Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famisienkreund." o o O 0 O O O O O O O O 0 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts Is Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o 0 0 0 0 0 C O o o C C o Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Aäresse Braus. Schwerte-Kuhr. o Nr. 148. Mittwoch, den 27. Juni 1906. 38. Jahrgang Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer (Von unserm Berliner Bureau.) Seitdem klar geworden ist, daß die russischen Revolutionäre als eine ihrer Hauptwaffen im Kampfe gegen das Zarentum und die bestehende Ordnung der Dinge den politischen Massenstreik beirachten, seitdem derselb: auch verschiedentlich in recht weitem Umfange zur Anwendung gelangt ist, lieben es auch bei uns in Deutschland kurzsichtige extravagante Geister, mit diesem Gedanken zu liebäugeln. Wenn sie direkt zur Verantwortung gezogen werden, dann bestreiten sie allerdings, daß sie eine solche Gefahr für das allgemeine Wohl anstreben, aber man merkt es, daß sie nicht ungern einem Versuch beiwohnen würden, wenn sie dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Das Kobettieren mit solchen Ideen ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, wirtschaftlich sowohl wie politisch. Eine Unterbindung der Unternehmungsbust auf jedem Gebiete des Nährstandes die aus solchem Unterfangen, wennes glückte, folgen müßte, träfe am allerschwersten gerade die minder bemittelten Kreise, und die Verringerung der Autorität des deutschen Namens nützte nur unsern Neidern und Feinden, Darum könnte auch das Reich als solches solchem Beginnen nicht mit werschränkten Armen zusehen,es müßte einem jeden Angriff zuvorkommen. Und wahrlich, es ist stark genug dazu, sich seine Kreise nicht stören zu lassen. Und unser Volk denkt dasselbe! Die Möglichkeit, daß auf deutschem Boden sich einmal Dinge abspielen könnten, wie in Rußland, und früher schon in Ungarn, den Niederlanden, Italien, einmal auch in Oesterreich, daß fast der ganze Eisenbahnverkehr lahm gelegt und jede gewerbliche Tätigkeit zum Stillstand gebracht würde, darf nicht Platz greifen und wird nicht Platz greifen. Wir wären damit aus der Reihe der„bestsundiertesten“ Großmächte auf die Stelle von den„minder soliden“ Existenzen verwiesen. Frankreich und England, die ohnehin schon vieles in unseren deutschen Verhältnissen geschaut haben wollen, wovon wir nicht die geringste Ahnung haben, würden ein Hohngelächter anschlagen, wenn in Deutschland zur Tatsache werden könnte, was kein Franzose oder Brite im Interesse der Ehre oder des Ansehens seines Vaterlandes für möglich erachtet. Gerechte Vergeltung. Roman von Martin Wehrau. 19 „Die Sicherheitsbehörde schritt aber, nach unserem Erachten wohl etwas zu rasch zur Verhaftung des Sollizitators, vielleicht um der Stimmung des Publikums einigermaßen Rechnung, bezw. durch eine so schnelle Ausforschung des Täters eine wohltuende Beruhigung in die Bevölkerung zu tragen. Wenn kein anderes Argument für Karrs Schuld namhaft gemacht werden kann, so bekennen wir, daß unserem Empfinden nach das Vorgebrachte nicht völlig genügt. Wir wersen die Frage auf: Ist absolut das unmöglich oder undenkbar, was Karr anführt? Oder anders gesprochen: Würde jeder andere, eine angesehene soziale Stellung Bekleidender, der mit derselben Begründung das Geld zurückgebracht hätte, auch sofort als vermutlicher Täter in Haft behalten worden sein? Wir glauben, ein Nein aussprechen zu dürfen. Die Polizei folgert ersichtlich, daß die Not, in der sich der Sollizitator befand, ihn zu dem gräßlichen Verbrechen verführt habe. Für diese Folgerung ist bisher kein absolut sicherer Erweis erbracht. Wenn man aber ein solches Motiv annimmt, dann fehlt jeder Beweggrund, der Karr veranlaßt haben könnte, die sechstausend Kronen zurückzubringen und sich damit selbst zu denunzieren. Man wird einwenden, es blieben ihm ja noch immer viertausend Kronen. Ja, aber ist denn erwiesen, daß Reinhausen wirklich zehntausend Kronen bei sich trug? Ob er nicht früher für irgend einen Zweck, er wollte zur Hochzeit eines nahen Verwandten fahren, sie ausgegeben? Das sind offene und gewiß recht wichtige Fragen. Es wird Sache der Behörde sein, Aufklärung zu schaffen und Beweise zu sammeln, welche die so rasche Verhaftung Karrs als notwendig und durchaus gerechtfertigt dokumentieren.“ Der Hauptmann überlas manche Stellen zweimal. Der Rat hatte nicht so unrecht. Der Artikel mußte der Polizei nicht eben angenehm sein. „Nun, was sagen Sie dazu?“ fragte Schulz, als Hartwig mit einer dankenden Bewegung die„Weltchronik“ auf dessen Schreibtisch zurücklegte.„Ein gewisser Paul oder Peter soll gewöhnlich diese Artikel schreiben, meint Kommissär Erben.“ „Peter mag der Mann heißen, einen solchen gibts bei der Weltchronik“ meinte der Hauptmann diplomatisch, der den AuIn Paris wie in London gibt es Sozialisten, Kommunisten und andere Exaltados in Menge, aber Franzosen und Engländer bleiben sie in erster Reihe und ein Abweichen vom nationalen Standpunkt, ein Hinübergleiten zum internationalen Gefülsaustausch und zur Verwirklichung des Verzichtes auf eigene nationale Interessen geht ihnen wider Fleisch und Blut, ist einfach unmöglich. Wenn bei uns im deutschen Reichstage die Militär= und Marineausgaben immer noch tagelange Debatten hervorrufen, dann herrscht in dem ziemlich kühlen englischen Parlament, wie in der sonst recht leidenschaftlichen Pariser Deputiertenkammer die größte, selbstverständliche Ruhe, und mit dem Augenblick, wo die Debatte beginnt, ist auch die prinzipielle Genehmigung vollzogen. Die radikalsten französischen Abgeordneten halten die nationale Schlagfertigkeit zu WasAusere Postadonnenten bitten wir um rechtzeitige Neubestellung, damit im Bezuge keine Unterbrechung eintritt. ser und zu Lande für ganz selbbstverständlich, und mögen sie im Stillen ihre besonderen Meinungen haben, sie wissen, daß ihre Mitbürger ihnen nicht folgem würden in diesen Anschauungen, ja nicht folgen könnten. Und die Erwägung. auch nur der Möglichkeit eines politischen Massenstreiks, das heißt eines bölligen Stillstandes allen Verkehrs= und gewöhnlichen Lebens ist beinahe noch ärger, wie ein Angriff auf die Notwendigkeit nationaler Wehrkraft. Ist keine Garantie für unzedingte Verkehrssicherheit vorhanden, dann ist auch im Moment eines Krieges die wollste militärische Leistungsfähigkeit ganz und gar ausgeschaltet. Das weiß man vor allem jenseits der Vogesen, und darum schauen auch die Franzosen mit sehr gemischten Gefühlen gerade auf das, was in dieser Beziehung in Rußland schon stattgefunden hat. Bei uns sollen ebensogenblick nicht für besonders geeignet hielt, dem Rat mitzuteilen, daß er den Schreiber dieses Artikels sogar näher kenne.„Meines Dafürhaltens ist der Aufsatz zwar etwas scharf, aber nicht gerade unfreundlich. Vielleicht will das Blatt auch nur eine journalistische Diskussion darüber herbeiführen," fuhr er einlenkend fort. Schulz zuckte die Achseln.„Sie urteilen milde, Herr Hauptmann. Eine Kritik läßt man sich ja gefallen. Aber Behauptungen in solchem dezidierten Tone, die bringen einen Polizisten denn doch ein bißchen in den Harnisch.“ „Das will ich gern glauben, zumal, wenn die Behauptungen irrige sind, wie es scheint,“ warf Hartwig hin. „Ob sie eine Berechtigung haben, können im Moment weder wir noch voraussichtlich jener Artikelschreiber beweisen oder verneinen. Jedenfalls haben wir zu unserer Anschauung dasselbe Recht, wie jener Herr zu seiner,“ eiferte der Rat.„Ich habe überall mit der Publizistik auf gutem Fuße gelebt und hätte es gern, wenn es hier wieder so wäre. Aber die Begrüßung, die ich da finde, ist gerade keine aufmunternde. „Die Herren werden kaum wissen, daß eigentlich ein neuer Geist jetzt hier kommandiert, Herr Rat. Ihnen gilt das also nicht,“ beschwichtigte der Offizier. „Damit haben Sie vielleicht nicht unrecht. Denn offiziell geht erst Mittwoch die Leitung der kriminalen Abteilung in meine Hände über und wird also erst morgen die entsprechende Mitteilung an die Blätter versendet werden. Immerhin berührt mich aber die Sache als Polizeibeamten an sich.