Die„Schwerter Zeltung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Belage:„Musirierter Famissenfreund“ 9 c ccccc G G G G G;";; Hinzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts Is Reklamezeile 40 P. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o 0 0 0 O O O O O O C 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte, Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus. Schwerte-Kuhr. o 180. den 3. August 1906. 38. Jahrg. Ein gutes Jahr. Von unserem Berliner Bureau. werden das Jahr 1906, dessen Mitte wir schon seit mehreren Wochen überschritten haben, an seinem Ausgang hoffentlich mit noch größerem schon, ein gutes nennen können; und in der Tat steht heute das Deutsche Reich in erster Reihe unter denjenigen Staaten, in welchen die Arbeitsleistung des Nährstandes in Stadt uund Land außerolbentlich sich betätigen und auch auf einen sicheren Lohn der Arbeit in der Mehrzahl der Betriebe rechnen kann. Freilich, es fehlt nicht an Ausnahmen, die von der günstigen Entwicklung nicht so bedacht sind, wie andere, es sind auch genug Personen vorhanden, die unter dem Einfluß hochgestiegener Unkosten und anderer Lasten sich in ihrem Gewinn beschränken müssen, aber für den, der arbeiten kann und arbeiten will, ist doch keine Bedrohung seiner Eristenz mehr vorhanden, auch die letzten Schatten der früheren wirtschaftlichen Krisen sind verschwunden. Oefters fehlte es bereits an tüchtigen Arbeitskräften; die gesamte Lebenslage der werktätigen Bevölkerung hat sich wiederum gebessert, und die Verhältnisse würden noch günstiger sein, wenn zu hastige Gedanken über die finanzielle Gestaltung der Zukunft vermieden würden. Eine gute Zeit ist noch keine überreiche Zeit, sichere Existenz ist moch keine Luxus=Lebenshaltung und kräftiges Arbeitsleben darf noch lange nicht ausgepreßt werden, wie eine Zitrone. Was der deutsche Nährstand aus eigener Kraft erreichen kann, sehen wir heute; aber die Wurzeln dieser Kraft, innerer Friede und Stetigkeit, dürfen auch nicht bedroht werden, wenn kein Umschlag, keine Wendung zum weniger Günstigen eintreten soll. Wenn diese günstige Gesamtentwicklung— einzelne Schatten sind auch im glänzendsten Leben— heu zu verzeichnen ist, so ist die Ursache davon nicht zum wenigsten die, daß neben den industriellen und geerblichen Kreises des Nährstandes in diesem Jahne auch die Interessenten der Landwirtschaft aufatmen können. Sie dürfen jetzt mit Sicherheit auf einen reichen Ernteertrag rechnen, soweit Elementar=Ereignisse keine Schädigung herbeiführten. Die Lanowirtschaft braucht gute Jahre besonders nötig, weil sie wiel eher, wie die Industrie, mit schlechten rechnen muß. Hat ein Fabrikant eine bestimmte Menge von Waaren, für die steter Absatz vorhanden ist, hergestellt, dann hat er auch seinen Verdienst gewiß. Der Landwirt hat für Brodkorn, Schlachtvieh, Kartoffeln auch ständigen Absatz, aber tritt ungünstige Witterung ein, hilft ihm oft alle Arbeit nichts sein Mühen war umsonst. Es ist ungeheuer Vieles Glückssache in ländlichen Betrieben, und wenn bei ihnen eine Verzinsung eintreten sollte, wie bei manchen gewerblichen Anlagen, dann müßte im Voraus wiel anders werden. Großer Verdienst wird in der Industrie und im Landbau nur zu oft in sehr verschiedenen Zahlen ausgedrückt. Aber vergessen wir einmal trübe Jahre und freuen wir uns des heutigen Segens, dessen Geldertrag ein Segen wieder für städtisches Gewerbe uund unsere deutsche Industrie wird. Worüber wir uns am meisten freuen, das ist die Tatsache, daß die günstige Etwicklung eingetreten ist und angehalten hat trotz aller düsteren Voraussagungen bei dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge. Seitdem sind nun schon Monate verflossen, und wenn wir für die Zukunft auch nicht in übertriebenen Hoffnungen schwelgen wollen, wir dürfen doch konstatieren, daß alle wirtschaftlichen Autoritäten die besten tungen zur Schau tragen. Nun sind mit der Jahresmitte freilich die neuen Reichssteuern gekommen, besonders über die Biersteuer und die Fahrkartensteuer erhebt der Deutsche mit lebhaftem Eifer seine Stimme. Aber in den Protesten ist doch die Opposition auch mit viel Humor gemischt, denn der Wunsch nach höheren Einahmen ist am Ende allgemein. So haben wir Grund zur Zufriedenheit mit unseren zeitigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Daß das Nationalvermögen steigt, ist eine Tatsache, freilich sind die Anschauungen über seine Verteilung und die daraus folgende natürliche Tradung der Lasten noch verschieden. Doch auch darin bann noch manches besser werden, denn was der Reichsaas in seiner lletzten Session beschlossen, ist noch nicht für alle Zeiten. Politische Uebersicht Die Buren in Ost=Afrika. Schon häufiger sind Klagen aus Deutsch=Ostakrika gekommen, daß die Buren im Kilimandscharogebiet fast nur von der Jagd leben. Jetzt gibt die„Tägl. Rdsch.“ einen Bericht des schwedischen Naturforschers Professor Dr. Sjöstedt wieder, der soeben von einer reise in jenem Gebiet zurückgekehrt ist. Der Forscher hat nur zweimal kleine Häuser und Anfänge von Ansiedlungen bei den Buren gesehen. Die meisten lebten aber, mit ihren Wagen umherziehend, won der Jagd. Er begegnete Karawanen von Eingsbornen, die zu den Buren wollten, um gegen Bohnen, Bananen usw. Fleisch in großer Menge einzutauschen. Ein Wagen eines Buren war zum größten Teile mit Tierfellen beladen. Nach den Berichten, die er auf der Station Aruscha erhielt, machen die Buren bei der Bezahlung des Schußgeldes falsche Angaben sowohl über die Zahl wie über die Größe der erlegten Tiere. Die Ansiedler klagten durchweg über das unerhörte Treiben der Buren. Eine empfehlenswerte Einrichtung. Um seine Schutzmannschaft leistungsfähiger zu erhalten durch Enthaltung von Alkohol, hat der Magistrat der Bierstadt Nürnberg wersuchsweise zum ersten Male in den städtischen Haushaltungsvoranschlag den Betrag von 2200 Mark für unentgeltliche Beschaffung von Tee und Zucker für die im Dienst befindliche mannschaft vorgesehen. Dieser Versuch, der seit Neujahr eingeführt ist, hat sich so gut bewährt, daß vom Magistrat setzt beschlossen worden ist, diese Einrichtung forbestehen zu lassen, wie die„Münchener Neuesten Nachrichten“ von ihrem Nürnberger Berichterstatter ers. Die französischen Flottenmanöver. Paris,2. August. Bei den Angriffsmanövern gegen Marseille seitens der im Mittelmeere unter dem Befehle des Admirals Fournier vereinigten Geschwader sollen den Berichten zufolge die Unterseeboote eine Unterstützung amerikanischer Republiken organisieren und allein nach Siegen auf wirtschaftlichem Gebiete streben solle. Niemand solle ein anderes Land begehren, als das seinige und andere Herrschaften als über sich selbst. Die Unabhängigkeit und die Rechte der Kleinen müßten ebenso gut geachtet werden, wie die der Großen. Die Amerikaner trachteten wohl darnach, ihre Reichtümer auf kommerziellem Gebiete zu vermehren, wünschten dabei aber nicht, anderer Leute Eigentum zu vernichten, sondern wollen jedermann helfen zum Besten der allgemeinen Wohlfahrt. Root sprach dann die Hoffnung aus, in einigen Monaten auf der riedenskonferenz im Haag alle amerikanischen Staaten vertreten zu sehen, und schloß damit, daß er die Gründung einer rein amerikanischen Union empfahl, um so Mißstimmungen zu vermeiden, Kriegsursachen zu beseitigen und die freien amerikanischen Staaten vor den Lasten kriegerischer Rüstungen zu bewahren und den Anbruch einer wahren Freiheit zu beschleunigen. Der Bahnüberfall bei Tschenstochau. Von dem Ueberfall des Bahnzuges auf der Strecke Russisch=Herby=Tschenstochau, der bereits gemeldet wurde, berichtet die„Schlesische Zeitung" Einzelheiten. Danach sollte der Kassierer der russischen Zollstelle in Herby unter Geleit von einem Unteroffizier und drei Mann der Grenzwache 9000 Rubel in Papiergeld und 48000 Rubel in Gutscheinen, die in einer Tasche verpackt waren, nach Tschenstochau bringen. Es erregte keine Aufmerksamkeit, als in Gnaszyn einem kleinen Haltepunkte, einige Männer auf einmal in den Wagen dritter Klasse einstiegen. Es befanden sich in dem Wagen außer den Genannten noch eine Menge Personen, u. a. ein bewaffneter Soldat, der die tägliche Post abholte, die Zeitungskolporteure sund viele andere. Soballd der Zug die Station verlassen hatte, machten die hinzugekommenen Männer, zehn an der Zahl, mit Blitzesschnelle sich ans Werk. Zwei der Räuber versperrten die beiden Ausgänge, während die übrigen die Pasder sollen den Berichten 8usote, ag wäre diesen ge= sagiere aus dem Abteil drängten, in dem sich die BeAnariff der Linienschife und Kreuzer, so= gleitmannschaft, die das Geld bei sich führte, befand. wie der Totzrobböcn auf ci9.