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Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund.“ o o 0 O O O O O O.O O O o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o 0 0 0 0 0 C C C C 0 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Aäresse Braus. Schwerte-Ruhr. o Nr. 194 Oberst v. In einem Briefe aus Südwestafrika an die„Tägl. Rundsch.“ schreibt Pfarrer Schowalter über den Obersten v. Deimling:„Seit er wiedergekommen ist, ist er der Mann des allgemeinen Vertrauens, auch derer, die glaubten, durch sein Auftreten(im Reichstage. D. R.) am meisten geschädigt zu sein, der Farmer.... Das Gefühl wird jeder haben, daß Oberst v. Deimling einer Sache, die er vertritt, durch das Einsetzen seiner Persönlichkeit dafür einen über die formelle Begründung hinausreichenden Wert gibt. Das hat er auch getan, als er hierher kam, in einer Sache, in der ein offenes Wort vonnöten war. In einer temperamentvollen Rede hat er seine Truppen begrüßt, sie hingewiesen auf den ehrenvollen Namen, den sich die Schutztruppe mit vielen Opfern an Blut erworben habe, und sie an die Pflicht gemahnt, sich diesen Namen zu erhalten. Rücksichtslos und derb sprach er dann aus, daß die Ehre der Truppe gefährdet sei durch in die Heimat gedrungene Gerüchte über Raufhändel, Disziplinlosigkeit und Unzucht, und daß der„Suff, dieses Erblaster Südwestafrikas, in dem die Bierflaschen wie Pflanzen gedeihen", unsere Soldaten innerlich und äußerlich zugrunde zu richten drohe. Und dann appellierte er an ihr Kameradschaftsgefühl, damit jeder, der felddiensttauglich sei, sich auch melde, und denen, die des Tages Last und Hitze zumeist getragen, Ablösung verschaffe. Nach seinen Worten hat er auch gehandelt. Wo er hinkommt, schwindet von selbst die Bequemlichbeit, in die man sich auf dem Kriegspfade allmählich eingelebt hat. Er hat Offizieren ihre weißen Burschen, Militärbeamten ihre zweiten Reitpferde weggenommen, den Verbrauch der Soldaten im Bureau=, Garnisons= und Intendanturdienste eingeschränkt. Andererseits hat er dem gefährlichen Experiment, kriegsgefangene Witboois aus Mangel an anderem Personal als Kolonnenführer zu verwenden, sie so in alle militärischen Geheimnisse einzuweihen sund ihnen die beste Gelegenheit zu unauffällger Verständigung mit Stammnesgenossen zu geben, seine Mitwirkung versagt. Voll Vertrauen sah man ihn kommen, als er sich jeden Empfang verbat, Automobil und Wagen nach Hause sandte und zu Fuß vom Bahnhof in seine Wohnung ging, um alles sich kümmernd, nach allem fragend. Das Vertrauen wuchs, als er inmitten angestrengter mlitiärischer Vorbereitungen Zivilisten ihr Recht zu verMontag, den 20. August 1906. 38 Ihrg. schaffen Zeit fand, denen er um ihre Verdienste im Kriege willen Zusicherungen bequemer Ansiedlungsmöglichkeit gegeben hatte, ohne daß sie bisher damit etwas erreichen konnten. Und wertrauensvoll sah man ihn nun nach dem Süden gehen, als er in seiner Dräsine am kalten Wintermorgen von Windhuk nach Swakopmund abfuhr, obwohl ihm der Wagen des Gouverneurs zur Verfügung gestellt war.“ Uebersicht. — Der Landwirtschaftsminister hat sein Entlassungsgesuch eingereicht! Das war die neueste Wendung in der Kolonialaffäre, die wir als einzigste Zeitung hierselbst bereits am Sonnabend mittels Extrablattes einem großen Teile Uunserer Leser mitteilen konnten. Ueber die Angelegenheit wird nun ausführlicher gemeldet: — Berlin, 18. August. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ hört, der Reichskanzler hätte bereits von Norderney aus den Landwirtschaftsminister zu einer Aeußerung über seine in letzter Zeit vielfach erörterte Beteiligung des Ministers an den Geschäften der Firma Tippelskirch u. Co. aufgefordert. Hierauf ist von Podbielski eine eingehende Antwort erfolgt, worin der Minister am Schluß bat, seinen Wunsch nach Entlassung aus dem Staatsdienst an Allerhöchster Stelle zu unterHreiten. Der Bischof von Posen gegen die Regierung. Posen, 18. August. Erzbischof v. Stablewsky hat eine Eingabe an das Ministerium gerichtet, worin er sich gegen den deutschen Religionsunterricht für polnisch sprechende Kinder wendet. Sozilademokraten als Arbeitegber. — Das Thema: Sozildemokraten als Arbeitgeber wird durch eine Umfrage, welche die Angestellten über die Zustände in den sozialdemokratischen Konsumvereinen veranstaltet haben, einmal wieder gut illustriert. Von 837 Vereinen haben sich 774 mit Antworten beteiligt. Das Ergebnis der Erhebungen, so sagt das Organ der Handlungsgehilfen, ist nicht erfreulich. Arbeiter, die sonst für den Achtuhrladenschluß schwärmen, haben in den Konsumvereinen die Angestellten in vielen Fällen bis 10 Uhr beschäftigt. Nur in 79 Vereinen ist der Achtuhrladenschluß durchgeführt. Nach dem Ende der Geschäftszeit müssen die Angestellten noch Aufräumungsarbeiten vornehmen. Uebertretungen der gesetzlichen Ruhezeit sind an der Tagesordnung. Mehr als Zweidrittel der Beschäftigten haben keine vollständige Sonntagsruhe. In 150 Fällen ist eine Geschäftszeit von fünf Stunden und länger am Sonntag vorgeschrieben. Die Gehaltssätze sind durchweg sehr gering. Besonders tritt das bei den weiblichen Lagerhaltern zutage. Ein Konsumverein zahlt einer Lagerhalterin beispielsweise im Maximum 65 Mk. für den Monat, er verteilt aber dabei 14 v. H. Dividend:. In Augsburg z. B. beschäftigt der Konsumverein Verkäuferinnen mit 20 Mk. Monatsgehalt.— Kommentar überflüssig. Ausnahmezustand und Ausnahmemaßregeln. Zürich, 18. August. Die sozialen Kämpfe dieses Sommers in Zürich sind durch das sehr energische Auftreten der Regierung zu einem gewissen Abschluß gebracht worden, nachdem sie aufseiten der ausständigen Arbeiterschaft mehr und mehr einen kindischen und bubenhaften Charakter angenommen hatten. Nachdem die Polizei Demonstrationsumzüge verboten hatte, veranstaltete die Arbeiterunion sogenannte„Verachtungsbummel“, indem sie die Arbeiter zu Massenspaziergängen durch die„besseren" Quartiexe aufforderte, wobei dann vor den Hotels, öffentlichen Gebäuden usw. gepfiffen und gejohlt wurde. Da bei der überaus gereizten Stimmung der Bürgerschaft ernste Zusammenstöße zu befürchten waren, mußte die Regierung nochmals eine Dragonerschwadron aufbieten zur Verhinderung dieser provokatorischen„Spaziergänge". Nun aber war auch ihre Geduld vollständig erschöpft. Sie erließ ein allgemeines und strenges Verbot gegen jede Art von Demonstrationen sund beschloß zugleich, 30 Ausländer, darunter 13 Deutsche, die sich irgendwie lästig gemacht hatten, aus dem Lande auszuweisen. Einer von den Betroffenen ist der sozialistische Chefredakteur Emil Hauth vom„Volksrecht“, den esine gutmütigen bürgerlichen Kollegen mit ihrer Einsprache bei der Regierung und der Berufung auf die Preßfreiheit nicht mehr zu retten vermochten, nachdem seine sozialistischen Kollegen sund Genossen das Menschenmögliche geleistet hatten, um Regierung und Volk zu reizen und herausVerstoßen. Roman von Editha v. Welten. 50 „Aber ich kann ja gar nicht tanzen,“ flüsterte ihr das Mädhen zu. „Das findet sich ganz von selbst, ich habe es auch nicht gelernt und galt doch in meiner Jugend für eine sehr gute Tänzerin," erwiderte das Fräulein halblaut.„Mache es wie die andern, Du darfst jetzt nicht länger warten lassen.“ In schüchterner Verlegenheit erhob sich Gertrud und der Rittmeister trat mit ihr als erstes Paar an. Sein Beispiel fand Nachahmung, die Ossiziere engagierten, ebenso die anderen Herren in sehr großer Zahl, die sich vielleicht tanzlustiger als gewöhnlich zeigten, um Frau von Geibel Opposition zu machen, weil sie über deren anmaßende Rücksichtslosigkeit empört waren. „Angefangen!“ rief der Rittmeister dem Orchester zu. Der Kapellmeister zögerte noch einen Moment, dann entschloß er sich, mit einem Blick auf die Uhr, die bereits eine vorgerückte Stunde zeigte, dem Verlangen des Publikums zu entsprechen. Wer konnte wissen, ob Frau von Geibel überhaupt erscheinen würde? Die Klänge eines Straußschen Walzers ertönten, der Tanz begann. In der sicheren Führung des Rittmeisters empfand Gerkrud kein Bangen und kein Zagen, die Musik durchdrang ihr gandes Wesen, sie fühlte den Rhythmus in jeder Faser ihres Körpers und mit leidenschaftlichen Wohlgefallen gab sie sich dem hr unbekannten und doch so vertrauten Vergnügen hin. Sie #### wie verwandelt; das heiße Blut strömte schnell durch ihre ebern, ihre Lippen waren leicht geöffnet, ihre Wangen glühten, biejunge Brust wogte. Sie hatte alles um sich her vergessen diesem wonnevollen Schweben, sie hätte immer weiter tanden mhgen, Ermüdung gab es nicht für sie, und jedes andere Bedenken war ihr entrückt. Ihr Tänzer, der ihr Entzücken wahrnahm, führte sie in immer eineutem Wirbel durch den Saal. Die anderen Paare waren zurückgetreten, aber sie beachteten es nicht. Fraulein von Wangen, die sich erst an Gertruds Lust erfreut hatte, wurde ängstlich; sie konnte ihre Selbstvergessenheit nicht „esreisen, sir hatte sie so gern zu sich selbst zurückgerufen, aber Eein Blick der Tanzenden slog zu ihr herüber, und so saß sie in peinlichster Verlegenheit da Jetzt öffneten sich die Flügel der Eingangstür weit und eine kleine Gesellschaft trat ein, Frau von Geibel und ihre Tochter, und mit ihnen die Rätin Rödiger, die zu einer zweiten Kur nach Springquell gekommen war. Max von Wangen und Herr von Geibel folgten den Damen. Frau von Geibel empfand die lebhafteste Entrüstung, weil man gewagt hatte, ihr Vorrecht anzutasten und den Tanz in ihrer Abwesenheit zu beginnen, und ihr Zorn steigerte sich, als sie das eine nur noch tanzende Paar fixierte und in der Dame das ihr verhaßte junge Mädchen erkannte. Soeben führte der Rittmeister seine noch heftig atmende, in großer Erregtheit befindliche Tänzerin ihrer Beschützerin wieder zu, die ihr einige sanfte Vorwürfe nicht ersparte. „Kind, Kind, solche Leidenschaftlichkeit hätte ich Dir nie zugetraut!