Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: nik. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Ilustrierter Famisienfreund." o d O O 9 O O O O O O 0 0 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peistzeile oder deren Raum 10 PI., Anzeigen von auswärts Is Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft, o o 0 0 O 0 O C C o o o o o Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech- Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 155 Donnerstag, den 5. Juli 1906. S 38. Jahrgang. Der Kaiser Großvater Es gehört mit zu dem Erbsegen uunseres Volkes, daß es an allen Ereignissen inder Familie des HHerrschers den wärmsten Anteil nimmt. Gott sei Dank hat bisher das Gefühl der Zusammengehörigkeit von Fürst und Volk aller Erschütterungsversuche gespottet. Daß dem so ist, dürfte weniger ein Verdienst unseres Volkes als vielmehr unseres unvergleichlichen Herrscherhauses sein. Magnetisch zieht es mit seinem vorbildlichen Familienleben alle noch für das Edle irgendwie offenen Gemüter an sich. Und die Frage ist eine schier Kroprinzessin Cecilie allgemeine geworden:„Wo gibt es in der Welt ein Fürstengeschlecht, dessen Familiensegen sich mit dem der Hohenzollern auch nur im entferntetsten messen könnte?“ Seit Jahresfrist hat die Liebe zum angestammten Fürstenhause wiederholt Gelegenheit gehabt, sich über ihre Größe und Kraft klar bewußt zu werden. Welch' eine einmütige, jubelnde Teilnahme des Volkes, äls in den Junitagen des vergangenen Jahres unser Kronprinz seine anmutige Braut, die Hekzögin aus aldem, deutschem Fürstengeschlecht, heimführte. Unvergeßlich bleibt allen, dieihn mit eigemen Augen gelesen haben, jener Willkommengruß einer treuen Berliner Seele:„Die Herzogin Cecilie gehört jetzt zur Familie.“ Und noch höher schlugen die Wogen ehrlicher Begeisterung, als das Doppelfest des 27. Februar 1906 die silberne und grüne Myrte im Kaisanhause vereimigte. An jenem Tage, dessen Gedächtnis durch zahllose Stiftungen christlicher Liebe und humanitären Gemeinsinnes bis in fernste Zeiten lebendig erhalten wird, konnte dem jugendlichen Fürstenpaare kein besserer Wunsch dargebracht werden, als daß ihm die gleichen Segenserfahrungen wie dem kaiserlichen Elternpaare möchten beschieden sein. Zum dritten Male geht heute über einem Familienereignis heller Jubel durch unser Volk. Im lieblich gelegenen Marmorpalais zu Potsdam hat ein Prinz das Licht der Welt erblickt. Von Mund zu Mund fliegt es im Vaterlande:„Unser Kaiser ist Großvater geworden. Und was uns die silberne Hochzeit noch nicht so völlig klar machen konnte, lehrt uns das eine Wort„Großvater“: wir haben keinen jugendlichen Kaiser mehr in dem Sinne, wie dieses Prädikat sich geradezu mit der Persönlichkeit unseres Herrschers vermählt zu haben schien. Wir haben einen Kaiser, der in der Fülle der Manneskraft bereits im zweiten Gliede den Erben des Thrones sieht. Vor vierundzwanzig Jahren machte ein Bild die Runde durch unser Volk. Der alte große Kaiser hielt unsern gegenwärtigen Kronprinzen auf seinem Schoße Zu beiden Seiten standen Kaiser Friedrich und unser Kaiser. HHurra, vier Kaiser!". Das war des Bildes vielsagender Unterschrift. So könnte jetzt wieder ein Bild mit dem Jubelruf:„Hurra, drei Kaiser!“ das Heil veranschaulichen, das mit der Geburt des Prinzen unserem Vaterlande widerfahren ist. Wir wollen uns heute nicht im einzelnen an die großen Verdienste erinnern, die unser kaiserlicher Herr sich um die Wohlfahrt unseres Volkes nach innen und nach außen, um Deutschlands ideale und materkelle Güter bis zu dem Zeitpunkte erworben hat, da ihm in seiner erlauchten Familie die Würde eine„Großvaters“ zuteil geworden ist. Genug, daß wir ihn seinem„Großvater“ als ebenbürtigen Nachfolger zur Seite stellen uund dem meugeborenen Prinzen als besten Wunsch mit auf den Lebensweg geben dürfen: „Gott segne dich wie deinen Großvater!“ Politische Uebersicht Die englischen Flottenmanöver. = London, 4. Juli. Die Flottenmanöver nehmen an den englischen Küsten ungestört ihren Fortgang uund erwecken das Interesse des Badepublikums in ganz außerordentlichem Maße. Die Badegäste von Scarborough hatten am gestrigen Sonntag eine seltsame Ueberraschung. Am Nachmittag erschienen plötzlich vier schlimm aussehende Linienschiffe der feindlichen Flotte, unter ihnen der König Eduard 7., das Flaggschiff des Admirals May. Dieselben machten sich kampfbereit und landeten darauf größere Abteilungen, die den fen besetzten und den Major gefangen nahmen. Die Uebergabe der Stadt und die Zahlung einer bedeutenden Summe wurde verlangt, widrigenfalls die Stadt beschossen werden würde. Die feindliche Flotte hat übrigens während der letzten Tage so außerordentliche Erfolge zu verzeichnen gehabt, daß sie als absolute Herrin des Kanals betrachtet werden kann, und es heißt daß Admiral May die Uebergabe verschiedener Häfen verlangt hat, die heute beschossen werden sollen, falls dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wird. Die französische Regierung und der Papst. = Paris, 4. Juli. Die französische Regierung ließ dem Papst durch Vermittlung des Erzbischofs von Rouen mitteilen, daß, solange die Trennung von Staat und Kirche nicht vollständig gesetzmäßig durchgeführt sei, keinerlei Pensionen an Geistliche ausbezahlt und daß von Neujahr an auch die Kirchen dem Gottesdienste entzogen würden, falls der Papst bis dahin nicht in allen Punkten nachgegeben habe. Die Trennung von Staat und Kirche könne nicht von der Zustimung des Papstes abhängen. Radikale Zeitungen beschuldigen die Klerikalen, daß sie durch Börsenmanöver den Staatskredit Frankreich s zu untergraben suchten, und fordern neue scharSzene aus dem Pogrom in Bialystock. Schien es zunächst so, als wenn Rußland durch Berufung der Duma den Weg der friedlichen Fortentwicklung dem Chaos vorzuziehen gedenke, so haben die Ereignisse der letzten Zeit diese Annahmen gründich zerstört. Die Judenmassakres in Bialystock waren dafür der erste Beweis. Denn daß die Regierung, wenn sie nicht aktiv sich an den Unruhen beteiligte, doch sie wenigstens geschehen ließ, ist erwiesen. Das Gemetzel nahm seinen Aafang am Donnerstag, dem Tag der katholisechn Fronleichnahmsprozession. Etwa 16000 Personen nahmen an derselben teil. Eine griechisch=orthodoxe Prozession von 500 Personen zog in entgengesetzter Richtung durch die Straßen. Ein leichter Knall, angeblich war eine Petarde explodiert, war das Signal zum Beginn eines Gemetzels. In Rotten zu 50 Mann zogen die Plünderer mit eisernen Stöcken bewaffnet, durch die Gassen. Binnen zwei Stunden waren 200 Häufer und Läden ausgeplündert und vernichtet; die Toten und Verwundeten zählten nach Hunderten. Militär marschierte den Plünderscharen voran, Polizei folgte ihnen nach, damit sie in ihrer Arbeit nicht gestört würden. Dabei beteiligten sich die Soldaten an der grauenhaften Arbeit. Am nächsten Tage wurden die Plünderungen fortgesetzt und erst als die Delegierten„welche die Duma zur Unterstützung der Sache entsandt hatte, in Bialystock eintrafen, trat Ruhe ein. Daß solche Ausschreitungen mmehr wie alle übrigen dahin führen