#, zusche Verluste fielen zwei stark bewaffnete Soldaten. Eine furchtbare Erregung entstand nun, wobei ein Herr Richter und eine Frau in ein Wagenabteil zweiter Klasse liefen. Wieder fielen Schüsse und trafen den Kassierer DemiWenro und wen Amer#ffcier Ahstereis Vrrich. Eine un wie der Torpedoboote auf HHafen und Stadt abzum ren sund den feindlichen Streitkräften sbiche Verluste beizubringen, daß sie im Ernstfalle als geradezu vernichtet werden müßten. Die Versuche der Torpedofänger, den Unterseebooten ihre Aufgabe unmöglich zu machen oder auch nur zu erschweren, seien völlig gescheitert. In keinem einzigen Falle sei es ihnen gelungen, sich eines der kleinen unsichtbaren Fahrzeuge zu bemächtigen. Die Küstenbefestigungen brauchten kaum in Aktion zu treten, und die Unterseeboote allein hätten sich als ausreichend erwiesen, fremden Geschadern die Einfahrt in den Marseiller Hafen zu versperren uund sie abzuhalten, sich bis auf Schiffskanonenschußweite dem Gestade zu nähern. Die Revolte in Helsingfors. Helsingfors, 2. August. Das Artilleriefeuer aus der Festung wurde wieder ausgenommen. Verwundete wurden in die Stadt gebracht. Die treugebliebene Festungsgarnison wurde durch Infanterie verstärkt. In der Stadt sind in den Reihen der Roten Gorde Unruhen ausgebrochen. Helsingfors, 2. August. Der von den Arbeitern und der roten Garbe geplante Generalstreik ist mißlungen. Um 7 Uhr abends eröffneten die Panzerschiffe Zesarewisch und Bogatyr ein heftiges Geschützfeuer gegen die von Aufrührern besetzten Forts. Die Forts erwiderten anfangs, jedoch die Geschütze gingen zu kurz und um 9 Uhr abends stellten die Forts das Feuer ein. Man bemerkte dann Boote, die die beschossenen Inseln verließen. Das„vereinigte Amerika“. Rio de Janeiro, 2. August. Der panamerikanische Kongreß hielt heute eine Sitzung zu Ehren des Staatssekretärs Root ab. Dabei hielt Root eine Rede, in der er darauf hinwies, daß der Kongreß die gegenseitige nienko und den Unteroffizier Kisielew tötlich. Eine an Wahnsinn grenzende Aufregung ergriff jetzt die Reisenden. Nur der eine Soldat, der die Post bei sich führte, übersah die Lage und feuerte auf zwei Räuber, von denen der eine tot hinfiel, während der andere schwer verwundet wurde. Auch ein bewaffneter Soldat wollte sich wehren, wurde jedoch auch erschossen. Es fiellen noch mehrere Schüsse, und die Verwirrung benutzend, ergriff einer der Räuber die Tasche mit dem Gelde, die der bereits erschossene Kisielew trug, und verschwand. Der Zug aber sauste weiter, weil der Zugführer der Meinung war, daß von außen geschossen würde. Der Schaffner, der das Schießen hörte und aus dem letzten Wagen in den Wagen dritter Klasse eilte, wurde von dem wachestehenden Räuber von der Plattform hinuntergestoßen. Das gleiche Schicksal traf einen Reisenden. Beide sind schwer verletzt. Während in dem Wagenabteil dritter Klasse die erwähnte Scone ssich abspielte, war Herr Richter und die eine Frau in den Wagen der zweiten Klasse geeilt. Beide konnten kaum ein Wort hervorbringen sund liefen vorwärts. In dem Abteil zweiter Klasse saßen der Stationsvorsteher von Tschenstochau, Jelowicki, einige Offiziere und Zivilpersonen. Als der Stationsvorsteher hörte, daß geschossen wurde, eilte er, in der Meinung, daß es aus dem Walde geschehe, zum Fenster, um dem Maschinenführer das Signal zu geben, die Fahrt zu beschleunigen. In dem Augenblicke jedoch, da er die Hand aus dem Fenster reichte, fielen Schüsse aus dem benachbarten Waggon und die Kugeln flogen bei dem Fenster vorbei. Aus dem Abteil erster Klasse kam nun der Generalmajor Zukatto, der Kommandeur der Tschenstochauer Brigade der Grenzwache, der mit dem Generalleutnant Westenring 2 von eeiner Dienstreise zurückkehrte. Der Direktor der Herby=Tschenstochauer=Eisenbahn, Balabanow, befand sich auch in dem Wagen erster Klasse. General Zu# trat in die zweite Klasse, und mit den Worten:„Meine Herren, ein Ueberfall auf den Zug! Zu den Waffen!“ eilte er als erster auf die Plattform, öffnete die Tür zur dritten Klasse und schoß auf die Mörder. Als Antwort erhielt er einen Schuß in die Stirn. Kaum, daß die Offiziere Zeit hatten, zu den Säbeln zu greifen, lag schon der General mit zerschmettertem Schädel in der Tür. Zur Hülfe eilte der Offizier Brzeziiki; auch ihn traf eine Kugel, und er stürzte über den Leichnam des Generals. Ein gleiches Los traf den Generalleutnant Westenring. Eine Kugel aus der dritten Klasse traf auch ihn tötlich. Auf der Station Stradom wurde festgestellt, daß sechs Personen erschossen waren; ein Soldai gab noch Lebenszeichen von sich, auch einer von den Räubern lebte noch. Zwei Leichen wurden auf dem Bahnkörper gesunden. Erschossen sind: General Westeuring und Geneval Zukatto, Kassierer Deminienko, Aufseher Kisielew, drei Soldaten und eine Person, die des Ueberfalls verdächtig ist. Schwer verwundet wurden ein Offizier, ein Soldat und eine Person, die gleichfalls der Teilnahme an dem Ueberfall verdächtig ist. Der verwundete Soldat ist bereits gestorben, der verdächtige Mann kämpft mit dem Tode. Die Räuber hatten die Summe von 9000 Rubel an sich genommen, die Gutscheine hatten sie weggeworfen. Auch die Gewehre der Soldaten hatten sie mitgenommen. Hinter den Räubern jagen Dragoner uund Soldaten der Grenzwache her. Der verwundete Verdächtige verhüllt sich in Schweigen. Bis jetzt ist trotz eifriger Nachforschungen in allen benachbarten Dörfern noch niemand gefangen genommen worden. Gestern durfte niemand die Grenze über Herby passieren. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 3. August. **(Die Festtage in der kath. Gemeinde) finden heute ihren Abschluß. Der hochw. Herr Weihbischof Dr. Augustinus Gockel traf am Mittwoch abend 6,46 Uhr am hiesigen Bahnhof ein, begleitet von einem Kaplan und dem Diener. Zum Empfang waren zwei E.quipagen, worin Herr Kaplan Rieke und eine Abordnung des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung Platz genommen hatten, zum Bahnhof gesandt, die nunmehr mit dem hohen Gaste und seiner Begleitung zur Kirche zurückfuhren. Die Haselackstraße sowie der Kirchplatz waren festlich mit Fähnchen, Flaggen und Grün dgeschmückt. In der Haselackstraße bildeten die Schulkinder Spalier, während auf dem Kirchplatze die Engelchen, die Fahnendeputationen und Vorstände der katholischen Vereine, der Kirchen=Vorstand und die Gemeindevertretung sowie eine Menge Gemeindemitglieder Aufstellung genommen hatten. Herr Pfarrer Schnurbus begrüßte den Oberhirten an der Kirchtür in Namen der Gemeinde. Der Bischof dankte in kurzen, herzlichen Worten und hielt alsdann seinen Einzug in die Kirche. Die Reliquien der beiden Märtyrer, welche in den Sochaltar niedergelegt werden sollten, wurden am Mittwoch abend in der Kapelle des St. Marienhospitals ausgesetzt. Es sind Reliquien des Bischofs und Märtyrers Eobanus, eines Begleiters Bonifatlus und mit diesem im Jahre 755 von den Friesen erschlagen und der Märtyrerin Aurelia. Beide Reliquien, in eine metallene Kapsel verschlossen, sind bei der Konsokration am Donnerstag morgen im Hochaltar beigesetzt und vermäuert. Ueber die Konsekration selbst haben wir wenig zu berichten, da wir bereits am Mittwoch das ganze Ceremoniell eröffentlicht haben. Die Feier verlief unter zahlreicher Beteiligung in der schönsten Weise. Nach derselben wurde ein feierliches Pontifikalamt gehalten. In der Festpredigt, die der