“ sagte sie halblaut.„Wie konntest Du das tun! Du hast Dich recht unpassend benommen.“ Gertrud war erschrocken.„Wirklich! Wie leid mir das ist! Ich dachte gar nicht daran! Es kam über mich wie ein plötzlicher Taumel. Es soll gewiß nicht wieder geschehen. Aber es war wundervoll, Fräulein Rese.“ Der Leutnant von Stürmer nahte sich jetzt, um einige Kameraden vorzustellen und um den nächsten Tanz für sich zu bitten. „Ich darf doch?“ fragte Gertrud in einer Befangenheit, die ihr reizend stand. Die alte Dame nickte lächelnd und sagte nur:„Du kennst ja die Bedingung. „O gewiß, ich werde sie erfüllen,“ erwiderte Gertrud und folgte ihrem Tänzer. Die Rätin Rödiger war nicht weniger betroffen gewesen, wie Frau von Geibel, als sie Gertrud in diesen Räumen als gefeierte Tänzerin traf Sie schoß stechende, haßerfüllte Blicke auf das junge Mädchen, ihre Wangen färbten sich bläulich und ihre Lippen bebten.„Was sagen Sie zu dieser Frechheit, die wirklich alle Begriffe übersteigt, wandte sie sich an Frau von Geibel. „Ich begreife Fräulein von Wangen nicht,“ entgegnete diese. „O, die blinde Vertrauensseligkeit der guten Dame ist schon lange allen, die den Vorgängen mit verständnisvollen Blicken folgten, ein Rätsel!“ rief die Rätin spöttisch aus.„Doch was weiß solche alte Jungfer vom Leben! Wenn ihr endlich die Augen aufgehen, kommt ihr Bereuen zu spät.“ „Wie konnte sich der Rittmeister von Arming nur so kompromittieren mit einem solchen Mädchen!“ rief Frau v. Geibel aus. „Meine Liebe, wozu lassen sich die Herren nicht durch ein hübsches Lärvchen verleiten!“ versetzte die Rätin achselzuckend. „Und diese Gertrud besitzt mehr als das, die Erbschaft des mütterlichen Blutes trägt bei ihr Früchte. Ich bitte Sie, wäre es möglich, daß eine von unseren Töchtern sich so benähme! Das war ja die reine Bacchantin! Und diese gefährliche Person bringt Fräulein von Wangen unter einem Dache mit ihrem Neffen zusammen! Es ist unverantwortlich! Mag dieser auch durch andere, edlere Einflüsse einigermaßen gegen eine solche Sirene gefeit sein, so widersteht ein Mann solchen Lockungen doch schwer auf die Dauer. Es sollen sich seltsame, ich will nicht sagen skandalöse Vorgänge im Jennewitzer Schloßgarten abspielen. Ohne nach der Seite, wo Fräulein Rese saß, zu blicken, schritten die beiden Damen an dieser vorbei auf den Chrenplatz zu, der Frau von Geibel zustand. Sie sah sich nach Max von Wangen um und gewahrte ihn, wie er mit verschränkten Arnien und gerunzelter Stirn an einem Pfeiler lehnte und mit finsteren Blikken in den Saal starrte, in dem die Paare soeben wieder zum Tanze antraten. Magdas Gegenwart schien er ganz vergessen zu haben. Diese hatte nie unvorteilhafter ausgesehen, als in diesem Moment, wo sie in Aerger und Enttäuschung darauf wartete, von ihm aufgefordert zu werden. Wahrscheinlich hatten auch die anderen Herren dies als selbstverständlich angenommen, denn keiner von ihnen machte den Versuch, und so erlebte Magda zum erstenmal die Demütigung, daß sie nicht engagiert war. Sie empfand dies als eine große Schmach und betrachtete die Tanzenden mit mißgünstigen Blicken, besonders Gertrud, die so gefeiert wurde und keinen Moment zur Ruhe kam, weil sie fortwährend zu Extratouren geholt wurde. Wie heiter und glücklich sah sie aus und wie schön! Sie beherrschte sich jetzt mehr, aber dennoch strahlte die Freude an dem Vergnügen aus jeder ihrer Mienen. Bis jetzt war Gertrud so mit sich selbst beschäftigt gewesen, daß sie den Eintritt der Geibelschen Familie gar nicht bemerkt hatte. Nun traf ihr Auge zufällig auf Magda, und in ihrer gehobenen, freudigen Stimmung vergaß sie ihre gewohnte Zurückhaltung und nickte jener, von der sie bisher nur Wohlwollen erfahren hatte, in harmloser Freundlichkeit zu. 141,20 zufordern. So kommt es nun, daß die noch vor wenig Jahren undenkbare Ausweisung Hauths im Kanton Zürich und im ganzen Schweizerland mit hellep Genugtuung begrüßt wird und daß man sich überall freut über die derbe Lektion, welche die Züricher Regierung der so anmaßend und herrisch auftretenden internationalen revolutionären Sozialdemokratie erteilt hat. Russische Kriegsgerichte. Petersburg, 18. August. Das Kriegsgericht verurteilte 17 Matrosen vom„Pamjat Asowa“ und einen Agitator zum Tode. Das Urteil an allen 18 ist heute früh vollstreckt worden.— Das Kriegsgericht verurteilte ferner 12 Matrosen zu Zwangsarbeit von 6—10 Jahren, 13 zur Versetzung in eine Strafabteilung mit zeitweiliger Haft, 15 zu Disziplinarstrafen, 34 Angeklagte wurden freigesprochen. Drei Zivilpersonen wurden den Zivilgerichten übergeben. Korruption in Ungarn. Kein Tag vergeht, ohne daß vor uns ein neues Dokument über die in Ungarn bestehende Korruption liegen würde. Das neueste in dieser Beziehung ist folgendes: In der von der Ofen=Pester Stadtverwaltung eingesetzten Kommission wegen der Fleischteuerung hat der Abgeordnete Karl Cötvös eine interessante Aeußerung gemacht. Cötvös erzählte nämlich, es sei eine Deputation von Bürgern der Hauptstadt bei ihm erschienen und habe ihn um seine Intervention in Angelegenheit der Fleischteuerung ersucht. Der Sprecher der Deputation enklärte:„Wir waren bereits bei einem anderen Reichstagsabgeordneten, aber der hat zuviel von uns verlangt. Wir haben diesem Reichstagsabgeordneten schon 10000 K. gegeben, damit er bei der Hauptstadt unsere Angelegenheit durchführe. Aber der betreffende Abgeordnete hat uns betrogen. Cötvös erklärte hierauf der Deputation, er könne sich nun nicht in die Sache mischen, denn wenn er es täte, so würde derjenige Abgeordnete, der zuviel verlangt habe, jetzt sagen:„Schaut her der Cötvös hat die Geschichte billiger übernommen als ich.“ Und solchen Leuten sind die Geschicke Ungarns anvertraut, diese Elemente dürfen über das Sein oder Nichtsein der nichtmagyarischen Nationen entscheiden und erdreisten sich, in der Monarchie den maßgebenden Einfluß für sich in Anspruch zu nehmen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 20. August. *( D a s E n d e d e r H u n d s t a g e) n a h t s u n d d a m i t d e r Abschluß des eigentlichen Sommers, wenn der Sommer offiziell auch noch einen Monat währt. Schon jetzt sprechen wir vom Spät= oder Nachsommer. Das Tagesgestirn, Frau Sonne, nimmt ihren Lauf nicht mehr so hoch, wie vor wenigen Wochen noch, es scheint, als ginge ihr die„Puste“ aus, und das abendliche Dunkel senkt sich bereits frühzeitig hernieder. Welcher Unterschied zwischen Mitte Juni und Mitte August! In der achten Abendstunde schon müssen wir unsere Zuflucht zur künstlichen Beleuchtung nehmen, wenn es gilt, noch Arbeit zu leisten. Wir haben aber immer noch auf viele schöne Tage zu rechnen und die Natur bietet, wenn man auch schon braunes Laub und„Blatt um Blatt“ fallen steht, noch viel, viel Reizvolles. Ja, das farbenprächtigsta Bild kommt erst noch, wenn sich das Laub der Bäume bunt färbt. Und doch, die Anzeichen dafür, daß wir, wenn auch langsam, so doch mit unfehlbarer Sicherheit einer anderen Jahreszeit entgegengehen, mehren sich. Dazu gehören unter anderem die Preislisten, die uns jetzt, wie alljährlich um diese Zeit, von den Kohlenfirmen ins Haus geschickt werden. Wollen wir uns nicht selbst schädigen, so müssen wir diesen Listen Aufmerksamkeit und der Aufforderung zum KohlenEinkauf Gehör schenken, denn zurzeit sind noch die üblichen Sommerpreisermäßigungen für Kohlen in Geldung, während wom 15. September ab die„Winterpreise“ in Kraft treten, die höher sind. Ein fürsorglicher Hausvater rechnet damit diesmal um so mehr, weil ein weiteres Anziehen der Kohlenpreise mit Bestimmtheit erwartet werden kann. Wir hatten unseren liebwerten Freund im Winter, den Ofen, ganz vergessen, nun werden wir an ihn und den Tribut, den er fordert, unliebsam erinnert, und das in den Hundstagen, da die Sonne noch heiß brennt,— o Ironie des Schicksals! **(Neue Bahnlinie.) Es wurde schon vor mehreren Jahren darauf hingewiesen, daß eine Eisenbahnverbindung von Löttringhausen nach Schwerte notwendig und von großem Vorteil sei. Es fanden auch damals Vermessungen statt und zwar sollte die Linie entweder über Westhofen oder Holzen geführt werden; im letzten Falle war der Bau eines Tunnels erforderlich. Daß aus dem Bahnbau seinerzeit nichts geworden ist, ist wohl nicht zum mindesten darauf zurückzuführen, daß die Eisenbahnstrecke Dortmunderfeld=Schwerte in den Vordergrund gerückt wurde. Aber trotzdem der Bau dieser Linie demnächst zur Ausführung kommen wird, sollen doch noch Erhebungen über die Notwendigkeit der Bahn Löttringhausen=Schwerte angestellt werden, um die Güter aus dem westlichen Kohlenrevier anstatt