“ Ein Beamter trat ein, der mit dem Rat eine amtliche Angelegenheit abwickeln wollte. Der Hauptmann erhob sich und verabschiedete sich, trotzdem der Rat abwehrte. Der Rat begleitete den Offizier bis zum Stiegenabsatz. Dann erledigte er kurz die ihm von dem Beamten vorgetragene Sache Nun nahm er Hut und Stock, um sein Hotel aufzusuchen. Da fiel ihm noch ein Auftrag ein, den er dem Kommissär Erben erteilen wollte. Als er dessen Vorzimmer, in welchem ein Polizist arbeitete, durchschritt, hörte er durch die angelehnte Tür die scharfe Stimme des Kommissärs, der augenscheinlich irgend einen Verhafteten einem Verhör unterzog. wenig solche Gedanken realen Boden gewinnen, darin sind sich die leitenden Kreise des Reiches wie die Nation einig, daß ein solches Zeichen von Schwäche auf deutschem Boden unbedingt ausgeschlossen sein muß, und daß es auch ausgeschlossen bleiben wird. Wer aber mit solchem gefährlichen Feuer zu spielen unternimmt, der wird am ehesten sich selbst die Finger verbrennen. Die Steuerkraft der Deutschen und Tschechen. In einem Raum der Reichenberger deutsch=böhmischen Ausstellung findet der Besucher große graphische Darstellungen des Verhältnisses der deutschen und tschechischen Steuerleistungen für das Königreich Böhmen und der Bedeutung von Deutschen und Tschechen für den böhmischen Staatshaushalt überhaupt. Nach dieser höchst sinnfällig zur Anschauung gebrachten lehrreichen Statistik bringen die 38 vom Hundert Deutschen in Böhmen 66 vom Hundert der gesamten Einnahmen des Landes mit 253 Mill. Kronen. Der übrige, 62 vom Hundert zählende tschechische Teil der Bevölkerung entrichtet nur 128 Millionen Kronen. In Böhmen gibt es 5159 deutsche Fabriken mit einem Schätzungswerte von 4785 Millionen Kronen und einer Jahreserzeugung von 1721 Millionen Kronen gegenüber 1234 tschechischen Fabriken mit einem Schätzungswerte von 434 Millionen Kronen und einer Jahresproduktion von 184 Millionen Kronen. Dem tschechischen Teile der Bevölkerung mit einer ihm zugute kommenden Aufwendung von 105 Millionen Kronen wird nahezu seine ganze Steuerleistung vom Staate rückvergütet, während dem deutschen Teile mit einer Aufwendung von 33 Millionen Kronen kaum ein Achtel seiner Steuerleistung vergolten wird. Dieser Unterschiest setzt sich durch fast alle Zweige des Haushaltes Böhmens fort. Für die deutschen politischen Beamten Böhmens wendet der Staat 1,4 Millionen Kronen auf, für die übrigen 6,7 Millionen, für die deutschen Gerichtsbeamten 3,3 Millionen, für die anderen 9,4 Millionen, für die deutschen Teile der Finanzverwaltung 2,8 Millionen, für den anderen Teil 8,2 Millionen u. s. f. Im ganzen entfallen aus Deutschböhmen von den Aufwendungen des Staates nicht ganz 33 Millionen, auf das übrige Böhmen 105 Millionen Kronen. „Sie haben Fragen an mich nicht zu stellen, aber ich will Ihnen mitteilen, daß es nach den Nachrichten, die wir erhalten, mit Ihrem Sohne schlecht, sehr schlecht steht.“ Ein Aufstöhnen folgte:„Herr Kommissär, ich bitte um alles in der Welt, lassen Sie mich zu meinem Sohne.“ Eine Pause folgte. Dann tönte gleichmütig die Stimme Erbens:„Nein, das geht nicht. Leuten gegenüber, die so hartnäckig leugnen, nachdem ihre Schuld erwiesen, kann solche Begünstigung nicht gewährt werden. Es ist ja möglich, daß Ihr Sohn wieder besser wird, freilich schlecht genug soll es mit ihm stehen.“ In kleinen Absätzen sprach der Beamte. Der Rat wollte eben eintreten, da stieß Karr, Schulz erkannte jetzt diese müde Stimme, wenn sie auch heiser klang, augenscheinlich in gewaltiger Aufregung die Worte hervor:„Ich bin es nicht gewesen, aber vielleicht doch. Ich bin nicht hartnäckig! Herr Kommissär. Nein, nein. Ich habe den Reinhausen erschlagen. Jetzt aber lassen Sie mich nach Hause führen.“ Schulz schnellte förmlich in das Bureau hinein. Der eine Tag oder eigentlich die eine Nacht hatte Karr stark verändert. Das Gesicht hatte einen gelblichen Ton, wie nach längerer Krankheit und die Augen waren rot unterlaufen. Man sah, er hatte nicht geschlafen. Der Kopf war weit vorgebeugt, morsch, alt und zitternd stand der Sollizitator da. Die Brust ging stürmisch, errang nach Atem. „Steht es wirklich so schlecht mit dem Sohne?“ wandte sich Schulz leise an Erben. Der wurde etwas verlegen und bemerkte ebenso:„Ich kann nicht dienen, Herr Rat. Ich habe darüber keinerlei Nachricht. Zornig blitzte es in des Rates Gesicht auf. Er erwiderte nichts, sondern wandte sich zu Karr:„Sie bekennen sich also schuldig der Tat?“ fragte erernst. Der Sollizitator sah an ihm vorüber.„Ja, aber ich bitte, lassen Sie mich Jul sehen.“ Den Polizeibeamten berührte diese äußere apathische Ruhe“ des körperlich ganz niedergebrochenen Mannes fast peinlich.„Beruhigen Sie sich. Ich werde sofort Nachricht über das Befinden Ihres Sohnes einholen lassen. Sollte sein Zustand von unserem Arzte als gefahrdrohend bezeichr gerden, so werde ich Ihrer Bitte gedenken." 132,20 KE 1 westfäl. Gustav=Adolf=Vereins. Schwerte, den 27. Juni. Nicht nur mit Laubgewinden und Blumen, nicht nur mit Ehrenbogen und Transparenten, sondern auch mit freudigen Gesichtern wurden die GustavAdolfs=Gäste bei ihrer Ankunft hier begrüßt; selbst der Himmel hatte ein Gesicht aufgesteckt, so sonnig, so strahlend, wie wir es seit langem nicht mehr von ihm gewohnt sind. Und die Anteilnahme unserer evangelischen Bevölkerung an den Veranstaltungen des gestrigen Tages, am Gottesdienste sowohl wie des Abends an der Begrüßungsversammlung war ganz gewaltig. Und so können wir denn verraten, daß unseren Gästen, die hier zu ihren ernsten, der Bruderliebe gewidmeten Beratungen sowohl als auch zu frohen Festversammlungen beisammen gekommen sind, diese außerordentlich rege Teilnahme ganz besonders sympathisch berührt hat. Doch nun zu den einzelnen Tagungen. 1. Sitzung der Delegierten im oberen Saale des Kaserbofes“. Die Delegiertensitzung, über welche wir uns ob der Fülle der verhandelten Sachen kurz fassen wollen, erfreute sich eines regen Besuches aus der ganzen Provinz. Sie wurde von Herrn Konsistorialrat Zillessen eröffnet uund geleitet. Er schlug vor, an den bisherigen Vorsitzenden, der den Posten zehn Jahre inne hatte und 23 Jahre dem Vorstande angehörte, Herrn Generalsuperintendent Dr. Nebe a. D., jetzt in Eisenach wohnhaft, ein Begrüßungstelegramm abzusenden. Der Vorschlag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Desgleichen der folgende, an Se. Majestät den Kaiser ein Huldigungstelegramm abzusenden. Sodann tvat man in die Beratungen der 65, Hauptversammlung ein. Der Herr Vorsitzende gab-einen kurzen Ueberblick über die Geschäftslage, nachdem vorher die Gäste begrüßt worden waren. Die Einnahme betrug 89933,62 Mark; sie war, abgesehen von dem Jubiläumsjahr 1904, in dem die Einnahmen 92 237,70 Mark betrugen, die höchste, die bisher erreicht wurde. Davon wurden im Berichtsjahre 80 westfälische und 78 auswärtige Diaspora=Gemeinden unterstützt. Ausgeschieden alls nicht mehr unterstützungsbedürftig ist im Berichtsjahre keine Gemeinde. Vom Gesamtverein der Gustav=Adolfstiftung wurden im Berichtsjahre(1905) im ganzen 1 751 752,82 Mark gegen 1629697,47 Mark fün die deutsch=evangelischen Diasporagemeinden in der ganzen Welt ausgegeben. Die Zunahme betrug also rund 120000 Mark. Die Ausgaben des Hauptvereins seit Bestehen betragen 44 0599 750 Mark. Dann ging man zun Aufstellung des Verteilungsplanes über und beschloß, die Festkollekte und die Liebesgabe der einzelnen Vereine zu gleichen Teilen den Gemeinden Resse, Emsdetten und Bredelar zu überweisen. Der Herr Kassierer des westfälischen Hauptvereins, Herr Regierungsrat Wismann, erstattet nun ausführlichen Bericht über die Kassen= und Vermögensverhältnisse. Er verzeichnet einen erfreulichen EinnahmeZuwachs. Die Beiträge der einzelnen Vereine sind von 26901 Mark auf 27989 Mark gestiegen. Die Liebesgabe stieg von 1841 Mark auf 1909 Mark. Die Reformtionsfestkollekte ergab 48420 Mark im Jahre 1905 gegen 8254 Mark im Jahre vorher. An der Spitze aller Diözesen steht in der Höhe der Beiträge mit 8680 Mark die Synode Iserlohn. Das darf man wohl nicht zum wenigsten auf Rechnung der 5 dortigen Frauenvereine ssetzen, meinte der Herr Referent.