Familie zu vermieten Wilh. Haver.s glcgenn u 2. N. F. Wohnbaus wute, Ser gatn, din 16 willens Naberes zu verkausen ### in der Geschäftsstelle der„Schwerter Zeitung“. 297 Wcun M nehme man IKDOFORM (Orthooxybenzoesäufemethylenacetat) Glänzde. Erfolge auch bei veralt. P•Per bestes Universalfutter für insektentressende vögel. empfehlt Progerte-CärtWog, Schwerte, Fernsprecher 32. Fällen! Ohne schädliche Nebenwirkungen! Ein ärztliches Urteil von vielen: Besten Dank für Ihr Indoform, dessen vorzügliche Wirksamkeitich stannend erprobt habe. Vorrätig in Apotheken zum Preise von 75 Pfennig und 1,50 Mark. Aerztliche Anerkennungen u. Krankenberichte auf Wunsch zu Diensten. Nach Orten, wo nicht zu haben, versende b. Voreinsdg. d. Betrag. portofrei. 36## Fritz Schulz Ehem. Fabr. Leipztg. Freiwillige Versteigerung. Am Mittwoch. den 28. Jannar 1907, vormittgs 10 Uhr, werde ich am Hotel Ostermann (jetzt Hagemann) zu Schwerte 294 1 Pferd im Proze=wege auf Rechnung dessen den es angeht, freiwillig gegen dar versteigern. Das Pferd kann eine Stunde vorher besichtigt werden Schwerte, 20 Jan. 1007 Morgenroth Gerichtsvollzieher. Hagelschaden=Versicherungs=Verrin für den Land= und Stadtkreis Dortmund und Kreis Hörde. Die Mitglieder des Vereins, werden zu der am Mittwoch, den 30. d. Mis., nachm. 5½ Uhr im Kölnischen Hofe zu Dortmund stattfindenden General=Bersammlung ergebenst eingelaben. 291 Tages=Ordnung: 1. Rechnungslage pro 1906 und Entlassung der Rendanten. 2. Wahl von 2 ausscheidenden Mitgliedern der Direktion. 3.„„ 4„„ des Ausschusses. 4.„ der Rechnungsrevisoren pro 1907. 5. Verschiedenes. Dortmund, den 19. Januar 1907. Die Direktion: I. H. Schulte=Witten, Ehrenamtmann. — Grosse Celd-Lotterie (Unt. Staatsgarantie. In ganz Deutschland erlaubt) Ziehuug am 1 Eebruar 1907 Hauptgewinne: 300000 29000 10000 2000 u. 8. W U. 8. W. — Nur da e Sedgewinhe.— ¼ Ak. 10.— 5— 2.50 Bestellungen geschehen am besten durch Postanweisung (auch unter Nachnahme) und sind zu richten an Arthur Heiber, Bank- und Lotterie-Geschäft Braunschweig 3423 NB. Ausfohrliche Prospekte werden jeder sendug beigelest, auf Wunsch auch vorher versandt 269 „Kiek do Schulte vom als er gerade und der Baue ziemlich nahe „Dunners „Junge, wo kö „ Joh, komm mit ein „Un mie Junge?“ frag „Dei He hei west un n bracht, mit n renen Teisen Damm un ik ihm tau grüß kein Tid, hei tau fechten, u „Holt't „Oewer dat met mie'n He „Un da Düwel. Ha der Bauer r „Holt't Mul, „Aber wischen, den kriegen dei 6 „Joh, freute sich de fluchten Käh hinstellen we großherzoglich Kanzel verki andere Dien als ein La Sein Vermö werden. St hörigen von gemacht wir mein Gott, „Wenn braucht man was ihnen: „Nun mir und de hat doch se inzwischen gesund ist: „Verfl schen Sach wohl— d sagen wir sterbend an te und suh daß sein H schen kräfti kannst du's sens ist nic dem Kirchh schossen, nu wäre einf „Die die Herrlic nich mehr besorgen. zu wissen, sterbend ve drauf.“ „Bist te ihn der So metnte de Pastor P inner indlichst ei Herrn e. ei Herrn ei Herrn se. ei Herrn ten, die en. zur Mitmen huss. ungen Näheres in der der„Schwerter 238 8 6 terie ntie. In ganz erlaubt) Druur 1907 inne: 900 900 900 100 gewinhe.— * ¼ — 2.50 schehen am stanweisung nahme) und ten an leiber, rie-Geschäft welg 3429 e Prospekte du g beigeauch vorher 269 K Kn 1494 OFORM Jethylenacetat) uch bei veralt. liche Nebenztliches Urteil Dank für Ihr vorzügliche mend erprobt potheken zum ig und 1,50 kennungen u. Wunsch zu Orten, wo nde b. Vorrtofrei. abr., Leipzig. ige ung. den 907, werde ermann u) zu 294 auf den es gegen Stunde werden u. 1007 roth zieher. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.os vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund." o 0 O O O O O O O O O O C 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o 0 0 O O O O O O C 0 C 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte, Fernsprech-Anschlue: Dr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Aäresse Braus, Schwerte-Ruhr. Rounaer von der roten Erde von Walther Schulte vom 41. Kiek do, Schulte, do bün'k wedder,“ so wurde der Schulte vom Haidhofe eines Abends im April angesprochen, als er gerade aus dem Stall trat. Es dunkelte schon stark und der Bauer mußte sein Gesicht dem Ankommenden erst ziemlich nahe bringen, ehe er ihn erkannte. „Dunnerslag, dei Hannes!“ rief er ordentlich bestürz „Junge, wo kömmst du denn her, wenn du't würklich büst?“ Joh, ik bin de Hannes,“ sagte der Bursche,„und ich komm mit einigem Aufenthalt geradewegs aus Moskau.“ „Un mien Aeltesten, dei Henrich, mit dem du dör büst, Junge?“ fragte der Bauer erregt und packte ihn am Arme. *„Dei Henrich ist en dullen Kähl worden Sergeant is hei west un mit knapper Naud häww'k en ut Rußland rut bracht, mit ne Lanzenstichwunde in dei Schulter un afgefrorenen Teisen(Zehen). Oewer nu is hei wieder op den Damm un ik bün extra herkömen, üm den Herr Vatter van ihm tau grüßen. Hei wör sewwers kamen, bewer hei hät kein Tid, hei is nah Schlesien, um gegen den Bonaparte tau fechten, wennt so wit kommt.“ „Holt't Mul Junge!“ rief der Bauer erschrocken. „Oewer dat freit mi, freit mi mehr, as ik seggen kann, dat met mien Heurch.“ Genenarte, ftagst „Un dat hei geagen den Vonaparke 1bsgechl as der Düwel. Ha, dat's ne Sack?“ rief Hannes. Da hatte ihn der Bauer wieder am Aime und stieß durch die Zähne „Holt't Mul, Junge!" „Aber Hannes tröstete:„Sie werden ihn schon nich er wischen, den Henrich, gewer hei wird sie ans Schlafitchen kriegen dei Sakramenters.“ Joh, et is doch en verfluchten Jungen, der Henrich, freute sich der Bauer, dann aber stöhnte er:„Joh, en verfluchten Kähl, wenn sie ihn auch als ein Landesverräter hinstellen werden. Hal's der Düwel, wir sind hier ja noch großherzoglich be gisch und vorigen Sonntag ist erst von der “ v e r k ü n d i g t w o r d e n d a ß j e d e s L a n v e s k i n d, d a s i n Kanzel verkundigt##### in, taß seril Andterme, das in andere Dienste treten täte, um gegen den Kaiser zu fechten, als ein Landesverräter anzusehen und zu behandeln sei. Sein Vermögen soll eingezogen werden, und wenn man den Verräter in die Hände bekäme, solle er standrechtlich erschossen werden. So ist't verkündigt worden. Und daß den Angehörigen von solch’nem Menschen das Leben recht sauer gemacht wird, das ist doch selbstverständlich. Mein Gott, mein Gott, was hat man doch Sorgen mit seinen Kindern! „Wenn man die Kinder aus dem Hause schmeißt, dann braucht man sich nachher nicht zu wundern, wenn sie tun, was ihnen recht scheint“ „Nun ja, nun ja, es war ja nich alles klar zwischen mir und dem Jungen, brummte der Schulte,„und jeder hat doch seinen Zorn für sich. Aber darüber ist nun wohl inzwischen schou ein bißchen was Gras gewachsen. Also gesund ist mein Junge'... ue“ onn d. Französi „Verflucht gesund, Schulte. Ader weiln vie fra. schen Sachen hier noch so stehen, dann— versteht er mich wohl— dann hab ich ihn mit eigenen Augen da hinten, sagen wir zwischen der Beresina und der Stadt Wilna, sterbend am Wege liegen sehen.“ „Was ein Elend, was ein Elend!“ stöhnte der Schul te und fuhr sich in die Haare, doch dann besann er sich, daß sein Henrich ja noch lebe, und so schlug er den Burschen kräftig auf die Schulter und sagte:„Ja, kannst du's erzählen. Es ist besser so. Mit die Franzo* sens ist nich zu spaßen, und vorige Woche haben sie auf dem Kirchhof zu Rahschke erst’nen jungen Butschen erschossen, nur weil er öffentlich gesagt hatte, der Bonaparte wäre ein feiger Ausreißer.