über Hagen über Löttringhausen zu leiten. Die ganze Strecke hat eine Länge von 10 Kilometer und schaffte eine um 25 Kilometer kürzere Verbindung des Kohlenveviers mit der Ruhrtalbahn, wie über WittenHagen. Eine bedeutende Entlastung der stark in Anspruch genommenen Eisenbahnlinien Langendreer=Witben=Hagen und Hagen=Westhofen=Schwerte würde eintreten. Sollte der Bau ausgeführt werden, so hat Schwerte nach Beendigung der Bahnbauten SchwerteIserlohn und Schwerte=Dortmund nach sechs Richtungen Eisenbahnverbindungen und es würde sich bald herausstellen, daß der hiesige Bahnhof trotz des soeben beendeten Erweiterungsbaues dem immer mehr zunehmenden Verkehre kaum genügen würde. Schon jetzt sind infolge der bedeutenden Verkehrserweiterungen eine Anzahl Beamte und mehrere Zugpersonale nach hier versetzt worden. **(Die Kieler Beschlüsse) beschäftigten gestern abend nochmals die beiden ältesten hiesigen militärischen Vereine in zwei gut besuchten Generalversammlungen. Der Kriegerverein tagte im Saale des Herrn Schulze=Selmig, der Garde= und Landwehrverein im Saale des Hotels Eckmann. Der Vorstand des Kriegervereins war sich in seiner letzten Vorstandssitzung mit 15 gegen 4 Stimmen einig geworden, die Kieler Beschlüsse der Generalversammlung zur Annahme zu empfehlen und gab sich nach dieser Richtung hin die redlichste Mühe, aber vergebens. Die Abstimmung ergab, daß außer diesen 15 Vorandsmitgliedern nur 4 Kameraden für die Annahme, und mehr als 70 dagegen stimmten. Die Kieler Beschlüsse waren also gefallen und das, trotzdem Herr Major Freiherr von Rheinbaben sich bereit erklärt hat, in den ersten Jahren die Differenz aus seiner Tasche zu zahlen. Mit dem gestrigen Generalversammlungsbeschlusse hat sich der Schwerter Kriegerverein also außerhalb des preuf kriegerverbandes gestellt. Aber auch für Cen, seine Prosepekte beigelegt hatte. Es ist also anzunehmen, daß auch in hiesiger Gegend von Fischer geschädigte Leute sind. Red.) **(Das gestrige Handwerkerfest) wurde unter recht reger Beteiligung in dem üblichen Rahmen durch Festzug, Konzert und Ball gefeiert. Unter den Klängen eines flotten Marsches bewegte sich gestern nachmitag der einen sehr guten Eindruck machende Festzug durch die Straßen der Stadt. In ihm fielen besonders die schmuck kostümierten Bäcker, die ein Brot von gewaltigen Dimensionen und Schärpen von— Bretzeln trugen, auf; weiter die Metzger, die zwei stramme Schlachtstiere führten. Den Schluß machte eine Schmiede, in der trotz des Sonntages eine wahre Arbeitswut herrschte. Lustig prasselte das Schmiedefeuer und „Kling, klang, kling, klang“ machten die duf den Ambos niedersausenden Hämmer. Als Symbol trug der gen einen Haustürschlüssel von riesigen Dimensionen, si. cher das Ziel der Sehnsucht mehr als eines Pantoffelhelden. In dem dann im Saalle des Herrn SchulzeSelmig beginnenden Konzerte zeigte sich die Branscheidt'sche Kapelle aus Hagen als ein vortrefflich geschulter und gut geleiteter Musikkörper, von dem wir erwarten dürfen, ihn noch öfter in Schwerte zu hören. jeußischen Landes= Ein gut besuchter Ball schloß das schöne aufs Beste verfür die Harmonie lausene Fest. innerhalb des Vereins scheint der Beschluß unzünstige—(Einen Schützentag) feierte gestern der SchwerFolgen zu haben. So hat HHerr Stadtkassenrendant Uffel= ter Schützenbund. Trotz der geradezu herbstlichen Witmann heute früh unter gleichzeitigem Austritt aus terung war die Teilnahme der Schützen eine sehr stardem Verein den Vorsitz, den er seit Jahren inne hatte, ske. Nachdem das Königspaar aus den Rosen abgeholt niedergelegt, und er wird, wie wir hören, nicht der Genhrtsmsigrs Knülle dor ie dig üihriggn Heunen Hf. Generübnichdrs Knaue, der wie diie norigen Herven Ofeinzige sein, der diesen Schritt tut.— Im Garde= und Landwehr=Verein, der unter dem Vorsitze seines neuen Vorsitzenden, Herrn Stadtverordneten Schermeng beriet, fielen ebenfalls nach langer Debatte die Kieler Beschlüsse mit 16 gegen 22 Stimmen. Auch hier erklärten sofort zwei Kameraden ihren Austritt aus dem Verein. Auf die weitere Entwicklung dieser Angelegenheit darf man mit Recht gespannt sein. Andererseits erscheint uns aber auch die Frage berechtigt, ob die Leitung des Landeskriegerverbandes recht handelt, wenn sie militärische Vereine, die wie die beiden oben genannten Schwerter, all die Jahre hindurch eine edle Pflegestätte der Vaterlandsliebe und der Treue gegen Kaiser und Reich waren, in eine derartige Zwangslage bringt. **(Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal.) Wie alljährlich, so ehrten auch am verflossenen Sonnabend als am Jahrestage der Schlacht bei Mars=la=Tour die hiesigen Kampfgenossen ihre im großen Kriege um Deutschlands Einigung und Größe gefallenen Kameraden durch Niederlegung eines Kranzes am Kriegerdenkmal. Ein ganz naturgemäßes und doch, oder vielmehr gerade deshalb tragisches Geschick waltet über der Kampfgenossenvereingung. Von Jahr zu Jahr veringert sich das Häuflein der alten ergrauten Krieger; jedes Jahr holt der unerbittliche Tod einen oder mehvere von ihnen zur ewigen Ruhe; und als vor wenigen Wochen sie wiederkehrten von einem solchen Grabe, als sie beieinander saßen und wieder einmal mit einer Wehmutszähre an den Wimpern das alte Lied:„Ich hatt' einen Kameraden“ sangen, da hatten sie einen ihrer Besten hinausgeleitet dorthin, wohin er mit ihnen zusammen in den Jahren vorher manch einen Kameraden geleitet hatte. Aber das Wort Theodor Körners„Vergiß der treuen Toten nicht!“ hat die Kampfgenossenvereinigung allzeit hoch gehalten, nicht nur auf die in jüngster Vergangenheit Dahingegangenen wendet sie es an, sondern auch auf jene, die fern der Heimat sseit Jahren in fremden Gefilden schlafen. Ihnen galt wieder die vorgestrige schlichte und einfache Feier: dieser Akt dankbarer Pietät ist um so eindrucksvoller, als er ohne FestGrpänge und äußeres Beiwerk vor sich geht. Eine weihevolle Stille legte sich über das zuschauende Publikum, als nach kurzer Ansprache des Vorsitzenden Herrn Eduard Pferdekämper die ergrauten Krieger entblößten Hauptes ein stilles Gebet werrichteten. Dann in gedämpftem Tone ein kurzes Kommando, und still wie sie gekommen, rückte im Gleichschritt die kleine Schar der alten Kämpen wieder ab..... Will mir die Hand noch geben, Derweil ich eben lad'. Kann dir die Hand nicht geben, Aber bleib im ew'gen Leben Mein guter Kamerald! **(Rangerhöhung der Gendarmen.) Durch Allerhöchsten Erlaß ist bestimmt worden, die Gendarmen hinsichtlich ihres Dienstranges zwischen die Subalternbeamten zweiter Klasse der Lokalbehörden und die UnterBeamten einzustellen. Gleichzeitig ist den zum Tragen des Portepees berechtigten Gendarmen der Titel „Wachtmeister“ verliehen, uund den Fußgendarmen mit Offizier=Portepees gestattet worden, außer Dienst (beim Kirchgang und ähnlichen Gelegenheiten) den Offiziersdegen zu tragen. *r(Ein Lotterieschwindler.) Der aus Lübeck gebürtige Lotterie=Kollekteur Gustav Heinrich wurde gestern in Alvona verhaftet. Fischer hatte über 100 000 Prospekte der Königsberger Geldlotterie zur Freilegung des Königlichen Schlosses in Königsberg in die Welt geschickt mit der Aufforderung, 3,30 Mk für jedes Los einzusenden. Er hat auf diese Weise etwa 30000 Mk. vereinnahmt, die Lose zur Lieferung hatte aber Fischer nicht. Nach seiner Verhaftung sind über 500 Briefe und Postanweisungen aus Deutschland und Oesterreich=Ungarn eingelaufen. Die Zahl der Geschädigten beläuft sich auf mehrere Tausend. Fischer, der in Altona ein und in Hamburg zwei Kontore gemietet hatte, benutzte für seine Manipulaionen ein Postfach. Er will früher in Kopenhagen ein Loteriegeschäft betrieben haben.— Wir bringen die vorstehende Nachricht im lokalen Teil, weil Fischer mehreren Zeitungen, die auch hier und in den benachbarten Orten gelesen werfiziere und der König hoch zu Roß saßen, einen schneidigen Festzug durch die Stadt, der zahlreiche Zuschauer anlockte. Auf dem Schützenhofe angekommen, machte das Schützenbataillon vor der Generalität und dem Hofstaate einen Parademarsch, der vorzüglich klappte. Dann begann im Saale ein gut besuchtes Konzert und draußen wurden Kinderbelustigungen veranstaltet. Imlaufe des Nachmittags nahm dann der Hofstaat und das Offizierkorps draußen Aufstellung, um photogra phiert zu werden. Die weißgekleideten Hofdamen sahen hierbei natürlich noch freundlicher aus, als sie das sonst schon voller Freude über ihre Würde tun, sodaß das Bild also vorzüglich gelungen sein dürfte. Ein Ball schloß die frohen Stunden ab. (Unfall.) Von einem schweren Unfall wurde der etwa 17jährige Lagerbursche der Firma Ernst Klein betroffen. Derselbe fuhr am Freitag abend mit dem Wagen über die Mährstraße, als sich plötzlich der Wagen von der Schere löste und gegen ein Haus geschleudert wurde. Der junge Mann wollte das scheugewordene Pferd am Zügel festhalten, wurde aber mitgeschleift und erlitt schwere Verletzungen am Kopfe, sodaß er schließlich besinnungslos liegen blieb und ins Haus getragen werden mußte. **(Krankheits= und Todesfälle.) In der Woche vom 5. bis 11. August wurden im Kreise Hörde angemeldet: Todesfälle durch Magen= sund Darmentzündung 9; Erkrankngen an Scharlach2, an Diphtherie 3, an Granulose 1. 8 Ergste, 20. August.