Bischof, mit Mitra und Hirtenstab geschmückt, hielt, wies er auf die hohe Bedeutung und Würde eines Gotteshauses himn. Gestern machmittag fand eine Besichtigung der kirchlichen Anstalten, als Krankenhaus, Waisenhaus, Kinderbewahrschule usw. statt. Gegen 6 Uhr unternahm der Bischof, begleitet won Herrn Pfarrer Schnurbus, Vikar Böddiker und einem Hauskaplan, eine Wagenfahrt nach Lichtendorf, um sich dort den Platz für den Neubau der Notkirche anzusehen. Heute morgen um 8 Uhr begann ein feierliches Leviten=Hochamt in Anwesenheit des Bischofs. Während desselben trug der unter der Leitung des Herrn Lehrer Platzmann stehende Pfarr=Cäcilien=Verein ebenso wie Tage vorher, die lateinische Messe„Osanktissina" vor. Nach dem Hochamt spendete der Bischof die heil. Firmung. Die Zahl der Firmlinge beträgt über 500. Zum Schluß der kirchlichen Feier hielt der hochw. Herr Bischof mit den Schülern und Schülerinnen der beiden Oberklassen eine Katechese ab und wurde nach Erteilung des bischöflichen Segens wieder zum Pastorat zurück geleitet. Die Abreise des Bischofs erfolgt heute nachmittag um 4 Uhr und zwar zunächst nach dem Höchsten, um dort die FFirmung zu spenden und von dort mach Hörde fahren, wo er gegen 7 Uhr eintrifft. Von hier aus werden außer den Abordnungen, welche im Wagen mitfahren, 40 Radfahrer dem scheidenden Oberhirten das Geleit geben, während die Filialgemeinde Höchsten eine Abordnung zur Abholung nach hier entsendet. Mit wehmütigen Gefühlen sieht die katholische Gemeinde ihren Weihb.schof scheiden; er, der den meisten Gemeindemitgliedern die Firmung spendete. Zum letzten Mal war Herr Weihbischof Dr. Gockel im Jahre 1898 hier, während im Jahre 1902 der Bischof Dr. Schneider hier anwesend war. Der Weihbischof ist ein 76jähriger Herr und da ist es schon fraglich, ob er je wieder nach hier kommen wird. Hoffen wir aber, daß er seiner Diözefe noch eine Reihe von Jahren erhalten bleibt und es uns vergönnt ist, das liebe freundliche Antlitz unseres Weihbischofs noch einmal hier zu schauen. Auf Wiedersehen! **(Der Vaterländische Frauenverein) des Kreises Hörde hatte im verflossenen Jahre 1221 Mitglieder, welche an Beiträgen 2636,85 Mark zahlten. Die Rechnung ergab eine Gesamteinnahme von 4513,26 Mk. und eine Ausgabe von 4288,64 Mk., sodaß ein Ueberschuß von 224,62 Mk. verblieb, der das Gesamtvermögen auf den ansehnlichen Betrag won 28 308,18 Mk. erhöhte. d.(Freischütz=Konzerte.) Am skommenden Sonntag bietet der Freischützwirt, Herr Stractmanns, den Besuchern des herrlich gelegenen Waldetablissements wieder etwas Besonderes, nämlich ein Militär=Frühkonzert, ausgeführt von der Kapelle des 31. Feldartillerie=Regiments aus Hagenau unter persöylicher Leitung des Königl. Musikdirigenten Herrn R.(Günther.— Nachmittags konzertiert in den Anlagen der Dortmunder Orchesterverein. Westhofen, 2. August.(Die Eisenbahnverwaltung) beabsichtigt, auf der Strecke nach Hagen bis zum Rangierhof Hengstei ein drittes und viertes von Daniels stattgefundene Gemeindevertret die Legung zweier weiterer Gleise Einspruch erhoben. und Rheinland * Hagen, 2. Auguist.(Solbäder für schwächliche Kinder.) Seit längeren Jahren läßt es sich die Firma Funcke u. Hueck angelegens ein, schwächliche, kräntliche und besonders skrophulöse Kinder ihrer Meister und Arbeiter auf vier Wochen in emn KinderSolbad zu schicken und hat damit ausgezeichnete Erfolge erzielt. Die Kinder kamen jedesmal gekräftigt und mit roten Backen wieder zurück. Auch heute fuhren über 50 Kinder beider Konfessionen mit dem Frühzuge nach dem Solbade(Werl. Die städtische Schuldeputation hat den beantragten Urlaub für die schulpflichtigen Kinder gern bewilligt. * Milspe„2. August.(Bösartige Kuh.) Von einer bösartigen Kuh arg zugerichtet wurde am Montagnachmittag der Landwirtschaftsgehilfe Hugo H. zu Mönninghof auf der Weide seines Vaters. H., welcher Disteln mähte, wurde plötzlich von einer Kuh angegriffen, zu Boden gestoßen und mit den Hörnern bearbeitet. Das Wunderbarste und Interessanteste ist nun hierbei, daß ein auf der Wiese weidender junger Stier, den der Verletzte großgezogen hat, laut brüllend die Kuh durch Stöße von ihrem Opfer vertrieben hat. Der Verletzte, welcher eine zeitlang ohne Besinnung war, wurde von seinem in der Nähe arbeitenden Vater in Sicherheit gebracht. Die Verletzungen waren derart, daß mehrere Aerzte zu Rate gezogen werden mußten. * Lütgendortmund, 2. August.(Kühner Springer.) Einen tollen Sprung vollführte der Bergmann Krug, der polizeilich mehrerer Straftaten wegen auf dem hiesigen Polizeibureau verhört wurde. Während der Vernehmung eilte er plötzlich an ein offenstehendes Fenster, sprang in einer HHöhe von etwa 44 Metern auf den Marktplatz und raste davon. Zwei Polizeibeamte verfolgten den Ausreißer und erhaschten ihn in einer an der Ludwigstraße gelegenen Wiese. Gelsenikrchen, 2. August.(Einganz verwegener Diebstahl) wurde am gestrigen Tage bei einem Beamten der Straßenbahngesllschaft hierselbst verübt. In seiner Abwesenheit wurde ihm sein ganzes Monatsgehalt sowie ein neuer Anzug gestohlen. Die Einbrecher sind noch nicht ermittelt. Wir bereiten unseren Reste=Ausverkauf vor, verselde Liginnt Miltwoch, vin d. Augast. Causenor von Kesten veispirtker=rilnig. Verstoßen. Roman von Editha v. Welten. 22 Dadurch kam es dem jungen Mädchen zum erstenmal zum Bewußtsein, wie sehr sich alles für sie geändert und wie sie jetzt die Heimat verloren hatte. Sie seufzte tief und schmerzlich, aber sie sagte nichts weiter und wartete geduldig bis zum nächsten Tage, wo sie ihre mütterliche Freundin hinüberbegleitete. Die beiden Herren empfingen Fräulein von Wangen mit ehrerbietiger Höflichkeit, während sie Gertrud ganz übersahen. Diese wurde von ihrer Beschützerin als die Pflegetochter des Verstorbenen vorgestellt, die gekommen sei, um von ihm Abschied zu „Dem steht nichts im Wege," lautete die kühle Antwort; ist ja begreiflich, daß sie ihrem Wohltäter noch einmal danken möchte.“ Fräulein Rese trat mit Gertrud in das verdunkelte Gemach, in dessen Mitte der offene Sarg mit dem stillen Schläfer stand. Wie friedlich, wie sanft sahen die geliebten Züge aus, und doch wie fremd, wie verändert erschienen sie dem jungen Mädchen! Das furchtbare Grauen, das ihr der erste Anblick des Todes eingeflößt hatte, war verschwunden, aber der Abgrund, der sie von dem Verstorbenen schied, war nicht überbrückt, sie faßte erst jetzt die ganze Größe ihres Verlustes und ihre Verlassenheit, als sie an seiner Seite niederkniete und den Kopf an den Rand des Sarges drückte, um sich rückhaltlos ihrem Schmerze zu überlassen.„ fl Wo blieb die geliebte Stimme, die sie in jeder ihrer Kümmernisse getröstet, der freundliche Blick, der ihr stets geworden, die sanfte Liebkosung, welche diese bleichen, starren Hände stets für sie gehabt.“ Fräulein Rese stand tränenlos neben dem Toten und ihr Blick haftete unverwandt auf diesen geliebten Zügen; aller Kampf und Schmerz war aus ihnen gewichen, sie empfand nur den unendlichen Frieden, der aus ihnen sprach, und sie sehnte sich so weit zu sein wie er. Sie wurde unendlich müde; ihre still getragenen Schmerzen hatte nur Gott gekannt; sie war in sich zur Ruhe gelangt, aber sie war auch fertig mit der Erde, nun ihr der einzige Freund genommen war. Da fiel ihr Blick auf das weinende, junge Mädchen, das er so sehr geliebt hatte, und Veeriumentesch an de Gelitbud in seiner Stecdeskande. Her am Sarge erneuerte sie dasselbe. Sie beugte sich nun zu Gertrud herab und versuchte ihr Trost zuzusprechen, indem sie ihre Gedanken nach oben lenkte und sie darauf hinwies, daß alles nach einem weisen Ratschluß Gottes geschehen und daß ihr dereinst ein Wiedersehen beschieden sei. Aber ihre Worte fanden keinen Widerhall in dem jungen Herzen, das sich nicht unter dem Schmerz als unter eine Schikkung beugen wollte.., Siche Haut ub. „Du hast ihn ja nicht verloren, e#####rte Dich vork oben, da siehst Du ihn wieder," sagte Fräulein von Wangen. „Das ist noch so lange, ich bin ja noch so jung," schluchzte Gertrud.