“ „Die verdammten Satans!“ fluchte Hannes.„No, die Herrlichkeit hat bald ein Ende, denn die Kosaken sind nich mehr weit, und die werden es den Parlewuhs schon besorgen. Aber es ist recht so, Schulte, es braucht keiner zu wissen, wie's mit dem Henrich bestellt ist. Ich hab ihn sterbend verlassen. Wenn's sein muß, leist' ich’nen Eid drauf.“ „Bist immer noch'n verfluchtigen Kerl, Hannes,“ lobte ihn der Bauer.„Und dein Schade soll's nich sein“ „So ganz tot ist er doch noch nich, der Henrich,“ metnte der Bursche.„So zum Beispiel wenn ich zum Pastor Vincke komm' oder auf Brüggemanns Hof, da Montag, den 21. Januar 1907. könnt' er wohl doch wieder ein Stückchen was lebendig „Mit Vorsicht, mit Vorsicht! Und dann ist's auch besser, wenn ich dabei bin. Wir gehen morgen zusammen auf Brüggemanns Hof, Hannes.“ Der Bursche riß die Augen auf.„Der Schulte geht auf Brüggemanns Hof?“ fragte er gedehnt. „Ja, ich bin gut Freund mit dem Bauer und seiner „Dunnerslag, dat hätt'k vor süß Weken weten süllen. Dann hätt''k den Henrich mitbracht, rief Hannes. Aber dann schüttelte er den Kopf.„Nee, hei wär doch nich mitgoahn. Er war ganz rabiat darauf, die Franzosen aus dem Lande zu jagen und er denkt, ohne ihn ginge es nich. Wir wollen nur wünschen, daß es ihin gut bekömmt, Sechs. gungt“ autmande“ „Ja, das wollen wir, Hankes, untworlele der Bauer inbrünstig. Dann führte er den Knecht ins Haus und tränkte und atzte ihn reichlich, und die Bäuerin und ihre Sprossen vernahmen mit großem Interesse, daß der Hofeserbe eines betrüblichen Todes gestorben, heuchelten ein Stückchen Teilnahme und wunderten sich, daß der Schulte den Tod seines Aeltesten mit so großer Fassung ertrug. Später zog der Bauer mit dem Hannes ins Wirtshaus. Das ganze Dorf fast stellte sich dort ein und lauschte den Erzählungen des Burschen, und alle regten sich auf über die Heldentaten, die Hannes den Schulten Henrich verichten ließ. Ein ganzes Schock Kosaken reichte nicht hin, das der Henrich eigenhändig vom Leben zum Tode gebracht hätte. Er war eben ein„höllschen Kähl“, der Henrich, und es wär todschade, daß er schließlich sterbend, mit einer großmächtigen Lanzenwunde im Leibe, an der Straße liegen geblieben wäre. An Eltern, Verwandte und Freunde habe er dem Hannes noch viele Grüße aufgetragen, und schließlich habe er dann auch noch das ganze Dorf Mentrup grüßen lassen. Alle waren sie tief bewegt von solchem Bericht. Haunes wurde reichlich traktiert und der Schulte mit Beileids und Trostsprüchen bedacht. Und alle waren der Bewund rung voll, daß er das schwere Schicksal, das ihn betroffen, den Tod seines Erbsohnes, mit so viel Würde und männlicher Fassung ertrüge. Das sei, so meinte der Schulmeister Bellermann, des Vaters eines solchen westfälischen Heldensohnes würdig. Und der Schulte brummte dazu und versicherte, daß sein Henrich sich so und nicht anders betrag n habe, das erfülle ihn mit Stolz und Freude, und solche Gefühle führten bald über den Schmerz hinweg. (Forts. folgt.) 39 Die Sozialdemokratie gegen die Monarchie Je weiter die Sozialdemokratie vorschreitet und je größer ihre Stimmenzahl wird, um so klarer tritt der antimonarchische, auf den Sturz der monarchischen Versassung gerichtete Charakter der sozialdemokratischen Bewegung zutage. Zum Beweise wollen wir eiine Anzahl sozialdemokratischer Aeußerungen zusammenstellen, die sämtlich menen Datums und alle erst nach den Wahlen von 1903 gefallen sind, also die heutige Sozialdemokratie in ihrem gegenwärtigem Zu stand charakterisieren. Den Vorrang lassen wir der „Leipziger Volkszeitung“, die