werden, die republikanischen Anschauungen in Rußland zu fördern, bedarf keiner Betonung. So geben sich denn auch die russischen revolutionäre den kühnsten Erwartungen hin, sie hoffen schon in diesem Jahre den zweiköpfigen kaiserlichen Adler durch die Fahne der Republik ersetzen zu können. * * fe Maßregeln gegen die amtlichen Börsenagenten, die zu drei Vierteln der Reaktionspartei angehören. Ernste Kämpfe in Natal. Massumnlo,(Natal), 4. Juli. In Verfolg strigen Sieges bei Noodsberg griffen Oberst Barbers von der Növösberger uund drei Kolonnen von der Massumoloer Seite her gleichzeitig die Aufständischen an. Der schwere Kampf nimmt seinen Fortgang. Die Rebellenkraals stehen in Flammen. Eine derbe, aber ehrliche Antwort. Japanische KKiegsschiffe machten einen„Freundschaftsbesuch" in Australien und luden die Spitzen der Behörden zu einer Festlichkeit ein. Ein australischer Volksvertreter, der Senator Dawson, gab darauf dem japanischen Admiral Schimamura folgende Antwort: „Ich muß die Annahme Ihrer Einladung ablehnen,da es von meiner Seite nur Scheinheiligkeit sein würde, wollte ich Sie mit einem Lächeln begrüßen, Ihnen einen freundschaftlichen Händedruck geben, meine Beine unter Ihren gastlichen Tisch stecken, Ihre Spirituosen trinken und Ihre Zigarren rauchen, während ich, obwohl ich Sie als geistvolles, tapferes und fortschreitendes Volk bewundere, Ihnen nicht über den Weg traue. Ich glaube, daß der Tag kommen wird, an dem Australien den Tag verwünschen wird, an dem es so viel Wesen aus Ihnen gemacht hat. Ich werde Sie in meiner repräsentativen Eigenschaft demnächst wahrscheinlich abfällig kritisieren. Das ist offenherzig, obwohl micht als ggen Sie persönlich, sondern als gegen Sie als Volk gemeint. Ob ich Recht oder Unrecht habe, wird die Geschichte zeigen“. Bauer und Soldat. (Von unserm Berliner Bureau.) Die Vorgänge in den russischen Kasernen und auf dem flachen Lande des Riesenreiches sind es, die jetzt das hervorragendste Interesse in Anspruch nehmen. Die Arbeitér= und Streikbewegung, die so lange die inneren Unruhen beinflußten, haben, augenblicklich wenigstens an gewaltsamer Heftigkeit verloren, teils infolge von Aufbesserungen, die den Leuten gowährt sind andererseits aber auch, weil die große Mtitellosigkeit in den Familien der kleinen Haushaltungen zur Arbeitsamkeit zwingt. Um so bedenklicher haben sich dafür die Verhältnisse unter dem Militär und den Bauern gestaltet, die eine hohe Gefahr, selbst für den Thron des Zaren bedeuten. Nicht, daß Soldaten und Bauern Revolutionäre wären, die Rußland in eine Republik umwandeln möchten, aber die Disziplinlosigkeit in der Armee und die Räubereien auf dem Lande gewährt jenen Elementen einen großen Vorschub, welche die bewaffnete Erhebung im Zarenreiche von Neuem herbeizuführen sich bemühen. Das stolze Selbst gefühl der Reichs=Duma, die Unentschlossenheit in der Umgebung des Zaren und in der Regierung, es sind Folgen der Verworrenheit, der sinkenden Zuverlässigkeit, die in der Armee herrschen, die von Tag zu Tag zunehmen. Kaiser Nikolaus II. hat all' den Berichten von der Zerrüttung der Disziplin in der Armee nicht glauben wollen; vielleicht ist ihm auch nur das wenigste davon mitgeteilt. Die Gehorsamsverweigerung des ersten Bataillons der Probatschenski=Leibgarde, des vornehmsten Infanterie=Regiments im ganzen russischen Heere, das er als Thronfolger einst selbst kommandiert hat, hat ihm die Augen geöffnet Das hat der Kaiser nicht für möglich gehalten, daß diese von ihm und seinen Vorgängern in jeder Weise verhätschelte und verwöhnte Garde, die auch dem ostasiatischen Kriege fern geblieben ist, sich offen für die radikalen, politischen Forderungen der Reichs=Duma erklären, PolizeiDienst gegen Aufrührer verweigern und von ihm— Gerechte Vergeltung. Roman von Martin Wehrau. 34 „Wenn die Lose in einem Kuvert waren, wie konnten Sie da wissen, daß es Lose seien?“ examinierte der Polizist und sah den Kellner scharf an. Dieser zuckte zunächst mit den Schultern. Da aber faßte der Detektiv seinen Arm, preßte ihn und sagte in schneidendem Tone: „Gestehen Sie die volle Wahrheit, damit man nicht am Ende Sie für den Mörder halte!“ Josef Kiml wurde bleich. Der Schreck war ihm in alle Glieder gefahren.„Ein Lump bin ich wohl, aber das.. das hab' ich nicht getan!“ stotterte er. „Sprechen Sie also die Wahrheit und das sogleich.“ Der Kellner zögerte noch.„Wird mir auch nichts geschehen, wenn ich alles sage?“ „Sie dürfen auf die allergrößte Nachsicht rechnen, wenn Sie uns Angaben machen, die Licht in die Mordsache bringen, versicherte der Polizist. Nun erzählte Kiml in zögerndem Tone:„Der Herr war ein bißchen benebelt. Er stieß mit seinem Glase oft an die Flasche an und lächelte dabei. Gerade, als wenn er mit jemand Lebendigem sich unterhalten tät’, war’s. Ich sah mir dies aus der Ferne an. Er bemerkte mich und rief mich herbei. Fragen tat er, ob der Wein, den er trinke, viel begehrt würde und ob die Leute auch einen guten Tropfen zu würdigen verständen und so fort. Nach einer Weile fragte er mich, wann der nächste Zug nach einem Ort, den ich schon vergessen habe, wegginge. Am Ende werde er doch noch wegfahren, sagte er, aber mehr für sich. Da war es, wie er nach dem Taschenfahrplan gesucht hat und ihm damit etwas herausfiel. Er bemerkte es nicht und ich auch nicht gleich. Ein bißchen später erst sah ich etwas Weißes hinter seinem Sessel auf dem Fußboden liegen. Ich hebe es auf, es war ein offenes Kuvert. Weil's offen war, hab' ich halt hineingesehen“ Kiml hüstelte und nestelte wieder an seiner Kravatte.„Da weiß ich eben, daß er Lose drin gehabt hat. „Was für Lose?“ war die rasche Frage des Detektivs. „Kreditlose,“ antwortete der Kellner. „Also haben Sie sich die Lose doch genauer angesehen,“ inquirierte mit leichtem Lächeln der Beamte. dem obersten Kriegsherrn überhaupt nicht sprechen würde. Und diese Meuterer haben sogar noch allgemeine Zustimmung in der ganzen russischenGande gefunden, eine so große, daß eine tatsächliche Bestrafung überhaupt nicht gewagt ist. Man hat sich mit der moralischen Strafe der Umwandlung des Garde=Bataillons in ein Linien=Bataillon begnügt, und daß das nicht besonders wirkenwird, ist vorauszusehen. Den Soldaten ist eben ihr ganzer Dienst, und damit die militärische Ehre gleichgiltig geworden. Sie wollen nichts gegen den Zaren, aber ihre Begeisterung für ihn ist dahin. Die schaurigen Vorgänge während des Japan=Krieges, das Lotter=Lebenso vieler russischer Offiziere, die schlechte Behandlung und Verpflegung, die Aufhetzereien, die sie daheim gehört und mit in das Militärleben gebracht haben, die haben aus dem russischen Soldaten einen Gewehrträger gemacht, der mit großen Augen in das tolle Leben um ihn herumblickt, und der keinen anderen Gebanken hat, als den an sein eigenes Wohlbehagen. Er freut sich, daß die großen Herren nun auch einmal zittern müssen und versteht nicht, daß aus diesem Wirrwarr ein Sturm erwachsen kann, der Rußland auf das Allerschwerste schädigen muß. Bei den russischen Bauern sieht man es, daß äußere politische Formen es allein auch nicht tun,wenn nicht