(Eine schöne Anerkennung auch für den Sch werter Frauenverein und den allverehrten Herrn Pastor Heinenberg. Red.) Die Festgabe in Bünde betrug 1995 Mark, das Gustav=Adolf=Blatt warf für den Hauptverein 1500 Mark ab. Von auswärtigen Vereinen gingen 4000 Mark ein, die Hempelstiftung brachte dem Haupt=Verein ein Kapital von 15000 Mark. Der Herr Rendant bittet zum Schluß, die Reormations=Festkollekte spätestens bis Ende Dezember abzuliefern. Der Herr Vorsitzende machte dann Mitteilung von einer Verfügung des Herrn Oberpräsidenten betr. Abhaltung von Hauskollekten. Nachdem sodann einige Begrüßungstelegramme= und Schreiben zur Verlesung gelangt waren, darunter auch ein herzliches S c h r e i b e n d e s H e r r n D r. N e b e i n E i s e n a c h, l a s d e r cherr Vorsitzende die Telegramme an Se. Majestät den „Khiser und an Herrn D. Nebe, die er inzwischen entzvorfen hatte wvor. Beide Telegramme erhielten in ihrer vorgelegten Form die Genehmigung der Versammlung und wurden abgesandt Sodann kam man auf die Beratungen des Unterstützungsplanes zurück, nach welchem diesmal 83 westfälische Gemeinden und ebenso viele auswärtige unterstützt werden sollen. Neu ausgenommen wurde Lackenbeck bei Ibbenbüren, wo 500 Evangelische, unter vierfachen Zahl von Katholiken wohnend, jetzt ansangen haben, ein Kapellchen zu bauen. Das Ver#ältnis ist ein sehr gutes unter den beiden Konfessio###en, tun doch die Katholiken gratis die Fuhrdienste. (Lebhaftes Bravo aus der Versammlung.) Gebeten wird sodann von Herrn Superintendent Wischnath, Brilon in eine höhere Unterstützungsklasse einzustellen, cuch manche andere Gemeinde kommt einzeln zur Sprache. Beschlossen wurde, daß in Zukunft alle Gemeinden, die Unterstützung haben wollen, alle Steuern, also nicht nur Kirchen= sondern auch Kommu#. A= und evtl. auch Schulsteuern angeben sollen, damit Vorstand ein besseres Licht von der Sache bekommt. Beratungen über die auswärtigen zu unterstütz„von Gemeinden gaben ebenfalls ein getreues Bild der segensreichen Tätigkeit des Westf. HauptverGustav=Adolf=Stiftung. Wieschon erwähnt, 183 auswärtige Gemeinden unterstützt, die 6192#de über die ganze Welt zerstreut liegen, so 4 in Schlesien, 1 Ostpreußen, 2 Westpreußen, 6 Posen, 1 Hannover, weiter je 1 oder 2 in Nassssau, Württemberg, Bayern, Baden, Elsaß=Lothringen, Frankreich, Niederlande, Brasilien und Spanien, Bosnien und Türkei, weiter 7 in Böhmen, 6 in Mähren, 8 in Galizien, 4 in Siebenbürgen, 6 in Ungarn und 4 in Belgien; also ein umfassendes Arbeitsgebiet zum Segen und zur Erstarkung des evangelischen Glaubens und Bekenntnisses. Nachdem sodann noch die Mitteilung gemacht war, daß die Tügung der Hauptversammlung der Gustav=Adolf=Stiftung am 25. 26. und 27. September in Augsburg tagen wird, wurde um 5,30 Uhr die Versammlung vertagt, um heute mittng 11,30 Uhr in der reformierten Kirche bei der Vornahme von Vorstandswahlen fortgesetzt zu werden. 2. Der Abendgottesdienst in der großen lutherischen Kirche. Die reich geschmückte Kirche war schon lange vor Beginn des erhebenden Gottesdienstes mehr wie gefüllt. Nach gemeinsamem Gesang, Schriftverlesung und Chorgesang des gemischten Chores predigte Herr Hofprediger Schniewind aus Berlin über 1. Joh. 3, 16—18. Mit wenigen kräftigen Strichen des Redners hatte die Gemeinde ein getreues Bild von dem Unrechten und den Unrechten unserer modernen Zeit wor Augen. Der Herr Hofprediger zeichnete aber auch die Hochschule der[Heilandsliebe, sodann das beschämende Trugbild der umechten Liebe und drittens das erquikkende Lichtbild der echten Liebe. Hinter seinen Ausführungen stand die ganze Person eines von der Wahrheit durchdrungenen, echten Mannes, und so waren seine beredten Worte keine klingende Schelle, sondern gingen durchs Herz und werden— will's Gott— bleibenden Segen hinterlassen. B. Die Kollekte im Abendgottesdienst ergab 217 Mk., sicher ein Zeichen freudiger Opferwilligkeit. 3. Die große Begrüßungs=Versammlung im Saale von Schulze=Selmig. „Was rennt das Volk, was eilet dort durch alle Straßen fort und fort die frohgestimmte Menge?“ so konnte man schon, frei nach Schiller, ausrufen, als man um 6 Uhr gestern Abend die Massen zur Kirche strömen sah. Und dieselbe Wanderung hub an zu der auf 8 Uhr festgesetzten Begrüßungs=Versammlung im Saale des Herrn Schulze=Selmig. In dem Aufrufe zum Feste erinnerte Herr Pastor Heinenberg die Glieder der beiden ewangelischen Gemeinden daran, daß vor allem äußeren Schmuck volle Kirchen und Säle den besten Festschmuck bildeten. Nun, diese Mahnung haben die Evangelischen am ersten Gustav=AdolfFesttage in schönster Weise beherzigt und befolgt. Denn der schöne, geräumige Festsaal war, um einen vulgären Ausdruck zu gebrauchen, brechend voll; sogar vor den Eingängen und im Garten standen noch Leute. Und der Besuch ist sicher einem jeden eine Herzstärkung gewesen, denn die Versammlng war von Anfang bis zu Ende von echt evangelischem Geiste durchweht und nahm einen glänzenden Verlauf. Herr Konsistorialrat Zillessen eröffnete die Versammlung mit einem Gebet; dann sang die Gesangabteilung des evang. Arbeiter= und BürgerVerein:„Der Herr ist unsere Zuversicht", und ihre Darbietung fand allgemeinen Beifall, besonders auch bei den auswärtigen Gästen. Sodann nahm das Wort zur ersten Ansprache Herr Konsistorialrat Zillessen; er sprach über das Thema: Es bleibet aber Glaube, Hoffnung und Liebe; die Liebe aber ist die größte unter ihnen. Der GustavAdolf=Verein sei nun schon über 70 Jahre alt, aber er leide nicht an der Schwäche des Alters, sondern werde immer kräftiger. 46 Millionen Mark habe er schon eingenommen und habe doch nichts, denn getreu dem Worte:„Geben ist seliger denn Nehmen“ habe er im mer alles den armen Glaubensbrüdern in der Zerstreuung gegeben. Der Grund, auf dem der Verein, von dem wir wünschen, er möge je älter, desto kräftiger werden, ruht, ist Jesus Christus und derselbe in Ewigkeit, außer dem kein Grund gelegt sei und werden kann. Bleibt der Verein auf diesem Grund, dann kann er noch lange lleben. Redner schloß mit der Aufforderung: Laßt uns das Gustav=Adolf=Werk trei ben zur Ehre Gottes uund der Brüder Heil. Herr Konsistorial=Präsident von Sydow teilte mit, daß das Königliche Konsistorium in Münster wie das preußische Kirchenregiment überhaupt den lebhaftesten Anteil an der Arbeit des Vereins nimmt, der mitwirken wolle zur Verbreitung und Vertiefung unseres durch die Reformation wiedergewonnenen Christentums. Das Königliche Konsistorium habe es sich noch niemals mehmen lassen, den Westfälischen Hauptverein zu begrüßen auf seinen Tagungen, diesmal sei er mit der Ueberbringung der Grüße beauftragt und wünsche den Verhandlungen Gottes reichsten Segen. Herr Konsistorialrat Zillessen dankt diesem und allen folgenden Rednern mit unermüdlicher Frische und Heiterkeit. Auf jede Rede geht er ein, jedem Redner weiß er etwas persönlich Liebenswürdiges, oder die Heimat und Arbeit betreffend, zu erwidern, immer den Nagel auf den Kopf treffend, sodaß der Zuhörer staunend steht ob dieser wunderbaren Gabe und immer wieder mit Genuß zuhört. Herr Oberregierungsrat Gisevins=Ansberg überbingt die Grüße des Herrn Regierungspräsidenten in Arnsberg, der mit regstem Interesse die hochwichtige Arbeit des Gustav=Adolf=Vereins