(Krieger= und Landwehr=Verein.) Auch etwas von der viel verschrie. enen Reform. Am Dienstag, den 14. August, wurde ein vom Vorstand des hiesigen Krieger=und LandwehrVereins eingehend begründetes Gesuch um Gewährung einer Beihilfe für zwei verdiente hochbetagte Mitglie der des Vereins— Veteranen der Armee aus den Feldzügen 1866 und 1870/71, aber auch Veteranen der Arbeit— an die Adresse des Vorstandes des Kreiskriegerverbandes Iserlohn hierselbst zur Post gegeben. Am gestrigen Sonntag konnte der Vorsitzende den beiden Kameraden schon 50 Mark überreichen, die am Samstag, den 18. ds. Mts. durch die Kasse des deutschen Kriegerbundes in Berlin aufgegeben waren. Die schnelle Erledigung des Bittgesuches hat in den Kreisen der Vereinsmitglieder außerordentlich befriedigt. * Aplerbeck, 17. August.(Die Abteufung) des zweiten Schachtes, den die Gewerkschaft„Freie Vogel und Unverhofft“ in der Gemeinde Schüren niederbringen läßt, nimmt einen schnellen Fortgang. Bis jetzt sind 300 Meter abgeteuft. Vorgesehen sind 500 Meter. Bis Mitte nächsten Monats hofft man mit dem Aufbruch durchschlägig zu werden. Die ausführende Firma Deilmann in Bochum bedient sich bei der Anlage dieses Schachtes eines nicht immer angewandten, aber, wie es scheint, ssehr praktischen Verfahrens, indem sie die Schuhe gleich in die Mauerung einbauen läßt. wird dadurch erreicht, daß unmittelbar mit der Fertigstellung der Mauerbühne die Förderung ausgenommen werden kann. ** Hörde, 18. August.(Eingesrochen) wurde in verflossener Nacht in das Geschäft des Kolonialwarenhändlers Jos. Schröder im Bichefeld. Die Diebe haben mittels eines Nachschlüssels die Ladentür geöffnet und aus dem Laden entwendet: 20 bis 30 Mark bares Geld mit Kassette, zwei Fahrräder im Werte von 140 Mark, sämtliche Wurstwaren, sowie für 12 Mark Zigarren. Von den Tätern fehlt jede Spur. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 18. August.(Der„Stellvertreter“) Uebel bekam dem Dachdeckermeister Eduaro Klimberg der Versuch, einen Stellvertreter ins Gefängnis zu schicken. Er hatte eine Gefängnisstrafe wegen Hausfriedensbruchs erhalten, wollte sie aber nicht m Hamm, wo er bekannt ist, verbüßen, sondern in Dormund. Sein entsprechendes Gesuch wurde jedoch abgelehnt. Darauf veranlaßte er seinen Gesellen Tillman“, Nachde Amerika n Zeitung im konnten, w angibt, und uns heute Die Si Malen der wesen. Ch liche Vulka allein fünf große Anze ren, von d beben sind für gewöhr bezeichnen erschütteru wenn aus wirkliche C zu rühren. cepcion du geschleuder heute der hunderts n Asche. Ku gebauteS auch das a Concepcior gleich gem beben vers zwischen 1 Ausdehnu Spaniern sich für ih zusitzen. und das## zember v. fälschung wegen An Die von vom Reich 5* Do Geistes sind zwei Johann 2 entwichen. hat schwar bart. Bei alt, 1,67 9 Schnurrbe hat er bre * Lan Erhöhn Langendr der Milch * Wi Radler ges Mäde Kind erli als er sal nigst Rei * Elb vor 15 J rin Amal wurde h 41jähriger am 24. T begangen * Mi schwere lichen Pl Streikkas entdeckt, führten, den. 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Chile hat zurzeit noch vielle in Tätigkeit befindliche Vulkane, speziell in der Nähe von Chillan, wo sich allein fünf solcher Vulkane befinden. Auch zeugt eine große Anzahl heißer Quellen der sogenannten Colfataren, von der vulkanischen Bodengestaltung. Die Erdbeben sind an sich so häufig, daß die Chilenen ihnen für gewöhnlich kein besonderes Gewicht beilegen. Sie bezeichnen sie gewöhnlich als„Temblores", also Erderschütterungen, und denken sich weiter nichts dabei, nur wenn aus den Temblores„Terrelotos“ werden, also wirkliche Ersbeben, dann fangen sie doch an, sich etwas zu rühren. Im Jahre 1751 wurde die alte Stadt Concepcion durch ein furchtbares Erdbeben in das Meer geschleudert und über ihren Trümmern flutet noch heute der Ozean. Nicht ganz Dreiviertel eines Jahrhunderts währte es, und Valparaiso sank in Schutt und Asche. Kurz darauf(1835) wurde die eben neu aufgebaute Stadt wiederum verwüstet und gleichzeitig auch das anstelle des in den Fluten begrabenen alten Concepcion neu errichtete Concepcion dem Erdboden gleich gemacht. Seitdem ist Chile von schweren Erdbeben verschont geblieben, aber merkwürdig ist es, daß zwischen 1751, 1822 und 1906 etwa ldie gleiche zeitliche Ausdehnung liegt. Valparaiso ist seinerzeit von den Spaniern gegründet worden, ist aber erst seit dem Absich für ihn auszugeben und in Hamm die Strafe abzusitzen. Das Tauschgeschäft kam jedoch ans Tageslicht und das Landgericht Dortmund verurteilte am 4. Dezember v. J. Tillmann wegen intellektueller Urkundenfälschung und Begünstigung zu drei Monaten, Klimberg wegen Anstiftung dazu zu sechs Monaten Gefängnis.— Die von beiden Angeblagten eingelegte Revision ist vom Reichsgericht verworfen worden. d* Dortmund, 18. August.(Flucht zweier Geisteskranken.) Aus dem Luisenhospital hier sind zwei gemeingefährliche Geisteskranke, der Arbeiter Johann Trenkhoff und der Schreiner Franz Stüwe, entwichen. Trenkhoff ist 39 Jahre alt, 1,76 Meter groß, hat schwarzes Haar sund dicken dunkelbraunen Schnurrbart. Beide Arme sind tätowiert. Stüwe ist 55 Jahre alt, 1,67 Meter groß, hat braunes Haar und blonden Schnurrbart. Auf der rechten Backen= und Stirnseite hat er braune Flecken. * Laugendreer, 18. August.(Zur MischpreisErhöhung.) Ebenso wie in Castrop haben auch in Langendreer und Witten die Milchhändler den Preis der Milch von 18 auf 20 Pfennig erhöht. * Witten, 18. August.(Ein unvorsichtiger Radler.) Auf der Wetterstraße wurde ein 11jjähriges Mädchen von einem Radfahrer überrannt. Das Kind erlitt schwere Verletzungen. Der Radler nahm, als er sah, welches Unheil er angerichtet hatte, schleunigst Reißaus und entkam unerkannt. * Elberfeld, 18. Agust.(Unter ddem Verdacht,) vor 15 Jahren den Lustmord an der 17jährigen Näherin Amalie Mandel aus Huckarde begangen zu haben, wurde heute von der hiesigen Kriminalpolizei ein 41jähriger Hausierer festgenommen. Der Mord wurde am 24. Dezember 184 in der Böhler Heide bei Hagen begangen. * München=Gladbach, 18. August.(Von einem schweren Schlag) wurden dierim Ausstand befindlichen Pliesterer= und Stuckateure betroffen. In der Streikkasse wurden heute bedeutende Unterschlagungen entdeckt, die zur Verhaftung des Kassierers Gerhard führten, dem zahlreiche Fälschungen nachgewiesen werden. Die Höhe der unterschlagenen Summe ist noch nicht festgestellt fall von Spanien die zweite Hauptstadt des Landes geworden. Die Stadt hat rund 200 000 Einwohner, reicht also an Größe lange nicht an San Francisko heran. Immerhin ist sie der Mittelpunkt des gesamten chilenischen Handols, Sitz der größten chilenischen Firmen und der Fremden=Niederlassungen. Der Schaden ist also enorm. Mendoza, die zweite durch das Erdbeben zerstörte Stadt, die Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz, hat ebenfalls ein schweres Geschick zu beklagen. Gegründet von Mendoza, dem Nachfolger des spanischen Generals, der Chile eroberte, und nach ihm benannt, wurde sie zunächst von Wilden zerstört und erst im Jahre 1560 von Pedro Castillo neu gegründet. Sie zählt zurzeit 40000 Einwohner und ist als Hauptstadt der Provinz, Sitz der Provinzialregierung und auch eines deutschen Vicekonsulats. Im Jahre 1861 wurde die Stadt ddurch ein Erdbeben vollständig zerstört. Fast die gesamte Einwohnerschaft, 10000 Menschen, büßte unter den Trümmern ihr Leben ein: Man verlegte daher die Stadt ein paar Kilömeter weiter nach Westen. Das jetzige Erdbeben beweist, daß die an die Verlegung geknüpften Hoffnungen getrogen haben. Wir verzeichnen dann noch die folgenden Einzelmeldungen: Newyork, 18. August. Die letzten Nachrichten aus Chile besagen, daß die Katastrophe mit derjenigen San Franziskos zu vergleichen ist. Ganze Häuserreihen sind eingestürzt, besonders die modernen Häuser des Handelsviertels. In diesen brach Feuer aus, welches die Verwirrung noch vergrößerte. Die stehengebliebenen Häuser weisen große Risse auf. Gas und Elektrizitätswerke sind eingestürzt. Es ist unmöglich, die Zahl der Opfer auch nur annähernd anzugeben. Die Eisenbahnlienien sind gänzlich zerstört. London, 18. August. Aus Newyork wird telegraphiert: Nach den spärlich eingelaufenen Nachrichten soll der erste Erdstoß sehr heftig, aber kurz gewesen sein, während die in der Nacht folgenden Erderschütterungen milder waren. Man glaubt, daß Valparaiso in Trümmer gelegt und das Grauen der Katarophe durch Feuersbrünste erhöht wurde. Hunderte von Personen sollen verschüttet oder verbrannt sein und viele sollen in den Theatern verletzt worden sein. Auch Santiago soll zerstört sein. London, 19. August.