eine Erziehung zur Befähigung, sich den veränderten Verhältnissen anzupassen, vorhanden ist. Vor mehr als 40 Jahren ist die Leibeigenschaft der Bauern im Zarenreiche aufgehoben, aber die Erwartung, daß dieser großartigen Maßnahme ein allgemeiner Aufschwung der ländlichen Bevölkerung folgen, sich ein kerniger, fester Bauernstand heranbilden werde, ist gänzlich fehlgeschlagen. Während die ldeutschen Kolonisten in Rußland in den verflossenen Jahrzehnten wohlhabend geworden sind, sind die russischen Landbewohner verarmt. Entweder haben sie keine rechte Kenntnis vom Landbau besessen, ein langes Lernen. ein Sich=Hineinfinden in Neues ist ihnen zu unbequem gewesen, oder es fehlte ihnen überhaupt der Trieb zur rechten Arbeit. Von den Bauern und won den Duma=Abgeordneten ist wiederund wieder die Verteilung von Land verlangt; aber an Land fehlte es nicht, nur an in gutem Zustande befindliches Ackerland. Was von den russischen Bauern in all' den Jahren vernachlässigt ist, das rächt sich auf das Bitterste. Jetzt kommt die Not, die gewiß furchtbar ist und da nimmt die ländliche Bevölkerung, wo sie bekommen kann. FFremde Ernten werden gestohlen, fremde Wälder werden niedergeschlagen und das Eigentum hat in den Augen dieser Verzweifelten jeden Wert verloren. Alles was sie wollen, das kann nicht von heute auf morgen geschafft werden, dazu sind wieder Jahre und abermals Jahre erforderlich. Und bis dahin? Das ist eben das Schlimme! Die Sintflut braucht nicht erst zu kommen, sie ist da! Aus Stadt und Umgebung Schwerte, den 5. Juni. **(Telegramme,) die nach dem Wunsch der Aufgeber nicht während der Nachtstunden an den Empfänger ausgehändigt werden sollen, gelangen in der Zeit von 10 Uhr abends bis 6Uhr morgens nicht zur Bestellung, wenn sie vor der Aufschrift die Bezeichnung (Tages) tragen. Der Vermerk(Tages) wird als ein Textwort gezählt. Die Vorschrift, wonach auch der Telegrammempfänger die Bestellung von Telegrammen zur Nachtzeit ausschließen kann, bleibt unverändert. **(Das gestrige Konzert der„Ruhrtaler") im Hotel„zur Post“ war leider nur mäßig besucht, obwohl es zweifellos ob seiner gediegenen Darbietungen eines besseren Besuches wert gewesen wäre. Es war ein angenehmes Sitzen in dem schön gepflegten, schattigen Garten, aber leider machte der gegen 10 Uhr einsetzende Regen diesem angenehmen Dasein ein Ende, und aus dem Gartenkonzert wurde ein Saalkonzert, was aber der frohen Stimmung keinerlei Abbruch tat. Die Kiml mußte dies zugestehen. „Zeigen Sie mir eines dieser Lose, oder haben Sie sie nicht nehr?" Der Polizist streckte gebieterisch die Hand aus. Der Kellner trat einen Schritt zurück. Er war verwirrt. „Aber ich hab' sie ja nur angeschaut. Ein kurzes Auflachen quittierte diese Beteuerung. „Machen Sie keine Witze, denn Sie haben Reinhausen sicher nicht alle Lose zurückgegeben, da Sie doch seinen Zustand genau annten.“ Kühl, aber eindringlich klang diese Logik. Josef Kiml kämpfte mit heftigem Kopfschütteln gegen dieselbe, doch war sie so zwingender Natur, daß er endlich gestand. „Sie haben mir Straflosigkeit zugesichert, sonst würde ich nichts gestehen. Ein Los habe ich herausgenommen und das Kupert mit den drei anderen dem Herrn zurückgegeben. Der sah gar nicht nach, drückte mir aber als Dank eine Krone Trinkgeld in die Hond. un 4# F 8 Der Detektiv war sieverhaft bewegr:„Id haben Sie das Los?“ „Im Koffer. Ich hab' mich nicht getraut, es zu verkaufen, weil ich geglaubt hab', es ist bezeichnet, gestand kleinmütig Josef Kiml.„Aber nicht wahr, es wird mir nichts geschehen?“ „Ich habe Ihnen bereits gesagt, daß Sie auf die größte Rücksicht rechnen können. Nun aber schaffen Sie mir das Los herbei.“ Selbstverständlich ließ der Polizeibeamte den Kellner keinen Augenblick aus dem Auge, denn sonft wäre der Mann und das Los verloren gewesen. Kiml hatte nicht gelogen. Es fand sich unter seinen Habseligkeiten, in einer kleinen, eisernen Schatulle ein Kreditlos. Es sah natürlich wie jedes andere aus, nur war in dem auf der Rückseite befindlichen Verzeichnis das Ziehungsdaten die Rubrik September 189 mit einem hellgrünen Stift stark unterstrichen. Es war dies die nächstfolgende Ziehung...Hn aufmersiam Der Beamte vetrachtete oas Papier sehr aufmerrsum und fragte, auf den grünen Strich zeigend:„Haben Sie das gemacht?“ Der Kellner verneinte.„Nein, den grünen Strich wird wohl der Fremde gemacht haben. Ich habe das Los nachher nicht mehr angerührt.“ Der Beamte gab sofort einen ausfürlichen telegraphischen Darbietungen der Ruhrtaler Sänger waren wie gewohnt von einer Schönheit und Klangfülle, daß sie alle Zuhörer hinrissen. Herr Musikdirektor Haselhoff hat seine Zwölfe meisterhaft geschult, und die Zwölfe wiederum repräsentieren ein Stimmenmaterial, so vorzüglich, daß jeder Dirigent seine helle Freude daran haben muß. Wir wollen uns ein Eingehen auf die einzelnen Chöre ersparen, wissen wir doch alle aus den bisherigen Konzerten, in welch' vollendeter Form diese Sängerschar ihre Aufgabe löst. Mit dem instrumentalen Teil fand sich der Dortmunder Orchester=Verein sehr gut ab; es ist ein Musikköxper, der, wenn er auch wohl nicht ganz an das Betzel'sche Solisten=Orchester heranreicht, doch bei sehr trefflicher Besetzung für derart ge kleinere Konzerte, wie es das gestrige war, wie geschaffen ist. Die einzelnen Konzertstücke wurden sehr gut vorgetragen unddie Solis(Piston=Solo und Cornet=Quartette) erweckten einen wahren Beifallssturm. Mögen sich die Ruhrtaler durch den nicht gerade guten Besuch nicht beirren lassen, unentwegt fortzufahren, eine Pflege= und Hegestätte zu sein des edlen deutschen Männergesanges. *( E i n g r ä ß l i c h e r U n g l ü c k s f a l l) e r e i g n e t e s i c h g e stern nachmittag in den Rosen. Das 11jährige Schulmadchen Lelitkow war in dern elterlichen Wohnung in der Küche beschäftigt, als es auf den unglückseligen Gedanken kam, dem schlecht brennenden Herdfeuer dadurch aufzuholfen, daß es Petroleum auf die glimmenden Kohlen schüttete. Die Kanne erplodierte und sofort glich das unglückselige Kind einer lichterloh von oben bis unten brennenden Feuersäule. Auf die markerschütternden Hilfeschreie eilte der im Hause weilende Herr Weber herbei, der mit großer Geistesgegenwart sofort die Flammen erstickte. Doch hatte das bedauernswerte Mädchen bereits derartige schwere Brandwunden am ganzen Körper erlitten, daß es sofort ins Krankenhaus überführt werden mußte, wo es hoffnungslos darniederliegt. Den schwer geprüften Eltern wendet sich die herzlichste Teilnahme der ganzen Nachbarschaft zu.— Wir möchten auch an diesen traurigen Fall die dringende Mahnung knüpfen, vorsichtig zu seim im Gebrauche mit Petroleum, da doch durch Unvorsichtigkeit in der Handhabung desselben schon so manches blühende Menschenleben, so manche sorgende Hausfrau den Tod gefunden hat. **(Arbeitsjubiläum.) Der Maurermeister Joh. van Weel, Eisenindustrie wohnhaft, beging am Dienstag sein 25jähriges Arbeitsjubiläum. Der Jubilar, welcher sich allseitiger Beliebtheit erfreut, ist 25 Jahre im Dienste der Eisen=Industrie Menden=Schwerte. *rk(Ein frivoler Streich) wurde am vergangenen Sonntag gegen den Viehhändler St. von hier ausgeübt. Mehrere rohe Burschen warfen eine Herrn St. gehörige Kuh auf den Ruhrweiden in eine dort befindliche tiefe Sumpfgrube, sodaß das Tier elend häte umkommen müssen, wäre die Tat nicht rechtzeitig entdeckt worden. Das dicke Ende für die„arbeitsfreudigen“ Helden dürfte nachkommen, denn sie sind bereits ermittelt und zur Anzeige gebracht worden. (—:) Hohensyburg, 5. Juli.