verfolge. Der Gustav=Adolf=Verein sei kein Kampfverein, sondern ein Verein der Sammlung. Sammlung und Stärkung aller guten Elemente, auch auf kirchlichem Gebiete, tue in unserer bewegten Zeit unserem Staatswesen allermeist not. Se. Majestät, unser regierender Herr, hat wiederholt betont, daß nur auf der Grundlage der Religion das Bestehen eines Staatswesens möglich sei. Wir, seine Regierung, wollen ihn gerne hierin unterstützen. Und so soll auch der GustavAdolf=Verein stets ein Verein der Sammlung und stets der Unterstützung des Herrn Regierungspräsidenten sicher sein. Noch mehr Berührungspunkte als auf dem Gebiete der Sammlung der Glaubensgenossen haben wir mit einander auf dem Gebiete der Schule. Wie oft richtet nicht der Gustav=Adolf=Verein in den Diaspora=Gemeinden eine kleine Privatschule ein, die wir dann aus den starken staatlichen Fonds weiter bauen. So sind Ihre Sorgen auch unsere Sorgen; die Staatsregierung nimmt lebhaften Anteil an den Verhandlungen, mögen sie dienen zum Nutz und Frommen von Staat und Kirche. Herr Bürgermeister Rohrmann begrüßte den Verein sodann im Namen der Stadt Schwerte. Er führt aus: „Der westfälische Hauptverein der Gustav=AdolfStiftung tagt heute zum ersten Male in den Mauern unserer Stadt. Namens der Stadt Schwerte begrüße ich Sie alle, die sie von nah und fern hier zusummengekommen sind; diesen Gruß darf ich Ihnen zurufen namens des weitaus größten Teils der Bürgerschaft; groß ist die Freude und Begeisterung bei den evangelischen Engesessenen, sie alle wollen Ihnen durch Kränze und Fahnen einen Gruß zurusen und Ihnen sagen, daß Sie hier willkommen sind. Die Stadt Schwerte hat nicht den Vorzug, zu den größeren Städten zu zählen, aber sie darf sich doch rühmen, zu den ältesten Westfalens zu gehören. Mancher Sturm ist über sie hingebraust, Kampf und Fehde, Brand und Verwüstung hat sie erlebt, aber sie hat sich immer wieder emporgearbeitet und alle Schicksalsschläge jener Zeiten haben die Begeisterung für das Edle, haben die idealen Güter in der damaligen Einwohnerschaft nicht zu erdrücken vermocht. Derselbe Geist, derselbe starke religiöse Sinn, welcher in jenen weit zurückliegenden Zeiten die Schwerter Bürgerschaft beseelte, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kämpfe, wie sie die Stadt vor ungefähr dreieinhalb Jahrhunderten gesehen hat, kommen zum Glück nicht mehr vor, aber auch jetzt noch tritt die hiesige Bürgerschaft für ihren Glauben ein, sie übt die Religion mit Kraft und Festigkeit, sie vergißt dabei jedoch nicht, das zu schonen, was Andersgläubigen heilig ist.(Lebhaftes Bravo!) Die Versammlungen des Gustav=Adolf=Vereins sind nicht Versammlungen äußeren Glanzes, sondern innerer Erbauung; es ist daher natürlich, daß die evangelische Bürgerschaft mit besonderer Freude an den Verhandlungen und Belehrungen teilnimmt. Wer als evangelischer Christ die Bestrebungen des Vereins kennt, wer da weiß, daß der Verein die Glaubensgenossen sammeln, die in Not befindlichen unterstützen will, Kirchen und Schulen bauen, für Prediger und Lehrer sorgen will, der muß solche Bestrebungen anerkennen, der muß sich für sie begeistern. Der Verein will nicht den Kampf, er wünscht festen Zussammenschluß der Glaubensgenossen in dem Bewußtsein, daß ein einiges Vorgehen besser zum Ziele führt; er will festigen und erhalten das, was er besitzt. Ist es nicht Pflicht eines jeden Menschen, mag er der einen oder der anderen Kirche angehören, das zu erhalten, was er besitzt? An diese Pflicht hat auch vor Jahren unser Kaiser erinnert mit den Worten:„Wir Evangelische befehdem niemand uum seines Glaubens willen, aber wir halten fest an dem Bekenntnis des Evangeliums bis in den Tod.“(Lebhafte Zustimmung!) Dem Gustav=Adolf=Verein wünsche ich bei seinen Verhandlungen und Beschlüssen besten Erfolg, Erfolg, welcher sich nicht nur auf Schwerte beschränkt, sondern weit über die Grenzen hinausgeht. Möge Ihre Versammlung dazu beitragen, den religiösen Sinn zu fördern und im Dienste wahrer Nächstenliebe neue machtvolle Werke zu schaffen. Mögen Sie aber neben der ernsten Arbeit auch frohe Stunden der Unterhaltung und der Erholung finden, mögen Sie mit Befiedigung Ihres Aufenthalts in Schwerte gedenken.“ Mit ganz besonderer Wärme und Ausführlichkeit ging der Herr Vorsitzende auf die bei allen Gästen und im ganzen Saale einen vorzüglichen Eindruck machenden Ausführungen des Heprn Bürgermeister Rohrmann ein, er zeigte sich in der Geschichte der Stadt sehr beschlagen und nannte Schwerte eine der besten Städte, denn trotzdem sie zu seinem Dezernate gehöre, höre er wenig von ihr und das seien die besten, von denen man das sagen könne. Herr Pastor Henniges aus Hennen begrüßt den Verein namens der Synode Iserlohn, er bittet um Entschuldigung, daß so wenige nur aus der Synode hier seien, aber am 27. ds. Mts. sei die Reichstagsnachwahl und da hielten alle es für ihre Pflicht, auf dem Posten daheim zu bleiben. Als Festgabe der Synode überreicht er den Ertrag der am Himmelfahrtstage gesammelten Kollekte in Höhe von 1211,82 Mark. Als nächster betritt unser Herr Pastor Heinenberg das Rednerpult und sofort wird es ruhig; erwartungsvolle Stille legt sich auf die Zuhörer. „Zum ersten Male, so führt er mit freudig bewegter Stimme aus, habe es dem westfälischen Hauptverein gefallen, auf seinen Wanderungen auch einmal Einkehr in unserer Mitte zu halten. Es sei ihm eine hohe Ehre und Freude, daß er dem Verein namens des aus beiden evang. Gemeinden gebildeten Festausschusses ein herzliches Willkommen zurufen könne. Als vor Jahresfrist die Anfrage kam, ob Schwerte das Provinzial=Gustav=Adolffest übernehmen wolle, da haben beide Presbyt#rien keinen Augenblick gezaudert, ja zu sagen. Nachträglich sei indessen doch manchem das Herz recht sorgenbeschwert gewesen; das habe aber nur so lange gedauert, als man noch nichts getan habe.(Heiterkeit und Beifall.) Mit der Arbeit sei dann der Mut, mit dem Fliegen die Flügel gewachsen. Alle hätten eifrig mitgearbeitet; nirgends hätte es Widerstände gegeben; jeder hätte die ihm übertragene kleinere oder größere Aufgabe gern erledigt. Heute sei nun der Gast in unserer Mitte, der Gast, der so Gutes wirkt. Wenn man das Gute kennt, dann liebt man es auch, und was man liebt, soll man laut loben und preisen, und so preise ich ihn denn als ein lebendiges Zeugnis der Bruderliebe, als einen Beweis dafür, daß unsere evangelische Kirche doch noch nicht ans Sterben denkt.(Lebh. Beifall.) Aber nicht nur preisen mit dem Munde will ich, ich will auch preisen mit den Händen! Wir haben fleißig gesammelt, um dem Verein eine ansehnliche Festgabe überreichen zu können. Als wir mit der Sammlung begannen, waren wir bange ob des Erfolges. All' unser Kleinmut stob aber dahin wie Nebel vor der Sonne; ich darf das Resultat als ein hocherfreuliches bezeichnen und übergebe hiermit dem Vorsitzenden als Festgabe die Summe von 3988,15 Mark.(Lebhafter Jubel und Bravorufen.) Außerdem überreiche ich als Spende des Evang. Arbeiter= und BürgerVereins 100 Mark und als Spende des Ortsvereins Schwerte des Evang. Bundes 150 Mark.(Erneuter Beifall.) Das habe ich in der einen Hand, ich habe aber zwei Hände! In der zweiten Hand habe ich auch noch etwas, etwas, was Frauenhände mir anvertraut haben. Ich habe einen stillen Mund, aber dieser stille Mund wird beredt, sobald es gilt, das Lob der Frauenvereine zu singen.(Lebhafte zustimmende Heiterkeit.) Wie manche Anregung, wie manche Aufmunterung haben wir doch von ihnen! So kann ich heute eine besondere Festgabe der fünf Frauenvereine unserer Synode vorlegen, das ist das, was ich in dieser Hand habe: Es spenden dem Hauptverein: Der Frauenverein Altena: 300 Mark, Elsey=Hohenlimburg 280 Mark, Hemer 50 Mark, Iserlohn 150 Mark, Schwerte 200 Mark; im ganzen 980 Mark. Diese Summen alle stelle ich dem Hauptverein ohne jede Bedingung zur freien Verfügung; mögen sie helfen und Segen spenden den armen Brüdern draußen in der Zerstreuung.