nach dem Dreimilliowensiege erklärts: 266 „Und der Marsch gegen die Monarchie ist voli tisch die unnmittelbarste Aufgabe der Arbeiterklasse, wenn sie überhaupt auf dem Wege ihren Emanzipation fortschreiten will. Im Sommer 1903 hielt der Kaiser zu Kassel ein Rede, in der er mit großem Ernst von der schweren Verantwortung sprach, die auf ihm laste. Darauf schrieb die„Magdeburger Volksstimme“: „Demgegenüber wollen wir feststellen, daß wir Sozialdemokraten die einzigen sind, walche bereit sind, den Kaiser von dieser„niederdrückenden“ Ver antwortllichkeit zu befreien und ihm die Jure des Regierens abzunehmen.— Wenn der Kaiser glaubt, für 58 Millionen Deutsche verantwortlich zu sein, so erklären wir Sozialdemokraten gern, daß für den nach dem Ergebnis der Hauptwahl zu uns gehörigen dritten Teil des deutschen Volkes bein anderer die Verantwortung auf sich zu nehmen braucht. Wenn die letzte Krone wie Glas zerbricht, wird auch der Monarch von der„niederdrückenden“ Bürde erlöst sein, welche heute auf ihm llastet.“ Das Gerede von den„Revisionisten“ in der Sozialdemokratie, von denen alles Heil für die bürgerliche Gesellschaft zu erwarten sei, ist jetzt glücklich verstummt Denn diese„Revisionisten" sind um nichts besser und gefährlicher gewesen, als die„Radikallen", was folgende Auslassung der Vollmarschen„Münchewer Post" beweist. „Beide Seiten(in der Sozialdemokratie) aber sind einig in ihrer antimonarchischen Gesinnung; die Frage steht nicht zwischen Monarchie und Demokratie, sondern nur zwischen zwei Mitteln, ein Prinzip zu förbern, dem alle anhängen, und ein anderes zu bekämpfen, das allen gleich unlieb iist.“ „Revisionisten" und„Radikale“ haben allso nur um das beste Mittel gestritten, mit dem die Monarchie am schnellsten beseitigt werden könnte.„Genosse" Peus ferner gab in seinem„Volksblatt für Anhalt“ folgende Offenbarung einer odlen Sozialistenseele kund: „Und wie sollten wir es dem Kaiser verargen können, daß er unser Freund micht ist, wollen wir doch ihm und seiner Nachkommenschaft eine Macht nehmen, die er als von Gottes Gnaden ihm verliehen glaubt.“ Schließlich sei noch daran erinnert, wie das sozialdemokratische Witzblatt, der„Wahre Jakob“, den Drei millionensieg im Bilde gefeiert hat! Auf diesem Bilde steht die Germania da mit der Kaiserkrone auf dem Haupt. An diese Germania ist eine Leiter gelehnt vo der eben ein„Genosse“ herabgestiegen ist, nachdem er der Germania die Kaiserkrone vom Haupte genommen hat. Ein anderer„Genosse“ ist hinaufgestiegen, um der Genmania anstelle der Kaiserkrone die rote Mütze aufzusetzen. Unten steht ein mit roter Jacke bekleidetes Proletariermädchen, das der Germania Schwert und Schild mit dem Reichsadler abgenommen hat, um ihr dafür einen roten Nelkenstrauß in die Hand zu drükken. Der Sinn des Bildes bedarf keiner Erläuterung. Das deutsche Volk aber soll sich bewußt sein, worum es sich in dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie tatsächlich handelt: Es ist der Kampf für die Monarchie und für die Aufrechterhaltung der monarschischen Verfassung, die durch die Revolutionspartei angegriffen wird und bedroht ist. Sozialdemokratie und Mittelstand. Was der Mittelstand und der kleine Handwerker von der Sozaldemokratie zu erwarten hat, zeigte der sozialdemokratische Führer Ledebour noch unlängst in einer Berliner Versammlung, wo er in fast zynischer Weise die Vernichtung des Handwerkerstandes als Ziel der Sozialdemokritie proklamierte. Er sagte dort:„Die Sozialdemokratie hat mit den Mittelstands parteien absolut michts gemein und wird sich nemals dazu hergeben, die Interessen des Mittelstandes d. h. der Handwerker, Ladenbesitzer, kleinen Industriellen, usw. zu