(Vergrößerung des Gemeindefriedhofes.) Für die notwendige Vergrößerung unseres Gemeindefriedhofes kamen als angrenzende Besitzungen die Ländereien des Herrn Majors von Basse und des Hotelbesitzers Herrn Wulff in Frage. Nach eingehender Untersuchung der Bodenverhältnisse durch den Geheimen Medizinalrat Kreisarzt Dr. Schulte aus Hörde erfahren wir, daß dieses Gutachten sich zugunsten des etwa 180 Quadratruten großen Ackers des Herrn Majors von Basse südwestlich des Friedhofes entschieden hat und daß ein Preis von 10 Mark pro Quadratrute in Aussicht genommen ist. Das Wulff'sche Grundstück kann wegen übergroßen Wasserreichtums nicht in Betracht kommen. Die Gemeindevertretung wird in dieser Angelegenheit endgültigen Beeschluß fassen. Bericht nach Hause und erhielt umgehend von Rat Schulz die Antwort:„Dank für Bemühungen. Sind sehr wichtig. Kommen Sie, jedoch mit Josef Kiml, sofort zurück. Dessen Anwesenheit ist hier unbedingt notwendig. Nehmen Sie eventuell die Bukarester Polizei zu Hilfe., ger 4— a.n. Das letztere war in der Tat notig, denn der Neuner geberdete sich wie ein Rasender, als er Bukarest verlassen sollte. Er mußte sich aber natürlich fügen. Nach einem schwülen, gewitterreichen August brach mit dem beginnenden September ganz unerwartet rauhes, herbstliches Wetter herein. Die Stadtflüchtlinge suchten aus den Bergen oder Seebädern so schnell als möglich die angenehme Bequemlichkeit der Stadt wieder zu gewinnen. Dr. Friedrich Schulz tat das Gleiche. Er hatte sich etwa eine Woche in einem Seeorte aufgehalten, um seiner in der letzten Zeit stark zunehmenden Nervosität Ruhe zu verschaffen. Doch langweilte er sich nach zwei Tagen schon sehr. Das Brausen des Meeres, das immer herüber klang in seine Wohnung im Strandhotel, machte ihn womöglich noch nervöser. Es war ein unablässiges Summen, bald wie schmetternde Musik zu einem tollen Tanz, bald wie dumpfer Donner, als käme über den unendlich fernen Horizont mit seinen schwankenden, verschwimmenden Linien ein schweres Unwetter heraufgezogen, das sich in dem grollenden Dröhnen der Wellen ankündigte. Dr. Schulz wechselte das Zimmer und zog in ein Häuschen, das dem Strande am fernsten lag, aber dort hörte man wieder, wenn der Wind strich, und er ruhte fast nie, das Rauschen der Blätter von ein paar uralten Baumriesen, die unweit davon im Sande wurzelten. Er verließ darum die See und durchstreifte etwa vierzehn Tage lang die Welt. Seine Kanzleibediensteten wußten kaum, wo er sich aushalte. Erst nachträglich erfuhren sie es. Die Arbeiten kamen dadurch natürlich fast vollständig zum Stillstande. Eines Morgens erschien Dr. Schulz wieder im Bureau und informierte sich durch unzählige Kreuz und Querfragen über die Ereignisse, die sich in seiner Abwesenheit vollzogen hatten. Er war verdrossen und mürrisch, seine Nervosität schien eher zuals abgenommen zu haben. Die Türe dröhnend hinter sich ins Schloß werfend, begab er sich in sein Zimmer. 132,20 mehr als ein Viertel hatte der Gastwirt nicht abg kelt, als der Siruptopf schon leer war. (C * D 45 .P i - 4 - Ee He 6e 8 SA AE b * 40 Brand der Michaeliskirche in Hamburg Unser Bild zeigt uns die brennende Michaeliskir; bei dem gestrigen Brande nur der Türmer Beule umche in Hamburg. Eine ausführliche Schilderung des gewaltigen Brandunglücks bringen wir in einem längeren Artibel, den die Leser im zweiten Blatt finden. Wir verzeichnen hier noch die nachstehende Meldung: Hamburg, 4. Juli. Nach amtlicher Feststellung ist *r Hennen, 3. Juli.(Siebenjähriger Prozeß beendet.) Endlich nach siebenjährigem Kämpfen ist holder Friede wieder in der Gemeinde Hennen eingekehrt. Schreiber dieses war als geladener Zeuge an Ort ubnd Stelle, als sich die Streitenden zum Frieden die Hand reichten. Keiner der zum Lokaltermin Geladenen wollte seiinen Ohren trauen und einer sagte zum andern verwundert, wollen sich die Parteien wirklich versöhnen? Ja, es war so! Der Anstifter des Streits bot seinem Gegner die Hand zum Frieden; ist das nicht edel! Möge dieser Friede niemals wieder gestört werden. Weggerechtsame und Grenzen gaben von jeher oftmals Veranlassung zu großen Prozessen, und so war es denn auch in Hennen. Das Haus Hennen, Besitzer Graf v. Fürstenberg, der Gutsbesitzer Heinrich Westhoff gnt. Romberg zu Rheinen und der Kettenschmied Schulte=Holtmann hatten von alten Zeiten her eine Gerechtsame zum Fahren und Gehen über das Gehöft des Gutsbesitzers Schulte=Noelle zu Hennen. Letzterer machte den Vorgenannten den Weg streitig und so kam es denn zu einem siebenjährigen Prozesse, der am gestrigen Tage durch einen Vergleich zu Ende gebracht wurde.— Schulte=Noelle zu Hennen übernimmt sämtliche entstandenen Kosten des Prozesses, tritt einen Teil seiner Weide zur Erweiterung des neuanzulegenden Weges ab und trägt zweifünftel der Kosten, welche durch die Anlage resp. Ausbesserung des Weges entstehen. Dreifünftel der Wegekosten übernahm freiwillig Gutsbesitzer Heinrich Westhoff, gnt. Romberg, Haus Hennen, Graf Fürstenberg gibt Grund und Boden zum Wege. Alle Anwesenden sagten, wie sie es jetzt machen, so hätten sie gleich tun sollen! Möge aus diesem Prozesse mancher lernen, daß ein magerer Vergleich— aber zu rechter Zeit— besser ist, als ein fetter Prozeß. gekommen. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebrachtw erden mußte. Eine Anzahl Feuerwehrleute erlitt erhebliche Brandwunden. * Essen, 4. Juli.“(Fräulein Barbara [Krupp,) die zweite Tochter des verstorbenen Exz. Krupp, verlobte sich mit Regierungs=Assessor Frhr. Tilo v. Wilmowski, Sohn des Oberpräsidenten von Sachsen. * Opladen, 4. Juli.(Tod auf den Schie nen.) In der Nähe von Reusrath wurde heute morgen zwischen den Schienen der Rheinischen Eisenbahn die schrecklich verstümmelte Leiche eines jungen Mannes aufgefunden. Der Kopf war vollständig abgetrennt. Wie sich das Unglück zugetragen hat oder ob der junge Mann freiwillig in den Tod gegangen ist, konnte noch nicht ermittelt werden. 9 Westfalen und Rheinland. * Hagen, 4. Juli.(Vom hiesigen Schwurricht) wurde heute der Bäckergeselle Schmidt, der am 11. Dezember v. J. einen Mordversuch auf die Ehefrau Feld unternahm, die das Verhältnis zu ihm abgebrochen hatte, zu 3 Jahren und 4 Monaten Gefängnis verurteilt. * Castrop, 4. Juli.