„Sie sind glücklich. Sie haben graue Haare, und brauchen nicht so lange auf den Tod zu warten wie ich!“ „Ich habe ebenso wie Du danach verlangt und ich habe doch Frieden und Ergebung gefunden," entgegnete Fräulein Rese sanft.„Das Leben stellt an jeden von uns Forderungen, und wenn wir die Pflicht zu unserer Führerin machen, so wird sie auch unsere Trösterin. Unser teurer Toter hat mehr von Dir erwartet als eigensüchtiges Denken an Dich selbst, und wenn Du ihm Deine Liebe beweisen willst, so mußt Du in seinem Geiste handeln.“„„„ Gertrud erwiderte nichts, aber ihre Augen ruhten ernst und verständnisvoll auf dem Antlitz der treuen Freundin, und diese sah, daß sie den rechten Ton angeschlagen hatte. Sie umfaßte sie und bat:„Nun laß uns für heut von dieser Stätte scheiden, mein liebes Kind. Wir sprechen weiter über alles, was uns hier ans Herz gelegt wurde.“ Hand in Hand standen sie noch eine Weile, in andächtiger Betrachtung versunken; dann hauchten sie einen Kuß auf seine marmorgleiche Stirn und verließen das Gemach. „Müssen wir wieder zu jenen schrecklichen Herren gehen, die jetzt hier zu befehlen haben und die mich mit so feindseligen Blicken betrachteten?“ fragte Gertrud schüchtern. „Es ist nicht nötig; ihnen selbst liegt nichts an unserer Gegenwart, und wir können uns die peinliche Begegnung ersparen," antwortete das Fräulein. Als sie durch die hintere Pforte, die nach dem Burggarten führte, das Haus verlassen wollten, trat Charlotte mit rotgeweinten Augen aus ihrer Küchentür. „Daß Gott erbarm! Das gnädige Fräulein und unsere Gertrud!“ jammerte sie.„Ach ist es denn möglich, daß die sich wie solche, die hier nichts zu suchen haben, hinausschleichen, und drinnen sitzen die, von denen er nie etwas wissen wollte, und alles gehört ihnen und sie wühlen darin herum und können es kaum erwarten, bis der tote Herr aus dem Hause ist, um alles an sich zu reißen. Und die er wie sein Kind ansah, mußte fort und ich muß für die braten und kochen, die jetzt das Regiment haben!“ Fräulein von Wangen sprach freundliche Trostesworte zu der Alten, während Gertrud den Arm um sie schlang und sie auf die runzige Wangeküßte... D. 1g ue Um Dich ist es mir am meisten leio, Du armen,#### ßenes Kind; dem Herrn ist's wohl, er hat's überwunden und ich werde ihm bald nachfolgen; bis dahin bin ich in meinem Stift geborgen. Aber was soll aus Dir werden?“ „Sei ruhig, Charlotte, auch mir wird der liebe Gott beistehen,“ entgegnete Gertrud.„Du weißt, er verläßt keinen Menschen, der seine Pflicht tut, und ich will brav sein, wie es den Vater freuen würde.“ Sie sah dabei so entschlossen und mutig aus, oaß die alte Dienerin sie erstaunt anblickte. Wie sehr hatte das Unglück in kurzer Zeit dies stille, träumerische Kind verwandelt! „Ja, ja, wenn das Leid hereinbricht, dann sieht man erst, was im Menschen steckt,“ murmelte sie, als sie den beiden Damen nachschaute.„Gott gebe, daß sie's nicht zu schwer trifft und sie wie ihre arme Mutter zu Grunde geht! Aber nein, in die Gertrud hat mein guter Herr etwas hineingelegt, was aufgehen und Frucht tragen wird.“ Als Gertrud am nächsten Tage nochmals das Haus betrat, das so lange ihre Heimat gewesen war, fand sie den Sarg geschlossen; sie konnte nur ihre Blumenspende, die sie dem geliebten Toten so gern in seine letzte Behousung mitgegeben hätte, auf den Sargdeckel niederlegen. Es wurde ihr so schwer, ihm das letzte Lebewohl zu sagen, daß sie immer noch bei ihm verweilte, als sei sie durch unsichtbare Ketten gefesselt. Aber die Zimmertür hatte sich schon mehrmals geöffnet und war immer lauter und ungeduldiger geschlossen worden, wie um ihr ein Zeichen zu geben, daß sie im Wege sei, aber sie achtete nicht darauf, zu sehr in ihre Erinnerungen und Vorsätze vertieft. 141.20 * Telgte j. W., 2. August.(Vom Blitzerschlagen) wurde heute morgen während des schnell heraufziehenden Gewitters die Dienstmagd des Kolon SchulHolfen, die mit dem Aufsetzen von Hafergarben beschäftigt war. Der in nächster Nähe arbeitende Knecht tug eie Hohngrgngt * Essen, 2 AAugust.(Todauf den Schienen.) Von der hiesigen Straßenbahn wurde gestern wieder ein 2jähriger Knabe überfahren und sofort getötet. Erst vor einigen Tagen kam ein Kind auf gleiche Weise zu Rotthausen, 2. August.(Aus Gram) über Sod seines Kindes wurde der schon seit einiger Zeit kranke Bergmann Friedr. W. plötzlich irrsinnig. Mit eilte der Aermste abends spät zum Friedhofe, um das Kind zurückzuholen. Nachbarn holten den Mann zurück. Sein Zustand verschlimmerte sich bald, sodaß man sich genötigt sah, W. in eine Anelt zun bringern. Kleine Chronik. Halle a. S., 2 August. Zu Auleben bei NordhauPetutc,. Bengarbeiters Ostmann ihre beisen hat die Oro Hpe; gund eineinhalb Jahren und dann den Fimn) grhängt. Die Ursache ist ein Familienzwist. Breslau, zinem Ablaß mehrere Tausend Personen len waren Ppu.e ihnen wollten auf einem Kahn anwesend. Biet=, dex nur für 25 Personen berechnet war. Der Kahn kenterte; 30 Personen ertranken, die übrigen wurden gerettet. Bromberg, 2. August. Das Kriegsgericht der 4. Diiision verurteilte den Musketier Wendland wegen fachen schweren Diebstahls, SSittlichkeitsverbreeusony, Bergehen zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust, Stellung unter Polizeiaufsicht und Entfernung aus dem Heere. Erdbeben in Württemberg. Stuttgart, 2. August. Gestern abend 8 Uhr wurde im ganzen Lande ein leichter Erdstoß von zwei SekunStutgart, 2. Alugust,(lesher die geritermn abend er. S folgte Erderschütterung sind aus zahlreichen Orten Meldungen eingelaufen, so aus Ludwigsburg, Zuffenhausen und dem Remstal. In Pforzheim und den benachbarten Schwarzwaldorten wurden zwei kurze Erdstöße verspürt, die mit unterirdischem Geräusch erbunden waren. Ziegeln fielen dort von den Dächern und Möbelstücke wurden dort von der Stelle gerückt. Soweit bekannt, wurde nennenswerter Schadon nirgends angerichtet, doch wurden die Bewohner sehr erschreckt und ellten auf die Straßen. Unwetter=Meldungen. Kiel, 2. August. Ein furchtbares Gewitter hat in der engern und weiteren Umgegend großen Schaden angerichtet. Viele Gebäude im holsteinischen sind eingeäschert. Mehrere Menschen sind vom Blitz erschlagen worden, viel Vieh ist verbrannt. Der Blitz hat zwei südschleswigsche Waldungen entzündet, die dann teilweisse niedrgebrannt sind. Lübeck, 2. August. Bei einem Gewitter hat gestern in Flörkendorf und Gnissau der Blitz je eine Person Kopenhagen, 2. August. Ein heftiges Unwetter, verbunden mit Gewitter, ist gestern nachmittag und während der letzten Nacht über dem größten Teile nemarks niedergegangen und hat bedeutende Verhee ungen angerichtet. Acht Menschen sind vom Blitz getötet und 80 Bauernhöfe und Häuser durch Blitzschlag eingeäschert worden. Tehle Trahlmetbungen. Schwere Streik=Ausschreitungen. Hamburg, 2. August. Der Ausstand der Hamburger Münze hat zu groben Ausschreitungen der Aus: ständigen gegen Arbeitswillige geführt. Ein Polizist wurde, obgleich er sich legitimierte, von den Ausständigen getötet. Die Haupträdelsführer sind verhaftet. Eine verkrachte Krankenkasse. Hannover, 2. August. Das Königl. Amtsgericht Hannover hat das gegen die allgemeine deutsche Krankenkasse„Thalia“, Direktionssitz Hannover, eingeleitet: Konkursverfahren wegen Mangel an Masse eingestellt. Sämtliche über ganz Deutschland verbreitete 11000 Kassenmitglieder gehen leer aus. Die Leiter der Kasse sind bekanntlich inzwischen geflüchtet. Meutereien Petersburg, 2 August. Die Menterei in der Festung Sveaborg dauert fort. Gestern nahm das Ge schützfeuer teilweise ab. Die Regierungstruppen zählen bis jetzt an Toten und Verwundeten 28 Offiziere und 400 Soldaten. Die Aufrührer haben bei einem Angriff im Hafen erst den Kommandierenden, de nGeneral Addejew und sämtliche Offiziere verhaftet. Petersburg, 2. August. Auf dem Kreuzer„Pamati Asowa“ wurde an der esthländischen Küste unweit Reval der Kommandeur von Meuterern ermordet. Petersburg, 2. August. In Kronstadt hat die 4. und 5. Flottenequipage gemeutert. Die Zahl der dischen wird auf 500 Soldaten und 260 Matrosen angegeben. Die Aufständischen sind um 2 Uhr nachts von regierungstreuen Truppen angegriffen worden. Später wurden mehrere Kanonenschüsse abgegeben, worauf sich die Aufständischen ergaben. Außer mehreren Kapikänen ist auch Oberst Alexandrow im Kampfe gefallen. Petersburg, 2. August. Wie aus Reval gemeldet wird, bestätigt sich das„Gerücht von der Meuterei der Besatzung des Kreuzers„Pamit Asowa“. Der Kommandant und vier Offiziere des Schiffes wurden von den Meuterern getötet. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: meteroologisches Institut Aachen. Wettervorhersage, geltend vom heutigen Abend bis morgen abend 9 Uhr. Veränderliche Winde, teilweise heiter, stellenweise Gewitter, machts kühler, tags wärmer alls am Vortage. Wetterdienst der deutschen Seewarte. 4. August: Kühler, wolkig, windig, Regenfälle. 5 August: Schwül warm, meist heiter, Strichweise Gemitter. Während des Umbaues von Montag, den 6. August ab, geschieht der Verkauf in den oberen Räumen meines Hauses. Die billigen P eise bleiben bestehen.= Kommrmänden-Amnzuge, Hute und Wasche — Spottbillig.— Vermhard Sterh, Markt“ Markt f. S S 2 # S 8 S S KTT " F r e i s c h u t z. X 4 X X X Sonntag, den 5. Aug., morgens 7 Uhr: Mililär-Früh-Konzert Aagenan unt versbal. Lelung der Köniet., Auslkeäist. genten Herrn R. Günther. Nachmittags von 4 Uhr ab: = Grosses Konzert= * d e s D o r t m u n d e r O r c h e s t e r- V e r e i n s u n t. L e i t u n g d e s * Kagellmeisters Herrn Blaukenmeger. * Eintritt zu beiden Konserten frei. E ## X Man prüfe Am Samstag, den 4. August er., vormittags 10 Uhr, werde ich in meinem Auktionstokal, Wirt Herrn Böhmer hier, 1 Eisschrank, 1 Topfschrank, 3 Faselschweine. 1 kompl. Beit, 2 große Bilder, 1 silb. 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Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Uerordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o 0 O 0 0 O C O O C O 0 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschlus: Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse Braus. Schwerte-Kuhr. o Freitag, den 3. August 1906. 38. Jahrg. Politischer Ruckblick. Wie wenig in der Partei des Umsturzes oft Worte und Taten einander entsprechen, zeigen die langatmigen Erörterungen der sozialdemokratischen Presse über die Frage des Generalstreiks. Noch auf dem Parteitag in Jena war Bebel mit dem ganzen Aufwand seiner Beredsamkeit für den Generalstreik eingetreten, der schließlich nichts weiter ist, als ein Vorspiel zur Revolution. Ihrem Führer waren die radikalen Elemente beigetreten und hatten auch in dieser Angelegenheit die entgegengesetzte Meinung der gemäßigten„Revisionisten" vollständig erdrückt. Doch die Probe aufs Exempel versagte. Der 21. Januar kam, ohne das Morgenrot der Revolution zu bringen. Bebel blieb in seinem Salon, die Mehrzahl der Genossen in ihrer etwas bescheideneren Häuslichkeit, und, so weit man doch auf die Straße ging, benahm man sich ziemlich manierlich, zumal auch die Polizei zur Stelle war. Die Parteigewaltigen hatten die Rechnung ohne die Gewerkschaften gemacht, ohne die nun einmal der Generalstreik nicht auszuführen ist. So wurde man denn vernünftig; die blutigroten Radikalen fügten sich den hellroten Revisionisten, wenigstens begrub man vorläufig die Idee des Generalstreiks, was aber natürlich im Interesse der Autorität des Parteivorstandes und des Parteidogmas nicht bekannt werden sollte und auch wohl schwerlich bekannt geworden wäre, wenn nicht die böse anarcho=sozialistische„Einigkeit“ und die ehemaligen Vorwärts=Redakteure aus der Schule geplaudert hätten. So erleben wir denn das Schauspiel, daß die Erörterungen über den Generalstreik von neuem beginnen und daß diesmal sonderbarerweise die Revisionisten— radikaler als die Radikalen— für den alsbaldigen Generalstreik schwärmen, was sie freilich nach Meinung des Vorwärts lediglich tun, um ihrem Aerger gegen den Parteivorstand Luft zu machen. Eins freilich muß man unbedingt festhalten, damit man sich nicht etwa trügerischen Hoffnungen für die Zukunft hingebe. Der Umstand, daß der Parteivorstand zur Zeit noch auf den Generalstreik verzichtet, ist ein Beweis höchstens dafür, daß er seine Macht richtig einschätzt, bedeutet aber durchaus noch kein Aufgeben des revolutionären Charakters der Partei. Die gemäßigten Gewerkschaftsführer, wie z. B. Hue, vermögen deshalb ihres Sieges auch nicht recht froh zu werden und sind recht ungehalten über die Veröffentlichungen der„Einigkeit", die ihren ganzen Erfolg leicht in Frage stellen könnten. In Summa: Man möchte wohl losschlagen, sieht aber ein, daß es zur Zeit noch eine große Torheit wäre. Wie unwahrhaftig und wie frivol ist demnach doch das Verhalten der Parteigrößen, die mit dem Feuer spielen, die Massen mit dem Gedanken der Revolution vertraut zu machen, indem sie dieselben täuschen über ihre eigene Macht und des Gegners Stärke im unmittelbaren Widerspruch mit der apostolischen Mahnung: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat Dabei straft die Entwicklung der Arbeits= und Lebensbedingungen in unserem Vaterlande die sozialdemokratische Verelendungstheorie alle Tage Lügen. Ob die Führer noch einmal ehrlich werden und das zugeben? Ob die revisionistische Richtung der praktischen Mitarbeit und Betätigung an der Lösung sozialer Fragen innerhalb der Partei noch einmal ans Ruder kommen wird? Trotz Naumann möchten wir es bezweifeln, so sehr wir es auch wünschten. Der jüngste Plan der Gründung einer„Schule für Parteifunktionäre" und Einrichtung einer Parteikorrespondenz scheinen unsere Ansicht zu bestätigen, denn beides soll doch nur dazu dienen, die unverfälschte Lehre der„Unentwegten“ ins Volk zu tragen. Für das tatsächliche Wohl der Arbeiter kommt jedenfalls mehr heraus durch die Arbeit der christlichen Gewerkschaften, welche in diesen Tagen in Breslau ihren 6. Kongreß abhielten, der ein erfreuliches Zeugnis ablegte von der wachsenden Macht der christlichen Arbeiterbewegung, der für berechtigte Forderungen der Arbeiter entschieden eintrat und der gerade von katholischer Heite den zersplitternden katholischen Fachabteilungen eine deutliche Absage erteilte. Daß der„Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie“ den christlichen Gewerkschaften beinahe so unfreundlich gegenübersteht, wie den freien, scheint leider Tatsache zu sein, eine Tatsache freilich, die weder zu billigen, noch zu rechtfertigen ist. Auch in dem Zentrum angehörigen Kreisen der katholischen Arbeiterführer, z. B. der Reichstagsabgeordniete Giesberts, steht man den Fachabteilungen ihrer zersplitternden Wirkung halber durchaus ablehnend gegenüber. Ueber Hagen=Schwelm weht nun doch noch einmal das freisinnige Banner, zur großen Freude besonders der „alten Garde von der Enneperstraße", wie Eugen Richter die Kerntruppen seiner dortigen Getreuen zu nennen pflegte. Ob sich in diese Freude nicht etwas wie Beschämung gemischt, Beschämung darüber, daß die Anhänger des Zentrums trotz Altena=Iserlohn und trotz der lauen Wahlparole der Leitung doch noch für den Freisinn eingetreten sind, wenigstens in der überwiegenden Mehrzahl? Diesen Sieg der Freisinnigen wird am meisten ausnützen die Zentrumspartei und zwar in dem Sinne des Schlußsatzes eines Leitartikels der„Tremoaia“, da es nach Empfehlung der freisinnigen Kandidaten heißt: Zeigen wir der Welt, daß wir klüger und besser sind als unsere Gegner, die sich in Altena=Iserlohn mehr geschadet haben als uns. Das Erfreuliche an der Wahl ist, daß sie aufs neue den Beweis erbracht hat, wie die bürgerlichen Parteien bei geschlossenem Zusammengehen dem Kampf mit der Sozialdemokratie wohl gewachsen sind. Daß aber auch die Freisinnigen für ein solches Zusammengehen unbedingt zu haben sind, dafür müssen sie noch den Beweis erbringen. Es wäre jedenfalls im Sinne ihres einstigen Führers. Von einem Vorschlage der christlich=sozialen Partei, wonach schon vor der Hauptwahl die Kandidaten des Zentrums, der Nationalliberalen und der ChristlichSozialen