vertreten, da auch diese nur zu der Klisse der Ausbeuter gehören. Die Sozialdemokratis ist nicht dazu da, die in ihrer Existenz bedrohten kleinen Gewerbebetreibenden zu schützen oder zu stützen, sondern es liegt nur in der Absicht dder Sozialdemokratie, daß diese Elemente ihre Selbständigkeit ausgeben. Eine entschiedene Absage an die Sozialdemokratie. veröffentlicht der Deutsche Beamtenbund. Es heißt Larin u. a.:„Nur ein politisch absolut ungeschulter Beamter könnte von einem sozialdemokratischen Regime Heil erwarten. Ist auch nur ein Fall bekannt, in welchem die sonst so redelustigen Sozialdemokraten sich ernsthaft der Beamtenschaft angenommen haben? Nur wenn man Maßregaln ergriff, der Sozialdemokratie den Eingang bei der Beamtenschaft zu wehren, war sie auf dem Plan— um des eigenen Interesses willen, nicht der Beamtenschaft zuliebe. Pflichtbewußtsein, nationale Gesinnung und Selbsterhaltungs zwingen den Beamten, nur einem nationalen Kandidaten seine Stimme zu geben.“ Politische Uebersicht Dernburg geadelt. Berlin, 18 Jan. Dem stellvertretenden Kolonial= direktor Dernburg ist das Großkreuz des Ordens der ital ienischen Krone verliehen worden, mit dem für Italien der persönliche Adel verbunden ist. Herr Demburg hat diese Auszeichnung erhalten für die Gründung einer Gesellschaft zur Nutzbarmachung der Pontinischen Sümpfe, die mit Erfolg durchgeführt wurde. Diese Tätigkeit fiel natürlich in Dernburgs früheren Wirkungskreis als Bankdirektor. Eine gerechte Forderung. Posen, 18. Jan. Die deutschen katholischen Schulväter in Ostrowo, von denen 120 Zensiten ein Drittel der gesamten Schullasten tragen, während über 1000 polnische Zeusiven den übrigen Teil tragen, haben sich lant Gr. Ges. an den Oberpräsidenten um Schadl haltung in der durch den Schulstreik erforderlich ge wordenen Mohrausgabe von 35 Prozent der Einkommensteuer gewandt, da sie unverschuldet diese Last zu tragen haben. Das hat er davon! Paris, 17. Jan. Die Gewerkschaft der Bergarbeiter ist sehr unzufrieden mit ihrem Schriftführer Erward, weil er das Kreuz der Ehrenlegion angenom men hat. Es wird ihm vorgehalten, ein zielbewußter Sozialist dürfe von einem Vertreter der Ordnung keine Auszeichnung annehmen. In Serbien geht's um! Berlin, 17. Jan. Der Berliner Korrespondent der „Deutsch. Tagesztg.“ behauptet, aus ganz zuverlässiger Quelle die Nachricht erhalten zu haben, daß tatsächlich in Serbien eine Verschwörung gegen König Peter bestehe, die von England unterstützt werde. Die Absicht sei dabei, den Prinzen von Battenberg, den Bruder der Königin von Spanien, auf den Thron zu setzen. König Peter soll entweder mit Gewalt aus dem Lande gebracht werden, oder mit leiner Geldsumme abgefunden werden. Heimkehr der französisch=japanischen Marokko=Flotte. Aus Paris, 15. Januar, wird gemeldet: Die Abberufung der französisch=spanischen Flotte aus Tanger steht bevor. Man glaubt, daß das französische Geschwader Anfang Februar wieder in Toulon eintreffen wird. Der beste Beweis dafür, daß die ganze Demonstration ihrem Ende entgegengeht, ist follgender: In Toulon stand das Kriegsschiff„Conde“ in Bereitschaft, um der französischen Flotte in Tanger gegebenenfalls Verstärkungen zuzuführen. Jetzt bekam der„Condl“ aber plönzlich Order, seine bereits eingenommene scharf. Munition und die lebenden Schlachttiere wieder auszuladen. Nach Erklärung des auswärtigen Amtes hätte die vereinigte Flotte vor Tanger ihren Zwect vollständig erreicht, nämlich, durch ihre Gegenwart die marokkanische Regierung zu Maßregeln zum Schutze der dortigen Europäer und zu ernstlichem Vorgehen gegen den Räuberhauptmann Raisuli zu zwingen Allein, die Abberufung der französischen