(Von einem schweren Schicksal) betroffen wurde am gestrigen Abend die Familie des Bäckermeisters Wilhelm Schütt. Das 17 Monate alte Töchterchen näherte sich in einem unbewachten Augenblick der auf dem Hofe stehenden mit Wasser gefüllten Badewanne und fand darin Kleine Chronik. Frankfurt a. M., 4. Juli. Die Gräfin Karoline Bothner, geb. Bürchel aus Frankfurt a. M., die Gemahlin des in Aibling lebenden Grafen Ludwig Bothner, hat sich in einem Schwermutsanfall heimlich vom Hause entfernt. Man befürchtet, daß ihr ein Unglück zugestoßen ist. Magdeburg, 4. Juli. Das Schwurgericht verurteilte den Steindrucker Ernst Wilde wegen Raubmordes an dem pensionierten Bahnwärter Hennig zum Tode. Wilde nahm das Urteil ganz gleichgültig auf. Freiburg i. Schweiz, 4. Juli. Am Fuße einer Felswand des Berges Moleson haben Touristen in der Höhe von 2000 Meter den Leichnam eines Reisenden entdeckt, dessen Name noch nicht festgestellt ist. Der Tote trug rote Strümpfe. Salzburg, 4. Juli. Der Bergführer Johann Lamprecht, der im Winter Offiziere und Mannschaften des Kaiserjägerregiments im Skifahren unterrichtete, erstach die Glockenwirtin Cecilia Anzinger in der Wirtsstube und flüchtete. Später wurde er in der Nähe des Truppenspitals schwer verletzt im Gebüsch aufgefunden. Lamprecht brachte sich selbst neun Stichwunden bei. Die Wirtin, verheiratet und Mutter dreier Kinder, hatte mit Lamprecht ein Liebesverhältnis, das sie lösen wollte. Lamprecht verübte den Mord aus Eifersucht. Bukarest, 4. Juli. In der Bukarester Ausstellung explodierte das Pulverdepot bei der Aufführung der Kämpfe von Port Arthur, wobei 5 Personen schwer verletzt wurden. Altoona(Pennsylvanien), 4. Juli. Heute wurde Lehne Trahlmetbangen. Vier Kinder vom Blitz erschlagen. Königsberg, 5. Juli. Vier Kinder einer aus Ackmonienen bei Goldap wurden vom Gewitter und Regen überascht und suchten Schutz unter einem Baum. Ein herniederfahrender Blitz zerschmetterte den Baum und tötete sämtliche vier Kinder. Der Brand in Hamburg. Hamburs, 4. Juli. Die Ursache des Brandes der Michaeliskirche ist jetzt dahin aufgeklärt, daß bei der Legung neuer Kupferplatten auf dem Dachvorsprung unterhalb der Uhr das ausgedörrte Holz an der Lötflamme Feuer fing. Die Dachdecker versuchten, den anfänglich geringen Brand mit Wasser aus dem TurmBehälter zu löschen, was auch gelang, und arbeiteten dann weiter. Die Flammen hatten aber unter den übrigen Kupferplatten schon weiter gefressen und schlugen nach einigen Minuten so mächtig hervor, daß die bisherigen Löschversuche aussichtslos waren. Nun erst wurde durch den Turmwächter an der Hauptwache Großfeuer gemeldet. Inzwischen aber stand schon der ganze Turm in Flammen.— Auch der Heizer eines der Michaeliskirche benachbarten Warenhauses, das das Feuer zerstörte, wurde bei dem Brand getötet, indem die herabstürzende Kugel ihn erschlug. Spionage=Prozeß. Leipzig, 4. Juli. In dem Prozeß gegen den Maschinenbauschüler Dolfen aus Essen wegen Spionage wurde der Angeblagte zu drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht veurteilt. Von der Beschuldigung rauchloses Pulver an das Ausland verkauft zu haben, wurde er freigespuochen, da er nicht gewußt habe, daß das Pulver geheim zu halten sei. Die Verurteilung erfolgte, weil der Angeklagte den Fragebogen einer auswärtigen Regierung beantwortet hat und von einem Dreher bei der Firma Krupp eine Zeichnung über RückrohrlaufGeschütze verlangte, statt welcher er Zeichnungen von Schiffsgeschützen erhielt, die nicht geheim zu halten waren. Strafschärfend war die auffallende Hartnäkkigkeit, mit der der junge Mann vorgegangen ist. den Alpen erfroren. Airolo, 4. Juli. In einer Alpenhütte unweit des Gotthard=Hospizes wurde gestern eine erstarrte Leiche aufgefunden. Nach den vorgefundenen Papieren wurde die Leiche als die des Bürstenfabrikanten Adam Stock aus Aschaffenburg festgestellt. Stock muß durch Erfrieren seinen Tod gefunden haben. Deutsch=französisches Wettrennen. Paris, 4. Juli. Nach hier vorliegenden telegraphischen Nachrichten hat der Dampfer„Deutschland“ von der Hamburg=Amerikalinie Cap Lizard mit 80 Meilen Vorsprung vor der„Provence“ passiert. Rußland und Japan. Petersburg, 5. Juli. Einem Schreiben einer gut unterrichteten Persönlichkeit, die im fernen Osten weilt, entnimmt die Nowoje Wremja folgende Mitteilungen: Nach der Räumung der Mandschurei ist hier Stille, aber eine unheimliche Stille eingetreten. Ein Krieg ist unvermeidlich, und zwar wird er nicht lange auf sich warten lassen. De Japaner sind fest entschlossen, uns die Eisenbahn bis Charbin zu entreißen. Auf ihre Veranlassung wurden nach Bodune, Zizikar und anderen wichtien Punkten nach europäischem Muster ausgebildete chinesische Truppen gesandt, denen die Japaner Gewehre lieferten. In Bodune stehen schon 1500 Chinesen. Unsere Lage ist hier jedenfalls sehr heikel. Ein schlimmes Anzeichen ist auch das Anwachsen der Zahl der Chunchusen. Erdstöße. Cetinje, 4. Juli. Heutewurden hier zwischen 5 und 11 Uhr vormittags vier Erdstöße, zwei leichte und zwei ziemlich starke, verspürt. Schaden wurde nicht angerichtet. Auch im Innern des Landes wurden die Erdstöße wahrgenommen. füllten Badewanne und fand darin seinen ein Straßenbahnwagen von Unbekannten den steilen So9. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche Abhang zwischen den Bergwerkstädten Puritan und Pite7 vone Erfolg. Portage hinabgestoßen. 11 Personen kamen ums Arnsberg, 4. Juli.(Unheimlicher Fund.) Leben. In einem Garten an dem alten Soester Wege hinter!— dem Schloßberge wurde dicht an der Hecke, etwa 50 Zentimeter tief im Boden liegend, einnoch gut erhaltenes Gerippe, einer erwachsenen Person angeyörend,]=(Zwei merkwürdige Wetten) hat nach der Tgl. etigefunden. Eine Gerichtskommission wird heute Rösch, ein Landmann in Loose bei Eckernförde abgenachmittag an der Fundstelle die nötigen Erhebungen schlossen. Zunächst wettete er mit einem Musiker, daß s ler auf seiner Koppel mit einer mit zwei Pferden be* Borken, 4. Juli.(Sonderbarer Zufall.) Zu dem Brande des Küsterschen Sägewerks wird uns noch mitgeteilt, daß etwa 8 Minuten von der Brandstätte entfernt zufällig die freiwillige Feuerwehr Gemens ihre monatlichen Uebungen abhielt. Trotzdem die stramme Wehr den Brand von Anfang an bemerkte, konnte sie nicht zu Hilfe eilen, da nach dem Gesetze die Feuerwehren der Nachbarorte ungerufen nicht erscheinen dürfen. Vermischtes. G M spannten Maschine tänger ununterbrochen mayen, als der Musiker blasen könne. Der Musiker, der hinter der Maschine gehen und blasen mußte, gewann, und „Freut euch des Lebens“ spielend, zog er mit dem Bauer von der Koppelheim. In der anderen Wette hatte der Landmann behauptet, er wolle eher ein Pfund rup essen, als der Gastwirt des Ortes ein neun Meter langes Tau, das um einen Besenstiel gewickelt war, abwickle. Diesmal gewann der Landmann, denn viel Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle Meteorologisches Observatorium Aachen. Voraussage für den 6. Juli. Wind: Mäßige östliche Winde. Bewölkung: Veränderlich. Niederschläge: Gewitterregen. Temperatur: Kühler. Die Wetteraussage bezieht sich auf die Zeit vom Abend des Tages der Ausgabe unserer Zeitung bis zum Abend des folgenden Tages. Wenn sie über Regen und Gewitter nichts enthält, so wird angnommn, daß soche nicht eintreten. Die Voraussage für die Nacht= bezw. Tagestemperatur gilt im Vergleich mit der entsprechenden Temperatur der vorigen Nacht bezw. des vorigen Tages. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. PFEIFFER& DILLERS Katteo-Essenz in Desen.: pe bchrsin Aafreurosa1s###ch in P ahsten und in Six a. 