zu Gunsten eines gemeinsam aufzustellenden Kandidaten zurücktreten sollten, erfährt man nachträglich. Der Vorschlag scheiterte an der Kürze der Zeit sowie daran, daß man sich über die Person des Kandidaten nicht recht einigen konnte. Der zuletzt aufgeforderte Professor Franke lehnte ab und sprach überdies in einem Schreiben an den Kandidaten der Freisinnigen, Oberbürgermeister Cuno, den Wunsch nach dessen Wahl aus. In Rußland haben sich inzwischen die Dinge in bedrohlicher Weise zugespitzt. Man meinte schon, die Auflösung der Duma bedeute den offenen Ausbruch der Revolution im ganzen Lande. Ob das Haus Romanoff sich auf die Dauer wird halten können? Das Heer wird von Tag zu Tag unzuverlässiger. Gewaltige Truppenmassen sind in Petersburg konzentriert, die Mitglieder des sozialrevolutionären Komitees sind verhaftet— und anderseits wird gemeldet, daß die Neuwahlen für die Duma für Dezember ausgeschrieben seien und der neue Premierminister Stolypin die Gouverneure angewiesen habe, gegen die Verhaftungen und Verbannungen anzugehen: zur Beruhigung des Landes können solche Maßnahmen, die einander vollständig widersprechen, jedenfalls nicht führen. Man vermißt vor allen Dingen ehrliches und beharrliches Wollen der Ratgeber des Zaren. Reformation von oben— sonst ist die Revolution von unten unausbleiblich. 8116 Was endlich England und englische Friedensliebe betrifft, so beabsichtigen unsere Vettern jenseits des Kanals eine nicht unbeträchtliche Vermehrnng ihrer Seestreitkräfte, worauf viele Blätter warnend hinweisen, während andere wohlwollende Beurteiler darauf aufmerksam machen, daß England doch die Vermehrung seiner Flotte nicht in dem gewaltigen Umfange vorsehe, wie es im Herbst 1905 beabsichtigt war. Jedenfalls genügt die auch jetzt geplante Vermehrung der Flotte vollständig, um das Gleichgewicht zu erhalten, wie die Engländer sagen, oder, um ihnen nach wie vor ein ganz bedeutendes Uebergewicht zur See zu sichern, wie es zu deutsch heißt. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 3. August. (Sozialdemokratische Steuern.) In welch hohem Maße uund welch konsequenter Weise die bei der Sozialdemokratie angeschlossenen Arbeiter für diese Parbei ihre„Arbeitergroschen“ opfern müssen, davon gibt der in Nr. 173 der Dortmunder„Arbeiter Zeitung“ veröffentlichte Bericht des sozialdemokratischen den Wahlkreis Dortmund=Hörde für 1905 mal Kunde. Der Bericht erstreckt sich, das wollen wir vorweg bemerken, nicht auf ein Jahr, sondern nur auf 9 Monate. In sozialdemobratischen Parteivereinen sind im Wahlkreise Dortmund=Hörde nach Angabe der„Arb.= Ztg.“ 3794 Genossen organisiert; von diesen dürften etwa 1500 auf den Kreis Hörde zu rechnen sein. Und nun wollen wir uns einmal mit den Summen befassen, die diese organisierten Genossen für die Partei aufgebracht haben. Da kommen erstens die laufenden Beiträge der Ortsvereine in Betracht. Sie betrugen in den zu Bericht stehenden 9 Monaten aus den Ortschaften des Kreises Hörde: Eichlinghofen Annen Sölderholz Hörde Barop Holzwickede Kirchhörde Lücklemberg Rüdinghausen Aplerbeck Schnee Sölde Schüren Schwerte, Hombruch Bittermark Berghofen Höchsten Aplerbeckermark Renninghausen Dazu kommen noch folgende freiwillige Beiträge: Berghofen 7,00 Mk. und Hombruch 1,80 Mk. Außerdem sind eingegangen auf die Listem„für die Opfer der russischen Revolutionäre“(so steht's wörtlich in der„Arb.=Ztg.“,— nicht: Revolution) aus dem ganzen Wahlkreise 1245,60 Mk., wovon wir nach dem Verhältnis der übrigen Eingänge rund 500 Mk. als aus dem Kreise HHörde kommend ansetzen können. Die vorstehenden Zahlen aus dem Kreise Hörde ergeben also schon die überaus stattliche Summe von 1698,31 Mk. Damit sind aber die Abgaben, die die wiellleicht 1500 organisierten Genossen im Kreise Hörde an die Partei in den hier inbetracht kommenden neun Monaten geleistet haben, noch nicht erschöpft. Denn für den sozialdemokratischen Kreiswahlverein gingen in der Zeit vom 1. September bis 31. Dezember noch folgende Beiträge ein: Annen 45,— Mk. Hörde 40.—„ Eichlinghofen 35.—„ Kirchhörde 19,60„ Höchsten 9,90„ Sölde 3,20„ Hombruch 6,00„ also zusammen auch noch wieder 163,70 Mk. Doch wer da meint, jetzt hätte die Partei dem Arbeiter genug Geld aus der Tasche gelockt, ist auf dem Holzwege; sie weiß die Anlässe zum Sammeln gar wohl zu finden und zu benutzen. Für den Parteitag in Jena wurden Listen in Umlauf gesetzt uund im Kreise Hörde folgende Summen zusamengebracht: Hörde Eichlinghofen Höchsten Lücklemberg Aplerbeck Annen Kirchhörde Renninghausen Bittermark also insgesamt 203,05 Mk. Wir sind aber noch nicht am Ende! Zur Maifeier wurden in den Orten Karten und Abzeichen verkauft dafür wurden eingenommen: in Annen Hörde Aplerbeckermark Berghofen Eichlinghofen Eichholz=Sölderholz Aplerbeck Lücklenberg Holzwickede Barop Kirchhörde Sölde Schüren 323 * Schnee Schwerte Rüdinghausen Bittermark Höchsten Hengsen 44,20 Mk. 40.—„ 32,90„ 16.—„ 7,20„ 3,30 K ergibt also die Summe von 1330,40 Mk.! Das sind gar beredte Zahlen! Haben doch die— hoch gerechnet— 1500 in sozialdemokratischen Parteivereinen im Kreise Hörde organisierten Genossen, wie vorstehend nachgewiesen, in einem Zeitraum von nur 9 Monaten im ganzen 3395,46 Mk. für die sozialdemokratische Partei aufgebracht! Wenn also jemand die Arbeiter„ausbeutet“, so tut das die Sozialdemokratie mit den ihr verfallenen. Hoffentlich bringt dies: Aufstellung manchen Arbeiter zum Nachdenken, zumal es sich hier nur um die Summen handelt, die die eigentliche ParteiOrganisation den Arbeitern aus der Tasche holt. Weit, weit größer sind aber diejenigen Summen, die die Arbeiter nebenbei noch in die roten Gewerkschaftskassen zu zahlen haben. Allerdings die„Genossen“ in„gehobewen“, Parteistellungen lachen sich ins Fäustchen, daß die Arbeiter ihnen von dem im Schweiße des Angesichts verdienten Lohn ein so angenehmes Dase in verschaffen. Wann wird die Arbeiterschaft einmal das Joch dieser roten revolutionären Hetzer abschütteln?— Für die bürgerlichen Parteien liegt in den vorstehend wiedergegebenen Zahlen zugleich eine ernste Mahnung zu regerer Arbeit und größerer Opferwilligkeit. W. Sch. Kirche und Schule. Zur Nichtbestätigung des Pfarrers Cesar in Dortmund schreibt die Wochenschrift„Das alte Evangelium“ in ihrer heutigen Nummer mit bemerkenswerter Schärfe: Es war zu erwarten, daß infolge der versagten Bestätigung des Pfarrers César die liberalen Kreise Lärm schlagen würden. Das geschieht denn auch jetzt reichlich in der freisinnigen Dortmunder Presse, die trotz aller Wandlungen, die sie sonst durchmacht, sich in ihrer dem positiven Christentum feindlichen Haltung gleich bleibt. Ein Artikel der Dortmunder Zeitung vom 26 Juli zieht mächtig gegen„die orthodox=pietistischen Kreise" und das westfälische Konsistorium zu Felde und der„General= anzeiger“ druckt einen von den Freunden Césars inspirierten Artikel der, demokratischen„Frankfurter Zeitung" ab, in welchem als Radikalmittel der Austritt aus der Kirche als angebliche ultima ratio für die liberalen Kreise empfohlen wird. — Das Manöver ist klar. Man will mit Hülfe der antichristlichen Presse und der feineren oder gröberen Künste der Demagogie seine Sache trotz Konsistorium und Provinzialsynodalvorstand durchsetzen. Bekanntlich ist ja nicht allein das Konsistorium Schuld an der Nichtbestätigung des Gewählten, vielmehr hat es seinen Beschluß vom 21. Juli in Gemeinschaft mit dem Vorstand der westfälischen Provinzialsynode gefaßt, dem jedenfalls zuzutrauen ist, daß er für das, was der Kirche und den Gemeinden frommt, ein besseres Verständnis besitzt als die radikalen Treiber. Daß für diese Instanzen die 17 Amtsjahre des Gewälten ebenso wenig genügten wie die„Empfehlungen“ aus dem auch innerhalb seiner kirchlichen Behörden vom kirchlichen Liberalismus oft stark durchsetzten Thüringen, ist wohl zu begreifen. Nachdem eine Anzahl positiv gerichteter Gemeindeglieder berechtigten Anstoß an der Wahlpredigt genommen hatten,(in der nach dem Bericht von Ohrenzeugen die Erzählung von