“ Ein langanhaltender Beifallsturm, Händeblatschen, Freudenrufe brach los, als der allverehrte Herr Redner geendet hatte. Herr Konsistorialrat Zillessen ging auf ihn zu und wortlos schüttelten sich die beiden Männer die Hände. Dann aber dankte der Herr Konsistorialrat in bewegten Worten, denen man es anmerkte, daß sie aus Herzensgrund kamen.— Die ganze Summe, die dem Hauptverein gestern abend überreicht wurde, beläuft sich auf 6429,97 Mark, fürwahr ein hübsches Stück Geld, mit dem manche Not in der Diaspora gelindert werden kann. Zu bemerken dürfte hier noch sein, daß die ganze Summe, die aus Schwerte zusammengekommen, nur von Evangelischen aufgebracht worden ist. Dann folgten noch Begrüßungen von Abgesandten des rheinischen Hauptvereins, des Detmolder= und des Hessen=nassauischen Hauptvereins, des westfälischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes, auf die alle Herr Konsistorialrat Zillessen mit bewundernswerter Frische und kenntnisvollem Eingehen auf Einzelheiten antwortete. Mit dem Liede:„Ein feste Burg ist unser Gott“ wurde die hochinteressante, schöne und imposante Versammlung um 11 Uhr geschlossen. W. Sch. und Umgebung. Schwerte, den 27. Juni. *(„Echter Kognak!") Ueber den Kognak=Wahn macht Professor Fr. Reinitzer in Heft 46 der„Oesterr. Rundschau“ Misteilungen, die bersechtigtes Aufsehen erregen. Er führt unter anderm folgendes aus: Ganz Frankreich erzeugt jährlich ungefähr 25000 Hektoliter Kognak aus Wein, dagegen verbraucht Paris allein jährlich sechsmal so viel, also 150000 Hektoliter, und nach England werden mindestens fünfmal so viel, also 125000 Hektoliter ausgeführt. Dazu kommt noch die Ausfuhr nach den übrigen Ländern und der Verbrauch im übrigen Frankreich, so daß der aus Wein erzeugte Kognak wohl kaum ein Zwanzigstel des gesamten Kognaks bildet und die übrigen 19 Zwanzigstel mit Wein niemals in Berührung gekommen sind. Der Franzose E. Legier in St. Quentin hat daher sicherlich recht, wenn er behauptet, daß französischer Kognak gegenwärtig fast überall, selbst in den besten Sorten, nur eine Mischung von Korn=, Kartoffel= oder Melassealkohol mit Wässer und künstlichen Aethern sei. In der Stadt Kognak gibt es eine französisch=russische Gesellschaft, welche jährlich 200 000 Hekkoliter russischen Sprit einführt und in„französischen Kognak" verwandelt! Natürlich kann ein Alkhohol, der die weite Reise von Rußland nach Frankreich und wieder zurück machen muß, nicht billig verkauft werden, zumal doch die Gesellschaft dabei einen hübschen Gewinn erzielen will. *(Bischofsbesuch.) Die kath. Gemeinde rüstet bereits zum Empfange ihres Oberhirten. Der hochw. Herr Weihbischof Dr. Augustinus Gockel, trifft am 1. August, nachmittags 656 Uhr, von Paderborn kommend, hier ein und wird von der Gemeinde in feierlicher Weise abgeholt. Am andern Tage wird die Konsekration der neuen kath. Kirche erfolgen. Die Feier beginnt morgens um 7 Uhr. Nachmittags findet eine Besichtigung der kirchlichen Anstalten statt. Die hl. Firmung wird der Bischof am Vormittage spenden und nachmittags Schwerte wieder verlassen. *(Besichtigung unseres Gerichtsgefängnisses.) Gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr weilte Herr Landrat Dr. Busch aus Hörde in unserer Stadt, um eine Inspektion des Gefängnisses unseres Amtsgerichtsgebäudes vorzunehmen. *(Lehrerkonferenz.) Am Freischütz fand gestern unter dem Vorsitz des Königl. Kreisschulinspektors Dr. Rensing eine Bezirkskonferenz, umfassend die katholischen Lehrpersonen des Kreises Hörde, statt. *(Verbrüht.) Das vierjährige Mädchen einer Familie aus dem Speckebruch zog gestern nachmittag die gefüllte Kaffeekanne vom Tische und verbrühte sich durch den heißen Inhalt an Händen und Füßen. Die Mutter stand während der Zeit an der Ecke der Hörder Straße, um aus Neugier sich einen Leichenzug anzusehen. Diese durchaus unberechtigte, die Gefühle der hinter dem Totenwagen gehenden Trauerfamilie unliebsam störenden Neugier ist leider in unserer Stadt recht sehr verbreitet und zwar sind es durchaus nicht nur Arbeiterkreise, welche dieser unandemessenen Schaulust fröhnen. * Hörde, 26. Juni.(Schweres Uglück.) Heute morgen ereignete sich auf der Hochbahn des Hörder Vereins ein schweres Unglück. Der sog. Eliaswagen, welcher das flüssige Eisen von den Hochöfen zur Hermannshütte transportiert, stieß infolge falschen Signals mit einer Lokomotive zusammen. Der Ingenieur Kutschbach, der eine Probefahrt machte, wurde von dem flüssigen, glühenden Inhalt so schwer verbrannt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Heizer erlitt einen Beinbruch, eine dritte Person wurde leichter verletzt. Westfalen und Rheinland. * Herhecke, 26. Juni.:(Lehrser=Prüfung.) Vom 18. bis 23. Juni fand am evangelischen Lehrerseminar die zweite Lehrerprüfung statt. Von den 44 Lehrer=Prüflingen, die an dem Examen teilnahmen, bestanden 38. Ein Examinand trat wegen unzureichender schriftlicher Arbeit vor Absolvierung der mündlichen Prüfung zurück. Das schriftliche Thema lautete: „Wie erzielen Sie bei Ihren Kindern ungeteilte Aufmerksamkeit?"— Den Vorsitz führte Provinzial=Regierungs= und Schulrat Dr. Löwer unter Beisitz der Regierungs= und Schulräte Dr. Dumdley aus Arnsberg und Dr. Gregorowius aus Minden. Herdecke, 26. Juni.(Todessturz.) Auf dem Bahnhof Herdecke=Vorhalle stürzte gestern morgen der Eisenbahnwerkstättenarbeiter Schmitz von dem einen Maste der elektrischen Leitung herab. Der Mann starb an den Verletzungen kurz nach seiner Einlieferung in das Hagener Krankenhaus Ein hiesiger Student hatte sich am Waldesrand mit einer hiesigen Verkäuferin auf einer Bank niebergelassen. Ein Jagdausseher, der auf Rehböcke jagte, glaubte Wild vor sich zu haben und feuerte auf die beiden Personen. Beide sind lebensgefährlich verletzt. □ Nürnberg, 26. Juni. Erschlagen aufgefunden wurde in Senckendorf gestern der 23jährige ledige alleinwohnende Fahrradhändler Walther in seinem Fahrradlager, in das er am Vorabende aus einer benacharten Wirtschaft von einigen Personen gerufen worden war. Neben der Leiche lag eine blutbesudelte Wagenkipf. Die Wohnung war ausgeraubt; die Mörder sind unbekannt. □ München, 26. Juni. Der Schuhmachermeister Zinsinger erschoß seinen 14jahrigen Sohn, unternahm einen Mordversuch an der Ehefrau und einem anderen Knaben und verübte hierauf Selbstmord. □ Posen, 26. Juni. Drei aus Rußland stammende Einbrecher drangen gestern nachmittag vom Kellergeschoß aus in den Kassenraum der Bank Wlosciauski ein; sie wurden jedoch dabei gestört und es gelang ihnen zu entfliehen. Später aber wurden sie von der Kriminalpolizei auf dem Zentralbahnhof verhaftet, als sie im Begriff standen, weiterzureisen.— Es scheint, daß die Räuberbanden im zerrütteten Lande Väterchens nicht mehr Platz genug finden, ihre menschenbeglückende Tätigkeit in vollem Maße auszuüben. Lehn Brählmetbungen. Zurück aus Südwest. Hamburg, 26. Juni. Mit dem Dampfer„Gertrud Woermann" trafen abends von der Schutztruppe für Südwestafrika 9 Offiziere uns höhere Militärbeamte 255 Unterofiziere und Mannschaftem, darunter 24 Genesende und 3 Verwundete ein. Leutnant Cleve ist unterwegs am Typhus gestorben. Die verhetzten Arbeiter sind die Dummen. Leipzig, 26. Juni. Der Verband deutscher Buchbindereibesitzer erklärte zum Buchbinderstreik, daß in den meisten Betrieben das Ausstandspersonal teilweise ersetzt und daß in vier bis sechs Wochen wahrscheinlich alle Plätze mit Arbeitswilligen besetzt sein werden und daß dann der Verband in der Lage sein wird, jede Verhandlung mit den Streikenden für immer abzulehnen. Ungetreue Beamte. Ratibor, 26. Juni. Das Schwurgericht verurteilte heute den Strafanstaltsrendanten Oswald Neudzig, der seit 10 Jahren Beträge aus der Strafanstaltskasse in Höhe von 12000 Mark unterschlagen und Bücher gefälscht hatte, zu vier Jahren Gefängnis. Hamburg, 26. Juni. In dem Prozeß wegen Unverschlagung bei der Hamburger Bauverwaltung, die anfangs dieses Jahres entdeckt wurde, wobei es sich um den Verkauf von Plänen neuer Straßen inmitten der Stadt handelt, wurde ein Angestellter der Bauverwaltung zu fünf Jahren Zuchthaus, ein zweiter zu drei Jahren Gefängnis und ein driter zu zweieinhalb Jahren Gefängnis, sowie großen Geldstrafen und Ehrverlust verurteilt. Das Gericht sprach ausdrücklich aus, daß ein Exempel statuiert werden müsse, damit die Hamburger Beamten völlig einwandsfrei dastehen. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. GewerbeAkademie Friedberg zur#.#. Polytechnisches Institut und Architekten. Spezialkurse für Maschinenbau der Berg- und HüttenTeis h““, industrie. Absolventen von Fachschulen finden Aufnahme. Kleine Chronik. Hannover, 26. Juni. Ein schweres Jagdunglück ereignete sich gestern in der Umgebung Hannovers. jede Hausfrau versuche Vorbaums Waschpulver „Eureka!“ Dasselbe verhütet das unlieb same Abfärben u. Einlaufen d. Wäsche, ertält die wollen Wäsche wunderbar weichmacht die weiße blitzschnell blendend weiß und gibt derseleinen höchst angenehmen, frischen Geruch.„Eureka“ w. o. den bedeu Hausfr.=Ztgn. 2c. als bestes Waschm. der Gegenw. mpf. u. sollte dah. in kein Haush fehl.„Enreka“ kostet pro Paket 5 Pf. u. ist in allen besseren Ge schäften zu haben. 1259 Magenleidenden teile ich aus Dankbarkeit gern und nuentgeltlich mit, was mir vor jahrelangen qualvoll. Magen= u Verdauungsbeschwerden geholsen hat. A Hoeok, Lehrerin Sachsenhausen b. Frankfurt a. Statt besonderer Anzeige. Nach Gottes hl. Willen verschied heute nacht 12 Uhr nach längerer Krankheit, oftmals gestärkt durch die hl. Sakramente der kath. Kirche, meine liebe Frau, unsere liebe Mutter und Grossmutter, Schwiegermutter und Tante, die Theeder Dillklen Agnes geb. Greve im 77. Lebensjahre. Schwerte, den 27. Juni 1906. Namens der Hinterbliebenen Theoder Dinkloh. Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 29. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Eisenindustrie 35, aus. Das feierliche Seelenamt ist am Samstag, morg. 7 Uhr in der kath. Pfarrkirche. Mittwoch, den Beginn unseres grossen 27. Juni SommerIn sämtlichen Abteilungen sind grosse Posten nur bester Waren zu unerreicht billigen Preisen — zum Verkauf ausgelegt.— Die Ausverkaufspreise sind an jedem Stück in blauer Schrift ——— vermerkt.——— Kusvorkachst Eiinige Beispiele d. jetzt gültigen Waschstone. Kleiderstone. Kleider-Kattune hübsche Dessins, waschecht, 70—80 cm breithell und dunkel Ausverkautspreis Satin, imit. grosse Ausmusterung, nur dunkle Muster, Wert bis 55 Ptg. Ausverkaufspreis Mouseline imit. hell und dunkel, gute, waschechte Qualitäten, neue Muster Ausverkaufspreis Reinwoll. Mouseline hochaparte Stellungen, teuerste Qualitäten, trüherer Preis bis 1.50 Mk. 10 20 30 Jo Pr. Pt. Pr. Halbwolle für Blusen und Kinderkleider, hübsche Streifen, aparte Dessins. 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Nachauitagenädten kann, auf sofort gesucht. Näh. in der Geschäftsst. der Schwerter Zeitung. Zu Anfang Juli ein jüng. Halbtagsmädchen gesucht. 335 Hagener Str. 98. Hühner 90 zur Zucht. Kücken ### von 60 Pf. an, junge gemästete Hähne empfiehlt 9216 L. POST Holzen b. Schwerte. 6 * 85 9 Wer Stelung sucht, velange die Deutsche Vakanzenpost“, 343, Den Ioleratentenl verantwortl: A. Pfau, Schwerte. * Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pl. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Graus=Beilage:„Illustrierter Famisientreund." o o 0 0 O O O O O O 0 C o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 13 Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o 0 0 OOO O GO O O O 0 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 148. Mittwoch, den 27. Juni 1906. 38 Weiteres„Appetitanregende“. aus Amerika. Newyork, 26. Juni. Ueber die Fleischskandale bringt ein hiesiges Blatt eine Auslassung des früheren Generals Miles, der in einem Vortrage Enthüllungen über die Methoden, wie sie in den Etablissements der Fleischverpacher zur Anwendung kommen, enthalten für mich nichts Neues. Ich war schon vor sieben Jahren über dieselben unterrichtet, und ich machte bekannt, was ich mußte. Hätte man die Sache damals untersucht, so würdenTausende von Menschenleben erhalten worden sein. Die Nahrungsverfälschung ist das Kolossalverbrechen unserer Zeit. Nach meiner Ansicht verloren 3000 Soldaten der Bundesarmee ihr Leben inolge des Genusses schlechten, giftigen Fleisches. Die Zahl derer, deren Gesundheit dadurch geschädigt worden, entzieht sich jeder Berechnung. Als ich vor sieben Jahren eine Untersuchung einleitete, hatte ich eine Menge Zeugen zur Gand. Aber das Untersuchungskomitee erklärte den Fall für abgeschlossen und weigerte sich, die 2000 Zeugen, die ich bereit hielt, zu vernehmen. Ich hätte damals 100000 Zeugen dafür vorführen können, daß das an die Armee verkaufte Büchsenfleisch unrein, schlecht und der Gesundheit nachteilig war. Bei einer während des spanisch=ame tikanischen Krieges vorgenommenen Untersuchung betreffs des„einbalsamierten“ Fleisches stellte ich fest, daß zur Fleischpräservierung giftige Stoffe gebraucht wurden. Aus mir vorgelegten Berichten ersah ich, daß an dieArmee verkauftesBüchsenfleisch sich monatelang in den Speichern der Baltimore= und Ohiobahn und der Liverpoler Werft befunden hatte. Dieses Fleisch war, mit neuen Etiketten versehen, an die amerikanische Armee, um als Rationen für die Soldaten zu dienen, werkauft worden. Ich ließ die bezüglichen Berichte dem Kriegsdepartement zugehen, und von diesem wurde eine Untersuchung eingeleitet, die völlig zu Gunsten der Lieferanten des„einbalsamierten“ Fleisches ausfiel. Der offizielle Bericht lautete dahin, daß ein„kolossaler Irrtum" stattgefunden habe. In Wirklichkeit handelte es sich aber um einen kolossalen Betrug, und die Personen, die an demselben beteiligt waren, hätten in das Zuchthaus gesandt werden sollen. Verkehr und Handel. Der Stempel auf Frachturkunden. Das Gesetz wegen Aenderung des Reichsstempelgesetzes vom 3. Juni 1906 ist vor kurzem veröffentlicht worden. Seine Vorschriften über die Besteuerung der Frachturkunden treten bereits am 1. Juli d. J. in Kraft. Bekanntlich sollen nicht die Frachtbriefe über Stückgut, sondern nur die Frachtbriefe über ganze Wagenladungen dem Stempel unterworfen werden. Die Höhe des Stempels richtet sich nach der Höhe der Fracht; er beträgt bei einer Fracht von nicht mehr als 25 Mark 20 Pfennig, bei höheren Beträgen 50 Pfennig fün jeden Frachtbrief. Er vermindert sich auf die Hälfte dieser Sätze, wenn das Ladegewicht des Wagens 5 Tonnen nicht übersteigt; er erhöht sich auf das Einundeinhalbfache, wenn das Ladegewicht über 10 Tonnen, aber nicht mehr als 15 Tonnen beträgt; für je weitere 5 Tonnen Ladegewicht tritt die Hälfbe des Satzes hinzu. An sich ist natürlich zur Entrichtung eines Urkundenstempels der Aussteller der Urkunde verpflichtet. Für den Eisenbahnverkehr ist jedoch nachgelassen, daß die Eisenbahn, die für die Entrichtung der Abgabe verantwortlich ist, den Betrag von dem Absender oder Empfänger einzieht. Im Interesse des Verkehrs soll der Stempelbetrag, wie wir erfahren, von demjenigen eigezogen werden, der die Fracht zahlt; also bei frankierten Sendungen von dem Aussteller des Frachtbriefes, bei unfrankierten von dem Empfänger. Man will durch diese Regelung wirtschaftliche Verschiebungen wermeiden uund dem Absender und Empfänger lästiges Schreibwerk wegen Zurückzahlung ausgelegter Stempelbeträge ersparen. Da die Eisenbahn, wie erwähnt, für die Entrichtung der Abgabe verantwortlich ist, wird dem Vernehmen nach die Eisenbahn den Stompel verwenden und den Betrag dafür in bar erheben. Weil bekanntlich die Eisenbahnverwaltung nicht immer in der Lage ist, den Verfrachdern Wagen der gerade gewünschten Größe zu stellen, soll zu Gunsten des Versenders, dem ein Wagen von höherm als dem angeforderten Ladegewicht gestellt wird, der Stempel nach dem Ladegewicht des angeforderten Wagens, aber mindestens nach dem Gewicht der Ladung berechnet werden. Westfalen und Rheinland. Dortmund, 26. Juni.