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Freitag und Samstag ven abends 8½ Uhr an werden in obigem Lokale noch Anmeldungen zur Teilnahme entgegengenommen. * 8 Patentanwalt Sondermann, Elberfeld mestell Hagen i. w. Bahnhofstr. 49. Fernsprecher 114. Reparaturen an Uhren u. Goldwaren werden gut und billig unter Garantie ausgeführt. Andreas Schaefer Uhrmacher Schwerte, Hüsingstr. 10 im Hause des Herrn 1345 Wilh Kott. Für die Reisezeit halte ich mich zur Lieferung bezw Besorgung sämtlicher Reiseführer Verkehrsbücher und Wegekarten bestens empfohlen. Carl Braus, Buch=, Kunst= u. SchreibwarenHandlung. Gr. Marktstr. 3—5. Der allgemein beliebte in Taschenformat erscheinende Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Ilustrierter Familienfreund." o o O O O O O O O O O O 0 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzelle oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts IS Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes des Kreises. Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o 9 O OOO O OO COCC 0 Druck u. Verlag von Car raus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Wohnungsfrage und demokratie. Eine der wichtigsten sozialen nungsfrage und für die Wohlfahrt der Arbeiter ist nichts so ersprießlich, wie die Fürsorge für eine iche Häuslichkeit. Gerade in diesem Punkte der Arbeiterfürsorge aber versagt die Soglatvemokatig### nur, sondern leistet konsequenten und kräftigen Awerstand. Die sozialdemokratische Partei weiß eben, daß diejenigen Arbeiter, die durch ein ansprechendes Heim und ein freundliches Familienleben von dem Besuche der Gastwirtschaften und massenhaften Versammlungen ferngehälten werden, unsichere Kantonisten für die Parteibewegung sind. Wer sich ein sauberes Heim geschaffen, wer gar noch Besitzer eines solchen geworden ist, will, so bemerkt die„Schlesische Volkszeitung“ mit Recht, nichts vom Umsturz wissen; wer aber im Wirtshaus seine Zuflucht sucht, der wird dort reif gemacht für die Arbeit der„Genossen“. J. am Wenn die sozialdemokratischen Blatter die Mißstände der Arbeiterwohnungen schildern, so tun sie das, um Parteipropaganda zu treiben. Aber alle Bestrebungen, das Wohnwesen zu verbessern, sei es durch gemeinnützige Gesellschaften oder durch Reichs= und Staatsbeihilfe oder gar durch Wohlfahrtseinrichtungen Industrieller, verhöhnen und werdächtigen die Sozialdemokraten in der schlimmsten Weise, ohne jemals daran zu denken, selbst Vorschläge zu machen oder zur Verbesserung der Arbeiterwohnverhältnisse Hand anzulegen. Ist doch das sozialdemokratische Wort, die Gasthäuser seien die hervorragendsten Aufklärungsstätten für das Proletariat, noch unvergessen. Und erinnert man sich doch an die charakteristische Auslassung des Bremer Sozialistenblattes, das offen ausgeführt hatte, wie gut es sei, daß fortan den Bremer Arbeitern, denen es bisher so leicht gemacht worden war, eigene Häuschen zu erwerben, ein solcher Besitz eines eigenen Heims unmöglich gemacht werden sollte.„Los von Grund und Boden muß der Arbeiter, bevor er revolutionär denken und handeln kann!“ So hieß es in der sozialdemokratischen„Bremer Bürgerzeitung". In der Tat stehen die Sozialdemokraten— und mit ihnen die Sozialpolitiker der Brentanoschen Schule -— auf dem Standpunkte, die eigenen Arbeiterwohnungen seien Fesseln, durch die die Arbeiter noch abhängiger von den Arbeitgebern gemacht werden, an der Scholle festgebunden werden sollten. Das Arbeiterhäuschen sei für den Arbeiter nur eine eiserne Kette, um seine Bewegungsfreiheit, sein höchstes Gut zu beeinträchtigen. Die bürgerliche Gesellschaft fürchte sich vor der„revolutionären Kraft des Elends". Lediglich diese Kaft wolle sie abstumpfen. Der Abgeordnete Bebel nannte am 24. Februar 1894 im Reichstage die Anlage von Arbeiterwohnungen durch Arbeitgeber den schlimmsten Auswuchs aller Wohlfahrtseinrichtungen". Das Wirtshaus dagegen ist der fruchtbarste Bode für die sozialdemokratische Agitation. Als Ende des Jahres 1890 die preußische Regierung die Einführung einer besonderen Betriebssteuer für Gast= und Schankwite beantragte, war das Zentralorgan der Sozialdemokratie in hohem Grade entrüstet und erklärte die Gast= und Schankwirte für die Stützen des öffentlichen Lebens, denen man zum Danke verpflichtet sei, deren Einnahmen nicht beeinträchtigt werden sollten. „Wie wäre öffentliches und politisches Leben wohl denkbar, fragte das sozialdemokratische tvalorgan Mitte Dezember 1890, ohne die Gastund Schankwirte? Wo stünde unser politisches Leben wohl heute, wenn die Gastwirte ihre Lokale nicht zu Versammlungen und ihre Bier= und Weinstuben nicht zu vertraulichen Gesprächen politischer Freunde hergegeben hätten? Man lasse diese Stätten des öffentlichen Lebens mit polizeilichen und anderen Verfolgungen hübsch in Ruhe. Der Staat wird uns nie Säle für unsere politische Erbauung und für unsere politische Freiheit bauen.“ Diese Auffassung fand kurze Zeit darauf in der sozialdemokratischen Wochenschrift„Die Neue Zeit" noch schärferen Ausdruck. In einer Artikelreihe über den „Alkoholismus und seine Bekämpfung“ wurde das Wirtshaus als das„einzige Bollweyk der politischen Freiheit des Proletariats“ erklärt und mit Rücksicht darauf, daß unter dem Sozialistengesetz jedes von Parteigenossen besuchte Wirtshaus einen„Geheimbund“ bildete, der Einmütigkeit im Denken und Handeln verbreitete und den Zusammenhang unter den einzelnen Roman von Martin Wehrau. 35 In einen Stoß Zeitungen sah ihn bald darauf der eine Schreiber vertieft, der ihm etwas zur Unterschrift vorlegte. Nach einer halben Stunde etwa kam der Doktor, wie aus einer Kanone geschossen, in das vordere Zimmer gestürmt. Sein Gesicht war dunkelrot und die Augen glänzten. Er klopfte den Schreibern auf die Schultern, lobte sie wegen der braven Arbeit, die sie während seiner Abwesenheit geleistet hätten und gab jedem zwei Tage Urlaub zum Ausruhen. Seine Stimme war die beste von der Welt und er zeigte sich über den Dank der Schreiber sehr gerührt. Eine lange Weile hörten diese ihn dann in seinem Zimmer auf= und abschreiten. Einmal war es, als ob ihr Chef auflache. Sie ließen die Federn ruhen, doch vernahm man nichts weiter. Kurze Zeit darauf entfernte sich Dr. Schulz. In einem der elegantesten Restaurants verschwand der Advokat. Nachdem er dort ein sehr kräftiges Frühstück eingenommen, durchnaß er die prunkenden Hauptstraßen, in denen ein Wogen ohne Ende war. Das brauste, pustete, läutete, schrie. Langsam schritt Dr. Schulz längs der Häuser an den prächtigen Läden mit ihren großartigen Auslagen. Auf einmal stand er Frida Loring gegenüber, die eben aus einem der Läden heraustrat. Freundlich leuchteten ihre dunklen Augen. Der Advokat drückte einen Kuß auf die wohlgeformte, von gelbem Handschuh umschlossene Hand. Die frische, leichte Bräune des Gesichts, die er der See verdankte, kleidete den Doktor gut. „Der Aufenthalt an der See scheint Ihnen wohlgetan zu haben, Herr Doktor? Sie sehen sehr munter aus,“ plauderte Frida Loring, als er ihr den Arm gereicht und sie nun langsam durch die Straßen dem Kottageviertel zuschritten. Der Regen, der vormittags niedergerieselt war, hatte aufgehört, Zurch die weißgrauen Wolken drang hie und da ein heller #Arbenton, als versuche die Sonne einen Durchbruch durch den dunstigen Schleier. „Die See ist ja schön und die Luft köstlich, aber unendlich einsam und öde. Das ist unerträglich.