(Tel.) Den aufgeregten amerikanischen Nachrichten gegenüber lauten die bei hiesigen Geschäftshäusern eingegangenen Meldungen beruhigend. Der Tarapaca= und Argentinabank wird berichtet, der Schaden sei micht so groß wie zuerst befürchtet wurde. Nur zwei Plätze und Avenuen seien zerstört. Die bei anderen Firmen eingelaufenen Meldungen lauten ähnlich. In Citykreisen herrscht die Ansicht, daß wenn erst einmal ein vollständiger Bericht über das Erdbeben vorliege, sich der Umfang geringer herausstellen werde als nach den bisherigen Meldungen. Es ist doch seltsam, daß die Berichte aller Vertreter von Londoner Häusern, die doch aus dem Zentralsitz des Erdbebens, aus der Geschäftsgegend von Valparaiso kommen, nicht den Verlust einer einzigen Person ihres Geschäftspersonals, sondern nur den Verlust an Gebäuden und Eigentum melden. Der gänzliche Mangel an Meldungen aus Santiago wird sehr pessimistisch aufgefaßt, indes scheint eine Ueberschwemmung und ein Verlust an Schiffen nicht stattgefunden zu haben. Kleine Chronik. Straßburg, 18. August. Als ein Jägeroffizier in Bitsch den Oberjäger Berollt des Magdeburgischen Jägerbataillons zum Antritt einer 14tägigen Arreststrafe abführen wollte, ergriff dieser seinen Revolver und erschoß sich vor den Augen des Offiziers. * Straßburg, 18. August. Dem„Figaro" zufolge wurde ein auf Urlaub befindlicher französischer Leutnant vom 161. in Saint Michel garnisonierenden Regiment, der sich nach Metz zur Besichtigung der Stadt begeben wollte, auf dem Bahnhof von Amanweiler festgenommen und von der deutschen Militärbehörde ersucht, sofort nach Frankreich zurückzukehren. Nürnberg, 18. August. Gestern nachmittag um 6 Uhr kam es hier zwischen Arbeitswilligen und Ausständigen zu einem Zusammnestoß. Ein von Ausständigen stark bedrohter Arbeitswilliger machte von seinem Revolver Gebrauch und schoß gegen seinen Verfolger. Ein 29jähriger Schlosser wurde dreimal getroffen und mußte schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Der Täter ist verhaftet. Breslau, 18. August. Eine schwere Bluttat uunter Tage ereignete sich auf der 230 Meter=Sohle bei Chropaczo in Oberschlesien. Dort geriet bald nach der Einfahrt der 20jährige Schlepper Sczwierczina mit dem 18 Jahre alten Grubenarbeiter Gierczok wegen einer geringfügigen Ursache in Streit, in dessen weiterem Verlaufe S. zum Messer griff und seinem Gegner G. mit voller Wucht einen Stich miten in das Herz beibrachte. Der Schwerverletzte starb au sdem Transport nach dem Knappschaftslazarett in Königshütte. Der Täter wurde verhaftet und dem Gerichtsgefängnis in Beuthen zugeführt. Newyork, 18. August. Bei den Abbruchsarbeiten der Gebäude der„Worlds Fair“ fand ein Arbeiter eine Tasche aus Krokodilsleder, in der sich Juwelen im Werte von 200000 Mk. befanden. Wie sich herausstellte, sind sie Besitz des Ehepaares Clayton aus Devonshire, England, dem die Tasche beim Besuche des„Worlds Fair“ von einem indischen Diener gestohlen, wurde. ieser fürchtete Entdeckung und verbarg sie in einem Loch in einer Mauer, konnte sie aber später nicht wieder herausbekommen. Lehl Brahlmetbungen. Ein neuer bulgarisch=türkischer Zwischenfall. Konantinopel, 20. August. Vorgestern fand im Bezirke von Kotschana im Vilajet Uesküb zwischen der Besatzung dreier türkischer Blockhäuser und bulgarischen Grenztruppen ein Kampf statt, der sechs Stunden währte. Die Bulgaren verloren drei Tote, die Anzahl der beiderseitigen Verwundeten ist unbekannt. Es ist eine Kommission zur Untersuchung des Vorfalles von hier abgereist. Aus Rußland. Riga, 19. August. In Ostlivland haben die Terroristen den Holzhändlern, die große Waldankäufe für die Ausfuhr gemacht hatten, mit dem Tode bedroht, falls sie den Wald abholzen. Sie erklären, der Wald sei lettisches Volkseigentum. Die Holzhändler stellten tatsächlich das Abholzenz ein. Petersburg, 19. August. Die Nachrichten aus dem Gouvernement Elisabetpol lauten andauernd alarmierend. Die Abteilung des Generals Wewern soll von Tataren und Kurden umzingelt sein. Riga, 19. August. Das aus 16 Mann bestehende Streikkomitee der Straßenbahner ist verhaftet worden. Durch Maueranschläge wird bekannt gemacht, daß gegen alle Straßenbahner, welche nicht zur Arbeit zurückkehren, gerichtlich vorgegangen würde, indessen ist bisher kein einziger auf seinen Posten zurückgekehrt. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: meteroologisches Institut Aachen. Wettervorhersage, geltend vom heutigen Abend bis morgen abend 9 Uhr. Mäßige westliche Winde, veränderliche Bewölkung, zunächst trocken, später Niederfläge; etwas wärmer. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Die Entwöhnung der Kinder im Sommer ist schwieriger als in anderer Jahreszeit, da die Kinder sehr oft durch die Darreichung von Kuhmilch an Magen= und Darmstörungen erkranken. Man gibt die Kuhmilch deshalb lieber zuerst vermischt mit einer dünnen Suppe von Kufekes Kindermehl, welches die Kuhmilch leichter verdaulich macht und den Nährwert derselben erhöht. Man erzielt auf diese Weise eine geregelte Verdauung, den besten Schutz gegen die sogenannten Sommererkrantangen. svrlaf.SeeeeeeeeeeSSSS Sonnabend, den 25. August, nachmittags 5 Uhr, soll der 2. Grasschnitt in der Pastoratwiese am Mühlengraben und Munkenbeckswiese am Schützenhof nummernweise an Ort und Stelle verkauft werden. Schwerte. von 0 8 8 6 8 ( 8 S 6 B Brdeksdchen jeder Art liefert in künstlerischer wie einfacher Weise prompt und billig die Buchdruckerei der+ 4 ++„Schwerter Zeitung“ von Carl Braus, Schwerte. Muster stets gern zu Diensten. 20 Mehrere Diplome. 20 Viele Anerkennungen. # 0 S S S S B S 2002.*•***••—"•"— Cal Seeger, oeeeeeee Bahnhoftr. 12 p. Zigarren und Zigaretten in jeder Preislage: f. Nordhäuser Kautabak von G. A. Hanewacker. In 5 Pfd.=Kistchen zu Originalpreisen. Beste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Adolf Heinrich, 262 Hüsingstraße 28. Größte Auswahl, billigste Preise. Reparaturen werden schnell 215 und billig besorgt. Friedrich Reineke, Hüsingstraße 14. Gebr. Motoren für Benzin, Petrol ete. 2380 Carl Delmhorst, Weimar. Mein Haus, Hagenerstr. 91. bis jetzt von Herrn Lehrer Küper bewohnt, ist ganz oder geteilt zu vermieten. Ferner habe einige junge indische Laufenten und Hühner abzugeben. 2985 Karl Horn, Wandhofen Hehrere Wohnungen sofort oder später zu vermiten. vo11 Schützenstraße 33. Veraunrmachung. Der Kontrollbeamte der Landes=Versicherungsanstalt Westfalen wird voraussichtlich am 22. August d. Is. mit der Revision der Quittungskarten im hiesigen Stadtbezirk beginnen. Die Arbeitgeber und Versicherten werden aufgefordert, die Quittungskarten Aufrechnungsbescheinigungen, ArbeitsDienstbücher usw. bereit zu halten, damit dieselben auf Verlangen dem Kontrollbeamten vorgezeigt werden können. Schwerte, den 14. August 1906. Die Polizeiverwaltung: Rohrmann. Bekanntmachung. Der für den Gemeindeweg von Wellinghofen über Brücherhof nach Berahosen angefertigte Fluchtlinienplan liegt gemäß§ 7 des Gesetzes betreffend die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen in Städten und ländlichen Ortschaften vom 2. Juli 1875, vom 20. d. Mts. ab vier Wochen lang im Amtshause zu Wellinghofen— Zimmer Nr. 6— zu Jeder= manns Einsicht offen und können Einwendungen dagegen binnen einer präklusivischen Frist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist bei mir schriftlich angebracht werden. Brünninghausen, den 16. August 1906. Der Gemeindevorsteher: Cosack. Verannrmachung. Landespolizeiliche Anordnung. Die landespolizeiliche Anordnung vom 23. Mai 1906, betr. Hundesperre im Kreise Hörde wird hiermit aufgehoben, da ein Tollwut= bezw. tollwutverdächtiger Fall nicht mehr vorgekommen ist. Arnsberg, den 1. August 1906. Der Regierungs=Präsident: Freiherr von Coels. Hahner zur Zucht. Kücken von 60 Pf. an, junge gemästete Hähne empfiehlt 2688 L. POST Holzen b. Schwerte. 0 5 Wer Bücher einzubinden hat, Wer Bilder einrahmen lassen will, Wer vor hat, sonstige Buchbinderarbeiten ausführen zu lassen, sollte damit nicht warten bis zum Herbst oder kurz vor Weihnachten, weil dann in Folge Ueberhäufung mit Arbeiten der Einzelne nicht so prompt und aufmerksam bedient werden kann. Suchbinderer Die gut eingerichtete Buchbinderei der F: Carl Braus in Schwerte hält sich zur pünktlichen, sauberen und geschmackvollen Ausführung aller ins Fach schlagenden Arbeiten bestens empfohlen. zu heben in den meisten Geschäften abrikant: Carl Gentner, Göppingen * e e. shnn#e Warke- Schwan ist das beste. Zu haben In allen besseren Geschäften. Das Einmachen der Früchte beginnt und jede Hausfrau schützt die Früchte gegen Schimmel durch Dr. Oetk.r’s Salicyl à 10 Pfg. Die Menge genügt für 10 Pfund Früchte mit Zucker. Rezeptbuch über das Einmachen umsonst von Dr. A. Oetker, Bielefeld. Deutsche Meingesellschaft Duhr& Co., Köln a. Rh. Rheinberg1-5. Reichsbank-Giro-Conto. 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Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Ruhr. o Nr. 194 Montag, den 20. August 1906. 