(Eine teure Kritik.) Wegen Belseidigneng der städtischen Theaterdirektion durch ein Feuilleton sollte sich der Redakteur des Dortmunder„Generalanzeiger“, Richter, verantworten. Richter war schon einmal wegen einer die Grenzen des Sachlichen überschreitenden Kritik zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Da im Wiederholungsfalle eine erheblich höhere und vielleicht Freiheitsstrafe zu erwarten war, so stimmte Richter folgenden schweren Vergleichsbedingungen zu: Er zahlk 300 Mark an die Theaterkasse, 500 Mark an das Philharmonische Orchester und veröffentlicht in seinem Blatte eine Ehrenerklärung *Wetter, 26. Juni.(Die Selbsthilfe der Wirte.) Um den bestehenden Differenzen zwischen Brauereien und Wirten betreffs Aufbürdung der neuen Biersteuer ein Ende zu machen, ist ein hiesiger Gegend ein Konsortium von Geldleuten im Zusammentreten begriffen, um Wirten, die von Brauereien abhängig sind, das nötige Kapital worzustrecken, um sich unabhängig zu machen. Das Kapital soll, wie verlautet, mit sechs Prozent verzinst werden. Die„Wirte haben außerdem von jedem Hektoliter 20 Pfennig an die Gesellschaft zu entrichten. Hinter dem Konsortnum stehen meherere Großbanken. * Hohenlimburg, 26. Juni.(Harter Schicksalsschlag.) Der Gastwirt Felix Schorlemer zu Hünenpforte bei Holthausen war seit einigen Tagenzu einer burzen militärischen Uebung nach Berlin einberufen. Dort erkrankte er an einer schweren LungenVergeltung. Roman von Martin Wehrau. 20 Er gab dem Gefangenwärter einen Wink, dieser faßte Karr, der ein leises„Ich danke sehr“ gemurmelt hatte, unter den Arm und führte ihn ab. „Erklären Sie mir, Herr Kommissär, den Akt, dessen Zuhörer ich durch Zufall war! Ichhörte, daß Sie Karr sagten, sein Sohn befinde sich sehr schlecht. Wußten Sie das?“ fragte der Rat mit hochgezogenen Augenbrauen. Erben mußte verneinen.„Ich sagte es auf das Geratewohl, Herr Rat. Ich nahm an, däß die Erschütterung den Verhafteten für ein Geständnis willfähriger machen würde; gestern konnte ich infolge der Aufregung, in die er verfiel, kein Protokoll mit ihm aufnehmen, erwiderte er ziemlich kleinlaut. „Nun, Sie hatten mit Ihrer Annahme in diesen Falle nicht unrecht. Trotzdem muß ich Ihnen sagen, daß ich solche Praktiken nicht liebe und es mir angenehm ist, wenn solche unterlassen werden. Wir Polizisten müssen zwar zu manchen Kniffen die Zuflucht nehmen, um aus verhärteten Gemütern ein Geständnis herauszubringen. Aber wir sind keine Juquisitoren, Herr Kommissär! Darauf wollte ich Sie ein= für allemal aufmerksam machen. Solche Gewaltmittel passen nicht in unser Rüstzeug. Der Kommissär verbeugte sich schweigend. Etwas milder fuhr Schulz fort:„Es ist ja lobenswert, daß Sie Ihrer Pflicht mit Eifer nachgehen, aber nicht so. Im übrisen lassen Sie über Karrs Sohn Erkundigungen einziehen. Wenn ie Sache wirklich schlimm steht, geschieht, was ich dem Manne zugesagt. Hierauf lassen Sie ihn dem Landesgerichte überstellen und liefern gleichzeitig alle Akten ab.“ Der Rat entfernte sich mit kurzem Gruß. ** Hauptmann Hartwig begab sich nach dem Besuche bei Rat Schulz nach seiner Wohnung zurück. Auf der Treppe begegnete er Herrn Peter, der eben unverrichteter Sache umkehren wollte. Sie begaben sich in das kleine, aber elegante Garconlogis Hartwigs. „Bevor Sie erzählen, ich kann mir denken, worüber, lassen Sie sich, Herr Peter, sagen, daß der Dreieck=Artikel der„Weltchronik“ der Polizei nicht sehr behagt.“ Der Journalist lächelte.„Der Artikel war objektiv.“ „Der neue Polizeirat Schulz ist aber nicht sehr erbaut von Ihren Behauptungen. „Ein neuer Rat? Hm, ich dachte, es wäre noch immer der alte Herr Wimpfen am Ruder. Der neue war natürlich nicht gemeint, den kennt die„Weltchronik“ noch nicht.“ „Rat Schulz war in seinem bisherigen Wirkungskreise sehr angesehen, schalt Hartwig ein. „Ich möchte wünschen, daß eine energische Hand hier eingriffe. „Energie, glaube ich, ist eine der Tugenden des Rats Schulz, den ich, beiläufig bemerkt, persönlich sehr gut kenne. Als Privatmann ist er ein Kavalier.“ „Ah, Pardon, daß ich so freimütig sprach, aber das ist ein journalistisches Vorrecht. Um indes auf das besagte Dreieck zurückzukommen. Der Artikel war eher zu schwach als zu stark. Wenigstens für mein Empfinden. Ich habe mich in der Sache umgetan. Ich war bei der Familie Karr draußen, inkognito natürlich. Als Losagent führte ich mich in dem Hause ein. Haarklein haben mir die Hausleute alles erzählt. Der Mann soll nach der Vermutung der Polizei noch viertausend Kronen irgendwo versteckt haben, weil Reinhausen bei seinem Advokaten zehntausend Kronen behob. Aber ich kann Ihnen nur sagen, daß die Leute hungern, buchstäblich hungern. Himmelhoch hat die alte Frau gebeten, sie nicht zu Grunde gehen zu lassen, besonders ihren Sohn nicht, der lange Wochen krank war.“ „Und Sie meinen, daß man das nicht tut, wenn man eine Summe irgendwo versteckt hat?“ „Das glaube ich allerdings.“ „Karrs Aussage klingt aber wenig glaubwürdig.“ Der Reporter sprang auf und durchschritt mehrmals das Zimmer. Das sage ich mir auch, Herr Hauptmann. Deswegen kann sie jedoch auf die Silbe wahr sein. Mir tut der kranke, junge Mann leid. Wenn einer wochenlang nur so mit einem Faden am Leben hing, kann er solche außergewöhnliche Aufregungen nicht gut vertragen.“ „Wollen Sie mich nicht zu meinem Vetter Wagner ins Hotel Royal begleiten? Den interessiert das, was Sie mir jetzt gesagt haben, natürlich sehr.“ „Wenn Sie glauben, ja; sonst pflege ich meinen eigenen Weg zu gehen, ob es jemand oder niemand interessiert, und wenn ich jede Zeile vom Chefredakteur erkämpfen muß,“ entgegnete Herr Peter und griff nach dem Zylinder.„Bestimmtes kann ich übrigens Ihrem Herrn Vetter nicht melden. Es ist alles sozusagen nur Gefühlsurteil. Leider, leider, er schwenkte den Hut schier bedrohlich und setzte sich den Klemmer fester, als würde ihm dann alles klar werden. „Für den einen Tag ist es genug Interessantes," bemerkte Hartwig.„Ich wette, es wird noch mehr ans Tageslicht kommen.“ 350 „Nur eins brauchen wir: den Nachweis zu erbringen, däß Reinhausen auf seinem letzten Gange die viertausend Kronen, welche fehlen, nicht bei sich hatte oder nicht mehr besaß.“ „Da liegt es, da stimme ich Ihnen zu. Wenn das aber nicht eruiert werden kann, dann wird der arme Karr wohl daran glauben müssen. Herr Peter mußte zustimmen. ** Der Advokat Dr. Fr. Schulz nahm begreiflicherweise ein reges Interesse an der Affäre Reinhausen, welche die Staht durch einige Tage in Aufregungversetzte. Täglich ließ er sich aus einem benachbarten Tabakladen, der gleichzeitig eine Zeidaran gefügten Glossen sein Interesse in Anspruch. Am Tage nach der Verhaftung seines Sollizitators sprach knapp vor Mittag der Bruder bei ihm vor. „Ganz zufällig komme ich zu Dir hierher geschneit. Ich wuße gar nicht mehr, daß Du in dieser Straße Dein Bureau hast. Auf der Suche nach einer Wohnung bin ich hierher geraten. Im Vorbeigehen sah ich Dein Schild," bemerkte er. „Hier sind in der Gasse leider fast lauter alte Wohnung düster zusammengedrängt, ohne Licht und Luft alles; ich wus Dir raten, Dich da nicht einzumieten. Das Kottageviertel ist zig wohnlich, riet Dr. Schulz. „Die Wohnung da in der Nachbarschaft entsprach mir Dazu gefällt es mir da wirklich nicht. Deswegen wäre ic nicht über Eure nichts weniger als bequemen Treppen### gelleitert. entzündung, die am Sonntag den Tod herbeiführte. Die Witwe und sonstigen Verwandten waren auf ein Telegramm des Oberstabsarztes an das Krankenlager geeilt. Haspe, 26. Juni.