“ sagt, daß nur schlimme Gedanken die Einsamkeit nicht vertragen, lachte Frido.. g 45, Ji. M. Dr. Schulz verzog das Gesicht.„Ich glaute, die nervösen vertragen die Einsamkeit überhaupt nicht. Uebrigens, wo verbrachten Sie, gnädiges Fräulein, die letzten vier Wochen? „Zu Hause in Schlesien; ich war bei Papa! In einem Badeorte, wie es in den Sudeten ja sehr hübsche gibt.“ „Ich dachte, Sie würden mit der Familie Schulz sentor Ischl aufsuchen. Ist bei meinem Bruder alles wohlauf?“ „Natürlich. Zumal die Paula. Die hat natürlich kolossale Eroberungen gemacht in Ischl,“ klang es ein wenig pointiert von den hübschen Lippen Fridas. Der Advokat lachte.„So, na, die verdient meine Nichte auch. Sie ist wirklich ein prächtiges Mädchen.“ Unter dem Schleier hervor maßen ihn zwei kluge Augen, die nicht mehr so ganz helle sahen. Ein paar Augenblicke herrschte Schweigen. Sie überschritten eben eine belebte Straßenpassage. Dann fragte der Doktor: Gedenken Sie, gnädiges Fräulem, an dem Weinlesefest teilzunehmen, das Ende dieses Monats in der Hauptstadt stattfinden soll?“ „Das weiß ich wirklich noch nicht. Ich habe von Papa nur vierzehn Tage Urlaub erhalten, da wird es kaum gehen. Uebrigens wird mich niemand dabei vermissen.“ „Oho. Dem muß ich widersprechen, lachte der Doktor und sah das Mädchen mit einem feurigen Blicke an. Frida lächelte schwach. Die sichere Haltung verließ sie mit einem Male.„Das haben Sie gewiß schon mehr Damen gesagt oder werden es sagen, Herr Doktor, perlte es durch die festen, weißen Zähnchen, während eine helle Röte ihre Wangen über„Pardon. Das ist nicht die Wahrheit,“ rief er aus und maß ihre volle Gestalt neuerdings derart, daß sie bebend ihren Arm aus den seinen 3og.„. P. g..Arstg uet Sie waren vor der Wohnung des Ponzeilales ungrlangt. Ein junger, schlicht gekleideter Mann kam eben aus dem Hause und zog tief seinen Hut. Das intelligente Gesicht mi Bart der Genossen aufrecht hielt, offenherzig hinzugefügt: „Ein Sozialistengesetz, das den Proletariern icht den Wirtshausbesuch unmöglich macht, wird stets wirkungslos bleiben. Gelänge es dagegen der Temperenzlerbewegung in Deutschland, ihr Ziel zu erreichen und die deutschen Arbeiter in Masse zu bewegen, das Wirtshaus zu meiden und sich außerhalb der Arbeit auf das ihnen so verlockend geschilderte Familienleben zu beschränken, gelänge es den Templerenzlern, dann hätten sie erreicht, was dem Sozialistengesetz niemals auch nur annähernd gelungen ist. Der Zusammenhalt des Proletariats wäre gesprengt, es wäre auf eine Masse zusammenhangloser und daher auch widerstandsloser Atome reduziert. So wird von der sozialdemokratischen Presse hin und wieder der Schleier gelüftet, der die wahren Beweggründe des Widerstandes gegen die Fürsorge für Arbeiterwohnungen werhüllt. Nicht nur als Fessell zu Gunsten der Arbeitgeber betrachtet die Umsturzpartei das behagliche Arbeiterwohn= und das gemütliche Familienleben, sondern als„einen die revolutionäre Kampfesfähigkeit der Arbeiter außerondentlich llähmenden Faktor“— so heißt es in der„Bremez Bür**-— gerzeitung“. Westfalen und Rheinland. * Bochum, 3. Juli.(Das Schwurgericht) verurteilte die unverehelichte Auguste Arndt von hier wegen räuberischer Erpressung zu 2 Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust. Der Zuhälter der Angeklagten, ein gewisser Baum, wurde auf Antrag des Staatsanwaltes in der Verhandlung verhaftet. Die Angeklagte trat eines Abends in der Marienstraße unter dem Schutze ihres Zuhälters Baum dem bejahrten Kaufmann Walger entgegen und setzte ihm ein Dolchmesser auf die Brust. Sie drohte ihn zu erstechen, wenn er nicht sein Geld herausgebe. Walger gab dann auch das Geld heraus. * Essen, 4. Juli.(Ein schwerer Unglücksfall) ereignete sich heute abend gegen 6 Uhr in der rheinischen Färberei und Waschanstalt von Gustav Heinrichs in dem Hause Mathildenstraße 9. Aus bisher noch nicht aufgeklärte Weise explodierte ein Bengewesen, welcher die Dame gestreift, so gleichgültig oder geringschätzig war jener, den er deren Begleiter widmete. „Der junge Mann ist wohl im Hause bedienstet?“ fragte der Advokat. „Nicht gerade. Der Herr Rat hat ihn provisorisch in den Polizeidienst aufgenommen, und zwar gegenwärtig als seinen Sekretär.“ „Ich sollte den Menschen kennen!“ „Gewiß werden Sie ihn kennen. Der junge Mann war nur lange krank und wird sich dadurch stark verändert haben. Es ist Julius Karr.“ „Doch nicht etwa der Sohn meines gewesenen Schreibers?“ war der erstaunte Ausruf des Doktors. „Er ist es.“ „Wie ist denn mein Bruder auf diesen Gedanken gekommen? Der junge Mann soll ja gar nichts taugen, ein Tunichtgut sein!“ Dr. Schulz schüttelte ärgerlich den Kopf. „Ich glaube, er bat um einen Dienst beim Rat. Er hat ihm übrigens seine Vergangenheit nicht verschwiegen. Der Rat will es aber trotz alledem mit dem jungen Manne versuchen.“ „Der Versuch wird wohl auch ein solcher bleiben. Nebenbei bemerkt, ist es sehr stark, daß diese Leute meinem Bruder mit einem solchen Anliegen zu kommen wagten! Man kann daraus deutlich sehen, wie wenig Charakter diese Leute besitzen. Wäre ich an meines Bruders Stelle gewesen, ich hätte Sie schön heimgeleuchtet.“ Der Doktor regte sich förmlich auf. Das Mädchen sah ihn verwundert an.„Der alte Karr ist gänzlich unfähig zu einer Arbeit. Er ist auch geistig etwas mitgenommen worden. Die Leute sollen sogar gehungert haben,“ sagte sie mitleidig.„Da tut es doch, meines Erachtens, not, daß der Sohn etwas zu verdienen sucht, und man kann ja nicht wissen, ob er nicht wirklich den festen Vorsatz hat, sich ernstlich zu bessern. „So! Und mein Bruder hat ein gutes Herz. Wa har er sich derselben angenommen. Er wird aber bald einsehen, daß er nur Undank ernten wird.“ „Der junge Mann läßt sich, wie Ihr Herr Bruder sagt, ganz gut an. Er soll nicht nur intelligent, sondern auch willig sein, und bis heute zu Klagen noch nicht den geringsten Anlaß geg ben haben.“ 132 zinkessel und überschüttete fünf Arbeiter mit der brennenden Flüssigkeit, sodaß sie sofort lichterloh brannten. Das Feuer hatte auch das Gebäude ergriffen. Der Feuerwehr gelang es jedoch nach etwa einstündiger Tätigkeit, den Brand zu löschen. Von den fünf verunglückten Arbeitern trug einer lebensgefährliche, die übrigen vier dagegen weniger schwere Verletzungen davon. Sämtliche fünf Verunglückte wurden dem Krankenhause zugeführt. * Solingen, 4. Juli.(„Warenproben.