den„Weisen aus dem Morgenlande“ als geschichtlich zweifelhaft hingestellt wurde) hatte die Behörde die Pflicht, sich darüber zu vergewissern, ob der ihr unbekannte Pfarrer auf dem Glaubensgrund stände, welchen die rheinisch=westfälische Kirchenordnung als für die Gemeinden bestehend und für die Geistlichen verbindlich bezeichnet. Das war um so mehr ihre Pflicht, als die agitatorische Tätigkeit des Pfarrers Traub die Gemeinde immer mehr in den Radikalismus hineintrieb. Wenn dessen Freunde darüber anderer Meinung sind, so hat das Konsistorium nebst Provinzialsynodalvorstand jedenfalls das Recht, ihre Maßnahmen gemäß den durch die Kirchenordnung und den Bekenntnisstand gegebenen Richtlinien zu treffen. Daß hierbei der Pfarrer Czsar während des in Westfalen immer üblich gewesenen Kollegiums„über drei Stunden in ein peinliches Glaubensexamen“ verwickelt sei, ist nicht anzunehmen, sintemal es sich bei diesem Kollegium auch um die wissenschaftliche Befähigung des gewählten ausländischen Pfarrers handelt. Wenn aber bei der Ordination auch die heimischen Kandidaten nach der Stellung zum Bekenntnis der Kirche und der Ordinationsverpflichtung gefragt wird, dann hat die Behörde ihr gutes Recht, ja die direkte Pflicht das auch unter den gegebenen Umständen zu tun. Das gebietet einfach die Rücksicht auf den Bekenntnisstand der Kirche und die gläubige Gemeinde, die verlangen kann, daß nicht der Zweifel, sondern der Glaube auf Grund des biblischen Evangeliums von den Hirten der Gemeinde verkündet wird. Dagegen verschlägt auch die von der anderen Seite geflissentlich hervorgehobene einstimmige Wahl des Pfarrers César nicht. Bekanntlich haben sich die positiv gerichteten Pfarrer der Wahl enthalten. Daß sie nicht für den Gewählten waren, wissen wir genau. Wenn einige angeblich positive Vertreter für César eintraten, so ist das ihre Sache; genauere Kenntnis über die Glaubensstellung des Gewählten haben sie schwerlich gehabt. Im übrigen aber hatten die Anhänger Traubs zurzeit der Wahl bis auf vereinzelte Stimmen die große Mehrheit. Daß die Behörde sich nach solcher Zufälligkeit in der Zusammensetzung des Wahlkörpers zu richten habe, ist nicht zu verlangen, wenn es sich um Dinge handelt, die für sie in erster Linie infrage kommen. Und das ist die Zurückweisung eines Radikalismus, welcher eine Kirchengemeinde von dem Glaubensgrund entfernen will, auf dem sie seit den Tagen der Reformation bestanden hat und verfassungsmäßig auch heute noch steht, so lange sie noch ein Glied der Provinzial= und Landeskirche ist. Nun versucht zwar das Eingesandt der„Dortmunder Zeitung“ mit einem bekannten Kniff die Sache so darzustellen, als ob es für unsere Gemeinden und ihre Geistlichen keine bekenntnismäßigen Grundlagen und überhaupt keinen bestimmten Glaubensgrund und Inhalt mehr gäbe. Man redet den Lesern vor, als ob hier nur eine verschiedene„Theologie“ und nicht ein verschiedener Glaube vorläge. Um die blanke Unwahrheit dieser Ausführungen zu zeigen, setzen wir hier die infrage kommenden Bestimmungen der rheinisch=westfälischen Kirchenordnung hin. Es heißt da in§ I: Die evangelische Kirche Westfalens und der Rheinprovinz gründet sich auf die heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, als die alleinige und vollkommene Richtschnur ihres Glaubens, ihrer Lehre und ihres Lebens, und erkennt die fortdauernde Geltung ihrer Bekenntnisse an. Und in§ II: Diese in Geltung stehenden Bekenntnisse sind, außer den alten, allgemeinen der ganzen Christenheit, lutherischerseits: Die Augsburgische Konfession, die Apologie der Augsburgischen Konfession, die Schmalkaldischen Artikel und der kleine und große Katechismus Luthers; reformierterseits: Der Heidelberger Katechismus. Und weiter(worauf es bei der Reinoldigemeinde ankommt): Die unierten Gemeinden bekennen sich teils zu dem Gemeinsamen der beiderseitigen Bekenntnisse, teils folgen sie für sich dem lutherischen oder reformierten Bekenntnis, sehen aber in den Unterscheidungslehren kein Hindernis der vollständigen Gemeinschaft am Gottesdienst, an den heiligen Sakramenten und den kirchlichen Gemeinderechten. Nach dieser für unsere Gemeinden kirchenrechtlich gegebenen Grundlage steht fest, daß das Evangelium der Schrift und nicht Menschenweisheit, die dasselbe ausmerzt und verkümmert, und das beiden Bekenntnissen(lutherischen und reformierten)„Gemeinsame“ d. h. das sogenannte apostolische Glaubensbekenntnis und nicht willkürlich formulierte Dogmen der liberalen Pastoren die Grundlage ist, auf der unsere Gemeinden stehen. Oder was ist denn das„schlichte Evangelium“, das der Artikelschreiber betont? Ist es dies, daß die Geschichte der Weihnacht, des Karfreitags, des Ostern= und Pfingsttages Sagen sind? So will es die radikale Theologie. Ist es dies, daß Jesus weder wahrhaftiger Gottessohn, sondern nur reiner Mensch, weder für unsere Sünde gelitten und gestorben, weder für uns wahrhaftig auferstanden noch einstens wiederkommen wird am jüngsten Tage? Soll das der Gemeinde Evangelium sein, was jüngst Pfarrer Hennecke=Mengede in einem Aufsatz im„Evangelischen Gemeindeblatt“ ausführt, daß„die Berichte über Jesu Tod und Auferstehung" besonders legendenhaft seien, daß Jesus selbst sein Sterben nicht als das eigentliche Zentrum seines Heilandswerkes angesehen“ habe?— Und wenn so die liberalen Pastoren alles, was in Wahrheit nur glaubenzeugend wirken kann, weggeworfen haben, Kreuz, Auferstehung, Weihnachts. evangelium und Wiederkunft Christi, wenn nach Traub die Wunder„Anekdoten“„nach Hennecke die Erlösung durch Christi Blut ein„schweres, starres, leider(!) heut so weit verbreitetes Evangelium ist, das dem Evangelium der„Modernen“ aufs schroffste(!) gegenübersteht, wenn nach Jatho auch die biblische Lehre vom Jenseits wegfällt—, dann soll man solche Pastoren nur ja nicht opponieren und das Kirchenregiment soll ruhig mit ansehen, wie sie die Gemeinden mit ihren Irrlehren unterwühlen?— Uns bleibt es ein Rätsel, wie Leute mit diesen Anschauungen ihr Amt mit Ruhe tragen können. Für die Kirche aber würde es die Verleugnung jeder Wahrheit und Wahrhaftigkeit, die Vergewaltigung der gläubigen Kreise bedeuten, wenn die Kirchenbehörde diesem Treiben nicht wehrte. Hier handelt es sich garnicht mehr um Unterschied in Stellung zu den Formeln und Dogmen, sondern um ein ganz anderes Christentum, um einen ganz anderen Glauben.„Ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden", so sagt Paulus, und keine sophistischen Redereien können darüber hinwegtäuschen, daß die evangelische Kirche diese Glaubensluft unter ihren Dienern nicht ertragen kann, wenn sie nicht völlig sich selbst aufgeben will.— Mag darum die freisinnige Presse mit ihrem antichristlichen Charakter, mögen„Berliner Tageblatt" und„Frankfurter Zeitung“ nebst den geistesverwandten Dortmunder Blättern, mag der ganze freisinnig.„. Heerbann den radikalen Theologen den Rücken stärken, wir Positiven werden unsererseits wie ein Mann auf dem Posten stehn. Wir beneiden die liberalen Kreise um diese Bundesgenossenschaft nicht, freuen uns aber, daß die„Frankfurter Zeitung" ihren Schützlingen den Rat gibt, es mal mit dem Austritt aus der Landeskirche zu versuchen. Ihre Geistesverwandten in England, die Untavier, haben ja längst den Mut dazu gefunden; für die evangelische Kirche würde es eine erfreuliche Klärung bedeuten, wenn es in Deutschland ebenso ginge. Vom Oberkirchenrat aber erwarten wir, daß er in dem Fall Cssar ein klares deutliches Wort spicht, welches zeigt, daß die bekenntnistreuen Kreise an der Zukunft der Landeskirche nicht irre zu werden brauchen. Der„Reichsbote“ schreibt:„Das Presbyterium der Reinoldigemeinde in Dortmund beschloß, an der Wahl des nichtbestätigten Pfarrers César festzuhalten und wegen der Nichtbestätigung des Gewählten den Beschwerdegang einzuschlagen. Es ist nur folgerichtig, wenn Dortmund sich unter den Einflüssen Traubschen Geistes zu einem zweiten Remscheid weiter entwickelt. Durchkommen wird man mit diesem Versuch dort so wenig wie hier.