(Die Eifersucht.) Der Gelegenheitsarbeiter Anselmo Terally von hier hatte ein Auge auf ein junges Mädchn hierselbst geworfen, das aber nichts von ihm wissen wollte. Am 27 Mai d. J. begegnete er seiner Angebeteten, die sich in Begleitung des Arbeiters Schnippering befand, auf der Straße. Von blinder Eifersucht erfaßt, stürzte er auf Sch. und brachte diesem mehrere Messerstiche bei. Der heißblütige Liebhabr wurde gestern von der Hagener Strafkammer zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Arnsberg, 26 Juni.(Vom Schwurgericht) wurde die Witwe Christine Schöne aus Allagen wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte bei einer Rau ferei ihrem Manne mit einem Kartoffelschälmesser die Hauptader durchschnitten. Das Ehepaan vertilgte täglich zunächst in Eintracht einige Liter Schnaps und verprügelte sich sodann mit dem Hausgerät Münster i. W., 26. Juni.(Tödlicher Sturz.) In einem Akffall von Atemnot eilte der im hiesigen Klemenshospital untergebrachte 64jährige Buchbinder Otto Barth zum Fenster, beugt sich aber zu weit hin aus und stürzte hinab. Den bei dem Sturz erlittenen Verletzungen ist er kurz darauf erlegen. Barth war an Luftröhrenverengung erkrankt. * Recklinghausen, 26. Juni.(Die Gewerbegerichtswahl) endigte mit dem Siege der christlichnationalen Liste. Diese vereinigten auf ihre Kandida ten 270 Stimmen, während die sozialdemokratischen Gewerkschaften 104 Stimmen erhielten. Elberfeld, 26. Juni.(Die Verhaftungen) wegen Vergehens aus den Paragraphen 218 und 219 Str.=G.1B. nehmen noch immer kein Ende. Neuerdings wurden deswegen drei Frauen und ein Mann festgenommen. Die Zahl aller bis jetzt festgenommener Personen beläuft sich auf 24. Weitere Nachforschungen sind im Gange. Velbert, 26. Juni. Im benachbarten Orte Hefel sind zwei dem Arbeiterstande angehörige Personen beim Baden ertrunken. Der eine, des Schwimmens nnkundig, zog seinen Kameraden mit in die Tiefe. Die Leichen wurden bereits gelandet. * Sterkrade, 26. Juni.(Eine Bluttat) hat sich gestern am späten Nachmittag auf der sogenannten „schwarzen Heide“ hier zugetragen. Bei einer Kneiperei kam es zwischen 6—8 jungn Burschen zu Streitigkeiten, die zu Tätlichkeiten ausarteten Hierbei griffen die beiden Bergleute Laubroch und Schmidthüsen zu ihren Revolvern und schossen rücksichtslos in den Menschenknäuel hinein. Ein 8jähriger Junge sowie ein älterer verheirateter Mann wurden beide von einem Schuß in den Leib schwer verletzt, sodaß sie Gute Bücher und Schriften übee Licht-, Aultrn 5 II R-kP19. von anerkannten Autoren sind stets vorrätig bei CARL BRAUS * Buch-, Kunst- und Schreibwarenhandlung. 2283 Gr. Marktstr. 3—5. Meine anerkannt feinste Tupral, kn s 1.25 Mk. p. Pfand empfiehlt Cart Arog. sofort dem Krankenhause zugeführt werden mußten. Der Knabe ist bereits gestorben. Die Täter wurden durch die herbeigeeilten Polizeibeamten verhaftet und nach heftiger Gegenwehr abgeführt. * Sterkrade, 23. Juni. Das eineinhalb Jahre alte Kind des Bergmanns von Buschhausen ist an der Genickstarre erkrankt und dem Krankenhause zu Schmidthorst üüberwiesen worden. Preußens reichste Städte. Nach den soeben bekannt gegebenen neuesten Ergebnissen der Einkommen= und Ergänzungssteuerveranlagung ist die Frage, welche Städte in Preußen die reichsten sind,folgendermaßen zu beantworten: Nimmt man den Begriff„Reichtum“ absolut, also als die größte Sammlung von wirtschaftlichen Gütern in einer Stadt, so steht zweifellos Berlin an der ersten Stelle. Und diesen Platz wird es wohl auch noch manches Jahrzehnt lang behaupten; es sei denn, daß die Abwanderung der reichen Leute Berlins in die Vororte einen ganz ungewöhnlichen, einstweilen nicht vorauszusehenden Umfang annehmen sollte. Nimmt man aber den Begriff„Reichtum“ velativ, fragt man, wo im Durchschnitt auf jeden einzelnen Einwohner der größte Reichtum kommt, so steht Berlin weit zurück, und einige rheinische Städte, sowie das Berlin benachbarte Charlottenburg nehmen da die ersten Plätze ein. Frankfurt am Main, Wiesbaden und Bonn sind, nachdem die Miqnelsche Steuerreform darüber Aufschuß gibt, neben Charlottenburg die reichsten Städte. Charlottenburg verdankt seinen plutokratischen Ruhm ausschließlich seinem Zusammenhange mit Berlin. Frankfurt am Main war von jeher eine reiche Stadt und Jahrhunderte lang der erste Bankplatz Deutschlands. Wiesbaden und Bonn endlich haben ihren Ruhm, unter ihrer Bevölkerung die velativ reichsten Leute im Staate zu zählen, den Reizen, mit denen Mutter Natur sie geschmückt hat, zuzuschreiben. Bei Wiesbaden kommt als Millionär und Millionärinnen anziehende Kraft der Heilquell, bei Bonn die feudale Hochschule hinzu. Während in Berlin auf je 10000 Einwohner nach den jüngsten Statistik der Ergänzungssteuer=Veranlagung nur 6,7 Millionäre entfallen, beträgt diese Ziffer bei Bonn 12,3, bei Charlottenburg 17,8, bei Frankfurt am Main 17,9 und bei Wiesbaden 20,7. Die uralte, schon von den Römern bevorzugte Bäderstadt ist diejenige Stadt in Preußen, die verhältnismäßig die meisten Millionäre beherbergt. Es sind ihrer nach der letzten Veranlagung nicht weniger als 208 gegen 118 vor zehn Jahren. In Wiesbaden hat sich also die Zahl der„schätzbaren“ und„geschätzten“ Mitbürger in einem Jahrzehnt fast verdoppelt. Das ist, sowohl relativ als absolut genommen, ungemein viel. Das gewerbreiche und ebenfalls wohlhabende Düsseldorf, das mehr als noch einmal so viel Bewohner wie Wiesbaden hat, besitzt nur 193 Millionäre. Scheidet man aber die Millionäre in zwei Klassen, in solche, die ein Vermögen von„nur“ ein bis zwei Millionen Mark, und in solche, die ein Vermögen von über zwei Millionen Mark besitzen, oder burz gesprochen, teilt man die Mil lionäre in Mark= und Talermillinäre, so verblaßt der Ruhm Wiesbadens als reichste Stadt ein wenig. Un ter seinen 208 Millionären sind mur 60 Talermillionä re während in Düsseldorf auf 193 Millionäre 72, in Charlottenburg auf 381 Millionäre 106, in Frankfurt auf 1308 Millionäre 535 Talermillionäre kommen. Zehnfache Talermillionäre, das heißt Mitbürger, die ein Vermögen von 30 Millionen Mark und darüber besitzen, gibt es nach den letzten Feststellungen in ganz Preußen 23. Vermischtes. Allenstein, 26. Juni. Die„Allensteiner Ztg.“ meldet, daß in dem zur Kaserne des 79. Artillerie=Regi ments gehörenden Fahrzeughause gestern gegen A bend aus bisher unaufgeklärter Ursache die Explosion mehrerer Artilleriegeschosse erfolgte. Zwei Artilleristen wurden schwer, ein Unteroffizier und ein von ihm begleiteter Arrestant, die an dem Schuppen vorbeigingen, leicht verletzt. Breslau, 26. Juni. Die„Breslauer Ztg.“ meldet, daß in dem bei Krenzburg gelegenen Orte Bankau heute früh der Gastwirt Karau und seine Frau ermordet wurden; es liegt Raubmord vor. Die Räuber, die noch unbekannt sind, rechneten offenbar auf einen größeren Geldbetrag, da in dem Gasthause gestern eine silberne Hochzeit gefeiert wurde. * Karlsruhe, 25. Juni.(Ein großer Studentenulk) wurde von den„Teutonen“ ausg. führt. Eines ihrer Mitglieder war wegen Kartelltra gens zu drei Tagen Festung verurteilt, die in Rastatt abzubummen sind, obwohl es keine Festung mehr ist. Im großen Aufzug wurde der Sünder auf einem Lastwagen zur Bahn gebracht, und zwar in einer Latten kiste, die als Eilgut nach Rastatt bezeichnet war. Als der Zug die Kaiserstraße herab kam, gesellte sich die wirkliche Schutzmannschaft zu ihm und führte die ganze Gesellschaft zum Protokoll auf Bezirksamt, wo auch die provisorische Behausung des Festungsgefangenen abgeliefert werden mußte. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte Altbewährte NahrungE für Kinder, Kranke, Genesende. Verhütet ulbeseitigf- Diarrhge, Brechdurchfall, Darmkafarrh. erstklassig, direkt I, von der Fabrik an Private u. 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