Flotte ist doch nicht nach dem Geschmack gewisser Leute, und man ann das Wiederauftreten der englisch=französischen Preßcampagne erwaren, wobei neuerdings von gefährlichen Unruhen in Marokko berichtet werden wird. Schon heute fläßt sich der„Matin“ aus Tanger telegraphieren, daß Raisuli neuen Mut geschöpft habe und sich mit der Absicht trage, wiederum Jagd auf Europäer zu machen. Das Blatt fügt noch hinzu, daß die Ansicherheit in Tanger und Umgebung fortbestehe. Diese Behauptung wird jedoch von den Offizieren des aus Marokto heimgekehrten Kriegsschiffes„Charl:magne“ besirtten, welche einstimmig aussagen, daß nunmehr in ganz Morokko vollkommene Rußze herrsche. Die Tragödie von Geispolsheim Fast ohne ein Wort der Kritik ist die gesamte größere Presse Deutschlands an dem furchtbaren BrandUnglück in Geispolsheim, das 22 Menschen einen qualvollen Tod brachte, vorübergegangen. Hätte sich eine ähnliche Katastrophe in einer bekannteren Gegend oder auf der Eisenbahn ereignet, sie hätte zweifellos allen deutschen Zeitungen Stoff zu umfangreichen Kommentaren geliefert. Der Umstand aber, daß die meisten deutschen Zeitungsleser den Ort des Unglücks kaum kenen, sollte doch noch kein Grund sein, achtlos an ihm vorüberzugehen, um so mehr, als es nicht durch einen Zufall entstehen und so verheerend winken konnte, sondern durch die überaus bedenklichen Einrichtungen der betreffenden Fabrik verursacht wurde. Ein elsässisches Blatt berichtet darüber: „Die sogenannte„Häftelboutique“ ist ein kleines, aus Backsteinen aufgeführtes Gebäude, dessen Innenraum durch einen Mittelgang in zwei Hälften geteilt ist. Links ein Saal von etwa 10 Meter Länge und 4 Meter Breite, in dem 30 Personen beschäftigt wurden. Rechts drei Räume, in denen geklebt, gepreßt und gefüllt wurde. Diese drei Räume haben denselben Flächeninhalt zusammen wie der Saal links und liegen der Straße zu, während der Arbeitssaal links, in dem die armen Opfer einen so schrecklichen Tod fanden, auf ein kleines Gärtchen stößt. Die Fenster sind sämtlich aus einem einzigen großen Rahmen aus Schmiedeeisen verfertigt und mit einer Querstange festgehalten. Ausheben konnte man dieselben wohl, aber, wie gesagt, das ganze Fenster von etwa einem Quadratmeter auf einmal, da alles aus einem Stücke bestand. Sowohl zum Saale rechts wie links führt nur je eine einzige 80—90 Zentimeter breite Türe. Nottüren oder auch nur andere weitere Ausgangstüren sind überhaupt nicht vorhanden und die vorhandenen Türen führen nicht sofort ins Freie, sondern erst auf den schmalen Mittelgang, der vorn gegen den Hof zu nochmals mit einer Türe abgeschlossen war. Es ist völlig unverständlich, wie die Gewerbe=Aufsichtsbehörde in einer solchen„Boutique“ einen Betrieb mit den feuergefährlichstem Stoffen ausüben ließ. 30 Personen mit den nötigen Sitzbänken und Arbeitstischen auf einem Flächenraum von 40 Quadratmeter! Gegenüber der Eingangstür stand ein Ofen, der mit Briketts gefeuert wurde, und in unmittelbarer Nähe ein Korb, in den die Celluloidabfälle geworfen wurden.“ Das sind doch Zustände, die man nicht für möglich gehalten hätte! Was hat denn die Fabrikinspektion in Geispolsheim getan oder vielmehr versäumt? Gibt es keine Sühne dafür, daß 22 blühende Menschenleben durch einen grauenhaften Tod zugrunde gingen? Und herrschen etwa in anderen Fabriken Deutschlands ähnliche Züstände, die jeden Augenblick eine furchtbare Katastrophe herbeiführen können? Diese Fragen sollton von der gesamten Presse ausgenommen werden, bis sie eine wenigstens für die Zukunft befriedigende Antwort finden. Denn es handelt sich doch nicht um irgend ein Unglück in exotischen Gegenden; sondern es waren 22 junge deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen, die alle Paragraphen unserer Arbeiterschutzgesetze nicht vor einem elenden Tode geschützt haben!! Westfalen und Rheinland. Brohl 17. Jan.