38. Ihrg. Völkerkarte der Balkanhalbinsel. Die Völkerrassen des Balkan. Die Unruhen in Btlgarien, welche in den Hafenstädten, namentlich aber in Anchialos zu Griechenmetzeleien geführt haben, geben uns Anlaß, unsern Lesern einmal an der Hand einer Karte nähere Mitteilungen über das Konglomerat von Völkern zu geben, das auf dem Balkan in steter Fehde miteinander lebt. Vier Hauptvölkerstämme teilen sich in den Raum der Balkanhalbinsel: die Osmanen, die Griechen, die Albanesen und die Slaven; daneben sind noch auf unbegrenzbarem Gebiete die Walachen(auch Zinzaren genannt), einige Zigeunervölker und zerstreute Armenier sund die einem Stammesmischmasch von Europäern und Asiaten darstellenden Levandiner vertreten. Die Osmanen, der politisch herrschende Stamm, wohnen nur in den größeren Städten, wie Konstantinopel, Adreanopel, Seres, Istib, Saloniki, Monastir, Skutari usw.. Räumlich nehmen sie eine geringere Verbreitung ein, als man bei ihrer Stellung als herrschender Volksstamm anzunehmen pflegt; ihr Verbreitungsgebiet ist ersichtlich vor dem Andrängen der anderen Völkerschaften in der Umänderung begriffen. Die Griechen, das Gesamtgebiet des hellenischen Königreiches, und fast ganz die Inselwelt des ägäischen Meeres uumfassend, dringen von Süden her nach Norden gegen die türkische Grenze vor. Sie wohnen ferner in geschlossenen Massen im südlichen Epirus, am Südrande Macedoniens, bevölkern die ganzen Küstenländer des ägäischen und schwarzen Meeres und sind in großer Zahl in allen größeren Städten ansässig. Die südlich von Saloniki befindliche Halbinsel Chalkidike wird ganz von ihnen bewohnt. Somit nehmen die Griechen räumlich den größten Bezirk ein. Die westliche Hälfte der Balkanhalbinsel weist vornehmlich albanesische Bevölkerung auf. Die Slaven, die Volksstämme der Serben und Bulgaren umfassend, bewohnern den Teil der Balkanhalbinsel nördlich der türkischen Grenze. Die Serben und Kroaten wohnen in Serbien, Bosnien, Dalmatien und Montenegro; die Bulgaren in Bulgarien, Ostrumelien, Thracien und zum Teil in Macedonien; in kompakten Massen sind sie nur in den ersten drei Ländergebieten vertreten. Inselartg zerstreut wohnen die Walachen(auch Zinzaren genannt) auf den Grenzgebirgen zwischen Albanien und Macedonien, sowie im Pindusgebirge und in einem Teile Ostserbiens. Zigeuner finden sich nomadenweise in Städten und Dörfern in größerer Zahl. Daß bei einem so bunten, an den Grenzgebieten ihrer Sitze in einander übergehenden Gemisch von Völkerschaften keine dauernde ersprießliche Ruhe auf der Balkanhalbinsel herrschen kann, wird umsomehr erklärlich, wenn man die erwiesene absolute Unfähigkeit der weder räumlich noch an der Zahl den anderen Völkern überlegenen türkischen Rasse zu geordneter politischer Verwaltung in Betracht zieht. Die auf religiösem und nationaleem Untergrunde immer wieder sich abspielenden Konflikte werden von Bulgarien genährt, da dieses nach Gebietserweiterung und Ausdehnung seiner Selbständigkeit strebt. Als erbittertste Feinde stehen sich daher bei den Zusammenstößen Bulgarien und die Türkei gegenüber und vielleicht ist der Augenblick nicht mehr fern, wo es hier zu einem regelrechten Kriegsausbruch kommt. Westfalen und Rheinland. * Recklinghausen, 18. August. Arbeiterkolonie.) Die Bergwerksgesellschaft Hibernia will an einer noch aufzuschließenden Straße parallel der vorhandenen Kolonie an der Horneburgerrstraße eine neue ArVerstoßen. Roman von Editha v. Welten. 51 Magda erwiderte den Gruß sehr steif und mit so scharf markierter hochmütiger Verwunderung, daß Gertrud tief errötete. Nun erblickte sie auch Max von Wangen, dessen Auge fest auf ihr ruhte, sie wußte sich den seltsamen Ausdruck desselben nicht zu erklären; es schien Mißbilligung, Zorn und doch auch wieder bewunderndes Wohlgefallen darin sich auszusprechen Magda sah es gleichfalls, und plötzlich flammte eine brennende Eifersucht in ihr auf; jetzt wußte sie, daß sie jenes Mädchen, das so schön und anziehendwar, nicht nur beneidete, sondern auch haßte. Die Rätin Rödiger wandte sich wieder zu Frau von Geibel und sagte, indem sie sich erhob:„Ich halte es für meine Pflicht, die Frau Rechtsanwalt Kleist zu warnen, obgleich ich sie nur oberflächlich kenne. Ihre Tochter sitzt unglücklicherweise direkt neben jenem Mädchen, und solche Nachbarschaft ist doch wenig wünscheuswert. Entschuldigen Sie mich daher für einige Augenblicke, gnädige Frau. Damit glitt sie geschickt durch den vollen Saal auf die andere Seite und flüsterte der genannten Dame etwas zu, die plötzlich aufstand und, nach dem sie ihrer Nachbarin gleichfalls einige Worte ins Ohr geraunt hatte, den Platz wechselte. Eine seltsame Bewegung ließ sich nun in den Reihen der Mütter wahrnehmen; eine nach der anderen erhob sich und ließ sich wo anders nieder, so daß Fräulein von Wangen, die dies mit Erstaunen wahrnahm, zuletzt ganz allein blieb, als sei sie von allen gemieden. Frau von Geibel sah sich nach ihrem Mann um er saß zusammengesunken auf seinem Stuhl und starrte vor sich nieder; ihm fehlte wirklich alle Energie, und er ließ sich grenzenlos gehen. Aber nun erhob er den Kopf und verwandte kaum den Blick von jener Gertrud, die es ihm angetan haben mußte. „Auf einen Augenblick, lieber Geibel!“ rief sie ihm mit leiser, scharfer Stimme zu. „Du wünschest?“ fragte er, neben sie tretend. „Daß diesem Skandal ein Ende gemacht wird!“ entgegnete sie in zorniger Erregung.„Die anständigen Damen fühlen sich beleidigt und erniedrigt, wenn hier Elemente eindringen, gegen die sich ihr sittliches Bewußtsein auflehnt.“ „Ich verstehe Dich nicht,“ antwortete Herr von Geibel auseichend. „Das wundert mich Fräulein von Wangen hat die Taktsigkeit begangen, das Mädchen, das in ihrem Hause eine so veifelhafte Stellung einnimmt, hier einzuführen. Die Herren llerdings haben nichts dagegen, aber ich fühle mich verpflichtet, r die jungen Mädchen einzutreten!“ Herr von Geibel richtete sich hoch auf, alle Schlaffheit war us seiner Haltung verschwunden.„Niemand kann Fräulein Deur etwas Schlechtes nachsagen, sie erfüllt gewissenhaft schwere flichten, und wenn sie sich unter dem Schutze einer so hochngesehenen Dame wie Fräulein von Wangen befindet, so gehieht dies mit vollkommener Berechtigung, und ich werde nicht ulden, daß man sie beleidigt!“ Frau von Geibel biß sich auf die Lippen und unterdrückte jühsam eine heftige Antwort. Sie zitterte vor Zorn, aber sie annte ihren Mann;; er trat ihr selten entgegen, geschah es aber n dieser Weise, so blieb er unbeugsam. Eben wurde zur Francaise angetreten und der Rittmeister on Arming engagierte Magda zu derselben. Frau von Geibel lickte flüchtig hin und ärgerte sich, daß es nicht Max von Wanen,war. Einen Pfeil hatte sie noch im Köcher, und den wollte „Die Karriere des Fräuleins ist wohlschwerlich abgeschlosen,“ sagte sie höhnisch.„Wenigstens hat das Vorurteil, das man segen die Tochter einer solchen Mutter hegt, bis jetzt meistens echt behalten, und da kann man es keiner Dame verdenken, venn sie ihr Kind hüten will.“ Herr von Geibel maß seine Frau mit dem Ausdruck eisigen Erstaunens.„Es bleibt bei dem, was ich gesagt habe,“ sagte r bestimmt.„Uebrigens muß ich meine Verwunderung aussprehen, gerade aus Deinem Munde diese Maximen zu vernehmen, eren rückwirkende Kraft niemand härter treffen würde als Dich. An Geburt stehst Du jenem Mädchen gleich, und eine gerechte Beurteilung müßte doch die Mutter höher stellen, die ihrem Gechick erlag, als die andere, welche weder Scham noch Reue lannte und in ungestörtem Behagen die Früchte ihrer ErniedriFrau von Geibel war zuerst sprachlos vor Zorn, dann zischte sie ihrem Gatten zu:„Das wagst Du mir zu sagen, der Tocher eines Prinzen, die fast seine einzige Erbin ist!? „Die Höhe der Stellung ändert nichts, aber die Welt urteilt anders und beugt sich vor Macht und Vermögen, während sie die schutzlose Armut in den Staub tritt,“ entgegnete er. „Du willst also nichts tun, um die Teilnahme an diesen Vereinigungen zum Privilegium der Sittlichkeit zu machen?" fragte sie, aufs höchste gereizt.„Nunwohl, dann will ich, wenn Du mir auch sonst die Hände bindest, doch von meinem Rechte als Mutter Gebrauch machen und meine Tochter vor Befleckung bewahren.“ Sie rauschte davon und stand nun vor dem Rittmeister von Arming, der sich soeben mit Magda zur Francaise aufstellte, und den sie mit großer Freundlichkeit anredete„Verzeihen Sie, Herr Rittmeister, wenn ich Sie bitte, meine Tochter freizugeben. Ich möchte, daß Magda für heute auf das Tanzen verzichtet, um mich nach Hause zu begleiten. „Ganz nach Ihren Befehlen, gnädigste Frau,“ sagte der Rittmeister befremdet und mit förmlicher Verneigung. Frau von Geibel reichte ihm die Hand und warf einen vielsagenden Blick auf Gertrud, die von dem Leutnant von Stürmer aufgefordert worden war, und der in demselben Quarree tanzen sollte.„Sie dürfen mir nicht zürnen und Sie werden es auch nicht, wenn ich Ihnen die Erklärung gebe, die ich Ihnen schulde. Nur ist hier nicht der Ort dazu. Nicht wahr, wir bleiben Freunde?“ Herr von Arming berührte die ihm dargebotene Hand leicht mit den Lippen.„Gnädige Frau sind sehr gütig, ich bin überzeugt, daß sich alles aufklären läßt. Frau von Geibel neigte zustimmend den Kopf und wandte sich von ihm, gefolgt von Magda, die erst hatte Einspruch erheben wollen, durch die Entschiedenheit im Wesen der Mutter aber zum Schweigen bestimmt wurde. Frau von Geibel begab sich zu ihrem Manne und sagte:„Du begleitest uns wohl nach Hause, hier kann ich unsere Tochter nicht weiter tanzen lassen.“ Er nickte mit finsterer Miene, doch sein Zorn kümmerte sie wenig, wenn sie nur ihren Zweck erreichte. Ihr suchender Blick durchforschte den Saal nach Max von Wangen, dem sie gerne eine Erklärung ihres Benehmens gegeben hätte, doch sie fand ihn nirgends; er war verschwunden. 141,20 beiterkolonie von 44 Vierfamilienhäusern und 16 ZweiFamilienhäusern errichten. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde die Anlage genehmigt. Die Gesellschaft bezahlt für jedes Vierfamilienhaus eine einmalige Abgabe von 500 Mark und für jedes Zweifamilienhaus eine Abgabe won 250 Mark zum Deckung der Gemeindebedürfnisse. Außerdem für Schulzwecke eine einmalige Abgabe von 10000 Mark. Ferner stellt die Gesellschaft der Stadt 2 Grundstücke von je 375 Aar zur Verfügung, auf denen später je nach Bedürfnis eine katholische und eine evangelische Schule errichtet werden soll. Schließlich stellt die Gesellschaft eine Polizeibeamten wohnung und verpflichtet sich zum Ausbau und zur Unterhaltung der neuen Straße auf 5 Jahre, unternimmt die Kosten der Kanalisation und der Hausanschlüsse auf die eine Seite der Straße. * Bielefeld, 18. August.(Ein Luftballon) ging gestern mittag bei dem unweit gelegenen Dorfe Heepen nieder. In dem Ballon, der am Abend vorher Paris verlassen hatte, befanden sich zwei Mitglieder des Pariser Luftschifferklubs. Der Ballon hatte eine gute Fahrt gehabt. Bei der Ernte beschäftigte Landleute halfen ihn bergen und nach dem Bielefelder Bahnhof transportieren. Die Pariser fuhren gegen 2 Uhr mit dem D=Zuge über Köln nach Paris zurück, nachdem sie die Bauern reich beschenkt hatten. * Niederbreitbach, 17. August.(Tragischer Tod.) Ein Mädchen von hier, welches in Neuwied in Diensten stand, machte mit seiner Herrschaft per Wagen einen Ausflug nach Rengsdorf, woselbst das Mädchen auf recht tragische Weise ums Leben kam. Um ein Kind vor dem Ueberfahrenwerden zu retten, sprang das wackere Mädchen vom Wagen und fiel so unglücklich, daß es nach einer Stunde starb. Darmstadt, 18. August. Zu den Wasserleitungsarbeiten in Dorn=Dürkheim waren u. a. 15 kroatische Arbeiter meu eingetroffen. Vier davon überfielen gleich am ersten Arbeitstage einen Schachtmeister, den sie durch Dolchstiche furchtbar zurichteten. Die Täter und auch die übrigen Kroaten sind verschwunden. Standesamt Westhofen vom 1. bis 15. August 1906. 1. Geburten. 1 Sohn: Bergmann Heinrich Renzing, Lichtendorf; Sattler August Pixberg, Westhofen. 1 Tochter: Weichensteller Wilhelm Brinkmann, Holzen; Schlosser Wilhelm Trepper, Westhofen; Fabrikarb eiter Karl Elbert, Wandhofen; Fabrikarbeiter Friedrich Schedel, Holzen; Fabrikarbeiter Heinrich Bruncke, Holzen; Fabrikarbeiter Friedrich Wilhelm Kost, Villigst; Fabrikarbeiter Heinrich Kramer Westhofen. Aufgebote: Fabrikarbeiter Heinrich Vorschütz und Helene Seegräff zu Schwerte und Wandhofen; Bergmann Wilhelm Braß und Anna Auguste Blankenburg zu Syburg und Westhofen. Eheschließungen: Fabrikarbeiter Johann Brakewski und Johanna Döppeler zu Schwerte und Holzen; Hammerschmied Leo Martin und Maria Theresia Pape zu Gevelsberg und Garenfeld; Bergmann Julius Röhr und Emma Bovensmann zu Syburg; Oberleutnant Adolf Ferdinand Graf von Wedel und Wally Erika Freiin zu Rheinbaben zu Schwedt a. d. Oder und Haus Ruhr. Sterbefälle: Karoline Anna Korfmann gnt. Kramberg, 3 Jahre, Syburg; Elisabeth Heidemann, 2 Mon., Westhofen; Walter Löwen, 1 Jahr, Holzen; Walter Prachtel, 1 Jahr, Lichtendorf. Landwirtschaftliches Zehn Hauptregeln, zu beachten beim Ankauf und bei der Haltung der Zuchteber. Von Zuchtinspektor Gutbrod=Gunzenhausen. Hierüber eninehmen wir der„Deutschen Landwirtschaftlichen Tierzucht“ folgendes: „Der Eber ist die halbe Herde,“ sagt ein wahres Züchterwort. Der Züchter daher, der bei Ankauf und bei Haltung des Zuchtebers sparen und knausern will, wird vergeblich auf die rechte Freude und den rechten Erfolg in seiner Schweinezucht warten, bei ihm wird gar oft die Antwort zu hören sein, die man heutzutage vielfach auf die Mahnung, mehr Schweinezucht zu treiben, von lässigen und gleichgültigen Züchtern bekommt: Ich hab' halt kein Glück mit der Schweinezucht. Nachfolgend sei in kurzem geschildert, welche Hauptregeln beim Ankauf und bei der Haltung der Zuchteber beobachtet werden müssen, wobei gleich bemerkt sei, daß bei gutem Willen sie auch beobachtet werden können. § 1. Man sehe beim Ankauf nicht auf den Preis, stets dagegen auf die Qualität des Ebers. Den hohen Preis verschmerzt man gar bald, beobachtet man die fröhliche Entwickelung des Ebers und seine tadellose Vererbungskraft; hat man dagegen billig und damit in der Regel auch minderwertig eingekauft, so bereitet einem der Anblick des schlechten Ebers und seiner nicht befriedigenden Nachzucht tagtäglich nur neuen Aerger. Da die Aufzucht guter Eber ziemlichen Aufwand erfordert, so verlange man von den Eberzüchtern nicht, daß sie einen Eber zu einem Preise liefern, den Metzger für solche Tiere anlegen; bei weitem nicht alle Ferkel lohnen die Mühe des Züchters, gar viele müssen trotz bester und teurer Aufzucht später verschnitten werden. § 2. Man achte vor allem aus die Abstammung des anzukaufenden Ebers. Man vermeide daher auf Märkten oder bei Händlern Ferkel oder Läufer unbekannter Abkunft zu kaufen, wende sich vielmehr an die Zuchtstationen und an reelle Züchter. Wenn irgend möglich, suche man das Tier selbst aus, die kleine Reise lohnt sich meist reichlich, und lasse sich auf Grund des Zuchtbuches und der Ohrlä### wierung die Abstammung nachweisen. § 3. Man sehe vor allem auf Wüchsigkeit. Je besser ein Schwein wächst, desto eher wird es schlachtreif und bringt uns Nutzen. Zumal zu verkümmerten Muttersauen ist ein wüchsiger Eber notwendig. Sind auch wüchsige Tiere meist weniger schön und ausgeglichen, so nehme man doch stets bei Auswahl aus einem Wurf den wüchsigsten. § 4. Man sehe auf beste Körperformen. Der Eber vererbt seine Eigenschaften auf hunderte, ja tausende von Ferkeln Vor allem müssen Rücken, dann Vorder= und Hinterschinken stark entwickelt, rund und breit sein, alle drei sollen gut ineinander übergehen, es sind dies die wertvollsten Fleischpartien, deren prima Entwicklung wir vor allem bei der Nachzucht zu sehen wünschen. Streng achte man auf eine starke, kräftige Behaarung als Anseichen eines festen, widerstandsfähigen Körpers. Nackte oder schwach behaarte Tiere sind weich und empfindlich. Als Haupterfordernis für einen Eber erachte ich einen guten Knochenbau und eine tadellose Fußstellung. Nie darf der Eber gesäbelt, zehenweit oder bärentatzig stehen. Die Schweine leiden infolge ihres raschen Wachstums, ihres schweren Gewichts, der gar oft unrationellen Fütterung und des meist vollständigen Mangels an Bewegung ganz besonders unter Knochenkrankheiten. Schlecht gestellte und an den Knochen erkrankte Schweine mästen sich bekanntlich weit schlechter, da sie Schmerzen haben, und die Metzger versichern glaubwürdig, daß auch die Fleischqualität solch' krummer Schweine leide. Wer die Schweineboxen unserer großen Schlachtviehhöfe abgeht, erschrickt über die riesige Zahl lahmer, schlecht gestellter Schweine. Um den bedeutenden Schaden, den Züchter wie Metzger erleiden, zu vermindern, achte man strengstens darauf, nur Eber mit ganz tadelloser Beinstellung zu verwenden. § 5. Man verwende keine zu jungen Eber. Dreivierteljährige Eber kann man decken lassen, jährige, wenn gut entwickelt, voll benutzen. Junge Eber befruchten und vererben chlecht, bleiben in der Entwicklung zurück und nützen sich sehr rasch Inn sie im Sprungdienst strapaziert werden. § 6. Man vermeide die Verwendung selbstgezüchteter Eber. In der Schweinezucht rächt sich Verwandtschaftszucht sehr bald Die Sauen werden weniger fruchtbar, die Ferkelwürfe klein an Zahl, die Ferkel selbst fallen lebensschwach, haarlos, oft blind oder mit ingeborenen Hautdefekten, geneigt zu allen Krankheiten. Man gebe daher auch bei mehrmaligem Einkauf in der gleichen Station stets die Nummer der früheren Eber an, damit die Abgabe nahe verwandter Tiere vermieden werden kann. § 7. Man füttere den Eber, wie es einem männlichen Zuchtstier zukommt. Man füttere ihn nicht fett(zu warnen ist vor Mais), lasse ihr iber auch nicht halb verhungern, wie so oft zu beobachten ist. Alte zut gehaltene Eber kosten berschnitten stets noch eine nette Summ Geld. Man vermeide die Verabreichung vieler Tränke, sowie von Abfällen aus Fabriken und Brauereien. Das beste Kraftfuttermitte bleibt auch für Eber stets der Hafer und die Gerste. Gut bekomm ihnen auch Rotklee und Luzerne, vor allem auf dem Weidegang Erde und Sand zum Wühlen ist ihnen wie allen Schweinen zuträglich. § 8. Man halte den Eber gesund durch richtige Behandlung Man lasse den Eber viel ins Freie. Jedem Eber gehört ein Laufhof, in den zweckmäßig ein starker Reibepfosten gut eingeramm wird. Recht bekömmlich ist ihm ein Bad in einem Bach oder Tümpel, es kann ersetzt werden durch Angießen mit Wasser und durck öfteres Abbürsten. Weidegang bekommt trefflich, dabei ist jedock zu vermeiden, daß zwei Eber auf die gleiche Weide kommen. Jedes Necken mit Stöcken und Prügeln vermeide man, die Eber ###erden leicht bösartig. In Gegenden, in denen Rotlauf vorkommt lasse man alljährlich im Mai den Eber durch einen Tierarzt der absolut ungefährlichen Rotlaufschutzimpfung unterwerfen, dem sicher: sten Mittel gegen diese gefürchtete Seuche. § 9. Man überanstrenge den Eber nicht geschlechtlich. Gutgefütterte Eber können 50 und mehr Sauen jährlich decken Man vermeide, den Eber zweimal nacheinander eine Sau springer zu lassen. Da in jedem Samenerguß soviel Samenfäden sind daß tausende von Eizellen befruchtet werden können, so ist ein mehr maliger Sprung höchst überflüssig und schwächt nur den