“— Das ist auch unsere Meinung. Frey. Postalisches. Einschreibsendungen nach außerdeutschen Ländern. Im Weltpostverkehr können Briefsendungen aller Art als eingeschrieben behandelt werden. In Bezug auf Form oder Verschluß sind die Einschreibsendungen keinen besonderen Bestimmungen unterworfen. Sendungen, deren Aufschrift aus Anfangsbuchstaben besteht, oder mit Stift hergestellt ist, sind jedoch von der Einschrei ing ausgeschlossen. Einschreibsendungen unterliegen allgemein dem Frankierungszwange, ausgenommen nach Oesterreich=Ungarn(einschl. Bosnien, Herzegovina) und Liechtenstein; Einschreibsendungen gegen Rückschein unterliegen allgemein dem Frankierungszwange. Dem Porto tritt überall gleichmäßig die Einschreibegebühr mit 20 Pfennig hinzu. Im Verkehr mit Oesterreich=Ungarn, Liechtenstein, Luxemburg und den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind auch Einschreibpackete zulässig. Eine Ersatzpflicht für Einschreibesendungen übernehmen zurzeit noch nicht die Vereinigten Staaten von Amerika(einschl. Insel Guam, Havai, Philippinen, Porto=Ricof, Argentinien, Brasiilien, Canada, die Cap=Kolonie, Cuba, Guatemala, Natal, Süd=Rhdesia(einschl. Betschuanaland), Oranje und Paraguay. Verstoßen. Roman von Editha v. Welten. 23 Erst der geräuschvolle Eintritt einer großen, übermäßig schlanken Frau in schleppenden Trauergewändern erweckte das junge Mädchen aus ihrem Hinbrüten. Sie blickte auf in ein gelbliches Gesicht mit harten Zügen und stechenden Augen. Die spitze Nase, der herb geschlossene Mund und der unerbittlich forschende, fest auf sie geheftete Blick wirkten gleich abstoßend auf sie. Die Dame sagte nichts, sondern fuhr fort, Gertrud zu mustern, bis sich diese in großer Verlegenheit aus dem Sessel erhob, in den sie sich neben dem Sarg niedergelassen hatte. Die Fremde nahm sogleich diesen ein, stützte die Arme auf die Lehnen und betrachtete das junge Mädchen wie in stummer Frage, was sie hier zu suchen habe. „Ichwollte Abschied von meinem Pflegevater nehmen,“ stammelte Gertrud nur in wachsender Befangenheit. „Das ist nun wohl geschehen, erwiderte die Dame mit scharfer, klangloser Stimme. „Sie sind aber wenig der Sachlage gemäß angezogen; ich vermisse die Trauerkleidung an Ihnen. Am dritten Tage nach dem Tode müßte diese doch angelegt sein. Besitzen Sie kein schwarzes Kleid?“ „O doch, ich habe zu meiner Konfirmation eins bekommen,“ entgegnete Gertrud schüchtern, indem ihr Blick ihren Anzug streifte. Sie trug ein einfaches, dunkles Hauskleid, weder sie noch Fräulein Wangen hatten bisher an diese Aeußerlichkeiten gedacht. „Nun wohl, dann ziehen Sie dies Kleid an und seien Sie ganz ohne Sorge, daß Ihnen Ihre Ausstattung zur Trauer dadurch verkürzt werden sollte, fuhr die Dame fort.„Es war noch keine Zeit, an diese notwendigen Auschaffungen zu denken, und Herren übersehen solche Einzelheiten überhaupt. Da ich aber, sobald ich mich aus meiner Häuslichkeit losmachen konnte, meinem Gatten, dem Gerichtsrat Rödiger nachgereist bin, so wird nichts unterlassen werden, was Anstand und Sitte erfordern. Das Gleiche verlange ich auch von Ihnen. Morgen will ich für passende Trauersachen sorgen, bis dahin tragen Sie Ihre eigenen. Dann wollen wir auch in Erwägung ziehen, was für Sie, natürlich in gewissen Grenzen geschehen kann. Damit wäre wohl alles erledigt und Sie können sich beruhigt zurückziehen. Gertrud zuckte zusammen, wie von einem Peitschenhieb berührt; sie empfand die zu ihr gesprochenen Worte kaum weniger schmerzlich.„Ich habe an dieser Stätte neben meinem geliebten Pflegevater nicht in selbstsüchtiger Absicht verweilt," sagte sie mit bebender Stimme,„mich hat nur der Schmerz über seinen Verlust erfüllt. Was ich sonst verliere, kommt dagegen kaum in Betracht. „Schon gut, schon gut, meine Liebe,“ rief die Rätin sehr erregt.„Man kennt die schönen Redensarten. Sie scheinen übrigens sehr empfindlich zu sein. Weil ich es wohl mit Ihnen meine, will ich Ihnen einen guten Rat geben. Lernen Sie Selbstbeherrschung und verkennen Sie Ihre Stellung nicht. Vor allem zeigen Sie den Personen, von denen jetzt Ihr Schicksal mehr oder weniger abhängt, Unterwürfigkeit und Dankbarkeit.“ Das junge Mädchen unterdrückte die bittere Antwort, die schon auf ihren Lippen schwebte, um die ihr so heilige Gegenwart des Toten nicht durch die Erbärmlichkeiten des Lebens zuentweihen, und verließ mit einer stummen Verbeugung das Gemach. * * Die Leichenrede sollte, der Ortssitte gemäß, im Hause gehalten werden, wo dann die weiblichen Familienglieder zurückzubleiben pflegen. Da Gertrud aber den lebhaften Wunsch hegte, ihrem Pflegevater das Geleit zu seiner letzten Ruhestatt zu geben, so redete Doktor Matthäi ihrem Verlangen das Wort und erbot sich sie unter seine Obhut zu nehmen. In der Rede des Geistlichen fand sich manches Wort, das an Gertrud gerichtet und zu ihrem Troste bestimmt war. Ihr Schicksal hatte die allgemeine Teilnahme erregt, die besonderen Umstände, welche die Vollziehung des Testaments verhindert hatten, waren bekannt geworden, und so hielt es der Pfarrer, der den meisten Mädchen vom Koufirmationsunterricht her zugetan war, für angemessen, einige leise Winke an die Erben einfließen zu lassen, durch die er ihnen die Sorge für den doppelt beraubten Liebling des Verstorbenen aus Herz legte. Der Baumeister Rödiger blickte wie verlegen zu Boden, der Gerichtsrat runzelte die Stirn und tat als gingen ihm diese Worte gar nichts an, seine Gattin aber neigte zustimmend den Kopf und nickte dem jungen Mädchen wie tröstend zu. Als sich der Leichenzug in Bewegung setzte, wollte der Pfarrer, der unmittelbar hinter dem Sarge herging, Gertrud an seine Seite winken; ihr kam es doch zu, dem Pflegevater die nächste zu bleiben, bis sich die Gruft über ihm schloß. Aber ehe erseine Absicht ausführen konnte, traten die beiden Herren Rödiger zu ihm. Zu seiner Beruhigung sah er jedoch, daß Gertrud in der nächsten Reihe am Arm des Doktors folgte, während der Generaldirektor von Wangen an ihrer anderen Seite ging. Er vernahm aber auch, wie der Baumeister seinem Vetter etwas von unerhörter Zudringlichkeit zuflüsterte und dabei einen bösen Blick auf Gertrud warf. Nun war alles vorüber, der Tote schlummerte in seinem Grabe und die Lebenden wandten sich dem Getriebe des Tages wieder zu. „ * Gertrud war still und gefaßt mit dem Ausdruck eines tiefen Seelenschmerzes in das Schloß zurückgekehrt und von Fräulein Rese mit mütterlicher Zärtlichkeit empfangen worden. Einen Augenblick ruhte sie an ihrem treuen Herzen aus, dann bat sie, allein bleiben zu dürfen; in der Einsamkeit dachte sie sich zuerst zurechtzufinden. Seitdem waren viele Stunden vergangen und Fräulein von Wangen wartete mit schmerzlicher Ungeduld auf ihre junge Freundin, aber immer vergebens. Als auch die Stunde des Abendessens vorüber war und diese die ihr angebotenen Speisen unberührt zurückgeschickt hatte, begab sie sich zu ihr. Gertrud saß am Fenster, von dem Mondschein, der in das Zimmer flutete, hell beleuchtet; man konnte jeden Zug ihres bleichen Gesichts sehen, das den Ausdruck stiller, aber fester Entschlossenheit trug. Sie ging Fräulein Rese einige Schritte entgegen und bat sie, ihren Platz auf der erhöhten Estrade einzunehmen, sie selbst nahm ein Bänkchen und setzte sich ihr zu Füßen. Die alte Jungfer strich mit ihrer welken Hand über das weiche Haar ihres Lieblings und flüsterte ihr liebevolle Tröstungen zu, und bei ihren guten, teilnehmenden Worten löste sich der starre Schmerz und Gertrud brach in Tränen aus. Rese weinte mit ihr und in dieser Stunde, in der der gemeinsame Schmerz sie so eng verband, löste sich das Siegel von ihren Lippen und sie erzählte dem jungen Mädchen von ihrem einsamen Dulderleben, ohne Sonnenschein und ohne Freude, und von der Liebe, die sie im stillen gehegt und nie einem sterblichen Auge verraten hatte, während der, dem sie galt, ahnungslos ein ganzes Leben lang neben ihr herging.„Nun weißt Du auch, wie Du mir doppelt teuer bist als sein Vermächtnis," schloß die Erzählerin. 141,20