(Kohlensäuresprudel Der im Küppers=Weberschen Besitze befindliche Ko# lemsäuresprudel nimmt täglich am Ausdehnung zu Er wirft täglich 12—15 000 Liter aus. Der Quell, en vorzügliches Mineralwasser, besitzt einen hohen gegrad und eignet sich infolgedessen ganz besonderz zu einer Heilqueu:. Die Errichtung eines Kurortes der für den Ort Brohl von der größten Bedeutung wäre, liegt darum auch in den Absicht der Besitzer Nach dem Urteil von Sachverständigen ist der Sprudel jetzt schon imstande, 50—60 Flaschen Kohlensäuve täg. lich zu liefern. Es wird beavsichtigt, den Betrieb an eine Attiengesellschaft zu vergeben, jedoch so, daß die Hälfte der Aktien in Händen der Eigentümer bleiß Diese lassen noch eine zweite Quelle auf ihrem Eigen lum erbohren. Erster Gedanke. Der Lehrer sucht den Kindern der Begriff„fahrlässiger Tötung" zu erklären.„Wenn ic mich“, sagte er,„jetzt auf jene morsche Brücke, die neuerdings gesperrt ist, begebe, ins Wasser fallen und ertrinken würde, was wäre das, Karl?“—„Für morgen'n schulfreier Tag.“ Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Bekanntmachung. Reklamationen auf Zurückstellung oder Befreiung vom Militärdienst sind persönlich unter Vorlage der Steuerzettel, der Geburtsscheine der Eltern und G.schwister, des Nachweises über den Arbeitsverdienst sämtlicher Geschwister während der letzten 6 Monate, Invalideupension pp. und der die Zurückstellung oder Befreiung sonst begründenden Atteste, Schulddoknmente, Zinsquittungen usw. anzubringen.— Behauprete Erwerbsunfähgket ist durch Zeugnis des Herrn Kreisarztes nachzuweisen. Ueber etwaigen Grundund Gebäudebesitz sind Auszüg: aus der GrundsteuerMutterrolle bezw. Gebäude=Steuerrolle vorzulegen. Hierzu habe ich Termin auf Mittwoch, den 30. Junwar, Donnerstag, den 31. Januar und Freitag, den 1. Februar er. vormittags von 9 bis 11 Uhr und nachmittags von 3 bis 5 Uhr, in dem hiesigen Amtsbureau, Zimmer Nr. 5 anberaumt. Die in den Vorjahren angebrachten Reklamationen müssen erneuert werden. Reklamationen der Landwehrleute und Reservisten auf Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung sind ebenda an denselben Tagen und in den gleichen Dienststunden anzubringen. Auch diese Reklamationen sind wie Liejenigen der Militärpflichtigen zu begründen Wellinghofen, den 16. Januar 1907. Der Amtmann. Hartung. Bekanntmachung. Das Proviantamt Münster setzt den Ankauf von gutem Roggen, Hafer, Heu und Roggenrichtstroh fort. Auch Weizen wird gekauft, wenn derselbe sich nicht mehr als 6 Proz. teurer wie Roggen stellt. Stroh darf jedoch nur nach vorheriger Anmeldung zugefahren werden. Proviantamt Münster. Bekanntmachung. Die Haushaltspläne der Gemeinden des Amtes für 1907 liegen vom 25. ds. Mt. ab 14 Tage lang bei den Herren Gemeindevorstehern zur Einsicht offen. Aplerbeck, den 17. Januar. Der Amtmann. Leonhard. Unser Wochendichter. Laß dich zum Wahlakt schleppen! Der Wahlkampf! Nun herrscht ein Kämpfen rings im Land, Ein Reden und ein Streiten, Zwar nimmt man nicht das Schwert zur Hand Wie einst in alten Zeiten, Man kämpft allein durch Schrift und Wort, Doch einer reißt den andern fort Und bringt ihn in Erregung, Das nennt man Wahlbewegung! Doch fühlst du dich als starken Mann, Magst du die Schwächern tragen, Schlepp auch den Säumigen heran. Nimm kräftig ihn am Kragen, Ob klein, ob groß, ob jung, ob alt, Folgt er nicht willig, brauch Gewalt, Es wird dir schon gelingen, Zur Urne ihn zu bringen! Der Agitator zieht umher, Verbreiter wird das Flugblatt, Das