Eber. Nachlässig und leichtsinnig ist gehandelt, wenn man den Eber mit der rauschigen Sau stundenlang ohne Aufsicht beisammen läßt Nicht nur, daß sich die Tiere schwer, ja tötlich verletzen können, der Eber wird ganz unnütz dabei verbraucht. Damit bei Weidegang der Eber sich nicht zu sehr abspringt, lasse man rumpfige, rauschende Schweine zu Hause. § 10. Man verwende den Eber möglichst lang zur Zucht. Abgesehen davon, daß ältere Eber besser befruchten und sicherer vererben als jüngere, ist bei den teuren Anschaffungspreisen ein öfteres Wechseln direkt Verschwendung. Dazu kommt, daß wir im Lande immer noch, wie an prima Bullen, so auch an sehr guter Ebern Mangel haben, weshalb ein frühzeitiges Abgeben eines guten Zuchttieres gar nicht selten auch einen Rückgang in der Zucht bedeutet. Gut behandelte Eber, zumal solche, die ausreichend Bewegung haben, decken meist leicht, auch wenn sie älter werden, gut entwickelte Sauen. Und überall sollte es lieber dem Eberhalter gestattet sein, zu junge und schwächliche Sauen zurückzuweisen, als daß solch' unverständigen Züchtern zu Liebe der gute Sprungeber, weil für ihre „Säulein zu schwer, abgeschafft wird. Mit Produktion von Kümmerern und Schwächlingen fördern wir weder die Zucht noch die Mast. Um wertvolle, schwere Eber länger zur Zucht verwenden zu können, scheint mir äußerst zweckmäßig die Verwendung eines Sprung kastens, wie er in Heft 102 der Arbeiten der Deutschen Landwirt schafts=Gesellschaft näher beschrieben ist.(Siehe„Zucht, Fütterung und Haltung des Schweines in Nordamerika".) Dieser Sprungkasten empfiehlt sich, wenn eine jüngere Sau von einem starken, schweren Eber gedeckt werden soll, dann, wenn ein Sau rumpst(rauscht), aber noch nicht recht steht und unruhig ist. Angefertigt kann ein solcher Sprungkasten von jedem Zimmermann werden. Es ist ein viereckiger, länglicher Kasten aus starken Holzleisten, wie er überall zum Zuchtschweinetransport Verwendung findet und als welcher er wohl jedem Züchter bekannt ist. Auf den Seiten und nach vorn ist er geschlossen, mit einem hinter den Sprunggelenken der Sau einzuschiebenden Riegel versehen, der dieselbe an Zurücktreten hindert. Ein Umwenden der Sau wird durch die Enge des Kastens unmöglich gemacht. Der Boden ist stark gedielt. Zu beiden Seiten geht nun an den Wänden entlang von hinten nach vorne vom Boden aus schräg ansteigend ein zirka 10—15 Zentimeter breites, sehr starkes, am besten gedoppeltes Dielenbrett, auf gute Widerlager gestützt, so daß der aufspringende Eber sich nicht mit seinem Vorderteil auf die Sau zu legenbraucht, vielmehr ganz bequem mit beiden Vorderfüßen sich auf die beiden, seitlich angebrachten Bretter zu stützen vermag. Der Sprung ist dem Eber noch bedeutend dadurch erleichtert, daß die Sau nicht vor= noch rückwärts kann. Da der Deckakt beim Eber bekanntlich längere Zeit in Anspruch nimmt, so ist nicht zu befürchten, daß die Sau infolge der durch den Zwang entstandenen Aufregung schwerer oder gar nicht aufnehmen könnte. Die Beschaffung bezw. Herstellung eines solchen Sprungkastens sei allen Züchtern und Genossenschaften recht dringend empfohlen, zumal jetzt, wo die Zuchteber so hoch im Preise stehen, ihre Erhaltung also jedermann aus Sparsamkeits= wie züchterischen Gründer am Herzen liegen muß. Korruption in Spanien. Eine der schwersten Sorgen der neuen Madrider Regierung von Mauras Gnaden war es, alle die Söhne und Tochtermänner, Brüder und Schwäger, Vettern und Neffen und sonstige Verwandte, Freunde und Günstlinge der Minister sund Gruppenführer unterzubringen; denn die Zahl aller dieser Stellenjäger war wiel, viel größer als die Zahl der Sinekuren.! Wie hat man sich uum diese gebalgt! Jeder Minister und jeder Gruppenführer hielt die Mitglieder seiner Sippschaft und seine Kreaturen für die geeignetsten und tüchtigsten— nein, Gott bewahre!— für die bedürftigsten, die bei der Verteilung der höheren Staatsämter in erster Linie zu berücksichtigen sseien. Jetzt sind alle die Unterstaatssokretariate, Generaldirektionen und wie die gut besoldeten Stellen alle heißen mögen, besetzt. Die Bevorzugten jubeln und veranstalten Festessen— die Zeit des Lungerns und Hungerns ist ja aller Wahrscheinlichkeit mach wenigstens drei Monate unterbrochen — und albe die anderen, die mit den getäuschten Hoffnungen, fluchen uund schimpfen über erbärmliche Vetternwirtschaft, über gemeine Korruption und schändlichen Betrug. Für alle Nichtbeteiligten uund der Regierung Fernstehenden, so schreibt der Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ aus Madrid war die Art und Weise der Stellenbesetzung ein ergötzliches Schauspiel. Mit einem Zynismus sondergleichen haben die Stellenjäger ihre Interessen, ihre angeblichen Ansprüche und ihre der Welt unbekannten Verdienste in der Tagespresse auseinandergesetzt, sich gegenseitig beschimpft und verleumdet und über die freien Stellen nach Marktweiberart geschachert. Alle Welt muß zur Ueberzeugung gekommen sein, daß der spanische Staat keine konstitutionelle Monarchie, sondern eine despotische Oligarchie iist, dem König und Volk gleichmäßig unterworfen sind. Der König hat die ihm vorgeschlagenen Beamten zu ernennen und das Volk muß sich deren Amtsführung so lange gefallen lassen, als die jeweilige Oligarchie am Ruder ist. Wird diese gestürzt, oder geht sie nach Uebereinkunft, so darf der König die Günstlinge der neuen Regierung zu Beamten ernenne und das Volk sich von diesen regieren lassen. Nach deven Tüchtigkeit uund Würdigkeit hat weder der eine noch der andere zu fragen; keiner von ihnen hat sich darum zu kümmern, ob ein höherer Marinebeamter schon einmal ein Schiff gesehen hat, ob der neue Unterstaatssekretär im Finanzministerium sich jemals in seinem Leben mit Finanzfragen beschäftigt hat, ob der Generaldirektor für Agrikultur ein bisher gänzlich unbekannter und mittelmäßiger Journalist war usw. Derartige Fragen gehen den König und das Volk nichts an; sie haben ssich mit den Beamten zufrieden zu geben, die ihnen won der Regierung gegeben werden. Sehr bezeichnend für spanische Verhältnisse ist die Besetzung der Stelle eines Sekretärs eines Madrider Gemeinderichters. Obwohl es sich nur um eine untergeordnete Stelle handelt, war die Zahl der Bewerber darum Legon. Das erklärt sich daraus, daß mit der Stelle ein Einkommen von etwa 40000 Pesetas verbunden ist, die sich aus den Gebühren, Sporteln, Strafgeldern usw. ergeben. Frühere Provinzialgouverneure und Unterstaatssekretäre scheuten sich nicht, mit gewöhnlichen Schreiben sich um die reich besoldete Stelle zu bewerben, die man gleichsam als das große Los betrachtete; in dem langen und heftigen Kampfe hierüber war ein früherer Gouverneur und— Neffe des Ministerpräsidenten der Glückliche, der setzt von vielen beneidet wird. Daß ein früherer Unterstaatssekretär, der bei der jüngsten Regierungskrisis als Ministerkandidat genann wurde, das Amt eines Gemeinderichters annimmt und sich jetzt mit Wucherern, säumigen Mietern und Trunbenbolden abgeben will, beweist, daß der Verkehr mit den genannten Elementen ein sehr einträgliches Geschäft ist. Vermischtes. Baden=Baden, 18. August. Zwischen Durlach und Ettlingen schleuderten Kinder Steine gegen ein in voller Fahrt befindliches Automobil. Eine in dem Automobil sitzende Dame, wie es heißt seine Französin, die eine Brille trug, wurde von einem Stein getroffen und zwar so unglücklich, daß die Gläser der Brille zersplitterten und die Glassplitter in das Auge drangen. Die Schwerverletzte wurde in die hiesige Augenklinik gebracht, wo ihr, um den Verlust des zweiten Auges zu verhindern, das verletzte Auge sofort ausgenommen werden mußte. Lemberg, 18. August. Ein nach Stanischau abgegangener Personenzug stieß mit einer aus Stryi kommenden Lokomotive zusammen. Ein Wagen des sonenzuges mit Abteilungen erster und zweiter Klasse wurde vertrümmert. Fünfzehn Personen wurden schwer, etwa vierzig leicht erletzt. Ein Hilfszug brachte die Verwundeten mach Lemberg. Falsche Weichenstellung dürfte die Ursache des Unglücks ssein. Russische Zeitrechnung. Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt der Dalles angezogen, Pfeilschnell ist der Duma=Traum verflogen, Ewig nur bleibt die Verdorbenheit. (Kladderadatsch.) Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Nr. 11 Der Pa, Die Enzy schöfe bildet d Katholiken seh nisteriellen P rung, was sick gierungspresse Trennungsge lich erflossene Pius X. verz os Gefet der #will, um für # d a s g e m e i n e * G r ü n d u n g d e schaft spricht F e s s e l a n d e n Die Frag # d u n g v o n r e l ## den wichtigste wurde die Ki Füße gestellt, hung vollstän die Kultusge des Kultus 3 ihrer Gründu und Oberauff den chpfftlüche chengut, die# weise vom St ein weitgehe über sie reser Bildung der mung der we letwaigen St kompetente Die Rät Raumes in sich um sie konnte schwei sellschaftliche hängt hatte, zu stolz wai Der Rit Tänzerin u. etwas verb Reihen der auf, aber sie Bis jetzt gehabt, obw gerte es sie Sein B vom Lande, einer unmt er wollte u und man wo und murmel Ueber d hob sich und und er woll Da kam hende Dam undzwanzig diese. Die a und rafften zeihen Sie, Ehre, die S mir zur grö doch bitten, tun.“ Der Rit er eisig und „Ach bi entschuldige