“) Hier war es Sitte geworden, daß einzelne Messer oder Scheren oder sonstige Erzeugnisse der heimischen Arbeit an die Besteller als Muster ohne Wert versandt wurden, wodurch der Postverwaltung ein nicht Uunerheblicher Einnahmeausfall entstand. Es ist daher vom ReichsPostamt entschieden worden, daß Sendungen an Privatpersonen, insbesondere alle Sendungen der Einzelersandtgeschäfte, als Muster= bezw. Warenproben nicht mehr angenommen werden. Dagegen werden Muster von Messern, Scheren und dergl. als MusterSendungen angenommen, wenn in jedem Einzelfalle erkennbar ist, daß der Gegenstand auch wirklich als „Muster“ verschickt werden soll. Das wird in der Regel dann angenommen, wenn es sich um Warenproben im Verkehr zwischen Industrie= und Handelsfirmen oder zwischen Industrie= und Ausfuhrfirmen und ihren Agenten handelt. ken. Im Turme niedergehende Massen setzten gegen 3 Uhr den Dachstuhl der Kirche in Brand und nach kurzer Zeit sprang das Feuer auf das Innere der Kirche über. Der Einsturz des Turmes. Durch die Fensterhöhlen ssah man hinein wie in einen feurigen, glühenden Ofen, dem eine alles versengende Glühhitze entströmte. Ein wahrer Regen von brennenden Holzteilen, glühenden Kupferstücken, von der Dachbekleidung usw. flog über die ganze Umgegend, überall wieder neue Brandherde bildend. Immer weiter fraß das gierige Element an dem Turm. Immer mehr fiel die äußere Bekleidung ab, sodaß man durch den Turm hindurchsehn konnte, der nur noch auf wenigen brennenden Pfeilern zu stehen schien. Jeden Augenblick mußte der Einsturz erfolgen. Denn das Gewicht der Kuppel war sa zu schwer. 3,10 Uhr sah man die Kupel, auf der noch stolz die Wetterfahne stand, sich bewegen, langsam neigte sie sich über, und mit donnerähnlichem Krachen brach der altehrwürdige Turm in sich zusammen. Ein Glück für die ganze Umgegend, daß er nicht über die angrenzenden Häuser hinweg=, sondern in sich zusammenstürzte. Ein Zuschauer gibt folgendes Brand der Michaeliskirche in Hamburg. Hamburg, 4. Juli. Ueber die Katastrophe werden dem H. Fremdenblatt noch folgende Einzelheiten gemeldet. Die Ursache des Brandes. Es war etwa um 2,30 Uhr, als aus dem Turm unterhalb der Uhr, welche zurzeit einer größeren Reparatur unterzogen wurde, dichte Rauchwolken hevordrangen und nach wenigen Minuten folgten diesen züngelnde rote Flammen, die sich in bürzester Frist zu einer gewaltigen Flammenmasse vereinigten, die den ganzen sunteren Turm und die westliche Säulenreihe, welche die uKppel trägt, einhüllten und dann etwa so hoch wie die Turmspitze emporragten sund nach Westen emporloderten. Vermutet wird, daß das Feuer, welches unzweifelhaft durch eine Unvorsichtigkeit oder einen Unfall der bei der Uhrreparatur beschäftigten Arbeiter hervorgerufen wurde, schon einige Zeit im Innern des Turms gewütet hat, denn sonst würde die außerordentlich rapide Ausdehnung des Feuers kaum zu erklären sein. Als die Feuerwehr alarmiert wurde, war daher die herrliche Kirche eigentlich schon verloren, denn gegen die immensen Gluten war jeder Kampf aussichtslos; man mußte sich im Wesentlichen auf den Schutz der umliegenden Stadtteile beschränteilweise niedergelegt. Das schräge gegenüberliegend optische Geschäft war gänzlich verschwunden. Alle anderen Häuser hatten bereits Feuer gefangen und mußten stark bearbeitet werden. Trotzdem den Leuten in der Umgegend dringend geraten war, ihre Wohnungen zu verlassen, konnten einige, die anscheinend nicht versichert waren, es nicht unterlassen, Sachen zu retten. So warf man aus einem Hause Kraienkamp rechts aus dem zweiten Stock Tische, Stühle, etten ja selbst schwere Gegenstände, die dann unten von zehn bis zwanzig Leuten aufgefangen wurden. Nach dem Brand. Bild von der Brandstätte. Als ich um 4 Uhr zum Feuerherd rannte, um einen Kollegen, der seit Anfang des Feuers an der Brandstelle gewesen, abzulösen, bot sich meinen Augen ein schaurig schöner Anblick. Der große Michel, unser stolzes Wahrzeichen existiert nicht mehr, sondern nur noch die Umfassungsmauern, in denen eine mörderische Glut wütete. Die Hitze, die von der Brandstelle ausströmte, war so stark, daß man an längeren Aufenthalt in unmittelbarer Nähe nicht denken kann. Die Bewohner vom Kraienkamp, Michelisstraße und Englische Planke waren rechkzeitig aufgefordert, ihre Wohnungen zu räumen, was sich als recht praktisch erwies, denn die umgrenzenden Häuser hatten fast sämtlich Feuer gefangen und wurden von allen Seiten mit Wassermengen beschleudert. Kurz nach 4 Uhr stürzte mit Getöse das Mitelschiff ein und ließ die Flammen hell auflodern. Wie lieb die Hamburger ihre Michaeliskirech hatten, das konnte man heute deutlich sehen. underte von Händen griffen an, wenn es galt, einen Schlauch fortzuziehen oder irgend etwas Dringendes zu holen. Gegen 4,30 Uhr versuchten die Feuerwehrleute links vom Haupt=Eingang in die kleine Nebenpforte einzudringen. Mit mehreren Schläuchen nahten sie sich der Pforte und schleuderten ungeheure Wassermengen in die entfesselte Glut. Die Sache war besonders gefahrvoll, da jedn Augemblick große Stücke von der Umfassungsmauer herunter zu stürzen drohten. Die Feuerwehr arbeitete überhaupt mit einem Mut und einer Entschlossenheit, die geradezu bewunderungswürdig war. Besonders stark war die Engli sche Planke mitgenommen. Das große Kaufhaus J. Braun war gegen 4,38 Uhr gänzli chausgebrannt und Welche Ausdehnung das Feuer genommen hat, konnteman gegen 8Uhr, da es soweit auf seinen Herd beschränkt war, erst recht deutlich sehen, da worher die lohenden Flammen jeden Ueberblick werhinderten. Krachend stürzten noch immer die kupfernen Bogen und Zierarten von der Kirche herab, zu unkenntlichen Fomen zusammengeschmolzen. Vonder Kirche selbst stehen nur noch die gewaltigen Mauern, in denen es oht und glüht. Ein imposanter Anblick. Die Englische Planke ist zum größten Teil vernichtet. Die Häuser 1—8 sind total ausgebrannt und mußten gesprengt werden, um des Feuers Herr zu werden. Auf der andern Seite sind die Häuser von Nr. 12—18 auch dem Feue zu Opfer gefallen. Das Kaufhaus von J. Braun ist vollkommen vernichtet. Die Nummern 19—21 sind nur teilweise in den oberen Etagen ausgebrannt, wähdie unteren Stockwerke intakt blieben. In der Mühlenstraße wurden die Häuser 4, 5, 6 und 7 durch den umherfliegenden Funkenregen in Brand gesteckt, und es brante bei den meisten der Dachstuhl aus, doch hat man nunmehr das Feuer Uunter Kontrolle sund ist ein weiteres Umsichgreifen nicht mehr zu befürchten. Auch Pioniere erschienen an der Brandstelle, die an den Aufräumungsarbeiten teilnehmen sollen. Zum Nachdenken. Präg', o Herr, im Weltgedränge Dir dies gold'ne Sprüchlein ein: Wär' die Welt dir nie zu enge, Würde nie der Himmel dein Jean Paul. Kommt dir ein Schmerz, so halte still Und frage, was er von dir will; Die ew'ge Liebe schickt dir keinen Blos darum, daß du mögest weinen. Em. Geibel. Wer der Sünde den Sonntag gibt, dem raubt sie die Woche. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Per Staatseisenbähnverein Schwerke feiert sein diesjähriges Sommerfent Zuruckgekehrt. Dr. MorsbachVortmund, Frauenklinik Olpestr. 15 (Straßenbahn Stadthaus.) Die am 8. Juli d. I. im Lokale des Herrn Schulze=Selmig (Im Reiche des Wassers) durch Konzert, Kinderbelustigung und Ball. Kassenöffnung nachm. 3 Uhr, Anfang 4 Uhr. Die Eintrittspreise betragen zum Konzert 0,50 Mk. Festkarte 1,00 Mk. Damen haben zum Balle freien Zutritt. 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