schmäht den Gegner meistens sehr, Und oftmals ist's ein Trugblatt; Doch nennt es deutlich uns den Mann, Der einzig uns beglücken kann, Der— uns viel nützen könnte: Säß er im Parlamente! Drum vorgeseh'n und ausgepaßt, Die Zeit geht schnell von hinnen! Wenn du noch einen Vater hast, So mußt du ihn gewinnen; Ja, werbe Freunde sonder Zahl Und schlepp: in das Wahllokal Die Freundschaft und Bekanntschaft, Die ganze Wahlverwandtschaft! O Bürger, was du sonst auch sannst, Erheb dich von der Stelle Und wähl, so lang du wählen kannst, Und wähl auf alle Fälle! Das Wählen ist dein vornehm Recht, Und wer nicht wählt, der handelt schlecht, Er macht dadurch den Gegner Noch kühner und verwegner! Der Wahlkampf tobt! Scharf greift sich an, Die gegnerische Presse, Zur Wahlversammlung eilt der Mann Mit Eifer und Int'resse, Er muß der Gattin Anme flieh'n Und ruft: O Mutter, laß mich zieh'n, Denn wann ich fehle, denken Die andern: Ich will schwenken! wähle fröhlich, wie du wagst, Ja, wähl' nach bestem Wissen, Und wähle, wen du wählen magst Und laß dich nicht vermissen, Doch liegst du leiderschwach und krank, Und wird dir schwer der kleinste Gang, Selbst über Flur und Treppen, Drauf stürzt er ins Vereinslokal, Da gibt's kein Federlesen, Di: Mutter klagt: Die böse Wahl, O wär sie erst gewesen! Indessen fällt ihr Aelt'ster ein: Lieb Vaterland magst ruhig sein! Warum? fragt drauf ihr Zweiter, Der Vater wählt!—— Ernst Heiter. Stadttheater Dortmund. Montag, den 21. Jan.7 Serie A, Nr. 31 Rote Karten. Anfang 7,30 Uhr.„Die Geisha“. Eine japanische Teehausgeschichte in drei Aufzügen von Sidney Jones. Dienstag, den 22. Jan.: Serie B, Nr. 30 Blaue Karten. Anfang 7,30 Uhr„Es lebe das Leben". Drama in fünf Aufzügen von Hermann Sudermann. Mittwoch, den 23. Jan.: Serie C, Nr. 29. Gelbe Karten. Anfang 7,30 Uhr.„Die Geisha“. Eine sjapanische Teehausgeschichte von Sidney Jones. Donnerstag, den 24. Jan.: Serie A, Nr. 32. Rote Karten Anfang 7,30 Uhr.„Die Nachtkritik“. Lustspiel in drei Aufzügen von Rudolf Presber. Freitag, den 25. Jan.: Serie C, Nr. 30 Gelbe Karten. Anfang 7,30 Uhr 2. Vorstellung im Lustspiel Cyklus. Zum 1. Male:„Die deutschen Kleinstädter“. Lustspiel in 4 Aufzügen don August v. Kotzebne. Sonnabend, den 26. Jan.. Bei aufgehobenem Abonnewent(Jahreskarten gültig) Zur Vorfeier des Geburtstages Sr Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Galavorstellung bei festlich erleuchtetem Hause.„Die Königin von Saba“. Große Oper mit Ballet in vier Aufzügen von Karl Goldmark. Königin Frau Rüsche=Endorf vom Kgl. Hoftheater als Gast Sonntag, den 27. Jan: Vormittags 11 Uhr. Vierte literarische Matinee. Zum 1. Male„Derverlorene Vater",(Vou mever cau tall). Komödie in vier Aufzügen von Bernhard Shaw. Nachmitttgs 3,30 Uhr Volksvorstellung zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. volkstümliche Preise. Zum 1. Male„Zopf und Schwert“ Historisches Lustspiel in fünf Aufzügen von Karl Gutzkow. Abends 7,30 Uhr Bei aufgehobenem Abonnement(Fahreskarten gültig). Bei festlich erleuchtetem Hause„Die Geisha.“ Eine japanifech Teehausgeschichte in drei Aufzügen von Sidney Jones. 2 Die Fert zerschiffes, de für die unglis Welt, soweit sensationelles nought“ als die Wogen d hoben, daß di mächtigste der einen gewalt rigen Mächhe gespendete Lo Die„Droadu cement von 1 mi starken Arm „Dreadnough lere Artiller tergeschützen, haupt konstr Artilleris in boo.sgeschütze Vor alle bei der Konst die Fortbew Stelle der b jeder Mari müßte und Erbauung d lichst nach d hier in Fra stückung d Das Verha nach den vo rüstung der einer Bestü könnte hier lich finden Anhaltspun rineverwalt lassen. 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